aber die Ähnlichkeit war die einer blühenden Rose mit einer abgeblühten Heckenrose. Er hatte auch blondes Haar, aber es war dicht und an den Schläfen gelockt. Auf seinem weißen zarten Nacken hatte er ein blondes Zöpfchen -- ein Zeichen des Glücks, wie die Ammen sagen. Auf seiner zarten weißen Gesichtsfarbe lag nicht immer, sondern loderte nur von Zeit zu Zeit ein vollblütiges jugendliches Rot auf, das jede Regung der Seele verriet. Er hatte dieselben Augen wie sein Bruder, aber seine waren offener und heller, und das kam hauptsächlich daher, weil sie häufig von einer leichten Feuchtigkeit bedeckt waren. Ein blonder Flaum sproßte auf den Wangen und über den roten Lippen, die sich sehr häufig zu einem schüchternen Lächeln falteten und die weißen glänzenden Zähne sehen ließen. Wie er so in seiner hohen Gestalt mit seinem breiten Rücken, in dem offenen Mantel, unter dem ein rotes Hemd mit einem schrägen Kragen hervorschimmerte, mit der Cigarette in der Hand an das Geländer der Treppe gelehnt, mit der naiven Freude in den Zügen und im Gebaren, vor seinem Bruder stand, war er ein so angenehmer, hübscher junger Mann, daß man ihn immer hätte anschauen mögen. Er freute sich außerordentlich mit dem Bruder, betrachtete ihn mit Achtung und Stolz und sah in ihm einen Helden; aber in mancher Beziehung, z. B. in Hinsicht der weltlichen Bildung, des Französischsprechens, des Verkehrs mit gesellschaftlich hochstehenden Leuten, des Tanzens u. s. w. schämte er sich ein wenig für ihn, sah von oben auf ihn herab und hatte sogar die Hoffnung, ihn womöglich fortzubilden. Alle seine Eindrücke waren noch petersburgisch, sie stammten aus dem Hause einer Dame, die hübsche junge Leute gern hatte und ihn an den Feiertagen zu sich zu laden pflegte, und aus dem Hause eines Senators in Moskau, wo er einmal auf einem großen Balle getanzt hatte. VI Die Brüder hatten sich nahezu ausgeplaudert und waren endlich bei dem Gefühl angelangt, das man oft empfindet, wenn man wenig Gemeinsames hat, obwohl man einander liebt; sie schwiegen nun ziemlich lange. So nimm deine Sachen, wir wollen sogleich fortfahren, entgegnete der Ältere. Der Jüngere errötete plötzlich und schwieg. Direkt nach Sewastopol fahren? fragte er nach einem minutenlangen Schweigen. Nun ja. Du hast ja nicht viel Sachen, ich glaube, wir können sie unterbringen. Schön! ... Wir wollen sogleich fahren, rief der Jüngere mit einem Seufzer und wandte sich nach dem Zimmer. Aber ohne die Thür zu öffnen, blieb er auf dem Flur stehen, ließ traurig den Kopf hängen und dachte: »Sogleich direkt nach Sewastopol, unter die Bomben; schrecklich! Aber gleichviel, einmal muß es doch geschehen. Jetzt geschieht's wenigstens mit dem Bruder zusammen ...« Die Sache war die. Jetzt erst, bei dem Gedanken, daß er das Fuhrwerk bestieg, um es nie wieder zu verlassen, ehe er in Sewastopol ankomme, und daß kein Zufall ihn jetzt noch zurückhalten könne, stand die Gefahr, die er gesucht hatte, deutlich vor seiner Seele, und er war betrübt bei dem bloßen Gedanken an ihre Nähe. Als er sich ein wenig beruhigt hatte, ging er in das Zimmer; aber es war schon eine Viertelstunde vergangen, und er kam noch immer nicht zu dem Bruder heraus, so daß dieser endlich die Thür öffnete, um ihn zu rufen. Der jüngere Koselzow sprach in der Stellung eines Schülers, der etwas verschuldet hat, mit dem Offizier P. Als der Bruder die Thür öffnete, verlor er vollständig die Fassung. Ich komme, ich komme gleich! begann er und wehrte den Bruder mit der Hand ab, erwarte mich dort drin. Eine Minute später kam er wirklich heraus und trat mit einem tiefen Seufzer auf seinen Bruder zu. Denke dir, ich kann nicht mit dir fahren, Bruder, sagte er. Wie? ... Was ist das für Unsinn! Ich will dir die ganze Wahrheit sagen, Mischa ... Von uns hat keiner mehr Geld, und wir alle sind in der Schuld bei dem Stabskapitän, den du da gesehen hast. Ich schäme mich schrecklich! Der ältere Bruder runzelte die Stirn und brach lange Zeit das Schweigen nicht. Bist du viel schuldig? fragte er und sah von unten herauf den Bruder an. Ja, viel ... Nein, nicht sehr viel; aber ich schäme mich schrecklich. Auf drei Stationen hat er für mich bezahlt. Sein ganzer Zucker ist drauf gegangen, so daß ich nicht weiß ... Auch Préférence haben wir gespielt -- ich blieb ihm etwas schuldig ... Das ist häßlich, Wolodja! Was hättest du denn angefangen, wenn du mich nicht getroffen hättest? sagte streng der ältere Bruder, ohne den jüngeren anzusehen. Ich glaubte, Bruder, ich würde in Sewastopol das Zehrgeld bekommen. Dann hätte ich es ihm wiedergegeben. Das kann man doch machen? ... So ist's besser, ich komme morgen mit ihm nach. Der ältere Bruder zog seinen Geldbeutel und nahm mit zitternden Fingern zwei Zehnrubel- und einen Dreirubelschein heraus. Das ist mein Geld! sagte er, wieviel bist du schuldig? Wenn Koselzow sagte, dies sei all sein Geld, sprach er nicht die volle Wahrheit: er hatte noch vier Goldstücke, die er für alle Fälle in seinem Ärmelaufschlag eingenäht hatte, er hatte sich aber das Wort gegeben, sie nicht anzurühren. Es zeigte sich, daß Koselzow vom Préférence und für den Zucker im ganzen acht Rubel schuldig war. Der ältere Bruder gab sie ihm und bemerkte nur, daß man, wenn man kein Geld habe, nicht noch Préférence spielen dürfe. Worauf hast du gespielt? Der jüngere Bruder sagte kein Wort. Die Frage seines Bruders erschien ihm wie ein Zweifel an seiner Ehrenhaftigkeit ... Der Ärger, den er gegen sich selbst empfand, die Scham wegen einer Handlung, die seinem Bruder, den er so liebte, solche Verdächtigungen und Beleidigungen abringen konnten, riefen bei seiner eindrucksfähigen Natur ein so schmerzliches Gefühl in ihm hervor, daß er nichts antwortete. Da er empfand, daß er nicht imstande sein würde, die vor Thränen zitternden Laute zu unterdrücken, die ihm die Kehle würgten, nahm er, ohne hinzusehen, das Geld und ging zu den Kameraden. VII Nikolajew, der sich in Duwanka durch zwei Kannen Branntwein gestärkt hatte, die er bei einem Soldaten auf der Brücke gekauft, führte die Zügel, das Fuhrwerk holperte auf der steinigen, stellenweis schattigen Straße dahin, die den Belbek entlang nach Sewastopol führte; die Brüder stießen mit den Beinen aneinander, schwiegen aber hartnäckig, obwohl sie beständig einer an den andern dachten. »Warum hat er mich gekränkt? dachte der Jüngere, konnte er nicht darüber hinweggehen, ohne ein Wort zu sprechen? Gerade als ob er glaubte, ich sei ein Dieb, und auch jetzt noch scheint er böse zu sein, so daß wir für immer auseinander sind. Und wie prächtig wäre es für uns gewesen, zusammen in Sewastopol! Zwei Brüder, die sich innig lieben, beide im Kampfe gegen den Feind: der eine, der Ältere, zwar nicht übermäßig gebildet, aber ein tapferer Krieger, und der andere, der Jüngere ... doch auch ein braver Soldat ... In der ersten Woche hätte ich allen bewiesen, daß ich gar nicht mehr so sehr jung bin! Ich werde dann nicht mehr erröten, in meinen Zügen wird Männlichkeit liegen, und bis dahin wird mein Schnurrbart zwar nicht groß, aber doch tüchtig gewachsen sein.« Und er zwickte an dem Flaum, der an den Rändern seines Mundes sproßte. »Vielleicht komme ich heute hin und sofort in das Gefecht zusammen mit dem Bruder. Und er ist sicher ausdauernd und höchst tapfer, so ein Mann, der nicht viel spricht, aber mehr als die anderen thut. Ich möchte gern wissen -- fuhr er fort -- ob er mich absichtlich oder unabsichtlich an den äußersten Rand des Wagens drängt. Er fühlt doch gewiß, daß ich unbequem sitze, und thut so, als ob er mich nicht bemerkte. Wir kommen also heute an -- fuhr er in seinen Gedanken fort und drückte sich an den Rand des Wagens; er scheute sich, sich zu rühren, um den Bruder nicht merken zu lassen, daß er unbequem sitze -- und auf einmal schnurstracks auf die Bastion: ich mit Geschützen, mein Bruder mit der Kompagnie, und wir ziehen zusammen. Plötzlich stürzen sich die Franzosen auf uns. Ich schieße: ich töte furchtbar viele; aber sie kommen gerade auf mich losgestürzt. Da hilft kein Schießen mehr, ich bin rettungslos verloren; plötzlich aber stürzt der Bruder hervor, mit dem Säbel in der Hand, die Franzosen stürzen sich auf meinen Bruder. Ich renne hin und töte einen Franzosen, noch einen, und rette den Bruder. Ich werde an einem Arm verwundet. Ich fasse die Flinte mit der andern Hand und renne vorwärts. Da wird mein Bruder neben mir von einer Kugel hingestreckt, ich stehe einen Augenblick still, sehe ihn an, so traurig, dann fasse ich mich und rufe: >Mir nach! Rache! ... Ich habe meinen Bruder über alles in der Welt geliebt< -- sage ich -- >und ich habe ihn verloren. Rächen wir ihn, vernichten wir den Feind oder bleiben wir alle auf dem Platze!< Alle schreien und stürzen mir nach. Das ganze Heer der Franzosen kommt heran. Pelissier selbst. Wir machen alle nieder; aber am Ende werde ich zum zweiten Male verwundet, zum dritten Male, und sinke tödlich getroffen zu Boden. Da kommen alle zu mir herangestürzt, Gortschakow kommt heran und fragt, was ich will. Ich sage, ich will nichts, ich wünsche nur, daß man mich neben meinen Bruder lege, daß ich mit ihm sterben will. Man nimmt mich auf und legt mich neben den blutbespritzten Leichnam meines Bruders. Ich richte mich auf und sage nur: >O ja, -- ihr habt zwei Menschen, die ihr Vaterland wahrhaft geliebt haben, nicht zu schätzen gewußt; nun sind sie beide gefallen; Gott möge euch verzeihen!< -- und ich sterbe. Wer weiß, wie viele von diesen Gedanken wahr werden!« Sag', bist du schon einmal im Handgemenge gewesen? fragte er plötzlich seinen Bruder; er hatte ganz vergessen, daß er nicht mit ihm sprechen wollte. Nein, kein einziges Mal, antwortete der Ältere. Von unserm Regiment sind zweitausend Mann gefallen, und alle nur bei den Arbeiten, und auch ich bin bei der Arbeit verwundet worden. Krieg wird ganz anders geführt, als du glaubst, Wolodja! Das Wort Wolodja rührte den jüngeren Bruder: er hatte den Wunsch, sich mit seinem Bruder auseinanderzusetzen, der auch nicht im entferntesten daran dachte, daß er Wolodja gekränkt hätte. Du bist mir nicht böse, Mischa, sagte er nach einem langen Schweigen. Weshalb? Ich, ich meinte so ... von vorhin, so ... das ist gut. Nicht im mindesten, antwortete der Ältere, wandte sich zu ihm und klopfte ihm auf das Bein. So vergieb mir, Mischa, wenn ich dich gekränkt habe. Und der jüngere Bruder wandte sich ab, um die Thränen zu verbergen, die ihm plötzlich in die Augen traten. VIII Ist dies schon Sewastopol? fragte der jüngere Bruder, als sie oben angekommen waren. Und vor ihnen lag die Bucht mit den Masten der Schiffe, das Meer mit der entfernten feindlichen Flotte, die weißen Strandbatterien, die Kasernen, Wasserleitungen, die Docks, die Gebäude der Stadt und weißblaue Rauchwolken, die ununterbrochen auf den gelben Höhen aufstiegen, die die Stadt umgaben; der Himmel war blau, und die Sonne, deren Glanz sich im Westen abspiegelte, senkte sich mit rosafarbenen Strahlen zum Horizont des dunklen Meeres nieder. Wolodja sah ohne das geringste Schaudern diesen Ort der Schrecken, an den er so viel gedacht hatte; er betrachtete vielmehr mit ästhetischem Genuß und dem heroischen Gefühl des Selbstbewußtseins, daß ja auch er in einer halben Stunde dort sein würde, dieses wahrhaft reizvoll-originelle Schauspiel, und betrachtete es mit gespannter Aufmerksamkeit bis zu dem Augenblick, wo sie auf die Nordseite zu dem Train des Regiment seines Bruders gekommen waren; hier mußten sie genau den Standort des Regiments und der Batterie erfahren. Der Offizier, der den Train kommandierte, wohnte in der Nähe des sogenannten neuen Städtchens -- hölzerner, durch Matrosenfamilien errichteter Baracken -- in einem Zelt, das mit einer ziemlich großen, aus grünen, noch nicht ganz vertrockneten Eichenzweigen errichteten Hütte verbunden war. Die Brüder trafen den Offizier vor einem schmutzigen Tische, auf dem ein Glas kalten Thees, ein Brett mit Schnaps, mit Kaviarkörnchen und Brotkrümel stand, bloß mit einem gelblich-schmutzigen Hemde bekleidet; er zählte an einem großen Rechenbrett einen ungeheuren Haufen Banknoten. Ehe wir aber von der Persönlichkeit des Offiziers und seiner Unterhaltung etwas sagen, müssen wir uns genauer das Innere seiner Hütte ansehen und uns ein wenig mit seiner Lebensweise und seiner Beschäftigung bekannt machen. Die neue Hütte war so groß, so dicht geflochten und so gut gebaut, mit Tischen und Bänken versehen, die mit Rasen bedeckt waren, wie man sie nur für Generale und Regimentskommandeure macht; die Seitenwände und die Decke waren, damit die Blätter nicht herunterfallen, mit drei Teppichen behängt, die zwar sehr häßlich, aber neu und jedenfalls teuer waren. Auf dem eisernen Bett, das unter dem Hauptteppich stand, auf dem eine Reiterin abgebildet war, lag eine hellrote Plüschdecke, ein schmutziges, zerrissenes Kissen und ein Schuppenpelz. Auf dem Tisch stand ein Spiegel in einem Silberrahmen; eine silberne, schrecklich schmutzige Bürste, ein zerbrochener, mit öligen Haaren besetzter Hornkamm, ein silberner Leuchter, eine Likörflasche mit einer riesigen goldenen roten Marke, eine goldene Uhr mit dem Bilde Peters des Großen, zwei goldene Federn, ein Körbchen mit Kapseln, eine Brotrinde, ein auseinandergeworfenes altes Kartenspiel und unter dem Bett allerlei leere und volle Flaschen. Dieser Offizier hatte den Train des Regiment und die Verpflegung der Pferde unter sich. Mit ihm zusammen wohnte sein Busenfreund, der Kommissionär, der sich mit den Geschäften befaßte. Er schlief in dem Augenblick, wo die Brüder eintraten, in der Hütte, der Train-Offizier aber zählte Kronsgelder, da das Ende des Monats vor der Thür stand. Die Erscheinung des Train-Offiziers war sehr schön und kriegerisch: eine hohe Gestalt, ein tüchtiger Schnauzbart, adelige Stattlichkeit. Unangenehm war an ihm nur sein schweißiges, aufgedunsenes Gesicht, das kaum die kleinen grauen Augen sehen ließ (als ob es ganz mit Porter begossen wäre), und die außerordentliche Unsauberkeit, von dem dünnen, öligen Haar bis zu den großen nackten Füßen, die er in Hermelinpantoffeln trug. Ist das Geld! Ist das Geld! sagte Koselzow -I.-, als er in die Hütte trat und mit unwillkürlicher Gier die Augen auf den Haufen Banknoten richtete. Wenn Sie mir nur die Hälfte borgen wollten, Wassilij Michajlytsch! Der Train-Offizier machte beim Anblick der Gäste einen krummen Rücken und grüßte sie, ohne aufzustehen, indem er das Geld zusammenstrich. Ach, wenn das mein wäre! ... Es ist Kronsgeld, mein Lieber! Wen bringen Sie mit? fragte er, indem er das Geld in eine neben ihm stehende Schatulle legte und Wolodja ansah. Das ist mein Bruder, er ist von der Kriegsschule hierher gekommen. Wir wollten von Ihnen erfahren, wo das Regiment steht. Setzen Sie sich, meine Herren, sagte er, erhob sich und ging, ohne den Gästen Aufmerksamkeit zu schenken, ins Zelt. Wollen Sie nicht etwas trinken? vielleicht Porter? fragte er im Zelt. Kann nicht schaden, Wassilij Michajlytsch! Wolodja war überrascht von der Würde des Train-Offiziers, seinem ungezwungenen Wesen und von der Achtung, die sein Bruder ihm entgegenbrachte. »Das muß ein vortrefflicher Offizier sein, den alle hochschätzen: gewiß einfach, aber gastfrei und tapfer,« dachte er und setzte sich bescheiden und schüchtern auf das Sofa. Wo steht denn unser Regiment? fragte von neuem der ältere Bruder. Wie? Er wiederholte die Frage. Heut ist Seifer bei mir gewesen: er sagte, es ist auf die fünfte Bastion gezogen. Bestimmt? Wenn ich es sage, ist es jedenfalls bestimmt; übrigens, der Teufel weiß! es kommt ihm auf eine Lüge nicht an. Wie ist's, werden Sie Porter trinken? sagte der Train-Offizier, immer aus dem Zelte heraus. Ich trinke, sagte Koselzow. Trinken Sie mit, Ossip Ignatjewitsch? fuhr die Stimme im Zelt fort, jedenfalls zu dem schlafenden Kommissionär gewandt. Sie haben genug geschlafen, -- es ist bald fünf Uhr. Was lassen Sie mich nicht in Ruh! ... Ich schlafe nicht, antwortete eine faule, dünne Stimme. Nun, so stehen Sie auf! Ich langweile mich ohne Sie. Und der Train-Offizier ging zu den Gästen. Gieb von dem Porter von Ssimferopol! schrie er. Der Bursche kam, wie es Wolodja schien, mit Stolz in die Hütte, holte den Porter unter der Bank hervor, und stieß dabei Wolodja. Die Flasche Porter war bereits ausgetrunken, und das Gespräch dauerte noch in der früheren Weise fort, als die Vorhänge des Zeltes auseinandergeschlagen wurden, und ein kleiner, frischer Mann in einem blauen Schlafrock mit Quasten und in einer Dienstmütze mit rotem Rand und Kokarde aus ihm hervortrat. Er drehte sich beim Eintreten seinen kleinen schwarzen Schnurrbart und beantwortete, indem er immer nach einem Punkt des Teppichs starrte, mit einer kaum bemerklichen Bewegung der Schulter den Gruß der Offiziere. Laßt mich auch ein Gläschen trinken! sagte er, indem er sich an den Tisch setzte. Sie kommen wohl aus Petersburg, junger Mann? sagte er, sich freundlich zu Wolodja wendend. Ja, ich gehe nach Sewastopol. Haben Sie selber darum gebeten? Ja. Ich begreife nicht, was Sie davon haben, meine Herren! fuhr der Kommissionär fort. Ich würde jetzt, glaube ich, gern zu Fuß nach Petersburg gehen, wenn man mich fortließe. Ich habe, bei Gott, dies verfluchte Leben satt! Was fehlt Ihnen hier? fragte der ältere Koselzow, sich zu ihm wendend: wenn *Sie* hier kein gutes Leben führen! Der Kommissionär sah ihn an und wandte sich ab. Diese Gefahren, Entbehrungen, man kann nichts bekommen ... fuhr er fort, zu Wolodja gewandt. Und was Sie davon haben, begreife ich entschieden nicht, meine Herren! Wenn Sie noch irgend welche Vorteile davon hätten, aber so! Ist es etwa gut, in Ihren Jahren, plötzlich fürs ganze Leben zum Krüppel zu werden? Der eine macht Geschäfte, der andere dient der Ehre halber ... mischte sich im Tone des Unwillens der ältere Koselzow wieder ein. Schöne Ehre, wenn man nichts zu essen hat, sagte der Kommissionär mit verächtlichem Lachen, zu dem Train-Offizier gewandt, der auch darüber lachte. Stell' sie auf »Lucia«, wir hören zu, sagte er und zeigte auf eine Spieldose. Ich höre sie gern. Ist er ein guter Mensch, dieser Wassilij Michajlytsch? fragte Wolodja seinen Bruder, als sie, bereits in der Dämmerung, die Hütte verließen und nach Sewastopol weiter fuhren. Es geht an, aber er ist ein schrecklicher Geizhals! Und diesen Kommissionär kann ich nicht ausstehen ... Den prügele ich noch einmal durch. IX Wolodja war zwar nicht in schlechter Stimmung, als er, bereits bei Anbruch der Nacht, zu der großen, über die Bucht führenden Brücke kam, fühlte aber eine gewisse Beklommenheit im Herzen. Alles, was er sah und hörte, wich sehr ab von den früheren, eben erst verlassenen Eindrücken: dem hellen, getäfelten Prüfungssaal, dem lustigen, harmlosen Lachen der Kameraden, der neuen Uniform, dem geliebten Zaren, den er sieben Jahre hindurch gesehen und der sie Kinder genannt, als er mit Thränen in den Augen von ihnen Abschied nahm -- so wenig glich alles seinen schönen, buntschillernden, hochherzigen Träumen. Nun, sieh, wir sind an Ort und Stelle! sagte der ältere Bruder, als sie zur Michajlow-Batterie kamen und aus dem Fuhrwerk stiegen. Wenn man uns über die Brücke läßt, gehen wir sogleich in die Nikolajew-Kaserne. Dort bleibst du bis morgen früh; und ich werde zum Regiment gehen, um zu erfahren, wo deine Batterie steht; morgen werde ich dich abholen. Warum denn? gehen wir lieber zusammen, meinte Wolodja. Ich werde mit dir auf die Bastion gehen. Es ist ja jetzt ganz gleich: ich muß mich daran gewöhnen. Wenn *du* gehst, kann ich es auch. Besser ist es, du gehst nicht. Aber ich bitte dich! So werde ich wenigstens kennen lernen, wie ... Ich rate dir, geh nicht; aber willst du ... Der Himmel war wolkenfrei und dunkel; die Sterne und die unaufhörlich leuchtenden Feuer der Bomben und Schüsse glänzten hell in der Finsternis. Das große, weiße Gebäude der Batterie und der Anfang der Brücke traten aus der Dunkelheit hervor. Buchstäblich jede Sekunde erschütterten einige Gewehrschüsse und Explosionen, entweder schnell aufeinander folgend oder zusammen, lauter und deutlicher die Luft. Diesem Getöse folgte, wie eine Begleitung, das dumpfe Brausen der Bucht. Vom Meere her wehte ein schwacher Wind und trug Feuchtigkeit daher. Die Brüder gingen an die Brücke. Ein Landwehrmann schlug schwerfällig mit dem Gewehr auf und rief: Wer da? Soldat. Ist verboten, durchzulassen. Was? wir müssen ... Fragen Sie den Offizier. Der Offizier, der auf einem Ackerfeld sitzend geschlummert hatte, erhob sich und befahl, sie durchzulassen. Dorthin ist es erlaubt, aber nicht von dorther. Wo wollt ihr hin? Alle auf einmal! schrie er den mit Schanzkörben beladenen Regimentsfuhrwerken zu, die sich vor der Brücke zusammengedrängt hatten. Die Brüder stiegen zum ersten Ponton nieder und stießen auf Soldaten, die in lauter Unterhaltung von der anderen Seite her kamen. Wenn er das Geld zur Ausrüstung bekommen hat, dann hat er nichts mehr zu fordern. Ach Brüderchen! sagte eine andere Stimme, wenn man auf die Nordseite hinübergeht, da sieht man die Welt, bei Gott! Eine ganz andere Luft! Schwatz' nur immer zu! ... sagte der erste, vor kurzem kam so eine Verfluchte herübergeflogen; zwei Matrosen hat sie die Beine weggerissen ... Die Brüder gingen über das erste Ponton und blieben, ihr Fuhrwerk erwartend, auf dem zweiten stehen, das stellenweise bereits überschwemmt war. Der Wind, der landeinwärts schwach erschien, war hier sehr stark und reißend; die Brücke schaukelte, und die Wellen, die mit Geräusch an die Balken schlugen und an den Ankern und Tauen sich brachen, überschwemmten die Bretter des Pontons. Rechts rauschte und dunkelte in verräterischen Nebel gehüllt die See und hob sich durch einen schweren Streif von dem gestirnten lichtgrau strahlenden Horizont ab; in der Ferne glänzten Lichter auf der feindlichen Flotte. Links zeigten sich die schwarzen Maste eines unserer Schiffe, und man hörte die Wellen an seinen Bord anschlagen. Ein Dampfer ward sichtbar, der geräuschvoll und schnell von der Nordseite herankam. Das Feuer einer in seiner Nähe platzenden Bombe erhellte auf einen Augenblick die auf dem Verdeck hoch aufgeschichteten Schanzkörbe, die beiden Leute, die oben standen, und den weißen Schaum und den Sprühregen der von dem Dampfer durchschnittenen grünlichen Wellen. Am Rande der Brücke saß, mit den Füßen im Wasser, ein Mann im bloßen Hemd und machte etwas auf dem Ponton. Vor ihnen, über Sewastopol, ließ sich das frühere Feuer hören, und immer lauter drangen von da schreckliche Töne herüber. Eine hoch aufspritzende Welle ergoß sich über die rechte Brückenseite und machte Wolodjas Füße naß; zwei Soldaten gingen, im Wasser watend, an ihm vorbei. Plötzlich beleuchtete etwas unter Krachen die Brücke, das vorn auf ihr fahrende Fuhrwerk und einen Reiter, und die Bombensplitter fielen, mit Pfeifen Schaum aufwerfend, ins Wasser. Ah, Michajlo Ssemjonytsch! sagte der Reiter, indem er sein Pferd vor dem älteren Koselzow hielt: sind Sie schon vollständig wieder hergestellt? Wie Sie sehen. Wohin führt Sie Gott? Auf die Nordseite, nach Patronen: ich vertrete ja jetzt den Regimentsadjutanten ... Sturm erwarten wir von Stunde zu Stunde. Und wo ist Marzow? Gestern ist ihm ein Fuß fortgerissen worden ... Er schlief in der Stadt im Zimmer ... Sie kennen ihn wohl? Das Regiment steht auf der Fünften, nicht wahr? Ja, es ist an Stelle des M.-Regimentes dorthin gekommen. Gehen Sie nach dem Verbandort: dort finden Sie welche von uns, die werden Sie führen. Nun, und mein Quartier auf der Seestraße, ist das unbeschädigt? I, mein Lieber! Schon längst ganz von Bomben zertrümmert ... Sie erkennen jetzt Sewastopol nicht mehr wieder: keine Seele von einem Frauenzimmer, keinen Gastwirt, keine Musik giebt es mehr. Gestern ist der letzte Ausschank fortgezogen. Jetzt ist es schrecklich öde ... Leben Sie wohl! Und der Offizier ritt im Trabe weiter. Wolodja wurde plötzlich ganz trübselig zu Mut: es schien ihm immer, als ob augenblicklich eine Kanonenkugel oder ein Bombensplitter geflogen kommen und ihn gerade an den Kopf treffen müßte. Dieser feuchte Nebel, alle diese Stimmen, besonders das grollende Plätschern der Wellen, schienen ihm zu sagen, er solle nicht weiter gehen, es harre seiner hier nichts Gutes, sein Fuß würde nie wieder den Boden jenseits der Bucht betreten, er möchte auf der Stelle umkehren und fliehen -- weit, weit von diesem furchtbaren Orte des Todes. »Aber vielleicht ist es schon zu spät, vielleicht ist es schon so beschlossen,« dachte er und erbebte, teils über diesen Gedanken, teils, weil ihm das Wasser durch die Stiefel drang und seine Füße feucht machte. »Herr! werde ich wirklich fallen, -- gerade ich? Herr, erbarme dich meiner!« murmelte er flüsternd und bekreuzte sich. Nun, gehen wir, Wolodja! sagte der ältere Bruder, als ihr Fuhrwerk auf die Brücke gekommen war. Hast du die Bombe gesehen? Auf der Brücke begegneten den Brüdern Wagen mit Verwundeten, mit Schanzkörben, und einer mit Möbeln, den eine Frau führte. Auf der andern Seite der Bucht wurden sie von niemand zurückgehalten. Die Brüder hielten sich instinktiv dicht an die Wand der Nikolajew-Batterie und kamen, indem sie schweigend auf die Töne der hier über ihren Köpfen platzenden Bomben und das Brausen der niederfallenden Sprengstücke hörten, zu dem Platz der Batterie, wo das Heiligenbild stand. Hier erfuhren sie, daß die fünfte leichte, der Wolodja zugeteilt war, in der Korabelnaja stand, und beschlossen, trotz der Gefahr, zum ältern Bruder auf die fünfte Bastion übernachten zu gehen und von dort, am folgenden Tage, nach der Batterie. Sie bogen in den Flur ein, schritten über die Beine schlafender Soldaten, die längs der ganzen Batteriewand lagen, hinweg und kamen endlich zum Verbandplatz. X Sie traten in das erste Zimmer, das voll von Pritschen war, auf denen Verwundete lagen, und das von einem beklemmenden, widerwärtigen Lazarettgeruch erfüllt war, und trafen zwei barmherzige Schwestern, die ihnen entgegenkamen. Die eine, eine Frau von ungefähr fünfzig Jahren, mit dunklen Augen und strengen Gesichtszügen, trug Binden und Charpie, und erteilte einem jungen Burschen, einem Feldscher, der hinter ihr ging, ihre Befehle; die andere, ein sehr hübsches Mädchen von ungefähr zwanzig Jahren, mit einem zarten, blonden Gesichtchen, das außerordentlich reizvoll in seiner Hilflosigkeit unter dem weißen Häubchen hervorsah, ging, die Hände in den Schürzentaschen, neben der Alten und schien zu fürchten, sie könnte hinter ihr zurückbleiben. Koselzow wandte sich an sie mit der Frage, ob sie nicht wüßten, wo Marzow liege, der gestern ein Bein verloren habe. Er ist wohl vom P.-Regiment? fragte die Alte, ist er ein Verwandter von Ihnen? Nein, ein Kamerad. Führen Sie die Herren, sagte sie zu der jungen Schwester französisch, ... hierherum, und sie ging selbst mit dem Feldscher auf den Verwundeten zu. Gehen wir nur ... was zauderst du? rief Koselzow zu Wolodja, der die Augenbrauen mit einem Ausdruck des Schmerzes in die Höhe zog und nicht die Kraft hatte, seinen Blick von den Verwundeten abzuwenden. Gehen wir nur! Wolodja ging mit dem Bruder, sah sich aber immer um und wiederholte unbewußt: Ach, mein Gott! Ach, mein Gott! Sie sind gewiß noch nicht lange hier? fragte die Schwester Koselzow, indem sie auf Wolodja wies, der Ach! rufend und seufzend im Zwischengange hinter ihnen schritt. Er ist soeben erst angekommen. Die hübsche Schwester sah Wolodja an und brach plötzlich in Thränen aus. »Mein Gott, mein Gott! wann wird das alles ein Ende haben,« sagte sie in verzweifelndem Tone. Sie kamen in den Krankensaal der Offiziere. Marzow lag auf dem Rücken, die sehnigen, bis zu den Ellbogen entblößten Arme über den Kopf lang ausgestreckt, in seinem gelben Gesicht malte sich der Ausdruck eines Menschen, der die Zähne zusammenpreßt, um vor Schmerz nicht zu schreien. Das gesunde Bein, mit einem Strumpfe bekleidet, war unter der Decke hervorgestreckt, und man sah, wie er krampfhaft die Zehen hin- und herbewegte. Nun, wie geht es Ihnen? fragte die Schwester, indem sie mit ihren dünnen zarten Fingern -- an dem einen bemerkte Wolodja einen Ring -- seinen etwas kahlen Kopf in die Höhe hob und das Kissen zurechtrückte. Kameraden von Ihnen sind gekommen, Sie zu besuchen. Natürlich habe ich Schmerzen! sagte er ärgerlich. Lassen Sie's nur, so ist's gut! ... Die Zehen im Strumpfe bewegten sich noch schneller. Guten Tag! Wie heißen Sie? Entschuldigen Sie, sprach er zu Koselzow gewandt ... Ach, ja, Sie müssen verzeihen, -- hier vergißt man alles, fuhr er fort, als dieser ihm seinen Namen gesagt hatte. Habe ich nicht mit dir zusammen gewohnt? fügte er hinzu, indem er, ohne jeglichen Ausdruck der Freude, Wolodja fragend ansah. Das ist mein Bruder, er ist heute von Petersburg gekommen. Hm! ... Ich habe mir die volle Pension verdient ... sagte er mit gerunzelter Stirn. Ach, was für Schmerzen! ... Ja, es wäre am besten, wenn's bald zu Ende wäre ... Er zog die Beine in die Höhe, bewegte die Zehen mit vermehrter Schnelligkeit hin und her und bedeckte das Gesicht mit beiden Händen. Wir müssen ihn verlassen, sagte flüsternd die Schwester, mit Thränen in den Augen, er befindet sich schon sehr schlecht. Noch auf der Nordseite hatten die Brüder beschlossen, auf die fünfte Bastion zu gehen; als sie aber die Nikolajew-Batterie verließen, beschlossen sie, -- als ob sie sich verabredet hätten, sich keiner unnützen Gefahr anzusetzen, ohne daß sie nur ein Wort miteinander darüber gesprochen hatten, -- jeder einzeln zu gehen. Aber ... wie wirst du dich zurechtfinden, Wolodja? sagte der Ältere. Übrigens kann dich Nikolajew nach der Korabelnaja begleiten, ich werde allein gehen und morgen bei dir sein. Weiter wurde kein Wort gesprochen bei diesem letzten Abschied der beiden Brüder. XI Der Kanonendonner dauerte mit der früheren Stärke fort, aber die Katharinenstraße, durch die Wolodja mit dem ihm schweigend folgenden Nikolajew ging, war still und öde. In der Dunkelheit sah er nur die breite Straße, mit den weißen, an vielen Stellen zertrümmerten Mauern großer Häuser, und das Steintrottoir, auf dem er ging; bisweilen trafen sie Soldaten und Offiziere. Er ging auf der linken Seite der Straße und sah bei dem Schein eines hellen Feuers, das hinter einer Mauer brannte, die längs des Trottoirs gepflanzten Akazien mit ihren grünen Pfählen und ihren verkümmerten, bestaubten Blättern. Deutlich hörte er seine Schritte und die Nikolajews, der hinter ihm ging und schwer atmete. Er dachte an nichts. Die hübsche Schwester, Marzows Bein mit den beweglichen Zehen unter dem Strumpf, die Dunkelheit und die mannigfachen Formen des Todes zogen traurig an seinem Geiste vorüber. Seine ganze junge, eindrucksfähige Seele krampfte und preßte sich zusammen unter dem Einflusse des Gefühls der Verlassenheit und der allgemeinen Gleichgültigkeit gegen sein Schicksal in der Gefahr! »Ich kann getötet werden, Qualen erdulden, leiden, und niemand weint um mich.« Und all das statt des thatenreichen und bewunderten Lebens eines Helden, das er sich so herrlich ausgemalt hatte. Näher und näher platzten und pfiffen die Bomben. Nikolajew seufzte noch häufiger, ohne jedoch das Schweigen zu unterbrechen. Als er über die Brücke ging, die nach der Korabelnaja führte, sah Wolodja, wie unweit von ihm etwas pfeifend in die Bucht flog, auf eine Sekunde die blauen Wellen purpurrot beleuchtete und dann mit Schaum wieder in die Höhe flog. Sieh, sie ist nicht erstickt! ... rief heiser Nikolajew. Ja, antwortete er ganz unwillkürlich und sich selbst unerwartet mit dünner, piepsender Stimme. Sie begegneten Tragbahren mit Verwundeten und wiederum Regimentswagen mit Schanzkörben. Auf der Korabelnaja trafen sie ein Regiment, und Reiter ritten vorüber. Einer von ihnen war ein Offizier in Begleitung eines Kosaken. Er ritt im Trab, als er aber Wolodja bemerkte, hielt er neben ihm, sah ihm ins Gesicht, wandte um, gab dem Pferde einen Schlag und ritt davon. »Allein, allein; es ist allen ganz gleichgültig, ob ich da bin oder nicht,« dachte der Jüngling und hatte ernstlich Lust zu weinen. Er schritt bergauf, an einer weißen Mauer vorüber, und kam in eine Straße zerstörter, unaufhörlich von Bomben beleuchteter Häuschen. Da stieß er auf ein betrunkenes, zerlumptes Weib, das mit einem Matrosen aus einem Pförtchen herauskam. Denn, w--w--wenn er ein Ehrenm--m--mann w--wäre, -- lallte sie -- -pardon-, Ew. Wohlgeboren, Herr Offizier! Dem armen Jüngling ward das Herz immer mehr und mehr bedrückt; und am schwarzen Horizont flammten immer häufiger Blitze auf, und immer häufiger pfiffen und krachten Bomben in seiner Nähe. Nikolajew seufzte auf und begann plötzlich, wie es Wolodja schien, mit bestürzter, gepreßter Stimme: Und da haben sie sich beeilt, das Gouvernement zu verlassen! Hierher, nur hierher! ... Das verlohnt sich gerade! Warum nicht, der Bruder ist ja jetzt wieder gesund, antwortete Wolodja, in der Hoffnung, wenigstens durch ein Gespräch das schreckliche Gefühl, das ihn beherrschte, zu verscheuchen. Gesund ... Schöne Gesundheit, wenn er ganz und gar krank ist!? Auch wer wirklich gesund ist, thäte am besten, in solcher Zeit im Lazarett zu leben. Giebt's hier etwa viel Freude? Entweder wird einem das Bein oder der Arm abgerissen -- das ist alles! Ein Unglück ist schnell geschehen! Hier, in der Stadt, ist es noch nicht so wie auf der Bastion, dort geht es wahrhaft schrecklich zu. Wenn man geht, thut man weiter nichts, als beten. Sieh, die Bestie, wie sie an einem vorbeihuscht! fügte er hinzu, und richtete seine Aufmerksamkeit auf einen nahe vorbeisausenden Bombensplitter. Jetzt hat man mir befohlen, fuhr Nikolajew fort, Ew. Wohlgeboren zu führen. Wie's unsereinem geht, das weiß man ja: was befohlen wird, muß man ausführen; da überläßt man dem ersten besten Soldaten den Wagen, und das Bündel ist offen. Aber du geh, geh mit; und was an Sachen verloren geht -- Nikolajew, steh dafür ein! Noch einige Schritte weiter, und sie kamen auf einen Platz. Nikolajew schwieg und seufzte. Da steht Ihre Artillerie, Ew. Wohlgeboren! sagte er plötzlich, fragen Sie den Posten, er wird Ihnen den Weg zeigen. Als Wolodja einige Schritte weiter gegangen war, hörte er die Seufzertöne Nikolajews nicht mehr hinter sich. Er fühlte sich plötzlich vollständig, ganz und gar allein. Dieses Bewußtsein der Vereinsamung in der Gefahr vor dem Tode, wie er glaubte, lag ihm wie ein entsetzlich schwerer, kalter Stein auf der Brust. Er blieb mitten auf dem Platze stehen und schaute sich um, ob ihn nicht jemand sehe, griff sich an den Kopf, sprach vor sich hin und dachte mit Entsetzen: »Herr Gott! Bin ich denn ein Feigling, ein elender, abscheulicher, niedriger Feigling -- gilt es nicht das Vaterland, den Zaren, für den ich gestern noch mit Wonne zu sterben wähnte? Nein, ich bin ein unglückliches, bejammernswertes Geschöpf!« Und mit einem wahren Gefühl der Verzweiflung und der Enttäuschung über sich selbst, fragte Wolodja den Posten nach dem Hause des Batteriekommandeurs und ging in der Richtung, die er ihm wies. XII Die Wohnung des Batteriekommandeurs, die ihm der Posten gezeigt hatte, war ein kleines, zweistöckige Haus, mit dem Eingange vom Hofe her. Durch das mit Papier verklebte Fenster schimmerte das schwache Licht einer Kerze. Der Bursche saß auf der Außentreppe und rauchte seine Pfeife. Er ging dem Batteriekommandeur Meldung zu machen und führte Wolodja ins Zimmer. Im Zimmer standen, zwischen zwei Fenstern, unter einem zerbrochenen Spiegel, ein mit amtlichen Papieren über und über bedeckter Tisch, einige Stühle und eine eiserne Bettstelle mit reiner Bettwäsche und einem kleinen Teppich davor. Dicht an der Thür stand ein hübscher Mann mit starkem Schnurrbart -- der Feldwebel, mit dem Seitengewehr und einem Mantel, auf dem ein Kreuz und die Medaille für den ungarischen Feldzug hingen. In der Mitte des Zimmers ging ein kleiner, etwa vierzigjähriger Stabsoffizier, mit einer verbundenen, geschwollenen Backe, in einem dünnen, alten Mantel hin und her. Ich habe die Ehre, mich zu melden, zur fünften Leichten kommandiert, Fähnrich Koselzow II! sagte Wolodja seine eingelernte Phrase her, als er ins Zimmer trat. Der Batteriekommandeur beantwortete kühl seinen Gruß und forderte Wolodja, ohne ihm die Hand zu geben, auf, sich zu setzen. Wolodja ließ sich schüchtern auf einen Stuhl neben dem Schreibtisch nieder und spielte mit einer Schere, die ihm in die Hand fiel. Der Batteriekommandeur ging, mit gesenktem Kopf, die Hände auf dem Rücken, unaufhörlich, ohne ein Wort zu sprechen, im Zimmer auf und nieder, mit dem Aussehen eines Menschen, der sich etwas in Erinnerung rufen will, und warf nur von Zeit zu Zeit einen Blick auf die Hände, die mit der Schere spielten. Der Batteriekommandeur war ein ziemlich beleibter Mann mit einer großen Glatze auf dem Wirbel, einem dichten Schnauzer, der gerade heruntergekämmt war und den Mund bedeckte, und mit freundlichen grauen Augen; er hatte schöne, reine, rundliche Hände, seine Beine waren stark nach außen gekehrt, er trat mit Zuversicht und einer gewissen Stutzerhaftigkeit auf, die andeutete, daß der Batteriekommandeur nicht gerade schüchtern war. Ja, sagte er und blieb vor dem Feldwebel stehen, der Geschützmannschaft wird man von morgen ab noch einen Topf zugeben müssen, sie werden zu schlecht behandelt. Was meinst du? Gewiß, man kann ihnen noch was geben, Euer Hochwohlgeboren! Jetzt ist der Hafer billiger geworden, antwortete der Feldwebel und bewegte dabei die Finger an den Händen, die er an den Nähten hielt, die aber offenbar gern seine Rede mit ihrer Gebärde unterstützten. Gestern hat mir auch unser Fourageur Frantschuk vom Train ein Schreiben geschickt, Euer Hochwohlgeboren, wir müßten unbedingt dort Ochsen kaufen, meint er. Es heißt, sie sollen billig sein. Wenn Sie befehlen? Nun ja, kaufen wir: er hat das Geld. Und der Batteriekommandeur begann wieder im Zimmer auf und nieder zu gehen. -- Und wo sind Ihre Sachen? fragte er plötzlich Wolodja und blieb vor ihm stehen. Den armen Wolodja hatte der Gedanke, daß er ein Feigling sei, so niedergedrückt, daß er in jedem Augenblick, in jedem Wort Verachtung gegen sich, als einen kläglichen Feigling, sah. Es war ihm, als hätte der Batteriekommandeur schon sein Geheimnis durchschaut und spotte seiner. Er antwortete verlegen, die Sachen seien auf der Grafßkaja und der Bruder hätte versprochen, sie ihm morgen zu schicken. Der Oberst aber hörte kaum auf ihn und fragte, zu dem Feldwebel gewandt: Wo werden wir den Fähnrich unterbringen? Den Fähnrich? sagte der Feldwebel, und machte Wolodja noch mehr verlegen durch den flüchtigen Blick, den er ihm zuwarf und der gewissermaßen die Frage ausdrückte: »Was ist das für ein Fähnrich?« -- Ja, unten, Euer Hochwohlgeboren, beim Stabskapitän können Seine Wohlgeboren sich einquartieren, fuhr er fort, nachdem er ein wenig nachgedacht hatte; der Stabskapitän sind jetzt auf der Bastion, so daß seine Pritsche leer steht. Beliebt es Ihnen einstweilen so? fragte der Batteriekommandeur. Sie müssen, denk' ich, müde sein; morgen werden wir es besser einrichten. Wolodja stand auf und verbeugte sich. Ist Ihnen nicht Thee gefällig? fragte der Batteriekommandeur, als er bereits bis zur Thür gegangen war. Man kann eine Theemaschine aufstellen. Wolodja verbeugte sich und ging hinaus. Der Bursche des Obersten begleitete ihn nach unten und führte ihn in ein kahles, schmutziges Zimmer, in dem allerlei Gerümpel umherlag und ein eisernes Bett ohne Wäsche und Decke stand. Auf dem Bett, mit einem dicken Mantel zugedeckt, schlief jemand in einem rosa Hemd. Wolodja hielt ihn für einen gemeinen Soldaten. Peter Nikolajewitsch! rief der Offiziersbursche, indem er den Schläfer an der Schulter rüttelte. Hier werden sich der Fähnrich hinlegen ... Das ist unser Junker, fügte er, zum Fähnrich gewandt, hinzu. Ach, lassen Sie sich nicht stören, bitte! sagte Wolodja; aber der Junker, ein hochgewachsener, stattlicher junger Mann mit hübschen, aber sehr dummen Zügen, stand vom Bett auf, warf sich den Mantel um und ging, augenscheinlich noch halb im Schlafe, aus dem Zimmer. Schadet nichts, ich werde mich draußen hinlegen, brummte er. XIII Als Wolodja mit seinen Gedanken allein geblieben war, war sein erstes Gefühl die Angst vor dem wirren, trostlosen Zustand, in dem sich sein Gemüt befand. Er hatte den Wunsch, einzuschlafen und alles ringsumher, vor allem aber sich selbst, zu vergessen. Er löschte das Licht, legte sich auf das Bett und zog seinen Mantel über den Kopf, um sich zu schützen gegen die Angst vor der Dunkelheit, die ihm seit frühester Jugend anhaftete. Plötzlich aber fiel ihm ein, es könnte eine Bombe geflogen kommen, das Dach durchschlagen und ihn töten ... Er horchte auf; gerade über ihm erklangen die Schritte des Batteriekommandeurs. »Übrigens, wenn eine geflogen kommt -- dachte er -- trifft sie erst oben und dann mich -- also wenigstens nicht mich allein.« Dieser Gedanke beruhigte ihn ein wenig, er war im Begriff, einzuschlummern. »Wie aber, wenn plötzlich in der Nacht Sewastopol genommen wird, und die Franzosen hier eindringen? Womit werde ich mich verteidigen?« Er stand wieder auf und ging im Zimmer auf und nieder. Die Angst vor der wirklichen Gefahr hatte die geheimnisvolle Angst vor der Finsternis verschlungen. Außer einem Sattel und einem Ssamowar war im Zimmer nichts Festes. »Ich bin ein Elender, ein Feigling, ein abscheulicher Feigling,« dachte er plötzlich, und wieder überkam ihn das drückende Gefühl der Verachtung, des Abscheus sogar vor sich selbst. Er legte sich wieder hin und gab sich Mühe, nichts zu denken. Da tauchten unwillkürlich die Eindrücke des Tages in seiner Phantasie wieder auf, begleitet von ununterbrochenen Tönen, die die Scheiben in dem einzigen Fenster klirren machten, und erinnerten ihn wieder an die Gefahr. Bald phantasierte er von Verwundeten und von Blut, bald von Bomben und Splittern, die ins Zimmer fliegen, bald von der hübschen, barmherzigen Schwester, die ihm, dem Sterbenden, einen Verband anlegt und über ihn weint, bald von seiner Mutter, die in der Kreisstadt an seiner Seite geht und inbrünstig unter Thränen vor dem wunderthätigen Bilde betet, und wieder scheint ihm der Schlaf unmöglich. Plötzlich trat der Gedanke an Gott, den Allmächtigen, der alles wirken und jedes Gebet erhören kann, klar vor seine Seele. Er kniete nieder, bekreuzte sich und faltete die Hände, ganz so, wie man ihn in der Kindheit beten gelehrt hatte. Diese Gebärde versetzte ihn mit einem Schlage in eine längst vergangene, tröstliche Stimmung. »Wenn ich sterben muß, wenn es sein muß, daß ich vergehe, laß es geschehen, Herr -- dachte er -- laß es schnell geschehen! ... Bedarf es aber der Tapferkeit, bedarf es der Standhaftigkeit, die ich nicht habe, so gieb sie mir, schütze mich vor Schmach und Schande, die ich nicht ertragen kann, lehre mich, was ich zu thun habe, um Deinen Willen zu erfüllen.« Seine kindliche, eingeschüchterte, geängstigte Seele ward plötzlich von Mannesmut erfüllt. Sie wurde heller und sah neue, weite, lichte Horizonte. Noch vieles dachte und empfand er in diesem kurzen Augenblick, den diese Stimmung währte; er schlief bald ruhig und furchtlos ein, mitten unter den Tönen des fortdauernden Getöses des Bombardements und des Klirrens der Scheiben. Großer Gott! Nur du allein hast gehört und kennst die einfältigen, aber inbrünstigen und verzweifelten Gebete der Unwissenheit und irrenden Reue, die Bitten um Heilung des Körpers und Erleuchtung der Seele, die zu dir von diesem schrecklichen Orte des Todes emporgestiegen sind, aus dem Herzen des Generals, der eben an das Georgskreuz gedacht hat und mit Bangen Deine Nähe ahnt, wie des einfachen Soldaten, der sich auf dem nackten Boden der Nikolajew-Batterie wälzt und Dich bittet, ihm im Jenseits Belohnung zu gewähren für alle Leiden! ... XIV Der ältere Koselzow hatte auf der Straße einen Soldaten seines Regiments getroffen und ging zusammen mit ihm geradewegs nach der fünften Bastion. Halten Sie sich an die Mauer, Euer Wohlgeboren! sagte der Soldat. Weshalb? Es ist gefährlich, Euer Wohlgeboren: sehen Sie, da fliegt sie schon hinüber! sagte der Soldat, indem er auf den pfeifenden Ton einer Kanonenkugel horchte, die auf dem trockenen Weg auf der anderen Seite der Straße einschlug. Koselzow ging, ohne auf den Soldaten zu hören, kühn in der Mitte der Straße. Es waren dieselben Straßen, dasselbe sogar noch häufigere Feuern, dasselbe Stöhnen, Vorübertragen von Verwundeten und dieselben Batterien, Brustwehren und Laufgräben, wie im Frühjahr, da er in Sewastopol gewesen; aber das alles war jetzt noch trauriger und zugleich energischer: es gab noch mehr durchgeschlagene Dächer, Licht in den Fenstern war gar nicht mehr sichtbar, außer in Kuschtschins Hause (dem Lazarett), Frauen sah man gar nicht mehr auf der Straße, auf allem lag nicht mehr der frühere Charakter des Alltäglichen und der Sorglosigkeit, sondern der Stempel einer bangen Erwartung und Müdigkeit. Aber da ist schon der letzte Laufgraben, da tönt auch die Stimme eines Soldaten vom P.-Regiment, der seinen früheren Hauptmann erkannt hat; da steht auch das dritte Bataillon in der Dunkelheit, an die Wand gelehnt, bisweilen auf einen Augenblick durch Schüsse beleuchtet und seine Gegenwart nur durch gedämpftes Murmeln und das Klirren der Gewehre verratend. Wo ist der Regimentskommandeur? fragte Koselzow. In der Blindage, Euer Wohlgeboren, bei den Seeleuten, antwortete ein dienstfertiger Soldat. Bitte, ich werde Sie führen. Von Laufgraben zu Laufgraben führte der Soldat Koselzow zu einem kleinen Graben in einem Laufgraben. Im Graben saß ein Matrose, der seine Pfeife rauchte; hinter ihm war eine Thür sichtbar, durch deren Spalt Licht schimmerte. Darf man eintreten? Werde Sie sogleich melden! und der Soldat trat zur Thür ein. Drinnen sprachen zwei Stimmen. Wenn Preußen die Neutralität bewahrt, sagte die eine Stimme, so wird auch Österreich ... Ach was, Österreich, sagte die andere, wenn die slavischen Völker ... Laß eintreten. Koselzow war nie in dieser Blindage gewesen. Sie frappierte ihn durch ihren Luxus. Der Fußboden war getäfelt, an der Thür hielt eine spanische Wand den Wind ab. Zwei Betten waren an den Wänden aufgestellt; in einer Ecke stand ein großes Bild der Gottesmutter in goldenen Gewändern, und vor ihm brannte eine rosa Lampe. Auf dem einen Bett schlief ein Marineoffizier, vollständig angekleidet; auf dem andern saßen vor einem Tisch, auf dem zwei halbvolle Flaschen Wein standen, der neue Regimentskommandeur im Gespräch mit seinem Adjutanten. Obgleich Koselzow durchaus kein Feigling war und sich weder der Behörde, noch dem Regimentskommandeur gegenüber einer Schuld bewußt war, wurde er doch zaghaft bei dem Anblick des Hauptmanns, der vor kurzem noch sein Kamerad gewesen war; so stolz erhob sich dieser Hauptmann, um ihn auszufragen. »Sonderbar, dachte Koselzow, während er seinen Kommandeur ansah, sieben Wochen sind es erst, daß er das Regiment bekommen hat, und wie deutlich spricht schon aus allem, was ihn umgiebt, aus seiner Kleidung, aus seinem Gebahren, aus seinem Blick, die Würde des Regimentskommandeurs. Vor kurzem -- dachte er -- hat dieser Batteriechef noch mit uns gezecht, an Wochentagen ein dunkles Zitzhemd getragen, das länger rein hält, nie jemand zu sich eingeladen, und immer und ewig Klops und Quarkpiroggen gegessen, und jetzt? ... Und im Blick dieser Ausdruck kalten Hochmuts, der zu sagen scheint: wenn ich auch dein Kamerad bin, weil ich Regimentskommandeur neuer Schule bin, glaube nur, ich weiß, wie gern du dein halbes Leben hingäbest, um an meiner Stelle zu sein!« Sie haben sich recht lange kurieren lassen, sagte der Oberst zu Koselzow und sah ihn kühl an. Ich bin krank gewesen, Oberst! Die Wunde ist jetzt noch nicht ganz geschlossen. 1 . , 2 . 3 - - , . 4 , 5 , 6 . , 7 , , 8 . 9 , 10 11 . 12 , , 13 , 14 , 15 , , , 16 , . 17 , 18 ; , . . 19 , , 20 , . . . 21 , 22 , . 23 , , 24 25 , , 26 . 27 28 29 30 31 32 , , 33 , ; . 34 35 , , 36 . 37 38 . 39 40 ? 41 . 42 43 . , , 44 . 45 46 ! . . . , 47 . 48 49 , , 50 : 51 52 » , ; ! 53 , . 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