»Sie ist wärmer«, so sagte ich, »Als Diana: sie schwärmt durch ein Meer Von Seufzern -- ein Seufzermeer; Sie sah es: die Träne wich Von diesen Wangen nicht mehr, Und vorbei am Löwenbild strich Als Lenker zu Himmeln sie her, Als Leiter zu Lethe sie her; Trotz des Löwen getraute sie sich, Uns zu leuchten so hell und so hehr -- Durch sein Lager hindurch wagte sich Ihre Liebe, so licht und so hehr.« Doch Psyche hob warnend die Hand: »Fürwahr, ich mißtraue dem Schein Dieses Sterns -- seinem bleichen Schein. O fliehe! o halte nicht stand! Laß uns fliegen -- denn, o! es muß sein!« Sprach's entsetzt, und es sanken gebannt Ihre Schwingen in schluchzender Pein -- Ihre Schwingen schleiften gebannt Die Federn in Staub und Stein -- Voll Kummer in Staub und Stein. Ich erwiderte: »Traum ist dies Grauen! Laß uns weiter in Lichtes Pracht -- Laß uns baden in seiner Pracht! Es läßt mich die Hoffnung erschauen In kristallener Schönheit heut nacht -- Sieh! es flackert gen Himmel durch Nacht! O! man darf seinem Schimmern vertrauen, Es führt uns mit weisem Bedacht -- O! man muß seinem Schimmern vertrauen, Es lenkt uns mit treuem Bedacht, Da es flackert gen Himmel durch Nacht!« Ich beruhigte Psyche und gab Ihr Küsse und lockte sie vor -- Aus Bedenken und Dunkel hervor; Und wir schritten den Baumgang hinab, Bis am Ende uns anhielt das Tor Einer Gruft -- ein märchenhaft Grab. »Schwester,« sprach ich, »was schrieb man aufs Grab -- An das Tor von dem Wundertume?« »Ulalume!« sprach sie; »in dem Grab Ruht verloren für dich Ulalume!« Und mein Herz wurde düster umwoben, Wurde dürr wie der Bäume Zier; -- Wurde welk wie der Bäume Zier; Und ich schrie: »Es war sicher Oktober In der -nämlichen- Nacht, da ich hier Im Vorjahr gewandert -- und hier Eine Last hertrug, fürchterlich mir! Diese Nacht aller Jahrnächte mir, Welcher Dämon verführte mich hier? Gut kenn' ich den See jetzt von Auber -- Diese nebligen Gründe von Weir -- Gut kenn' ich den Dunstsumpf von Auber -- Dieses spukhafte Waldland von Weir.« DIE GLOCKEN I. Hört der Schlittenglocken Klang -- Silberklang! Welche Welt von Lustigkeit verheißt ihr heller Sang! Wie sie klingen, klingen, klingen In die Nacht voll Schnee und Eis, Während sprüh die Sterne springen, Zwinkernd sich zum Reigen schlingen Im kristallnen Himmelskreis: Halten Schritt, Schritt, Schritt, Tanzen Runenrhythmen mit Zu der kleinen klaren Glocken süßem Singesang, Zu dem Klang, Klang, Klang, Klang, Klang, Klang, Klang -- Zu dem Singen und dem Schwingen in dem Klang. II. Hört der Hochzeitsglocken Klang -- Goldnen Klang! Welche Welt von Seligkeit verheißt ihr voller Sang! Wie ihr Läuten lauter lacht Durch den Balsamduft der Nacht! Aus dem holden goldnen Schwall, Wie altgewohnt, Fliegen leicht die Töne all Hin zur Turteltaube, die beim frohen Schall Schielt zum Mond. O wie schwillt im Überschwang Ein Guß von hohem Feierklang so voll die Nacht entlang! Hochgesang -- Hoffnungssang Auf der Zukunft heitern Gang! Freude treibt zu schnellerm Drang Dieses Ringen und das Schwingen In dem Klang, Klang, Klang -- In dem Klang, Klang, Klang, Klang, Klang, Klang, Klang -- Dieses Quellen und das Schwellen in dem Klang. III. Hört der Feuerglocken Klang -- Bronznen Klang! Welch ein Aufruhr stürmt daraus so schreckenvoll und bang! Wie ihr Schreien Schreck entfacht In durchbebter Luft der Nacht! Zu entsetzt, um klar zu sein, Können sie nur schrein, nur schrein, Ohne Takt Rufen sie in lautem Lärmen um Erbarmen an das Feuer, Zanken in verrücktem Toben mit dem tollen tauben Feuer. Höher, höher, ungeheuer Springt verlangend auf das Feuer; In verzweifeltem Bemühn, Bis zum Mond emporzusprühn, Sind die Flammen steilgezackt. O, der Klang, Klang, Klang! Wie er grauenvoll und bang Alles schreckt! Wie er schauert, schallt und braust, Daß den Lüften bangt und graust, Wie er aller Orten lähmendes Entsetzen weckt! Dennoch hört das Ohr sie gut Durch das Schallen Und das Hallen: Ebbe der Gefahr und Flut; Dennoch nimmt das Ohr es wahr Durch das Zanken Und das Schwanken: Flutet oder ebbt Gefahr -- Durch das Stocken und das Schwellen in dem schnellen Glockenklang, In dem Klang -- In dem Klang, Klang, Klang, Klang, Klang, Klang, Klang -- Durch das Härmen und das Lärmen in dem Klang. IV. Hört der Eisenglocken Klang -- Eisenklang! Welche Welt von Trauer trägt ihr monotoner Sang! In der Grabesruh der Nacht Wie er uns erschauern macht Durch das Trauern und das Drohen in dem Ton! Denn die Klänge, die entrollen Rostigen Glockenkehlen, tollen Grollend fort. O, die Wesen, die dort oben In dem Glockenturme toben -- Einsam dort Mit den monotonen Glocken -- Die da tollen, tollen, tollen, Voll verschleiertem Frohlocken Einen Stein aufs Herz uns rollen -- Leichenfressende Dämonen Sind's, die in den Glocken wohnen, All im Sold Ihres Königs, der da tollt, Der da rollt, rollt, rollt, Rollt Triumph aus Glockenklang! Und sein Busen schwillt im Drang Des Triumphs aus Glockenklang. Johlend tanzt er zu dem Sang; Haltend Schritt, Schritt, Schritt Tanzt er Runenrhythmen mit Zum Triumph aus Glockenklang, Glockenklang. Haltend Schritt, Schritt, Schritt Tanzt er Runenrhythmen mit Zu dem Dröhnen in dem Klang, In dem Klang, Klang, Klang -- Zu dem Stöhnen in dem Klang. Haltend Schritt, Schritt, Schritt An der Totenglocke Strang Tanzt er Runenrhythmen mit Zu dem Tollen in dem Klang, In dem Klang, Klang, Klang, Zu dem Rollen in dem Klang, In dem Klang, Klang, Klang, Klang, Klang, Klang, Klang -- Zu dem Trauern und dem Schauern in dem Klang. TAMERLAN Tröstlicher Sang für Mußestunden -- Das, Vater, ist mein Thema nicht. Ich weiß, ich werde nie entbunden Von mehr als irdischen Hochmuts Sünde Durch Erdenmacht für Sehnsucht finde Ich nicht die Zeit, für Träumen nicht. Man nennt sie Hoffen -- jene Glut! Nichts ist sie als Begehrens Wut! -Könnte- ich hoffen -- Gott! ja, dann Hieß ich nicht Narr dich, alter Mann. Begreifst du eines Geistes Scham, Der tief gebeugt nach höchstem Flug? O schmachtend Herz! von dir bekam Dein Welken ich mit all dem Trug Von Ruhmbegier, den heißen Glanz, Um meinen Thron den Strahlenkranz, Der Hölle Heiligenschein! und Not, Die nicht in Hölle heißer loht. O drängend Herz, das nach der Wonne Verlorner Blumen, nach der Sonne Der alten Sommerstunden schreit! -- Die ewige Glocke jener Zeit, Die starb, sie singt nun ohne Enden Eintönig, wie von Zauberhänden Geläutet, deiner Nichtigkeit Ein unsterbliches Grabgeläut. Ich war nicht immer so wie jetzt: Dies Diadem, das fiebrisch hetzt, Krönt eines Usurpators Gier. Gab gleiche feurige Erbschaft nicht Dem Cäsar Rom -- wie dieses mir? Das Erbe königlicher Kraft Und stolzer Mut und Zuversicht, Die alles Menschliche errafft! Auf Bergeserde ward ich Leben. Nachtnebel gossen ihren Tau Aufs Haupt mir aus dem dunklen Grau; Ich glaube, daß der Lüfte Weben, Zu ungestümem Sturm erregt, Durch dies mein eignes Haar gefegt. So spät vom Himmel -- Tau -- er fiel (In Träumen unheiliger Nacht) Auf mich herab wie Höllenspiel; Und Flammen, glühendrot entfacht Aus Wolken, die gleich Bannern hingen, Erschienen halbgeschloßnem Blick Als Prunk von Herrschermacht und Glück; Und des Trompeten-Donners Klingen Umbrauste mich wie Wirbelwind Und sprach von Menschenschlacht, darinnen Die -meine- Stimme -- dummes Kind! -- (Was würde ich vor Lust beginnen Bei solchem Schrei -- erlebt' ich dies!) Schlachtruf des Sieges schallen ließ. Der Regen kam herab auf mein Schutzloses Haupt, und schwerer Wind Machte mich toll und taub und blind: Es mochten wohl nur Menschen sein, Die Lorbeer auf mich niederwarfen, So dachte ich; der Sturm der scharfen Eisigen Luft hat in mein Ohr Hineingegurgelt das Zertrümmern Von Kaiserreichen -- mit dem Wimmern Gefangener Feinde -- Stimmenchor Des Trosses und den Schmeichelton Ringsher um eines Herrschers Thron. Meine Gier, seit jenen Unglücksstunden, Ward Tyrannei, die ich erstrebte; Man hielt sie, seit ich Macht gefunden, Für meines Innern Grundgebot. Nun sei's! Doch, Vater, einer lebte, Der damals -- da ich jung und sie In stärkerm Feuer noch geloht (Denn Leidenschaften sterben früh) -- Der -damals- selbst gewußt, daß, ach, Dies eisern Herz in Liebe schwach. Mir fehlen Worte, um zu sagen, Wie gutes Lieben Freude flicht! Noch würde ich zu zeichnen wagen Ein mehr als schönes Angesicht, Des Züge meinem Geiste sind -- Schatten im unbeständigen Wind: Gleich wie mein Aug', mein zögernd mattes, Die Lettern irgendeines Blattes Und alle Wissenschaft darin Zu Phantasien ohne Sinn Oft schmelzen sah -- zu Nichts dahin. O, sie war all der Liebe wert! Und so der Kindheit Liebe war, Daß Engel neidvoll sie begehrt; Ihr junges Herz war der Altar, Auf dem als Weihrauch lag mein Hoffen Und Denken -- damals gute Gaben, Denn kindlich waren sie und offen; Ihr Beispiel strahlte rein dem Knaben. O, warum mußte ich's verlassen, Um im Vertrauen auf das Feuer, Das innen brannte ungeheuer, Verwegen nach dem Licht zu fassen? Wir wuchsen liebend auf -- zusammen -- Durch Wildnis streifend wie das Wild; In Frostzeit meine Brust ihr Schild, Ihr Schild im frohen Sommerflammen. Sie sah wohl lächelnd himmelwärts, -Mein- Himmel war ihr Aug' allein. Der Liebe Lehrer ist -- das Herz: Wenn mitten in dem Sonnenschein Und jenem Lächeln -- nicht etwa, Um kleine Sorgen wett zu machen Noch über Schelmerei zu lachen -- Wenn mittendrin es wohl geschah, Daß ich mich warf an ihre Brust Und daß, des Grundes kaum bewußt, Mein Geist in Tränengüssen bangte, Da tat's nicht not, mich zu bekennen, Ihr tröstend meinen Schmerz zu nennen -- Sie, die nach keinem Grund verlangte, Ließ, ohne Ängste kund zu tun, Ihr ruhiges Auge auf mir ruhn. Dennoch war -mehr- denn Liebe wert Mein Geist, er rang in wildem Weh, Da ihn -- allein auf Bergeshöh -- Der Ehrgeiz neuen Ton gelehrt; Ich lebte einzig nur in dir: Die Welt und alles, was sie hier In Erde, Luft und Meer umfaßt -- All ihre Lust -- all ihre Last -- Gab neue Freude; ideale Traumnächtig dunkle Nichtigkeiten -- Dunklere Nichtse, doch reale (Schatten -- und schattenhafteres Gleiten Von Licht) auf Nebelschwingen kamen Und wurden also, wirr vereint, Dein Bildnis und -- ein Name -- Name! Zwei Dinge, fremd -- doch eng vereint! Ehrsüchtig, Vater, war dein Sohn. Kanntest du Leidenschaft? -- Nein -- nein! Ein Ärmster sann ich einen Thron Der halben Welt als mein -- als mein -- Noch grollend über niedres Los. Und doch, es waren Träume bloß, Die mit dem Dampf des Taus verflogen Gleich jedem andern Traum, vom Strahl Der Schönheit lieblich angezogen, Der meinem Geist das Dunkel stahl. Wir schritten beide auf der Krone Weit hohen Bergs, der niederschaute Auf stolz getürmte Felsenthrone -- Auf Wald, der Höhen überbaute -- Auf Hügel, die sich talwärts senkten Und tausend Quellen Leben schenkten. Ich sprach zu ihr von Ruhm und Macht, Geheimnisvoll, als sollte dies Gerede zu nichts anderm taugen Als nur zum Spiel; in ihren Augen Las ich, vielleicht zu unbedacht, Ein Fühlen, das Verstehen hieß. Ihr klar Erröten schien zu schön Zu kleiden königliche Höhn, Als daß es immerfort allein Licht in der Wildnis sollte sein. Dann hüllte ich mich selbst in Glanz Mit eingebildeter Krone auf -- Nicht war's, daß Phantasie allein Mich hold geschmückt mit ihrem Kranz, Nein, daß im großen Menschenhauf Der Löwe Ehrsucht lahm und klein Sich duckt vor eines Wächters Hand. Doch nicht in Wüsten, wo der Starke, Der Wilde schwört, mit ihrem Marke Zu schüren seines Feuers Brand! Blick um dich jetzt auf Samarkand! Ist sie nicht Königin der Erde? Sind alle Städte mehr denn Herde Vor ihrer hohen Herrscherhand? Steht sie erhaben nicht, allein, Im Glanz, den je die Welt gekannt? Fiel sie -- könnt' nicht ihr ärmster Stein Der Sockel eines Thrones sein? -- Und wer ihr Herrscher? -- -Timur- -- er, Den das erstaunte Volk allda -- Gekrönten Räuber! -- stolz und hehr Hin über Reiche schreiten sah! O Menschenliebe! Ausgegossen Als Geist von allem, was erschlossen Uns zeigen mag die Himmelswelt! Die du, wie Regen frisch bestellt Schirokko-dürres Sommerfeld, Die Seele segnend tränkst und näßt Und doch das Herz in Wildnis läßt! Begriff, der alles rings, das lebt, Mit seltsamer Musik umschwebt Und wunderlicher Prachtgebärde -- Lebwohl! denn ich gewann die Erde. Als Adler Hoffnung hoch im Flug Gen Himmel nichts mehr höher sah, Besänftigt wandte er sich da, Daß seine Schwinge heimwärts schlug. War Sonnenuntergang: wenn weit Die Sonne sinkt, kommt Düsterkeit Ins Herz ihm, der noch gern erblickte Den Glanz, den Sommersonne schickte. Er wird den Duft des Abends hassen, Wird lauschend vor dem Klang erblassen Der Nacht (den Lauschern offenbar) Als einer, der in Traumesbann Entfliegen -möchte-, doch nicht -kann-, Vor einer nahenden Gefahr. Wenn Mond, der weiße Mond, auch ganz Ausschüttet seines Mittags Glanz, -Sein- frostig Lächeln, -sein- Geleit Scheint jener Zeit der Düsterkeit Ein Bild aus Tagen nach dem Tod. Jugend ist eine Sommersonne, Die nichts uns läßt von Wert und Wonne, Wenn sie verschwand, nur Nichts und Not. Denn alles Wissen, dem wir lebten, Ward uns; was wir zu halten strebten, Entfloh; so laß das Erdenwallen Mit seiner Mittagsschönheit fallen, Die alles ist. -- Ich eilte her Zu meinem Heim -- mein Heim nicht mehr -- Denn was es je dazu gemacht, War fort; trat ich auch sanft und sacht Durch seine moosige Tür, es drang Vom Schwellenstein der Stimme Klang Von einer, die ich einst gekannt. Ich leugne, Hölle, daß dein Brand Mehr Demut brennt als nun mein Herz, Mehr Wehmut kennt als nun mein Schmerz! Vater, ich glaube fest -- ich -weiß- -- Denn Tod, der kommt aus Segensferne, Die ohne trügerisches Hoffen, Er ließ sein eisern Tor weit offen, Und strahlend glühn der Wahrheit Sterne Durch Ewigkeit und flammen heiß -- Ich glaube, einen Fallstrick hat Satan auf jedem Menschenpfad; Denn wie sonst konnte dieses sein: Als ich gelebt im heiligen Hain Der Göttin Liebe, die so rein Alltäglich salbt die schneeige Schwinge Im Weihrauch frommer Opferbrände Und andrer unbefleckten Dinge, Im Haine, dessen Dach und Wände, Wo Lücken läßt das Laubgewind, Mit Strahlen eng vergittert sind, Durch die kein Stäubchen, keine Mücke, Ausweichend ihrem Adlerblicke, Eindringen kann -- wie sonst denn war Dies möglich, daß nicht wahrnehmbar Die Ehrsucht dort ins Glück gedrungen, Bis dreister sie emporgesprungen Hohnlachend in der Liebe Haar? DAS KOLOSSEUM Urbild des alten Rom! Reliquienschrein Für Schaun und hohen Traum, den in die Zeit Jahrhunderte von Pracht und Macht gestellt! Nun endlich -- endlich -- nach so vielen Tagen Von Wandermüdigkeit und gierem Durst (Von Durst zum Quell des Wissens, den du birgst) Ein andrer und demütiger kniee ich In deinem Schatten nun und trinke ein Dein ragend Düster, deinen Glanz und Ruhm. Unendlichkeit und Öde! Schwermut, Schweigen! Uralter Zeit Erinnern -- düstere Nacht! Ich fühl euch jetzt -- fühl eure ganze Wucht -- O Zauber, stärker als Judäas König Voreinst gelehrt im Berg Gethsemane! O Wunder, machtvoller als der Chaldäer Jemals verzückt aus stillen Sternen zog! Hier, wo ein Held einst stürzte, stürzt die Säule. Hier, wo ein goldner toter Adler glänzte, Hält mitternächtig Wacht die Fledermaus. Hier, wo der Damen Roms vergoldet Haar Im Winde wehte, wogt nun Ried und Distel. Hier, wo auf goldnem Thron der Herrscher lehnte, Schlüpft geisterhaft aus ihrem Marmorhaus, Vom Schein des zwiegehörnten Monds beleuchtet, Die flinke Echse schweigend über Steine. Doch halt! Die Mauern -- diese Bogengänge, Hochauf von altem Efeu eingekleidet, Die schwarzen bröckeligen Säulensockel Und düstern Schäfte, dunklen Kapitäle, Zerfallenden und fast verblaßten Friese, Zersprungnen Kranzgebälke -- dieses Wrack -- All diese Steine -- ach, die grauen Steine -- Sind sie denn alles, was der Zahn der Zeit Von all dem Ruhm und ungeheuren Glanz Für mich und für das Schicksal übrig ließ? »Nicht alles --« geben mir die Echos Antwort -- »Nicht alles, nein! Prophetische Klänge steigen -- Und laute Klänge -- ewig von uns auf, Von allen Trümmern zu den Weisen auf, Wie Melodie von Memnon steigt zur Sonne. Wir leiten alle riesenhaften Geister! In unumschränkter Macht beherrschen wir Mit unserm Schwung die Herzen aller Großen. Wir sind nicht leblos -- wir erblichnen Steine. Nicht alle Macht ist hin -- nicht aller Ruhm -- Nicht aller Zauber unsres hohen Rufes -- Nicht all das Wunder, das uns rund umfaßt -- Nicht all Geheimnis, das in uns verborgen -- Nicht all Erinnern, das wie ein Gewand Uns rund umhängt und überall bedeckt Und das uns hüllt in mehr als Herrlichkeit!« DIE STADT IM MEER Weh! wunderliche einsame Stadt, Drin Tod seinen Thron errichtet hat, Tief unter des Westens düsterer Glut, Wo Sünde bei Güte, wo Schlecht bei Gut In letzter ewiger Ruhe ruht. An Schlössern, Altären und Türmen hat (Zerfreßnen Türmen, die nicht beben!) Nichts Gleiches eine unsrige Stadt. Von Winden vergessen, die wühlen und heben, Stehn unterm Himmel die Wasser ringsum, Schwermütige Wasser, ergeben und stumm. Kein Strahlen vom Himmel kommt herab Auf jener Stadt langnächtiges Grab. Doch steigt ein Licht aus dem Meer herauf, Strömt schweigend an kühnen Zinnen hinauf, Hinauf an Türmen bis zum Knauf, Hinauf an Palästen, an Zitadellen, An Tempeln hinauf und an Babylonwällen, Hinauf an vergessenen Laubengängen Mit eingemeißelten Fruchtgehängen, Hinauf an manchem Opferstein, Auf dessen Friesen zu engem Verein Verflochten Viola, Violen und Wein. Stehn unterm Himmel die Wasser ringsum, Schwermütige Wasser, ergeben und stumm. Die Mauern und Schatten wie Nebelduft -- Es scheint, als hänge alles in Luft. Vom Turm, der herrschend ragt und droht, Schaut riesenhaft herab der Tod. Geöffnete Tempel und Totengrüfte Gähnen auf leuchtende Meeresschlüfte. Doch nicht die blitzenden Juwelen In goldner Götzen Augenhöhlen Und nicht der reiche Tod verführen Die starren Wasser, sich zu rühren: Kein kleinstes Wellchen kommt in Gang Die gläserne Einöde entlang, Kein Kräuseln erinnert, daß weniger leer Von Wind ist irgendein anderes Meer, Nichts sagt, daß je ein Wehen war Auf Meeren, die weniger grauenhaft klar. Doch, o -- es regt sich leis wie Wind! Ein Wellen durch das Wasser rinnt -- Als ob die Türme im sachten Sinken Die Flut verschöben zur Rechten und Linken -- Als ob schon die Spitzen inmitten des blassen Himmels Lücken zurückgelassen. Ein roteres Glimmen steigt heran -- Die Stunden halten den Atem an -- Und wenn die Stadt hinab, hinab Von hinnen sinkt mit unirdischem Stöhnen, Wird ihr von eintausend Thronen herab Der Gruß der Hölle tönen. » « , , 1 » : 2 - - ; 3 : 4 , 5 6 , 7 ; 8 , 9 - - 10 11 , . « 12 13 : 14 » , 15 - - . 16 ! ! 17 - - , ! ! « 18 ' , 19 - - 20 21 - - 22 . 23 24 : » ! 25 - - 26 ! 27 28 - - 29 ! ! 30 ! , 31 - - 32 ! , 33 , 34 ! « 35 36 37 - - 38 ; 39 , 40 41 - - . 42 » , « , » - - 43 ? « 44 » ! « ; » 45 ! « 46 47 , 48 ; - - 49 ; 50 : » 51 - - , 52 - - 53 , ! 54 , 55 ? 56 ' - - 57 - - 58 ' - - 59 . « 60 61 62 63 64 65 66 67 . 68 69 - - 70 ! 71 ! 72 , , 73 , 74 , 75 76 : 77 , , , 78 79 , 80 , , , , 81 , , - - 82 . 83 84 85 . 86 87 - - 88 ! 89 ! 90 91 ! 92 , 93 , 94 95 , 96 . 97 98 ! 99 - - 100 101 ! 102 103 104 , , - - 105 , , , , 106 , , - - 107 . 108 109 110 . 111 112 - - 113 ! 114 ! 115 116 ! 117 , , 118 , , 119 120 , 121 . 122 , , 123 ; 124 , 125 , 126 . 127 , , , ! 128 129 ! 130 , , 131 , 132 ! 133 134 135 : 136 ; 137 138 139 : 140 - - 141 142 , 143 - - 144 , , , , 145 , , - - 146 . 147 148 149 . 150 151 - - 152 ! 153 ! 154 155 156 ! 157 , 158 , 159 . 160 , , 161 - - 162 163 - - 164 , , , 165 166 - - 167 168 ' , , 169 170 , , 171 , , , 172 173 ! 174 175 . 176 ; 177 , , 178 179 , 180 . 181 , , 182 183 , 184 , , - - 185 . 186 , , 187 188 189 , 190 , , , 191 , 192 , , , , 193 , , - - 194 . 195 196 197 198 199 200 201 202 - - 203 , , . 204 , 205 206 207 , . 208 - - ! 209 ! 210 - - - - ! , 211 , . 212 213 , 214 ? 215 ! 216 217 , , 218 , 219 ! , 220 . 221 , 222 , 223 ! - - 224 , 225 , 226 , 227 , 228 . 229 230 : 231 , , 232 . 233 234 - - ? 235 236 , 237 ! 238 239 . 240 241 ; 242 , , 243 , 244 . 245 246 - - - - 247 ( ) 248 ; 249 , 250 , , 251 252 ; 253 - 254 255 , 256 - - - - ! - - 257 ( 258 - - ' ! ) 259 . 260 261 262 , 263 : 264 , 265 , 266 ; 267 268 269 - - 270 - - 271 272 . 273 274 , , 275 , ; 276 , , 277 . 278 ' ! , , , 279 - - 280 281 ( ) - - 282 - - , , , 283 . 284 285 , , 286 ! 287 288 , 289 - - 290 : 291 ' , , 292 293 294 295 - - . 296 297 , ! 298 , 299 ; 300 , 301 302 - - , 303 ; 304 . 305 , ' , 306 , 307 , 308 ? 309 310 - - - - 311 ; 312 , 313 . 314 , 315 - - ' . 316 - - : 317 318 - - , 319 320 - - 321 , 322 323 , , 324 , 325 ' , , 326 - - 327 , , 328 , , 329 . 330 331 - - 332 , , 333 - - - - 334 ; 335 : 336 , 337 , - - 338 - - - - 339 ; 340 - - 341 , 342 ( - - 343 ) 344 , , 345 - - - - ! 346 , - - ! 347 348 , , . 349 ? - - - - ! 350 351 - - - - 352 . 353 , , 354 355 , 356 , 357 . 358 359 360 , 361 - - 362 , - - 363 , 364 . 365 366 , 367 , 368 369 ; 370 , , 371 , . 372 373 , 374 375 . 376 377 378 - - 379 ' , 380 , 381 , 382 383 . 384 , , 385 , 386 ! 387 388 ! 389 ? 390 391 ? 392 , , 393 , ? 394 - - ' 395 ? - - 396 ? - - - - - - , 397 398 - - ! - - 399 ! 400 401 ! 402 , 403 ! 404 , 405 - , 406 407 ! 408 , , , 409 410 - - 411 ! . 412 413 414 , 415 , 416 . 417 : 418 , 419 , 420 , . 421 , 422 423 ( ) 424 , 425 - - , - - , 426 . 427 428 , , 429 , 430 - - , - - 431 432 . 433 , 434 , 435 , . 436 , , 437 ; , 438 ; 439 , 440 . - - 441 - - - - 442 , 443 ; 444 , 445 446 , . 447 , , 448 , 449 ! 450 451 , - - - - - - 452 , , 453 , 454 , 455 456 - - 457 , 458 ; 459 : 460 461 , 462 463 464 , 465 , , 466 , 467 , 468 , , 469 , 470 - - 471 , 472 , 473 474 ? 475 476 477 478 479 480 481 482 ! 483 , 484 ! 485 - - - - 486 487 ( , ) 488 489 490 , . 491 492 ! , ! 493 - - ! 494 - - - - 495 , 496 ! 497 , 498 ! 499 500 , , . 501 , , 502 . 503 , 504 , . 505 , , 506 , 507 , 508 . 509 510 ! - - , 511 , 512 513 , , 514 , 515 - - - - 516 - - , - - 517 , 518 519 ? 520 521 » - - « - - 522 » , ! - - 523 - - , 524 , 525 . 526 ! 527 528 . 529 530 - - . 531 - - - - 532 - - 533 , - - 534 , - - 535 , 536 537 ! « 538 539 540 541 542 543 544 545 ! , 546 , 547 , 548 , 549 . 550 , 551 ( , ! ) 552 . 553 , , 554 , 555 , . 556 557 558 . 559 , 560 , 561 , 562 , , 563 , 564 565 , 566 , 567 568 , . 569 570 , 571 , . 572 - - 573 , . 574 , , 575 . 576 577 578 . 579 580 581 582 , : 583 584 , 585 , 586 , 587 , 588 , . 589 590 , - - ! 591 - - 592 593 - - 594 595 . 596 - - 597 - - 598 , 599 , 600 601 . 602