Spinnerei: Mit heißem Wasserdampf ist die Luft gesättigt, auf dem
Steinboden steht das Wasser, ein ekelhafter Geruch erhebt sich aus dem
Spinnwasser, das die Abfälle und leimigen Substanzen des Gespinstes
aufnimmt. Mit Händen und Vorderarmen arbeitet die Spinnerin in der
unreinen, klebrigen Flüssigkeit; eiternde Geschwüre an Händen und Armen,
schwere Augenentzündungen stellen sich infolgedessen häufig ein. Mit
bloßen Füßen steht sie auf dauernd nassem Boden, ungenügend bekleidet
vertauscht sie dann den Aufenthalt im glühenden Arbeitsraum womöglich
mit der Winterkälte draußen,--rheumatische Krankheiten,
Unterleibsentzündungen sind die Folge.[539] Dauernder Druck auf
besonders empfindliche Teile führen zu frühzeitigen Erkrankungen der
Geschlechtsorgane.[540] In kleineren Betrieben wird zur Entfettung roher
Wolle fauliger Urin verwendet. Ein pestilenzialischer Geruch erfüllt
daher die Luft, Ekzeme, Furunkeln zeigen sich an den Händen der
Arbeiterinnen. Wo man zu demselben Zweck Schwefelkohlenstoff gebraucht,
treten Vergiftungserscheinungen auf, die bis zur völligen geistigen
Umnachtung führen können.[541] In den Wollkämmereien herrschen tropische
Glut und ekelerregende Ausdünstungen; die Gasräume der Seidenfabriken
wetteifern mit ihnen, was die Hitze betrifft, und vergiften die
Arbeiterinnen durch das Ausströmen des Gases.[542] Die Fabrikation von
Kunstwolle und von grauer Watte erweist sich als ein Herd furchtbarer
Krankheiten: Die Verlesung der Lumpen, aus denen die Kunstwolle gemacht
wird, wirbelt Millionen Bakterien auf, Infektionskrankheiten schlimmster
Art, chronische Bronchialkatarrhe überfallen heimtückisch die
Arbeiterinnen, die sogenannte Hadernkrankheit, die mit starkem Fieber
beginnt und im Starrkrampf endet, tötet sie in wenigen Tagen. Das
Sortieren der Abfälle zur Herstellung grauer Watte ist noch ekelhafter:
findet sich doch sogar gebrauchte Verbandwatte darunter![543] Mit
wunden, eiternden Fingern stehen die Andreherinnen in den Webereien am
Webstuhl, bis die Kraft sie verläßt[544]; zerstörend wirkt das Blei, das
in gefärbter Baumwolle sich meist befindet, auf die Weberinnen, und
stärker noch auf die Arbeiterinnen in der Spitzenfabrikation. Wohl giebt
es gefahrlose Mittel, um den feinsten Erzeugnissen der Textilindustrie
Glanz und Appretur zu verleihen, aber sie sind teuer und so wird
Bleiweiß dazu verwandt, ohne Rücksicht auf Leben und Gesundheit; den
Unternehmer ficht es nicht an, ob seinen "Händen" die Arbeit entsinkt,
er findet Ersatz genug! In Webereien, in der Fabrikation von Kartons und
buntem Papier und künstlichen Blumen, bei der Polierarbeit in der
Fabrikation eiserner Bettstellen strömt das Gift in die Atmungsorgane,
in die Poren der Frau und wird mit ihren Kleidern in ihr Heim getragen;
ja es kommt vor, daß sie es mit dem Essen zu sich nimmt, weil kein
anderer Raum als der Arbeitssaal ihnen dafür zur Verfügung steht.[545]
Koliken, Magenerkrankungen, Kopfleiden sind die Folge. In den
Bleiweißfabriken erreichen diese Leiden den höchsten Grad: epileptische
Krämpfe, Erblindungen, teilweiser Verlust der Sprache sind Zeichen des
letzten Stadiums der Bleivergiftung, die zum Wahnsinn oder zum Tode
führen kann.[546] Der Schwefelkohlenstoff in der Kautschukfabrikation
führt zu ähnlichen Erscheinungen, nur mit der Variation, daß Lähmungen
der Geschlechtsorgane schließlich hinzutreten können.[547]
Eine große Zahl von Frauen beschäftigt, wie wir gesehen haben, die
Tabakindustrie. Ihre Arbeiter sind die am schlechtesten bezahlten und
die schwächsten von allen. Schon nach den ersten sechs Monaten der
Beschäftigung erkranken von 100 72 an Nikotinvergiftung. Besonders bei
den jüngeren Arbeiterinnen stellen sich als Folge Nerven- und
Magenleiden und Erkrankungen der Geschlechtsorgane ein.[548] Wie dies
Gift den Körper von innen zerstört, zerstört das Phosphor in der
Zündholzfabrikation ihn von außen: zu einer grauenhaften Maske wird das
Antlitz der Frau durch die Kiefernekrose, die zuerst die Zähne und dann
den Kiefer zerfrißt.[549]
Wir sind noch nicht am Ende: Die Zieglerkrankheit, die Anämie, ergreift
männliche wie weibliche Ziegelarbeiter, besonders, wenn ihr Schlafraum
sich auf der Oberfläche von Ringöfenanlagen befindet, aus denen
unaufhörlich giftige Dämpfe entweichen. Die Lunge der Porzellanarbeiter,
besonders der Frauen, die den Arbeitsraum auskehren, füllt sich durch
Einatmung des scharfen Kieselstaubes mit förmlichen Steinen,
schwärzliche Steine bilden den Auswurf.[550] Kein Leiden aber erreicht
das der Quecksilberarbeiterin: sehr bald schon wird ihr Gesicht
aschfahl, die Augen trüb, der Gang schwankend, wie der eines
Rückenmarkleidenden. Bei dem Anblick eines Fremden überfällt sie
konvulsivisches Zittern; das kärgliche Mahl vermag sie kaum zum Munde zu
führen, die Sprache versagt oft ihre Dienste, in erschreckender Weise
nehmen die Geistesfähigkeiten ab, bis zum letzten Stadium, dem Blödsinn.
Jeder geht ihr aus dem Wege, denn der Speichelfluß macht ihren Anblick
widerlich und vor dem Hauch ihres Mundes prallt man zurück.[551]
Aber nicht nur die Gifte vernichten Gesundheit und Körperkraft. Dem
"schwachen" Geschlecht werden Lasten auf die Schultern gelegt, die es zu
Boden werfen. In Steinbrüchen, Porzellanfabriken, Ziegeleien, selbst bei
Bauten schleppen oder schieben sie schwerbeladene Tröge und Schubkarren;
in Zuckerfabriken tragen sie täglich während zehn Stunden bis zu 800 je
16 Kilogramm schwere Kisten zu den Schlagmaschinen.[552] In den
Spinnereien und Webereien stehen sie oft während elf und zwölf Stunden;
geschwollene Füße, Krampfadern, Nieren- und Unterleibsleiden zeugen
davon.
Und nun jener eigentlichste Frauenberuf: die Maschinennäherei! In
gebückter Stellung sitzen die Armen an ihrer rasselnden Tyrannin,
unausgesetzt bewegen sich die Beine auf und nieder. Junge und Alte,
Kranke und Gesunde--alle glauben sich fähig zu dieser mörderlichen
Arbeit, die schließlich auch die stärkste Konstitution untergräbt. Ein
Lyoner Fabrikant sagte einmal: "Ich beschäftige nur Mädchen von sechzehn
bis achtzehn Jahren an der Nähmaschine, sind sie erst zwanzig, so sind
sie reif für's Hospiz."[553] Und er hat nicht übertrieben. Die
Bleichsucht in all ihren Stadien, Unterleibsleiden, Lageveränderungen
der Gebärmutter, die eine Mutterschaft fast unmöglich machen,
neurasthenische Erkrankungen aller Art, suchen die Frauen heim als böse
Gäste.[554] Wohl hat die Technik, wie überall so auch hier, ein Mittel
zur Hilfe geschaffen: statt durch die Füße der Näherinnen kann die
Maschine durch Dampf oder Elektrizität in Bewegung gesetzt werden, aber
die Einrichtung ist den Unternehmern nicht lohnend, denn mit derselben
Schnelligkeit fast treibt die durch die Not vorwärts gepeitschte
Menschenkraft die Räder, als die motorische Kraft es thun würde, und
der Profit ist der einzige ausschlaggebende Faktor.
Furchtbarer als Dantes Hölle ist diese Welt der Arbeit, bevölkert mit
bleichen Gestalten, die sich auf wunden Füßen nur schwer fortbewegen,
deren Hände, aus denen Behaglichkeit, Wärme, Schönheit, Nahrung,
Kleidung für die glücklicheren Menschen hervorgehen, bluten und
schwären, deren Rücken gekrümmt, deren Glieder zerfressen sind von
Giften, aus deren irren Blicken oft der Wahnsinn starrt. Und doch fehlt
zur Vollendung des Bildes noch eins: dichte Wolken von Staub umhüllen
die Gestalten,--Staub aus scharfem Metall, aus Pflanzenfasern und
Tierhaaren, mit Gift und Krankheitskeimen durchsetzt. Er verdichtet sich
vor unseren Augen zu dem riesigen, hohlwangigen Gespenst, das in den
Proletariervierteln sein Wesen treibt: der Lungenschwindsucht. Wer kann
sagen, in welchem Industriezweig es am meisten zu Hause ist: bei den
Textilarbeitern, bei den Tabakarbeitern, bei den Töpfern?! Es herrscht
überall, wo die Jagd nach Gewinn rücksichtslos über Menschenleichen
dahinbraust!
Kann es noch schwereres Leiden geben, als das, was an uns vorüberzog? O
ja; und es findet sich dort, wo es die Frau nicht mehr allein, sondern
durch sie auch ihre Kinder trifft. Das Mädchen träumt noch von der
Zukunft; es glaubt, die Ehe wird sie aus dem Arbeitsjoch erlösen, darum
bringt es seinem Beruf bei weitem nicht das Interesse entgegen, das der
Mann ihm entgegenbringt, für den er zum ausschließlichen Lebensberuf
werden soll; die Frau aber hat keine Hoffnung mehr auf Befreiung. Und
ihre Not verschärft sich ins unerträgliche durch den Anblick der Not
ihrer Kinder. Wie häufig hört man angesichts des Elends sagen: Die Leute
sinds nicht anders gewöhnt, sie spüren es nicht. So richtig es nun auch
sein mag, daß die im Elend Geborenen nicht die Empfindung dafür haben,
wie die, welche erst hineingestoßen wurden, so falsch ist es, daß irgend
eine Mutter in der Welt, und wäre es die allerärmste, sich jemals an das
Leid ihrer Kinder gewöhnen wird. Kinderleid ist das größte auf Erden,
weil es die Unschuldigen und die Wehrlosen trifft.
Nach allgemeiner Annahme kann in Deutschland eine aus Mann, Frau und
zwei Kindern bestehende Arbeiterfamilie mit 1500 Mk. im Jahre die
notwendigsten Bedürfnisse decken.[555] Eine auskömmliche Lebenshaltung,
bei der aber von einer Befriedigung höherer Bedürfnisse,--Kunst,
Theater, Natur,--auch nur in ganz geringem Umfang die Rede sein kann,
ist erst mit einer jährlichen Einnahme von 2000 Mk. möglich.[556] Es
müßte demnach für den ersten Fall eine tägliche Einnahme,--ohne
Unterbrechung!--von fünf Mark, im zweiten eine von fast sieben Mark
gesichert sein. Das davon nur in Ausnahmefällen die Rede sein kann,
lehrt ein Blick auf unsere Lohntabellen. Aeußerst selten nur erreicht
der Mann allein solch einen Verdienst, aber selbst die Mitarbeit der
Frau, die sich, nach diesem Maßstab gemessen, als unbedingt notwendig
erweist, kann ihn nicht gewährleisten. Einnahmen von 800 bis 1000 Mk.
gelten in Proletarierkreisen schon als gute. Sie sind vollständig
unzureichend und auch die von 1000 bis 1500 Mk. sind es, sobald mehr als
zwei Kinder zu erhalten sind. Es klingt geradezu wie Wahnsinn, und doch
ist es Thatsache: je mehr Kinder die Familie besitzt, je mehr also die
Mutter zu Hause nötig ist, desto notwendiger muß sie in die Fabrik. Und
doch kann sie sich und ihren Kindern dadurch noch kein einigermaßen
behagliches Leben erkaufen. Der Grund- und Boden- und der Häuserwucher
verschlingt zum großen Teil, was sie erwirbt, und läßt ihr dafür eine
elende Behausung, die den Namen Wohnung nicht verdient. Schon im Jahre
1880 wurde in deutschen Großstädten eine erschreckende Zahl
übervölkerter Wohnungen konstatiert[557]; die Untersuchungen des Vereins
für Sozialpolitik deckten entsetzliche Zustände auf, die vielleicht nur
noch von denen in Wien übertroffen wurden.[558] Hier wurde z.B. ein
Zimmer mit Küche von einer Witwe mit sechs Kindern und zwei Schlafleuten
bewohnt, die sich alle in drei Betten, einem Kinderbett und einem Sofa
teilten; in einer Kammer mit einem einzigen Fenster nach dem Flur hauste
ein Ehepaar mit vier Kindern, in einer anderen von 13 qm Bodenfläche,
fand sich eine siebenköpfige Familie! Parterrewohnungen in
Hinterhäusern, die mit dem engen Hofe auf gleicher Höhe liegen, im
Sommer heiße, im Winter eisigkalte Dachkammern, Wohnungen mit nur einem
heizbaren Raum, oder ganz ohne Küche, sogenannte Kochstuben, als
einzigen Raum[559],--das sind die Wohnungen, in denen das Familienleben
der Arbeiter sich abspielen und gedeihen soll! Und doch sind auch diese
vielfach noch unerschwingbar für ihren schwindsüchtigen Beutel. In
Nürnberg kostet der qm Wohnraum in den kleinsten Wohnungen 7,70 Mk., in
den größten 4,36 Mk., in Basel im mittleren Stockwerk 3,04, im
Dachgeschoß 4,15 Mk.[560] In den Fabrikstädten Nordböhmens kostet ein
cbm Luftraum jährlich nur um eine Kleinigkeit weniger, als in den
Palästen der Wiener Ringstraße.[561] Nach einer Zusammenstellung des
Gewerbeaufsichtsbeamten für Sachsen-Koburg-Gotha schwankte die Summe,
die der Arbeiter zur Bestreitung seiner Wohnungsmiete zu verausgaben
hat, zwischen 20 und 38 % seines Arbeitslohnes; er müßte bis zu 57 Tagen
arbeiten, um allein den Mietspreis zu verdienen, während für die
begüterten Schichten der Bevölkerung die Ausgabe für Wohnungsmiete im
allgemeinen mit zehn bis höchstens zwanzig Prozent des Einkommens
angesetzt wird.[562] Die Armen haben also für ihre elende Wohnung
relativ mehr zu bezahlen, als die Reichen, und sind daher gezwungen, sie
mit Fremden, Aftermietern und Schlafleuten zu teilen, ihre Kinder nicht
nur ohne Luft und Licht aufwachsen zu lassen, sondern sie auch noch der
moralischen Vergiftung auszusetzen. Und wie sieht der Haushalt aus, wenn
die Hausfrau in die Fabrik gehen muß. Am frühen Morgen, häufig ehe die
Kinder erwachen, muß sie zur Arbeitsstelle eilen. Die ein- bis
einundeinhalbstündige Mittagspause, die ihr in Deutschland gesetzlich
gewährleistet wird, reicht nicht immer aus, um heimzukehren, und
niemals um, wie die Gewerbeordnung prahlend sagt, den Haushalt zu
besorgen. Bestenfalls wird das abends vorher zusammengekochte Essen
aufgewärmt, oder das vom Morgen an langsam auf dem Grudeofen brodelnde
auf den Tisch gestellt, in beiden Fällen ist aus den an sich schon
minderwertigen Speisen der Nährwert entflohen. Am häufigsten begnügt
sich die ganze Familie bis zur Heimkehr der Mutter am Abend mit
Butterbrot und Kaffee, dann erst bereitet die übermüdete Frau die
Hauptmahlzeit, dann erst, nach zehn-, elf-, auch dreizehnstündiger
Arbeit, beginnt ihre häusliche Thätigkeit. Sie näht und flickt und
wäscht und scheuert, wenn sie gewissenhaft ist, so daß ihr kaum fünf
Stunden zum Schlafen übrig bleiben. Vorzeitiges Altern, geistige und
körperliche Erschöpfung sind die Folgen. Oder sie kümmert sich um nichts
mehr, wenn die Arbeit sie schon stumpfsinnig und gleichgültig gemacht
hat: dann verwahrlost die Wirtschaft und die Kinder. Zwischen diesen
beiden Wegen allein hat sie zu wählen! Wie oft sie den ersten wählt,
dafür spricht die Bewunderung, mit der die gewiß wenig enthusiastischen
deutschen Fabrikinspektoren von der Willensstärke, dem Opfermut und der
unermüdlichen Arbeitskraft der verheirateten Arbeiterinnen reden.[563]
Aber selbst mit der Hingabe ihrer Kräfte können sie dem Haushalt nicht
die Leiterin, den Kindern nicht die Mutter ersetzen.
Eine gründliche Statistik der Kinderzahl der Arbeiterinnen giebt es
leider nicht. Die deutschen Erhebungen der Gewerbeaufsichtsbeamten für
das Jahr 1899 sind nach dieser Richtung völlig ungenügend. Nur in
siebzehn Bezirken von 78 wurden Untersuchungen darüber angestellt, und
auch hier handelt es sich lediglich um Stichproben. Sie werfen
aber immerhin genügendes Licht in dieses dunkle Bereich des
Proletarierlebens; die folgende Tabelle bietet eine Zusammenstellung
aller Ergebnisse:
|Anzahl |Von diesen|Von den Kindern waren
Bezirk |der be-| Frauen |---------------------------------
|fragten| hatten |noch nicht| schul-| schul-
|Frauen | Kinder | schul- |pflichtig |entlassen
| | |pflichtig | |
| | | | | | || |
| |absolut|% |absolut|% |absolut| % |absolut| %
---------------+-------+-------+--+-------+--+-------+---+-------+--
Oppeln| -- | 1057 |--|765 |35|886 | 41|509 |24
Magdeburg| 2680 | 1858 |70| 1283 |31| 1878 | 45|996 |24
Minden| 1120 |701 |63|703 |46|804 | 54| -- |--
| | | |`------v-------------´| |
Aachen| 2412 | 1576 |65| 2859 |82| ||643 |18
Sigmaringen | 56 | 29 |52| 37 |55| 21 | 31| 9 |14
Anhalt| -- |805 |--|511 |28|742 | 41|577 |31
Bremen|541 |411 |76|428 |41|628 | 59| -- |--
Württemberg III|175 |147 |84|154 |47| 77 | 23| 97 |30
| | | |`---------------v---------------´
Darmstadt|848 |522 |62| | | 1513 || |
Offenbach|843 |568 |67| -- |--| -- | --| -- |--
Gießen|510 |420 |82|318 |32|352 | 35|328 |33
Oberbayern |641 |347 |54| 1231 |54|844 | 37|188 | 9
| | | |`----------------v--------------´
Niederbayern|329 |232 |74| | |690 || |
| | | |`----------------v--------------´
Pfalz | 1978 | 1348 |70| | | 3208 || |
Oberpfalz|213 |165 |77|143 |37|154 | 39| 93 |24
| | | |`----------------v--------------´
Unterpfalz |388 |272 |70| | |578 || |
| | | |`----------------v--------------´
Zittau| 4494 | 2523 |56| | | 4484 || |
Aus der umstehenden Tabelle geht hervor, daß 65 % aller Frauen Kinder
haben; auf 100 Frauen kommen im ganzen 231 Kinder, darunter 90 Kinder
unter 6 Jahren, 108 Kinder unter 14 Jahren, im allgemeinen 201 Kinder,
die noch nicht der Schule entwachsen sind. Legen wir denselben Maßstab
an sämtliche verheiratete Arbeiterinnen an, wie die deutsche
Berufszählung von 1895 sie zählte, so haben 149067 Frauen, d.h. 65 %
aller verheirateten Arbeiterinnen, 334345 Kinder, von denen 299625 noch
zu Hause sind. Diese Zahl ist aber noch viel zu niedrig gegriffen, weil
die ledigen Mütter und deren Kinder nicht mit eingerechnet sind. Es
dürfte wohl kaum übertrieben sein, wenn wir sagen, daß etwa eine halbe
Million Kinder unter 14 Jahren in Deutschland Arbeiterinnen zu Müttern
haben, also so gut wie mutterlos aufwachsen. Diese Mutterlosigkeit
beginnt schon in der allerersten Lebenszeit der Säuglinge: Kaum vier
Wochen nach der Geburt muß die Mutter wieder zur Arbeit zurück, ja wo
die Not groß ist, versucht sie noch viel früher etwas zu verdienen,
indem sie, solange die Thore der Fabrik ihr noch verschlossen sind,
durch Waschen, Nähen oder Reinemachen das Nötigste zum Leben zu schaffen
versucht. Die Nahrung, die eine gütige Natur dem mütterlichen Weibe für
das hilflose kleine Wesen mit auf den Weg gab, versiegt fast ungenutzt;
noch häufiger wohl hat die Ueberanstrengung und schlechte Ernährung
während der Entwicklungsjahre des Mädchens und während der
Schwangerschaft sie gar nicht in Erscheinung treten lassen. Statt dessen
wurde im Mutterleibe schon das Kind vergiftet; man hat im Fruchtwasser,
wie im Fötus all diejenigen Gifte gefunden, die durch die Lunge und
durch die Poren in den Körper der Arbeiterin eindringen: Blei,
Quecksilber, Phosphor, Jod, Anilin und Nikotin; häufig schädigen sie
sogar die Frucht mehr als die Mutter[564], und für die Erblichkeit der
Tuberkulose, jener eigentlichen Proletarierkrankheit, spricht deutlicher
als das Urteil medizinischer Autoritäten ein Blick auf die Kinder in den
Proletariervierteln.
Eine erschreckend hohe Sterblichkeit, besonders der Säuglinge, ist die
Folge der ursprünglichen Infizierung und der Entziehung der Muttermilch.
Nur sieben von tausend mit Muttermilch genährten Kindern pflegen im
ersten Lebensjahr zu sterben, von 1000 mit Tiermilch und Milchsurrogaten
genährten dagegen 125, und zu ihnen gehören die meisten Arbeiterkinder.
Nur 8 % der Kinder der höheren Stände sterben im ersten Lebensjahr, für
die Kinder des Proletariats steigt die Sterbeziffer bis auf 30 %[565] Im
reichsten Wiener Stadtviertel kommt ein Todesfall im ersten Lebensjahr
auf 870 Bewohner, im Arbeiterviertel dagegen schon auf 71. Im
wohlhabenden Viertel der Berliner Friedrichstadt starben von 1000
Säuglingen 148, im armen des Wedding 346.[566] In den Fabrikbezirken am
Niederrhein starb die Hälfte der Arbeiterkinder im ersten
Lebensjahr[567]; die verheirateten Fabrikarbeiterinnen von Massachusetts
verloren 23 % ihrer Kinder im gleichen Alter.[568] Wie sehr die
Säuglingssterblichkeit mit der Zunahme der Frauenarbeit im Zusammenhang
steht, geht aus seinem Wachstum in den Industriezentren hervor. In
Berlin ist sie während eines vierjährigen Zeitraumes fast um das
Doppelte[569], in Plauen von 33 % im Jahre 1800 auf 43 % im Jahre 1899
gestiegen.[570] Die Beschäftigungsarten der Mütter sind dabei von
größtem Einfluß In Bezirken der englischen Textilindustrie starben von
100 22, in denen der deutschen 38 Säuglinge im ersten Lebensjahr.[571]
Von 100 Kindern der Berliner Papierwarenindustrie starben nicht weniger
als 48 im Säuglingsalter.[572] Der höchste Prozentsatz der
Säuglingssterblichkeit findet sich aber unter den Kindern der
Quecksilber- und Tabakarbeiterinnen: 65 von 100 lebend Geborenen sind
dem Tode verfallen[573], noch viel mehr erblicken gar nicht das Licht
der Welt. Es ist eine alte Erfahrung, daß Frauen, welche Kinder haben
wollen und sich schwanger fühlen, die Tabakfabrik verlassen, während
schwangere Mädchen darin Arbeit suchen, weil nur selten Kinder von
Tabakarbeiterinnen lebend zur Welt kommen. Und wenn sie leben, sind sie
meist gezeichnet vom ersten Augenblick an, oder sie trinken sich den Tod
aus den Brüsten der Mütter, deren Milch von Nikotin durchsetzt ist.[574]
Dabei beschäftigt die Tabakindustrie nächst der Textilindustrie die
meisten Frauen! Furchtbar sind die Opfer des Quecksilbers; selten kommen
Kinder lebendig zur Welt. So war ein Fürther Spiegelbeleger dreimal mit
Arbeitsgenossinnen verheiratet, von allen hatte er Kinder, kein einziges
lebte und auch die Mütter starben sämtlich an der Auszehrung.[575] In
einem anderen Fall hatte eine Arbeiterin bei zehn Schwangerschaften acht
Fehlgeburten, eine Totgeburt und nur ein lebendes Kind, das nach fünf
Monaten starb. Aehnlich vernichtend wirkt z.B. das Gas, wie in
Plättereien, Glasbläsereien u.s.w., auf das keimende Leben. Wo es nicht
geschieht, wächst ein skrophulöses, rachitisches, schwachsinniges Kind
heran.[576] So werden dem Moloch des Kapitalismus Hekatomben
unschuldiger Kinder geopfert! Wachsen sie gesund auf, so werden die
Gefahren, die sie bedrohen, nicht geringer. Die Straße ist ihr
Spielplatz, ihre Erziehungsanstalt; daß sie, besonders in den
Großstädten, keinen günstigen Einfluß übt, daß der physische und
moralische Schmutz, den sie vielfach ausströmt, an den Kindern hängen
bleiben kann, bedarf keines Beweises. Die arme Mutter ist diesen
Gefahren gegenüber nicht blind. Sie möchte ihre Kinder davor behüten und
kommt oft auf die seltsamsten Auskunftsmittel: sie schließt die Kinder
bis zu ihrer Rückkehr im Zimmer ein, sie bindet sie im Bettchen fest,
sie wird grausam aus lauter ängstlicher, vorsorglicher Liebe. Und dann
kommt es zu jenen schrecklichen Unglücksfällen, von denen die Zeitungen
so häufig berichten, und denen gegenüber der behäbige Bürger nicht genug
über die "Roheit" der proletarischen Mütter zetern kann. Die armen
Kleinen kommen dem Ofen zu nahe und verbrennen, sie greifen in das
Waschfaß, verlieren das Gleichgewicht und ertrinken, sie klettern zum
Fenster, um doch wenigstens durch das Hinausschauen die Langeweile zu
vertreiben--Spielzeug, das sie beschäftigen könnte, haben sie ja
nicht--und stürzen kopfüber auf den Hof, sie verwickeln sich im Bettchen
und die Mutter findet, heimkehrend, ihr Jüngstes erstickt unter dem
Kissen.
Neben all diesen äußeren und inneren Gefahren, die die Kinder der
Proletarierin umdrohen, wenn die Mutter fern ist, giebt es aber noch
andere, denen sie unterworfen sind, wenn die Mutter heimkehrt. Sie hat
auch dann keine Zeit für ihre Kinder. Einen erzieherischen Einfluß auf
sie kann sie nur in oberflächlichster Weise ausüben. Sie hat keine Ruhe,
um ihre Wesen zu beobachten, sie ist geistig infolge all der
unausgesetzten Arbeit zu stumpf geworden, um den kindlichen Geist durch
den ihren zu befruchten. Verlassen die Kinder ihr Haus, so hat sie
ihnen meist nichts, was ihr inneres Leben erfüllen und begeistern
könnte, mit auf den Weg zu geben. Sie war schon eine gute Mutter, wenn
sie sie rein und ordentlich hielt, ihnen ausreichend zu essen gab und
sie nicht betteln schickte. Aber eine Freundin der heranwachsenden
Kinder hat sie nur in seltenen Fällen zu werden vermocht. Und doch
beruht gerade auf dem geistigen und sittlichen Einfluß der Mutter ein
gut Teil der Entwicklung der jungen Generation. Den Samen, den sie in
Herz und Geist der Kinder streut, kann kein Lebenssturm völlig verwehen,
aus ihm wächst häufig der starke Baum empor, der dem erwachsenen
Menschen den einzigen Schutz gewährt. So wird die Ueberlastung der
Mutter zum Fluch für die Kinder und für die Gesellschaft, deren Glieder
sie sind, deren gute und schlechte Entwicklung mit von ihnen abhängt.
Aber auch der Mann hat unter der Erwerbsarbeit seines Weibes zu leiden:
sie hat auch für ihn keine Zeit. Die kurzen Stunden, die sie daheim
verbringt, muß sie der Haushaltung und den Kindern widmen. Ist die
Arbeit gethan, so sinkt sie müde aufs Bett, unfähig, an anderen Dingen
teil zu nehmen als an den täglichen, sie umdrängenden Sorgen. So wird
sie oft dem Manne fremd und fremder, sie versteht seine Interessen nicht
und sie bekämpft sie, sobald sie auch nur ein paar Groschen kosten.
Gelangweilt, verärgert, von der unordentlichen Wirtschaft und dem
schlechten Essen angewidert, sucht so mancher seine Zuflucht mehr und
mehr in der Kneipe und im Alkoholgenuß.
Für die Frau persönlich bedeutet die Ueberlastung mit Arbeit den
körperlichen und geistigen Ruin. Nicht nur, daß sie unnatürlich früh
altert--seht doch die Arbeiterinnen an, wie oft sind sie mit vierzig
Jahren schon alte Frauen!--sie verliert auch jede Widerstandskraft gegen
Krankheit und drohende Gebrechen. Sie kann sich keine Ruhe gönnen, auch
wenn sie der Ruhe bedürftig ist, darum stellen sich Leiden aller Art bei
ihr ein, die entweder ihr ganzes Leben vergiften, sie arbeitsunfähig
machen oder einem frühen Tode entgegenführen.
So hart wie ihren Körper trifft die Ueberlastung ihren Geist. Ihm, dem
schon die Volksschule nur die allernotdürftigste Nahrung zuführte,
vermag sie noch weniger zu bieten; wohl lechzt auch sie nach der Quelle
des Wissens, wohl steigert sich ihr Durst, je mehr sie, gezwungen durch
die Arbeitsbedingungen, unter denen sie leidet, Interesse gewinnt an den
Fragen des öffentlichen Lebens, sie hat aber keine Zeit dazu, sich satt
zu trinken.
Je mehr die Frau in die Großindustrie eindringt, desto mehr werden sich
all die Konflikte und all die Leiden zuspitzen und vergrößern, die wir
geschildert haben.
Je mehr aber auch die Industrie sich auf Frauenarbeit stützen wird,
desto mehr werden zwei Momente hervortreten, die beide auf dem Wege der
Emanzipation des Weibes liegen: die lohndrückende und die
arbeitszeitverkürzende Tendenz ihrer Arbeit. Unter Lohndrückung verstehe
ich hier die Hemmung einer Lohnsteigerung, die sich voraussichtlich
entwickeln würde, wenn der Mann der alleinige Ernährer der Familie
bliebe. Je weniger er das ist und zu sein braucht, desto näher rückt das
weibliche Geschlecht jenem Grundprinzip seiner Befreiung, der
ökonomischen Selbständigkeit. Daß tiefgehende Umwandlungen sowohl des
Familien- und häuslichen, als des öffentlichen Lebens damit in
Verbindung stehen werden, beweist nur nochmals, welche revolutionierende
Macht der Frauenerwerbsarbeit innewohnt. Sie zeigt sich auch auf dem
Gebiete der Arbeitsregelung und des Arbeiterschutzes. Der Arbeiterschutz
war in erster Linie ein Frauen- und Kinderschutz, die Regelung der
Arbeitszeit bezieht sich noch heute fast nur auf die Frauen. Dabei zeigt
sich aber, daß sie notwendig auch die Regelung der männlichen
Arbeitszeit nach sich ziehen muß. In allen Industrien, wo Männer und
Frauen beschäftigt werden, regelt sich schon jetzt die männliche
Arbeitszeit nach der der Frauen, weil anderenfalls Betriebsstörungen
eintreten würden. Eine weitere Herabsetzung der Arbeitszeit Wird
zunächst für die Frauen, auf Grund der Erkenntnis der geradezu
völkermordenden Folgen der Ueberanstrengung, eintreten müssen und wieder
auf die Männer zurückwirken. Die Mehreinstellung von Arbeitern wird sich
dann als notwendig erweisen, da es aber an männlichen Arbeitskräften
mangelt, wird Platz geschaffen für die in immer stärkerem Maße
arbeitsuchenden Frauen. Und ganz allmählich wird die befreiende Macht
der Arbeit auch an ihnen zur Geltung kommen. Die ersten Zeichen davon
treten heute schon hervor: es entwickelt sich gerade aus der
Arbeiterschaft heraus ein Geschlecht thatkräftiger, geistig und
materiell selbständiger Frauen, die beginnen, über den engen Kreis ihrer
Interessen hinauszuwachsen, die jene Konflikte spüren, die bisher fast
nur zu stumpfer Resignation geführt haben, und an ihrer Lösung
mitzuarbeiten versuchen. Denn die Erkenntnis der eigenen Lage ist das
erste Mittel, sich aus ihr zu befreien.
Hausindustrie und Heimarbeit
Wer die Lage der Proletarierin in ihrer Gesamtheit überblickt, der sieht
nichts als eine gleichmäßige graue Oede: Arbeit und Not,--Not und
Arbeit. Die Unterschiede, die zu Tage treten, sind nichts als
Variationen desselben Themas. Was für die Arbeiterin in der
Großindustrie gilt, das gilt ebenso für die in der Hausindustrie, im
Handel oder im persönlichen Dienst Beschäftigte. Es kann daher für uns
nur noch darauf ankommen, neue mit ihrem Beruf in Verbindung stehende
Seiten ihrer Lage, oder noch unerreichte Tiefen ihres Elends
aufzudecken, ohne das Allgemeingültige nochmals zu wiederholen. Die
Hausindustrie ist allzu reich an Zügen, die uns zwar in der
Großindustrie schon begegneten, dort aber gewissermaßen nur die ersten
Sorgenfalten des Antlitzes waren, während sie hier jenen tiefen Furchen
gleichen, die ein Leben voll Qual den Gesichtern armer, alter Leute
unauslöschlich eingeprägt hat. Alles ist hier ins Ungeheuerliche
vergröbert und vergrößert: die Niedrigkeit der Löhne, die schlechten
Wohnungen und Arbeitsstätten und ihre physischen und moralischen
Folgeerscheinungen. Das gilt für beide Organisationsformen der
Hausindustrie--die Heimarbeit und die Werkstattarbeit--und in höchstem
Maße für diejenige Werkstattarbeit, die unter der Bezeichnung "Sweating
System" sich einer traurigen Berühmtheit erfreut. Einzelbilder aus
denjenigen Zweigen der Hausindustrie, in denen die weibliche Arbeit eine
bedeutende Rolle spielt, werden das Gesagte am besten erhärten.
Betrachten wir zunächst die Textilindustrie, deren hausindustrieller
Betrieb auf dem Aussterbeetat steht und einen verzweifelten Kampf um
seine Existenz zu kämpfen hat, der um so härter ist, als die Schwächsten
ihn auszufechten haben.
Viele Menschen, die vor Gerhart Hauptmanns Webern von Mitleid und
Grauen zerfließen, gehen eine Stunde später mit dem beruhigten
Gefühl nach Hause, daß alles, was sie hörten und sahen, einer
längstverflossenen Zeit angehört. Thatsächlich aber sahen sie ein
Spiegelbild des Elends von heute. Die böhmischen Weber z.B. wohnen in
ihrer übergroßen Mehrzahl in Hütten, in deren oft einzigem Raum neben
dem Webstuhl der Herd und die Lagerstätten der Familie sich befinden.
Hier wird geschlafen, gekocht, gewaschen und gearbeitet; zwischen den
verwahrlosten Kindern treiben sich im Winter auch noch Hühner und Ziegen
herum. Eine dicke, feuchtwarme Luft schlägt dem Eintretenden daraus
entgegen, zu ihrer Erhaltung bleiben auch im Sommer die Fenster
geschlossen. Der üble Geruch beim Schlichten, wobei zersetzungsfähige
und giftige Stoffe zur Verwendung kommen, vermischt sich mit dem Dunst
der Petroleumlampen, dem Kohlenoxydgas der schlechten Oefen, dem Staub
des Webens. Dabei ist an gründliche Reinigung kaum je zu denken,--denn
die ganze Familie ist zu fieberhafter Arbeit gezwungen,--Küchenabfall,
schmutzige Wäsche und dergl. mehr verpesten den Raum bis aufs äußerste.
Oft steht der Webstuhl Tag und Nacht nicht still, da Mann und Frau sich
daran ablösen; eine vierzehn-, sechzehn- und achtzehnstündige
Arbeitszeit gehört nicht zu den Seltenheiten.[577] Vom sechsjährigen
Kinde an bis zum Greise ringt ein jedes in unablässigem Mühen um sein
Stück Brot.[578] Zeiten der Arbeitslosigkeit bedeuten Hunger; überfallen
Schneeverwehungen die im Gebirge wohnenden Weber, die dadurch oft auf
Monate vom Arbeitgeber abgeschnitten sind so nimmt der Hungertod in
erschreckender Weise zu.[579]
Zu dieser Ueberanstrengung auf der einen und der Schwierigkeit des
Betriebs auf der anderen Seite stehen die Löhne in schreiendem
Mißverhältnis. Das Weben feiner Leinengewebe, z.B. der
Damast-Tischgedecke, die sich vorläufig von der Maschine nicht in
derselben Güte herstellen lassen, bringt noch am meisten ein, und doch
verdient ein Arbeiter bei größter Ausnutzung seiner Kräfte selten mehr
als 7 fl. die Woche[580] ein Shawlweber kann es bis auf 10 fl. bringen,
wenn er von früh vier Uhr bis abends zehn Uhr zu arbeiten im stande
ist.[581] Der häufigste Jahresverdienst böhmischer Weberfamilien
schwankt zwischen 120 und 150 Gulden, wovon oft sieben bis acht Personen
erhalten werden müssen![582] Eine achtgliedrige Familie, die sich in der
besonders günstigen Lage befand, über eine Jahreseinnahme von 350 fl. zu
verfügen, gab täglich für Nahrung pro Person ganze zehn Kreuzer aus; für
alle übrigen Ausgaben blieben 70 fl. übrig. Eine Witwe mit nicht weniger
als zehn Kindern konnte nicht mehr als 200 fl. im Jahr trotz allem Fleiß
aufbringen[583], d.h. diese elf Personen mußten mit fünfundfünfzig
Kreuzern täglich ihre sämtlichen Bedürfnisse befriedigen! Ein Arbeiter,
der mit Frau und Kindern sogenannte Putzel-Leinwand herstellte,
verdiente 1,48 fl. die Woche; ein anderer, der leichte Baumwollwaren
unter Mithilfe seiner Familie webte, kam bei zwölfstündiger Arbeitszeit
aller auf 1,20 fl.[584] Unter den alleinarbeitenden Frauen sind die
Seidenwinderinnen die bestgestellten, denn sie erreichen den hohen Lohn
von--2 fl. wöchentlich.[585] Die Spulerinnen der Baumwollunterketten für
Plüschgewebe dagegen,--meist lebensmüde Greisinnen mit zitternden Händen
und gekrümmten Rücken,--kommen bei großem Fleiß auf 1,10 fl. die
Woche[586], und die Weberinnen der Rohfutterstoffe, die noch vor
fünfzehn Jahren für 22 Meter 80 kr. bekamen, kommen heute bei 45 Meter
auf 75 kr., wobei häufig vier volle Arbeitstage darauf gehen.[587] Wie
es bei solchen Löhnen mit der Ernährung der Bevölkerung
aussieht,--allein im Königgrätzer Bezirk wurden 30000-40000 Heimweber
gezählt[588],--bedarf keiner näheren Beschreibung. Es ist dabei oft noch
ein besonderes Glück, wenn der Weber überhaupt seinen Lohn zu sehen
bekommt. Viele Faktoren, die die Vermittlung zwischen dem Verleger, dem
eigentlichen Unternehmer, und dem Heimarbeiter in Händen haben,
beschäftigen nur solche Weber, die von vornherein auf den Geldlohn
verzichten und sich durch Waren aus ihren Kramläden entschädigen lassen.
Manche arme Mutter, deren Kinder nach Brot schreien, kommt infolgedessen
mit irgend einem wertlosen Stück Stoff, einem Tuch od. dergl. nach
Hause. Ist der Faktor Gastwirt, so verführt er den Weber, Branntwein
statt Lohn zu nehmen[589], was den vollständigen Ruin der unglücklichen
Familien herbeiführt. Aber das ist noch nicht alles: wird der Lohn
gezahlt, so sucht ihn der Faktor durch willkürliche Schadenersatz- oder
Strafgelder oft bis zur Hälfte hinabzudrücken[590] und der in seiner
Vereinzelung wehrlose Arbeiter, der das Gespenst der Arbeitslosigkeit
vor Augen sieht, fügt sich stumm darein. Ja, er entschließt sich sogar,
den Faktor mit Produkten seiner armseligen Landwirtschaft zu bestechen,
um der Arbeit sicher zu sein.[591]
Gegenüber solchen Zuständen kann man sich nicht einmal damit trösten,
daß sie sich etwa auf den einen Landstrich beschränken, denn sie
herrschen überall, wo die motorisch getriebene Maschine im Großbetrieb
noch nicht hat Einzug halten können. In Belgien z.B., wo die mechanische
Spinnerei und Weberei die Hausindustrie fast ganz aufgesogen hat[592],
mußte sie ihr doch bisher noch die Weberei der Leinendamaste, wie der
feinen Battiste überlassen.[593] Seltsam genug: die Luxusartikel der
Reichsten werden in den elendesten Höhlen des Jammers von den Händen der
Ärmsten hergestellt! Die Battistweber und Weberinnen arbeiten meist in
feuchtdunklen Kellern, um die feinen Fäden am Brechen zu
verhindern.[594] Sie erblinden infolgedessen häufig und ihre Glieder
krümmen sich unter rheumatischen und gichtischen Schmerzen. Wie in
Böhmen haust die ganze Familie des Webers in seinem Arbeitszimmer, wie
dort ist der Lohn ein kläglicher. Die geschickteste Weberin feiner
Leinwand verdient im günstigsten Fall bei ausgedehntester Arbeitszeit
1,80 fr. täglich, während Wochenlöhne von 3 fr. gar nicht selten
sind.[595] Ein trauriges Bild, das sich den geschilderten würdig
anreiht, bietet die Seiden-Hausindustrie Frankreichs. Schon die Zucht
der Seidenraupen in den Privathäusern, die hauptsächlich in den Händen
der Frauen liegt, ist im höchsten Grade widerlich: jeder Winkel der
Wohnung wird dafür ausgenutzt, Massen von welken Blättern, toten Raupen
und ihren Exkrementen bedecken den Boden und verbreiten ekelhafte
Gerüche; mitten darin wohnt, schläft und kocht die ganze Familie.[596]
In den Heimen der Hasplerinnen sieht es wenig anders aus; hier ist die
Ausdünstung des heißen, klebrigen Wassers, in das sie bei der Arbeit
unaufhörlich die Hände tauchen müssen, atembeklemmend. Die Lyoner
Seidenweber, von denen die Hälfte weiblichen Geschlechts sind, haben es
nicht besser. Dabei belaufen sich ihre Jahreseinnahmen, je nach der
Länge ihrer Arbeitszeit und Schwierigkeit ihrer Arbeit, auf 382 bis 882
fr.[597] Eine der besten Lyoner Hausweberinnen, die ein siebenjähriges
Kind zu versorgen hatte und 907,70 fr. im Jahr einnahm, stellte
folgendes Budget auf:[598]
Wohnung130,00 fr.
Nahrung653,35 fr.
Heizung 34,80 fr.
Kleidung63,80 fr.
-----------------------------------
Im ganzen: 918,45 fr.
Trotzdem sie für Nahrung täglich nur 1,80 fr. rechnete, und die Kleidung
für das Kind durch ihren Bruder beschafft wurde, muß das Defizit ein
bedeutend höheres sein, als sie angab, weil sie weder für Krankheit,
noch für Erholung und Nebenausgaben etwas ansetzte. Wohlthätigkeit oder
Prostitution sind die einzigen Mittel, um es wett zu machen; die
Arbeiterin, die sich aufreibt von früh bis spät, hat dafür nicht einmal
die Genugthuung, durch eigne Kraft sich und ihr Kind erhalten zu
können,--sie muß betteln gehen oder sich verkaufen!
Fast an jedem Stück unserer Kleidung und unseres Hausrats kleben der
Schweiß und die Thränen unglücklicher Frauen. Für elegante Brustbesätze
von Hemden, die den gepflegten Körper reicher Damen umhüllen und für die
sie selbst drei bis fünf Gulden zahlen müssen, empfängt die Stickerin
des Erzgebirges nur sechzehn bis achtzehn Kreuzer, für kunstvoll
gestickte Bettdecken, die ihr weiches Lager umhüllen, und bei einer
täglichen Arbeitszeit von zwölf bis fünfzehn Stunden fünf Wochen zur
Fertigstellung erfordern, empfängt die Arbeiterin ganze--fünf
Gulden![599] Die gestickten Röckchen und Häubchen, die die zarten
Glieder glücklicher Kinder wärmen, bringen den böhmischen Strickerinnen
zwanzig Kreuzer den Tag.[600] Ob wohl die Heldinnen großstädtischer
Feste, deren von Füttern und Perlen glitzerndes Kleid sie wie eine
Schlangenhaut umgiebt, jener vogesischen Stickerinnen gedenken, die in
zwölf- und vierzehnstündiger Arbeitszeit mit Hilfe ihrer eignen, oder
zur Arbeit angenommenen Kinder diese verführerischen Gewänder
herstellen, und bestenfalls eine Mark pro Tag daran verdienen?![601]
Auch die goldgestickten Uniformen der Männer können vom Elend derer, die
sie schufen, erzählen. Eine fleißige französische Goldstickerin mit
einem dreijährigen Kind hatte eine Jahreseinnahme von 529,50 fr. und
eine Ausgabe für die notwendigsten Bedürfnisse von 707,90 fr. Das
Defizit erschreckte sie aber nicht mehr: "Ich habe glücklicherweise
jemanden, der das deckt."[602] Eine ihrer Kolleginnen in Paris verdiente
wöchentlich bei elfstündiger Arbeitszeit 11,50 fr., womit sie kaum ihre
Ernährung beschaffen konnte; "sie hat einen Liebhaber, Gott sei Dank,"
sagte ihre Nachbarin auf eine mitleidige Frage.[603] Dabei bietet diese
ganze Industrie gar keine Aussicht auf eine Aufbesserung der Löhne, denn
die Maschine dringt unaufhaltsam vor. In Plauen z.B., wo eine
Handstickerin im Jahre 1871 noch 34 Mk. wöchentlich verdiente, stand sie
sich zehn Jahre später bereits auf 17 bis höchstens 23 Mk.[604]
Auch der Spitzenhausindustrie ist die Maschine ein grimmiger Feind. Nach
Hunderttausenden schätzte Leroy-Beaulieu noch vor dreißig Jahren die
französischen Spitzenarbeiterinnen.[605] Ihre Zahl ist heute sehr
zusammengeschrumpft. Eine blühende Industrie war einst die böhmische
Spitzenklöppelei, heute vermag sie die wenigen Getreuen nicht zu
ernähren. Sechzehn bis achtzehn Stunden muß die Klöpplerin über dem
Kissen gebückt arbeiten, wenn sie einen Jahresverdienst von 30--sage und
schreibe dreißig!--bis höchstens 100 Gulden erreichen will. Fünfjährige
Kinder müssen schon acht Stunden täglich neben der Mutter sitzen und
klöppeln, um drei bis zwölf Kreuzer zu verdienen. Ein elendes Geschlecht
wächst unter solchen Umständen heran, tuberkulös und skrophulös,
physisch und geistig herabgekommen.[606] Im klassischen Lande der
Spitzenproduktion, in Belgien, sieht es nicht anders aus. Vom sechsten
Jahre an sitzen die Arbeiterinnen zwölf Stunden täglich in feuchter
Kellerluft mit der Aussicht 150 bis 200 fr. im Jahre zu verdienen.[607]
Bei einer jährlichen Spitzenproduktion im Wert von ca. 50 Millionen
Mark, stehen sich die Arbeiterinnen durchschnittlich auf 52 bis 53 c.
täglich.[608] Jahreseinnahmen von 154 bis 341 fr. wurden bei vier Lyoner
Spitzennäherinnen ermittelt, und zwar erreichten sie diesen Satz nur
dann, wenn bei täglicher zwölfstündiger Arbeitszeit im Laufe des Jahres
keine Arbeitsunterbrechung stattfindet. Dasselbe gilt für die
Schleierarbeiterinnen, die dabei noch schlimmer daran sind, weil sie
keine differenzierte Arbeit haben, wie die Spitzennäherinnen; alle Tage,
zwölf Stunden lang, das ganze Jahr hindurch, setzen sie Chenilletupfen
auf das feine Gewebe.[609] Zehrende Krankheiten sind das Gefolge der
Spitzenarbeit. Noch schärfer als in der Fabrik wirkt das Blei, das zur
Appretur angewendet wird, auf die Arbeiterinnen; fast alle weisen
Zeichen der Vergiftung auf, neben rasch abnehmender Sehkraft.[610] Auch
hier ist die Lage völlig hoffnungslos; die Maschine und die massenhafte
Konkurrenz der Frauen untereinander sind die Ursachen.
Ein Trost ist es vielleicht, sich sagen zu können, daß die
Textilhausindustrie auf dem Aussterbeetat steht und die Zustände, die
sie zeitigt, mit ihr verschwinden werden. Dies Sterben ist aber leider
nicht nur ein außerordentlich langsames, dieselben Verhältnisse finden
sich vielmehr auch bei anderen Hausindustrien, die gleichfalls nicht
leben und nicht sterben können. Sehen wir z.B. jene englischen
Heimarbeiter an, die Zündholzschachteln machen: im engen Zimmer arbeitet
eine Mutter mit ihren Kindern bis zu den kleinsten herab; der ganze,
auch im Sommer geheizte Raum ist erfüllt mit trocknenden Schachteln,
Geruch von schlechtem Leim erfüllt die Luft, und 7 sh. wöchentlich ist
die höchste zu erzielende Einnahme.[611] Oder betrachten wir jene in den
Dörfern und Flecken Böhmens verstreuten Glasarbeiter-Familien, deren
Frauen die schwersten und gesundheitsschädlichsten Arbeiten obliegen;
stundenweit, bei jedem Wetter, auf unwegsamen Bergpfaden müssen sie die
schweren Lastkörbe schleppen, um Waren abzuliefern und Material zu
holen[612], oder sie sind mit der Glasmalerei beschäftigt und infolge
der bleihaltigen Farben Vergiftungserkrankungen ausgesetzt.[613] Blaß
und hohläugig wie sie, sind die Glasperlenarbeiterinnen Thüringens. Um
den Perlen jenen beliebten perlmutterartigen Glanz zu geben, blasen die
Mädchen eine übelriechende, oft giftige Substanzen enthaltende Gallerte
von Fischschuppen und Gelatine hinein. Sie werden zwar magen- und
augenkrank, aber sie erreichen auch den fabelhaften Lohn von 50 bis 75
Pf. täglich![614] Noch elender daran sind die belgischen
Strohflechterinnen, die täglich 47 bis 57 c. verdienen, und dabei
vollständig in den Händen des Faktors sind, der sie am liebsten mit
Waren entlohnt.[615]
Selbst angenommen, diese Arten der Hausindustrie gingen, ohne Anstoß von
außen, ihrem natürlichen Verfall entgegen, so wäre damit die
Hausindustrie an sich nicht aus der Welt geschafft. Denn wie sie
einerseits durch die Großindustrie erdrückt wird,--ein Prozeß, der in
der Textilhausindustrie am deutlichsten zum Ausdruck kommt,--so werden
ihr andrerseits durch sie neue Gebiete eröffnet, auf denen eine fast
grenzenlose Ausbreitungsmöglichkeit gegeben ist. Diese Dezentralisation
des Großbetriebs tritt in der Tabakindustrie besonders scharf hervor;
hier ist die Heimarbeit überall in starkem Zunehmen begriffen[616],
obwohl deren Schäden zum Teil ganz ungeheuerliche sind. Die Kinderarbeit
spielt hier eine solche Rolle, daß, wo eigene Kinder fehlen, fremde,
sogenannte Kaufkinder angenommen werden.[617] Es kommen Räume von kaum
zwei Meter Höhe vor, in denen Frauen mit fünf bis acht Kindern den
ganzen Tag Cigarren machen; in Küchen und Schlafkammern wird der zum
Entrippen angefeuchtete Rohtabak getrocknet, so daß der Tabakdunst nicht
mehr zu vertreiben ist und dauernd eingeatmet wird.[618] Welche Folgen
die Nikotinvergiftung nach sich zieht, haben wir schon erfahren. Dabei
verdient eine ganze, aus Mann, Frau und Kindern bestehende hart
arbeitende Familie 12 bis 20 Mk. die Woche, während eine alleinstehende
Frau mit einem Kind auf 6 bis höchstens 10 Mk. rechnen kann.[619] Welche
Gefahren die hausindustrielle Herstellung von Cigarren auch für die
Konsumenten mit sich bringt, dafür nur ein Beispiel: In New-York fand
ein Sanitätsinspektor eine Familie, die in derselben engen Kammer
Cigarren herstellte, in der zwei Kinder an Diphtheritis schwer krank
danieder lagen.[620]
Eine dezentralisierende Tendenz hat auch die Spielwarenindustrie, die
von alters her eines der traurigsten Kapitel der Hausindustrie bildet
und weiter bilden wird, weil der Großbetrieb sich besonders für billiges
Spielzeug als weniger gewinnbringend erweist, als die Heimarbeit. In
ihrer deutschen Hauptzentrale, in Sonneberg, fand Sax die furchtbarsten
Lohn- und Wohnungsverhältnisse. Typisch war eine Behausung, die aus
Küche und Kammer bestand. Die Küche, zugleich Wohn- und Arbeitsraum,
wurde dauernd geheizt, damit die ringsum aufgeschichteten Sachen,
Puppenköpfe und dergleichen, schneller trocknen; die kaum ventilierbare
Kammer war durch zwei bis drei Betten ganz ausgefüllt, in denen oft
zwei- bis dreimal so viel Menschen schliefen. Die Beköstigung bestand
neben Kartoffeln aus Wurstsuppe, d.h. dem Wasser, in dem der Fleischer
Würste gekocht hat, und Schnippeln, den Sehnen, die aus dem Rindfleisch
als unbrauchbar entfernt werden.[621] Diese Ernährung soll dem Körper
Kräfte genug verleihen, um in der Hochsaison eine tägliche Arbeitszeit
von achtzehn bis zwanzig Stunden auszuhalten.[622] Dabei waren die Löhne
so elend,--eine Sonneberger Bossiererfamilie verdiente bei angestrengter
Arbeit eines jeden ihrer Glieder 12 bis 15 Mk. die Woche, mußte sich
aber mit diesem Verdienst auch noch über eine vier- bis sechsmonatliche
Arbeitslosigkeit hinweghelfen[623],--daß die Drechsler sich ihr Holz
stehlen mußten, um nur existieren zu können.[624] Man sage nicht, daß
diese Zustände zwanzig Jahre hinter uns liegen und überwunden sind; denn
heute ist das Elend in der Thüringer Spielwarenindustrie noch viel
größer.[625] Eine Drückerfamilie, die aus Papiermaché Spielzeug
herstellt, arbeitete zu neun Personen in einem einzigen stickigen,
heißen Raum voll Staub und voll trocknender Waren; ein Säugling in der
Wiege lag dabei. Ein Arbeitstisch, eine Bank, ein Stuhl, eine einzige
Schüssel, die zum Waschen und Essen gleichzeitig benutzt wurde, bildeten
die ganze Einrichtung; dem gegenüber hatte der Pfarrer des Orts die
Stirn, zu behaupten, daß alle Leute gut und angenehm wohnen[626]! Die
Löhne sind von Jahr zu Jahr zurückgegangen. Heute verdient z.B. eine
Arbeiterin an einem Dutzend Puppenkleidchen von 25 bis 30 cm Länge, mit
Aermeln, Schleifen, Spitzen und Knöpfen nicht mehr als 12 bis 20
Pf.[627] Die beliebten Puppentäuflinge liefert der Sonneberger
Hausindustrielle für 95 Pf. das Dutzend, wobei er pro Stück--1 Pf.
verdient! Eine Bossiererfamilie von vier erwachsenen Personen kommt bei
täglicher,--den Sonntag mitgerechnet,--vierzehn-bis fünfzehnstündiger
Arbeitszeit auf 9,50 Mk. pro Woche, das bedeutet eine Einnahme von 34
Pf. täglich für die Person.[628] daß unter solchen Verhältnissen die
Männer sich bemühen, andere Arbeit zu finden, ist begreiflich. Die
Schwächsten, die Frauen, die Greise und die Kinder nehmen sie auf. 81 %
der Schulkinder werden im Bezirk der Meininger Spielwarenindustrie zur
Arbeit herangezogen; sie arbeiten nach den Schulstunden oft bis zehn und
zwölf Uhr nachts, drängt die Arbeit, so wird es auch zwei und drei Uhr,
ehe sie zur Ruhe kommen. Infolgedessen wurde im Winter 1895 konstatiert,
daß im Herzogtum Meiningen 2809 arbeitenden Kindern 3037 arbeitslose
Erwachsene gegenüberstanden.[629] Auch in anderen Zweigen der
Spielwarenindustrie müssen die Mütter nicht nur all ihre Kräfte daran
geben, um einen nennenswerten Verdienst zu erreichen, sie sind auch noch
gezwungen, das Liebste, was sie haben, ihr eigenes Fleisch und Blut, dem
unersättlichen Moloch in den Rachen zu werfen. So liegt die Bemalung der
Zinnsoldaten hauptsächlich in ihren Händen. Sie sitzen beide blaß und
still vor den Farbentöpfen, nur die Hände fieberhaft bewegend; das arme
Kind mit dem alten, müden Zug um Mund und Augen wendet teilnahmlos die
bunten Figürchen in den Händen, es weiß gar nicht, was Spielen heißt.
Hunderte von Nürnberger Zinnmalerinnen fristen so ihr Leben; bei
vierzehn- bis siebzehnstündiger Arbeitszeit erreichen sie einen
wöchentlichen Reinverdienst von höchstens 4,35 Mk.[630] Die Räume, in
denen all dies Spielzeug hergestellt wird, das aus Metall, wie das aus
Holz und Papiermaché, sind mit ihrem Staub, ihrer Hitze, ihrer
verpesteten Luft, wahre Herde der Lungenschwindsucht, deren Keime mit
den Waren in die Familien der ahnungslosen Käufer getragen werden. Eine
unbewußte Rache der Elenden an den Reichen, wenn sie ihnen mit dem
bunten Spielzeug den unheimlichsten Würgeengel der Menschheit ins Haus
schicken!
Wir kommen nunmehr zu jenem großen Arbeitsgebiet, auf dem sich die
Frauen in Scharen zusammendrängen, und das die Näherei in allen ihren
Zweigen umfaßt. Die Art der Arbeit ist hier eine sehr differenzierte.
Wir haben die Werkstattarbeiterin in den Schwitzhöhlen, die
Heimarbeiterin, die für die Konfektions- und Putzgeschäfte arbeitet, die
Schneiderin und die Putzmacherin, die nur von der Privatkundschaft
leben, die Näherin und Ausbesserin, die bei den Kunden selbst näht.
Dabei handelt es sich neben der Herstellung der Wäsche und Kleidung um
die der Hüte, der Handschuhe, der Kravatten. Wie wichtig dies Gebiet für
die Frauenarbeit ist, geht schon daraus hervor, daß allein in
Deutschland zwei Drittel aller hausindustriell thätigen Frauen der
Bekleidungsindustrie angehören. Die Nadel ist eines der urältesten
Attribute in der Hand der Frau; sie ist ihr geblieben als eines jener
wenigen Werkzeuge, die sich ihrer Form und Idee nach im Laufe der
Jahrhunderte kaum verändert haben, und in der Bekleidungsindustrie mehr
als in irgend einer anderen, hat sich bestätigt, was wir schon in Bezug
auf andere Berufsarten ausführten, daß die Frauenarbeit die technische
Entwicklung hemmt. In allen Industrien hat das Maschinenwesen gerade in
der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen enormen Fortschritt
gemacht, nur in der Näherei ist man seit fünfzig Jahren bei denselben
primitiven Instrumenten stehen geblieben, und die Hausindustrie herrscht
nicht nur noch unumschränkt, sie hat sogar die beste Aussicht, den
Fabrikbetrieb auf geraume Zeit hinaus aus dem Felde zu schlagen.
Für die Beleuchtung der Lage der Nadelarbeiterinnen fehlt es zwar nicht
an Material, es hat aber durchweg nur den Wert, den etwa
Momentphotographien aus einem Feldzug für die Beurteilung des ganzen
Krieges haben: Wo der Kampf am heißesten ist, wo die Wunden am
schwersten sind, dahin dringt der Photograph nicht. Meist haben
plötzlich an die Oberfläche tretende Mißstände das Elend der Konfektion
der Oeffentlichkeit vor Augen geführt; Erhebungen, wie die beiden
deutschen im Jahre 1886, veranlaßt durch den Kampf der Arbeiter gegen
den geplanten Nähgarnzoll, und im Jahre 1896, infolge des
Konfektionsarbeiterstreiks, wurden dadurch hervorgerufen. Daneben
gewähren eine ganze Reihe von Einzeluntersuchungen, die der
Privatinitiative zu verdanken sind, Einblick in die Verhältnisse. An
umfassenden, sorgfältig vorbereiteten, besonders die Höhe der
Wochenlöhne und Jahreseinnahmen berücksichtigenden Enqueten fehlt es
jedoch vollständig. Mit der Angabe der Wochenlöhne allein wäre nicht
viel gewonnen, da der Saisoncharakter in keiner Industrie ein so
ausgeprägter ist, als in der der Bekleidung. Meist dauert die Hochsaison
nur fünf Monate, die übrigen sieben bedeuten teils eine stille, teils
eine vollständig tote Zeit für die Arbeiterin. Selbst Wochenlöhne von 15
bis 20 Mk., die außerordentlich selten vorkommen, können demnach oft nur
eine kümmerliche Existenz gewährleisten. In folgender Tabelle habe ich
versucht, einige der festgestellten Wochenlöhne in Verbindung mit den
Jahreseinnahmen der Konfektionsarbeiterinnen zusammenzustellen:
| Wochen- | Jahres-
Art der Arbeit| lohn| ein-
|| kommen
||
|Mk.|Mk.
-----------------------+---------+--------
Kleider- und Mäntel-||
konfektion[631]: Berlin| 8-9 | 160-180
"" | 4-5 | 80-100
Wäschekonfektion:||
Rheinprovinz| 5,95 | 314,64
Wäschekonfektion:||
Erfurt| 6-7 | 250
Knabenkonfektion:||
Stettin |3-4,80| 250
Knabenkonfektion[632]: ||
Berlin| 3-10 | 280-300
Wäschekonfektion[633]: ||
Erfurt| 2,25 bis|
|4,75 | 167,25
"| 3,45 bis|
|7,20 | 253,95
"| 4,60 bis|
|9,60 | 338,60
Herrenkonfektion:||
Berlin|12,46 | 490
" | 9,70 | 380
" | 6,30 | 250
" | 6,99 | 280
Wäschekonfektion:||
Berlin| 9,48 | 470
Knabenkonfektion:||
Stettin | 7,50 | 300
Damenkonfektion: ||
Berlin| -- | 375
Damenkonfektion: ||
Breslau | -- | 250
Damenkonfektion: ||
Erfurt| -- | 220
Wäschekonfektion:||
Berlin| 5,88 |--
Damenkonfektion: ||
Berlin| 7 | 280
Unterrock- ||
konfektion[634]: ||
Berlin| 7-8 |
Blusenkonfektion:||
Berlin| 3,50 bis| 200-311
| 4,50 |--
"|7-7,50|--
"| 9 |--
Kleiderkonfektion[635]:||
Breslau | 4,50 bis|
| 7,50 | 250-300
"| 2-3 | 100-150
Konfektion[636]: ||
Lübbecke | -- | 250
" | -- | 376
Damenkonfektion[637]: ||
Berlin| 7,42 | 386
"| -- | 322
"| 5,95 | 309
"| -- | 393
||
Betrachten wir diese Tabelle, die in den meisten Fällen Jahreseinnahmen
unter 300 Mk. konstatiert, und bedenken wir, daß eine regelmäßige
wöchentliche Einnahme von 9 Mk. und eine jährliche von 468 Mk. gerade
nur das notdürftigste Leben einer alleinstehenden Arbeiterin zu sichern
vermag, eine großstädtische Arbeiterin sogar unter 600 Mk. nicht
auskommen kann, so brauchen wir ihr nichts hinzuzufügen, um ihre Sprache
beredter zu machen. Dabei erreicht die Arbeiterin diese Hungerlöhne nur
mit Aufbietung ihrer ganzen Kraft. In der Saison sind Arbeitszeiten von
vierzehn bis achtzehn Stunden keine Seltenheit. So arbeiten die
Stepperinnen in den Berliner Zwischenmeisterwerkstätten oft bis elf
Uhr nachts und länger;[638] Nürnberger Näherinnen, die acht bis neun
Mark verdienen, müssen dafür fünfzehn bis sechzehn Stunden hinter der
Maschine sitzen.[639] In den Werkstätten beträgt die Arbeitszeit selten
weniger als zwölf bis dreizehn Stunden, sehr häufig,--das konnte die
Kommission für Arbeiterstatistik wiederholt konstatieren,--wird,
besonders vor den Liefertagen, die Nacht durch gearbeitet. Ins Endlose
wird sie noch dadurch ausgedehnt, daß die Arbeiterinnen Arbeit mit nach
Hause nehmen und hier noch drei bis fünf Stunden ihr letztes bißchen
Kraft daran wenden, um ein paar Groschen mehr herauszuschlagen. Es kam
vor, daß Erfurter Arbeiterinnen auf diese Weise bis zu 125
Arbeitsstunden wöchentlich berechnen konnten.[640] Die Vorteile der
Werkstattarbeit sinken infolgedessen fast in nichts zusammen, um so
mehr, als auch die Werkstatt in den meisten Fällen nichts weiter ist,
als eine enge, schlecht beleuchtete und schlecht ventilierte
Proletarierwohnung. In demselben Raum, der vom Dunst der Bügeleisen
erfüllt ist, in dem Glieder der Familie des Zwischenmeisters nächtigen,
der womöglich auch noch zum Kochen und Waschen benutzt wird, sitzen die
Näherinnen dicht gedrängt vor dem oft einzigen Fenster. Werkstätten in
feuchten Kellern, oder in glühendheißen Dachstuben kommen vor, dabei ist
häufig die Ueberfüllung so groß, daß statt 28 cbm nur 5 bis 12 cbm
Luftraum auf die Person kommen.[641] Und doch steht die
Werkstattarbeiterin sich immer noch besser, als die Heimarbeiterin. Das
größte Elend ist dort zu Hause, wo, versteckt in den eigenen vier
Wänden, die arme Witwe, die verlassene Ehefrau, die Gattin des
Arbeitslosen oder Arbeitsscheuen für sich und ihre Kinder den harten
Kampf ums Dasein kämpfen. Rücksichtslos und schutzlos sind sie der
unbeschränktesten Ausbeutung preisgegeben. Daß sie zum großen Teil nicht
freiwillig die Heimarbeit gewählt haben, sondern sich dazu gezwungen
sehen, weil Familiensorgen sie ans Haus fesseln, geht schon daraus
hervor, daß die meisten Heimarbeiterinnen nicht zu den in Wort und Bild
so oft verherrlichten "flotten Nähmamsellen" gehören, sondern
sorgenvolle Frauen sind, von deren Arbeit die Existenz der Ihren
abhängt.[642] Fast durchweg liegt die Herstellung der gewöhnlicheren
Konfektion in ihren Händen,[643] infolgedessen erreichen sie bei
höchster Arbeitszeit nur den niedrigsten Lohn. Aber auch da, wo sie
dieselbe Arbeit leisten, wie die Werkstattarbeiterin, ist ihr Verdienst
geringer.[644] Eine verwitwete Näherin in Berlin mußte, um 10 Mk.
Wochenlohn zu erreichen, von früh vier und fünf Uhr bis nachts elf Uhr
arbeiten; trotz dieser übermenschlichen Anstrengung konnte sie ihre
Familie nicht allein erhalten, sie mußte noch zur Armenunterstützung
ihre Zuflucht nehmen![645] Eine Leipziger Heimarbeiterin, die im ersten
Morgengrauen ihre Hauswirtschaft besorgte, arbeitete dann bis 1/2 11 Uhr
nachts; weil sie sich die Zeit dafür nicht nehmen konnte, mußte ihr
ältester elfjähriger Bub das Mittagessen bereiten und die Geschwister
beaufsichtigen.[646] Berliner Blusennäherinnen wiesen Wochenlöhne von
3,50 Mk. bis 4,50 Mk. auf![647] In Essen verdiente eine Mutter mit ihrer
Tochter bei sechzehn- bis achtzehnstündiger Arbeitszeit 9,75 Mk. für das
Nähen leinener Arbeiterhosen; pro Stück erhielten sie--12 Pf., obwohl
das Futter zuzuschneiden, Taschen, vier Knopflöcher, zehn Knöpfe neben
den Maschinennähten zu nähen waren und das Garn dazu geliefert werden
mußte.[648] Knopflochverrieglerinnen kommen auf 3 bis 3,60 Mk.
wöchentlichen Verdienst, Knopflochnäherinnen in der stillen Zeit auf 2
bis 4 Mk., in der Hochsaison auf 5 Mk.; eine Wäschenäherin, Mutter von
vier kleinen Kindern, konnte bei angestrengtester Arbeit nicht mehr als
9 Mk. wöchentlich verdienen.[649] Wie sich bei solchen Einnahmen die
Lebenshaltung gestaltet, dafür nur einige Beispiele. Eine
alleinstehende Berliner Heimarbeiterin, die 7 Mk. wöchentlich verdiente,
hatte folgendes Wochenbudget:
Mit einer anderen geteilte Kochstube1,50 Mk.
Feuerung 0,30 "
Spiritus zum Kochen 0,20 "
Petroleum0,30 "
Wäsche0,15 "
Mehl, Gemüse, Gegräupe 0,70 "
Kartoffeln 0,15 "
Brot 1,00 "
Milch 0,35 "
Salz, Schweden etc0,10 "
Kaffee0,40 "
Butter0,50 "
Schmalz 0,38 "
Kassenbeitrag 0,22 "
----------
Im ganzen: 6,25 Mk.
Ihre tägliche Ausgabe für die Nahrung betrug demnach nicht ganz 50 Pf.,
für Kleidung, Beschuhung, sonstige Ausgaben blieben wöchentlich nur 75
Pf. übrig.[650] Eine andere, die eine Schlafstelle inne hatte und Mittag
für 30 Pf. täglich auswärts aß, brauchte, da sie sich ein wenig besser
nährte, 7,45 Mk. die Woche. Die Wochenausgaben einer Breslauer Näherin,
die durchschnittlich 6 Mk. verdiente, stellten sich folgendermaßen:
Wohnung1,00 Mk.
Mittagessen 1,75 "
Frühstück, Vesper, Abendbrot2,25 "
Heizung, Beleuchtung, Wäsche1,35 "
Kassenbeitrag0,15 "
------------
Im ganzen:6,50 Mk.
Hier zeigt sich schon, obwohl Kleidung und Nebenausgaben aller Art nicht
in Rechnung gestellt wurden, und die tägliche Ausgabe für die Ernährung
nur 57 Pf. beträgt, ein wöchentliches Defizit von 50 Pf.[651] Sobald
noch Kinder zu ernähren sind, wird die Lage natürlich zu einer ganz
verzweifelten. Eine Witwe mit einem elfjährigen Sohn, die 366 Mk. im
Jahr, also ca. 7 Mk. wöchentlich verdiente, und die Ausgabe für Miete
durch Aftervermietung deckte, hatte folgende Wochenausgaben:
Feuerung0,90 Mk.
Petroleum 0,55 "
Brot 1,30 "
Ein Pfund Fett0,60 "
:
,
1
,
2
,
3
.
4
,
;
,
5
.
6
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7
8
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-
-
,
9
.
[
]
10
11
.
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]
12
.
13
,
,
14
.
,
15
,
16
.
[
]
17
;
18
,
,
19
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]
20
21
:
,
22
,
,
23
,
24
,
,
25
,
.
26
:
27
!
[
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28
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29
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[
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;
,
30
,
,
31
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32
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33
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34
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;
35
,
"
"
,
36
!
,
37
,
38
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39
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40
,
,
41
.
[
]
42
,
,
.
43
:
44
,
,
45
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46
.
[
]
47
,
,
48
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[
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50
,
,
51
.
52
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53
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54
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55
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[
]
56
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57
:
58
,
59
.
[
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60
61
:
,
,
62
,
,
63
,
64
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,
65
,
,
66
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67
.
[
]
68
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69
,
,
,
70
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71
;
72
,
,
73
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,
.
74
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75
.
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77
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"
"
,
79
.
,
,
,
80
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81
82
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83
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,
,
-
85
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86
87
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!
88
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89
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,
90
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-
91
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.
92
:
"
93
,
,
94
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.
"
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95
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,
96
,
,
97
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98
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[
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,
,
99
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100
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101
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102
103
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,
104
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106
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107
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,
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,
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,
,
109
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110
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,
111
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.
112
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113
,
-
-
,
114
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.
115
,
,
116
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.
117
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:
118
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,
?
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119
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120
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121
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,
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126
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127
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128
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129
130
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:
131
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.
132
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,
133
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,
134
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135
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141
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142
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,
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143
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.
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144
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145
!
-
-
,
146
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148
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,
155
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.
156
157
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-
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158
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159
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160
161
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]
;
162
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163
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.
.
164
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,
166
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167
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,
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171
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202
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206
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209
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212
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217
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218
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220
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224
225
226
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-
+
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-
-
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-
+
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461
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