zur Halle zurückkehrte, standen da zwei Krüge Bier für sie. Die Mädchen
hatten sich entfernt, nur Miß Wilson und die Haushälterin waren
zurückgeblieben.
»Zur Gesundheit, Madame,« sagte der Mann, bevor er trank. »Mögen Sie
auch so jemand finden, wenn Sie einmal in Sorgen kommen, was der Herr
verhüte.«
»Ist Ihr Haus ganz zerstört?« fragte Miß Wilson. »Wo wollen Sie denn
die Nacht verbringen?«
»Denken Sie nicht an mich, Madame. Hier Master Smilasch nimmt mich bis
morgen auf.«
»Seine Gesundheit!« sagte Smilasch, indem er den Krug mit seinen Lippen
berührte.
»Das Dach und die südliche Wand sind ganz fortgeweht,« fuhr der Mann
fort, nachdem er einen Moment geschwiegen und über Smilaschs Worte
gegrübelt hatte. »Ich zweifle, ob noch ein Stein auf dem andern steht.«
»Aber Sir John wird es für Sie wieder aufbauen. Sie sind doch einer von
seinen Hirten, nicht wahr?«
»Jawohl, Miß. Aber er baut nicht. Er wird nur zu froh sein, daß es
glücklich zusammengebrochen ist. Er hat es nicht gern, wenn Leute auf
dem Felde wohnen. Ich hab es ihm immer und immer wieder gesagt, daß
das Häuschen einfallen würde. Aber er meinte, ich könnte doch nicht
verlangen, daß er für ein Haus Geld ausgäbe, das ihm keine Miete
einbrächte. Sie wissen, Miß, ich bezahlte keine Miete. Ich bekam einen
niedrigen Lohn, und das bißchen Hütte wurde mir dafür angerechnet, weil
ich weniger erhielt als die andern Leute. Ich konnte es nicht instand
setzen lassen, obgleich ich nach Kräften daran ausbesserte. Und jetzt
werde ich sicher Vorwürfe bekommen, weil ich es einstürzen ließ. Ich
werde in der Stadt ein halbes Zimmer bewohnen müssen und zwei oder drei
Schillinge Miete die Woche bezahlen, abgesehen davon, daß ich jeden Tag
drei Meilen hin und zurück zu meiner Arbeit gehen muß. Ein Gentleman
wie Sir John weiß schwerlich, welchen Wert ein Penny für das arbeitende
Volk hat und wie schwer diese Gutsvorschriften und dergleichen auf uns
lasten.«
»Sir Johns Gesundheit!« sagte Smilasch und berührte den Krug wie
vorher. Der Mann trank unterwürfig einen Schluck, und Smilasch fuhr
fort: »Das ist der glorreiche Landadel von Altengland. Gott erhalte
ihn!«
»Master Smilasch spaßt nur,« sagte der Mann entschuldigend. »Er ist
einmal so.«
»Sie sollten keine Kinder auf die Welt setzen, wenn Sie so arm sind,«
sagte Miß Wilson streng. »Sehen Sie denn nicht ein, daß Sie sich
dadurch nur ärmer machen, um die Sache von einem höheren Gesichtspunkt
zu betrachten.«
»Hochwürden Mr. Malthus' Gesundheit!« bemerkte Smilasch und wiederholte
seine Bewegung mit dem Kruge.
»Einige sagen, es kommt durch die Kinder, andere sagen, es kommt durch
das Trinken, Miß,« sagte der Mann demütig. »Aber so weit ich sehe,
Familie oder nicht Familie, betrunken oder nicht betrunken, mit jedem
Tag werden die Armen ärmer und die Reichen reicher.«
»Ist es nicht widerwärtig, wenn ein Mann eine so krasse Unwissenheit
über die gehobene Lebenslage seiner Klasse verrät?« fragte Smilasch,
indem er sich an Miß Wilson wandte.
»Wenn Sie beabsichtigen, den Mann mit nach Hause zu nehmen,« sagte sie
und sah ihn scharf an, »dann tun Sie es am besten jetzt gleich.«
»Ich finde es gütig von Ihnen, daß Sie mich bitten, etwas zu tun.
Früher waren Sie doch so erzürnt und sagten Mr. Wickens, ich sei die
letzte Person in Lyvern, der Sie eine Arbeit anvertrauen würden.«
»Das sind Sie auch -- die allerletzte Person. Warum trinken Sie Ihr
Bier nicht?«
»Nicht weil ich Ihr Gebräu verachte, Lady. Aber ich bin nur ein
gewöhnlicher Mann, und Wasser ist gut genug für mich.«
»Ich wünsche Ihnen gute Nacht, Miß,« sagte der Mann. »Und ich danke
auch vielmals wegen Beß und der Kinder.«
»Gute Nacht,« sagte sie und ging an die Seite, um jede Begrüßung durch
Smilasch zu vermeiden. Aber er trat zu ihr hin und sagte mit leiser
Stimme, indem er wieder das Benehmen und den Ausdruck des Trefusis
annahm:
»Gute Nacht, Miß Wilson. Sollten Sie jemals die Dienste eines Hundes,
eines Mannes oder eines Hausingenieurs gebrauchen, dann erinnern Sie
Smilasch an Beß und die Kinder, und er wird sofort zur Stelle sein.«
Sie öffneten vorsichtig die Türe und fanden, daß der Sturm, durch den
Regen überwältigt, nachgelassen hatte. Miß Wilsons Kerze flackerte zwar
in dem Zugwinde, aber sie wurde diesmal nicht ausgelöscht. Die beiden
Frauen waren jetzt allein. Sie schlossen und verriegelten die Türe
und lauschten auf die Fußtritte, die auf dem Kiesboden knirschten und
langsam in dem gleichmäßigen Gießen des Regens erstarben.
Siebtes Kapitel.
Agatha ging um diese Zeit in ihr siebzehntes Jahr. Sie hatte eine
scharfe Auffassung für die Schwächen der andern und keinen Respekt
vor den älteren Schülerinnen, die sie für stumpfsinnig, ängstlich und
lächerlich alltäglich hielt. Aber sie war einer Einbildung unterworfen,
die die Jugend so oft dem Alter gegenüber benachteiligt: sie hielt sich
für eine Ausnahmenatur. Während sie Mr. Jansenius und dem gewöhnlichen
Menschenpack nur eine oberflächliche Kenntnis der gröbsten Tatsachen
des Lebens zutraute, fühlte sie in ihrer Seele ein zartes Verständnis
und eine hingebende Liebe zur Natur, die nur ihre Lieblingsdichter,
ihre Roman- und Geschichtshelden teilten. Deshalb konnte sie wie die
meisten jungen Menschen viel besser die Angelegenheiten fremder Leute
beurteilen als ihre eigenen. Über ihre Mitschülerinnen, die irgendeinen
Hans oder Heinrich anbeteten, nicht aus dem kindischen Gefühl, das
die Welt Liebe nennt, sondern weil grade dieser Hans oder Heinrich
ein Phönix war, auf den die Gesetze, die sonst die Beziehungen junger
Leute regeln, nicht paßten, lachte sich Agatha ins Fäustchen. Je mehr
sie solche Schwächen bei ihren Freundinnen sah, desto sicherer fühlte
sie sich selbst davor. Sie war ja gewarnt. Sie glich einem Doktor, der
glaubt, er sei vor den Pocken sicher, weil er schon viele Fälle davon
gesehen hat. Oder einem Seemann, der weiß, wie viele Schiffe im Kanal
untergehen, und der nun ohne Steuermann fährt, weil er die Gefahren
viel zu gut kennt, um etwas von ihnen zu befürchten. Und wie der Doktor
an einer solchen Meinung festhält, weil er glaubt, er sei anders
veranlagt als die gewöhnlichen Menschen, wie der Schiffer so lossegelt,
weil er sein Schiff -- für einen Stern hält: so fand auch Agatha eine
falsche Sicherheit in dem Unterschied zwischen ihren Mitschülerinnen,
die sie von außen beurteilte, und sich selbst, die sie innerlich
kannte. Als sie sich zum Beispiel in Mr. Jefferson Smilasch verliebte
-- sie entschloß sich dazu am Tage nach dem Sturm -- gab ihre Phantasie
diesem wonnigen Gefühl eine höhere Weihe, die es weit über die
nichtigen Schwärmereien setzte, die ihr die andern Mädchen anvertrauten
und deren Gegenstand Hans oder Heinrich waren.
»Ich kann ihn ganz kühl und gleichgültig ansehen,« sagte sie sich
selbst. »Obgleich sein Gesicht einen seltsamen Einfluß ausübt, der
sicherlich mit einer unerklärlichen Macht in mir in Verbindung steht,
ist es doch kein vollkommenes Gesicht. Ich habe viele Männer gesehen,
die streng genommen viel hübscher sind. Wenn auch ein überirdisches
Licht aus seinen Augen leuchtet, es sind doch keine hübschen Augen --
sie sind nicht halb so klar wie meine. Obgleich er seine gewöhnliche
Kleidung mit einer unaussprechlichen Grazie trägt, die seine feine
Erziehung mit jedem Schritt verrät, er ist doch nicht schlank,
dunkelhaarig und melancholisch, wie mein idealer Held sein würde, wenn
ich eine solche Närrin wäre wie die andern Mädchen in meinem Alter.
Wenn ich auch verliebt bin, ich habe doch genug Verstand, um mir durch
meine Liebe nicht mein klares Urteil trüben zu lassen.«
Sie erzählte niemand von dem neuen Reiz, den ihr Leben gewonnen hatte.
Sie war die stärkste in dem Mädchenkreise und benutzte ihre Macht in
gutmütiger Weise, um die beliebte Anführerin der andern zu werden. Aber
sie schreckte auch gelegentlich nicht davor zurück, sich die Vorrechte
eines Schultyrannen zu verschaffen. Aber Beliebtheit und Vorrechte
genügten ihr nur, wenn sie die Laune dafür hatte. Die Mädchen wollen
wie die Männer gehätschelt, getröstet und mit Aufmerksamkeit behandelt
werden, wenn sie mutlos und niedergeschlagen sind oder unerwiderte
Liebe fühlen. Solche Dienste kann aber der Schwache nicht dem
Starken erweisen, und der Starke will es nicht tun, außer wenn beide
verschiedenen Geschlechts sind. Agatha wußte durch Erfahrung, daß ein
schwaches Mädchen nicht versteht, warum die stärkere Schwester sich
an sie anlehnt, daß sie sich einfach an der Tatsache erbaut und statt
aller Tröstung nur Geschwätz gibt. Agatha suchte Verständnis und kein
Geschwätz. Da sie das nicht finden konnte, beschloß sie, auf Mitgefühl
zu verzichten und zu schweigen. Sie hatte das schon oft tun müssen,
und jetzt half ihr die Empfindung, wie lächerlich ihr Gefühl einem
gewöhnlichen Auge erscheinen mußte.
Ihr Geheimnis war leicht zu verbergen, da man sie auf der Schule jeder
zarteren Empfindung für unfähig hielt. Die Liebe beeinflußte sie
äußerlich gar nicht. Sie versetzte sie nur in den Glauben, daß jetzt
ihre Mädchenzeit hinter ihr läge, daß sie jetzt eine Frau mit neu
entstandenen Trieben und Fähigkeiten sei, über die sie noch vor kurzem
in kindischer Weise gespottet hätte. Sie schämte sich jetzt über die
Biene an der Fensterscheibe, obgleich sie das Stück trotzdem ebenso
häufig summte als vorher. Ihr Tagesplan war früher eine einförmige
Folge von Unterrichtszeit, Eßzeit, Spielzeit und Schlafzeit gewesen,
jetzt wurde er in unregelmäßiger Weise durch Spaziergänge nach dem
Landhaus und gelegentliche flüchtige Blicke auf seinen Bewohner
eingeteilt.
Anfang Dezember stellte sich ein scharfer Frost ein, und die Schiffahrt
auf dem Kanal wurde aufgehoben. Wickens Junge kam mit der Nachricht
in die Anstalt, Wickens Weiher trüge schon, und die jungen Damen
wären zu jeder Zeit willkommen. Der Weiher war nur vier Fuß tief, und
da Miß Wilson viel von der körperlichen Erziehung ihrer Schülerinnen
hielt, gab sie ihnen Erlaubnis zum Schlittschuhlaufen. Agatha, die
sehr gewandt im Eislaufen war, schlug sofort vor, am nächsten Morgen
noch vor dem Frühstück sollte eine ausgewählte Abteilung hinausgehen.
Handlungen, die an sich nicht verdienstlich sind, erscheinen uns oft
als solche, wenn man früh aufstehen muß, um sie auszuüben, und so gaben
einige Kandidatinnen der Cambridge-Prüfung, die nie einen Nachmittag
einem Vergnügen geopfert hätten, sofort ihre Zustimmung. Ohne sie wäre
übrigens der Plan gar nicht ausgeführt worden. Denn als sie am nächsten
Morgen um halb sieben Agatha aufforderten, ihr warmes Bett zu verlassen
und in die schneidende Kälte hinauszukommen, würde sie sich ohne
Bedenken geweigert haben, hätte sie sich nicht vor den emsigen Mädchen
geschämt, die halberfroren und hungrig dastanden und doch bereit
waren, aufs Eis zu gehen. Als Agatha sich zitternd und zähneklappernd
angezogen hatte, beschwichtigten sie ihr innerliches Unbehagen durch
ein paar Biskuits, die sie aßen, nahmen ihre Schlittschuhe und gingen
quer über die bereiften Felder an geduldigen Kühen vorbei, die ganze
Wolken von Dampf ausatmeten, nach Wickens Teich. Hier fanden sie zu
ihrem Erstaunen Smilasch, der sich auf elektrisch versilberten, ganz
teuren Schlittschuhen mit allem Eifer in den schwierigsten Figuren
übte. Es zeigte sich bald, daß sein Ehrgeiz größer war als seine
Übung, denn er taumelte eine Weile wild umher, hielt sich ein paarmal
mit genauer Not aufrecht und stürzte dann mit Ellbogen, Waden und
Hinterkopf gleichzeitig auf das Eis. Als er sich kläglich zu einer
sitzenden Stellung erhoben hatte, bemerkte er, daß acht junge Damen
sein Tun mit Interesse beobachteten.
»Das kommt davon, wenn ein gewöhnlicher Mann sich über seinen Stand
erhebt und die Schlittschuhe eines Gentlemans anzieht,« sagte er.
»Hätte ich mich mit einfachem Schlittern begnügt, wie es mein Vater
tat, dann würde ich jetzt ein glücklicher Mann sein.« Er erhob sich
seufzend, indem er Miß Ward durch Berühren seiner Mütze grüßte. Dann
zog er seine Schlittschuhe aus und fügte hinzu: »Guten Morgen, Miß.
Miß Wilson schickte mir die Nachricht, ich sollte hier punkt sechs Uhr
sein und den jungen Ladys die Schlittschuhe anziehen. Da erlaubte ich
mir, ein paarmal über das Eis zu laufen, um mich warm zu machen.«
»Miß Wilson hat mir nichts davon gesagt, daß sie Sie hierher bestellt
hat,« bemerkte Miß Ward.
»Wie nobel von ihr! Sie denkt an alles und läßt sich doch nichts
merken. Sie ist eine gütige Lady und eine studierte -- grad wie Sie
selbst, Miß. Setzen Sie sich auf den Feldstuhl und geben Sie mir Ihren
Absatz, wenn ich so kühn sein darf, eine Schraube hineinzubohren.«
Er brachte willkommene Hilfe, und Miß Ward erlaubte ihm, ihr die
Schlittschuhe anzuziehen. Sie war eine Kanadierin und lief sehr gut.
Jane, die ihr zunächst folgte, hatte große Angst, ob das Eis auch fest
genug sei. Als sie sich aber erst darüber beruhigt hatte, hielt sie
sich vorzüglich, denn sie liebte alle Übungen und hatte die Genugtuung,
daß sie außerhalb der Schule über alle diejenigen lachen konnte, die
sie in der Schulstube verlachten. Agatha ließ ganz gegen ihre sonstige
Gewohnheit ihre Mitschülerinnen vor, und ihre Schuhe waren die letzten,
mit denen sich Smilasch beschäftigte.
»Wie geht es Ihnen, Miß Wylie?« fragte er und ließ die
Smilasch-Betonung fallen, weil die andern nicht mehr in Hörweite waren.
»Danke, sehr gut,« antwortete Agatha scheu und gezwungen. Da ihm diese
Art bei ihr neu war, ließ er ihre Absätze in seiner Hand ruhen und sah
neugierig zu ihr empor. Sie faßte sich wieder, blickte ihn ruhig an und
sagte: »Wie konnte Miß Wilson Ihnen die Nachricht schicken, Sie möchten
herkommen? Sie erfuhr ja von unserm Ausflug erst um halb zehn gestern
abend.«
»Miß Wilson hat mir gar keine Nachricht geschickt.«
»Aber Sie haben es doch grade Miß Ward erzählt.«
»Ja. Ich muß jetzt als einfacher Arbeiter fast so viele Lügen erzählen
wie früher als Gentleman. Oder vielleicht noch mehr.«
»Ich weiß in Zukunft, wieviel ich von dem glauben soll, was Sie sagen.«
»Die Wahrheit ist die. Ich bin vielleicht der schlechteste
Schlittschuhläufer auf der Welt, und darum ist mir nach einem
natürlichen Gesetz die geringste Auszeichnung auf dem Eis mehr wert
als ein unsterblicher Ruhm auf einem Gebiete, für das mich die Natur
besonders befähigt hat. Ich beneide Ihre große Freundin -- Jane
heißt sie, glaube ich -- mehr, als ich Plato beneide. Ich kam heute
morgen hierher, um mich im stillen zu üben, und glaubte, die ganze
Schlittschuhwelt sei zu Bett.«
»Das freut mich, daß wir Sie dabei erwischt haben,« sagte Agatha
boshaft, denn er enttäuschte sie. Er sollte etwas Heroisches in seinen
Reden haben, aber das tat er nicht.
»Ich glaube es,« entgegnete er. »Ich habe gefunden, daß es das größte
Entzücken für eine Frau ist, den Eigendünkel eines Mannes zu verletzen,
und das größte Entzücken eines Mannes, den Eigendünkel einer Frau zu
befriedigen. So gibt es wenigstens ein Geschöpf, das noch niedriger
steht als ein Mann. Aber jetzt los mit Ihnen. Soll ich Sie halten, bis
Sie sich fest in den Knöcheln fühlen?«
»Danke,« sagte sie ärgerlich. »Ich kann sehr gut Schlittschuh laufen
und glaube nicht, daß Sie mir viel helfen können.« Und sie glitt
vorsichtig davon, denn sie fühlte, daß ein Hinfallen nach solchen
Worten für sie beschämend sein müßte.
Er stand am Ufer, lauschte auf den knirschenden, jagenden Ton der
Schlittschuhe und beobachtete die immer kühneren Schleifen, die sie in
das Eis einschnitten. Allmählich wurden die Mädchen warm und gewöhnten
sich an das Laufen. Sie lachten, scherzten und schrien sorglos,
wenn sie gegeneinander stießen, und segelten die ganze Länge des
Teichs hinunter vor dem Wind in einer gefährlichen Schnelligkeit. Je
ausgelassener sie wurden, desto finsterer blickte Smilasch.
»Kein Unterschied zwischen ihnen und einer Auswahl Zweipennypuppen,«
sagte er. »Nur daß einige von ihnen sich bewußt sind, daß ein Mann sie
beobachtet, obgleich es nur ein lumpiger Arbeiter ist. Sie erinnern
mich in jeder Beziehung an Henrietta. Ob ich jetzt wohl lachen würde,
wenn die ganze Eisdecke in tausend Stücken unter ihnen zusammenbräche?«
Grade jetzt krachte das Eis mit einem bedenklichen Knall, und die
Schlittschuhläuferinnen, mit Ausnahme von Jane, flogen nach allen
Richtungen auseinander.
»Jane, du brichst das ganze Eis in Stücke!« rief Agatha aus sicherer
Entfernung. »Wie kann es dein Gewicht tragen?«
»Ihr Narrenpack!« entgegnete Jane unwillig. »Das Knacken zeigt nur, wie
stark es ist.«
Der Schreck, den Smilasch bei dem Krachen empfunden hatte, beantwortete
ihm seine eigene Frage. »Man sollte sich das merken: Wünsche, die
auf die Vernichtung des Menschengeschlechts ausgehen, können noch so
vernünftig und ernst gemeint sein, sie sind gegen die Natur,« sagte
er, als er seine Fassung wiedergefunden hatte. »Übrigens, was wäre
ich wohl für ein prachtvoller Narr, wenn ich in einer internationalen
Vereinigung von Menschen mitarbeitete, die nur zerstören wollen! He,
Lady! Ein Wort, Miß!« Dies galt Miß Ward, die in der Nachbarschaft
vorbeiglitt. »Es ist so 'n kalter Morgen und ich habe nur armseliges
und gewöhnliches Blut, sehn Sie es als eine Freiheit an, wenn ich hier
etwas mitlaufe oder wenn ich in einer Ecke ganz für mich übe?«
»Sie können da oben laufen, wenn Sie wollen,« sagte sie, nachdem sie
einen Augenblick überlegt hatte, und wies nach einem verlassenen Fleck
am hinteren Ende des Teichs, wo das Eis zu uneben war, als daß man da
bequem laufen konnte.
»Ein nobler Vorschlag!« rief er grinsend und eilte nach dem
angewiesenen Platz. Das Schlittschuhlaufen war hier nicht möglich, und
so glitt er ein paarmal auf und ab und machte sich so lange Bewegung,
bis sein Gesicht glühte und seine Finger in der frostigen Luft juckten.
Die Zeit verging schnell. Als Miß Ward zu ihm hinschickte, er solle
ihre Schlittschuhe abnehmen, entstand ein allgemeines Klagen und
Erklären, es könnte unmöglich schon halb neun sein. Smilasch kniete
vor dem Feldstuhl hin und war sofort eifrig beim Aufschnallen und
Abschrauben. Als Jane an die Reihe kam, krachte der Stuhl unter ihrem
Gewicht. Agatha machte ihr wieder Vorstellungen, schalt sich aber
sofort selbst wegen ihrer Redseligkeit in Smilaschs Gegenwart, denn sie
wollte auf ihn den Eindruck eines tiefen, ernsthaften Charakters machen.
»Der feinste Fuß in der Gesellschaft,« sagte er kritisch, indem er
ihren Fuß zwischen Zeigefinger und Daumen hielt, als ob er irgendeine
Kostbarkeit sei, die er beurteilen müßte. »Und er gehört der am
feinsten gebauten Dame.«
Jane riß errötend ihren Fuß weg und sagte: »Wirklich! Ich bin gespannt,
was jetzt kommt.«
»Der andere Fuß,« antwortete er und machte sich an den zweiten
Schlittschuh. Als er ihn losgeschraubt hatte, blickte er zu ihr auf,
und sie warf ihm beim Aufstehen einen Blick zu, der zeigte, daß sie
sein Kompliment (ihre Füße waren wirklich klein und hübsch) gewürdigt
hatte.
»Gestatten Sie, Miß,« sagte er zu Gertrude, die an Agatha gelehnt auf
einem Beine stand und sich selbst die Schlittschuhe auszog.
»Nein, danke sehr,« sagte sie kühl. »Ich brauche Ihre Hilfe nicht.«
»Ich weiß wohl, daß mein Anerbieten vermessen war,« entgegnete er mit
einer Selbstzufriedenheit, die seinem Bekenntnis der Unterwürfigkeit
etwas Aufreizendes gab. »Wenn alle Schlittschuhe abgeschnallt sind,
werde ich sie nach Anordnung Miß Wilsons mit dem Feldstuhl nach der
Anstalt zurückbringen.«
Miß Ward gab ihm ihre Schlittschuhe und wandte sich fort. Gertrude
legte ihre auf den Stuhl und ging mit Miß Ward. Die andern folgten, und
er konnte auf einen Haufen Schlittschuhe starren und überlegen, wie
er sie am besten trüge. Er fand keinen besseren Plan, als die Riemen
zu verbinden und die Schlittschuhe in einer Kette über die Schultern
zu hängen. Als er das endlich fertig gebracht hatte, waren die jungen
Damen längst verschwunden, und sein Plan, auf der Rückkehr zur Anstalt
ihre Gesellschaft zu genießen, war vereitelt. Sie waren schon im
Schulgebäude verschwunden, bevor er es auch nur zu sehen bekam.
Er ärgerte sich über seine eigene Torheit und ging zum
Dienstboteneingang, um dort zu klingeln. Als die Türe geöffnet wurde,
sah er Miß Ward hinter dem Dienstmädchen stehen, das ihn eingelassen
hatte.
»Oh,« sagte sie und blickte auf die Kette von Schlittschuhen, als ob
sie schwerlich erwartet hätte, sie noch einmal wiederzusehen, »Sie
haben ja unsere Sachen zurückgebracht.«
»Ganz nach meinem Auftrag,« sagte er, denn ihr Benehmen machte ihn
bestürzt.
»Sie hatten ja gar keinen Auftrag. Wie können Sie unter einem falschen
Vorwande unsere Schlittschuhe in Verwahrung nehmen? Ich wollte grade
zur Polizei schicken, daß sie sie Ihnen wieder abnehmen sollte. Wie
konnten Sie mir sagen, Sie hätten den Auftrag, mir zu helfen, wenn Sie
selbst ganz gut wußten, daß es nicht wahr war?«
»Ich kann nicht dafür, Miß,« entgegnete er unterwürfig. »Ich bin ein
natürlicher, geborener Lügner -- ich war es immer. Ich weiß, das
muß Ihnen schrecklich erscheinen, da Sie nie in Ihrem Leben gelogen
haben und kaum wissen, was eine Lüge ist, denn Sie gehören zu einer
Gesellschaftsklasse, in der man nie lügt. Aber die gewöhnlichen Leute
lügen so leicht, wie eine Ente schwimmt. Ich bitte Sie ganz demütig
um Verzeihung, Miß, und ich hoffe, die jungen Ladys können ein Paar
Schlittschuhe von dem andern unterscheiden, denn ich kann es verdammt
nicht.«
»Legen Sie sie hin. Miß Wilson wünscht Sie zu sprechen, bevor Sie
gehen. Susanna, zeigen Sie ihm den Weg.«
»Hoffentlich haben Sie mich armen Kerl nicht in Verlegenheit gesetzt,
Miß?«
»Miß Wilson weiß, wie Sie sich betragen haben.«
Er lächelte sie wohlwollend an und folgte Susanna zur Treppe hinauf.
Unterwegs trafen sie Jane, die ihn verstohlen anblickte und grade
vorbeieilen wollte, als er sagte:
»Wollen Sie nicht ein paar Worte bei Miß Wilson für einen armen,
gewöhnlichen Burschen einlegen, geehrte junge Lady? Ich bin in
schreckliche Verlegenheit gekommen, weil ich so frei war, Ihnen heute
morgen zu helfen.«
»Geben Sie sich keine Mühe, so zu sprechen,« erwiderte Jane scharf.
»Wir wissen alle, daß Sie sich nur verstellen.«
»Nun, Sie können ja meine Gründe erraten,« flüsterte er und sah sie
zärtlich an.
»Solch ein Quatsch und Unsinn! So was hab ich in meinem Leben noch
nicht gehört,« sagte Jane und rannte davon. Sie war jetzt fest davon
überzeugt, daß er diese niedrige Stellung angenommen hatte, um Einlaß
in die Anstalt zu finden und das Glück zu genießen, sie zu sehen.
»Ich bin ein verdammter Narr!« sagte er zu sich selbst. »Ich kann doch
keine fünf aufeinanderfolgende Minuten wie ein vernünftiger Mensch
handeln.«
Das Dienstmädchen führte ihn zu dem Arbeitszimmer und meldete: »Hier
ist der Mann, Madame.«
»Jeff Smilasch,« fügte er erklärend hinzu.
»Herein!« sagte Miß Wilson streng.
Er trat hinein und verjagte den entschlossenen, ernsten Blick, den sie
ihm von ihrem Platz hinter dem Schreibtisch zuwarf, indem er höflich
sagte:
»Guten Morgen, Miß Wilson.«
Sie verneigte sich unwillkürlich, als ob sie einen Gentleman empfing.
Dann faßte sie sich und machte ein unerbittliches Gesicht.
»Ich muß Sie um Verzeihung bitten,« sagte er, »weil ich
unerlaubterweise heute früh Ihren Namen gebraucht habe -- indem
ich tatsächlich log. Es geschah beim Schlittschuhlaufen, als die
jungen Damen herunterkamen. Sie brauchten eine Hilfe und hätten
sie schwerlich von einem gewöhnlichen Mann angenommen -- verzeihen
Sie, daß ich den langweiligen Ausdruck unseres Bekannten Smilasch
übernehme. So beruhigte ich sie, indem ich ihnen erzählte, Sie hätten
mich beauftragt. Andererseits haben Sie mir ein schlechtes Zeugnis
ausgestellt -- natürlich kein schlechteres, als ich verdiene -- und so
würden sie sich offenbar geweigert haben, mich damit zu beauftragen.
Schließlich hätte ich auch eine Bezahlung annehmen müssen, die ich
natürlich nicht brauchte.«
Miß Wilson stellte sich erstaunt. »Ich verstehe Sie nicht,« sagte sie.
»Nicht ganz und gar,« sagte er lächelnd. »Aber Sie verstehen, daß ich
ein sogenannter Gentleman bin.«
»Nein. Die Gentlemen, mit denen ich verkehre, kleiden sich nicht so wie
Sie, sprechen nicht so wie Sie und handeln auch nicht so wie Sie.«
Er blickte sie an, und ihr Gesichtsausdruck bestätigte die
Feindseligkeit, die in ihrem Ton lag. Er nahm sofort in verstärktem
Maße das Wesen Smilaschs an.
»Ich will nicht mehr versuchen, mich als Gentleman aufzuspielen,« sagte
er. »Ich bin ein gewöhnlicher Mann, und Eurer Gnaden Blick erkennt mich
als solchen und ist nicht zu täuschen. Aber kommen Sie mir nicht damit,
zu sagen, ich sei nicht ehrlich, wenn ich so ehrlich bin, wie Sie es
mir nur erlauben. Es ist doch kein Verbrechen, wenn ich den jungen
Ladys die Schlittschuhe anziehe und ihnen den Feldstuhl trage.«
»Wenn Sie ein Gentleman sind,« sagte Miß Wilson errötend, »dann ist
Ihre Art, wie Sie in meiner Gegenwart bei diesen Possen beharren,
beleidigend für mich. Höchst beleidigend.«
»Miß Wilson,« entgegnete er unbewegt, »wenn Sie auf Smilasch bestehen,
sollen Sie Smilasch haben. Es macht mir ein närrisches Vergnügen, ihn
darzustellen. Wenn Sie Sidney wollen -- mein wirklicher Vorname -- er
steht Ihnen zur Verfügung. Aber erlauben Sie, daß ich das sage, Sie
müssen entweder den einen oder den andern wählen. Wenn Sie offen zu mir
sprechen, dann werde ich verstehen, daß Sie sich an Sidney wenden. Wenn
Sie zurückhaltend und streng sind, an Smilasch.«
»Es ist mir gleich, welches Ihr Name ist,« sagte Miß Wilson sehr
verdrießlich. »Ich verbiete Ihnen, hierher zu kommen und mit den
Mädchen, die in meiner Obhut sind, in irgendeine Verbindung zu treten.«
»Warum?«
»Weil ich das so will.«
»Das ist ein sehr gewichtiger Grund, Miß Wilson. Aber das sind nicht
die Grundsätze der moralischen Beeinflussung, von der Sie in Ihrem
Anstaltsprospekt reden. Ich habe ihn mit großem Interesse gelesen.«
Miß Wilson war seit ihrem Streit mit Agatha empfindlich in bezug auf
die moralische Beeinflussung. »Niemand ist hier zugelassen,« sagte
sie, »ohne eine vertrauenswürdige Einführung oder Empfehlung. Eine
Verkleidung ist kein genügender Ersatz für eines von diesen.«
»Verkleidungen werden im allgemeinen gewählt, um Verbrechen zu
verbergen,« bemerkte er kurz.
»Das werden sie auch,« sagte sie mit Ausdruck.
»Darum habe ich, um auch das noch zu sagen, einen zweifelhaften
Charakter. Nun hat sich zwischen mir und einigen Schülerinnen eine
flüchtige Bekanntschaft gebildet, die Sie, wie es scheint, mißbilligen.
Sie haben mir keinen genügenden Grund angegeben, warum ich die
Bekanntschaft aufgeben soll, und Sie können mich nur durch Ihre Wünsche
beeinflussen, die aber gewöhnlich auf zweifelhafte Charaktere keinen
starken Eindruck machen. Angenommen, ich mißachte Ihren Wunsch, und
eine oder zwei Schülerinnen kommen zu Ihnen und sagen: >Miß Wilson,
nach unserer Meinung ist Smilasch ein prächtiger Mensch. Man gewinnt
durchaus bei seiner Unterhaltung. Da es Ihr Grundsatz ist, daß wir nach
unserm eigenen Urteil handeln können, so wollen wir die Bekanntschaft
mit Smilasch weiter fortsetzen.< Wie werden Sie in dem Falle handeln?«
»Ich werde sie sofort zu ihren Eltern zurückschicken.«
»Ich sehe, Sie haben dieselben Grundsätze wie die englische Kirche.
Sie gestatten Ihren Schülerinnen das Recht der eigenen Meinung unter
der Bedingung, daß sie zu denselben Schlüssen kommen wie Sie selbst.
Entschuldigen Sie meine Bemerkung, daß die an sich ausgezeichneten
Grundsätze der englischen Kirche nicht dieselben sind, wie ich sie
bei Ihnen nach Ihrem Prospekt erwartet habe. Ihr Plan ist einfach ein
starrer Zwang.«
»Das kann ich nicht zugeben,« sagte Miß Wilson, denn sie war stets
bereit, ihr System zu verteidigen, selbst gegen Smilasch. »Die Mädchen
haben die vollständige Freiheit, nach ihrem eigenen Gutdünken zu
handeln, aber ich behalte mir die gleiche Freiheit vor, sie von der
Anstalt zu entfernen, wenn ich ihr Benehmen nicht billigen kann.«
»Ganz recht. Auf den meisten Schulen haben die Kinder die vollständige
Freiheit, ihre Aufgaben zu lernen oder nicht zu lernen, ganz wie sie
wollen. Aber der Lehrer beansprucht die gleiche Freiheit, sie zu
prügeln, wenn sie diese Aufgaben nicht wiederholen können.«
»Ich schlage meine Schülerinnen nicht,« sagte Miß Wilson unwillig. »Der
Vergleich ist beschimpfend.«
»Aber Sie jagen sie fort. Und da sie an Ihnen und an der Anstalt
hängen, ist diese Entlassung eine gefürchtete Strafe. Sie haben
das alte System, Gesetze aufzustellen und deren Beobachtung durch
Strafen zu erzwingen. Wenn die Altonschule den andern überlegen
ist, so liegt das nicht an einem Unterschied im System, sondern an
den verhältnismäßig vernünftigen Vorschriften und an der Milde und
Rücksicht, mit der diese Vorschriften erzwungen werden.«
»Mein System ist von Grund aus verschieden von dem alten. Doch ich
will mich mit Ihnen nicht darüber streiten. Ein Kopf, der mit den
Vorurteilen der alten Zwangserziehung ausgefüllt ist, sieht natürlich
in meinem System nur eine Wiederholung des alten, anstatt einer
vollkommenen Umkehrung und Neubildung.«
Er schüttelte traurig seinen Kopf und sagte: »Sie wollen andern Ihre
Ansichten aufdrängen, indem Sie die Widerspenstigen in Bann tun.
Glauben Sie mir, die Menschen haben nie etwas anderes getan, seit sie
begannen, sich mit Ideen zu befassen. Man hat gesagt, ein wohlwollender
Despotismus sei die beste Regierungsform, die möglich ist. Ich glaube
nicht an diesen Satz, weil ich an einen andern glaube, daß die Hölle
mit Wohlwollen gepflastert ist, was die meisten Menschen, denen dieser
Satz zu tief ist, dahin mißverstehen, die Hölle sei mit guten Vorsätzen
gepflastert. Als ob ein wohlwollender Despot durch einen Irrtum nicht
sein ganzes Königreich zerstören und dann wie Romeo, der seinen
Freund getötet hat, ausrufen könnte: >Ich dacht' es gut zu machen!<
Entschuldigen Sie meine Abschweifung. Ich wollte sagen, obgleich Sie
wohlwollend und gerecht sind, sind Sie doch ein Despot.«
Miß Wilson, der keine treffende Antwort einfiel, bedauerte, daß sie
ihn nicht kurzerhand entlassen hatte, bevor er so weit die Oberhand
gewinnen konnte. Nun aber war sie in einen Wortstreit verwickelt und
fand keinen Weg, ihn mit Würde zu beendigen. Er half ihr, indem er
unerwartet hinzufügte:
»Ihr System war die Ursache meiner törichten Heirat. Meine Frau erhielt
hier durch ihre Erziehung einen Grad von Kultur und Vernünftigkeit, daß
man glaubte, sie stände über den schnatternden Plaudertaschen, die die
Blüte der weiblichen Gesellschaft bilden. Ich bewunderte ihre dunklen
Augen und schloß nur zu gern aus ihrer Erziehung, daß wir nicht nur
eine leibliche, sondern auch eine geistige Verbindung eingehen würden.«
Miß Wilson war erstaunt und beschloß, ihm kühl zu sagen, sie habe keine
Zeit mehr. Aber während sie das aussprechen wollte, überkam sie die
Neugierde, und sie sagte nur: »Wer war es?«
»Henrietta Jansenius. Jetzt Henrietta Trefusis, und ich bin Sidney
Trefusis, wenn ich mich Ihnen anvertrauen darf. Ich sehe, ich habe
endlich Ihr Mitgefühl geweckt.«
»Unsinn!« sagte Miß Wilson schnell, denn in ihr Erstaunen mischte sich
wirklich ein Gefühl, daß er sich an Henrietta fortgeworfen habe.
»Ich lief von ihr fort und wählte diese Einsamkeit und diese
Verkleidung, um ihr nicht mehr zu begegnen. Es ging mir, wie es immer
geht, wenn man zu vorsichtig ist. Ich rannte gradenwegs in ihre Arme
-- oder vielmehr sie rannte in meine. Sie erinnern sich der Szene, die
Ihnen sehr seltsam vorkam.«
»Sie scheinen Ihre Eheschließung für keine wichtige Sache zu halten,
Mr. Trefusis. Darf ich Sie fragen, wer eigentlich an der Trennung
Schuld hatte? Natürlich Henrietta.«
»Ich habe ihr nichts vorzuwerfen. Ich erwartete, sie würde ein heftiges
Wesen haben, aber das war nicht der Fall -- ihr Benehmen war tadellos.
Ich betrug mich ebenso. Unser Glück war vollkommen, aber leider bin ich
nicht für häusliches Glück geschaffen -- jedenfalls ertrug ich es nicht
lange -- so floh ich, und als sie mich wiedergefunden hatte, konnte ich
ihr keine Entschuldigung für meine Flucht geben. Immerhin machte ich
ihr klar, daß ich unsere eheliche Verbindung jetzt noch nicht wieder
aufnehmen wollte. Wir schieden nicht im besten Einvernehmen. Ich hatte
die beste Absicht, ihr einen süßen Brief zu schreiben, damit sie mir
trotz allem vergeben sollte, aber nun sind die Wochen dahingegangen,
und ich bin noch immer bei der Absicht. Sie hat nicht mehr geschrieben
und ich auch nicht. Nicht wahr, Miß Wilson, das ist ein hübscher
Zustand nach allen ihren Vorzügen, die sie unter der moralischen
Beeinflussung und höhern Frauenerziehung erworben hat?«
»Nach dem, was Sie selbst zugegeben haben, scheint die Schuld an Ihrer
eigenen moralischen Erziehung zu liegen, nicht an der Henriettas.«
»Die Schuld liegt an den Umständen unserer Verbindung. Warum sie mich
im Anfang so mächtig angezogen und nachher so entsetzlich abgestoßen
hat, das ist eins von jenen Teufelsrätseln, die wir nicht entwirren
können, bis wir hinter die feinsten Winkelzüge unserer geheimen
Schlechtigkeit gekommen sind. Doch ich fürchte, ich nehme Ihnen Ihre
Zeit. Sie wollten Smilasch sprechen, und dessen Persönlichkeit habe ich
doch jetzt vernichtet. Vor der Öffentlichkeit aber muß ich diese Possen
weiter treiben. Noch eins. Ich wollte Sie fragen, ob Sie sich für den
Viehhirten interessieren, dessen Weib Sie in der Sturmnacht aufnahmen?«
»Er versicherte mir, ehe er seine Frau abholte, daß er eine gut
eingerichtete Wohnung in Lyvern gefunden habe.«
»Ja. Eine wirklich sehr gut eingerichtete. Für eine halbe Krone die
Woche durfte er mit zwei anderen Familien ein geräumiges Zimmer teilen
in einem Hause, das schwerlich in besserem Zustande war als seine durch
den Sturm zerstörte Hütte. Dieses Haus, das zehn Zimmer hat, bringt
seinem Eigentümer über zweihundert Pfund im Jahr, also mehr als die
Miete für ein bequemes herrschaftliches Wohnhaus in South Kensington.
Es ist etwas beschwerlich, die Miete einzusammeln, aber dafür hat man
auch keine Ausgaben für Reparaturen und sanitäre Einrichtungen, die man
in Mietskasernen für überflüssig hält. Unser Freund muß drei Meilen
bis zu seiner Arbeitsstätte gehen und drei Meilen zurück. Bewegung ist
eine prächtige Sache für Studenten und Bureaumenschen, aber für einen
Viehtreiber, der den ganzen Tag auf den Feldern zugebracht hat, ist ein
langer Marsch nach beendeter Arbeit etwas zu viel des Guten. Er bat um
eine Lohnerhöhung zum Ausgleich für den Verlust der Hütte, aber Sir
John deutete ihm an, wenn er nicht mit seiner Stellung zufrieden sei,
die könnte er leicht durch einen weniger anspruchsvollen Viehtreiber
ausfüllen. Sir John ließ sich sogar so weit herab, zu erklären, daß er
als Unternehmer durch die Gesetze der Sozialökonomie gezwungen sei, die
Arbeit auf dem billigsten Markte einzukaufen, und unser armer Freund,
der in ökonomischer Beziehung ebenso unwissend wie Sir John ist, wußte
natürlich nicht, daß das falsch sei. Da aber die Arbeit augenblicklich
überall so billig im Preis steht -- Downing-Street und einige andere
bevorzugte Plätze vielleicht ausgenommen -- so riet ich unserm Freund,
er sollte irgendwohin gehen, wo sein Marktpreis höher ist als in dem
lustigen England. Er war gern bereit dazu, doch es fehlten ihm die
Mittel. Darum borgte ich ihm eine Kleinigkeit, und er ist jetzt auf dem
Wege nach Australien. Arbeiter sind die Gänse, die die goldenen Eier
legen, aber sie fliegen manchmal davon. Ich höre einen Gong anschlagen.
Das erinnert mich, wie schnell die Zeit vergeht und welchen Wert sie
für Sie hat. Guten Morgen.«
Miß Wilson hatte plötzlich das Gefühl, sie dürfte ihn nicht
gehen lassen, ohne an seine bessere Natur appelliert zu haben.
»Mr. Trefusis,« sagte sie, »entschuldigen Sie, aber vergessen Sie nicht
in Ihrer Großmut gegen andere etwas -- Ihre Pflicht gegen sich selbst?
Und --«
»Es ist die erste und härteste aller Pflichten!« erklärte er. »Ich
bitte Sie um Verzeihung, weil ich Sie unterbrochen habe. Ich wollte
mich nur schuldig bekennen.«
»Ich kann nicht zugeben, daß es die erste aller Pflichten ist, aber es
ist manchmal vielleicht die härteste, wie Sie es nennen. Sie könnten
aber viel billiger gegen sich handeln, ohne sich all diese Mühe zu
geben. Wenn Sie ein niedriges Leben führen wollen, dann brauchen Sie
sich doch nicht für einen ungebildeten Mann auszugeben und nicht
solchen lächerlichen Namen anzunehmen. Warum in aller Welt nennen Sie
sich Smilasch?«
»Ich gebe zu, daß der Name ein Fehlgriff war. Ich habe mir viele Mühe
bei seiner Konstruktion gegeben, denn ich wollte einen angenehmen
Eindruck machen. Smilasch sollte heiter und freundlich klingen. Statt
dessen reizt es nur. Das ist sehr seltsam, aber es kommt wohl daher,
weil mein Aussehen und mein Wesen so gar nicht dazu passen.«
Miß Wilson sah ihn mißtrauisch an, aber er blieb vollkommen ernst. Es
entstand eine Pause. Dann sagte sie kurz: »Guten Morgen!« als ob sie
sich entschlossen hätte, beleidigt zu sein.
»Guten Morgen, Miß Wilson. Ein Millionärssohn ist wie ein Königssohn
selten frei von geistigen Krankheiten. Ich bin grade verrückt genug, um
die andern noch betrügen zu können. Wäre ich ein bißchen verrückter,
ich würde mich vielleicht wirklich für Smilasch halten, anstatt ihn
einfach darzustellen. Ob Sie mich nun bitten, meiner einen Augenblick
zu vergessen oder mich einen Augenblick an mich selbst zu erinnern,
ich bin der Sohn meines Vaters und kann es nicht ändern. Mit meiner
Selbstsucht, meiner Quacksalberei, meiner Geschwätzigkeit und meiner
Art, stets eigene Wege zu gehen, tauge ich zu keinem andern Geschäft,
als den Erlöser der Menschen zu spielen -- so wie sie es haben wollen.«
Nach einer eindrucksvollen Pause wandte er sich langsam um und verließ
das Zimmer.
»Wenn ich jetzt absichtlich meinen Weg verliere,« sagte er, als er über
den Flur ging, »dann kann ich vielleicht den Anblick dieses Mädchens
erhaschen, das wie ein goldenes Idol ist.«
Unten traf er auch auf seinem Wege zur Tür auf Agatha, die ihm
entgegenkam und mit einem Buch Fangball spielte. Der melancholische
Ausdruck ihres Gesichts, den sie immer hatte, wenn sie allein war,
zeigte, daß sie sich nicht amüsierte, sondern nur ihrer Rastlosigkeit
nachgab. Als ihr Blick dem emporfliegenden Buch folgte, sah sie
plötzlich Smilasch. Das Buch flog zur Erde. Er nahm es auf und übergab
es ihr, indem er sagte:
»Da treffe ich ja noch zur rechten Zeit das goldene Idol!«
»Was?« fragte Agatha verwirrt.
»Ich nenne Sie das goldene Idol,« sagte er. »Wenn wir nicht beieinander
sind, stelle ich mir immer Ihr Gesicht als ein Gesicht von Gold vor
mit Augen und Zähnen von Chalcedon oder Achat oder von unbekannten,
wundervollen Steinen in passenden Farben.«
Agatha stand fassungslos und stumm da und konnte nur abweisend zur Erde
blicken.
»Sie glauben, Sie müßten ärgerlich über mich sein, und Sie wissen nicht
genau, wie Sie mich das fühlen lassen sollen. Ist es nicht so?«
»Nein, ganz im Gegenteil. Wenigstens glaube ich, daß Sie sich irren.
Ich bin der allergewöhnlichste Mensch, den Sie sich vorstellen können
-- Sie müßten mich nur kennen. Ich glaube, es ist gleich, wie ich
aussehe.«
»Woher wissen Sie, daß Sie gewöhnlich sind?«
»Natürlich weiß ich das,« sagte Agatha, und ihre Augen wanderten
unruhig umher.
»Natürlich wissen Sie es nicht. Sie können sich nicht so sehen, wie
andere Sie sehen. Zum Beispiel, Sie haben sich niemals für ein goldenes
Idol gehalten.«
»Aber das ist lächerlich. Sie täuschen sich vollständig über mich.«
»Vielleicht -- ich weiß aber, daß Ihr Gesicht nicht aus wirklichem Gold
gemacht ist und daß es für Sie nicht denselben Reiz hat wie für andere
-- für mich.«
»Ich muß gehen,« sagte Agatha, plötzlich in Eile.
»Wann werden wir uns wieder treffen?«
»Ich weiß nicht,« antwortete sie in wachsender Unruhe. »Ich muß
wirklich gehen.«
»Glauben Sie mir, Ihre Eile ist nur eingebildet. Sie stellen sich
gewiß vor, Sie benähmen sich Ihrer unwürdig und ein Netz schlinge sich
rund um Sie.«
»Nein, das denke ich gar nicht.«
»Warum sind Sie denn so ängstlich, fortzukommen?«
»Ich weiß nicht,« sagte Agatha und versuchte zu lachen, als er sie mit
gesenkten Augenlidern ungläubig ansah. »Vielleicht habe ich ein wenig
dieses Gefühl, aber nicht so sehr, wie Sie sagen.«
»Ich will Ihnen diese Erregung erklären,« sagte er mit unterdrückter
Glut, die Agatha seltsam berührte. »Aber sagen Sie mir zuerst, ob es
für Sie etwas Neues ist oder nicht.«
»Es ist überhaupt keine Erregung. Davon habe ich nichts gesagt.«
»Machen Sie sich deswegen keine Sorge. Es kommt nur dadurch, weil Sie
mit einem Mann zusammen sind, den Sie bezaubert haben. Sie wären die
Herrin der Lage, wenn Sie nur einen Liebhaber zu leiten verständen. Es
ist das viel leichter, als ein Pferd zu leiten, Schlittschuh zu laufen
oder Klavier zu spielen oder sonst ein halbes Dutzend Kunststücke
fertig zu bringen, die Sie für nichts achten.«
Agatha errötete und hob ihren Kopf.
»Vergeben Sie mir,« sagte er und unterbrach ihre Bewegung. »Ich
versuche, Sie zu beleidigen, um mich selbst vor meiner Liebe zu Ihnen
zu retten, aber ich habe nicht das Herz, es durchzuführen. Bei Ihrem
Leben, hören Sie nicht auf mich und glauben Sie mir nicht. Ich habe
kein Recht, Ihnen so etwas zu sagen. Irgendein Unhold ergreift von mir
Besitz, wenn ich vor Ihnen stehe. Sie sollten einen Schleier tragen,
Agatha.«
Sie errötete. Ihre Wangen brannten, ihre Ohren summten, und alle
Selbstbeherrschung war verschwunden. Ein Gefühl der Erlösung überkam
sie, als sie hörte -- denn zu sehen wagte sie nicht -- daß er fortging.
Ihr Bewußtsein war in seliger Verwirrung, und nur ein klarer Gedanke
blieb darin, daß sie endlich ihren Geliebten erobert hatte. Trefusis
Stimme, die einen aufrichtigen und ernsthaften Ton hatte, seine
schnelle Auffassung, die leidenschaftliche Warnung, nicht auf ihn zu
achten, überzeugten sie, daß sie eine Verbindung eingegangen war, die
ihr ganzes Leben beeinflussen würde.
»Und doch,« sagte sie und machte sich selber Vorwürfe, »ich kann
ihn nicht lieben, wie er mich liebt. Ich bin selbstsüchtig, kalt,
berechnend, leichtfertig. Ich habe bis heute überhaupt gezweifelt,
ob es so etwas wie Liebe gäbe. Wenn ich ihn doch nur unbekümmert und
ausschließlich lieben könnte, wie er mich liebt!«
Smilasch sprach ebenfalls mit sich selbst, als er seines Weges ging.
»Jetzt habe ich das arme Kind -- das so besorgt war, ich möchte sie
doch nicht fälschlich für ein übernatürlich begabtes und liebliches
Weib halten -- so glücklich wie einen Engel gemacht. Und dem feinen
Mädchen, das sie Jane Carpenter nennen, geht es ebenso. Hoffentlich
werden sie über diese Sache sich keine Geständnisse machen.«
Achtes Kapitel.
Mrs. Trefusis fand ihre Eltern so gefühllos in der Angelegenheit ihrer
Ehe, daß sie kurz nach ihrem Besuch in Lyvern ihr Haus verließ und bei
einer gastlichen Freundin eine Wohnung nahm. Da sie aber über das, was
immerzu ihre Gedanken erfüllte, nicht schweigen konnte, so besprach
sie die Flucht ihres Mannes mit dieser Freundin. Diese sagte einfach,
Trefusis' Benehmen sei schändlich und gemein. Henrietta konnte das
nicht ertragen und suchte Obdach bei einer Verwandten. Hier kam es zu
derselben Unterredung, und die Verwandte sagte:
»Nun, Hetty, wenn ich offen sprechen soll, ich habe Sidney Trefusis
schon sehr lange gekannt, und es gibt keinen Menschen, mit dem man
leichter auskommen kann. Aber du bist, wie du weißt, manchmal sehr
schwer zu behandeln.«
»Also jetzt,« schrie Henrietta und brach in Tränen aus, »nachdem er
mich so schändlich behandelt hat, muß ich mir sagen lassen, ich sei
selbst an allem schuld.«
Sie verließ am nächsten Tage das Haus und folgte der Einladung einer
geschiedenen Frau, die den Gegenstand überhaupt nicht besprechen
wollte. Das erwies sich als unerträglich, und Henrietta zog zu ihrem
Onkel Daniel Jansenius, einem lustigen und nachgiebigen Mann. Er war
der Ansicht, es würde schon alles wieder in Ordnung kommen, sobald
beide Teile vernünftiger geworden wären. Und was die Schuldfrage
anging, so lautete sein Urteil: zu sechs Teilen trüge die eine Partei
die Schuld, zu einem halben Dutzend die andere. Wenn er seine Nichte
grübelnd oder weinend fand, dann lachte er und nannte sie eine
Strohwitwe. Henrietta fand, daß sie alles auf der Welt eher ertragen
könnte als das. Sie erklärte, die Welt sei abscheulich gegen sie, und
mietete eine möblierte Villa in St. Johns Wood, in die sie im Dezember
einzog. Da sie aber da sehr an der Einsamkeit litt, schrieb sie bald
einen überschwenglichen Brief an Agatha und lud sie ein, die kommenden
Weihnachtsferien bei ihr zu verbringen. Sie versprach jeden Luxus und
jedes Vergnügen, das unbegrenzte Zuneigung vorschlagen und unbegrenzte
Mittel gewähren konnten. Agathas Antwort enthielt einige unerwartete
Mitteilungen.
Alton-Lyvern, den 14. Dezember.
-Teuerste Hetty-,
ich glaube nicht, daß ich Deinen Vorschlag ganz annehmen kann, da ich
Weihnachten mit Mama in Chiswick verbringen muß. Aber ich brauche
erst Weihnachtsabend dorthin zu gehen, und wir brechen hier schon
nächste Woche, am 20., auf. Dann fahre ich gleich zu Dir hin und
bringe Dich mit zu Mama, wo wir die Feiertage viel besser verbringen
werden, als wenn wir uns in einem fremden Hause langweilen. Es ist
noch nicht ganz sicher, ob ich dann schon die Schule verlasse. Du
mußt mir versprechen, das niemand zu erzählen, ich habe nämlich
einen Freund hier -- einen Liebhaber. Nicht daß ich in ihn verliebt
bin, obgleich ich ihn sehr hoch schätze -- du weißt, ich bin keine
romantische Närrin. Aber er ist sehr in mich verliebt, und ich
wollte, ich könnte das erwidern, wie er es verdient. Die Franzosen
sagen, die eine Person hält die Wange hin, und die andere küßt sie.
Ganz so weit ist es noch nicht zwischen uns gekommen. In Wahrheit,
seit er mir seine Gefühle gestanden hat, hat er kaum ein paar
flüchtige Worte mit mir sprechen können, wenn ich Schlittschuh laufen
oder spazieren ging. Aber es ist wenigstens jedesmal ein vielsagendes
Wort oder ein Blick gewechselt worden.
Und jetzt, wer glaubst Du, daß es ist? Er sagt, er kennt Dich. Kannst
Du es erraten? Er sagt, Du wüßtest alle seine Geheimnisse. Er sagt,
er kennt auch sehr gut Deinen Mann. Der hätte Dich sehr schlecht
behandelt, und Du verdientest große Teilnahme. Errätst Du es jetzt?
Er sagt, er hätte Dich geküßt -- schäme Dich, Hetty! Hast Du es nun
erraten? Er wollte mir grade noch mehr erzählen, als wir unterbrochen
wurden, und ich habe ihn seitdem nur aus der Entfernung gesehen. Er
ist der Mann, mit dem Du an jenem Tag davongelaufen bist, was uns
alle solche Angst einflößte -- Mr. Sidney. Ich war die erste, die
seine Verstellung entdeckte, und an jenem selben Morgen hatte ich
es ihm vorgeworfen, und er gestand es mir ein. Er sagte damals, er
verberge sich vor einer Frau, die in ihn verliebt sei, und ich würde
mich gar nicht wundern, wenn sich das als wahr herausstellte, denn er
ist ein prachtvoller Mensch -- wirklich, ich kann ihn grade deswegen
so gut leiden, weil er bei weitem der tüchtigste Mensch ist, den
ich je getroffen habe. Und doch hält er gar nichts von sich selbst.
Ich kann mir gar nicht vorstellen, was er an mir Kostbares bemerkt,
obgleich er offenbar durch meine Reize gefesselt ist. Hoffentlich
entdeckt er nicht, wie närrisch ich bin. Er nennt mich sein goldenes
Idol --
Henrietta riß mit einem Schrei der Wut den Brief mitten durch und trat
darauf. Als der Anfall nachließ, hob sie die Stücke auf, hielt sie so
genau zusammen, wie es ihre zitternden Hände erlaubten, und las weiter.
-- aber er ist nicht lauter Honig und kann Dir die ernstesten Dinge
sagen, wenn er glaubt, er müßte es tun. Er hat mich wegen meiner
Unwissenheit so beschämt, daß ich entschlossen bin, hier noch ein
Semester zu bleiben und so eifrig zu lernen, wie ich kann. Ich
habe bisher noch nicht damit angefangen, weil es sich am Ende des
Semesters doch nicht lohnt, aber wenn ich im Januar zurückkomme,
gehe ich ernsthaft an die Arbeit. Daran kannst Du sehen, welchen
guten Einfluß er auf mich ausübt. Wenn wir uns treffen, werde ich
Dir alles über ihn erzählen, denn ich habe jetzt keine Zeit dazu,
weil die Mädchen mich drängen, mit zum Schlittschuhlaufen zu kommen.
Er gibt sich für einen Arbeiter aus und zieht uns die Schlittschuhe
an, und Jane Carpenter glaubt, er sei in sie verliebt. Jane ist
außerordentlich gutherzig, aber sie hat ein unbändiges Talent,
sich selbst lächerlich zu machen. Das Eis ist fein und das Wetter
freundlich; aus der Kälte machen wir uns gar nichts. Sie drohen mir,
ohne mich zu gehen -- adieu!
Deine Dich treu liebende
-Agatha-.
Henrietta sah sich nach einem scharfen Gegenstand um. Sie griff wütend
nach einer Schere und stach damit in die Luft. Dann wurde sie sich
ihres mörderischen Anfalls bewußt und erschauerte darüber, aber schon
einen Augenblick später ergriff sie von neuem ihre Eifersucht. Wie
erstickend schrie sie: »Es ist mir gleich, ich möchte sie töten!« Doch
sie nahm die Schere nicht wieder auf.
Schließlich klingelte sie heftig und verlangte einen Eisenbahnfahrplan.
Als sie hörte, daß keiner im Hause war, zankte sie das Mädchen so
unvernünftig aus, daß es einfach sagte, wenn es in einer solchen
Weise angeredet würde, dann möchte es lieber am Ende des Monats
gehen. Diese Zurechtweisung brachte Henrietta zur Besinnung. Sie
ging die Treppe hinauf und nahm den ersten Mantel, den sie fand.
Es war glücklicherweise ein schwerer Pelzmantel. Dann nahm sie
ihre Geldtasche, setzte den Hut auf und verließ das Haus. Die
erste Droschke, die vorbeifuhr, rief sie an und ließ sich nach
St. Pancrasstation fahren.
Als die Nacht hereinbrach, war die Luft in Lyvern in der schneidenden
Kälte wie scharfes Eisen. Die Bäume und der Wind schienen so fest
gefroren, wie es das Wasser war, und Schweigen, Stille und Sternenlicht
lagen eisig über der Landschaft. Smilasch saß in seiner Schweizerhütte
und hielt unbekümmert um den Preis der Kohlen ein prasselndes Feuer im
Gang, das durch die vorhanglosen Fenster glühte und die Vorübergehenden
quälte, die nicht wie die Viehhirten in der Nachbarschaft wußten,
daß sie ruhig hereinkommen und sich wärmen konnten, ohne daß sie von
dem Bewohner eine abschlägige Antwort erhielten. Smilasch war in
guter Stimmung. Er hatte sich zu einem tüchtigen Schlittschuhläufer
entwickelt, und Frostwetter galt ihm jetzt als Luxus. Es gab ihm
Spannkraft und verjagte seine trüben Stimmungen. Es steigerte aber auch
sein Mitgefühl für die Armen zu einem grimmen Humor, wenn er dachte,
daß sie kein Feuer und kein Schlittschuhlaufen hatten und sich in dem
ungesunden Dunst erwärmten, den eng zusammengedrängte Menschen zu jeder
Jahreszeit entwickeln.
Smilasch pflegte sich jeden Abend um halb zehn einen heißen Trank aus
Hafermehl und Wasser zu machen und dann um zehn zu Bett zu gehen. Er
öffnete die Türe, um etwas Wasser auszugießen, das noch vom letzten
Abwaschen im Kochtopf geblieben war. Es gefror, sowie es auf den Boden
fiel. Er blickte in die Nacht und schüttelte sich, um das bedrückende
Gefühl loszuwerden, in dieser eisigen Umklammerung der Luft verloren
zu sein. Denn das Thermometer war unter den gewohnten Stand frischer
und zerspringender Kälte gesunken und zeigte eine Temperatur, in der
die erstarrte Luft zu einer schwarzen Masse zu gefrieren schien. Nichts
rührte sich.
»Beim Henker!« sagte er, »das ist eine Nacht, an die man als reicher
Mann gar nicht denken darf!«
Er schloß die Türe und eilte zu seinem Feuer zurück. Dort machte er
sich an seinen warmen Trank, den er mit einer Sorgfalt beobachtete
und umrührte, die einen Berufskoch zum Lächeln gebracht hätte. Als
die Brühe fertig war, goß er sie in einen großen Krug, in dem sie
verlockend dampfte. Mit einem Löffel schöpfte er etwas heraus und
blies es, um es abzukühlen. Plötzlich klopfte es ein paarmal an die
Türe.
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