im ganzen || 18,9 | 19,5 | 20,0 || 90,2| 82,0 | 56,0
Die Lehre, die sich aus dieser Tabelle ziehen läßt, ist außerordentlich
wichtig für die Erkenntnis der proletarischen Frauenarbeit und dessen,
was ihr Not thut, will man sie aus ihrer untergeordneten Stellung
emporheben: in den kleinen Betrieben finden sich die wenigsten
berufsmäßigen Arbeiterinnen,--besonders hervorstechend ist das
Verhältnis in der Industrie,--und fast alle mithelfenden
Familienangehörigen sind hier Frauen. Demnach bedeutet die Entwicklung
des Großbetriebs eine Förderung der berufsmäßigen proletarischen
Frauenarbeit, der jetzt noch, und zwar wesentlich in den Kleinbetrieben,
eine große Zahl mithelfender weiblicher Familienmitglieder gegenüber
steht. Gegenüber in jedem Sinn: denn diese in und durch die Familie
ausgebeuteten Kräfte sind die natürlichen Feinde der aufstrebenden
weiblichen Arbeiterschaft, sie helfen den Kleinbetrieb erhalten, und
hindern die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ebenso wie die Erhöhung
der weiblichen Arbeitsleistung, weil sie, statt ganz auf sich angewiesen
zu sein, an der Familie einen Rückhalt haben.
Als allgemeine Ergebnisse unserer bisherigen Berechnungen läßt sich
feststellen, daß die proletarische Frauenarbeit im allgemeinen in
rascherem Tempo zugenommen hat, als die Männerarbeit und viel schneller
gewachsen ist, als die weibliche Bevölkerung. Nur in Zeiten
wirtschaftlichen Niedergangs kann von einem Verdrängen der männlichen
Arbeiter die Rede sein. Unter normalen Verhältnissen zeigt sich dagegen,
daß durch die Entwicklung der proletarischen Arbeitsgelegenheiten,
besonders in der Industrie, die männlichen Arbeitskräfte großenteils
erschöpft wurden und die Heranziehung weiblicher unausbleiblich ist. Sie
erfolgt in um so stärkerem Maße, als Frauen zur Verfügung stehen. Bis
jetzt allerdings bedeutet dieses Nachrücken der weiblichen Reservearmee
zugleich ein Einrücken in untergeordnete Stellungen und Betriebsarten.
Eine wirtschaftliche Entwicklung in nur annähernd ähnlichem Tempo wie
die jetzige vorausgesetzt, ist aber nicht nur auf ein weiteres
numerisches Wachstum der Frauenarbeit, sondern auch auf ihr Emporsteigen
zu höherem wirtschaftlichen Wert zu rechnen. Das Wachstum an sich ist
als nichts Unnatürliches anzusehen oder zu beklagen, es liegt vielmehr
durchaus auf dem Wege normaler Evolution. Die schweren Schäden, die sie
mit sich bringt, sind nicht die Folgen der Frauenarbeit überhaupt,
sondern vielmehr die Folgen der Arbeitsorganisation und der
Arbeitsbedingungen.
Aber nicht nur die Frage des Wachstums der Frauenarbeit und ihrer
Position innerhalb der allgemeinen proletarischen Arbeit bedurfte
eingehender Erörterung, auch ihre Verteilung auf die Berufsarten ist von
ganz besonderem Interesse, und zwar wesentlich im Hinblick auf die
Industrie. Folgende Zusammenstellung derjenigen Berufsarten, in denen
die meisten Frauen beschäftigt sind, giebt Aufschluß darüber:
Die wichtigsten Frauenberufe in der Industrie.[470]
| Deutschland | Oesterreich |England u. | Vereingte| Frankreich | Belgien
| | | Wales |Staaten | |
+-------------+-------------+--------------+--------------+--------------+-------------
||Von||Von| |Von| |Von| |Von||Von
||100||100| |100| |100| |100||100
||Ar-||Ar-| |Ar-| |Ar-| |Ar-||Ar-
||beit- ||beit- | |beit- | |beit- | |beit- ||beit-
||ern||ern| |ern| |ern| |ern||ern
Gewerbearten ||bei- ||bei- | |bei- | |bei- | |bei- ||bei-
||derlei||derlei| |derlei| |derlei| |derlei||derlei
|Zahl |Ge-|Zahl |Ge-|Zahl|Ge-|Zahl|Ge-|Zahl|Ge-|Zahl |Ge-
|der|schle-|der|schle-|der |schle-|der |schle-|der |schle-|der|schle-
|Ar-|chts |Ar-|chts |Ar- |chts |Ar- |chts |Ar- |chts |Ar-|chts
|beite-|sind |beite-|sind |beite- |sind |beite- |sind |beite- |sind |beite-|sind
|rinnen|weibl.|rinnen|weibl.|rinnen |weibl.|rinnen |weibl.|rinnen |weibl.|rinnen|weibl.
-----------------+------+------+------+------+-------+------+-------+------+-------+------+------+------
Kleider- und ||||| || || |||
Wäschekonfektion| 27453| 83,38| 59923| 93,58| 38812| 95,83| 304303| 98,08|\|\ |\ |\
Schneiderinnen| 61480| 31,66|\43678|\35,72| 82667| 48,89| 63809| 34,42|}|} |} |}
Näherinnen | 97979|100,00|/ |/ |\|\ | 146043| 97,33|}|} |}44324|}66,06
Putzmacherinnen | 16517| 98,33| 7388| 89,04|}257408|}98,80| 60087| 99,35|}|} |} |}
Korsettnäherinnen| 5663| 88,80|-- | -- |/|/ |5800| 88,78|}|} |/ |/
Handschuh-,||||| || ||}|} ||
Kravatten- und ||||| || ||}976161|}88,50||
Hosenträger- ||||| || ||}|} ||
fabrikation | 6428| 54,45| 7863| 63,26|9007| 78,50|8675| 57,28|}|} | 3043| 52,20
Hutfabrikation||||| || ||}|} ||
und Kürschnerei | 7659| 31,24| 5070| 30,28| 16392| 45,74|6694| 23,71|}|} | 1052| 23,88
Blumen- und||||| || ||}|} ||
Federn-||||| || ||}|} ||
fabrikation | 8227| 87,32|-- | -- |6174| 88,76|2543| 83,48|/|/ |-- | --
Schuhfabrikation | 11537| 7,03| 8774| 6,54| 43671| 22,93| 33677| 15,77|-- |-- | 3154| 11,76
Stroh-, Bast- und||||| || || |||
Holzflechterei, ||||| || || |||
Strohhüte | 7297| 32,50|-- | -- | 11227| 54,58|2423| 66,09|-- |-- |-- | --
Spitzen-||||| || || |||
fabrikation, ||||| || || |||
Stickerei und||||| || || |||
Häkelei| 12376| 70,34| 18030| 75,35|6945| 87,57|4435| 84,38|\|\ |\ |\
Strickerei und||||| || ||}|} |} |}
Wirkerei | 25325| 54,59| 8639| 62,35| 29111| 63,29| 20810| 70,40|}|} |} |}
Posamenten-||||| || ||}|} |} |}
fabrikation | 9974| 52,07| 5001| 67,72| 19634| 62,47|-- | -- |}|} |}95944|}62,80
Spinnerei, ||||| || ||}483393|}52,18|} |}
Hechelei, ||||| || ||}|} |} |}
Haspelei |103350| 59,76| 31586| 55,46|\540832|\59,82|\202848|\49,72|}|} |} |}
Weberei |175918| 48,47|116034| 43,01|/|/ |/|/ |}|} |/ |/
Färberei und ||||| || ||}|} ||
Bleicherei| 22551| 29,96| 4494| 23,60|5167| 11,75|3246| 15,52|/|/ | 1285| 21,88
Gummi-, ||||| || || |||
Guttapercha-,||||| || || |||
und Kautschuk- ||||| || || |||
fabrikation | 3532| 29,31|308| 35,16|4112| 40,22|6456| 39,95|\|\ |306| 53,11
Buchbinderei ||||| || ||} 23370|}35,76||
und Kartonage| 15010| 32,22| 3242| 33,70| 30234| 71,15| 24603| 59,11|}|} |-- | --
Papierfabrikation| 22352| 33,70| 6362| 40,12| 13101| 39,79|2961| 13,57|/|/ | 3043| 35,60
Setzer, Drucker, ||||| || || |||
Lithographen und||||| || || |||
Schriftgießer| 13071| 13,93| 1966| 15,72|4737| 5,46| 12054| 10,32| 14720| 19,58|745| 7,30
Bäcker und ||||| || || |||
Konditoren| 23740| 14,10| 6617| 9,40| 26358| 28,56|7961| 23,57|\|\ | 228 | 2,15
Herstellung||||| || ||}|} ||
vegetabilischer ||||| || ||} 43795|}13.98||
Nahrungsmittel | 13142| 28,60| 7916| 27,54|5228| 5,36|\|\ |}|} |-- | --
Animalische||||| ||} 2130|}10,12|}|} ||
Nahrungsmittel | 18140| 15,20| 6192| 12,36| 26022| 29,54|/|/ |/|/ |-- | --
Tabakfabrikation | 65286| 53,75| 16985| 89,01| 12574| 60,41| 27997| 25,08|-- | -- | 7710| 33,83
Ziegelei, ||||| || || |||
Thonröhren- ||||| || || |||
fabrikation | 12925| 7,45| 7785| 68,10|2601| 6,27| 144| 0,24|-- | -- |\ |\
Steingut-, ||||| || || ||} 1176|}19,90
Porzellan-||||| || || ||} |}
fabrikation | 11204| 27,22| 4552| 31,47| 21679| 39,28| -- |-- |-- | -- |/ |/
Glasbläserei | 5095| 12,12| 11882| 32,57|2086| 8,80|1710| 0,50|-- | -- | 3174| 11,20
Verarbeitung ||||| || || |||
edler Metalle| 9737| 30,55| 1222| 14,81|3156| 16,54|3349| 16,53|7209| 31,95|-- | --
Zinnwaren- ||||| || || |||
fabrikation | 7027| 13,48|106| 20,78|6466| 15,10| 899| 1,62|-- | -- |-- | --
Nägelfabrikation | 1685| 12,78| 1152| 16,36|4690| 50,52| 477| 10,41|-- | -- |-- | --
Näh- und||||| || || |||
Stecknadeln, ||||| || || |||
Stahlfedern | 2912| 26,98|-- | -- |5220| 68,19| -- |-- |-- | -- |-- | --
Besen- und ||||| || || |||
Bürstenmacher |\ |\ |758| 25,68|5945| 80,56|1166| 11,53|-- | -- |-- | --
Schirmmacher und |} 5608|}30,07||| || || |||
Stockarbeiter|/ |/ | 4907| 15,49|4086| 53,13|1938| 56,95|-- | -- |-- | --
Möbelfabrikation ||||| || || |||
und Tischlerei | 1760| 0,67| 5946| 7,73| 10921| 15,18|1748| 6,81|-- | -- | 1040| 8,73
Andere Industrie-||||| || || |||
arbeiter | 6459| 23,23| 60164| 48,64| 40843| 5,64| 15908| 20,74|-- | -- | 8769| 86,59
Sie zeigt deutlich, daß die Konzentration der Frauenarbeit auf
bestimmte Berufe eine um so stärkere ist, je fortgeschrittner die
industrielle Entwicklung des betreffenden Landes sich darstellt. Nehmen
wir z.B. die Spitzenfabrikation, Stickerei und Häkelei: Deutschland
zählt 70 %, England dagegen 88 % Arbeiterinnen; oder die Buchbinderei
und Kartonage, in der in Deutschland 32 %, in Oesterreich 33 %, in
England 71 % Arbeiterinnen beschäftigt werden. Besonders
charakteristisch ist auch die Möbeltischlerei: Deutschland zählt darin
wenig über 1/2 %, England 15, Amerika 7 % Frauen. Umgekehrt zeigt es
sich, daß in anderen Berufen die Frauenarbeit in den industriell
vorgeschrittenen Ländern sehr geringen Anteil an ihnen hat. Als Beispiel
diene die Glasbläserei: Oesterreich zählt 32 %, Deutschland 12, England
8 und Amerika 1/2 % Arbeiterinnen, oder die Setzerei und Druckerei, in
der Oesterreich 16, Deutschland 14, England nur 5 % weibliche Arbeiter
beschäftigt. So viele Umstände auch sonst noch bei der Zusammensetzung
der Arbeiter nach Geschlechtern mitsprechen, so scheint doch
festzustehen, daß die allgemeine Tendenz eine Differenzierung nach
Berufen bevorzugt, und das wachsende Eindringen der Frauen in bestimmte
Berufe mit einem Rückgang der weiblichen Arbeiterschaft in anderen
Berufen Hand in Hand geht, daß sich also nach und nach bestimmte fast
ausschließlich von Frauen und andere fast ausschließlich von Männern
besetzte Berufe herausbilden werden.
Als Frauenberufe in oben genanntem Sinn sind schon jetzt die der
Konfektion, der Näherei, der Putzmacherei, der Blumen-, Federn- und
Spitzenfabrikation anzusehen; die Buchbinderei und Kartonage, die
Papier-, die Guttapercha- und die Kautschukfabrikation versprechen
Frauenberufe zu werden. Die Gründe dieser sich immer stärker
ausprägenden Differenzierung der Geschlechter in der Berufsthätigkeit
liegen teils in ihrer verschiedenen geistigen und körperlichen
Veranlagung, teils in dem Umstand, daß bestimmte wohlfeile
Industrieerzeugnisse die Anstellung ungelernter, d.h. möglichst billiger
Arbeitskräfte notwendig machen. Was die Veranlagung betrifft, die an
dieser Stelle ausschließlich in Betracht gezogen werden soll, weil der
zweite Punkt die Arbeitsbedingungen berührt, die nicht hierher gehören,
so ist die Geschicklichkeit und Gelenkigkeit der Finger ein
wesentliches Moment, das die Frau für alle Thätigkeiten prädestiniert,
die in das Bereich der feinen Handarbeit fallen. Die Konfektion, die
Stickerei, die Spitzenfabrikation u.a.m. gehören daher ebensowohl
hierher, wie die Spinnerei und Weberei, solange sie keine großen
Körperkräfte erfordern; auch zur Kartonage sind Frauen infolgedessen
besonders befähigt. Aber auch negative Eigenschaften gereichen ihnen zum
Vorteil, so z.B. der Mangel an Muskelkraft, auf Grund dessen sie überall
dort die männlichen Arbeiter verdrängen, wo die Maschine die menschliche
Kraft ersetzt. Negativ sind im wesentlichen auch die geistigen
Eigenschaften, die die Frauen in bestimmte Arbeitszweige hineintreiben.
So werden sie durch ihren Mangel an geistiger Schulung und technischer
Vorbildung für alle diejenigen Arbeiten gewählt, die ungelernte Arbeiter
im allgemeinen gebrauchen können und die fast stets zu beobachtende
Schwierigkeit, sich zu konzentrieren, d.h. alle Gedanken auf eine Arbeit
zu richten, ist die Ursache, daß rein mechanische Thätigkeiten ihnen mit
Vorliebe überlassen werden. Diese negativen sowohl körperlichen als
geistigen Fähigkeiten aber sind ohne Ausnahme das traurige Resultat der
gänzlichen Vernachlässigung, unter der das weibliche Geschlecht leidet,
und das die Armen stets besonders hart getroffen hat. Aber auch die
Geschicklichkeit und Gelenkigkeit der Finger sind die Folge der
Erziehung und Gewohnheit. Die Hände des Mannes härteten sich, sie wurden
breit und stark infolge der Arbeiten, die er von Urzeiten an
verrichtete, die des Weibes wurden zarter, schmaler und gewandter, weil
alle feineren Arbeiten meistens ihr überlassen blieben. Von größtem
Einfluß hierauf war alle Art der Nadelarbeit. Sie war und ist es aber
auch, die den weiblichen Geist ungünstig beeinflußte, indem sie die
Zerfahrenheit und Gedankenlosigkeit unterstützt hat; nichts ermöglicht
mehr ein Umherschweifen der Gedanken, als alles, was unter der
Bezeichnung "weibliche Handarbeit" verstanden wird. Die Einführung des
maschinenmäßigen Betriebs, der, selbst in seiner einfachsten Form, der
Nähmaschine, ein gewisses Maß von Aufmerksamkeit erfordert, ist daher
auch von diesem Standpunkt aus betrachtet, ein Vorteil für die Frauen.
Würde mit seiner weiteren Entwicklung eine geistige und körperliche
Ausbildung, die der der Männer entspricht, Hand in Hand gehen, so wäre
zu erwarten, daß nach Jahrhunderten der Wirksamkeit all dieser Einflüsse
die genannten positiven und negativen Eigenschaften des weiblichen
Geschlechts eine wesentliche Umwandlung erfahren könnten. Das scheint
unserer vorhin ausgesprochenen Ansicht von einer immer schärferen
Differenzierung der Geschlechter in Bezug auf ihre Berufsarbeiten zu
widersprechen, während es sie thatsächlich nur bestätigt. Denn erst die
Beseitigung anerzogener Eigenschaften wird den natürlichen zur
Entwicklung verhelfen und zwar dürfte sich dabei folgendes
herausstellen: in Bezug auf ihre Körperkräfte werden die Geschlechter
sich einander nähern, weil einerseits die bisher fast ungenutzten des
Weibes ausgebildet werden, andererseits die starke Muskelkraft
erfordernden Arbeitsweisen durch die Maschine ihre Existenzberechtigung
mehr und mehr verlieren, der Mann daher durch Mangel an Uebung notwendig
an Kraft verlieren wird. Die geistigen Kapazitäten der Geschlechter
dagegen werden sich in durchaus verschiedener Richtung entwickeln und
die Differenzierung in den Berufen wird infolgedessen nicht wie heute
auf ihre körperlichen, sondern vielmehr auf ihre geistigen Eigenschaften
zurückzuführen sein.
Kehren wir nach dieser Abschweifung in das Gebiet der Hypothesen zu den
Thatsachen zurück. Da ist es nun notwendig ein wichtiges, weit
ausgedehntes Gebiet der Frauenarbeit zu beleuchten, das großenteils noch
arg im Dunkel liegt: die Hausindustrie.
Deutschland und Belgien gebührt bis jetzt das Verdienst, eine Statistik
der Hausindustrie unternommen zu haben. Natürlich ist sie eine
unvollkommene geblieben, weil gerade die in ihr beschäftigten Personen
außerordentlich schwer zu erfassen sind. Wenn daher auch mit Recht
angenommen werden kann, daß die gewonnenen Zahlen viel zu niedrige sind,
so ist der Vergleich zwischen den Resultaten der beiden letzten
Zählungen in Deutschland insofern zuverlässig, als ihre Methoden die
gleichen waren. Es zeigt sich danach, daß die Hausindustriellen im
allgemeinen abgenommen haben, und zwar sind sie, nach den Angaben der
Arbeiter, bei der Gewerbezählung von 476080 im Jahre 1882 auf 460085 im
Jahre 1895, nach den Angaben der Unternehmer von 544980 auf 490711
zurückgegangen; die Betriebe dagegen, die Arbeiter in der Hausindustrie
beschäftigen, sind von 19209 auf 22307 angewachsen. Eine Betrachtung der
einzelnen Gewerbearten führt jedoch zu dem Resultat, daß die Abnahme
sich nicht auf alle gleichmäßig verteilt, daß vielmehr bedeutende
Abnahmen auf der einen Seite von starken Zunahmen auf der anderen
begleitet werden.[471] Eine Zusammenstellung dieser Gewerbearten, je
nach der Verschiedenheit ihrer Entwicklung, führt zu folgenden
Resultaten:
Gewerbearten mit Verminderungstendenz.
| Seit 1882 haben abgenommen
|------------------------------
Gewerbearten | Betriebe um | Personenzahl
| | um
--------------------------------+--------------+---------------
| |
Zeugschmiede, Scherenschleifer, | |
Feilenhauer | 2006 |4044
Seiden- und Shoddyspinnerei | 2037 |2922
Baumwollspinnerei| 4067 |3645
Seidenweberei | 20000 | 34381
Leinenweberei | 10660 | 14667
Baumwollenweberei| 18859 | 19089
Weberei von gemischten Waren | 5811 |4895
Strickerei und Wirkerei| 7026 | 12768
Häkelei und Stickerei | 1251 | 549
Posamentenfabrikation | 73 |2098
Strohhutfabrikation und| |
Strohflechterei| 4185 |2836
Näherinnen | 12391 | 11502
Handschuhmacherei, | |
Kravattenfabrikation | 4087 |3653
|--------------+---------------
| 92483 | 117049
Gewerbearten mit Vermehrungstendenz.
| Seit 1882 haben zugenommen
|------------------------------
Gewerbearten | Betriebe um | Personenzahl
| | um
--------------------------------+--------------+---------------
Grobschmiede | 1394 |2638
Schlosser | 1126 |2903
Stellmacher|986 |1519
Musikinstrumente | 1383 |1955
Wollenweberei |645 |4072
Gummi- und Haarflechterei | 1712 | 889
Spitzenverfertigung und| |
Weißzeugstickerei | 2091 |5560
Sattlerei, Spielwaren aus Leder | 1041 |1673
Verfertigung grober Holzwaren|530 | 634
Tischlerei und| |
Parkettfabrikation| 3934 |9338
Korbmacherei | 3903 |6007
Dreh- und Schnitzwaren | 1805 |3526
Tabakfabrikation | 3400 |6949
Schneiderei| 17268 | 30106
Konfektion |382 | 885
Putzmacherei |376 | 96
Schuhmacherei | 7099 |7765
Wäscherei | 1353 |2388
|--------------+---------------
| 50228 | 88883
Die Betrachtung dieser Tabellen zeigt, daß diejenige Art der
Hausindustrie, die als eine Fortsetzung der alten handwerksmäßigen
Organisation angesehen werden kann, im allgemeinen im Absterben
begriffen ist. Wenn z.B. auch, was im ersten Augenblick überraschend
wirkt, die Zahl der Näherinnen abnimmt, so ist das wohl im wesentlichen
darauf zurückzuführen, daß sie sich in Werkstatthausindustrielle
umgewandelt haben. Das beweist folgende Zusammenstellung: Es wurden
Näherinnen gezählt in Betrieben mit
|zwei |drei bis |sechs bis |zwei bis
|Personen|fünf Pers.|zehn Pers.|zehn Pers.
-----+--------+----------+----------+----------
1882 |6551 |2321| 793|9656
1895 | 11514 |9247|2456| 23247
Diese Tendenz zur Zusammenfassung der früher vereinzelt
arbeitenden Näherinnen in Werkstätten ist im wesentlichen auf die
Wohnungsverhältnisse zurückzuführen. Die Ausgaben für Miete werden
geringer, wenn der Arbeitsraum erspart und eine bloße Schlafstelle dafür
eingetauscht wird.
Was die Vermehrung der hausindustriellen Betriebe und der darin
beschäftigten Personen betrifft, so hängt sie fast ohne Ausnahme mit der
Entwicklung einer durchaus modernen Form der Hausindustrie zusammen, die
zugleich die allein lebensfähige ist: die Werkstattarbeit mit dem
Zwischenmeister, an der Spitze, der zwischen dem Verleger und dem
Arbeiter die Vermittlung übernimmt. In der Konfektionsindustrie hat sich
diese Organisation am vollendetsten herausgebildet, eine Industrie, in
der, wie [die] Tabelle [oben, Die wichtigsten Frauenberufe in der
Industrie] zeigt, das weibliche Geschlecht besonders stark vertreten
ist.
Das Geschlechtsverhältnis in der deutschen Hausindustrie ist von
besonderem Interesse. Im allgemeinen widerlegt es zunächst die übliche
Meinung von einem Ueberwiegen der Frauen. Das Verhältnis ist
dieses:[472]
1895 | 1882|1895
-------------------+----------------------------------
männliche|weibliche|Von je 100 Hausindustriellen sind
-------------------+----------------------------------
Hausindustrielle | Männer Frauen | Männer Frauen
-------------------+-----------------+----------------
256131 | 201853 |56,343,7| 55,944,1
Die Tendenz zum Wachstum der Frauenarbeit ist keine zufällige oder
vorübergehende, sie hängt vielmehr eng mit der ganzen modernen
Entwicklung der Hausindustrie zusammen, die mit darauf zurückzuführen
ist, daß der Unternehmer durch Dezentralisation der Arbeiter Ersparnisse
machen will. Er sucht die billigsten Arbeitskräfte und stößt dabei
zuerst auf die Frauen. Sehen wir nun, in welchen Arbeitszweigen die
Zunahme der Frauenarbeit am stärksten war:
|1882 | 1895
|------------------
| Von je 100
Gewerbearten | Hausindustriellen
|sind weiblich
-------------------------------------+------------------
Töpferei |7,9| 29,9
Glasbläserei vor der Lampe | 27,7| 44,9
Gold- und Silberschlägerei | 50,0| 53,3
Gold- und Silberdrahtzieherei | 80,3| 86,9
Verfertigung von Spielwaren aus||
Metall, feinen Blei- und Zinnwaren | 38,6| 60,1
Erzeugung von Metalllegierungen| 13,3| 35,8
Blechwarenfabrikation |5,1| 27,6
Fabrikation von Weberei- und||
Spinnereimaschinen | 30,5| 37,2
Verfertigung von Bleistiften| 65,8| 83,5
Leinenweberei| 35,0| 43,4
Baumwollweberei | 25,9| 43,3
Weberei von gemischten Waren| 18,7| 33,4
Gummi- und Haarflechterei||
und -Weberei | 60,6| 81,5
Strickerei und Wirkerei | 29,0| 50,3
Leinenbleicherei und -Färberei | 19,4| 50,9
Färberei und Bleicherei | 19,7| 21,2
Verfertigung von Papiermachéwaren | 42,0| 50,0
Buchbinderei und Kartonage | 36,3| 40,8
Sattlerei, Spielwaren aus Leder| 32,7| 44,7
Verfertigung von Dreh- und ||
Schnitzwaren |6,7| 13,2
Tabakfabrikation| 30,3| 45,2
Putzmacherei | 93,8| 99,8
Hutmacherei und Filzwaren| 34,8| 36,3
Verfertigung von Korsetts| 67,1| 94,8
Aus dieser Tabelle geht deutlich hervor, daß eine Verschiebung zu
Gunsten der hausindustriellen Frauenarbeit in sehr vielen Fällen dort
stattfindet, wo es sich um alte, absterbende Formen der Hausindustrie
handelt. Sie nimmt die verlassene, dem Untergang geweihte Männerarbeit
auf, und ist in ihrem verzweifelten Existenzkampf ein Hemmschuh der
Entwicklung. Den schlagendsten Beweis dafür liefert die Textilindustrie.
Hier, wo die Maschine mehr und mehr in Funktion tritt, zeigt sich ein
Rückgang der Hausindustrie von 285102 auf 195780 Personen; allein von
den 43000 Hauswebern im Jahre 1882 sind 34000 im Jahre 1895 weniger
gezählt worden. Trotz dieses Rückgangs zeigt die Frauenarbeit im
Verhältnis zur Männerarbeit wesentliche Fortschritte. Sie verlängert den
Todeskampf der Textilhausindustrie. Der Umstand, daß dem Unternehmertum
eine Armee von Frauen zu Gebote steht, die sich herbeiläßt, gegen
Hungerlöhne zu Hause zu arbeiten, verhindert die Entwicklung der
Hausindustrie zur Großindustrie, wie sie andernfalls heute schon möglich
wäre. Das sehen wir unter anderem bei der Tabakfabrikation und der
Buchbinderei und Kartonage. Der Maschinenbetrieb könnte an Stelle des
Handbetriebs treten und der Hausindustrie wenigstens in ihrer
schlimmsten Form den Todesstoß versetzen. Das gilt auch in
beschränkterem Maße von der Nähmaschinenarbeit in jeder Form: die
Einführung motorisch betriebener Nähmaschinen scheitert wesentlich an
der Billigkeit weiblicher Arbeitskraft. Die Maschine in ihrer höchsten
Vollendung, der mechanisch funktionierenden, ist fast der einzige
Gegner, der die Hausindustrie zu besiegen im stände ist. Außerhalb ihres
Eroberungsgebiets giebt es keine fühlbare Aufsaugung durch die
Fabrik.[473]
Unter den übrigen hier in Betracht kommenden Ländern hat zweifellos
Oesterreich eine besonders hohe Zahl von Hausindustriellen zu
verzeichnen. Es fehlt aber an einer zusammenfassenden Statistik.
Neuerdings sind Spezialberichte der Gewerbeinspektoren erschienen, die
aber noch nicht vollendet vorliegen. Der erste Band[474] behandelt nur
Böhmen und giebt in Bezug auf die Statistik sehr unzureichende
Aufschlüsse. Im Vorwort betont das Handelsministerium selbst die
unübersteiglichen Hindernisse, die einer genauen zahlenmäßigen
Darstellung entgegenstehen: Mißtrauen der Unternehmer sowohl wie der
Arbeiter, die als den Zweck der Nachfragen eine schärfere Besteuerung
vermuten, Unklarheit des Begriffs der Hausindustrie u.a.m., lauter
Gründe, die auch die deutsche Statistik als ungenügend kennzeichnen
ließen. Nur ein Aufsichtsbezirk, der Budweiser, hat eine Statistik
aufzunehmen sich entschlossen. Danach waren Heimarbeiter beschäftigt:
Heimarbeiter im Budweiser Bezirk
männlich|weiblich|mithelfende |im ganzen
| |Familienangehörige|
--------+--------+------------------+---------
5231 | 6107 | 4317 | 15655
Die Zahl der Frauen überwiegt danach die der Männer um fast tausend und
ist insofern noch zu niedrig gegriffen, als unter den "mithelfenden
Familienangehörigen" sich neben den Kindern zweifellos mehr Frauen als
Männer befinden. Besonders stark sind die Frauen in Oesterreich in der
Spitzenindustrie, der Glasperlenerzeugung, der Strohflechterei und der
noch vielfach ganz im alten Stil betriebenen Spinnerei und Weberei
beschäftigt. An Zahlen fehlt es, wie gesagt. Selbst die hypothetische
Berechnung der Brünner Handelskammer, die auf einer Kombination der
Angaben der Genossenschafts- und der Unfallversicherungsstatistik
beruht, und 760522 hausindustrielle Arbeiter, d.h. 34 % aller Arbeiter,
feststellt[475], kann nur ungenau sein und bleibt jedenfalls hinter der
Wirklichkeit zurück.
Frankreichs Hausindustrie ist auch eine weitverbreitete, und ihre
zahlenmäßige Erfassung eine ganz unzuverlässige. Für die Frauen kommt im
wesentlichen die Seiden- und die Spitzenindustrie, die Näherei,
Schneiderei, die Handschuhnäherei und die Verfertigung der sogenannten
Articles de Paris in Betracht. Im Departement Rhône wurden noch gegen
20000 Handwebstühle für Seidenwaren gezählt, die eine noch größere Zahl
von Arbeitern für die erste Bearbeitung der rohen Seide zur
Voraussetzung haben und diese sind meist Frauen. Die Spitzenindustrie
beschäftigt vielleicht heute noch eine viertel Million Arbeiterinnen. In
der Schneiderei beschäftigt allein Paris 72 % Frauen, in der
Handschuhnäherei 57 %, in der Herstellung von Articles de Paris 80 %,
fast lauter Hausindustrielle.
England hat infolge seiner industriellen Entwicklung mit der alten Form
der Hausindustrie schon gründlich aufgeräumt. Dagegen hat die moderne
sich rasch entwickelt. Sie umfaßt hauptsächlich die Konfektionsindustrie
und die Schuhmacherei. Eine statistische Darstellung fehlt so gut wie
vollständig. Für Amerika gilt dasselbe. Auch hier ist die
Konfektionsindustrie das wichtigste Glied der Hausindustrie, die ihre
Ausbreitung wesentlich der Einwanderung verdankt und sich von dem
elendesten und schwächsten Menschenmaterial nährt, das Europa abstößt.
Ueber ihre Zunahme giebt folgende, auf Illinois bezügliche Tabelle
Aufklärung:[476]
Zählungs-| || |
periode |Werkstätten|Männer|Frauen|Kinder|Im ganzen
---------+-----------+------+------+------+---------
1893| 704 | 2611 | 3617 | 595 |6823
1894|1413 | 4469 | 5912 | 721 | 11101
1895|1715 | 5817 | 7780 | 1307 | 14904
1896|2378 | 6383 | 7181 | 1188 | 14752
Mit Ausnahme des letzten Jahres zeigt die Frauenarbeit eine raschere
Zunahme als die Männerarbeit, der gegenüber sie auch absolut im
Uebergewicht ist. Die Abnahme des letzten Jahres erklärt sich teils aus
der strengeren Handhabung der Gesetze, teils daraus, daß es sich bei den
vorliegenden Zahlen nur um Werkstättenarbeiter handelt, die vereinzelten
Heimarbeiter dagegen nicht eingerechnet wurden. Je mehr nun die
Gesetzgebung in die Werkstätten eingreift, wobei es sich fast immer um
den Schutz der Frauen und Kinder handelt, um so mehr werden diese sich
in die Heimarbeit zurückziehen müssen.
Die belgische Berufszählung von 1896[477]--die erste, die sich hier mit
der Frage beschäftigte--teilt alle Arbeiter in zwei große Kategorien
ein: 1.) Die in Fabriken, Werkstätten u.s.w. arbeiten; 2.) die bei sich
zu Hause auf Rechnung von Fabrikanten oder Kaufleuten erwerbsthätig
sind. Das heißt mit anderen Worten, daß nur die eigentlichen
Heimarbeiter als Hausindustrielle angesehen werden. Die allgemeinen
Ergebnisse der nach diesen Grundsätzen erfolgten Erhebung waren
folgende:
| Es waren beschäftigt | Von 100
|-----------------------| Arbeitern
| Männer |Frauen | waren weiblich
------------------+-----------+-----------+---------------
In Fabriken, Werk-| | |
stätten u.s.w. | 588248 |115981 | 16,47
Zu Hause | 41689 | 77058 | 64,89
------------------+-----------+-----------+---------------
Im ganzen| 629937 |193039 | 23,43
Die Teilnahme der Frauen an der Heimarbeit ist danach viel bedeutender
als die der Männer und beträchtlich größer als der Anteil der
Arbeiterinnen an der Fabrikarbeit im Verhältnis zu dem der Männer. Die
wichtigsten Berufszweige der belgischen Heimarbeiterinnen sind:
Spitzenarbeiterinnen49158
Kleiderkonfektion 7166
Handschuhfabrikation 3477
Strohflechterei für Hüte2611
Wollenweberei und Spinnerei2458
Leinenweberei und Spinnerei2383
Strickerei 2376
Schuhmacherei 1437
Die große Zahl der Spitzenarbeiterinnen fällt hier besonders ins Auge.
Sie ist um so bemerkenswerter, als ihr allergrößter Teil, nämlich über
47000, auf dem Lande leben. Die Vervollkommnung der Maschinenspitze ist
aber jetzt schon eine gefährliche Konkurrenz, sie kann nach und nach zum
Mittel werden, das Land zu Gunsten der Industriestädte zu entvölkern.
Die einschneidende Bedeutung der Hausindustrie in Bezug auf die
erwerbsthätigen Frauen scheint nach alledem erwiesen zu sein. Sie würde
weit schneller ihren verdienten Untergang entgegen gehen, wenn nicht
gerade die Frauen sie zäh am Leben erhielten, worin sie von den
Unternehmern--allein die Zunahme der hausindustriellen Betriebe in
Deutschland spricht dafür--unterstützt werden. Die Gründe dafür sind
teils in dem Mangel an Bewegungsfreiheit zu suchen, unter dem die an
Haus und Kinder gefesselte Frau zu leiden hat und die den aufklärenden
Ideen den Zugang zu ihr verschließen, teils in dem Bestreben des
profitgierigen Unternehmertums, Ersparnisse an Material, Arbeitsräumen,
Heizung, Beleuchtung etc. zu machen und die Arbeiterschutzgesetze zu
umgehen. Beweis dafür ist unter anderem, daß in dem industriell
fortgeschrittensten Land, England, die Hausindustrie den geringsten und
in einem der zurückgebliebenen Länder z.B. in Oesterreich, allem
Anschein nach den größten Umfang aufweist. Daraus geht aber auch klar
hervor, daß die fortschreitende Entwicklung die Hausindustrie in ihrer
gegenwärtigen Form nach und nach vernichten wird.
Noch ein anderer Kreis von weiblichen Arbeitern verdient eine besondere
Betrachtung: diejenigen nämlich, die in persönlichen oder häuslichen
Diensten stehen, und zu denen, außer den Dienstboten, die
Aufwartefrauen, Köche etc., die Wäscherinnen und die Kellnerinnen
gehören. Ihre Zahl ist folgende:
-------------------------------------------------------------------------------
| || England |
Berufsarten| Deutsch- | Oester- |und| Vereinigte
| land | reich | Wales |Staaten
-----------------------------------+----------+---------+---------+------------
Häusliche Dienstboten | 1313957 | 424387 | 1386167 | 1302728
Aufwartefrauen, Köche u.s.w. | 182769 | 75533 | 124253 | 3444
Wäscherinnen | 129513 |-- | 185246 |216631
Kellnerinnen und Hotelbedienstete | 302743 | 76083 |87984 | --
Wir haben schon gesehen, daß die Zahl der Dienstboten fast überall im
Rückgang begriffen ist. Vergleichen wir die Zahl der weiblichen
Dienstboten im Verhältnis zur Bevölkerung, so ist das Resultat dieses:
| | Auf 100 Personen
Länder |Zählungs- | der Bevölkerung
|periode| kamen weibliche
| |Dienstboten
-------------------+----------+------------------
Deutschland |1882| 2,84
" |1895| 2,54
Oesterreich |1880| 2,58
" |1890| 1,78
England und Wales |1881| 2,69
" " " |1891| 2,28
Vereinigte Staaten |1880| 1,75
"" |1890| 1,97
Frankreich|1881| 2,17
" |1891| 1,84
" |1896| 1,73
Die Zusammenstellung zeigt mit Ausnahme von Amerika überall eine Abnahme
der Zahl der Dienstboten, und die Zunahme in Amerika fällt auch nicht
schwer ins Gewicht, weil der Prozentsatz von 1880 ein ungemein niedriger
war und der wachsende Reichtum eines Teils der Bevölkerung eine
Steigerung im Gefolge haben mußte. Das Bild dürfte sich wesentlich
verschieben, sobald die Ergebnisse der Zählung von 1900 vorliegen, denn
das Verhältnis der Zahl der Dienstboten zur Bevölkerung hängt nicht nur
von deren pekuniären Lage, von der Lust oder Unlust der Mädchen zum
Dienen ab, sondern sehr wesentlich auch von dem Umstand, welche
Arbeitsgebiete die Hauswirtschaft umfaßt. Je mehr sie, wie es z.B. in
England und Frankreich besonders deutlich sichtbar ist,
zusammenschrumpfen, desto mehr werden die Dienstboten abnehmen. Dagegen
werden sich die für gelegentliche Dienstleistungen benötigten außer dem
Hause wohnenden Hilfskräfte vermehren. Sie standen in folgendem
Verhältnis zur Bevölkerung:
||Auf 100 Personen
||der Bevölkerung
||kamen außerhäus-
Länder|Zählungsperiode|liche Dienstboten
------------------+---------------+-----------------
Deutschland | 1882| 0,26
"| 1895| 0,35
Oesterreich | 1880|--
"| 1890| 0,32
England und Wales | 1881| 0,47
" " "| 1891| 0,55
Diese Tabelle giebt nun aber keineswegs genau den richtigen Stand der
Dinge an, nicht nur, weil der Begriff der diesem Beruf Zugehörigen ein
sehr unbestimmter ist,--deshalb mußten die Zahlen für Frankreich und die
Vereinigten Staaten ganz fortgelassen werden,--sondern weil sicher viele
hierher Gehörige unter "Lohnarbeit wechselnder Art", "Tagelöhner" etc.
einbezogen worden sind. Eine starke Vermehrung hat auch die Zahl der
Kellnerinnen und Hotelbediensteten erfahren, die sich aber nur für
Deutschland feststellen läßt, wo sie 33 % beträgt. Es kann aber auch im
allgemeinen eine erhebliche Zunahme des Hotel- und Restaurant-Personals
angenommen werden, sie ging Hand in Hand mit der Abnahme der Dienstboten
und beweist auch ihrerseits, daß der Privathaushalt zu Gunsten des
öffentlichen im Rückgang begriffen ist: Das Leben außer dem Hause ist
für einen großen Teil der Bevölkerung immer mehr in Aufnahme gekommen.
Eine außerordentlich wichtige Seite der Arbeiterinnenfrage, deren
Statistik freilich bisher im allgemeinen sehr unzureichend blieb, ist
die Alters- und Familienstandsgliederung der Proletarierinnen. Sie
gewährt einen tiefen Einblick in das soziale Leben und ihre statistische
Darstellung ist die notwendige Grundlage vieler Reformen und Reformpläne
nach dieser Richtung.
Nun entspricht es sowohl hygienischen Grundsätzen, als den Prinzipien
geistig-sittlicher Volkserziehung, daß die Erwerbsthätigkeit in ihrer
heutigen aufreibenden Form nicht vor dem achtzehnten resp. dem
zwanzigsten Lebensjahre einsetzen sollte. Betrachten wir daraufhin
folgende Tabellen:
Von je 1000 Arbeiterinnen stehen im Alter von
---------------------------------------------
unter 20 Jahren346
20-30 " 314
30-40 " 124
Deutschland 40-50 "92
50-60 "73
60-70 "39
70 Jahren und darüber 12
---------------------------------------------
unter 20 Jahren200
21-30 " 220
31-40 " 182
Oesterreich 41-50 " 173
51-60 " 135
61-70 "71
über 70 "19
---------------------------------------------
unter 18 Jahren141
18-24 " 209
25-34 " 218
Frankreich 35-44 " 152
45-54 " 125
55-64 "90
65 Jahren und darüber 65
Besonders die auf Deutschland sich beziehenden Zahlen fallen hierbei
auf: 35 % aller Arbeiterinnen sind unter zwanzig Jahre alt! In
Oesterreich sind es noch 20, in Frankreich 14 %. In Oesterreich fällt
die stärkste Beteiligung der Frauen an der proletarischen Arbeit in das
einundzwanzigste bis dreißigste, in Frankreich in das fünfundzwanzigste
bis vierunddreißigste Lebensjahr; wir haben also nach dieser Richtung
hier die gesündesten Verhältnisse vor uns. Andererseits aber sehen wir,
daß vom vierzigsten Jahre ab in Deutschland die Frauenarbeit bedeutend
abnimmt, während sie in Oesterreich noch im sechzigsten Jahre und in
Frankreich im vierundfünfzigsten einen hohen Prozentsatz ausmacht, und
während in Deutschland die über siebzigjährigen Greisinnen 12 % der
Arbeiterinnen ausmachen, weist Oesterreich 19 % und Frankreich für die
über fünfundsechzigjährigen gar 65 % auf. Im allgemeinen verteilt sich
die proletarische Frauenarbeit in Frankreich im Gegensatz zu Deutschland
weit regelmäßiger über das ganze Leben, hat daher, die starke
Beteiligung der Greisinnen abgerechnet, einen normaleren Charakter
angenommen. Noch deutlicher tritt uns die Altersgliederung der
Arbeiterinnen entgegen, wenn wir sie im Verhältnis zur weiblichen
Bevölkerung betrachten:
Von je 1000 weiblichen Personen
im Altersind
von Arbeiterinnen
------------------------------------------
14-20 Jahren397
20-30 " 273
30-40 " 136
Deutschland 40-50 " 127
50-60 " 127
60-70 " 105
70 Jahren und darüber 57
------------------------------------------
11-20 Jahren 570
21-30 " 685
31-40 " 577
Oesterreich 41-50 " 561
51-60 " 507
61-70 " 393
über 70" 218
------------------------------------------
unter 24 Jahren517
25-34 " 324
Frankreich 35-44 " 256
45-54 " 237
55-64 " 245
65 Jahren und darüber161
In Deutschland stehen danach nicht weniger als 40 % aller vierzehn- bis
zwanzigjährigen Mädchen im Kampf ums Brot. Eine erschreckende Zahl! In
Frankreich, wo der Vergleich nicht genauer durchgeführt werden konnte,
weil zwar die Bevölkerung nach fünfjährigen Altersperioden gegliedert
wurde, man für die Berufsthätigen der jüngeren Altersklassen aber eine
andere Einteilung, nämlich die unter achtzehn Jahr und achtzehn bis
vierundzwanzig Jahr bevorzugte, ist die Beteiligung sämtlicher
Altersklassen an der proletarischen Arbeit eine außerordentlich hohe.
Die gesteigerte Erwerbsthätigkeit fällt besonders für die Altersklasse
zwischen dem fünfundfünfzigsten und vierundsechzigsten Lebensjahre auf.
Von noch größerer Bedeutung für die Beurteilung der proletarischen
Frauenarbeit ist die Frage des Familienstandes der Arbeiterinnen. Leider
ist das vorliegende statistische Material insofern ganz ungenügend, als
die Darstellung des Familienstandes im Zusammenhang mit dem Beruf und
der sozialen Schichtung zum Teil vollständig fehlt. Ein Vergleich
zwischen den Zählungen der verschiedenen Erhebungsperioden ist nur für
Deutschland möglich, und zwar auch hier mit der Einschränkung, daß im
Jahre 1882 die Verwitweten, resp. Geschiedenen mit den Ledigen
zusammengerechnet, während sie 1895 getrennt gezählt wurden.
Auf Grund der letzten Zählungen stellt sich die Gliederung nach dem
Familienstand folgendermaßen dar:
| | Von je 1000 Arbeiterinnen waren
Länder| Zählungsperiode |---------------------------------
| | ledig | verheiratet | verwitwet
------------+-----------------+--------+-------------+----------
Deutschland | 1895 |702 | 215 |83
Oesterreich | 1890 |424 | 446 |130
Frankreich | 1896 |649 | 206 |145
Vereinigte | | | |
Staaten| 1890 |791 | 113 |96
Bei dieser Zusammenstellung fällt Oesterreich wieder besonders ins Auge,
wo mehr verheiratete als ledige Frauen Arbeiterinnen sein sollen. Dieses
Verhältnis kann nicht allein dadurch erklärt werden, daß bei der Zählung
die Erfassung der dem Manne helfenden Ehefrauen eine besonders starke
war, im Gegensatz z.B. zu den Vereinigten Staaten, wo sie gar keine
Berücksichtigung fanden, eine genauere Betrachtung der österreichischen
Statistik führt vielmehr zu dem merkwürdigen Resultat, daß in der
Landwirtschaft 2106618 verheiratete Arbeiterinnen neben nur 667382
verheirateten Arbeitern aufgeführt werden! Um festzustellen, ob diese
enorme Zahl verheirateter Arbeiterinnen im Bereich der Möglichkeit
liegt, müßte man in Erfahrung bringen können, wo sich die Ehemänner
dieser Frauen befinden. Möglich, daß die Gattinnen der Besitzer
landwirtschaftlicher Zwergbetriebe, die also unter der Rubrik der
Selbständigen zu finden wären, sich als Arbeiterinnen bezeichneten,
immerhin könnte das für die volle Zahl der 1400000 Frauen nicht
zutreffen, da nur 1500000 selbständige verheiratete Landwirte ihnen
gegenüber stehen, deren Frauen unmöglich fast alle Arbeiterinnen sein
können. Es bleibt also nur noch übrig anzunehmen, daß Frauen von
Industriearbeitern, die etwa neben der Hauswirtschaft ein kleines
Gartenland bebauen, als Arbeiterinnen eingetragen wurden. Diesen
günstigsten Fall, und nicht, wie es nahe läge, positive Fehler in der
Erhebung selbst angenommen, scheint es klar zu sein, daß diese zwei
Millionen verheirateter Landarbeiterinnen zu einem großen Teil nicht als
Arbeiterinnen im eigentlichen Sinn angesehen werden können. Auffallend
bei der vorliegenden Tabelle ist ferner der hohe Prozentsatz Verwitweter
resp. Geschiedener in Oesterreich und Frankreich. Die Armut des Volks
zwingt in Oesterreich eine besonders große Zahl von Witwen zur
Erwerbsarbeit, während in Frankreich die zahlreichen geschiedenen und
eheverlassenen Frauen von wesentlichem Einfluß auf die prozentuale
Gestaltung des Familienstandes sind.
Betrachten wir nunmehr sein jetziges Verhältnis zu dem der vorletzten
Zählungsperiode, so ergiebt sich für Deutschland folgendes:
| | Von 1000 Arbeiterinnen waren
| Zählungsperiode |-------------------------------
| | ledig resp. ver- | verheiratet
| | witwet |
------------+-----------------+------------------+------------
Deutschland |1882 | 827 | 173
" |1895 | 785 | 215
In absoluten Zahlen ausgedrückt ist das Verhältnis dieses:
| | Von 1000 Arbeiterinnen waren[A]
| Zählungsperiode |-------------------------------
| | ledig resp. ver- | verheiratet
| | witwet |
------------+-----------------+------------------+------------
Deutschland |1882 | 2433682| 507784
" |1895 | 2938283| 807172
------------------------------+------------------+------------
Zunahme: |504601| 299388
[Transskriptionsanmerkung A: Die offensichtlich falsche Legende "Von
1000 Arbeiterinnen waren..." findet sich so im Original.]
Für Amerika ist ein allgemeiner Vergleich nicht möglich. Dagegen liegt
eine Spezialerhebung vor, die nicht ohne Wert für die vorliegende Frage
ist.[478] Ihre Resultate sind aus einer Enquête gewonnen worden, die
1067 verschiedene industrielle Betriebe in dreißig verschiedenen Staaten
mit 42990 männlichen und 51539 weiblichen Arbeitern in der früheren
Beobachtungsperiode (1885 bis 86), und 68380 männlichen und 79987
weiblichen Arbeitern in der letzten (1895 bis 96) umfaßte. Wir haben es
also in beiden Fällen mit ca. 3 % aller Arbeiterinnen der Vereinigten
Staaten zu thun, wonach die Bedeutung der Ergebnisse sich annähernd
bewerten läßt. Sie waren folgende:
Von 51539 Frauen waren 1885-86
Ledig||Verheiratet||Verwitwet ||Geschieden ||Unbekannt
-----------++-----------++-----------++-----------++------------
Ab- |Proz.||Ab- |Proz.||Ab- |Proz.||Ab- |Proz.||Ab. | Proz.
solut| ||solut| ||solut| ||solut| ||solut|
-----+-----++-----+-----++-----+-----++-----+-----++-----+------
32801|63,6 || 1357| 2,6 || 498 | 1,0 || 4 | -- ||16879| 32,8
Von 79987 Frauen waren 1895-96
Ledig||Verheiratet||Verwitwet ||Geschieden ||Unbekannt
-----------++-----------++-----------++-----------++------------
Ab- |Proz.||Ab- |Proz.||Ab- |Proz.||Ab- |Proz.||Ab. | Proz.
solut| ||solut| ||solut| ||solut| ||solut|
-----+-----++-----+-----++-----+-----++-----+-----++-----+------
70921|88,7 || 6775| 8,5 ||2011 | 2,5 || 36 | -- || 244| 0,3
Der Wert der vorliegenden Tabelle wird dadurch noch mehr eingeschränkt,
daß in der früheren Zählungsperiode von fast einem Drittel aller
Arbeiterinnen der Familienstand unbekannt blieb. So sehr daher auch der
Augenschein dafür spricht, daß die Verheirateten und die Verwitweten
zugenommen haben, so ist dies Resultat doch mit Vorsicht aufzunehmen, da
die hohe Zahl der Arbeiterinnen unbekannten Familienstandes im Jahr 1885
bis 1886 einen genauen Vergleich von vornherein ausschließt.
Für England sind wir auf noch unsicherere Zahlen angewiesen. Eine
Zählung des Familienstandes in Verbindung mit der Berufsthätigkeit und
der sozialen Schichtung wurde weder 1881 noch 1891 im Zusammenhang mit
dem Zensus vorgenommen. Trotzdem ist der Versuch gemacht worden, auf
Grund seiner Ergebnisse den Familienstand der Arbeiterinnen
festzustellen.[479] Zwei Angaben der Erhebungen bildeten die
Anhaltspunkte für die Untersuchung: Die Zahl aller ledigen und die Zahl
aller berufsthätigen Frauen. In den Orten, wo die Zahl der Ledigen, wohl
bemerkt, aller Ledigen, die Zahl der Berufsthätigen übertraf, gab die
Differenz zwischen beiden Zahlen die Minimalzahl der verheirateten
berufsthätigen Frauen an. Wenn auch dabei betont wird, daß es sich um
Minimalzahlen handelt, so sind selbst diese von vornherein
problematisch, weil doch ohne weiteres einzusehen ist, daß nirgends alle
Ledigen berufsthätig sind. Aber selbst abgesehen davon, sind die
Resultate der Untersuchung, die eine Abnahme der verheirateten
Arbeiterinnen konstatieren, höchst fraglicher Natur. Nur neunzehn Städte
sind von 61 mit über 50000 Einwohnern in Betracht gezogen worden, und
die einzelnen Berechnungen weisen in ihrer Methode beträchtliche Fehler
auf.[480] Wir können uns daher nicht auf sie stützen und müssen die
Frage des Familienstandes der englischen Arbeiterinnen offen lassen.
Wie gestaltet sich nun der Familienstand je nach den Berufsabteilungen?
Folgende Tabelle beantwortet die Frage:
|| Von 1000 Arbeiterinnen waren in der
||--------------------------------------------------
Länder |Zählungs-| | |
|periode |Landwirtschaft |Industrie | Handel
||--------------------------------------------------
|| |ver-|ver- | |ver-|ver- | |ver-|ver-
||ledig|wit-|hei- |ledig|wit-|hei- |ledig|wit-|hei-
|| |wet |ratet| |wet |ratet| |wet |ratet
-----------+---------+-----+----+-----+-----+----+-----+-----+----+-----
Deutschland| 1895 | 671 | 91 | 238 | 751 | 81 | 168 | 763 | 36| 201
Oesterreich| 1890 | 419 | 63 | 518 | 663 | 96 | 241 | 511 | 201| 288
Frankreich | 1896 | 714 | 88 | 199 | 629 | 74 | 297 | 340 | 232| 428
Das Bild, das sie uns vorführt, ist kein einheitliches. Den stärksten
Prozentsatz verheirateter Frauen weist Deutschland und Oesterreich in
der Landwirtschaft, Frankreich dagegen in der Industrie auf. Stärker als
die Ledigen sind die Verheirateten in der Landwirtschaft Oesterreichs
und im Handel Frankreichs vertreten, wo in beiden Fällen auch die
Verwitweten einen ungewöhnlich hohen Prozentsatz aufweisen. Die meisten
Verwitweten zählt Deutschland dagegen in der Landwirtschaft. Die meisten
Ledigen zeigt der Handel in Deutschland, die Industrie in Oesterreich
und die Landwirtschaft in Frankreich.
Was die Zusammensetzung der Arbeiterinnen je nach ihrem Familienstand,
ihrem Beruf im Verhältnis zu früheren Zählungen betrifft, so kann
hierbei nur Deutschland in Betracht kommen, weil die anderen Staaten
keine so eingehende Berechnungen besitzen. Die folgende Tabelle
kennzeichnet die Lage in Deutschland:
| 1882 | 1895 |
|--------------------------+--------------------------|
||nicht ||nicht |
|verheiratet | verheiratet |verheiratet | verheiratet |
--------------+------------+-------------+------------+-------------|
Landwirtschaft|414189|18,39|1877671|81,61|567542|23,76|1820606|76,24|
Industrie | 69215|12,69| 476014|87,31|166338|16,76| 825964|83,24|
Handel | 24380|16,89| 119997|83,11|73212 |20,08| 291713|79,92|
Die Zunahme der verheirateten Arbeiterinnen in Landwirtschaft und
Industrie ist eine raschere gewesen als die der ledigen. Für die
Landwirtschaft kann angenommen werden, daß eine stärkere Erfassung der
mithelfenden Ehefrauen zu dem Resultat beigetragen hat. Die Zunahme der
Verheirateten in der Industrie dagegen läßt sich nicht nur, wie es stets
und fast ausschließlich geschieht, daraus erklären, daß zur
Befriedigung der Bedürfnisse der Familie der Verdienst des Mannes allein
nicht mehr ausreicht, sondern auch aus der Zunahme der Arbeiterinnen
überhaupt. Es ist klar, daß, je mehr die Zahl der Arbeiterinnen wächst,
die Männer desto mehr darauf angewiesen sind, bereits erwerbsthätige
Frauen zu heiraten. Sie thun es um so lieber, als die Erwerbsarbeit der
Frau eine beachtenswerte Mitgift ist; immer weniger häufig tritt daher
die Arbeiterin mit der Heirat aus ihrem außerhäuslichen Beruf in das
Haus und das Familienleben zurück. Das alte Ideal des Familienlebens,
dessen typisches Bild Schiller in seiner Glocke gezeichnet hat, verblaßt
mehr und mehr, nur denjenigen schwebt es noch vor, die in der
Erwerbsarbeit der Ehefrauen etwas unbedingt Widernatürliches sehen. Im
Volksbewußtsein ist sie das nicht mehr. Und mit Recht. So wenig wie die
Frauenarbeit überhaupt eine beklagenswerte Erscheinung innerhalb der
sozialen Entwicklung ist, so wenig ist es die Arbeit der Ehefrauen.
Verderblich wirkt auch sie nur durch die Bedingungen, unter denen sie
vor sich geht.
Gerade in Bezug hierauf ist es notwendig, festzustellen, in welchen
Berufsarten der Industrie die meisten verheirateten Frauen thätig sind.
Nach den letzten Zählungen für Deutschland, Oesterreich und
Nordamerika,--die Ergebnisse für Frankreich liegen im einzelnen noch
nicht vor,--zeigt sich folgendes:
Deutschland
| von 100
| Arbeiterinnen
Berufsarten | des betreffenden
| Berufs sind
| verheiratet
----------------------------+-----------------
Fleischerei | 40,92
Ziegelei | 30,01
Bäckerei | 29,45
Weberei| 25,30
Tuchmacherei | 24,94
Zubereitung v. Spinnstoffen | 24,88
Tabakfabrikation| 24,72
Lohnarbeit wechselnd. Art| 19,55
Bleicherei, Appretur | 18,59
Oesterreich
| von 100
| Arbeiterinnen
Berufsarten | des betreffenden
| Berufs sind
| verheiratet
---------------------------------+------------------
Verarbeitung von Eisen und Stahl | 34,50
Verfertigung von Maschinen | 33,98
Textilindustrie| 28,49
Industrie der Nahrungsmittel | 24,77
Vereinigte Staaten
| von 100
| Arbeiterinnen
Berufsarten | des betreffenden
| Berufs sind
| verheiratet
----------------------+------------------
Wäscherei |31,60
Häusliche Dienste |26,78
Putzmacherei |17,66
Tabakfabrikation|16,53
Bäcker und Konditoren |12,95
Baumwollenweber |12,59
Kleiderkonfektion |12,23
Schuhmacher |11,36
Daraus geht hervor, daß die verheirateten Arbeiterinnen besonders in der
Textilindustrie beschäftigt sind.
Nachstehende Tabelle bringt einen noch stärkeren Beweis dafür:[481]
,
,
,
,
,
,
1
2
,
,
3
,
4
,
5
:
6
,
-
-
7
,
-
-
8
.
9
10
,
,
,
11
12
.
:
13
14
,
,
15
16
,
,
17
,
.
18
19
20
,
21
,
22
,
.
23
24
.
,
25
,
26
,
27
.
28
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