Welt würde mehr Teilnahme eingeflößt haben, als Hippolyt Schinner, wenn
er sich dazu hätte verstehen können, sich zu erkennen zu geben; allein
er offenbarte nicht gern die Geheimnisse seines Lebens.
Er war der Abgott einer armen Mutter, die sich selbst die härtesten
Entbehrungen aufgelegt hatte, um ihn erziehen zu können. Jungfer
Schinner, die Tochter eines Bauern im Elsaß, war nie verheiratet
gewesen. Ihr empfindsames Herz war grausam geknickt durch einen reichen
Mann, der in der Liebe nicht sehr zartfühlend war. Der Tag, an dem sie
als junges Mädchen und in dem ganzen Glanze ihrer Schönheit auf Kosten
ihres Herzens und ihrer schönsten Illusion jene Entzauberung erlitt,
die uns so langsam erreicht und doch auch so schnell, da wir stets erst
so spät als möglich an das Böse glauben wollen, wie uns das Böse immer
noch zu schnell zu kommen scheint, jener Tag war demnach für sie ein
ganzes Jahrhundert des Nachdenkens, sowie zugleich der Tag der frommen
Gedanken und der Entsagung. Sie verschmähte die Almosen dessen, der sie
betrogen hatte, entsagte der Welt und machte sich einen Ruhm aus ihrem
Fehltritt. Sie widmete sich ganz und gar nur der mütterlichen Liebe und
verlangte von dieser, während sie allen weltlichen Genüssen entsagte,
die geheimen Wonnen eines ruhigen und ungekannten Lebens. Sie lebte von
ihrer Arbeit und häufte sich einen Schatz auf in ihrem Sohne. Ein Tag,
eine Stunde vergalt ihr daher später die langen und langsamen Opfer
ihrer Armut. Bei der letzten Ausstellung hatte ihr Sohn, Hippolyt
Schinner, das Kreuz der Ehrenlegion erhalten, und die Zeitungen, die
einmütig das unbekannte Talent feierten, ergingen sich noch immer in
aufrichtigen Lobsprüchen. Die Künstler selbst erkannten in Schinner
einen Meister, und seine Gemälde wurden mit Gold aufgewogen. In seinem
fünfundzwanzigsten Jahre hatte Hippolyt Schinner, dem seine Mutter eine
weibliche Seele, eine große Zartheit der Organe und unendliche
Reichtümer des Herzens vererbt hatte, besser denn je seine Stellung in
der Welt erkannt. Er wollte seiner Mutter alle die Freuden erstatten,
deren sie so lange Zeit entbehrte, lebte daher nur für sie und hoffte,
durch seinen Ruhm und seinen Reichtum auch sie glücklich, reich und
angesehen zu machen.
Schinner hatte seine Freunde unter den achtenswertesten und
ausgezeichnetsten Männern gewählt; er war peinlich in der Wahl seiner
Bekannten und wollte durch diese seine Stellung noch mehr erhöhen, die
ohnedies schon durch sein Talent eine hohe war. Die hartnäckige Arbeit,
der er sich von seiner Jugend an weihte, hatte ihm den schönen Glauben
erhalten, der die ersten Tage des Lebens schmückt, indem sie ihn zwang,
in der Einsamkeit zu bleiben, bei dieser Mutter der großen Gedanken.
Sein reifender Geist verkannte das tausendfältige Schamgefühl nicht,
das aus einem junge Manne ein besonderes Wesen macht, dessen Herz reich
ist an Glückseligkeiten, an Poesien und jungfräulichen Hoffnungen, ein
Wesen, das schwach erscheint in den Augen stumpfsinniger Menschen, aber
tief ist, weil es einfach ist. Er besaß jenes sanfte und höfliche
Benehmen, das die Herzen gewinnt und selbst die bezaubert, von denen es
nicht begriffen wird. Er war schön gewachsen und seine Stimme hatte
einen silberreinen Ton. Sah man ihn, so fühlte man sich zu ihm
hingezogen durch eine jener moralischen Anziehungskräfte, die unsere
allwissenden Psychologen glücklicherweise noch nicht zu erklären
verstehen; sie hätten in derselben vielleicht eine Erscheinung des
Galvanismus erkannt oder das Spiel irgend eines Fluidums; denn wir
möchten ja jetzt selbst unsere Gefühle durch elektrische oder
magnetische Strömungen erklären. Diese Einzelheiten machen vielleicht
den Männern von kühnem Charakter mit wohlbestellten Halsbinden
begreiflich, warum Hippolyt Schinner nicht eine Frage inbezug auf die
beiden Damen, deren gutes Herz er kennen gelernt hatte, an die
Türsteherin richtete, während der Mann derselben nach dem Ende der Rue
de la Madelaine geeilt war, um einen Wagen zu holen. Obgleich er nur
mit Ja und Nein auf die bei einer solchen Gelegenheit natürlichen
Fragen antwortete, die die Türsteherin im Hinblick auf seinen Unfall
und auf die Hilfeleistung der Mieterinnen im vierten Stock an ihn
richtete, so konnte er dieselbe doch nicht verhindern, dem Instinkt der
Türsteher zu folgen, und sie erzählte ihm nun nach ihrer Weise, was sie
von den beiden Unbekannten wußte.
"Ach!" sagte sie, "das ist ohne Zweifel Fräulein Leseigneur mit ihrer
Mutter gewesen! Sie wohnen hier seit vier Jahren und wir wissen immer
noch nicht, was sie treiben. Nur des Morgens, bis Mittag etwa,
erscheint eine alte Aufwärterin, die halb taub ist und stumm wie eine
Wand, um sie zu bedienen; abends kommen dann zwei oder drei alte
Herren, die ebenfalls Orden tragen, wie Sie, mein Herr. Der eine hat
eine Kutsche, Bediente und gegen fünfzigtausend Livres Rente. Oft
bleiben die alten Herren bis spät in die Nacht. Übrigens sind sie recht
ruhige Mietleute, wie Sie, mein Herr; aber sparsam; o, ich sage Ihnen,
sie leben gleichsam von Nichts!... Wenn ein Brief kommt, so bezahlen
sie ihn auf der Stelle. Wunderlich ist es, mein Herr, daß die Mutter
anders heißt als die Tochter.... Ach! wenn sie in die Tuilerien gehen,
so überstrahlt das Fräulein alle andern jungen Damen, die jungen Herren
laufen ihr bis vor das Haus nach, sie aber schlägt ihnen die Tür vor
der Nase zu. Na, der Hauseigentümer würde aber auch nicht dulden...."
Der Wagen war jetzt angekommen; Hippolyt hörte nicht weiter auf die
alte Schwätzerin, sondern fuhr sogleich nach Hause. Seine Mutter, der
er seinen Unglücksfall erzählte, verband nochmals die Wunde an der
Stirn und erlaubte ihm am folgenden Tage nicht, in seine Werkstatt zu
gehen. Sie rief einen Arzt herbei; verschiedene Vorschriften wurden von
demselben gegeben und Hippolyt blieb zwei Tage zu Hause. Währenddessen
rief ihm seine unbeschäftigte Einbildungskraft die Einzelheiten des
Auftrittes ins Gedächtnis zurück, der sich nach seiner Ohnmacht vor
seinen Augen zugetragen hatte. Die Züge des jungen Mädchens schwebten
dabei häufig an seinen Blicken vorüber und dann sah er das gewelkte
Antlitz der Mutter, oder fühlte noch Adelaidens sanfte Hände. Manchmal
erinnerte er sich an eine Bewegung oder einen Blick des Mädchens, das
er anfangs unbeachtet gelassen hatte, deren Erinnerung ihm aber jetzt
eine seltene Anmut enthüllte; ein andermal erinnerte er sich an eine
Stellung oder an den Klang ihrer melodischen Stimme; die Erinnerung
verschönerte die geringsten Zufälligkeiten aus diesem Abschnitt seines
Lebens. Als er am dritten Tage frühzeitig nach seiner Werkstatt eilte,
waren nicht seine begonnenen Gemälde, sondern der Besuch, den er bei
seinen Nachbarinnen abstatten mußte, der wahre Grund seiner Eile. In
dem Augenblicke, in dem sich eine Liebe aus ihrem Keime entwickelt,
werden wir von unerklärlichen Wonnen ergriffen. Das wissen alle, die je
geliebt haben. Mancher Leser wird daher begreifen, weshalb der Maler so
langsam die Stufen zum vierten Stock hinanstieg, weshalb sein Herz so
schnell und heftig schlug, als er die braune Tür der bescheidenen
Wohnung erblickte, in der er Fräulein Leseigneur wußte. Dieses Mädchen,
das den Namen seiner Mutter nicht führte, hatte tausend Sympathien in
dem Herzen des jungen Malers erweckt. Er glaubte, eine Ähnlichkeit
zwischen ihrer Lage und der seinigen zu finden, und stattete sie mit
allen Leiden seins eigenen Ursprungs aus. Er arbeitet und überließ sich
dabei wonnigen Gedanken der Liebe, machte in einer Absicht, die er sich
selbst nicht besonders zu erklären wußte, viel Geräusch, gleichsam als
wolle er die beiden Damen dadurch zwingen, ebenso an ihn zu denken, wie
er an sie dachte. Er blieb sehr lange in seiner Werkstatt, speiste dort
und begab sich dann gegen sieben Uhr zu seinen Nachbarinnen.
Selten haben uns die Sittenschilderer durch ihre Erzählungen oder
Schriften in das wahrhaft merkwürdige Innere eines gewissen Pariser
Daseins eingeweiht, in das Geheimnis jener Wohnungen nämlich, aus denen
so elegante Toiletten, so strahlende Damen hervorgehen, die, reich nach
außen, zuhause allenthalben die Zeichen eines zweifelhaften Vermögens
erblicken lassen. Wenn wir hier das Gemälde einer solchen Häuslichkeit
mit raschen Pinselstrichen entwerfen, so beschuldige man die Erzählung
nicht etwa der Breite; denn diese Beschreibung bildet gewissermaßen ein
wichtiges Glied der Erzählung. Der Anblick der Wohnung, die die beiden
Damen innehatten, erzeugte einen bedeutenden Einfluß auf Hippolyt
Schinners Gefühle und Hoffnungen. Zunächst zwingt uns die
geschichtliche Wahrheit zu dem Bekenntnis, daß der Besitzer des Hauses
zu jenen Leuten gehörte, die einen tiefen Abscheu gegen alle
Ausbesserungen und Verschönerungen hegen, zu jenen Männern, die ihre
Stellung als Pariser Hauseigentümer gleichsam als einen Stand
betrachten, der in der großen Kette der moralischen Spezies zwischen
den Geizhälsen und Wucherern die gerechte Mitte einnimmt. Optimisten
durch Berechnung, sind sie sämtlich dem System des Status quo des Herrn
von Metternich treu. Spricht man davon, eine Tür, irgend eine
Bekleidung sei zu verändern oder auch nur die notwendigste Ausbesserung
vorzunehmen, so beginnen ihre Augen sich zu trüben, ihre Galle kommt in
Aufregung und sie bäumen sich, gleich erschreckten Pferden. Hat der
Wind einige Ziegeln von ihren Dächern herabgeworfen, so werden sie
krank und vermeiden für einige Zeit den Besuch des Theaters oder
Bierhauses, um das wieder zu ersparen, was die Ausbesserung kostet.
Hippolyt hatte bei Gelegenheit einiger Ausbesserungen und
Verschönerungen, die in seiner Werkstatt vorzunehmen waren, die
Gratisvorstellung einer komischen Szene von seinem Hauswirte bekommen
und wunderte sich daher nicht über die schwarzen und fetten Töne, über
die öligen Färbungen, über die Flecken und das andere widerwärtige
Zubehör, das sich an dem Holzwerk der Wohnung zeigte. Diese Merkmale
der Armut sind in den Augen eines Künstlers nicht ohne Poesie. Fräulein
Leseigneur öffnete selbst die Tür. Als sie den jungen Maler sah,
begrüßte sie ihn, wandte sich aber mit jener Pariser Gewandtheit und
jener durch den Stolz verliebenen Geistesgegenwart um, die Glastüre
eines Verschlages zu schließen, durch die Hippolyt zum Trocknen
aufgehängte Wäsche hätte sehen können, sowie auch ein altes Gurtenbett,
ein Kohlenbecken, Kohlen, Plätteisen und all jenes Gerät, das in
kleinen Wirtschaften stets zur Hand ist. Vorhänge von Musselin, die vor
den Glasscheiben der Tür angebracht waren, verhinderten nun jeden
Einblick in dieses "Kapernaum", wie man jetzt in der Sprache von Paris
solche Arten von Wirtschafts und Vorratskammern nennt; diese hier wurde
durch kleine Fenster erhellt, die auf einen benachbarten Hof führten.
Mit jenem grausamen und schnellen Beobachtungsblick, der den Künstlern
eigen ist, erkannte Hippolyt die Bestimmung, die Möbel und den Zustand
dieses ersten Raumes, der in zwei Abteilungen geschieden war. Der
bessere Teil, der zu gleicher Zeit als Vorzimmer und Speisesaal diente,
war mit einer alten, rosenfarbenen Papiertapete beklebt, deren Flecken
und Löcher ziemlich sorgfältig unter Bildern versteckt waren, von deren
Rahmen das Gold längst geschwunden. In der Mitte dieses Zimmers stand
ein Tisch von altertümlicher Form und mit abgenutzten Rändern. Die
Stühle zeigten einige Spuren verschwundenen Glanzes; allein der rote
Maroquin des Sitzes und die vergoldeten Nägel hatten ebensoviele
Wunden, wie die alten Sergeanten des Kaiserreiches. Überdies befanden
sich in diesem Zimmer noch manche Gegenstände, die man nur in solchen
Wirtschaften antrifft, die man mit Amphibien vergleichen könnte, indem
sie halb an den Glanz und halb an das Elend grenzen. So erblickte
Hippolyt zum Beispiel ein sehr schönes Perspektiv, das über dem kleinen
grünlichen Spiegel hing, der den Kamin zierte. Um dieses wunderliche
Mobiliar vollständig zu machen, stand zwischen dem Kamin und dem
Verschlag noch ein schlechtes Buffet, das nach Acajou-art angestrichen
war, obgleich das Acajou von allen Hölzern dasjenige ist, dessen
Nachahmung am wenigsten gelingt. Der rote und glatte Fußboden, die
schlechten kleinen Teppiche, die vor den Stühlen lagen, die Sauberkeit
der Möbel, das alles zeugte jedoch von jener Aufmerksamkeit, die den
Altertümern einen falschen Glanz verleiht, und deren Gebrechlichkeit,
Alter und Abgenutztheit nur noch mehr hervorhebt. Es herrschte in
diesem Zimmer ein unbeschreiblicher Geruch, der notwendig von den
Ausdünstungen des "Kapernaum" in Verbindung mit den Gerüchen des
Speisezimmers und der Treppe entstehen mußte, abschon ein Fenster halb
geöffnet war. Die Luft von der Straße bewegte die Vorhänge von Perkal,
die mit einer solchen Sorgfalt vorgesteckt waren, daß sie die
Fensterbekleidung den Blicken entzogen, denn an dieser hatten alle
früheren Bewohner des Zimmers durch verschiedene Inkrustationen,
gewissermaßen häusliche Freskogemälde, Beweise ihres Daseins
zurückgelassen.
Adelaide öffnete rasch die Tür des anderen Zimmers und führte den Maler
mit einer gewissen Freude hinein. Hippolyt hatte einst bei seiner
Mutter dieselben Zeichen der Armut kennen gelernt, und als er sie jetzt
mit jener eigentümlichen Lebhaftigkeit, die die ersten Eindrücke
unseres Gedächtnisses charakterisiert, wahrnahm, erschlossen sich ihm
weit mehr als jedem andern die Einzelheiten dieses Lebens. Er erkannte
hier die Dinge seiner Kindheit wieder und empfand weder Verachtung
gegen diese versteckte Armut, noch Stolz auf den Luxus, mit dem er
neuerdings seine Mutter umgeben hatte.--"Nun, mein Herr, ich hoffe, daß
Sie die Folgen Ihres Sturzes überwunden haben!..." sagte die alte
Mutter zu ihm, während sie sich aus einem altertümlichen Armsessel
erhob, der neben dem Kamin stand, und ihm einen Stuhl herbeizog.
"Vollkommen, meine Dame, und ich komme, Ihnen für die Sorgfalt, die Sie
mir bewiesen haben, meinen Dank zu sagen, besonders dem Fräulein, das
meinen Fall gehört hat...."
Hippolyt sprach diese Worte mit jener anmutigen Befangenheit aus, die
durch die erste Verwirrung der wahren Liebe hervorgerufen wird, und
blickte zugleich das junge Mädchen an; Adelaide zündete eben eine
Schirmlampe an, um einen großen kupfernen Leuchter entfernen zu können,
der bisher gebrannt hatte. Sie verneigte sich leicht und trug dann den
kupfernen Leuchter in das Vorzimmer, stellte die Schirmlampe auf den
Kamin und nahm darauf neben ihrer Mutter, etwas hinter dem Maler,
Platz, um ihn nach Gefallen betrachten zu können.
Über dem Kamine befand sich ein großer Spiegel, und da Hippolyt fast
fortwährend seine Augen nach demselben richtete, um Adelaide darin
ansehen zu können, so diente jene kleine Mädchenlist nur dazu, beide
abwechselnd in Verlegenheit zu bringen. Während Hippolyt mit Frau
Leseigneur sprach, denn er erteilte auch ihr diesen Namen, prüfte er
den Salon, aber auf dezente und verstohlene Weise. Der Herd das Kamins
war voll Asche, und auf den Eisenstäben lagen zwei Feuerbrände, die
kaum noch glimmten. Glücklicherweise lag ein alter und vielfach
geflickter Teppich, der abgenutzt war wie der Rock eines Invaliden, auf
dem Fußboden und machte gegen dessen Kälte unempfindlich. Die Wände
waren mit einer Tapete bekleidet, die gelbe Zeichnungen auf rötlichem
Grunde auswies. In der Mitte der Wand, den Fenstern gegenüber, bemerkte
Hippolyt die Spalten einer Tapetentür, die wahrscheinlich nach einem
Alkoven führte, in dem Frau Leseigneur schlief. Ein Kanapee war vor
diese geheime Tür gestellt, verhehlte sie aber nur unvollkommen. Dem
Kamine gegenüber sah man eine sehr schöne Komode von Acajou, deren
Verzierung es weder an Reichtum noch an gutem Geschmack fehlte. Darüber
hing ein Bild, das einen höheren Offizier darstellte, doch vermochte
der Maler bei der geringen Beleuchtung die Waffengattung nicht zu
unterscheiden, der jener angehörte. Übrigens war es auch eine
schreckliche Kleckserei, die mehr chinesischen als Pariser Ursprungs zu
sein schien. Die Vorhänge der Fenster waren von roter Seide, aber
verblichen, wie die Überzüge der Stühle. Auf dem Marmor der Kommode
stand ein kostbares Tablett von grünem Malachit, das ein Dutzend
bemalter Kaffeetassen trug, und auf dem Kamine eine Pendeluhr, darauf
ein Krieger ein Viergespann führte. Die Kerzen der Leuchter, die zu
beiden Seiten der Uhr standen, waren durch den Rauch vergilbt. Die
beiden Ecken des Kaminsimses trugen eine Vase von Porzellan mit einem
Strauß künstlicher Blumen, die mit Moos geschmückt und voll Staub
waren. In der Mitte des Zimmers bemerkte Hippolyt einen aufgeklappten
Spieltisch mit neuen Karten.
Für den Beobachter lag etwas Trostloses in dem Anblick dieses Elends,
das sich hinter einem gewissen Glanz zu verstecken suchte, wie eine
alte Frau hinter den Spitzen der Haube und der Fülle falscher Locken
die Runzeln ihres Antlitzes zu verbergen bemüht ist. Jeder verständige
Mann hätte sich bei diesem Anblick in einem Dilema befunden: entweder
sind diese beiden Frauen die Rechtschaffenheit selbst, oder sie leben
von Intrigen und vom Spiel. Wenn aber ein junger und unschuldiger Mann,
wie Hippolyt, Adelaide sah, so mußte er an die vollkommenste Unschuld
glauben und den Mängeln des Mobiliars die ehrenvollsten Ursachen
unterlegen.
"Meine Tochter," sagte die alte Dame zu dem jungen Mädchen, "mich
friert, heize ein wenig ein und gib mir meinen Schal."
Adelaide ging in eine Kammer, die an das Wohnzimmer stieß, und in der
sie ohne Zweifel schlief. Als sie zurückkehrte, übergab sie ihrer
Mutter einen Schal von Kaschmir, der, als er noch neu war, für eine
Königin nicht zu schlecht gewesen sein mochte. Hippolyt erinnerte sich
nicht, je so reiche Farben, ein so vollendetes Muster gesehen zu haben,
wie in diesem schönen Gewebe, allein der Schal war nun alt, hatte seine
Frische verloren, war voll geschickt eingesetzter Flicken und
harmonierte vollkommen mit dem übrigen Gerät. Frau Leseigneur hüllte
sich kunstvoll hinein und in einer Art, die bewies, daß sie wirklich
friere. Das junge Mädchen eilte darauf schnell in das "Kapernaum" und
kehrte mit einer Hand voll Späne zurück, die sie in den Kamin warf, um
die erloschenen Brände wieder anzufachen.
Es würde eine schwierige Aufgabe sein, die Unterhaltung wiederzugeben,
die zwischen den drei Personen stattfand. Geleitet durch jenen Takt,
den man fast stets durch Leiden erlangt, unter denen man von Kindheit
an geseufzt hat, erlaubte sich Hippolyt nicht die geringste Bemerkung
bezüglich der Lage seiner beiden Nachbarinnen, während er allenthalben
die Kennzeichen einer großen und schlecht verhehlten Dürftigkeit
erblickte. Auch die einfachste Frage würde unbescheiden gewesen sein
und hätte nur einem alten Freunde verziehen werden können. Dennoch
wurde der Maler sehr von diesem verborgenen Elend gerührt, sein
edelmütiges Herz litt darunter; aber er wußte, daß auch das
freundschaftlichste Mitleid beleidigend sein kann, und fand sich daher
durch den Mißklang beengt, der zwischen seinen Gedanken und seinen
Worten bestand. Die beiden Damen errieten gar leicht die geheime
Verlegenheit, die durch einen ersten Besuch veranlaßt wird, vielleicht,
weil sie dieselbe mitfühlen und die Natur ihres Geistes ihnen tausend
Hilfsquellen gewährt, um jene Verlegenheit aufzuheben. Adelaide und
ihre Mutter fragten den jungen Mann nach dem materiellen Verfahren
seiner Kunst und nach seinen Studien, indem sie ihn allmählich zum
Sprechen aufzumuntern suchten. Die Nichtigkeit ihrer von Wohlwollen
beseelten Unterhaltung führte ohne Zwang dahin, daß er Bemerkungen und
Reflexionen machte, die die Beschaffenheit seiner Sitten und seiner
Seele verrieten.
Die alte Dame mochte einmal schön gewesen sein, allein ein geheimer
Kummer hatte ihr Antlitz vor der Zeit welken lassen, so daß ihr nur
noch die hervorspringenden Züge, die Umrisse, kurz, das Skelett einer
Physiognomie übrig geblieben war, deren Gesamtheit auf eine große
Feinheit deutete, während besonders das Spiel der Augen viel Anmut und
jenen Ausdruck zeigte, der den Damen des alten französischen Hofes
eigentümlich ist, und den man durch Worte nicht zu beschreiben vermag.
Allein die Gesamtheit dieser feinen und hervortretenden Züge konnte
ebensogut schlechte Gesinnung verraten, weibliche List und Schlauheit,
selbst einen hohen Grad der Verdorbenheit vermuten lassen, als die
Zartheit einer schönen Seele offenbaren. Der gewöhnliche Beobachter
gerät vor weiblichen Gesichtern oft in Verlegenheit und weiß die
Offenheit von der Verstellung, das Talent der Intrige von der
Herzlichkeit nicht zu unterscheiden. Man muß die fast unmerklichen
Nuancen zu erraten wissen. Es ist bald eine mehr oder weniger gekrümmte
Linie, bald ein mehr oder weniger ausgehöhltes Grübchen, eine mehr oder
weniger gewölbte oder hervorspringende Biegung, die man zu würdigen
suchen muß; die Augen allein können uns das entdecken lassen, was ein
jeder zu verstecken sucht, und die Wissenschaft des Beobachters liegt
in der schnellen Wahrnehmungskraft seines Blickes. Es ging demnach mit
dem Antlitz der alten Dame wie mit der Wohnung, die sie innehatte; es
schien ebenso schwierig zu durchblikken, ob dieses Elend Laster berge
oder eine hohe Rechtschaffenheit, sowie es schwierig war, zu erkennen,
ob Adelaidens Mutter eine alte Kokette sei, gewöhnt, alles zu erwägen,
alles zu berechnen, alles zu verkaufen, oder ein liebendes und
schwaches Weib, voll Anmut und Zartgefühl. In jenem Alter, in dem
Hippolyt Schinner stand, glaubt man aber am liebsten an das Gute, und
er glaubte daher gewissermaßen den angenehmen und bescheidenen Duft der
Tugend einzuatmen, indem er Adelaides Stirn sah und in ihre Augen
blickte, die voll Herz und Geist waren. Während der Unterhaltung
ergriff er die Gelegenheit, von den Porträts im allgemeinen zu
sprechen, um dann zu dem schrecklichen Pastellgemälde übergehen zu
können, von dem die Farben größtenteils abgefallen waren.
"Sie lieben diese Malerei wohl wegen der Ähnlichkeit, meine Damen, denn
die Zeichnung selbst ist schauderhaft ..." sagte er mit einem Blick auf
Adelaide.
"Es ist in Kalkutta gemalt, und zwar in großer Eile!" antwortete die
Mutter mit bewegter Stimme. Dann betrachtete sie die formlose Skizze
mit jener tiefen Versunkenheit, die die plötzliche Erinnerung an ein
Glück verrät, das wohltuend für das Herz gewesen ist, wie der Tau des
Morgens für die Blumen des Sommers. Zugleich lagen aber in dem
Ausdruck, den die Züge der alten Dame zeigten, die Spuren einer tiefen
Trauer; wenigstens glaubte sich der Maler die Haltung und das Aussehen
seiner Nachbarin so erklären zu müssen. Er setzte sich neben sie und
sagte mit freundschaftlicher Stimme: "Meine Dame, noch kurze Zeit, und
die Farben dieses Pastellbildes werden verschwunden sein. Das Porträt
wird bald nur noch in Ihrer Erinnerung bestehen, und wo Sie geliebte
Züge erblickten, werden andere nichts mehr wahrnehmen können. Wollen
Sie mir erlauben, dieses Bild auf die Leinwand zu übertragen? So wird
es dauerhafter sein, als auf Papier.... Gewähren Sie mir, als ihrem
Nachbar, die Gunst, Ihnen diesen Dienst zu leisten. Es gibt Stunden,
während deren ein Künstler sich gern von seinen großen Kompositionen
erholt und dagegen eine einfachere Arbeit vornimmt. Es wird eine
Zerstreuung für mich sein, dieses Bild zu malen."
Die alte Dame wurde lebhaft bewegt durch diese Worte, und Adelaide warf
dem Maler einen jener verstohlenen Blicke zu, in denen sich das ganze
Herz widerzuspiegeln scheint.
Hippolyt wollte auf irgendeine Weise mit seinen beiden Nachbarinnen in
Verbindung treten und das Recht erlangen, an ihrem Leben teilzunehmen.
Das einzige aber, was er tun konnte, war jenes Anerbieten; es
befriedigte seinen Künstlerstolz und hatte nichts Verletzendes für die
beiden Damen.--Frau Leseigneur nahm das Anerbieten an.
"Es scheint mir," sagte Hippolyt, "als ob die Uniform auf einen
Marineoffizier deutete?"
"Ja," antwortete sie, "es ist die Uniform der Schiffskapitäne. Herr von
Rouville, mein Mann, starb in Batavia an den Folgen einer Wunde, die er
in einem Gefecht mit einem englischen Schiffe erhielt, dem er an Asiens
Küsten begegnete. Er befehligte eine Fregatte von sechzig Kanonen,
während die Revenge ein Schiff mit sechsundneunzig Kanonen war. Der
Kampf war demnach sehr ungleich, aber Herr von Rouville verteidigte
sich so mutig, daß er sich bis zum Eintritt der Nacht halten konnte,
worauf er seinem Feind durch die Flucht entging. Als ich nach
Frankreich zurückkehrte, war Bonaparte nicht mehr im Besitz der Macht,
und man verweigerte mir eine Pension. Als ich abermals um eine solche
nachsuchte, entgegnete mir der Minister mit Härte, daß der Baron von
Rouville noch leben und ohne Zweifel Kontreadmiral sein würde, wenn er
emigriert wäre. Ich hätte jene demütigenden Schritte gar nicht getan,
hätte ich nicht um meiner armen Adelaide willen sie zu tun müssen
geglaubt, und wäre ich nicht von meinen Freunden dazu veranlaßt worden.
Was mich betrifft, so widerstrebte es mir stets, meine Hand
auszustrecken und mich dabei auf einen Schmerz zu berufen, der einer
Gattin weder Kraft noch Worte lassen kann. Ich hasse diesen Geldlohn
für untadelhaft vergossenes Blut...."
"Meine Mutter, diese Erinnerung erschüttert Dich...." Nach dieser
Bemerkung ihrer Tochter neigte die Baronin von Rouville ihr Haupt und
schwieg.
"Mein Herr," sagte das junge Mädchen zu Hippolyt, "ich glaubte, die
Arbeiten der Maler seien im allgemeinen wenig geräuschvoll.... Sie
scheinen aber...."
Schinner errötete bei diesen Worten und lächelte; Adelaide endete aber
ihre Bemerkung nicht und ersparte ihm eine Lüge, indem sie sich bei dem
Rollen einer Kutsche, die vor der Türe anhielt, rasch erhob. Sie ging
in ihre Kammer und kehrte sogleich mit zwei vergoldeten Leuchtern
zurück, deren Kerzen sie schnell anzündete. Die Lampe stellte sie
darauf in das Vorzimmer und öffnete sofort die Tür, ohne erst zu
warten, daß die Klingel gezogen werde. Hippolyt hörte darauf einen Kuß
empfangen und erwidern, und empfand einen peinlichen Schmerz. Der junge
Mann erwartete mit Ungeduld den zu erblicken, der Adelaide so
vertraulich behandelte; allein die Angekommenen unterhielten sich erst
leise mit dem jungen Mädchen. Das Gespräch kam ihm zu lang vor. Endlich
erschien sie wieder, und ihr folgten zwei Manner, deren Anzug,
Physiognomie und Aussehen eine ganze Geschichte enthielten.
Der erstere mochte etwa sechzig Jahre alt sein und trug eines jener
Kleider, die unter der Regierung Ludwig XVIII. erfunden wurden, und in
denen der Schneider, der die Unsterblichkeit verdiente, das
schwierigste Kleidungsproblem gelöst hatte. Dieser Meister verstand
sich gewiß auf die Kunst der Übergänge, da jene so politisch bewegte
Zeit überhaupt eine Zeit der Übergänge war. Jedesmal aber müssen wir
demjenigen ein seltenes Verdienst zuerkennen, der seine Zeit zu
beurteilen versteht. Jenes Gewand, an dessen Schnitt sich noch mancher
in unserer Zeit erinnert, war weder bürgerlich noch militärisch, konnte
aber nach dem Bedürfnis abwechselnd für bürgerlich und für militärisch
gelten. Lilien waren auf die Umschläge der beiden Schöße gestickt, die
vergoldeten Knöpfe waren gleichfalls mit Lilien geschmückt, und auf den
Schultern erblickte man Knöpfe, um die Epauletten zu befestigen. Hose
und Rock des Greises waren von königsblauem Tuche, und in dem Knopfloch
erblickte man ein Ludwigskreuz. Das entblößte Haupt des Greises war
gepudert, und in der Hand trug er einen dreieckigen Hut. Übrigens
schien er noch so rüstig wie ein Fünfziger und sich einer kräftigen
Gesundheit zu erfreuen. Seine Züge deuteten gleichzeitig auf den
gesetzten und offenen Charakter der alten Emigranten und auf die freien
und leichten Sitten, auf die heitern und sorglosen Leidenschaften jener
Musketiere, die vordem in den Jahrbüchern der Galanterie so berühmt
waren. Seine Bewegungen, sein Benehmen deuteten darauf, daß er den
Ansprüchen seiner Jugend noch nicht entsagt habe und entschlossen sei,
weder von seinem Royalismus abzulassen, noch von seiner Religion und
seiner Neigung zu Liebeshändeln.
Ihm folgte eine ganz phantastische Gestalt, die man in den Vordergrund
des Gemäldes heben müßte, um sie richtig zu schildern, die jedoch nur
eine Nebenrolle spielt. Man denke sich eine trockene und hagere Person,
ebenso gekleidet wie ersterer, aber gewissermaßen nur als dessen
Widerschein, oder, wenn man lieber will, als dessen Schatten
auftretend. Der Rock, der bei jenem neu war, erschien bei diesem
abgenutzt, der Puder in den Haaren weniger weiß, die goldenen Lilien
weniger glänzend, der Verstand schwächer, das Leben dem Endziel näher
gerückt. Kurz, er verwirklichte auf bewundernswürdige Weise Rivarols
witzigen Ausspruch in Bezug auf Champcenetz: "Er ist mein Mondschein!"
Er war nur Doppelgänger des andern, aber blaß und arm, und zwischen
beiden war ein Unterschied, wie zwischen dem ersten und dem letzten
Abzuge einer Lithographie. Dieser stumme Greis war ein Geheimnis für
den Maler und blieb auch ein solches, denn er sprach nicht und niemand
sprach von ihm. War er ein Freund, ein armer Verwandter, ein Mann, der
bei dem alten Stutzer blieb, wie ein Gesellschaftsfräulein bei einer
alten Dame? War er ein Mittelding zwischen Hund, Papagei und Freund?
Hatte er das Vermögen oder auch nur das Leben seines Wohltäters
gerettet? War er der Trim eines neuen Kapitän Toby? An anderen Orten,
als bei der Baronin von Rouville erregte er stets Neugierde, ohne sie
je zu befriedigen.
Der Mann, der von den beiden Ruinen am besten erhalten war, ging
höflich auf die Baronin von Rouville zu, küßte ihre Hand und setzte
sich an ihre Seite; der andere begrüßte dieselbe und setzte sich dann
neben sein Vorbild. Adelaide stützte ihre Ellenbogen auf die
Rückenlehne des Stuhles, den der alte Edelmann eingenommen hatte, und
ahmte so, ohne es zu wissen, die Stellung nach, die Guérin auf seinem
berühmten Gemälde der Schwester Dido's gegeben hat. Die Vertraulichkeit
des Edelmanns war die eines Bruders, und er nahm sich gewisse
Freiheiten gegen Adelaide heraus, die dem jungen Mädchen für den
Augenblick zu mißfallen schienen.
"Nun, Du schmollst wohl mit mir?" fragte er.
Dann warf er während seines weiteren Gesprächs auf Hippolyt Schinner
jene schlauen und feinen Seitenblicke, die echt diplomatische Blicke
sind, und deren Ausdruck stets eine kluge Besorgnis verrät.
"Sie sehen hier unsern Nachbarn," sagte die alte Dame, indem sie auf
Hippolyt Schinner deutete. "Der Herr ist ein bekannter Maler, dessen
Namen Ihnen trotz Ihrer Gleichgültigkeit gegen die Künste bekannt sein
muß."
Der Edelmann erkannte die Bosheit seiner alten Freundin darin, daß sie
den Namen verschwieg, und begrüßte den jungen Mann.
"Gewiß!" sagte er, "ich habe schon viel von Ihren Gemälden sprechen
gehört.... Das Talent hat schöne Vorrechte, mein Herr," fuhr er dann
fort, während er auf Hippolyts rotes Band blickte, "und diese
Auszeichnung, die wir durch unser Blut und lange Dienstzeit erwerben
müssen, erlangen Sie schon in der Jugend.... Allein die Arten des Ruhms
sind Schwestern." Der Edelmann faßte dabei an sein Kreuz des heiligen
Ludwig.
Hippolyt stotterte einige Worte des Danks und schwieg dann wieder,
indem er sich begnügte, mit einer stets wachsenden Begeisterung den
schönen jungfräulichen Kopf zu betrachten, der ihn entzückte. Bald
versenkte er sich ganz und gar in diese Betrachtung und vergaß das
tiefe Elend, das durch die Wohnung angedeutet wurde, denn für ihn war
Adelaides Antlitz von einer leuchtenden Atmosphäre umgeben. Er
antwortete kurz auf die Fragen, die an ihn gerichtet wurden und die er
glücklicherweise hörte, denn es ist eine eigentümliche Fähigkeit
unseres Geistes, daß er sich bisweilen gewissermaßen verdoppeln kann.
Wem ist es nicht schon vorgekommen, daß er in ein angenehmes oder
trauriges Nachdenken versunken, die Stimme seines Innern hörte und doch
zu gleicher Zeit an einer Unterhaltung teilnahm oder ein Buch las? Es
ist das ein wundersamer Dualismus, der oft dazu beiträgt, daß wir die
Langweiligen mit mehr Geduld ertragen. Seine Hoffnung erfüllte ihn mit
tausend Gedanken an das Glück, und er wollte nichts beobachten, was ihn
umgab, denn er hatte noch ein kindliches und vertrauensvolles Herz.
Nach Verlauf einiger Zeit bemerkte er, daß die alte Dame und ihre
Tochter mit dem alten Edelmann spielten. Der Trabant des Letzteren
blieb seinem Stande als Schatten treu, stand hinter seinem Freunde,
betrachtete dessen Spiel und antwortete auf die stummen Fragen, die der
Spieler an ihn richtete, durch billigende Winke, die nur eine
Wiederholung der fragenden Bewegung seiner doppelgängerischen
Verkörperung waren.
"Ich verliere immer...!" sagte der Edelmann.
"Sie werfen falsch ab...!" anwortete die Baronin von Rouville.
"Seit drei Monaten habe ich Ihnen nicht eine einzige Partie abgewinnen
können..." sagte er.
"Haben Sie die Aß?" fragte die alte Dame.
"Ja," antwortete er.
"Soll ich Ihnen einen Rat geben?" fragte Adelaide.
"Nein, nein...! Bleib mir gegenüber! Palsambleu! Ich verlöre zu viel,
wenn ich dich nicht mehr vor mir sähe."
Endlich war das Spiel beendet, der Edelmann zog seine Börse und warf
zwei Louisdor auf den Tisch, während er nicht ohne einigen Unwillen
sagte: "Vierzig Franken! Gerade zwei Louis...! Ha! Teufel! Es ist elf
Uhr...!" "Es ist elf Uhr...!" wiederholte die stumme Person mit einem
Blick auf Hippolyt Schinner.
Der junge Mann hörte diese Worte etwas deutlicher als alle übrigen und
dachte, daß es Zeit sei, sich zu entfernen. Er kehrte nun in die Welt
der gewöhnlichen Ideen zurück und fand einige Gemeinplätze, um wieder
das Wort nehmen zu können, begrüßte die Baronin, ihre Tochter, die
beiden Unbekannten und ging, während er nur an das erste Glück der
wahren Liebe dachte, ohne daß er sich die kleinen Ereignisse zu
erklären suchte, die während dieses Abends unter seinen Augen
vorgegangen waren. Am folgenden Tage fühlte der junge Maler die
heißeste Sehnsucht, Adelaide wiederzusehen, und wäre er seiner
Leidenschaft gefolgt, so hätte er schon um 6 Uhr morgens, als er nach
seiner Werkstatt eilte, seine Nachbarinnen besucht. Er besaß indes noch
Vernunft genug, um den Nachmittag zu erwarten; sobald er aber glaubte,
bei Frau von Rouville eintreten zu dürfen, eilte er die Treppe hinab,
klingelte unter lautem Herzpochen und bat Fräulein Leseigneur, die ihm
die Tür öffnete, schüchtern um das Bild des Barons von Rouville,
während er errötete, wie ein junges Mädchen.
"Treten Sie doch ein!..." sagte Adelaide zu ihm, die ohne Zweifel
Hippolyt bereits die Treppe von seiner Werkstatt herabkommen gehört und
ihm entgegengeeilt war. Der Maler folgte ihr, beschämt, außer Fassung,
ohne zu wissen, was er sagen sollte, vollkommen verwirrt durch das
Glück, Adelaide zu sehen, das Rauschen ihres Gewandes zu hören, nachdem
er den ganzen Morgen gewünscht hatte, in ihrer Nähe zu sein, nachdem er
sich hundertmal erhoben hatte, um hinabzueilen.... Das Herz besitzt die
wunderbare Macht, auch den unbedeutendsten Dingen einen außerordentlichen
Wert zu verleihen. Welche Freude ist es nicht für einen Reisenden, ein
Kraut, ein unbekanntes Blatt zu finden, nachdem er sein ganzes Leben an
eine solche Nachforschung gewagt hat! Ebenso verhält es sich mit den
Nichtigkeiten in der Liebe!
Die alte Dame war nicht in dem Salon. Als das junge Mädchen mit dem
Maler allein war, brachte es einen Stuhl, um das Bild herabzunehmen;
als es aber bemerkte, daß es auf die Kommode treten müsse, um das Bild
von dem Nagel abzuhängen, wandte es sich an Hippolyt und sagte
errötend:
"Ich bin nicht groß genug.... Hätten Sie vielleicht die Güte?"
Ein Gefühl der Scham, das sich im Ausdruck der Züge und im Ton der
Stimme Adelaidens verriet, war der wahre Grund ihrer Bitte; Hippolyt
begriff sie und warf ihr einen jener verständigen Blicke zu, die die
süßeste Sprache der Liebe sind. Adelaide sah, daß sie von dem Maler
verstanden sei und schlug daher ihre Augen mit einer Bewegung des
Stolzes nieder, dessen Geheimnis allein die jungen Mädchen besitzen.
Der Maler fand kein Wort zu sagen, war fast eingeschüchtert und nahm
das Gemälde herab, um es mit ernsten Blicken am Fenster zu betrachten.
Dann ging er, ohne etwas anderes zu Fräulein Leseigneur zu sagen, als:
"Ich werde es Ihnen bald wiederbringen." Beide hatten während dieses
flüchtigen Augenblicks eine von jenen lebhaften Herzensregungen
gefühlt, deren Wirkung auf den Geist mit jener Bewegung verglichen
werden kann, die ein Stein hervorbringt, den man in einen See wirft,
die süßesten Gedanken entstehen und folgen einander, endlos, vielfach,
ohne Ziel, und das Herz, ebenso erregt wie jene kreisförmigen Wellen,
die sich noch lange auf der Oberfläche des Wassers zeigen und sämtlich
von dem Punkte ausgehen, wo der Stein hineingeworfen ist.
Hippolyt Schinner kehrte mit dem Bilde in seine Werkstatt zurück. Daß
eine Leinwand bereits auf der Staffelei lag, daß die Palette bereits
mit Farben bedeckt war, daß er die Pinsel gereinigt, zurechtgelegt, und
das richtige Tageslicht gewählt hatte, brauchen wir wohl nicht erst zu
sagen. Bis zur Essenszeit arbeitete er an dem Bilde mit jenem Eifer,
den die Künstler bei allen ihren Launen beweisen. Abends besuchte er
wieder die Baronin von Rouville und blieb von neun bis elf Uhr; außer
eine Abwechslung in den Gegenständen der Unterhaltung, glich dieser
Abend in allem dem vorhergehenden. Die beiden alten Herren erschienen
wieder zu derselben Stunde; es wurde abermals Pikett gespielt,
dieselben Redensarten wurden von den Spielern ausgesprochen; selbst die
verlorene Summe war die nämliche; nur war Hippolyt etwas kühner und
wagte mit dem jungen Mädchen zu plaudern.
So vergingen acht Tage, während deren die Gefühle des Malers und
Adelaidens jene wonnigen und süßen Umbildungen erfuhren, durch die die
Herzen zu einem vollkommenen Verständnis geführt werden. Der Blick, mit
dem Adelaide den Maler empfing, wurde von Tag zu Tag inniger,
vertrauensvoller, heiterer und offenherziger, ihre Stimme, ihr Benehmen
nahm etwas Vertrauliches und Inniges an. Beide lachten, plauderten,
teilten sich ihre Gedanken mit und sprachen über sich selbst mit der
Unschuld zweier Kinder, die in einem Tage mit ihrer Bekanntschaft
soweit gediehen, als hätten sie einander seit drei Jahren gekannt.
Hippolyt spielte Pikett, aber wie der Greis verlor auch er fast alle
Partien. Ohne sich noch ihre Liebe gestanden zu haben, wußten die
beiden Liebenden schon, daß sie einander angehörten. Hippolyt hatte mit
Glück eine gewisse Macht über seine schüchterne Freundin erlangt und
manche Zugeständnisse waren ihm durch Adelaide gemacht, die furchtsam
und ergeben war, und durch jenes falsche Schmollen getäuscht wurde,
dessen Geheimnis auch der am wenigsten gewandte Liebhaber, die
kindlichste Jungfrau besitzt und fortwährend anwendet, gleich wie
verhätschelte Kinder die Macht mißbrauchen, die ihnen die Liebe ihrer
Mütter verleiht. Jene Vertraulichkeit zwischen dem Edelmanne und
Adelaide hörte infolgedessen auf. Das junge Mädchen hatte
natürlicherweise die Traurigkeit des Malers erraten und alle die
Gedanken, die in den Falten seiner Stirn verborgen waren oder sich
verrieten durch den kurzen Ton der wenigen Worte, die er sprach, wenn
der Greis ohne Umstände Adelaidens Hände oder Hals küßte. Fräulein
Leseigneur verlangte auch ihrerseits von ihrem Liebhaber eine strenge
Rechenschaft über seine geringsten Handlungen. Sie war so unglücklich,
so besorgt, wenn Hippolyt nicht kam; sie verstand so allerliebst zu
zanken, daß der Maler seine Freunde nicht mehr besuchte und alle
anderen Gesellschaften vermied. Adelaide ließ die dem weiblichen
Geschlecht angeborene Eifersucht durchblicken, als sie erfuhr, daß
Hippolyt, wenn er sich um elf Uhr von Frau von Rouville entfernte,
bisweilen noch in den glänzendsten Salons von Paris Besuche abstattete.
Anfangs gab sie vor, daß diese Lebensart für die Gesundheit nachteilig
sei; dann fand sie Gelegenheit, ihm mit jener tiefen Überzeugung, der
der Ton, das Benehmen und der Blick einer geliebten Person soviel
Gewalt verleihen, zu sagen, "daß ein Mann, der verpflichtet sei,
zwischen so vielen Frauen seine Zeit und die Anmut seines Geistes zu
zersplittern, keiner wahrhaft innigen Zuneigung fähig sei". Nun wurde
Hippolyt sowohl durch den Despotismus der Leidenschaft, wie durch die
Anforderungen des liebenden jungen Mädchens veranlaßt, nur in dieser
kleinen Wohnung zu leben, in der ihm alles gefiel. Kurz, nie gab es
eine reinere und zugleich heißere Liebe. Von beiden Seiten wurde
dasselbe Zutrauen, dasselbe Zartgefühl gezeigt, so daß diese
jungfräuliche Leidenschaft ohne jene Opfer sich entwickelte, durch die
sich viele Leute ihre Liebe zu beweisen suchen. Es bestand zwischen
ihnen ein beständiger Austausch süßer Gefühle, und sie wußten nicht,
wer dabei mehr gab oder empfing; eine unwillkürliche Neigung verband
ihre Herzen immer enger. Die Fortschritte dieses wahren Gefühls
geschahen so schnell, daß schon zwanzig Tage nach dem Zufall, durch den
Hippolyt seine junge Nachbarin kennen gelernt hatte, ihr beiderseitiges
Leben ein einziges geworden war. Vom frühen Morgen an, wenn das junge
Mädchen die Schritte des Malers hörte, konnte es sagen: "Er ist in
meiner Nähe!" Wenn Hippolyt um die Zeit des Mittagessens zu seiner
Mutter zurückkehrte, so verfehlte er nie, seine Nachbarinnen zu
begrüßen, und des Abends erschien er zu der gewöhnlichen Stunde mit
einer Pünktlichkeit, wie sie nur ein Liebhaber zeigen kann. Ein
Mädchen, das die höchsten Anforderungen in der Liebe stellt, hätte dem
jungen Maler nicht den geringsten Vorwurf machen können. Adelaide genoß
daher ein Glück ohne Trübung und ohne Grenzen, als sie das Ideal
verwirklicht sah, das sich jedes junge Mädchen in ihrem Alter träumt.
Der alte Edelmann erschien jetzt weniger oft, und Hippolyt, der nicht
mehr eifersüchtig auf ihn war, ersetzte ihn beim Spiel, aber auch mit
stets gleichem Unglück.
Inmitten seines Glücks dachte er jedoch an die unangenehme Lage der
Frau von Rouville, denn er hatte mehr als einen Beweis ihrer Armut
erlangt, und vermochte daher einen unangenehmen Gedanken nicht zu
verbannen; schon öfter hatte er beim Gehen gedacht: "Wie! Alle Abend
zwanzig Franken!?..." Er wagte indes nicht, sich einen so häßlichen
Verdacht einzugestehen.
Hippolyt verwandte einen ganzen Monat auf die Vollendung des Bildes.
Als es beendet, gefirnißt und eingerahmt war, betrachtete er es als
eines seiner besten Werke. Die Baronin von Rouville hatte nicht wieder
mit ihm darüber gesprochen. War es Sorglosigkeit oder Stolz? Der Maler
wollte sich dieses Schweigen nicht erklären.
Er kam mit Adelaide dahin überein, daß er das Bild während der
Abwesenheit der Frau von Rouville an seine Stelle hängen wolle. Es
wurde dazu der achte Juli gewählt, und während eines Spazierganges, den
die Mutter täglich nach den Tuilerien unternahm, begab sich Adelaide
allein und zum ersten Male in Hippolyts Werkstatt, unter dem Vorwand,
das Bild in der günstigen Beleuchtung zu sehen, in der es vollendet
war. Sie blieb stumm und unbeweglich stehen und versank in eine wonnige
Betrachtung, während der alle ihre weiblichen Gefühle in ein einziges
verschmolzen, in die gerechte Bewunderung des geliebten Mannes. Als
sich der Maler, beunruhigt durch dieses Schweigen, vorneigte, um dem
jungen Mädchen ins Gesicht zu schauen, reichte sie ihm die Hand, ohne
ein Wort sagen zu können; zwei Tränen rannen aus ihren Augen. Hippolyt
ergriff ihre Hand und bedeckte sie mit Küssen. Einen Augenblick lang
betrachteten sie sich schweigend, wollten sich ihre Liebe gestehen und
wagten es dennoch nicht. Der Maler hatte Adelaidens Hand in der
seinigen behalten und erkannte aus der Gleichheit der Wärme und des
Pulsschlages, daß ihre beiden Herzen gleich stark für einander
schlugen. Das junge Mädchen entfernte sich sanft von Hippolyt und sagte
mit einem kindlichen Blick: "Sie werden meine Mutter sehr glücklich
machen!..."
"Wie? Nur Ihre Mutter?" fragte er.
"Oh!... Ich ... ich bin es schon...."
Der Maler senkte seine Blicke und schwieg, erschreckt durch die
Heftigkeit der Gefühle, die diese Worte in seinem Herzen erweckt
hatten. Beide begriffen die Gefahr dieses Augenblicks und begaben sich
daher hinunter, um das Bild an seinen Platz zu hängen.
Hippolyt speiste zum ersten Mal mit der Baronin und ihrer Tochter. Frau
von Rouville war so gerührt, daß sie dem Maler hätte um den Hals fallen
können. Abends erschien der alte Emigrierte, der ehemalige Kamerad des
Barons von Rouville, der mit ihm auf brüderlichem Fuße gelebt hatte,
und meldete seinen beiden Freundinnen, daß er zum Kontreadmiral ernannt
sei, da man ihm seine Landfahrten durch Deutschland und Rußland als
ebensoviele im Seedienst verlebte Jahre angerechnet habe. Als er das
Bild sah, drückte er mit Herzlichkeit die Hand des Malers und sagte:
"Meiner Treu! Obgleich mein alter Leichnam nicht der Mühe wert ist, für
die Nachwelt aufbewahrt zu werden, so würde ich doch fünfhundert
Louisdor geben, wenn ich mich ebenso getreu dargestellt sehen könnte,
wie mein alter Rouville!"
Bei diesem Vorschlag blickte die Baronin ihren Freund an, lächelte und
ließ auf ihrem Antlitz den Ausdruck eines Dankgefühls erscheinen.
Hippolyt glaubte zu erraten, daß ihm der alte Admiral den Wert für
beide Bilder geben wolle, indem er das seinige bezahlte, und
antwortete, weil sich sein Künstlerstolz, sowie auch vielleicht seine
Eifersucht bei diesem Gedanken empörte: "Mein Herr, wenn ich überhaupt
Porträts malte, so würde ich dieses nicht gemacht haben...."
Der Admiral biß sich auf die Lippen und setzte sich an den Spieltisch.
Hippolyt blieb der Adelaide, die ihm ebenfalls eine Partie vorschlug,
was er auch annahm. Der Maler bemerkte bei Frau von Rouville einen
Eifer für das Spiel, der ihn überraschte. Nie hatte sie so sehr den
Wunsch gezeigt, zu gewinnen, und sie gewann. Während dieses Abends
beunruhigte ein böser Verdacht den Maler, störte sein Glück und flößte
ihm Mißtrauen ein. Frau von Rouville lebte also vom Spiel. Spielte sie
nicht in diesem Augenblick, um irgend eine Schuld abzutragen oder durch
irgend eine Notwendigkeit gedrängt? Vielleicht hatte sie ihre Miete
noch nicht bezahlt? Der Greis schien übrigens schlau genug zu sein, um
sich nicht um nichts und wieder nichts sein Geld abnehmen zu lassen!
Welches Interesse konnte den reichen Mann in dieses arme Haus führen?
Warum war er ehedem so vertraulich gegen Adelaide, und warum hatte er
so plötzlich den Vertraulichkeiten entsagt, die man sich vielfach von
ihm gefallen lassen mußte?--Diese Gedanken kamen ihm unwillkürlich in
den Sinn und veranlaßten ihn, mit neuer Aufmerksamkeit den Greis und
die Baronin zu beobachten. Ihre Blicke des Einverständnisses, die sie
von der Seite auf Adelaide und ihn warfen, mißfielen ihm. "Sollte man
mich hintergehen?" dachte Hippolyt, und es war das für ihn ein
schrecklicher, ein verletzender Gedanke, den er trotzdem nicht
verscheuchen konnte. Um vielleicht eine Gewißheit zu erlangen, blieb er
bis zuletzt. Er hatte hundert Sous verloren und seine Börse gezogen, um
Adelaide zu bezahlen. Doch von seinen peinigenden Gedanken überwältigt,
legte er seine Börse auf den Tisch. Als er aus seinem Nachdenken wieder
erwachte, schämte er sich über sein Schweigen, dachte aber nicht mehr
an seine Börse, sondern erhob sich, antwortete auf eine gleichgültige
Frage, die Frau von Rouville an ihn richtete, und trat ihr näher, um
beim Sprechen ihre alten Züge besser prüfen zu können. Von einer
peinigenden Ungewißheit ergriffen, entfernte er sich, doch war er kaum
einige Stufen der Treppe hinabgeeilt, als er sich erinnerte, seine
Börse auf dem Tisch liegen gelassen zu haben, und er kehrte zurück.
"Ich habe meine Börse bei Ihnen vergessen," sagte er zu Adelaide.
--"Nein ..." anwortete sie errötend.
"Ich glaubte sie hier zu finden!" Er zeigte bei diesen Worten auf den
Spieltisch, schämte sich aber im Herzen des jungen Mädchens und der
Baronin, als er seine Börse nicht erblickte, und sah die beiden Frauen
auf eine so verlegene Weise an, daß diese lachten. Dann erbleichte er
und sagte: "Ach, nein, ich habe mich getäuscht!... Ich habe die Börse."
Er empfahl sich und ging. In einem Abteil der Börse befanden sich
dreihundert Franken in Gold und in dem anderen einige kleine Münzen.
Der Diebstahl war so klar, auf eine so kecke Weise geleugnet, daß
Hippolyt keinen Zweifel über die Moralität seiner Nachbarinnen mehr
hegen konnte. Er blieb auf der Treppe stehen, stieg mit Mühe hinab,
seine Beine zitterten, Schwindel ergriff ihn, kalter Schweiß trat ihm
auf die Stirn, und er fühlte sich außerstande, zu gehen und die heftige
Aufregung zu ertragen, die der Zusammenbruch aller seiner Hoffnungen in
ihm hervorgerufen hatte.
Er erinnerte sich jetzt einer Menge von Beobachtungen, die anscheinend
geringfügig waren, aber dennoch den schrecklichen Verdacht bestärkten,
der ihn ergriffen hatte, und ihm die Augen inbezug auf den Charakter
und das Leben der beiden Frauen öffnete. Sie hatten also gewartet, bis
das Bild beendet und übergeben war, ehe sie ihm die Börse raubten!?...
Der Diebstahl erschien noch häßlicher, indem er sich als ein
berechneter herausstellte. Der Maler erinnerte sich zu seinem Kummer,
daß Adelaide schon seit zwei oder drei Abenden mit mädchenhafter
Neugierde die kunstreiche Filetarbeit der abgenutzten seidenen Börse
betrachtet habe; allein wahrscheinlich nur, um sich zu überzeugen,
wieviel Geld in dem Beutel enthalten sei. Die anscheinend unschuldigen
Scherze, die sie dabei machte, bezweckten wahrscheinlich nur, den
Augenblick zu erspähen, wo die Summe groß genug sein würde, um eines
Diebstahls wert zu sein.--"Der alte Admiral hat vielleicht seine guten
Gründe, Adelaide nicht zu heiraten, und die Baronin wird daher versucht
haben, mich...." Er wollte eine Vermutung aussprechen, unterbrach sich
aber und vollendete seinen Gedanken nicht, da derselbe zudem durch eine
ganz richtige Betrachtung widerlegt wurde. "Wenn die Baronin," dachte
er nämlich, "mich mit ihrer Tochter hätte verheiraten wollen, so würde
man mich nicht bestohlen haben...." Um nicht ganz aus seinen Illusionen
gerissen zu werden, versuchte dann seine Liebe, die bereits so tief
eingewurzelt war, in einem Zufall irgend eine Rechtfertigung zu finden.
"Meine Börse kann auf die Erde gefallen sein," dachte er, "sie kann
vielleicht auf meinem Stuhle liegen geblieben sein. Ich habe sie
vielleicht in meiner Zerstreuung in die Tasche gestickt...." Und er
durchsuchte hastig alle seine Taschen, fand aber nirgends die
verwünschte Börse. Sein grausames Gedächtnis bestätigte ihm nur die
betrübende Wahrheit. Er sah deutlich seine Börse auf dem Tische liegen,
zweifelte nicht mehr an dem Diebstahl, entschuldigte aber dennoch
Adelaide, indem er dachte, daß man Unglückliche nicht zu schnell
richten dürfe, daß ohne Zweifel irgend ein Geheimnis dieser dem
Anschein nach ehrlosen Handlung zugrunde liege. Es wollte ihm nicht in
den Sinn, daß ein so edles und stolzes Antlitz Lüge sein könne. Dennoch
erschien ihm jetzt die armselige Wohnung als vollkommen entblößt von
der Poesie der Liebe, die alles verschönert; er sah sie jetzt
schmutzig, verwohnt, und betrachtete sie als die Darstellung eines
Lebens ohne Adel, ohne edle Handlungen, denn unsere Gefühle sind
gewissermaßen den Dingen aufgeprägt, die uns umgeben.
Am folgenden Morgen erhob er sich, ohne geschlafen zu haben. Der
Schmerz seines Herzens, diese schwere moralische Krankheit, hatte
furchtbare Fortschritte bei ihm gemacht. Ein geträumtes Glück zu
verlieren, einer ganzen Zukunft zu entsagen, dies ist ein Leiden,
bitterer als jedes andere, das durch den Untergang eines genossenen
Glücks veranlaßt wird, wie vollkommen dasselbe auch sein mochte. Die
Gedanken, denen sich dann plötzlich unser Geist überläßt, gleichen
einem Meer ohne Ufer, in dem unsere Liebe sich zwar einen Augenblick
schwimmend erhalten kann, aber dennoch endlich untergehen und ertrinken
muß. Das ist ein schrecklicher Tod: sind nicht die Gefühle der
glänzendste Teil unseres Lebens? Aus diesem teilweisen Tode entspringen
bei gewissen zarten oder starken Konstitutionen die großen
Verheerungen, die durch die Entzauberung durch getäuschte Hoffnungen
und Leidenschaften hervorgebracht werden.
So ging es Hippolyt. Am frühen Morgen ging er aus und wandelte in dem
kühlen Schatten der Tuilerien, während er in seine Gedanken versank und
alles in der Welt vergaß. Ein Zufall, der gar nichts Ungewöhnliches
hatte, ließ ihn einen seiner vertrautesten Freunde treffen, der auf dem
Kollegium und in der Malschule sein Kamerad gewesen war, mit dem er
vertrauter gelebt hatte, als man mit einem Bruder zu leben pflegt. "Was
fehlt Dir?" fragte Daniel Vallier, ein junger Bildhauer, der kürzlich
den ersten Preis erlangt hatte und nächstens nach Italien reisen
sollte. "Ich bin sehr unglücklich ..." antwortete Hippolyt ernst.
"Nur eine Herzensangelegenheit kann Dich so sehr bekümmern, denn an
Geld, Ruhm und Ansehen fehlt es Dir nicht." Allmählich entspann sich
ein vertrautes Gespräch, und der Maler gestand seine Liebe. Als
Hippolyt von der Rue de Surčsne und von einem jungen Mädchen erzählte,
das in einem vierten Stock wohnte, da rief Daniel mit ungewöhnlicher
Heiterkeit aus: "Halt! das ist das junge Mädchen, das ich jeden Morgen
in der Assomption sehe und dem ich den Hof mache. Aber, mein Lieber,
die kennen wir alle! Ihre Mutter ist eine Baronin! Glaubst Du denn an
Baroninnen, die im vierten Stock wohnen?... Brr!... Du bist ein guter
Junge, der noch im goldenen Zeitalter lebt!... Wir sehen die alte
Mutter alle Tage in dieser Allee; allein sie hat ein Antlitz und eine
Haltung, die alles erraten lassen.... Wie! hast Du an der Art, wie sie
ihren Strickbeutel hält, nicht schon erkannt, was sie ist?"
Die beiden Freunde lustwandelten lange Zeit, und mehrere junge Männer,
die entweder Daniel oder Hippolyt kannten, gesellten sich zu ihnen. Der
Bildhauer erzählte ihnen das Abenteuer des Malers, weil er es für sehr
unwichtig hielt. Nun wurden Bemerkungen vorgebracht, Spötteleien wurden
unschuldig und mit der ganzen Heiterkeit, die Künstlern eigen ist, zum
besten gegeben. Hippolyt litt furchtbar darunter. Er schämte sich, als
er das Geheimnis seines Herzens so leichtsinnig behandelt, seine Liebe
in Fetzen zerrissen sah, als er hörte, daß man ein junges unbekanntes
Mädchen, dessen Leben ihm so bescheiden geschienen hatte, den
rücksichtslosesten Beurteilungen unterwarf, mochten dieselben richtig
sein oder falsch. Aus einem Gefühl des Widerspruchs verlangte er
ernstlich von einem jeden Beweis für seine Behauptungen; doch gab dies
nur Anlaß zu neuen Spöttereien.
"Aber, mein lieber, hast Du den Shawl der Baronin gesehen?" fragte
einer.
"Hast Du die Kleine gesehen, wenn sie des Morgens nach der Assomption
geht?" fragte ein anderer.
"Die Mutter besitzt unter anderen Tugenden auch ein gewisses graues
Kleid, das ich als einen Typus betrachte."
"Höre, Hippolyt ..." sagte ein Kupferstecher, "komm um vier Uhr hierher
und beobachte ein wenig den Gang der Mutter und der Tochter.... Wenn Du
dann noch Zweifel hast ... nun, dann wird im Leben nichts aus Dir....
Du wärest fähig, die Tochter Deiner Türsteherin zu heiraten."
Hippolyt wurde von den widerstreitendsten Gefühlen ergriffen und
verließ seine Freunde. Adelaide erschien ihm über alle Anklagen
erhaben, und er empfand im Innersten seines Herzens eine gewisse Reue,
daß er an der Reinheit eines so schönen und einfachen jungen Mädchens
gezweifelt habe. Er kehrte nach seiner Werkstatt zurück, ging an der
Tür vor Adelaides Wohnung vorüber und fühlte einen inneren Schmerz,
hinsichtlich dessen sich kein Mann täuscht. Er liebte Fräulein von
Rouville leidenschaftlich und betete sie selbst jetzt noch an,
ungeachtet des Diebstahls seiner Börse. Seine Liebe war wie die des
Chevaliers Desgrieux, der seine Geliebte selbst auf dem Karren, der die
verlorenen Weiber in das Gefängnis fährt, noch bewunderte und für rein
hielt. "Warum sollte sie nicht durch meine Liebe das reinste von allen
weiblichen Wesen werden!... Warum sollte ich sie dem Unglück und dem
Laster überlassen, ohne ihr eine freundschaftliche Hand zu
reichen!?..." Diese Aufgabe gefiel ihm, denn die Liebe weiß alles zu
benutzen, und nichts lockt einen jungen Mann mehr, als die Aussicht,
bei einem jungen Mädchen die Rolle eines guten Engels spielen zu
können. Es liegt etwas Romantisches in diesem Unternehmen, das
empfindsamen Seelen so sehr gefällt. Es ist Aufopferung in ihrer
erhabensten und anmutigsten Form; es liegt soviel geistige Größe darin,
sich bewußt zu sein, daß man hinreichend liebt, um selbst da noch zu
lieben, wo bei anderen die Liebe erlischt und stirbt!
Hippolyt begab sich in seine Werkstätte und betrachtete seine Gemälde,
ohne daran zu arbeiten; er erblickte die Gestalten nur durch die
Tränen, die ihm in die Augen traten, hielt fortwährend seinen Pinsel in
der Hand und näherte sich der Leinwand, berührte sie aber nicht. Die
Nacht überraschte ihn in seinen Träumereien; er eilte die Treppe hinab,
begegnete dem alten Admiral, warf ihm einen finsteren Blick zu, während
er ihn begrüßte, und eilte hinweg. Es war seine Absicht gewesen, bei
seinen Nachbarinnen einzutreten, aber der Anblick von Adelaides Gönner
ließ ihm das Herz erstarren und ihn seinen Entschluß aufgeben. Er
fragte sich zum hundertsten Male, was den alten reichen Mann, der
fünfzigtausend Livres Renten hatte, so unwiderstehlich in jenen vierten
Stock ziehe, wo er alle Abende zehn bis zwanzig Franken verlor, und er
erriet seinen Zweck.
An den folgenden Tagen widmete sich Hippolyt mit allem Eifer seinen
Arbeiten, um durch diese und durch die Ablenkung seiner Phantasie auf
einen anderen Gegenstand seine Leidenschaft zu bekämpfen. Seine Absicht
gelang ihm zur Hälfte; die Arbeiten trösteten ihn, vermochten aber die
Erinnerung an so viele glückliche Stunden, die er neben Adelaide
verlebt hatte, nicht zu verbannen. Als er an einem der nächsten Abende
seine Werkstatt verließ, fand er die Tür zu der Wohnung der beiden
Damen halb geöffnet.
Eine weibliche Gestalt stand in der Brüstung des Fensters, und er
konnte nicht vorübergehen, ohne von Adelaide gesehen zu werden. Er
begrüßte sie kalt und warf ihr einen gleichgültigen Blick zu, schloß
dann aber von seinem Kummer auf den des jungen Mädchens und fühlte eine
heftige Rührung, als er die ganze Bitterkeit erwog, die sein Blick und
seine Kälte in einem liebenden Herzen hervorbringen mußten.
Eine Wonne, wie die beiden sie genossen, durch so tiefe Vernachlässigung,
durch so tiefe Verachtung zu krönen, das war in der Tat ein schreckliches
Ende!
Vielleicht hatten sie die Börse wiedergefunden, vielleicht hatte
Adelaide an jenem Abend ihren Freund erwartet! Dieser Gedanke, der so
einfach und natürlich war, erweckte bei Hippolyt eine neue Reue, und er
fragte sich, ob die Beweise von Zartgefühl und Anhänglichkeit, die ihm
das Mädchen gegeben hatte, ob die reizenden und liebevollen Plaudereien,
die ihn entzückt hatten, nicht wenigstens eine Frage, eine Rechtfertigung
verdienten. Er schämte sich, eine ganze Woche lang den Wünschen seines
Herzens widerstanden zu haben, betrachtete sich fast als den schuldigen
Teil und begab sich noch an demselben Abend zu Frau von Rouville. Sein
ganzer Verdacht, alle seine bösen Gedanken entschwanden bei dem Anblick
des jungen Mädchens, das bleich und abgehärmt erschien.
"Was fehlt Ihnen?" fragte er, nachdem er die Baronin begrüßt hatte.
Adelaide antwortete ihm nicht, sondern richtete nur einen
schwermutsvollen, traurigen und entmutigten Blick auf ihn, der ihm wehe
tat.
"Sie haben ohne Zweifel viel gearbeitet?" fragte die alte Dame; "Sie
haben sich sehr verändert, und wir sind gewiß die Ursache, weshalb Sie
sich jetzt so beständig in Ihrer Werkstätte einschließen. Das für uns
gemalte Bild hat wahrscheinlich einige Arbeiten verzögert, die für
Ihren Ruf von Wichtigkeit sind."
Hippolyt freute sich, eine so schöne Entschuldigung seiner
Unhöflichkeit zu finden. "Ja," antwortete er, "ich bin sehr fleißig
gewesen, aber ich habe auch viel gelitten...." Bei diesen Worten erhob
Adelaide den Kopf und blickte Hippolyt an; ihre Augen drückten nur noch
Sorge aus, aber keinen Vorwurf mehr.
"Haben Sie denn gedacht, wir wären so gleichgültig gegen Ihr Glück oder
Ihr Unglück?" fragte die alte Dame.
"Ich habe Unrecht gehabt!" versetzte Hippolyt; "aber dennoch gibt es
Leiden, die man nicht mitzuteilen wagt, selbst dann nicht, wenn die
Freundschaft bereits älter ist als die unsrige."
"Aufrichtigkeit und Stärke der Freundschaft dürfen nicht nach der Dauer
der Zeit gemessen werden. Es gibt alte Freunde, von denen der eine
nicht einmal eine Träne für das Unglück des andern hat," sagte die
Baronin.
"Aber was fehlt Ihnen?" wandte sich Hippolyt an Adelaide.
,
,
1
,
;
2
.
3
4
,
5
,
.
6
,
,
7
.
8
,
.
,
9
10
,
11
,
12
,
13
,
14
,
15
.
,
16
,
17
.
18
,
,
19
.
20
.
,
21
22
.
,
23
,
,
,
24
,
25
.
26
,
.
27
,
28
,
29
,
30
.
,
31
,
,
32
,
33
.
34
35
36
;
37
,
38
.
,
39
,
40
,
,
,
41
,
.
42
,
43
,
44
,
,
45
,
,
46
,
.
47
,
,
48
.
49
.
,
50
,
51
52
;
53
;
54
55
.
56
57
,
58
,
,
59
,
60
,
.
61
62
,
63
64
,
,
65
,
,
66
.
67
68
"
!
"
,
"
69
!
70
,
.
,
,
71
,
72
,
;
73
,
,
,
.
74
,
.
75
.
76
,
,
;
;
,
,
77
!
.
.
.
,
78
.
,
,
79
.
.
.
.
!
,
80
,
81
,
82
.
,
.
.
.
.
"
83
84
;
85
,
.
,
86
,
87
,
88
.
;
89
.
90
91
,
92
.
93
94
,
.
95
,
96
,
97
;
98
;
99
100
.
,
101
,
,
102
,
.
103
,
,
104
.
,
105
.
,
106
,
107
,
108
,
.
,
109
,
110
.
,
111
,
112
.
113
,
,
114
,
,
115
,
,
116
.
,
117
.
118
119
120
121
,
,
122
,
,
,
123
,
124
.
125
,
126
;
127
.
,
128
,
129
.
130
,
131
,
132
,
,
133
134
,
135
.
136
,
137
.
,
,
138
139
,
,
140
,
.
141
,
142
143
,
,
.
144
145
146
,
,
147
148
,
149
,
150
,
.
151
.
152
.
,
153
,
154
,
155
,
156
,
,
157
,
,
,
158
.
,
159
,
160
"
"
,
161
;
162
,
.
163
,
164
,
,
165
,
.
166
,
,
167
,
,
168
,
169
.
170
.
171
;
172
173
,
.
174
,
175
,
,
176
.
177
,
178
,
.
179
,
180
,
-
181
,
,
182
.
,
183
,
,
184
,
,
185
,
,
186
.
187
,
188
"
"
189
,
190
.
,
191
,
192
,
193
,
194
,
195
.
196
197
198
.
199
,
200
,
201
,
,
202
.
203
204
,
,
205
.
-
-
"
,
,
,
206
!
.
.
.
"
207
,
208
,
,
.
209
"
,
,
,
,
210
,
,
,
211
.
.
.
.
"
212
213
,
214
,
215
;
216
,
,
217
.
218
,
219
,
,
220
,
.
221
222
,
223
,
224
,
,
225
.
226
,
,
227
,
.
228
,
,
229
.
230
,
,
231
.
232
,
233
.
,
,
234
,
235
,
.
236
,
.
237
,
238
.
239
,
,
240
241
,
.
242
,
243
.
,
244
,
.
245
,
246
,
,
247
.
,
248
,
.
249
250
,
251
.
252
.
253
254
,
255
,
256
257
.
258
:
259
,
260
.
,
261
,
,
262
263
.
264
265
"
,
"
,
"
266
,
.
"
267
268
,
,
269
.
,
270
,
,
,
271
.
272
,
,
,
273
,
,
274
,
275
.
276
,
,
277
.
"
"
278
,
,
279
.
280
281
,
,
282
.
,
283
,
284
,
285
,
286
287
.
288
.
289
,
290
;
,
291
,
292
,
293
.
294
,
,
,
295
296
,
.
297
298
,
299
.
300
,
301
,
302
.
303
304
,
305
,
306
,
,
,
307
,
308
,
309
,
310
,
.
311
312
,
,
313
,
314
.
315
316
,
317
.
318
.
319
,
,
320
,
321
;
,
322
,
323
.
324
,
;
325
,
326
,
,
,
327
,
,
,
328
,
,
329
,
.
,
330
,
,
331
332
,
333
,
.
334
,
335
,
336
,
.
337
338
"
,
,
339
.
.
.
"
340
.
341
342
"
,
!
"
343
.
344
,
345
,
,
346
.
347
,
,
348
;
349
.
350
:
"
,
,
351
.
352
,
353
,
.
354
,
?
355
,
.
.
.
.
,
356
,
,
.
,
357
358
.
359
,
.
"
360
361
,
362
,
363
.
364
365
366
,
.
367
,
,
;
368
369
.
-
-
.
370
371
"
,
"
,
"
372
?
"
373
374
"
,
"
,
"
.
375
,
,
,
376
,
377
.
,
378
.
379
,
380
,
,
381
.
382
,
,
383
.
384
,
,
385
,
386
.
,
387
388
,
.
389
,
,
390
,
391
.
392
.
.
.
.
"
393
394
"
,
.
.
.
.
"
395
396
.
397
398
"
,
"
,
"
,
399
.
.
.
.
400
.
.
.
.
"
401
402
;
403
,
404
,
,
.
405
406
,
.
407
,
408
,
.
409
,
.
410
,
411
;
412
.
.
413
,
,
,
414
.
415
416
417
,
.
,
418
,
,
419
.
420
,
421
.
422
,
423
.
,
424
,
,
425
426
.
,
427
,
428
,
.
429
,
430
.
431
,
.
432
433
.
434
435
,
436
,
437
.
,
,
438
,
439
,
440
.
441
442
,
443
,
,
444
.
,
445
,
446
,
,
,
447
.
,
,
448
,
,
449
,
,
450
.
,
451
:
"
!
"
452
,
,
453
,
454
.
455
,
456
.
,
,
,
457
,
458
?
,
?
459
460
?
?
,
461
,
462
.
463
464
,
,
465
,
466
;
467
.
468
,
,
469
,
,
,
470
'
.
471
,
472
,
473
.
474
475
"
,
?
"
.
476
477
478
,
479
,
.
480
481
"
,
"
,
482
.
"
,
483
484
.
"
485
486
,
487
,
.
488
489
"
!
"
,
"
490
.
.
.
.
,
,
"
491
,
,
"
492
,
493
,
.
.
.
.
494
.
"
495
.
496
497
,
498
,
499
,
.
500
501
,
,
502
.
503
,
504
,
505
,
.
506
,
507
,
508
?
509
,
,
510
.
511
,
,
512
,
.
513
514
,
515
.
516
,
,
517
,
518
,
,
519
520
.
521
522
"
.
.
.
!
"
.
523
524
"
.
.
.
!
"
.
525
526
"
527
.
.
.
"
.
528
529
"
?
"
.
530
531
"
,
"
.
532
533
"
?
"
.
534
535
"
,
.
.
.
!
!
!
,
536
.
"
537
538
,
539
,
540
:
"
!
.
.
.
!
!
!
541
.
.
.
!
"
"
.
.
.
!
"
542
.
543
544
545
,
,
.
546
,
547
,
,
,
548
,
549
,
550
,
551
.
552
,
,
553
,
,
554
,
.
555
,
;
,
556
,
,
557
,
558
,
,
559
,
.
560
561
"
!
.
.
.
"
,
562
563
.
,
,
,
564
,
,
565
,
,
,
566
,
,
567
,
.
.
.
.
568
,
569
.
,
570
,
,
571
!
572
!
573
574
.
575
,
,
;
576
,
,
577
,
578
:
579
580
"
.
.
.
.
?
"
581
582
,
583
,
;
584
,
585
.
,
586
587
,
.
588
589
,
590
,
.
591
,
,
:
592
"
.
"
593
594
,
595
,
,
,
596
,
,
,
597
,
,
,
598
599
,
.
600
601
.
602
,
603
,
,
,
604
,
605
.
,
606
.
607
;
608
,
609
.
610
;
,
611
;
612
;
613
.
614
615
,
616
,
617
.
,
618
,
,
619
,
,
,
620
.
,
,
621
622
,
623
,
.
624
,
625
.
,
626
,
.
627
628
,
629
,
,
630
,
631
,
632
,
633
.
634
.
635
636
,
637
,
,
638
.
639
640
.
,
641
,
;
642
,
643
.
644
,
,
645
,
,
646
.
647
,
648
;
,
,
649
,
650
,
,
"
,
,
651
652
,
"
.
653
,
654
,
655
,
.
,
656
.
657
,
,
658
,
659
.
660
,
,
661
;
662
.
663
,
,
664
,
665
.
,
666
,
:
"
667
!
"
668
,
,
669
,
670
,
.
671
,
,
672
.
673
,
674
,
.
675
676
,
,
677
,
,
678
.
679
680
681
,
682
,
683
;
:
"
!
684
!
?
.
.
.
"
,
685
.
686
687
.
688
,
,
689
.
690
.
?
691
.
692
693
,
694
.
695
,
,
696
,
697
,
,
698
,
699
.
700
,
701
,
.
702
,
,
,
703
,
,
704
;
.
705
.
706
,
707
.
708
709
,
710
.
711
:
"
712
!
.
.
.
"
713
714
"
?
?
"
.
715
716
"
!
.
.
.
.
.
.
.
.
.
.
"
717
718
,
719
,
720
.
721
,
.
722
723
.
724
,
725
.
,
726
,
,
727
,
728
,
729
.
730
,
:
731
"
!
,
732
,
733
,
,
734
!
"
735
736
,
737
.
738
,
739
,
,
740
,
,
741
:
"
,
742
,
.
.
.
.
"
743
744
.
745
,
,
746
.
747
,
.
748
,
,
.
749
,
750
.
.
751
,
752
?
753
?
,
754
!
755
?
756
,
757
,
758
?
-
-
759
,
760
.
,
761
,
.
"
762
?
"
,
763
,
,
764
.
,
765
.
,
766
.
,
767
.
768
,
,
769
,
,
770
,
,
,
771
.
772
,
,
773
,
,
774
,
.
775
776
"
,
"
.
777
-
-
"
.
.
.
"
.
778
779
"
!
"
780
,
781
,
,
782
,
.
783
:
"
,
,
!
.
.
.
.
"
784
.
785
.
786
,
,
787
788
.
,
,
789
,
,
790
,
,
791
,
792
.
793
794
,
795
,
,
796
,
797
.
,
798
,
!
?
.
.
.
799
800
,
801
.
,
802
803
804
;
,
,
805
.
806
,
,
,
807
,
,
808
.
-
-
"
809
,
,
810
,
.
.
.
.
"
,
811
,
812
.
"
,
"
813
,
"
,
814
.
.
.
.
"
815
,
,
816
,
.
817
"
,
"
,
"
818
.
819
.
.
.
.
"
820
,
821
.
822
.
,
823
,
824
,
,
825
,
826
.
827
,
.
828
829
,
;
830
,
,
831
,
,
832
,
.
833
834
,
.
835
,
,
836
.
837
,
,
,
838
,
839
,
.
840
,
,
841
,
842
,
843
.
:
844
?
845
846
,
847
.
848
849
.
850
,
851
.
,
852
,
,
853
,
854
,
.
"
855
?
"
,
,
856
857
.
"
.
.
.
"
.
858
859
"
,
860
,
.
"
861
,
.
862
,
863
,
864
:
"
!
,
865
.
,
,
866
!
!
867
,
?
.
.
.
!
.
.
.
868
,
!
.
.
.
869
;
870
,
.
.
.
.
!
,
871
,
,
?
"
872
873
,
,
874
,
.
875
,
876
.
,
877
,
,
878
.
.
,
879
,
880
,
,
881
,
,
882
,
883
.
884
;
885
.
886
887
"
,
,
?
"
888
.
889
890
"
,
891
?
"
.
892
893
"
894
,
.
"
895
896
"
,
.
.
.
"
,
"
897
.
.
.
.
898
.
.
.
,
.
.
.
.
899
,
.
"
900
901
902
.
903
,
,
904
905
.
,
906
,
907
.
908
,
909
.
910
,
,
911
,
912
.
"
913
!
.
.
.
914
,
915
!
?
.
.
.
"
,
916
,
,
,
917
918
.
,
919
.
920
;
,
921
,
,
922
,
!
923
924
,
925
;
926
,
,
927
,
.
928
;
,
929
,
,
930
,
.
,
931
,
932
.
933
,
,
934
,
935
,
,
936
.
937
938
939
,
940
.
941
;
,
942
,
943
,
.
944
,
945
.
946
947
,
948
,
.
949
,
950
951
,
,
952
.
953
954
,
,
,
955
,
956
!
957
958
,
959
!
,
960
,
,
961
,
,
962
,
,
963
,
,
964
.
,
965
,
966
.
967
,
968
,
.
969
970
"
?
"
,
.
971
,
972
,
,
973
.
974
975
"
?
"
;
"
976
,
,
977
.
978
,
979
.
"
980
981
,
982
.
"
,
"
,
"
983
,
.
.
.
.
"
984
;
985
,
.
986
987
"
,
988
?
"
.
989
990
"
!
"
;
"
991
,
,
,
992
.
"
993
994
"
995
.
,
996
,
"
997
.
998
999
"
?
"
.
1000