Ich weiß nicht, was ich ihr sagte, aber die Entweihung ihres teuren
Buches wird sie mir nicht vergeben. Ich werde so sicher fortgejagt, wie
ich hier sitze.«
»Was, du meinst, du gehst wirklich weg?« fragte Jane und bekam Angst,
als sie an die Folgen dieses Fortgehens dachte.
»Natürlich. Aber was aus dir werden soll, wenn ich dir nicht mehr bei
deinen Aufgaben helfe, oder aus Gertrude, wenn ich ihr nicht mehr diese
eingefleischte Vornehmtuerei austreibe, das weiß ich selber nicht.«
»Ich bin nicht vornehmtuerisch,« sagte Gertrude, »obgleich ich mich
nicht mit jedem gemein mache. Aber gegen dich habe ich nie etwas
eingewendet, Agatha.«
»Nein, ich würde es dir auch nicht geraten haben. Hallo, Jane!« rief
sie, als diese plötzlich in Tränen ausbrach. »Was ist denn los?
Hoffentlich erlaubst du dir nicht die Freiheit, meinetwegen zu weinen.«
»Ja, Agatha,« schluchzte Jane unwillig. »Ich weiß, ich mache mich durch
mein Mitgefühl lächerlich. Aber du hast kein Herz.«
»Gewiß machst du dich lächerlich, indem du das bei jeder Gelegenheit
zeigst,« sagte Agatha und schlang ihre Arme um Jane, ohne auf deren
ärgerliches Sträuben zu achten. »Aber wenn ich wirklich etwas Herz
hätte, würde ich jetzt durch diesen Beweis deiner Zuneigung gerührt
sein.«
»Nie habe ich gesagt, du hättest kein Herz,« widersprach Jane. »Ich
kann nur nicht leiden, wenn du wie ein Buch sprichst.«
»Du kannst nicht leiden, wenn ich wie ein Buch spreche? Meine liebe,
närrische alte Jane! Ich werde dich sehr vermissen.«
»Jawohl, das wirst du,« sagte Jane mit bitterer Ironie. »Wenigstens
wird dich jetzt mein Schnarchen nicht mehr im Schlafe stören.«
»Du schnarchst ja gar nicht, Jane. Wir haben uns nur verschworen, dir
das einzureden. Ist es nicht schön von mir, daß ich dir das erzähle?«
Jane war überwältigt von dieser Aufklärung. Nach einer langen Pause
sagte sie in tiefer Überzeugung, »das wußte ich schon immer, daß ihr
das tatet. Aber die Art, wie ihr es durchführtet! Ich erkläre hiermit
feierlich, daß ich von jetzt ab niemand mehr glauben will.«
»Nun, und was denkst -du- über die ganze Sache?« fragte Agatha, indem
sie ihre Aufmerksamkeit Gertrude zuwandte, die sehr ernst geworden war.
»Ich denke -- und ich meine es wirklich so, Agatha -- daß du
vollständig im Unrecht bist.«
»Bitte, warum denkst du das?« fragte Agatha etwas erregt.
»Du mußt es sein, sonst wäre Miß Wilson nicht böse über dich!
Natürlich, nach deiner eigenen Darstellung bist du immer im Recht,
und alle andern haben unrecht. Aber du hättest das nicht in das Buch
hineinschreiben sollen. Du weißt, ich spreche als deine Freundin.«
»Bitte, was weiß deine armselige kleine Seele von meinen Gedanken und
Gefühlen?«
»So schwer ist das nicht, dich zu verstehen,« entgegnete Gertrude
gereizt. »Eigendünkel ist keine solche seltene Sache, daß man ihn nicht
erkennen könnte. Und denke daran, Agatha Wylie,« fuhr sie, wie von
einer unerträglichen Erinnerung angestachelt, fort, »wenn du wirklich
fortgehst, dann ist es mir gleich, ob wir als Freundinnen scheiden oder
nicht. Ich hab den Tag nicht vergessen, da du mich eine boshafte Katze
nanntest.«
»Ich habe es bereut,« sagte Agatha ruhig. »Ich habe mich einmal
hingesetzt und Bacchus beobachtet, der auf dem Feuerplatz saß. Er
blickte mit seinen träumerischen Augen so gedankenvoll und geduldig
in die Ferne, daß ich ihn um Verzeihung bat, weil ich ihn mit dir
verglichen habe. Wenn ich ihn eine boshafte Katze nannte, er würde es
mir einfach nicht glauben.«
»Weil er wirklich eine Katze ist,« sagte Jane mit dem Lächeln, das
meist so schnell auf Tränen folgt.
»Nein, aber weil er nicht boshaft ist. Gertrude bewahrt ein Sündenbuch
in ihrem eigenen kleinen Kopf, und es ist so voll von andrer Leute
Sünde -- alle in großen Buchstaben hineingeschrieben und durch ein
Vergrößerungsglas zu lesen -- daß sie keinen Platz hat, ihre eigenen
einzutragen.«
»Du drückst dich sehr poetisch aus,« sagte Gertrude. »Aber ich
verstehe, was du meinst, und ich werde es nicht vergessen.«
»Du undankbarer Wicht,« schrie Agatha, indem sie sich so plötzlich
und heftig gegen sie wandte, daß sie unwillkürlich zur Seite wich.
»Wie oft habe ich nicht, wenn du unverschämt und falsch gegen mich
sein wolltest, deinen bösen Engel vertrieben, indem ich dich kitzelte?
Hattest du, bevor ich hierher kam, eine Freundin in der Anstalt, außer
einem halben Dutzend Bauernmädchen? Und jetzt, weil ich dich manchmal
zu deinem eigenen Nutzen auf deine Fehler aufmerksam gemacht habe,
hegst du Groll gegen mich und sagst, es sei dir gleichgültig, ob wir
als Freundinnen scheiden oder nicht!«
»Das habe ich nicht gesagt.«
»Oh, Gertrude, du weißt ganz gut, daß du es gesagt hast,« bemerkte Jane.
»Du denkst wohl, ich hätte kein Gewissen,« sagte Gertrude jammernd.
»Ich wollte, du hättest keins,« sagte Agatha. »Sieh mich an! Ich habe
kein Gewissen und weiß, wieviel vergnügter ich dabei bin.«
»Du kümmerst dich nur um dich selbst,« sagte Gertrude. »Nie glaubst du,
daß andere Leute auch Gefühle haben. Auf mich nimmt überhaupt niemand
Rücksicht.«
»Oh, so hör ich dich gerne reden,« rief Jane ironisch. »Auf dich wird
überhaupt viel mehr Rücksicht genommen, als dir gut tut. Und je mehr
man auf dich Rücksicht nimmt, desto größere Ansprüche stellst du.«
»Der Appetit,« deklamierte Agatha theatralisch, »kommt mit dem Essen.
Das wußte auch schon Shakespeare.«
»Zum Henker mit Shakespeare!« sagte Jane ungestüm. »Der alte Narr
bildet sich etwas darauf ein, daß er abgedroschene Redensarten
vorträgt. Aber wenn -du- dich beklagst, Gertrude, weil auf dich keine
Rücksicht genommen wird, was soll -ich- denn sagen, die von allen zum
Narren gehalten wird? Aber ich bin nicht so närrisch wie --«
»Wie du aussiehst,« warf Agatha dazwischen. »Ich hab es dir unendlich
oft gesagt, Jane, und es freut mich, daß du dich endlich zu meiner
Meinung bekehrt hast. Was möchtest du lieber sein, ein größerer Narr
als du --«
»Oh, halt ein,« sagte Jane ungeduldig, »du hast mich das diese Woche
schon zweimal gefragt.«
Die drei schwiegen hierauf eine kurze Zeit. Agatha überlegte, Gertrude
war verdrießlich, Jane gedankenlos und unruhig. Schließlich sagte
Agatha:
»Dann leidet ihr zwei wohl auch unter der Rücksichtslosigkeit und
Selbstsucht der andern, die euch mißverstehen, die alles von euch
erlangen und nie Entschuldigungen für euch gelten lassen?«
»Ich weiß nicht, was du damit meinst, daß wir zwei darunter auch
leiden!« sagte Gertrude kühl.
»Ich ebenfalls nicht,« sagte Jane ärgerlich. »Das ist doch grade die
Art, wie alle mich behandeln. Du kannst lachen, Agatha, und sie mag
ihre Nase rümpfen, wie sie will, du weißt, daß es wahr ist. Gertrudes
Idee, uns einzureden, es würde nicht genug Rücksicht auf sie genommen,
ist weiter nichts als Gefühlsduselei, Eitelkeit und Blödsinn.«
»Sie sind außerordentlich roh, Miß Carpenter,« sagte Gertrude.
»Meine Manieren sind so gut wie die Ihrigen und vielleicht besser,«
entgegnete Jane. »Meine Familie ist sicher so gut.«
»Kinder, Kinder,« sagte Agatha in ermahnendem Tone, »vergeßt nicht, daß
Ihr geschworene Freundinnen seid.«
»Wir haben nicht geschworen,« sagte Jane. »Wir wollten drei geschworene
Freundinnen werden, und Gertrude und ich waren auch dabei, aber du
wolltest nicht schwören, und so wurde nichts aus der Sache.«
»So ist es,« sagte Agatha. »Und jetzt verschwende ich all meine
Zeit, um zwischen euch Frieden zu halten. Aber, um auf unser Thema
zurückzukommen, ist es einer von euch schon einmal in den Sinn
gekommen, daß niemand auf -mich- Rücksicht nimmt?«
»Ich glaube, du hältst das für etwas Spaßhaftes. Du handelst wirklich
danach, daß man auf dich Rücksicht nimmt,« sagte Jane spöttisch.
»Du kannst nicht sagen, ich nähme keine Rücksicht auf dich,« sagte
Gertrude vorwurfsvoll.
»Ja, weil ich dich kitzle.«
»Ich nehme Rücksicht auf dich und bin nicht kitzlich,« sagte Jane
zärtlich.
»Wirklich! Laß mich einmal versuchen,« sagte Agatha und schlang ihren
Arm um Janes umfangreiche Taille, worauf sie ihr eine durchdringende
Mischung von Lachen und Schreien entlockte.
»Sst--sch!« flüsterte Gertrude schnell. »Da ist die Lady Abbeß.«
Miß Wilson war grade in das Zimmer eingetreten. Agatha tat so, als
bemerkte sie ihre Anwesenheit nicht. Sie zog verstohlen ihren Arm
zurück und sagte laut:
»Wie -kannst- du nur so ein Geschrei machen, Jane? Du bringst ja das
ganze Haus in Aufruhr.«
Jane wurde rot vor Unwillen, aber sie mußte jetzt still sein, denn die
Augen der Vorsteherin ruhten auf ihr. Miß Wilson hatte ihren Hut auf.
Sie sagte, sie müßte nach Lyvern gehen, zum nächsten Dorfe. Ob einige
Damen aus der sechsten Klasse sie begleiten wollten?
Agatha sprang sofort von ihrem Sitz herunter, und Jane unterdrückte ein
Lachen.
»Miß Wilson sagte, die sechste Klasse, Miß Wylie,« bemerkte Miß Ward,
die auch hereingetreten war. »Sie sind nicht in der sechsten Klasse.«
»Nein,« sagte Agatha sanft, »aber ich möchte mitgehen, wenn ich darf.«
Miß Wilson sah sich um. Die sechste Klasse bestand aus vier
lernbegierigen jungen Damen, deren Lebensziel für den Augenblick eine
Aufnahmeprüfung an einer Universität, oder wie man auf der Schule
sagte, das Cambridgezeugnis war. Keine von ihnen antwortete.
»Dann die fünfte Klasse,« sagte Miß Wilson.
Jane, Gertrude und vier andere erhoben sich und stellten sich neben
Agatha.
»Gut,« sagte Miß Wilson. »Machen Sie nicht so lange mit dem Anziehen.«
Sie eilten schnell hinaus und stürmten mit Geräusch die Treppen hinauf.
Agatha, die für das Cambridgezeugnis gar kein Interesse hatte, strebte
voll Ehrgeiz danach, stets am schnellsten die Treppen hinauf- oder
hinunterzueilen.
Sie kamen bald zum Spaziergang gekleidet zurück und verließen zwei und
zwei in einer Prozession das Institut. Jane und Agatha gingen voran,
Gertrude und Miß Wilson kamen zuletzt. Die Landstraße nach Lyvern
führte über Weideland, das früher urbar gewesen war, aber jetzt dem
Vieh überlassen wurde, weil dieses dem Eigentümer mehr Geld einbrachte
als die Pächter, denen er es weggenommen hatte. Miß Wilsons junge Damen
hatten auch Unterricht in der Volkswirtschaft. Sie wußten, daß jeder
Gegenstand zu dem Zweck benutzt wurde, der am notwendigsten war, und
wenn hier der ganze Ertrag nur dem Eigentümer zufiel, so war das ganz
natürlich, weil er der vornehmste Gentleman in der Gegend war. Zwar
hatte dieser Zustand auch seine unangenehme Seite. Es gab da eine Menge
Rinder, so daß sie Angst hatten, die Felder zu überschreiten, es gab
eine Menge Vagabonden, so daß sie sich fürchteten, über die Landstraße
zu gehen, und es waren viel zu wenig Gentlemen da, die Verständnis für
den Zauber weiblicher Reize hatten.
Der Himmel war bewölkt. Agatha, die nichts auf schmutzige Schuhe
gab, watete durch die Haufen gefallener Blätter mit dem Entzücken
eines Kindes, das im Wasser herumpatscht. Gertrude setzte ihre
Füße sorgfältig hin, und die andern gingen leise plaudernd des
Weges, höchstens, daß sie hier und da einmal in lauterem Tone
eine wissenschaftliche oder philosophische Bemerkung machten,
damit Miß Wilson sie hörte und auch eine Freude hatte. Außer einem
Viehtreiber, der etwas von dem Wesen und Ausdruck der Rinder, die er
leitete, angenommen zu haben schien, trafen sie keinen Menschen, bis
sie sich dem Dorfe näherten. Hier aber tauchten hinter einer Anhöhe
zwei Personen männlichen Geschlechts in der Gestalt zweier Geistlichen
auf. Einer war groß und mager, hatte ein glatt rasiertes Gesicht, ein
Buch unter dem Arm und einen lang herausgereckten Hals. Der andere
war von mittlerer Größe, kräftigem Körper und grader Haltung. Er sah
unternehmungslustig aus mit seinem schwarzen Backenbart, und auf seinem
Gesicht lag ein energischer Protest gegen alle solche Ansichten, als
ob ein Geistlicher nicht heiraten, jagen, Kricketspielen oder sonst an
einem anständigen, weltlichen Sport teilnehmen dürfte. Der Geschorene
war Mr. Josephs und sein Begleiter Mr. Fairholme. Agatha hatte eine
böse biblische Veränderung dieser beiden Namen erfunden.
»Da kommen Pharao und Joseph,« sagte sie zu Jane. »Joseph wird erröten,
wenn du ihn ansiehst. Pharao errötet erst, wenn er an Gertrude
vorbeikommt, obgleich wir das heute nicht sehen können.«
»Wahrhaftig, Josephs!« sagte Jane verächtlich.
»Er liebt dich, Jane. Magere Männer wollen dicke Frauen haben. Pharao,
der ein Bauer ist, liebt blaues Blut, weil Gegensätze sich anziehen.
Deshalb fesselt ihn Gertrudes aristokratische Miene.«
»Wenn er nur wüßte, wie sehr sie ihn verachtet!«
»Er ist zu eitel, um das zu vermuten. Übrigens verachtet Gertrude jeden
Menschen, auch uns beide. Oder vielmehr, sie verachtet niemand im
besondern, sie ist nur hochmütig von Natur wie du dick bist.«
»Pah! Ich will lieber dick als eingebildet sein. Sollen wir uns
verneigen?«
»Ich tu es sicher. Ich will doch Pharao erröten machen.«
Die zwei Geistlichen taten so, als betrachteten sie mit Interesse den
wolkigen Himmel, und blickten erst auf die Mädchen, als sie dicht bei
ihnen waren. Jane warf Josephs mit solcher Verschlagenheit einen Blick
zu, daß an ihrer Lieblingsversicherung, sie sei nicht so dumm, wie die
Leute meinten, doch etwas Wahres sein mußte. Er errötete und zog seinen
niedrigen, weichen Filzhut. Fairholme grüßte sehr feierlich, denn
Agatha verneigte sich vor ihm in ausgeprägter Würde. Aber als seine
Ernsthaftigkeit und sein vornehmer Zylinderhut sich in ihrem höchsten
Glanze zeigten, warf sie ihm schnell ein spöttisches Lächeln zu, und
auch er errötete, und zwar um so tiefer, weil er über sein Erröten
wütend wurde.
»Hast du schon einmal zwei solche Narren gesehen?« flüsterte Jane
kichernd.
»Sie sind einmal Männer. Sie sagen immer, Frauen seien Narren, und sie
haben recht. Aber so schlimm wie die Männer sind wir Gott sei Dank doch
noch nicht! Ich möchte mich nach Pharao umsehen, wie er an Gertrude
vorbeigeht. Aber, wenn er das bemerkt, denkt er, ich bewundere ihn. Er
ist so schon eingebildet genug.«
Die beiden Geistlichen erröteten immer mehr, als sie an der Prozession
junger Mädchen vorbeischritten. Miß Lindsay blickte nach der andern
Seite der Straße, und Miß Wilsons Nicken und Lächeln waren nicht ganz
aufrichtig. Sie sprach nie mit den Geistlichen und unterhielt auch mit
dem Vikar nicht mehr Verkehr, als unbedingt notwendig war. Er hatte sie
im Verdacht, eine Ungläubige zu sein, obgleich weder er, noch sonst ein
Sterblicher in Lyvern je ein Wort über ihre religiösen Ansichten von
ihr gehört hatte. Aber er wußte, daß eine weltliche >Moralwissenschaft<
in der Anstalt gelehrt wurde, und hatte das Gefühl, wenn erst die Moral
zu einer Sache der Wissenschaft gemacht würde, daß dann das Interesse
für Religion entsprechend sinken werde.
»Welch ein Leben ist das, und welch eine Gegend!« rief Agatha aus. »Wir
treffen zwei Kreaturen, die mehr wandelnden schwarzen Kostümen als
Menschen gleichen, und das ist ein Ereignis -- ein aufregendes Ereignis
in unserm Leben!«
»Ich denke, sie sind schrecklich komisch,« sagte Jane, »schon, daß
Josephs solche großen Ohren hat.«
Sie kamen jetzt an eine Stelle, wo der Weg durch eine Anpflanzung von
dunklen Maulbeerbäumen und Roßkastanien ging. Als sie hineinschritten,
erhob sich ein Wind, die welken Blätter wurden vom Boden aufgewirbelt,
und durch die Zweige strich eine lange, rauschende Bewegung.
»Diesen Teil vom Wege hasse ich,« sagte Jane und eilte weiter. »Grade
an solchen Stellen werden Leute ausgeplündert und ermordet.«
»Es ist gar kein schlechter Platz, um uns vor dem Regen zu schützen,
denn der kommt sicher, bevor wir zurück sind,« sagte Agatha, die bei
den Windstößen, die ihr ins Gesicht jagten, Angst bekam. »Ich werde
schön eingeweicht werden, besonders mit diesen leichten Schuhen. Ich
wollte, ich hätte meine schweren Stiefel angezogen. Wenn es arg regnet,
lauf ich in die alte Hütte.«
»Miß Wilson wird es nicht gestatten, es ist verboten.«
»Was schadet das? Es wohnt doch niemand darin, und das Tor ist aus den
Angeln. Ich will mich nur unter die Veranda stellen -- in das elende
Haus dringe ich gar nicht ein. Übrigens kennt der Eigentümer Miß
Wilson, und er macht sich nichts daraus. Da fällt ein Tropfen.«
Miß Carpenter blickte auf und bekam sofort einen schweren Regentropfen
in ihr Auge.
»Oh!« schrie sie. »Es gießt! Wir werden durch und durch naß.«
Agatha blieb stehen, und der Zug sammelte sich um sie in einer Gruppe.
»Miß Wilson,« sagte sie, »es wird in Strömen regnen, und Jane und ich
haben nur unsere Schuhe an.«
Miß Wilson schwieg, um die Lage zu überlegen. Ein Mädchen meinte,
wenn sie liefen, könnten sie noch Lyvern erreichen, bevor der Regen
einsetzte.
»Über zwanzig Minuten,« sagte Agatha verächtlich, »und es regnet doch
schon!«
Ein anderes Mädchen riet, nach Hause zurückzukehren.
»Das sind dreiviertel Stunden,« sagte Agatha. »Wir würden inzwischen
ertränkt werden.«
»Es bleibt uns nichts übrig, als hier unter den Bäumen zu warten,«
sagte Miß Wilson.
»Die Zweige sind ganz kahl,« sagte Gertrude ängstlich. »Wenn es richtig
regnet, tropfen sie schlimmer als der Regen selbst.«
»Viel schlimmer,« sagte Agatha. »Ich denke, wir gehen am besten unter
die Veranda vor dem alten Landhaus. Es ist nur eine halbe Minute von
hier.«
»Aber wir haben kein Recht --« Jetzt wurde der Himmel bedrohlich
dunkel. Miß Wilson unterbrach sich selbst: »Ich denke, es wird noch
unbewohnt sein.«
»Natürlich,« antwortete Agatha voller Ungeduld, fort zu kommen. »Es ist
ja eine halbe Ruine.«
»Dann laßt uns in Gottes Namen hingehen,« sagte Miß Wilson, die nicht
auf die Gefahr hin, naß zu werden, an ihren Bedenken festhalten wollte.
Sie eilten weiter und kamen gleich darauf an eine grüne Anhöhe neben
dem Wege. Auf ihrer Höhe stand ein zerfallenes Schweizerhaus, umgeben
von einer Veranda, die auf schlanken Holzsäulen ruhte. Ein paar
Ranken von verwelkten Schlinggewächsen hingen daran, und die äußersten
Spitzen, die noch bebten von den Stößen des Windes, wurden jetzt still,
als lauschten sie auf das Kommen des Regens. Ein Tor von rohem Holz,
das sich in der Hecke befand, führte von der Landstraße in das Haus.
Zu ihrem Erstaunen fand Agatha, daß das Tor nicht mehr aus den Angeln
war, wie das letztemal, als es nur noch durch eine rostige Kette und
ein Schloß an dem Pfosten befestigt war; man hatte es jetzt wieder
eingehängt und mit neuen Haken befestigt. Aber das Wetter erlaubte
keine langen Betrachtungen über diese Ausbesserungen. Sie öffnete
das Tor und eilte den Hügel hinauf, gefolgt von dem Trupp der andern
Mädchen. Ihr Hinaufsteigen endete in einem Rennen, denn der Regen kam
plötzlich in Strömen herunter.
Als sie sicher unter der Veranda waren, die einen keuchend und murrend,
die andern lachend und froh, weil sie einen solchen Zufluchtsort
gefunden hatten, bemerkte Miß Wilson etwas beunruhigt einen Spaten,
der neu war wie die Haken am Tor und aufrecht in einem Stück frisch
umgegrabener Erde steckte. Sie wollte grade etwas über dieses
Anzeichen, daß hier Leute wohnten, sagen, als die Türe der Hütte
aufgestoßen wurde und Jane einen lauten Schrei ausstieß. Ein Mann
trat heraus und ging auf den Spaten los, den er offenbar nicht im
Regen stehen lassen wollte. Dann bemerkte er die Gesellschaft unter
der Veranda und stand vor Erstaunen still. Er war ein junger Arbeiter
mit rötlichbraunem Bart, der kaum eine Woche gewachsen war. Er trug
Manchesterhosen und eine Manchesterweste mit Leinenärmel, alles
neu wie der Spaten und die Haken. Ein grobes, blaues Hemd mit einem
gewöhnlichen, rot und orangefarbenen Halstuch, die ebenfalls neu
waren, vervollständigten seine Kleidung. Und um sich vor dem Regen
zu schützen, hatte er einen seidenen Schirm mit silberbeschlagenem
Ebenholzgriff aufgespannt, zu dem er kaum auf ehrliche Weise gekommen
sein konnte. Miß Wilson war es wie einem Knaben zumute, den man im
Obstgarten erwischt hat, aber sie nahm trotzdem eine kühne Miene an und
sagte:
»Gestatten Sie uns, daß wir hier untertreten, bis der Regen vorbei ist?«
»Selbstverständlich, Eure Gnaden,« antwortete er, indem er respektvoll
mit dem Handgriff seines Spatens sein Haar zurückstrich, das bis zu
den Augenbrauen heruntergekämmt war. »Eure Gnaden machen mich stolz,
daß Sie vor der Unbarmherzigkeit der Stürme in meiner armseligen Hütte
Zuflucht nehmen.« Seine Worte waren seltsam, seine Aussprache war
barbarisch, und wie ein schlechter Schauspieler schien er grade daran
Gefallen zu finden. Während er sprach, trat er ebenfalls unter die
Veranda und lehnte den Spaten gegen die Wand, indem er den Lehm von
seinen schweren, genagelten Schuhen trat, die ebenfalls neu waren.
»Ich kam heraus, geehrte Dame,« fuhr er sehr mit sich selbst zufrieden
fort, »um meinen Spaten zu holen, durch den ich mir ja meinen Unterhalt
gewinne. Was die Feder für den Dichter, das ist der Spaten für den
Arbeiter.« Er nahm das Halstuch von seinem Nacken, wischte sich die
Schläfen, als ob der Schweiß ehrlicher Arbeit daran klebte, und legte
es sich ruhig wieder um.
»Entschuldigen Sie eine Bemerkung von einem gewöhnlichen Mann,« sagte
er, »Eure Gnaden haben da eine nette Familie von Töchtern.«
»Es sind nicht meine Töchter,« sagte Miß Wilson sehr kurz.
»Vielleicht Schwestern?«
»Nein.«
»Ich dachte -- vielleicht -- weil ich selbst ne Schwester hab. Nicht
als ob ich auch in Gedanken sie damit vergleiche -- sie ist nur ein
gewöhnliches Weib -- so gewöhnlich, wie Sie nie keine gesehen haben.
Aber die Weiber erheben sich selten über das Gewöhnliche. Letzten
Sonntag, da unten in der Dorfkirche, hörte ich den Pfarrer sagen, daß
er einen Mann unter Tausend gefunden hat. >Doch ein Weib unter all
diesen<, sagte er, >habe ich nicht gefunden,< und ich denke so bei mir:
>Recht hast du!< Aber der Henker holt mich, wenn er je Eure Gnaden
gesehen hat.«
Ein Lachen, das ganz fein wie ein Husten herauskam, entschlüpfte
Miß Carpenter.
»Die junge Lady hat sich erkältet,« sagte er mit respektvoller
Besorgtheit.
»Glauben Sie, daß der Regen noch lange andauert?« fragte Agatha in
höflichem Tone.
Der Mann betrachtete einige Augenblicke mit wetterkundigem Blick den
Himmel. Dann wandte er sich zu Agatha und antwortete demütig: »Nur
der Herr weiß es, Miß. Einem gewöhnlichen Mann, wie mir, ist es nicht
gegeben, das zu sagen.«
Ein Schweigen folgte jetzt, und Agatha, die verstohlen den Bewohner
der Hütte beobachtete, bemerkte, daß sein Gesicht und sein Hals
sauberer und weniger sonnenverbrannt waren, als man es sonst bei den
gewöhnlichen Arbeitern von Lyvern fand. Seine Hände steckten in weiten
Gartenhandschuhen, die mit Kohlenflecken beschmutzt waren. Gewöhnlich
machten sich Lyverner Arbeiter wenig daraus, ihre Hände zu beschmutzen;
sie trugen nie Handschuhe. Doch sie dachte, warum sollte nicht ein
überspannter Arbeiter, der unerträglich geschwätzig war und eine
Anspielung auf die Feder des Dichters machen konnte, sich mit billigen
Handschuhen vergnügen. Aber dann der seidene, silberbeschlagene Schirm
--
»Die junge Lady hier,« sagte er plötzlich und streckte den Schirm vor,
»sieht das Ding hier an. Ich weiß wohl, daß es nicht für den Geringsten
unter den Geringen paßt, den Schirm eines Gentleman zu tragen, und ich
bitte Eure Gnaden um Verzeihung. Ich hab ihn durch Zufall gekriegt, und
wäre froh, wenn ein Gentleman, der einen solchen Artikel braucht, mir
einen annehmbaren Preis machte.«
Während er das sagte, rannten zwei Gentlemen, die, nach ihren
triefenden Kleidern zu urteilen, sogar dringend einen solchen Artikel
brauchten, durch das Tor und kamen auf das Landhaus zu. Fairholme
langte zuerst an und rief: »Furchtbarer Schauer!« Dann wandte er
sich schnell von den Damen ab, stellte sich an den Rand der Veranda
und schüttelte den Regen von seinem Hute ab. Josephs, der hinter ihm
herkam, wandt sich schaudernd vor der feuchten Berührung mit seinen
eigenen Kleidern. Er machte Miß Wilson eine Verbeugung und sagte, sie
sei hoffentlich nicht naß geworden.
»Das schon nicht,« entgegnete sie. »Aber die Frage ist, wie wir von
hier wieder nach Hause kommen?«
»Oh, es ist nur ein Regenschauer,« sagte Josephs und schaute
hoffnungsfroh nach dem wolkenschweren Himmel. »Es wird sich gleich
aufklären.«
»Es paßt sich nicht für einen gewöhnlichen Mann, eine andere Meinung zu
haben als ein Gentleman, dessen Geschäft es ist, den Himmel zu kennen,
wie man wohl sagen kann,« bemerkte hier der Mann, »sonst möchte ich
meinen Schirm gegen Ihren Schlapphut verwetten, daß es vor sieben Uhr
nicht aufhört zu regnen.«
»Dieser Mann wohnt hier,« flüsterte Miß Wilson, »und ich glaube, er
will uns los werden.«
»Hm!« sagte Fairholme. Dann wandte er sich an den seltsamen Arbeiter
mit der Miene eines Mannes, der keinen Spaß versteht, und sagte mit
erhobener Stimme: »Sie wohnen hier, lieber Mann?«
»Ja, Herr, mit Ihrer gütigen Erlaubnis, wenn ich so kühn sein darf.«
»Wie heißen Sie?«
»Jeff Smilasch, Herr, empfehle mich.«
»Wo kommen Sie her?«
»Von Brixtonbury, Herr.«
»Von Brixtonbury! Wo liegt das?«
»Ja, Herr, das weiß ich selbst nicht genau. Wenn ein Gentleman wie Sie,
der Jographie und so was kennt, das nicht sagen kann, wie soll ich?«
»Sie sollten doch wissen, wo Sie geboren sind, Mann. Haben Sie keinen
gesunden Menschenverstand?«
»Wie soll so einer wie ich Menschenverstand haben, Herr? Übrigens, ich
war nur ein Findling. Vielleicht bin ich überhaupt nicht geboren.«
»Habe ich Sie letzten Sonntag in der Kirche gesehen?«
»Nein, Herr. Ich kam erst Mittwoch.«
»Schön, dann kommen Sie nächsten Sonntag hin,« sagte Fairholme kurz,
indem er sich von ihm abwandte.
Miß Wilson blickte auf die Wolken, dann auf Josephs, der sich mit Jane
unterhielt, und schließlich auf Smilasch, der sich mit den Knöcheln
gegen die Stirne schlug, ohne zu erwarten, daß man ihn anrede.
»Haben Sie einen Jungen, den Sie nach Lyvern schicken können, um uns
eine Fahrgelegenheit -- einen Wagen zu verschaffen? Ich will ihm einen
Schilling für seine Mühe geben.«
»Einen Schilling!« sagte Smilasch fröhlich. »Eure Gnaden sind eine
noble Dame. Zwei vierrädrige Wagen. Acht sollen Sie haben.«
»Es gibt nur einen Wagen in Lyvern,« sagte Miß Wilson. »Bringen Sie
diese Karte zu Mr. Marsch, dem Wagenverleiher, und erzählen Sie ihm, in
welcher Verlegenheit wir hier sind. Er wird das Gespann hersenden.«
Smilasch nahm die Karte und las sie mit einem flüchtigen Blick. Dann
ging er in das Haus, um gleich darauf in einem Ölrock und einen
Südwester auf dem Kopf wieder zu erscheinen. Er rannte durch den Regen
davon und schwang sich mit etwas komischer Eleganz über das Tor.
Kaum war er verschwunden, so wurde er, wie das öfter bei merkwürdigen
Menschen ist, der Gegenstand der Unterhaltung.
»Ein bescheidener Arbeiter,« sagte Josephs. »Und von guten Manieren in
Anbetracht seines Standes.«
»Und ein geborener Narr,« sagte Fairholme.
»Oder ein Spitzbube,« bemerkte Agatha, indem sie die Augen aufriß und
die Zähne zeigte, während ihre Mitschülerinnen ganz entsetzt über ihre
Kühnheit in starrer Bestürzung dastanden. »Er sagte Miß Wilson, er habe
eine Schwester, und er sei letzten Sonntag in der Kirche gewesen. Ihnen
aber hat er grade erzählt, er sei ein Findling und sei erst am Mittwoch
angekommen. Seine Aussprache ist nur angenommen, er kann lesen, und ich
glaube überhaupt nicht, daß er ein Arbeiter ist. Vielleicht ist er ein
Räuber und will das Silbergeschirr in der Anstalt stehlen.«
»Agatha,« sagte Miß Wilson ernst, »Sie sollten sich in acht nehmen, so
etwas zu sagen.«
»Aber es ist so verdächtig. Seine Erklärung über den Schirm gab er nur,
um mein Mißtrauen zu entkräftigen. An der Art, wie er ihn benutzte und
sich auf ihn stützte, sah man, daß er viel vertrauter damit war als mit
dem Spaten, um den er so besorgt tat. Und all seine Kleider sind neu.«
»Das ist wahr,« sagte Fairholme, »aber das hat nicht viel zu besagen.
Arbeiter sind heutzutage die reinen Gentlemen. Doch ich will ihn im
Auge behalten.«
»Oh, ich danke Ihnen sehr,« sagte Agatha.
Fairholme, der Verdacht schöpfte, daß sie sich über ihn lustig
mache, runzelte die Stirne, und Miß Wilson warf der Spötterin einen
strengen Blick zu. Es wurde jetzt wenig mehr gesprochen -- nur ein
paar Bemerkungen über die Dauer des Regens fielen, bis das Dach einer
Droschke, eine alte Trauerkutsche, und drei triefende Hüte über der
Hecke sichtbar wurden. Smilasch saß auf dem Bock neben dem Kutscher.
Als der Wagen hielt, sprang er herab, ging ohne ein Wort zu sprechen
wieder in das Haus und erschien mit dem Regenschirm. Er spannte ihn
über Miß Wilsons Haupt auf und sagte:
»Nun, Eure Gnaden, wenn Sie mitkommen wollen, ich werde Sie trocken in
den Wagen bringen, und Ihre geehrten Nichten werde ich eine nach der
andern abliefern.«
»Ich komme zuletzt,« sagte Miß Wilson, verwirrt durch seine Annahme,
die Gesellschaft sei eine Familie. »Gertrude, du gehst am besten vor.«
»Gestatten Sie mir,« sagte Fairholme, indem er vortrat und den Schirm
zu nehmen versuchte.
»Danke sehr, ich will Sie nicht bemühen,« sagte sie sehr kühl und
trippelte mit Smilasch, der mit großer Besorgtheit den Schirm über ihr
hielt, durch das schlammige Feld. Auf dieselbe Art geleitete er auch
die andern zu dem Fahrzeug, in das sie sich mit einiger Schwierigkeit
zurechtsetzten. Agatha, die als vorletzte kam, gab ihm drei Pence.
»Sie haben ein nobles Herz und einen mutigen Blick, Miß,« sagte er und
schien sehr bewegt. »Gott segne Sie!«
Er holte dann Jane, die auf dem schlüpfrigen Gras ausglitt und
hinfiel. Er brauchte seine ganze Kraft, um ihr wieder aufzuhelfen.
»Ich hoffe, Sie sind nicht so naß geworden von dem Regen, Miß,« sagte
er. »Sie sind ein feines Mädel für Ihr Alter. Hundertzwanzig bis
hundertfünfzig Pfund schwer, glaube ich.«
Sie errötete und eilte nach der Droschke, in der Agatha saß. Aber sie
war voll, und Jane mußte sehr gegen ihren Willen in die Kutsche, wo sie
beträchtlich den Platz verminderte, der für Miß Wilson freigelassen war.
Smilasch kehrte inzwischen zu dieser zurück. »Nun, teure Lady,« sagte
er, »nehmen Sie sich in acht, daß Sie nicht fallen. Kommen Sie mit.«
Miß Wilson, die die Einladung nicht beachtete, nahm einen Schilling aus
ihrer Börse.
»Nein, Lady,« sagte Smilasch mit tugendhafter Miene. »Ich bin ein
ehrlicher Mann und habe noch nie mit dem Gefängnis Bekanntschaft
gemacht, außer viermal, wovon aber nur zweimal für Stehlen waren. Ihre
jüngste Tochter -- die mit dem mutigen Blick -- hat mich mehr als
anständig bezahlt.«
»Ich habe Ihnen schon einmal gesagt, daß diese jungen Damen nicht meine
Töchter sind,« sagte Miß Wilson scharf. »Warum hören Sie nicht auf das,
was ich Ihnen sage?«
»Seien Sie nicht so streng gegen einen gewöhnlichen Mann, Lady,« sagte
Smilasch unterwürfig. »Die junge Dame hat mir grade drei halbe Kronen
gegeben.«
»Drei halbe Kronen!« rief Miß Wilson aus, sehr zornig über solch eine
Verschwendung.
»Gott segne ihre Unschuld, sie weiß nicht, was man so einem Menschen
wie mir geben muß? Aber ich will die junge Lady nicht bestehlen. Eine
halbe Krone ist anständig genug bezahlt für den Gang, und eine halbe
Krone will ich behalten, wenn es eure vornehme Gnaden gestatten. Aber
die andern fünf Schillinge will ich Ihnen für sie anvertrauen. Haben
Sie auch schon einmal ihr mutiges Wesen bemerkt?«
»Unsinn, mein Herr. Behalten Sie lieber das Geld, das Sie bekommen
haben.«
»Was! Für fünf Schilling soll ich die hohe Meinung, die Eure Gnaden von
mir haben, aufs Spiel setzen! Nein, teure Lady, das können Sie nicht
von mir erwarten. Die letzten Worte meines seligen Vaters waren --«
»Sie erzählten doch vorhin, Sie wären ein Findling,« sagte Fairholme.
»Was soll man nun glauben, he!«
»Das war ich auch, Herr, aber nur von Mutters Seite. Eure Gnaden wollen
bitte das Geld zurücknehmen, denn ich behalte es nicht. Ich gehöre mal
zur niederen Klasse und bin daher kein Mann von Wort. Aber wenn ich
schon einmal daran festhalte, halte ich auch wie Pech daran fest.«
»Nehmen Sie es,« sagte Fairholme zu Miß Wilson. »Nehmen Sie es ruhig.
Es war lächerlich, ihm für das, was er getan hatte, sieben und einen
halben Schilling zu geben. Es würde ihn nur zum Trinken verleiten.«
»Seine Ehrwürden sagen die Wahrheit, Lady. Die eine halbe Krone hält
mich vollständig betrunken bis Sonntag morgen, und mehr will ich gar
nicht.«
»Zähmen Sie ein bißchen Ihre Zunge, mein Mann,« sagte Fairholme, indem
er ihm die beiden Silberstücke abnahm und sie Miß Wilson gab. Diese bot
den Geistlichen guten Abend und ging unter dem Schirm zur Kutsche.
»Wenn Eure Gnaden einen gewandten Mann brauchen, um eine
außergewöhnliche Arbeit zu besorgen, dann werden Sie hoffentlich an
mich denken,« sagte Smilasch, als sie den Hügel hinabgingen.
»Oh, Sie wissen, wer ich bin?« fragte Miß Wilson trocken.
»Die ganze Gegend weiß es, Miß, und verehrt Sie. Als Schmied kommt mir
keiner gleich, und wenn Sie eine geschlagene Medaille brauchen, um sie
für gutes Betragen oder dergleichen zu vergeben, ich glaube, ich würde
Sie schon zufriedenstellen. Und wenn Eure Gnaden geschmuggelte Spitzen
brauchen --«
»Nehmen Sie sich lieber etwas in acht, damit Sie nicht in
Ungelegenheiten kommen,« sagte Miß Wilson streng. »Sagen Sie dem
Kutscher, er sollte abfahren.«
Die Wagen setzten sich in Bewegung, und Smilasch nahm sich die
Freiheit, seinen Hut hinter ihnen her zu schwenken. Dann kehrte er zu
dem Landhaus zurück, brachte den Schirm hinein und schloß die Türe,
als er wieder herausgekommen war. Er steckte den Schlüssel in die
Tasche und schritt durch den Regen über den Hügel davon, ohne von den
erstaunten Geistlichen auch die mindeste Notiz zu nehmen.
Inzwischen konnte sich Miß Wilson nicht enthalten, ihrem Unwillen über
Agathas Verschwendung Luft zu machen, und sie erzählte es den Mädchen
in der Kutsche. Aber Jane erklärte, daß Agatha überhaupt nur drei Pence
besäße, und daß sie daher unmöglich dem Mann dreißigmal soviel hätte
geben können. Als sie zu Hause waren und Agatha von Miß Wilson befragt
wurde, öffnete sie erstaunt die Augen und erklärte lachend: »Ich hab
ihm nur drei Pence gegeben. Er hat mir vier Schilling und neun Pence
als Geschenk geschickt!«
Viertes Kapitel.
Der Samstag, der schon an und für sich ein halber Feiertag ist,
war in der Anstalt zu Alton ein vollständiger. Des Morgens gab es
nur Unterricht im Turnen, Tanzen, Zeichnen und im Vortrag, und der
Nachmittag wurde mit Tennisspielen verbracht. Hierzu waren dann Damen
aus der Nachbarschaft eingeladen, die ihre Ehegatten, Brüder oder Väter
mitbringen durften, denn Miß Wilson wollte ihre Zöglinge nicht mit der
komischen Unbeholfenheit von Schulmädchen, die an keine Gesellschaft
gewöhnt sind, in die Welt schicken.
Ende Oktober kam aber ein Samstag, der sich für Miß Wilson durchaus
nicht als ein Feiertag erwies. Um halb zwei, als der Lunch vorbei war,
ging sie hinaus auf den Rasenplatz, der zwischen der Südseite des
Gebäudes und einer Anpflanzung von Buschwerk lag. Hier fand sie eine
Gruppe Mädchen, die Agatha und Jane zusahen, wie sie eine Rasenwalze
hinter sich herschleiften. Eine von ihnen schleuderte mit einem Racket
einen Ball empor und warf ihn zufällig in das Gebüsch hinein, aus dem
dann zum Erstaunen der Gesellschaft Smilasch auftauchte. Er hatte den
Ball in der Hand, kniff ein Auge zu und sagte, obgleich er nur ein
gewöhnlicher Mann sei, hätte er doch Gefühle wie jeder andere, und sein
Auge sei schließlich weder aus Stein noch aus Holz. Er war wie früher
gekleidet, aber sein Anzug, der mit Lehm und Kalk beschmutzt war, sah
jetzt nicht mehr neu aus.
»Bitte, was wollen Sie hier?« fragte Miß Wilson.
»Ich glaubte wahrhaftig, Sie hätten nach mir geschickt, Lady«
antwortete er. »Der Bäckerjunge sagte es mir, als er heute morgen meine
niedrige Hütte betrat. Hätte nie gedacht, daß er mich belügen könnte.«
»Es ist ganz richtig, ich habe nach Ihnen geschickt! Warum sind Sie
aber nicht an die andere Seite gegangen, zum Eingang für Dienstboten?«
»Ich suche ihn ja, Lady. Eben sah ich mich danach um, als mich hier
der Ball traf« -- er berührte sein Auge. »Von solch einem Hieb vergeht
einem Hören und Sehen, und ein anständiger Kerl sieht aus wie ein
Räuber.«
»Agatha,« sagte Miß Wilson, »kommen Sie einmal her.«
»Ihr Diener, Miß,« sagte Smilasch und zog an seiner Stirnlocke.
»Das ist der Mann, der mir die fünf Schilling gab. Er sagte, er hätte
sie von Ihnen bekommen. Ist das so?«
»Gewiß nicht. Ich hab ihm nur drei Pence gegeben.«
»Aber ich zeigte doch Eure Gnaden das Geld,« sagte Smilasch, indem er
unruhig an seinem Hut drehte. »Ich gab es Ihnen. Wie soll ich an fünf
Schilling kommen, wenn nicht durch die Güte der Reichen und Vornehmen?
Wenn die junge Lady glaubt, ich hätte die andere halbe Krone auch
nicht behalten dürfen, so hab ich nichts dagegen, daß sie mir vom Lohn
abgehalten wird, wenn ich hier Arbeit finde. Aber --«
»Aber das ist ja Unsinn,« sagte Agatha. »Ich hab Ihnen nie drei Kronen
gegeben.«
»Vielleicht haben Sie sich geirrt. Pence sind bald so groß wie halbe
Kronen, und das Wetter war sehr dunkel.«
»Das war unmöglich,« sagte Agatha. »Jane hatte die ganze Woche über
mein Portemonnaie, Miß Wilson, und sie kann Ihnen bestätigen, daß nur
drei Pence darin waren. Sie wissen, daß ich immer am Ersten mein Geld
bekomme, und es reicht nie länger als eine Woche. Der Gedanke, ich
könnte am Sechzehnten noch sieben und einen halben Schilling besitzen,
ist lächerlich.«
»Aber erlauben Sie, Miß, ist es nicht noch mal so lächerlich, daß ich
armer Arbeiter Geld weggeben sollte, das ich nie bekam?«
Eine unbestimmte Unruhe ergriff Agatha, als ob sie ihren eigenen Sinnen
nicht mehr trauen dürfte.
»Alles, was ich weiß,« sagte sie protestierend, »ist, daß ich es Ihnen
nicht gegeben habe. Dann müssen sich also meine Pennystücke in Ihrer
Tasche in halbe Kronen verwandelt haben.«
»Meinswegen,« sagte Smilasch ernsthaft. »Ich habe gehört und weiß es
für gewiß, daß sich den reichen Leuten das Geld in der Tasche von
selbst vermehrt. Warum nicht auch in den Taschen der Armen? Warum soll
man erstaunen über etwas, das alle Tage vorkommt?«
»Hatten sie damals eigenes Geld bei sich?«
»Woher soll so einer wie ich eigenes Geld bekommen haben? --
entschuldigen Eure Gnaden, daß ich so dreist bin, so zu fragen.«
»Ich weiß nicht, woher Sie es bekommen haben,« sagte Miß Wilson
verdrießlich. »Ich frage Sie nur, hatten Sie Geld?«
»Ja, Lady, ich weiß es nicht mehr. Ich will Sie nicht täuschen, aber
ich kann mich nicht erinnern.«
»Dann haben Sie sich geirrt,« sagte Miß Wilson, indem sie ihm sein
Geld zurückgab. »Hier, wenn es nicht Ihr Geld ist, unseres ist es auch
nicht. Darum ist es besser, Sie behalten es.«
»Es behalten! Oh, Lady, aber das ist der Gipfel der Großmut! Und was
soll ich tun, Lady, um Ihre Wohltätigkeit zu verdienen?«
»Es ist nicht meine Wohltätigkeit. Ich gebe es Ihnen, weil es mir nicht
gehört, und weil ich glaube, daß es Ihnen gehört. Sie scheinen ein sehr
einfältiger Mann zu sein.«
»Ich danke Eure Gnaden, hoffentlich bin ich das. Und jetzt, um von der
Tagesarbeit zu sprechen, haben Sie keine Beschäftigung für einen armen
Mann?«
»Nein, danke sehr. Ich habe keine Verwendung für Ihre Dienste. Ich
schulde Ihnen noch den Schilling, den ich Ihnen für das Herbeischaffen
der Wagen versprach. Hier ist er.«
»Noch einen Schilling!« schrie Smilasch überwältigt.
»Ja,« sagte Miß Wilson, die anfing sich zu ärgern. »Ich will, bitte,
nichts mehr darüber hören. Verstehen Sie denn nicht, daß Sie ihn
verdient haben?«
»Ich bin ein gewöhnlicher Mann und verstehe sozusagen gar nichts,«
entgegnete er ehrerbietig. »Aber wenn Sie mir einen Tag Arbeit geben,
damit ich mir etwas helfen kann, dann heb ich all dies Geld in einer
kleinen hölzernen Sparbüchse auf, die ich zu Haus habe und bewahre es
dann für später, wenn einmal Krankheit und Alter, wie man so sagt,
ihre Hände auf mich legen. Ich könnte wunderschön den Rasen glätten.
Die jungen Damen machen sich kaputt mit der schweren Walze. Wenn
Tennis gespielt wird, ich stelle die Netze so stramm auf, daß sich
Paradiesvögel darin fangen. Wenn der Flur geweißt werden soll, ich kann
eine so grade Linie ziehen, daß Sie sich kaum enthalten werden, ein
gleichseitiges Dreieck darauf zu zeichnen. Ich bin ein ehrlicher Mann,
wenn man gut auf mich acht gibt, ich kann eine Tafel aufwarten so gut
wie der Kellermeister des Lordmayors von London.«
»Ich kann Sie nicht ohne Zeugnisse beschäftigen,« sagte Miß Wilson, die
sich über den Brocken aus Euklid amüsierte und sich wunderte, wo er ihn
wohl aufgeschnappt haben mochte.
»Ich habe die besten Zeugnisse, Lady. Der hochwürdige Pfarrer kennt
mich von meiner Knabenzeit her.«
»Ich habe gestern mit ihm über Sie gesprochen,« sagte Miß Wilson und
sah ihn streng an. »Er sagte, Sie seien ihm vollständig unbekannt.«
»Die Gentlemen sind so vergeßlich,« sagte Smilasch betrübt. »Aber ich
spielte auf meinen einheimischen Pfarrer an -- den Pfarrer in meinem
Heimatdorf Auburn. >Süßes Auburn, lieblichstes Dörfchen im Tale<, wie
der Gentleman es nannte.«
»Das ist nicht der Name, den Sie Mr. Fairholme gegenüber erwähnten. Ich
weiß nicht mehr, was Sie ihm sagten, aber es war nicht Auburn, und ich
habe auch nie von einem solchen Ort gehört.«
»Nie was über das süße Auburn gelesen?«
»Weder in einem Geographiebuch noch in einem Lexikon. Erinnern Sie
sich, daß Sie mir erzählten, Sie hätten im Gefängnis gesessen?«
»Nur sechsmal,« verteidigte sich Smilasch, während seine Gesichtszüge
krampfhaft zuckten. »Urteilen Sie nicht zu streng über einen
gewöhnlichen Mann. Nur sechsmal, und jedesmal wegen Trunkenheit. Aber
ich habe es abgeschworen und es seit achtzehn Monaten treu gehalten.«
Miß Wilson war sich jetzt darüber klar, daß sie es mit einem nicht
recht gescheiten, aber witzigen Landburschen zu tun hatte, einem jener
eingebildeten Originale, die sich, ohne es zu wollen, beliebt machen,
weil sie dem gesunden Verstand derjenigen schmeicheln, die ihnen
überlegen sind.
»Sie haben ein schlechtes Gedächtnis, Mr. Smilasch,« sagte sie
gutgelaunt. »Sie erzählen jedesmal etwas anders über sich.«
»Ich weiß, ich kann mich nicht mit Exaktiertheit ausdrücken. Ladies und
Gentlemen haben die Gewalt der Worte. Sie können immer sagen, was sie
meinen, aber ein gewöhnlicher Mann kann das nicht. Die Worte kommen
ihm nicht von selbst. Er hat mehr Gedanken als Worte, und seine Worte
passen nicht zu seinen Gedanken. Soll ich mal den Rasen umwälzen und
mich bis heute abend für neun Pence nützlich machen?«
Miß Wilson, die heute nicht nur ihre gewohnten Samstagsbesucher
erwartete, überlegte sich den Vorschlag und stimmte zu. »Aber merken
Sie sich das,« sagte sie. »Sie sind hier fremd in der Gegend, und Ihr
Ruf in Lyvern hängt davon ab, wie Sie sich bei dieser Gelegenheit
aufführen.«
»Ich bin Eure Gnaden sehr dankbar. Meine Tasche, in der ich meine
Zeugnisse aufbewahre, hat ein Loch, und darum verliere ich sie immer.
Möge die Güte Eurer Gnaden das Loch zunähen. Es ist ein schlechter
Platz, dort seine Zeugnisse aufzuheben, aber es ist einmal so der
Brauch. Und darum ein Hurra dem glorreichen neunzehnten Jahrhundert!«
Er zog seinen Rock aus, ergriff die Walze und begann sie mit
einer Energie hinter sich herzuziehen, die der abgemessenen eines
Berufsarbeiters fremd ist. Miß Wilson sah ihn mißtrauisch an, aber sie
war in Eile und ging ins Haus hinein, ohne eine weitere Bemerkung zu
machen. Agatha beschloß, sich ihn noch einmal genauer anzusehen. Mit
einem Racket in der Hand, ging sie langsam über das Gras und kam bis
dicht an ihn heran, als er, ohne sie zu bemerken, einen Seufzer der
Erschöpfung ausstieß und sich zum Ausruhen hinsetzte.
»Schon müde, Mr. Smilasch?« fragte sie spöttisch.
Er schaute kaltblütig auf, zog eine seiner Waschlederhandschuhe ab
und wedelte sich damit Kühlung zu, indem er eine feine und weiße Hand
zeigte. Schließlich antwortete er in dem Tone und in der Aussprache
eines Gentleman:
»Außerordentlich.«
Agatha fuhr zurück. Er fächelte sich ohne die geringste Unruhe.
»Sie -- Sie sind kein Arbeiter,« sagte sie endlich.
»Offenbar nicht.«
»Ich dachte es mir.«
Er nickte ihr zu.
»Angenommen, ich erzählte das weiter,« sagte sie und bekam mehr Mut, da
sie sich erinnerte, daß sie nicht mit ihm allein war.
»Wenn Sie das tun, werde ich mich schon herausreden, wie ich mich aus
den drei halben Kronen herausgeredet habe, und Miß Wilson wird zu der
Ansicht kommen, Sie seien nicht ganz bei Sinnen.«
»Dann habe ich Ihnen also wirklich keine sieben und einen halben
Schilling gegeben?« fragte sie erleichtert.
»Was glauben Sie?« entgegnete er, indem er drei Pence aus seiner Tasche
nahm und sie in der Faust klingen ließ. »Wie heißen Sie?«
»Das brauchen Sie nicht zu wissen,« antwortete Agatha voll Würde.
Er zuckte mit den Schultern. »Vielleicht haben Sie recht,« sagte er.
»Ich würde Ihnen auch nicht meinen Namen nennen, wenn Sie mich danach
fragten.«
»Ich habe nicht die mindeste Absicht, Sie danach zu fragen.«
»Nicht? Dann werden Sie also mit Smilasch auskommen und ich mit Agatha.«
»Es wäre besser für Sie, wenn Sie sich etwas in acht nähmen.«
»Wovor?«
»Vor dem, was Sie sagen, und -- haben Sie keine Furcht, daß man Sie
ausfindig macht?«
»Ich bin doch schon entdeckt -- von Ihnen. Und ich befinde mich dabei
ganz wohl.«
»Angenommen, die Polizei macht Sie ausfindig?«
»Die nicht! Übrigens brauche ich mich auch vor der Polizei nicht zu
fürchten. Ich habe das Recht, Manchester zu tragen, wenn ich ihn feinem
Stoff vorziehe. Und nun denken Sie an die Vorteile, die ich jetzt
genieße! Ich bin dadurch hier in die Anstalt hineingekommen und genieße
das Vergnügen Ihrer Bekanntschaft. Entschuldigen Sie, wenn ich die
Walze weiterziehe, nur um den Schein zu wahren. Ich kann beim Walzen
sprechen.«
»Das können Sie, wenn Sie Selbstgespräche lieben,« sagte sie und wandte
sich fort, als er sich erhob.
»Im Ernst, Agatha, Sie dürfen den andern nichts über mich erzählen.«
»Nennen Sie mich nicht Agatha,« sagte sie heftig.
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