mondainer Damen hielt, haben sich nämlich als eine ernste Erkrankung
herausgestellt, und unsere Mediziner führen sie auf die Zimmerluft, die
sitzende Lebensweise, den Mangel an Bewegung, ja selbst auf das viele
Teetrinken und den Gebrauch des Schnürleibs zurück. Man kann daher
neuerdings vor den Toren von Paris sogar Herzoginnen zu Fuß begegnen,
die der leichteren Bewegung zuliebe, den Umfang ihrer Röcke
einschränkten; und im Garten des Palais-Royal erschienen kürzlich junge,
hübsche Frauen, die ihren Busen, statt ihn in ein Mieder einzuzwängen,
nur mit einem Mullfichu verhüllten.
Sie sehen, meine liebe Marquise, der Stil meines Briefs ist
hoffnungslos; der Gedanke an meine schöne Adressatin wirft alle Sätze
aus ihrer Bahn, und ich rede, da ich nicht von Ihnen allein reden darf,
wenigstens immer von Ihrem Geschlecht. Gestatten Sie mir noch einen
letzten schüchternen Versuch, den Fluß meiner Rede in das alte Bett
zurückzuleiten!
Schließen sich abends die Pforten des Palais-Royal, so öffnen sich die
der Klubs. Es sind das Vereinigungen mit literarischen, philosophischen
und politischen Zwecken, die wir in dieser Form aus England übernommen
haben. Sie vermehren sich wie Unkraut. Fast jeder kleine Krämer sucht
nach dem Essen seinen Klub auf, wo er nach Herzenslust das Vergnügen
genießt, über alles räsonnieren zu dürfen. Jener Volksauflauf im vorigen
Monat, als die Nachricht vom Sturz des Kanzlers sich verbreitete, wäre
ohne die Klubs und ihre Aufklärungsarbeit nicht möglich gewesen. Die
Pariser pflegten bisher nur zusammen zu strömen, wenn eine alte
königliche Maitresse ins Exil geschickt wurde, oder eine junge in die
petites appartements einzog. Sie hatten gewissermaßen ein väterliches
Interesse daran; sie waren stolz darauf, die Hauptlieferanten der
Liebesgenüsse großer Herren zu sein; sie zogen tief den Hut vor der
eignen Tochter, wenn irgend ein Prinzlein sie mit Brillanten behängte
--, heute spucken sie vor ihr aus. Etwas wie Selbstbewußtsein erwacht in
diesen armen kleinen Hirnen, nur daß es niemand von den Herrschenden
wahr haben will.
Während die Männer in den Klubs sich Abend für Abend über Fragen des
Freihandels oder der Zölle die Köpfe zerbrechen, Fragen, die seit
Turgot, der Anhänger der Physiokraten, am Ruder ist, zu wahrhaft
brennenden wurden, sitzt der Sultan der Oper, der Prinz von Soubise,
nach wie vor in seinem Serail, der Loge, um die von ihm pensionierten
Tänzerinnen neben den jüngsten Eleven huldvollst zu empfangen, und die
»gute Gesellschaft« strömt nach Pantin zur Guimard, um Komödien zu
sehen, von denen eine die andere an Laszivität übertrifft, oder sie
füllt das Hotel der Madame de Montesson, die, trotz ihres Alters, noch
immer als jugendliche Liebhaberin auf ihrer Bühne auftritt, und noch
immer die Egeria des Herzogs von Orléans ist.
Ich aber, teuerste Marquise, bringe meine Abende am liebsten in einer
Gesellschaft zu, die nicht durch Namen und Titel, wohl aber durch Geist
und Witz die erste von Paris genannt werden darf. Sie versammelt sich im
Hause Madame Geoffrins.
Wie wünschte ich Ihnen die Bekanntschaft dieser wundervollen Frau, die
es verstanden hat, ohne jung und ohne schön zu sein, die besten Köpfe
Frankreichs an sich zu fesseln. Hier sind d'Alembert, Turgot, Diderot
fast tägliche Gäste, hier wird freimütig ausgesprochen, was außerhalb
dieses Salons noch in die Bastille führt, und die Wahrheit und die
Religion des kommenden Jahrhunderts ist.
Sie werden finden, daß ich unbescheiden bin, indem ich Ihre gütige
Erlaubnis, Ihnen schreiben zu dürfen, in dieser Weise ausnutze. Aber mir
ist, als wäre es wieder Nacht um Sie, die ein fernes Feuer rot
durchglüht und als stünden Sie vor mir, die kleine Gräfin Laval mit den
großen brennenden Augen und der stockend hervorgestoßenen Frage: »Ist es
wirklich, kann es wirklich sein?!«
Ob ich sie weiter beantworten darf, das haben Sie zu entscheiden.
Johann von Altenau an Delphine.
-Paris, am 3. Oktober 1774.-
Verehrteste Frau Marquise, Ihre rasche Antwort würde mich entzückt
haben, wenn ich sie der Wirkung meines Briefes zuschreiben dürfte. Aber
selbst Ihr Dank, dessen Wärme so gar nicht im Verhältnis zu meiner
Leistung steht, zeigt mir nur das Eine: daß Sie verschmachten, und somit
auch den kleinsten Tropfen Wasser als Labung empfinden. Dabei
überschütten Sie mich mit einer bunten Vielheit von Fragen, die zu
beantworten ich eine wahre Encyklopädie schreiben müßte. Sie erwarten
wohl auch dergleichen gefährlich Freidenkerisches, sonst würden Sie mich
nicht bitten, als Deckadresse die Ihres Hofnarren zu benutzen, ein
Vorgehen, das vielleicht gefährlicher ist, als wenn ein Unberufener
meine Briefe liest. Sind Sie des Mannes so sicher, in dessen Hand Sie
sich begeben? Ich erfuhr jetzt erst, daß er der Sohn unserer robusten
Kaffeehaus-Wirtin ist, einer skrupellosen Person, die den einträglichen
Weg vom Straßenmädchen zur Kupplerin hinter sich hat, und sicher für ein
paar Louisdor ihre intimsten Freunde an den Galgen brächte.
Doch genug davon. Ich will versuchen, Ihre Fragen zu beantworten und
zwar möglichst der Reihe nach, weil ich gewiß zu sein glaube, daß
diejenigen, die Ihnen am meisten am Herzen lagen, auch an erster Stelle
stehen. Dabei muß ich meine Fragen nach dem Warum der seltsamen
Reihenfolge in den Hintergrund schieben.
Also zuerst: Marie-Madeleine Guimard. Ich wundere mich nicht, daß Sie so
viel von ihr gehört haben; mir scheint ein Teil des Geistes unserer
Epoche in ihr verkörpert, wie denn überhaupt die Frauen, sei es infolge
ihrer größeren Sensibilität, sei es, weil sie den geheimnisvoll
wirkenden Kräften der Natur näher verwandt sein dürften als wir, in
besonderem Maße die Produkte ihrer Zeit und ihrer Umgebung sind.
Von majestätischem Wuchs und üppigen Formen, mit unbewegt regelmäßigen
Zügen, waren die Frauen unter dem Zepter des Roi soleil; ihre Schönheit
war eine rein körperliche, zu der das steife, prunkvolle Hofkostüm
ebenso paßte, wie die antikisierenden Gewänder des Schauspiels und des
Balletts; graziöser, lebhafter erschienen die Zeitgenossinnen der
Marquise Pompadour; der Geist fing an, auch das unregelmäßige Gesicht
von innen zu verklären; heute hat er sich den ganzen Körper unterworfen.
Ein seelenvolles Auge, ein kapriziöses Näschen, ein Mund, der, selbst
wenn er stumm bleibt, jeden Gedanken, jedes Gefühl wiedergibt; feine,
schlanke Glieder, die nicht mehr um ihrer selbst willen da zu sein
scheinen, sondern nur neue Ausdrucksmittel der Empfindungen sind --, das
ist die Frau fin de siècle, das ist Madeleine Guimard. Sie ist nicht
mehr jung, sie ist keine Schönheit, und doch ruiniert sich der Prinz von
Soubise für sie, und der Herr von Laborde, ihr amant de coeur aus der
Vergangenheit, bewahrt ihr die Treue eines Hundes, obwohl er stets neue
Rivalen hat. Sie ist aus der Hefe des Volks emporgestiegen, wie alle
ihresgleichen, und würde am Hofe von Versailles keiner Prinzessin von
Geblüt nachstehen, denn sie besitzt in höchstem Maße jene
Anpassungsfähigkeit der Frauen, die in wenigen Jahren aus einem kleinen
Vorstadtmädchen eine Dame macht, während ein Bauer immer ein Bauer
bleibt, auch wenn er Jahrzehnte lang Titel, Degen und seidene Strümpfe
trägt.
Wenn sie tanzt, so könnte man ihr Antlitz verhüllen und würde doch jedes
ihrer Gefühle verstehen. Man sieht, wie Himmel und Hölle um ihre Seele
streiten. Ihre Luxusbedürfnisse sind ohne Grenzen, und doch kann man ihr
in den Elendsquartieren der Butte St. Roche begegnen, wo sie, dicht in
den Kapüchon gehüllt, Geld, Kleider, Lebensmittel unter die Armen
verteilt. Kaltblütig hat sie schon Dutzende von Männern zu Bettlern
gemacht, daneben rettet sie im Stillen junge Offiziere und arme Kollegen
vor dem Elend. Die Orgien in ihrem Hotel bilden den Skandal der
Nachbarschaft; dabei ist sie imstande, am nächsten Tage mit vollendeter
Decenz Damen des Hofs, Männer der Kunst und der Wissenschaft zu
empfangen, für die einen ein Beispiel in der Toilette wie im Haushalt,
für die anderen eine sprudelnde Quelle der Anregung.
Und nun die Raucourt. Ihre Schönheit ist eine völlig jünglinghafte, ihr
Geist hat in seiner kühlen Schärfe etwas Männliches. Man erzählt sich
nur eine weibliche Schwäche von ihr: als vor Jahr und Tag der Patriarch
von Ferney, in dessen Tragödie »les Lois de Minos« sie sich weigerte,
aufzutreten, ihre Tugend angriff, fiel sie in Ohnmacht. Seitdem ist sie
unempfindlicher geworden. In den Rollen tragischer Heldinnen ist sie
unvergleichlich, dagegen fehlt es ihr für die Rollen der Liebhaberin,
die sie im Leben zu spielen versucht, an Grazie. Daher sind wohl auch
ihre Verehrer meist sehr junge Leute, die mehr bewundern als lieben,
mehr Schüler als Herren sind. Sie gehört zu den ständigen Besucherinnen
der Gärten des Palais-Royal, wo sie weit mehr Frauen als Männer um sich
versammelt. Eine der Pariser Sensationen war es, als sie kürzlich in
einem der berühmten Privatzimmer der Madame Gaillard einen Frauenklub
gründete, von dem die Lästerzungen der Kaffeehäuser, die viel giftiger
sind als die der Salons, weil sie jeder guten Form entraten, allerhand
Böses zu sagen wissen. Im übrigen glaube ich nicht, daß Mademoiselle
Raucourt mehr als irgend eine andere der neuen Frauentypen ein
Gegenstand Ihres Interesses zu sein verdient.
Sie fragen sodann, verehrte Frau Marquise, nach neuen Romanen, nach dem
Befinden der Königin, nach den Aussichten des Ministeriums, nach einer
Adresse zum Bezug der Parfilage, jener gräßlichen neuen Beschäftigung
für nervöse Frauenfinger, nach den Ideen Diderots; -- ich stehe vor
dieser bunten Vielheit wie ein Kind vor der Jahrmarktsbude und weiß
nicht, wohin ich zuerst greifen soll, auch sind leider zu wenig
Geistespfennige in meinem Besitz, um für all das mit der richtigen Münze
zu zahlen.
Neue Romane? Frauen schreiben sie mit derselben Fingerfertigkeit, wie
sie Goldfäden zupfen. Es sind Herzensergüsse auf dem Papier, weil die
Liebhaber sich aus dem Staube machten, die sonst zuhörten. Ich schicke
Ihnen einige Proben und weiß, daß Ihr guter Geschmack Sie vor weiterem
Bezug warnen wird. Die Zeit der Dichter ging vorüber, sobald die
Wirklichkeit an den kühlen Verstand zu große Anforderungen stellte. Erst
wenn wir das prosaische Problem des Sattwerdens gelöst haben, können wir
uns wieder an der Tafel Anakreons mit Rosen kränzen.
Das Befinden der Königin? Sie baut in Trianon Sennhütten und
interessiert sich für das Melken der behäbig blökenden Kühe und die
Aufzucht friedvoller Lämmer.
Die Aussichten des Ministeriums? Sie werden unter diesem König, dem
seine Räte täglich in ein anderes Jagdrevier nachreisen müssen, dem die
Zahl der erlegten Rehböcke wichtiger ist, als die Zahlen des
Staatsdefizits, der mit vielem Schweiß Schlösser konstruiert, die seine
Garderobenschränke, nicht aber sein Reich vor Dieben sichern, -- niemals
zu berechnen sein.
Die Adresse für die Parfilage? Ich verschweige sie, weil Strümpfe
stricken und Hemden nähen immer noch geistvoller ist als dieser
Zeittotschläger.
Die Ideen Diderots? Sie unterwühlen wie eine Herde hungriger Ratten den
Boden, auf dem unsere Welt gebaut ist, obwohl in Frankreich nicht
hundert Menschen den Namen dessen kennen, der sie, ein umgekehrter
Rattenfänger, hervorgezaubert hat. Sie sind wie vergiftete Pfeile, an
denen der, den sie trafen, langsam hinsiecht. Rousseau hat die Rückkehr
zur Natur wie ein neuer Religionsstifter gepredigt; Voltaire, der
Hofnarr Seiner Majestät des achtzehnten Jahrhunderts, hat alles, was der
Menschheit heilig erschien, mit der scharfen Lauge seines Spottes
übergossen; Diderot aber ist der Held, der mit blanker Waffe, ein offner
Feind der Gesellschaft, ihr gegenübertritt. Von ihr, so sagt er, stammen
alle Leiden, alle Laster; von ihr, die die Religion und den Reichtum,
das heißt Unterdrückung der Einen durch die Anderen, die vor allem die
Moral erfunden hat. Die Religion ist die Quelle von Verfolgungen und
Verbrechen, von Kriegen und Ketzergerichten; die Moral die Quelle der
Heuchelei, des Seelenselbstmords, der Versklavung aller natürlichen
Triebe; ihre Überwindung ist Wiedergeburt.
Sie erschrecken, Frau Marquise?! Ach, ich dachte nicht daran, daß Sie
sich in Ihren angstvollsten Stunden noch betend auf die Kniee werfen,
daß Sie Ergebenheit in das Geschick, Unterdrückung der aufrührerischen
Stimmen Ihres Inneren für Tugenden halten. Oder irre ich mich? Die
kleine Gräfin Laval ist gegen den Befehl der Äbtissin bei Nacht und
Nebel dem Kloster entflohen, die kleine Gräfin Laval ist, trotz der
sicheren Strafe, freiwillig zurückgekehrt, um einer Sterbenden die
letzten Stunden zu erleichtern.
Verzeihen Sie! Das Bild dieses reizenden, tapferen Kindes hat sich
meinem Herzen so unauslöschlich eingeprägt, daß ich darüber die Marquise
Montjoie vergaß!
Johann von Altenau an Delphine.
-Paris, am 20. Oktober 1774.-
Verehrte Frau Marquise! Einen Augenblick lang war ich wie vor den Kopf
geschlagen, daß mein Mißtrauen in Ihre Willensstärke, in Ihr
Selbstbewußtsein Sie dermaßen hat empören können. Jetzt freue ich mich
der -- ich gestehe -- nicht ganz unabsichtlichen Wirkung, denn sie hat
Ihre Kraft gestählt.
Die kleine Abhandlung »Du droit au divorce« lege ich bei; von Diderots
Dialog »Est-il bon? Est-il méchant?«, der in knapper Form das
Wesentliche dessen enthält, was Sie wünschen, hoffe ich Ihnen eine
Abschrift verschaffen zu können.
Daß Sie die Möglichkeit eines Pariser Aufenthalts in Aussicht stellen,
wenn »alles vorüber ist«, -- Sie meinen doch wohl die Geburt Ihres
Kindes? --, hat mich entzückt. Ich habe am letzten Mittwoch schon mit
Madame Geoffrin gesprochen, die außer Fräulein de Lespinasse Damen nicht
zu empfangen pflegt, weil sie, wie sie sagt, doch »nur aus Neid oder
Neugierde kommen, und zum Klatschen und Keifen weggehn«, aber bei Ihnen
eine Ausnahme machen will. Ihre Briefe fand sie bezaubernd; »eine Frau
von Geist und Herz ist heute, wo der Verstand wie ein Prinz erzogen,
gepflegt und gehätschelt, das Herz dagegen als Aschenbrödel behandelt
wird, eine solche Ausnahme, daß ich sie liebe, ohne sie zu kennen.« Ein
Urteil wie dieses aus dem Munde der Madame Geoffrin ist in den Kreisen
des geistigen Frankreich, was der Nachweis von zweiunddreißig Ahnen für
das Königshaus ist.
Darf ich Sie noch bitten, Herrn Gaillard daran zu erinnern, daß er mir
von Ihrem Befinden Nachricht geben möchte, sobald Sie selbst, teuerste
Marquise, mir nicht mehr zu schreiben imstande sind.
Lucien Gaillard an Delphine.
-Froberg, den 20. November.-
Hochverehrte Frau Marquise, Euer Gnaden werden mir diesen ungewöhnlichen
Schritt verzeihen. Ich kann nicht anders, da es mir unmöglich gemacht
wird, bis in Ihr Zimmer vorzudringen.
Ehe die Frau Marquise auf Froberg einzogen, hat mich niemand in diesem
Hause wie ein Mensch behandelt. Alles was an Empfindung in mir lebte,
hatte sich darum nur zu einem Gefühl verdichtet: dem Haß. Euer Gnaden
Güte und Teilnahme haben mich erst bemerken lassen, daß ich ein Herz in
der Brust habe wie die gerade Gewachsenen. Jeder Schlag dieses Herzens
gehört der Frau Marquise.
Daß ich einen Menschen leben sehen muß, der Euer Gnaden Leiden und
Schmerzen verursacht, ist schon gräßlich genug. Aber daß dieser Mensch
sich nicht scheut, Euer Gnaden im eigenen Hause zu demütigen und, -- es
muß gesagt werden --, zu betrügen, das ertrage ich nicht.
Madame Paumille, die für den jungen Herrn engagierte Amme, ist die
Geliebte des Herrn Marquis, ihre Tochter die seine. Zum Beweis diene
beiliegender Brief, den ich aus ihrem Schubfach entwendet habe.
Marquis Montjoie an Delphine.
-Froberg, den 22. November 1774.-
Meine Liebe! Sie verweigern mir den Zutritt, und nur, um einen noch
größeren Skandal zu vermeiden, der unsere Differenzen in die Mäuler
aller Untergebenen trägt, füge ich mich zunächst. Auch glaube ich, daß
es tatsächlich förderlicher ist, wenn wir eine mündliche
Auseinandersetzung, wie die gestrige, bis zu Ihrer völligen
Wiederherstellung vermeiden. Nur, weil ich befürchte, Sie haben in Ihrer
Erregung nicht alles gehört, was ich gesagt habe, will ich versuchen,
mich schriftlich verständlich zu machen, wobei ich nochmals ausdrücklich
betone, daß ich mich weder gestern noch heute veranlaßt fühle, etwa wie
ein Schuldbewußter vor Ihnen zu erscheinen.
Ich wiederhole: Madame Paumille ist nicht meine Geliebte, was Ihre
Kenntnis meines Geschmacks Ihnen ohne meine Versicherung hätte sagen
müssen. Ich bin nicht zu tugendhaft, aber zu ästhetisch veranlagt, als
daß ich die Absurdität begehen könnte, meine Maitresse in mein Haus zu
nehmen. Der freche Brief meines Reitknechts, der Ihnen in die Hände
gespielt wurde, bezeugt nichts anderes, als daß ich auf der Jagd in den
Wäldern von Soultz eine Nacht bei dem Weibe zubrachte. Es wäre auch das
nicht geschehen, wenn Sie, meine Teure, mir nicht gerade damals
Gelegenheit gegeben hätten, Sie von Ihrer unliebenswürdigsten Seite
kennen zu lernen.
Ob die Tochter der Paumille die meine ist, kann ich nicht wissen. Ich
halte es aber für eine einfache Anstandspflicht, auch auf die bloße
Möglichkeit hin der Mutter des Kindes die nötige Unterstützung zukommen
zu lassen.
Was ihre Wahl als Amme meines Sohnes betrifft, so hat sie sich, wie Sie
wissen, selbst gemeldet, und ist von unserem Arzt unter allen
Bewerberinnen als die geeignetste bezeichnet worden. Da mir die
Gesundheit meines Sohnes jetzt in erster Linie am Herzen liegt, -- ganz
abgesehen von der notwendigen Rücksicht auf das Gerede der Leute, --
wünsche ich, daß keine Änderung eintritt. Ich werde dafür Sorge tragen,
daß Madame Paumilles Haus in einen Stand gesetzt wird, der dem Range
ihres Pflegebefohlenen entspricht. Sie wird Ihnen dann aus den Augen
sein, und in wenigen Monaten werden Sie sich Ihrer Aufregung über die
ganze Sache nur noch lächelnd erinnern.
Nun zu dem Brief, den Sie mir übergeben ließen. Sie fordern nichts mehr
und nichts weniger als eine Trennung unserer Ehe, und begründen diesen
Wunsch mit einer Überfülle an tönenden Worten, wie Wahrhaftigkeit,
Selbstachtung, persönliche Freiheit. Sie sind wirklich noch ein Kind,
sonst müßten Sie wissen, daß es überhaupt keine Ehe mehr geben würde,
wenn die Scheidung jedesmal die Folge solch einer »Untreue« wäre; sonst
würden Sie sich auch sagen können, daß die Marquise Montjoie sich
niemals zum Gegenstand eines allgemeinen Hohngelächters machen darf.
Ich fürchte nach allem Geschehenen, daß Sie, meine Liebe, noch sehr viel
werden lernen müssen, ehe ich wagen kann, mit Ihnen nach Versailles zu
gehen. Ich habe daher Auftrag gegeben, unser seit Jahren leerstehendes
Palais in Straßburg in stand zu setzen, damit ich Sie zunächst der
dortigen Gesellschaft vorstellen kann.
Noch eins: Lucien Gaillard, dieser Schurke, der die Wohltaten, die meine
Mutter und ich ihm seit seiner Geburt erwiesen haben, in so schändlicher
Weise lohnte, ist von mir entlassen worden. Ich darf von der Vornehmheit
Ihrer Gesinnung doch wohl so viel erwarten, daß Sie jeden Versuch dieses
Menschen, sich mit Ihnen in Verbindung zu setzen, gebührend zurückweisen
werden.
EINE DEUTSCHE TRAGOEDIE
Prinz Louis Rohan an Delphine.
-Straßburg, den 21. Februar 1775.-
Schönste Frau! Meine Umgebung schließt aus meiner üblen Laune bereits
auf die schwersten politischen Komplikationen. Sie ist so deutsch, so
grenzenlos deutsch, daß sie die Größe meines Schmerzes, eine Einladung
zu Ihnen ablehnen zu müssen, ebensowenig versteht, wie sie von der Größe
der Wirkung eine Ahnung haben kann, die Ihr Erscheinen in Straßburg auf
mich ausüben mußte. Seit Eröffnung des Hotels Montjoie verwandelt sich
der Ort der Verbannung in eine Insel der Seligen.
Mein Pariser Kurier hat die kleinen Pasteten, die ich Ihnen für das
Souper versprochen hatte, mitgebracht. Der Neid auf Ihre glücklichen
Gäste könnte mich fast verführen, sie vergiften zu lassen! Was er sonst
mitbrachte -- Briefe und Journale -- ist kaum der Rede wert. Hier haben
Sie im Zeitungsstil unserer jüngsten Literatur ein Ragout von Allem. Ihr
Geist wird verstehen, es Ihren Gästen als das Neueste aus Paris
geschmackvoll vorzusetzen:
Aus den Zeichen am Himmel Frankreichs verkünden unsere weisen
Sterndeuter das Nahen starker Gewitter. So hat die kleine Lucy vom
Vaudeville jüngst in der Komödie zwei Verse bedeutungsvoll betont: »Il
est des sages de vingt ans et des étourdis de soixante« und ist wegen
Majestätsbeleidigung auf zwölf Tage eingesperrt worden. Ich überlasse
es Ihrem Scharfsinn, zu enträtseln, ob es der tote oder der lebendige
König war, den sie beleidigte.
Sodann ist in Voltaires neuester Tragödie der Satz: »sous les débris du
trône écrasent les sujets« wütend applaudiert worden, wobei das Parterre
an den Trümmern des Throns, die Logen an den niedergeworfenen Untertanen
ihren Enthusiasmus entzündeten.
Ferner hat Herr von Malesherbes seinen feierlichen Einzug in die
Akademie gehalten, »Herr von Malesherbes« so schreibt mein
Korrespondent, »der das Erscheinen der Encyklopädie ermöglichte«. Er
begleitet diesen Satz mit drei schreckhaften Ausrufungszeichen; er ist
nämlich noch nicht alt genug, um wissen zu können, daß nur Tote unter
die »Unsterblichen« gehen.
Und schließlich hat der Marquis Mirabeau sich der Öffentlichkeit als
Plato eines neuen Sokrates vorgestellt, indem er einen gewissen Dr.
Quesnay, der jüngst das Zeitliche segnete, als den Erlöser von allen
Übeln, an denen wir kranken, pries. Das ist meines Erachtens das einzige
Ereignis, das einen Augenblick lang nachdenklich stimmen könnte. Nicht
wegen des Herrn Quesnay, der den gloriosen Gedanken, den Degen mit der
Mistgabel, den Fächer mit dem Milchkübel zu vertauschen, im Boudoir der
Marquise Pompadour konzipierte und nun der Heilige der Ökonomisten
geworden ist, von dessen Wundertaten sie die Rückkehr zur Natur
erwarten, sondern wegen der Persönlichkeit seines Propheten.
Schiffbrüchige Aristokraten, die sich mit Volksbeglückung befassen, sind
gefährlich, denn das aufreizende Gift der Unzufriedenheit brennt denen,
die Alles verloren haben, stärker im Blut als armen Hungerleidern, die
nichts besaßen und sich mit einem Stück Brot den schon zum Schreien
aufgerissenen Mund wieder stopfen lassen.
Im übrigen, schönste Frau, seien Sie gewiß: Sie würden in Paris so
sicher tanzen können, wie in Straßburg, denn die einzige Revolution, die
wirklich die Gemüter erhitzt, spielt sich nicht auf der Straße, sondern
in der Oper ab, wo die Piccinisten mit den Gluckisten in wütendem Kampfe
stehen; selbst dem Frieden der Familien droht Zerstörung, wenn der eine
Teil für die Melodien des Italieners, der andere für die Trommeln und
Trompeten des Deutschen schwärmt.
Ich werde mir gestatten, mich nach Ihrem Fest persönlich um Ihr Befinden
zu erkundigen und hoffe, mir dadurch für die verlorenen Stunden in Ihrer
Nähe reichlichen Ersatz zu schaffen.
Marquis Montjoie an Delphine.
-Froberg, am 25. Februar 1775.-
Meine Liebe! Ich beeile mich, Ihnen mitzuteilen, daß die Erkrankung
meiner Mutter eine leichtere ist, als ich glaubte, fürchten zu müssen,
die Vorbereitungen zu Ihrem Fest daher nicht unterbrochen werden sollen.
Die Blumen aus unseren Warmhäusern gehen zu gleicher Zeit ab. Meine
Leibjäger dürften bereits heute in Straßburg eintreffen. Die Fracht aus
Paris mit der Bühnendekoration begegnete mir unterwegs. Sie wird also
rechtzeitig zur Stelle sein.
Sie werden anerkennen müssen, daß ich keinen Ihrer extravagantesten
Wünsche unerfüllt ließ, obwohl, wie Sie wissen, das System Herrn
Turgots, der es darauf abgesehen zu haben scheint, den König der
festesten Stütze des Throns, der Aristokratie, zu berauben, sich auch
bei dem höchsten Einkommen schon peinlich bemerkbar macht. Ich habe mich
trotzdem zu Opfern entschlossen, weil ich Ihnen in dem Bestreben, mit
einem Schlage die erste Position in der Straßburger Gesellschaft zu
erobern, nur beipflichten kann. Nun darf ich aber auch von Ihrer Seite
einiges Entgegenkommen erwarten, um so mehr als Ihr Eigensinn alles
vernichten könnte, was Sie mit Ihrem Fest bezwecken.
Daß wir Mademoiselle Guimard bewogen haben, bei uns zu tanzen, wird
nicht nur in Straßburg, sondern auch in Paris, -- was erheblich
wichtiger ist --, das Gespräch der Gesellschaft bilden; das Fräulein
jedoch, wie Sie es wünschten, als Gast in unserem Hause zu beherbergen,
würde uns lächerlich machen. Ich ersuche Sie daher, es bei meinen
Arrangements mit dem Hotel de France zu belassen.
Da ich in Bezug auf unsere zweite Differenz Ihrer schließlichen
Geneigtheit weniger sicher zu sein glaubte, habe ich Ihrer Entscheidung
vorgegriffen und den Grafen Chevreuse auch in Ihrem Namen eingeladen. Es
wäre ein nicht wieder gut zu machender faux-pas, einem Protégé der
Königin, der sich noch dazu in ihrem Dienste in Straßburg aufhält, unser
Haus zu verschließen. Ihre Gründe kenne ich nicht, habe auch nicht die
Absicht, mich in ihr Vertrauen einzudrängen; ich weiß nur das Eine, daß
sie unmöglich gewichtig genug sein können, um uns zu einer Brüskierung
des Grafen zu zwingen.
Ich habe im Interesse Frankreichs den lebhaften Wunsch, zu dem Gelingen
seiner Mission beizutragen. Es handelt sich, -- das sei Ihnen im
tiefsten Vertrauen mitgeteilt --, um die Anbahnung einer Versöhnung der
Königin mit dem Prinzen Rohan. Die Kaiserin von Österreich hat ihre
Tochter sehr zu seinen Ungunsten beeinflußt, indem sie ihr einerseits
mitteilte, in welcher Weise er sich erlaubte, kurz nach seiner
Abberufung aus Wien, über sie zu sprechen, und ihr andererseits
darstellte, welch ein Leben er als Gesandter und Priester zu führen sich
gestattete. Beides sind zweifellos grobe Unvorsichtigkeiten, aber nicht
ausreichend, um einen Mann von so erprobter Gesinnung und so
einflußreichen Familienverbindungen kalt zu stellen.
Graf Chevreuse erhielt vom König direkt den geheimen Auftrag, die
Angelegenheit zu untersuchen und, wenn irgend möglich, beizulegen.
Ich hoffe, der Juwelier hat Ihnen die Smaragden zur Auswahl vorgelegt,
wenn nicht, so lassen Sie ihn rechtzeitig daran erinnern. Es wird sehr
darauf ankommen, die Nüance der Steine zu der Rosenfarbe Ihrer Toilette
richtig abzustimmen. Ich empfehle Ihnen, Herrn Duplessis, der für Ihr
Porträt gerade diese Farben wählte, dabei zu Rate zu ziehen.
Prinz Louis Rohan an Delphine.
-Straßburg, am 27. Februar.-
Alles ist berauscht von dem Fest im Hotel Montjoie und bezaubert von
Ihnen, schönste Frau. Wollen Sie selbst beurteilen, ob man mir gut
berichtet hat: Sie haben die Natur Ihrem Willen unterworfen, indem Sie
den Sommer zwangen, mitten im Winter Ihre Säle zu schmücken, und Lukull
von den Toten erweckten, damit er die Genüsse Ihrer Tafel bereite; eine
neue, liebenswürdigere Circe, haben Sie die schwerfälligen Damen
Straßburgs in eine Schar übermütiger Grazien verwandelt, und haben
Terpsichore zu sich berufen, deren Hexenkünste die steifsten Glieder
gelenkig machte, so daß sie sich bis zum grauenden Morgen unermüdlich im
Reigen schwangen. Ihre Augen haben Herzen gebrochen; Ihr Lächeln hat
Freunde entzweit, den Frieden der Ehen erschüttert. Wollten Sie
beweisen, daß eine einzige schöne Frau größere Revolutionen verursachen
kann, als alle Pariser Skribenten zusammengenommen?!
Daß Sie mitten in Ihren Triumphen meiner gedachten und mir, dem
einsamen Kranken, köstliche Proben Ihres Überflusses zukommen ließen,
betrachte ich als eine Auszeichnung, deren ich mich erst würdig erweisen
muß. Befehlen Sie über mich! In wenigen Tagen hoffe ich, das Zimmer
verlassen zu können; mein erster Weg wird mich zu Ihnen führen.
Marschall Maxim von Contades an Delphine.
-Straßburg, am 28. Februar.-
Verehrte Frau Marquise, darf ich Sie an ein Versprechen erinnern, das
Sie vielleicht schon vergessen haben, auf dessen Erfüllung ich aber
bestehen muß, weil es mir die Möglichkeit gewährt, Sie wenigstens auf
ein paar Stunden nicht mit der Schar Ihrer Bewunderer teilen zu müssen?!
Sie wollten meine Schimmelstute unter meinem Schutz zu reiten versuchen;
das Pferd steht zu Ihrer Verfügung wie sein Herr, und das Wetter ist
milde. Mein Reitknecht erwartet Ihre Bestimmung über Tag und Stunde.
Karl von Pirch an Delphine.
-Straßburg, den 30. Februar.-
Gnädigste Frau Marquise, hier ist das Büchlein, von dem ich mit Ihnen
sprach. Keiner Anderen hätte ich das mir so teure Werk anzuvertrauen
vermocht, aber als Sie mitten im Gewirr französischer Konversation
gütig lächelnd die ersten deutschen Worte an mich richteten, da stand
ich nicht nur ganz in Ihrem Bann, sondern ich wußte auch, daß Sie den
Dichter verstehen, mit seinem Werther weinen würden.
Ich wage nicht, es Ihnen selbst zu überbringen. Ich fürchte, zudringlich
zu erscheinen. Ich fürchte noch mehr, mich in ein Gefühl zu verstricken,
das dem Franzosen ein Spiel, dem Deutschen aber ein Schicksal ist.
Graf Guy Chevreuse an Delphine.
-Straßburg, 2. März 1775.-
Zürnende Göttin -- darf ein armer Sterblicher voller Zerknirschung Ihrem
Throne nahen? Sie waren verschwenderisch in Ihren Gnaden, wie es einer
Olympierin zukommt; vom Marschall bis zum kleinen deutschen Offizier
rühmt sich ein jeder, Sie anbeten zu dürfen. Ich allein stehe vor
verschlossenen Tempeltüren. Sie verweigerten mir sogar im Menuett Ihre
Hand, auf der ich eben noch die Lippen des Herrn von Contades
selbstvergessen hatte ruhen sehen.
Ich vermutete in Ihrem Benehmen zunächst nichts anderes, als das
Raffinement einer Frau, der die Langeweile der Ehe zur Schule der
Koketterie geworden ist, und ich fühlte mich fast geschmeichelt.
Nun bin ich aufgeklärt: die kleine Guimard, die Sie unvorsichtig genug
waren, nach Straßburg kommen zu lassen, weil Sie offenbar ihre
Kenntnisse in der Wissenschaft der Galanterie unterschätzten, ist
mittels einiger Flaschen Champagner sehr gesprächig geworden.
»Die Marquise war gnädig, außerordentlich gnädig,« erzählte sie und ließ
den Brillanten in der Sonne funkeln, den Sie ihr schenkten, -- »für
meinen Tanz, natürlich nur für meinen Tanz,« wie sie mit listigem
Augenzwinkern versicherte. »Ich mußte ihr von Paris erzählen,« plauderte
sie dann weiter, »von meinem Hotel, meinen Soupers, -- soweit man sie
einer elsässischen Marquise schildern kann! --, von meinen Gästen vor
allem.« »Von Ihren Gästen?!« machte ich erstaunt. Sie blinzelte mich von
der Seite schelmisch an: »Aha, ich merke, Sie möchten wissen, für wen
sich die schöne Frau so lebhaft interessiert, um eine Guimard in ihr
Vertrauen zu ziehen, aber ich sage nichts, gar nichts! Ich kann diskret
sein wie eine große Dame.«
Ich wechselte das Thema des Gesprächs und ließ eine Flasche Burgunder
entkorken, -- sie liebt diesen dunkelroten Wein besonders, seitdem der
Prinz von Soubise sie damit taufte und seine Feuerfarbe die Weiße ihrer
Haut so leuchtend erscheinen ließ, daß er auf immer geblendet wurde --;
ich spielte den schmachtenden Anbeter mit all der Virtuosität, die ich
noch der Schule Dubarry verdanke. Und sie wurde weich, wurde
schwärmerisch, sie erinnerte sich, Manon Lescaut und die Neue Heloïse
gelesen zu haben. Jetzt warf ich Ihren Namen ins Gespräch. »Die arme
Frau,« seufzte sie tränenschimmernden Blicks, »sie liebt, liebt
unglücklich --«
Nach diesem Geständnis, schöne Marquise, bedurfte es nun keiner Bitten
mehr!
Zwar weiß ich, meine stolze Feindin hat die kleine Balletteuse nicht zu
ihrer Vertrauten gemacht, aber für eine Liebeskünstlerin wie diese war
Ihre vornehme Reserve nichts als ein durchsichtiger Schleier.
Also darum bin ich in Ungnade gefallen?! Und doch ritzte ich nur die
glatte Haut des Prinzen und verlieh ihm einen Reiz mehr --, den des
Helden!
Wären Sie übrigens huldvoller gewesen, Sie hätten sich nicht zu einer
Guimard herabzulassen brauchen, um von dem Gegenstand Ihres Interresses
Näheres zu hören. Ich bin sehr gut orientiert, denn seit seiner Rückkehr
nach Paris tut der Prinz Dienst bei der Königin.
Er ist der Liebling der Damen; sie vermuten hinter seiner Melancholie
einen erschütternden Roman, und da die große Leidenschaft Mode zu werden
beginnt, fehlt es ihm nicht an Anbeterinnen, die jederzeit bereit sein
würden, ihn zu trösten. Die Gräfin Diane de Polignac hat sich seiner, --
sagen wir höflich als Kavalier: mütterlich --, angenommen. Er seufzt ihr
zu Füßen, wenn auch vielleicht noch nicht um sie. Sammle ich nicht
feurige Kohlen auf Ihr Haupt? Werde ich endlich hoffen, von Ihnen
beachtet zu werden? Oder wird nur der Mann im Tête-à-Tête empfangen, der
den Namen eines Rohan mit der Aussicht auf einen Kardinalshut
verbindet?! Ich weiß von ihm, wie gern Sie, reizende Delphine, Straßburg
mit Versailles vertauschten. Aber leider ist ein Rohan immer noch der
ungeeignetste Führer dorthin.
Graf Guy Chevreuse an Delphine.
-Straßburg, den 3. März 1775.-
In jedem Buchstaben Ihrer Antwort, verehrteste Marquise, bebt die
Entrüstung: Weil ich »eine trunkene Tänzerin herausforderte«, von Ihnen
Märchen zu erzählen, weil ich »so tief gesunken« bin, zu glauben, die
Marquise Montjoie könnte mit einer Guimard auch nur einen Gedanken
teilen. Ich fühle mich geschlagen, vernichtet, gnädigste Marquise; ich
bin bereit, für meine Sünden kniefällig um Verzeihung zu bitten, -- wenn
Sie mir gestatten wollten, es nicht nur auf dem Papier zu tun!
Fordern Sie, was Sie wollen, -- nichts wird mir zu erfüllen unmöglich
sein, ist Ihre Gunst der Preis dafür. Ich fühle mich schon als Ihren
Beauftragten gelegentlich meines heutigen Gesprächs mit dem Herrn
Marquis.
»Nur des Königs ausdrücklicher Wunsch würde mich bewegen können, in
Versailles zu erscheinen,« sagte er; »die Berufung Turgots ist ein
Schlag ins Gesicht für den Edelmann; der König muß wenigstens durch
unser Fernbleiben empfinden, was die Loyalität uns auszusprechen
verbietet.« Meinen Einwand, daß die Königin dem gesamten Ministerium
feindlich gegenübersteht und nichts sehnlicher wünscht, als durch die
Heranziehung Gleichgesinnter ihre Position zu stärken, beantwortete er
mit einem: »So mag Ihre Majestät uns rufen!«
Auf Grund dieser Bemerkung dürfen wir hoffen, Frau Marquise. Wie dieses
»wir« mich entzückt! Sie mögen sich sträuben, wie Sie wollen, schöne
Delphine: ein Gefühl und ein Geheimnis haben Sie gemeinsam mit mir --,
das sind die ersten Glieder einer Kette, die ich fester zu knüpfen mich
rastlos bemühen werde.
Wann empfangen Sie mich? Ihrer gnädigen Antwort sehe ich entgegen.
Karl von Pirch an Delphine.
-Straßburg, am 9. März 1775.-
In der sternhellen Frühlingsnacht, angebetete Frau, bin ich stundenlang
über die Wälle gegangen, habe vom feuchtwarmen Wind meine Haare
durchwühlen lassen, und, von Zeit zu Zeit erschöpft mich auf die Erde
werfend, meine glühenden Wangen an ihrer Brust gekühlt.
Und nun sitze ich auf hartem Stuhl in meinem unwirtlichen Gemach, und
es dünkt mir, ein seliger Traum gewesen zu sein, daß ich in einem
blauen, fliederdurchdufteten Boudoir, vor dem sprühenden Feuer eines
Alabasterkamins geweilt habe, das vollendetste Geschöpf, das aus Gottes
Hand je hervorging, mir gegenüber!
Ich bin ein zufriedener Mensch gewesen; mein brennender Ehrgeiz ließ
mich vergessen, daß ich ihm Vaterland und Heimat geopfert habe, er
verschloß mir die Augen vor meinem eigenen Elend. Seit ich Sie kenne --
ach, erst seit gestern kenne ich Sie ganz! -- fühle ich meine
schreckliche Armut, meine grenzenlose Verlassenheit.
O, warum weckten Sie mit Ihrer weichen Stimme, die so verständnisvoll
von Werthers Leiden sprach, den Menschen in mir auf? Nun möchte ich
Ihnen die Wunden des eigenen Herzens enthüllen, um Ihre Stimme um
meinetwillen zittern zu hören!
Und warum streichelte Ihre weiße Hand das kleine Buch; -- wenn ich es in
der meinen halte, spüre ich Ihren Zauber, wenn ich die Lippen darauf
presse, wird meine Sehnsucht zu einer Furie, vor deren Streichen ich nur
eine Zuflucht weiß: Sie!
Haben Sie Erbarmen mit einem Rasenden! Bettelarm stehe ich vor Ihnen,
und doch können Sie den Reichtum nicht ermessen, den ich Ihnen zu Füßen
lege: die Menschen verschenken ihr Herz stückweise, -- den Freunden, den
Geschwistern, der Mutter, -- ich aber gebe es Ihnen ungeteilt! Die
Menschen spielen mit ihrem Gefühl, und verkaufen es gegen bare Bezahlung
wie eine Ware, -- ich aber flehe nur um die Gunst, daß Sie es nicht von
sich stoßen mögen! --
Erschrecken Sie nicht vor der Größe meiner Leidenschaft. Sie ist ein
Atlas, der die ganze Welt zu tragen vermag, und ist vor Ihnen doch ein
kleines Kind, das kein Haar Ihres Hauptes zu krümmen imstande wäre. Den
Saum Ihres Kleides an meine Lippen pressen zu dürfen, wie gestern, ist
das Höchste, was ich begehre.
Marschall Maxim von Contades an Delphine.
-Straßburg, am 16. März 1775.-
Verehrteste Marquise! O, über die Launen schöner Frauen! Sollte man es
glauben, daß die kühnste aller Reiterinnen, die einen alten Soldaten,
den noch keiner ungestraft schief ansehen durfte, zu einem wehrlosen
Feigling macht, -- sie schlug ihm Wunden, die er nicht rächte!! --, daß
dieselbe grausame Schöne eines kleinen Kapitäns mitleidsvolle
Wohltäterin werden will?! -- Sie haben recht: Herr von Pirch ist
blutarm, aber er trägt bereits die Anwartschaft auf ein Vermögen in der
Tasche. Er steht unter persönlicher Protektion des Herzogs von
Aiguillon, die er sich durch seine genauen Kenntnisse der Kriegskunst
des Königs von Preußen erworben hat. Wir würden diesen deutschen Baron
nicht angestellt haben, wenn wir uns nicht große Vorteile davon
versprächen. Sie haben es in der Hand, reizende Samariterin, Ihrem
Schützling eine glänzende Situation zu bereiten: bestimmen Sie ihn zu
rückhaltloser Preisgabe seiner Geheimnisse. Sie leisten damit zu
gleicher Zeit Ihrem Vaterlande einen wichtigen Dienst.
Meine Stute erwartet ungeduldig ihre Gebieterin. Ich verzeihe es ihr,
daß Sie mich nicht mehr im Sattel dulden will. Wer vermöchte die rauhe
Faust noch zu ertragen, der von der zarten Führung Ihres Händchens
verwöhnt worden ist?!
Graf Guy Chevreuse an Delphine.
-Straßburg, Freitag.-
Schönste Marquise, der König hat befohlen, daß ich den Prinzen Rohan
nach Versailles begleiten soll, und die letzten eiligen Geschäfte, die
ich vorher noch abzuwickeln habe, zwingen mir das Opfer auf, Sie nicht
mehr sehen zu können. Es würde mein Herz noch heftiger bluten machen,
wenn ich nicht in letzter Zeit unter dem merkwürdigen Zufall, Sie bei
meinen Besuchen stets in Gesellschaft des Herrn von Pirch zu treffen, so
sehr gelitten hätte. Oder sollten diese Begegnungen einem Plan Ihres
entzückenden Köpfchens entsprechen, das in seiner Klugheit sicher ebenso
unergründlich ist, wie Ihr Herz in seinen Gefühlen? War es Ihre
Absicht, mich den Stachel der Eifersucht immer heftiger empfinden zu
lassen, damit ich alle Kraft daran setze, mich von ihm zu befreien, und
helfe, Sie möglichst weit aus dem Gesichtskreis des kleinen Barons zu
entfernen?!
Seien Sie versichert, ich werde intriguieren, wie Mademoiselle de
Lespinasse, die Minister und Akademiker kreiert, und plädieren wie
Monsieur Linguet, der die Gräfin Bethune sogar dann noch rettete, als er
bereits gestürzt war.
In Paris sehen wir uns wieder -- in diesem göttlichen Paris, wo alle
Pulse schneller schlagen, wo das Leben ein spannendes Glücksspiel, die
Liebe ein Champagnerrausch ist. Die Atmosphäre von Straßburg würde mich
schwermütig gemacht haben, wenn die Luft, die Sie umgibt, nicht
gesättigt gewesen wäre von diesem Paris.
Aber zuweilen entdecke ich, daß die feuchten Nebel des Rheins Ihre Augen
zu verschleiern beginnen, daß die erschreckende Nähe deutschen
Barbarentums einen fremden Zug von Ernst um Ihre schwellenden Lippen
legt; -- Paris allein kann Sie entzaubern! Auf Wiedersehen in Paris!
Soll ich den Prinzen Friedrich-Eugen von Ihnen grüßen? Darf ich ihm auch
vom Baron von Pirch erzählen?!
Mit deutscher Andacht küsse ich Ihnen die Hand und denke dabei mit
französischer Verwegenheit des rosigen Grübchens auf Ihrem Ellenbogen.
Karl von Pirch an Delphine.
-Straßburg, am 29. März 1775.-
Angebetete Frau Marquise! Wie lange noch soll ich es ertragen, daß Sie
mir so kühl gegenüberstehen, mich wie einen Fremden betrachten, der ich
Ihnen mein ganzes Wesen preisgab?! Ich weiß gar wohl: ich spiele eine
schlechte Figur zwischen Ihren glänzenden Gästen; zähneknirschend
empfand ich den hohnvollen Blick, mit dem der Graf Chevreuse meine
schlichte Uniform zu streifen pflegte; der Zorn schnürte mir die Kehle
zusammen, wenn ich, Sie erwartend, vor der Porte du Roi auf- und
niederging, und der Marschall Contades an Ihrer Seite vorbeigalloppierte,
so daß der arme Fußgänger im Staub, den die Pferdehufe aufwirbelten,
verschwand; und der Neid jagte mir kalte Schauer über den Rücken, sobald
der Prinz Rohan sich Ihnen nahte, der nie ohne kostbare Blumen Ihre
Schwelle überschritt, während ich daneben stand mit leeren Händen!
Aber heißt es nicht, Sie beleidigen, wenn ich solche Gründe für Ihre
Ungnade annehme? Habe ich überhaupt ein Recht, mich zu beklagen --, ich,
der ich versprach, wunschlos Ihre Nähe zu suchen?! Ach, Engel meines
Lebens, ich bin nur ein Sterblicher, und bin jung, und habe noch nie
geliebt! Vermessene Gedanken, die ich niemals wagen würde, vor Ihrer
Reinheit auszusprechen, lassen mich das Licht des Tages schamvoll
fliehen, und das Dunkel der Nacht fürchten wie höllische Finsternis.
Können Sie mir nicht lächeln, wie einst? Muß ich die Qual erdulden,
immer hinter den anderen zurückzustehen? Darf ich nie mehr allein den
Raum betreten, der voll Ihres Atems ist, nie mehr meinen heißen Kopf in
die Falten Ihres Kleides vergraben? Ich bin jedes Verbrechens fähig um
den Preis eines Blicks voll Güte!
Marschall Maxim von Contades an Delphine.
-Straßburg, am 16. April.-
Verehrte Frau Marquise, noch habe ich mich von meinem Erstaunen nicht
erholt, daß Sie den Baron von Pirch nicht beeinflußt haben wollten, und
meine Vermutung entrüstet von sich wiesen! Wozu dies Versteckenspiel,
schönste Frau? Meinen Sie, vor Ihrem grauhaarigen Verehrer Ihr warmes
Interesse für den jungen Mann verstecken zu müssen? Was ich bei meinem
letzten Gespräch mit Ihnen aus der veränderten Lage des Kapitäns, seinen
englischen Pferden und Pariser Westen, nur schließen zu müssen glaubte,
ist mir inzwischen zur Gewißheit geworden: der Herzog von Aiguillon
erhielt die gewünschten Papiere, sie sind mit besonderem Kurier an den
Kriegsminister, Herrn Marschall de Muy abgesandt worden, und Herr von
Pirch hat durch den Herzog bereits den ersten klingenden Lohn empfangen.
Warum weisen Sie das Verdienst einer Tat von sich, die Ihrem
Patriotismus wie Ihrer -- christlichen Nächstenliebe in gleicher Weise
Ehre macht? Vielleicht, weil Sie mich nicht verletzen wollen?! Ist
solche zarte Rücksicht noch nötig, nachdem Sie mir neulich deutlich
genug zu verstehen gaben, daß ein grauer Bart zu stachlich ist für eine
zarte Haut wie die Ihre?
Zuverlässige Gewährsmänner erzählten mir, daß eine gewisse kleine Gräfin
Laval als Klosterschülerin nachts in den Straßen von Paris mit einem
jungen Manne gesehen wurde, und daß um die Gunst einer reizenden
Marquise, -- deren Name Ihnen nicht fremd sein dürfte --, der Prinz von
Montbéliard mit dem Grafen Chevreuse ein blutiges Renkontre hatte. Ist
es demnach so verwunderlich, wenn der Marschall Contades auf ein kleines
Douceur für seine Ritterdienste glaubte rechnen zu dürfen?
Ich küsse Ihnen die Hand --, das Einzige, was Sie mir nicht verweigerten
--, und verharre in der Hoffnung auf kommende Geneigtheit.
Karl von Pirch an Delphine.
-Dienstag.-
Teuerste Marquise! Mit fliegender Feder beantworte ich Ihre Zeilen.
Kniefälligen Dank dafür, daß ich Ihnen dienen darf! Ich werde zur
angegebenen Stunde bei Ihnen sein. So habe ich nicht umsonst gelitten,
gehofft und -- gesündigt!
Karl von Pirch an Delphine.
-Straßburg, den 17. April 1775.-
Teuerste Marquise. Meine Forderung an den Marschall ist abgesandt und
ich erwarte seine Antwort mit jener Ruhe, die nur der Mensch empfinden
kann, dem selbst der Tod gleichgültig ist. Ach, wie flog ich zu Ihnen,
von kühnster Hoffnung beschwingt, wie liebeglühend warf ich mich nieder
vor Ihnen, als ich ihre Tränen sah und sie zu meinen Gunsten deutete!
Sie aber sprangen auf und stießen mich zurück, und wilder Zorn, nichts
als Zorn, brannte in Ihrem Antlitz, als sie mir des Marschalls Brief vor
die Füße warfen.
»Rächen Sie mich --«, ich erkannte Ihre Stimme nicht wieder, als Sie
mir, heiser vor Erregung, diese Worte zuriefen. Und ich Betörter fühlte,
während ich las, nur das Eine: daß Sie mich gerufen hatten, daß ich
Ihnen dienen durfte, daß ich des köstlichsten Lohnes dafür sicher sei!
Bis ich aus dem Traum gräßlich erwachte, bis ich endlich verstand, --
verstehen mußte, daß ich nicht einmal besaß, wessen der letzte Ihrer
Diener sich rühmen durfte: Ihre Achtung.
»Ein Vaterlandsverräter!« Darum also haben Sie sich von mir gewandt,
während ich glaubte, Sie mit Prunk und Glanz gewinnen zu können! O, daß
ich Sie nicht früher kannte, daß meine Liebe nicht hellsehend genug war,
um mich Ihre Größe erkennen zu lassen!
Ich ging von Ihnen, ein Vernichteter, dem nur eines bleibt, zu sterben.
Jetzt aber kehre ich zurück, teuerste Frau, um Ihnen aus tiefster Seele
dafür zu danken, daß Sie mich dieses Sterbens würdigten. Nach Stunden,
in denen die ganze Hölle sich meiner Seele bemächtigte, ist es still in
mir geworden und ich sehe klar: der Weg, den Sie mich zu gehen heißen,
ist der einzige, der mich zu Ihnen zurückführt. Ich werde fallen, und
entsühnt werde ich nur noch in Ihrer Erinnerung weiter leben. Was
verlange ich mehr?
Bis in den Tod nannte ich mich einst den Ihren, bis über den Tod hinaus
bin ich es jetzt erst.
Karl von Pirch an Delphine.
-Straßburg, am 17. April 1775.-
Herr von Contades hat meine Forderung abgelehnt. Er schlägt sich nicht
mit Ehrlosen. Wenn Sie diese Zeilen erhalten, wird er trotzdem gerichtet
sein, wie ich.
Graf Guy Chevreuse an Delphine.
-Versailles, am 29. April 1875.-
Teuerste Marquise. Kaum haben wir Straßburg verlassen, und glauben, dem
Zentrum aller großen Ereignisse näher zu kommen, als es sich mit einer
cause célèbre an uns Provinzverächtern rächt. Ganz Paris spricht von
der Ohrfeige, die der Straßburger Marschall empfing und von der Kugel,
die der deutsche Baron sich darnach in die Schläfe jagte. Empfindsame
Seelen lassen ein paar Tränentropfen über die Wangen fließen und
flüstern einander in schauernder Bewunderung Ihren Namen zu. Unsere
schöne Polignac hat, -- ob aus Mitleid mit dem Opfertod des jungen
Mannes, oder aus Neid über Ihren Ruhm?! --, einen Weinkrampf bekommen
und quält seitdem den Prinzen Montbéliard mit unermüdlichen Fragen nach
der Marquise Delphine, in der sie bereits die kommende Rivalin fürchtet.
Ich selbst habe mich nicht ohne Erfolg bemüht, die Geschichte zu unserem
Vorteil -- »unserem«, schöne Frau! -- auszunutzen; die Gelegenheit dazu
ist so günstig, wie der kleine Roman selbst.
Sie wissen: die Natur beginnt der Kunst den Rang abzulaufen; ihr Kredit
ist im Wachsen, seitdem sie Rousseau nicht mehr kompromittiert, die
Ärzte führen die famose Damenkrankheit der Langenweile, die sie in ihrer
Weisheit als ein bedenkliches Nervenleiden erkannt haben wollen, auf die
-- Kunst zurück: auf das Korsett, das Sylphidentaillen vortäuscht, wo in
Wahrheit die vierschrötige Figur einer Bauernmagd vorhanden ist, auf den
Puder, der gelbes Leder in weiße Lilienblätter umwandelt, auf die
Schminke, die bleichsüchtigen Lippen und Wangen blühende Rosenfarbe
verleiht, auf Liköre und Zuckerwerk, die an Stelle von Wasser und Brot
getreten sind, auf das Leben bei Nacht im Glanze des neuen Gaslichts,
das uns die Sonne vergessen machte. Und sie verordnen keine bitteren
Mixturen mehr, sondern -- Natur: kaltes Wasser, frische Luft, schwarzes
Landbrot, saures Obst, Leibesübungen, Morgenspaziergänge. Die Königin
und ihre Damen zeigten sich zuerst als willfährige Patienten; ganz Paris
folgt ihrem Beispiel. Die Kavaliere werden nicht mehr zum Lever im
parfümierten Boudoir empfangen, sondern zum Spaziergang im taufrischen
Garten. Und bei den Wanderungen zwischen den knospenden Alleen Trianons,
über den smaragdgrünen Rasen, den bunte Krokus und gelbe Narzissen mit
ihren leuchtenden Farben durchziehen, liebt es die Königin Geschichten à
la Marmontel zu hören. Es müssen aber, wie wir als Kinder zu sagen
pflegten, »wirkliche« Geschichten sein. Welche hätte den Wünschen der
hohen Frau besser entsprechen können, als die Ihre?
Unter den eben aufblühenden Syringen erzählte ich von der kleinen süßen
Klosterschülerin; vor den rosa Tulpenbeeten schilderte ich die ach so
stolze Schloßfrau von Froberg; auf der weißen Bank zwischen den
Oleanderbäumen sprach ich von der geistvollen Königin der Straßburger
Feste; und als wir an der Schäferhütte unter den hellgrünen Schleiern
zarter Birken saßen, schwärmte ich von der wunderschönen Frau, um
derentwillen ein deutscher Träumer sterben mußte und ein französischer
Kavalier nichts heißer begehrt, als zu leben!
Der Königin blaue Augen schwammen in Tränen; unter den duftigen
Mullfichus, die die Damen des Hofes am Morgen um die Schultern legen, --
natürlich nur, weil der Arzt verordnet, daß Luft und Licht den Körper
berühren! --, bebten rosige Busen.
»Schreiben Sie der Marquise Montjoie, daß ich mit ihr leide,« sagte die
Königin; »fügen Sie auch hinzu, daß es mir eine besondere Freude sein
würde, sie zu empfangen.« Und mit jener rührenden Einigkeit, die, wie
Sie ahnen werden, die erste Tugend der Hofdamen ist, machten sie alle
den Wunsch der Gebieterin zu dem ihren. Nur die Gräfin Polignac schwieg
zerstreut. Der Prinz Montbéliard war kurz vorher im Boskett
verschwunden.
Können, nein, dürfen Sie jetzt noch zögern? Versailles erwartet Sie im
schönsten Frühlingsschmuck, und Paris mit einer Fülle amüsanter
Attraktionen. Der Barbier von Sevilla füllt täglich das Theater und der
glückliche Verfasser, Herr von Beaumarchais, -- ein Emporkömmling
dunkelster Herkunft, ein verkrachter Advokat, ein skrupelloser
Geschäftsmann, -- ist dermaßen in Mode, daß Prinzessinnen sich um ihn
reißen. Die drollige Komödie: »Die Kurtisanen«, versorgt die Salons mit
Bonmots, die die Gesellschaft um so herzhafter belacht, je mehr sie
sich getroffen fühlt. Mit dem Besten lassen Sie mich diesen langen Brief
beschließen, damit sein Effekt wenigstens zuletzt der ist, ein Lächeln
bei Ihnen hervorzuzaubern --, jenes verführerische Lächeln, das
Perlenzähne zwischen glutroten Lippen hervorblitzen, und zwei tiefe
Grübchen in zarten Pfirsichwangen sich eingraben läßt. Ein junger,
vornehmer Mann, der wahrscheinlich allzuviel moderne Romane gelesen hat,
deren Heldinnen tugendhafte Kurtisanen zu sein pflegen, verliebt sich in
eine der Art. In ihrem Boudoir, dessen sich eine Gräfin nicht zu schämen
brauchte, zu ihren Füßchen, die in der Höhe des Spanns und der
Schmalheit der Fesseln der blaublütigsten Aristokratin gehören könnten,
macht er ihr einen Heiratsantrag, den sie mit vollendeter Form
akzeptiert. Er fühlt sich im siebenten Himmel. Da öffnet sich die Tür,
herein tritt der Bruder der Schönen, -- Schmierstiefeln an den klobigen
Füßen, schmutzige Nägel an den breiten Händen, im roten Gesicht eine
noch rötere Nase --, ein echter Pariser Droschkenkutscher. An dem
verblüfften Biedermann, der den Schwager gerührt in die Arme schließen
will, stürzt im selben Augenblick der verliebte Jüngling vorüber, zur
Tür hinaus. Der Anblick genügte, ihn von seiner Liebe und die kleine
Dame von einem Bräutigam zu befreien!
Und die zweite Geschichte, die nichts ist als ein kurzer Dialog »Wissen
Sie schon, Alcest hat die kleine Herzogin verlassen.« -- »Nicht
möglich! Und warum?« -- »Wegen der niedlichen Tänzerin Cléone«. --
»Gewinnt er denn bei diesem Tausch?« -- »Vom Standpunkt der guten Sitten
-- gewiß!« --
Von nun an erwarte ich Sie täglich!
Prinz Louis Rohan an Delphine.
-Paris, am 7. Mai 1775.-
Meine liebe Frau Marquise. Zugleich mit meinem längeren, ich möchte
beinahe sagen: geschäftlichen Schreiben an den Herrn Marquis, mache ich
mir das besondere Vergnügen, diese freundschaftlichen Zeilen an Sie zu
richten. Der Eindruck meines letzten Besuchs bei Ihnen ist ein so
nachhaltiger gewesen, daß ich, offen gestanden, das meiste Gewicht auf
Ihre Bundesgenossenschaft lege. Wer hätte hinter der Marmorstirn dieser
reizenden Frau so kluge und so -- kühle Gedanken vermutet; wer hätte je
geglaubt, daß Ihre große Jugend der Erkenntnis so ernster politischer
Fragen fähig wäre!
Und nun ist, dank eines glücklichen Zwischenfalls, der große Moment
gekommen, wo es gilt, die bisher -- unter uns gesagt -- noch
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