Privatlehrerinnen waren froh, wenn sie nach einem ermüdenden 12- bis
14stündigen Arbeitstag 4 Frs. verdienten. Dabei wuchs ihre Zahl infolge
des Mangels anderer Berufsarten enorm. 1864 gab es allein 3000
Klavierlehrerinnen in Paris![252] Erst Englands Beispiel rüttelte die
Frauen aus ihrer Lethargie. Madame Allard und Jules Simon gründeten nach
dem Vorbild des englischen Vereins zwei Gesellschaften zur gewerblichen
Vorbildung der Frauen. Eine Reihe von Artikeln, die im Jahre 1862 über
die Frage der Frauenarbeit im Journal des Débats erschienen und das auf
gründlichen Studien beruhende Buch von Jeanne Daubié über die Lage der
vermögenslosen Frauen[253], beeinflußten die öffentliche Meinung und
unterstützten die Ideen jener Vereinigungen. Handels- und Gewerbeschulen
für Frauen wurden eröffnet und fanden binnen kurzem zahlreichen
Zuspruch.[254] Die Post machte zuerst den Versuch mit der Verwendung von
Frauen, der Staat stellte sie, nachdem seit Frau von Genlis keine Frau
mehr den Posten bekleidet hatte, als Schulinspektorinnen an. Und wie in
England und Amerika, so pochte auch hier eine Frau, Madame Madeleine
Brés, an die Pforten der Universität und verlangte, zu den Vorlesungen
der medizinischen Fakultät zugelassen zu werden. Ihre Forderung wurde
dem Ministerrat vorgelegt und dem energischen Eintreten der Kaiserin
Eugenie zu ihren Gunsten ist es zu verdanken, daß die Pariser
Universität den Frauen geöffnet und die Erwerbung akademischer Grade
ihnen ermöglicht wurde.[255] Wieder war Frankreich, wie zu den Zeiten
Condorcets und Olympe de Gouges, bahnbrechend vorgegangen. Und wie hier
die Revolution es jedesmal war, mit der der Aufschwung der
Frauenbewegung zusammenfällt, so löste sie auch in Deutschland die Zunge
der Stummen.
Ihrem Einfluß hat die bürgerliche Frauenbewegung ihre erste
Vorkämpferin, Luise Otto, zu verdanken; durch sie bekam sie in ihren
stürmischen Anfängen einen politischen Charakter, der aber unter der
eisernen Rute der Reaktion schnell wieder verschwand. Die praktische
Frage des augenblicklichen Notstands trat in den Vordergrund, und die
Erregung, die sich darüber der Gemüter bemächtigte, spiegelte sich vor
allem in dem Kampf um die Entwicklung der Mädchenschulen ab; die
Radikalen wollten durch die Erziehung die Frauen erwerbsfähig machen,
die Konservativen wollten dagegen den häuslichen Beruf wieder stärken
und betonen.[256] Da sie am Staatsruder saßen und die deutschen Frauen
selbst viel zaghafter waren, als ihre ausländischen Genossinnen,--selbst
eine Luise Otto schwieg, von der Reaktion eingeschüchtert, viele Jahre
lang,--blieben sie Sieger im Kampf auch gegen die privaten
Unternehmungen zur Erweiterung der Frauenbildung. Die unter den
glänzendsten Aussichten von Emilie Wüstenfeld 1849 in Hamburg
gegründete, zwei Jahre lang von Karl Fröbel geleitete Hochschule für
Frauen wurde zur Schließung gezwungen. Selbst in den Fröbelschen
Kindergärten, die schon vielen Frauen befriedigende Beschäftigung
sicherten, sah man Herde verderblicher Aufklärung; sie wurden 1851 von
Staats wegen aufgelöst.[257] Man brachte die Notleidenden zum
Schweigen,--das war ja von jeher das Ziel antirevolutionärer
Bewegungen,--aber die Not selbst wuchs im Stillen um so schneller.
Der einzige Beruf bürgerlicher Frauen, der der Lehrerin, war schon aufs
äußerste überfüllt. Von 1825 bis 1861 war ihre Zahl allein in Preußen
von 705 auf 7366 gewachsen[258], während die Gründung von
Mädchenschulen nicht im entferntesten gleichen Schritt gehalten hatte.
Es kam vor, daß sich innerhalb einer Woche zu einer Schulstelle 114
Bewerberinnen meldeten![259] Dazu kam, daß die preußische Volkszählung
von 1861 nicht weniger als 700000 alleinstehende Frauen und Mädchen
ergeben hatte. Als daher die Berichte über die englischen und
französischen Vereine, die gegen dieselben Zustände kämpften, die hier
in die Augen sprangen, nach Deutschland gelangten, wirkten sie wie
Schlüssel zu einer neuen Welt. Es waren nicht Frauen, wie dort, sondern
Männer--und das ist bezeichnend für den Standpunkt der deutschen
Frauen--, die nunmehr die Initiative ergriffen: Adolph Lette legte im
Jahre 1865 dem Verein für das Wohl der arbeitenden Klassen eine
Denkschrift vor, in der er auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung und
persönlicher Beobachtungen, die Gründung eines dem englischen und
französischen Vorbild ähnlichen Vereines befürwortete.[260] Dieser müsse
sich in seiner Thätigkeit, so führte er aus, ausschließlich auf die
Frauen des Mittelstandes beschränken, und ihnen durch Einführung
praktischer Unterrichtskurse neue Berufszweige eröffnen. Als solche
bezeichnete er in der Heilkunde den ärztlichen Beruf und den der
Krankenpflegerinnen; in der Technik die Anfertigung von chemischen,
chirurgischen, mikroskopischen, optischen Apparaten, von Farben,
Parfümerien und Essenzen, sowie von Photographieen; im Handel:
Buchhaltung, Korrespondenz, Kassenführung, Warenverkauf; im öffentlichen
Dienst: Post und Telegraphie. Damit umschrieb er ungefähr die Berufe,
die auch heute noch als Berufe bürgerlicher Frauen angesehen werden
können. Wenn er, seine Anhänger und alle Beförderer seiner Ideen in
ihren Bestrebungen nicht über den Kreis dieser Frauen hinausgehen
wollten, so drückt sich darin ein Klassenegoismus aus, der um so
abstoßender wirkt, als die Not der Proletarierinnen weit mehr nach
Abhilfe zu schreien schien. Aber gerade in dieser Einseitigkeit lag die
Stärke der jungen Bewegung. Indem sie mit den beschränkten Kräften, die
sie noch besaß, engbegrenzten Zielen zusteuerte, konnte sie sicher sein,
sie schließlich zu erreichen. Der Gedanke entsprach so sehr der
Zeitströmung, daß er nicht allein durch den Mund Lettes zum Ausdruck
kam. Auf dem Vereinstage deutscher Arbeitervereine beantragte Moritz
Müller, daß Staat und Gemeinden veranlaßt werden möchten, Gewerbeschulen
für Frauen zu gründen, denn "die Frauen sind zu jeder Arbeit berechtigt,
zu der sie befähigt sind"; der schlesische Gewerbetag nahm eine
Resolution zu gunsten der kaufmännischen Ausbildung und der Anstellung
der Frauen im Post- und Telegraphendienst an, und in Leipzig, wo ein
Hauptmann außer Diensten, A. Korn, in seiner Allgemeinen Frauenzeitung
die Sache der Frauen energisch vertrat, berief er im selben Jahr, als
Lette in Berlin seinen Vortrag hielt, eine Frauenkonferenz ein, an deren
Spitze die alte Kämpferin Luise Otto trat. Auch hier wurde die Frage der
Erweiterung der weiblichen Wirkungskreise allein erörtert. Ihr
praktisches Ergebnis war die Gründung des Allgemeinen Deutschen
Frauenvereins, als dessen Ziel "die erhöhte Bildung des weiblichen
Geschlechts und die Befreiung der weiblichen Arbeit von allen
Hindernissen" aufgestellt wurde.[261] Während der in Berlin ins Leben
gerufene Letteverein von Männern geleitet wurde und Frauen nur zur
Beihilfe heranzog, stellte der Leipziger Verein sich sofort auf
radikaleren Standpunkt, indem er Luise Otto zur Vorsitzenden wählte und
Männer sowohl von der Leitung als von der Mitgliedschaft ausschloß. Hier
also kämpften die deutschen Frauen zum erstenmal persönlich, in
organisiertem Verbande für ihre Rechte. Sie, die durch die Reaktion
gleichsam auf den Mund geschlagen worden waren, wagten es nun auch
wieder, durch Wort und Schrift ihre Sache zu fördern. Dieselbe
Einseitigkeit, die schon den Letteverein charakterisiert, spiegelt sich
auch in ihren Ansprüchen wieder und beweist, daß der aus rein
wirtschaftlichen Motiven entsprungene Kampf um Arbeit die Urquelle der
bürgerlichen Frauenbewegung ist. "Wir verlangen nur, daß die Arena der
Arbeit den Frauen geöffnet werde", hatte Auguste Schmidt, die
eigentliche Wortführerin des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins
ausgerufen.[262] "Die einzige Emanzipation, die wir für unsere Frauen
anstreben, ist die Emanzipation ihrer Arbeit"[263], schrieb Luise Otto.
Und Fanny Lewald-Stahr, die von sich selbst erzählt, daß sie heimlich
habe arbeiten müssen, weil es sich für Mädchen ihrer Art nicht schickte,
Geld zu verdienen, und die anerkennt, daß "der gewaltigste Aufklärer,
die bittere Not" es war, die vielen die Augen geöffnet hat, erklärt die
"Emanzipation zur Arbeit" für die einzige, von der vor der Hand geredet
werden kann.[264]
So hatte sich in Nordamerika, in England, Frankreich und Deutschland,
dem sich ein Jahr später, durch Gründung des Frauenerwerbvereins, auch
Oesterreich anschloß, jener Prozeß vollzogen, durch den die bürgerliche
Frau in eine neue Phase ihrer Entwicklung eintrat. Eine Revolutionierung
der Sitten und Begriffe, des Haus- und Familienlebens, der Staats- und
Gesellschaftseinrichtungen, bereitete sich dadurch vor, die keiner von
Denen, die nur der augenblicklichen Not abhelfen wollten, voraussah, ja
die sie vor ihrem eigenen Vorhaben zurück hätte schaudern lassen, wenn
sie sie hätten ahnen können.
Dritte Periode. Die Bestrebungen für Frauenbildung und Frauenarbeit in
neuester Zeit.
Der organisierte Kampf um Arbeit, der an die Stelle des Ringens
einzelner Frauen um einen Erwerbsberuf trat, bezeichnet den Beginn der
modernen Frauenbewegung. Es mußte ihm erst die wirtschaftliche
Entwicklung vorausgehen, die die Frauen mehr und mehr aus der
Vereinzelung der häuslichen Thätigkeit herausriß, sie zwang, Arbeit
außerhalb der engen vier Wände zu suchen und sie schließlich ihre
Interessengemeinschaft lehrte. Selbstverständlich konzentrierte sich die
Frauenbewegung je nach dem Grade der Verarmung des Bürgerstandes und der
Zahl den die Männer überwiegenden Frauen auf diesen Kampf um Arbeit; und
der Widerstand, der ihr auf diesem Gebiet entgegengesetzt wurde,
gestaltete sich dort am schärfsten, wo die allgemeine wirtschaftliche
Lage die gedrückteste, die Ueberfüllung der Berufe die größte und die
Konkurrenz der Männer infolgedessen die stärkste war.
Am leichtesten vollzog sich daher der Kampf in Nordamerika. Die
Frauenbewegung war hier seit den Tagen der Sklavenbefreiung in erster
Linie eine politische geworden und gegen sie richteten sich
hauptsächlich die Gegner, während der Wunsch, der Frauen, zu den höheren
Lehranstalten und Berufen zugelassen zu werden, auf geringeren
Widerstand stieß. Zwar wurde im Anfang der Vorwurf der Unweiblichkeit
auch gegen die Schülerinnen der ersten Frauen-Colleges erhoben, ja von
der Kanzel herunter gegen sie gepredigt, besonders das System des
gemeinsamen Unterrichts beider Geschlechter heftig befehdet, aber bald
beschränkte sich der Widerstand nur auf einzelne Zeloten. In den
siebziger Jahren öffnete sich den andrängenden Frauen eine Hochschule
nach der anderen und sie entschlossen sich auch zum Teil, ihnen
akademische Grade zu verleihen. Die in allen Staaten entstehenden
Frauenvereine hatten die Forderung höheren Unterrichts in ihre Statuten
aufgenommen; besondere Vereine, wie die Female Medical Educational
Society, richteten ihre Agitation auf bestimmte Berufsvorbereitungen.
Schon 1874 wurde in der medizinischen Fakultät der Universität Boston
ein besonderer Kursus für weibliche Studenten eingerichtet; heute stehen
ihnen, mit Ausnahme der Staatsschulen, alle medizinischen Schulen offen.
Wie Elisabeth Blackwell auf diesem Gebiet bahnbrechend vorgegangen war,
so Antoinette Brown auf dem des Studiums der Theologie. Im
Oberlin-College, wo sie ihr Examen glänzend bestanden hatte, waren ihr
schon von den Lehrern die größten Schwierigkeiten bereitet worden und
man strafte ihr "unweibliches" Vorgehen damit, daß man ihren Namen nicht
in die Liste der Graduierten aufnahm. Wenige Jahre später jedoch
begannen die kirchlichen Gemeinschaften, mit Ausnahme der katholischen
und episkopalischen Kirche, in ihre theologischen Schulen auch weibliche
Studenten zuzulassen. Aehnlich entwickelte sich das Studium der
Jurisprudenz, das Arabella Mansfield zuerst für sich erzwungen hatte.
Viel schwieriger wurde es den Frauen, nun auf Grund ihrer Kenntnisse zur
Berufsthätigkeit zugelassen zu werden.
Den weiblichen Aerzten wurde die klinische Ausbildung schon dadurch
unmöglich gemacht, daß keines der bestehenden Krankenhäuser sie zuließ,
noch weniger fanden sie natürlich Patienten, man begegnete ihnen sogar
mit Mißtrauen und Geringschätzung. Als Dr. Emily Blackwell und Dr. Marie
Zakzrewska sich in New York niederließen, wo das erste Krankenhaus für
Frauen, an dem nur weibliche Aerzte ordinierten, durch sie entstand, war
es ihnen zuerst unmöglich, eine Wohnung zu bekommen: kein Hausherr
wollte die Verachteten aufnehmen. Die ersten Juristinnen wurden entweder
von den Gerichtshöfen als Advokaten nicht zugelassen, oder sie warteten
vergebens auf Klienten. Niemand wollte den Frauen seine Sache
anvertrauen. Die weiblichen Geistlichen wurden ausgepfiffen, zuweilen
sogar mit Steinwürfen vertrieben, und die Graduierten der
philosophischen Fakultäten fanden nur selten einen Lehrstuhl in einem
College. Etwas rascher gelang den Erwerb Suchenden der Eintritt in den
kaufmännischen Beruf und zwar war die Regierung ihnen hier behilflich.
Schon 1862 stellte General Spinner, die allgemeine Entrüstung darüber
nicht achtend, sieben Frauen als Beamte in der National-Bank an, und
1875 konnte er von über tausend Angestellten im Staatsdienst berichten,
und deren Leistungen als durchaus zufriedenstellend bezeichnen.[265]
Ebenso bewährten sie sich im Postdienst, in dem Mitte der sechziger
Jahre gleichfalls die ersten Frauen beschäftigt wurden. Ihr Eintritt in
bürgerliche Berufe machte von da an rapide Fortschritte. Ein ganzes Netz
von Vereinen aller Art spann sich über Amerika aus; ihre Agitatorinnen
reisten von Ort zu Ort, den Gedanken der Frauenbefreiung durch
selbständige Arbeit überall hin tragend.
Mehr aber als durch ihre Agitation erreichten die Frauen durch ihre
Leistungen während des Bürgerkrieges, wo sie den Beweis für ihre
Arbeitsfähigkeit führten. Nicht nur, daß weibliche Journalisten als
Leiter von Zeitungen und Berichterstatter sich einen Namen erwarben, es
waren auch allein die Frauen, die mit heldenmütiger Aufopferung die
Pflege der Soldaten und ihrer Hinterbliebenen übernahmen und einheitlich
organisierten. In dieser Zeit entstand in Clara Barton, die bis dahin
Geistliche gewesen war, und nun rastlos pflegend und helfend den
furchtbarsten Greueln des Krieges ins Antlitz sah, der Plan eines
allgemeinen Verbandes von Krankenpflegern, wie er 1864 auf der Genfer
Konvention unter dem Namen des Roten Kreuzes ins Leben trat. Zur
obersten Leiterin der Verwundetenpflege war während des Krieges Dorothea
Dix in Anerkennung für ihre Leistungen als Reformatorin des
Gefängniswesens von der Regierung ernannt worden. Zu gleicher Zeit
riefen eine Anzahl weiblicher Aerzte einen Frauenverein ins Leben, der
zunächst nur den Zweck hatte, für die Pflege, Nahrung, Bekleidung und
Unterstützung der Soldaten und ihrer Angehörigen zu sorgen, sich aber
nachher zu jener Sanitäts-Kommission entwickelte, deren Zweigvereine
heute in jedem Staat und fast jeder Stadt für die unbemittelten Kranken
Sorge tragen. So bewiesen die Frauen Kraft zur Arbeit und Verständnis
für öffentliche Angelegenheiten. Der Widerstand gegen ihr Ringen um
Bildung und Arbeit wurde immer schwächer. Heute haben sie von 484
Colleges und Universitäten zu 345 Zulass von 51 technischen Hochschulen
zu 28. Außerdem bestehen 4 Universitäten und gegen 160 Colleges für
Mädchen allein. Seit dem Jahre 1886, wo ca. 36000 an diesen Anstalten
studierende Frauen gezählt wurden[266], hat ihre Zahl sich verdoppelt;
allein 25000 studieren davon an den Universitäten.[267] Neben 6
medizinischen Frauenhochschulen stehen fast alle Schulen für Männer auch
den Frauen offen; in 6 Frauenhospitälern können sie ihrer klinischen
Ausbildung nachgehen. Selbst das Studium der Theologie ist ihnen
ermöglicht.
Diese glänzenden Resultate eines fast hundertjährigen Kampfes dürfen
jedoch nicht mit europäischem Maßstab gemessen werden. Es giebt,
besonders im Westen, sogenannte Universitäten, deren Unterrichtskreis
nicht über die Tertia unserer deutschen Gymnasien herausgeht; die
meisten entsprechen in Lehrplan und Lehrstoff der Sekunda und Prima,
sodaß der zum Schluß verliehene Grad eines Bachelor of Arts (B.A.) nicht
höher steht, als unser Abiturientenzeugnis. Sehr viele Colleges gleichen
höheren Töchterschulen in Deutschland, mit dem Unterschied, daß
Mathematik und klassische Sprachen dem Unterricht eingegliedert sind;
andere wieder erreichen die Höhe deutscher Universitäten. So kann
angenommen werden, daß von den 25000 studierenden Frauen nur etwa 500 in
unserem Sinne Studentinnen sind.[268] Danach kann auf eine gewisse Höhe
der Allgemeinbildung der Amerikanerinnen, nicht aber auf
wissenschaftliche Gründlichkeit geschlossen werden. In der Erkenntnis
dieser Thatsache suchen nicht nur ernster Strebende an einer
europäischen Universität den Doktorgrad zu erringen, sie haben sich auch
zur Verbindung der Collegiate Alumnae zusammengethan, die durch
Stipendien das Studium im Auslande ermöglicht und ein höheres Niveau der
inländischen Ausbildung zu erreichen sucht. Das erstrebenswerteste Ziel
aber für die weibliche Jugend Amerikas ist die bisher unerreichte
Eröffnung der vier bedeutendsten Universitäten: Harvard, Yale, Johns
Hopkins und Columbia. Erst eine Frau hat in Harvard ihr philosophisches
Doktorexamen machen dürfen, und diese mußte sich mit einer privaten
Bescheinigung darüber begnügen. Da sich nun aus den, als B.A.
entlassenen Schülerinnen der Universitäten die Schulvorsteherinnen und
Lehrerinnen, auch vielfach die Professorinnen der Colleges rekrutieren,
so gehen deren Schülerinnen selbstverständlich wieder als mangelhaft
Vorgebildete aus ihnen hervor, ein Zirkel, der nur dann durchbrochen
werden wird, wenn die schärfer werdende Konkurrenz mit den Männern die
Frauen zu größerer Energie um vertiefteren Unterricht aufstachelt.
Heute wird den Amerikanerinnen der Zutritt zu bürgerlichen
Berufen--wohlbemerkt: Erwerbsberufen, nicht staatlichen oder kommunalen
Ehrenämtern--nur selten erschwert. Seit 1872, wo Illinois durch Gesetz
bestimmte, daß alle Berufe ohne Unterschied des Geschlechtes jedem offen
ständen, sind etwa zwei Drittel der Bundesstaaten seinem Beispiel
gefolgt. Kaum ein Beruf dürfte den Frauen vollständig verschlossen sein;
seit der Ernennung von Dr. Anita Newcomb zur Militärärztin mit dem Range
eines Leutnants scheint selbst die militärische Karriere ihnen in
gewisser Weise offen zu stehen. Unter den Staatsbeamten finden sich
nicht nur Frauen in subalternen Stellungen: in zwei Staaten bekleiden
sie das Amt eines Staatssuperintendenten des Schulwesens, sind also mit
anderen Worten Unterrichtsminister. Weibliche Gemeindevorsteher
giebt es in größerer Zahl.[269] In 22 Staaten finden sich 227
Provinzialsuperintendenten der Erziehungsanstalten. Eine Frau, Miß
Estelle Reel, wurde von der Bundesregierung zum Oberinspektor der
gesamten Indianerschulen ernannt. In Michigan fungiert seit 1899 eine
Frau als Staatsanwalt; in Kansas sind 20 Prozent aller Schulräte und 5
Prozent aller Notare Frauen. In verschiedenen Parlamenten sind die
amtlichen Stenographen Frauen; 30 weibliche Fabrikinspektoren wirken in
den Bundesstaaten. Staatsarchivare und Bibliothekare sind zahlreich
angestellt. In allen Ministerien der Bundesregierungen sind weibliche
Beamte beschäftigt. In den sogenannten liberalen Berufen ist die Zahl
der weiblichen Advokaten besonders bemerkenswert; sie werden in 22
Staaten zugelassen und selbst der oberste Gerichtshof in Washington
stellte durch Gesetz vom Jahre 1879 die Frauen den Männern gleich. Bis
heute nahm er acht Frauen auf. Weibliche Universitätsprofessoren finden
sich auch an den ersten Universitäten des Landes, so in Boston Mercy
Jackson als Professor für Kinderkrankheiten, in Wiskonsin Helen Campbell
als Professor der Nationalökonomie. Außer in den genannten Berufen haben
Frauen sich durch kaufmännische Unternehmungen selbständig zu machen
gesucht, und besonders in den Süd- und Weststaaten haben sie sich als
Besitzer und Leiter von ausgedehnten Viehzüchtereien und
Milchwirtschaften, von Gemüse-, Obst- und Blumenkulturen aus Armut zum
Reichtum emporzuarbeiten verstanden.[270]
Der amerikanischen Entwicklung dieser Seite der Frauenfrage kommt die
englische am nächsten; die politische Freiheit verbunden mit der open
door policy, d.h. dem Gedanken des freien Wettbewerbs, hatte einen
rapiden wirtschaftlichen Aufschwung zur Folge, der auch den Frauen
zugute kam. Der Platz am Brotkorb brauchte ihnen nicht in so heftiger
Weise streitig gemacht zu werden, wie sonst in Europa. Auch ihrem Ringen
nach höherer Ausbildung wurden weniger Schwierigkeiten in den Weg
gelegt.
Nachdem die königliche Kommission zur Untersuchung der Schulzustände,
die 1864 eingesetzt wurde, und deren weibliches Mitglied Miß Beale den
Stand der höheren Mädchenschulen zu begutachten hatte, die denkbar
ungünstigsten Berichte über den Unterricht des weiblichen Geschlechts zu
geben gezwungen war, entstanden allenthalben Vereine zur Verbesserung
der Mädchenerziehung, die auf die Höhe des vorbereitenden Unterrichts
der Knaben zur Universität gehoben werden sollte. Um einen Maßstab für
sie zu haben, richtete sich die nächste Agitation auf die Zulassung der
Mädchen zu den Lokalexamen der Universitäten. Schon 1865 verstand sich
Cambridge, etwas später Oxford zur Abhaltung dieser Examen, die etwa
zwischen das 13. und 16. Lebensjahr der Schüler zu fallen pflegen.[271]
Sie stehen ungefähr den Examen unserer Realschulen gleich und
berechtigen keineswegs zum Universitätsstudium. Um dies zu erreichen,
das den Frauen hartnäckig verweigert wurde, legte Miß Emily Davies, die
schon die erfolgreiche Agitatorin für die Lokalexamen gewesen war, im
Jahr 1869 zuerst in einem kleinen Hause in Hitchin die Grundlage zu
Girton College. Es gelang ihr, einige Professoren von Cambridge für ihre
Idee, ihre Schülerinnen zunächst zu dem leichtesten--dem sogenannten
little-go--Universitätsexamen vorbereiten, zu gewinnen. Sie bestanden
nicht nur dies, sondern drei Jahre später auch das schwerste, das
Triposexamen. Inzwischen wurden nach dem Muster von Girton,
Newnham-College, gegründet. Durch vereinte Bemühungen, die oft zu
heftigem Federkrieg führten, wurde endlich erreicht, daß die Frauen zu
einzelnen Vorlesungen in der Universität selbst Zutritt erlangten und
schließlich--im Jahre 1881--wurden sie zu den Universitätsexamen, dem
little-go und Tripos, offiziell zugelassen; bis heute jedoch müssen sie
sich, trotz dauernder Bemühungen, mit einem einfachen Zertifikat
begnügen; die Erteilung, der mit dem bestandenen Examen bei den
männlichen Studenten verbundenen Titel wird ihnen standhaft
verweigert,--es ist das das letzte Prärogativ, das die Männer sich
vorbehalten wollen!--Der Kampf um Oxford war ein ähnlicher, wie der um
Cambridge.[272] In dem Zeitraum von 1870 bis 1894 wurden die Frauen
nach und nach zu den Vorlesungen und Examen aller Fakultäten, mit
Ausnahme der medizinischen zugelassen, aber die Titel gönnten ihnen auch
hier ihre männlichen Kollegen nicht. Dafür gewährte ihnen schon 1878 die
Universität London--lediglich eine Examinationsbehörde--sämtliche Grade,
was um so wichtiger ist, als ihre Examen für die weitaus schwersten
gelten. Mit kleinen Unterschieden,--so ist das Studium der Theologie und
Medizin an einigen Universitäten den Frauen verboten--nehmen heute
sämtliche Universitäten Großbritanniens weibliche Studenten mit gleichen
Rechten auf wie männliche. Als eine Folge jedoch nicht nur der
englischen Prüderie, wie viele meinen, sondern vor allem der auf diesem
Gebiet besonders lebhaften Konkurrenzfurcht der Männer muß es angesehen
werden, wenn der schwierige Kampf der Frauen sich um das Studium der
Medizin, vor allem um die klinische Ausbildung drehte. Keine Schule und
keine Examinationsbehörde wollte Frauen zulassen und so entschlossen sie
sich denn, sich selbst zu helfen, indem sie, mit Unterstützung einiger
Professoren, 1874 die mit einem Frauenhospital verbundene London school
of Medicine for women gründeten. Ihrem energischen Vorgehen war es zu
danken, daß durch Parlamentsbeschluß zwei Jahre später die
Prüfungsbehörden autorisiert wurden, weibliche Studenten zu examinieren.
Sie folgten freilich nur sehr langsam dieser offiziellen Aufforderung.
Bis heute haben sich neun Universitäten und medizinische Schulen dazu
bereit erklärt, außerdem stehen ihnen acht allgemeine Krankenhäuser
neben achtzehn Frauenhospitälern offen.[273]
Dem Beispiel des Mutterlandes folgten die Kolonieen. Die indischen
Universitäten sind seit 1878 den Frauen geöffnet; vier höhere Schulen,
von denen die in Pronah unter Leitung der gelehrten und wohlthätigen
Indierin Pundita Ramabai steht, sorgen für die Vorbereitung; die
australischen Universitäten Sydney und Melbourne haben nie einen
Unterschied zwischen den Geschlechtern gemacht.[274]
Auch auf anderen Gebieten des vorbereitenden Unterrichts für
bürgerliche Lebensberufe ist für das weibliche Geschlecht in England
fast ebenso gut gesorgt, wie für das männliche. Private und öffentliche
Schulen zur gewerblichen, kaufmännischen und künstlerischen Ausbildung
nehmen sie auf. Auf den Lehrerseminarien, von denen es für Frauen mehr
giebt als für Männer, genießen sie die Vergünstigung unentgeltlicher
Ausbildung.
Den Weg zu einem neuen Frauenberuf eröffnete die 1891 gegründete
Gartenbauschule von Swanley[275]. Durch ihre Erfolge wurde den Frauen
auch die Schule der königlichen botanischen Gesellschaft zugänglich.
Eine landwirtschaftliche Schule, die statutengemäß ausschließlich für
gentlewomen, d.h. Frauen der bürgerlichen Kreise bestimmt ist, richtete
Lady Warwick auf ihrer Besitzung 1898 ein. Wie sie neben der Gärtnerei
die Geflügel- und Bienenzucht und die Milchwirtschaft in den Kreis neuer
$Arbeitsmöglichkeiten einbezog, so geschieht es auch durch die von den
Grafschaftsräten und Gemeinden vielfach ins Leben gerufenen
landwirtschaftlichen Schulen; auch die landwirtschaftliche Nationalunion
von Großbritannien hat sich durch Gründung eines Frauenzweigvereins der
Sache angenommen. Durch die Einrichtung der Krankenpflegerinnenschule am
St. Thomashospital, die Florence Nightingale durchgesetzt hatte, nachdem
ihr im Krimkrieg die Schäden der dilettantischen Krankenpflege traurig
genug bekannt geworden waren, wurde auch dieser Beruf ein Erwerbsberuf
gebildeter Frauen. So giebt es kaum ein Gebiet des Berufslebens, für das
die Engländerinnen sich nicht vorbereiten könnten. Im Unterschied von
Amerika aber ist die Erziehung der Geschlechter,--mit Ausnahme von
Irland, wo kürzlich der Versuch eines für Knaben und Mädchen gemeinsamen
Colleges gemacht wurde,--fast durchweg eine getrennte. Daraus ergeben
sich sowohl praktische als psychologische Folgen schädlichster Natur und
die Ausbildung der Frauen ist vielfach eine minderwertige; so werden sie
z.B. in zwei Jahren zu Landschaftsgärtnern vorbereitet, während Männer
dazu eine Studienzeit von 5 bis 6 Jahren brauchen; und fast alle, für
das weibliche Geschlecht allein eingerichteten kaufmännischen und
künstlerischen Schulen haben einen kürzeren oder weniger gründlichen
Studiengang, als die für Männer bestimmten. Andererseits wird aber auch
durch das System der Trennung der Gegensatz zwischen den Geschlechtern,
der durch den Konkurrenzkampf hervorgerufen wird, noch verschärft, statt
daß er durch gemeinschaftliche Erziehung hätte gemildert werden und der
Begriff der Interessengemeinschaft seine Stelle hätte einnehmen können.
Der Zugang zu bürgerlichen Berufen wurde den Engländerinnen im
allgemeinen nicht allzu schwer gemacht. Sie waren nicht nur seit den
Zeiten des Feudalismus keine unbekannte Erscheinung im öffentlichen
Leben, sie hatten auch durch frühe, ausgedehnte und vortrefflich
organisierte philanthropische Thätigkeit für ihr Verständnis und ihre
Leistungskraft Zeugnis abgelegt. Von Elisabeth Fry, der Reformatorin des
Gefängniswesens, bis zu Beatrice Webb finden wir eine Reihe bedeutender
Frauen, die durch ihre Leistungen, mehr als durch ihre Worte für das
Recht der Frau auf Arbeit kämpften. So konnte die Regierung schon 1873
den Versuch machen, die erste Frau, Mrs. Nassau Senior, als Inspektor
der unter dem Localgovernment Board geregelten Armenpflege anzustellen,
und wie sie schon 1864 eine Frau in die Kommission zur Untersuchung der
Schulverhältnisse berufen und ihr eine außerordentlich wertvolle Arbeit
zu verdanken hatte, so übergab sie nach und nach immer häufiger Frauen
wichtige Aufgaben. Von einschneidender Bedeutung war 1892 die Einsetzung
einer Kommission zur Untersuchung der Arbeiterverhältnisse, in der vier
Frauen mit Erhebungen über die Lage der Arbeiterinnen betraut wurden.
Sie bewährten sich so, daß kurze Zeit später eine von ihnen, Miß
Abraham, als erste Fabrikinspektorin und eine andere, Miß Collet, als
Korrespondentin des Labour Department angestellt wurde. Auch Aerztinnen
wurden als Bezirksärzte, als Sanitätsinspektorinnen, als Leiter
öffentlicher Krankenhäuser,--besonders in den Kolonieen,--Beamte der
Regierung. Vier von ihnen sind im Postdepartement beschäftigt.
Seit 1870 hatte die Regierung die Telegraphenlinien aus dem Besitz der
privaten Gesellschaft übernommen und die weiblichen Angestellten
beibehalten, ja sie hatte, trotz der lebhaften Agitation dagegen,--der
einzigen, die in so großem Stil gegen das Eindringen der Frauen in
bürgerliche Berufe in England entfaltet wurde,--Frauen bei den
Postsparkassen angestellt. Heute stehen 25928 Frauen im Post- und
Telegraphendienst Großbritanniens.[276] Unter ihnen giebt es eine
Anzahl, die bis zur Stellung von Postmeistern emporgestiegen sind. Fast
in allen Ministerien beschäftigt die Regierung Beamtinnen, ebenso in der
Gefängnisverwaltung und -Aufsicht, auf königlichen Observatorien und als
Assistenten der Bibliothekare. In hervorragend leitenden Stellungen
jedoch befinden sich keine Frauen. Bis vor einigen Jahren führte Miss
Abraham ziemlich selbständig die Geschäfte des aus 7 Personen
bestehenden weiblichen Fabrikinspektorats; als sie jedoch infolge ihrer
Heirat ausschied, nahm man dies zum Vorwand, die weiblichen Inspektoren
unter die Leitung des männlichen Oberinspektors zu stellen. Es scheint,
daß sich in der: Zurückdrängung der Frauen auf untergeordnete Stellungen
der letzte Kampf gegen ihr Gleichberechtigungsbestreben ausdrückt. Er
spielt sich in den englischen Lokalverwaltungen ebenso ab, obwohl die
Frauenarbeit hier noch ausgedehnter und segensreicher wirkt, als im
Dienst der Regierung. Wohl haben die Frauenvereine in jedem Ort, fast in
jeder Gemeinde um die Anstellung weiblicher Beamten jahrelang ringen
müssen, jetzt aber können sie stolz auf das Erreichte sein: Wir finden
sie als Schul-, Sanitäts und Handelsinspektoren, als Polizeimatronen und
Leiterinnen öffentlicher Anstalten aller Art, als Standes- und
Kirchspielbeamte, als Armenpfleger, als Steuererheber, als
Landschaftsgärtner öffentlicher Anlagen und als Dozentinnen in den
Haushaltungs- und landwirtschaftlichen Schulen der Grafschaftsräte
thätig, aber Gemeindevorsteher und Bürgermeister wie in Amerika finden
wir nicht. Anders gestaltet es sich in den privaten Berufen, wo die
persönliche Leistungsfähigkeit allein den Ausschlag giebt. Nicht
nur, daß weibliche Handelsangestellte, Stenographinnen und
Maschinenschreiberinnen vor den Männern schon vielfach den Vorzug
erhalten, immer mehr Frauen arbeiten sich zu Leiterinnen großer
Geschäfte, selbst zu Bankiers empor, die, obwohl die Börse ihnen
verschlossen ist, zahlreiche Kunden haben. Und die Zahl der
Privatgelehrten und Schriftstellerinnen, der Journalisten und Reporter
nimmt Jahr um Jahr erheblich zu. Selbst in scheinbar den Frauen
fernliegenden Berufen, wie in dem des Architekten, finden wir sie thätig
und zwar mit solchem Erfolg, daß kürzlich eine von ihnen zum Mitglied
der sehr exklusiven Königlichen Gesellschaft der Architekten gewählt
wurde. Unter den gelehrten Berufen aber ist der medizinische derjenige,
in dem die Frauen in England wie in Amerika sich am meisten auszeichnen.
Sie erfreuen sich großer Praxis und allgemeiner Anerkennung, die auch
den Konkurrenzneid der Männer soweit besiegte, daß sie vor wenigen
Jahren Mrs. Garrett-Anderson zur Vorsitzenden einer großen Abteilung der
fast nur aus Männern bestehenden medizinischen Gesellschaft erwählten.
Am stärksten ist natürlich das weibliche Geschlecht im Lehrberuf
vertreten. Nicht nur, daß sie die männlichen Lehrer an Zahl überwiegen,
es ist ihnen gelungen, leitende Stellungen, auch an Knabenschulen zu
erobern. Dabei muß eingeschaltet werden, daß das englische höhere
Schulwesen ausschließlich in Privathänden ruht, weder Staatshilfe noch
Staatsaufsicht genießt und die Gesellschaften, die es leiten, zum großen
Teil auch aus Frauen bestehen. Infolgedessen konnte die englische
Lehrerin zu solcher Bedeutung gelangen. Die männlichen Staats- und
Lokalverwaltungen repräsentieren immer eine konservative Macht, die nur
schwerfällig vorwärts schreitet. Das zeigt sich auch dort, wo die Frau
solche Stellungen zu erreichen strebt, auf deren Gewährung die Behörden,
vom eingewurzelten Vorurteil überdies unterstützt, irgend welchen
Einfluß üben. Kranken- und Armenpflege, Erziehung und Unterricht waren
seit alten Zeiten ein Frauenberuf innerhalb der Familien und des
Stammes, es galt nur, ihn weiter auszubilden, ihn über die
ursprünglichen Grenzen herauszuführen, um zur Armenpflegerin und
Inspektorin, zur Lehrerin und Aerztin zu führen. Berufe aber, die nicht
von Anfang an mit dem Weib als Geschlechtswesen in engem Zusammenhang
standen, galten von vornherein für unweiblich und wurden ihr daher
verschlossen. So geschieht es z.B. in England noch bei dem Beruf des
Geistlichen und des Advokaten; nur einzelne Sekten haben Predigerinnen
und Missionarinnen, die Hochkirche läßt sie ebensowenig zu wie die
lutherische und katholische; und nur als Rechtskonsulenten dürfen Frauen
seit kurzem praktizieren, weibliche Advokaten schließt jeder
Gerichtshof vorläufig noch aus.
Frankreich, das im 18. Jahrhundert der Frauenbewegung Richtung und Ziel
gegeben und sie in den revolutionären Stürmen des 19. Jahrhunderts
jedesmal zu neuem Leben erweckt hatte, blieb schließlich in seinen
Erfolgen hinter Amerika und England zurück. Die Ursache davon ist
vorwiegend in der durch die Napoleonische Gesetzgebung hervorgerufenen
zivilrechtlich ungünstigen Lage der Frauen zu suchen. Sobald daher die
Frauenbewegung sich von der Reaktion der fünfziger Jahre erholt hatte,
verwandte sie ihre besten Kräfte auf den Kampf gegen eine Unterdrückung,
die wohl geeignet war, jedes Vorwärtsstreben zu erschweren. Ihre
Agitation für höheren Unterricht und Zulassung zu bürgerlichen Berufen
war aber immerhin, wenn sie auch in zweiter Linie stand, eine lebhafte.
Zunächst galt es, die teilweise Eröffnung der Universität nicht dadurch
illusorisch werden zu lassen, daß die Erfüllung der Vorbedingungen nicht
vorhanden war. Man versuchte es Ende der sechziger Jahre mit der
Einrichtung freier Vortragskurse für Mädchen, ohne Erfolg zu haben. Auch
die Privatanstalten genügten nicht. Legouvé, der nach wie vor an der
Spitze dieser Bewegung stand, sammelte schließlich eine immer größere
Zahl von Frauen und Männern um sich, die für die Idee der staatlichen
Intervention eintraten und die Errichtung von Mädchengymnasien
verlangten, die denen für Knaben entsprechen sollten. Aber erst im Jahre
1880 setzte Camille Sée ein Gesetz durch, wonach der Staat sich
verpflichtete, mit Unterstützung der Kommunen höhere Mädchenschulen ins
Leben zu rufen. Wenn dies Gesetz auch den Wünschen der Frauen und ihrer
Freunde noch nicht entsprach, denn in der Praxis gestalteten sich die
neuen Institute, von denen jetzt 32 staatliche und 27 städtische
bestehen, nur zu erweiterten Elementarschulen, keineswegs zu Gymnasien,
so war die Anerkennung der Notwendigkeit höherer Frauenbildung durch den
Staat immerhin ein Fortschritt. Seine Bedeutung ist um so größer, als
von vornherein ausschließlich Frauen zu Leitern und Lehrern in den
Lyceen bestimmt wurden. Das brachte eine Hebung des Lehrerinnenberufs
mit sich und führte schon ein Jahr später zur Gründung der Ecole normale
in Sèvres, an der die Ausbildung der dem höheren Mädchenunterricht sich
widmenden Frauen erfolgt[277], soweit sie sich nicht durch
Universitätsstudien vorbereiten. Seit 1870 schon stehen ihnen, mit
Ausnahme der theologischen, nicht nur sämtliche Fakultäten offen, sie
können auch dieselben Grade erwerben wie die Männer. Auf dem Gebiet der
Medizin hatten sie allerdings einen Kampf zu kämpfen, der bis heute noch
nicht ganz zum Ziele führte: Zur klinischen und chirurgischen Ausbildung
und dem damit verbundenen Examen wurde ihnen gar nicht oder nur
ausnahmsweise Zulaß gewährt. Schließlich erreichten sie es, in den
Pariser Spitälern vier Jahre studieren zu dürfen, ohne daß man sie
jedoch zu den höheren Prüfungen zuließ. Die Studenten sowohl wie die
Aerzte waren während des ganzen Kampfes ihre ausgesprochenen Gegner.
Auch auf einem anderen Gebiete, dem des künstlerischen Studiums, war von
einer Gleichberechtigung der Frauen lange Zeit hindurch keine Rede.
Selbst die Leistungen einer Rosa Bonheur, einer Vigé-Lebrun waren nicht
im stande gewesen, den Frauen den Zugang zur Ecole des Beaux-Arts zu
ermöglichen. Die traditionelle Meinung, daß die guten Sitten dadurch
verletzt würden, mußte hier ebenso wie beim klinischen Unterricht als
Vorwand der Ausschließung dienen. Erst 1897 erfolgte die Zulassung; die
französische Kammer bewilligte zugleich eine bestimmte Summe zur
Gründung von zwei Ateliers für Schülerinnen, um damit dem Vorurteil der
gemeinsamen Ausbildung der Geschlechter entgegen zu kommen.
Viel rascher ging die Frage des gewerblichen und kaufmännischen
Unterrichts der Frauen einer Lösung entgegen. Schon 1870 zählten die
fünf Pariser kaufmännischen Schulen 800 Schülerinnen. In den Provinzen
entstanden, zum Teil durch die Kommunen, ähnliche Anstalten, deren
starke Frequenz dafür Zeugnis ablegt, daß sie einem dringenden Bedürfnis
entsprechen.
Die Frau im kaufmännischen Beruf ist denn auch seit langem eine
wohlbekannte Erscheinung in Frankreich, und man rühmt ihr allgemein ihre
Umsicht und ihren praktischen Verstand nach. Frauen, die ihr Geschäft
wirklich ganz selbständig leiten, sind hier daher verhältnismäßig
häufiger zu finden, als in anderen Ländern. Schon in den
fünfziger Jahren wurden ihre Talente dadurch anerkannt, daß die
Eisenbahngesellschaften anfingen, Frauen in ihren Bureaux anzustellen,
und der Staat, der schon im Anfang des Jahrhunderts Frauen im Postdienst
beschäftigt hatte, vermehrte ihre Zahl von 1877 ab bedeutend.[278]
Außerdem vertraute er sämtliche Tabakgeschäfte--die Tabakfabrikation und
der Handel mit Tabak sind bekanntlich Staatsmonopol--, Frauen an, und
beschäftigt eine große Zahl von ihnen in der Bank von Frankreich. Im
übrigen ist die Zahl der staatlich angestellten Frauen gering und sie
befinden sich fast ausschließlich in untergeordneten Stellungen. Den
höchsten Rang nehmen die Gefängnis- und Schulinspektorinnen--von denen
es allerdings nur drei giebt--ein. Die Fabrikinspektorinnen bekleiden
nur das Amt von Assistentinnen, haben sich aber so bewährt, daß z.B.
allein im Seine-Departement 14 thätig sind. Außer ihnen sind weibliche
Staatsbeamte als Gefangenenwärter, als Lehrerinnen in Taubstummen- und
Hebammenschulen zu finden. Seit einiger Zeit hat die Regierung auch
Aerztinnen in ihren Dienst genommen: Madame Sarraute wirkt an der großen
Oper; für das weibliche Postpersonal sind in Paris zwei Aerztinnen
angestellt, andere Aerztinnen wurden den afrikanischen Missionen
angeschlossen oder an staatlichen Mädchenlyceen verwendet.[279] Von
allen Frauen werden natürlich Lehrerinnen vom Staat und von den Kommunen
am meisten beschäftigt. Ihr Einfluß reicht soweit, daß sie sowohl den
Departementsräten als dem Oberschulrat als gleichberechtigte Mitglieder
angehören können. Aber noch keiner Frau ist es gelungen, als Dozent an
der Universität zugelassen zu werden oder die Leitung eines Hospitals in
die Hand zu bekommen. Sobald es sich um angesehene oder besser bezahlte
Stellungen handelt, hört auch bei den damenfreundlichen Franzosen das
Entgegenkommen auf. Trotzdem wird der Zugang zu bürgerlichen Berufen den
Frauen leichter gemacht, als etwa in England; sei es, weil infolge der
stagnierenden Bevölkerung die Konkurrenz keine so lebhafte ist, sei es,
weil die Französinnen der bürgerlichen Kreise selbst noch nicht nach Amt
und Brot so heftig zu streben gezwungen sind. Unter den Studentinnen
giebt es wenig geborene Französinnen, selbst unter den Aerztinnen, von
denen in Paris allein 77 eine große Praxis ausüben, sind viele
Ausländerinnen. Neuerdings hat die französische Frauenbewegung dadurch
einen wichtigen Schritt vorwärts gethan, daß die Frauen zur Advokatur
zugelassen wurden. Es war das jedenfalls nur die notwendige Konsequenz
der Zulassung zum juristischen Studium. Jeanne Chauvin, die es schon vor
Jahren glänzend absolvierte, hatte lange vergebens alles aufgeboten, um
zu ihrem Recht zu gelangen. Nur als Beamte in den Bureaux der
Rechtsanwälte hatten Frauen festen Fuß gefaßt. 1899 jedoch nahm die
Kammer einen Antrag des sozialistischen Abgeordneten Viviani an, der die
Zulassung der Frauen zur Advokatur forderte. Im Herbst 1900 bestätigte
der Senat das Votum und ein Vierteljahr später wurde die erste
Advokatin, Madame S. Balachowski-Petit, feierlich vereidet.
Unter den bürgerlichen Berufen privater Natur, in denen die Französinnen
thätig sind, wird einer von ihnen besonders geschätzt: der
schriftstellerische und journalistische. Von jeher haben sich die
Französinnen durch ihre Gewandtheit, mit der Feder umzugehen,
hervorgethan. Es sei hier nur auf Madame de Staël, Georges Sand, Madame
d'Agoult (Daniel Stern), neuerdings auf Juliette Adam, die Severine, die
Gyp und viele andere hingewiesen. Seit 1898 nun haben sie, allen anderen
Ländern vorangehend, den Versuch gemacht, die weiblichen Talente
zusammenzufassen, indem Madame Marguerite Durand unter dem Titel La
Fronde eine nur von Frauen redigierte, geschriebene, ja sogar gedruckte
politische Tageszeitung gründete. So wenig solch ein Unternehmen auch
dem wirklichen Fortschritt entspricht und im Interesse der
Frauenbewegung gelegen ist--denn erst das Zusammenarbeiten von Mann und
Weib auf gleichen Gebieten und unter gleichen Bedingungen würde ihre
Kräfte stählen und erproben--, so liefert es doch für die Fähigkeiten
der Frau den Beweis und bahnt den Weg zu neuen Erwerbsmöglichkeiten.
Trotz der Fortschritte, die Frankreich auf dem Gebiet der bürgerlichen
Frauenarbeit gemacht hat, sind sie doch nicht in demselben Tempo
erfolgt, wie man es nach den Anfängen der französischen Frauenbewegung
hätte annehmen können, und in dem, was erreicht wurde, ist es von
manchen anderen Ländern überflügelt worden.
Nur ein flüchtiger Ueberblick,--die Schilderung der Frauenbewegung eines
jeden Landes würde ins Endlose führen und im großen und ganzen dieselben
Entwicklungslinien zeigen, die wir schon verfolgt haben,--soll den
Beweis dafür erbringen.
In Rußland, das schon in den sechziger Jahren Universitäts- und
medizinische Kurse eingerichtet hatte, vermochte selbst die mehr als
zehnjährige Reaktionszeit von 1882 an, während der das Studium der
Medizin den Frauen nicht gestattet wurde, dem Fortschritt ihrer Sache
nicht Einhalt zu gebieten. Schon 1883 wirkten allein in Petersburg 52
Aerztinnen. 1896 erfolgte dann die Neueröffnung der medizinischen
Hochschule, die den Frauen dieselbe Ausbildung zu teil werden läßt, wie
sie die Männer erhalten, und sie denselben Prüfungen unterwirft. Sowohl
in Moskau als in Kiew können sie unter gleichen Verhältnissen Medizin
studieren, außerdem steht ihnen in Petersburg ein orientalisches Seminar
zur Verfügung. Die Vorbereitung zur Universität vermitteln die schon
1868 von Frauen gegründeten und geleiteten höheren Frauenkurse, die mit
der Zeit in Bezug auf den Unterrichtsstoff und die Organisierung immer
besser ausgebildet wurden. Außer ihnen bestehen noch klassische
Mädchengymnasien, deren Besuch ebenfalls zum Universitätsstudium
berechtigt, und 350 Mädchenlyceen, die in manchen Punkten unseren
höheren Töchterschulen ähnlich sind, in anderen wieder,--z.B. werden die
klassischen Sprachen gelehrt, wenn auch dieser Unterricht nur fakultativ
ist,--weit über sie hinaus gehen.[280] Besonders hoch steht in Rußland
die Ausbildung der Lehrerinnen. Nicht nur, daß sie großenteils
Universitätsbildung besitzen, es wird ihnen auch in den "Instituten der
Kaiserin Maria", die der kaiserlichen Kanzlei unterstehen, eine ebenso
billige wie vortreffliche Erziehung geboten, die sie, nach Absolvierung
der Prüfungen, zum Gouvernanten- und Volksschullehrerinnenberuf
berechtigt. Es ist wohl nicht zu viel gesagt, wenn man behauptet, daß
unter den russischen Frauen die Lehrerin die Trägerin nicht nur der
Frauenbewegung, sondern auch die wichtigste Beförderin der
Volksaufklärung und des sozialen Fortschrittes ist. Ihre Leistungen
fanden soweit öffentliche Anerkennung, daß Mädchenschulen und
Mädchengymnasien großenteils weibliche Lehrkräfte und sogar weibliche
Direktoren haben, die allerdings zum Direktor des Knabengymnasiums in
einem gewissen Abhängigkeitsverhältnis stehen.
Einer großen Beliebtheit erfreuen sich die weiblichen Aerzte, deren
staatliche Anstellung immer allgemeiner wird. Im Gegensatz zu der
herkömmlichen Ansicht, daß Frauen großen körperlichen Strapazen nicht
gewachsen sind, hat es sich gezeigt, daß gerade die Landärztinnen, die
gezwungen sind, unter elenden Verhältnissen, inmitten einer rohen
Bevölkerung, auf schlechten Landwegen, bei allen Schauern eines
russischen Winters, ihrer Praxis nachzugehen, sich außerordentlich
bewähren. Aber auch in den Großstädten sind sie mit Erfolg thätig. In
Petersburg, wo neben 21 männlichen 15 weibliche Bezirksärzte und
außerdem 35 Aerztinnen in staatlichen Krankenhäusern Anstellung
fanden[281], hat der Magistrat in einem offiziellen Bericht
festgestellt, daß auf einen männlichen Arzt 5400 bis 8000 Patienten, auf
einen weiblichen 7000 bis 11000 fallen, diese also vom Publikum
bevorzugt werden. Außer ihnen erfreuen sich auch die weiblichen
Apotheker eines guten Rufs. Noch ein anderer für die russischen
Verhältnisse wichtiger Frauenberuf findet die Unterstützung des Staates:
Seit kurzem hat das Ministerium für Landwirtschaft landwirtschaftliche
Lehranstalten für Frauen in allen Teilen des Landes eingerichtet, in
denen sie sich für alle in Betracht kommenden Fächer ausbilden können.
Die ersten, die ihre Studien zu Ende führten, wurden von der Regierung
teils in den Bureaux des Ministeriums, teils als Inspektorinnen
angestellt. Auch der Frage der Fabrikinspektoren ist Rußland in
ähnlicher Weise nahegetreten, indem es zunächst die Einrichtung von
Unterrichtskursen plant, deren Schülerinnen dann als Aufsichtsbeamte
Verwendung finden sollen. Als ein großer Erfolg kann es ferner
betrachtet werden, daß die Staatsbank Frauen beschäftigt. Diese
Unterstützung, die seitens der öffentlichen Verwaltung der
Frauenbewegung zu teil wird, läßt sich wesentlich aus dem Mangel an
Arbeitskräften erklären und der geringe Widerstand, der ihr seitens der
Männer entgegengesetzt wird, hat seinen Grund darin, daß das riesige
Land und das große Volk besonders für Lehrer und Aerzte noch unendlich
viel Platz haben.
Noch weiter vorgeschritten als Rußland ist Finland, wo Gymnasien und
Universität dem weiblichen Geschlecht mit gleichen Rechten offen stehen,
wie dem männlichen. Hier finden sich neben staatlich angestellten
Aerztinnen auch weibliche Armenpfleger und Direktoren von Armenhäusern.
In den Privatberufen haben die Frauen sich vor allem als Leiterinnen und
Lehrerinnen der weit verbreiteten Volkshochschulkurse hervorgethan.
Das benachbarte Schweden, das schon 1870 zwei Universitäten den Frauen
eröffnete und ihnen die medizinische Laufbahn erschloß, gewährt
ihnen heute fast überall dieselben Rechte wie den Männern. Die
Mädchenschulen, an die sich Gymnasialklassen anschließen, bereiten zum
Abiturientenexamen vor, das auch von den Mädchen mit Vorliebe gemacht
wird, die nicht das Universitätsstudium daran schließen; infolgedessen
ist die Bildung der Schwedinnen eine im allgemeinen hohe. Seit Sonja
Kowalewska als erster weiblicher Dozent den Lehrstuhl für Mathematik in
Stockholm bestieg, steht auch diese Laufbahn den Frauen offen. Dr. Ellen
Fries war ihre nächste Nachfolgerin, und 1897 wurde Dr. Elsa Eschelson
zum Professor der Jurisprudenz an die gleiche Universität berufen. Ein
Jahr später wurde eine Aerztin am Pathologisch-Anatomischen Institut der
Stockholmer medizinischen Hochschule angestellt. Die Lehrerinnen, die an
der Lehrerschaft Schwedens mit 63 Proz. beteiligt sind, können schon
seit 15 Jahren Mitglieder der Schulaufsichtsbehörden werden, auch als
Armenpfleger und im Dienste der Sittenpolizei finden Frauen Verwendung.
Seit dem Jahre 1898 sind sie offiziell zur Advokatur zugelassen.
Norwegen war darin mit gutem Beispiel vorangegangen. Der erste
juristische Verein hatte sich mit solchem Nachdruck auf die Seite der
Frauen gestellt, daß sogar ihre Zulassung zum Verwaltungsdienst und zum
Notarberuf erfolgte,[282] Die Universität, die ihnen erst 1880 eröffnet
wurde, läßt sie heute zu jedem Studium und zu allen Prüfungen zu, ebenso
sind die Gymnasien ihnen geöffnet. Apothekerinnen und Aerztinnen,
Gymnasiallehrerinnen und Schulinspektorinnen sind schon lange eine
gewohnte Erscheinung. Im Post- und Telegraphendienst befinden sich
Frauen in Norwegen und Schweden schon seit 1857 resp. 1860.
Dänemark steht hinter den genannten Ländern zurück. Zwar läßt die
Universität Kopenhagen seit 1825 Frauen mit gleichen Rechten zu,
Aerztinnen sind den Aerzten gleichgestellt, und die Schulbehörden haben
weibliche Mitglieder, aber der Anwaltsberuf ist ihnen verschlossen und
der Staat stellt nur selten weibliche Beamte an.
Ein ähnliches Verhältnis besteht in Belgien, wo sogar die Aerztinnen
ihrem Beruf nicht ungehindert nachgehen können. Besonders gut
eingerichtet ist dagegen hier die gewerbliche und landwirtschaftliche
Ausbildung der Frauen, die auch vom Staat dadurch unterstützt wird, daß
landwirtschaftliche Lehrerinnen zur Abhaltung von Vortragskursen und
Leitung praktischen Unterrichts auf das Land geschickt werden. Einen
heftigen, aber bisher ganz vergeblichen Kampf kämpfen bisher die Frauen
unter Führung der Juristin Marie Popelin um Zulassung zur
Advokatur.[283]
Weit größere Fortschritte hat die holländische Frauenbewegung zu
verzeichnen. In Bezug auf wissenschaftliche Ausbildung genießen
die Frauen genau dieselben Vorteile wie die Männer. Auch die
Gymnasien besuchen Knaben und Mädchen gemeinsam. Ebenso ist kein
wissenschaftlicher Beruf ihnen verschlossen. Besonderer Beliebtheit
erfreuen sich die weiblichen Aerzte. Eine von ihnen, Fräulein Dr. von
Tussenbroek, wurde 1898 als Professor der Frauenheilkunde an die
Universität Utrecht berufen. Unter den drei von der Kommunal-Verwaltung
Amsterdams angestellten Aerzten ist einer eine Frau, und die
medizinische Examinationskommission hat seit 1898 auch ein weibliches
Mitglied. Im Staatsdienst steht außerdem eine Assistentin der
Fabrikinspektion, deren Anstellung allerdings erst das Ergebnis einer
sehr langen Agitation gewesen ist.
Die Schweiz, die zuerst Frauen zum Universitätsstudium zuließ, ist ihrem
frauenfreundlichen Prinzip seitdem treu geblieben. Zunächst spricht die
steigende Verwendung von Lehrerinnen dafür: seit 1871 haben sie um 87
Proz., die Lehrer nur um 9 Proz. zugenommen. Einen noch stärkeren Beweis
liefert der Umstand, daß die Frauen nicht nur als Schulräte,
Schulinspektoren, Armenpfleger und,--wenn auch vorläufig in geringem
Umfang,--als Arbeitsinspektoren thätig sind, sondern daß ihnen auch das
Recht gewährt wurde, Lehrstühle der Universitäten einzunehmen, sowie
seit 1899 als Rechtsanwälte zu praktizieren.
Italien hat gleichfalls seine alten Traditionen nicht verleugnet. Wie im
Mittelalter, so lehren auch jetzt noch weibliche Dozenten an den
Universitäten, die den weiblichen Studenten nie verschlossen waren, und
in denen sie seit 1890 den männlichen in jeder Beziehung gleichstehen.
Die Knabengymnasien werden auch von Mädchen besucht, außerdem existieren
noch besondere Mädchengymnasien mit dem gleichen Lehrplan, von denen das
erste 1891 vom Kultusministerium in Rom eröffnet wurde. Schon 1868
stellte der Staat die erste Schulinspektorin an[284]; heute sind doppelt
soviel Lehrerinnen als Lehrer thätig und wirken sowohl an Knaben- wie an
Mädchenschulen. Aerztinnen und Apothekerinnen stehen den Männern völlig
gleich. Nur um die Zulassung zur Advokatur kämpfen die Frauen, seitdem
Laida Poët, nach glänzend absolviertem Doktorexamen, energisch dafür
eintrat[285], bis heute ebenso vergebens wie in Belgien, und im
Staatsdienst stehen, außer den Post- und Telegraphenbeamtinnen, nur
wenige Frauen.
Unter den romanischen Ländern sind Spanien und Portugal die
zurückgebliebensten, obwohl auch ihre Universitäten, zum Teil sogar seit
Jahrzehnten, den Frauen offen stehen. Es fehlt jedoch an den Mitteln zur
nötigen Vorbildung. In Spanien sind auch die höheren Berufe den Frauen
verschlossen, während in Portugal weibliche Aerzte praktizieren
dürfen.[286] Selbst die Türkei, wo ein Mädchengymnasium besteht,
gestattet den Frauen schon seit 1894 das Studium der Medizin und ließ
sie bereits ein Jahr früher zur ärztlichen Praxis zu. Griechenland,
Serbien und Rumänien gewähren den Frauen in Bezug auf Bildung und Beruf
fast völlig gleiche Rechte mit den Männern. Rumänien läßt sie zu den
Lehrstühlen der Universität und zur Advokatur zu.[287] Erklären läßt
sich diese, für die kulturell im allgemeinen zurückgebliebenen Länder
merkwürdige Erscheinung dadurch, daß der Zudrang zum Studium und zu den
wissenschaftlichen Berufen seitens der Männer kein großer ist, und man
nicht nur die Lücken durch Frauen ausfüllen, sondern auch durch ihren
Wettbewerb die Leistungen der Männer steigern will. Hierzu kommt, daß
weibliche Aerzte gerade in muhamedanischen Bevölkerungen, wo die kranken
Frauen jeder ärztlichen Hilfe entbehrten, weil sie nur von Männern
ausging, einem dringenden Bedürfnis entsprechen.
Aus diesem Grunde hat auch Oesterreich sich schon verhältnismäßig früh
entschlossen, Aerztinnen anzustellen, obwohl seine Stellung zur
Frauenbewegung damals noch eine reaktionäre war. 1890 wurde die erste
Aerztin, Dr. Krajewska, nach Bosnien berufen, der bald drei andere
folgten. Sie stehen in ihren amtlichen Rechten und Pflichten den
männlichen Aerzten völlig gleich. Ihrer Ausbildung konnten sie jedoch
nur auf nicht-österreichischen Universitäten nachgehen. Obwohl bereits
im Jahre 1878 die ersten Frauen als Gäste einzelnen Vorlesungen an
österreichischen Universitäten beiwohnen durften, wurden sie erst seit
1897 als Studentinnen zu den Vorlesungen und Prüfungen der
philosophischen Fakultät zugelassen, während sie offiziell weder Medizin
studieren noch darin geprüft werden konnten. Erst neuerdings ist es
ihnen ermöglicht worden; es steht sogar zu erwarten, daß das Studium der
Jurisprudenz ihnen an allen Universitäten gestattet wird. Günstiger
stellt sich die Frage des Universitätsstudiums der Frauen in Ungarn, wo
sie 1896 an der Universität Budapest zu allen Fakultäten zugelassen
wurden.[288] Die Vorbereitung zur Universität ist die Aufgabe einer
Anzahl privater Mädchengymnasien, die seit Anfang der neunziger Jahre in
Prag, Wien, Budapest, Krakau und Lemberg bestehen und auf die zähe
Agitation verschiedener Frauenvereine zurückzuführen sind.
Die Berufsthätigkeit der österreichischen Frauen, die sich besonders im
letzten Jahrzehnt rasch erweitert hat, beschränkt sich trotzdem nur auf
wenige Berufe. Zwar steht ihnen die ärztliche Laufbahn offen, in Ungarn
sind sie auch zum Apothekerberuf zugelassen, im allgemeinen aber wenden
sich die meisten erwerbsuchenden Frauen aus bürgerlichen Kreisen noch
dem traditionellen Lehrerinnenberuf zu. Dort hat die Regierung sich nach
und nach immer mehr dazu verstanden, die Volksschule, vielfach auch die
Knabenklassen, weiblichen Lehrkräften anzuvertrauen. Seit
kurzem--1899--hat Galizien den Anfang gemacht, Frauen auch in den
Bezirksschulrat aufzunehmen,--ein Vorgehen, das von den übrigen Ländern
der österreichisch-ungarischen Monarchie bald nachgeahmt werden dürfte.
Im Staats- und Gemeindedienst stehen, außer den Volksschullehrerinnen,
die Post- und Telegraphenbeamtinnen, deren Zulassung erst nach hartem
Kampf mit den männlichen Kollegen erfolgte, eine Anzahl
Gerichtssachverständige und Bureaubeamte in untergeordneten Stellungen.
Noch ein Blick auf die außereuropäischen Länder vollende die Uebersicht:
in Australien genießen die Frauen fast überall die gleichen Rechte auf
Bildung und Beruf wie die Männer. Sie stehen als Fabrik- und
Schulinspektoren, als Ministerialbeamte im Staatsdienst; sie wirken als
Aerzte, Anwälte und Lehrer ungehindert. In Mexiko und Brasilien können
sie als Advokaten und Aerzte praktizieren. Selbst in Asien hat die
Frauenbewegung Fortschritte zu verzeichnen: weibliche Aerzte und
Rechtsanwälte sind in Indien, dessen Universitäten den Frauen offen
stehen, keine Seltenheit. Neuerdings nimmt auch die japanische
Universität Studentinnen auf und die Gründung einer eigenen
Frauenhochschule steht in Aussicht. Im japanischen Postdienst finden
Frauen Verwendung. China hat kürzlich ein Mädchengymnasium gegründet und
an der Universität Peking dozieren weibliche Professoren. Der Negus von
Abessinien und der Emir von Afghanistan haben Aerztinnen an ihren Hof
berufen, und in Arabien verbreitet eine Frauenzeitung die Ideen der
Frauenbewegung.
Wenden wir uns nunmehr Deutschland zu, das wir absichtlich
zurückgestellt haben, damit es sich um so deutlicher, gleichsam wie ein
dunkles Relief von einem hellen Hintergrund, von der vorgeschrittenen
Entwicklung der übrigen Länder abhebe.
Der Fortschritt der Frauenbewegung wurde hier zunächst allein durch die
Organisation der Frauen bezeichnet. Für die deutsche Frau, die mehr als
irgend eine andere an die Familie, an das Haus gebunden gewesen war,
erschien die Gründung von Frauenvereinen an sich schon als ein
bedeutsames Ereignis. Daß es einem Bedürfnis entsprach, bewies das
zahlreiche ins Leben treten von Verbänden im Anschluß an den Allgemeinen
deutschen Frauenverein und an den Letteverein. Einesteils drängte das
von Sorgen und Zweifeln übervolle Frauenherz nach Aussprache,
andererseits trieben die traurigen Vermögensverhältnisse Tausende auf
die Suche nach Arbeit. Schon 1869 konnte daher der Letteverein an die
Spitze eines Verbandes deutscher Bildungs- und Erwerbsvereine treten,
deren Organ "Der Frauenanwalt" eine freilich recht gemäßigte Sprache
führte, und der Allgemeine deutsche Frauenverein konnte für sich und
seine Zweigvereine das Blatt "Die neuen Bahnen" ins Leben rufen, das
etwas energischer auftrat. Auf eine bessere Ausbildung der Mädchen
versuchten beide zunächst einzuwirken. Handels- und Gewerbeschulen, wie
sie in Berlin, Leipzig und Hannover seit einigen Jahren bestanden[289],
wurden auch anderwärts eingerichtet, um die Mädchen vor allem zum
kaufmännischen Beruf vorzubereiten; sie verdankten ihr Entstehen
jedoch fast ausschließlich privater Unterstützung. Staat und
Kommunalverwaltungen verhielten sich ganz ablehnend. Noch schroffer war
ihre Haltung, sobald die Frage der wissenschaftlichen Erziehung der
Mädchen an sie herantrat. Fanny Lewald hatte ihre Zulassung zu den
bestehenden Gymnasien gefordert[290]; der Allgemeine deutsche
Frauenverein war schon vorsichtiger, indem er auf einer seiner
Generalversammlungen der Rede des Dr. Wendt zustimmte, der die Gründung
von Realgymnasien für Mädchen befürwortete. Aber nicht nur außerhalb,
auch innerhalb des Vereins gab es noch ängstliche Gemüter genug, die um
die Gefährdung der Weiblichkeit zitterten, oder die Bestrebungen der
Frauen mit Hohn und Spott überschütteten. Unter den Politikern, wie
unter den Männern der Wissenschaft fand sich kein Verteidiger ihrer
Sache. Die erste Petition des Lettevereins um Errichtung von
Mädchengymnasien wurde mit Entrüstung zurückgewiesen[291], und Heinrich
von Sybel machte sich zum Wortführer der Gegner des Frauenstudiums,
indem er sich scharf gegen jede Emanzipation wandte und das Schlagwort
von dem "einzigen Beruf" des Weibes, dem, Gattin und Mutter zu sein,
schuf, das die poetischen wie die prosaischen Feinde der Frauenbewegung
mit gleicher Gewandtheit seitdem im Munde führen. Ganz blind konnte
jedoch selbst er nicht an den thatsächlichen Verhältnissen vorübergehen,
die es vielen Frauen unmöglich machten, ihren "einzigen Beruf" zu
erfüllen und so entschloß er sich zu der Inkonsequenz, der
Unverheirateten wegen, die Einrichtung von naturwissenschaftlichen,
medizinischen und kaufmännischen Schulen für wünschenswert zu
erklären.[292]
Eine ähnliche Stimmung zeigte sich überall: man gab die Notwendigkeit
besserer Mädchenerziehung zu, aber man hütete sich ängstlich, sich
einzugestehen, wodurch sie verursacht wurde. Charakteristisch hierfür
waren die Verhandlungen der Töchterlehrerversammlung in Weimar 1872.
Eine Neuorganisation des höheren Mädchenschulwesens, sogar ihre
gesetzliche Regelung wurde allgemein gewünscht, die Erwerbsfrage aber
feige verleugnet und ausdrücklich bestimmt, daß die Mädchenschule die
Teilnahme an der allgemeinen Geistesbildung den Frauen ermöglichen
solle, ihre Gestaltung aber auf die Natur und die Lebensbestimmung des
Weibes Rücksicht zu nehmen habe. Der deutsche Verein für das höhere
Mädchenschulwesen, der ein Jahr später ins Leben trat, fußte auf diesen
Grundsätzen, und als sich im selben Jahre das preußische
Unterrichtsministerium entschloß, sich mit der Frage zu beschäftigen,
stellte es sich auf den gleichen Standpunkt, machte aber der
Frauenbewegung insofern eine Konzession, als es erklärte, daß die
Vorbildung für künftige Berufsarbeit besonderen Einrichtungen
vorbehalten werden müsse. Solche Einrichtungen zu treffen, sollte jedoch
ganz der privaten Initiative überlassen bleiben. Eine Ausländerin, Miß
Archer, war es, die zuerst dazu den Mut gefunden hatte, indem sie unter
dem Namen Viktoria-Lyceum in Berlin eine Anstalt ins Leben rief, in der
Mädchen, die die Schule absolviert hatten, sich wissenschaftlich
weiterbilden konnten. Fast zehn Jahre später wurde die Humboldt-Akademie
in Berlin zu ähnlichem Zweck gegründet, ohne daß beide zunächst
praktische Folgen aufweisen konnten, weil das Studium in den Anstalten
zu keinerlei Prüfung berechtigte. In dieser ganzen Zeit war die
Agitation der Frauen für ihre Sache eine sehr zaghafte. Sie beschränkte
sich fast nur auf die Thätigkeit innerhalb der Vereine. Dagegen setzte
die litterarische Fehde seit Sybels Auftreten ihr Für und Wider lebhaft
fort. Die streitbare Feder Hedwig Dohms trat seit Anfang der siebziger
Jahre in den Dienst der Frauenbewegung[293], während die milde Luise
Büchners durch Rücksichtnahme auf Tradition und Vorurteil die Leser zu
gewinnen suchte[294]. So wurde zwar die Aufmerksamkeit mehr als bisher
auf die Frauenfrage gelenkt, aber von öffentlichem Interesse war sie
nicht.
Mit dem Ende der achtziger Jahre entwickelte sich eine lebhaftere
Bewegung zu gunsten des wissenschaftlichen Unterrichts der Frauen.
Unzufrieden mit dem vorsichtigen Vorgehen des Allgemeinen deutschen
Frauenvereins, der außerdem seine Kräfte vielfach verzettelte, wurde der
Verein Frauenbildungs-Reform ins Leben gerufen, der die Errichtung
von Mädchengymnasien und Eröffnung von Universitäten zu
seinem ausschließlichen Ziele nahm und sofort 1888-89 an die
Unterrichtsministerien und Volksvertretungen aller Staaten eine Petition
um Zulassung zu den Maturitätsprüfungen der Gymnasien und dem Studium an
den Hochschulen versandte. Inzwischen war auch der Allgemeine deutsche
Frauenverein lebendiger geworden; er reichte im selben Jahre allen
Kultusministerien Deutschlands ein Gesuch ein, wonach das Studium der
Medizin, sowie alle Studien und Prüfungen, durch welche die Männer die
Befähigung zum wissenschaftlichen Lehramt erlangen, den Frauen
freigegeben werden möchten. Die Antworten, die beide Vereine erhielten,
gaben die Stimmung Deutschlands gegenüber den Frauen zu einer Zeit, wo
sie in fast allen Kulturländern studieren, als Aerztinnen oder
Advokatinnen praktizieren konnten und wichtige Staatsämter
ihnen anvertraut wurden, deutlich genug wieder: dem Verein
Frauenbildungs-Reform gegenüber erklärten sich die Einzelstaaten nicht
kompetent zur Lösung der Frage, der Reichstag aber verwies wieder an
die Einzelstaaten, und der Allgemeine deutsche Frauenverein bekam von 7
Staaten eine ablehnende, von 6 gar keine Antwort. Nur in einer Beziehung
kam der Staat den Frauen entgegen, indem er dem Viktoria-Lyceum das
Recht erteilte, Oberlehrerinnen auszubilden und sie durch eine
offizielle Prüfungsbehörde examinieren ließ.
Inzwischen war noch ein anderer Verein mit radikaleren Zielen unter dem
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