gleicher Jahreszeit selbst in Italien nicht erlebt habe. Aber ich denke
doch am 1. kommenden Monats zurückzukehren, denn Deine gute Schwester
leidet unter meiner Abwesenheit, und ihr lieber Napoleon genügt ihr
nicht! ...
Dein Dich liebender Vater
Jerome.
Paris, den 18. März 1851.
Meine geliebte Jenny!
In Beantwortung Deiner lieben Briefe vom 24. Februar und 10. März komme
ich, um mit Dir zu plaudern, was für Deinen Vater stets ein Augenblick
des Glücks ohne jede Bitterkeit ist. Ich kann, liebes Kind, auf das
Glück nicht verzichten, Dich wieder zu sehen, ich will nicht sterben,
ohne Deinem Mann für das Glück zu danken, das er Dir bereitet, ohne
Dich, meine geliebte Jenny, und Deine Kinder zu segnen. Ich verzeihe
gern meiner guten Pauline, die alle Freude, die das Bildchen meines
kleinen Otto mir gemacht hat, allein auf meine Liebe zu Dir zurückführt;
sie bildet sich ganz irrtümlicherweise ein, daß ich sie weniger liebe
als Dich; ich mache keinen Unterschied zwischen Euch beiden, weil Ihr
beide in gleicher Weise meine Liebe verdient und Eurem Vater die gleiche
Zärtlichkeit entgegenbringt! -- Ich freue mich der neuen Stellung, die
ihr einnehmt, indem ihr nach Rosenberg übersiedelt; Werner findet dort
einen segensreichen Wirkungskreis.
Ich habe mehr als einen Monat mit der Marquise (die für Dein
freundliches Gedenken herzlich dankt) ruhig auf dem Lande gelebt, wo wir
uns des schönsten Wetters der Welt erfreut haben; seit dem 4. d. Mts.
sind wir zurückgekehrt, und ich hatte die Ungeschicklichkeit, mir eine
Erkältung zuzuziehen, die mich zehn Tage lang an das Zimmer fesselte und
mich hinderte, unsere liebe Pauline zu umarmen. Seit einigen Tagen
entschädige ich mich dafür, indem ich sie so oft als möglich aufsuche.
Gestern mußte sie ihres Auges wegen, das sich wieder verdunkelte, zur
Ader gelassen werden, trotzdem fand ich sie leidlich wohl, und Du,
geliebte Jenny, stehst immer im Mittelpunkt unserer Unterhaltungen. --
Napoleon geht es gut, er bittet mich, Dich seiner zärtlichsten
Freundschaft zu versichern; Blanqui empfiehlt sich Dir angelegentlichst,
und alle lassen meiner Jenny volle Gerechtigkeit widerfahren, was mich
sehr beglückt.
Der politische Horizont ist finster, mehr oder weniger überall, aber da
wir nur die Werkzeuge der Vorsehung sind, wird nichts geschehen, was
nicht geschehen muß, und wenn man ein gutes Gewissen hat, so kann man in
Ruhe und Resignation die Dinge erwarten: "tue was Du kannst, es kommt,
was kommen muß."
Es gibt mehr als eine Gelegenheit, geliebtes Kind, die mir gestattet,
auf unser Wiedersehen zu hoffen, und sobald sie sich bietet, werde ich
sie nicht entweichen lassen. Lebwohl, meine Jenny, ich drücke Dich an
mein Herz und segne Dich und Deine Kinder.
Dein Dich liebender Vater
Jerome.
Paris, den 29. August 1851.
Meine liebe Jenny!
Mit Freuden denke ich daran, daß dieser Brief zu Deinem Geburtstage in
Deine Hände gelangen und Dir meinen väterlichen Segen bringen wird, was
meine Jenny, die in ihrem Herzen die Keime alles Guten und Edlen trägt,
sicher glücklich macht. Küsse in meinem Namen Deine lieben Kinder: ein
natürlicher Instinkt muß ihnen sagen, daß sie mich lieben müssen. -- Ich
überlas gerade Deinen letzten lieben langen Brief, als meine liebe
Pauline mir den vom 23. schickte: zur Zeit der Feuersbrunst war ich
krank und auf dem Lande; übrigens hätte ich mich des Marschall
Sebastiani wegen nicht derangiert; ich habe mehr als eine Ursache,
diesen Mann nicht zu lieben! ... Du mußt nicht glauben, mein liebes
Kind, daß der politische Horizont unseres Frankreichs so schwarz ist,
daß Jeder um unsere Existenz zittern müßte. Sei versichert: Niemand kann
uns Böses tun, als wir selbst, wenn auch zugegeben werden muß, daß die
Lage eine kritische ist. Ich bin gewiß, Gott wird Frankreich schützen!
Bei der Feuersbrunst habe ich von 250 Fahnen nur ... (unleserlich)
verloren; die 50 Fahnen von Austerlitz befanden sich in höchster
Sicherheit in meinem Kabinet, wo Du Dich entsinnen wirst, sie gesehen zu
haben. Unsere liebe Pauline fährt fort, sich wohl zu befinden; die
Heilung ihres Auges ist wirklich ein Wunder, und ein Wunder, das mich
sehr glücklich macht, denn das geliebte Kind wäre sehr zu bedauern
gewesen, wenn sie die, die sie liebt, nicht mehr hätte sehen können!
Lebwohl, liebe Jenny, ich drücke Dich an mein Herz und sende Dir zu
diesem Tage meine wärmsten väterlichen Segenswünsche.
Dein Dich liebender Vater
Jerome.
Paris, den 14. November 1851.
Meine geliebte Jenny!
Dein Brief hat mich gerade am Vorabend meines Geburtstages erreicht, und
ich antworte Dir sofort, um Dir zu sagen, daß er nicht ein Wort enthält,
das nicht den Weg zu meinem Herzen gefunden hätte! Ach, mein liebes
Kind, warum müssen die Ereignisse und das Schicksal uns so weit von
einander entfernen?! Ich wäre so glücklich, Deine Kinder um mich zu
haben, Deinem vortrefflichen Mann zu danken für das Glück, mit dem er
Dich umgiebt. Aber, liebste Jenny, irgend etwas sagt mir, daß ich nicht
sterben werde, ohne Euch Alle gesegnet zu haben. Mein Leben ist recht
bewegt, trotzdem ich mich zurückgezogen habe, und ich sehe, wie die
Ruhe, deren ich so sehr bedarf, mir immer weiter entflieht. -- Mit
Freuden empfing ich das Portrait Deiner reizenden kleinen Marianne,
grüße sie aufs zärtlichste von mir, ohne dabei der Anderen zu vergessen.
Ich hoffe, meine Jenny, Du sprichst Ihnen oft von Deinem "alten Pathen"
(weil es nun einmal so sein muß!); lehre sie, mich zu lieben, damit,
wenn ich sie einmal umarmen darf, ich spüren kann, daß ihr eigener
Herzschlag es ihnen sagt: kein Fremder ist es, der uns küßt!
Ich segne Dich, liebes Kind, und grüße Deinen Mann und Deine Kinder.
Dein Dich liebender Vater
Jerome.
-P. S.-
Ich übergebe meinen Brief Deiner guten Schwester, die mein ganzer Trost
ist!
Le Havre, den 2. September 1857.
Meine liebe Jenny!
Ich beantworte Deinen Brief vom 26. vorigen Monats, der mich hier
erreicht hat, wo ich seit vierzehn Tagen bin, und wo die Seeluft mir
vortrefflich bekommt (Du weißt, ich nehme keine Seebäder). Ich baue
sogar an einem Luftschloß, das sich hoffentlich nächstes Jahr
verwirklicht: Dich mit Deinem Mann und Deinen Kindern hier her kommen zu
lassen. Das würde Dich freuen, meine liebe Jenny? Ich, der ich Dein
liebevolles Herz kenne, bin davon überzeugt. -- Dein Brief hat mich sehr
interessiert. Ich möchte nur, daß mein lieber Otto seine Gesundheit
schont, die nichts jemals ersetzen kann. Ich kann mich als Beispiel
anführen; ich, der ich 73 Jahre alt bin und vom Alter gar nichts spüre,
und darum noch so glücklich bin, meinem Vaterland und meiner Familie
zuweilen noch nützlich sein zu können. -- Mein guter Napoleon assistiert
im Augenblick der Grundsteinlegung der Rhone-Brücke und der ersten
Eröffnung des Mont Cenis; das liebe Kind ist mein Glück und mein Stolz,
und seine Liebe entschädigt mich für manche Lebensleiden. (Die gute
Pauline, deren zärtliche Liebe ich kenne und die ich darum doppelt
liebe, schafft sich übrigens mehr Sorgen, als vorhanden sind -- sage es
ihr recht deutlich.)
Sage Otto, daß man ein Duell vermeiden muß, wenn die Ehre nicht verletzt
ist, daß es aber beim Beginn des Lebens auch darauf ankommt, nicht für
feige gehalten zu werden -- ich bin übrigens überzeugt, daß er getan
hat, was zu tun notwendig war. Küsse ihn und Deine anderen Kinder von
mir.
Ich umarme Dich zärtlich.
Dein Dich liebender Vater
Jerome.
Unter Goethes Augen
Jennys Kindheit
Weimar, das die junge Frau von Pappenheim an der Seite des Gatten, den
ältesten Sohn im Arm, in kindlichem Frohsinn verlassen hatte, nahm sechs
Jahre später die einsame, gebrochene Frau wieder auf. Der Mann, der
schon lange ein geistig Toter war, hatte in Stammen den letzten Atemzug
getan, ihre kleinen Söhne waren ihr -- auf höheren Familienbeschluß
wahrscheinlich -- genommen und zu einem Pfarrer in Pension gegeben
worden, der am besten geeignet schien, sie vor dem Einfluß der
"sündigen" Mutter zu bewahren, nur die kleine Jenny hatte man ihr
gelassen. In der Stadt Karl Augusts und Goethes hatte man gelernt, die
Liebesbeziehungen der Menschen untereinander mit anderen Augen anzusehen
als mit denen der Sittenrichter, darum galt auch Diana hier nicht als
Verfemte, sondern als Unglückliche, der Liebe und des Mitleidens ebenso
würdig wie bedürftig. Ihre ältere Schwester Isabella, die an den General
von Egloffstein verheiratet und Mutter der auch von Goethe oft
bewunderten schönen Töchter war, bereitete ihr ein Heim; ihre einstige
Herrin, die gütige kluge Erbgroßherzogin Maria Paulowna, empfing sie mit
offenen Armen und sorgte dafür, daß auch ihr kleines Töchterchen in
Weimar heimisch wurde. Ihre eigenen beiden Töchter, Marie und Augusta,
die spätere deutsche Kaiserin, wurden die unzertrennlichen
Spielgefährten und lebenslangen treuen Freundinnen der Tochter Dianens.
"Als kleines, dreijähriges Mädchen," so erzählt Jenny selbst, "brachte
mich meine Mutter zum erstenmal nach Belvedere, dem Sommeraufenthalt
Maria Paulownas, um mit den Prinzessinnen zu spielen. Ich war mit
Augusta in gleichem Alter und sollte von nun an in fast
geschwisterlichem Verhältnis neben ihr aufwachsen. Prinzeß Augusta war
ein schönes Kind mit früh entwickeltem, energischem Charakter. Sie hat
den Gouvernanten die Erziehung nicht leicht gemacht, und mancher
Kinderspiele erinnere ich mich, die nicht ohne Sturm und Tränenregen
verliefen, weil sie ihr Trotzköpfchen durchsetzen wollte."
Mit ihr zusammen genoß sie den ersten, bereits in ihrem fünften Jahr
begonnenen Unterricht. Es muß ein fröhlicher Wetteifer zwischen den
beiden gewesen sein, denn Jenny war ein ungewöhnlich begabtes Kind, und
Augusta "zeigte eine eiserne Ausdauer, die durch klaren Kopf und leichte
Auffassung unterstützt wurde; sie war wie ein Bienchen, das aus jeder,
auch der unscheinbarsten Blüte sich das Süßeste holte.[A]"
[Fußnote A: Diese Äußerung ist ein Zitat aus den Schriften meiner
Großmutter, wie alles, was ich im folgenden ohne weitere Bemerkung unter
Anführungszeichen mitteile.]
Goethe, der Maria Paulowna, die "Lieblich-Würdige", sehr liebte -- "sie
ist eine der besten und bedeutendsten Frauen unserer Zeit und würde es
sein, auch wenn sie keine Fürstin wäre; denn darauf kommt es an, daß,
wenn der Purpur abgelegt wird, das Beste übrigbleibe," sagte er von ihr
zu Eckermann -- und "etwas Väterliches im Umgang mit ihr hatte,"
kümmerte sich ernstlich um die Erziehung ihrer Kinder, und sie, die "in
ihrem bewundernden Aufschauen zu ihm die Rolle einer Tochter übernahm",
richtete sich darin ganz nach seinem Rat. Dadurch kam auch Jenny vom
ersten Augenblick des bewußten geistigen Erwachens unter seinen Einfluß,
und es war die Atmosphäre seines Geistes, in der sie aufwuchs. Für sie
selbst galt mit, was sie in Erinnerung an diese frühe Zeit von Goethes
Verhältnis zu Karl Augusts Enkeln berichtete: "Er war leicht steif und
zugeknöpft, aber niemals ihnen gegenüber. Kamen sie zu ihm, was häufig
geschah, so hatte er immer neue, interessante Dinge zu zeigen und zu
erklären: den Kindern Bilder und geschnittene Steine, den
Heranwachsenden Bücher und Kunstwerke. Rührend war es, wie er auch für
das körperliche Wohl der Kinder besorgt war, wie er sich der Ausführung
seines Planes, den Griesebachschen Garten für sie zum Tummelplatz zu
kaufen, freute."
Auch Karl August und Luise traten in den intimeren Gesichtskreis des
Kindes. "In meiner frühsten Jugend," so schreibt sie, "hat mir niemand
mehr imponiert als die Großherzogin Luise, Karl Augusts Gemahlin. Sie
war ernst, ruhig, fürstlich, von einer Würde der Erscheinung, die sich
auch im Äußeren kundgab. Als sie es lästig und unangemessen fand, sich
noch Toilettengedanken zu machen, blieb sie bei einer bestimmten, ihr
zusagenden Mode: unter der lichten, krausen Blondenmütze einen Kranz von
weißen Löckchen um die Stirn: ein dunkles, einfarbiges, ungemustertes,
schwerseidenes Kleid, vorn bis zur Taille herunter ein anliegendes,
garniertes Blondentuch, halblange Puffärmel mit Handschuhen bis zur
untersten Puffe, das Kleid faltig, lang, hinten etwas schleppend, dazu
die edle Haltung, die klangvolle tiefe Stimme -- so trat sie in den zu
ihr geladenen Kinderkreis und freute sich an den Spielen ihrer
Enkelinnen, der Prinzessinnen Marie und Augusta. So hat sich mir ihr
Bild eingeprägt, so malte sie auch ihre Hofdame, Julie von Egloffstein.
"Wenn sie und Karl August zusammen erschienen, konnte man sich keinen
schärferen Gegensatz denken: die ernste Fürstin mit dem durchdringenden
Blick, dem trotz aller echten Weiblichkeit strengen Urteil, der ruhigen
Sprechweise, der entschiedenen Abneigung gegen alles, was nur im
entferntesten an Frivolität streifte, und der kleine, über das ganze
runde Gesicht immer freundlich lächelnde Großherzog, dessen Witze leicht
etwas derb, dessen Schmeicheleien leicht etwas grobkörnig sein konnten.
Als beide jung waren, mag dieser Gegensatz empfindlich gewesen sein, im
Alter störte er nicht mehr, auch hatte die treue, aufopferungsvolle
Liebe der Großherzogin für den Gatten jede Kluft zu überbrücken
vermocht. Er zollte ihr dagegen eine unbegrenzte Hochachtung, ein
schrankenloses Vertrauen. Was sie gegenseitig am festesten verbunden
hat, war ihre Vaterlandsliebe. Man hat Karl August als Mäcen gefeiert
und hätte ihn doch noch mehr als Landesherrn feiern sollen. Sein klarer
Blick schien selbst die Zukunft zu durchdringen, die politischen
Verhältnisse vorherzusehen; aber er ging nicht nur ins Große, er sah
auch das Kleine, das Kleinste und fand überall und immer in Luisen die
beste, verständnisvollste Unterstützung. Wie sie Napoleon begegnete,
weiß die Weltgeschichte; wie sie im stillen für die Armen im Lande
sorgte, weiß das Volk; wie sie uns Kindern eine mütterliche Fürstin war,
das wissen ihre Enkel, das weiß auch ich. Sie blieb mir aber immer, so
oft ich sie sah, die Großherzogin, denn 'eine Würde, eine Höhe entfernte
die Vertraulichkeit'. Oft erzog ein Blick von ihr uns mehr als eine
Strafe unserer Erzieherinnen, und ein kleines Geschenk aus ihrer Hand
wurde mit mehr Ehrfurcht betrachtet als die größte Bonbonniere von Karl
August, der mit uns scherzte und lachte und es gar nicht liebte, wenn
'die Frauenzimmerchen zimperlich taten', sondern gern fröhliche, auch
kecke Antworten hörte."
Von nachhaltigem Einfluß auf Jennys geistige Entwicklung sollte der Mann
werden, dem ihre Mutter im Jahre 1817 die Hand zum zweiten Ehebunde
reichte: Ernst August von Gersdorff.[62] Seit langem im weimarischen
Dienst, hatte ihn der Herzog, als Probe auf seine Befähigung, mit seiner
Vollmacht am Wiener Kongreß teilnehmen lassen, und er hat diese Probe,
zu der ihn Goethe mit den Abschiedsworten entließ: "Der Herzog und das
weimarische Volk verdienen es, daß ein Mann wie Sie Gut und Blut,
Gedanken und Tatkraft für ihre Sache einsetzt,"[63] glänzend bestanden.
Mit scharfem Blick hatte er nicht nur die Disposition zu dieser "großen
Komödie" erkannt, sondern auch die Absichten ihres Regissieurs
Metternich durchschaut. Er erreichte alles, was für Sachsen-Weimar zu
erreichen war: die Abtretung eines bedeutenden Gebiets durch Preußen und
die großherzogliche Würde für das Herrscherhaus. Sein größtes Verdienst
aber erwarb er sich nach seiner Rückkehr und seiner Ernennung zum
Minister, indem er Karl Augusts Absicht, seinem Lande -- im Gegensatz zu
allen anderen deutschen Fürsten -- eine Verfassung geben zu wollen, auf
das lebhafteste unterstützte. Gersdorffs Energie und liberaler
Gesinnung, seiner Unabhängigkeit von den reaktionären Gelüsten eines
Metternich und Genossen war es vor allem zu danken, daß der
Verfassungsentwurf in wenig Wochen durchgearbeitet, von der Regierung
geprüft und vollzogen, daß die Freiheit der Presse innerhalb der
Landesgrenzen gesichert und, zum erstenmal in Deutschland, eine
allgemeine Einkommensteuer ins Leben gerufen wurde. Wenn er sich so
durch seine politische Tätigkeit als ein für seine Zeit und seinen Stand
ungewöhnlich aufgeklärter Mann erwies, so zeigte er sich durch seine
literarischen und künstlerischen Interessen als echter Bürger Weimars.
Ein gründlicher Kenner der griechischen Dichter und Philosophen, hatte
er sich vor der ausschließlichen und kritiklosen Verherrlichung der
einheimischen Großen stets zu bewahren gewußt und über ihrem Ruhm nie
vergessen, zu beobachten und aufzunehmen, was das Ausland an poetischen
und künstlerischen Schätzen zu bieten hatte, und was die Vergangenheit
hinterließ. Wie alle Menschen von intensivem Leben und starker
Arbeitskraft, hatte er, trotz seiner amtlichen und privaten Tätigkeit,
dabei immer noch Zeit, sich seiner Familie und seinen Freunden zu
widmen. Jennys lebendiger Geist mußte ihn besonders anziehen, und früh
schon beschäftigte er sich mit ihr, nie müde, ihre Fragen zu beantworten
und ihren Interessen eine ernste Richtung zu geben. Schon das neun- und
zehnjährige Mädchen nahm er auf seine Spaziergänge mit, ihr, statt der
Kindermärchen, Homers Heldengestalten vor Augen führend.
Das Jahr 1822 entführte Jenny, der Sitte der Zeit folgend, in eine
Straßburger Pension, wo sie nicht nur ihre Sprachkenntnisse
vervollkommnen, sondern von wo aus sie vor allem mit der Familie ihrer
Mutter in nähere Beziehungen treten sollte. Aber wie sie auch hier auf
Goethes Wegen ging, so wurde auch auf andere Weise der Gedanke an ihn,
die Verbindung mit ihm aufrechterhalten: war doch ihr Onkel, Baron Karl
von Türckheim, in dessen Familie sie jeden Sonntag zubrachte, der Sohn
von Goethes Lili, derjenigen Frau, die von allen, die er liebte, die
seiner würdigste gewesen ist.[64] Als Jenny nach Straßburg kam, war die
Erinnerung an sie, die der Mittelpunkt nicht nur einer zahlreichen
Familie, sondern auch eines großen Freundeskreises gewesen und erst 1816
gestorben war, noch äußerst lebendig, und die zärtliche Liebe, die sie
überall genossen hatte, mochte wohl nicht müde werden, sie zu schildern.
In strahlender Schönheit lächelte ihr Bild der kleinen Jenny entgegen,
sobald sie die Schwelle des Hauses der Verwandten überschritten hatte --
kein Wunder, daß sie der verlassenen Geliebten Goethes in ihrem
schwärmerischen Herzen Altäre baute, die die Jahrzehnte überdauerten,
ohne der Verehrung für Goethe selbst irgendwelchen Eintrag zu tun.
Wie Jerome für seine Mitschüler im Kollegium zu Juilly der Gegenstand
allgemeiner Bewunderung gewesen war, weil er Napoleon zum Bruder hatte,
so wurde Jenny von ihren Mitschülerinnen wie ein Wesen ganz besonderer
Art betrachtet, weil Goethe sie kannte, weil die Hand des großen Mannes
auf ihrem Scheitel geruht. Bekam sie Briefe aus Weimar, so war die
Neugierde aller eine große, und sie selbst wollte immer viel mehr
wissen, als man ihr schrieb: "Ich muß meine Eltern damals wohl sehr mit
neugierigen Fragen gequält haben, denn ich entsinne mich, daß meine
Mutter mir schrieb, ich möchte mich mehr um meine Bücher als um Weimars
Feste kümmern. Trotzdem flossen Berichte mir darüber reichlich zu. Mein
sehr geliebter Stiefvater war es besonders, der mir trotz der ihn
überbürdenden Staatsgeschäfte in seiner geistvoll-humoristischen Art von
Weimar erzählte. War es doch ein Paradies für mich, Goethe, der Abgott
meines kindlichen Herzens, alles, was mit ihm zusammenhing, wertvoller
als alle Herrlichkeiten der Welt. Die heutige Jugend hat keinen Begriff
von solch einem Enthusiasmus; ihn zu haben, ist ein großes Glück, dessen
Mangel einen traurigen Schatten auf das Leben unserer jungen Leute
wirft. Die Begeisterung für Goethe war bei uns Pensionskindern so
mächtig, daß man meinen sollte, wir hätten schon jahrelang andächtig zu
seinen Füßen gesessen, und wir lasen doch nur heimlich hie und da seine
Werke! Daß ich ihn kannte, daß er mir das Haar gestreichelt, die Hand
gereicht hatte, gab meiner Person in den Augen meiner Freundinnen eine
weihevolle Bedeutung. Jede Zeile, die von Weimar kam, wurde
verschlungen, jedes Wort, das er gesagt hatte, machte die Runde durch
die ganze Mädchenschar. Wir haben einmal, als er krank war, bitterlich
weinend in einer Ecke gesessen, und ich und meine liebste Freundin
falteten schließlich die Hände zu einem Kindergebet für den großen,
bewunderten Dichter. Ein Gefühl wie dieses mag heute als sentimental
belächelt werden, ich glaube doch, wir waren dabei frommer, glücklicher,
unsere Seelen harmonischer, unser Geist erfüllt vom Guten, Schönen und
Wahren. Die Empfänglichkeit dafür war größer, die Freuden des Lebens
darum zahlreicher, nicht vergällt durch Spottsucht und wohlfeile Witze."
Da sie im Zeichnen besonders viel Talent entwickelte, veranlaßte sie
ihre Mutter, im Jahre 1825, eine Arbeit von sich zur Ausstellung in die
weimarische Zeichenschule zu schicken. "Ich schickte," so schreibt sie
selbst, "die Kopie eines charaktervollen Bildes -Le prisonnier-; es war
in Wischmanier, -à l'estombe-, und stellt den Moment dar, wo ein
bekehrter Verbrecher den letzten Trost seines Beichtvaters empfängt.
"Zu meinem Entzücken erhielt ich, damals vierzehn Jahre alt, eine
silberne Medaille, worauf neben schön ausgeprägten, symbolischen Figuren
die Worte standen: 'Der Fleiß benutzt die Zeit' und 'Die Zeit belohnt
den Fleiß'.
"Um mich dankbar zu beweisen, schrieb ich einen kindlich-hochtrabenden
Brief: 'Du größter Dichter meines lieben Vaterlandes usw.', und
zeichnete mit großer Mühe nach einem alten Folianten, in welchem Ludwig
-XIV.- von Geschichte und Wahrheit, welche Neid und Lüge zertreten,
verherrlicht wurde, deren Tempel, nur daß ich in den Nischen, statt der
des Königs, die Büsten von Schiller und Goethe anbrachte. Karl August
sagte, als er das Bild sah: 'Was haben sie das arme Kind mit
Geschmacklosigkeiten gequält!'"
Auch die Fäden, die, dem Kinde noch unbewußt, es so eng mit dem großen
Korsen verknüpften, sollten ihr bei Gelegenheit ihres Straßburger
Aufenthalts ahnungsvoll zum Bewußtsein kommen; der Bruder ihrer Mutter,
Graf Eduard Waldner, ein Kriegsgefährte Napoleons, dem vor Moskau ein
russischer Degen die Schädeldecke verletzt hatte, so daß er zeit seines
Lebens genötigt war, eine Platte von Gold zu tragen, machte mit ihr
während einiger Ferienwochen eine Reise durch die Vogesen. Eben erst
hatte sein Kaiser auf ferner Felseninsel die große Seele ausgehaucht --
wie einer jener Götter der Vorzeit, bei deren Anblick Ehrfurcht und
Entsetzen miteinander streiten, stieg, von ihm emporgezaubert, seine
Gestalt vor dem geistigen Auge des Kindes empor. Der Rausch der
Freiheitskriege hatte in ihr noch keine Erinnerung hinterlassen können,
und in Weimar war die Bewunderung, die Goethe dem Welteroberer zollte,
doch nicht ohne Einfluß auf seinen Kreis geblieben, so daß Jennys
Empfinden dem Eindruck rückhaltlos offen stand. Vielleicht wirkte auch
jener geheimnisvolle Einfluß des Bluts, der sich nicht fassen und wägen
läßt, und doch Verwandtes zu Verwandtem zieht, denn lange, ehe sie von
ihrer Herkunft wußte, beherrschte das Schicksal der Bonapartes ihre
Phantasie und fesselte sie mit besonderer Liebe an Eduard Waldner, der
ihr am meisten von ihnen zu erzählen wußte; denn bei der Mutter daheim
durfte die Vergangenheit mit keiner Silbe berührt werden, und der
Stiefvater verwies ihr stirnrunzelnd jede Frage danach.
Unter all diesen verschiedenartigen Einflüssen, zu denen ein für die
damaligen Begriffe von Mädchenerziehung ziemlich strenger Unterricht in
den Wissenschaften und Künsten hinzukam, entwickelte sich Jenny geistig
und körperlich wie jene glühenden Blumen des Südens, deren eine sie war.
Der Brief eines französischen Lehrers an das damals dreizehnjährige
Mädchen zeugt von ihrer Frühreife.
"Ihre intellektuelle Entwicklung," so schreibt er, "ist Ihrem Alter
weit voran geeilt; das ist zuweilen ein Unglück, denn was frommt es, so
früh, im Alter des ersten Lenzes, in die Abgründe des Daseins sehen zu
können:
Wer erfreute sich des Lebens,
Der in seine Tiefen blickt!
"Ich weiß -- ein Zufall hat mir darüber Gewißheit verschafft -- daß Ihre
Gedanken reifer sind, als man es von der doppelten Zahl Ihrer Jahre
erwarten würde ... Wie steht es übrigens um Ihre Lektüre? Wie weit sind
Sie mit Schiller? Sind die Eindrücke von dem, was Sie lesen, immer noch
so stark, daß Sie alles darüber vergessen, was Sie umgibt?" Leider fehlt
die Antwort auf diesen Brief; sie hätte aber wohl nichts anderes
enthalten können als eine Bestätigung des darin Gesagten. Das Gemüt
dieses Mädchens war nicht nur wie weiches Wachs, in dem alles innere und
äußere Erleben seine tiefen Spuren hinterließ, es war auch wie
köstlicher Marmor, der unter den Händen des Künstlers "Leben" sich zur
Schönheit formt.
Eben 15 Jahre geworden, sah sie die Heimat wieder. Ihr Stiefvater, der
stets in lebhafter Korrespondenz mit ihr gestanden hatte, suchte sie auf
die Freuden wie auf die Gefahren des neuen Lebens brieflich
vorzubereiten. Früher schon hatte er einmal von sich gesagt: "Ich stehe
in eigensinnigem Gegensatz zu allem Weimarer Götzendienst," jetzt
schrieb er an Jenny, deren Natur ihm geneigt schien, sich in anbetender
Schwärmerei aufzulösen:
"Was Goethe uns war, uns ist und nach seinem Tode, wenn man ihn voll und
ganz zu erkennen imstande sein wird, noch werden kann, weiß niemand
höher zu schätzen als ich, und gerade deshalb wünsche ich, daß Du nicht
zu denen gehörst, die ihn, wie die Heiden ihren Götzen, anbeten, ohne
ihn zu kennen, nur des berühmten Namens wegen. Das ist Heuchelei und
Eitelkeit, zeugt aber von keinem großen Geist, denn ein solcher gehört
dazu, um ihn zu verstehen und wahrhaft zu würdigen, wie ich es von Dir
erwarte."
Mehr, als er ahnte, war sie seinem Rat schon gefolgt, hatte heimlich
über Werthers Leiden bittere Tränen vergossen, und sich von Gretchens
Schicksal das Herz erschüttern lassen. Auf den Eindruck, den sie davon
empfing, bezog sie sich später, wenn sie angesichts gewisser strenger
Erziehungsmethoden in bezug auf die Lektüre zu sagen pflegte: "Laßt die
Kinder nur lesen ohne Kommentar, ohne Ge- und Verbote. Das Herrliche
großer Dichtungen, das sie vielleicht noch nicht verstehen, empfinden
sie, und an dieser starken Empfindung wächst ihr Verständnis, und ihre
Seele weitet sich." Auch Prinzeß Augusta, so erzählt sie, trug früh
schon das Verlangen, Goethes Werke zu lesen, und sprach ihm davon. "Er
wählte lange, ehe er ihr ein Buch nach dem anderen in die Hand gab." Mit
ihr gemeinsam, also auch unter seiner Leitung, setzte sie die in
Straßburg allein begonnene Lektüre fort. Alle ihre alten Beziehungen
knüpften sich wieder an, viele neue traten hinzu, und der Strudel des
Weimarer Lebens riß sie um so mehr mit sich fort, als ihr Liebreiz alle
Welt bezauberte. Den Stempel ihrer Abstammung trug sie unverkennbar auf
der Stirn, in den dunkeln Augen, auf der warmen dunkel getönten Haut, in
der Lebhaftigkeit und der Reife ihres Wesens. Goethe, der für Schönheit
und Jugend immer gleich Empfängliche, war entzückt von ihr. "Jenny von
Pappenheim," sagte er zu Felix Mendelssohn, "ist gar so schön, so
unbewußt anmutig,"[65] und seine Vorliebe für sie drückte er bei allen
Gelegenheiten aus. In ihrer großen Bescheidenheit hat sie später nur
davon erzählt, wenn ich sie darum bat oder der Großherzog Karl
Alexander, ihr treuer, lebenslanger Freund, sie im Interesse der
Goetheforschungen dazu aufforderte. Stellt man aber ihre verschiedenen
Schilderungen -- die, die sie als junges Mädchen schrieb, und die,
welche die Erinnerung der alten Frau diktierte -- zusammen, so wacht
Alt-Weimar auf vor uns, wie es nur durch den erweckt werden kann, der
selber in ihm lebte und für den es nie gestorben ist. Es sei ihr darum
selber das Wort gegeben:
Goethe
Im November 1826 kam ich nach Weimar zurück; schüchtern, mit
hochklopfendem Herzen erschien ich vor Goethe, der meine Mutter und mich
im Aldobrandinizimmer mit großer Freundlichkeit empfing. Ich sehe ihn
vor mir, nicht allzu groß und doch größer erscheinend als andere, mit
jener Jupiterstirn, die ich am vollendetsten in der von Bettina
gezeichneten Statue wiederfinde, die unser Museum schmückt, während
seine Augen durch Stieler am besten wiedergegeben sind. Auch mich sehe
ich noch im rosa Kleid und grünen Spenzer, unter einem großen, runden
Hut heiß errötend bei seinem kräftigen Händedruck. Ich brachte keinen
Ton über die Lippen, obgleich er mich, wie er es gern bei jungen Mädchen
tat, mit 'Frauenzimmerchen' und 'mein schönes Kind' ermutigte; erst als
er lächelnd sagte: 'Die Augen werden viel Unheil anrichten,' ermannte
ich mich zu der verwunderten Frage: 'Warum denn gerade Unheil?' Dann
verging ein Jahr, wo ich Goethe nur bei seinen Abendgesellschaften und
zu seiner Geburtstagsfeier sah; er hat mir jungem Ding aber immer so
imponiert, daß ich vor ihm eigentlich nie ich selbst war, sondern eine
Seele, die mit auf der Brust gekreuzten Armen zu ihm emporsah. Ich hielt
den Atem an, wenn ich ihn sprechen hörte, und glaubte vergehen zu müssen
vor Scham, als er meine Mutter einmal frug: 'Was treibt denn eigentlich
die schöne Kleine?' Meine Nichtigkeit drückte mich von da an so sehr,
daß ich manche Stunde der Nacht wachend zubrachte, alle Bücher, deren
ich habhaft werden konnte, um mich herum.
"Nach der Geburt von Alma, Goethes reizender Enkelin, die meine
lebendige, sehr geliebte Puppe war, wurden meine Beziehungen zu Goethes
Haus und Familie sehr innige. Täglich stieg ich nun zu Ottilie hinauf,
ich lernte die kleine Alma wickeln, ihr Milch im Schnabeltäßchen geben,
bekümmerte mich zu Anfang wenig um die Mutter, und wenn die Kinderfrau
beschäftigt war, hieß es: Fräulein von Pappenheim ist ja da und hat das
Kind. Einst, an einem Sonntag, kam ich aus der Kirche, Ottilie war nicht
in ihrer Stube, ich hatte mein Püppchen und spielte mit ihm. Plötzlich
trat ein junger Mann herein, sah uns betroffen an, wirbelte seltsam im
Zimmer umher, so daß ich ganz ängstlich wurde. Als Ottilie auf mein
Rufen erschien, entpuppte er sich als junger Engländer, Namens
Thistelswaite, der an Goethe empfohlen war und den er heraufgeschickt
hatte. Goethe frug nach ihm, und Ottilie erzählte von seinem auffälligen
Benehmen, worauf Goethe lächelnd sagte: 'Wer so schöne Freundinnen hat,
muß für Schleier sorgen,' eine Äußerung, die mich mehr beglückte als
alle Schmeicheleien, die ich je gehört hatte.
"Walter und Wolf Goethe liebte ich bald mit einem ebenso mütterlichen
Gefühl wie ihre Schwester, und daraus entwickelte sich nach und nach die
Freundschaft mit der Mutter. Ihr edler, poetischer Geist, ihre
liebenswürdige Gabe, aus jedem Menschen das Beste und Klügste, was in
ihm lag, heraufzubeschwören, das Neidlose, Klatschlose, geistig
Anregende im Verkehr mit ihr übten einen unwiderstehlichen Zauber auf
mich aus; der Weg nach den Dachstuben zu dem 'verrückten Engel', wie sie
meine Tante Egloffstein, zu der 'Frau aus einem anderen Stern', wie sie
ihre Freundin, die Schriftstellerin Anna Jameson, nannte, wurde nur zu
gern von mir zurückgelegt. So kam ich häufig an Goethes Tür vorüber;
kehrte ich ein, so war es in seinem Eß- und Empfangszimmer oder in
seinen Gärten, wo ich ihn traf. Er selbst führte damals schon körperlich
das regelmäßige Greisenleben, was ihn sicher so lange geistig frisch
erhalten hat. Der einfache Wagen Karl Augusts hielt etwa zweimal in der
Woche vor Goethes Haus, während die wunderbaren Freunde oben zusammen
waren. Der 28. August 1827 versammelte zum letztenmal eine Schar
Gratulanten in Goethes Zimmern. Später unterblieb auf seinen Wunsch der
große angreifende Empfang. Damals überbrachte König Ludwig von Bayern
dem Dichter seinen Orden. Es war ein bewegter Augenblick, doch die Menge
der Fürsten auf weltlichem und geistigem Gebiet beachtete ich wenig
neben dem wunderbaren Glanz der Goetheaugen. Das Jahr darauf schickte
König Ludwig einen antiken Torso als Geburtstagsgeschenk an Goethe,
wovon sein Friseur Kirchner, welcher täglich die Frisur auf dem
Jupiterhaupte herstellte, meiner Mutter erzählte: es wär' ein Mann ohn'
Kopf und Arm', die würden aber wohl nachkommen.
"Zu einem späteren 28. August -- seinem letzten Geburtstag -- schickte
ich ein Paar Pantoffeln; da ich aber nie eine Künstlerin, ja nicht
einmal eine Verehrerin von sogenannten Damenhandarbeiten war, schämte
ich mich meiner unvollkommenen Gabe und schrieb, da ich nicht wagte, sie
selbst zu bringen, folgende Verse dazu:
Nur ganz bescheiden nah ich heute mich,
Wo so viel schönre Gaben dich umringen;
Doch, Herr, Bedeutung hab auch ich,
Denn Liebe und Verehrung soll ich bringen;
Drum, wenn auch Höhre, Meister, dich begrüßen,
Mir gönne nur den Platz zu deinen Füßen.
'Zwar kann ich Engeln nicht Befehle geben,
Daß seine Schritte sie mit Liebe führen,
Doch will ich weich mit Seide euch durchweben,
Daß ihn kein Steinchen möge hart berühren;'
So sprach die Herrin, und so laß mich schließen
Und gönn auch ihr den Platz zu deinen Füßen.
"Es war etwa elf Uhr vormittags, als Friedrich, Goethes wohlbekannter
Diener, mir auf meiner Eltern Treppe begegnete, um der Freudestrahlenden
des Dichters Dank zu bringen. Auf rosa gerändertem, großem Bogen las ich
folgende Antwort:[66]
Dem heil'gen Vater pflegt man, wie wir wissen,
Des Fußes Hülle, fromm gebeugt, zu küssen;
Doch! wem begegnet's, hier, im langen Leben,
Dem eignen Fußwerk Kuß um Kuß zu geben?
Er denkt gewiß an jene liebe Hand,
Die Stich um Stich an diesen Schmuck verwandt.
Am 28. August 1831
Der älteste Verehrer J. W. v. Goethe.
"Zu meinem Geburtstag schenkte mir der verehrte Greis einen goldenen
Ring, dessen Stein eine lanzenartige Spitze zeigt.[67] Er nannte diese
mit freundlich-galanten Worten einen Pfeil. Die Zeit und die genauen
Worte, mit denen er allegorische Beziehungen zu freundschaftlich
überschätzten Gaben in mir bezeichnen wollte, habe ich vergessen, doch
fällt das Geschenk in Goethes letzte Lebensjahre. Auch einen
Separatabdruck seiner Iphigenie schenkte er mir mit der auf rosa Papier
geschriebenen Widmung:[68]
Freundlich treuer Gruß und Wunsch zum siebenten September 1830.
Weimar.
Goethe.
"Noch einmal wurde mir die Freude eines poetischen Grußes zuteil. Gräfin
Vaudreuil, die schöne Frau des französischen Gesandten, hatte mich für
sich in Buntstift zeichnen lassen. Sie schickte das Bild zur Ansicht an
Goethe, der, in der Meinung, ich habe es ihm gesandt, mir folgende Verse
zukommen ließ:
Der Bekannten, Unerkannten.
Dich säh ich lieber selbst,
Doch könnt ich nur verlieren,
Wer dürfte dann dein Auge so fixieren.
Am 16. Januar 1832.
Goethe.
"Auf dringende Bitten meiner Schwester und liebsten Freundin Pauline,
welche Nonne im Kloster -Notre dame des oiseaux- in Paris war, schenkte
ich das Manuskript dieser Verse, vielleicht die letzten von Goethes
Hand, der Bibliothek dieses Pariser Klosters. Der damalige Bibliothekar
war ein sehr gelehrter Abbé, der in Göttingen studiert hatte und
deutsche Literatur, Goethe besonders, kannte und liebte.
"Ein anderes Blatt, das Goethe mir einmal für die Autographensammlung
eines Freundes, der aber inzwischen plötzlich gestorben war, geschenkt
hat, enthält folgenden Vers:
Nun der Fluß die Pfade bricht,
Wir zum Nachen schreiten,
Leuchte, liebes Himmelslicht,
Uns zur andern Seiten.
Joh. Wolfgang v. Goethe.[69]
"Die Geselligkeit in Goethes Haus war ein vielfaches Kommen und Gehen;
wenn es ihm lästig wurde, gab er oft auf Wochen den Befehl, keine
Fremden mehr zu melden, und der Fall ist vorgekommen, daß Amerikaner ihn
nicht anders sehen konnten, als wenn er im langen Rock oder grauen
Mantel zur Spazierfahrt vor der Haustür in den Fensterwagen stieg. Der
beste und liebenswürdigste Blitzableiter war Ottilie, der er namentlich
die an ihn empfohlenen Engländer zuschickte, die den Weg in die
einfachen, aber geistig durchleuchteten Dachstuben häufig fanden. Hatten
sich die Visitenkarten sehr angehäuft, so vermochte sie ihn zu einer
Abendgesellschaft, wo er sich vorher sehr nach den Herzensangelegenheiten
seiner Gäste erkundigte und ihr die eigentlich überflüssige Empfehlung
machte: daß ihm (oder ihr) sein Glück begegne. Da sah man denn hoch, groß,
etwas steif den Dichterfürsten die Gäste empfangen. Das Aldobrandinizimmer
barg den Kreis der Mütter und Tanten und, da Goethe bei solchen
Zwangsgelegenheiten selbst wenig sprach, oft eine große Portion
Langerweile; das Urbinozimmer daneben wußte davon nichts, da war für 'die
Begegnungen des Glücks' gesorgt. Waren diese Gesellschaften durch besondere
Größen der Kunst und Wissenschaft, Humboldt, Rückert, Zelter, Rauch, Felix
Mendelssohn, veranlaßt, so hatten sie einen anderen Charakter und auch für
Goethe ein anregendes Interesse.
"Er lud gern zu Tisch ein, wo sein Sohn, Ottilie, Ulrike, die Enkel und
der Hauslehrer die Tischgäste waren. Man aß nach damaliger Zeit gut,
nach jetziger Zeit einfach; erst in den letzten Jahren hatte er einen
Koch, vorher Haushälterinnen, mit denen er die Wirtschaft führte ohne
Ottiliens Hilfe. Er hatte kein Vertrauen in ihre wirtschaftlichen
Talente und sagte wohl scherzend: 'Ich hatte mir so eine kochverständige
Tochter gewünscht, und nun schickt mir der liebe Gott eine Thekla und
Jungfrau von Orleans ins Haus.' -- Die Unterhaltung war bei diesen
kleinen Anlässen stets sehr animiert. Sie drehte sich immer um
Gegenstände der Kunst und Wissenschaft. Seine Augen schleuderten Blitze,
sobald irgendeine Klatscherei zum Vorschein kam. Bei einer solchen
Gelegenheit wurde er einmal sehr derb, er rief mit dröhnender Stimme:
'Euren Schmutz kehrt bei euch zusammen, aber bringt ihn nicht mir ins
Haus.'
"Eines sehr belebten Mittagsmahles weiß ich mich zu entsinnen, das zu
Ehren der Polen Mickiewicz und Odyniec stattfand, beide äußerst
liebenswürdige, geistreiche Menschen, besonders ersterer ein echtes Kind
seiner Heimat: himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt.
"Zu Ehren von Tiecks -- Vater, Mutter und zwei Töchter -- waren auch
einmal oben bei Ottilie und unten bei Goethe Feste arrangiert worden.
Goethe sah die Familie zuerst bei sich zu Tisch; ich war zwar nicht
gewünscht, erlaubte mir aber, mit dem Vorrecht der Jugend, nachher in
das Allerheiligste einzudringen, um Tiecks zu Ottilie zu geleiten,
während der alte Herr andere Gäste empfing. Es kam auf Walter Scott die
Rede, welchen er sehr schätzte, was meinem englisch empfindenden Herzen
wohl tat, nur wagte ich die Einwendung, daß -'The fair maid of Perth'-
nicht immer allzu unterhaltend sei, worauf mir ein strafender
Seitenblick und ein 'Die Kinder wollen eben immer noch bunte
Bilderbücher' zuteil wurde.
"Einige Tage später war Tee bei Ottilie. Man stand umher, sprach mit
gedämpfter Stimme, sah sich bei jedem Geräusch erschrocken nach der Tür
um, als ob eine Geistererscheinung erwartet würde, aber sie kam nicht.
Ottilie sollte sie heraufbeschwören, doch die irdischen wie die
himmlischen Geister sind eigensinnig.
"Man wurde unruhig, Tieck wechselte die Farbe, biß sich auf die Lippen,
immer häufiger flogen die unsichtbaren Engel durchs Zimmer. Ich wandte
mich an Eckermännchen, der still in einer Ecke stand und eben sein
unvermeidliches Notizbuch einsteckte. 'Er will nicht,' sagte er; da nahm
ich meinen Mut zusammen und ging hinunter. Die ersten Stufen lief ich,
die letzten schlich ich nur langsam, denn ich fürchtete mich doch etwas
und wäre fast schon umgekehrt, wenn ich mich nicht vor Friedrich
geschämt hätte. Er wollte mich nicht melden; ich solle nur so
hineingehen, meinte er.
"Goethe stand am Schreibpult im langen offenen Hausrock, einen Haufen
alter Schriften vor sich; er bemerkte mich nicht, ich sagte schüchtern:
"'Guten Abend!'
"Er drehte den Kopf, sah mich groß an, räusperte sich -- das deutlichste
Zeichen unterdrückten Zorns. Ich hob bittend die Hände.
"'Was will das Frauenzimmerchen?' brummte er.
"'Wir warten auf den Herrn Geheimrat, und Tieck --'
"'Ach was,' polterte der alte Herr, 'glaubt Sie, kleines Mädchen, daß
ich zu jedem laufe, der wartet? Was würde dann aus dem da?' und damit
zeigte er auf die offenen Bogen; 'wenn ich tot bin, macht's keiner.
Sagen Sie das droben der Sippschaft. Guten Abend.'
"Ich zitterte beim Klang der immer mächtiger anschwellenden Stimme,
sagte leise 'Guten Abend', doch es mochte wohl sehr traurig geklungen
haben, denn Goethe rief mich zurück, sah mich freundlich an und sprach
mit ganz verändertem Tonfall:
"'Ein Greis, der noch arbeiten will, darf nicht jedem zu Gefallen seinen
Willen umstimmen; tut er's, so wird er der Nachwelt gar nicht gefallen.
Gehen Sie, Kind, Ihre frohe Jugend wird denen da oben besser behagen,
als heut abend mein nachdenkliches Alter.' -- --
"Unvergeßlich ist mir die liebste Erinnerung an Goethe: Ich war mit
Ottilie an einem schönen Frühlingstage zu Fuß nach Tiefurt gegangen;
lange hatten wir auf dem stillen friedlichen Platz neben dem Pavillon
gesessen; der Blick nach der mit alten schönen Bäumen bewachsenen Anhöhe
war wohltuend und regte zu vertraulichem Gespräche an. Der Vormittag war
verstrichen, und wir gingen durch den Park nach der oberen Chaussee;
dort hielt ein Wagen, Goethe stieg aus, umfaßte jede von uns mit einem
Arm und führte uns zurück nach der Ilm, lebhaft von Tiefurts Glanzzeit
und der Herzogin Amalia erzählend. An einem länglich viereckigen Platz,
von alten Bäumen umgeben, blieb er stehen, es war der Teeplatz der edlen
Fürstin; etwas weiter zeigte er uns die Stellen, für die er 'Die
Fischerin' geschrieben hatte und wo sie aufgeführt worden war. So weich
und mild sah ich ihn nie, der ganze Tag war so harmonisch -- langsam
stiegen wir den Berg hinauf, wo der Wagen hielt, und fuhren zusammen
nach Weimar zurück. Vor Goethes Haustür stand ein kleiner Knabe, der
Pfefferkuchen feilbot; Goethe nahm ein Herz, über dem zwei Täubchen
einträchtig saßen, schenkte es mir und lud mich noch zu Mittag ein, was
Friedrich rasch meinen Eltern kundtun mußte. Nach Tisch holte er seinen
Faust, an dessen zweitem Teil er noch arbeitete und aus dem er Ottilie
oft vorlas. Jetzt durfte ich ihm lauschen, ich hätte es ewig tun mögen,
nie den 'Platz zu seinen Füßen' zu verlassen brauchen. Es dämmerte, als
ich gehen mußte. Die Hand, die er mir reichte, zog ich dankbar und
ehrfurchtsvoll an die Lippen. Er sah wohl, welch einen Eindruck ich mit
mir nahm, und sagte noch, als ich mit Ottilien an der Tür stand: 'Ja,
ja, Kind, da habe ich viel hineingeheimnißt.'
"Mit Julie Egloffstein, Adele Schopenhauer und anderen kam ich oft zu
ihm, aber keine Erinnerung war mir lieber als jene. Das
Pfefferkuchenherz behielt ich, bis es in Staub zerfiel, die Erinnerung
wird niemals zerfallen.
"Anmutig war eine Stunde in Goethes Hausgarten, wo ich mit Ottilie einem
Menschenschädel, den wir am Zaun gefunden hatten, würdigere Ruhe unter
einem Baum bereitete. Goethe hatte uns von seinem Arbeitszimmer im
sonnigen Garten gesehen, kam herunter und sagte: 'Ihr Frauenzimmerchen
verklärt auch noch den Tod.' Wir hofften den Gedanken gedichtet zu
bekommen, aber es blieb bei der schönen Prosa.
"Ein andermal überfielen wir, eine Schar übermütiger Mädchen, den
Dichter zur Abendzeit in seinem Gartenhaus. Wir kamen von Tiefurt und
brachten ihm eine Menge Frühlingsblumen. Dabei hatte eine von uns das
Unglück, den Gipsabguß einer Venus umzustoßen. Wir wurden blaß vor
Schreck, einen Zornausbruch erwartend; die Sünderin selbst brach in
Tränen aus. Ein sonniges Leuchten flog jedoch über seine Züge, er drohte
mit dem Finger und meinte: 'Ei, ei, wer wird um die tote weinen, wo
Venus so viel lebende Vertreterinnen hat.'
"Oft sah ich ihn zwischen seiner Malvenallee im Parkgarten auf und
nieder gehen; er mochte wohl an seine Farbenlehre denken, da ihn die
vielfarbigen besonders erfreuten. -- Vielfache kleine, durch ihn groß
werdende Erinnerungen tauchen aus meiner Jugend bei mir auf, es fehlt
aber für andere der Rahmen des damaligen äußerlich sehr einfachen, in
Herz und Geist sehr geschmückten weimarischen Lebens. Es war nicht ganz
ohne Zopf, nicht ganz ohne Sünde, auch reich an Leiden und Kämpfen, um
so mehr, als zu den wirklichen noch viele gemachte und eingebildete
kamen, die sich dadurch verwickelten, daß man der Liebe eine
Berechtigung auch auf Kosten der Pflichten einräumte, doch dieser
Allerweltsstoff wurde in Weimar aus der Gemeinheit herausgehoben, mit
edlen Waffen bekämpft, poetisch verwendet. Unser Leben blieb reiner und
harmonischer als das Leben der jungen Generation. Man hatte Zeit
füreinander und für sich selbst, das Hasten und Jagen unserer Zeit war
uns unbekannt, das Leben nach innen hin tiefer und reicher, so arm es
nach außen erscheinen mochte. Und doch fiel auch meine Jugend schon in
den Abend dieses geistigen Lebens -- eine schöne Mondscheinnacht mit
mildem, hohem, die Landschaft verklärendem Licht!
"Schiller, Herder, Wieland waren längst tot. Frau von Schiller und ihre
Schwester, Frau von Wolzogen, kannte ich nur als alte Damen. Erstere
ging regelmäßig im Park spazieren, den Mops an der Leine, und hatte
wenig mehr von dem, womit sie als Schillers reizendes Weibchen oft
erwähnt worden war. Ihre Tochter Emilie, spätere Frau von
Gleichen-Rußwurm, wurde mit uns Kindern zu den Prinzessinnen eingeladen,
war aber viel älter als wir alle und der Gegenstand meiner stillen
Huldigung. Die Romane 'Gabriele' von Johanna Schopenhauer, 'Agnes von
Lilien' von Frau von Wolzogen, 'Römhilds Stift' von Frau von Ahlefeldt,
welche diese Damen bekannt gemacht hatten, wurden noch gelesen, die
Autorinnen selbst waren noch geistesfrisch, aber doch auf Ausleben
vorbereitet. Von Wielands Nachkommen kannte ich die kleine Enkelin Lina
Wieland, die im Hause des Großvaters, unserer Wohnung gegenüber, wohnte,
und Fräulein Stichling, deren Vater in zweiter Ehe die Tochter Herders
heiratete, eine geistig und praktisch gebildete, still und sinnig ihrer
Familie lebende Hausfrau. Auch Charlotte von Stein sah ich öfters, da
ich mit ihrer Enkelin und treuen Pflegerin befreundet war. Ich wurde zum
Tee zu ihr gebeten; dann saß sie alt, schweigsam, freundlich hinter
einem grünen Lampenschirm, irgendein Werk Goethes vor sich.
"Noch weiter zurück in den Erinnerungen und in den Kreisen, die Goethe
und Karl August mit übersprudelndem Geist und Herzen belebt hatten,
führen mir die Gedanken einige Persönlichkeiten aus der Zeit der
Herzogin Amalie vor. Da schreitet Einsiedel, alt, gebeugt, müde, sich
schwer auf den Stock mit dem goldenen Knopf stützend, an mir vorüber. Er
geht, die hohen Treppen eines Hauses am Ende des heutigen Karlsplatzes
nicht scheuend, täglich um zwei Uhr zu der ebenso alten, ebenso müden
Adelaide von Waldner. Beide waren am Hofe Anna Amalias jung gewesen; die
große, tiefe Liebe, die sie verbunden hatte, konnte nicht zur Ehe
führen, wohl aber zu lebenslänglicher, reiner Freundschaft. Das
Zusammensein der Greise störte niemand, bis ihm selbst die Kräfte
versagten. Er starb vor ihr, und als sie ihr Ende nahen fühlte, bat sie
meine Mutter, ihre Verwandte und Freundin, ein Päckchen vergilbter
Briefe, das sich in einem geheimen Schubfach fand, zu verbrennen. Es war
die Korrespondenz mit Einsiedel, während er sich in Italien befunden
hatte. Ein paar halb zerfallene Blumen nahm sie mit sich ins Grab. --
Frisch und jugendlich hatte sich ihr Zeitgenosse Knebel erhalten. Wenn
ich nach Jena kam, wo mein Onkel Ziegesar Präsident und Kurator war,
besuchte ich ihn zuweilen. Er ging nicht mehr aus, erfreute sich an
seinem Garten, an der Aussicht in die Berge und lebte immer in einem
stillen, drolligen Kampf mit seiner viel jüngeren Frau, deren
Lebhaftigkeit mit seiner Ruhe sehr kontrastierte. Sie hatte den Turban
aus der Zeit und Mode der Frau von Staël beibehalten, und es amüsierte
mich sehr, wenn er bei jeder ihrer schnellen Bewegungen hin und her
schwankte.
"Zwei eigentümliche Erscheinungen aus meiner Kinderzeit waren Herr und
Frau von Schardt, die neben uns wohnten und meinem Bruder und mir sehr
freundlich waren. Sie war innig befreundet mit Zacharias Werner, der das
'Kreuz an der Ostsee' geschrieben hatte. Dieses ganz geistige Verhältnis
bekundete sich doch auch in kleinen Liebesgaben. Sie stickte einst eine
damals sehr beliebte seidene Weste mit der ausgesprochenen Absicht:
'Wenn sie hübsch wird, bekommt sie Werner, wenn sie nicht hübsch wird,
bekommt sie der gute Schardt.'
"Selten nur sah ich Frau von Heygendorf und dann meistens auf
irgendeinem ihrer Armenwege. Sie war unendlich wohltätig, sanft und gut,
so daß ich sie niemals häßlicher Intrigen für fähig gehalten habe. Die
Liebe zu Karl August war eine sie so vollständig erfüllende, daß man bei
seinem Tode für ihren Verstand fürchtete. Das Theater, dessen Zierde sie
gewesen war, besuchte sie nicht einmal mehr. Auch Goethe ging nur selten
hinein, blieb dann gern unbemerkt im Hintergrunde, und nur bei der
ersten Aufführung des ersten Teils vom Faust sah man ihn einen
Augenblick sich vorbeugen. Ein Flüstern 'Goethe ist auch da' verkündete
seine Anwesenheit und erhöhte unsere Andacht.
"Auch die Großherzogin Luise lebte immer zurückgezogener. Sie liebte die
großen Feste nicht mehr und war bei kleinen Empfängen stiller denn je;
um so wertvoller war mir ein Kuß, ein freundliches Lächeln, da sie wenig
sprach. Unserem jugendlich übermütigen Leben und Treiben stand sie fremd
und vielfach mißbilligend gegenüber, war sie doch selbst niemals so
recht von Herzen jung gewesen. So hatte sie sich auch früher nie von dem
genialischen Treiben in der Musenstadt hinreißen lassen; aber es ist
durchaus falsch, wenn man daraus beweisen will, daß sie überhaupt kein
Verständnis dafür hatte. Sie sah es nur nicht, wie so manches unechte
Genie, als notwendigen Beweis geistiger Größe an. Sie bewunderte, sie
verstand Goethe wie wenige, aber nicht den Menschen, sondern den
Dichter, den Gelehrten; sie fühlte sich dem Geiste ihres Gemahls aufs
innigste verbunden, ihre unendliche Liebe hatte für seine Schwächen
immer wieder Vergebung, aber kein Vergessen und kein Verstehen. Sie war,
so schien es, schon auf einer höheren seelischen Stufe geboren, zu der
sich andere erst mühsam emporarbeiten müssen. Selbst ihr Schmerz hatte
etwas Heiliges an sich. Als Karl August gestorben war, verschloß sie
sich lange vor jedem Blick. Niemand sah ihr furchtbares Leid, denn als
sie vor uns erschien, war sie ruhig und gefaßt und dachte sofort daran,
andere zu trösten, Goethe vor allem, der aber schon abgereist war. Sie
soll ihm, wie Julie Egloffstein mir sagte, einen langen Brief
geschrieben haben, den aber niemand zu sehen bekam. Gleich nach
Goethes Heimkehr ging sie allein zu ihm. Kurz nachher traf ihn
Ottilie im Lehnstuhl sitzend, während er immer vor sich hin murmelte:
'Welch eine Frau, welch eine Frau.' Zu Julie Egloffstein sagte die
Großherzoginmutter: 'Goethe und ich verstehen uns nun vollkommen, nur
daß er noch den Mut hat, zu leben, und ich nicht.'
"Sie schien auch keine Lebenskraft mehr zu haben und zeigte sich nur
noch im engsten Familienkreise. Nicht lange darauf, am 14. Februar 1830,
folgte sie dem geliebten Gatten zur ewigen Ruhe. Es ist sehr
schmerzlich, daß wir immer erst nach dem Verlust voll empfinden, was wir
besessen haben. So auch hier; wir alle, das Land, das Volk fühlten uns
verwaist. Goethes Sohn war so ergriffen, wie ich ihn nie vorher gesehen
hatte, und Goethe sagte mit trübem Blick: 'Ich komme mir selber mythisch
vor, da ich so allein übrig bleibe.'
"Noch Schwereres stand dem Greise bevor, als der Heimgang der liebsten
Freunde und der Lebensgefährtin für ihn gewesen war: die ewige Trennung
von dem einzigen Sohn, der in seinen sorgenden Gedanken und in seinem
Herzen einen so großen Platz einnahm. Sein Tod wirkte furchtbar auf den
Vater, denn ob er auch bei jedem Schmerz Stille, Arbeit, Einsamkeit als
letzte Heilmittel suchte und seinen äußeren Ausbruch so sehr
unterdrückte, daß man ihn neuerdings oft deshalb herzlos schilt, er
empfand so tief wie wenige, darum litt er auch körperlich so sehr
darunter. Nur beim Tode seiner Frau, so erzählte mir Huschke, war er
weinend vor ihrem Bett in die Knie gesunken mit dem Ausruf: 'Du sollst,
du kannst mich nicht verlassen!' Als die Trauerglocken den Einzug des
toten Karl August uns allen wehmutsvoll in die Seele läuteten, war er
still verschwunden. Den Kanzler Müller, der den Auftrag hatte, ihm des
Sohnes Tod mitzuteilen, ließ er nicht zu Worte kommen, er sah ihn nur
groß an und ging hinaus. Daß er die Kunde erraten hatte, wurde klar, als
Ottilie den nächsten Morgen in Trauerkleidern bei ihm eintrat und er ihr
die Hände mit den Worten entgegenstreckte: 'Nun wollen wir recht
zusammenhalten.' Dann versuchte er zu arbeiten, verschloß sich vor jedem
Besuch, wollte schließlich verreisen; ein Blutsturz warf ihn aufs
Krankenlager und zeigte nur zu deutlich, wie entsetzlich er litt. Bei
allen geistig bedeutenden Menschen scheint Geist und Körper besonders
innig zusammengewachsen zu sein, das ist 'der Pfahl im Fleisch', die
Bürde, die große, dem Überirdischen näher als dem Irdischen stehende
Naturen zur Erde zurückzieht. Zu solchen gehörte Goethe, nicht nur als
Dichter, sondern auch als Mensch.
"Wenn er nichts geschrieben hätte, würde er doch in die erste Reihe der
größten Menschen gehören. Er war gut, neidlos, einfach, half und
förderte gern, keine Hochschätzung der Welt hat ihn eitel, keine ihrer
Huldigungen hat ihn anmaßend gemacht. Was vielen als Egoismus erschien,
das Wegräumen äußerer Hindernisse auf dem Wege zu seinen Zielen, hat
diese Ziele möglich gemacht. Er gab seinem Volke eine Sprache, den
deutschen Geistern einen Mittelpunkt, er weckte schlummernde Kräfte,
Gedanken, Gefühle und Bestrebungen in einem Maße, welches sich besonders
darin dokumentiert, daß nach einem Jahrhundert seines Wandelns und
Wirkens kaum ein deutsches Werk erscheint ohne Motto aus Goethes
Schriften und ohne Zitate zur Bekräftigung ausgesprochener Ansichten. So
reich und voll er das geistige Leben erfaßte und beherrschte, so
bedürfnislos war er im äußeren Leben. In seinen unansehnlichen
Wohnstuben leuchteten und lebten mit ihm, durch ihn und in ihm große und
gute Geister, in seiner unansehnlichen Equipage, in seinen
unansehnlichen grauen Mantel gehüllt, spendete er Gedanken,
Lebensweisheit, menschenfreundliche Gesinnungen; in seinen einfachen
Gärten war keine Blume für ihn ohne Genuß, kein Licht- und Farbeneffekt
ohne Beachtung, keine Naturerscheinung ohne Gedankenanregung.
"Wie großartig waren die letzten Stunden seines Lebens, ruhig, mild, mit
klarem Geist, noch empfänglich für anmutige Kunstleistung. Ein Maler
hatte ihm das Bild[70] der schönen Gräfin Vaudreuil geschickt, er
betrachtete es aufmerksam: 'Wie gut ist es doch, wenn der Künstler nicht
verdirbt, was Gott so schön gemacht hat.' Noch in den letzten Stunden
stand er hoch aufgerichtet in der Tür seiner Stube, so daß er
ungewöhnlich groß erschien. Das bekannte Wort 'Mehr Licht' (?) mag er
wohl gesagt haben, klar und deutlich aber sprach er seine letzten Worte:
'Nun kommt die Wandlung zu höheren Wandlungen.' Er starb kampflos,
sagten die Anwesenden, nur Ottilie warf sich mir gleich darauf
schluchzend in die Arme: 'Und das nennen die Leute leicht sterben!'
Bekannte und Verwandte wollen nach seinem Tode eine unerklärliche
Trauermusik gehört haben, als ob die Noten im Musikschrank lebendig
geworden wären. Gräfin Vaudreuil versicherte mir, daß es so gewesen sei,
auch Ulrike von Pogwisch sprach davon; ich selbst war so betäubt an dem
Tage, daß ich keine Rechenschaft zu geben vermag, was Wahrheit, was
Phantasie gewesen ist. Ebenso ging es mir bei dem Mittagsspuk im
Parkgarten, den August und Ottilie, Walter und Wolf Goethe empfunden
hatten und der nach Goethes Tod besonders auffällig gewesen sein soll.
Ich war lange dort und empfand nichts von der mir betriebenen
unheimlichen Stille, die ein entsetzliches Angstgefühl verursachen
sollte. Goethe selbst war es, der mir bei einem Besuch im Gartenhaus den
Ursprung des Spukes folgendermaßen erzählte: 'Ich habe eine unsichtbare
Bedienung, die den Vorplatz immer rein gefegt hält. Es war wohl Traum,
aber ganz wie Wirklichkeit, daß ich einst in meiner oberen Schlafstube,
deren Tür nach der Treppe zu auf war, in der ersten Tagesfrühe eine alte
Frau sah, die ein junges Mädchen unterstützte. Sie wandte sich zu mir
und sagte: 'Seit fünfundzwanzig Jahren wohnen wir hier, mit der
Bedingung, vor Tagesanbruch fort zu sein; nun ist sie ohnmächtig, und
ich kann nicht gehen.' Als ich genauer hinsah, war sie verschwunden.'
"Etwas Unheimliches habe ich, wie gesagt, nach seinem Tode nicht
bemerkt, wenn nicht das Gefühl des Verlassenseins, das sich unser Aller
bemächtigte, unheimlich genannt werden kann. Täglich ging ich, wie
sonst, den gewohnten Weg zu Ottilien, aber leise und langsam nur schlich
ich die Stufen empor und schlüpfte wohl manchmal in die verlassenen
Räume, um mich auszuweinen.
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