Freund, er hatte Recht, ich mußte ihn hören und seinen edlen Grundsätzen
gehorsam sein. Als er mich neu belebt sah, gewann sein Gesicht den
Ausdruck reinster Befriedigung. 'Nicht wahr?' sagte er, 'wir sind von
einer Partei. Es gibt bloß zwei in der Welt, die eine für das Gute,
die andere für das Schlechte, für eine muß man, wie Solon von den
Athenern es verlangte, sich entscheiden. Wir beide kämpfen für das Gute,
wir sind Krieger desselben Heeres, und auf unserer Seite kämpfen alle
Menschen, die das Gute wollen. Keine Schwachheit! Man muß sie
wegweisen. Kein Schmerz um ein Ding der Welt! Man muß ihn bekämpfen und
zu ihm sagen, wie ich: Bagatelle. Sie wissen, meine Philosophie ist die
der Tapferkeit. Keine Feigheit! Keine Klage! Man soll die Erde nicht zum
moralischen Krankenhause machen, sondern zu einer lebenskräftigen Schule
und zu einem Schlachtfelde, auf welchem man Siege erficht.' -- Er stand
auf, drückte mir die Hand mehr wie es seiner männlichen Stärke, als wie
es meinen schwachgebauten Mädchenfingern entsprach, seine Sporen
verhallten auf dem Korridor und er kehrte zurück zu seiner einsamen
Arbeit.
"Scheidler ist recht eigentlich ein Kind deutscher Erde. Er ist der
echte deutsche Mann. Vor allem, er ist der Mann von deutschem Gemüt,
dessen angeborene Redlichkeit und festgewurzelte Gerechtigkeit ein so
freies und offenes, allem Menschlichen mit brüderlichem Vertrauen
entgegenkommendes Herz gibt. Er ist der Mann der Güte, der zwar durch
Erfahrung vorsichtig wird, aber ohne einen Tropfen von Galle; der Mann
der Uneigennützigkeit, der niemals sich als souveränes Ich fühlt, dem
andere nachstehen müßten. Zum Nächsten sagte er nicht: trage die Last,
denn ich habe Macht, sie dir aufzulegen, er nimmt sie auf die eigenen
Schultern und sagt: ich bin der Stärkere, ich will sie tragen. Niemals
hat die Frivolität mit ihren graziösen Oberflächlichkeiten diesen Mann
zum Diener gehabt. Seine Manieren sind brüsk, und auch das kommt vor,
daß von dem gewaltigen Schwunge des Gedankenrades, das die härtesten
Gegenstände, die inhaltreichsten Körner zermalmend, unablässig in ihm
arbeitet, kleine Blumen der Freundschaft und der Freude ohne Erbarmen
erfaßt und gestaltlos, duftlos, leblos uns vor die Füße geworfen werden.
Einerlei. Gott sei gedankt, daß Er den guten und starken Mann
geschaffen, ihm Seinen Geist der Wahrheit und der Liebe geschenkt, ihm
den Stempel edler Menschlichkeit auf Stirn und Herz gedrückt hat."
Folgende Briefe Jennys an ihn mögen als Ergänzung seiner Charakteristik
dienen und zugleich die Art ihrer Freundschaft beleuchten:
25./7. 32.
"Manche Erfahrung hat mich gelehrt, daß das Beispiel auch bei intimen
Freunden die beste Predigt ist und dieser stille, sich immer
wiederholende Vorwurf viel mehr Eindruck macht als ausgesprochener
Tadel. Strafpredigten lassen fast immer eine kleine Bitterkeit zurück,
das liebe Ich fühlt sich gekränkt, die Eitelkeit, diese mächtige Gewalt
in jedem Menschen, wird beleidigt, und oft entsteht wenig Gutes aus
diesem directen Erziehen.
3./1. 33.
"Ich halte die Freude für ein solches Mittel zur Kraft, zum Leben, zum
Fortschreiten, ich betrachte sie so sehr als den erwärmenden Strahl der
Sonne, ohne welchen nichts zur Reife kommt, bei dessen gänzlicher
Abwesenheit die Seele verkümmert und zusammenschrumpft, daß ich beim
letzten Bettler neben dem Nutzen der Gabe auch die Freude
berücksichtige.
"So kaufe ich dem jungen Mädchen einen warmen Rock im Winter und gebe
einige Groschen mehr aus, um bunte Streifen daran zu sehen, weil dies
das Theilchen Freude ist; so gebe ich zu Weihnachten jedem Kinde neben
dem Nützlichen auch Spielsachen und ein Zuckerbäumchen, und wenn ich der
Mutter Mehl gekauft habe, so bekommt jedes Kind zwei Groschen, um auf
das Schießhaus zu gehen. Dann erst glänzen die Augen, und die Armen
sagen sich: Das Leben ist nicht immer hart! Diese Momente sind etwas
wert, das nenne ich das Freudenalmosen.
17./6. 33.
"Die in unserer Zeit Neugeadelten kommen mir vor wie jene Ruinen, die
nie Schlösser oder Tempel oder Klöster gewesen sind, jene Trümmer ohne
Vergangenheit, die hingebaut werden, um einen Park zu zieren. Man sieht
sie an ohne Ehrfurcht, ohne das philosophische Gefühl der Richtigkeit
auch des Großen und Festen auf Erden, ohne den Forscherblick, der auf
den Steinen die Geschichte der Jahrhunderte lesen möchte; man betrachtet
sie lächelnd und lobt die Nachahmung, wenn sie wirklich gut, bemitleidet
sie, wenn sie geschmacklos ist. Sie gilt nur als Zierde, wie der
Neugeadelte auch nur zum Putz eines Hofes oder Höfchens gestempelt wird.
Die Macht des Adels ist an der Zeit und der Unvernunft ihrer
Geschlechter zersplittert, die geschichtliche Erinnerung ist geblieben
und wird bleiben, solange man lieber einer Reihe von Herren als von
Dienern angehört, -- das aber läßt sich nicht erkaufen.
17./8. 33.
"Der Charakter ist die Composition des Menschen, seine Tugenden sind die
Melodie, seine Fehler das Accompagnement, das Instrument ist das Leben,
wohl dem, der es zu stimmen versteht! Das Schicksal schlägt den Tact
dazu, und nur ein großer, starker Menschengeist wird es selbst thun
können und ihn fest und ohne Schwanken beibehalten.
10./9. 33.
"Es giebt einen anscheinenden Leichtsinn, den die Philosophie gerade den
tiefsten Gemütern lehrt, es ist das oft mühsame Ueberbordwerfen von
Schwerem und Trübem. Wenn die Leiden der Menschheit das innerste Herz
zerreißen und die Trauer darüber fast jede Kraft lähmt, so muß man das
zu lebhaft fühlende Herz zu einem gewissen Leichtsinn erziehen, damit
die Kraft ungebrochen und das Leben erträglich bleibe, damit man Muth
und Stärke habe, wo es Hülfe und Thaten giebt.
"Wenn Sie wüßten, wie schwer und wie nötig gerade mir dieser Leichtsinn
ist, wie sehr ich schon meinen Hang zur Schwermuth bekämpft habe, wie
tödtend die fortwährende Verletzung meines Herzens war! Jetzt habe ich
durch Selbsterziehung Kraft gewonnen zum Unvermeidlichen und Einsicht
zum Wegräumen des Vermeidlichen. Ich empfinde für Thiere ebenso wie für
Menschen, und seit den zweiundzwanzig Jahren, die ich lebe, habe ich
mich noch gar nicht an den Mord der Thiere und das Recht des Menschen
dazu gewöhnen können. Der Gedanke an einen geblendeten Vogel oder selbst
das Prügeln eines Hundes verbittert mir jede Freude.
5./12.33.
"Nur kranke Herzen mißtrauen und mißverstehen einen wahren Freund. In
dem ganzen klaren Spiegel steht hell und deutlich das Bild, welches er
reflectirt, in dem zerbrochenen steht es zerstückelt, zerschnitten,
verdoppelt, verdreht, und das Auge, das wir uns anlächeln sahen, wird
zur Carricatur, während es doch eben so heiter vor dem Spiegel steht,
als zur Zeit, da er ganz war.
21./9.34.
"Ich fühle mich oft wie eine Taube mit Adlersgedanken; meine eigentliche
Täubchengesellschaft langweilt mich, fliege ich zu den Adlern, dann
athme und lebe ich erst, aber die Luft drückt meinen Taubenkopf, die
Sonne füllt meine Taubenaugen mit Thränen und ich schaudere vor den
zermalmten Gliedern der Adlernahrung, so daß ich zu meinen Körnern
zurückfliege und Tauben wie Adlern fern bleiben möchte. Soll ich mir nun
die Flügel beschneiden, um gewiß bei den Tauben zu bleiben? oder soll
ich mich auf einen befreundeten Adlerssittig stützen und Luft und Sonne
suchen und die Wildheit der Höhe mir zur Heimath gewöhnen?
13./10.35.
"Die Natur hat nicht, wie bei Ihnen, alle Linien meines Charakters
deutlich gezeichnet, sie hat hie und da zu schwach aufgedrückt, da habe
ich nachhelfen müssen und das wird leicht krumm und verkehrt. Ich habe
viel anschaffen müssen, was am Ganzen fehlte, ich habe viel wegschaffen
müssen, was verunstaltete, und noch fühle ich zu deutlich, wie
unvollkommen mein Wesen ist. Doch gerecht und treu für meine Freunde,
das bin ich, und darum werde ich Sie nie durch meine Schuld verlieren
und nie durch irgend eine Schuld verkennen.
2./4. 37.
"Die dogmatisch historischen Fragen über Christus haben mich lange sehr
gequält, dann bin ich zu der Ueberzeugung ihrer Unerweislichkeit gelangt
und bin eigentlich ganz zufrieden mit dem Dahingestelltseinlassen. Ich
verehre Jesum auf dem Throne der Tugend und Wahrheit und dieser ist mir
mit so viel glänzenden Wolken umgeben, daß ich die anderen Throne der
Weisen daneben nicht sehe und auch nicht ausmessen wollte, in welchen
Graden sie von- oder aneinander stehen. Wie oft höre ich, was meiner
Ansicht ganz zuwider ist, daß der Glaube an Christi vollkommene
Persönlichkeit, das Hängen an ihm als Person das Haupterforderniß zum
Christsein sei. Meiner Seele ist hingegen unerschütterlich gewiß, daß
einzig und allein der ein Christ sich nennen darf, der, wie der Heiland
sagt: 'seine Gebote hält', daß Christus uns fremd, sogar unbekannt sein
könnte und daß wir doch echte Christen wären, wenn wir den Geist seiner
Worte kennten, glaubten und übten.
"Darum erscheint mir auch das Beweisen der Sündlosigkeit oder
Göttlichkeit etc. gar nicht so wichtig, und ich kann mir vorstellen, daß
Christus ganz aus den Annalen der Geschichte verschwände und daß es noch
eben so vollkommene Christen geben könnte. Wie Rahel sagt: 'Ein gutes
Buch muß gut sein und wenn es eine Maus geschrieben hätte', so müßte das
Christenthum herrlich sein und wenn es aus der Erde gewachsen wäre."
* * * * *
Inzwischen war Jenny 26 Jahre alt geworden, ein Alter, das das übliche
Heiratsalter der jungen Mädchen ihrer Kreise bei weitem überstieg. Ihre
Stiefschwester war erwachsen, sie, wie ihre lieben Schüler Walter und
Wolf Goethe bedurften ihres Unterrichts nicht mehr, Ottilie, deren
unruhiger Geist nicht mehr durch Goethe gezügelt wurde, und die haltlos
ihren Leidenschaften folgte, rüstete sich, um Weimar zu verlassen, die
Freundinnen hatten sich alle ihren eigenen Herd gegründet, Emma Froriep
zog mit ihrem Vater nach Berlin -- es wurde merkwürdig einsam um sie
her, und jeder Abschied mahnte leise an den Abschied der ersten Jugend.
An ihr Herz klopfte, stärker und stärker Einlaß begehrend, jene
natürliche Weibessehnsucht, die sich, wenn das Herz schon entschied, im
Verlangen nach Mannesliebe äußert, die aber, solange eine leise Stimme
an den auf immer verlorenen Geliebten mahnt, im Verlangen nach dem Kinde
zum Ausdruck kommt. Um so stärker wird die Sehnsucht nach dieser
Richtung alle Empfindungen beherrschen, je reicher die weibliche
Persönlichkeit ist, je mehr sie also, bewußt oder unbewußt, danach
drängt, einen ihr entsprechenden Lebensinhalt zu finden. Auf dieser
Stufe ihrer Entwicklung, die keiner unverdorbenen Frau erspart bleibt,
die nicht sehr jung schon geheiratet hat, war Jenny angelangt. Ein paar
Worte aus dem Briefe einer Freundin an sie, die sie zur Hochzeit
beglückwünscht hatte, zeugen dafür: "Mein Lieblingsgedanke ist, Sie mir
in einem ähnlichen Verhältniß zu denken. Ich wünsche es um Ihret- und um
der Welt willen. O Jenny, wie müssen Sie beglücken können! Mir war es
sehr lieb, Sie der Ehe geneigt sprechen zu hören. Sie haben recht, man
macht Ihnen den Vorwurf, daß Sie mit der Liebe nur tändeln, alle ernsten
Bande verschmähen. Doch ich weiß es besser! ein Blick in dies Auge, in
Ihr Innerstes hat mich belehrt, daß Sie die Liebe kennen, daß Sie ihrer
bedürfen."
Noch mehr aber spricht dafür ein Gedicht von ihr, in dem folgende Verse
sich finden:
"... Mein Auge sucht auf Erden sehnend Liebe,
Im Himmel nur erscheint sie hehr und groß;
Da sie verzehrend mir im Herzen bliebe,
War, Herr, du weißt's, mein jugendtödtend Loos,
Und weil ich Irdisches durch sie verloren,
Hab ich sie mir als Himmelsglück erkoren ...
Doch willst du freundlich mir das Leben schmücken,
So gieb mir, Gott, ein Herz voll Liebe nur,
Ich faß es feurig dann, und mit Entzücken
Leist' ich dem Himmel meinen Liebesschwur.
Gieb, Herr, mir Einsamkeit im Schoß der Liebe,
Daß ich dir treu in meinen Kindern bliebe ...
Um diese Zeit kam Werner von Gustedt als Gast seiner Tante, der
Hofmarschallin von Spiegel, nach Weimar. Er war nicht viel älter als
Jenny, der Typus eines vornehmen jungen Mannes seiner Zeit mit dem
feinen, glattrasierten Gesicht, vom hohen Biedermeierkragen eingefaßt,
den vollen kurzen Locken, der schlanken, hohen, biegsamen Gestalt. Er
gehörte einem braunschweigischen Geschlechte an, das sich rühmen konnte,
älter zu sein als die Hohenzollern, und dessen Güter seit
Menschengedenken keinen anderen Herrn gehabt hatten als einen Gustedt.
Hofdienst war nie dieser echten Freiherren Sache gewesen, von keinem
Fürsten besaßen sie den Adelsbrief; sie saßen stolz und selbstzufrieden
auf ihrem Besitztum und kümmerten sich wenig um die Schicksale der
großen Welt. Wenn Werner eine höhere Bildung genossen hatte, als es
sonst bei diesen Landjunkern für gut befunden wurde, so hatte er es dem
Umstand zu verdanken, daß er als Zweitgeborener keine Anwartschaft auf
das väterliche Gut besaß und sich durch akademisches Studium zu einer
anderen Laufbahn als der des Gutsbesitzers vorbereiten sollte. Wie Jenny
aber später oft selbst erzählte, war es weder die äußere Erscheinung,
noch die Geistesbildung -- die in Weimar als etwas Selbstverständliches
bei jedem vorausgesetzt wurde --, die ihn anziehend machte, sondern
neben der großen Frische und Natürlichkeit die unberührte Reinheit
seines Wesens. Problematische Naturen, sogenannte interessante Männer
mit bewegter Vergangenheit und differenzierten Gefühlen, oder
sentimentale Schwärmer, bei denen die Empfindung Modesache war, hatte
sie bisher kennen zu lernen Gelegenheit genug gehabt. Hier trat ihr die
durchsichtige Natur eines einfach-klaren Mannes entgegen, und jenes
Gefühl, das nächst dem Mitleid bei den Frauen so oft der Übergang zur
Liebe ist -- Vertrauen -- mag wohl das erste gewesen sein, was sie ihm
gegenüber empfand, und blieb das Grundelement ihrer Beziehung zu ihm.
Eine Natur wie die ihre, die in ihren Gefühlen wie in ihren Taten ihr
ganzes ungeteiltes Selbst ausströmte, hatte die volle Glut der
Leidenschaft nur dem einen, dem Toten, geben können; als sie Werner
Gustedt ihr Jawort gab, geschah es in ruhiger, vertrauender Liebe. Daß
sie sich dabei glücklich fühlte, daß sie der Zukunft hoffnungsvoll
entgegensah, geht aus einem Glückwunschbrief der Herzogin von Orleans
hervor, der also lautet:
Petit Trianon, d. 8. Oktober 1837.
"Wie sehr hat mich die Kunde Deines Glückes erfreut, meine liebe teuere
Jenny -- wie innig teilt mein Herz die Gefühle, welche das Deinige
erfüllen und ihm in der Zukunft so schöne gesegnete Tage verheißen. Laß
mich es Dir aus voller Seele aussprechen, wie ich Dir das reiche Glück
wünsche, welches der Himmel mir bescheert hat, wie ich von dem Leiter
unserer Schicksale und unserer Herzen die Erfüllungen Deiner goldenen
Hoffnungen erbitte. Schon einige Tage vor Empfang Deines so lieben
Briefes, für den ich Dir den wärmsten Dank sage, erfuhr ich, daß Dein
Loos bestimmt sei, Du meine liebe Tante verlassen würdest -- was mir
recht leid thut -- und die glückliche Braut eines vortrefflichen jungen
Mannes wärst -- dessen Name Dein guter Onkel wohlweislich vergessen
hatte ... Rechne in allen Verhältnissen des Lebens auf meine Liebe und
auf die warme treue Theilnahme, welche Dir immer widmen wird
Deine Helene."
Eine Bleistiftzeichnung Friedrich Prellers, des Meisters der Odyssee,
der ein häufiger Gast im Gersdorffschen Hause war und manch reizende
Skizze in Jennys Album zeichnete, hat das Bild der Braut festgehalten:
das kindliche Wangenrund hat dem feinen Oval des Antlitzes Platz
gemacht, um den Mund ruht ein Zug tiefen Ernstes, die Augen erscheinen
größer und tiefer als früher, die Locken an den Schläfen sind dem
glatten Scheitel gewichen, der sich um die hohe Stirn legt, von einem
Schmuckstück umschlossen wie von einem Königsreif. Den Bräutigam
schildert Jenny selbst: "seine dunkelblauen, glänzenden Augen, sein
etwas wolliges, dunkelblondes Haar über der schönen weißen Stirn, das
lebhafte Colorit, der scharf und fein geschnittene Mund, die fest und
edel geformte Nase, der männliche Schritt -- das alles vereinte sich zu
einem Bilde selbstbewußter, deutscher Vornehmheit."
Ehe sie sich ihm auf immer verband, nahm sie in aller Stille Abschied
von der Vergangenheit: im Kaminfeuer ihres Mädchenstübchens schichtete
sie aus ihren Tagebüchern den Scheiterhaufen, legte die Briefe dessen
darauf, den sie geliebt hatte, und weihte alles dem Feuertod. Zur
Dämmerstunde ging sie dann in jenes stille Goethe-Haus mit den
geschlossenen Fensterläden, das ihrer Jugend Glück und Weihe verliehen
hatte; die breite Treppe schritt sie hinauf und wieder hinab -- es war
vorüber!
Im Mai 1838 fand die Trauung statt. Noch einmal versammelte sich Weimars
glänzende Gesellschaft um das gefeierte Hoffräulein Maria Paulownas --,
weinend, glückwünschend, segnend umgaben sie die Gefährten und die
Beschützer ihrer Jugend, noch einmal zog vom offenen Hochzeitswagen aus,
der sie entführte, das Bild ihrer Heimat an ihren Augen vorüber: die
engen, holprigen Straßen, das Schloß mit seinen sonnenglitzernden
Fenstern, das Vaterhaus an der Ackerwand mit dem murmelnden Brunnen
davor, die hohen Bäume im Park und die rauschende Ilm, und zuletzt: das
stille Goethe-Haus mit den geschlossenen Fensterläden -- schluchzte
nicht doch in der jungen Frau das alte Leid noch einmal auf --? Oder
grüßte sie nur ernsten Blicks den Geist ihrer Jugend, ihm Treue
schwörend fürs Leben, wie sie sich dem Manne neben ihr zugeschworen
hatte?
Der Leidensweg der Mutter
Im stillen Winkel
Eine Neigung, die für die Gestaltung ihrer Zukunft bestimmend werden
sollte, hatten Jenny und Werner von Gustedt gemeinsam: die für ein Leben
auf dem Lande in stiller Arbeit und Zurückgezogenheit. Jenny hatte das
Leben der großen Welt genug genossen, seine Reize waren für sie
erschöpft, und nicht nach Vergnügen und Zerstreuung, sondern nach
Tätigkeit und Sammlung trug sie Verlangen. Bei Werner wieder machte sich
die Familiengewohnheit der Jahrhunderte geltend, und beide stimmten in
der Ansicht überein, die Jenny aussprach, indem sie schrieb: "Nichts,
auch kein Königthum ist mir vergleichbar mit dem ausfüllbaren,
übersehbaren Wirken eines großen, reichen Gutsbesitzers. Der Beruf, zu
ordnen, zu beglücken, zu verschönern, zu verbessern, der Land und Leute,
Natur und Geist umfaßt, erscheint mir so gut und so groß wie kein
anderer."
Und so hatte sich Werner Gustedt entschlossen, dem Gedanken an den
Staatsdienst zu entsagen. In Westpreußen, in schöner wald- und
seenreicher Gegend, zwischen Deutsch-Eylau und Marienwerder, kaufte er
das Rittergut Garden, und hierher, in tiefe Einsamkeit, fern allem
gewohnten Verkehr mit den geistesverwandten Freunden, führte er die
junge Frau, das einstige gefeierte Weimarer Hoffräulein. Nun erst
forderte das Leben den Beweis für das, was sie geworden war. Ihr ganzes
Wesen hatte schon längst so sehr nach Betätigung verlangt, daß selbst
eine so schwere Aufgabe, wie die ihr gestellte, ihr nur willkommen sein
konnte.
Die Erfüllung der praktischen Pflichten einer Gutsfrau ist für die an
den städtischen Haushalt gewöhnten niemals leicht; um wie viel
schwieriger mußte sie vor siebzig Jahren im äußersten Osten
Deutschlands, inmitten einer halbpolnischen Bevölkerung, ohne städtische
Nachbarschaft, ohne Eisenbahn, ja selbst ohne Chausseen, sich gestalten,
noch dazu für eine junge, nur an das Hofleben gewöhnte Frau. "Wie oft
muß ich in meinem Haushalt von 30 Personen," schrieb Jenny an Frau
Wilhelmine Froriep, der Schwägerin ihrer lieben Emma, mit der sie ihre
praktischen Erfahrungen eingehend auszutauschen pflegte, "meine
hofdämische Unwissenheit büßen." Und doch beschränkte sie sich nicht
allein auf den Kreis der gegebenen häuslichen Pflichten. Leid und Armut
waren ihr auch in Weimar begegnet, und sie hatte nach besten Kräften zu
helfen gesucht, aber was sie dort suchen mußte, das trat ihr hier auf
Schritt und Tritt entgegen, was dort ihr mitleidiges Herz bewegte, dafür
fühlte sie sich hier verantwortlich, wo es sich um die Bevölkerung des
eigenen Gutes handelte.
Es war im großen ganzen ein verwahrlostes, dem Trunk ergebenes, in
Unreinlichkeit und Unordnung dahinvegetierendes Volk. Kranken- und
Armenhäuser gab es meilenweit in der Runde nicht, die Schule war
schlecht, um das körperliche und geistige Wohl der Kinder kümmerte sich
niemand. Jenny empfand diese Mängel auf das schmerzlichste. "Für die
Kollekte der hiesigen Provinz für Spitäler in Jerusalem," schrieb sie
einmal, "während wir fast in keinem Kreise eines haben, gebe ich
keinen Pfennig;" und ein andermal: "Was uns verdrießt, ist die alberne
Errichtung eines Denkmals für den verewigten König, -- eine so
kostspielige Schmeichelei in einem Lande, wo es fast gänzlich an
Kranken-, Waisen-, Armenhäusern, an Chausseen und Kanälen fehlt." So
viel in ihren Kräften stand, suchte sie die Unterlassungssünden von
Staat und Gemeinde auf dem Gebiete, das ihr unterstellt war,
gutzumachen. Was sie leistete, war weniger Wohltätigkeit im damals
üblichen Sinn, als soziale Hilfsarbeit, wie wir sie heute verstehen. Wo
sie Armut fand, suchte sie ihr durch Überweisung von Arbeit abzuhelfen;
sie setzte es bei ihrem Manne durch, daß eine Dreschmaschine, durch die
einige dreißig Familien im Winter brotlos geworden wären, erst
angeschafft wurde, als eine andere Erwerbsarbeit ihnen gesichert war; wo
ihr Trunksucht begegnete -- und das geschah in jenem fernen Winkel
Preußens noch häufiger als anderswo -- bekämpfte sie sie zunächst durch
Verabreichung von gesunder und kräftiger Nahrung; wo Alter und Krankheit
zur Arbeit unfähig machten, da suchte sie neben allzeit bereiter
persönlicher Hilfe die Gemeinde und den Kreis zur Erfüllung
selbstverständlicher Menschenpflichten heranzuziehen. Sie stieß bei
ihrer Arbeit auf viel Übelwollen, viel Mißverstehen: Von der einen Seite
sagte man ihr achselzuckend: "Armut hat es immer gegeben, und die Leute,
deren Elend Sie als etwas so entsetzliches empfinden, sind daran
gewöhnt." Was half es, wenn sie empört ausrief: "Mag sein, daß dem
Menschen der Jammer zur Gewohnheit wird, aber nie, nie gewöhnt sich eine
Mutter an die Not ihres Kindes," und von der anderen Seite ihre Hilfe
nur zu oft als unbequeme Bevormundung empfunden und dem Säugling schon
der schnapsgetränkte Lutschbeutel in den Mund geschoben wurde. Zu lange
schon, das fühlte sie bald, hatte das Elend, der schlimmste aller
Erzieher, unter dessen Peitschenhieben der Mensch sich nur zum Sklaven
entwickeln kann, auf den armen Knechten und Mägden, den fast noch
leibeigenen Instleuten gelastet, als daß sie selbst noch hätten
wandlungsfähig sein können. "Zu so großem Zweck reicht ein Menschenleben
nicht aus," schrieb sie; "wollen wir von der Zukunft irgend eine
Besserung erwarten, so müssen wir nicht bei den Erwachsenen anfangen,
die wir nur vor Noth zu bewahren vermögen, sondern bei den unschuldigen
Kindern."
Ihre Natur, die sich mit dem einen Wort "Mütterlichkeit" am besten
charakterisieren ließ, hatte sie stets, schon als ganz junges Mädchen,
zu den Kindern gezogen. Alles Leid, das ihr begegnete, empfand sie bis
zum körperlichen Schmerz, das der Unschuldigsten -- der Kinder --
verursachte ihr die größten Qualen. Nicht nur, weil es die Wehrlosen
traf, sondern auch weil es immer aufs neue ihren schwer errungenen
Glauben zu erschüttern drohte. Zu der Überzeugung vom Vorhandensein
eines allgütigen Schöpfers, eines Gottes der Liebe, eines himmlischen
Vaters nach Christi Lehre, stand das Elend in der Welt und das Unglück
des Lebens in einem furchtbaren Widerspruch, den sie nur dadurch glaubte
lösen zu können, daß sie es als Strafen für begangene Sünden auffaßte,
und zwar für Begehungs- und für Unterlassungssünden der Besitzenden wie
der Besitzlosen. Würden alle Besitzenden ihre Menschen- und
Christenpflicht erfüllen, würden alle Armen echte Christen sein, so gäbe
es bald -- davon war sie damals noch überzeugt -- weder Not noch Elend.
Um diese Auffassung zu verstehen, muß zuerst Jennys Begriff des
Christentums verstanden werden. "Religion ist That," schrieb sie,
"Christenthum ist That, lauter That, nur That." Der religiöse Glaube
hat, wie sie meinte, nur für den Menschen selbst, den er beglückt,
Bedeutung, für die Allgemeinheit kommt es allein auf das Handeln an. An
einen Freund schrieb sie einmal darüber:
"Glauben ist nicht das gewöhnliche Fürwahrhalten, wie etwa bei einer
geschichtlichen Thatsache, es ist die Hand, die sich Gott
entgegenstreckt. Es ist nicht wie ein Wissen, das der Schulmeister
einpaukt, es ist die Kraft des Schaffens und der Liebe, die durch
christliches Wollen, Wandeln, demüthiges Forschen zu unserer Seele
herangezogen wird, wie Eisen durch den Magnet. Wer glaubt, daß Christus
Gottes Sohn ist, und seinen Diener oder auch nur seinen Hund mißhandelt,
der ist kein Christ! Wenn Sie diese Äußerlichkeiten nicht für wahr
halten können, so lassen Sie doch die Geburt, die Wunder, die
Höllenfahrt, die Auferstehung des Herrn ganz bei Seite, wandeln Sie nur
mit allen Kräften Ihrer Seele nach seinen Geboten, aber so, daß das
tägliche Leben wie eingehüllt ist darin und alle Beziehungen zu Ihren
Nebenmenschen darin wurzeln. Denkt man, der Glaube sei ein Fürwahrhalten
aus genügenden Gründen? Aber die Gründe sind nie genügend. Er sei eine
Zuversicht dessen, was man nicht sieht und doch weiß? Die Prüfung kommt
und die Zuversicht weicht. Glaube ist Leben, nur Leben, lauter Leben."
Das Rechte tun und nicht den Glauben predigen -- das forderte sie als
Beweis für echtes Christentum, und sie war so überzeugt davon, daß die
'Sünde der Leute Verderben' ist, daß sie alles Unglück aus dem
Unrechttun ableiten zu können glaubte; ein langes Leben voll harter
Erfahrungen vermochte zwar ihre Ansicht auf der einen Seite zu
modifizieren, auf der anderen zu erweitern -- im Grunde aber war und
blieb sie der Grund und Boden, in dem ihr geistiges Leben wurzelte.
Ein Brief, den sie von Garden aus an ihre Freundin Emma Froriep schrieb,
ist dafür bezeichnend:
"Mit dem Verweisen auf künftige, ewige Seligkeit lockst Du keinen Hund
hinter dem Ofen des Materialismus hervor. Diese Hoffnung, so wahr und so
tröstlich für den Gläubigen, ist nur ein Reiz zu Spott und Zweifel für
den Ungläubigen. Suche das Weltkind auf seinem Feld zu schlagen, und
zwar mit der beweisbaren, augenscheinlichen Wahrheit, daß die Sünde auch
hier auf Erden der Leute Verderben ist; male in hundert Bildern die
Gegensätze, z. B. die arme Tagelöhnerfamilie, bei der der Vater nach
schwerer Arbeit in seiner reinlichen Hütte sitzt, den Löffel freundlich
mit Frau und Kind in die Mehlsuppe taucht, noch eine Stunde vor der Thür
sein Pfeifchen raucht, mit den Kleinen spielt, betet und sich zur Ruhe
legt; dagegen den Trunkenbold, der flucht, dem Wucherer für Schnaps mehr
als den Tagelohn hingiebt, die Frau schlägt, die Kinder verwünscht, in
Schmutz und Lumpen verkommt. Male den Gutsbesitzer, der Rath, Hülfe,
Trost für jeden seiner Leute hat, und den, der in Erpressung und
Lieblosigkeit alle Arbeitskraft ausnutzt; male den reichen Offizier, der
sein Vermögen verthut, vertrinkt, verspielt und mit einer Kugel durch
den Kopf endet, und den armen Mann, der durch geistige oder körperliche
Arbeit ein Vermögen gewinnt und Gutes für die Menschheit leistet; male
treu ihr inneres und äußeres Leben und dann laß aufrichtig die Frage
beantworten: 'Auf welcher Seite ist das Glück?' Auch dann, wenn nach
diesem Leben nichts wäre, auch dann ist der Christ der glücklichste
Mensch auf Erden."
Das Leiden der Kinder aber -- und schließlich auch das der Tiere, für
das ihr Mitleid fast ebenso rege war -- schien die Grundpfeiler des
ganzen Gebäudes ihrer Religion zu erschüttern. Ist es möglich,
angesichts eines gequälten Tieres, eines mißhandelten Kindes an den Gott
der Liebe zu glauben?! Kann ein gütiger Vater im Himmel ruhig mit
ansehen, was für einen guten Menschen schon unerträglich ist?! Selbst
die weitere Erklärung des Unglücks als einer Prüfung, an der die
moralischen und geistigen Kräfte reifer Menschen wachsen sollen,
versagte angesichts derer, die noch keine Kräfte haben. Und die
alttestamentarische Ansicht von den Sünden der Väter, die sich rächen
bis ins dritte und vierte Glied, erschien ihr unvereinbar mit dem Gott
der Christen. Sollte sie sich mit Goethes Weisheit, 'das Erforschliche
erforscht zu haben und das Unerforschliche ruhig zu verehren' zufrieden
geben, wo sie nur Verabscheuungswürdiges sah? Nach vielen schweren
Gewissenskämpfen --'wie Jakob mit dem Engel, so habe ich mit mir selbst
gerungen' -- glaubte sie darin einen, wenn auch keineswegs
befriedigenden, so doch als weiteren Ansporn zur Tat dienenden Ausweg
gefunden zu haben: "Kinderleiden sind gewiß zum Theil eine Folge der
ungeheuren Schuld der Gesellschaft gegenüber den Armen, und sie rächen
sich an derselben Gesellschaft, indem sie Verbrecher, moralische und
physische Krüppel, Lebens- und Arbeitsunfähige entstehen lassen." Hier
also schloß sich der zerrissene Ring ihres Gedankengangs wieder. Ist das
Leid Folge der Schuld, so wird es im selben Umfang verschwinden, als die
Schuld abgetragen wird. Ihr tiefes Mitgefühl und ihre Überzeugung wurden
zusammen zur Triebkraft ihres Tuns.
Zu einer Zeit, wo Fröbels Erziehungsgedanken noch nicht bis zu dem
einsamen Gut in Westpreußen gedrungen sein konnten -- seinen ersten
Kindergarten eröffnete er ungefähr im selben Jahr -- sammelte Jenny von
Gustedt die Kinder der Landarbeiter und der Instleute um sich, "um ihnen
neben warmen Kleidern, guter Milch, reinen Händen und Gesichtern, durch
Spiel, Erzählung und Gespräch die primitivsten Ideen des Guten, Wahren
und Schönen beizubringen." Zur weiteren Unterstützung ihrer Bestrebungen
veranlaßte sie ihren Mann, die bisher in einem fernen Dorf gelegene
Schule nach Garden zu verpflanzen, und einen jungen, guten Lehrer
anzustellen, der Hand in Hand mit ihr zu arbeiten fähig war.
"Unsere Träume und Hoffnungen für Garden," so schrieb sie an Wilhelmine
Froriep im Hinblick auf das bisher Erreichte, "treten allmählich als
Wirklichkeiten hervor: ein junger, eifriger Lehrer, unterstützt von
unserer häufigen Anwesenheit beim Unterricht, von Preisen und kleinen
Kinderfesten, bringt schnell die liebe Schuljugend zu Ordnung, Fleiß und
Reinlichkeit, und da beim Verderb der Erwachsenen nur durch die Kinder
ein Heil für die Zukunft zu erwarten ist, hat Werner das etwas große
Opfer nicht gescheut, ganz allein die Kosten dieser Stelle zu tragen."
Aber den unglücklichsten der Kinder war durch all das doch nur zum Teil
geholfen: da gab es Verlassene und Waisen, denen selbst das ärmlichste
Zuhause fehlte. Jenny entschloß sich, zunächst vier von ihnen in ihr
Haus zu nehmen und mit Hilfe einer dafür angestellten Pflegerin unter
ihren Augen erziehen zu lassen. Das erste Kind, das sie aufnahm und von
dem sie noch als alte Frau besonders gern zu erzählen pflegte, war ein
wunderschönes kleines Mädchen, das sie im Straßengraben neben der
schwerbetrunkenen Mutter liegend fand. Erstaunt über den sorgfältig
gepflegten Körper des Kindes, erfuhr sie, daß die Mutter es mit dem
Schnaps zu waschen pflege, ehe sie ihn trinke. Fünf Jahre blieb das
Mädchen in Jennys Obhut, dann entführte es die Mutter, nach weiteren
fünf Jahren fand man es eines Morgens sterbend vor der Türe, einen
elenden Säugling im Arme.
Die Beschäftigung mit den Zöglingen, deren Zahl schließlich auf sieben
anwuchs, führte im allgemeinen zu erfreulichen Resultaten. Über die
Anfänge des Stiftes schrieb sie: "Das kleine Mädchenstift ist auch ins
Leben getreten, und vier sehr nette Mädchen im Alter von 3-11 Jahren
werden unter meiner Aufsicht erzogen; da es die ärmsten und
verwaistesten waren, fühlen sie sich sehr wohl ... Zu Weihnachten wurde
durch diesen Zuwachs der Familie die Freude sehr erhöht, und ich kann
nicht sagen, wie rührend mir die kleinen Wesen waren, die zum
erstenmal in ihrem Leben eine Weihnachtsfreude, diesen Glanzpunkt der
Kindheit, kennen lernten."
Was wäre aber Jennys Leben, so reich und vielseitig sie auch seinen
Inhalt gestaltete, für sie selbst gewesen, wenn ihrer Mütterlichkeit nur
fremde Kinder anvertraut worden wären. "Man sagt oft," schrieb sie
einmal, "daß ein Weib, das fremde Kinder erzieht, aller Muttergefühle
theilhaftig würde. Nur ein Mann oder eine Kinderlose kann das behaupten,
die von den Wundern des Mutterseins, den geheimnißvollen Einflüssen des
Blutes keine Ahnung haben. Alle Qualen der unglücklichen Ehe wiegen
federleicht gegenüber der Seligkeit der Mutterschaft, alle körperlichen
Nöthe und Schmerzen sind nichts als ein nothwendiger winziger Erdenrest,
der daran mahnt, daß sie nicht reine Himmelswonne ist. Dabei ist das
Mutterherz ein besonders merkwürdiges Ding: neben der Gattenliebe findet
eine andere ähnliche keinen Platz, ohne sie zu beeinträchtigen oder zu
verdrängen, das Mutterherz aber ist wie ein Diamant: bei jedem Kinde
wird eine neue Seite geschliffen und eine neue Flamme erzeugt, die der
früheren nicht schadet, sondern sie noch mehr verklärt." Als sie diesen
Brief -- ein Gratulationsschreiben an eine jung Vermählte -- absandte,
war ihr zweites Kind, ein Töchterchen, das dem ältesten, einem Sohn,
nach kaum einem Jahre gefolgt war, gerade geboren worden, und die Kinder
bildeten ihr wachsendes Entzücken, den Mittelpunkt ihres Denkens und
Tuns. Welche mütterlichen Träume und Zukunftsgedanken umspielten jetzt
schon Ottos schwarzes Köpfchen und das goldig schimmernde der kleinen
Marianne!
Die Kinder sind unsere Unsterblichkeit -- wer vermag diesen Gedanken in
seiner ganzen Tiefe, in der ganzen Schwere der Verantwortung, den er
auferlegt, stärker zu empfinden als eine Mutter, als eine solche Mutter,
bei der "Gefühle und Erfahrungen so unverlöschbare Eindrücke
hinterließen und eine südliche Phantasie ins Ungemessene trug".
Nach ihren Briefen aus jener Zeit zu schließen, überließ sie die Kinder
so wenig als möglich anderen. Gerade die unbewußten Eindrücke der ersten
Kindheit erschienen ihr als ausschlaggebend für das ganze Leben. Das
sprach sie schon aus, als sie bei der Geburt des Grafen von Paris an die
Herzogin von Orleans schrieb: "O, gieb wohl Acht, aus welchen Zweigen du
die Wiege des Kindes flichtst, denn die Zweige wachsen zu Bäumen empor
und beschatten das Menschenleben; umsonst umwindest du dann die Stämme
mit Kränzen, umsonst schmückst du die Wipfel mit Blumen, ein Windstoß
des Schicksals verweht sie, und es zeigt sich wieder, ob eine
Traueresche oder eine immergrüne Tanne darunter wuchs."
Keinerlei gesellige Ansprüche entzogen sie ihren Mutterpflichten; bei
den weiten Entfernungen und schlechten Verbindungen war an nachbarlichen
Verkehr nicht zu denken, und das Leben war so ausgefüllt, daß er nicht
vermißt wurde: "Ich lebe nach all meinen Einsamkeitsträumen und finde
sie in Wirklichkeit noch lieber," schrieb sie nach dreijährigem
Aufenthalt in Garden und fügte hinzu, daß sie sich nicht vorzustellen
vermöchte, jemals in das städtische Leben zurückkehren zu können. Nur
leise klang hie und da die Sehnsucht nach fernen Lieben durch. "Von
mir," heißt es in einem Brief an Frau Froriep, "kann ich nur
Erfreuliches berichten: meine lieben Herzenskinder gedeihen an Geist und
Körper, und übermorgen ist Weihnachten!! -- Ottchen ist groß und
kräftig, und seine Liebe und Zärtlichkeit beglückt mich unendlich ...
Wir sehen niemanden, und jeder Tag ist sich gleich -- gleich lieb und
angenehm, ich zeichne, stricke, schreibe, lese zuweilen, spiele abends
mit Werner Schach, oder wir lesen einander vor. Die Grundfarbe des
Lebens sind immer die zwei lieben Engelchen, und hätte ich meine Mama
und meine Emma, dann möchte ich niemals sterben."
Das liebe Bild Weimars mochte aber doch immer lockender vor ihrer Seele
stehen, und das Verlangen, ihr Frauenglück, ihren Mutterstolz dort
strahlen zu lassen, wo alle Freuden und Leiden ihres Mädchenlebens sich
abgespielt hatten, war bald stark genug, um sie die beschwerliche Reise
im Wagen mit zwei kleinen Kindern nicht fürchten zu lassen. Im Februar
1841 schrieb sie an eine ihrer Weimarer Freundinnen:
"Wie ich mich freue, Dich wieder zu sehen, Dir meine lieben, lieben
Kinderchen zu zeigen! Wie ich die Unerschöpflichkeit über dieses Thema
nun selbst übe, kann Dir Emma sagen; jetzt, wo ich die süße Hoffnung
habe, sie nach Hause zu bringen, sie dort lieben und hoffentlich
gefallen zu sehen, kann ich eher schweigen, obwohl mir Ottos Geschichten
bei weitem interessanter erscheinen als die Berechnungen über den
Durchbruch der Weichsel und die Angelegenheiten vom Gleichgewichte
Europas! ... Jetzt habe auch ich die stille Ruhe eines befriedigten
Herzens und eines ausgebildeten und ausgefüllten Lebens; mein Werner,
meine Kinder, mein Haus, meine Lebensweise, meine Gegenwart, meine
Aussicht für die Zukunft, alles erfüllt mich mit der gleichen
unausgesetzten Dankbarkeit gegen Gott, und die Opfer vieler
Lieblingsbeschäftigungen erscheinen mir um so unbedeutender, da ich mit
regem Interesse Werners Thätigkeit, seinem so reichen und viel
umfassenden Berufe folge."
Alte und neue Freunde, unter diesen der Gatte ihrer Stiefschwester
Cecile, Graf Fritz Beust, machten ihren Weimarer Aufenthalt zu einem
sehr wohltuenden, und doch kehrte sie gern zurück in den Kreis ihrer
Wirksamkeit, zu ihrem Gatten, den sie mehr und mehr lieben lernte.
Manche Aussprüche in ihren Briefen legen von dem ungetrübten Glück
ihrer ersten Ehejahre Zeugnis ab. So schrieb sie einmal, als Werner in
Geschäften längere Zeit abwesend gewesen war:
"Während meiner sechswöchentlichen Strohwittwenschaft war ich sehr
einsam, und gegen das Ende dieser Zeit ergriff mich eine große
Sehnsucht, dennoch habe ich mich durch stille Beschäftigung und
namentlich durch die ununterbrochene Gegenwart meiner Kinderchen
erheitert -- als aber einmal mitten in der Nacht mein Werner neben
meinem Bette stand und leise meinen Namen rief, da wußte ich mich doch
kaum eines schöneren Moments in meinem Leben zu erinnern; seitdem kann
ich der Freude seiner Gegenwart gar nicht satt werden, und so einförmig
und still unsere Tage aussehen, so sind sie doch lebendig durch unser
Glück und unsere Liebe."
Und in einem anderen Briefe heißt es: "... ich bin schon einigemale mit
den Kindern und deren Kameraden zu dem unschuldigen Fest der
Schlüsselblumenlese auf einer runden allerliebsten Wiese mitten in einem
herrlichen Buchenwald gewesen -- wenn ich da mit einem Buche sitze und
die kleine jubelnde Gesellschaft um mich herum spielt, scheint es mir,
als gäbe es gar keine anderen Feste in der Welt, und komme ich dann nach
Hause und gehe mit meinem Werner herum, so scheint mir dies wieder wie
ein beneidenswertes Fest -- kurz, ich bin eine glückliche Frau ..."
Wie wenig die Außenwelt sie lockte, mit der sie nur durch den
Briefwechsel mit ihren Freunden verbunden war, wie sicher sie sich
glaubte in ihrem stillen Frieden vor allen Zweifeln, aller Zerrissenheit
des Innern, unter der sie einstmals litt, geht aus folgenden Zeilen
hervor: "Die liebe Prinzeß Augusta hat meiner Ignoranz in der neuesten
schönen Litteratur etwas nachgeholfen und mir die Reisebilder der Hahn
und einige andere Bücher geschickt; ich habe sie mit großem Interesse
gelesen, mich dabei mit einigem Grausen an die Atmosphäre von Ottiliens
Salon und leider recht viel an ihr armes zerrissenes Gemüt erinnert, --
ich bin mit einigen Kopfwunden und einigen radikal verwachsenen Narben
durch den Strom geschwommen, der die arme Ottilie umbrauste und dem sie
sich hingab und hingiebt wie die verrückte Hahn, -- jetzt wo ich am
friedlichen Ufer stehe, wo der Strom nicht einmal mit seinem Schaum
hinkommt, erscheinen mir die Seelen doppelt unselig, die sich hin- und
herschleudern lassen, anstatt einen kühnen Sprung zu tun und ans Land zu
kommen."
Demselben Gedankengang folgte sie, als ihr junger Freund, der
Erbgroßherzog Karl Alexander, sich verlobt hatte und sie ihm schrieb:
"Am ruhigen Ufer angelangt zu sein, wie ich, sich selbst freudig in dem
geliebten Anderen und dann in den Anderen aufgehen zu sehen, wie ich,
von dieser sicheren Stätte aus nach außen im Großen zu wirken, wie ich
es nur im Kleinen vermag -- darin vereinigen sich meine höchsten und
besten Wünsche." Auf ihren Brief erhielt sie folgende Antwort, die der
erste Anfang zu dauernder brieflicher Verbindung sein sollte:
Weimar, den 1. März 1842.
"Meine liebe gute Frau von Gustedt!
"Sie werden vielleicht erstaunt sein, einen Brief von dieser Hand zu
erhalten, die es wagt, in einem Tone zu schreiben, der auf alte
freundschaftliche Beziehungen schließen läßt, aber wenn ich Ihnen sage,
daß die Person, die Ihnen schreibt, von allen Ihren Freunden der Treuste
und Ihnen am aufrichtigsten zugetan ist, und dessen dauernde
Freundschaft für Sie aus seiner Kindheit stammt, werden Sie leicht
erraten, welche Hand sich heute zum ersten Mal die Freiheit nimmt, Ihnen
zu schreiben. Es ist ein alter Wunsch von mir, Ihnen einmal brieflich zu
wiederholen, daß weder Zeit noch Entfernung jemals aus meinem Herzen die
Erinnerung und meine tiefe Anhänglichkeit an Sie auslöschen können, aber
die Furcht, indiskret zu erscheinen, hat mich zurückgehalten, heute
aber, wo ich an einem der wichtigsten Abschnitte meines Lebens
angekommen bin, habe ich das Bedürfnis, meine Gefühle dem Herzen einer
Freundin anzuvertrauen und hätte ich da, sagen Sie es selbst, gnädige
Frau, schweigen und mich nicht an Sie wenden sollen? Arbeiten aller Art,
zwingende Briefe haben mich verhindert, den Wunsch, den ich hatte, Sie
zu sprechen, zu verwirklichen, denn es giebt Dinge, die zu wichtig und
zu zart sind, um besprochen zu werden, wenn nicht Körper und Geist in
Ruhe sind. Ich weiß bereits, welche Teilnahme Sie für meinen letzten
wichtigen Entschluß empfunden haben, es war auch kaum nötig, es noch zu
versichern, denn ich wußte im Voraus, daß Sie mir bei dieser Gelegenheit
Ihre Glückwünsche nicht verweigern würden, die mir so notwendig sind und
denen ich einen so hohen Wert beimesse. Dafür möchte ich Ihnen jetzt
meinen aufrichtigen Dank aussprechen, nehmen Sie ihn an mit der
Versicherung, daß er aus dem Grunde eines Herzens kommt, das Ihnen ganz
ergeben ist. Ich wage die Bitte hinzuzufügen: geben Sie mir Ihren Segen
als Freundin, er wird mir Glück bringen, er wird mir die Kraft geben,
Sie nachzuahmen in der Erfüllung Ihrer Pflichten und in der geistigen
Entwicklung, die Sie zu so schönen Erfolgen geführt hat und die alle
Menschen ergreift, die das Glück haben, sich Ihnen zu nähern. Sie müssen
von nun an auch meiner Braut ein wenig Freundschaft entgegen bringen,
denn ich liebe sie aufrichtig, und sie verdient Ihre Achtung. Ich darf
wohl sagen, daß sie alle Eigenschaften hat, die hoffen lassen, daß wir
gut miteinander leben werden, ihr sanfter Charakter, ihre immer frohe
und gleiche Laune, ihr gebildeter Verstand und die Zuneigung, die sie
mir entgegenbringt, berechtigen mich, wie ich glaube, zu dieser
Hoffnung. Ich wage sogar zu hoffen, daß sie dereinst den beschwerlichen,
aber segensreichen Weg wandeln wird, den auch meine Urgroßmutter, meine
Großmutter und meine Mutter gegangen sind und noch mit solchen Erfolgen
gehen; und das ist nicht der geringste Vorteil, den sowohl das Land wie
auch meine Familie aus dieser geplanten Vereinigung ziehen werden ...
"Meine 23 Jahre und ihre 17 sind allerdings kein hohes Alter, aber das
Sprichwort sagt: 'wem Gott ein Amt giebt, dem giebt er auch die Kraft',
das läßt mich hoffen, daß unsere Jugend kein Unglück ist, um so mehr als
sich dieser Fehler ja mit jedem Tage verringert. Ich wünsche herzlich,
Sie bald mit meiner Braut bekannt machen zu können, und hoffe, daß wenn
ich erst verheiratet bin, Sie sich mit eigenen Augen davon überzeugen
werden, wie es in meinem kleinen Haushalt zugeht. Der Gedanke, daß ich
von meinem Haushalt spreche, kommt mir so seltsam vor, daß ich zu
träumen glaube. -- Aber dieser Brief wird ein Buch, und ich muß
gestehen, daß ich vergaß, daß ich Ihre Güte und Ihre Geduld mißbrauche,
wenn ich in einem fort von mir spreche. Gestatten Sie mir noch, Sie zu
bitten, Ihrem Gatten meine Empfehlung zu vermitteln, und bewahren Sie
Ihre Güte und Freundschaft dem, der für das Leben bleibt
Ihr ergebener Freund
Carl Alexander."
Es gehört zu jenen freundlichen Märchen, an die die Menschen so gerne
glauben, solange ihr Herz noch jung ist, daß Freundschaft und Liebe dem
Dache gleicht, das vor den Unbilden des Wetters Schutz bietet, oder dem
Öl, das die heranbrausenden Wogen des Schicksals besänftigt. Wäre es
Wahrheit, wie gesichert vor allem Bösen hätte Jennys Leben verfließen
müssen! Aber das Unglück kennt keine Hindernisse, wenn es sein Opfer
erreichen will, und um so größer und vernichtender ist es, je reicher
und tiefer die Seele ist, die es trifft. Ein Pfeil, der an der Haut des
Elefanten abprallt, durchbohrt die Taube; ein Schrotkorn, das im Fell
des Bären stecken bleibt, tötet die Nachtigall.
Vielerlei Erlebnisse, die für robuste Naturen ohne tieferen Eindruck
vorübergegangen wären -- Undankbarkeit und Untreue bei denen, die mit
Wohltaten überschüttet wurden, Fehlschlagen der liebevollsten
Erziehungsmethoden -- wirkten beinahe verdüsternd auf Jennys Gemüt.
Schlechte Ernten, getäuschte Hoffnungen auf Verbesserungen im Kreis und
in der Provinz überwand sie nicht, wie glücklichere Naturen, durch neue
Hoffnungen, sie steigerten vielmehr ihre Sorgen. Kamen trübe Nachrichten
von Freunden und Verwandten, so überwand sie sie schwer. Als Wilhelmine
Froriep ihr vom Tode ihres Kindchens Mitteilung machte, schrieb sie ihr:
"Wie mein höchstes Glück in meinen beiden Kindern liegt, so ist dies
auch gleich die wunde Stelle, an der mein Mitgefühl für andere Mütter
fast physisch schmerzhaft ist -- in jeder Fingerspitze fühle ich
körperlich, was im Herzen vorgeht ..." Waren die eigenen Kinder krank,
so pflegte sie sie bis zur Erschöpfung, aber sie litt weit mehr unter
der Angst, als unter dem Versagen der Körperkräfte. Die lang andauernde,
schmerzhafte Krankheit ihrer zärtlich geliebten Mutter, der sie fern
bleiben mußte, weil sie sich zwischen ihr und den Kindern nicht zu
teilen vermochte, erfüllte sie mit dauernder Angst. Die Geburt ihres
dritten Kindes, eines Mädchens, das auf ihren Namen getauft wurde,
vermochte sie darum nicht mit derselben Wonne zu begrüßen, die sie sonst
empfunden hatte -- ein Umstand, der sie Zeit ihres Lebens diesem Kinde,
meiner Mutter, gegenüber etwas wie Schuldbewußtsein empfinden ließ. Ein
halbes Jahr nachher, im Dezember 1844, rief der besorgniserregende
Zustand der Mutter sie nach Weimar. "Wenn man nicht mehr für die Seinen
leben kann, warum dann überhaupt noch leben?" hatte sie in einem ihrer
letzten Briefe geschrieben, "ich kann ihnen nichts mehr sein, kann ihre
Zärtlichkeit nur mit einem Blick der Verzweiflung beantworten. O gütiger
Gott, erhöre mich, laß mich heimkehren zu Dir! Von dort aus werde ich
meine Kinder segnen, werde ihnen danken für alles Glück, das mir
geworden ist durch sie! Alle Seligkeit des Lebens verdanke ich ihnen,
und die Worte, die ich so gern wiederhole: Ich bin eine glückliche
Mutter, sollen auch meine letzten sein und mir den Abschied verschönen!"
Jenny traf sie nicht mehr am Leben. Sie gab ihr noch das letzte Geleit,
dann kehrte sie heim, um vieles gealtert, wie jeder, an dessen Lebensweg
der erste Grabstein sich aufrichtet. Lange vermochte sie sich nicht zu
erholen. "Meine Nächte," so schrieb sie, "sind durch schreckliche Träume
des vergangenen Jammers, der durch die Lebhaftigkeit derselben immer
wieder zur Wirklichkeit wird, sehr peinlich; dann erwache ich in
Angstschweiß gebadet mit Herzklopfen und mit einer demnach wieder neuen
Täuschung, weil ich zwar die trostlose Überzeugung des nahen Todes
meiner geliebten Mutter träume, in der Regel aber nicht, daß er wirklich
erfolgt sei -- daher mir die Gewißheit beim Erwachen einen neuen Schreck
giebt. Am Tage erhole ich mich durch die Stille, den freundlichen
Sonnenschein, der zu jeder Stunde meine behaglichen Zimmer erhellt,
durch die geistige Ruhe, die unschuldige Fröhlichkeit meiner drei lieben
Kinder und die Liebe meines Mannes. Es ist mir sehr wohlthuend, daß mir
niemand von meinem Schmerze spricht, und mich wieder niemand stört, wenn
ich davon sprechen oder daran denken will. So vergehen leise und sanft
meine Tage in einer stillen Trauer, die mir so mit meiner Seele verwebt
zu sein scheint, daß ich nicht weiß, wie sie je aufhören kann, oder wie
sich neben sie die Fähigkeit, eine frohe Botschaft, eine recht volle
Lebensfreudigkeit zu empfinden, stellen wird. Ich beschäftige mich auch
so leise hin und fühle mich nicht allein nicht geistig gelähmt, sondern
sogar durch den Gedanken an meiner Mutter Liebe und Segen zur Tätigkeit,
die sie billigte, angeregt."
Die ländliche Ruhe empfand sie jetzt doppelt wohltätig. Den Schmerz
durch Zerstreuung zu betäuben, jenes Rezept schlechter Seelenärzte, die
nicht wissen, daß er die Heilkraft in sich selbst trägt, wies sie weit
von sich: "Der Schmerz soll sein, wie der Schnitt an der wilden Rose,
der ihrer Veredelung durch ein neues Reis vorangeht," schrieb sie, und
auf einen teilnehmenden Freundesbrief antwortete sie: "Meine Pläne
konzentriren sich alle auf Garden; meine letzte Reise hat einen tiefen
Eindruck nicht allein auf mein Herz, aber auch auf meine Phantasie
gemacht, erst jetzt kommen Nächte vor, wo ich sie nicht im Traume wieder
durchlebe, und das Wort 'reisen' hat einen schmerzlichen Klang für mich
... Ich lebe ganz klösterlich, still, ernst, beschäftigt und ergeben,
obgleich wehmüthig bis im Innersten der Seele, meine Kinder sind mein
Glück, sie gedeihen in dem gesegneten Landleben, wo ich alles auf sie
einrichten kann, auch der strenge Winter ist ihnen nicht entgegen, da
sie täglich, und Otto oft den ganzen Tag, draußen sind; jetzt fahren sie
im Schlitten spazieren, und mein Jennchen hält mit ihren zwei
dunkelroten dicken Bäckchen auf dem weißen Kopfkissen ihren
Mittagsschlaf."
Während sie mit ihrem Besitztum sich immer mehr verwachsen fühlte, je
mehr Liebe und Arbeit darauf verwandt worden waren, und jede
Ausgestaltung des Hauses, jede Gartenanlage es ihr mehr und mehr zur
Heimat machte, in der sie und ihre Kinder Wurzel faßten, erschien dem
Gatten das Feld seiner Tätigkeit immer enger. Der Wunsch, ins Weite zu
wirken, beherrschte ihn immer lebhafter. Jenny beobachtete diese
Entwicklung mit stillem Kummer. Sie hoffte, er würde als Landrat
Befriedigung finden, und unterstützte daher seine Bestrebungen nach
dieser Richtung. "Ich wünschte sehr für Werner," schrieb sie, "daß er
Landrath wird, da mein viel sehnlicherer Wunsch, daß er sein Leben mit
dem in jeder Hinsicht angestrengten Eifer ausfüllen möchte, sein Gut
materiell und moralisch zur höchst möglichen Vollkommenheit zu bringen,
nicht erfüllt wird, und sein Interesse gemeinnütziger ist und in
weiterem Kreis sich bewegt, so würde er als Landrath auf andere Weise
meine Lebensidee erfüllen, denn seine Pläne für Chausseen, gute Wege,
Sparkassen, Krankenhäuser, Turnanstalten, ökonomische Landverbesserungen,
sind nicht allein dem Plan, aber auch den Vorarbeiten nach, reif, und
ich zweifle nicht an seiner Energie zu ihrer Ausführung."
Für sie selbst gewann der Plan an Reiz, da seine Ausführung sie nicht
von Garden fortzuführen schien und sich ihr dabei die Möglichkeit bot,
für ihre sozialen Bestrebungen einen breiteren Boden zu finden. Ihre
Briefe aus dem Anfang des Jahres 1845 lassen überhaupt einen zuweilen
bis zum krampfhaften gesteigerten Tätigkeitsdrang erkennen. Die
verschiedensten Pläne durchkreuzten ihr Hirn, und für die, die der
öffentlichen Wohlfahrt dienten, suchte sie ihre fürstlichen Freunde vor
allem zu interessieren. Schaffung von Rettungshäusern für uneheliche
Kinder, Suppenanstalten für Arme, Heime für die schulpflichtige
Arbeiterjugend schlug sie ihnen im Detail vor. Sie bekam damals
dieselben Antworten, die heute die Regierungen zu geben pflegen, wenn
sie zur Abhilfe dringender Notstände aufgefordert werden: man wolle die
Frage untersuchen lassen. "Als ob es der Untersuchung noch bedürfte,"
schrieb sie, "wo im 19. Jahrhundert in Preußen Menschen verhungern und
erfrieren und Kinder aus Mangel an Nahrung und Pflege elendiglich zu
Grunde gehen!" In einem längeren Brief des Erbgroßherzogs von
Sachsen-Weimar -- einem der sehr wenigen, die erhalten blieben -- findet
sich eine Bemerkung, die auch auf eine solche Anregung ihrerseits
schließen läßt, aber auch die weiche Liebenswürdigkeit des jungen
Fürsten, die damals schon für energische Tatkraft nicht viel Raum ließ,
so daß jenes "Weh dem, daß du ein Enkel bist!" auch auf ihn Anwendung
finden mochte, tritt gerade in diesem Schreiben besonders deutlich
hervor:
Weimar, den 12. März 1845.
"Was Sie von mir denken, kann ich, verehrte und geliebte Freundin, weder
rathen noch wissen; was mich angeht, so weiß ich nur, daß ich diesen
Brief mit einem Gefühl wirklicher Beschämung beginne. Auf Ihre
liebenswürdigen und freundschaftlichen Worte durch ein Schweigen von
mehreren Wochen zu antworten, -- nicht danken, wo soviel Güte es zur
heiligen Pflicht macht, das ist ein Verhalten, das den schärfsten Tadel
verdiente, wenn das Gewissen des Angeklagten ihn nicht berechtigte,
seinen Richter um Milde zu bitten. Es giebt Briefe und Briefe, wie es
Freunde und Freunde giebt.
"Sie selbst bezeichneten eines Tages die verschiedenen Arten und teilten
sie ein in Freunde, die wir lieben, solche, die wir nicht lieben, und
solche, die wir nicht leiden können. Es besteht eine große Ähnlichkeit
zwischen den verschiedenen Arten von Freunden und den verschiedenen
Arten von Briefen; es giebt welche, die man aus Pflichtgefühl schreibt,
solche, die man aus Rücksicht schreibt, und es giebt endlich Briefe, die
man aus innerem Drang, aus Freundschaft, aus Begeisterung schreibt. Ich
brauche Ihnen, glaube ich, nicht zu sagen, daß die Briefe, die Sie mir
an Sie zu richten gestatten, zu dieser letzten Klasse gehören, und
gerade weil sie dazu gehören, können sie nicht zu jeder beliebigen Zeit
geschrieben werden, wie man auch nicht jeden Augenblick eine gute
Unterhaltung führen kann. Deshalb schien es mir, als ob die im Tumult
des Karnevals verbrachten und durch eine Familienversammlung
unterbrochenen Wochen kaum die geeignete Ruhe boten, um mit Ihnen zu
sprechen.
"Lassen Sie mich nun von einer Verpflichtung zu einer anderen übergehen
und Ihnen im Geiste die Hand küssen für den lieben, freundlichen und
zarten Brief, durch den Sie mich geehrt haben und der mich so erfreut
hat. Ich will ihn im einzelnen beantworten und ich kann nicht besser
beginnen, als indem ich von Ihrer Gesundheit spreche, die, wie ich
hoffe, zur Stunde wieder vollkommen hergestellt ist. Die Eindrücke, die
Sie im letzten Winter gehabt haben, waren zu tief, zu schmerzlich, um
nicht Ihre Gesundheit zu erschüttern, aber ich habe eine zu hohe Meinung
von Ihrem Willen, von Ihrem Eifer für das Gute, von Ihrer Thätigkeit und
endlich von Ihrer Religion, um nicht überzeugt zu sein, daß Sie schon
seit langem Ihre Ruhe und Ihre Gesundheit wiedererlangt haben. Gott
behüte mich davor, Ihren Schmerz nicht achten zu wollen, er ist viel zu
heilig, um nicht Gegenstand allgemeiner und aufrichtiger Theilnahme zu
sein; aber es bleibt ewig wahr, daß eine regelmäßige Beschäftigung
heilenden Balsam in solche Wunden gießt. Darum sehe ich Sie muthig den
Weg weiter verfolgen, der Ihnen, seit Sie uns verlassen haben, den Segen
Ihrer Untergebenen eingetragen hat, ebenso wie die, für die Sie hier
sorgten, Sie segneten und noch segnen. Der Plan, den Sie mir vorlegen,
oder vielmehr der Vorschlag, den Sie mir machen, mich für eine Anstalt
zu interessieren, deren Zweck sein soll, für die Kinder von Ammen und
unverheiratheten Müttern zu sorgen, ist ein neuer Beweis dafür. Ich
beeile mich, alle erforderlichen Informationen einzuziehen und in Kurzem
werde ich die Ehre haben, Ihnen davon zu berichten. Auf jeden Fall bin
ich von dem wahrhaft christlichen Gefühl überzeugt, das Ihnen diesen
edlen Plan eingegeben hat, auch von dem Schmerz, den Sie empfinden, wenn
Sie an das Unrecht denken, mit dem so viele Menschen in dieser Beziehung
ihr Gewissen belasten. Es geht ja mit diesem Unrecht wie mit so vielem
anderen, das man begeht, ohne daran zu denken, ich kann sagen:
glücklicherweise, ohne es zu vermuthen. Wenn man sich immer beobachten
würde, wenn man immer Acht gäbe, würde man in seinen eigenen Augen ganz
anders erscheinen, als man sich zu sehen gewohnt ist.
"Ich weiß nicht, ob Ihr Gemahl, dem ich mich zu empfehlen bitte,
Landrath geworden ist oder nicht; es wäre mir lieb, wenn Sie mir das
mittheilen würden. Ich wünschte es ihm aufrichtig, und wenn die
Verwirklichung von mir abhinge, hätte ich mich nicht auf bloße Wünsche
beschränkt. Wie gern sähe ich Sie in der richtigen Sphäre für Ihre
Thatkraft und Leistungsfähigkeit. Doppelt gern, weil Sie, auf einen
sozusagen unkultivierten Boden gestellt, alles selbst erst schaffen
mußten; eine ganz von Ihnen geschaffene Welt, meine liebe Jenny, muß
sehr schön sein, beinahe ein Paradies, denn über dem Schönen, das Sie
immer schaffen, werden Sie stets das Gute herrschen lassen! -- Damit
wäre Ihr Brief annähernd beantwortet, ich sage annähernd, weil im Grunde
nur das Leben allein die rechte Antwort geben kann auf die Worte, die
sich an alle fühlenden, empfindenden und handelnden Fasern meines Wesens
zu richten scheinen. Ich bitte Sie demnach, von meinem Leben die Antwort
auf Ihr Interesse, Ihre Freundschaft und Ihre Theilnahme zu erwarten. --
Ich kann die Feder nicht fortlegen, ohne Ihnen noch ein wenig von hier
zu erzählen. Ihr Vater und Ihre Schwester befinden sich wohl; Cecile
geht seit einigen Tagen wieder aus und scheint sich gut von ihrer
Entbindung erholt zu haben. Der Kleine wurde in Gegenwart von Mama und
uns allen getauft, was mich tief gerührt hat, denn Beust gehört so sehr
zu meiner eigenen Familie, er bildet so sehr einen Theil meiner selbst,
daß es mir vorkommt, als ob alles, was ihm begegnet, Gutes und Böses,
mir selbst geschähe. Ich sehe häufig Fräulein von Froriep, deren
liebenswürdigen Charakter ich mehr und mehr bewundere, ohne von den
anderen Eigenschaften zu sprechen, die sie auszeichnen. Sie erinnert
mich oft an Sie, und ich glaube deshalb um so mehr, daß das, was sie so
liebenswürdig, so gleichmäßig gut und interessant macht, eine Gabe ist,
die sie von Ihnen hat. Denn das ist eine wirkliche Wohlthat der
Freundschaft, eine ihrer Segnungen, daß sie die guten Eigenschaften
eines Freundes auf den andern überträgt. Es scheint mir eine der
schönsten Erinnerungen zu sein, die man an jemanden haben kann, sich zu
sagen, daß diese oder jene gute Eigenschaft, die ich besonders liebe,
von diesem oder jenem Freunde stammt. -- Vor einigen Tagen kam Frau von
Goethe an, die sich wegen Familienangelegenheiten herbegeben hatte. Es
schmerzte mich, sie zu sehen; ich kann sie nur einem entwurzelten Stamm
vergleichen, der auf dem Wasser schwimmt, so ohne Ziel, ohne feste
Absichten, ohne Plan, ohne Zukunft ist sie. Durch ihre manchmal etwas
barocke Eigenart brach zuweilen ihr mütterliches Gefühl durch, und dann
sagte sie mit Thränen in den Augen von Alma: 'unser aller Frühling ist
hin.'
"Ich sah auch Walther, der bald nach seiner Mutter kam; er sieht so
schwächlich und gedrückt und lebensuntauglich aus, -- verzeihen Sie den
Ausdruck, -- daß es einen schmerzt, wenn man ihn sieht. Man kann sagen,
daß ein großer Name, wenn er nicht Ruhm und Auszeichnung bedeutet, zur
Last wird. Unter den Freunden, die wir im Laufe des Winters hier sahen,
befand sich auch ein gewisser Herr von Schober, ein Mann von Geist und
Talent, dessen schöne Gedichte ihm in Deutschland einen Namen gemacht
haben. Ich erfreute mich des Verkehrs mit ihm ... Eine Reise nach
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