gutwillig ja.« »Oh, ich habe Sie -nie- verlockt,« schrie Agatha. »Ich tat es nicht. Das ist nicht wahr.« Er antwortete nichts, sondern bot ihr die Hand dar. »Nein, gehen Sie fort. Ich will nicht.« Er blieb unbewegt und sie fühlte plötzlich, wie die Kraft ihres Widerstandes verschwand. Voller Schrecken sagte sie hastig: »Es hat durchaus keinen Zweck, mich zu quälen. Ich werde Ihnen heute keine Antwort geben.« »Versprechen Sie mir bei Ihrer Ehre, daß Sie morgen ja sagen werden, und ich will Sie bis dahin in Frieden lassen.« »Ich will nicht.« »Der Kuckuck hole Ihr Geschlecht,« sagte er klagend. »Sie kennen jetzt meinen Entschluß, und ich muß hier stehen und mit Ihnen kokettieren, weil Sie selbst Ihren eigenen nicht kennen. Wenn ich auf meine Bequemlichkeit Wert legte, würde ich Junggeselle bleiben.« »Ich rate Ihnen, das zu tun,« sagte sie, und stahl sich rückwärts nach der Türe hin. »Sie sind ein sehr interessanter Witwer. Eine Frau würde Ihnen diesen Vorzug nehmen. Und dann bedenken Sie die Unannehmlichkeiten des Haushalts.« »Ich liebe Unannehmlichkeiten. Sie machen stark -- aha!« Sie hatte nach dem Türknopf gegriffen, und er legte schnell seine Hand auf die ihrige und hielt sie zurück. »Noch nicht, wenn ich bitten darf. Können Sie denn nicht wie eine Frau reden -- wie ein Mann, meine ich? Sie mögen Max einen Knochen vorenthalten, bis er sich auf den Hinterfüßen aufrichtet und schön macht, aber mich sollten Sie nicht wie einen Hund behandeln. Sagen Sie offen ja, und lassen Sie mich nicht länger bitten.« »Warum in aller Welt, wollen Sie mich denn heiraten?« »Weil ich so veranlagt bin, einen Haushalt auf den Schultern zu tragen, und weil ich es tun will. Ich will das tun, was für mich das Beste ist, und ich werde nie wieder eine so gute Wahl haben. Und dann kann ich auch gar nicht anders, ich weiß nicht warum. Das ist die volle Wahrheit in der Sache. Sie wollen doch eines Tages jemand heiraten.« Sie schüttelte ihren Kopf. »Gewiß werden Sie das tun. Warum wollen Sie mich nicht heiraten?« Agatha biß auf ihre Unterlippe, blickte kläglich über den Rasen und sagte nach einer langen Pause widerstrebend: »Nun gut. Aber bedenken Sie, daß Sie sehr töricht handeln, und wenn Sie nachher enttäuscht sind, müssen Sie -mir- keine Vorwürfe machen.« »Ich übernehme die Verantwortung für mein Handeln,« sagte er und ließ ihre Hand frei. Dann zog er sein Taschenbuch heraus und lehnte es gegen die Türe. »Sie brauchen sie für Ihr Handeln nicht zu übernehmen, und ich hoffe, daß Sie nicht das schlechtere Los von uns beiden ziehen. Wir haben heute den siebzehnten Juni. Welcher Tag vor dem vierundzwanzigsten Juli wird Ihnen passen?« »Sie meinen doch den vierundzwanzigsten Juli nächsten Jahres?« »Nein, ich meine dieses Jahr. Ich muß an diesem Tage, verheiratet oder nicht, ins Ausland gehen und einer Konferenz in Genf beiwohnen, und ich möchte Sie mitnehmen. Ich will Ihnen eine Menge Plätze und Dinge zeigen, die Sie nie vorher gesehen haben. Es ist Ihr Recht, den Tag zu bestimmen, aber Sie haben keine ernsthaften Besorgungen und ich habe sie.« »Aber Sie wissen ja gar nicht, was ich alles besorgen müßte. Sie warten besser, bis Sie vom Festlande zurück sind.« »Sie brauchen für gar nichts außer der Wohnung und Ihrer Aussteuer zu sorgen. Die Aussteuer, das ist alles Unsinn, und Jansenius kennt mich, wie schnell ich eine Wohnung einrichte. Ich war in sechs Wochen verheiratet.« »Ja,« sagte Agatha scharf, »aber ich bin nicht Henrietta.« »Nein, Gott sei Dank, nicht,« stimmte er ruhig zu. Agatha fühlte Gewissensbisse. »Es war häßlich von mir, das zu sagen,« bemerkte sie. »Und von Ihnen auch!« »Was wahr ist, soll man sagen, ob es häßlich ist oder nicht. Wollen Sie am vierundzwanzigsten mit nach Genf kommen?« »Aber -- Ich dachte wirklich nicht, als ich -- Ich wollte nicht sagen, ich würde -- Ich --« »Ich weiß es. Sie wollen mitkommen, wenn wir verheiratet sind.« »Ja. -Wenn- wir verheiratet sind.« »Wir werden verheiratet sein. Schreiben Sie nicht, weder an Ihre Mutter noch an Jansenius, bis ich Sie darum bitte.« »Ich habe gar nicht die Absicht. Ich wüßte nicht, was ich darüber schreiben sollte.« »Sie Schelm! Und seien Sie nicht eifersüchtig, wenn Sie mich dabei ertappen, wie ich Lady Brandon den Hof mache. Ich tue das immer, sie erwartet es von mir.« »Sie mögen den Hof machen, wem Sie wollen. Das geht mich nichts an.« »Hier kommt der Wagen mit Lady Brandon und Ger-- und Miß Lindsay. Ich darf sie jetzt nur noch Gertrude nennen, wenn Sie nicht dabei sind. Bevor die andern uns unterbrechen, darf ich Sie wohl noch einmal an drei Punkte erinnern, über die wir uns einig sind. Ich liebe Sie. Sie lieben mich nicht. Wir heiraten vor dem Vierundzwanzigsten nächsten Monats. Jetzt muß ich eilen und der gnädigen Frau beim Aussteigen behilflich sein.« Er lief zur Haustüre, vor der der Wagen grade gehalten hatte. Agatha war verwirrt und schämte sich, ihren Freundinnen gegenüberzutreten. Sie ging durch das Gewächshaus in ihr Zimmer und schloß sich ein. Trefusis ging mit Gertrude in die Bibliothek, während sich Lady Brandon noch im Hausflur aufhielt, um ihre Handschuhe auszuziehen und an die Hausmädchen einige Fragen zu stellen. Als sie dann folgte, fand sie die beiden nebeneinander am Fenster stehen. Gertrude hörte ihm mit dem geduldigen Ausdruck zu, den sie jetzt oft zeigte, wenn er sprach. Er lächelte, aber es fiel Jane doch auf, daß er etwas unruhig war. »Ich begann grade,« sagte er, »Miß Lindsay von dem außerordentlichen Ereignis zu erzählen, das in Ihrer Abwesenheit vorgekommen ist.« »Ich weiß schon,« rief Jane mit plötzlicher Überzeugtheit aus. »Die Heizvorrichtung im Gewächshaus ist gesprungen.« »Möglich,« sagte der Trefusis. »Aber wenn es der Fall ist, ich habe nichts davon gehört.« »Wenn sie nicht gesprungen ist, wird sie noch springen,« sagte Jane verdrießlich. Dann zwang sie sich mit einiger Mühe, für Trefusis' Neuigkeiten Interesse zu zeigen, und fügte hinzu: »Nun, was hat sich ereignet?« »Ich plauderte vorhin mit Miß Wylie, und da fiel uns eine merkwürdige Idee ein. Wir besprachen sie eine Zeitlang, und das Ergebnis ist, wir werden uns vor Ende des nächsten Monats verheiraten.« Jane errötete und starrte ihn an, und er blickte scharf nach ihr zurück. Gertrude wechselte, obgleich sie unbeobachtet war, ihre ruhige, glückliche Miene keine Sekunde, aber eine grünlichweiße Farbe erschien auf ihrem Gesicht und machte nur langsam ihrem gewöhnlichen Teint Platz. »Wollen Sie sagen, Sie verheiraten sich mit -Agatha-?« fragte nach einer Pause Lady Brandon ungläubig. »Ja. Ich hatte diese Absicht noch nicht, als ich Sie das letztemal sah, sonst hätte ich es Ihnen gesagt.« »So was habe ich in meinem Leben noch nicht gehört! Sie haben sich also innerhalb fünf Minuten ineinander verliebt?« »Lieber Himmel, nein! Wir sind nicht ineinander verliebt. Glauben Sie, ich würde mich aus solch einem leichtfertigen Grunde verheiraten? Nein. Die Idee kam ganz plötzlich, und die Vorteile einer Heirat zwischen uns drängten sich mir gewaltsam auf. Ich war glücklich genug, sie zu meiner Ansicht zu bekehren.« »Gewiß, es wird ein starker Druck bei ihr nötig gewesen sein. Freilich!« sagte Jane und warf Gertrude, die ausdruckslos lächelte, einen Blick zu. »Wie Sie durchblicken lassen,« bemerkte Trefusis kühl, »mag ihr Widerstreben nur Verstellung gewesen sein. Sie war vielleicht nur zu glücklich, einen solchen reizenden Gatten zu bekommen. Aber in diesem Falle hat sie das sehr gut zu verbergen gewußt.« Gertrude nahm ihren Hut ab und verließ, ohne etwas zu sagen, das Zimmer. »Das ist meine Rache, weil Sie Brandon geheiratet haben,« sagte er dann und näherte sich Jane. »O ja,« entgegnete sie ironisch. »Ich glaube Ihnen das natürlich alles.« »Sie haben für seine Wahrheit denselben Beweis wie für all die törichten Dinge, die ich Ihnen gestehe. Hier!« Er zeigte auf einen Spiegel, der Janes Figur in voller Größe zurückwarf. »Ich sehe nichts, was daran zu bewundern ist,« sagte Jane und sah sich mit großem Wohlgefallen an. »Höchstens meine Größe, wenn Sie die bewundern.« »Es ist unmöglich, von einer guten Sache zuviel zu haben. Aber ich darf Sie jetzt nicht mehr ansehen. Wenn auch Agatha sagt, sie liebt mich nicht, so weiß ich doch nicht sicher, ob es ihr angenehm ist, wenn ich jemand anderm einen Liebesblick zuwerfe.« »Sie sagt, sie liebt Sie nicht! Glauben Sie ihr das nicht. Sie hat sich Mühe genug gegeben, Sie zu fangen.« »Sie schmeicheln mir. Sie selbst haben mich doch ohne Mühe gefangen, und doch würden Sie mich nicht haben wollen.« »Es gehört sich, daß ein Mädchen wartet, bis sie gefragt wird. Ich glaube, Sie haben an Gertrude schändlich gehandelt -- hoffentlich sind Sie nicht beleidigt, weil ich Ihnen das sage. Ich tadele Agatha am meisten. Sie ist ein schrecklich falsches Geschöpf.« »Wieso?« fragte Trefusis erstaunt. »Was hat Miß Lindsay damit zu tun?« »Das wissen Sie sehr gut.« »Ich versichere Ihnen, daß ich es nicht weiß. Wenn Sie von sich selbst sprächen, könnte ich es verstehen.« »Oh, Sie verstehen sich schlau herauszuwinden, wie alle Männer. Aber mich können Sie nicht täuschen. Sie hätten nicht tun sollen, als ob Sie Gertrude liebten, wenn Sie wirklich ein Band mit Agatha anknüpfen wollten. Und sie, die so tut, als wollte sie mit Sir Charles flirten -- als ob er sich auch nur so viel aus ihr machte!« Trefusis schien etwas verwirrt. »Ich hoffe, Miß Lindsay hat nicht solche -- aber das konnte sie ja auch nicht.« »So, konnte sie das nicht? Sie werden das ja bald sehen.« »Sie haben uns falsch beurteilt, Lady Brandon. Miß Lindsay weiß es besser. Und dann bedenken Sie, daß mein Antrag gar nicht vorher beschlossen war. Heute morgen hatte ich durchaus keine zärtlichen Gedanken an irgend jemand -- ausgenommen an eine, die ich jetzt nicht nennen kann.« »Oh, das sind alles Redensarten. Es hat -jetzt- keinen Zweck mehr.« »Ich will nichts mehr sagen. Ich muß zum Dorfe fahren, um an meinen Anwalt zu telegraphieren. Wenn ich Erskine treffe, will ich ihm die gute Nachricht mitteilen.« »Er wird entzückt sein. Er, wie wir alle, dachte, Sie wollten ihn bei Gertrude ausstechen.« Trefusis lächelte, schüttelte seinen Kopf und ging mit einem Blick bewundernder Huldigung für Janes Reize hinaus. Jane betrachtete sich im Spiegel, bis ein Dienstmädchen sie bat, zu Master Charles und Miß Fanny zu kommen. Sie eilte die Treppe hinauf in die Kinderstube, wo ihr Sohn und ihre Tochter sich um das Vorrecht balgten, das Baby zu quälen. Sie waren durch Janes Eintritt etwas erschreckt, aber durchaus nicht besänftigt. Sie schalt, schmeichelte, drohte, gab gute Worte, zitierte Dr. Watts, flehte das Kindermädchen an und beschimpfte es dann, fragte die Kinder, ob sie einander liebten, ob sie Mama liebten, und ob sie eine gehörige Tracht Prügel haben wollten. Schließlich geriet sie außer sich, weil sie nicht imstande war, Ordnung zu schaffen. Sie nahm das Baby, das ununterbrochen laut geschrien hatte, und sagte, es täte das mit Absicht, und sie wollte ihm einen wirklichen Grund zum Schreien geben. Sie gab ihm einen gehörigen Schlag und befahl den andern beiden, zu Bett zu gehen. Der Knabe war entsetzt über das Schicksal seines kleinen Bruders und machte den Vermittlungsvorschlag, er wollte brav sein, wenn Miß Wylie käme und mit ihm spielte, worauf ihm seine eifersüchtige Mutter eine Ohrfeige verabreichte, daß er heulend in seine Ecke flog. Dann verließ sie das Zimmer, nachdem sie in der Türe sich noch einmal umgewandt und erklärt hatte, wenn sie heute noch einen Laut hörte, dann könnte man von ihr das Schlimmste erwarten. Als sie erhitzt und ärgerlich in das Gesellschaftszimmer herabkam, fand sie Agatha dort allein. Sie blickte mit einem Ausdruck zum Fenster hinaus, als ob die Landschaft etwas besonders Unbefriedigendes böte. »Selbstsüchtige, kleine Bestien!« rief Jane und erregte mit ihren Röcken einen kleinen Wirbelwind, als sie hereinkam. »Charlie ist direkt ein kleiner Teufel. Er verbringt alle seine Zeit damit, nachzudenken, wie er mich quälen kann. Ach ja! Er ist genau wie sein Vater.« »Danke sehr, mein Schatz,« sagte Sir Charles vom Eingang her. Jane lachte. »Ich wußte, daß du da warst,« sagte sie. »Wo ist Gertrude?« »Sie ist ausgegangen,« sagte Sir Charles. »Unsinn! Sie ist soeben erst mit mir von der Ausfahrt zurückgekommen.« »Ich weiß nicht, was du mit dem Wort Unsinn willst,« sagte Sir Charles gereizt. »Ich sah sie, wie sie den Riverside Road entlang ging. Ich war auf der Dorfstraße, und sie sah mich nicht. Sie schien in Eile zu sein.« »Ich traf sie auf der Treppe und sprach sie an,« sagte Agatha. »Aber sie hörte mich nicht.« »Hoffentlich ist sie nicht fortgegangen, um sich im Fluß zu ertränken,« sagte Jane. Dann wandte sie sich zu ihrem Manne und fragte ihn: »Hast du schon die Neuigkeit gehört?« »Die einzige Neuigkeit, die ich gehört habe, ist aus dieser Zeitung,« sagte Sir Charles und zog ein Blatt heraus, das er auf den Tisch schleuderte. »Hier wird in einem Artikel gesagt, ich hätte mich einer höllischen sozialistischen Verbindung angeschlossen, und dann habe ich auch gehört, daß in der >Times< ein Aufsatz über die Ausbreitung des Sozialismus steht, in dem mein Name genannt ist. Das verdanke ich alles Trefusis, und ich glaube, er hat mir einen ganz schändlichen Streich gespielt. Das werde ich ihm auch sagen, sobald ich ihn treffe.« »Du solltest dir lieber in Agathas Gegenwart überlegen, was du über ihn sagst,« bemerkte Jane. »Oh, du brauchst nicht aufgeregt zu werden, Agatha. Ich weiß schon alles. Er hat es uns in der Bibliothek erzählt. Wir fuhren diesen Morgen aus -- Gertrude und ich -- und als wir zurückkamen, fanden wir Mr. Trefusis und Agatha am Eingang zum Gewächshaus in sehr vertrautem Gespräch. Sie hatten sich grade verlobt.« »Wirklich!« sagte Sir Charles verwirrt und mißvergnügt und versuchte zu lächeln. »Dann darf ich Ihnen also gratulieren, Miß Wylie?« »Sie brauchen das nicht,« sagte Agatha und bewahrte ihre Fassung, so gut sie es konnte, »Es war nur ein Scherz. Wenigstens kamen wir im Scherz dazu. Er hat kein Recht, zu sagen, wir seien verlobt.« »Unsinn! Dummes Zeug!« sagte Jane. »Das geht nicht, Agatha. Er ist fortgegangen, um an seinen Sachwalter zu telegraphieren. Es ist ihm vollständig Ernst.« »Ich bin ein großer Narr,« sagte Agatha. Sie setzte sich hin und rang ratlos die Hände. »Ich glaube, ich habe irgend etwas gesagt, aber ich habe mir wirklich nichts dabei gedacht. Er brachte mich zum Sprechen, bevor ich wußte, was ich sagte. Ich habe mir da eine schöne Suppe eingebrockt!« »Es freut mich, daß du endlich einmal übertölpelt worden bist,« sagte Jane mit schadenfrohem Lachen. »Du hast nie mit mir das geringste Mitleid gehabt, wenn ich im Augenblick nicht die richtigen Worte finden konnte.« Agatha ließ die Stichelei unbeachtet. Ihr Blick wanderte umher und blieb zuletzt flehend auf Sir Charles haften. »Was soll ich tun?« fragte sie ihn. »Nun, Miß Wylie,« antwortete er ernst, »wenn Sie keine Lust hatten, ihn zu heiraten, dann hätten Sie es ihm nicht versprechen sollen. Ich möchte mich nicht gleichgültig verhalten, und ich weiß, daß es sehr schwer ist, Trefusis los zu werden, wenn er auf etwas Absicht hat, aber noch --« »Laß sie in Ruhe,« unterbrach ihn Jane. »Sie will ihn ebenso ernsthaft haben, wie er sie haben will. Du würdest ja ganz unglücklich sein, wenn er davonliefe, trotz allem deinem interessanten Sprödetun.« »Es ist wirklich nicht so,« sagte Agatha ernst. »Ich wollte, ich hätte mir Zeit ausbedungen, um darüber nachzudenken. Jetzt hat er es wohl schon aller Welt erzählt.« »Dann können wir die Sache wohl als entschieden betrachten?« fragte Sir Charles. »Natürlich kannst du das,« antwortete Jane verächtlich. »Bitte, Jane, laß Miß Wylie für sich selber sprechen. Ich gestehe, ich weiß nicht, warum Sie noch im Zweifel sind -- wenn Sie ihm wirklich Ihre Zusage gegeben haben.« »Ich glaube, ich habe mich einverstanden erklärt,« sagte Agatha. »Mir ist es, als ob ich noch ein schlimmes Bedenken gehabt hätte, aber ich weiß nicht mehr, was es war. Ich wollte, ich hätte ihn nie gesehen.« Sir Charles war verwirrt. »Ich verstehe das Benehmen der Damen in solchen Dingen nicht,« sagte er. »Da es indessen nicht mehr zweifelhaft scheint, daß Sie und Trefusis verlobt sind, so werde ich ihm natürlich nichts sagen, was ihm seine Besuche hier unangenehm macht. Aber ich muß doch bemerken, daß er -- um mich gelinde auszudrücken -- mir gegenüber leichtfertig gehandelt hat. Ich unterzeichnete in seinem Hause ein Schriftstück unter dem ausdrücklichen Vorbehalt, daß es streng privat sei. Und jetzt hat er es in die ganze Welt ausposaunt und öffentlich meinen Namen nicht nur mit seinem zusammengebracht, sondern auch mit dem von Personen, von denen ich nur weiß, daß ich nichts mit ihnen zu tun haben möchte.« »Was macht es?« fragte Jane. »Niemand legt den geringsten Wert darauf.« »Ich lege Wert darauf,« sagte Sir Charles ärgerlich. »Kein vernünftiger Mensch kann mir vorwerfen, ich überschätzte meine eigene Bedeutung, wenn ich dagegen protestiere, daß mein Name öffentlich zur Unterstützung von Bestrebungen benutzt wird, die ich nicht billige.« »Vielleicht hatte Mr. Trefusis nichts damit zu tun,« sagte Agatha. »Die Zeitungen veröffentlichen doch, was sie wollen.« »So ist's recht!« fiel Jane boshaft ein. »Laß niemand etwas Böses über ihn sprechen.« »Ich spreche nichts Böses über ihn,« sagte Sir Charles, bevor Agatha erwidern konnte. »Es ist nur eine Vermutung, und ich würde sie gar nicht erwähnt haben, wenn ich die veränderten Beziehungen zwischen ihm und Miß Wylie gekannt hätte.« »Bitte, sprechen Sie nicht davon,« sagte Agatha. »Am liebsten würde ich mit dem nächsten Zug davonfahren.« Inzwischen kehrte Erskine von seinem Morgenausflug zurück und traf im Dorf Trefusis, an dem er mit einem Kopfnicken vorbeizukommen suchte. Aber Trefusis rief ihn an, zu halten, und er stieg widerstrebend ab. »Ich möchte nur sagen, daß ich mich verheirate,« sagte Trefusis. »Mit --?« Erskine konnte Gertrudes Namen nicht herausbringen. »Mit einer Ihrer Freundinnen auf Beeches. Raten Sie, mit welcher.« »Mit Miß Lindsay vermutlich.« »Wer zum Teufel hat Ihnen allen in den Kopf gesetzt, Miß Lindsay und ich seien besonders miteinander befreundet?« rief Trefusis aus. »Sie sind mir immer als der richtige Mann für Miß Lindsay erschienen. Ich werde mich mit Miß Wylie verheiraten.« »Wirklich!« rief Erskine mit einem Gefühl, als ob plötzlich nach einem strengen Frost Tauwetter eingetreten sei. »Natürlich. Und jetzt, Erskine, haben Sie den Vorteil, ein armer Mann zu sein. Lassen Sie das prächtige Mädchen nicht für Geld heiraten. Wenn Sie wie bisher weiter zögern, dann machen Sie sich selbst und sie auch unglücklich.« Er nickte ihm zu und ging weiter. Der andere stand da und starrte ihm nach. »Wenn er sie hintergangen hat, ist er ein Schuft,« sagte Erskine. »Es tut mir leid, daß ich ihm das nicht gesagt habe.« Er bestieg wieder sein Rad und fuhr langsam den Riverside Road hinunter. Er vermutete zuerst, Trefusis habe ihn getäuscht, aber dann kam er doch dazu, ihm zu glauben, und beschloß auf jeden Fall, seinem Rat in bezug auf Gertrude zu folgen. Die Unterhaltung, die er in der Allee belauscht hatte, machte ihn noch unsicher. Er konnte sie nicht übereinbringen mit Trefusis Geständnis, daß er keine Absichten auf Gertrude habe. Sein Rad trug ihn geräuschlos auf den Gummireifen zu der Stelle, an der der Schierling wuchs, und hier sah er Gertrude auf dem niedrigen Erdwall sitzen, der das Feld von dem Wege schied. Ihr Strohkorb, mit der Schere darin, lag neben ihr. Sie hatte ihre Finger gekreuzt und ließ ihre Hände auf den Knien ruhen. Ihr Gesichtsausdruck war ganz leer und verriet so wenig ernsthafte Bewegung, daß Erskine lachte, als er dicht neben ihr absprang. »Sind Sie müde?« fragte er. »Nein,« entgegnete sie ganz ohne Überraschung, und sie lächelte mechanisch, was eine ungewöhnliche Herablassung von ihrer Seite war. »In Träume versunken?« »Nein.« Sie setzte sich etwas zur Seite und bedeckte den Korb mit ihrem Kleid. Er fing an zu fürchten, daß etwas nicht in Ordnung sei. »Ist es möglich, daß Sie sich wieder unter diese vergifteten Pflanzen gewagt haben?« fragte er. »Sind Sie krank?« »Durchaus nicht,« antwortete sie und richtete sich etwas auf. »Ihre Besorgnis ist ganz weggeworfen. Ich fühle mich vollkommen wohl.« »Ich bitte Sie um Verzeihung,« sagte er gekränkt. »Ich dachte -- halten Sie es nicht für gefährlich, auf diesem feuchten Erdwall zu sitzen?« »Er ist nicht feucht. Er zerfällt vor Trockenheit in Staub.« Ein unnatürliches Lachen, mit dem sie schloß, verstärkte den Eindruck ihrer inneren Ruhelosigkeit. Er begann einen Satz und hielt wieder inne, und um Zeit zu gewinnen, stellte er sein Rad in den gegenüberliegenden Graben. Sie sah ihm ungeduldig zu, als sie seine Absicht, hier zu bleiben und zu sprechen erkannte. Sie war aber die erste, die etwas sagte, und sie tat es mit einer so stumpfen Gleichgültigkeit, daß er erschrak. »Haben Sie die Neuigkeit gehört?« »Welche Neuigkeit?« »Über Mr. Trefusis und Agatha. Sie sind verlobt.« »Trefusis erzählte es mir. Ich traf ihn im Dorfe. Ich war sehr erfreut, als ich es hörte.« »Natürlich.« »Aber ich hatte einen besonderen Grund, erfreut zu sein.« »Wirklich?« »Ich hatte eine verzweifelte Furcht, bevor er mir die Wahrheit erzählte, daß er andere Absichten hätte -- Absichten, die meinen teuersten Hoffnungen unheilvoll gewesen wären.« Gertrude runzelte die Stirne, und ihr Stirnrunzeln stachelte ihn auf, sie herauszufordern. Er verlor seine Selbstbeherrschung, die schon durch ihr seltsames Benehmen erschüttert war. »Sie wissen, daß ich Sie liebe, Miß Lindsay,« sagte er. »Es mag vielleicht keine vollkommene Liebe sein, aber, menschlich gesprochen, ist sie eine treue Liebe. Ich war ja ungefähr so weit, Ihnen das zu sagen, als wir an jenem Tage zusammen in dem Billardzimmer waren. Aber an demselben Abend tat ich etwas sehr Unehrenhaftes. Als Sie mit Trefusis in der Allee sprachen, stand ich dicht dabei und belauschte Sie.« »Dann haben Sie ihn gehört,« schrie Gertrude heftig. »Sie hörten, wie er schwur, es sei ihm ernst.« »Ja,« sagte Erskine zitternd. »Und ich dachte, er meinte, daß er Sie im Ernst liebte. Sie dürfen mich kaum deswegen tadeln. Ich war selbst verliebt, und die Liebe ist blind und eifersüchtig. Ich gab alle Hoffnung auf, bis er mir erzählte, daß er sich mit Miß Wylie verheiraten würde. Darf ich jetzt mit Ihnen sprechen, da ich weiß, daß ich mich geirrt habe, oder da Sie andern Sinnes geworden sind.« »Oder da -er- anderen Sinnes geworden ist,« sagte Gertrude höhnisch. Erskine, den eine neue Angst um sie befiel, zuckte zusammen. Ihr Stolz war ihm teuer, und er sah, daß ihre Enttäuschung sie gleichgültig dagegen machte. »Sagen Sie mir jetzt nichts, Miß Lindsay, damit Sie nicht --« »Was habe ich gesagt? Was soll ich sagen?« »Nichts, außer über meine eigenen Angelegenheiten. Ich liebe Sie von Herzen.« Sie machte eine ungeduldige Bewegung, als ob das eine sehr gleichgültige Sache sei. »Ich hoffe, Sie glauben mir das,« sagte er furchtsam. Gertrude machte eine Anstrengung, um ihre gewöhnliche Zurückhaltung als Dame wiederzugewinnen, aber ihre Energie ließ nach, bevor sie mehr als ihren Kopf erhoben hatte. Sie sank in ihre Teilnahmlosigkeit zurück und machte eine schwache Bewegung des Widerstrebens. »Es kann Ihnen doch nicht ganz gleichgültig sein, wenn Sie geliebt werden,« sagte er und wurde ungeduldiger und dringender. »Sie sind mein ganzes Glück. Ich biete Ihnen meine Dienste und meine Verehrung an. Ich bitte Sie um keine Belohnung.« Er sprach jetzt sehr schnell und fast unhörbar. »Sie mögen meine Liebe annehmen, ohne sie zu erwidern. Ich wünsche -- ich suche keinen Vorteil zu erlangen. Wenn Sie einen Freund brauchen, so können Sie sich auf mich viel vertrauensvoller verlassen, da Sie wissen, daß ich Sie liebe.« »Oh, Sie glauben das,« unterbrach ihn Gertrude. »Aber Sie werden darüber hinwegkommen. Ich bin nicht die Art von Frauen, in die sich die Männer verlieben. Sie werden bald Ihre Neigung ändern.« »Sie sind nicht die Art? Oh, wie wenig wissen Sie!« sagte er und wurde beredt. »Ich hatte übergenug Zeit, anderen Sinnes zu werden, aber ich bin darin so fest wie jemals. Wenn Sie Zweifel haben, dann warten Sie und stellen Sie mich auf die Probe. Aber behandeln Sie mich nicht rauh. Sie quälen mich mehr als Sie denken, wenn Sie heftig oder gleichgültig sind. Ich spreche im Ernst.« »Ha, ha! Das ist leicht gesagt.« »Nicht von meiner Seite. Ich wechsele in meinem Urteil über andere Leute je nach meiner Stimmung, aber ich glaube standhaft an Ihre Güte und Schönheit -- als ob Sie ein Engel wären. Mir ist meine Liebe zu Ihnen so ernst wie meine Liebe zu meinem eigenen Leben, das ich nur durch Ihre Hilfe und Ihren Einfluß vervollkommnen kann.« »Sie irren sich sehr, wenn Sie glauben, ich sei ein Engel.« »Es ist unrecht, daß Sie sich selbst mißtrauen. Aber ich denke an das, was ich Ihnen schuldig bin, nicht an das, was ich von Ihnen erwarte, wenn ich Sie einen Engel nenne. Ich weiß, daß Sie für sich selber kein Engel sind. Aber für mich sind Sie es sicher.« Sie saß da und verharrte in eigensinnigem Schweigen. »Ich will Sie jetzt nicht zu einer Antwort drängen. Ich bin zufrieden, daß Sie meine Gefühle jetzt kennen. Wollen wir zusammen zurückkehren?« Sie sah sich langsam um und blickte nach dem Schierling und von da über den Fluß. Dann nahm sie ihren Korb, erhob sich und wandte sich mit gezwungener Bewegung zum Gehen. »Wollen Sie noch etwas Schierling?« fragte er. »Ich will Ihnen gerne welchen pflücken.« »Ich wollte, Sie ließen mich allein,« sagte sie in plötzlichem Ärger. Dann fügte sie, etwas beschämt, hinzu: »Ich habe Kopfschmerzen.« »Es tut mir sehr leid,« sagte er bestürzt. »Ich habe nur nicht gerne, wenn man mit mir spricht. Es schmerzt meinen Kopf, wenn ich zuhöre.« Er nahm demütig sein Rad aus dem Graben und fuhr, ohne weiter ein Wort zu sagen, neben ihr her bis Beeches. Sie gingen durch das Gewächshaus in das Speisezimmer, wo sie voneinander schieden. Bevor sie ihn verließ, sagte sie etwas reuig: »Ich hatte nicht die Absicht, Ihnen weh zu tun, Mr. Erskine.« Er errötete, murmelte etwas und versuchte, ihre Hand zu küssen. Aber sie riß sie weg und ging schnell hinaus. Diese Zurückweisung kränkte ihn, und er stand da und quälte sich mit den Gedanken daran, bis ihn der Eintritt eines Dienstmädchens aufstörte. Er erfuhr von ihr, daß Sir Charles im Billardzimmer war. Er ging zu ihm und fragte ihn gleichgültig, ob er schon die Neuigkeit gehört habe. »Über Miß Wylie?« fragte Sir Charles. »Ja, ich dächte. Ich glaube, die ganze Gegend weiß es schon, obgleich sie noch keine drei Stunden verlobt sind. Haben Sie dieses hier gesehen?« Und er legte ein paar Zeitungen auf den Tisch. Erskine mußte sich ein paarmal zusammennehmen, bevor er lesen konnte. »Sie waren ein Narr, daß Sie dieses Schriftstück unterzeichnet haben,« sagte er. »Ich habe es Ihnen damals schon gesagt.« »Ich verließ mich darauf, daß der Bursche ein Gentleman sei,« sagte Sir Charles erregt. »Ich sehe nicht ein, daß ich ein Narr war. Ich sehe nur, daß er ein ungehobelter Patron ist, und wegen der Sache mit Miß Wylie möchte ich ihm meine Meinung sagen. Ich will Ihnen nur sagen, Chester, daß er mit Miß Lindsay ein falsches Spiel gespielt hat. Oben ist der Teufel los. Sie hat grade Jane erzählt, daß sie sofort nach Hause fahren muß. Miß Wylie erklärt, sie wolle nichts mit Trefusis zu tun haben, wenn Miß Lindsay ein früheres Anrecht an ihn habe, und Jane ist entrüstet, weil er alle Welt bewundert, nur sie nicht. Es geschieht mir recht. Mein Instinkt warnte mich von Anfang an vor diesem Kerl.« Grade jetzt wurde das Essen angekündigt. Gertrude kam nicht herunter. Agatha war schweigsam und verdrießlich. Jane versuchte von Erskine einen Bericht über sein Zusammentreffen mit Gertrude zu bekommen, aber er enttäuschte ihre Neugierde, indem er aus seiner Beschreibung alles ausließ, was über alltägliche Redensarten ging. »Ich finde ihr Benehmen sehr seltsam,« sagte Jane. »Sie besteht darauf, mit dem Vieruhrzug abzufahren. Ich betrachte das als eine Unhöflichkeit gegen mich, besonders da sie immer so viel auf ihr feines Benehmen gegeben hat. So etwas ist mir noch nicht vorgekommen!« Nach Tisch gingen sie zusammen in das Gesellschaftszimmer und waren kaum dort angelangt, als Trefusis gemeldet wurde. Er war auch schon im Zimmer, ehe sie die Bestürzung verbergen konnten, die sein Name auf ihren Gesichtern hervorrief. »Ich komme, um mich zu verabschieden,« sagte er. »Ich finde, daß ich mit dem Vieruhrzug zur Stadt fahren muß, um meine Angelegenheiten persönlich in Ordnung zu bringen. Die Telegramme, die ich erhalten habe, reden nur von Aufschub. Haben Sie die >Times< gelesen?« »Gewiß habe ich das,« sagte Sir Charles nachdrücklich. »Sie stehen auch schon in einigen anderen Zeitungen und werden im Laufe der nächsten vierzehn Tage noch in ein weiteres halbes Dutzend hineinkommen. Leute, die sich zu einer Ansicht bekannt haben, haben immer Ärger mit den Zeitungen, einige, weil sie nicht hineinkommen können, andere, weil man sie nicht draus läßt. Wenn Sie ein donnerndes revolutionäres Manifest erlassen hätten, keine Tageszeitung würde es wagen, darauf anzuspielen. Es gibt doch keine Feigheit, wie die Feigheit vor der Fleetstreet! Ich muß forteilen, Ich habe noch viel zu tun, bevor ich abreise, und es geht auf drei Uhr an. Adieu, Lady Brandon, und die andern.« Er schüttelte Jane die Hand, nickte den andern einzeln zu, wobei er zu Agathas Gunsten keine Ausnahme machte, und eilte hinaus. Sie starrten ihm einen Augenblick nach, und dann rannte Erskine hinaus und die Treppe hinunter, indem er immer zwei Stufen auf einmal nahm. Trotzdem mußte er bis zur Allee laufen, bis er seinen Mann einholte. »Trefusis,« sagte er atemlos, »Sie dürfen nicht mit dem Vieruhrzug fahren.« »Warum nicht?« »Miß Lindsay fährt mit demselben Zug zur Stadt.« »Um so besser, mein lieber Junge, um so besser. Sie sind doch jetzt nicht mehr eifersüchtig auf mich?« »Sehen Sie, Trefusis. Ich weiß nicht und frage auch nicht, was zwischen Ihnen und Miß Lindsay vor sich gegangen ist. Aber Ihre Verlobung hat sie ganz aus der Fassung gebracht, und sie flieht nur deswegen nach London. Wenn Sie hört, daß Sie mit demselben Zug fahren, wird sie bis morgen warten, und ich glaube, der Aufschub würde ihr sehr unangenehm sein. Wollen Sie ihr auch diese Pein noch zufügen?« Trefusis war augenscheinlich verwirrt und sah Erskine zweifelnd an, indem er einen Augenblick überlegte. »Ich glaube, Sie sind in dieser Sache auf einer falschen Fährte,« sagte er. »Meine Beziehungen zu Miß Lindsay hatten nichts mit Gefühlen zu tun. Haben Sie ihr etwas gesagt -- ich meine, in Ihrer eigenen Sache?« »Ich habe über beide Angelegenheiten mit ihr gesprochen und weiß aus ihrem eigenen Munde, daß ich recht habe.« Trefusis stieß einen leisen Pfiff aus. »Es ist nicht das erstemal, daß ich in dieser Sache einen klaren Einblick gewann,« sagte Erskine bezeichnend. »Bitte, behandeln Sie die Sache ernsthaft, Trefusis. Verzeihen Sie mir, wenn ich Ihnen offen sage, daß nur Ihr gänzlicher Mangel an Gefühl sie wegen der Art, wie Sie gegen sie gehandelt haben, entschuldigt.« Trefusis lächelte. »Verzeihen Sie mir dafür meine Neugierde,« sagte er. »Was antwortete sie Ihnen auf Ihren Antrag?« Erskine zauderte und zeigte durch sein Benehmen, daß Trefusis nach seiner Ansicht kein Recht zu dieser Frage hatte. »Sie sagte gar nichts,« antwortete er. »Hm!« sagte Trefusis. »Gut, was den Zug angeht, so können Sie sich auf mich verlassen. Hier ist meine Hand darauf.« »Ich danke Ihnen,« sagte Erskine mit Wärme. Sie schüttelten sich die Hände und schieden voneinander. Trefusis ging mit einem Grinsen davon, das alles andere als Vertrauen erweckte. Siebzehntes Kapitel. Gertrude, die nichts davon wußte, in welchem Grade sie schon ihre Enttäuschung verraten hatte, glaubte, daß ihre Besorgnis für die Gesundheit ihres Vaters, die sie als Grund zu ihrer plötzlichen Abreise angab, ihre Freunde täuschen könnte. Es war ihr völlig unmöglich, mit Agatha zu sprechen oder ihre Anwesenheit zu ertragen. Eine heftige Wut erfaßte sie, wenn sie an die Art von Mitleid dachte, die man gewöhnlich verlassenen Mädchen widmet. Das Schlimmste aber war ihre Furcht, mit Trefusis zusammenzutreffen. Sie hatte ihn seit einiger Zeit für einen rechtschaffenen und vollkommenen Mann gehalten, der sich aufs stärkste für sie interessierte. Aber obgleich ihre Erziehung eine verhältnismäßig freie gewesen war, dachte sie doch nicht entfernt an die Möglichkeit, daß sich ein Mann für eine Frau interessieren könnte, ohne sie heiraten zu wollen. Er hatte es in seinen ernsthafteren Stimmungen versucht, ihr eine Empfindung dafür beizubringen, wie gewöhnlich ihre gesellschaftliche Oberflächlichkeit war. Aber er schmeichelte ihr dabei nur durch seine unverhehlte und auch wirklich ernst gemeinte Überzeugung, daß sie eines höheren Lebens fähig sei. Und dazu kam seine unverbesserliche Galanterie, der sein Humor und seine Zärtlichkeit gegen Frauen, die er leiden konnte, Reiz und Abwechslung gaben. Alles das konnte in einem Augenblick an die Stelle seiner Ernsthaftigkeit treten, und Gertrude hatte ein viel zu gleichmäßiges Wesen, um ihm darin zu folgen. Sie glaubte, er rede noch immer im vollen Ernst, wenn er längst in blühender Romantik schwärmte, und wurde dadurch gefährlich getäuscht. Er empfand gar keine Bedenken bei seinem Liebesspiel, weil er sich nicht für einen Mann hielt, der den Frauen so leicht Liebe einflößte. Andererseits wußte Gertrude nicht, daß ihre Schönheit jeder Stunde, die man mit ihr verbrachte, einen Reiz gab, dem wenige Männer von Phantasie und Gefühl widerstehen konnten. Sie, die seit ihrem Austritt aus der Schule immer auf dem Heiratsmarkt gelebt hatte, betrachtete das Liebeln als das ernsthafteste Geschäft von der Welt. Für ihn war es nur eine angenehme Spielerei, deren Reiz durch ein leises Bedauern, daß gar so wenig dahintersteckte, nur gehoben wurde. Von allen Umständen bei ihrer Abreise war ihr der Kuß, den sie Agatha anbieten mußte, am unangenehmsten. Sie war auf der Schule schon auf sie eifersüchtig gewesen, trotzdem sie sich für die vornehmere von den beiden hielt. Aber dieser Vorzug konnte sie kaum über Agathas schnellere Auffassung trösten, über ihre Gewandtheit, ihren Mut, ihre Erfindungsgabe, ihre Fähigkeit, schwierige Gedankengänge zu finden oder ihnen zu folgen, und die daraus folgende Macht, andere zu verwirren. Ihre Eifersucht auf diese Eigenschaften war jetzt noch verstärkt worden, weil sie fühlte, daß Agatha darin viel mehr mit Trefusis verwandt war als sie selbst. Es machte ihr wenig aus, wie sie sich selbst im Vergleich mit Agatha vorkam. Aber es machte alles aus, daß sie Trefusis langsam, steif, kalt und gekünstelt vorkam, und daß sie ihn nicht davon überzeugen konnte, wie sie in Wirklichkeit war. Denn sie wollte die Richtigkeit des Eindrucks nicht zugeben, den sie durch ihr Benehmen machte, da sie ja meist das Gegenteil von dem tat, was sie tun wollte. Sie sah sich in ihrer Einbildung nicht so, wie sie war, sondern wie sie sein wollte. Was die einzige Eigenschaft anging, in der sie sich stets Agatha überlegen gefühlt hatte, die sie >gute Erziehung< nannte, so hatte grade darin Trefusis ihren Dünkel so sehr zerstört, daß sie jetzt anfing zu zweifeln, ob es nicht ihr Hauptmangel sei. Sie konnte kein Wort hervorbringen, als sie ihre Schulfreundin umarmte, und Agathas Zunge war ebenfalls gelähmt. Ein Gefühl von Reue und geheimer Zärtlichkeit erstickte ihre Worte, und ihr Schweigen würde peinlich gewesen sein, wenn nicht Jane für alle drei genug geredet hätte. Sir Charles saß draußen im Wagen und wartete, um Gertrude nach der Station zu fahren. Erskine hielt sie im Hausflur auf, als sie hinausgehen wollte. Er sagte ihr, er würde trostlos sein, wenn sie fort wäre, und bat sie, seiner zu gedenken. Seine kleine Bitte rührte sie wenig, und ihr fiel nur auf, daß sie das beredte Flehen, das in seinen dunklen Augen lag, schon einmal bei den Känguruhs im Zoologischen Garten gesehen hatte. Während sie auf der Station zum Zuge ging, brachte er die Pferde in Ordnung, um von der peinlichen Unterhaltung über die plötzliche Abreise seines Gastes entbunden zu sein. Er hatte ein paar Bemerkungen über die Ängstlichkeit der jungen Pferde gemacht und über das Wetter, bis sie das hübsche Stationsgebäude erreichten, das auf freiem Felde stand und von dem Bahnsteig aus einen Blick über den Fluß gewährte. Zwei Wagen waren da, zwei Gepäckträger, ein Bücherstand und ein Erfrischungsraum, hinter dessen Bar sich eine verblühte Schönheit abhärmte. Sir Charles hielt sich noch am Schalter auf, um für Gertrude, die schon auf den Bahnsteig gegangen war, ein Billett zu kaufen. Der erste Mensch, den Gertrude sah, war Trefusis, der dicht neben ihr stand. »Ich fahre mit diesem Zuge zur Stadt, Gertrude,« sagte er schnell. »Ich darf mich Ihnen wohl zur Verfügung stellen. Ich habe Ihnen etwas zu sagen, denn es ist da ein Mißverständnis zwischen uns entstanden, das ein Ende nehmen muß. Sie --« Grade jetzt kam Sir Charles heraus und stand erstaunt da, als er sie in der Unterhaltung sah. »Ich fahre zufällig mit diesem Zug,« sagte Trefusis. »Ich will für Miß Lindsay sorgen.« »Miß Lindsay hat ihr Mädchen bei sich,« sagte Sir Charles fast stotternd und blickte auf Gertrude, deren Gesichtsausdruck undurchdringlich war. »Wir können in den Pullmanwagen einsteigen,« sagte Trefusis. »Wir sind dort so ungestört wie in einer Ecke eines überfüllten Salons. Ich darf doch mit Ihnen reisen, nicht wahr?« sagte er, als er Sir Charles' verwirrten Blick sah, und wandte sich an sie um besondere Erlaubnis. Sie fühlte, wenn sie ihn abwies, dann stieß sie ihre letzte Aussicht auf Glück von sich. Indessen beschloß sie, es doch zu tun, und wenn sie vor Schmerz auf dem Wege nach London sterben sollte. Als sie ihren Kopf erhob, um es ihm um so ausdrucksvoller zu verbieten, begegnete sie seinem Blick, der ernst und erwartungsvoll war. Für einen Augenblick verlor sie ihre Fassung, und so sagte sie: »Ja, ich werde mich sehr freuen.« »Gut, wenn das der Fall ist,« sagte Sir Charles in einem Tone, als ob seine Sympathie durch ein unverzeihliches Verbrechen verwirkt worden sei, »dann hat es keinen Zweck, wenn ich hier warte. Ich lasse Sie in den Händen von Mr. Trefusis. Adieu, Miß Lindsay.« Gertrude fuhr zurück. Es wurde ihr schwer, von einem Mann, der sonst immer freundlich war, beim Abschied diese Unfreundlichkeit zu ertragen. Sie wollte ihm schon schweigend die Hand anbieten, als Trefusis sagte: »Warten Sie, bis wir abfahren. Wenn wir zufällig auf der Reise getötet werden -- was auf einer englischen Bahn leicht möglich ist -- werden Sie sich selbst später Vorwürfe machen, wenn Sie uns nicht im letzten Augenblick gesehen haben. Hier ist der Zug, Sie werden keine Minute verlieren. Sagen Sie Erskine, daß Sie mich hier gesehen haben, daß ich mein Versprechen nicht vergessen habe, und daß er sich auf mich verlassen kann. Gehen Sie hier hinein, Miß Lindsay.« »Mein Mädchen,« sagte Gertrude bedenklich, denn sie wollte nicht so kostspielig reisen. »Sie --« »Sie kommt mit uns, um auf mich acht zu geben. Ich habe für alle Billette,« sagte Trefusis und half ihnen hinein. »Aber --« »Bitte einsteigen,« sagte der Schaffner. »Fahren Sie mit, mein Herr?« »Adieu, Sir Charles. Grüßen Sie vielmals Lady Brandon und Agatha und die lieben Kinder. Und ich danke auch für die sehr angenehme --« Jetzt fuhr der Zug ab, und Sir Charles wurde weich. Er lächelte und schwenkte seinen Hut, bis er plötzlich Trefusis' Gesicht sah, auf dem ein so satanisches Lächeln lag, daß er ganz versteinert mitten in seinen Gestikulationen einhielt und mit seinem ausgestreckten Arm wie ein optischer Telegraph aussah. Die Rückfahrt beruhigte ihn wieder etwas, aber er war noch ganz voller Erstaunen, als er im Gesellschaftszimmer in Beeches Agatha, seine Frau und Erskine traf. Im Augenblick, als er hereintrat, sagte er ohne jede Einleitung: »Sie ist mit Trefusis davongefahren.« Erskine, der gelesen hatte, fuhr empor und packte sein Buch, als wollte er es nach jemand schleudern. Dann schrie er: »War er am Zug?« »Ja, und er ist mit nach der Stadt gefahren.« Erskine schleuderte das Buch heftig auf den Boden. »Dann ist er ein Schurke und ein Lügner,« sagte er. »Was ist los?« fragte Agatha, sich erhebend, während Jane ihn mit offenem Munde anstarrte. »Ich bitte Sie um Verzeihung, Miß Wylie, ich vergaß sie. Er verpfändete mir seine Ehre, daß er nicht mit diesem Zuge gehen wollte. Ich werde --« Er eilte aus dem Zimmer. Sir Charles lief hinter ihm her und holte ihn unten an der Treppe ein. »Wo gehen Sie hin? Was wollen Sie tun?« »Ich will dem Zug folgen und ihn an der nächsten Station abfangen. Ich kann das mit meinem Rad.« »Unsinn, Sie sind verrückt. Sie haben einen Vorsprung von fünfunddreißig Minuten, und der Zug macht fünfundvierzig Meilen in der Stunde.« Erskine setzte sich auf die Treppe und starrte ausdruckslos auf die gegenüberliegende Wand. »Sie müssen ihn mißverstanden haben,« sagte Sir Charles. »Ich sollte Ihnen mitteilen, daß er sein Versprechen nicht vergessen habe und daß Sie sich auf ihn verlassen könnten.« »Was ist denn geschehen?« fragte Agatha, die, von Lady Brandon gefolgt, herunterkam. »Miß Wylie,« sagte Erskine aufspringend, »er gab mir sein Wort, als ich ihm sagte, daß Miß Lindsay mit diesem Zuge führe, daß er nicht hingehen werde. Er hat sein Wort gebrochen und diese Gelegenheit benutzt, da ich töricht und leichtgläubig genug war, ihm davon zu erzählen. Wenn ich an Ihrer Stelle gewesen wäre, Brandon, ich hätte ihn eher erwürgt oder unter die Räder geworfen, ehe ich ihn hätte gehen lassen. Wie bei jeder Gelegenheit, hat er sich auch jetzt wieder als Schwindler und Verschwörer gezeigt, als ein Mann von Schleichwegen, Ränken, Kunstgriffen, verlogenen Spitzfindigkeiten, herzloser Selbstsucht, grausamem Zynismus --« Er hielt inne, um Atem zu schöpfen, und Sir Charles legte sich ins Mittel. »Sie regen sich wegen gar nichts auf, Chester. Sie sind mit ihrem Mädchen und vielen andern Leuten in einem Pullmanwagen, und sie gab ihm ausdrücklich Erlaubnis, mit ihr zu fahren. Er fragte sie offen in meiner Gegenwart, und ich muß gestehen, ich fand es eine starke Zumutung, daß sie zustimmen sollte. Jedenfalls stimmte sie zu, ich war natürlich nicht in der Lage, ihn zu hindern, nach London zu gehen, wenn es ihm Spaß machte. Also machen Sie keine Szene, alter Junge. Wir können es nicht ändern.« »Es tut mir sehr leid,« sagte Erskine und ließ den Kopf hängen. »Ich wollte keine Szene machen. Ich bitte Sie um Verzeihung.« Er ging auf sein Zimmer, ohne noch etwas zu sagen. Sir Charles folgte ihm und versuchte, ihn zu trösten. Aber Erskine erfaßte seine Hand und bat, ihn allein zu lassen. So kehrte denn Sir Charles in das Gesellschaftszimmer zurück, wo seine Frau endlich einmal vor Verlegenheit kaum zu bemerken wagte, daß sie so etwas noch nie in ihrem Leben gehört hätte. Agatha verhielt sich schweigend. Sie war schon vor langer Zeit ganz von selbst zu der Ansicht gekommen, daß sie und Trefusis die einzigen Mitglieder der Gesellschaft auf Beeches waren, die viel gesunden Verstand hatten. Deshalb glaubte sie auch nicht leicht, daß bei einem Mißverständnis Trefusis unrecht und Erskine recht hatte. Agatha besaß eine leichtfertige Art, die Leute, deren Gewohnheiten und Gedanken von den ihrigen abwichen, als Esel abzutun. Von allen Arten von Männern verkörperte ein unbedeutender Dichter am meisten ihre Vorstellung von einem menschlichen Esel, und Erskine, obgleich er wirklich ein hübscher Mensch und durchaus gut und anständig war, er war doch nach ihrer Meinung nur ein minderwertiger Dichter und daher ein ausgesprochener Esel. Trefusis dagegen war der letzte Mann in ihrer Bekanntschaft, den sie für einen wirklich hübschen Menschen oder einen sittsamen Gentleman gehalten hätte. Aber er war kein Esel, obgleich er hartnäckig an seinen sozialistischen Liebhabereien hing. Sie hatte ihn wirklich im Verdacht einer fast eselhaften Schwäche gegenüber Gertrude gehabt, aber in ihren Beziehungen zu Frauen waren nun einmal alle Männer Esel, und seit er seine Schwäche auf sie übertragen hatte, brauchte er keine Rechtfertigung mehr. Aber jetzt, da sie sich über Erskine, den sie bemitleidete, beruhigte, empfand sie die Reise Trefusis' mit Gertrude voll Unwillen als einen Eingriff in ihren soeben erlangten Alleinbesitz seiner Person. Gertrude hatte einen gewissen Schein von aristokratischem Stolz an sich, um den Agatha sie früher beneidet hatte, und sie fürchtete jetzt, Trefusis möchte ihn für ein Anzeichen von Gesinnungsadel und feiner Lebensart halten. Agatha glaubte nicht, daß ihr Unwille das gewöhnliche Gefühl war, das man Eifersucht nennt, denn sie hielt sich noch immer für eine Ausnahmenatur, aber es gab ihr doch eine Empfindung, gekränkt zu sein, was ihre Stimmung nicht verbesserte. Das Diner war langweilig. Lady Brandon sprach in einem leisen Tone, als ob im Nebenzimmer eine Leiche liege. Erskine litt unter dem Bewußtsein, daß er am Nachmittage seinen Kopf verloren und töricht gehandelt habe. Sir Charles kam auch nicht über die bange Ungewißheit fort, die sie alle wegen der Reise nach London empfanden. Er aß und trank und sagte nichts. Agatha, die sich über sich selbst und über Gertrude ärgerte und schwankte, ob sie sich auch über Trefusis ärgere oder ihm herzliches Vertrauen schenken sollte, folgte dem Beispiel ihres Wirtes. Nach dem Essen begleitete sie ihn bei einer Reihe Schubertliedern. Aber das machte die Stimmung nicht leichter, sondern noch schwerer. Sir Charles zog melancholische Lieder vor, da er grade den Schmerz am besten zum Ausdruck bringen konnte. Und da seine musikalischen Ansichten wie bei den meisten Engländern sich auf dem gründete, was er in seinen Kinderjahren in der Kirche gehört hatte, so war sein Vortrag unangenehm eintönig. Agatha benutzte die erste passende Gelegenheit, um sich vom Klavier zurückzuziehen. Sir Charles fühlte, daß sein Vortrag nicht gelungen war, und bemerkte, nachdem er ein- oder zweimal gehustet hatte, er hätte sich wohl auf der Rückfahrt von der Station erkältet. Erskine saß mit gesenktem Kopf auf dem Sofa und ließ die gefalteten Hände zwischen den Knien herabsinken. Agatha stand am Fenster und sah in die letzte Glut des Sommerabends. Jane gähnte und brach dann das Schweigen. »Du hast genau den Blick wie auf der Schule, ich könnte mir fast vorstellen, daß wir wieder auf Numero Sechs wären.« Agatha schüttelte ihren Kopf. »Seh ich jemals so aus wie jene -- wie ich damals war?« »Niemals,« sagte Agatha bestimmt, indem sie sich umwandte und die Gestalt betrachtete, von der Miß Carpenter nur eine unreife Vorstufe gewesen war. »Aber warum nicht?« fragte Jane murrend. »Ich sehe nicht ein, warum ich das nicht sollte. Ich habe mich doch nicht so verändert.« »Du bist eine außergewöhnlich schöne Frau geworden, Jane,« sagte Agatha ernst und wandte dann, ohne zu wissen warum, ihren forschenden Blick auf Sir Charles, der unruhig wurde und hinausging. Eine Minute später kehrte er zurück und hatte zwei gelbbraune Umschläge in der Hand. »Ein Telegramm für Sie, Miß Wylie, und eins für Chester.« Erskine fuhr, blaß vor unbestimmter Furcht, auf. Agathas Farbe verlor sich und kam in verstärktem Maße wieder, als sie las: Ich bin wohlbehalten angekommen und lächerlich glücklich. Lesen Sie tausend Dinge zwischen den Zeilen. Ich werde morgen schreiben. Gute Nacht. »Du kannst es lesen,« sagte Agatha und gab es Jane. »Sehr hübsch,« bemerkte diese. »Grade für einen Schilling Aufmerksamkeit -- genau zwanzig Worte! Er kann sich mit Recht einen Ökonom nennen.« Plötzlich begann Erskine ein krähendes Lachen, daß sie sich nach ihm umwandten und ihn anstarrten. »Welch ein Unsinn!« sagte er errötend. . « 1 2 » , - - , « . » . 3 . « , 4 . » , . . « 5 , . 6 : » , 7 . . « 8 9 » , , 10 . « 11 12 » . « 13 14 » , « . » 15 , , 16 . 17 , . « 18 19 » , , « , 20 . » . 21 . 22 . « 23 24 » . - - ! « 25 , 26 . » , . 27 - - , ? 28 , 29 , 30 . , . « 31 32 » , ? « 33 34 » , , 35 . , 36 , . 37 , . 38 . . « 39 . » . 40 ? « 41 42 , 43 : » . 44 , , 45 , - - . « 46 47 » , « 48 . 49 . » , 50 , 51 . . 52 ? « 53 54 » ? « 55 56 » , . , 57 , , 58 . 59 , . , 60 , 61 . « 62 63 » , . 64 , . « 65 66 » 67 . , , 68 , . 69 . « 70 71 » , « , » . « 72 73 » , , , « . 74 75 . » , , « 76 . » ! « 77 78 » , , . 79 ? « 80 81 » - - , - - , 82 - - - - « 83 84 » . , . « 85 86 » . - - . « 87 88 » . , 89 , . « 90 91 » . , 92 . « 93 94 » ! , 95 , . , 96 . « 97 98 » , . . « 99 100 » - - . 101 , . 102 , 103 , . . 104 . 105 . 106 . « 107 108 , . 109 , . 110 . 111 112 , 113 , 114 . , 115 . 116 , , . 117 , , . 118 119 » , « , » 120 , . « 121 122 » , « . » 123 . « 124 125 » , « . » , 126 . « 127 128 » , , « 129 . , ' 130 , : » , 131 ? 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