sie nicht verstanden hat, was man gesagt hat.«
»Ich kann sie nicht leiden, wenn sie höflich ist, das liegt nicht
in ihrer Natur. Und daß sie so ins Träumen versinkt, das kommt von
dem Schierling. Wir kennen einen Mann, der in einem Bad einen Löffel
Strychnin nahm, und er war nachher nie wieder derselbe.«
»Ich glaube, sie hat sich entschlossen, Erskine zu ermutigen,« sagte
Agatha. »Als ich hierherkam, durfte er es kaum wagen, mit ihr zu
sprechen -- wenigstens behandelte sie ihn sehr verächtlich. Jetzt läßt
sie ihn reden, so viel er will. Sie schickt ihm sogar Nachrichten und
läßt ihn ihre Sachen tragen.«
»Ja. So eine wie Gertrude habe ich in meinem Leben nicht gesehen.
Wenn in London Männer aufmerksam gegen sie waren, warf sie ihnen
Zudringlichkeit vor. Ließ man sie in Ruhe, so fühlte sie sich
vernachlässigt. Nach meiner Meinung kann sie mit Erskine sehr zufrieden
sein.«
Hier erschien Erskine an der Türe und sah sich im Zimmer um.
»Sie ist nicht hier,« sagte Jane.
»Ich suche Sir Charles,« bemerkte er und zog sich etwas steif zurück.
»Welch eine Lüge!« sagte Jane und war mißvergnügt, weil er ihren Scherz
so aufgenommen hatte. »Er hat noch vor zehn Minuten mit Sir Charles im
Billardzimmer gesprochen. Die Männer sind solche eingebildete Narren.«
Agatha ging langsam an das Fenster und sah unzufrieden über die
Landschaft. Früher, auf der Schule, tat sie das oft, wenn sie allein
war, jetzt auch manchmal in der Gesellschaft. Die Türe wurde wieder
geöffnet, und Sir Charles erschien. Auch er sah sich um, aber als sein
flüchtiger Blick Agatha erreicht hatte, ließ er ihn an ihr haften und
trat herein.
»Haben Sie jetzt was vor, Miß Wylie?« fragte er.
»Ja,« sagte Jane schnell. »Sie wollte grade einen Brief für mich
schreiben.«
»Wirklich, Jane,« sagte er. »Ich denke, du bist doch alt genug und
kannst deine Briefe schreiben, ohne erst Miß Wylie zu bemühen.«
»Wenn ich meine Briefe selbst schreibe, findest du immer Fehler daran,«
entgegnete sie.
»Ich dachte, Sie würden vielleicht Lust haben, mit mir ein Duett zu
singen,« sagte er zu Agatha.
»Gewiß,« antwortete sie und hoffte es gut zu machen, indem sie ihm
willfahrte. »Der Brief wird schon vor der Postzeit fertig werden.«
Jane errötete und sagte kurz: »Ich will ihn selbst schreiben, wenn du
es nicht tun willst.«
Sir Charles verlor jetzt seine Selbstbeherrschung. »Wie kannst du
so verflucht roh sein?« fragte er seine Frau. »Was hast du dagegen
einzuwenden, wenn ich mit Miß Wylie Duette singe?«
»Das ist eine hübsche Sprache!« sagte Jane. »Ich habe nie behauptet,
ich hätte etwas dagegen. Und du hast kein Recht, sie zum Klavier zu
holen, wenn sie grade einen Brief für mich schreiben will.«
»Ich will nur, daß Miß Wylie das tut, was ihr am besten gefällt.
Aber Briefe an deine Handwerker zu schreiben, das scheint mir keine
angenehme Beschäftigung zu sein.«
»Bitte, nehmen Sie auf mich keine Rücksicht,« sagte Agatha. »Es macht
mir durchaus keine Mühe. Auf der Schule pflegte ich alle Briefe für
Jane zu schreiben. Ich denke, ich schreibe jetzt zuerst den Brief, und
dann singen wir das Duett. Es macht Ihnen doch nichts aus, wenn Sie
fünf Minuten warten?«
»Ich kann natürlich so lange warten, wie es Ihnen paßt. Aber es scheint
mir so ein unvernünftiger Mißbrauch Ihrer Gutmütigkeit, daß ich
unbedingt protestieren --«
»Oh, laß den Brief warten!« schrie Jane. »Wie kann man nur solch einen
lächerlichen Unsinn reden, weil ich Agatha bitte, mir einen Brief zu
schreiben, grade wenn du von ihr deine Duette gespielt haben willst.
Ich bin sicher, sie hat sie so von Herzen satt, daß es ihr übel davon
wird.«
Um diesem Streit zu entfliehen, ging Agatha auf die Bibliothek und
schrieb den Brief. Als sie in das Gesellschaftszimmer zurückkehrte,
fand sie niemand mehr vor, doch kehrte Sir Charles gleich zurück.
»Es tut mir leid, Miß Wylie,« sagte er, als er ihr den Flügel
aufmachte, »wenn Sie durch die lächerliche Eifersucht meiner Frau
belästigt werden.«
»Eifersucht!«
»Natürlich. Es ist blödsinnig!«
»Oh, Sie irren sich,« sagte Agatha ungläubig. »Wie könnte sie nur auf
-mich- eifersüchtig sein?«
»Sie ist auf jeden und auf alles eifersüchtig,« antwortete er bitter.
»Und sie kehrt sich an niemand und an gar nichts. Sie wissen nicht, was
ich manchmal von ihr ausstehen muß.«
Agatha hielt es für das Beste, sich sofort hinzusetzen und anzufangen:
»Ich wollt, daß meine Liebe.« Während sie sang und spielte, dachte
sie darüber nach, was Sir Charles grade gesagt hatte. Sie liebte
seine Gesellschaft. Er war fröhlich, hatte Sinn für Musik und Spaß,
war höflich und aufmerksam. Er wußte ihre Anlagen zu schätzen, war
schlagfertig, ohne zu überlegen zu sein, und als verheirateter Mann
ungefährlich in seiner Zuneigung. Aber jetzt schien es ihr doch, als ob
sie in der letzten Zeit etwas zuviel zusammengewesen seien.
Sir Charles war jetzt in ihre Tonart hineingekommen. Er erinnerte sie
wieder an die Musik, indem er innehielt und sie fragte, ob er richtig
spiele. Sie kannte schon aus Erfahrung die Fehler, die er gewöhnlich
machte. Sie gab ihm seinen Ton an und spielte weiter. Sie hatten aber
noch nicht lange gesungen, als Jane zurückkam und sich hinsetzte,
wobei sie die Hoffnung ausdrückte, sie würde wohl nicht stören. Aber
sie störte sie. Agatha hatte das Gefühl, sie sei nur gekommen, um sie
zu überwachen, und Sir Charles wußte es. Und dann war Lady Brandon
stets unruhig in ihren Bewegungen, selbst wenn sie innerlich nichts
bewegte. Wegen der Musik konnte sie nicht sprechen, und obgleich
sie ein aufgeschlagenes Buch in der Hand hielt, konnte sie nicht zu
gleicher Zeit lesen und beobachten. Sie gähnte und lehnte sich über
das eine Ende des Sofas, bis sie im Begriff war, das Gleichgewicht zu
verlieren und sich mit einem mächtigen Ruck wieder aufrichtete. Der
Boden zitterte bei jeder Bewegung, die sie machte. Zuletzt konnte sie
nicht mehr länger schweigen.
»Lieber Himmel!« sagte sie laut gähnend. »Es muß mindestens schon fünf
Uhr sein.«
Agatha drehte sich auf dem Klavierstuhl herum. Sie fühlte, daß die
Musik und Lady Brandon sich nicht vereinigen ließen. Sir Charles
gab sich seines Gastes wegen die größte Mühe, seine Erregtheit zu
unterdrücken.
»Das kannst du leicht auf deiner Uhr sehen,« sagte er.
»Danke für die Auskunft,« sagte Jane. »Agatha, wo ist Gertrude?«
»Aber Jane, wie in aller Welt kann dir denn Miß Wylie sagen, wo sie
ist? Ich glaube, du bist heute verrückt geworden.«
»Sie spielt wahrscheinlich mit Mr. Erskine Billard,« sagte Agatha
schnell, um einer Antwort Janes und der dann unvermeidlichen
Auseinandersetzung zuvorzukommen.
»Ich halte es für sehr merkwürdig, daß Gertrude den ganzen Tag mit
Chester im Billardzimmer ist,« sagte Jane unzufrieden.
»Es ist auch nicht im geringsten etwas Unpassendes dabei,« sagte Sir
Charles. »Wenn Miß Lindsay als unser Gast nicht über jede Vermutung
erhaben ist, dann sollten wir uns etwas schämen. Was würdest du sagen,
wenn sonst jemand eine solche Bemerkung machte?«
»Ach, Unsinn,« sagte Jane verdrießlich. »Du machst wegen jeder
Kleinigkeit solch ein großes Geschwätz. Ich habe gar nicht behauptet,
daß sich Gertrude unpassend benehme. Sie ist nach meiner Meinung viel
zu förmlich, um eine angenehme Gesellschaft zu sein.«
Sir Charles war nicht imstande, sich noch länger zu beherrschen. Er
machte ein finsteres Gesicht und verließ das Zimmer, während Jane ihm
ein verächtliches Lachen nachsandte.
»Mache niemals die Dummheit und verheirate dich,« sagte sie, als
er gegangen war. Sie blickte, während sie das sagte, auf und wurde
ängstlich, weil Agatha, die auf dem Flügel saß, wie in der Schulzeit
eine schwingende Bewegung mit den Füßen machte.
»Jane,« sagte sie und warf ihrer Wirtin einen kühlen Blick zu, »weißt
du, was ich an Sir Charles' Stelle täte?«
Jane wußte es nicht.
»Ich würde einen dicken Stock nehmen, dich braun und blau schlagen und
dich dann eine Woche lang bei Wasser und Brot einsperren.«
Jane erhob sich etwas mit rotem, ärgerlichen Gesicht. »Wa -- was?«
fragte sie und sank wieder auf das Sofa zurück.
»Wenn ich ein Mann wäre, ich ließe mich nicht aus einfacher Galanterie
wie ein lästiger Hund behandeln. Du brauchst eine gesunde Tracht
Prügel.«
»Ich möchte den sehen, der -mich- schlägt,« sagte Jane. Sie hatte sich
wieder erhoben und reckte ihren gewaltigen Körper. Dann brach sie in
Tränen aus und sagte. »Ich will mir so etwas nicht in meinem eigenen
Hause sagen lassen. Wie kannst du es wagen?«
»Du verdienst es, weil du auf mich eifersüchtig bist,« sagte Agatha.
Janes Augen erweiterten sich vor Zorn. »Ich -- ich! -- eifersüchtig
auf dich!« Sie sah sich nach einem Wurfgeschoß um. Da sie nichts fand,
setzte sie sich wieder hin und sagte mit tränenerstickter Stimme: »Eif
-- eifersüchtig auf -dich-, herrlich!«
»Du hast guten Grund dazu, denn er hat mich lieber als dich.«
Jane riß krampfhaft ihren Mund und die Augen auf, aber sie konnte nur
nach Luft schnappen, und Agatha fuhr ruhig fort: »Ich bin höflich gegen
ihn, und das bist du nie. Wenn er mit mir spricht, lasse ich ihn seinen
Satz beendigen, ohne daß ich wie du ihn mit einer vorgefaßten Meinung
unterbreche, die nicht des Anhörens wert ist. Ich gähne und spreche
nicht, während er singt. Wenn er sich mit mir über Kunst und Literatur
unterhält, wovon er zweimal so viel versteht als ich und wenigstens
zehnmal so viel als du« -- Jane schnappte wieder nach Luft -- »dann
gebe ich ihm keine verrückte Antwort oder wende mich an meinen Nachbar
auf der andern Seite mit einer Bemerkung über den Pferdestall oder das
Wetter. Wenn er bereit ist, sich zu unterhalten, und das ist er immer,
dann bin ich unterhaltend. Und deswegen hat er mich gern.«
»Er hat dich -nicht- gern. Er ist gegen jeden Menschen so.«
»Mit Ausnahme seiner Frau. Er hat mich so gern, daß du wie eine
wirkliche Gans -- was du ja auch bist -- hereinkamst, um unsere Duette
zu überwachen. Und du machtest dich so unangenehm, wie du nur konntest,
während ich mich angenehm machte. Der arme Mann schämte sich deiner.«
»Das tat er nicht,« sagte Jane schluchzend. »Ich habe nichts getan und
nichts gesagt. Ich laß mir das nicht gefallen. Ich will mich scheiden
lassen. Ich will --«
»Du wirst dein Benehmen bessern, wenn du noch etwas Vernunft hast,«
sagte Agatha ohne Reue. »Mach nicht solchen Lärm, sonst kommt jemand
und sieht, was es gibt, und ich muß von dem Flügel herunter, wo ich
sehr bequem sitze.«
»-Du- bist eifersüchtig.«
»Oh, wirklich, Jane? Ich habe bisher Sir Charles nicht gestattet, sich
in mich zu verlieben, aber ich kann das sehr leicht tun. Was willst du
wetten, daß er mich vor morgen abend küßt?«
»Es wird sehr gemein und schmutzig von dir sein, wenn er es tut. Du
denkst wohl, ich ließe mich wie ein Kind behandeln?«
»Du bist auch ein Kind,« sagte Agatha. Sie stieg von ihrem Sitz
herunter und schickte sich an hinauszugehen. »Ein gelegentlicher Klaps
ist dir ganz gut.«
»Es geht dich nichts an, ob ich mich mit meinem Manne gut stehe oder
nicht,« sagte Jane in plötzlicher Wut.
»Solange ihr euch zankt, wenn ihr allein seid, wie das gut erzogene
Paare tun, gewiß nicht. Aber wenn es in meiner Gegenwart vorkommt, dann
macht es mir Unbehagen, und das lasse ich mir nicht gefallen.«
»Du würdest überhaupt nicht hier sein, wenn ich dich nicht eingeladen
hätte.«
»Stell dir nur vor, Jane, wie langweilig ohne mich das Haus wäre.«
»Wirklich! Es war vor deiner Ankunft gar nicht langweilig. Gertrude hat
sich wenigstens immer wie eine Dame benommen.«
»Es tut mir leid, daß ihr Beispiel so gar keine Wirkung auf dich
ausgeübt hat.«
»Ich ertrage das nicht,« sagte Jane schluchzend und ließ sich auf das
Sofa fallen, daß die Glasprismen an dem Kronleuchter klirrten. »Ich
würde dich nie eingeladen haben, wenn ich gedacht hätte, du könntest so
gehässig sein. Ich werde dich nie wieder bitten.«
»Ich werde veranlassen, daß sich Sir Charles wegen der
Unverträglichkeit deines Charakters von dir scheiden läßt, und ihn dann
heiraten. Dann habe ich das ganze Haus für mich allein.«
»Er kann sich Gott sei Dank deswegen nicht scheiden lassen. Du weißt
nicht, was du redest.«
Agatha lachte. »Komm, Jane,« sagte sie gutmütig. »Sei kein alter Esel.
Wasch dein Gesicht, bevor es jemand sieht, und denk daran, was ich dir
über Sir Charles gesagt habe.«
»Es ist sehr hart, in seinem eigenen Hause ein Esel genannt zu werden.«
»Es ist noch härter, als ein solcher behandelt zu werden, wie es deinem
Mann geschieht. Ich werde im Billardzimmer nach ihm sehen.«
Jane lief hinter ihr her und faßte sie beim Ärmel. »Agatha,« bat sie,
»versprich mir, daß du nicht gemein bist. Sage, daß du dich nicht in
ihn verliebst.«
»Ich will es mir überlegen,« entgegnete Agatha ernst.
Jane sank stöhnend in einen Sessel, der unter ihrem Gewicht krachte.
Agatha wandte sich auf der Schwelle um, und als sie sah, wie Jane den
Kopf schüttelte, die Augen zusammenpreßte und in unterdrückter Wut mit
den Absätzen auf den Boden hämmerte, sagte sie schnell:
»Da kommen die Waltons und die Fitzgeorges und Mr. Trefusis die Treppe
herauf. Wie geht es Ihnen, Mrs. Walton? Lady Brandon wird sich sehr
freuen, Sie zu sehen. Guten Abend, Mr. Fitzgeorge.«
Jane sprang auf, wischte sich die Augen und lief zu einem Spiegel,
während sie sich mit den Händen die Haare ordnete. Da aber keine
Besucher erschienen, begriff sie, daß sie wieder und vielleicht zum
hundertstenmal in ihrem Leben einem Schelmenstreich Agathas zum Opfer
gefallen war. Diese war befriedigt, weil ihr Versuch, die alte
Herrschaft über Jane wiederzugewinnen, geglückt war. Sie hatte es
selbst nicht geglaubt, obgleich sie sich ganz ruhig gestellt hatte.
Jetzt ging sie hinunter in die Bibliothek, wo Sir Charles in traurigem
Brüten saß und versuchte, seinen häuslichen Ärger durch Beschäftigung
mit der Kunstkritik zu vergessen.
»Ich dachte, Sie wären im Billardzimmer,« sagte Agatha.
»Ich habe nur flüchtig hineingeschaut,« entgegnete er. »Aber es scheint
da etwas Besonderes vorzugehen, und ich hielt es für das Beste, mich
davonzuschleichen. So bin ich die ganze Zeit allein geblieben.«
Das Besondere, was Sir Charles nicht unterbrechen wollte, war weiter
nichts als eine Partie Billard. Es war die erste Gelegenheit, die
Erskine jemals gehabt hatte, mit Gertrude allein und in Muße zu
sprechen. Doch war ihre Unterhaltung noch nie eine so alltägliche
gewesen. Sie liebte das Spiel und spielte gut, während sie gleichgültig
plauderte. Er spielte schlecht und brachte gegen seinen Willen die
trivialsten Gesprächsstoffe vor. Nachdem sie anderthalb Stunden
gespielt hatten, sagte Gertrude, daß jetzt das letzte Spiel komme. Er
dachte voller Verzweiflung, wenn er so weiter die Bälle ausließ, dann
mußte die Partie bald zu Ende sein, und dann hatte er eine Gelegenheit,
die vielleicht niemals wiederkam, unbenutzt vorbeigehen lassen. Er
beschloß, ihr ohne weitere Einleitung zu sagen, daß er sie anbete. Als
er aber seine Lippen öffnete, kam ganz von selbst eine Frage über die
persische Art, Billard zu spielen, heraus. Gertrude war nie in Persien
gewesen, aber sie hatte im Indischen Museum einige orientalische
Queues gesehen. Hatten nicht die Hindu eine wunderbare Fähigkeit,
Filigranarbeit, Teppiche und dergleichen anzufertigen? Ob er nicht auch
der Ansicht sei, daß die Verschrobenheiten ihrer Teppichmuster ein
Mangel seien? Viele Leute gäben vor, grade das zu bewundern, aber sei
das nicht alles Unsinn? War nicht ein moderner, gebohnter Fußboden mit
einem Teppich in der Mitte viel besser als der alte Teppich, der in den
Ecken des Zimmers angebracht wurde? Ja. Viel besser. Unendlich --
»Aber, woran denken Sie heute, Mr. Erskine? Sie haben mit meinem Ball
gespielt.«
»Ich denke an Sie.«
»Was sagten Sie?« fragte Gertrude, die den ernsten Sinn, den er der
Unterhaltung gegeben hatte, noch nicht begriff und ihr Queue zu einem
Stoß anlegte. »Oh, ich spiele so schlecht wie Sie. Das war, glaube ich,
der schlechteste Stoß, den ich je gemacht habe. Verzeihen Sie, Sie
sagten grade etwas.«
»Ich weiß es nicht mehr. Es war nichts Wichtiges.« Und er stöhnte über
seine eigene Feigheit.
»Ich schlage vor, wir hören auf,« sagte sie. »Es hat keinen Zweck, die
Partie zu Ende zu spielen, wenn unsere Hände unsicher sind. Ich bin
ziemlich müde geworden.«
»Gewiß -- ganz, wie Sie wünschen.«
»Wenn Sie wollen, können wir auch zu Ende spielen.«
»Durchaus nicht. Was Ihnen gefällt, gefällt mir auch.«
Gertrude machte ihm eine leichte Verbeugung und stieß müßig mit ihrem
Queue nach den Bällen. Erskines Augen wanderten umher, seine Lippen
bewegten sich unentschlossen. Er war mit sich darüber im klaren
gewesen, daß er eine offene Erklärung geben wollte -- Herz gegen Herz.
Er hatte es sich genau ausgemalt, wie er in zarter Weise ihre Hand
ergriff und sagte: »Gertrude, ich liebe Sie! Darf ich Ihnen das ewig
versichern?« Aber diese Form schien ihm jetzt gar nicht ausführbar.
»Miß Lindsay.«
Gertrude, die sich über das Billard neigte, blickte beunruhigt auf.
»Dieser Augenblick ist eine gute Gelegenheit, denn ich will -- ich soll
-- ich will --«
»-Soll-,« wiederholte Gertrude. »Haben Sie jemals die Lehre von der
Notwendigkeit studiert?«
»Die Lehre von der Notwendigkeit?« fragte er verwirrt.
Gertrude folgte einem Ball an die andere Seite des Billards. Sie erriet
jetzt, was kommen sollte, und wollte es erwarten. Nicht weil sie die
Absicht hatte, ja zu sagen, sondern weil sie wie andere junge Damen,
die in solchen Auftritten Erfahrungen haben, die Heiratsanträge, die
man ihr machte, zählte, wie die Rothäute die abgeschnittenen Skalpe.
»Wir haben hier eine sehr schöne Zeit verlebt,« sagte er und legte
die wichtige Lehre von der Notwendigkeit als unerklärbar zur Seite.
»Wenigstens habe ich es getan.«
»Nun,« meinte Gertrude schnell, die leicht eine verborgene Anspielung
auf ihre persönliche Unzufriedenheit vermutete, »ich auch.«
»Ich bin sehr glücklich darüber -- viel mehr, als ich Ihnen in Worten
ausdrücken kann.«
»Was geht das Sie an?« fragte sie und gab ihrer üblen Laune nach, die
er, ohne es zu wissen, in ihr wachgerufen hatte. Sie vermutete auch
Mitleid in seinem Bemühen, teilnehmend zu sein.
»Ich wollte, es dürfte mich etwas angehen. Das Glück dieses ganzen
Aufenthalts habe ich nur Ihnen zu verdanken.«
»Wirklich,« sagte Gertrude und zuckte zusammen. Denn alle bösen Dinge,
die ihr Trefusis über sie gesagt hatte, traten jetzt wieder in ihre
Erinnerung, als Erskine seine unglückselige Anspielung auf ihre Macht,
andere zu erfreuen, vorbrachte.
»Hoffentlich quäle ich Sie nicht,« sagte er mit Ernst.
»Ich weiß nicht, worüber Sie reden,« entgegnete sie und richtete sich
in plötzlicher Ungeduld auf. »Sie scheinen zu glauben, es sei sehr
leicht, mich zu quälen.«
»Nein,« sagte er furchtsam und war ganz verwirrt durch den Eindruck,
den er hervorgebracht hatte. »Ich fürchte, Sie mißverstehen mich. Ich
bin sehr unbeholfen. Vielleicht ist es besser, wenn ich nichts weiter
sage.«
Gertrude wandte sich weg und nahm ihr Queue wieder auf. Sie wollte
ihm dadurch zeigen, daß es seine Sache sei, darüber nachzudenken. Sie
beabsichtigte nicht, sich deshalb stören zu lassen. Als sie ihn wieder
ansah, stand er bewegungslos und ängstlich da, mit einem traurigen
Gesichtsausdruck, wie ihn ein Hund zeigt, der eine Zärtlichkeit
angeboten hat und getreten worden ist. Reue und ein unbestimmtes
Gefühl, in ihrem Benehmen gegen ihn liege etwas Niedriges, überkamen
sie. Sie sah ihn einen Augenblick an und verließ das Zimmer.
Ihr Blick erregte ihn. Er verstand ihn nicht und wagte auch nicht,
ihn zu verstehen. Aber es war ein Blick, den er nie vorher auf ihrem
Gesicht oder auf dem Gesicht einer anderen Frau gesehen hatte. Es
packte ihn als eine plötzliche Offenbarung eines Wortes aus den
Patriotischen Märtyrern: »Das köstliche Geheimnis eines Frauenherzens«
-- und es gab ihm das Gefühl, daß er sich jetzt keiner gewöhnlichen
gesellschaftlichen Unterhaltung widmen dürfte. Er eilte aus dem Hause
und ging schnell die Allee hinunter nach der Hütte, in der er sein Rad
stehen hatte. Er hinterließ Bescheid, daß er einen Ausflug mache und
wahrscheinlich nicht zum Essen zurück sein werde. Dann bestieg er sein
Rad und fuhr den Riverside Road hinunter. In weniger als zwei Minuten
passierte er die Pforte zu Sallusts Haus, wo er beinahe ein altes Weib
überrannt hatte, das mit einem Korb Kohlen beladen war. Sie stellte
ihre Last hin und schickte Verwünschungen hinter ihm her. Das brachte
ihn zur Besinnung, daß seine unvernünftige Schnelligkeit gefährlich
sein könnte. Er ließ etwas nach und sah gleich darauf Trefusis, der
hingestreckt am Flußufer lag, das Gesicht auf die Ellbogen gestützt,
und aufmerksam las. Erskine hatte ihm vor ein paar Tagen ein Exemplar:
»Die patriotischen Märtyrer und andere Dichtungen« verehrt, und er
versuchte jetzt, einen Blick auf das Buch zu werfen, in dem Trefusis
so ernsthaft las. Es war ein Blaubuch, voll von Zahlen. Erskine fuhr
enttäuscht weiter und tröstete sich mit der Erinnerung an Gertrudes
Gesicht.
Die Landstraße entfernte sich jetzt vom Fluß und stieg zu einer
steilen Anhöhe empor, auf deren Gipfel er haltmachte und sich umsah.
Das Tageslicht bekam einen rötlichen Schein, und die Schatten wurden
länger. Trefusis lag noch hingestreckt in dem Grase, und das alte Weib
war auf dem Felde und sammelte Schierling.
Erskine fuhr in vollem Schwung den Hügel hinunter und sah sich nicht
mehr um, bis er bei Sonnenuntergang eine kleine Stadt erreichte.
Er ließ sich Bier und Butterbrot geben und aß ohne großen Appetit.
Gertrude hatte ihn in eine Aufregung versetzt, die ihm die Geduld zum
Essen nahm.
Es war jetzt dunkel. Er befand sich viele Meilen von Brandon Beeches
und kannte nicht einmal genau den Rückweg. Plötzlich beschloß er, heute
abend noch seinen abgebrochenen Heiratsantrag zu vollenden. Er konnte
nicht schnell genug zurückfahren, um seine Ungeduld zu befriedigen. Er
versuchte den Weg abzuschneiden, verlor sich und verbrachte fast eine
Stunde damit, die Landstraße wieder aufzufinden. Endlich kam er an eine
Eisenbahnstation und konnte grade noch einen Zug erreichen, der ihn bis
auf eine Meile an seinen Bestimmungsort brachte.
Als er aus den Polstern des Eisenbahnwagens herausstieg, fühlte er sich
doch etwas ermüdet und bestieg steif sein Fahrrad. Aber sein Entschluß
stand so fest wie vorher, und sein Herz klopfte heftig, als er in dem
Häuschen sein Rad zurückließ und durch den tiefen Schatten der Buchen
die Allee hinaufging. Nahe beim Hause erreichten ihn die ersten Noten
von >=Crudel perche finora=<, und er ging mit leisen Schritten auf
den Rasen zu, damit das Geräusch seiner Fußtritte auf dem Kies nicht
die Hunde aufschreckte, die durch ihr Bellen die Musik gestört haben
würden. Ein Rascheln veranlaßte ihn, stehenzubleiben und zu lauschen.
Dann flüsterte Gertrudes Stimme durch die Dunkelheit:
»Was meinten Sie mit dem, was Sie mir da drinnen sagten?«
Eine ganz seltsame Empfindung überkam Erskine, verwirrte Ideen aus
einem Feenland flogen durch seine Phantasie. Dann folgte eine bittere
Enttäuschung, als ob er aus einem glücklichen Traum erwachte, als
Trefusis' Stimme in weicherem Tone, als er sie jemals gehört hatte,
antwortete:
»Einfach, daß das Reich der Sterne, die über uns funkeln, nicht
unbegrenzter ist als meine Verachtung für Miß Lindsay und nicht
strahlender als mein Vertrauen auf Gertrude.«
»Bitte, Mr. Trefusis, für Sie bin ich immer Miß Lindsay.«
»Für mich sind Sie niemals Miß Lindsay. Das sind Sie für die, die nicht
in Ihre Seele hineinblicken können, die Gertrude ist. Es gibt Tausende
Miß Lindsays auf der Welt, die alle förmlich und unecht sind. Aber es
gibt nur eine Gertrude.«
»Ich bin ein schutzloses Mädchen, Mr. Trefusis, und Sie können mich
nennen, was Sie wollen.«
Einen Augenblick kam Erskine der Gedanke, dies sei eine gute
Gelegenheit, vorzuspringen und Trefusis, dessen Gestalt er jetzt
undeutlich unterscheiden konnte, ein blaues Auge zu schlagen. Aber er
zauderte, und die Gelegenheit ging vorbei.
»Schutzlos!« sagte Trefusis. »Aber Sie sind doch rings umzäunt und
eingeriegelt in Sitten, Vorschriften und Lügen, die die Wahrheit von
den Lippen eines jeden Mannes zurückschrecken würden, dessen Glaube an
Gertrude weniger stark wäre als der meine. Gehen Sie zu Sir Charles und
erzählen Sie ihm, was ich zu Miß Lindsay gesagt habe. In zehn Minuten
werde ich außerhalb dieses Tores sein, mit einer Warnung, mich ihm nie
mehr zu nähern. Ich bin in Ihrer Gewalt, und wäre ich nur in der Gewalt
von Miß Lindsay, ich hätte wenig mehr zu sagen. Glücklicherweise sieht
Gertrude ein, obgleich sie es nur dunkel fühlt, daß Miß Lindsay ihre
bitterste Feindin ist.«
»Das ist lächerlich. Ich bestehe nicht aus zwei Personen, ich bin
nur eine. Was mache ich mir daraus, ob Ihre Verachtung für mich so
grenzenlos wie die Sterne ist?«
»Ah, Sie erinnern sich dieser Worte. Wenn Sie einen Mann über die
Sterne reden hören, dann können Sie sicher sein, daß er entweder ein
Astronom oder ein Narr ist. Aber Sie und eine schöne Sternennacht
können aus jedem Mann einen Narren machen.«
»Ich verstehe Sie nicht. Ich gebe mir alle Mühe, aber es gelingt mir
nicht. Oder wenn ich Sie verstehe, dann weiß ich nicht, ob Sie ernst
reden oder nicht.«
»Ich rede im vollen Ernst. Lassen Sie doch ein für allemal diese
Befürchtungen fallen, ich scherzte mit Ihnen, oder ich wollte eine
müßige Stunde vertändeln, wie das Männer tun, die in Gesellschaft einer
schönen Frau sind. Was ich sage, meine ich wörtlich und im tiefsten
Ernst. Sie zweifeln an mir, wir haben ja die Gesellschaft so weit
gebracht, daß wir uns gegenseitig mißtrauen. Aber die Wahrheit erzwingt
sich von denen, die imstande sind, sie zu begreifen, früher oder später
doch Glauben. Jetzt darf ich wohl Miß Lindsay zur Besinnung bringen,
indem ich sie daran erinnere, daß wir schon zehn Minuten hier draußen
sind und daß unsere Wirtin nicht die Frau ist, die unser Fortbleiben
ohne Bemerkung zuläßt.«
»Wir wollen hineingehen. Ich danke Ihnen, daß Sie mich daran
erinnerten.«
»Ich danke Ihnen, daß Sie es vergaßen.«
Erskine hörte, wie sich ihre Fußtritte entfernten, und sah die zwei
gleich darauf in den Lichtschein hineintreten, der aus der offenen
Türe des Billardzimmers hervorleuchtete, durch das sie ins Haus
gingen. Trefusis, ein Mann, der heute in der wunderschönen Landschaft
gelegen hatte, blind für alles außer den Ziffern eines Blaubuchs,
war sein erfolgreicher Nebenbuhler, obgleich man schon an dem Klang
seiner Stimme hören konnte, daß er Gertrude nicht liebte -- daß er
sie nicht lieben konnte. Nur ein Dichter konnte das. Trefusis war
kein Dichter, sondern ein schmutziger, roher Patron, der höchstens in
einer Volksversammlung Interesse erregen konnte, aber nicht bei einem
Weibe, und am allerwenigsten bei einem so zarten Weibe wie Gertrude.
Dabei war sie noch stolz, und doch hatte sie dem Burschen erlaubt, sie
zu beschimpfen -- hatte es ihm verziehen, weil er ihr ein paar grobe
Komplimente machte. Erskine wurde zornig und spöttisch. Der Vorfall
beleidigte sein poetisches Gefühl. Anstatt daß sein Herz von einem
tragischen Schmerz erfüllt war, wie ihn ein patriotischer Märtyrer
unter ähnlichen Umständen empfunden hätte, fühlte er sich verhöhnt und
verspottet. Und was ihm zuerst als ganz selbstverständlich erschienen
war, daß Trefusis tief unter ihm stehe, das war ihm jetzt gar nicht
mehr so sicher.
Er blieb unter den Bäumen stehen, bis Trefusis wieder erschien, um
nach Hause zu gehen. Er machte dabei, wie Erskine dachte, mit seinen
Absätzen auf dem Kies ein Geräusch, das ein ganzes Regiment fein
erzogener Menschen nicht hervorgebracht hätte. An dem Wärterhäuschen
fragte er noch etwas und ging dann hinaus, und seine Schritte erstarben
in der Dunkelheit.
Erskine war steif und erfroren und hatte eine Empfindung, als ob er
sich eine böse Erkältung zugezogen hätte. Als er ins Haus hineinkam,
war er froh, daß sich Gertrude schon zurückgezogen hatte und daß Lady
Brandon, trotzdem sie bestimmt glaubte, er sei in der Dunkelheit in den
Fluß hineingefahren, doch ein warmes Abendessen für ihn bereit gehalten
hatte.
Fünfzehntes Kapitel.
Erskine fand jetzt Stoff genug, seinem neu erworbenen bitteren Spott
nachzuhängen. Gertrudes Benehmen gegen ihn wurde so milde, daß er
glaubte, sie hätte ihr Herz seinem Nebenbuhler geschenkt und wollte ihn
jetzt zu einem Antrag bewegen, um ihn zurückzuweisen. Sir Charles, dem
er den Auftritt in der Allee erzählt hatte, drückte ihm sein Mitgefühl
aus, aber er schien auch zugleich befriedigt zu sein, weil hinter
Trefusis' Aufmerksamkeiten gegen Agatha keine ernsthaften Absichten
steckten. Daraufhin schrieb Erskine drei bittere Sonette über falsche
Freundschaft und zeigte sie Sir Charles, der nicht wußte, daß sie
sich auf ihn bezogen, und sie sehr lobte. Sir Charles zeigte sie dann
Trefusis, ohne den Autor um Erlaubnis zu bitten. Trefusis bemerkte nur,
in einer verdorbenen Gesellschaft zeugten Ausdrücke des Mißvergnügens
immer von dem Feingefühl eines Schriftstellers, aber sonst lobte er die
Verse nicht viel.
»Wie ist er denn auf solche Sachen gekommen?« fragte er. »Hat er in der
letzten Zeit irgendeine Enttäuschung erlitten? Hat er Miß Lindsay einen
Antrag gemacht und eine Absage bekommen?«
»Nein,« sagte Sir Charles, erstaunt über diese offene Anspielung auf
einen Gegenstand, über den sie nie vorher gesprochen hatten. »Aber er
beabsichtigt auch nicht, Miß Lindsay einen Antrag zu machen.«
»Er hat aber die Absicht gehabt?«
»Gewiß wollte er das tun, aber er hat die Idee aufgegeben.«
»Warum?« fragte Trefusis und mißbilligte offenbar sehr diese
Sinnesänderung.
Sir Charles zuckte mit den Schultern und gab keine Antwort.
»Es tut mir leid, daß ich das höre. Ich wollte, Sie könnten ihn
bewegen, diesen Entschluß aufzugeben. Er ist ein prächtiger Mensch
und kann ganz anständig leben, obgleich er nach Ihren Anschauungen
ein armer Mann ist, so daß sie ihn vollständig uneigennützig heiraten
kann. Es wird ganz gut für sie sein, wenn sie jemand heiratet, der
ihr keinen pekuniären Vorteil bietet. Sie wird viel mehr Selbstachtung
empfinden. Denn wenn sie auch aus Liebe heiratet, so wird es ihr doch
nicht am Lebensunterhalt fehlen, und sie braucht ihren Mann nicht
wegen seiner Abkunft zu verachten. Machen Sie eine Partie daraus, wenn
Sie eben können. Ich interessiere mich für das Mädchen, es hat gute
Anlagen.«
Sir Charles' Vermutung, Trefusis mache Agatha wirklich den Hof,
kehrte nach dieser Unterredung zurück. Er wiederholte sie Erskine,
der sich ärgerte, daß man seine Gedichte einem Leser von Blaubüchern
gezeigt hatte, und im übrigen glaubte, Trefusis wollte damit nur seine
Absichten auf Gertrude verbergen. Sir Charles wollte diese Ansicht
nicht gelten lassen, und die beiden Freunde gerieten scharf aneinander,
als sie sie besprachen. Nach dem Diner, als die Damen weggegangen
waren, drängte Sir Charles nachgiebig und herzlich Erskine, er sollte
mit Gertrude sprechen, ohne sich an die Aufrichtigkeit Trefusis' zu
stören. Aber Erskine wußte, daß er eine Abweisung nicht ertragen
konnte, und es widerstrebte ihm, sich einer solchen Gefahr auszusetzen.
»Hätten Sie den Ton ihrer Stimme gehört, als sie ihn fragte, ob er im
Ernst sei, Sie würden nicht so zu mir sprechen,« sagte er mutlos. »Ich
wollte, er wäre nie hierhergekommen.«
»Nun, das war wenigstens nicht meine Schuld, mein lieber Freund,« sagte
Sir Charles. »Er kam gegen meinen Willen hierher. Aber jetzt, da es
scheint, daß er wegen des Rasens im Recht ist -- wenigstens gesetzlich
-- würde es gehässig aussehen, wenn ich ihn schnitte. Übrigens ist er
wirklich kein schlechter Mann, wenn er nur die Mädchen in Ruhe ließe.«
»Wenn er mit Miß Lindsay sein Spiel treibt, werde ich ihn bitten, über
den Kanal zu kommen, und mich mit ihm schießen.«
»Ich glaube nicht, daß er mitkommen würde,« sagte Sir Charles
zweifelnd. »Wenn ich an Ihrer Stelle wäre, ich versuchte sofort mein
Glück mit Gertrude. Trotz allem, was Sie gehört haben, glaube ich
nicht, daß sie einen Mann von seiner Herkunft heiraten würde. Sein Geld
gibt ihm ja gewiß einige Aussichten, aber Gertrude hat schon reicheren
Männern, als er ist, den Laufpaß gegeben.«
»Ich will ehrlich gegen ihn sein,« sagte Erskine. »Ich irre mich
vielleicht, denn alle Menschen können sich in ihrem Urteil über sich
selbst irren, aber ich glaube doch, daß ich sie glücklicher machen
könnte, als er es kann.«
Sir Charles war dessen nicht ganz gewiß, aber er entgegnete freundlich:
»Gewiß. Er ist überhaupt nicht der Mann für sie, aber Sie sind es. Er
weiß das auch selbst.«
»Pah!« murmelte Erskine und erhob sich verächtlich. »Wir wollen
hinaufgehen.«
»Übrigens, wir müssen ihn morgen besuchen und sein Haus und die
Photographien besichtigen. Die Photographien! Ha, ha!«
»Der Teufel hole sein Haus!« sagte Erskine.
Am nächsten Tage gingen sie nach Sallusts Haus. Es stand mitten auf
einem Felde, das mit Ausnahme eines Küchengartens unbebaut war. Das
Wärterhäuschen am Eingang war unbewohnt, und vor dem offen stehenden
Tor waren Schmutz und abgefallenes Laub aufgehäuft. Zwei verlaufene
Ponys, eine Ziege und ein Vagabond, der auf dem Rasen schlief, hatten
so Eingang gefunden. Das Weib des Vagabonden saß in der Nähe und
bewachte ihn.
»Ich möchte am liebsten wieder gehen,« sagte Sir Charles und sah sich
voll Ekel um. »Der Platz ist schändlich vernachlässigt. Sehen Sie nur,
wie der Lump da direkt vor den Fenstern schläft.«
»Ich bewundere seine Kühnheit,« sagte Erskine. »Übrigens ein hübsches
Paar Ponys.«
Sallusts Haus war viereckig und hatte einen zimtbraunen Anstrich.
Unter dem Gesims war ein gelber Fries mit Figuren von tanzenden
Kindern, eine Nachahmung von Bildern Donatellos in sehr ungeschickter
Ausführung. Dann war da eine armselige Säulenhalle von vier Säulen,
rot angestrichen, und ein schmuckloser, gelb angestrichener Giebel.
Die Farben, die zu dem Anstrich der Wände passen sollten, standen in
Wirklichkeit dazu in einem schreienden Widerspruch. Sie waren von einem
offenbar farbenblinden Künstler frisch erneuert worden. Die Türe unter
dem Säulengang stand offen. Sir Charles klingelte, und eine ältere Frau
meldete sich. Aber bevor sie die Besucher anreden konnte, erschien
Trefusis in einem weißen, baumwollenen Malerkittel. Sie folgten ihm
ins Haus und fanden, daß es ein leeres Viereck bildete, das einen Hof
mit einem Bad in der Mitte und einem Brunnen darin einschloß. Der
Hofraum, der früher unter freiem Himmel gestanden hatte, war jetzt
mit einem schmutzigen Glasdach bedeckt. Die Nymphe, die einst das
Wasser des Brunnens ausgegossen hatte, war beschädigt und trocken.
Das Bad war zum Teil mit alten Brettern bedeckt, der freie Raum
enthielt in einer Ecke einen Haufen Kohlen, in der andern einen Haufen
Kartoffeln, ferner ein Bierfaß, ein paar alte Teppiche, ein Segeltuch
und einen zerbrochenen Nachen. Der Marmorboden erstreckte sich bis
zu den Außenwänden des Hauses und war an den Seiten durch die oberen
Stockwerke überdacht, die durch gerillte, steinerne Säulen getragen
wurden. Die Säulen waren alle beschmutzt und zerfallen. Trefusis führte
seine Besucher zu einem breiten Treppenhaus, das an der Hinterwand des
Hauses lag und durch einen Gang zu den oberen Räumen führte.
»Dieses Haus ist im Jahre 1780 von einem Vorfahren meiner Mutter erbaut
worden,« sagte Trefusis. »Er galt für einen Mann von auserlesenem
Geschmack. Er wollte, dieses Haus sollte für immerdar -- er gebrauchte
in seinem Testament ausdrücklich dieses Wort -- als Familiensitz
gelten, und er sammelte eine schöne Bibliothek, die ich gut gebrauchen
konnte, denn alle die Bücher kamen in gutem Zustande in meinen Besitz,
bei den meisten waren nicht einmal die Blätter beschnitten. Es gibt
Leute, die grade für unaufgeschnittene Bücher von alten Ausgaben
hohe Preise bezahlen. Ein Händler gab mir für einen Teil von ihnen
dreihundertundfünfzig Pfund. Ich kam auch in Besitz einer Anzahl
Familienfetische -- oder Erbstücke, wie man sie nennt. Da war noch
ein Schwert, das einer meiner Vorfahren bei Edgehill und in andern
Schlachten zur Zeit Karls des Ersten trug. Wir kämpften natürlich auf
der verkehrten Seite, aber das Schwert brachte doch fünfunddreißig
Schilling ein. Sie werden es kaum glauben, daß mir hundertundfünfzig
Pfund für einen goldenen Becher angeboten wurden, der ungefähr
fünfundzwanzig wert war, nur weil einmal die Königin Elisabeth daraus
getrunken hat. Dies ist mein Arbeitszimmer, es war als Festsaal
gedacht.«
Sie betraten einen Saal, der so lang war wie die Front des Hauses. An
einer Seite befanden sich vier hohe Fenster. Dazwischen standen eckige
Pfeiler mit den korinthischen Kapitälen, die das Gesims trugen und halb
in die Wand hineingesunken waren. Ähnliche Pfeiler befanden sich auf
der gegenüberliegenden Seite, aber zwischen ihnen waren anstatt der
Fenster Bogennischen angebracht. In den Nischen standen lebensgroße
Gipsfiguren, alle zerbrochen und unglaublich entstellt. Der Fußboden
war aus schräg gestellten, schmalen Parketthölzern zusammengesetzt. Er
hatte keinen Teppich und war nicht gebohnt. Die Decke war mit Fresken
geschmückt, die sofort Sir Charles' Interesse erregten. Mit Unwillen
entdeckte er, daß ein großer Teil der Malerei an der nördlichen Seite
des Zimmers zerstört und durch ein eingesetztes Glasdach entstellt
war. An andern Stellen waren Haken hineingetrieben, um die Seile eines
Trapezes und anderer Stücke eines gymnastischen Apparats zu tragen. Die
Wände waren geweißt, und es erschien ungefähr vier Fuß über dem Boden
ein dunkler Streifen, der von Bleistiftnotizen und kleinen Zeichnungen
herrührte, die auf den weißen Grund gekritzelt waren. Das eine Ende des
Raumes war unmöbliert, nur ein gymnastischer Apparat befand sich da,
eine photographische Dunkelkammer, eine Leiter, die in der Ecke stand,
und ein gewöhnlicher, billiger Tisch, der mit Ölkannen und Farbentöpfen
bedeckt war. Am andern Ende des Raumes hatte man einen fast luxuriösen
Anblick. Es standen da ein großer Bücherschrank, eine kunstvolle
Verbindung von Sekretär und Schreibtisch, ein Gestell mit einem Gewehr,
einem Satz Rapieren und einem Schirm daran. Auf einem Tisch befanden
sich verschiedene Albums in Folioformat; einige bequeme Stühle und
Sofas und ein dicker Teppich vervollständigten die Einrichtung. Dicht
dabei und gar nicht dazu passend stand eine Tischlerbank mit dem
gewöhnlichen Zubehör und eine Anzahl von Brettern verschiedener Stärke.
»Das ist eine Art Bequemlichkeit, die sich nur ein reicher Mann leisten
kann,« sagte Trefusis, sich umwendend, und überraschte seine Besucher
dabei, wie sie sich Blicke des Erstaunens über seinen Geschmack
zuwarfen. »Ich halte mir einen Salon der gewöhnlichen Art, um Gäste zu
empfangen, gegen die man konventionell sein muß, aber ich betrete ihn
nur bei solchen Gelegenheiten. Wie gefällt Ihnen dieses Arbeitszimmer?«
»Wirklich, Trefusis, ich glaube, Sie sind verrückt,« sagte Sir Charles.
»Das Zimmer sieht aus, als ob es eine Belagerung durchgemacht hätte.
Wie haben Sie das angefangen, diese Statuen so zu zerbrechen und die
Wände in einer so schrecklichen Weise zu beschädigen?«
Trefusis nahm eine Zeitung von dem Tisch und sagte:
»Hören Sie, bitte: >Trotz des ungünstigen Wetters war das Jagdergebnis
des Kaisers und seiner Gäste in Steiermark ein ausgezeichnetes. In
drei Tagen wurden zweiundfünfzig Gemsen und neunundsiebzig Hirsche und
Rehe durch neunzehn einläufige Gewehre erlegt, da der Kaiser keine
andern erlaubte.< -- Ich teile die Lust des Kaisers am Schießen, aber
ich bin kein Schlächter und brauche den königlichen Geschmack am
Blut für meinen Sport nicht. Und ich teile auch nicht den Geschmack
meines Vorfahren an Statuen. Deshalb --« Hier öffnete Trefusis eine
Schublade, zog eine Pistole heraus und feuerte nach der Hebe, die in
der entferntesten Nische stand.
»Gut gemacht!« sagte Erskine kühl, als das letzte Bruchstück von Hebes
Kopf unter der Berührung mit dem Geschoß in Splitter ging.
»Eine sehr nutzlose Arbeit,« sagte Trefusis. »Ich bin ein guter
Schütze, aber was nützt mir das? Nichts. Ich traf einmal einen
Wildhüter, einen Methodisten. Er war ein ganz ausgezeichneter Redner,
aber ein schlechter Schütze. Wenn er seine Anlagen mit meinen hätte
austauschen können, ich würde ihm gerne zehntausend Pfund zugegeben
haben, obgleich er schon bei dem Austausch an sich ebensoviel Vorteil
gehabt hätte wie ich. Ich habe nicht mehr Verlangen oder Bedürfnis,
ein guter Schütze zu sein, als König von England oder Eigentümer eines
Derbysiegers oder sonst einer komischen Sache, und doch habe ich nie in
meinem Leben mein Ziel verfehlt -- dank meiner Verhältnisse ohne Zweck!«
»König von England!« sagte Erskine mit verächtlichem Lachen, um
Trefusis zu zeigen, daß andere Leute ebenso freiheitliebend seien als
er. »Ist es nicht lächerlich, daß sich eine Nation seiner Freiheit
rühmt und doch einen König erträgt?«
»Oh, zum Teufel mit Ihrem Republikanismus, Chester!« sagte Sir Charles,
der im stillen nicht viel von der politischen Seite der patriotischen
Märtyrer hielt.
»Ich lasse mir in dem Punkt nichts sagen,« entgegnete Erskine. »Ich
bewundere einen Mann, der einen König tötet. Darin werden Sie doch mit
mir übereinstimmen, Trefusis?«
»Durchaus nicht,« sagte Trefusis. »Ein König ist heutzutage nur eine
Puppe, die man aufstellt, um das Feuer von den wirklichen Unterdrückern
abzulenken. Und das bißchen Gehalt, das er nach Gefallen ausgeben
kann, ist gewöhnlich viel zu klein für sein Risiko, seine Sorgen und
den Zustand persönlicher Sklaverei, dem er unterworfen ist. Welcher
Privatmann in England ist übler dran als der konstitutionelle Monarch?
Wir gestatten ihm keine Zurückgezogenheit, er darf nicht heiraten,
wen er will, sich nicht seinen Umgang aussuchen, sich nicht nach
seinem Geschmack kleiden, oder leben, wo er will. Ich glaube nicht
einmal, daß er das essen und trinken kann, was er am liebsten hat.
Eine Vorliebe für Schweinebauch oder Zwiebeln von seiner Seite würde
eine Beschwerde des Kronrats herbeiführen. Wir schreiben ihm alles vor
mit Ausnahme seiner Gedanken und Träume, und selbst diese muß er für
sich behalten, wenn sie nach unserer Ansicht für seine Stellung nicht
passend sind. Die Arbeit, die wir ihm auferlegen, hat alle Beschwerden
der gewöhnlichen Arbeit. Sie ist unfruchtbar, anhaltend, eintönig, und
muß meistens mit quälender Langeweile ausgeführt werden. Wir machen
ihm sein Königreich zur Tretmühle und treiben ihn darauf von einem Ende
zum andern herum. Schließlich, nachdem wir ihm sonst alles weggenommen
haben, was uns Menschen wertvoll ist, fallen wir über seinen Charakter
her und über den Charakter jedes Menschen, dem er es wagt, seine Gunst
zu zeigen. Wir legen ihm enorme Ausgaben auf, halten ihn knapp und
sticheln über seinen Geiz. Wir gehen mit ihm um, wie ich mit diesen
Statuen umgehe -- wir stellen ihn auf einen Ehrenplatz, damit wir ihn
um so leichter verunstalten und mißhandeln können. Wir schicken ihn
durch unsere übervölkerten Städte und behaupten, er sei die Ursache
von allem Guten und allem Schlechten in der Nation. Und er weiß, daß
die meisten Menschen das glauben, er weiß, daß es eine Lüge ist, daß
er nicht den Arbeitstag um eine Stunde verkürzen kann, daß er nicht
die Löhne um einen Groschen erhöhen kann, daß er nicht das kleinste
Gerichtserkenntnis umstoßen kann, so ungerecht es ihm auch erscheinen
mag. Er weiß, daß jeder Bergarbeiter im Königreich Dynamit anfertigen
kann, daß Revolver für weniger als einen Schilling das Stück verkauft
werden. Er weiß, daß er nicht kugelfest ist, daß man schon auf jeden
europäischen König in den Straßen geschossen hat. Er muß lächeln und
sich verbeugen und eine Miene graziösen Vergnügens bewahren, während
der Bürgermeister und die Räte ihm diese geistlose Ansprache halten,
die er schon tausendmal gehört hat. Ich verlange nicht von Ihnen, daß
Sie königstreu sind, Erskine, aber ich erwarte, daß Sie aus einfacher
Menschenliebe Mitgefühl mit der Hauptfigur in dem Possenspiel haben,
die für die mannigfachen Übel und Schändlichkeiten in ihrem Reich nicht
mehr verantwortlich ist, als der Lord-Mayor für die Diebstähle der
Taschendiebe, die seinem Umzug am neunten November folgen.«
Sir Charles lachte über die Mühe, die sich Trefusis gab, um seine
Ansicht klarzulegen, und sagte beschwichtigend: »Mein lieber Freund,
Könige sind an so etwas gewöhnt, sie erwarten es so, und sie lieben es
so.«
»Und offenbar sehen sie es ebensowenig in demselben Lichte wie ich, wie
es die meisten Menschen tun,« stimmte Trefusis zu.
»Welch ein feines Gesicht!« rief Erskine plötzlich und blickte auf
eine Photographie in einem Rahmen von schwerem Gold und Korallen, der
auf einer mit rotem Samt verzierten Miniaturstaffelei stand. Trefusis
wandte sich schnell um und war augenscheinlich so befriedigt, daß
sich Sir Charles beeilte, auszurufen: »Reizend!« Dann blickte er erst
auf das Bild und fügte, etwas erstaunt, hinzu: »Es ist sicherlich ein
außergewöhnlich anziehendes Gesicht.«
»Vor Jahren,« sagte Trefusis, »als ich dieses Gesicht zum erstenmal
sah, da hatte ich dasselbe Gefühl, was Sie jetzt haben.«
Es trat ein Schweigen ein. Die beiden Besucher sahen das Bild, und
Trefusis blickte sie an.
»Eine fremdartige Schönheit,« sagte Sir Charles schließlich etwas
zurückhaltender als zuvor.
Trefusis lachte unangenehm. »Erkennen Sie in ihr den Künstler -- den
begeisterten Amateur?« sagte er und öffnete eine andere Schublade, aus
der er ein Bündel Zeichnungen herausholte, die er ihnen zur Ansicht
gab.
»Sehr gut. Wirklich sehr gut,« sagte Sir Charles. »Ich möchte die Dame
kennen lernen.«
»Ich war oft nahe daran, sie zu verbrennen,« sagte Trefusis. »Aber sie
sind noch immer hier und werden auch wahrscheinlich hierbleiben. Das
Porträt ist viel bewundert worden.«
»Können Sie uns nicht mit dem Original einmal bekannt machen, alter
Freund?« fragte Erskine.
»Glücklicherweise nicht. Sie ist tot.«
Sie waren unangenehm berührt und sahen ihn einen Augenblick mit
Abneigung an. Dann wandte sich Erskine mitleidig und enttäuscht zu dem
Bilde und sagte: »Armes Mädchen! War sie verheiratet?«
»Ja. Mit mir.«
»Mrs. Trefusis!« rief Sir Charles aus. »Ach! Lieber Himmel!«
Erskine, der jetzt einen Beweis vor sich hatte, daß es auch einem
schönen Mädchen möglich war, Trefusis zu heiraten, sagte nichts.
»Ich halte mir ihr Bild immer vor Augen, um meine natürliche
Verliebtheit zu bekämpfen. Ich verliebte mich in sie und heiratete sie.
Seitdem habe ich mich noch ein- oder zweimal verliebt, aber ein Blick
auf meine verlorene Hetty hat mich auch von der leisesten Neigung zu
heiraten, geheilt.«
Sir Charles gab keine Antwort. Es kam ihm der Gedanke, daß Lady
Brandons Bild, wenn sonst nichts mehr von ihr da sei, wohl in derselben
Art nützlich sein werde.
»Oh, Sie werden sich schon demnächst einmal wieder verheiraten,« sagte
Erskine und zwang sich zu einem ermutigenden Tone.
»Es ist möglich. Männer sollten heiraten, besonders reiche Männer. Aber
ich versichere Ihnen, augenblicklich habe ich keine Neigung, es zu tun.«
Erskines Gesicht verdunkelte sich, und er ging zu dem Tisch, auf dem
die Albums lagen.
»Dies ist die Sammlung von Photographien, von denen ich sprach,«
sagte Trefusis, indem er ihm folgte und eins von den Büchern öffnete.
»Viele von ihnen habe ich selbst aufgenommen, wobei mir das Licht
große Schwierigkeiten machte -- die einzige Schwierigkeit, die Geld
nicht immer beseitigen konnte. Dies ist eine Ansicht von dem Hause
meines Vaters -- oder vielmehr von einem seiner Häuser. Es kostete
fünfundsiebzigtausend Pfund.«
»Wirklich sehr hübsch,« sagte Sir Charles voll innerlichem Widerwillen,
weil er eine Photographie eines gewöhnlichen Landhauses, wie sie
Häusermakler zeigen, bewundern sollte, einfach nur aus dem Grunde, weil
es fünfundsiebzigtausend Pfund gekostet hatte. Die Zahlen waren sogar
in das Bild hineingeschrieben.
»Dies ist das Gesellschaftszimmer und dies eines der besten
Schlafzimmer. Auf der rechten Seite des Kartons finden Sie eine
Aufstellung über die Kosten der Möbel, der Einrichtung, des Weißzeugs
und so fort. Sie waren von der kostbarsten Art.«
»Sehr interessant,« sagte Sir Charles und verbarg kaum die Ironie
seiner Bemerkung.
»Hier ist eine Ansicht -- es ist dies der erste meiner Versuche -- des
Zimmers von einem der unteren Diener. Es ist bequem und geräumig und
solid ausgestattet.«
»Das sehe ich.«
»Dies sind die Ställe. Sind sie nicht hübsch?«
»Palastartig. Die reinen Säle.«
»Da ist jeder Luxus, den sich ein Pferd wünschen kann, einschließlich
einer Menge von Bedienten, um ihm aufzuwarten. Sie bemerken hoffentlich
die Zahlen. Es sind die Kosten des Gebäudes und der jährlichen Ausgaben
für jedes Pferd.«
»Ich sehe es.«
»Hier ist das Äußere eines Hauses. Was halten Sie davon?«
»Es ist sehr malerisch in seinem verfallenen Zustand.«
»Malerisch! Würden Sie darin leben wollen?«
»Nein,« sagte Erskine. »Ich sehe nichts wirklich Malerisches daran.
Was hat Sie denn veranlaßt, eine solche verkommene alte Räuberhöhle zu
photographieren?«
»Hier ist eine Aufnahme des besten Zimmers darin. Die Photographie gibt
Ihnen ein treues Bild von dem zerbrochenen Fußboden und den verklebten
Fensterscheiben, aber den Schmutz und den Geruch in dem Zimmer müssen
Sie sich selber vorstellen. Einige von den Flecken kamen durch den
durchsickernden Regen, andere durch den Dunst und den Schmutz. Der
Hausverwalter hat das Haus von einem Pair und vermietet es weiter. Drei
Familien wohnten in diesem Zimmer, als ich es aufnahm. Sie können an
den Zahlen in der Ecke sehen, daß es dem Besitzer mehr einbringt als
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