ausrief: "Auch dein Thron wird einst das Schaffot sein." Dabei versuchte
sie, auch auf die Frauenvereine in ihrem Sinn Einfluß zu üben, und
erreichte vielfach, daß diese eine drohende Haltung einnahmen und
öffentlich für die Opfer der Guillotine Partei ergriffen. Olympe de
Gouges konnte dem Schicksal, das sie selbst heraufbeschwor, nicht lange
entgehen. Im Sommer 1793--sie war 45 Jahre alt--wurde sie verhaftet, am
3. November fiel ihr Kopf unter dem Fallbeil.[205] Mochte sie in ihrem
abenteuerreichen Leben die Grenzen bürgerlicher Sittsamkeit noch so oft
überschritten haben, mochte ihr exzentrisches Wesen dem landläufigen
Begriff zurückhaltender Weiblichkeit noch so wenig entsprechen,--die
Frauenbewegung darf dennoch stolz auf ihre Vorkämpferin sein. Das Urteil
über die öffentliche Wirksamkeit eines Menschen bestimmt sich vorwiegend
nach den Wirkungen, die er durch seine Thätigkeit auf den sozialen
Fortschritt ausgeübt hat. Von diesem Standpunkt aus gebührt Olympe de
Gouges der Ruhm, die Frauenbewegung zuerst organisiert und zu einem
beachtenswerten Faktor im öffentlichen Leben gemacht zu haben. Dabei war
ihr Auftreten typisch für die Haltung der Frauen und ihrer Vereine
überhaupt.
Sie erregten in steigendem Maße die lebhafteste Unzufriedenheit des
Konvents und der Kommune; teils wurde den Frauen unsittlicher
Lebenswandel, teils allzu leidenschaftliches Eingreifen in die
politischen Kämpfe zum Vorwurf gemacht. Das geschah gewiß nicht ohne
Grund, denn eine Zeit, in der alle alten Institutionen ins Wanken
geraten, wirft schwache Charaktere und heiße Herzen nur zur leicht aus
dem rechten Geleise; aber es muß angesichts der harten Urteile der
Zeitgenossen über die Frauenbewegung stets in Betracht gezogen werden,
daß sie ihr und ihren Forderungen gegenüber fast sämtlich einen von
vornherein feindseligen Standpunkt einnahmen. Selbst die radikalsten
Politiker hatten, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht das geringste
Verständnis für sie. Die Frauen standen fast vollständig allein, dazu
kam, daß sie, ihrer Natur getreu, die nach der Gefühlsseite hin am
stärksten entwickelt ist, rücksichtslos gegen jedermann vorgingen, der
sich einer Gemeinheit oder Ungerechtigkeit schuldig machte. Eine große
Anzahl der Anklagen gegen Frauen gründete sich darauf, daß sie sich
mitleidig eines Gefangenen angenommen, oder für einen, ihrer Meinung
nach unschuldig Verurteilten lebhaft Partei ergriffen hatten. Das war
den Männern in jener Periode der wachsenden Unempfindlichkeit gegenüber
den Leiden der Gegner so unverständlich, daß sie es sich immer nur
durch das Bestehen eines Liebesverhältnisses zwischen der betreffenden
Frau und dem Verurteilten zu erklären vermochten. Auch eine der
begabtesten Leiterinnen der Frauenvereine, Rose Lacombe, die den Zug der
Frauen nach Versailles angeführt hatte, geriet unter diesen Verdacht,
obwohl er gerade bei ihr, der hingebenden Vorkämpferin der Revolution,
am wenigsten begründet zu sein scheint. Infolge der Erbitterung gegen
die öffentlich auftretenden Frauen, die im Jahre 1793, dem Todesjahr
Olympe de Gouges, ihren Höhepunkt erreicht hatte, gestalteten sich die
Angriffe gegen Rose Lacombe schließlich zum Kampf gegen die
Frauenbewegung selbst.
Sie hatte sich dem Jakobiner Bazire gegenüber beklagt, daß Gefangene
tagelang im Gefängnis schmachteten, ohne auch nur verhört zu werden, wie
es bei dem Maire von Toulouse, in dessen Sohn man ihren Liebhaber
vermutete, geschehen war, und sie forderte, man solle beschließen, jeden
Gefangenen binnen 24 Stunden zu verhören, ihm die Freiheit zu schenken,
wenn seine Unschuld sich erweist, ihn zu töten, wenn er schuldig ist.
Eine Behandlung, wie die gegenwärtige, verstieße gegen die Gesetze der
Menschlichkeit, die die Gesetze der Republik sein müßten. Auf die Frage,
warum gerade der Maire von Toulouse, ein Aristokrat, sie, die
Verfolgerin der Aristokraten, zur Verteidigerin gewinnen könne,
erwiderte sie ruhig: "Er verteilt Brot unter die Armen!" Diese Erklärung
erschien Bazire nicht ausreichend. Er denunzierte sie im Jakobinerklub
und stieß um so weniger auf Widerstand, als der revolutionäre
republikanische Frauenverein, an dessen Spitze Rose Lacombe stand, durch
den Mut, mit dem er der Selbstherrlichkeit Robespierres gegenüber die
Rechte des Volks verteidigte und einer sozialen Revolution die Wege zu
bahnen versuchte, schon längst verdächtigt wurde.[206] Rose Lacombe
versuchte vergebens, sich und den Verein zu verteidigen; man ließ sie
nicht zum Worte kommen und übergab ihre Sache der Kommission für
öffentliche Sicherheit.[207] Obwohl nichts Gravierendes gefunden wurde,
beantragte die Kommission, der Konvent möge beschließen, daß alle
Frauenvereine, gleichgültig, welchen Namen sie trügen, aufgelöst und
ein für allemal verboten würden. Die Rede des Konventmitglieds Amar, die
diesen Antrag begründete, ist bezeichnend für die Stellung, welche die
Männer der Revolution der Frauenbewegung gegenüber einnehmen. Er
verneinte darin die beiden Fragen, ob die Frauen politische Rechte
ausüben und aktiven Anteil an der Regierung nehmen dürften, und ob es
ihnen gestattet sein sollte, politische Vereine zu bilden, indem er
folgendermaßen argumentierte:
"Regieren heißt, die öffentlichen Angelegenheiten durch Gesetze leiten,
deren Ausarbeitung ausgedehnte Kenntnisse, strenge Unparteilichkeit,
ernste Selbstverleugnung zur Voraussetzung hat; regieren heißt, die
Handlungen der Diener des Staates unter ständiger Aufsicht haben. Sind
die Frauen dazu fähig, besitzen sie die notwendigen Eigenschaften dafür?
Nur durch recht wenige Beispiele könnte diese Frage bejaht werden. Die
politischen Rechte der Bürger bestehen darin, im Interesse des Staates
Beschlüsse zu fassen, sie durchzusetzen und der Gewalt zu widerstehen.
Haben die Frauen die moralische und physische Kraft, welche das eine wie
das andere dieser Rechte erfordert? Die allgemeine Ueberzeugung spricht
dagegen...."
"Der Zweck der Volksvereine ist, die Thätigkeit der Feinde des
öffentlichen Wohles aufzudecken, die einzelnen Bürger, die Beamten des
Staates, ja selbst die gesetzgebende Körperschaft zu beaufsichtigen; die
Begeisterung Aller durch das Beispiel republikanischer Tugenden
anzufeuern; sich selbst durch öffentliche Besprechungen über die Fehler
oder die Vorteile politischer Maßnahmen aufzuklären. Können Frauen sich
diesen ebenso nützlichen wie schwierigen Arbeiten unterziehen? Nein,
denn sie sind verpflichtet, sich den wichtigen Sorgen hinzugeben, die
die Natur ihnen auferlegt hat.... Jedes Geschlecht ist zu der Thätigkeit
berufen, die ihm entspricht; seine Handlungen sind auf einen Kreis
beschränkt, den es nicht überschreiten darf, weil die Natur selbst diese
Grenzen dem Menschen gesteckt hat.... Erlaubt die Ehrbarkeit dem Weibe,
daß es sich öffentlich zeigt, daß es mit Männern diskutiert, und
öffentlich, angesichts des Volkes, sich über die Fragen ausspricht, von
denen das Wohl der Republik abhängt? Im allgemeinen sind die Frauen
unfähig hoher Konzeptionen und ernster Überlegungen.... Aber noch unter
einem anderen Gesichtspunkt sind Frauenvereine gefährlich. Wenn wir
bedenken, daß die politische Erziehung der Männer noch im Frührot der
Entwicklung steht, und daß wir das Wort Freiheit erst zu stammeln
vermögen, um wie viel weniger aufgeklärt sind dann die Frauen, deren
Erziehung bisher gleich Null war. Ihre Anwesenheit in den Volksvereinen
würde daher Personen einen aktiven Anteil an der Regierung gewähren, die
dem Irrtum und der Verführung stärker ausgesetzt sind als andere. Fügen
wir hinzu, daß die Frauen zu Aufregungen besonders geneigt sind und die
Interessen des Staates sehr bald alledem geopfert würden, was die
Heftigkeit der Leidenschaften an Irrungen und Aufruhr hervorbringt...."
Nach einer schwachen Verteidigung der Frauenvereine erhob der Konvent am
30. Oktober 1793 ihre Auflösung zum Beschluß.[208]
In stürmischen Versammlungen protestierten die Frauen dagegen, und eine
Deputation von ihnen erzwang sich den Eintritt in den Sitzungssaal der
Kommune, um hier persönlich für die Anullierung des Beschlusses, soweit
die Stadt Paris in Betracht kam, einzutreten. Sie kamen jedoch nicht zum
Wort, da der Generalprokurator Chaumette sich sofort erhob, um sich in
einer wütenden Philippika gegen die Frauenbewegung zu wenden. Er folgte
darin dem Gedankengang Amars, verlieh aber schließlich seiner Rede den
ganzen poetischen Schwung, mit dem die Gegner, wenn ihre Gründe nicht
durchschlagen, schließlich die Unentschiedenen für sich zu gewinnen
pflegen. "Die Natur sagte der Frau: Sei Weib!" rief er aus, "die
Erziehung der Kinder, die häuslichen Sorgen, die süßen Mühen der
Mutterschaft--das ist das Reich deiner Arbeit; dafür erhebe ich dich zur
Göttin des häuslichen Tempels, du wirst durch deine Reize, durch deine
Schönheit und deine Tugenden alles beherrschen, was dich
umgiebt!--Thörichte Frauen, die ihr zu Männern werden wollt, was
verlangt ihr noch? Ihr beherrscht unsere Sinne, die Gesetzgeber liegen
euch zu Füßen, euer Despotismus ist der einzige, den unsere Kraft nicht
brechen kann, weil er der der Liebe ist. Im Namen der Natur, bleibt was
ihr seid; und, weit entfernt davon, uns um die Kämpfe unseres Lebens zu
beneiden, begnügt euch damit, sie uns vergessen zu machen!"[209]
Nach dieser leidenschaftlichen Ansprache schloß die Kommune sich dem
Beschluß des Konvents an und erklärte außerdem, Frauendeputationen nicht
mehr empfangen zu wollen. Trotz alledem setzten die Frauen diesen
Beschlüssen den äußersten Widerstand entgegen, mußten aber schließlich
der Gewalt weichen: Man vertrieb sie auch von den Tribünen des Konvents,
man untersagte ihnen die Teilnahme an öffentlichen Versammlungen, ja man
ging soweit, ein Gesetz zu erlassen, wonach Frauen, die sich zu mehr als
fünf zusammenfanden, mit Gefängnis bestraft werden sollten.[210]
So schien die Frauenbewegung der Revolution resultatlos verlaufen zu
sein. Aber es ging ihr wie allen sozialen Bewegungen: Der erste
stürmische Angriff wurde von den Gegnern zurückgeschlagen, nicht nur,
weil ihrer noch viel zu viele waren, sondern weil das Ziel der Bewegung
noch zu wenig geklärt, der Weg zu ihm noch zu dunkel war und seine
Schwierigkeiten daher nicht übersehen werden konnten.
Die Frauenbewegung geriet scheinbar ins Stocken, thatsächlich wirkte sie
jedoch im stillen weiter, indem sie die Köpfe gewann und hervorragende
Denker sich mit ihren Problemen beschäftigten.
Als sie noch im Anfang ihrer Entwicklung stand, wurde der letzte der
großen französischen Philosophen des 18. Jahrhunderts, Condorcet, auf
sie aufmerksam und widmete ihr in seiner Schrift: Lettres d'un bourgeois
de New-Haven à un citoyen de Virginie[211] einen bemerkenswerten
Abschnitt. Er ging von der Voraussetzung aus, daß die Frauen, ebenso wie
die Männer, fühlende, mit Vernunft begabte, sittlicher Ideen fähige
Wesen seien, und daher dieselben Rechte haben mußten, wie die Männer. Er
forderte das aktive und das passive Wahlrecht für sie und wollte sie von
keinem Amt gesetzlich ausgeschlossen wissen, wobei er erklärte, daß es
überflüssig sei, den Bürgern zu verbieten, sie z.B. zu Heerführern zu
wählen, da man ihnen doch auch nicht zu untersagen brauche, etwa einen
Blinden zum Gerichtssekretär zu machen.
Im Jahre 1789 veröffentlichte er im Journal de la société (No. 5)[212]
einen Artikel über die Zulassung der Frauen zum Bürgerrecht, der auch
heute noch als die glänzendste Rechtfertigung und Verteidigung der
Frauenbewegung angesehen werden darf, und dessen Forderungen leider noch
unerfüllt geblieben sind. Condorcets Ansicht nach wurde das von der
Revolution aufgestellte Prinzip der Gleichheit dadurch auf das
empfindlichste verletzt, daß die Hälfte des Menschengeschlechts des
Rechtes beraubt wurde, an der Gesetzgebung teilzunehmen. Wolle man für
diese Thatsache eine Anerkennung, so müsse nachgewiesen werden, daß
nicht nur die natürlichen Rechte der Frauen andere seien, als die der
Männer, sondern daß sie auch unfähig seien, die Bürgerrechte auszuüben.
Da die Frau ein Mensch sei wie der Mann, habe sie dieselben natürlichen
Rechte wie er, denn entweder gebe es überhaupt keine angeborenen
Menschenrechte, oder jeder Mensch, gleichgültig welches sein Geschlecht,
seine Religion oder seine Rasse sein mag, hat die gleichen. Was die
Gründe betrifft, die angeführt werden zum Beweise der Unfähigkeit der
Frau, den Pflichten eines Staatsbürgers zu genügen, so wandte sich
Condorcet zunächst gegen den ihrer physischen Konstitution, indem er
ausführte, daß er nicht einsehen könne, wieso Schwangerschaften und
vorübergehende Unpäßlichkeiten die Frauen für Ausübung der Bürgerrechte
untauglich machen sollten, da doch auch die Männer Krankheiten aller Art
ausgesetzt seien, ohne daß man es für notwendig halte, ihnen deshalb die
Pflichten und Ehren der Bürger abzusprechen. Ferner sagt man, daß keine
Frau in den Wissenschaften Bedeutendes geleistet oder Beweise von Genie
gegeben habe, aber man habe doch nie daran gedacht, die Verleihung des
Bürgerrechts an die Männer von ihrer Begabung abhängig zu machen. Auch
das geringere Maß an Kenntnissen, die schwächere Urteilskraft, die man
den Frauen zum Vorwurf mache, könne, selbst wenn man sie zugeben wolle,
nicht als Grund angesehen werden, sie politisch für rechtlos zu
erklären. Als Konsequenz dieser Anschauung müsse man sonst auf jede
freie Verfassung verzichten und die Regierung, wie den Einfluß auf die
Gesetzgebung nur der sehr kleinen Zahl kenntnisreicher und wahrhaft
aufgeklärter Männer überlassen. Was man an den Frauen mit Recht
aussetzen könne,--ihren Mangel an Gerechtigkeitsgefühl, ihre
Einseitigkeit und geringe Bildung,--sei lediglich eine Folge ihrer
schlechten Erziehung und der sie umgebenden sozialen Verhältnisse, die
man daher zu ändern trachten müsse. Auch eine Reihe von
Nützlichkeitsgründen werden gegen die Zulassung der Frauen zum
Bürgerrecht hervorgebracht: man fürchte ihren Einfluß auf die
Männer,--als ob ihr geheimer Einfluß nicht viel bedenklicher sei, als es
ihr öffentlicher sein würde, man glaube, sie würden ihre natürlichen
Pflichten dem Haushalte, den Kindern gegenüber vernachlässigen, und doch
habe man nie Bedenken in Bezug auf die Männer gehabt, die doch auch
ihrem Beruf, ihrer Arbeit nachgehen müssen. Man scheine dabei auch
absichtlich übersehen zu wollen, daß nicht alle Frauen einen Haushalt
und kleine, der Pflege bedürftige Kinder haben, und die Ausübung des
Wahlrechts ihnen nicht mehr Zeit kosten würde, als die banalen
Vergnügungen und Zerstreuungen, denen sie jetzt nachgehen. Solche
Nützlichkeitsgründe haben immer, wo andere nicht ausreichten,
Tyrannenherrschaft rechtfertigen sollen: in ihrem Namen lägen Handel und
Industrie in Ketten, in ihrem Namen bestehe die Sklaverei der Neger noch
heute, in ihrem Namen füllte man die Bastille und wendete die Folter an.
Die Frage der Zulassung der Frauen zum Bürgerrecht dürfe aber nicht mehr
mit Nützlichkeitsgründen, Phrasen und Witzen abgethan werden. Auch die
Gleichheit, welche die neue Verfassung Frankreichs zwischen den Männern
festsetzte, habe eine Flut geschwollener Reden und billiger Scherze
hervorgerufen, stichhaltige Gründe jedoch habe niemand vorzubringen
vermocht. "Ich glaube," so schliesst Condorcet, "daß es mit der
Rechtsgleichheit der Geschlechter nicht anders sein wird."
Mehr als in seinem eigenen Vaterlande fanden die Ansichten des
französischen Philosophen in England und Deutschland eine
wissenschaftliche Vertretung. Die ruhigeren politischen Verhältnisse in
jenen Ländern ließen dem Einzelnen mehr Zeit zum Nachdenken und
Theoretisieren, während die Lage Frankreichs zum Handeln aufforderte.
So schrieb ein deutscher Historiker eine vielbändige Geschichte des
weiblichen Geschlechts, die er mit den Worten einleitete, daß die
Geschichte keines Volkes und keines Standes ein so empörendes, Abscheu
und Mitleiden in so hohem Grade erregendes Schauspiel darbiete, als die
der Frauen,[213] und ein englischer Gelehrter, der denselben Stoff
behandelte, sprach sich ähnlich aus, indem er erklärte, daß die
empörende Behandlung des weiblichen Teils der menschlichen Species nur
dem menschlichen Manne eigentümlich sei, und in der ganzen Natur kein
Gegenstück und kein Vorbild habe.[214]
Eine der bedeutendsten litterarischen Erscheinungen aber auf diesem
Gebiet war das Werk der Engländerin Mary Wollstonecraft: Vindication of
the rights of women.[215] Ein Leben voll innerer und äußerer Kämpfe und
Entbehrungen hatte sie die Leiden ihres Geschlechts kennen gelehrt. In
ihrem Berufe als Lehrerin hatte die Erziehungs- und Bildungsfrage sie
schon lebhaft beschäftigt, so daß sie als ihre erste litterarische
Arbeit eine kleine Schrift über die Erziehung junger Mädchen erscheinen
ließ. Ihr folgten eine ganze Anzahl Uebersetzungen aus dem Deutschen und
einige selbständige Arbeiten, die ihre Existenz sicherten und sie
zugleich in persönliche Beziehungen zu ihrem Verleger Johnson brachten,
bei dem sie einen geistig anregenden Verkehr fand. Er selbst wie alle
seine Gäste verfolgten die Ereignisse der französischen Revolution mit
stürmischer Begeisterung, war doch Thomas Paine, auf dessen Haupt der
Lorbeer der amerikanischen Freiheitskriege sich mit dem des Pariser
Bastillensturmes vereinigte, derjenige, der den Ton angab und in
Johnsons Salon die Menschenrechte verkündete. So wurde Mary
Wollstonecraft in den Strom der Revolutionsbewegung hineingezogen und
Burkes Angriff auf sie gab den Anstoß, daß die feurige Frau sich
öffentlich zu ihren Idealen bekannte: "Die Rechtfertigung der
Menschenrechte" hieß die kleine Schrift, die den Namen der Verfasserin
über den Kreis ihrer Freunde hinaus bekannt machte.[216] Aber sie war
nur das Vorspiel und die Einleitung ihres Hauptwerkes, der Verteidigung
der Rechte der Frauen, das sie, in der Hoffnung auf die Neugestaltung
des französischen Schulwesens Einfluß üben zu können, Talleyrand
widmete. Ihrem leidenschaftlichen Impulse folgend brachte sie die
umfangreiche Schrift in wenigen Wochen zu Papier, ohne sich zu ruhigem
Nachdenken Zeit zu lassen. Sie trägt denn auch die Spuren ihrer
Entstehung an sich und besteht aus völlig ungeordneten, oft sprunghaft
wechselnden Gedanken, die aber ohne Ausnahme von der Originalität Mary
Wollstonecrafts und der Schärfe ihrer Beobachtung zeugen. Den größten
Nachdruck legt sie auf die Erziehung, in deren Vernachlässigung sie die
Ursache der Fehler und Schwächen des weiblichen Geschlechts sieht. Auf
einen ungesunden Geist führt sie das Verhalten der Frauen zurück und
vergleicht ihn mit einer Pflanze, die in zu üppigem Boden steht und
schöne Blüten, aber keine Früchte hervorbringt. Es werden wohl "Damen",
aber keine Frauen erzogen, man lehre sie Sitten, aber keine Moral, man
richte ihr Streben auf Eitelkeiten und nichtigen Tand, aber nicht auf
ernste Ziele, man gewöhne sie, sich mit Spielereien zu beschäftigen und
durch Vergnügungen zu zerstreuen, statt sie an Arbeit zu gewöhnen und
ihre Muße den Freuden der Kunst, der Natur und der Wissenschaft zu
widmen. So werden jene schwachen, gedankenlosen Wesen gradezu gezüchtet,
denen ihre eigenen Züchter, die Männer, nachträglich ihre Schwäche und
Gedankenlosigkeit zum bittersten Vorwurf machen. Wer aber ihre Erziehung
genauer betrachte, könne sich nicht wundern, daß sie Vorurteilen zum
Raub fallen, unselbständig urteilen und zu blindem Autoritätsglauben
geneigt sind. Sie seien durch die sie umgebenden Verhältnisse
thatsächlich minderwertige Menschen geworden. Weil sie aber nur
künstlich so herabgedrückt worden seien, dürfe man nicht das weibliche
Geschlecht als solches nach seinem gegenwärtigen Stand beurteilen. Erst
gebe man den Frauen Raum, sich zu entwickeln, ihre Kräfte zu bethätigen,
dann bestimme man, welche Stelle auf der intellektuellen und moralischen
Stufenleiter sie einnehmen. Wenn sie dann zu vernünftigen Wesen erzogen
worden seien, dürfen sie auch nicht mehr als Sklaven behandelt werden
und müssen dieselben Rechte genießen, wie die Männer.
In Bezug auf diesen Punkt erweist sich Mary Wollstonecraft ihrem
Gesinnungsgenossen Condorcet gegenüber als die Vorsichtigere,
Zurückhaltendere. Während er auf Grund der überall gleichen
Menschenrechte dem weiblichen Geschlecht die politische
Gleichberechtigung zuerkennt und die Unwissenheit der Frauen nicht zum
Vorwand der Ungleichheit nimmt, weil auch die Männer keiner Prüfung
ihrer Geisteskräfte unterliegen, ehe sie als vollwertige Staatsbürger
anerkannt werden, erklärt sie die Reform der Erziehung für die
Voraussetzung der Reform der Gesetze.
In allen anderen Teilen ihres Werkes jedoch ist sie die echte Schülerin
der Revolution. Nicht nur, daß sie in vielen ihrer abschweifenden
Gedanken das Königtum, die stehenden Heere, die Aristokratie heftig
angreift, sie erörtert auch das Problem der Armut und erklärt sie für
eine der wesentlichen Ursachen der Laster und Verbrechen. Für die Frauen
folgert sie daraus die Notwendigkeit, wirtschaftlich unabhängig vom Mann
zu sein. Diese, auch im modernen Sinn radikale Forderung ist von ihr
zuerst ausgesprochen worden und erhebt sie in die Reihe der
aufgeklärtesten und weitblickendsten Vorkämpfer der Frauenbewegung. Aber
auch in anderer Beziehung war sie ihrer Zeit voraus: im Namen der
Keuschheit, die für beide Geschlechter dieselbe sein müsse, fordert sie,
daß Knaben und Mädchen gemeinsam in öffentlichen Schulen erzogen werden.
Nur wo ein kameradschaftlich harmloser Verkehr, und geistiger Wetteifer
zwischen den Geschlechtern von früh an zu finden sei, werde die Liebe
zwischen Mann und Weib eine reinere und tiefere, werden die Ehen
glücklichere sein. Neben die geistige solle auch die körperliche
Erziehung treten, damit ein kräftigeres, schöneres Geschlecht
heranwachse, damit das Vaterland Mütter habe, die gesunde Kinder
hervorzubringen und zu erziehen im stände seien.
Damit ist der Grundakkord ihres ganzen Buches angeschlagen: um ihres
heiligen Naturberufes, um des kommenden Geschlechtes willen, das aus
ihrem Schoße hervorwächst, von ihrem Körper und von ihrem Geist seine
erste, die spätere Entwicklung bestimmende Nahrung empfängt, soll das
Weib dem Manne ebenbürtig zur Seite stehen, ein freier Bürger wie er.
Mary Wollstonecrafts kühnes Buch machte ungeheures Aufsehen. Die
heftigen Angriffe, die es erfuhr, richteten sich natürlich auch gegen
ihre Person, unter der Spötter und Karikaturenzeichner sich ein
starkknochiges, häßliches Mannweib vorstellten, während sie eine zarte,
im besten Sinne weibliche Frau war, wie, denn auch ihr Werk den Stempel
der Weiblichkeit trägt, wie nur wenige Frauenwerke. Es wurde gleich nach
seinem Erscheinen ins Französische und von ihrem Freunde, dem bekannten
Schnepfenthaler Pädagogen Salzmann, ins Deutsche übersetzt.
Noch ehe aber dies Werk die Ideen der Frauenbewegung in Deutschland
verkünden sollte, war ein anderes ihm zuvorgekommen: Theodor von Hippels
Buch über die bürgerliche Verbesserung der Weiber,[217] das im selben
Jahr in Berlin erschien, als das Mary Wollstonecrafts in London. Schon
im Jahre 1774 hatte er durch seine Schrift über die Ehe, in der er
Frauen und Männern derbe Lektionen gab, sein Interesse an der Stellung
der Frau im bürgerlichen Leben kund gethan.[218] Aber erst die
französische Revolution, die Teilnahme der Frauen an ihren Kämpfen regte
ihn zu tieferem Nachdenken an. Er kam zu denselben Schlüssen wie
Condorcet und Mary Wollstonecraft und konnte sein Erstaunen darüber
nicht verhehlen, daß die französische Verfassung kurzsichtig und
engherzig genug war, dem weiblichen Geschlecht die Gleichberechtigung zu
verweigern. Dabei ging er so weit, zu erklären, daß die Sklaverei, wenn
sie auch nur in einer einzigen Beziehung geduldet werde, über kurz oder
lang alle wieder zu Sklaven mache. Allen Einwänden gegen die
Emanzipation der Frauen begegnete er mit schlagfertiger Schärfe. Soll,
so sagte er, eine verwerfliche Einrichtung, auch wenn sie schon Tausende
von Jahren alt ist, nur deshalb fortbestehen, weil ihre Abänderung mit
Schwierigkeiten verknüpft ist und man vermutet, es könnten bedenkliche
Folgen daraus erwachsen? Man müsse endlich das andere Geschlecht zum
Volk zu machen sich entschließen. Freilich müßte eine durchaus
veränderte Erziehung die Frauen dazu befähigen, denn jetzt, wo sie nur
zum Spielzeug der Männer gemodelt wären, könnten sie ihren Pflichten nur
schlecht genügen. Man erziehe Bürger für den Staat, ohne Unterschied des
Geschlechts. Gemeinsame Erziehung der Knaben und Mädchen, Zulassung der
Frauen zu allen Berufen, verlangte Hippel. Nur das "Monopol des
Schwertes" soll den Männern bleiben, falls "der Staat sich nun einmal
nicht ohne Menschenschlächter behelfen kann oder will!" Zur
Erleichterung körperlicher Ausbildung rät er zu einer gleichen Kleidung
der Kinder bis zum 12. Jahr; denn um die weibliche Furchtsamkeit
auszutreiben, die ihren Grund ebensowohl im Gefühl des Mangels an
körperlichen Kräften wie in der Beschränktheit des Verstandes habe,
dürfe keine Seite des Wesens in der Erziehung vernachlässigt werden. Für
thöricht hält er den Einwand, daß die Weiber zu viel Zeit auf ihren Putz
verwenden,--sind es nicht grade die Männer, die ihnen die Seele
bestreiten und sie auf den Körper beschränken? Jetzt haben sie keine
andere olympische Bahn, als mit ihren Reizen Männer zu fangen; sie
werden Wunder thun, wenn man ihnen andere eröffnet. Auch die natürliche
Schwachheit des weiblichen Geschlechts bestreitet er, denn das
Kindergebären, das zum Hauptbeweis dieser Schwäche angeführt zu werden
pflegt, lege geradezu ein Naturzeugnis seiner Stärke ab.
Von ihrer Anteilnahme an der Staatsverwaltung erwartet er großes: "Gewiß
hätten wir alsdann weniger Tyrannen, die auf festem Grund und Boden
Schiffbrüchige mit Lust arbeiten sehen, oder die solchen, die mit den
Fluten ringen, Strohhalme zuwerfen; weniger Blutigel, die den Schweiß
und das Blut der Unterthanen ohne Maß und Ziel verschwenden." So
forderte Hippel die Befreiung der Frau um des Staatswohls, um des
Fortschritts der Menschheit willen, wie Condorcet sie im Namen der
Gerechtigkeit, Mary Wollstonecraft sie im Namen der Mutterschaft
gefordert hatte.
Während Mann und Weib auf der Stufe primitiver Kultur einander gleich
standen, vergrößerte sich mit der fortschreitenden ökonomischen
Entwicklung der Abstand zwischen ihnen mehr und mehr. Die Interessen,
die Kämpfe, die Ziele des physisch stärkeren, durch die Bedingungen des
Geschlechtslebens ungebundeneren Mannes und diejenigen der an Haus und
Kinder gefesselten Frau wurden die Ursache einer geistigen und
rechtlichen Trennung, die von der Frau zunächst nicht empfunden werden
konnte, weil sie durch ihre häusliche Thätigkeit vollauf in Anspruch
genommen war und infolge der allgemeinen gesellschaftlichen Verhältnisse
über die ihrem Geschlecht gesteckten engen Grenzen nicht hinauszublicken
vermochte. Erst als die mannigfachen Arbeiten der Hausfrau in wachsendem
Maße von dem Handwerk und der Industrie übernommen wurden, und die Frau,
soweit sie als Angehörige der besitzenden Klassen Muße gewann, sich
überflüssig fühlte, die Leere ihres inneren und äußeren Lebens empfand
oder als Mitglied der besitzlosen, gezwungen war, ihre häusliche
Thätigkeit in Lohnarbeit außer dem Hause und getrennt von der Familie
umzuwandeln, wurde sie sich ihrer drückenden Lage bewußt. Nicht nur, daß
sie auf einer Stufe geistiger Rückständigkeit festgebannt war, die
vergangenen Kulturepochen entsprach, sie sah sich auch durch
wirtschaftliche, rechtliche und politische Fesseln zum Kampf ums Dasein,
den sie wie der Mann zu kämpfen hatte, untauglich gemacht. Diese
Widersprüche wurden die Ursache einer tiefgehenden Unzufriedenheit, die
stetig wuchs und in der Frauenbewegung der französischen Revolution
einen Höhepunkt erreichte. Das Recht auf Bildung, das Recht auf Arbeit,
das Recht auf Gleichheit vor dem Gesetz waren die Ziele, die die
Revolution proklamierte und die durch ihre litterarischen Vertreter
theoretische Begründung fanden.
Das neunzehnte Jahrhundert stellte -neue- Probleme der Frauenfrage nicht
mehr auf. Sie teilte sich nur, je umfassender sie wurde, in um so
deutlicher ausgeprägte einzelne Seiten, ebenso wie der Strom kurz vor
seinem Eintritt in das Meer ihm seine mächtig angeschwollenen
Wassermassen nicht in einem Fluß, sondern in vielen Flußarmen zuführt.
Jeder einzelne wird zu einem Strom für sich und jede Seite der
Frauenfrage umfaßt schließlich ein so weites Gebiet, daß sowohl von
historischen als von kritischen Gesichtspunkten aus eine gesonderte
Behandlung notwendig wird.
Die Erkenntnis von den wirtschaftlichen Ursachen der Frauenfrage, die an
der Hand der Geschichte gewonnen wird, führt notwendig dazu, ihre
ökonomische Seite in den Vordergrund zu stellen. Aus ihr heraus
entwickelt sich erst die rechtliche und aus beiden die sittliche Seite
der Frauenfrage. Alle Einzelprobleme sind in diesen drei Seiten des
Gesamtproblems enthalten.
Zweiter Abschnitt.
Die wirtschaftliche Seite der Frauenfrage.
1. Der Kampf um Arbeit in der bürgerlichen Frauenwelt.
Erste Periode. Anfänge einer Erziehungsreform unter dem Gesichtspunkt
beruflicher Arbeit.
Theoretische Erörterungen der Frauenfrage haben weder wissenschaftlichen
Wert noch praktische Bedeutung, wenn sie lediglich von vorgefaßten
Meinungen oder allgemeinen ethischen Prinzipien ausgehen. Um zu
richtigen Resultaten zu gelangen, gilt es vielmehr, auf dem Boden der
Thatsachen zu fußen. Es erschien deswegen nicht nur notwendig, die
geschichtliche Entwicklung der Stellung der Frau im Menschheitsleben im
allgemeinen darzustellen, es ist auch erforderlich, von dem Zeitpunkt
an, wo die Frauenfrage sich erweitert und in ihr verschiedene gleich
wichtige Seiten hervortreten, die historische Betrachtung jedesmal der
theoretischen vorauszuschicken. Dabei kann es sich weniger darum
handeln, einzelne Thatsachen mit möglichster Vollständigkeit
zusammenzustellen, als vielmehr, den Gang der Entwicklung in seinen
großen Zügen zu verfolgen und seine treibenden Kräfte aufzudecken.
Die wirtschaftliche Seite der Frauenfrage, die das ganze Erwerbsleben
des weiblichen Geschlechts von den Höhen wissenschaftlicher Arbeit bis
in den düsteren Abgrund der Prostitution umfaßt, bedarf besonders dieser
Behandlungsweise. Viel unfruchtbarer Streit über das Recht der Frauen
auf Arbeit, über ihre Zulassung zu oder ihre Ausschließung von
männlichen Berufen würden vermieden werden, viele nur moralisierende
Sittlichkeitsapostel würden ihre vergeblichen Reformversuche einstellen,
wenn an Stelle eingewurzelter Vorurteile und verschwommener Gefühle die
historische Erkenntnis treten würde. Sich der Entwicklung in den Weg zu
werfen, ist ein nutzloses Bemühen; auch der, der sie fürchtet, kann ihre
unheilvollen Wirkungen nicht anders abwenden, als indem er ihr die Wege
bahnt. Was die Frauenbewegung an traurigen Resultaten gezeitigt hat, das
verdankt sie ausschließlich ihren Gegnern und ihren falschen Freunden.
Ihr eigner Gang ist ein klarer, gesetzmäßiger, der auch in dem Kampf um
Arbeit in der bürgerlichen Frauenwelt deutlich zum Ausdruck kommt.
Das Ende des achtzehnten Jahrhunderts war für die Frauenwelt eine der
bedeutsamsten geschichtlichen Epochen. Wohl waren schon vorher Männer
und Frauen aufgetreten, die mehr Gerechtigkeit, mehr Bildung, erweiterte
Arbeitsmöglichkeiten für das weibliche Geschlecht gewünscht hatten, aber
sie waren vereinzelt geblieben und daher verhallten ihre Stimmen fast
ungehört. Erst die hereinbrechende neue Zeit erhob die theoretischen und
philosophischen Erörterungen über die Rechte das Weibes in den Bereich
praktischer Forderungen. Aber es waren weniger die vielen rednerischen
und schriftstellerischen Auseinandersetzungen und Erklärungen der
politischen Rechte, die zu Erfolgen führten, als vielmehr die von den
Massen der Frauen erhobene Forderung ihres Rechtes auf Arbeit.
Schon das französische Edikt von 1776 hatte mit der Proklamierung der
Gewerbefreiheit diese Forderung anerkannt, und nach der Revolution
schien es, als stünden den Frauen nunmehr dieselben Wege offen, auf
denen die Männer ihrem Broterwerb nachgingen. Bald zeigte sich jedoch,
daß die größten Hindernisse erst noch zu überwinden waren, denn es
fehlte den Frauen jede Vorbildung; man hatte sie aufs offene Meer
hinausgelassen ohne ihnen Steuer, Anker und Kompaß mitzugeben.
Die Frauen und Töchter des arbeitenden Volkes, die in immer
ausgedehnterem Maße gezwungen waren, sich einen Broterwerb zu suchen,
strömten den Industrien zu, die ungelernte Arbeiter brauchen konnten.
Lohndruck, Vergrößerung des Elends, infolgedessen neuer Zuzug
weiblicher Arbeiter war die Folge. Aus diesen Anfängen heraus
entwickelte sich die Arbeiterinnenbewegung. Aber während diese Schicht
der weiblichen Bevölkerung den Kampf ums tägliche Brot von jeher ebenso,
ja oft noch viel schwerer empfunden hatte, als die Männer, waren die
Frauen und Töchter der Bourgeoisie vom Erwerbszwang bisher verschont
geblieben. Sie lebten der häuslichen Thätigkeit und der Kindererziehung,
häufig aber lediglich dem Vergnügen, der Schöngeisterei oder anderem
maskierten Müßiggang. Die Verarmung des Bürgerstandes, die Revolutionen
und Kriege, die Zunahme der alleinstehenden Frauen, der Töchter und
Witwen der Opfer des Schlachtfeldes, nötigten die Frauen zu einer
Arbeit, die ihnen, weil sie bisher das allein richtige Verhältnis in der
Erhaltung der Frau durch den Mann gesehen hatten, nicht nur an sich
schwer fiel, sondern auch wie eine möglichst zu verbergende Schande
erschien. Zahlreich waren schon Mitte des achtzehnten Jahrhunderts die
armen adeligen Fräuleins, die in den Stellungen als Erzieherinnen
fürstlicher Kinder, als Kammerfrauen der Prinzessinnen, ja selbst als
Hofdamen an den vielen kleinen Fürstenhöfen nichts anderes suchten als
einen Broterwerb und sich oft, unter ängstlicher Aufrechterhaltung
äußeren Glanzes kümmerlich genug durchschlugen. Und nicht nur
sentimentale Romane, auch manche der an die Nationalversammlung
gerichteten Petitionen führen den Beweis dafür, daß viele Bürgertöchter
sich gezwungen sahen, durch Stickereien und Wirkereien ihr Brot zu
verdienen. Mit den Frauen des handarbeitenden Volkes teilten sie das
gleiche Schicksal: die Not trieb sie zur Arbeit; und sie hatten auch
noch ein anderes mit ihnen gemein: den Mangel jeglicher Vorbildung zu
einem Erwerbsberuf. Aber während für jene, dank der Entwicklung der
Technik und des Maschinenwesens, in der Armee der Industriearbeiter
Platz genug vorhanden, und ihre, wenn auch ungelernte Arbeitskraft, eine
begehrte war, standen diese vor geschlossenen Thüren, vor denen
Unbildung und Vorurteil Wache hielt. Die Arbeiterin kämpfte bereits in
Reih und Glied mit dem Mann den harten Kampf ums Dasein, während die
Frau der Bourgeoisie sich erst ihren Platz neben dem Mann zu erringen
hatte. Aus diesem Umstand erklärt sich die oft bis zu Gegensätzen sich
steigernde Verschiedenheit der bürgerlichen und der proletarischen
Frauenbewegung und auch, die Notwendigkeit, beide getrennt voneinander
zu behandeln.
Die Frau der Bourgeoisie wurde für das Haus und für die Geselligkeit
erzogen. Auch die erweiterte Bildung, die die neue Zeit für sie
forderte, und die über den Religions- und Haushaltungsunterricht des
Mittelalters hinausging, hatte nur den Zweck, die geselligen Talente zu
unterstützen und dem Mann eine verständnisvollere Gefährtin zu sein.
Die erste Stelle unter den Vorkämpfern der Reform der Mädchenerziehung
nahm Fénelon ein.[219] Seine pädagogischen Grundsätze veranlaßten Frau
von Maintenon, in St. Cyr die erste höhere Mädchenschule zu gründen, die
insofern noch ein besonderes Interesse beansprucht, als sie zugleich die
erste Anstalt war, die, durch Ausbildung von Erzieherinnen, der
beruflichen Thätigkeit der Frau die Wege bahnte.[220] Aber sie war nur
eine Oase in der Wüste und entsprach so wenig der Zeitströmung, daß sie
bald auf das jämmerliche Niveau der üblichen Mädchenschulen herabsank,
und Putz, Tanz und Konversation ihr wesentlicher Unterrichtsstoff blieb.
Ihrer deutschen Nachahmung, dem Gynäceum A.H. Franckes, erging es nicht
anders. Er, der einfache, fromme Mann, mußte es sich gefallen lassen,
daß auch seine Gründung, wie damals alle Erziehungsanstalten für
Mädchen, in die Hände französischer Gouvernanten fiel, die Modepüppchen
darin dressierten.[221] Die französische Sprache, die Umgangssprache der
höheren Stände, trat überall in den Mittelpunkt des Unterrichts.
Französische Erzieher und Erzieherinnen, deren einzige Kenntnis meist
ihre Muttersprache war, wurden in jedem Hause, dessen Bewohner auf
"Bildung" Anspruch machten, gesucht. Viele zweideutige Existenzen
gelangten besonders in Preußen, wo Friedrichs II. Vorliebe für die
französische Sprache maßgebend war, zu derartigen Stellungen. Die
Bildung, die sie vermittelten, war noch ungesunder und oberflächlicher
als die des Mittelalters. Eine Reaktion gegen die herrschende Strömung,
gegen die Ausschließung des weiblichen Geschlechts von allen ernsteren
Kenntnissen, gegen sein einseitiges Interesse für Putz und Tand,
Spielerei und Liebelei, war unausbleiblich. Sie wird in Deutschland
durch Gottsched und seine Schule gekennzeichnet und--gerichtet. Denn
statt eine durchgreifende Umwandlung der Erziehung der Mädchen
anzustreben, beschränkte er und sein Kreis sich auf die Treibhauskultur
einzelner weiblicher "Dichter" und "Gelehrten", die mehr als die
geputzten Dämchen der höfischen Salons für den niedrigen Stand
weiblicher Geistesentwicklung Zeugnis ablegten.[222] Die häufigen
Krönungen von Dichterinnen, ja selbst manche Promotionen weiblicher
Doktoren muten uns heute wie eine grausame Satire an. Es wäre aber
durchaus verkehrt, die Schuld daran Einzelnen zuzuschreiben: noch war
für die Frauen die Bildung nur ein äußeres Schmuckstück, Kunst und
Gelehrsamkeit nur ein Mittel, um in geistreichen Salons zu glänzen.
Vertiefung, ernste Arbeit war erst da zu erwarten, wo sie zu einer
Berufsthätigkeit die Grundlage zu schaffen hatten, daß sie anfingen, aus
diesem Grunde notwendig zu werden, erkannten Tieferblickende nach und
nach. So schrieb Basedow schon im Jahre 1770: "Die meisten, die von
Erziehung der Töchter schreiben, geben denselben so viel Anmut oder so
glückliche Umstände, daß man an ihrer baldigen Verheiratung nicht
zweifeln darf. Aber giebt es denn keine häßlichen und gebrechlichen
Töchter? Keine, die in ihrem Stande der Armut halber, nach den jetzigen
Sitten in Gefahr sind, von einem würdigen Manne nicht begehrt zu
werden?" Er giebt danach den "Eltern von Stande, die kein Vermögen
besitzen", den Rat, ihre Töchter nicht wie bisher allein im Hinblick auf
die Ehe zu erziehen, sondern ihnen eine Bildung zu geben, die es ihnen
ermöglicht, als Lehrerinnen und Gesellschafterinnen einmal ein
Unterkommen zu finden.[223] Sein mutiger Ausspruch, den bisher viele
gefühlt, aber niemand zu thun gewagt hatte, fiel auf fruchtbaren Boden.
So manches unbefriedigte, einsame Mädchen schuf sich im Lehrberuf einen
befriedigenden Wirkungskreis, und trug, indem es sich selbst half, dazu
bei, daß seinem vernachlässigten, unwissenden Geschlecht geholfen wurde.
Als die hervorragendste ihrer Art sei Karoline Rudolphi genannt, die
nach entbehrungsreicher Jugend und Jahren inneren Kampfes zu dem
Entschluß kam, Erzieherin zu werden und schließlich in Hamburg eine
Mädchenschule gründete, die Vorbild mancher anderen wurde. Ihre
Erziehungsgrundsätze hat sie in ihrem Buche: "Gemälde weiblicher
Erziehung" niedergelegt; sie gipfeln in dem Ausspruch: "Lasset euere
Kinder Menschen werden!"[224] Erziehet die Mädchen nicht zuerst zu Damen
und Hausfrauen, sondern zu tüchtigen Menschen, die im Notfall auch
allein durchs Leben gehen können, die nicht zu verzweifeln brauchen,
wenn die führende Hand des Mannes fehlt.
In schroffem Gegensatz steht Karoline Rudolphi zu ihrer Zeitgenossin,
Madame de Genlis, die die Mädchen nur für die Ehe, nur für den Mann
erziehen wollte, die in der Bildung nichts als ein Mittel, die
Langeweile zu bekämpfen und dem Müßiggang vorzubeugen, sah und in
logischer Konsequenz zu dem Schlüsse kam: "Das Genie ist für die Frauen
eine gefährliche und nutzlose Gabe, es entfremdet sie ihrer Bestimmung
und läßt sie diese nur als drückend empfinden."[225] Die Verfasserin,
die typische Erzieherin ihrer Zeit und ihres Volkes, sprach damit aus,
was die Ansicht dessen war, der für die nächsten Dezennien die Geschicke
der Welt in seinen eisernen Händen hielt: Napoleons. Wie Rousseau sah er
in den Frauen nur Mütter; zu solchen, zu Gebärerinnen und Erzieherinnen
eines Geschlechts von Helden, wollte er sie erzogen wissen. Und so
schroff und festgewurzelt war seine Meinung, daß er allen geistreichen
und gelehrten Frauen mit Widerwillen begegnete, einem Widerwillen, der
sich bis zu dem kleinlichen Kampf gegen Madame de Staël steigern konnte.
Aber ebenso wie man, besonders außerhalb Frankreichs, über dem Eroberer
den Reformator zu vergessen pflegt, so vergißt man auch über dem Gegner
der Frauenemanzipation den Beförderer einer verbesserten
Mädchenerziehung. Die Mädchenpensionate der Madame Campan in St. Germain
und Ecouen fanden seinen lebhaftesten Beifall und unter seinem Einfluß
entstanden in Italien die ersten höheren Mädchenschulen. Er scheute sich
sogar nicht, eine Frau in ein öffentliches Amt einzusetzen, wo er
glaubte, daß sie die Erziehung der Mädchen günstig beeinflussen könnte:
1810 wurde Madame de Genlis Schulinspektorin in Paris.[226] Irgend
welche staatliche Hilfe den Mädchenschulen angedeihen zu lassen, lag
jedoch ganz außerhalb seiner Gedankenrichtung. Aber ein Einzelner, so
allmächtig er auch sein mochte, konnte den Gang der Entwicklung nicht
ändern, noch aufhalten. Die französischen Frauen forderten nachdrücklich
ihr Anrecht an den geistigen Gütern der Nation. Es entstanden immer mehr
Mädchenschulen und 1820 endlich nahm der Unterrichtsminister Duruy, von
allen Seiten gedrängt, das Projekt wieder auf,[227] das schon neunzig
Jahre vorher der Abbé de St. Pierre entworfen hatte, wenn er eine
staatliche Unterstützung der Mädchenerziehung verlangte.[228] Wenn auch
sein Plan zunächst an dem mangelnden Verständnis der Regierung
scheiterte, so faßte die Idee, daß die Gesellschaft die Verpflichtung
habe, auch ihrem weiblichen Teil eine der männlichen annähernd
ebenbürtige Erziehung zu gewähren, immer tiefer Wurzel und die Frauen
selbst nahmen sich ihrer Ausbreitung energischer an. In ihrer vordersten
Reihe kämpfte die Gräfin Rémusat.[229] Von der Voraussetzung ausgehend,
daß die Frau dem Manne nicht untergeben, daß sie als intelligentes
Geschöpf von ihm nicht verschieden und durchaus fähig sei, öffentliche
Berufe auszuüben, hielt sie eine Anpassung der Mädchenerziehung an die
neuen Verhältnisse für notwendig, ja sie sprach schon von der
Zuerkennung einer gewissen Gleichberechtigung an das weibliche
Geschlecht, und forderte von den öffentlichen Verwaltungen, daß sie
neben dem Lehrerinnenberuf, die Ausübung einer geregelten
Wohlthätigkeit den Frauen anvertrauen sollten. Der Kämpfern Arbeit
war's, der hier zum deutlichen Ausdruck kam, und die Zeit, in der die
Frauen zuerst nach ihm riefen, war die Geburtsstunde der bürgerlichen
Frauenbewegung. Sie vollzog sich in merkwürdiger, und doch für den, der
die Geschichte der Menschheitsentwicklung nicht allein aus
Fürstengezänk, Staatsaktionen und Kriegen herleitet, verständlicher
Uebereinstimmung in allen Kulturländern zu gleicher Zeit.
In England, wo schon Daniel Defoe, Mary Astell und Mary Wollstonecraft
den Boden vorbereitet hatten, wo ein Sheridan seine Zeitgenossen mit
glühender Begeisterung auf den Wert der Frauenbildung aufmerksam machte,
denn "von der Geisteskultur der Frauen hängt die Weisheit der Männer
ab", entstanden schon Anfang des neunzehnten Jahrhunderts zwei Vereine,
die sich die Hebung der Mädchenerziehung zum Ziel setzten. Der
praktische Sinn der Engländer erkannte früh, daß die bessere Erziehung
ihrer Töchter von der gründlicheren Ausbildung ihrer Lehrerinnen
abhängig ist. Von solchen, die sich auf Grund ganz unzureichender
Kenntnisse dafür ausgaben, war England überschwemmt, und die Lehrerin
war daher eine komische, oft verachtete Erscheinung, an der Thakeray und
Dickens noch ihren Witz ausließen. Ihr Los war traurig genug: die Not
zwang sie in den einzigen, ihnen offen stehenden Beruf und kümmerlicher
Unterhalt und allgemeine Mißachtung waren ihr Lohn. Erst mit der Zunahme
geregelterer Mädchenschulen änderte sich langsam auch ihre Lage. Frauen,
wie Hannah More und Maria Edgeworth waren hier die Wortführerinnen der
beginnenden Frauenbewegung.
In dem, inzwischen von England mit Hilfe der Frauen abgefallenen
nordamerikanischen Staatenbunde machten sich gleiche Bestrebungen
geltend, weil auch hier die Schäden dieselben waren. Die Vorteile, die
die tapferen Kämpferinnen der Befreiungskriege für ihr Geschlecht
errungen hatten, waren entweder dürftig von Anfang an oder mit der
ebbenden Begeisterung wieder verschwunden. Die wenigen Mädchenschulen,
die im Anfang des Jahrhunderts überhaupt bestanden, waren nur während
der Hälfte des Jahres geöffnet und auch dann nur zwei Stunden am Tag,
während die Knaben, die dasselbe Schulhaus besuchten, Freistunden
hatten. Die reaktionärsten Ansichten der alten Welt, die das Mädchen
allein auf das Haus verwiesen, fanden in der neuen die allgemeinste
Vertretung, um so mehr als hier der Umstand viel weniger ins Gewicht
fiel, der der Frauenbewegung Europas den Anstoß gab: der Zwang zur
Erwerbsarbeit. Als daher Emma Willard für die höhere Bildung ihres
Geschlechts eintrat, stieß sie auf Spott und heftigsten Widerstand. Als
sie aber im Jahre 1821, ohne noch länger auf das allgemeine Wohlwollen
ihrer Landsleute zu rechnen, in Troy das erste Mädchenseminar gründete,
zeigte es sich, daß es eine Notwendigkeit gewesen war, denn es fand
zahlreichen Zuspruch und vielfache Nachahmung.[230] Emma Willards Schule
ist der Grundstein des ausgedehnten Gebäudes weiblicher Bildung
geworden, das heute Amerika schmückt. Zu gleicher Zeit begann eine
andere Frau ihre öffentliche Thätigkeit: Lucretia Mott. Von 1820 an zog
sie ungehindert als Predigerin der Quäker durch die Staaten, nicht nur
eine Missionarin ihrer Religion, sondern auch eine Pionierin der
Frauenbewegung, deren Auftreten allein den Beweis dafür lieferte, daß
die Frau mit derselben Fähigkeit und demselben Erfolg ihren Geist in den
Dienst allgemeiner Interessen stellen kann.
Kehren wir nach Deutschland zurück. Dort waren die Schulverhältnisse,
trotz Francke, trotz Gottsched und Basedow, aufs äußerste verwahrlost.
"Unsere Töchter sind von aller besseren Bildung ausgeschlossen," klagte
ein braver deutscher Mann.[231] "Aus dem ABC-Unterricht werden sie ohne
Gnade an den Kochherd, in die Kinderstube, in das Putzzimmer verstoßen."
Und eine mit seltenem Scharfblick ausgestattete Frau, Helene Unger,
schilderte in ihrem Roman "Julchen Grünthal" die traurige
Pensionserziehung der Mädchen und ihre verderblichen Folgen: Putz und
Spiel, französische Konversation und seichte Lektüre füllten das Leben
des Schulmädchens aus, um später in die nächste Modekrankheit, die
rührselige, vom wirklichen Leben ganz entfremdende Empfindsamkeit
überzugehen.[232] Aber diese Klagen und verurteilenden Darstellungen
waren an sich schon ein Zeichen des Fortschritts. Und es begann in der
That in den Köpfen und Herzen der Frauen ein neuer Geist sich zu regen.
Die klassische Dichtung und die politische Umwälzung waren seine
Erzeuger. Zwar wäre es durchaus verkehrt, von den Frauen aus der
Umgebung der großen Dichter auf alle übrigen schließen zu wollen; erst
ganz nach und nach drangen ihre Werke bis in die dunklen Winkel
bürgerlichen Frauenlebens, erweckten Begeisterung, Sinn für das Schöne
und erhoben die armen Vernachlässigten und Verirrten in eine andere
geistige Lebenssphäre. Dank einer Lotte, einem Gretchen, einem Klärchen
kam die warmblütige Natürlichkeit wieder zu ihrem Recht. Und eine Minna
von Barnhelm, eine Jungfrau von Orleans, eine Maria Stuart führten den
Blick über die Engigkeit des eigenen Lebens hinaus, in das die
Empfindsamen sich in ihrer Selbstliebe eingesponnen hatten. Aber mehr
noch wirkte die drückende Not darauf, die ganz Deutschland in einen
Trauermantel hüllte. Die Frauen, deren Väter und Brüder, deren Gatten
und Söhne unter den Waffen standen, verloren nicht nur den Sinn für die
Tändeleien früherer Jahrzehnte, sie lernten auch teilnehmen an den
großen Interessen, die die Welt bewegten. Die Mode des Destillierens der
gegenseitige Gefühle, der endlosen Gespräche über sentimentale
Romanheldinnen, machte der Unterhaltung über die Ereignisse des Lebens
Platz. Rahel Varnhagens Kreis[233] ist das bekannteste Beispiel für die
belebende Wirkung des neuen Geistes. Die langatmigen Briefwechsel
zwischen Freunden und Freundinnen zeugen dafür, daß er überall
durchbrach, und mit ihm regte sich das Bedürfnis nach einer gründlichen
Aenderung der Mädchenerziehung. Verarmte und vereinsamte Bürgerfrauen
fanden sich genug, die nach einer Lebensstellung Umschau hielten und
denen nichts anderes offen stand, als der Lehrerinnenberuf. Denn wenn
auch eine Charlotte von Siebold zum Doktor promoviert worden war und
seit 1817 ungehindert in Darmstadt praktizierte, sie stand allein; es
fehlte ihren Geschlechtsgenossinnen die Möglichkeit der Vorbereitung zum
Studium. Aber das Verlangen nach vertiefterer Bildung der Töchter und
das Bedürfnis nach einem Erwerb der Alleinstehenden begegneten sich und
führten zwischen 1800 und 1825 zur Gründung eine Reihe von
Töchterschulen, die teils ganz durch private Mittel, teils mit
Unterstützung der Gemeinden entstanden.[234]
Zweite Periode. Das Eindringen der Frauen in bürgerliche
Berufssphären.
Der folgenreichste Schritt auf dem Gebiete der Erziehung wurde von jenem
Lande gethan, das es nicht erst nötig hatte, seine Kräfte durch mühsames
Ueberbordwerfen des Ballastes der Vergangenheit abzunutzen, von Amerika,
wo Horace Mann die Grundlage zu einem neuen Schulsystem legte. Dem immer
dringenderen Verlangen nach einer der der Knaben gleichen
Mädchenbildung, konnte man, bei der dünnen Bevölkerung des Landes, durch
Gründung besonderer Mädchenschulen nicht nachkommen. So wurde denn aus
der Not eine Tugend gemacht und in den neu entstehenden Freien
Normalschulen Co-Education eingeführt. Die weittragende Bedeutung des
gemeinsamen Unterrichts der Geschlechter hatte sich Horace Mann, der
mehr einem praktischen Bedürfnis entgegenkommen wollte, nicht klar
gemacht. Nicht nur, daß auch höhere Schulen, in der Art unserer
Gymnasien, nach diesem Vorbild eingerichtet wurden,--Oberlin-College in
Ohio als das erste seiner Art,--schon 1835 rüttelte eine Schar
mutiger Mädchen, die sich mit ihren Schulkameraden die nötige
wissenschaftliche Vorbildung erworben hatten, an den Pforten der alten
Harvard-Universität[235] und kurz darauf begehrte der erste weibliche
Arzt, Harriot K. Hunt, wie sie, vergebens Einlaß.[236] Was ihr verwehrt
wurde, sollte wenige Jahre später der tapferen Pionierin des
Frauenstudiums, Elizabeth Blackwell, gelingen. Sie und ihre Schwester
Emily sahen sich plötzlich, nach dem Tode ihres Vaters, vor die
Notwendigkeit versetzt, nicht nur sich, sondern auch ihre Mutter und
ihre jüngeren Brüder und Schwester zu ernähren. Da kam ihnen die
Erkenntnis der traurigen Lage ihres Geschlechtes. Sie sahen, wie wenige
und schmale Wege zum Erwerb den Frauen nur offen standen und bemerkten
"die Massen der Konkurrentinnen, von denen eine die andere
niederzutreten suchte. Wir beschlossen, lieber einen neuen Pfad für uns
zu entdecken, als in schon überfüllten Berufen einen Platz zu
erobern."[237] Elisabeth wurde, nachdem sie zwölf medizinische Schulen
vergebens um Aufnahme gebeten hatte, Studentin in der Schule von Geneva,
Emily in Cleveland. Diese wurde 1850 erste Aerztin an dem ersten, eben
gegründeten Frauenhospital in New York, jene ging nach England, der
Frauenbewegung dort wie in ihrem Vaterlande Pionierdienste leistend.
Indessen wurde durch Gründung von Lehrerinnenseminarien und Colleges dem
Bedürfnis der weiblichen Jugend mehr und mehr Rechnung getragen. 1860
entstand das erste College nur für Frauen,--Vassar-College,--das von
Anfang an auf einem höheren wissenschaftlichen Standpunkt stand, als die
anderen oft sehr primitiven Institute. Hier war es auch, wo zuerst eine
Frau den wissenschaftlichen Lehrstuhl bestieg: Maria Mitchel wurde als
Professor für Astronomie und Mathematik 1866 nach Vassar berufen. Kurze
Zeit später gestattete der oberste Gerichtshof von Iowa Arabella
Mansfield die Ausübung der Praxis als Rechtsanwalt. Diesen Frauen, im
Verein mit den Schwestern Blackwell, gebührt der Ruhm, in Amerika ihrem
Geschlecht Bahnbrecherinnen geworden zu sein. Als die Universität
Michigan ihm als erste ihre Thore öffnete, war dies gleichsam die
Anerkennung des Beweises, den die Frauen für ihre wissenschaftliche
Befähigung erbracht hatten.
Auch auf dem Gebiet des gewerblichen Unterrichts hatten die Frauen
Erfolge zu verzeichnen. Zwar wurden die ersten Läden, in denen weibliche
Kommis thätig waren, von den sittlich entrüsteten Einwohnern
geboykottet,[238] aber schon zwei Jahre später, 1856, wurde mit privaten
Mitteln die erste Handels- und Gewerbeschule für Frauen in New York
eröffnet. Dem wachsenden Bedürfnis gegenüber war sie jedoch keineswegs
ausreichend. 1859 gründete Peter Cooper, selbst ein Kaufmann, der die
Vorteile weiblicher Arbeit erkannt hatte, eine Schule der Art im
größten Stil, die heute noch besteht und eine Musteranstalt genannt
werden kann. Eine lebhafte Kontroverse über die Zunahme der
Frauenarbeit, ihre Vorteile und Nachteile, entspann sich in der Presse
und wurde durch Broschüren und Bücher über den Gegenstand vertieft und
erweitert. Gail Hamilton und Catherine Cole traten als Agitatoren im
Interesse der Frauen auf und forderten ihre völlige Gleichstellung mit
dem Mann in Bezug auf Unterricht, Beruf und Erwerbsbedingungen.[239]
Epochemachend für ganz Amerika waren die Schriften Virginia Pennys[240],
in denen sie schilderte, unter welch traurigen Bedingungen die Million
arbeitender Frauen, die der Census von 1860 gezählt hatte, zu arbeiten
gezwungen wären, und wie nur eine gründliche Vorbereitung zur
Berufsarbeit ihre Lage zu ändern im stande wäre. Die Agitation, die in
Amerika weniger die Aufgabe hatte, mit heftigen Gegnern zu kämpfen, als
vielmehr Blinden die Augen zu öffnen, hatte überall Erfolg: Colleges und
Gewerbeschulen öffneten sich mehr und mehr den Frauen, ja die
staatlichen und landwirtschaftlichen Schulen, die dadurch ins Leben
gerufen waren, daß der Washingtoner Kongreß von 1862 den einzelnen
Staaten zu diesem Zweck große Ländereien überwiesen hatte, ließen in
immer größerem Umfange Frauen zu. Zum Verständnis für diese, im
Vergleich zu Europa ungewöhnlich frühe Erfüllung der Wünsche der Frauen,
die zwar darum zu kämpfen hatten, aber auf geringeren Widerstand
stießen, muß man sich vergegenwärtigen, daß nicht etwa der größere
Edelmut oder das tiefere Verständnis der Amerikaner für die Bestrebungen
des weiblichen Geschlechts die Ursache davon ist, sondern vielmehr die
Thatsache, daß die Vereinigten Staaten erst auf eine kurze
wirtschaftliche Entwicklung zurücksahen und von einer Ueberfüllung der
Berufe, die den Widerstand der Männer hätte hervorrufen müssen, keine
Rede war.
Im Mutterlande lagen die Dinge anders. Wohl waren schon 1835 Karoline
Herschel und Mary Somerville einstimmig zu Mitgliedern der englischen
Astronomischen Gesellschaft erwählt worden und ihre wissenschaftlichen
Verdienste dadurch zu einer bisher unerhörten Anerkennung gelangt,[241]
aber die allgemeine Lage der "gentlewoman" war noch jahrzehntelang so
gut wie unberücksichtigt geblieben. Zuerst lenkten die traurigen
Verhältnisse, in denen sich die Erzieherinnen befanden, deren mühselige
Lebensarbeit ihnen nicht einmal ein sorgenloses Alter sicherte, die
Aufmerksamkeit auf sich. Es wurde ein Pensionsverein für Lehrerinnen
gegründet, und nach unermüdlichen Kämpfen der Lehrerinnen selbst, die
längst eingesehen hatten, daß sie nur auf Grund besserer Leistungen eine
höhere Entschädigung beanspruchen konnten, wurde 1846 das erste
Lehrerinnenseminar eröffnet,[242] dem wenige Jahre später Queens College
und Bedford-College folgten. Das war ein großer Schritt auf dem Wege der
Befreiung der Frauen durch Arbeit, der noch an Bedeutung gewann, als,
wieder infolge zäher Agitation, die bis dahin privaten Anstalten die
Genehmigung der Regierung erhielten. Damit war dem immer noch
verlachten, als unweiblich bekämpften Brotstudium der Frau die erste
öffentliche Sanktion erteilt worden. Es hatte dazu noch einer stärkeren
treibenden Kraft bedurft, als der Agitation einiger Frauen; sie fand
sich in den Ergebnissen der Volkszählung 1851. Furchtbare Zustände
deckte sie auf und man stand entsetzt vor der Thatsache, daß über zwei
Millionen alleinstehender Frauen auf Selbsterhaltung angewiesen waren,
ohne daß ihnen die Mittel dazu zur Verfügung standen. Miß Leigh Smith
bearbeitete zuerst in einer aufsehenerregenden Broschüre, Women und
Work, die Ergebnisse der Statistik und schuf in dem Englishwomens
Journal--1875--das Organ der nunmehr kräftig einsetzenden
Frauenbewegung.
Ein neuer Beruf für gentlewomen hatte sich inzwischen aufgethan: die
internationale Telegraphengesellschaft stellte seit 1853 Frauen als
Telegraphistinnen an. Aber ebenso wie in Amerika die zunehmende
Verwendung von Frauen im Lehrberuf, wie Gneist in seiner oben erwähnten
Broschüre ganz richtig sagte, nicht auf humanitäre, sondern pekuniäre
Ursachen zurückzuführen ist, so wurden hier die weiblichen Arbeitskräfte
lediglich ihrer größeren Billigkeit wegen den männlichen vorgezogen.
Die kapitalistische Gesellschaft stürzte sich wie ein Raubtier auf seine
Beute, auf die ihr durch die Not entgegengetriebenen Opfer. Der
bürgerlichen Frauenbewegung fehlte dafür aber das Verständnis. Sie
jubelte nur über jede neue Möglichkeit, ihre nach Arbeit suchenden
Schutzbefohlenen unterzubringen.[243] Neue Arbeitsgebiete zu schaffen,
mußte auch in diesem Stadium der Entwicklung ihr wesentlichstes
Bestreben sein.
Die Universitäten waren den Frauen noch verschlossen; wie Miß Hunt in
Amerika ein Jahrzehnt früher, so hatte Miß Jessie Meriton 1856 in
England den ersten vergeblichen Versuch gemacht, zugelassen zu
werden.[244] Der ersten Engländerin von Geburt, die im Ausland Medizin
studiert hatte, Elisabeth Garret, gelang es erst 1865 nach langen
Kämpfen, das Recht zu erringen, als Lizentiat der Apothekergesellschaft
zu praktizieren. Dieser Weg war also vorläufig für die Masse der Frauen
ungangbar. Es mußten andere, die schneller zum Ziele führten und von
vielen betreten werden konnten, gefunden werden. Zu diesem Zweck
entstand im Jahre 1859 unter Leitung von Miß Jessie Boucherett die
Society for Promoting the Employment of Women. Sie setzte sich
ausdrücklich das Ziel, den notleidenden Frauen der Bürgerklasse--den
gentlewomen--Hilfe zu bringen. Sie eröffnete Unterrichtskurse für
Handelsangestellte, Zeichnerinnen, Photographinnen, Holzschneiderinnen,
Lithographinnen, Kunststickerinnen u. dergl. und es strömten ihr nicht
nur die Schülerinnen zu, sie fanden auch, einmal ausgebildet, leicht ein
Unterkommen. Während es 1851 in ganz England keine Photographin und
keine Buchhalterin und nur 1742 Verkäuferinnen gab, zählte man 1861
bereits 308 Buchhalterinnen, 130 Photographinnen und 7000
Verkäuferinnen, und 1871 war allein die Zahl der Buchhalterinnen auf
1755 gestiegen.
Englands Beispiel wirkte anregend auf das Festland, wo dieselben
Zustände Abhilfe forderten. In Schweden stellte sich die Frauenzeitung
Tidskrift for Hennet an die Spitze der Bewegung; höhere Unterrichtskurse
für Mädchen, eine Handelsschule und ein Lehrerinnenseminar entstanden in
den Jahren 1859 bis 1861. Selbst Rußland wurde vom Zuge der Zeit
berührt. Nach heftiger Agitation, besonders seitens der Lehrerinnen,
deren Bildungsgrad ebenso niedrig war, wie ihr Einkommen, entschloß man
sich schon 1867, Universitätskurse für Frauen einzurichten. Schon ein
Jahr später promovierte Barbara Rudnewa als Dr. med. an der
medico-chirurgischen Akademie in Petersburg.[245] Zu gleicher Zeit
machte ihre Landsmännin, Nadjesda Suslawa in Zürich, wo Frauen nur als
Hörerinnen hie und da zugelassen worden waren, ihr Doktorexamen.[246] In
Holland und Belgien wirkten seit 1865 Vereine für den gewerblichen
Unterricht der Frauen; die Zulassung der Frauen zum Apothekerberufe war
ihr erster praktischer Erfolg in den Niederlanden[247]; die Errichtung
einer Handels- und Gewerbeschule in Brüssel ihre erste That dort.[248]
Der fruchtbarste Boden jedoch für die sich anbahnende Umwälzung war der
von politischen Stürmen wie von einer Pflugschar immer wieder
aufgewühlte Frankreichs. Als die Julirevolution ausbrach, kam der
Gedanke an die Befreiung auch der Frauen aus langer Knechtschaft aufs
neue deutlicher zum Ausdruck und erregte die Frauenwelt selbst aufs
tiefste. Die alte Forderung der politischen Emanzipation trat wieder in
den Vordergrund, und der Saint-Simonismus warf einen neuen Zündstoff in
die Welt, indem er die Befreiung der Frau von der männlichen Tyrannei
auch auf dem Gebiete des Geschlechtslebens verkündete. Eines der
interessantesten Dokumente der Zeit ist die von 1832 bis 1834 in Paris
erschienene Zeitschrift: La Femme nouvelle. Die neue Frau, die darin
geschildert wird, deren Existenzmöglichkeit durch Umwandlung der Gesetze
und Sitten gesichert werden sollte, forderte auch ihr Recht auf Arbeit,
als Grundlage wahrer Befreiung. Als dann vom Jahre 1836 ab Madame
Poutret de Mauchamps an der Spitze der französischen Frauenbewegung
trat, begann sie systematisch vorzugehen. La Gazette des femmes wurde
ihr Organ, ein treues Spiegelbild ihres Wachstums. Die Eröffnung der
Universitäten, die Zulassung der Frauen zu höheren Berufen, das waren
die Forderungen, mit denen sie nunmehr ihren Feldzug eröffnete und die
Gründung einer Gesellschaft zur Hebung der Lage der Frauen,--der ersten
ihrer Art,--war ihr nächster praktischer Erfolg.[249] Ein ideeller
Erfolg aber von weittragender Bedeutung war das wachsende Interesse, mit
dem Männer der Wissenschaft sich der Frauenfrage zuwandten. So hielt
Ernest Legouvé im Jahre 1847 im Collège de France eine Reihe von
Vorlesungen über die moralische Geschichte der Frauen[250], in denen er
durch die Schilderung ihrer traurigen Lage den größten Eindruck
hervorrief. "Keine öffentliche Erziehung, kein gewerblicher Unterricht
für die Mädchen; das Leben ohne Heirat eine Unmöglichkeit für sie, und
die Heirat ohne Mitgift unmöglich", rief er aus, und malte mit dunklen
Farben das Los der armen Töchter der Bourgeoisie, denen nur das Kloster,
der Beruf der Gesellschafterin und Lehrerin, oder das entehrende
Bettlerleben bei begüterten Verwandten übrig blieb. Er forderte für sie
Zulassung zum ärztlichen Beruf und wünschte ihre staatliche Anstellung
als Schul-, Gefängnis- und Fabrikinspektoren,--eine Forderung, über
deren Berechtigung noch ein halbes Jahrhundert später, in gewissen
Ländern noch immer gestritten wird! "Die Arbeit, das heißt Freiheit und
Leben" war für ihn der Ausgangspunkt und das Ziel der Emanzipation. Das
Gesetz von 1850, wonach alle Kommunen von 800 Seelen an verpflichtet
wurden, mindestens eine Mädchenschule zu gründen[251], und die den
Frauen erteilte Erlaubnis, den Vorlesungen des Collège de France
beizuwohnen, können als Erfolg der von Legouvé mit getragenen Agitation
betrachtet werden. Die Reaktion nach 1848 hinderte bald jede lebhaftere
Vorwärtsbewegung. Die höhere Mädchenerziehung, die einen so
vielversprechenden Aufschwung genommen hatte, litt besonders schwer
unter der rapiden Zunahme der Erziehungsklöster, die die Revolution von
1789 völlig unterdrückt und Napoleon auf das äußerste beschränkt hatte.
Ihre Konkurrenz war für die weltlichen Pensionen fast vernichtend; nicht
nur daß die Bourgeoisie die gut eingerichteten, von Gärten umgebenen,
Vorteile aller Art bietenden Klöster den engen, dunklen weltlichen
Erziehungsanstalten für ihre Töchter vorzog, auch die Lehrerinnen
vermochten sich den Klosterschwestern gegenüber kaum zu behaupten. Die
Unterlehrerinnen in den Pensionaten mußten Dienstbotenarbeit mit
übernehmen und erreichten kaum ein Gehalt von 200 Frs. im Jahr und die
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