»Drei Pence zurück!« schrie Smilasch. »Ehrlichkeit ist immer mein --«
»Sie können den Rest behalten.«
»Sie haben ein nobles Herz, Lady. Aber Sie schlagen dem Gesetz von
Angebot und Nachfrage ins Gesicht. Wenn Sie auf diese Art bezahlen,
werden die Arbeiter die Anstalt stürmen und der Wettbewerb wird Sie
bald von einem Schilling auf sechs Pence herunterbringen, um von neun
Pence ganz zu schweigen. So gehen die Löhne herunter und die Todesrate
hinauf, denn es ist unser Unglück, daß wir uns wie Schweine auf dem
Markte verkaufen müssen.«
Er wollte noch etwas hinzufügen, aber der Beamte nahm ihn beim Arm,
drehte ihn herum und zeigte nachdrucksvoll nach dem Tor. Smilasch sah
ihn einen Augenblick gedankenlos an. Dann blinzelte er Fairholme zu und
ging ruhig davon, während die andern ihm schweigend nachstarrten.
Fünftes Kapitel.
Was zwischen Smilasch und Henrietta vorgefallen war, erfuhr sonst
niemand. Agatha hatte gesehen, daß Henrietta seinen Hals mit ihren
Armen umschlang, aber sie war schon fort, als sie >Sidney, Sidney<
rief, und sah nicht mehr, wie er ihr Gesicht gegen seine Brust drückte,
um ihre Stimme zu dämpfen, und wie er sagte: »Mein einziges Lieb, ich
flehe dich an, schreie nicht. Verflucht, wir haben die ganze Bande im
Augenblick hier. Still!«
»Verlaß mich nicht mehr, Sidney,« flehte sie und klammerte sich
fester an ihn an, denn sie las in seinem bestürzten Blick, der nach
dem Eingang der Gebüschanpflanzung gerichtet war, daß er sie im Stich
lassen wollte. Ein Geräusch von Stimmen, das aus dieser Richtung kam,
beendete seine Unentschlossenst.
»Wir müssen fortlaufen, Hetty,« sagte er. »Halte dich fest an meinem
Hals und erwürge mich nicht. Also los!« Er hob sie empor und rannte
eiligst davon. Als sie an eine Mauer kamen, setzte er sie hinauf,
kletterte selbst hinüber und fing sie in seinen Armen auf. Dann trug
er sie mühsam schwankend quer durch die Felder und taumelte über
jeden kleinen Erdhügel, während sie in unzusammenhängenden Worten
ihm Vorstellungen machte. »Du wirst mit jeder Sekunde ein paar Pfund
schwerer, mein Schatz,« sagte er keuchend. »Wenn du dich nicht grade
hältst, brichst du mir den Rücken. Oh, Himmel, hier ist ein Graben!«
»Laß mich herunter,« schrie Henrietta in einer Ekstase von Entzücken
und Angst. »Du wirst dir Schaden zufügen, und -- oh, bitte, nimm mich
--«
Er arbeitete sich, während sie sprach, durch einen trockenen Graben und
kam auf einen Wiesenplatz, der an den Leinpfad des Kanals anstieß. Hier
am Abhang einer Aushöhlung, wo das Moos trocken und weich war, setzte
er sie nieder, warf sich selbst, auf seine Ellbogen gestützt, vor ihr
hin und sagte keuchend:
»Nessus, der Dejanira davontrug, war nichts gegen mich! Huh -- ja! Nun,
mein Liebling, bist du froh, daß du mich wiedersiehst?«
»Aber --«
»Bitte, komm mir nicht mit aber, wenn du nicht wünschst, daß ich noch
einmal und für immer verschwinde. Ich armer Kerl habe mich, seitdem
ich von dir fortgelaufen bin, mehr als einmal unaussprechlich nach dir
gesehnt. Du hast dir natürlich nichts draus gemacht?«
»O wohl. Natürlich tat ich das. Warum hast du mich verlassen, Sidney?«
»Damit nicht noch etwas Schlimmeres kam. Aber wir wollen nicht
die wenigen Augenblicke, die wir haben, mit Auseinandersetzungen
verschwenden. Gib mir einen Kuß.«
»Dann willst du mich also wieder verlassen. O Sidney --«
»Denk nicht an morgen, Hetty. Sei wie die Sonne und die Wiese, die sich
nicht im geringsten um den kommenden Winter kümmern. Warum blickst du
auf den abscheulichen Kanal, der träge seine Schlammladung von einem
Ort zum andern wälzt, bis er sie in die See ausspeit -- grade wie eine
übervölkerte Straße ihre Ladung langsam auf den Kirchhof bringt? Sieh
mich an und gib mir einen Kuß!«
Sie gab ihm mehrere und sagte schmeichelnd, noch immer ihren Arm auf
seiner Schulter: »Du sagst das alles nur, um mich zu erschrecken,
Sidney, ich weiß das wohl.«
»Du bist die helle Sonne für meine Augen,« sagte er und umarmte sie.
»Ich fühle, wie mein Herz und mein Kopf unter deinem Lächeln versengt
werden, und ich werfe sie dir mit Entzücken als Beute zu. Wie glücklich
bin ich, daß ich eine Frau habe, die mich deswegen nicht verachtet --
die mich eher noch mehr liebt!«
»Sei nicht närrisch!« sagte sie mit unbestimmtem Lächeln. Dann begriff
sie halb, was er meinte. Sie stieß ihn voll Schmerz zurück und sagte
ärgerlich: »-Du- verachtest -mich- ja.«
»Nicht mehr, als ich mich selbst verachte. Oder vielmehr nicht einmal
so viel, denn manche Gefühle, die tatsächlich niedrige sind, scheinen
äußerlich liebenswert zu sein.«
»Du willst mich wieder verlassen. Ich fühle es. Ich weiß es.«
»Du glaubst, du weißt es, weil du es fühlst. Auch kein schlechter
Grund.«
»Dann verläßt du mich also wirklich?«
»Du weißt und fühlst es doch? Ja, meine angebetete Hetty, das tue ich
sicherlich.«
Sie brach in verzweifelte Schmerzensrufe aus, und er zog ihren Kopf
an sich heran und küßte sie in einer zarten Weise, der sie nicht
widerstehen konnte, und mit einem verzerrten Gesicht, das sie nicht sah.
»Meine arme Hetty, du verstehst mich nicht.«
»Ich verstehe nur, daß du mich hassest und daß du von mir fortgehen
willst.«
»Das würde leicht zu verstehen sein. Aber das Seltsame liegt darin, daß
ich dich -liebe- und daß ich von dir fortgehen will. Nicht für immer.
Nur für eine Zeit.«
»Aber ich will nicht, daß du fortgehst. Ich lasse dich nicht gehen,«
sagte sie, und ein Zug von Heftigkeit mischte sich in ihr Flehen.
»Warum willst du mich verlassen, wenn du mich liebst?«
»Wie soll ich das wissen? Ich kann dir ebensowenig das Wie und
Warum meines Handelns erklären, wie ich mich selbst an einem Gürtel
hochheben und in eine andere Provinz bringen kann, was man ja gegen
die eingewendet hat, die das Perpetuum mobile erfinden wollen. Ich bin
zu sehr Pessimist, um auf meine eigenen Gefühle Rücksicht zu nehmen.
Weißt du, was ein Pessimist ist?«
»Ein Mann, der glaubt, die andern seien ebenso abscheulich wie er
selbst, und der sie dafür haßt.«
»Ungefähr so. Die moderne englische feine Gesellschaft, von der
ich ausgegangen bin, scheint mir so verdorben zu sein, wie sie
nur bei ihrer Einbildung auf ihre Kultur und bei ihrem Mangel an
Ehrenhaftigkeit sein kann. Ein scheinheiliger Mob, der die Lüge liebt,
die Wirklichkeit haßt, der Unsinn schreibt und schwatzt, der nach
Reichtum, Vergnügen und Berühmtheit jagt, der die Furcht vor der Hölle
verloren hat, aber sie noch nicht durch die Liebe zur Gerechtigkeit
ersetzt hat, ein solcher Pöbel strebt nur danach, sich den Löwenanteil
vom Wohlstand zu sichern, und er erpreßt ihn aus den Händen der
Gesellschaftsklassen, die ihn schaffen, indem er sie mit Verhungern
bedroht. Wenn du mich mit törichten Redensarten unterbrichst, Hetty,
werfe ich dich in den Kanal und sterbe nachher vor Kummer über meine
verlorene Liebe. Du weißt, was ich nach der herkömmlichen Beschreibung
bin: ein steinreicher Gentleman. Weißt du, welchen verruchten Ursprung
dieses Geld und diese Vornehmheit haben?«
»Oh, Sidney, hast du irgend etwas getan?«
»Nein, meine innigst Geliebte, ich bin ein Gentleman und habe nichts
getan. Daß ein Mann nichts zu tun braucht und doch nicht verhungert,
das ist seltsamerweise kein Widerspruch. Jeder Pfennig, den ich
besitze, ist gestohlenes Geld. Aber es war gesetzlich erlaubter
Diebstahl, und was für dich von einigem praktischen Wert ist, ich
könnte es den rechtmäßigen Eigentümern durchaus nicht zurückgeben,
selbst wenn ich wollte. Weißt du, was mein Vater war?«
»Was geht uns das jetzt an? Sei nicht so abscheulich und voll von
diesen lächerlichen Ideen, lieber Sidney. Ich habe nicht deinen Vater
geheiratet.«
»Nein, aber du hast -- natürlich nur zufällig -- meines Vaters Vermögen
geheiratet. Der Halsschmuck, den du da trägst, ist mit seinem Gelde
gekauft, und ich kann fast die Blutflecken sehen --«
»Halt, Sidney. Ich kann diese Art von Übertreibung nicht leiden. Es ist
alles Unsinn. Bitte, sei lieb zu mir.«
»Ich weiß, daß Schweißflecken daran sind.«
»Du abscheulicher Mensch!«
»Natürlich nicht von dir, mein Herzchen, aber von den unglücklichen
Menschen, die Sklavenarbeit tun, damit wir müßig leben können. Ich will
dir erklären, warum wir so reich sind. Mein Vater war ein schlauer,
energischer und ehrgeiziger Baumwollhändler, der unter einem Austausch
jeder Art nur ein Geschäft verstand, bei dem der eine verliert und
der andere gewinnt. Er machte es sich zur Aufgabe, so oft wie möglich
diesen Austausch vorzunehmen und dabei stets der gewinnende Teil zu
sein. Ich weiß nicht genau, woher er stammte, denn er schämte sich
sowohl seiner Vorfahren wie auch seiner Verwandten, woraus ich nur
schließen kann, daß sie ehrliche und darum erfolglose Leute waren.
Jedenfalls erwarb er etwas Kenntnis vom Baumwollhandel, legte etwas
Geld zurück, erborgte noch mehr, was man ihm gerne anvertraute, weil
er im Ruf stand, die Leute im Geschäft über's Ohr zu hauen, und fing
dann, wie er mir später wörtlich erzählte, -für sich selbst- an. Er
kaufte eine Fabrik und etwas Rohbaumwolle. Nun mußt du wissen, wenn
ein Mann eine Zeitlang an einem Stück Rohbaumwolle arbeitet, kann er
sie in ein Stück gewebte Baumwolle verwandeln, fertig für Bettücher,
Hemden und dergleichen. Die gewebte Baumwolle ist wertvoller als
die Rohbaumwolle, sie kostet Abnutzung der Maschinen, Abnutzung der
Fabrik, Zinsen für das Grundstück, auf der die Fabrik gebaut ist, und
menschliche Arbeit oder Abnutzung von Menschenleben, die durch Nahrung,
Obdach und Rast bezahlt wird. Verstehst du das?«
»Das lernten wir alles auf der Schule. Ich sehe aber nicht ein, was das
mit uns zu tun hat, du arbeitest doch nicht im Baumwollhandel.«
»Du lerntest sicherlich genau so viel, als man es für gut fand, dir zu
lehren, aber ich glaube nicht, daß du alles lerntest. Als mein Vater
für sich anfing, gab es viele Männer in Manchester, die auch gerne auf
diese Art gearbeitet hätten. Aber sie besaßen keine Fabrik, um darin zu
arbeiten, keine Maschinen, um damit zu arbeiten, keine Rohbaumwolle,
um daran zu arbeiten, einfach, weil alle diese unentbehrlichen
Produktionsmittel sich schon in festem Besitz befanden. So standen
sie da mit leerem Magen, zitternden Gliedern und hungrigen Frauen und
Kindern in einem Land, das sie ihr eigenes Vaterland nannten, in dem
aber jeder Fetzen Boden, jede mögliche Nahrungsquelle fest verschlossen
im Besitz anderer war und von bewaffneten Soldaten und Polizisten
bewacht wurde. In dieser hilflosen Lage waren die armen Teufel dann
gezwungen, um Zulaß zu der Fabrik und zu der Rohbaumwolle zu bitten und
mit allem zufrieden zu sein, wenn sie nur ihr Leben fristen konnten.
Mein Vater bot ihnen die Benutzung seiner Fabrik, seiner Maschinen und
seiner Rohbaumwolle unter folgenden Bedingungen an: Sie mußten lange
und schwer arbeiten, von früh bis spät, und seiner Rohbaumwolle neuen
Wert hinzufügen, indem sie sie verwebten. Aus diesem so von ihnen
geschaffenen Mehrwert mußten sie ihn entschädigen für das, was er ihnen
lieferte: nämlich Miete, Obdach, Gas, Wasser, Maschinen, Rohbaumwolle
und alles andere, und sie mußten ihm für seine eigenen Dienste als
Direktor, Leiter und Kaufmann bezahlen. Soweit verlangte er nichts,
als was ihm grade gebührte. Aber nachdem dies alles bezahlt war, blieb
noch ein Betrag, den sie nur ihrer eigenen Arbeit verdankten. >Von
allem diesen<, sagte mein Vater, >sollt ihr grade genug bekommen, damit
ihr nicht verhungert, und den Rest gebt ihr mir als Geschenk, weil
ich es so gut verstehe, Geld anzusammeln. Das ist das Geschäft, wie
ich es vorschlage. Es ist nach meiner Meinung angemessen und darauf
berechnet, sparsame Gewohnheiten bei euch herbeizuführen. Wenn ihr
es nicht in dem Licht seht, könnt ihr euch selbst eine Fabrik und
Rohbaumwolle anschaffen. Meine braucht ihr nicht zu benutzen.< In
andern Worten, sie konnten zum Teufel gehen und verhungern -- Hobsons
Wahl! -- denn alle andern Fabriken waren im Besitz von Männern, die
keine besseren Bedingungen anboten. Die Leute in Manchester ertrugen
aber das Verhungern nicht, und sie konnten auch nicht sehen, wie ihre
Kinder verhungerten, so nahmen sie also seine Bedingungen an und
gingen in die Fabrik. Die Bedingungen, weißt du, waren von der Art,
daß sie nicht, wie er, sich Geld zurücklegen konnten. So schufen sie
einen großen Reichtum und lebten sehr ärmlich, so daß der Überschuß,
den sie für nichts meinem Vater gaben, sehr groß war. Er kaufte damit
noch mehr Baumwolle, noch mehr Maschinen und noch mehr Fabriken. Er
beschäftigte immer mehr Menschen, die für ihn Reichtum schafften, und
sah sein Vermögen anwachsen wie einen herabrollenden Schneeball. Er
wurde enorm reich, aber die Arbeiter waren nicht besser daran als im
Anfang, und sie durften nicht aufsässig werden und mehr von dem Geld
verlangen, das sie schufen, denn draußen gab es immer genug hungrige
Lumpen, die gerne zu den alten Bedingungen ihre Plätze einnahmen. Oft
hatte er es mit einer Krisis zu tun, so zum Beispiel, wenn er in seinem
Eifer, sein Lager zu vergrößern, durch seine Leute mehr Baumwolle
verarbeiten ließ, als das Publikum brauchte. Oder wenn er nicht genug
Rohbaumwolle bekommen konnte, wie es während des amerikanischen
Bürgerkrieges vorkam. Dann paßte er sich den Umständen an, indem er so
viele Arbeiter entließ, wie es nach dem Absatz oder dem Baumwollvorrat
nötig war. Sie verhungerten natürlich oder fielen der öffentlichen
Wohltätigkeit zur Last. Während des Bürgerkrieges ging eine gewaltige
Liste rund für diese armen Unglücklichen, und mein Vater zeichnete
hundert Pfund trotz seiner eigenen großen Verluste, wie er sagte.
Dann kaufte er neue Maschinen, und da an diesen die Frauen und Kinder
ebensogut arbeiten konnten wie die Männer, und da sie billiger und
lenksamer waren, setzte er ungefähr siebzig von jedem Hundert seiner
Hände (so nannte er die Männer) auf das Pflaster und ersetzte sie durch
ihre Frauen und Kinder, die schneller als je für ihn Geld machten. Zu
dieser Zeit hatte er es längst aufgegeben, seine Fabriken selbst zu
leiten, und er bezahlte tüchtigen Menschen, die selbst kein eigenes
Vermögen hatten, ein paar hundert Pfund im Jahr, weil sie das für ihn
besorgten. Er erwarb auch Aktien von anderen Unternehmungen, die nach
denselben Grundsätzen geleitet wurden. Er steckte Dividenden ein,
die in Gegenden erworben waren, die er nie besucht hatte, und von
Männern, die er nie gesehen hatte. Er kaufte sich von einer armen und
bestechlichen Wählerschaft einen Sitz im Parlament und half die Gesetze
bewahren, durch die er groß geworden war. Später, als der Ruf seines
Reichtums sich immer mehr verbreitete, brauchte er niemand mehr zu
bestechen, denn die modernen Menschen verehren die Reichen als Götter
und wählen einen Mann zu ihrem Leiter aus keinem andern Grunde, als
weil er ein Millionär ist. Er äffte den Adligen nach, wohnte in einem
Palast in Kensington und kaufte einen Teil von Schottland, um daraus
einen Jagdgrund zu machen. Es ist leicht genug, Jagdgründe anzulegen,
denn Bäume sind da nicht notwendig. Man jagt einfach die Bauern davon,
zerstört ihre Häuser und macht eine Wüste aus dem Land. Zwar schoß mein
Vater selbst nicht viel, er überließ gewöhnlich während der Saison
die Jagd andern, die das taten. Er verschaffte sich auch eine Frau
von adligem Geblüt -- das unbefriedigte Resultat steht vor dir. So
gelang es Jesse Trefusis, dem armen Handelsmann, ein Plutokrat und
Landedelmann zu werden. Und so bin ich, der ich nie in meinem Leben die
geringste Arbeit getan habe, überladen mit Reichtum, während die Kinder
der Männer, die diesen ganzen Reichtum geschaffen haben, Sklavenarbeit
tun wie ihre Väter, oder verhungern, oder im Arbeitshaus, auf den
Straßen oder Gott weiß wo sie sich herumtreiben. Was denkst du darüber,
mein Lieb?«
»Welchen Zweck hat es, sich deshalb zu quälen, Sidney? Du kannst das
jetzt nicht mehr ändern. Übrigens, wenn dein Vater sich Geld sparte
und die andern waren gleichgültig, dann verdiente er es, daß er ein
Vermögen machte.«
»Zugegeben! aber er machte gar kein Vermögen. Er nahm das Vermögen,
das die andern machten. In Cambridge lehrte man mir, seine Reichtümer
seien der Lohn seiner Sparsamkeit -- jener Sparsamkeit, die es ihm
ermöglichte, so viel zurückzulegen. Das beruhigte mein Gewissen, bis
ich anfing, mich zu wundern, wie ein Mann einen andern veranlassen
konnte, ihn für eine Tugend zu bezahlen. Dann kam die Frage: woran
sparte mein Vater? Die Arbeiter sparten an Essen, Trinken, frischer
Luft, guten Kleidern, anständigem Wohnen, an Feiertagen, Geld, an der
Gesellschaft ihrer Familie und fast an allem, was das Leben lebenswert
macht. Das war vielleicht der Grund, weshalb sie ungefähr zwanzig Jahre
früher starben, als Leute in unseren Kreisen. Aber niemand belohnte
sie für ihre Sparsamkeit. Die Belohnung bekam mein Vater, der an gar
nichts von allen diesen Dingen sparte, sondern sie nach Herzenslust
genoß. Übrigens, wenn Geld der Lohn für Sparsamkeit war, dann mußte
er logischerweise zehnmal so viel sparen, wenn er fünfzigtausend
Pfund im Jahr einnahm, als wenn er nur fünftausend hatte. Hier lag
ein Problem für meinen jungen Kopf. Man suche etwas, an dem mein
Vater sparte und in dem die Arbeiter schwelgten, etwas, an dem er
mehr und mehr sparte, je reicher er wurde. Das einzige Ding, welches
paßte, war schwere Arbeit, und da ich niemals einen vernünftigen Mann
gesehen habe, der einem andern etwas für sein Faulenzen bezahlt,
so begann ich zu begreifen, daß die wunderbaren Einnahmen meines
Vaters durch Gewalt erzwungen waren. Um gerecht gegen ihn zu sein, er
selbst rühmte sich nie seiner Sparsamkeit. Er betrachtete sich als
schwer arbeitenden Mann und beanspruchte sein Vermögen als Lohn für
sein Risiko, seine Berechnungen, seine Sorgen und seine Reisen, die
er in jeder Jahreszeit und zu jeder Stunde unternehmen mußte. Dies
beruhigte mich etwas, bis mir der Gedanke kam, wenn er ein Jahrhundert
früher gelebt und sein Geld in einem Pferd und in einem Paar Pistolen
angelegt hätte und Straßenräuber geworden wäre, daß dann seine Absicht
-- den andern die Frucht ihrer Arbeit zu entreißen, ohne ihnen etwas
Gleichwertiges zurückzugeben -- genau dieselbe und sein Risiko viel
größer gewesen wäre, denn er riskierte dabei an den Galgen zu kommen.
Fortwährendes Arbeiten, während ihm die Beamten auf den Hacken saßen,
und Berechnungen, ob er die Post nach Dover berauben sollte, würden
ihm übergenug Tätigkeit und Sorgen gegeben haben. Überhaupt, wenn das
Parlamentsmitglied Jesse Trefusis, der als Millionär in seinem Palast
in Kensington starb, ein Straßenräuber gewesen wäre, ich könnte keinen
tieferen Ekel vor den sozialen Einrichtungen empfinden, die eine solche
Laufbahn wie die seine nicht nur möglich, sondern auch in den Augen
seiner Zeitgenossen zu einer ehrenvollen machten. Die meisten Menschen
betrachten es als ihre Aufgabe, ihm nachzustreben, und hoffen in
derselben Art zu einem reichen und müßigen Leben zu kommen. Darum wende
ich ihnen den Rücken. Ich kann nicht bei ihren Festgelagen sitzen, da
ich weiß, wieviel diese an menschlichem Elend kosten, und da ich sehe,
wie wenig menschliches Glück sie hervorbringen. Was ist deine Meinung,
mein Schatz?«
Henrietta schien etwas gequält zu sein. Sie lächelte matt und sagte in
liebkosendem Ton: »Es war nicht deine Schuld, Sidney. -Ich- tadle dich
nicht.«
»Ihr ewigen Mächte!« rief er aus und saß kerzengrade da, indem er den
Himmel anflehte, »hier dieses Weib glaubt, das einzige, was mich an der
Sache interessiert, sei, ob sie über mich persönlich deswegen etwas
Schlechtes denkt!«
»Nein, nein, Sidney. Nicht nur ich allein, niemand denkt deshalb etwas
Schlechtes von dir.«
»Ganz recht,« entgegnete er in höflicher Wut. »Niemand sieht etwas
Schlimmes darin. Das ist ja grade das Schlimme an der Sache.«
»Übrigens,« bemerkte sie nachdrücklich, »stammt deine Mutter aus einer
der ältesten Familien Englands.«
»Und was kann ein Mann mehr verlangen als Reichtum und adlige
Abstammung! Kann ein Mann glücklicher sein, als ich es sein
müßte, der von einem Monopolbesitzer aller Wohlstandsquellen und
Produktionsmittel, von Land und Maschinen, abstammt? Dieser selbe
Grund und Boden, auf dem wir hier stehen, war das Eigentum des Vaters
meiner Mutter. Wenigstens erlaubte ihm das Gesetz, ihn als solches zu
benutzen. Als er ein Knabe war, da hauste hier ein leidlich glückliches
Geschlecht von Bauern, die den Boden pflügten und für die Erlaubnis,
daß sie das tun durften, ihm eine Rente zahlten. Sie erzielten genug,
um seine großen Ansprüche und ihre kleinen Bedürfnisse zu befriedigen,
ohne daß sie sich dabei zu Tode arbeiteten. Aber mein Großvater war
ein schlauer Mann. Er begriff, daß Kühe und Schafe durch ihr Fleisch
und ihre Wolle mehr Geld einbrachten als die Bauern durch ihre
Landwirtschaft. So machte er klare Bahn. Das heißt, er vertrieb die
Bauern aus ihren Hütten, grade wie es später mein Vater auf seinem
Jagdgebiet machte. Oder, wie es auf seinem Grabstein hieß, er entdeckte
seinem Vaterlande neue Wohlstandsquellen. Ich weiß nicht, was aus
seinen Bauern geworden ist. -Er- wußte es jedenfalls nicht, und ich
glaube auch nicht, daß es ihn irgendwie kümmerte. Wahrscheinlich
gingen die Alten ins Arbeitshaus, und die Jungen drängten sich in die
Städte und arbeiteten in Fabriken, wie sie mein Vater besaß. Auf ihren
früheren Wohnstätten hauste jetzt das Vieh, und es machte sich für das
Futter, das man ihm reichte, so gut bezahlt, daß mein Großvater unter
den Bedingungen der Manchestermänner Arbeiter mietete, die diesen Kanal
hier gruben. Mein Vater beteiligte sich mit Aktien an dem Unternehmen.
Als der Kanal fertig war, legten sie Schiffahrtsabgaben darauf, die
ihre Erben noch heute beziehen. Und die Söhne der Arbeiter, die ihn
gruben, und des Ingenieurs, der ihn zeichnete, bezahlen die Abgaben,
wenn sie zufällig darauf fahren oder Güter darauf befördern. Ich
erinnere mich meines Großvaters noch sehr gut. Er war ein vornehmer
Mann, ein vollkommener Gentleman in seinem Benehmen. Aber im ganzen,
glaube ich, war er schlechter als mein Vater, der nun einmal im
Räderwerk eines fehlerhaften Systems steckte und entweder andere
berauben mußte oder von ihnen beraubt wurde. Aber mein Großvater -- der
alte Schuft! -- war nicht in einer solcher Verlegenheit. Er war Herr
und Meister über seinen Anteil an dem alten, lustigen England, kein
Mensch konnte ihn zum Sklaven machen, und er hätte wenigstens leben
und leben lassen sollen. Mein Vater folgte ja seinem Beispiel, als er
sich die Jagdgründe anlegte, aber das war auch der Höhepunkt seiner
Schlechtigkeit, während es bei meinem Großvater nur der Anfang war.
Doch wie es auch sei und wem auch die Palme gebührt, die beiden sind
unsere Vorbilder, denen wir alle nachstreben.«
»Nicht alle, Sidney. Wir zwei doch nicht. Ich hasse Unternehmer und
Großgrundbesitzer. Wir gehören zu den Kultur- und Künstlerklassen, und
wir können uns von Handelsleuten fernhalten.«
»Ja, und wir verzehren inzwischen verschiedene tausend Pfund von Renten
und Zinsen. Nein, mein Schatz, so machen es die Leute, die selbst im
Himmel leben und nicht an die Hölle erinnert werden wollen, die aber
nichts dagegen haben, daß eine außerhalb ihres Bewußtseins existiert.
Ich habe vor meinem Vater mehr Achtung -- ich meine, ich verabscheue
ihn weniger -- weil er das Ausbeuten und Stehlen selbst besorgte, als
die gefühlvollen Faulenzer und Feiglinge, die ihm Geld gaben, damit er
damit andere ausbeutete und bestahl, und die nach gar nichts fragten,
wenn er nur die Zinsen pünktlich bezahlte. Und was deine Freunde, die
Künstler, angeht, das sind die Allerschlimmsten.«
»Oh, Sidney, du hast dir in den Kopf gesetzt, alles häßlich zu finden.
Künstler halten keine Fabriken.«
»Nein, aber die Fabriken sind auch nur ein Teil in dem Räderwerk des
Systems. Seine Grundlage ist die Tyrannei der Gehirnkraft, die unter
zivilisierten Menschen tun kann, was Muskelkraft unter Schuljungen und
Wilden tut. Der Schuljunge sagt: >Ich bin stärker als du, folglich mußt
du für mich Dienste tun.< Der Erwachsene befiehlt: >Ich bin schlauer
als du, darum mußt du für mich Dienste tun.< Diese Zustände, denen wir
uns unterwerfen, sind an und für sich schlimm genug, sie werden aber
unerträglich, wenn die mittelmäßigen oder schwachsinnigen Abkömmlinge
dieser schlauen Burschen den Anspruch erheben, ihre Vorrechte zu
erben. Nun hängen aber keine Menschen so sehr an der unbeschränkten
Herrschaft von Genie und Talent wie deine Künstler. Der große Maler ist
nicht damit zufrieden, daß er gesucht und bewundert wird, weil seine
Hände, was auch tatsächlich der Fall ist, mehr können als gewöhnliche
Hände -- nein, er will auch so ernährt werden, als ob sein Magen, was
nicht der Fall ist, mehr Nahrung brauchte als gewöhnliche Mägen. Ein
Tagewerk ist ein Tagewerk, nicht mehr und nicht weniger, und wer einen
Tag arbeitet, braucht dafür Unterhalt und Schlaf und Mußezeit, ob er
nun Maler oder Bauer ist. Aber der Halunke von einem Maler, Dichter,
Romanschreiber, oder was er sonst für eine Luxusbeschäftigung hat, ist
nicht damit zufrieden, daß er in der allgemeinen Achtung höher steht
als der Bauer, er will auch mehr Geld haben, als ob der Tag im Atelier
oder im Studierzimmer mehr Stunden hätte als auf dem freien Feld. Als
ob er mehr Nahrung brauchte, um seine Arbeit leisten zu können, als
der Bauer. Er spricht von der höheren Art seiner Arbeit, als ob diese
höhere Wertschätzung sein eigenes Verdienst sei -- als ob er das Recht
hätte, weniger für seinen Nachbarn zu tun, als sein Nachbar für ihn
tut, als ob der Bauer nicht leichter ohne ihn auskäme, als er ohne den
Bauer -- als ob der Wert der berühmtesten Gemälde nicht zweifelhafter
wäre als der einer graden Ackerfurche -- als ob nicht ebensoviele
Jahre des Lernens dazu gehörten, die Hand und das Auge eines Maurers
und eines Schmiedes auszubilden als die eines Künstlers -- als ob, um
es kurz zu sagen, der Kerl ein Gott wäre, wie ihm die phantasierenden
Kunstverehrer seit Jahren versichert haben. Die Künstler sind die
Hohenpriester des modernen Molochs. Neun Zehntel von ihnen sind kranke
Geschöpfe, die grade noch vernünftig genug sind, aus ihrer Nervosität
ein Geschäft zu machen. Die einzige Eigenschaft von ihnen, die mir
etwas Achtung abnötigt, ist eine gewisse erhabene Selbstsucht, die sie
veranlaßt, lieber zu verhungern und ihre Familie verhungern zu lassen,
als etwas zu tun, was sie nicht lieben.«
»Wahrhaftig, du bist ganz im Unrecht, Sidney. In der Sladeschule war
ein Mädchen, das seine Mutter und zwei Schwestern durch Zeichnen
ernährte. Übrigens, was kannst du tun? Die Leute sind nun einmal so.«
»Ja, ich bin durch die Torheit der Leute Grundbesitzer und Kapitalist,
aber sie können mir das ja wieder abnehmen. Ich selbst habe keine
Möglichkeit, aus meiner Lage herauszukommen, außer wenn ich meine
Sklaven an Menschen abgebe, die sie nicht besser behandeln als
ich selbst, und selbst ein Sklave werde, was mir nicht so bald
einfallen wird. Nein, meine Geliebte, ich muß um deinetwillen und um
meinetwillen meinen Fuß auf ihren Nacken halten. Aber du gibst nicht
viel um solches langweiliges Zeug. Mein Gewissen quält mich, weil ich
dir, mein Engel, Verdruß damit machte. Du willst wissen, warum ich
hier wie ein Einsiedler in einer zweizimmerigen Hütte wohne, statt
mit meinem schönen und angebeteten Weib die Freuden des Londoner
Gesellschaftslebens zu genießen?«
»Aber du willst doch nicht etwa hierbleiben, Sidney?«
»Allerdings, und ich will dir auch sagen, warum. Ich will helfen, diese
Manchesterarbeiter, die die Sklaven meines Vaters waren, zu befreien.
Um das fertig zu bringen, müssen alle ihre Mitsklaven in der ganzen
Welt zu einer großen internationalen Vereinigung zusammentreten. Sie
müssen geloben, die Arbeit der ganzen Welt gerecht zu verteilen, die
Produkte der Arbeit gerecht zu verteilen, keinem erwachsenen, rüstigen
Faulenzer oder Simulanten einen Pfennig zu geben und jeden in der
Gemeinschaft als Ungeziefer zu betrachten, der mehr als seinen Anteil
vom allgemeinen Wohlstand haben will und weniger als seinen Anteil an
der Arbeit geben will. Es ist sehr schwer, das durchzuführen, denn die
Arbeiter, wie alle Leute, denen man helfen will, sehen ihre eigenen
Vorteile nicht ein und helfen oft ihren Unterdrückern, ihre eigenen
Retter unter den Klängen der =Rule Britannia= oder eines ähnlichen
verlogenen Unsinns zu vertreiben. Wir müssen ihre Köpfe erst davon
befreien und inzwischen fleißig die internationale Arbeitervereinigung
ausbauen. Ich mache jetzt Propaganda für ihre Grundsätze. Der
angeblich zum Regieren, in Wirklichkeit aber zum Unterdrücken der
Nation organisierte Kapitalismus würde bald genug unserer Vereinigung
Einhalt gebieten, wenn er unsere Absicht verstände. Aber er glaubt,
wir seien mit Pulverkomplotten und Verschwörungen zur Ermordung
gekrönter Häupter beschäftigt, und so geht, während die Polizei in
tölpelhafter Weise nach Beweisen hierfür sucht, unser wirkliches Werk
ungestört weiter. Ob ich selbst wirklich die Sache fördere, das ist
mehr, als ich sagen kann. Ich verbrauche eine Menge Freimarken, bezahle
vielen gleichgültigen Lesern die Lektüre, bestreite die Papierkosten
für Pamphlete und Zettel, auf denen die Arbeiter als das Salz der
Erde gepriesen werden, bin Redakteur und Herausgeber einer kleinen
sozialistischen Zeitung und tue im allgemeinen, was in meinen Kräften
steht. Es ist besser, wenn ich meinen übel erworbenen Reichtum auf
diese Weise verwende, als in einem teuren Haushalt und mit einem
Gefolge von Dienern. Ich ziehe meinen gewöhnlichen Anzug und meine
zweizimmerige Hütte deinem hübschen, lieben Hause vor, und deinen
hübschen, lieben Spielereien, und der hübschen, lieben Vernachlässigung
aller Arbeit, die mir am Herzen liegt. Vielleicht mache ich auch einmal
wieder Feiertage, und dann werden wir neue Flitterwochen verleben.«
Für einen Augenblick schien es, als wollte Henrietta zu weinen
anfangen. Dann rief sie plötzlich mit Begeisterung: »Ich will bei dir
bleiben, Sidney. Ich will an deiner Arbeit teilnehmen, ganz gleich,
was es ist. Ich will mich als Bauernmädchen kleiden und einen kleinen
Milcheimer tragen. Die Welt ist nichts für mich, wenn du nicht bei mir
bist, und ich würde gerne hier leben und nach der Natur zeichnen.«
Er wich zurück und errötete, ohne daß er seine Bestürzung verbergen
konnte. Sie war entschlossen, sich nicht vertreiben zu lassen, sie
klammerte sich an ihn an und hielt ihn fest. Dieses war die Bewegung,
die Wickens Jungen, der im benachbarten Graben saß, zum Lachen brachte.
Trefusis war froh über die Unterbrechung, und als er dem Jungen zwei
Pence gab und ihn fortwies, hoffte er halbwegs, daß er bleiben würde.
Aber obgleich der Junge meistens sehr eigensinnig war, zeigte er sich
diesmal ganz artig. Er verschwand auf die Landstraße, wo er einen
seiner Pence einem Phantasiespieler gab und mit ihm Kopf oder Schrift
spielte, bis das Erscheinen von Fairholmes Gruppe ihn aus seinem
Doppelzustand herausriß.
Inzwischen war Henrietta mit dringendem Bitten auf ihren Vorschlag
zurückgekommen.
»Wir würden so glücklich sein,« sagte sie. »Ich würde dir den Haushalt
führen, und du könntest soviel arbeiten, wie du wolltest. Unser Leben
wäre ein langes Idyll.«
»Mein Lieb,« sagte er und schüttelte seinen Kopf, als sie ihn flehend
ansah. »Ich habe zuviel Manchester Baumwolle in meinem Wesen für lange
Idylle. Und in Wahrheit, die erste Bedingung, wenn du mit mir arbeiten
willst, ist, daß du fortgehst. Solange du bei mir bleibst, kann ich
nur mit dir kosen. Du bezauberst mich. Wenn ich mich einen Augenblick
von dir freimache, dann seufze ich schon voll Reue über die Stunden,
die ich durch deine Verführung verloren habe und über die nutzlos
vergeudete Energie.«
»Wenn du mit mir nicht leben willst, dann hattest du auch kein Recht,
mich zu heiraten.«
»Ganz richtig. Aber das ist weder deine noch meine Schuld. Wir haben
gefunden, daß wir uns zu sehr lieben -- daß unser Verkehr uns an
unserer Betätigung hindert, und darum müssen wir voneinander scheiden.
Nicht für immer, mein Lieb, nur bis du eigene Sorgen und eigene Arbeit
gefunden hast, die dein Leben ausfüllen und dich daran hindern, meines
zu vergeuden.«
»Ich glaube, du bist von Sinnen,« sagte sie verdrießlich.
»Die Welt ist heutzutage von Sinnen und galoppiert zum Teufel, so
schnell die Habgier sie antreiben kann. Ich halte mich einfach von
diesem Rennen fern, weil ich das Ziel nicht liebe. Hier kommt eine
Barke, deren Führer mir ergeben ist, weil er glaubt, ich wollte einen
Aufruhr zur Abschaffung von Schleusengebühren und Zöllen veranstalten.
Wir wollen an Bord gehen und nach Lyvern fahren. Von dort kannst
du nach London zurückkehren. Du telegraphierst am besten von der
Umsteigestation nach der Anstalt. Sie müssen jetzt die reine Treibjagd
auf uns machen. Ich werde dir meine Adresse geben, und wir können uns
schreiben oder auch treffen, so oft wir wollen. Oder du kannst dich
auch von mir scheiden lassen, weil ich dich verlassen habe.«
»Ich weiß, daß dir das das liebste wäre,« sagte Henrietta schluchzend.
»Ich würde vor Verzweiflung sterben, mein Schatz,« sagte er freundlich.
»Schiff ahoi! Um Gotteswillen, höre auf zu weinen, Hetty. Du zerreißt
mir wahrhaftig die Seele.«
»Ahoi--i--i, Master!« brüllte der Schiffer.
»Guten Abend, Herr,« sagte ein Mann, der sich mit einer kurzen Peitsche
in der Hand neben dem Pferde herschleppte, das die Barke zog. »Komm
an!« fügte er übelgelaunt, nach dem Pferd gewandt, hinzu.
»Ich möchte aufsteigen und mit nach Lyvern fahren,« sagte Trefusis. »Es
scheint ein wohlgenährtes Tier zu sein.«
»Besser genährt als ich,« sagte der Mann. »Man kann aus einem
unternährten Pferd nicht dieselbe Arbeit herausziehen wie aus einem
unternährten Mann oder Weib. Ich bin in Gegenden in England gewesen, wo
Frauen die Barken zogen. Sie sind billiger als Pferde, denn es kostet
nichts, neue zu bekommen, wenn die alten verschlissen sind.«
»Warum schafft ihr sie denn nicht an?« fragte Trefusis mit ironischem
Ernst. »Der Grundsatz, Arbeitskräfte auf dem billigsten Markt zu kaufen
und ihre Produkte auf dem teuersten Markt zu verkaufen, hat viel dazu
beigetragen, daß England das geworden ist, was es ist.«
»Die Eisenbahngesellschaften halten Hospitäler für -seines-gleichen,«
sagte der Mann mit verschmitztem Lachen und zeigte auf das Pferd,
indem er ihm mit dem Ende seiner Peitsche klatschend gegen den Bauch
schlug. »Wenn Sie jemals im Ernst versuchen, ein Arbeiter zu sein, dann
versuchen Sie es auf vier Beinen. Sie werden finden, daß es bei weitem
der Arbeit auf zwei Beinen vorzuziehen ist.«
»Dieser Mann ist einer von denen, die ich bekehrt habe,« sagte Trefusis
abseits zu Henrietta. »Er sagte mir neulich, seit ich ihn zum Denken
gebracht habe, sieht er nie einen Gentleman, ohne daß er die Neigung
empfindet, einen Stein gegen ihn zu erheben. Ich finde, Sozialismus
wird oft von seinen minder intelligenten Anhängern und Gegnern dahin
mißverstanden, als ob er nur der natürlichen Neigung, angesehene
Personen mit Steinen zu bewerfen, Vorschub leiste. Jetzt werde ich dich
über diese Planke tragen. Wenn du dich ruhig hältst, werden wir wohl
die Barke erreichen. Andernfalls erreichen wir den Boden des Kanals.«
Er trug sie hinüber und wechselte mit dem Schiffer einige freundliche
Worte. Dann nahm er Henrietta mit nach vorne und starrte in das
Wasser, während sie geräuschlos an dem hügeligen Weidenland
vorbeiglitten.
»Das würde eine herrliche Fahrt sein,« sagte er, »wenn man die Frau da
unten vergessen könnte, die ihrem Mann in einer stickigen Höhle, so
groß wie dein Kleiderschrank, das Essen kocht, und --«
»Oh, rede kein Wort mehr von solchen Sachen,« sagte sie ärgerlich: »Ich
kann ihnen nicht helfen. Ich habe meinen eigenen Kummer. -Ihr- Mann
lebt bei ihr.«
»Sie wird ihren Platz mit dir wechseln, mein Schatz, wenn du ihr das
Anerbieten machst.«
Es fiel ihr keine Antwort ein. Nach einer Pause begann er poetisch
über die Landschaft zu sprechen und ihr verliebte Redensarten und
Schmeicheleien zu sagen. Aber sie fühlte, daß er entschlossen war, sie
los zu werden, und er wußte, daß es keinen Zweck mehr hatte, seine
Absicht vor ihr zu verbergen. Sie wandte sich weg und setzte sich auf
einen Stoß Ziegelsteine, indem sie nur ärgerlich ihr Gesicht verzerrte,
wenn er sie zum Sprechen drängte. Als sie sich dem Ende der Reise
näherten, glaubte sie, daß sie ihren heftigen Schmerz über seine Flucht
nur halb zum Ausdruck gebracht hätte, und das Gefühl des erlittenen
Unrechts wurde ihr fast unerträglich.
Sie landeten an einer Werft und gingen über einen schmutzigen, von
tiefen Fahrgeleisen durchzogenen Weg auf die Hauptstraße von Lyvern.
Hier wurde er wieder Smilasch und ging ehrerbietig etwas vor ihr her,
als wenn er gemietet wäre, den Weg zu zeigen. Sie sah jetzt ein, daß
ihre letzte Gelegenheit, ihn anzuflehen, vorbei war, und sie brach bei
dem Gedanken fast in Tränen aus. Es kam ihr der Einfall, sie könnte
ihn vielleicht bewegen, wenn sie hier eine öffentliche Szene machte.
Aber die Straße war sehr belebt, und sie fürchtete sich auch etwas vor
ihm. Keines von diesen beiden Bedenken würde sie abgehalten haben,
wenn sie in einem ihrer wilden Zornesanfälle gewesen wäre, aber jetzt
war sie in ganz unterwürfiger Stimmung. Ihre wilden Launen schienen
nur zu kommen, wenn sie ihr schaden mußten. Sie ließ sich ruhig in den
Eisenbahnomnibus führen, der grade von dem Gasthofvorplatz abfahren
wollte, als sie dort ankamen. Aber obgleich er seinen Hut berührte und
fragte, ob er eine Botschaft ausrichten sollte, obgleich er ihr in
zartem Flüstern eine glückliche Reise wünschte, wollte sie ihn nicht
ansehen, oder ein Wort zu ihm sprechen. So schieden sie voneinander,
und er kehrte allein zu der Hütte zurück, wo er von den zwei Polizisten
empfangen wurde, die ihn nach der Anstalt brachten.
Sechstes Kapitel.
Das Jahr ging weiter, und es begannen die langen Winterabende. Die
lernbegierigen jungen Damen in der Alton-Anstalt saßen an ihren Pulten,
auf die Ellenbogen gestützt und den Kopf in den Händen vergraben,
und fröstelten in ihren Pelzkragen. Sie überluden ihr Gedächtnis mit
Darlegungen der Moralphilosophen oder schwammen, wie Menschen auf
Korkgürteln, auf den Grundproblemen der Mathematik herum. Hierbei
geschah es denn oft, je vernünftiger eine Schülerin in der Mathematik
war, desto unvernünftiger war sie im wirklichen Leben, weil es da keine
feststehenden Grundsätze gab, nach denen man sich richten konnte.
Agatha, die nicht lernbegierig war und auch keine Lust hatte, im
Winter zu frieren, begann mit wachsendem Eifer die Vorschrift Nr. 17
zu brechen. Die Vorschrift Nr. 17 verbot den Schülerinnen, die Küche
zu betreten, oder irgendwie die Dienstmädchen in ihrer häuslichen
Tätigkeit zu stören. Agatha brach sie, weil sie gerne braunen
Kandiszucker machte und ihn aß, weil sie ein warmes Feuer liebte
und alles, was verboten war, und weil ihr die Bewunderung gefiel,
mit der die Dienstmädchen ihren musikalischen und Bauchredekünsten
lauschten. Gertrude begleitete sie, weil sie ebenfalls Zuckerzeug
liebte, und weil sie sich etwas auf ihre Herablassung zu tiefer
Stehenden einbildete. Jane ging hin, weil ihre beiden Freundinnen
hingingen, und Abenteuerlust, böses Beispiel und Liebe zu Süßigkeiten
brachten oft mehr Freiwillige zu diesen Expeditionen, als Agatha für
sicher hielt, mitzunehmen. Eines Abends ging Miß Wilson allein in
ihren Privatweinkeller hinunter und wurde in der Nähe der Küche durch
einen Lärm ausgelassener Lustigkeit aufgehalten. Sie blieb lauschend
stehen und hörte zuerst den Kastagnettentanz, der sie an den Nachdruck
erinnerte, mit dem Agatha über Mrs. Miller mit dem Finger geschnipst
hatte. Dann kam die Biene an der Fensterscheibe, Robin Adair (in dessen
Refrain die Dienstmädchen einstimmten) und eine Verspottung ihrer
eigenen Person, wie sie Jane Carpenters bessere Natur anflehte, sich
auf die Aufnahmeprüfung für Cambridge vorzubereiten. Sie wartete, bis
die Kälte und die Furcht, hier beim Spionieren entdeckt zu werden, sie
zwangen, wieder hinaufzusteigen. Sie schämte sich, daß sie an einer
törichten Unterhaltung ihre Freude gehabt hatte, aber sie sah doch
lieber über eine Verletzung der Vorschriften hinweg, als daß sie einen
neuen Streit mit Agatha gewagt hätte.
Es war besonders eine Sache, in der Agatha sich nicht mehr so an die
Schuldisziplin hielt wie früher. Obgleich sie eine unverhältnismäßig
große Zahl von Eintragungen in das Sündenbuch geliefert hatte, war
jenes Bekenntnis, das beinahe zu ihrer Austreibung geführt hatte, ihr
letztes geblieben. Nicht, daß ihre Aufführung eine bessere geworden
wäre, sie hatte sich im Gegenteil verschlechtert. Miß Wilson erwähnte
nicht mehr die Angelegenheit, und so blieb das Sündenbuch eine
geheiligte Sache, auf die nie angespielt wurde. Aber sie bemerkte, daß
Agatha, obgleich sie nicht ihre eigenen Sünden bekennen wollte, doch
den andern bei der Entlastung ihres Gewissens half. Die Witzigkeit, mit
der Jane unerwarteterweise die Seiten des Sündenbuchs anfüllte, war
dafür bezeichnend genug.
Smilasch hatte jetzt auch ein Gewerbe angefangen. An den letzten
Herbsttagen hatte er sein Häuschen weiß getüncht, Türen, Fenster und
Veranda angestrichen, das Dach und das Innere ausgebessert und den
Platz so sehr verschönert, daß ihm der Grundbesitzer mitteilte, er
müßte nach Ablauf der zwölfmonatlichen Pachtung die Rente erhöhen. Ein
Mieter könne vernünftigerweise ein hübsches, regendichtes Wohnhaus
nicht für dasselbe Geld haben wie eine kaum bewohnbare Ruine.
Smilasch hatte ihm sofort versprochen, es am Ende des Jahres so zu
verderben, daß es wieder wie früher aussähe. Am Tor hatte er eine
Anschlagtafel angebracht mit einer Inschrift, die er von gedruckten
Karten abgeschrieben hatte. Er zeigte diese Karte den Leuten, die sich
zufällig mit ihm unterhielten.
=~Jefferson Smilasch~=
=~Maler, Dekorateur, Glaser, Klempner und Gärtner.
Klaviere werden gestimmt. Hausreparaturen aller Art.
Servieren bei Tisch und Bedienung.~=
=~Villa Chamounix,~=
=~Lyvern.~=
=~Auskunft gratis.
Kein vernünftiges Angebot wird abgeschlagen.~=
Das auf diese Weise angekündigte Geschäft, so umfassend es war, blühte
doch nicht. Wenn er von Neugierigen nach einem Zeugnis für seine
Tüchtigkeit und Achtbarkeit gefragt wurde, verwies er sie sorglos an
Fairholme, an Josephs und besonders an Miß Wilson, die, wie er sagte,
ihn von seiner frühesten Kindheit her gekannt hatte. Fairholme war
froh, wenn er beweisen konnte, daß er kein glattzüngiger Pfaffe war,
und erklärte auf jede Anfrage, Smilasch sei der größte Halunke in der
ganzen Gegend. Josephs sagte teils aus Wohlwollen, teils aus Furcht,
Smilasch möchte einmal etwas gegen ihn wegen Verleumdung unternehmen,
er sei jedenfalls ein wirklich billiger Arbeiter, und es würde eine
gute Tat sein, wenn man ihm zur Aufmunterung eine kleine Beschäftigung
gäbe. Miß Wilson bestätigte Fairholmes Bericht, und der Organist der
Kirche, der seit fast einem Vierteljahrhundert alle Klaviere in der
ganzen Umgegend einmal im Jahre gestimmt hatte, schwärzte ihn als
einen Menschen an, der alles anfange und nichts könne.
Hierauf begannen die Radikalen in Lyvern, eine kleine und verrufene
Partei, zu versichern, an dem Mann sei nichts Böses, und die
Geistlichen und Miß Wilson, die in einem feinen Hause wohnte und nur
ganz reiche Mädchen als Pensionärinnen aufnahm, könnten ihre freie Zeit
besser ausfüllen, als damit, einem armen Arbeiter das Brot aus dem Mund
zu nehmen. Aber da keiner aus dieser Gesellschaft häusliche Reparaturen
hatte, machte ihn ihre Unterstützung durchaus nicht reicher, und der
einzige Kunde, den er fand, war ein Hausmädchen, das seine Stellung
in einem Landhaus in der Umgegend aufgab. Sie wollte ihren Koffer
ausgebessert haben, dessen Deckel abgefallen war. Smilasch verlangte
eine halbe Krone für den Auftrag, aber auf ihr Zögern bat er sie gleich
um Verzeihung und ging auf einen Schilling herunter. Hierfür strich er
den Koffer neu an, malte die Anfangsbuchstaben ihres Namens darauf,
brachte neue Scharniere, ein Bramahschloß und Messinggriffe an. Er
hatte selbst für zehn Schillinge Ausgaben und mehrere Stunden Arbeit.
Dem Hausmädchen gefiel die Farbe des Anstrichs nicht, sie ließ ihn die
Griffe abnehmen, die sie, wie sie sagte, an einen Sarg erinnerten, und
beklagte sich, daß ein Schloß mit solch einem schmalen Schlüssel für
einen so schweren Koffer nicht stark genug sein könnte. Schließlich
gab sie zu, es sei ihre eigene Schuld, weil sie sich keinen Mann
genommen hatte, der etwas von der Sache verstand. Es sprach sich bald
rund, er habe daran ein gutes Geschäft gemacht, und da er, wenn man
es ihm vorwarf, das noch ausdrücklich bestätigte, so erhielt er weiter
keinen Auftrag. Sein Schild diente von jetzt ab nur zur Erheiterung von
Spaziergängern und Hirtenjungen, die gerne mit Steinen danach warfen.
Ein starker Sturm blies eines Nachts über Lyvern, und die jungen Damen
im Alton-Institut, die sich meistens vor Blitzen fürchteten, sprachen
mit einigem Ernst ihre Gebete. Um halb eins machten Regen, Wind und
Donner einen solchen Lärm, daß Agatha und Gertrude sich Halstücher
umschlugen und sich nach dem Flurfenster vor Miß Wilsons Arbeitszimmer
hinabstahlen, wo sie die Blitze beobachteten, die mit zuckendem
Schimmer die Landschaft erhellten. Dabei unterhielten sie sich im
Flüstertone darüber, ob es gefährlich sei, nahe am Fenster zu stehen,
und ob die messingenen Läuferstangen auf der Treppe die Blitze anziehen
könnten. Agatha, die bei einer einzelnen Gefährtin ebenso ernsthaft
und freundlich sein konnte, wie sie in einer größeren Gesellschaft
mutwillig und spöttisch wurde, genoß ruhig das Schauspiel. Das Blitzen
schreckte sie nicht, da sie wenig von dem Ernst des Lebens wußte und
sich etwas darauf einbildete, gleichgültig dagegen zu sein. Sie zuckte
zusammen, wenn stärkere Blitzschläge aufzuckten, aber das brachte
ihr nur ihren eigenen Mut zum Bewußtsein und ihren Gegensatz zu der
ängstlichen Gertrude, die endlich vor einer gespaltenen Zickzacklinie
von blauem Licht zurückfuhr und sagte:
»Wir wollen wieder zu Bett gehen, Agatha. Wir sind hier durchaus nicht
sicher.«
»Grade so sicher wie im Bett, und da können wir nichts sehen. Wie das
Haus zittert! Ich glaube, der Regen wird gegen die Fenster schlagen,
ehe --«
»Still,« flüsterte Gertrude und ergriff voll Schrecken ihren Arm. »Was
war das?«
»Was?«
»Ich habe bestimmt die Klingel gehört -- die Gartenklingel. Oh, wir
wollen wieder zu Bett gehen.«
»Unsinn! Wer wird in einer solchen Nacht ausgehen? Vielleicht hat sie
der Wind in Bewegung gesetzt.«
Sie warteten einige Augenblicke. Gertrude zitterte, und Agatha hatte in
der Dunkelheit ein Gefühl, wie es Leute haben, die sich vor Gespenstern
fürchten. Dann vermischte sich ein undeutlicher Klang in das Brausen
des Windes.
Ein paar scharfe und durchdringende Töne kamen unverkennbar von der
Gartenklingel auf dem Vorplatz. Es war eine laute Klingel, die bestimmt
war, die Dienstmädchen im Hause anzurufen, wenn das Tor geöffnet werden
sollte. Denn das Pförtnerhäuschen war unbewohnt.
»Was in aller Welt kann das sein?« fragte Agatha. »Können sie nicht das
Törchen finden, die Idioten?«
»Hoffentlich nicht! Bitte, komm herauf, Agatha.«
»Nein, ich will nicht. Geh nur, wenn du willst.« Aber Gertrude
fürchtete sich, allein zu gehen. »Es ist am besten, wenn wir Miß Wilson
wecken und es ihr sagen.« fuhr Agatha fort. »Es ist schrecklich, in
solch einer Nacht jemand nicht hereinzulassen.«
»Aber wir wissen ja nicht, wer es ist.«
»Nun, ich weiß jedenfalls, daß du keine Angst vor ihnen hast,« sagte
Agatha, obgleich sie das Gegenteil wußte. Aber sie benutzte die
Gelegenheit, Gertrude zu beschämen und zum Schweigen zu bringen.
Sie lauschten wieder. Der Sturm wütete jetzt besonders laut, und sie
konnten die Glocke nicht hören. Plötzlich klopfte jemand heftig an
die Haustüre. Gertrude schrie, und ihr Schrei erhielt aus den oberen
Räumen ein Echo. Verschiedene Mädchen hatten auch das Klopfen gehört
und waren dadurch so erschreckt worden, als hätten sie Alpdrücken. Eine
Kerze flackerte auf der Treppe, und man hörte Miß Wilsons Stimme, die
beruhigend fest klang.
»Wer ist da?«
»Das bin ich, Miß Wilson, und Gertrude. Wir haben uns das Wetter
angesehen, und da klopft jemand an die --« Ein wütendes Hämmern mit
dem Türklopfer unterbrach sie. Dann folgte ein Laut, der durch den
Sturmwind übertönt wurde, als ob ein Mann etwas riefe.
»Sie sollten lieber nicht die Tür öffnen,« sagte Miß Wilson etwas
beunruhigt. »Und Sie, Agatha, sind sehr unvernünftig, daß Sie hier
stehen. Sie werden sich zu Tod -- O Gott! Was kann da sein?«
Sie eilte, gefolgt von Agatha, Gertrude und einigen mutigeren
Schülerinnen, auf den Flur hinunter. Ein paar zitternde Dienstmädchen
standen neben der Haushälterin, die jammernd durch das Schlüsselloch
fragte, wer denn da wäre. Man hörte sie offenbar draußen nicht, denn
das Klopfen begann, während sie sprach, von neuem, und sie fuhr zurück,
als ob sie einen Schlag gegen den Mund bekommen hätte. Miß Wilson
rasselte jetzt mit der Kette und fragte von neuem, wer da wäre.
»Lassen Sie uns ein!« schrie jemand dumpf durch das Schlüsselloch.
»Hier ist eine sterbende Frau und drei Kinder. Macht die Tür auf!«
Miß Wilson verlor ihre Geistesgegenwart. Um Zeit zu gewinnen,
antwortete sie: »Ich -- ich kann nicht verstehen. Was sagten Sie?«
»Verdammt!« rief die Stimme und richtete sich diesmal an jemand, der
sich draußen befand. »Sie können uns nicht verstehen.« Und das Klopfen
begann von neuem und mit verstärkter Heftigkeit. Agatha faßte erregt
Miß Wilson an ihrem Morgenkleid und wiederholte ihr, was die Stimme
gesagt hatte. Miß Wilson hatte es deutlich genug gehört, und sie
fühlte auch irgendwie, daß sie die Türe öffnen müsse, aber sie war
fast überwältigt von einer unbestimmten Furcht vor dem Kommenden. Sie
begann die Kettet abzuhängen, und Agatha half ihr bei dem Aufriegeln.
Zwei Dienstmädchen erklärten, sie würden sicher alle in ihren Betten
ermordet werden, und liefen davon. Einige von den Schülerinnen schienen
geneigt, ihrem Beispiel zu folgen. Bis endlich die freigewordene Tür
weit aufflog und Miß Wilson und Agatha zurückwarf. Ein Wirbelwind fuhr
in den Hausflur, riß an den Kleidern der Mädchen und blies die Kerzen
aus. Agatha sah beim Aufzucken eines Blitzstrahls zwei Männer, die sich
an der Türe abmühten, wie Matrosen an einer Ankerwinde. Dann hörte der
Wind auf, und sie wußte, daß die Türe geschlossen war. Streichhölzer
wurden angezündet, die Kerzen in Brand gesetzt, und man konnte jetzt
die Ankömmlinge deutlich erkennen.
Smilasch stand in bloßem Kopf und ohne Rock da, seine Manchesterweste
und Hose waren schwer vom Regen. Neben ihm stand ein struppig
aussehender Mann im mittleren Alter, der die ärmliche Kleidung eines
Viehhirten trug und gleichfalls ganz durchnäßt war. Er hatte das
armselige, geduldige und verzweifelte Gesicht eines Menschen, der
vom Unglück hart verfolgt und am Ende seiner Kräfte ist. Zwei kleine
Kinder, ein Knabe und ein Mädchen, die fast nackt waren, verbargen
sich unter einem alten Sack, den sie als Schirm gebraucht hatten. Auf
der Polsterbank aber lag ein Bündel abgetragener Kleidungsstücke,
Sackleinen und zerrissener Decken, das mit Smilaschs Rock und Südwester
bedeckt war. Unter diesem Haufen Lumpen verbarg sich ein erschöpftes
Weib mit einem armseligen Säugling an der Brust. Smilaschs Gesicht
bekam einen grimmigen Ausdruck, als er nach ihr hinsah.
»Verzeihen Sie, daß wir Sie stören, Lady,« sagte der Mann nach einem
ängstlichen Blick auf Smilasch, da er erwartete, daß dieser sprechen
würde. »Aber mein Dach und eine Wand von dem Haus sind bei dem Sturm
eingestürzt, und meine Frau hat noch ein anderes kleines Kind gehabt,
und es tut mir so leid, daß wir Sie belästigen, Miß. Aber -- aber --«
»Belästigen!« schrie Smilasch. »Es ist das höchste Vorrecht einer Dame,
Ihnen zu helfen -- das höchste Vorrecht.«
Der kleine Junge begann hier vor lauter Elend zu weinen, und die Frau
erhob sich, indem sie sagte: »Schäme dich, Tom! Hier vor der Lady.«
Dann aber sank sie zusammen, zu schwach, um sich noch um etwas zu
bekümmern, was jetzt geschehen konnte.
Smilasch sah ungeduldig Miß Wilson an, die zauderte und ihn endlich
fragte: »Was erwarten Sie denn, daß ich tun soll?«
»Helfen sollen Sie uns,« antwortete er. Dann fügte er mit einem
Ausbruch nervöser Energie hinzu: »Tun Sie, was Ihr Herz Ihnen gebietet.
Geben Sie dem Weibe Ihr Bett und Ihre Kleider und lassen Sie die
Mädchen auf ein paar Tage ihre Bücher zum Teufel werfen, damit sie für
die armen, kleinen Geschöpfe etwas Kleidung anfertigen. Die Armen haben
schwer genug gearbeitet, um -sie- zu bekleiden. Lassen Sie jetzt die
Mädchen auch einmal die Armen bekleiden.«
»Nein, nein. Alles was recht ist, Master,« sagte der Mann,
augenscheinlich sehr bedrückt durch ein Gefühl, unwillkommen zu sein,
und er trat einen Schritt vor, um Miß Wilson günstig zu stimmen. »Die
Ladys haben keine Schuld. Wenn ich so kühn sein darf, Sie um was zu
bitten, dann geben Sie nur meiner Frau bis morgen Obdach. Irgend ein
Platz genügt, sie ist dran gewöhnt, sich durchzuschlagen. Wenn sie nur
ein Dach über dem Kopf hat, bis ich im Dorf ein Zimmer finde, wo wir
einziehen können.« Hier brachten ihn seine eigenen Worte dazu, an die
Zukunft zu denken, und er blickte verzweifelt an dem Säulengebälk des
Flures vorbei, als ob da ein Gefach sei, in dem vielleicht jemand eine
passende Unterkunft für ihn gelassen hätte.
Miß Wilson wandte entschlossen und verächtlich Smilasch den Rücken
zu. Sie hatte ihre Fassung wiedergefunden. »Ich will Ihr Weib hier
behalten,« sagte sie zu dem Mann. »Es wird für sie in jeder Weise
gesorgt werden. Die Kinder können auch hier bleiben.«
»Dreimal hoch die moralische Beeinflussung!« schrie Smilasch begeistert
und fiel wieder in seine rohe Sprache zurück, die er in seinem Zorn
ganz vergessen hatte. »Was sagte ich, Nachbar, als ich sagte, Sie
sollten Ihre Frau zu der Anstalt bringen, und Sie sagten ironisch, >Ach
ja, die werden verflucht froh sein, wenn sie uns da sehen.< Sagte ich
nicht, die Lady hat ein nobles Herz, und sie zeigt es auch, wenn solch
ein Malör an sie herantritt?«
»Wie können Sie meine übereilten Worte hier gegen mich vorbringen,
Master, da die Lady so freundlich ist?« entgegnete der Mann erregt.
»Ich bin Ihnen sehr dankbar, Miß, und Beß auch. Wir fühlen, wie lästig
wir --«
Miß Wilson, die sich mit der Haushälterin beraten hatte, schnitt
seine Rede kurz ab, indem sie ihm sagte, er solle jetzt sein Weib zu
Bett bringen. Er tat das auch mit Hilfe Smilaschs, der jetzt jubelte.
Während sie fort waren, weigerte sich ein Dienstmädchen, eine Bettdecke
in das Zimmer der Frau zu bringen, und sagte, solche Menschen wollte
sie nicht bedienen. Miß Wilson gab ihr im heftigsten Tone Bescheid, sie
könnte am nächsten Tag die Anstalt verlassen. Das war aber auch der
einzige Fall von Übelwollen gegen die Ankömmlinge. Die jungen Damen
wurden dann gebeten, wieder zu Bett zu gehen.
Unterdessen hatte der Mann seine Frau untergebracht. Es war das
reine Palastzimmer im Vergleich mit dem, das durch den Sturm über ihr
zusammengebrochen war. Er gratulierte ihr zu ihrem Glück und bedrohte
die Kinder mit der strengsten Züchtigung, wenn sie sich nicht ganz
brav aufführten, solange sie in diesem Hause blieben. Bevor er sie
verließ, küßte er seine Frau. Sie hatte sich etwas erholt und bat ihn,
noch einmal den Säugling zu betrachten. Er tat es und gab ihm dabei
ein böses Schimpfwort, denn er dachte an die Zeit, da der Appetit des
Kleinen nicht mehr an der Brust der Mutter gestillt werden könnte,
da man für ihn im Laden einkaufen müßte. Sie lachte und machte ihm
Vorwürfe, und so schieden sie fröhlich voneinander. Als er mit Smilasch
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