So sind Sie unnütz gekommen, sagte der Oberst und betrachtete mißtrauisch die volle Gestalt des Offiziers. Sie können aber doch den Dienst versehen? Gewiß kann ich das! Nun, ich freue mich sehr. So übernehmen Sie vom Fähnrich Sajzow die neunte Kompagnie -- Ihre frühere; sogleich werden Sie die Ordre erhalten. Zu Befehl! Wollen Sie die Güte haben, wenn Sie fortgehen, den Regimentsadjutanten zu mir zu schicken, schloß der Regimentskommandeur, und gab durch eine leichte Verbeugung zu verstehen, daß die Audienz beendet sei. Während Koselzow aus der Blindage herausging, brummte er etwas vor sich hin und zog die Schultern hoch, als bereite ihm etwas Schmerz, Unbehagen oder Ärger -- Ärger nicht über den Regimentskommandeur (der hatte ihm keinen Grund gegeben); er war mit sich selbst, mit allem, was um ihn her vorging, unzufrieden. XV Bevor Koselzow sich zu seinen Regimentskameraden begab, ging er, seine Kompagnie zu begrüßen und zu sehen, wo sie stand. Die aus Schanzkörben gebildeten Brustwehren, die Anlage der Laufgräben, die Kanonen, an denen er vorbeikam, sogar die Splitter der Bomben, über die er unterwegs stolperte, -- das alles, unaufhörlich durch das Feuer der Schüsse erhellt, war ihm bekannt; das alles hatte sich vor drei Monaten, im Verlauf der vierzehn Tage, die er ununterbrochen auf derselben Bastion zugebracht, seinem Gedächtnisse lebhaft eingeprägt. Obwohl viel Schreckliches in der Erinnerung lag, hatte sie doch auch den großen Zauber des Vergangenen, und er sah mit Vergnügen, als wären die hier zugebrachten vierzehn Tage angenehme gewesen, die bekannten Orte und Gegenstände wieder. Die Kompagnie lag an der Verteidigungswand, bei der sechsten Bastion. Koselzow ging in eine lange, vom Eingange her vollständig offene Blindage, in der, wie man ihm sagte, die neunte Kompagnie stand. In der ganzen Blindage war buchstäblich kein Fuß breit Platz: so voll war sie vom Eingang ab von Soldaten. Auf der einen Seite brannte ein kurzes Talglicht. Das Licht hielt, liegend, ein Soldat und beleuchtete ein Buch, das ein anderer buchstabierend las. Um das Licht waren in dem trüben Halbdunkel der Blindage erhobene Köpfe sichtbar, die gespannt dem Leser zuhörten. Das Buch war ein ABC-Buch. Als Koselzow in die Blindage eintrat, hörte er folgendes: »Ge--bet nach Be--en--di--gung des Un--terrichts. Ich dan--ke Dir Schöp--fer ...« Putzt doch das Licht! rief eine Stimme. Das Buch ist prächtig ... »Mein ... Gott ...« fuhr der Vorleser fort. Als Koselzow nach dem Feldwebel fragte, verstummte der Vorleser, die Soldaten gerieten in Bewegung, husteten, schnäuzten sich, wie stets nach einem anhaltenden Schweigen. Der Feldwebel erhob sich, seinen Mantel zuknöpfend, von seinem Platz in der Nähe des Vorlesers und kam, über die Füße und auf den Füßen derer, die nicht Zeit hatten, sie wegzuziehen, schreitend, an den Offizier heran. Guten Tag, Brüderchen! Ist das alles unsere Kompagnie? Wir wünschen Gesundheit! Wir gratulieren zur Ankunft, antwortete der Feldwebel, indem er heiter und freundlich Koselzow ansah. -- Hat sich Ihr Befinden gebessert? Nun Gott sei Dank. Wir haben uns sehr nach Ihnen gesehnt. Man sah gleich, daß Koselzow bei der Kompagnie beliebt war. Im Hintergrunde der Blindage ließen sich Stimmen hören: der frühere Kompagniekommandeur ist wieder da, der verwundet war, Koselzow, Michail Ssemjonytsch ist wieder da u. dgl.; einige gingen sogar auf ihn zu, der Trommler begrüßte ihn. Guten Tag, Obantschuck? sagte Koselzow. Unversehrt? ... Wünsch' euch Gesundheit, Kinder, rief er darauf mit erhobener Stimme. Wir wünschen Ihnen Gesundheit! tönte es tosend in der Blindage. Wie geht's euch, Kinder? Schlecht, Euer Wohlgeboren; der Franzose hat die Oberhand, -- er schießt so bös von den Schanzen her -- und damit basta, ins Feld wagt er sich nicht. Vielleicht giebt's Gott, zu meinem Glück, daß sie auch ins Feld kommen, Kinder! erwiderte Koselzow. Ich bin ja nicht das erstemal bei euch: wir werden sie wieder ausklopfen. An uns soll's nicht fehlen, Euer Wohlgeboren! antworteten einige Stimmen. Na, aber sie sind tapfer! sagte eine Stimme. Furchtbar tapfer! sagte der Trommler nicht laut, aber so, daß es hörbar war, zu einem anderen Soldaten gewandt, als wenn er vor diesem die Worte des Kompagnieführers rechtfertigen und ihn überzeugen wollte, daß in diesen Worten nichts Prahlerisches und Unwahrscheinliches liege. Von den Soldaten ging Koselzow in die Kaserne der Verteidigungstruppen zu den Offizieren, seinen Kameraden. XVI In dem großen Zimmer der Kaserne waren eine Menge Leute: Marine-, Artillerie- und Infanterieoffiziere. Die einen schliefen, andere unterhielten sich, auf dem Pulverkasten und der Lafette einer Festungskanone sitzend; die dritten bildeten im Alkoven eine große und laute Gruppe, sie saßen auf der Diele auf zwei ausbreiteten Filzmänteln, tranken Porter und spielten Karten. Ah, Koselzow, Koselzow ... Gut, daß du gekommen bist. Brav! ... Was macht die Wunde? ließ sich von verschiedenen Seiten hören. Auch hier konnte man sehen, daß man ihn gern hatte und sich über seine Ankunft freute. Koselzow schüttelte seinen Bekannten die Hand und gesellte sich zu der lauten Gruppe, die aus mehreren Offizieren bestand, die Karten spielten. Es waren auch Bekannte von ihm darunter. Ein hübscher, magerer, brünetter Mann mit einer langen, hageren Nase und einem starken Schnauzbart, der lang von den Wangen herabhing, hielt die Bank mit seinen weißen, hageren Fingern, auf einem der Finger trug er einen großen goldenen Siegelring mit einem Wappen. Er legte die Karten gerade vor sich hin, ohne Sorgfalt, er war offenbar erregt und wollte nur sorglos erscheinen. Neben ihm zur Rechten war, auf den Ellbogen gestützt, ein grauköpfiger Major hingestreckt, setzte mit erheuchelter Kaltblütigkeit immer einen halben Rubel und zahlte sofort aus. Zur linken Hand saß kauernd ein hübscher junger Offizier mit schweißigem Gesicht, lächelte gezwungen und scherzte. Wenn seine Karte dran war, bewegte er unaufhörlich die eine Hand in seiner leeren Hosentasche. Er spielte um hohen Einsatz, aber offenbar nicht mehr um Tausende, was den hübschen, brünetten Herrn wurmte. Ein kahlköpfiger Offizier mit riesiger Nase und großem Mund, ein hagerer und blasser Mann, ging im Zimmer auf und nieder, hielt einen großen Haufen Banknoten in der Hand, spielte immer mit barem Gelde -va banque- und gewann immer. Koselzow trank einen Schnaps und setzte sich zu den Spielern. Setzen Sie doch, Michail Ssemjonytsch! sagte der Bankhalter zu ihm. Geld, meine ich, müssen Sie die Menge mitgebracht haben. Wie soll ich zu Geld kommen? Im Gegenteil, ich habe das letzte in der Stadt gelassen. Wie? Sie haben doch gewiß jemanden in Ssimferopol aufsitzen lassen. Wahrhaftig, ich habe nicht viel, sagte Koselzow, aber er wünschte offenbar nicht, daß man ihm glaube, knöpfte den Rock auf und nahm die alten Karten zur Hand. Ein Versuch kann nicht schaden. Man muß das Schicksal versuchen! Jedes Tierchen hat sein Plaisierchen! ... Sie müssen nur eins trinken, sich Mut zu machen. Er trank ein zweites Gläschen Schnaps und etwas Porter, und hatte in kurzer Zeit seine letzten drei Rubel verspielt. Der kleine schweißige Offizier war mit hundertfünfzig Rubel in der Kreide. Nein, es will nicht glücken, sagte er und griff nachlässig nach einer neuen Karte. Wollen Sie einsetzen, sagte der Bankhalter zu ihm, hielt einen Augenblick inne und sah ihn an. Gestatten Sie mir, morgen zu setzen, antwortete der schweißige Offizier, erhob sich und bewegte noch lebhafter seine Hand in der leeren Tasche. Hm ... brummte der Bankhalter, warf sich ärgerlich nach rechts und nach links und führte die Taille zu Ende. -- Aber nein, so geht's nicht, sagte er und legte die Karten hin. Ich passe. So geht's nicht, Sachar Iwanytsch, fügte er hinzu. Wir haben auf bar gespielt und nicht auf Kreide. Wie, zweifeln Sie an mir? ... Merkwürdig, wahrhaftig! Von wem wünschen Sie Geld? brummte der Major, der etwa acht Rubel gewonnen hatte. Ich habe schon mehr als zwanzig Rubel gesetzt, und habe gewonnen, aber ich bekomme nichts. Woher soll ich denn zahlen, sagte der Bankhalter, wenn kein Geld auf dem Tische ist. Was kümmert das mich? schrie der Major und erhob sich, ich spiele mit Ihnen und nicht mit dem da. Der schweißige Offizier wurde plötzlich hitzig. Ich sage, ich bezahle morgen -- wie können Sie es wagen, mir Grobheiten zu sagen. Ich sage, was ich will! So handelt man nicht, wissen Sie's nun? schrie der Major. Lassen Sie gut sein, Fjodor Fjodorytsch, begannen alle und hielten den Major zurück. Aber senken wir schnell den Vorhang über dieses Schauspiel. Morgen, heute schon wird vielleicht jeder dieser Menschen heiter und stolz dem Tode entgegengehen und standhaft und ruhig sterben; aber der einzige Lebenstrost in diesen, auch die kühlste Einbildungskraft entsetzenden Verhältnissen des Mangels alles Menschlichen und der Aussichtslosigkeit einer Besserung, der einzige Trost ist Vergessen, Vernichtung des Bewußtseins. Auf dem Grunde der Seele eines jeden ruht der edle Funke, der einen Helden aus ihm macht; aber dieser Funke hört auf hell zu glimmen -- kommt die entscheidende Stunde, dann lodert er flammend auf und beleuchtet große Thaten. XVII Am folgenden Tage dauerte das Bombardement mit gleicher Stärke fort. Gegen elf Uhr morgens saß Wolodja Koselzow in dem Kreise der Batterieoffiziere; er hatte sich schon ein wenig an sie gewöhnt und betrachtete die neuen Gesichter, beobachtete, fragte und erzählte. Das bescheidene, in gewissem Sinne auf Gelehrsamkeit Anspruch machende Gespräch der Artillerieoffiziere flößte ihm Achtung ein und gefiel ihm. Das schamhafte, unschuldige und hübsche Äußere Wolodjas machte ihm die Offiziere geneigt. Der älteste Offizier in der Batterie, ein Kapitän, ein Mann von kleiner Gestalt und rötlichem Haar mit einem Schopf und glattgekämmten Schläfen, in den alten Überlieferungen der Artillerie aufgewachsen, ein Ritter der Damen und sozusagen ein Gelehrter, fragte Wolodja nach seinen Kenntnissen in der Artillerie und nach neuen Erfindungen, spöttelte liebenswürdig über sein hübsches Gesichtchen und ging mit ihm im allgemeinen wie ein Vater mit seinem Sohne um, was Wolodja sehr wohl that. Der Unterleutnant Djadjenko, ein junger Offizier, der mit kleinrussischem Accent sprach, in einem zerrissenen Mantel und mit zerzaustem Haar, sprach zwar sehr laut, suchte immer eine Gelegenheit, giftig zu sein und hatte eckige Bewegungen, gefiel aber trotzdem Wolodja, der unter dieser herben Außenseite natürlich einen sehr prächtigen und guten Menschen sah. Djadjenko bot Wolodja fortwährend seine Dienste an und setzte ihm auseinander, daß alle Geschütze in Sewastopol nicht regelrecht aufgestellt seien. Leutnant Tschernowizkij mit den hochgezogenen Brauen gefiel Wolodja nicht, er war zwar höflicher als die anderen und trug einen ziemlich sauberen, wenn auch nicht neuen, doch aber sorgfältig geflickten Rock und ließ auf seiner Atlasweste eine goldene Kette sehen. Er wurde nicht müde zu fragen, was der Kaiser und der Kriegsminister machen, und erzählte ihm unaufhörlich mit erkünstelter Begeisterung von den Heldenthaten vor Sewastopol, klagte darüber, daß es so wenig Patrioten gebe und ließ überhaupt viel Wissen, Geist und edles Empfinden durchblicken; aber es berührte doch alles Wolodja unangenehm und unnatürlich. Vor allem bemerkte er, daß die übrigen Offiziere mit Tschernowizkij fast gar nicht sprachen. Der Junker Wlang, den er gestern geweckt hatte, war ebenfalls da. Er sprach nichts, sondern saß bescheiden in einer Ecke und lachte, wenn etwas Spaßhaftes erzählt und dabei etwas vergessen wurde, dessen er sich erinnerte, reichte Branntwein herum und machte für alle Offiziere Cigaretten. Mochte das bescheidene, höfliche Betragen Wolodjas, der mit ihm gerade so verkehrte, wie mit den Offizieren, und ihn nicht wie einen Knaben behandelte, oder sein angenehmes Äußere »Wlanga«, wie ihn die Soldaten nannten, indem sie seinen Namen zu einem Femininum umbildeten, fesseln, er konnte seine gutmütigen, großen Augen von dem Gesicht des neuen Offiziers nicht abwenden, indem er alle seine Wünsche zu erraten und ihnen zuvorzukommen suchte, und sich ununterbrochen in einer Extase der Verliebtheit befand, die natürlich von den Offizieren bemerkt und verspottet wurde. Vor dem Mittagessen wurde ein Stabskapitän von der Bastion abgelöst und schloß sich ihrer Gesellschaft an. Stabskapitän Kraut war ein blonder, hübscher, fescher Offizier mit großem rötlichen Schnurrbart und Backenbart; er sprach das Russische vortrefflich, aber zu regelrecht und schön für einen Russen. Im Dienst und im Leben war er ganz wie in seiner Sprache: im Dienst ausgezeichnet, ein vortrefflicher Kamerad, der zuverlässigste Mann in Geldangelegenheiten, aber einfach als Mensch, und gerade deshalb, weil alles in einem gewissen Sinne gut an ihm war, fehlte ihm etwas. Wie alle russischen Deutschen war er, ein sonderbarer Gegensatz zu den »idealen« Deutschen, im höchsten Grade »praktisch«. Da erscheint unser Held! rief der Kapitän, als Kraut, die Arme schwenkend und mit den Sporen klirrend, ins Zimmer kam. Was wünschen Sie, Thee oder Schnaps? Ich habe schon befohlen, den Ssamowar aufzustellen, antwortete er. Aber einen Schnaps kann man inzwischen schon genehmigen, denn der erfreut des Menschen Herz. Freut mich sehr, Ihre Bekanntschaft zu machen; ich bitte Sie, uns Freund und Gönner zu sein, sagte er zu Wolodja, der aufgestanden war und sich vor ihm verneigte. Stabskapitän Kraut ... Der Feuerwerker hat mir auf der Bastion gesagt, daß Sie schon gestern angekommen sind. Ich danke Ihnen sehr für Ihr Bett; ich habe die Nacht darauf geschlafen. Aber auch gut? ... Ein Fuß ist abgebrochen, und beim Belagerungszustande findet sich niemand, ihn auszubessern, -- man muß was unterlegen. Nun, wie war's, haben Sie glücklichen Tagesdienst gehabt? fragte Djadjenko. Ja, es war weiter nichts; nur Skworzow hat was abbekommen, auch eine Lafette mußte ausgebessert werden: ihre Wand ist in tausend Stücke geschossen worden. Er erhob sich von seinem Platz und begann hin- und herzugehen: es war ihm anzumerken, daß er sich unter dem Einflusse der angenehmen Stimmung eines Menschen befand, der soeben einer Gefahr entronnen ist. Na, Dmitrij Gawrilytsch, sagte er und klopfte dem Kapitän auf die Knie. Wie geht's, Väterchen? Noch keine Antwort auf den Vorschlag zur Beförderung? Noch nichts. Es kommt auch nichts, begann Djadjenko, ich habe es Ihnen vorher klar gemacht. Warum denn nicht? Warum? weil die Relation nicht so abgefaßt ist. Ach Sie, Sie sind ein Streithahn, ein rechter Streithahn! sagte Kraut und lächelte fröhlich. Ein echter, hartnäckiger Chacholl (Spitzname für die Kleinrussen), aber Ihnen zum Possen wird der Leutnant herauskommen. Nein, er wird nicht herauskommen. Wlang! bringen Sie mir doch meine Pfeife her und stopfen Sie sie mir, sagte er zu dem Junker gewandt, der sofort bereitwillig nach der Pfeife lief. Kraut brachte Leben in die Gesellschaft. Er erzählte vom Bombardement, fragte, was in seiner Abwesenheit geschehen war und plauderte mit allen. XVIII Na, wie haben Sie sich bei uns schon eingerichtet? fragte Kraut Wolodja. Verzeihen Sie, wie ist Ihr Vor- und Vatersname? Bei uns in der Artillerie ist es einmal so Sitte ... Haben Sie schon ein Reitpferd angeschafft? Nein, sagte Wolodja, ich weiß nicht, was werden wird. Ich habe dem Kapitän gesagt ... ich habe kein Pferd, ich habe aber auch kein Geld, so lange ich nicht Zehr- und Reisegelder bekomme. Apollon Sergjeitsch? -- er brachte mit den Lippen einen Laut hervor, der starken Zweifel ausdrückte und sah den Kapitän an, -- kaum! Je nun, schlägt er's ab, ist's auch kein Unglück, sagte der Kapitän, hier braucht man eigentlich kein Pferd, aber man kann's immerhin versuchen, ich will heute fragen. Wie, kennen Sie ihn nicht? mischte sich Djadjenko ein, etwas anderes kann er abschlagen, aber Ihnen wird er keineswegs ... Wollen Sie wetten? Na ja, Sie müssen natürlich immer widersprechen. Ich widerspreche, weil ich weiß: in anderen Dingen ist er geizig, aber ein Pferd giebt er, er hat ja auch keinen Vorteil von der Ablehnung. Gewiß hat er Vorteil davon, wenn ihm hier der Hafer acht Rubel zu stehen kommt, sagte Kraut. Man hat Vorteil, wenn man keine überflüssigen Pferde hält. Bitten Sie um den Staar, Wladimir Ssemjonytsch, sagte Wlang, der mit Krauts Pfeifchen zurückkam, ein ausgezeichnetes Pferd! Mit dem Sie in Ssoroki in den Graben gefallen sind, Wlanga, hm? bemerkte der Stabskapitän. Nein, aber was sprechen Sie da, acht Rubel der Hafer, fuhr Djadjenko fort im Streit, wo er seine Rechnung mit zehneinhalb macht? ... Natürlich, hat er keinen Vorteil davon. Das wäre schön, wenn ihm nicht noch was übrig bliebe! Wenn Sie, so Gott will, Batteriekommandeur sind, so geben Sie kein Pferd, nach der Stadt zu reiten. Wenn ich Batteriekommandeur bin, Väterchen, soll jedes Pferd vier Maß Futter haben, ich werde keine Gelder zusammenscharren, haben Sie keine Sorge. Wer's erlebt, wird's sehen ... sagte der Stabskapitän. Und Sie werden ebenso handeln, und Sie auch, wenn Sie eine Batterie kommandieren werden, fügte er hinzu und zeigte auf Wolodja. Warum glauben Sie, Friedrich Christianytsch, daß auch Sie Profit machen wollen? mischte sich Tschernowizkij ein. Vielleicht haben Sie Vermögen, wozu sollten Sie Vorteil suchen? Nicht doch, ich halte ... Verzeihen Sie mir, Kapitän, sagte Wolodja und wurde bis über die Ohren rot, ich halte das für unehrenhaft. Aha, wie heikel er ist! sagte Kraut. Das ist ganz gleich: ich meine nur, wenn es nicht mein Geld ist, darf ich's auch nicht nehmen. Und ich sage Ihnen nur so viel, junger Mann, begann der Stabskapitän in ernsterem Ton, Sie müssen wissen, wenn Sie eine Batterie kommandieren, wenn Sie da Ihre Sache gut machen, dann ist alles in Ordnung; in die Ernährung der Truppen mischt sich der Batteriekommandeur nicht: das wird in der Artillerie von altersher so gehalten. Sind Sie ein schlechter Wirt, so behalten Sie nichts übrig. Hier müssen Sie Ausgaben machen, im Widerspruch mit Ihren Verhältnissen, für Hufbeschlag -- das ist eins (er bog einen Finger ein), für die Apotheke -- das ist zwei (er bog einen zweiten Finger ein), für die Kanzlei, drei, für Handpferde an die fünfhundert zahlen, Väterchen -- das ist vier, Sie müssen den Soldaten neue Kragen geben, Kohlen brauchen Sie viel, Tisch für die Offiziere müssen Sie halten. Sind Sie Batteriekommandeur, so müssen Sie anständig leben, Sie müssen einen Wagen haben, einen Pelz und noch zwei, drei, zehn andere Dinge ... Was ist da viel zu reden! Die Hauptsache aber, fiel der Kapitän ein, der die ganze Zeit geschwiegen hatte, die Hauptsache, Wladimir Ssemjonytsch, ist die: stellen Sie sich vor, ein Mensch, wie ich zum Beispiel, dient zwanzig Jahre, erst für zwei-, dann für dreihundert Rubel Gehalt; soll man ihm für seinen Dienst nicht wenigstens ein Stück Brot im Alter geben? Ach, was soll das! begann wieder der Stabskapitän, urteilen Sie nicht voreilig, kommt Zeit, kommt Rat, leisten Sie nur Ihren Dienst. Wolodja überkam eine schreckliche Scham, weil er so unüberlegt gesprochen hatte, er brummte etwas in den Bart und dann hörte er weiter schweigend zu, wie Djadjenko im höchsten Eifer wieder zu streiten begann und das Entgegengesetzte behauptete. Der Streit wurde durch den Eintritt des Hauptmannsburschen unterbrochen, der zum Essen rief. Aber sagen Sie heute Appollon Sergjeewitsch, er solle Wein geben, sagte Tschernowizkij zum Kapitän und knöpfte sich den Rock zu. Was knausert er? Sind wir erst tot, kriegt keiner was! Sagen Sie's ihm selbst. Das geht nicht. Sie sind der älteste Offizier. Alles muß seine Ordnung haben. XIX In dem Zimmer, in dem sich Tags zuvor Wolodja beim Obersten gemeldet hatte, war der Tisch von der Wand abgerückt und mit einem schmutzigen Tischtuch bedeckt. Diesmal gab ihm der Batteriekommandeur die Hand und fragte ihn über Petersburg und seine Reise aus. Nun, meine Herren, wer Branntwein trinkt, den bitte ich zuzugreifen. Die Fähnriche trinken keinen, fügte er lächelnd hinzu. Überhaupt zeigte sich der Batteriekommandeur heute durchaus nicht so mürrisch, wie Tags zuvor: er hatte im Gegenteil das Benehmen eines guten, gastfreien Wirts und eines älteren Kameraden unter den Offizieren. Aber trotzdem bezeigten ihm alle Offiziere die größte Achtung, vom alten Kapitän an bis zum Fähnrich Djadjenko, die sich darin kundgab, wie sie mit einem höflichen Blick auf den Kommandeur sprachen und wie sie einer nach dem andern zögernd herantraten und den Schnaps tranken. Das Mittagessen bestand aus einer großen Schüssel Kohlsuppe, in der fette Stücke Rindfleisch schwammen, und die mit einer ungeheuren Menge von Pfeffer und Lorbeerblättern gewürzt war, aus polnischen Zrazy mit Senf und aus Kaldaunen mit nicht ganz frischer Butter. Servietten gab es nicht, die Löffel waren aus Blech und Holz, Gläser gab es zwei, und auf dem Tische stand eine Karaffe Wasser mit abgebrochenem Halse; aber das Mittagmahl war recht heiter: die Unterhaltung verstummte keinen Augenblick. Zuerst war von dem Treffen bei Inkermann die Rede, an dem die Batterie teilgenommen hatte, und jeder erzählte seine Eindrücke und sprach seine Meinung über die Ursache des Mißerfolges aus und verstummte, sobald der Batteriekommandeur selbst zu sprechen begann; dann ging das Gespräch ungezwungen auf die Unzulänglichkeit des Kalibers der leichten Geschütze über, zu den neuen leichteren Kanonen, und Wolodja hatte dabei Gelegenheit, seine Kenntnisse in der Artillerie zu zeigen. Aber bei der gegenwärtigen, entsetzlichen Lage Sewastopols blieb das Gespräch nicht stehen, als ob jeder viel zu sehr an diesen Gegenstand dachte, als daß er noch darüber sprechen sollte. Auch von den Pflichten des Dienstes, die Wolodja auf sich nehmen sollte, war zu seinem Erstaunen und Verdruß gar nicht die Rede, als ob er nach Sewastopol gekommen wäre, nur um über die leichteren Geschütze zu plaudern und bei dem Batteriekommandeur Mittag zu speisen. Während des Essens fiel unweit des Hauses, in dem sie saßen, eine Bombe nieder. Der Fußboden und die Wände zitterten, wie von einem Erdbeben, und die Fenster wurden vom Pulverdampf verdunkelt. Das haben Sie wohl in Petersburg nicht gesehen, hier sind solche Überraschungen häufig, sagte der Batteriekommandeur. Wlang, sehen Sie nach, wo sie geplatzt ist. Wlang sah nach und meldete: auf dem Platze, und weiter war von der Bombe nicht mehr die Rede. Kurz vor Ende des Mittagessens kam ein alter Batterieschreiber ins Zimmer mit drei versiegelten Briefen und übergab sie dem Batteriekommandeur. Das hier ist sehr dringlich, soeben hat es ein Kosak vom Oberbefehlshaber der Artillerie überbracht. Alle Offiziere blickten mit ungeduldiger Erwartung auf die in solchen Dingen geübten Finger des Batteriekommandeurs, die das Siegel erbrachen und das »sehr dringliche« Schriftstück herauszogen. »Was kann das wohl sein?« stellte sich jeder die Frage. Es konnte der Befehl zum Ausmarsch aus Sewastopol sein, um auszuruhen, es konnte aber auch die Beorderung der ganzen Batterie auf die Bastionen sein. Wieder! sprach der Batteriekommandeur und warf zornig das Papier auf den Tisch. Was enthält es, Apollon Ssergjeewitsch? fragte der älteste Offizier. Man verlangt einen Offizier mit Bedienungsmannschaft für eine Mörserbatterie ... Ich habe im ganzen nicht mehr als vier Offiziere, und meine Bedienungsmannschaft ist nicht vollzählig, brummte der Batteriekommandeur, und da verlangt man noch das! Aber einer muß gehen, meine Herren, rief er nach einem kurzen Schweigen. Der Befehl lautet, um sieben Uhr auf der Schanze sein ... Den Feldwebel herschicken! Wer geht, meine Herren? entscheiden Sie, wiederholte er. Nun, Sie sind ja noch nirgends gewesen, sagte Tschernowizkij auf Wolodja zeigend. Der Batteriekommandeur antwortete nichts. Ja, ich gehe gern, sagte Wolodja und fühlte, wie ihm kalter Schweiß auf dem Rücken und am Halse hervortrat. Nein, weshalb! fiel der Kapitän ein. Natürlich wird sich niemand weigern, aber es ist kein Grund, sich selbst anzubieten; da es uns Apollon Ssergjeewitsch freistellt, so wollen wir losen, wie wir es damals gethan haben. Alle waren einverstanden. Kraut schnitt Papierstreifen, rollte sie zusammen und warf sie in eine Mütze. Der Kapitän scherzte dabei und entschloß sich sogar bei dieser Gelegenheit, den Oberst um Branntwein zu bitten, »um tapfer zu bleiben«, wie er sich ausdrückte. Djadjenko saß finster da, Wolodja lächelte, Tschernowizkij behauptete, es werde bestimmt ihn treffen. Kraut war vollständig ruhig. Wolodja ließ man zuerst wählen. Er nahm einen Papierstreifen, der war sehr lang; da fiel es ihm ein, einen andern zu wählen, -- er zog einen zweiten, kleineren und dünneren, entfaltete ihn und las: »gehen«. Ich! sagte er seufzend. Nun, mit Gott. So bekommen Sie bald Ihre Feuertaufe, sagte der Kommandeur, indem er mit einem gutmütigen Lächeln dem Fähnrich in das verlegene Gesicht sah, machen Sie sich nur bald fertig. Und damit Sie sich nicht langweilen, wird Wlang als Feuerwerker mit Ihnen gehen. XX Wlang war mit diesem Befehl außerordentlich zufrieden, er machte sich schnell fertig, um Wolodja zu helfen, und redete ihm zu, das Bett, den Pelz, eine alte Nummer der »Vaterländischen Annalen«, die Spiritusmaschine zum Kaffeekochen und andere unwichtige Dinge mitzunehmen. Der Kapitän riet Wolodja, zunächst im »Handbuch«[E] den Abschnitt über das Schießen aus Mörsern zu lesen und sich die Schießtabellen herauszuschreiben. Wolodja ging sofort ans Werk und bemerkte zu seiner Verwunderung und Freude, daß, obwohl das Gefühl der Furcht vor der Gefahr und noch mehr davor, sich feig zu erweisen, ihn noch immer ein wenig beunruhigte, dies doch nicht in dem Grade der Fall war, wie am Abend vorher. Zum Teil lag das an den Eindrücken des Tages und seiner Thätigkeit, zum Teil, und zwar zum größeren Teil daran, daß die Furcht, wie jedes starke Gefühl, nicht lange in gleichem Grade dauern kann. Mit einem Worte, er war schon so weit, daß er den Furchthöhepunkt hinter sich hatte. In der siebenten Stunde, da sich eben die Sonne hinter der Nikolajewkaserne verbarg, kam der Feldwebel zu ihm mit der Meldung, die Leute seien bereit und warten. [E] »Handbuch für die Offiziere der Artillerie« von Bezaque. Ich habe »Wlanga« die Namensliste übergeben. Belieben Sie, ihn zu fragen, Euer Wohlgeboren! sagte er. Zwanzig Artilleristen mit Seitengewehren, ohne Lederzeug, standen an einer Ecke des Hauses. Wolodja ging mit dem Junker an sie heran. Ob man ihnen eine kleine Rede hält oder einfach sagt: Wünsch' euch Gesundheit, Kinder! -- oder sagt man gar nichts? dachte er. Aber warum soll man nicht einfach sagen: Wünsch' euch Gesundheit! Das ist sogar das Richtige. Und er rief keck mit seiner klangvollen, jugendlichen Stimme: Wünsch' euch Gesundheit, Kinder! Die Soldaten antworteten munter; die jugendliche, frische Stimme tönte angenehm in dem Ohr eines jeden. Wolodja ging den Soldaten kühn voran, und, obwohl sein Herz so klopfte, als wenn er einige Werst aus Leibeskräften gelaufen wäre, war sein Gang doch leicht und sein Gesicht heiter. Bereits dicht an dem Malachowhügel und die Höhe hinaufsteigend, bemerkte er, wie Wlang, der keinen Schritt von ihm wich und sich zu Hause so tapfer gezeigt hatte, beständig auf die Seite ging und den Kopf beugte, als wenn all die Bomben und Kanonenkugeln, die hier schon sehr häufig pfiffen, gerade auf ihn zugeflogen kämen. Einige Soldaten thaten dasselbe, überhaupt drückte sich auf den meisten ihrer Gesichter wenn auch nicht Furcht, so doch Unruhe aus. Diese Umstände beruhigten und ermutigten Wolodja vollständig. »So bin denn auch ich auf dem Malachowhügel, den ich mir tausendmal schrecklicher vorgestellt habe! Und ich gehe auf ihm, ohne mich vor Kanonenkugeln zu bücken und bin weit mutiger als andere ... Also bin ich kein Feigling?« dachte er mit Vergnügen, ja mit einem gewissen Entzücken des Selbstbewußtseins. Aber dieses Gefühl wurde bald erschüttert durch das Schauspiel, das ihm entgegentrat, als er in der Dämmerung auf der Kornilowbatterie den Befehlshaber der Bastion aufsuchte. Vier Mann Matrosen standen an der Brustwehr und hielten einen blutigen Leichnam ohne Stiefel und Mantel an Füßen und Händen und schwenkten ihn hin und her, um ihn über die Brustwehr zu werfen. (Am zweiten Tage des Bombardement hatte man nicht überall die Körper auf den Bastionen sammeln können und warf sie in den Graben, damit sie auf den Batterien nicht hinderten.) Wolodja erstarrte einen Augenblick, als er sah, wie der Leichnam auf der Höhe der Brustwehr aufschlug und dann von dort in den Graben kollerte; aber hier traf ihn zum Glück der Befehlshaber der Bastion, erteilte ihm Befehle und gab ihm einen Führer nach der Batterie und der für die Bedienungsmannschaft bestimmten Blindage mit. Wir wollen nicht erzählen, wie viel Gefahren, Enttäuschungen unser Held an diesem Abend noch erlebt hat: wie er, statt den Schießübungen auf dem Wolkowofeld unter allen Bedingungen der Pünktlichkeit und Ordnung, die er hier zu finden erwartete, zwei außer Stand gesetzte Mörser fand; die Mündung des einen war durch eine Kanonenkugel platt geschlagen, der andere stand nur auf den Splittern einer zerschossenen Plattform, und vor dem Morgen waren keine Arbeiter zu erlangen, um die Plattform ausbessern. Nicht ein Geschoß hatte das Gewicht, das das Handbuch vorschrieb. Hier wurden zwei Soldaten seines Kommandos verwundet, und er selbst war zwanzigmal während dieses Abends um ein Haar dem Tode nahe. Zum Glück war zu seiner Hilfe ein Kommandor von hünenhafter Gestalt bestimmt worden, ein Seemann, der von Anfang der Belagerung bei den Mörsern diente; dieser überzeugte ihn von der Möglichkeit, aus ihnen zu schießen, führte ihn nachts mit einer Laterne auf der ganzen Bastion, wie in seinem Garten, herum, und versprach, bis zum Morgen alles in Stand zu setzen. Die Blindage, zu der ihn sein Führer geleitete, war eine in steinigem Boden ausgegrabene, zwei Klafter lange und mit ellendicken Eichenbalken bedeckte längliche Grube. Hier quartierte er sich mit seinen sämtlichen Soldaten ein. Kaum hatte Wlang die niedrige, eine Elle hohe Thür der Blindage gesehen, als er kopfüber allen voran auf sie zulief, stark an die eiserne Decke anrannte und sich in einem Winkel versteckte, aus dem er nicht mehr hervorkam. Wolodja dagegen schlug, als alle Soldaten sich längs der Wände auf den Boden gelagert und einige ihre Pfeifen angezündet hatten, sein Bett in einer Ecke auf, zündete Licht an und legte sich, eine Cigarette rauchend, auf seine Pritsche. Über der Blindage hörte man ununterbrochen Schüsse, die aber nicht sehr laut tönten, ausgenommen die einer in der nächsten Nähe stehenden Kanone, die mit ihrem Donner die Blindage erschütterte. In der Blindage selber war's still; die Soldaten, die sich vor dem neuen Offizier noch scheuten, sprachen nur bisweilen miteinander, indem der eine den andern bat, etwas Platz zu machen oder ihm Feuer für die Pfeife zu geben. Eine Ratte nagte irgendwo zwischen den Steinen. Wlang, der noch nicht zu sich gekommen war und sich noch scheu umsah, seufzte auf einmal laut. Wolodja, auf seinem Bette in dem stillen, dichtbevölkerten, nur von einer Kerze erhellten Winkelchen, empfand dasselbe Gefühl des Glückes, das er damals gehabt hatte, wo er als Kind beim Versteckenspiel in den Schrank oder unter Mamas Kleid gekrochen war, und horchte mit verhaltenem Atem auf, ängstigte sich in der Finsternis und war zugleich voll freudiger Erwartung. Es war ihm schwer und heiter zugleich zu Mute. XXI Im Laufe einer Viertelstunde fühlten sich die Soldaten heimisch und wurden gesprächig. Dem Licht und dem Bette des Offiziers am nächsten hatten sich die bedeutenderen Leute gelagert: zwei Feuerwerker, der eine ein grauhaariger Alter mit allen Medaillen und Kreuzen, ausgenommen das Georgskreuz; der andere, ein junger Mensch und Soldatenkind, der gedrehte Cigaretten rauchte. Der Trommler hatte, wie überall, die Obliegenheit auf sich genommen, den Offizier zu bedienen. Die Bombardiere und die Reiter saßen in der Mitte; und dort im Schatten am Eingange hatten sich die »Gehorsamen«[F] untergebracht. Unter diesen begann auch das Gespräch. Die Veranlassung dazu gab der Lärm, den ein in die Blindage stürzender Mensch verursachte. [F] S. »Der Holzschlag« II. Anm. d. Herausg. Weshalb bist du nicht auf der Straße geblieben, Brüderchen? ... Singen denn die Mädchen nicht lustig? fragte man ihn. Sie singen so wunderbare Lieder, wie man sie auf dem Lande niemals gehört hat ... entgegnete lachend der Mann, der in die Blindage gekommen war. Ah, Waßin hat die Bomben nicht gern, sagte einer aus der Aristokratenecke, -- ach, er hat sie nicht gern! Wie so? Wenn es sein muß, ist es eine ganz andere Sache, entgegnete langsam Waßin, bei dessen Worten alle übrigen zu schweigen pflegten. Am 24. haben wir ordentlich im Feuer gestanden, da ging's nicht anders; aber weshalb soll man es zwecklos thun? ... Man wird unnütz totgeschossen, und die Vorgesetzten sagen einem nicht einmal dank' schön dafür. Bei diesen Worten Waßins lachten alle. Mjelnikow sitzt vielleicht noch draußen, sagte jemand. Schicken Sie ihn hierher, den Mjelnikow, fügte der alte Feuerwerker hinzu, er wird sonst wirklich zwecklos totgeschossen. Wer ist dieser Mjelnikow? fragte Wolodja. Wir haben hier einen einfältigen Soldaten, Euer Wohlgeboren. Er fürchtet sich vor nichts in der Welt und geht jetzt immer draußen umher. Belieben Sie, ihn sich anzusehen: der Kerl sieht wie ein Bär aus. Er kann besprechen, sagte Waßins träge Stimme. Mjelnikow trat in die Blindage. Er war ein dicker Mann (eine außerordentliche Seltenheit bei Soldaten) mit rotem Haar und Gesicht, ungemein vorstehender Stirn und hervortretenden hellblauen Augen. Wie, fürchtest du dich vor den Bomben? fragte ihn Wolodja. Weshalb soll ich mich vor den Bomben fürchten? antwortete Mjelnikow, indem er einen krummen Rücken machte und sich kratzte; durch eine Bombe sterbe ich nicht, das weiß ich. So möchtest du hier wohnen? Gewiß, ich möchte schon. Hier ist's heiter! entgegnete er, indem er plötzlich in Lachen ausbrach. O, da muß man dich zu einem Ausfall mitnehmen. Wenn du willst, sage ich es dem General, sagte Wolodja, obgleich er hier nicht einen General kannte. Warum soll ich's nicht wollen, -- ich will's. Und Mjelnikow verbarg sich hinter den anderen. Laßt uns »Nase« spielen, Kinder! Wer hat Karten? ließ sich seine hastige Stimme vernehmen. Wirklich begann bald in der hintern Ecke das Spiel, -- man hörte die Schläge auf die Nase, Lachen und Trumpfen. Wolodja goß sich Thee aus dem Ssamowar ein, den ihm der Trommler aufgestellt hatte, lud die Feuerwerker ein, scherzte und sprach mit ihnen; er hatte den Wunsch, sich populär zu machen und war sehr befriedigt von der Achtung, die ihm entgegengebracht wurde. Als die Soldaten bemerkten, daß er ein leutseliger Herr war, fingen auch sie an, gesprächig zu werden. Einer erzählte, die Belagerung Sewastopols werde bald ein Ende haben, denn ein zuverlässiger Mann von der Marine habe erzählt, wie Konstantin, der Bruder des Zaren, mit der amerikanischen Flotte uns zu Hilfe komme, ferner, daß bald ein Vertrag kommen würde, zwei Wochen lang nicht zu feuern und Ruhe zu halten, wenn aber einer feuern sollte, müßte er für jeden Schuß 75 Kopeken zahlen. Waßin war, wie Wolodja Gelegenheit hatte zu sehen, ein kleiner, bärtiger Mann mit großen, gutmütigen Augen, er erzählte, erst unter allgemeinem Schweigen, dann unter Gelächter, wie sie sich, als er auf Urlaub nach Hause kam, anfangs mit ihm gefreut hätten, wie ihn der Vater dann auf Arbeit geschickt und der Forstmeister ihm seinen Wagen gestellt hätte, um seine Frau abzuholen. Alles das vergnügte Wolodja außerordentlich. Er fühlte nicht nur nicht die mindeste Furcht oder Unbehaglichkeit vor der Enge und dem auf die Brust fallenden Geruch in der Blindage, es war ihm sogar außerordentlich heiter und angenehm zu Mut. Viele Soldaten schnarchten schon. Wlang hatte sich ebenfalls auf dem Boden ausgestreckt, und der alte Feuerwerker murmelte, nachdem er seinen Mantel ausgebreitet und sich bekreuzigt hatte, vor dem Einschlafen Gebete, als Wolodja auf einmal den Wunsch empfand, aus der Blindage zu gehen, um zu sehen, was draußen vorging. Zieh' die Füße weg! schrieen, kaum daß er aufgestanden war, die Soldaten einander zu; sie zogen die Füße an sich und ließen ihm den Weg frei. Wlang, der sich schlafend gestellt, erhob plötzlich den Kopf und faßte Wolodja an den Schößen des Mantels. Lassen Sie das, gehen Sie nicht, -- wie kann man nur! sagte er in weinerlichem, überredendem Tone. Sie kennen das noch nicht. Dort schlagen unaufhörlich die Kugeln ein. Bleiben Sie lieber hier. Aber ohne Wlangs Bitten zu beachten, drängte sich Wolodja aus der Blindage und setzte sich auf die Schwelle, auf der Mjelnikow saß. Die Luft war rein und frisch, besonders nach der Luft in der Blindage; die Nacht war hell und ruhig. Nach dem Getöse der Schüsse hörte man das Geräusch der Fuhrwerke, die Schanzkörbe herbeibrachten, und das Geplauder der Leute, die an einem Pulverkeller arbeiteten. Droben wölbte sich der hohe, gestirnte Himmel, an dem die feurigen Streifen der Bomben ununterbrochen dahinflogen. Links führte eine kleine, eine Elle hohe Öffnung in eine andere Blindage, in dem die Füße und Rücken der dort wohnenden Matrosen sichtbar und ihre Stimmen hörbar waren; vor sich sah Wolodja die Erhöhung eines Pulverkellers, neben dem die Gestalten gebückter Leute auftauchten, und auf dem, gerade in die Höhe, unter den Gewehrkugeln und Bomben, die unaufhörlich an diesem Platze pfiffen, eine hohe Gestalt in einem schwarzen Überrock stand, die Hände in den Taschen und mit den Füßen die Erde festtretend, die andere Leute in Säcken dorthin trugen. Bomben kamen häufig dorthin geflogen und platzten ganz nahe bei dem Keller. Die Soldaten, die die Erde schleppten, beugten sich nieder und wichen zur Seite; die schwarze Gestalt bewegte sich nicht fort, trat ruhig mit den Füßen die Erde fest und blieb immer in derselben Stellung an Ort und Stelle. Wer ist dieser Schwarze? fragte Wolodja Mjelnikow. Ich weiß es nicht; ich werde hingehen, nachsehen. Geh nicht! Es ist nicht nötig. Mjelnikow aber hörte nicht und stand auf, ging an die schwarze Gestalt heran und stand sehr lange, ebenso gleichmütig und unbeweglich neben ihr. Das ist der Kellermeister, Euer Wohlgeboren! sagte er, zurückgekehrt, eine Bombe hat den Pulverkeller beschädigt, darum tragen Infanteristen Erde dorthin. Bisweilen flogen, wie es schien, Bomben direkt nach der Thür der Blindage. Da drückte sich Wolodja in eine Ecke und kam von neuem hervor, um in die Höhe zu sehen, ob nicht noch eine geflogen käme. Obwohl Wlang einigemal aus der Blindage heraus Wolodja bat, zurückzukehren, saß dieser doch an drei Stunden auf der Schwelle, er fand ein gewisses Vergnügen daran, das Geschick zu versuchen und den Flug der Bomben zu beobachten. Gegen Ende des Abends wußte er bereits, woher so viele Geschütze feuerten und wo ihre Geschosse sich niedersenkten. XXII Am andern Tage, dem 27. August, ging Wolodja, nach einem zehnstündigen Schlaf, frisch und munter frühmorgens über die Schwelle der Blindage. Wlang war mit ihm zusammen hinausgekrochen, aber beim ersten Kanonenschusse stürzte er spornstreichs, indem er sich mit dem Kopf den Weg bahnte, nach der Öffnung der Blindage zurück, unter dem allgemeinen Gelächter der zum größten Teil ebenfalls an die Luft gekommenen Soldaten. Nur Wlang, der alte Feuerwerker und einige andere gingen selten in den Laufgraben hinaus, die übrigen aber ließen sich nicht abhalten: sie traten alle aus der übelriechenden Blindage an die frische Morgenluft, lagerten sich, trotzdem das Bombardement ebenso heftig war wie tags zuvor, teils an der Schwelle, teils unter der Brustwehr. Mjelnikow ging bereits seit der Morgendämmerung auf den Batterien spazieren, indem er gleichgültig in die Luft sah. An der Schwelle saßen zwei alte Soldaten und ein junger, kraushaariger, jüdischer Soldat, der von der Infanterie abkommandiert war. Dieser Soldat hatte eine der herumliegenden Gewehrkugeln aufgehoben, sie mit einem Sprengstück an einem Steine plattgeschlagen und schnitt nun aus ihr mit einem Messer ein Kreuz in der Art des Georgskreuzes; die andern sahen plaudernd seiner Arbeit zu. Wirklich kam ein sehr hübsches Kreuz heraus. Wenn wir hier noch einige Zeit stehen, sagte der eine von ihnen, wird man dann uns allen nach dem Friedensschlusse den Abschied geben? Wo denkst du hin! ich hatte im ganzen vier Jahre bis zu meiner Verabschiedung zu dienen, und stehe jetzt fünf Monate in Sewastopol. Wir werden also nicht den Abschied erhalten? fragte ein anderer. Da pfiff eine Kanonenkugel über den Köpfen der Sprechenden und schlug eine Elle weit von Mjelnikow ein, der im Laufgraben auf sie zukam. Sie hätte bald Mjelnikow getötet! rief der eine. Mich tötet sie nicht, antwortete Mjelnikow. Da hast du das Kreuz für deine Tapferkeit! sagte der junge Soldat, der das Kreuz gemacht hatte, und gab es Mjelnikow. Nein, Brüderchen, der Monat wird für ein ganzes Jahr gerechnet, so ist's befohlen, ging das Gespräch fort. In jedem Falle wird nach dem Friedensschlusse eine Kaiserparade in Warschau abgehalten, und werden wir nicht verabschiedet, so werden wir doch auf unbestimmte Zeit beurlaubt. Da flog eine Gewehrkugel mit Zischen über die Köpfe der Sprechenden hin und schlug an einen Stein an. Seht, noch vor Abend kann's mit einem »aus« sein, Soldaten. Alle lachten. Und nicht erst vor Abend, sondern schon nach zwei Stunden war es mit zweien von ihnen »aus« und fünf waren verwundet; aber die übrigen scherzten wie früher. Wirklich waren am Morgen die beiden Mörser wieder soweit ausgebessert, daß aus ihnen geschossen werden konnte. Gegen zehn Uhr rief Wolodja, auf Befehl des Kommandeurs der Bastion, sein Kommando zusammen und begab sich mit ihm nach der Batterie. An den Leuten war auch nicht eine Spur des Furchtgefühls zu entdecken, das sich tags zuvor gezeigt hatte, sobald sie an die Arbeit gingen. Nur Wlang konnte sich nicht überwinden: er versteckte und bückte sich noch immer, ja, auch Waßin hatte ein wenig seine Ruhe verloren, er war unruhig und duckte sich fortwährend nieder. Wolodja war in außerordentlicher Begeisterung: nicht der geringste Gedanke an Gefahr beunruhigte ihn. Die Freude, daß er seine Pflicht erfülle, daß er nicht nur nicht feig, sondern sogar tapfer sei, das Gefühl des Kommandierens und die Gegenwart von zwanzig Mann, die, wie er wußte, mit Neugierde auf ihn sahen, machten aus ihm einen vollkommen mutigen Menschen. Er prahlte sogar mit seiner Tapferkeit, kletterte auf die Brustwehrbank hinaus und knöpfte absichtlich den Mantel auf, um besser bemerkbar zu sein. Der Kommandeur der Bastion, der zu dieser Zeit seine Wirtschaft, wie er es nannte, musterte, konnte, wie sehr er auch im Verlauf von acht Monaten daran gewöhnt war, alle Arten von Tapferkeit zu sehen, nicht umhin, mit Wohlgefallen diesen hübschen jungen Menschen zu betrachten, mit dem aufgeknöpften Mantel, unter dem ein, einen weißen zarten Hals umschließendes, rotes Hemd sichtbar war, wie er mit flammendem Gesicht und Augen in die Hände klatschte und mit tönender Stimme kommandierte: »das erste, das zweite!« und heiter auf die Brustwehr lief, um zu sehen, wohin seine Bomben gefallen waren. Um halb zwölf hörte das Schießen auf beiden Seiten auf, und punkt zwölf Uhr begann der Sturm auf den Malachow-Hügel -- die zweite, dritte und fünfte Bastion. XXIII Diesseit der Bucht, zwischen Inkermann und den Befestigungen der Nordseite, auf dem Telegraphenhügel, standen um die Mittagszeit zwei Seeleute: ein Offizier, der durch ein Fernrohr nach Sewastopol hinübersah, und ein zweiter, der soeben zu Pferde mit einem Kosaken zu der hohen Signalstange gekommen war. Die Sonne stand hell und hoch über der Bucht, die im heitern und warmen Glanz mit den Böten und den Schiffen und ihren bewegten Segeln spielte. Ein schwacher Wind trieb leicht die Blätter der vertrockneten Eichensträucher um den Telegraphen, blähte die Segel der Böte und erregte die Wellen des Meeres. Sewastopol, noch immer dasselbe, mit seiner unvollendeten Kirche, seiner Säule, seinem Hafendamm, dem grünen Boulevard auf der Höhe, dem schönen Bau der Bibliothek, mit seinen kleinen, azurblauen, von Masten angefüllten Buchten, den malerischen Bögen der Wasserleitung und mit den Wolken blauen Pulverdampfes, bisweilen von der roten Flamme der Schüsse beleuchtet -- noch immer schön, feiertäglich, stolz, umgeben auf der einen Seite von gelben, rauchenden Bergen, auf der andern von dem hellblauen, in der Sonne schillernden Meer -- Sewastopol war jenseits der Bucht sichtbar. Wo das Meer dem Gesichtskreis entschwand, war ein Streifen dichten Rauches sichtbar, den ein Dampfer verursachte; zogen langgestreckte weiße Wolken hin, die Wind ankündigten. Auf der ganzen Linie der Befestigungen, besonders auf den Höhen der linken Seite, bildeten sich unaufhörlich, unter Blitzen, die bisweilen sogar in der Mittagssonne leuchteten, dichte, zusammengeballte, weiße Rauchmassen, die sich ausbreiteten, in mannigfachen Formen in die Höhe stiegen und sich am Himmel dunkler färbten. Diese Rauchwolken zeigten sich bald hier, bald dort, auf den Höhen, in den feindlichen Batterien, in der Stadt und hoch oben am Himmel. Die Explosionen verstummten nicht und erschütterten, ineinander fließend, die Luft. ... Um zwölf Uhr begannen die Rauchwolken sich seltener zu zeigen, die Luft wurde weniger von Getöse erschüttert. Aber die zweite Bastion antwortet gar nicht mehr, rief der zu Pferde sitzende Husarenoffizier, sie ist ganz zusammengeschossen. ... Schrecklich. Ja, auch der Malachow schickt ihnen auf drei Schüsse nur einen zur Antwort, entgegnete der mit dem Fernrohr. Das macht mich rasend, daß er schweigt. Der Feind trifft ganz direkt in die Kornilow-Batterie, und man antwortet ihm nicht. Aber sieh, um zwölf Uhr hört er immer mit dem Bombardement auf, wie ich gesagt habe. So ist's auch heute. Gehen wir lieber frühstücken, -- man erwartet uns jetzt schon. ... Es ist nichts zu sehen. Wart', stör' mich nicht! antwortete der mit dem Fernrohr, indem er mit besonderer Gespanntheit nach Sewastopol hinübersah. Was ist da, was? Bewegung in den Laufgräben. Dichte Kolonnen rücken vor. Das sieht man auch so. Sie rücken in Kolonnen an. Wir müssen das Signal geben. ... Sieh, sieh! sie sind aus den Laufgräben herausgekommen! In der That konnte man mit bloßem Auge sehen, wie sich dunkle Flecken bergab von den französischen Batterien durch das Thal nach den Bastionen bewegten. Vor diesen Flecken sah man dunkle Streifen schon in der Nähe unserer Gefechtslinie. Auf den Bastionen flammten an verschiedenen Stellen, wie vorübergehend, weiße Rauchwolken von Schüssen auf. Der Wind trug die Töne des beiderseitigen Gewehrfeuers, das so häufig war, wie wenn Hagel an die Fenster schlägt, hinüber. Die schwarzen Streifen bewegten sich in dichtem Rauch immer näher und näher. Die immer stärker werdenden Töne des Gewehrfeuers schmolzen in ein ununterbrochenes, rollendes Krachen zusammen. Der immer häufiger emporsteigende Rauch verbreitete sich schnell über die ganze Linie und verschmolz endlich in eine dunkelblaue Wolke, die auf- und abwogte, und durch die Feuer und schwarze Punkte hindurchschimmerten; alle Töne vereinigten sich zu einem einzigen rollenden Donner. Sturm! sagte der Offizier und gab mit bleichem Gesicht dem Seemann das Fernrohr zurück. Kosaken sprengten den Weg entlang; der Höchstkommandierende kam in einer Kalesche vorbeigefahren, die Offiziere seines Gefolges begleiteten ihn zu Pferde. Auf allen Gesichtern lag sorgenvolle Unruhe und Erwartung. Es ist unmöglich, daß sie ihn genommen haben! sagte der Offizier zu Pferde. 1 , 2 . 3 ? 4 5 ! 6 7 , . 8 - - ; 9 . 10 11 ! 12 13 , , 14 , , 15 , . 16 17 , 18 , , 19 - - ( 20 ) ; , , 21 , . 22 23 24 25 26 , , 27 , . 28 , , 29 , , , 30 , - - , 31 , ; 32 , , 33 , . 34 , 35 , , 36 , 37 . 38 , . 39 40 , 41 , , , . 42 : 43 . 44 . , , 45 , . 46 , 47 . - . 48 , : 49 50 » - - - - - - - - - - . - - 51 - - . . . « 52 53 ! . . . . » 54 . . . . . . « . 55 56 , , 57 , , , 58 . , 59 , , 60 , , 61 , , . 62 63 , ! ? 64 65 ! , 66 , . - - 67 ? . 68 . 69 70 , . 71 72 : 73 , , , 74 . . ; , 75 . 76 77 , ? . ? . . . 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