Spinnerei: Mit heißem Wasserdampf ist die Luft gesättigt, auf dem Steinboden steht das Wasser, ein ekelhafter Geruch erhebt sich aus dem Spinnwasser, das die Abfälle und leimigen Substanzen des Gespinstes aufnimmt. Mit Händen und Vorderarmen arbeitet die Spinnerin in der unreinen, klebrigen Flüssigkeit; eiternde Geschwüre an Händen und Armen, schwere Augenentzündungen stellen sich infolgedessen häufig ein. Mit bloßen Füßen steht sie auf dauernd nassem Boden, ungenügend bekleidet vertauscht sie dann den Aufenthalt im glühenden Arbeitsraum womöglich mit der Winterkälte draußen,--rheumatische Krankheiten, Unterleibsentzündungen sind die Folge.[539] Dauernder Druck auf besonders empfindliche Teile führen zu frühzeitigen Erkrankungen der Geschlechtsorgane.[540] In kleineren Betrieben wird zur Entfettung roher Wolle fauliger Urin verwendet. Ein pestilenzialischer Geruch erfüllt daher die Luft, Ekzeme, Furunkeln zeigen sich an den Händen der Arbeiterinnen. Wo man zu demselben Zweck Schwefelkohlenstoff gebraucht, treten Vergiftungserscheinungen auf, die bis zur völligen geistigen Umnachtung führen können.[541] In den Wollkämmereien herrschen tropische Glut und ekelerregende Ausdünstungen; die Gasräume der Seidenfabriken wetteifern mit ihnen, was die Hitze betrifft, und vergiften die Arbeiterinnen durch das Ausströmen des Gases.[542] Die Fabrikation von Kunstwolle und von grauer Watte erweist sich als ein Herd furchtbarer Krankheiten: Die Verlesung der Lumpen, aus denen die Kunstwolle gemacht wird, wirbelt Millionen Bakterien auf, Infektionskrankheiten schlimmster Art, chronische Bronchialkatarrhe überfallen heimtückisch die Arbeiterinnen, die sogenannte Hadernkrankheit, die mit starkem Fieber beginnt und im Starrkrampf endet, tötet sie in wenigen Tagen. Das Sortieren der Abfälle zur Herstellung grauer Watte ist noch ekelhafter: findet sich doch sogar gebrauchte Verbandwatte darunter![543] Mit wunden, eiternden Fingern stehen die Andreherinnen in den Webereien am Webstuhl, bis die Kraft sie verläßt[544]; zerstörend wirkt das Blei, das in gefärbter Baumwolle sich meist befindet, auf die Weberinnen, und stärker noch auf die Arbeiterinnen in der Spitzenfabrikation. Wohl giebt es gefahrlose Mittel, um den feinsten Erzeugnissen der Textilindustrie Glanz und Appretur zu verleihen, aber sie sind teuer und so wird Bleiweiß dazu verwandt, ohne Rücksicht auf Leben und Gesundheit; den Unternehmer ficht es nicht an, ob seinen "Händen" die Arbeit entsinkt, er findet Ersatz genug! In Webereien, in der Fabrikation von Kartons und buntem Papier und künstlichen Blumen, bei der Polierarbeit in der Fabrikation eiserner Bettstellen strömt das Gift in die Atmungsorgane, in die Poren der Frau und wird mit ihren Kleidern in ihr Heim getragen; ja es kommt vor, daß sie es mit dem Essen zu sich nimmt, weil kein anderer Raum als der Arbeitssaal ihnen dafür zur Verfügung steht.[545] Koliken, Magenerkrankungen, Kopfleiden sind die Folge. In den Bleiweißfabriken erreichen diese Leiden den höchsten Grad: epileptische Krämpfe, Erblindungen, teilweiser Verlust der Sprache sind Zeichen des letzten Stadiums der Bleivergiftung, die zum Wahnsinn oder zum Tode führen kann.[546] Der Schwefelkohlenstoff in der Kautschukfabrikation führt zu ähnlichen Erscheinungen, nur mit der Variation, daß Lähmungen der Geschlechtsorgane schließlich hinzutreten können.[547] Eine große Zahl von Frauen beschäftigt, wie wir gesehen haben, die Tabakindustrie. Ihre Arbeiter sind die am schlechtesten bezahlten und die schwächsten von allen. Schon nach den ersten sechs Monaten der Beschäftigung erkranken von 100 72 an Nikotinvergiftung. Besonders bei den jüngeren Arbeiterinnen stellen sich als Folge Nerven- und Magenleiden und Erkrankungen der Geschlechtsorgane ein.[548] Wie dies Gift den Körper von innen zerstört, zerstört das Phosphor in der Zündholzfabrikation ihn von außen: zu einer grauenhaften Maske wird das Antlitz der Frau durch die Kiefernekrose, die zuerst die Zähne und dann den Kiefer zerfrißt.[549] Wir sind noch nicht am Ende: Die Zieglerkrankheit, die Anämie, ergreift männliche wie weibliche Ziegelarbeiter, besonders, wenn ihr Schlafraum sich auf der Oberfläche von Ringöfenanlagen befindet, aus denen unaufhörlich giftige Dämpfe entweichen. Die Lunge der Porzellanarbeiter, besonders der Frauen, die den Arbeitsraum auskehren, füllt sich durch Einatmung des scharfen Kieselstaubes mit förmlichen Steinen, schwärzliche Steine bilden den Auswurf.[550] Kein Leiden aber erreicht das der Quecksilberarbeiterin: sehr bald schon wird ihr Gesicht aschfahl, die Augen trüb, der Gang schwankend, wie der eines Rückenmarkleidenden. Bei dem Anblick eines Fremden überfällt sie konvulsivisches Zittern; das kärgliche Mahl vermag sie kaum zum Munde zu führen, die Sprache versagt oft ihre Dienste, in erschreckender Weise nehmen die Geistesfähigkeiten ab, bis zum letzten Stadium, dem Blödsinn. Jeder geht ihr aus dem Wege, denn der Speichelfluß macht ihren Anblick widerlich und vor dem Hauch ihres Mundes prallt man zurück.[551] Aber nicht nur die Gifte vernichten Gesundheit und Körperkraft. Dem "schwachen" Geschlecht werden Lasten auf die Schultern gelegt, die es zu Boden werfen. In Steinbrüchen, Porzellanfabriken, Ziegeleien, selbst bei Bauten schleppen oder schieben sie schwerbeladene Tröge und Schubkarren; in Zuckerfabriken tragen sie täglich während zehn Stunden bis zu 800 je 16 Kilogramm schwere Kisten zu den Schlagmaschinen.[552] In den Spinnereien und Webereien stehen sie oft während elf und zwölf Stunden; geschwollene Füße, Krampfadern, Nieren- und Unterleibsleiden zeugen davon. Und nun jener eigentlichste Frauenberuf: die Maschinennäherei! In gebückter Stellung sitzen die Armen an ihrer rasselnden Tyrannin, unausgesetzt bewegen sich die Beine auf und nieder. Junge und Alte, Kranke und Gesunde--alle glauben sich fähig zu dieser mörderlichen Arbeit, die schließlich auch die stärkste Konstitution untergräbt. Ein Lyoner Fabrikant sagte einmal: "Ich beschäftige nur Mädchen von sechzehn bis achtzehn Jahren an der Nähmaschine, sind sie erst zwanzig, so sind sie reif für's Hospiz."[553] Und er hat nicht übertrieben. Die Bleichsucht in all ihren Stadien, Unterleibsleiden, Lageveränderungen der Gebärmutter, die eine Mutterschaft fast unmöglich machen, neurasthenische Erkrankungen aller Art, suchen die Frauen heim als böse Gäste.[554] Wohl hat die Technik, wie überall so auch hier, ein Mittel zur Hilfe geschaffen: statt durch die Füße der Näherinnen kann die Maschine durch Dampf oder Elektrizität in Bewegung gesetzt werden, aber die Einrichtung ist den Unternehmern nicht lohnend, denn mit derselben Schnelligkeit fast treibt die durch die Not vorwärts gepeitschte Menschenkraft die Räder, als die motorische Kraft es thun würde, und der Profit ist der einzige ausschlaggebende Faktor. Furchtbarer als Dantes Hölle ist diese Welt der Arbeit, bevölkert mit bleichen Gestalten, die sich auf wunden Füßen nur schwer fortbewegen, deren Hände, aus denen Behaglichkeit, Wärme, Schönheit, Nahrung, Kleidung für die glücklicheren Menschen hervorgehen, bluten und schwären, deren Rücken gekrümmt, deren Glieder zerfressen sind von Giften, aus deren irren Blicken oft der Wahnsinn starrt. Und doch fehlt zur Vollendung des Bildes noch eins: dichte Wolken von Staub umhüllen die Gestalten,--Staub aus scharfem Metall, aus Pflanzenfasern und Tierhaaren, mit Gift und Krankheitskeimen durchsetzt. Er verdichtet sich vor unseren Augen zu dem riesigen, hohlwangigen Gespenst, das in den Proletariervierteln sein Wesen treibt: der Lungenschwindsucht. Wer kann sagen, in welchem Industriezweig es am meisten zu Hause ist: bei den Textilarbeitern, bei den Tabakarbeitern, bei den Töpfern?! Es herrscht überall, wo die Jagd nach Gewinn rücksichtslos über Menschenleichen dahinbraust! Kann es noch schwereres Leiden geben, als das, was an uns vorüberzog? O ja; und es findet sich dort, wo es die Frau nicht mehr allein, sondern durch sie auch ihre Kinder trifft. Das Mädchen träumt noch von der Zukunft; es glaubt, die Ehe wird sie aus dem Arbeitsjoch erlösen, darum bringt es seinem Beruf bei weitem nicht das Interesse entgegen, das der Mann ihm entgegenbringt, für den er zum ausschließlichen Lebensberuf werden soll; die Frau aber hat keine Hoffnung mehr auf Befreiung. Und ihre Not verschärft sich ins unerträgliche durch den Anblick der Not ihrer Kinder. Wie häufig hört man angesichts des Elends sagen: Die Leute sinds nicht anders gewöhnt, sie spüren es nicht. So richtig es nun auch sein mag, daß die im Elend Geborenen nicht die Empfindung dafür haben, wie die, welche erst hineingestoßen wurden, so falsch ist es, daß irgend eine Mutter in der Welt, und wäre es die allerärmste, sich jemals an das Leid ihrer Kinder gewöhnen wird. Kinderleid ist das größte auf Erden, weil es die Unschuldigen und die Wehrlosen trifft. Nach allgemeiner Annahme kann in Deutschland eine aus Mann, Frau und zwei Kindern bestehende Arbeiterfamilie mit 1500 Mk. im Jahre die notwendigsten Bedürfnisse decken.[555] Eine auskömmliche Lebenshaltung, bei der aber von einer Befriedigung höherer Bedürfnisse,--Kunst, Theater, Natur,--auch nur in ganz geringem Umfang die Rede sein kann, ist erst mit einer jährlichen Einnahme von 2000 Mk. möglich.[556] Es müßte demnach für den ersten Fall eine tägliche Einnahme,--ohne Unterbrechung!--von fünf Mark, im zweiten eine von fast sieben Mark gesichert sein. Das davon nur in Ausnahmefällen die Rede sein kann, lehrt ein Blick auf unsere Lohntabellen. Aeußerst selten nur erreicht der Mann allein solch einen Verdienst, aber selbst die Mitarbeit der Frau, die sich, nach diesem Maßstab gemessen, als unbedingt notwendig erweist, kann ihn nicht gewährleisten. Einnahmen von 800 bis 1000 Mk. gelten in Proletarierkreisen schon als gute. Sie sind vollständig unzureichend und auch die von 1000 bis 1500 Mk. sind es, sobald mehr als zwei Kinder zu erhalten sind. Es klingt geradezu wie Wahnsinn, und doch ist es Thatsache: je mehr Kinder die Familie besitzt, je mehr also die Mutter zu Hause nötig ist, desto notwendiger muß sie in die Fabrik. Und doch kann sie sich und ihren Kindern dadurch noch kein einigermaßen behagliches Leben erkaufen. Der Grund- und Boden- und der Häuserwucher verschlingt zum großen Teil, was sie erwirbt, und läßt ihr dafür eine elende Behausung, die den Namen Wohnung nicht verdient. Schon im Jahre 1880 wurde in deutschen Großstädten eine erschreckende Zahl übervölkerter Wohnungen konstatiert[557]; die Untersuchungen des Vereins für Sozialpolitik deckten entsetzliche Zustände auf, die vielleicht nur noch von denen in Wien übertroffen wurden.[558] Hier wurde z.B. ein Zimmer mit Küche von einer Witwe mit sechs Kindern und zwei Schlafleuten bewohnt, die sich alle in drei Betten, einem Kinderbett und einem Sofa teilten; in einer Kammer mit einem einzigen Fenster nach dem Flur hauste ein Ehepaar mit vier Kindern, in einer anderen von 13 qm Bodenfläche, fand sich eine siebenköpfige Familie! Parterrewohnungen in Hinterhäusern, die mit dem engen Hofe auf gleicher Höhe liegen, im Sommer heiße, im Winter eisigkalte Dachkammern, Wohnungen mit nur einem heizbaren Raum, oder ganz ohne Küche, sogenannte Kochstuben, als einzigen Raum[559],--das sind die Wohnungen, in denen das Familienleben der Arbeiter sich abspielen und gedeihen soll! Und doch sind auch diese vielfach noch unerschwingbar für ihren schwindsüchtigen Beutel. In Nürnberg kostet der qm Wohnraum in den kleinsten Wohnungen 7,70 Mk., in den größten 4,36 Mk., in Basel im mittleren Stockwerk 3,04, im Dachgeschoß 4,15 Mk.[560] In den Fabrikstädten Nordböhmens kostet ein cbm Luftraum jährlich nur um eine Kleinigkeit weniger, als in den Palästen der Wiener Ringstraße.[561] Nach einer Zusammenstellung des Gewerbeaufsichtsbeamten für Sachsen-Koburg-Gotha schwankte die Summe, die der Arbeiter zur Bestreitung seiner Wohnungsmiete zu verausgaben hat, zwischen 20 und 38 % seines Arbeitslohnes; er müßte bis zu 57 Tagen arbeiten, um allein den Mietspreis zu verdienen, während für die begüterten Schichten der Bevölkerung die Ausgabe für Wohnungsmiete im allgemeinen mit zehn bis höchstens zwanzig Prozent des Einkommens angesetzt wird.[562] Die Armen haben also für ihre elende Wohnung relativ mehr zu bezahlen, als die Reichen, und sind daher gezwungen, sie mit Fremden, Aftermietern und Schlafleuten zu teilen, ihre Kinder nicht nur ohne Luft und Licht aufwachsen zu lassen, sondern sie auch noch der moralischen Vergiftung auszusetzen. Und wie sieht der Haushalt aus, wenn die Hausfrau in die Fabrik gehen muß. Am frühen Morgen, häufig ehe die Kinder erwachen, muß sie zur Arbeitsstelle eilen. Die ein- bis einundeinhalbstündige Mittagspause, die ihr in Deutschland gesetzlich gewährleistet wird, reicht nicht immer aus, um heimzukehren, und niemals um, wie die Gewerbeordnung prahlend sagt, den Haushalt zu besorgen. Bestenfalls wird das abends vorher zusammengekochte Essen aufgewärmt, oder das vom Morgen an langsam auf dem Grudeofen brodelnde auf den Tisch gestellt, in beiden Fällen ist aus den an sich schon minderwertigen Speisen der Nährwert entflohen. Am häufigsten begnügt sich die ganze Familie bis zur Heimkehr der Mutter am Abend mit Butterbrot und Kaffee, dann erst bereitet die übermüdete Frau die Hauptmahlzeit, dann erst, nach zehn-, elf-, auch dreizehnstündiger Arbeit, beginnt ihre häusliche Thätigkeit. Sie näht und flickt und wäscht und scheuert, wenn sie gewissenhaft ist, so daß ihr kaum fünf Stunden zum Schlafen übrig bleiben. Vorzeitiges Altern, geistige und körperliche Erschöpfung sind die Folgen. Oder sie kümmert sich um nichts mehr, wenn die Arbeit sie schon stumpfsinnig und gleichgültig gemacht hat: dann verwahrlost die Wirtschaft und die Kinder. Zwischen diesen beiden Wegen allein hat sie zu wählen! Wie oft sie den ersten wählt, dafür spricht die Bewunderung, mit der die gewiß wenig enthusiastischen deutschen Fabrikinspektoren von der Willensstärke, dem Opfermut und der unermüdlichen Arbeitskraft der verheirateten Arbeiterinnen reden.[563] Aber selbst mit der Hingabe ihrer Kräfte können sie dem Haushalt nicht die Leiterin, den Kindern nicht die Mutter ersetzen. Eine gründliche Statistik der Kinderzahl der Arbeiterinnen giebt es leider nicht. Die deutschen Erhebungen der Gewerbeaufsichtsbeamten für das Jahr 1899 sind nach dieser Richtung völlig ungenügend. Nur in siebzehn Bezirken von 78 wurden Untersuchungen darüber angestellt, und auch hier handelt es sich lediglich um Stichproben. Sie werfen aber immerhin genügendes Licht in dieses dunkle Bereich des Proletarierlebens; die folgende Tabelle bietet eine Zusammenstellung aller Ergebnisse: |Anzahl |Von diesen|Von den Kindern waren Bezirk |der be-| Frauen |--------------------------------- |fragten| hatten |noch nicht| schul-| schul- |Frauen | Kinder | schul- |pflichtig |entlassen | | |pflichtig | | | | | | | | || | | |absolut|% |absolut|% |absolut| % |absolut| % ---------------+-------+-------+--+-------+--+-------+---+-------+-- Oppeln| -- | 1057 |--|765 |35|886 | 41|509 |24 Magdeburg| 2680 | 1858 |70| 1283 |31| 1878 | 45|996 |24 Minden| 1120 |701 |63|703 |46|804 | 54| -- |-- | | | |`------v-------------´| | Aachen| 2412 | 1576 |65| 2859 |82| ||643 |18 Sigmaringen | 56 | 29 |52| 37 |55| 21 | 31| 9 |14 Anhalt| -- |805 |--|511 |28|742 | 41|577 |31 Bremen|541 |411 |76|428 |41|628 | 59| -- |-- Württemberg III|175 |147 |84|154 |47| 77 | 23| 97 |30 | | | |`---------------v---------------´ Darmstadt|848 |522 |62| | | 1513 || | Offenbach|843 |568 |67| -- |--| -- | --| -- |-- Gießen|510 |420 |82|318 |32|352 | 35|328 |33 Oberbayern |641 |347 |54| 1231 |54|844 | 37|188 | 9 | | | |`----------------v--------------´ Niederbayern|329 |232 |74| | |690 || | | | | |`----------------v--------------´ Pfalz | 1978 | 1348 |70| | | 3208 || | Oberpfalz|213 |165 |77|143 |37|154 | 39| 93 |24 | | | |`----------------v--------------´ Unterpfalz |388 |272 |70| | |578 || | | | | |`----------------v--------------´ Zittau| 4494 | 2523 |56| | | 4484 || | Aus der umstehenden Tabelle geht hervor, daß 65 % aller Frauen Kinder haben; auf 100 Frauen kommen im ganzen 231 Kinder, darunter 90 Kinder unter 6 Jahren, 108 Kinder unter 14 Jahren, im allgemeinen 201 Kinder, die noch nicht der Schule entwachsen sind. Legen wir denselben Maßstab an sämtliche verheiratete Arbeiterinnen an, wie die deutsche Berufszählung von 1895 sie zählte, so haben 149067 Frauen, d.h. 65 % aller verheirateten Arbeiterinnen, 334345 Kinder, von denen 299625 noch zu Hause sind. Diese Zahl ist aber noch viel zu niedrig gegriffen, weil die ledigen Mütter und deren Kinder nicht mit eingerechnet sind. Es dürfte wohl kaum übertrieben sein, wenn wir sagen, daß etwa eine halbe Million Kinder unter 14 Jahren in Deutschland Arbeiterinnen zu Müttern haben, also so gut wie mutterlos aufwachsen. Diese Mutterlosigkeit beginnt schon in der allerersten Lebenszeit der Säuglinge: Kaum vier Wochen nach der Geburt muß die Mutter wieder zur Arbeit zurück, ja wo die Not groß ist, versucht sie noch viel früher etwas zu verdienen, indem sie, solange die Thore der Fabrik ihr noch verschlossen sind, durch Waschen, Nähen oder Reinemachen das Nötigste zum Leben zu schaffen versucht. Die Nahrung, die eine gütige Natur dem mütterlichen Weibe für das hilflose kleine Wesen mit auf den Weg gab, versiegt fast ungenutzt; noch häufiger wohl hat die Ueberanstrengung und schlechte Ernährung während der Entwicklungsjahre des Mädchens und während der Schwangerschaft sie gar nicht in Erscheinung treten lassen. Statt dessen wurde im Mutterleibe schon das Kind vergiftet; man hat im Fruchtwasser, wie im Fötus all diejenigen Gifte gefunden, die durch die Lunge und durch die Poren in den Körper der Arbeiterin eindringen: Blei, Quecksilber, Phosphor, Jod, Anilin und Nikotin; häufig schädigen sie sogar die Frucht mehr als die Mutter[564], und für die Erblichkeit der Tuberkulose, jener eigentlichen Proletarierkrankheit, spricht deutlicher als das Urteil medizinischer Autoritäten ein Blick auf die Kinder in den Proletariervierteln. Eine erschreckend hohe Sterblichkeit, besonders der Säuglinge, ist die Folge der ursprünglichen Infizierung und der Entziehung der Muttermilch. Nur sieben von tausend mit Muttermilch genährten Kindern pflegen im ersten Lebensjahr zu sterben, von 1000 mit Tiermilch und Milchsurrogaten genährten dagegen 125, und zu ihnen gehören die meisten Arbeiterkinder. Nur 8 % der Kinder der höheren Stände sterben im ersten Lebensjahr, für die Kinder des Proletariats steigt die Sterbeziffer bis auf 30 %[565] Im reichsten Wiener Stadtviertel kommt ein Todesfall im ersten Lebensjahr auf 870 Bewohner, im Arbeiterviertel dagegen schon auf 71. Im wohlhabenden Viertel der Berliner Friedrichstadt starben von 1000 Säuglingen 148, im armen des Wedding 346.[566] In den Fabrikbezirken am Niederrhein starb die Hälfte der Arbeiterkinder im ersten Lebensjahr[567]; die verheirateten Fabrikarbeiterinnen von Massachusetts verloren 23 % ihrer Kinder im gleichen Alter.[568] Wie sehr die Säuglingssterblichkeit mit der Zunahme der Frauenarbeit im Zusammenhang steht, geht aus seinem Wachstum in den Industriezentren hervor. In Berlin ist sie während eines vierjährigen Zeitraumes fast um das Doppelte[569], in Plauen von 33 % im Jahre 1800 auf 43 % im Jahre 1899 gestiegen.[570] Die Beschäftigungsarten der Mütter sind dabei von größtem Einfluß In Bezirken der englischen Textilindustrie starben von 100 22, in denen der deutschen 38 Säuglinge im ersten Lebensjahr.[571] Von 100 Kindern der Berliner Papierwarenindustrie starben nicht weniger als 48 im Säuglingsalter.[572] Der höchste Prozentsatz der Säuglingssterblichkeit findet sich aber unter den Kindern der Quecksilber- und Tabakarbeiterinnen: 65 von 100 lebend Geborenen sind dem Tode verfallen[573], noch viel mehr erblicken gar nicht das Licht der Welt. Es ist eine alte Erfahrung, daß Frauen, welche Kinder haben wollen und sich schwanger fühlen, die Tabakfabrik verlassen, während schwangere Mädchen darin Arbeit suchen, weil nur selten Kinder von Tabakarbeiterinnen lebend zur Welt kommen. Und wenn sie leben, sind sie meist gezeichnet vom ersten Augenblick an, oder sie trinken sich den Tod aus den Brüsten der Mütter, deren Milch von Nikotin durchsetzt ist.[574] Dabei beschäftigt die Tabakindustrie nächst der Textilindustrie die meisten Frauen! Furchtbar sind die Opfer des Quecksilbers; selten kommen Kinder lebendig zur Welt. So war ein Fürther Spiegelbeleger dreimal mit Arbeitsgenossinnen verheiratet, von allen hatte er Kinder, kein einziges lebte und auch die Mütter starben sämtlich an der Auszehrung.[575] In einem anderen Fall hatte eine Arbeiterin bei zehn Schwangerschaften acht Fehlgeburten, eine Totgeburt und nur ein lebendes Kind, das nach fünf Monaten starb. Aehnlich vernichtend wirkt z.B. das Gas, wie in Plättereien, Glasbläsereien u.s.w., auf das keimende Leben. Wo es nicht geschieht, wächst ein skrophulöses, rachitisches, schwachsinniges Kind heran.[576] So werden dem Moloch des Kapitalismus Hekatomben unschuldiger Kinder geopfert! Wachsen sie gesund auf, so werden die Gefahren, die sie bedrohen, nicht geringer. Die Straße ist ihr Spielplatz, ihre Erziehungsanstalt; daß sie, besonders in den Großstädten, keinen günstigen Einfluß übt, daß der physische und moralische Schmutz, den sie vielfach ausströmt, an den Kindern hängen bleiben kann, bedarf keines Beweises. Die arme Mutter ist diesen Gefahren gegenüber nicht blind. Sie möchte ihre Kinder davor behüten und kommt oft auf die seltsamsten Auskunftsmittel: sie schließt die Kinder bis zu ihrer Rückkehr im Zimmer ein, sie bindet sie im Bettchen fest, sie wird grausam aus lauter ängstlicher, vorsorglicher Liebe. Und dann kommt es zu jenen schrecklichen Unglücksfällen, von denen die Zeitungen so häufig berichten, und denen gegenüber der behäbige Bürger nicht genug über die "Roheit" der proletarischen Mütter zetern kann. Die armen Kleinen kommen dem Ofen zu nahe und verbrennen, sie greifen in das Waschfaß, verlieren das Gleichgewicht und ertrinken, sie klettern zum Fenster, um doch wenigstens durch das Hinausschauen die Langeweile zu vertreiben--Spielzeug, das sie beschäftigen könnte, haben sie ja nicht--und stürzen kopfüber auf den Hof, sie verwickeln sich im Bettchen und die Mutter findet, heimkehrend, ihr Jüngstes erstickt unter dem Kissen. Neben all diesen äußeren und inneren Gefahren, die die Kinder der Proletarierin umdrohen, wenn die Mutter fern ist, giebt es aber noch andere, denen sie unterworfen sind, wenn die Mutter heimkehrt. Sie hat auch dann keine Zeit für ihre Kinder. Einen erzieherischen Einfluß auf sie kann sie nur in oberflächlichster Weise ausüben. Sie hat keine Ruhe, um ihre Wesen zu beobachten, sie ist geistig infolge all der unausgesetzten Arbeit zu stumpf geworden, um den kindlichen Geist durch den ihren zu befruchten. Verlassen die Kinder ihr Haus, so hat sie ihnen meist nichts, was ihr inneres Leben erfüllen und begeistern könnte, mit auf den Weg zu geben. Sie war schon eine gute Mutter, wenn sie sie rein und ordentlich hielt, ihnen ausreichend zu essen gab und sie nicht betteln schickte. Aber eine Freundin der heranwachsenden Kinder hat sie nur in seltenen Fällen zu werden vermocht. Und doch beruht gerade auf dem geistigen und sittlichen Einfluß der Mutter ein gut Teil der Entwicklung der jungen Generation. Den Samen, den sie in Herz und Geist der Kinder streut, kann kein Lebenssturm völlig verwehen, aus ihm wächst häufig der starke Baum empor, der dem erwachsenen Menschen den einzigen Schutz gewährt. So wird die Ueberlastung der Mutter zum Fluch für die Kinder und für die Gesellschaft, deren Glieder sie sind, deren gute und schlechte Entwicklung mit von ihnen abhängt. Aber auch der Mann hat unter der Erwerbsarbeit seines Weibes zu leiden: sie hat auch für ihn keine Zeit. Die kurzen Stunden, die sie daheim verbringt, muß sie der Haushaltung und den Kindern widmen. Ist die Arbeit gethan, so sinkt sie müde aufs Bett, unfähig, an anderen Dingen teil zu nehmen als an den täglichen, sie umdrängenden Sorgen. So wird sie oft dem Manne fremd und fremder, sie versteht seine Interessen nicht und sie bekämpft sie, sobald sie auch nur ein paar Groschen kosten. Gelangweilt, verärgert, von der unordentlichen Wirtschaft und dem schlechten Essen angewidert, sucht so mancher seine Zuflucht mehr und mehr in der Kneipe und im Alkoholgenuß. Für die Frau persönlich bedeutet die Ueberlastung mit Arbeit den körperlichen und geistigen Ruin. Nicht nur, daß sie unnatürlich früh altert--seht doch die Arbeiterinnen an, wie oft sind sie mit vierzig Jahren schon alte Frauen!--sie verliert auch jede Widerstandskraft gegen Krankheit und drohende Gebrechen. Sie kann sich keine Ruhe gönnen, auch wenn sie der Ruhe bedürftig ist, darum stellen sich Leiden aller Art bei ihr ein, die entweder ihr ganzes Leben vergiften, sie arbeitsunfähig machen oder einem frühen Tode entgegenführen. So hart wie ihren Körper trifft die Ueberlastung ihren Geist. Ihm, dem schon die Volksschule nur die allernotdürftigste Nahrung zuführte, vermag sie noch weniger zu bieten; wohl lechzt auch sie nach der Quelle des Wissens, wohl steigert sich ihr Durst, je mehr sie, gezwungen durch die Arbeitsbedingungen, unter denen sie leidet, Interesse gewinnt an den Fragen des öffentlichen Lebens, sie hat aber keine Zeit dazu, sich satt zu trinken. Je mehr die Frau in die Großindustrie eindringt, desto mehr werden sich all die Konflikte und all die Leiden zuspitzen und vergrößern, die wir geschildert haben. Je mehr aber auch die Industrie sich auf Frauenarbeit stützen wird, desto mehr werden zwei Momente hervortreten, die beide auf dem Wege der Emanzipation des Weibes liegen: die lohndrückende und die arbeitszeitverkürzende Tendenz ihrer Arbeit. Unter Lohndrückung verstehe ich hier die Hemmung einer Lohnsteigerung, die sich voraussichtlich entwickeln würde, wenn der Mann der alleinige Ernährer der Familie bliebe. Je weniger er das ist und zu sein braucht, desto näher rückt das weibliche Geschlecht jenem Grundprinzip seiner Befreiung, der ökonomischen Selbständigkeit. Daß tiefgehende Umwandlungen sowohl des Familien- und häuslichen, als des öffentlichen Lebens damit in Verbindung stehen werden, beweist nur nochmals, welche revolutionierende Macht der Frauenerwerbsarbeit innewohnt. Sie zeigt sich auch auf dem Gebiete der Arbeitsregelung und des Arbeiterschutzes. Der Arbeiterschutz war in erster Linie ein Frauen- und Kinderschutz, die Regelung der Arbeitszeit bezieht sich noch heute fast nur auf die Frauen. Dabei zeigt sich aber, daß sie notwendig auch die Regelung der männlichen Arbeitszeit nach sich ziehen muß. In allen Industrien, wo Männer und Frauen beschäftigt werden, regelt sich schon jetzt die männliche Arbeitszeit nach der der Frauen, weil anderenfalls Betriebsstörungen eintreten würden. Eine weitere Herabsetzung der Arbeitszeit Wird zunächst für die Frauen, auf Grund der Erkenntnis der geradezu völkermordenden Folgen der Ueberanstrengung, eintreten müssen und wieder auf die Männer zurückwirken. Die Mehreinstellung von Arbeitern wird sich dann als notwendig erweisen, da es aber an männlichen Arbeitskräften mangelt, wird Platz geschaffen für die in immer stärkerem Maße arbeitsuchenden Frauen. Und ganz allmählich wird die befreiende Macht der Arbeit auch an ihnen zur Geltung kommen. Die ersten Zeichen davon treten heute schon hervor: es entwickelt sich gerade aus der Arbeiterschaft heraus ein Geschlecht thatkräftiger, geistig und materiell selbständiger Frauen, die beginnen, über den engen Kreis ihrer Interessen hinauszuwachsen, die jene Konflikte spüren, die bisher fast nur zu stumpfer Resignation geführt haben, und an ihrer Lösung mitzuarbeiten versuchen. Denn die Erkenntnis der eigenen Lage ist das erste Mittel, sich aus ihr zu befreien. Hausindustrie und Heimarbeit Wer die Lage der Proletarierin in ihrer Gesamtheit überblickt, der sieht nichts als eine gleichmäßige graue Oede: Arbeit und Not,--Not und Arbeit. Die Unterschiede, die zu Tage treten, sind nichts als Variationen desselben Themas. Was für die Arbeiterin in der Großindustrie gilt, das gilt ebenso für die in der Hausindustrie, im Handel oder im persönlichen Dienst Beschäftigte. Es kann daher für uns nur noch darauf ankommen, neue mit ihrem Beruf in Verbindung stehende Seiten ihrer Lage, oder noch unerreichte Tiefen ihres Elends aufzudecken, ohne das Allgemeingültige nochmals zu wiederholen. Die Hausindustrie ist allzu reich an Zügen, die uns zwar in der Großindustrie schon begegneten, dort aber gewissermaßen nur die ersten Sorgenfalten des Antlitzes waren, während sie hier jenen tiefen Furchen gleichen, die ein Leben voll Qual den Gesichtern armer, alter Leute unauslöschlich eingeprägt hat. Alles ist hier ins Ungeheuerliche vergröbert und vergrößert: die Niedrigkeit der Löhne, die schlechten Wohnungen und Arbeitsstätten und ihre physischen und moralischen Folgeerscheinungen. Das gilt für beide Organisationsformen der Hausindustrie--die Heimarbeit und die Werkstattarbeit--und in höchstem Maße für diejenige Werkstattarbeit, die unter der Bezeichnung "Sweating System" sich einer traurigen Berühmtheit erfreut. Einzelbilder aus denjenigen Zweigen der Hausindustrie, in denen die weibliche Arbeit eine bedeutende Rolle spielt, werden das Gesagte am besten erhärten. Betrachten wir zunächst die Textilindustrie, deren hausindustrieller Betrieb auf dem Aussterbeetat steht und einen verzweifelten Kampf um seine Existenz zu kämpfen hat, der um so härter ist, als die Schwächsten ihn auszufechten haben. Viele Menschen, die vor Gerhart Hauptmanns Webern von Mitleid und Grauen zerfließen, gehen eine Stunde später mit dem beruhigten Gefühl nach Hause, daß alles, was sie hörten und sahen, einer längstverflossenen Zeit angehört. Thatsächlich aber sahen sie ein Spiegelbild des Elends von heute. Die böhmischen Weber z.B. wohnen in ihrer übergroßen Mehrzahl in Hütten, in deren oft einzigem Raum neben dem Webstuhl der Herd und die Lagerstätten der Familie sich befinden. Hier wird geschlafen, gekocht, gewaschen und gearbeitet; zwischen den verwahrlosten Kindern treiben sich im Winter auch noch Hühner und Ziegen herum. Eine dicke, feuchtwarme Luft schlägt dem Eintretenden daraus entgegen, zu ihrer Erhaltung bleiben auch im Sommer die Fenster geschlossen. Der üble Geruch beim Schlichten, wobei zersetzungsfähige und giftige Stoffe zur Verwendung kommen, vermischt sich mit dem Dunst der Petroleumlampen, dem Kohlenoxydgas der schlechten Oefen, dem Staub des Webens. Dabei ist an gründliche Reinigung kaum je zu denken,--denn die ganze Familie ist zu fieberhafter Arbeit gezwungen,--Küchenabfall, schmutzige Wäsche und dergl. mehr verpesten den Raum bis aufs äußerste. Oft steht der Webstuhl Tag und Nacht nicht still, da Mann und Frau sich daran ablösen; eine vierzehn-, sechzehn- und achtzehnstündige Arbeitszeit gehört nicht zu den Seltenheiten.[577] Vom sechsjährigen Kinde an bis zum Greise ringt ein jedes in unablässigem Mühen um sein Stück Brot.[578] Zeiten der Arbeitslosigkeit bedeuten Hunger; überfallen Schneeverwehungen die im Gebirge wohnenden Weber, die dadurch oft auf Monate vom Arbeitgeber abgeschnitten sind so nimmt der Hungertod in erschreckender Weise zu.[579] Zu dieser Ueberanstrengung auf der einen und der Schwierigkeit des Betriebs auf der anderen Seite stehen die Löhne in schreiendem Mißverhältnis. Das Weben feiner Leinengewebe, z.B. der Damast-Tischgedecke, die sich vorläufig von der Maschine nicht in derselben Güte herstellen lassen, bringt noch am meisten ein, und doch verdient ein Arbeiter bei größter Ausnutzung seiner Kräfte selten mehr als 7 fl. die Woche[580] ein Shawlweber kann es bis auf 10 fl. bringen, wenn er von früh vier Uhr bis abends zehn Uhr zu arbeiten im stande ist.[581] Der häufigste Jahresverdienst böhmischer Weberfamilien schwankt zwischen 120 und 150 Gulden, wovon oft sieben bis acht Personen erhalten werden müssen![582] Eine achtgliedrige Familie, die sich in der besonders günstigen Lage befand, über eine Jahreseinnahme von 350 fl. zu verfügen, gab täglich für Nahrung pro Person ganze zehn Kreuzer aus; für alle übrigen Ausgaben blieben 70 fl. übrig. Eine Witwe mit nicht weniger als zehn Kindern konnte nicht mehr als 200 fl. im Jahr trotz allem Fleiß aufbringen[583], d.h. diese elf Personen mußten mit fünfundfünfzig Kreuzern täglich ihre sämtlichen Bedürfnisse befriedigen! Ein Arbeiter, der mit Frau und Kindern sogenannte Putzel-Leinwand herstellte, verdiente 1,48 fl. die Woche; ein anderer, der leichte Baumwollwaren unter Mithilfe seiner Familie webte, kam bei zwölfstündiger Arbeitszeit aller auf 1,20 fl.[584] Unter den alleinarbeitenden Frauen sind die Seidenwinderinnen die bestgestellten, denn sie erreichen den hohen Lohn von--2 fl. wöchentlich.[585] Die Spulerinnen der Baumwollunterketten für Plüschgewebe dagegen,--meist lebensmüde Greisinnen mit zitternden Händen und gekrümmten Rücken,--kommen bei großem Fleiß auf 1,10 fl. die Woche[586], und die Weberinnen der Rohfutterstoffe, die noch vor fünfzehn Jahren für 22 Meter 80 kr. bekamen, kommen heute bei 45 Meter auf 75 kr., wobei häufig vier volle Arbeitstage darauf gehen.[587] Wie es bei solchen Löhnen mit der Ernährung der Bevölkerung aussieht,--allein im Königgrätzer Bezirk wurden 30000-40000 Heimweber gezählt[588],--bedarf keiner näheren Beschreibung. Es ist dabei oft noch ein besonderes Glück, wenn der Weber überhaupt seinen Lohn zu sehen bekommt. Viele Faktoren, die die Vermittlung zwischen dem Verleger, dem eigentlichen Unternehmer, und dem Heimarbeiter in Händen haben, beschäftigen nur solche Weber, die von vornherein auf den Geldlohn verzichten und sich durch Waren aus ihren Kramläden entschädigen lassen. Manche arme Mutter, deren Kinder nach Brot schreien, kommt infolgedessen mit irgend einem wertlosen Stück Stoff, einem Tuch od. dergl. nach Hause. Ist der Faktor Gastwirt, so verführt er den Weber, Branntwein statt Lohn zu nehmen[589], was den vollständigen Ruin der unglücklichen Familien herbeiführt. Aber das ist noch nicht alles: wird der Lohn gezahlt, so sucht ihn der Faktor durch willkürliche Schadenersatz- oder Strafgelder oft bis zur Hälfte hinabzudrücken[590] und der in seiner Vereinzelung wehrlose Arbeiter, der das Gespenst der Arbeitslosigkeit vor Augen sieht, fügt sich stumm darein. Ja, er entschließt sich sogar, den Faktor mit Produkten seiner armseligen Landwirtschaft zu bestechen, um der Arbeit sicher zu sein.[591] Gegenüber solchen Zuständen kann man sich nicht einmal damit trösten, daß sie sich etwa auf den einen Landstrich beschränken, denn sie herrschen überall, wo die motorisch getriebene Maschine im Großbetrieb noch nicht hat Einzug halten können. In Belgien z.B., wo die mechanische Spinnerei und Weberei die Hausindustrie fast ganz aufgesogen hat[592], mußte sie ihr doch bisher noch die Weberei der Leinendamaste, wie der feinen Battiste überlassen.[593] Seltsam genug: die Luxusartikel der Reichsten werden in den elendesten Höhlen des Jammers von den Händen der Ärmsten hergestellt! Die Battistweber und Weberinnen arbeiten meist in feuchtdunklen Kellern, um die feinen Fäden am Brechen zu verhindern.[594] Sie erblinden infolgedessen häufig und ihre Glieder krümmen sich unter rheumatischen und gichtischen Schmerzen. Wie in Böhmen haust die ganze Familie des Webers in seinem Arbeitszimmer, wie dort ist der Lohn ein kläglicher. Die geschickteste Weberin feiner Leinwand verdient im günstigsten Fall bei ausgedehntester Arbeitszeit 1,80 fr. täglich, während Wochenlöhne von 3 fr. gar nicht selten sind.[595] Ein trauriges Bild, das sich den geschilderten würdig anreiht, bietet die Seiden-Hausindustrie Frankreichs. Schon die Zucht der Seidenraupen in den Privathäusern, die hauptsächlich in den Händen der Frauen liegt, ist im höchsten Grade widerlich: jeder Winkel der Wohnung wird dafür ausgenutzt, Massen von welken Blättern, toten Raupen und ihren Exkrementen bedecken den Boden und verbreiten ekelhafte Gerüche; mitten darin wohnt, schläft und kocht die ganze Familie.[596] In den Heimen der Hasplerinnen sieht es wenig anders aus; hier ist die Ausdünstung des heißen, klebrigen Wassers, in das sie bei der Arbeit unaufhörlich die Hände tauchen müssen, atembeklemmend. Die Lyoner Seidenweber, von denen die Hälfte weiblichen Geschlechts sind, haben es nicht besser. Dabei belaufen sich ihre Jahreseinnahmen, je nach der Länge ihrer Arbeitszeit und Schwierigkeit ihrer Arbeit, auf 382 bis 882 fr.[597] Eine der besten Lyoner Hausweberinnen, die ein siebenjähriges Kind zu versorgen hatte und 907,70 fr. im Jahr einnahm, stellte folgendes Budget auf:[598] Wohnung130,00 fr. Nahrung653,35 fr. Heizung 34,80 fr. Kleidung63,80 fr. ----------------------------------- Im ganzen: 918,45 fr. Trotzdem sie für Nahrung täglich nur 1,80 fr. rechnete, und die Kleidung für das Kind durch ihren Bruder beschafft wurde, muß das Defizit ein bedeutend höheres sein, als sie angab, weil sie weder für Krankheit, noch für Erholung und Nebenausgaben etwas ansetzte. Wohlthätigkeit oder Prostitution sind die einzigen Mittel, um es wett zu machen; die Arbeiterin, die sich aufreibt von früh bis spät, hat dafür nicht einmal die Genugthuung, durch eigne Kraft sich und ihr Kind erhalten zu können,--sie muß betteln gehen oder sich verkaufen! Fast an jedem Stück unserer Kleidung und unseres Hausrats kleben der Schweiß und die Thränen unglücklicher Frauen. Für elegante Brustbesätze von Hemden, die den gepflegten Körper reicher Damen umhüllen und für die sie selbst drei bis fünf Gulden zahlen müssen, empfängt die Stickerin des Erzgebirges nur sechzehn bis achtzehn Kreuzer, für kunstvoll gestickte Bettdecken, die ihr weiches Lager umhüllen, und bei einer täglichen Arbeitszeit von zwölf bis fünfzehn Stunden fünf Wochen zur Fertigstellung erfordern, empfängt die Arbeiterin ganze--fünf Gulden![599] Die gestickten Röckchen und Häubchen, die die zarten Glieder glücklicher Kinder wärmen, bringen den böhmischen Strickerinnen zwanzig Kreuzer den Tag.[600] Ob wohl die Heldinnen großstädtischer Feste, deren von Füttern und Perlen glitzerndes Kleid sie wie eine Schlangenhaut umgiebt, jener vogesischen Stickerinnen gedenken, die in zwölf- und vierzehnstündiger Arbeitszeit mit Hilfe ihrer eignen, oder zur Arbeit angenommenen Kinder diese verführerischen Gewänder herstellen, und bestenfalls eine Mark pro Tag daran verdienen?![601] Auch die goldgestickten Uniformen der Männer können vom Elend derer, die sie schufen, erzählen. Eine fleißige französische Goldstickerin mit einem dreijährigen Kind hatte eine Jahreseinnahme von 529,50 fr. und eine Ausgabe für die notwendigsten Bedürfnisse von 707,90 fr. Das Defizit erschreckte sie aber nicht mehr: "Ich habe glücklicherweise jemanden, der das deckt."[602] Eine ihrer Kolleginnen in Paris verdiente wöchentlich bei elfstündiger Arbeitszeit 11,50 fr., womit sie kaum ihre Ernährung beschaffen konnte; "sie hat einen Liebhaber, Gott sei Dank," sagte ihre Nachbarin auf eine mitleidige Frage.[603] Dabei bietet diese ganze Industrie gar keine Aussicht auf eine Aufbesserung der Löhne, denn die Maschine dringt unaufhaltsam vor. In Plauen z.B., wo eine Handstickerin im Jahre 1871 noch 34 Mk. wöchentlich verdiente, stand sie sich zehn Jahre später bereits auf 17 bis höchstens 23 Mk.[604] Auch der Spitzenhausindustrie ist die Maschine ein grimmiger Feind. Nach Hunderttausenden schätzte Leroy-Beaulieu noch vor dreißig Jahren die französischen Spitzenarbeiterinnen.[605] Ihre Zahl ist heute sehr zusammengeschrumpft. Eine blühende Industrie war einst die böhmische Spitzenklöppelei, heute vermag sie die wenigen Getreuen nicht zu ernähren. Sechzehn bis achtzehn Stunden muß die Klöpplerin über dem Kissen gebückt arbeiten, wenn sie einen Jahresverdienst von 30--sage und schreibe dreißig!--bis höchstens 100 Gulden erreichen will. Fünfjährige Kinder müssen schon acht Stunden täglich neben der Mutter sitzen und klöppeln, um drei bis zwölf Kreuzer zu verdienen. Ein elendes Geschlecht wächst unter solchen Umständen heran, tuberkulös und skrophulös, physisch und geistig herabgekommen.[606] Im klassischen Lande der Spitzenproduktion, in Belgien, sieht es nicht anders aus. Vom sechsten Jahre an sitzen die Arbeiterinnen zwölf Stunden täglich in feuchter Kellerluft mit der Aussicht 150 bis 200 fr. im Jahre zu verdienen.[607] Bei einer jährlichen Spitzenproduktion im Wert von ca. 50 Millionen Mark, stehen sich die Arbeiterinnen durchschnittlich auf 52 bis 53 c. täglich.[608] Jahreseinnahmen von 154 bis 341 fr. wurden bei vier Lyoner Spitzennäherinnen ermittelt, und zwar erreichten sie diesen Satz nur dann, wenn bei täglicher zwölfstündiger Arbeitszeit im Laufe des Jahres keine Arbeitsunterbrechung stattfindet. Dasselbe gilt für die Schleierarbeiterinnen, die dabei noch schlimmer daran sind, weil sie keine differenzierte Arbeit haben, wie die Spitzennäherinnen; alle Tage, zwölf Stunden lang, das ganze Jahr hindurch, setzen sie Chenilletupfen auf das feine Gewebe.[609] Zehrende Krankheiten sind das Gefolge der Spitzenarbeit. Noch schärfer als in der Fabrik wirkt das Blei, das zur Appretur angewendet wird, auf die Arbeiterinnen; fast alle weisen Zeichen der Vergiftung auf, neben rasch abnehmender Sehkraft.[610] Auch hier ist die Lage völlig hoffnungslos; die Maschine und die massenhafte Konkurrenz der Frauen untereinander sind die Ursachen. Ein Trost ist es vielleicht, sich sagen zu können, daß die Textilhausindustrie auf dem Aussterbeetat steht und die Zustände, die sie zeitigt, mit ihr verschwinden werden. Dies Sterben ist aber leider nicht nur ein außerordentlich langsames, dieselben Verhältnisse finden sich vielmehr auch bei anderen Hausindustrien, die gleichfalls nicht leben und nicht sterben können. Sehen wir z.B. jene englischen Heimarbeiter an, die Zündholzschachteln machen: im engen Zimmer arbeitet eine Mutter mit ihren Kindern bis zu den kleinsten herab; der ganze, auch im Sommer geheizte Raum ist erfüllt mit trocknenden Schachteln, Geruch von schlechtem Leim erfüllt die Luft, und 7 sh. wöchentlich ist die höchste zu erzielende Einnahme.[611] Oder betrachten wir jene in den Dörfern und Flecken Böhmens verstreuten Glasarbeiter-Familien, deren Frauen die schwersten und gesundheitsschädlichsten Arbeiten obliegen; stundenweit, bei jedem Wetter, auf unwegsamen Bergpfaden müssen sie die schweren Lastkörbe schleppen, um Waren abzuliefern und Material zu holen[612], oder sie sind mit der Glasmalerei beschäftigt und infolge der bleihaltigen Farben Vergiftungserkrankungen ausgesetzt.[613] Blaß und hohläugig wie sie, sind die Glasperlenarbeiterinnen Thüringens. Um den Perlen jenen beliebten perlmutterartigen Glanz zu geben, blasen die Mädchen eine übelriechende, oft giftige Substanzen enthaltende Gallerte von Fischschuppen und Gelatine hinein. Sie werden zwar magen- und augenkrank, aber sie erreichen auch den fabelhaften Lohn von 50 bis 75 Pf. täglich![614] Noch elender daran sind die belgischen Strohflechterinnen, die täglich 47 bis 57 c. verdienen, und dabei vollständig in den Händen des Faktors sind, der sie am liebsten mit Waren entlohnt.[615] Selbst angenommen, diese Arten der Hausindustrie gingen, ohne Anstoß von außen, ihrem natürlichen Verfall entgegen, so wäre damit die Hausindustrie an sich nicht aus der Welt geschafft. Denn wie sie einerseits durch die Großindustrie erdrückt wird,--ein Prozeß, der in der Textilhausindustrie am deutlichsten zum Ausdruck kommt,--so werden ihr andrerseits durch sie neue Gebiete eröffnet, auf denen eine fast grenzenlose Ausbreitungsmöglichkeit gegeben ist. Diese Dezentralisation des Großbetriebs tritt in der Tabakindustrie besonders scharf hervor; hier ist die Heimarbeit überall in starkem Zunehmen begriffen[616], obwohl deren Schäden zum Teil ganz ungeheuerliche sind. Die Kinderarbeit spielt hier eine solche Rolle, daß, wo eigene Kinder fehlen, fremde, sogenannte Kaufkinder angenommen werden.[617] Es kommen Räume von kaum zwei Meter Höhe vor, in denen Frauen mit fünf bis acht Kindern den ganzen Tag Cigarren machen; in Küchen und Schlafkammern wird der zum Entrippen angefeuchtete Rohtabak getrocknet, so daß der Tabakdunst nicht mehr zu vertreiben ist und dauernd eingeatmet wird.[618] Welche Folgen die Nikotinvergiftung nach sich zieht, haben wir schon erfahren. Dabei verdient eine ganze, aus Mann, Frau und Kindern bestehende hart arbeitende Familie 12 bis 20 Mk. die Woche, während eine alleinstehende Frau mit einem Kind auf 6 bis höchstens 10 Mk. rechnen kann.[619] Welche Gefahren die hausindustrielle Herstellung von Cigarren auch für die Konsumenten mit sich bringt, dafür nur ein Beispiel: In New-York fand ein Sanitätsinspektor eine Familie, die in derselben engen Kammer Cigarren herstellte, in der zwei Kinder an Diphtheritis schwer krank danieder lagen.[620] Eine dezentralisierende Tendenz hat auch die Spielwarenindustrie, die von alters her eines der traurigsten Kapitel der Hausindustrie bildet und weiter bilden wird, weil der Großbetrieb sich besonders für billiges Spielzeug als weniger gewinnbringend erweist, als die Heimarbeit. In ihrer deutschen Hauptzentrale, in Sonneberg, fand Sax die furchtbarsten Lohn- und Wohnungsverhältnisse. Typisch war eine Behausung, die aus Küche und Kammer bestand. Die Küche, zugleich Wohn- und Arbeitsraum, wurde dauernd geheizt, damit die ringsum aufgeschichteten Sachen, Puppenköpfe und dergleichen, schneller trocknen; die kaum ventilierbare Kammer war durch zwei bis drei Betten ganz ausgefüllt, in denen oft zwei- bis dreimal so viel Menschen schliefen. Die Beköstigung bestand neben Kartoffeln aus Wurstsuppe, d.h. dem Wasser, in dem der Fleischer Würste gekocht hat, und Schnippeln, den Sehnen, die aus dem Rindfleisch als unbrauchbar entfernt werden.[621] Diese Ernährung soll dem Körper Kräfte genug verleihen, um in der Hochsaison eine tägliche Arbeitszeit von achtzehn bis zwanzig Stunden auszuhalten.[622] Dabei waren die Löhne so elend,--eine Sonneberger Bossiererfamilie verdiente bei angestrengter Arbeit eines jeden ihrer Glieder 12 bis 15 Mk. die Woche, mußte sich aber mit diesem Verdienst auch noch über eine vier- bis sechsmonatliche Arbeitslosigkeit hinweghelfen[623],--daß die Drechsler sich ihr Holz stehlen mußten, um nur existieren zu können.[624] Man sage nicht, daß diese Zustände zwanzig Jahre hinter uns liegen und überwunden sind; denn heute ist das Elend in der Thüringer Spielwarenindustrie noch viel größer.[625] Eine Drückerfamilie, die aus Papiermaché Spielzeug herstellt, arbeitete zu neun Personen in einem einzigen stickigen, heißen Raum voll Staub und voll trocknender Waren; ein Säugling in der Wiege lag dabei. Ein Arbeitstisch, eine Bank, ein Stuhl, eine einzige Schüssel, die zum Waschen und Essen gleichzeitig benutzt wurde, bildeten die ganze Einrichtung; dem gegenüber hatte der Pfarrer des Orts die Stirn, zu behaupten, daß alle Leute gut und angenehm wohnen[626]! Die Löhne sind von Jahr zu Jahr zurückgegangen. Heute verdient z.B. eine Arbeiterin an einem Dutzend Puppenkleidchen von 25 bis 30 cm Länge, mit Aermeln, Schleifen, Spitzen und Knöpfen nicht mehr als 12 bis 20 Pf.[627] Die beliebten Puppentäuflinge liefert der Sonneberger Hausindustrielle für 95 Pf. das Dutzend, wobei er pro Stück--1 Pf. verdient! Eine Bossiererfamilie von vier erwachsenen Personen kommt bei täglicher,--den Sonntag mitgerechnet,--vierzehn-bis fünfzehnstündiger Arbeitszeit auf 9,50 Mk. pro Woche, das bedeutet eine Einnahme von 34 Pf. täglich für die Person.[628] daß unter solchen Verhältnissen die Männer sich bemühen, andere Arbeit zu finden, ist begreiflich. Die Schwächsten, die Frauen, die Greise und die Kinder nehmen sie auf. 81 % der Schulkinder werden im Bezirk der Meininger Spielwarenindustrie zur Arbeit herangezogen; sie arbeiten nach den Schulstunden oft bis zehn und zwölf Uhr nachts, drängt die Arbeit, so wird es auch zwei und drei Uhr, ehe sie zur Ruhe kommen. Infolgedessen wurde im Winter 1895 konstatiert, daß im Herzogtum Meiningen 2809 arbeitenden Kindern 3037 arbeitslose Erwachsene gegenüberstanden.[629] Auch in anderen Zweigen der Spielwarenindustrie müssen die Mütter nicht nur all ihre Kräfte daran geben, um einen nennenswerten Verdienst zu erreichen, sie sind auch noch gezwungen, das Liebste, was sie haben, ihr eigenes Fleisch und Blut, dem unersättlichen Moloch in den Rachen zu werfen. So liegt die Bemalung der Zinnsoldaten hauptsächlich in ihren Händen. Sie sitzen beide blaß und still vor den Farbentöpfen, nur die Hände fieberhaft bewegend; das arme Kind mit dem alten, müden Zug um Mund und Augen wendet teilnahmlos die bunten Figürchen in den Händen, es weiß gar nicht, was Spielen heißt. Hunderte von Nürnberger Zinnmalerinnen fristen so ihr Leben; bei vierzehn- bis siebzehnstündiger Arbeitszeit erreichen sie einen wöchentlichen Reinverdienst von höchstens 4,35 Mk.[630] Die Räume, in denen all dies Spielzeug hergestellt wird, das aus Metall, wie das aus Holz und Papiermaché, sind mit ihrem Staub, ihrer Hitze, ihrer verpesteten Luft, wahre Herde der Lungenschwindsucht, deren Keime mit den Waren in die Familien der ahnungslosen Käufer getragen werden. Eine unbewußte Rache der Elenden an den Reichen, wenn sie ihnen mit dem bunten Spielzeug den unheimlichsten Würgeengel der Menschheit ins Haus schicken! Wir kommen nunmehr zu jenem großen Arbeitsgebiet, auf dem sich die Frauen in Scharen zusammendrängen, und das die Näherei in allen ihren Zweigen umfaßt. Die Art der Arbeit ist hier eine sehr differenzierte. Wir haben die Werkstattarbeiterin in den Schwitzhöhlen, die Heimarbeiterin, die für die Konfektions- und Putzgeschäfte arbeitet, die Schneiderin und die Putzmacherin, die nur von der Privatkundschaft leben, die Näherin und Ausbesserin, die bei den Kunden selbst näht. Dabei handelt es sich neben der Herstellung der Wäsche und Kleidung um die der Hüte, der Handschuhe, der Kravatten. Wie wichtig dies Gebiet für die Frauenarbeit ist, geht schon daraus hervor, daß allein in Deutschland zwei Drittel aller hausindustriell thätigen Frauen der Bekleidungsindustrie angehören. Die Nadel ist eines der urältesten Attribute in der Hand der Frau; sie ist ihr geblieben als eines jener wenigen Werkzeuge, die sich ihrer Form und Idee nach im Laufe der Jahrhunderte kaum verändert haben, und in der Bekleidungsindustrie mehr als in irgend einer anderen, hat sich bestätigt, was wir schon in Bezug auf andere Berufsarten ausführten, daß die Frauenarbeit die technische Entwicklung hemmt. In allen Industrien hat das Maschinenwesen gerade in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts einen enormen Fortschritt gemacht, nur in der Näherei ist man seit fünfzig Jahren bei denselben primitiven Instrumenten stehen geblieben, und die Hausindustrie herrscht nicht nur noch unumschränkt, sie hat sogar die beste Aussicht, den Fabrikbetrieb auf geraume Zeit hinaus aus dem Felde zu schlagen. Für die Beleuchtung der Lage der Nadelarbeiterinnen fehlt es zwar nicht an Material, es hat aber durchweg nur den Wert, den etwa Momentphotographien aus einem Feldzug für die Beurteilung des ganzen Krieges haben: Wo der Kampf am heißesten ist, wo die Wunden am schwersten sind, dahin dringt der Photograph nicht. Meist haben plötzlich an die Oberfläche tretende Mißstände das Elend der Konfektion der Oeffentlichkeit vor Augen geführt; Erhebungen, wie die beiden deutschen im Jahre 1886, veranlaßt durch den Kampf der Arbeiter gegen den geplanten Nähgarnzoll, und im Jahre 1896, infolge des Konfektionsarbeiterstreiks, wurden dadurch hervorgerufen. Daneben gewähren eine ganze Reihe von Einzeluntersuchungen, die der Privatinitiative zu verdanken sind, Einblick in die Verhältnisse. An umfassenden, sorgfältig vorbereiteten, besonders die Höhe der Wochenlöhne und Jahreseinnahmen berücksichtigenden Enqueten fehlt es jedoch vollständig. Mit der Angabe der Wochenlöhne allein wäre nicht viel gewonnen, da der Saisoncharakter in keiner Industrie ein so ausgeprägter ist, als in der der Bekleidung. Meist dauert die Hochsaison nur fünf Monate, die übrigen sieben bedeuten teils eine stille, teils eine vollständig tote Zeit für die Arbeiterin. Selbst Wochenlöhne von 15 bis 20 Mk., die außerordentlich selten vorkommen, können demnach oft nur eine kümmerliche Existenz gewährleisten. In folgender Tabelle habe ich versucht, einige der festgestellten Wochenlöhne in Verbindung mit den Jahreseinnahmen der Konfektionsarbeiterinnen zusammenzustellen: | Wochen- | Jahres- Art der Arbeit| lohn| ein- || kommen || |Mk.|Mk. -----------------------+---------+-------- Kleider- und Mäntel-|| konfektion[631]: Berlin| 8-9 | 160-180 "" | 4-5 | 80-100 Wäschekonfektion:|| Rheinprovinz| 5,95 | 314,64 Wäschekonfektion:|| Erfurt| 6-7 | 250 Knabenkonfektion:|| Stettin |3-4,80| 250 Knabenkonfektion[632]: || Berlin| 3-10 | 280-300 Wäschekonfektion[633]: || Erfurt| 2,25 bis| |4,75 | 167,25 "| 3,45 bis| |7,20 | 253,95 "| 4,60 bis| |9,60 | 338,60 Herrenkonfektion:|| Berlin|12,46 | 490 " | 9,70 | 380 " | 6,30 | 250 " | 6,99 | 280 Wäschekonfektion:|| Berlin| 9,48 | 470 Knabenkonfektion:|| Stettin | 7,50 | 300 Damenkonfektion: || Berlin| -- | 375 Damenkonfektion: || Breslau | -- | 250 Damenkonfektion: || Erfurt| -- | 220 Wäschekonfektion:|| Berlin| 5,88 |-- Damenkonfektion: || Berlin| 7 | 280 Unterrock- || konfektion[634]: || Berlin| 7-8 | Blusenkonfektion:|| Berlin| 3,50 bis| 200-311 | 4,50 |-- "|7-7,50|-- "| 9 |-- Kleiderkonfektion[635]:|| Breslau | 4,50 bis| | 7,50 | 250-300 "| 2-3 | 100-150 Konfektion[636]: || Lübbecke | -- | 250 " | -- | 376 Damenkonfektion[637]: || Berlin| 7,42 | 386 "| -- | 322 "| 5,95 | 309 "| -- | 393 || Betrachten wir diese Tabelle, die in den meisten Fällen Jahreseinnahmen unter 300 Mk. konstatiert, und bedenken wir, daß eine regelmäßige wöchentliche Einnahme von 9 Mk. und eine jährliche von 468 Mk. gerade nur das notdürftigste Leben einer alleinstehenden Arbeiterin zu sichern vermag, eine großstädtische Arbeiterin sogar unter 600 Mk. nicht auskommen kann, so brauchen wir ihr nichts hinzuzufügen, um ihre Sprache beredter zu machen. Dabei erreicht die Arbeiterin diese Hungerlöhne nur mit Aufbietung ihrer ganzen Kraft. In der Saison sind Arbeitszeiten von vierzehn bis achtzehn Stunden keine Seltenheit. So arbeiten die Stepperinnen in den Berliner Zwischenmeisterwerkstätten oft bis elf Uhr nachts und länger;[638] Nürnberger Näherinnen, die acht bis neun Mark verdienen, müssen dafür fünfzehn bis sechzehn Stunden hinter der Maschine sitzen.[639] In den Werkstätten beträgt die Arbeitszeit selten weniger als zwölf bis dreizehn Stunden, sehr häufig,--das konnte die Kommission für Arbeiterstatistik wiederholt konstatieren,--wird, besonders vor den Liefertagen, die Nacht durch gearbeitet. Ins Endlose wird sie noch dadurch ausgedehnt, daß die Arbeiterinnen Arbeit mit nach Hause nehmen und hier noch drei bis fünf Stunden ihr letztes bißchen Kraft daran wenden, um ein paar Groschen mehr herauszuschlagen. Es kam vor, daß Erfurter Arbeiterinnen auf diese Weise bis zu 125 Arbeitsstunden wöchentlich berechnen konnten.[640] Die Vorteile der Werkstattarbeit sinken infolgedessen fast in nichts zusammen, um so mehr, als auch die Werkstatt in den meisten Fällen nichts weiter ist, als eine enge, schlecht beleuchtete und schlecht ventilierte Proletarierwohnung. In demselben Raum, der vom Dunst der Bügeleisen erfüllt ist, in dem Glieder der Familie des Zwischenmeisters nächtigen, der womöglich auch noch zum Kochen und Waschen benutzt wird, sitzen die Näherinnen dicht gedrängt vor dem oft einzigen Fenster. Werkstätten in feuchten Kellern, oder in glühendheißen Dachstuben kommen vor, dabei ist häufig die Ueberfüllung so groß, daß statt 28 cbm nur 5 bis 12 cbm Luftraum auf die Person kommen.[641] Und doch steht die Werkstattarbeiterin sich immer noch besser, als die Heimarbeiterin. Das größte Elend ist dort zu Hause, wo, versteckt in den eigenen vier Wänden, die arme Witwe, die verlassene Ehefrau, die Gattin des Arbeitslosen oder Arbeitsscheuen für sich und ihre Kinder den harten Kampf ums Dasein kämpfen. Rücksichtslos und schutzlos sind sie der unbeschränktesten Ausbeutung preisgegeben. Daß sie zum großen Teil nicht freiwillig die Heimarbeit gewählt haben, sondern sich dazu gezwungen sehen, weil Familiensorgen sie ans Haus fesseln, geht schon daraus hervor, daß die meisten Heimarbeiterinnen nicht zu den in Wort und Bild so oft verherrlichten "flotten Nähmamsellen" gehören, sondern sorgenvolle Frauen sind, von deren Arbeit die Existenz der Ihren abhängt.[642] Fast durchweg liegt die Herstellung der gewöhnlicheren Konfektion in ihren Händen,[643] infolgedessen erreichen sie bei höchster Arbeitszeit nur den niedrigsten Lohn. Aber auch da, wo sie dieselbe Arbeit leisten, wie die Werkstattarbeiterin, ist ihr Verdienst geringer.[644] Eine verwitwete Näherin in Berlin mußte, um 10 Mk. Wochenlohn zu erreichen, von früh vier und fünf Uhr bis nachts elf Uhr arbeiten; trotz dieser übermenschlichen Anstrengung konnte sie ihre Familie nicht allein erhalten, sie mußte noch zur Armenunterstützung ihre Zuflucht nehmen![645] Eine Leipziger Heimarbeiterin, die im ersten Morgengrauen ihre Hauswirtschaft besorgte, arbeitete dann bis 1/2 11 Uhr nachts; weil sie sich die Zeit dafür nicht nehmen konnte, mußte ihr ältester elfjähriger Bub das Mittagessen bereiten und die Geschwister beaufsichtigen.[646] Berliner Blusennäherinnen wiesen Wochenlöhne von 3,50 Mk. bis 4,50 Mk. auf![647] In Essen verdiente eine Mutter mit ihrer Tochter bei sechzehn- bis achtzehnstündiger Arbeitszeit 9,75 Mk. für das Nähen leinener Arbeiterhosen; pro Stück erhielten sie--12 Pf., obwohl das Futter zuzuschneiden, Taschen, vier Knopflöcher, zehn Knöpfe neben den Maschinennähten zu nähen waren und das Garn dazu geliefert werden mußte.[648] Knopflochverrieglerinnen kommen auf 3 bis 3,60 Mk. wöchentlichen Verdienst, Knopflochnäherinnen in der stillen Zeit auf 2 bis 4 Mk., in der Hochsaison auf 5 Mk.; eine Wäschenäherin, Mutter von vier kleinen Kindern, konnte bei angestrengtester Arbeit nicht mehr als 9 Mk. wöchentlich verdienen.[649] Wie sich bei solchen Einnahmen die Lebenshaltung gestaltet, dafür nur einige Beispiele. Eine alleinstehende Berliner Heimarbeiterin, die 7 Mk. wöchentlich verdiente, hatte folgendes Wochenbudget: Mit einer anderen geteilte Kochstube1,50 Mk. Feuerung 0,30 " Spiritus zum Kochen 0,20 " Petroleum0,30 " Wäsche0,15 " Mehl, Gemüse, Gegräupe 0,70 " Kartoffeln 0,15 " Brot 1,00 " Milch 0,35 " Salz, Schweden etc0,10 " Kaffee0,40 " Butter0,50 " Schmalz 0,38 " Kassenbeitrag 0,22 " ---------- Im ganzen: 6,25 Mk. Ihre tägliche Ausgabe für die Nahrung betrug demnach nicht ganz 50 Pf., für Kleidung, Beschuhung, sonstige Ausgaben blieben wöchentlich nur 75 Pf. übrig.[650] Eine andere, die eine Schlafstelle inne hatte und Mittag für 30 Pf. täglich auswärts aß, brauchte, da sie sich ein wenig besser nährte, 7,45 Mk. die Woche. Die Wochenausgaben einer Breslauer Näherin, die durchschnittlich 6 Mk. verdiente, stellten sich folgendermaßen: Wohnung1,00 Mk. Mittagessen 1,75 " Frühstück, Vesper, Abendbrot2,25 " Heizung, Beleuchtung, Wäsche1,35 " Kassenbeitrag0,15 " ------------ Im ganzen:6,50 Mk. Hier zeigt sich schon, obwohl Kleidung und Nebenausgaben aller Art nicht in Rechnung gestellt wurden, und die tägliche Ausgabe für die Ernährung nur 57 Pf. beträgt, ein wöchentliches Defizit von 50 Pf.[651] Sobald noch Kinder zu ernähren sind, wird die Lage natürlich zu einer ganz verzweifelten. Eine Witwe mit einem elfjährigen Sohn, die 366 Mk. im Jahr, also ca. 7 Mk. wöchentlich verdiente, und die Ausgabe für Miete durch Aftervermietung deckte, hatte folgende Wochenausgaben: Feuerung0,90 Mk. Petroleum 0,55 " Brot 1,30 " Ein Pfund Fett0,60 " : , 1 , 2 , 3 . 4 , ; , 5 . 6 , 7 8 , - - , 9 . [ ] 10 11 . [ ] 12 . 13 , , 14 . , 15 , 16 . [ ] 17 ; 18 , , 19 . [ ] 20 21 : , 22 , , 23 , 24 , , 25 , . 26 : 27 ! [ ] 28 , 29 , [ ] ; , 30 , , 31 . 32 , 33 , 34 , ; 35 , " " , 36 ! , 37 , 38 , 39 ; 40 , , 41 . [ ] 42 , , . 43 : 44 , , 45 , 46 . [ ] 47 , , 48 . [ ] 49 50 , , 51 . 52 . 53 . 54 - 55 . [ ] 56 , 57 : 58 , 59 . [ ] 60 61 : , , 62 , , 63 , 64 . , 65 , , 66 , 67 . [ ] 68 : 69 , , , 70 . 71 ; 72 , , 73 , , . 74 , 75 . [ ] 76 77 . 78 " " , 79 . , , , 80 ; 81 82 . [ ] 83 ; 84 , , - 85 . 86 87 : ! 88 , 89 . , 90 - - 91 , . 92 : " 93 , , 94 ' . " [ ] . 95 , , 96 , , 97 , 98 . [ ] , , 99 : 100 , 101 , 102 103 , , 104 . 105 106 , 107 , , 108 , , , , , 109 , 110 , , 111 , . 112 : 113 , - - , 114 , . 115 , , 116 : . 117 , : 118 , , ? ! 119 , 120 ! 121 122 , , ? 123 ; , , 124 . 125 ; , , 126 , 127 , 128 ; . 129 130 . : 131 , . 132 , , 133 , , , 134 , , 135 . , 136 . 137 138 , 139 . 140 . [ ] , 141 , - - , 142 , , - - , 143 . . [ ] 144 , - - 145 ! - - , 146 . , 147 . 148 , 149 , , , 150 , . . 151 . 152 . , 153 . , 154 : , 155 , . 156 157 . - - 158 , , 159 , . 160 161 [ ] ; 162 , 163 . [ ] . . 164 165 , , 166 ; 167 , , 168 ! 169 , , 170 , , 171 , , , 172 [ ] , - - , 173 ! 174 . 175 , . , 176 , . , , , 177 , . [ ] 178 , 179 . [ ] 180 - - , 181 182 , % ; 183 , , 184 185 186 . [ ] 187 , , , 188 , , 189 , 190 . , 191 . , 192 , . - 193 , 194 , , , 195 , , 196 . 197 , 198 , 199 . 200 201 , 202 , , - , - , 203 , . 204 , , 205 . , 206 . 207 , 208 : . 209 ! , 210 , 211 , 212 . [ ] 213 214 , . 215 216 217 . 218 . 219 , 220 . 221 222 ; 223 : 224 225 226 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 227 - - 228 - 229 230 231 % % % % 232 - - - - - - - - - - - - - - - + - - - - - - - + - - - - - - - + - - + - - - - - - - + - - + - - - - - - - + - - - + - - - - - - - + - - 233 - - - - 234 235 - - - - 236 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 237 238 239 - - - - 240 - - - - 241 242 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 243 244 - - - - - - - - - - - - 245 246 247 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 248 249 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 250 251 252 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 253 254 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 255 256 257 , % 258 ; , 259 , , , 260 . 261 , 262 , , . . % 263 , , 264 . , 265 . 266 , , 267 268 , . 269 : 270 , 271 , , 272 , , 273 , 274 . , 275 , ; 276 277 278 . 279 ; , 280 , 281 : , 282 , , , ; 283 [ ] , 284 , , 285 286 . 287 288 , , 289 . 290 291 , 292 , . 293 % , 294 % [ ] 295 296 , . 297 298 , . [ ] 299 300 [ ] ; 301 % . [ ] 302 303 , . 304 305 [ ] , % % 306 . [ ] 307 308 , . [ ] 309 310 . [ ] 311 312 - : 313 [ ] , 314 . , , 315 , , 316 , 317 . , 318 , 319 , . [ ] 320 321 ! ; 322 . 323 , , 324 . [ ] 325 326 , , 327 . . . , 328 , . . . , . 329 , , , 330 . [ ] 331 ! , 332 , , . 333 , ; , 334 , , 335 , , 336 , . 337 . 338 : 339 , , 340 , . 341 , 342 , 343 " " . 344 , 345 , , 346 , 347 - - , , 348 - - , 349 , , 350 . 351 352 , 353 , , 354 , , . 355 . 356 . , 357 , 358 , 359 . , 360 , 361 , . , 362 , 363 . 364 . 365 366 . , 367 , , 368 , 369 . 370 , 371 , . 372 373 : 374 . , 375 , . 376 , , , 377 , . 378 , 379 , . 380 , , 381 , 382 . 383 384 385 . , 386 - - , 387 ! - - 388 . , 389 , 390 , , 391 . 392 393 . , 394 , 395 ; 396 , , , 397 , , 398 , , 399 . 400 401 , 402 , 403 . 404 405 , 406 , 407 : 408 . 409 , 410 , 411 . , 412 , 413 . 414 - , 415 , , 416 . 417 . 418 - , 419 . 420 , 421 . , 422 , 423 , 424 . 425 , 426 , 427 . 428 , 429 , 430 . 431 . 432 : 433 , 434 , , 435 , , 436 , 437 . 438 , . 439 440 441 442 443 , 444 : , - - 445 . , , 446 . 447 , , 448 . 449 , 450 , 451 , . 452 , 453 , 454 , 455 , , 456 . 457 : , 458 459 . 460 - - - - 461 , " 462 " . 463 , 464 , . 465 466 , 467 468 , , 469 . 470 471 , 472 , 473 , , , 474 . 475 . . . 476 , 477 . 478 , , ; 479 480 . , 481 , 482 . , 483 , 484 , , 485 . , - - 486 , - - , 487 . . 488 , 489 ; - , - 490 . [ ] 491 492 . [ ] ; 493 , 494 495 . [ ] 496 497 498 499 . , . . 500 - , 501 , , 502 503 . [ ] . , 504 505 . [ ] 506 , 507 ! [ ] , 508 , . 509 , ; 510 . . 511 . 512 [ ] , . . 513 ! , 514 - , 515 , . ; , 516 , 517 , . [ ] 518 , 519 - - . . [ ] 520 , - - 521 , - - , . 522 [ ] , , 523 . , 524 . , . [ ] 525 526 , - - - 527 [ ] , - - . 528 , 529 . , , 530 , , 531 , 532 . 533 , , 534 , . . 535 . , , 536 [ ] , 537 . : 538 , - 539 [ ] 540 , 541 , . , , 542 , 543 . [ ] 544 545 , 546 , 547 , 548 . . . , 549 [ ] , 550 , 551 . [ ] : 552 553 ! 554 , 555 . [ ] 556 . 557 , 558 . 559 560 , . , . 561 . [ ] , 562 , - . 563 , 564 , : 565 , , 566 567 ; , . [ ] 568 ; 569 , , 570 , . 571 , , 572 . , 573 , 574 . [ ] , 575 , . , 576 : [ ] 577 578 , . 579 , . 580 , . 581 , . 582 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 583 : , . 584 585 , . , 586 , 587 , , , 588 . 589 , ; 590 , , 591 , 592 , - - ! 593 594 595 . 596 , 597 , 598 , 599 , , 600 601 , - - 602 ! [ ] , 603 , 604 . [ ] 605 , 606 , , 607 - , 608 609 , ? ! [ ] 610 , 611 , . 612 , . 613 , . 614 : " 615 , . " [ ] 616 , . , 617 ; " , , " 618 . [ ] 619 , 620 . . . , 621 . , 622 . [ ] 623 624 . 625 - 626 . [ ] 627 . 628 , 629 . 630 , - - 631 ! - - . 632 633 , . 634 , , 635 . [ ] 636 , , . 637 638 . . [ ] 639 . 640 , . 641 . [ ] . 642 , 643 , 644 . 645 , , 646 , ; , 647 , , 648 . [ ] 649 . , 650 , ; 651 , . [ ] 652 ; 653 . 654 655 , , 656 , 657 , . 658 , 659 , 660 . . . 661 , : 662 ; , 663 , 664 , . 665 . [ ] 666 - , 667 ; 668 , , 669 , 670 [ ] , 671 . [ ] 672 , . 673 , 674 , 675 . - 676 , 677 . ! [ ] 678 , . , 679 , 680 . [ ] 681 682 , , 683 , , 684 . 685 , - - , 686 , - - 687 , 688 . 689 ; 690 [ ] , 691 . 692 , , , , 693 . [ ] 694 , 695 ; 696 , 697 . [ ] 698 , . 699 , , 700 . , 701 . . [ ] 702 703 , : - 704 , 705 , 706 . [ ] 707 708 , 709 710 , 711 , . 712 , , 713 - . , 714 . , - , 715 , , 716 , ; 717 , 718 - . 719 , . . , 720 , , , 721 . [ ] 722 , 723 . 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[ ] , 766 , , 767 , , , 768 , , 769 . 770 , 771 772 ! 773 774 , 775 , 776 . . 777 , 778 , - , 779 , 780 , , . 781 782 , , . 783 , , 784 785 . 786 ; 787 , 788 , 789 , , 790 , 791 . 792 . 793 , 794 , 795 , , 796 . 797 798 799 , , 800 801 : , 802 , . 803 804 ; , 805 , 806 , , 807 , . 808 , 809 , . 810 , , 811 812 . 813 , 814 , . 815 , , 816 . 817 . , , 818 . 819 , 820 : 821 822 - - 823 - 824 825 826 . . 827 - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - + - - - - - - - - - + - - - - - - - - 828 - - 829 [ ] : - - 830 " " - - 831 : 832 , , 833 : 834 - 835 : 836 - , 837 [ ] : 838 - - 839 [ ] : 840 , 841 , , 842 " , 843 , , 844 " , 845 , , 846 : 847 , 848 " , 849 " , 850 " , 851 : 852 , 853 : 854 , 855 : 856 - - 857 : 858 - - 859 : 860 - - 861 : 862 , - - 863 : 864 865 - 866 [ ] : 867 - 868 : 869 , - 870 , - - 871 " - , - - 872 " - - 873 [ ] : 874 , 875 , - 876 " - - 877 [ ] : 878 - - 879 " - - 880 [ ] : 881 , 882 " - - 883 " , 884 " - - 885 886 887 , 888 . , , 889 . . 890 891 , . 892 , , 893 . 894 . 895 . 896 897 ; [ ] , 898 , 899 . [ ] 900 , , - - 901 , - - , 902 , . 903 , 904 905 , . 906 , 907 . [ ] 908 , 909 , , 910 , 911 . , 912 , , 913 , 914 . 915 , , 916 , 917 . [ ] 918 , . 919 , , 920 , , , 921 922 . 923 . 924 , 925 , , 926 , 927 " " , 928 , 929 . [ ] 930 , [ ] 931 . , 932 , , 933 . [ ] , . 934 , 935 ; 936 , 937 ! [ ] , 938 , / 939 ; , 940 941 . [ ] 942 , . , . ! [ ] 943 - , . 944 ; - - . , 945 , , , 946 947 . [ ] , . 948 , 949 . , . ; , 950 , 951 . . [ ] 952 , . 953 , . , 954 : 955 956 , . 957 , " 958 , " 959 , " 960 , " 961 , , , " 962 , " 963 , " 964 , " 965 , , " 966 , " 967 , " 968 , " 969 , " 970 - - - - - - - - - - 971 : , . 972 973 . , 974 , , 975 . . [ ] , 976 . , , 977 , , . . , 978 . , : 979 980 , . 981 , " 982 , , , " 983 , , , " 984 , " 985 - - - - - - - - - - - - 986 : , . 987 988 , 989 , 990 . , . [ ] 991 , 992 . , . 993 , . . , 994 , : 995 996 , . 997 , " 998 , " 999 , " 1000