der achten Kompagnie krank und in der Kompagnie nur der Fähnrich übrig
sei, hätte er es für seine Pflicht gehalten, sich für die Stelle des
Leutnants Nepschißezki zu melden und ginge daher heut auf die Bastion.
Kalugin ließ ihn nicht aussprechen.
Ich fühle, daß es dieser Tage etwas geben wird, sagte er zum Fürsten
Galzin.
Wie, wird es heut nichts geben? fragte schüchtern Michajlow, indem er
bald Kalugin, bald Galzin ansah.
Niemand antwortete ihm. Fürst Galzin runzelte nur eigentümlich die
Stirn, ließ seinen Blick an seiner Mütze vorbeischweifen und sagte nach
einer kurzen Pause:
Ein prächtiges Mädchen, die in dem roten Tuche. Kennen Sie sie nicht,
Kapitän?
Nicht weit von meiner Wohnung, die Tochter eines Matrosen, antwortete
der Stabskapitän.
Gehen wir, sehen wir sie uns an.
Und Fürst Galzin nahm auf der einen Seite Kalugin, auf der anderen --
den Stabskapitän unter den Arm; er war im voraus überzeugt, daß dies
dem letzteren ein großes Vergnügen bereiten müsse, was in der That
zutreffend war.
Der Stabskapitän war abergläubisch und hielt es für eine große Sünde,
sich vor einem Kampfe mit Weibern abzugeben; aber in diesem Falle
spielte er den Schwerenöter, was ihm Fürst Galzin und Kalugin offenbar
nicht glaubten, und was das Mädchen in dem roten Tuch außerordentlich
verwunderte, da sie öfter bemerkt hatte, wie der Stabskapitän errötet
war, wenn er an ihrem Fenster vorüberging. Praßkuchin ging hinterdrein,
stieß den Fürsten Galzin am Arm und machte allerlei Bemerkungen in
französischer Sprache; da es aber nicht möglich war, zu Vieren den
schmalen Weg zu gehen, war er gezwungen, allein zu gehen und nahm
nur in der zweiten Gruppe den berühmten, tapferen Marineoffizier
Sserwjagin unter den Arm, der herangekommen war und ein Gespräch mit
ihm begonnen hatte, und der auch den Wunsch hatte, sich der Gruppe der
*Aristokraten* anzuschließen. Und der berühmte Held schob mit Freuden
seine nervige, ehrenfeste Hand unter den Arm Praßkuchins, der allen,
auch Sserwjagin selbst, gut bekannt war, als ein nicht besonders guter
Mensch. Als Praßkuchin dem Fürsten Galzin seine Bekanntschaft mit
*diesem* Marineoffizier erklärte und ihm zuraunte, er sei ein berühmter
Held, schenkte Fürst Galzin Sserwjagin doch gar keine Aufmerksamkeit;
er war gestern auf der vierten Bastion gewesen, hatte dort in einer
Entfernung von zwanzig Schritt eine Bombe krepieren sehen, hielt sich
daher für keinen geringeren Helden, als dieser Herr war und meinte, so
mancher Ruhm werde für nichts gewonnen.
Dem Stabskapitän Michajlow machte es so viel Vergnügen, in dieser
Gesellschaft umherzuschlendern, daß er den *lieben* Brief aus T.
und die düsteren Gedanken, die ihm bei dem bevorstehenden Abgange
auf die Bastion überkommen hatten, vergaß. Er blieb so lange in
ihrer Gesellschaft, bis sie ausschließlich untereinander zu plaudern
begannen und seinen Blicken auswichen und ihm so zu verstehen gaben,
daß er gehen könne, und sich schließlich ganz von ihm entfernten. Der
Stabskapitän war trotzdem zufrieden und kränkte sich nicht im mindesten
über die verdächtig-hoffärtige Art, in der der Junker Baron Pest sich
brüstete und die Mütze vor ihm zog, als er an ihm vorüberging; der
Junker war nämlich seit der gestrigen Nacht, -- die er zum ersten Male
in der Blindage der fünften Bastion zugebracht hatte, weshalb er sich
für einen Helden hielt, -- besonders stolz und selbstbewußt.
IV
Kaum aber hatte der Stabskapitän die Schwelle seiner Wohnung
überschritten, als ihm völlig andere Gedanken in den Sinn kamen. Er sah
sein kleines Zimmerchen mit dem unebnen Lehmboden und den schiefen,
mit Papier beklebten Fenstern, sein altes Bett mit dem darüber
befestigten Teppich, auf dem eine Reiterin abgebildet war und über dem
zwei Pistolen aus Tula hingen, die schmutzige, mit einer Kattundecke
versehene Lagerstätte des Junkers, der mit ihm zusammenwohnte; er sah
seinen Nikita, der, mit verwirrtem, fettigem Haar, sich kratzend, von
der Diele aufstand; er sah seinen alten Mantel, seine umgestülpten
Stiefel und ein Bündel, aus dem das Ende eines Käses und der Hals einer
großen Flasche mit Branntwein, den er sich für den Aufenthalt auf der
Bastion besorgt, hervorragten; und plötzlich fiel ihm ein, daß er heut
auf die ganze Nacht mit der Kompagnie in die Schützengräben gehen müsse.
»Gewiß, ich werde heut sterben müssen, -- dachte der Stabskapitän --
ich fühle es. Die Hauptsache ist, daß ich nicht zu gehen brauchte,
aber mich selbst angeboten habe. Immer fällt der, der sich selber
anbietet. Und was fehlt denn diesem verfluchten Nepschißezki? Er ist
vielleicht gar nicht krank, und es soll ein anderer für ihn fallen, ja,
gewiß fallen. Übrigens aber, wenn ich nicht falle, werde ich sicher
vorgeschlagen. Ich habe wohl gemerkt, wie es dem Regimentskommandeur
gefiel, als ich sagte: »Gestatten Sie, daß ich gehe, wenn Leutnant
Nepschißezki krank ist.« Setzt es nicht den Major, so ist mir der
Wladimir gewiß. Gehe ich doch schon das dreizehnte Mal auf die Bastion.
Ach, dreizehn ist eine böse Zahl. Ich werde bestimmt fallen -- ich
fühle es, daß ich fallen werde. Aber Einer muß doch gehen, ein Fähnrich
kann doch nicht die Kompagnie führen. Und wenn sich etwas ereignen
sollte? ... die Ehre des Regiments, die Ehre der Armee hängt ja davon
ab. Meine *Pflicht* war es, ja, meine heilige Pflicht. Aber ich habe
Vorahnungen.« Der Stabskapitän vergaß, daß er derartige Vorahnungen
mehr oder minder stark schon oft gehabt hatte, wenn er auf die Bastion
gehen sollte, und wußte nicht, daß dieselbe Vorahnung mehr oder
minder stark jeder empfindet, der ins Feuer geht. Beruhigt durch das
Pflichtbewußtsein, das bei dem Stabskapitän besonders entwickelt und
stark war, setzte er sich an den Tisch und begann einen Abschiedsbrief
an seinen Vater zu schreiben. Als er nach zehn Minuten den Brief
beendet, stand er mit thränenfeuchten Augen vom Tische auf und begann,
im Geiste alle ihm bekannten Gebete wiederholend, sich umzukleiden.
Sein angetrunkener und grober Diener reichte ihm träge seinen neuen
Rock (der alte, den der Stabskapitän gewöhnlich anzog, wenn er auf die
Bastion ging, war nicht gereinigt).
Weshalb ist der Rock nicht gereinigt? Du willst nur immer schlafen, du!
du! rief Michajlow zornig.
Was schlafen? brummte Nikita; den ganzen geschlagenen Tag läuft man
umher wie ein Hund, da wird man wohl müde; und dann heißt es: schlaf'
nicht mal ein!
Du bist wieder betrunken, sehe ich.
Nicht für Ihr Geld habe ich getrunken, was machen Sie mir Vorwürfe?
Schweig', Tölpel, schrie der Stabskapitän und wollte seinem Diener
einen Schlag versetzen. Er war schon vorher erregt gewesen, jetzt war
er vollends außer sich und erbittert über die Grobheit Nikitas, den
er gern hatte, sogar verwöhnte, und mit dem er bereits zwölf Jahre
zusammen lebte.
Tölpel? Tölpel ... wiederholte der Diener, und weshalb schimpfen Sie
mich Tölpel, Herr? In solcher Zeit, wie jetzt, ist es nicht recht, zu
schimpfen.
Michajlow erinnerte sich, wohin er zu gehen hatte und schämte sich.
Du bringst einen wirklich um alle Geduld, Nikita, sprach er mit sanfter
Stimme, diesen Brief an meinen Vater laß auf dem Tische liegen, rühr'
ihn nicht an, fügte er errötend hinzu.
Zu Befehl, Herr, sprach Nikita, den unter dem Einflusse des Weines, den
er, wie er sagte, für *sein eigenes Geld* getrunken hatte, ein Gefühl
der Rührung überkam, und der mit dem ersichtlichen Wunsche, in Thränen
auszubrechen, mit den Augen zwinkerte.
Als der Stabskapitän auf der Außentreppe sagte: lebe wohl, Nikita!
brach Nikita plötzlich in Schluchzen aus und stürzte auf seinen Herrn
zu, um ihm die Hände zu küssen. Leben Sie wohl, Herr, sprach er
schluchzend. Eine alte Matrosenfrau, die auf der Außentreppe stand,
konnte als Weib dieser Gefühlsszene nicht unbeteiligt zuschauen, sie
wischte sich mit dem schmutzigen Ärmel die Augen und sprach ihre
Verwunderung darüber aus, warum sich denn die Herren solchen Qualen
aussetzten; sie sagte, sie sei eine arme Witwe, und erzählte zum
hundertsten Male dem betrunkenen Nikita von ihrem Kummer: wie ihr
Mann schon beim ersten »Bandirement« getötet und ihr Häuschen total
zerstört worden (das, in dem sie jetzt wohnte, gehörte nicht ihr) u.
s. w. Nachdem der Herr gegangen war, zündete Nikita sein Pfeifchen
an, bat das Haustöchterchen, Schnaps zu holen und hörte sehr bald auf
zu weinen. Ja, er begann sogar mit der Alten einen Zank wegen eines
kleinen Eimers, den sie ihm zerschlagen haben sollte.
»Vielleicht werde ich nur verwundet, dachte der Stabskapitän, als er
bereits in der Dämmerung mit der Kompagnie auf die Bastion ging. --
Aber wo, wie: hier oder dort? er hatte den Leib und die Brust im Sinn.
-- Wenn hier (er dachte an den Oberschenkel), würde der Knochen ganz
bleiben ... Wenn aber hier, besonders von einem Bombensplitter, dann
ist es aus!«
Der Stabskapitän gelangte glücklich durch die Laufgräben bis zu den
Schützengräben, stellte mit Hilfe eines Sappeuroffiziers bereits in
vollständiger Dunkelheit die Leute zur Arbeit an und setzte sich in
eine kleine Grube unter der Brustwehr. Es wurde wenig geschossen,
nur bisweilen flammten bald bei uns, bald bei »ihm« Blitze auf und
beschrieb eine leuchtende Bombenröhre einen feurigen Bogen am dunklen,
gestirnten Himmel. Aber alle Bomben fielen weit hinten und rechts
von dem Schützengraben nieder, in dessen Grube der Stabskapitän saß.
Er trank seinen Schnaps, aß seinen Käse, rauchte seine Cigarette
und versuchte, nachdem er sein Gebet verrichtet hatte, ein wenig zu
schlafen.
V
Fürst Galzin, Oberstleutnant Neferdow und Praßkuchin, den niemand
gerufen hatte, mit dem niemand sprach, der sich aber immer zu ihnen
hielt, verließen alle drei den Boulevard, um bei Kalugin Thee zu
trinken.
Nun, du hast mir noch nicht zu Ende erzählt von Wasjka Mendel,
sprach Kalugin; er hatte den Mantel abgelegt, saß am Fenster auf
einem weichen, bequemen Sessel und knöpfte den Kragen seines weißen,
gestärkten Oberhemdes auf, -- wie hat er sich verheiratet?
Zum Kranklachen, Kamerad! ... -Je vous dis, il y avait un temps, on
ne parlait que de ça à Pétersbourg-, sagte Fürst Galzin lachend,
erhob sich von dem Klavier, vor dem er saß, und setzte sich auf das
Fenster neben Kalugins Fenster, einfach zum Kranklachen. Ich kenne die
Geschichte schon ganz genau ...
Und er begann lustig, witzig und lebendig eine Liebesgeschichte zu
erzählen, die wir hier übergehen, weil sie für uns nicht interessant
ist. Aber merkwürdig war's, daß nicht bloß Fürst Galzin, sondern alle
diese Herren, die sich's hier bequem gemacht hatten, der eine im
Fenster, der andere mit übergeschlagenen Beinen, der dritte am Klavier,
ganz andere Menschen zu sein schienen, als auf dem Boulevard: frei von
der lächerlichen Aufgeblasenheit und Dünkelhaftigkeit, die sie den
Infanterie-Offizieren gegenüber hatten; hier waren sie unter sich,
gaben sich natürlich und waren, besonders Kalugin und Fürst Galzin,
höchst liebenswürdige, heitere und gute Jungen. Es war die Rede von
Petersburger Kameraden und Bekannten.
Was macht Maslowski?
Welcher: der von den Leib-Ulanen oder von der Garde-Kavallerie?
Ich kenne sie beide. Den Gardisten habe ich noch als Knaben gekannt,
wie er eben aus der Schule kam. Nicht wahr, der ältere ist Rittmeister?
O, schon lange!
Geht er noch immer mit seinem Zigeunermädel?
Nein, die hat er laufen lassen ... oder so ähnlich.
Dann setzte sich Fürst Galzin an das Klavier und sang prächtig ein
Zigeunerlied. Praßkuchin, obwohl von niemand gebeten, begann ihn zu
begleiten, und so gut, daß man ihn bat, in der Begleitung fortzufahren,
was er auch sehr gern that.
Ein Diener trat ins Zimmer; er brachte Thee, Sahne und Bretzeln auf
einem silbernen Präsentierteller.
Reiche dem Fürsten! sagte Kalugin.
Es ist doch eigentümlich, daran zu denken, sagte Galzin, indem er ein
Glas nahm und ans Fenster ging, daß wir hier in der belagerten Stadt,
... »Klaviergesang«, Thee mit Sahne und eine solche Wohnung haben, wie
ich sie wirklich in Petersburg haben möchte.
Ja, wenn auch das noch fehlte, entgegnete der mit allem unzufriedene
alte Oberstleutnant, so wäre diese beständige Erwartung einfach
unerträglich, -- zu sehen, wie jeden Tag die Menschen fallen und
fallen, ohne daß man ein Ende absieht, -- wenn man dabei noch im
Schmutz leben müßte und keine Bequemlichkeit hätte! ...
Und was sollen unsere Infanterieoffiziere sagen, rief Kalugin, die
auf den Bastionen mit den Soldaten in den Blindagen liegen und
Soldatensuppe essen? -- was sollen die sagen?
Die? Die wechseln allerdings acht Tage lang nicht die Wäsche, aber das
sind auch Helden, bewunderungswürdige Menschen.
In diesem Augenblick kam ein Infanterieoffizier ins Zimmer.
Ich ... ich habe Befehl ... kann ich als Bote des Generals N. den
Gen... Seine Excellenz sprechen? fragte er schüchtern und grüßte.
Kalugin erhob sich; aber ohne den Gruß des Offiziers zu erwidern,
fragte er ihn mit beleidigender Höflichkeit und einem erzwungenen
offiziellen Lächeln, ob es »Ihnen« nicht beliebte zu warten, dann
wandte er sich, ohne ihm die geringste Aufmerksamkeit zu schenken,
an Galzin, sprach mit ihm französisch, so daß der arme Offizier, der
mitten im Zimmer stehen geblieben war, absolut nicht wußte, was er mit
seiner Person machen sollte.
In einer äußerst dringenden Angelegenheit, sagte der Offizier nach
einem minutenlangen Schweigen.
Ich bitte Sie, mit mir zu kommen, sagte Kalugin, zog den Mantel an und
begleitete den Offizier zur Thür.
-Oh bien, messieurs, je crois, que cela chauffera cette nuit!- sagte
Kalugin, als er vom General zurückgekommen war.
Wie? Was? Ein Ausfall? begannen alle zu fragen.
Ich weiß nicht, Sie werden selber sehen, antwortete Kalugin mit einem
geheimnisvollen Lächeln.
Mein Kommandeur ist auf der Bastion, darum muß ich wohl auch hingehen,
sagte Praßkuchin und legte den Säbel an.
Aber niemand antwortete ihm, er mußte selber wissen, ob er zu gehen
habe oder nicht.
Praßkuchin und Neferdow gingen hinaus, um sich auf ihre Plätze zu
begeben.
Leben Sie wohl, meine Herren! Auf Wiedersehen, meine Herren! Wir werden
uns heute Nacht noch wiedersehen! schrie Kalugin aus dem Fenster,
als Praßkuchin und Neferdow über ihre Kosakensättel gebeugt, den Weg
entlang trabten. Das Getrabe der Kosakenpferde verklang bald in der
dunklen Straße.
-Non, dites moi, est-ce qu'il y aura véritablement quelque chose cette
nuit?- sagte Galzin, während er mit Kalugin im Fenster lag und die
Bomben betrachtete, die über den Bastionen aufstiegen.
Dir kann ich's erzählen. Siehst du, ... du bist ja auf den Bastionen
gewesen? -- (Galzin machte ein Zeichen der Zustimmung, obgleich er nur
einmal auf der vierten Bastion gewesen war.) -- Dort, unserer Lunette
gegenüber war ein Laufgraben ... und Kalugin, der kein Fachmann war,
trotzdem aber seine strategischen Ansichten für sehr richtig hielt,
begann, ein wenig verwirrt und die technischen Ausdrücke verdrehend,
den Stand unserer und der feindlichen Werke und den Plan des
beabsichtigten Unternehmens zu schildern.
Aber um die Schützengräben beginnt es zu knallen. Oho! Ist das eine von
uns oder von »ihm«? Da platzt sie, riefen sie, indem sie vom Fenster
aus, die feurigen, in der Luft sich kreuzenden Linien der Bomben, die
den dunkelblauen Himmel auf einen Augenblick erleuchtenden Blitze der
Schüsse und den weißen Pulverrauch betrachteten und den Tönen des immer
stärker werdenden Schießens lauschten.
-Quel charmant coup d'oeil, a?- sagte Kalugin, indem er die
Aufmerksamkeit seines Gastes auf dies wirklich schöne Schauspiel
lenkte. Weißt du, bisweilen kann man einen Stern nicht von einer Bombe
unterscheiden.
Ja, ich dachte soeben, daß das ein Stern sei; aber er fällt ... sieh,
sie ist geplatzt. Und dieser große Stern ... wie heißt er? -- sieht
ganz wie eine Bombe aus.
Weißt du, ich habe mich so an diese Bomben gewöhnt, daß mir in Rußland,
ich bin davon überzeugt, in einer Sternennacht alles als Bomben
erscheinen wird, -- so gewöhnt man sich daran.
Soll ich aber nicht lieber diesen Ausfall mitmachen? sagte Fürst Galzin
nach einem minutenlangen Schweigen.
Laß nur gut sein, Kamerad, und denk' nicht daran; ich lasse dich auch
nicht fort, antwortete Kalugin, du kommst schon noch zurecht, Kamerad!
Im Ernst? ... Du meinst also, ich brauche nicht zu gehen -- wie?
In diesem Augenblicke ließ sich in der Richtung, nach der die Herren
sahen, auf das Kanonengebrüll, schreckliches Gewehrgeknatter hören, und
Tausende von kleinen Feuern, die ununterbrochen aufflammten, blitzten
auf der ganzen Linie.
So ist's, wenn's richtig losgeht! sagte Kalugin. Solches Gewehrfeuer
kann ich nicht kaltblütig anhören: weißt du, es erschüttert einem
gewissermaßen die Seele. Horch, das Urra! fügte er hinzu, indem er auf
den entfernten, gedehnten Ton von Hunderten von Stimmen: »a--a, aa,«
die von der Bastion her zu ihm drangen, horchte.
Wessen Urra ist das -- das ihrige oder das unsere?
Ich weiß nicht; aber das Handgemenge ist schon losgegangen, denn das
Feuer schweigt.
In diesem Augenblick kam ein Offizier, von einem Kosaken begleitet,
unter das Fenster an die Außentreppe gesprengt und stieg vom Pferde.
Woher?
Von der Bastion. Ich muß zum General!
Gehen wir. Nun, was giebt's?
Wir haben die Schützengräben angegriffen ... genommen ... die Franzosen
haben zahllose Reserven herangeführt ... haben die Unsrigen angegriffen
... wir hatten nur zwei Bataillone, sprach atemlos und nach Worten
ringend, nach der Thür gewandt, derselbe Offizier, der am Abend
dagewesen war.
Haben wir die Schützengräben geräumt? fragte Galzin.
Nein, antwortete ärgerlich der Offizier, ein Bataillon kam noch
zur rechten Zeit, -- wir haben sie zurückgeschlagen; aber der
Regimentskommandeur ist tot, viele Offiziere, -- es ist Befehl
gegeben, um Verstärkung zu bitten.
Mit diesen Worten ging er, von Kalugin begleitet, zum General, wohin
wir ihm nicht mehr folgen wollen.
Schon nach fünf Minuten saß Kalugin auf einem Kosakenpferde und wieder
in der eigentümlichen -quasi--kosakischen Weise, in der, wie ich
beobachtet habe, alle Adjutanten etwas Besonderes, Anmutiges sehen,
und ritt im Trabe nach der Bastion, um einige Befehle zu überbringen
und Nachrichten über das endgültige Resultat des Treffens abzuwarten;
Fürst Galzin begab sich unter dem Eindruck der peinigenden Erregung,
welche die nahen Anzeichen eines Treffens auf einen Zuschauer zu machen
pflegen, der nicht daran teilnimmt, auf die Straße, um hier ziellos
hin- und herzugehen.
VI
Soldaten brachten Verwundete auf Tragbahren oder führten sie unterm
Arme. Auf der Straße war es vollständig dunkel; nur selten glänzte
Licht in einem Hospitale oder bei zusammensitzenden Offizieren. Von
den Bastionen her drang der frühere Geschütz- und Gewehrdonner,
und die früheren Feuer flammten unter dem schwarzen Himmel auf.
Bisweilen hörte man den Hufschlag des Pferdes eines fortgesprengten
Ordonnanz-Offiziers, das Stöhnen eines Verwundeten, die Schritte und
das Gemurmel von Krankenträgern und die Reden bestürzter Einwohner, die
auf die Außentreppe gegangen waren und sich die Kanonade mit ansahen.
Unter den letzteren befand sich auch der uns bekannte Nikita, die
alte Matrosenfrau, mit der er sich schon versöhnt hatte, und deren
zehnjährige Tochter. »Herr Gott, heil'ge Mutter Gottes!« sprach
seufzend die Alte vor sich hin, als sie die Bomben sah, die wie
Feuerbälle unaufhörlich von einer Seite nach der anderen flogen;
schrecklich, wie schrecklich! ... i--i--hi--hi ... So schlimm war's
nicht beim ersten »Bandirement«. Sieh, wo die Verfluchte geplatzt ist!
gerade über unserm Hause in der Vorstadt.
Nein, weiter, zur Tante Arinka fallen alle in den Garten, sprach das
Mädchen.
Und wo, wo ist jetzt mein Herr? sagte Nikita mit etwas singender Stimme
und noch ein wenig betrunken. Wie ich diesen Herrn liebe, das kann ich
gar nicht sagen, -- ich liebe ihn so, wenn man ihn, was Gott verhüte,
sündhaft töten sollte, dann, glauben Sie mir, liebe Tante, weiß ich
selber nicht, was ich mit mir anfangen soll, -- bei Gott! Ein solcher
Herr ist er, daß ... mit einem Worte! Soll ich ihn denn mit denen
vertauschen, die da Karten spielen? ... Was? -- pfui, mit einem Worte!
schloß Nikita und zeigte dabei auf das erleuchtete Fenster im Zimmer
seines Herrn, wohin Junker Shwadtschewskij, während der Abwesenheit
des Stabskapitäns, zur Feier seiner Dekoration den Oberstleutnant
Ugrowitsch und den Oberstleutnant Nepschißezki, der an Reißen litt, zu
einem Festmahl geladen hatte ...
Wie die Sternchen, die Sternchen fliegen! unterbrach, nach dem Himmel
sehend, das Mädchen das Nikitas Worten folgende Schweigen: sieh, sieh,
dort springt es noch! Weshalb ist das so, liebe Mutter?
Sie werden unser Häuschen ganz und gar vernichten, sprach seufzend und
ohne auf die Frage des Mädchens zu antworten, die Alte.
Und wie ich heut mit der Tante dorthin ging, Mütterchen, fuhr das im
singenden Tone sprechende Mädchen fort, da lag eine große Kanonenkugel
in der Stube neben dem Schranke, sie hatte, wie man sah, den Vorraum
durchgeschlagen und war in die Stube geflogen ... So groß, daß man sie
nicht aufheben konnte!
Wer einen Mann hatte und Geld, der ist fortgezogen, -- hier haben sie
auch das letzte Häuschen zu Schanden geschossen, sagte die Alte. Sieh,
sieh, wie er feuert, der Bösewicht! Herr Gott! Herr Gott!
Und wie wir gerade fortgehen, kommt eine Bombe geflogen, sie platzt und
überschüttet uns mit Erde, fast hätte mich und die Tante ein Stück
getroffen.
VII
Immer mehr und mehr Verwundete auf Tragbahren und zu Fuß, die einen von
den andern gestützt und laut untereinander sprechend, kamen dem Fürsten
Galzin entgegen.
Wie sie herangestürzt kamen, Kameraden, sprach mit Baßstimme ein großer
Soldat, der zwei Gewehre auf dem Rücken trug, wie sie herangestürzt
kamen und losschrien: »Allah, Allah!«[C] so klettert einer über den
andern weg. Schlägt man die einen tot, gleich kommen andere hinterdrein
geklettert -- da ist nichts zu machen. Kopf an Kopf ...
[C] Unsere Soldaten waren aus den Türkenkriegen so an diesen
Schlachtruf gewöhnt, daß sie jetzt immer erzählen, die Franzosen
schreien auch Allah.
An dieser Stelle seiner Erzählung unterbrach ihn Galzin.
Kommst du von der Bastion?
Jawohl, Euer Wohlgeboren.
Nun, was gab's dort? Erzähle.
Was es dort gab? Ihre »Macht« rückte heran, Euer Wohlgeboren, sie
klettern auf den Wall und aus war's. Sie haben vollständig gesiegt,
Euer Wohlgeboren!
Was? gesiegt? ... Ihr habt sie ja doch zurückgeschlagen?
Wie soll man »ihn« zurückschlagen, wenn »seine« ganze »Macht«
heranrückt! Er hat alle Unsrigen getötet, und Hilfe kommt nicht.
Der Soldat hatte sich geirrt, denn der Laufgraben war in unserem
Besitz; aber das ist eine Eigentümlichkeit, die jeder beobachten kann:
ein Soldat, der in einer Schlacht verwundet worden ist, hält sie stets
für verloren und für schrecklich blutig.
Wie hat man mir da sagen können, daß Ihr den Feind zurückgeschlagen
habt? sagte Galzin unwillig. Vielleicht ist er, nachdem du fort warst,
zurückgeschlagen worden? Bist du schon lange von dort fort?
Diesen Augenblick, Euer Wohlgeboren! antwortete der Soldat, er ist
schwerlich zurückgeschlagen; der Laufgraben ist jedenfalls in seinen
Händen. -- Er hat vollständig gesiegt.
Nun, und ihr schämt euch nicht, den Laufgraben geräumt zu haben? Das
ist schrecklich! sagte Galzin, empört über diese Gleichgültigkeit.
Was soll man thun gegen die »Macht«? brummte der Soldat.
Euer Wohlgeboren, sprach in diesem Augenblick neben ihnen ein Soldat
von einer Tragbahre herab, wie soll man nicht weichen, wenn er beinahe
alle getötet hat. Wäre unsere Macht dagewesen, wir würden lebend nicht
zurückgegangen sein. Was will man aber machen? Den einen habe ich
niedergestoßen, da bekam ich auch sogleich einen Hieb ... O -- ach,
ruhiger, Brüderchen, gleichmäßiger, geh langsamer ... O--o--o! stöhnte
der Verwundete.
Hier geht in der That, glaub' ich, viel überflüssig Volk, sagte Galzin,
indem er den langen Soldaten mit den zwei Gewehren wieder zurückhielt.
Warum gehst du fort? He, du, still gestanden!
Der Soldat blieb stehen und nahm mit der linken Hand die Mütze ab.
Wohin gehst du und weshalb? schrie er ihn barsch an. Verf...
Aber in diesem Augenblick war er ganz nah herangekommen, und bemerkte,
daß sein rechter Arm über dem Aufschlag bis über den Ellbogen hinaus
blutig war.
Bin verwundet, Euer Wohlgeboren.
Wodurch verwundet?
Hier, wohl durch eine Gewehrkugel, sagte der Soldat, auf seinen Arm
zeigend, und hier, aber ich kann nicht sagen, was mich hier an den
Kopf getroffen hat, er beugte den Kopf vor und zeigte die blutigen,
zusammenklebenden Haare am Hinterkopf.
Und wem gehört das zweite Gewehr?
Ein französischer Stutzen, Euer Wohlgeboren, ich habe es einem
fortgenommen. Ja, ich wäre auch nicht fortgegangen, wenn ich nicht
diesen Soldaten hätte führen wollen, sonst fällt er, fügte er hinzu,
indem er auf einen Soldaten wies, der ein wenig vor ihm ging, sich auf
das Gewehr stützte und mit Mühe das linke Bein schleppend vorwärts
bewegte.
Fürst Galzin schämte sich auf einmal sehr wegen seines ungerechten
Verdachts. Er fühlte, wie er rot wurde, wandte sich ab und ging,
ohne die Verwundeten weiter auszufragen oder zu beobachten, nach dem
Verbandplatz.
Mit Mühe wand sich Galzin auf der Außentreppe durch die zu Fuß gehenden
Verwundeten und durch die Krankenträger, die Verwundete brachten und
Tote forttrugen, hindurch; dann ging er in das erste Zimmer, warf einen
Blick hinein, wandte sich sogleich unwillkürlich zurück und eilte
hinaus ins Freie -- das war zu schrecklich!
VIII
Der große, hohe, dunkle Saal, nur von vier oder fünf Kerzen
erleuchtet, bei deren Licht die Ärzte die Verwundeten besichtigten,
war buchstäblich voll. Die Krankenträger brachten fortwährend
Verwundete, legten sie nebeneinander auf die Diele, auf der es
schon so eng war, daß die Unglücklichen sich stießen und einer in
des andern Blute lag, und holten neue. Die auf den nicht besetzten
Stellen der Diele sichtbaren Blutlachen, der fieberheiße Atem von
einigen Hunderten Menschen und die Ausdünstungen der Träger erzeugten
einen eigentümlichen, drückenden, dicken, übelriechenden Dunst, in
dem die Lichte an den verschiedenen Enden des Saales trübe brannten.
Stöhnen, Seufzen, Röcheln, bisweilen durch einen durchdringenden
Schrei unterbrochen, erfüllte den ganzen Saal. Die »Schwestern«
schritten mit ruhigen Gesichtern und mit dem Ausdruck thätiger,
praktischer Teilnahme, nicht mit dem des wertlosen, frauenhaften,
krankhaft-thränenreichen Mitleids, bald hierhin, bald dorthin durch
die Reihen der Verwundeten mit Arznei, mit Wasser, mit Binden, mit
Charpie, und tauchten zwischen blutigen Mänteln und Hemden auf. Die
Ärzte knieten mit aufgestreiften Ärmeln vor den Verwundeten, in deren
Nähe die Feldscher Lichte hielten, und untersuchten, befühlten, und
sondierten die Wunden, ohne auf das schreckliche Stöhnen der Dulder zu
achten. Einer der Ärzte saß in der Nähe der Thür an einem kleinen Tisch
und trug in dem Augenblick, da Galzin ins Zimmer trat, bereits den
532ten Verwundeten in die Liste ein.
Iwan Bogajew, Gemeiner der dritten Kompagnie des S..-Regiments,
-fractura femuris complicata-, rief ein anderer vom Ende des Saales
her, indem er das zerschossene Bein befühlte. Dreh' ihn um.
O weh, Väterchen, mein liebes Väterchen! schrie der Soldat und flehte,
man möchte ihn nicht anrühren.
-Perforatio capitis!-
Ssemjon Neferdow, Oberstleutnant im N..-Infanterieregiment. Sie müssen
ein wenig Geduld haben, Oberst, sonst geht es nicht: ich lasse Sie
sonst liegen, sprach ein dritter, indem er mit einem Häkchen in dem
Kopfe des Oberstleutnants hin- und hertastete.
Ach, nicht doch! O, um Gotteswillen, schneller, schneller, um ...
A--a--a--a--a!
-Perforatio pectoris!- ... Sewastjan Ssereda, Gemeiner ... von welchem
Regiment? ... Lassen Sie das Schreiben: -moritur-. Tragt ihn weg, sagte
der Arzt, und ging von dem Soldaten fort, der mit brechenden Augen
dalag und schon röchelte.
Vierzig Mann, als Träger verwendete Soldaten, standen an der Thür, um
die Verbundenen ins Lazarett, die Toten in die Kapelle zu tragen, und
betrachteten von Zeit zu Zeit schwer seufzend dieses Bild ...
IX
Auf dem Wege zur Bastion traf Kalugin viele Verwundete; da er aber aus
Erfahrung wußte, wie schlecht in der Schlacht ein solches Schauspiel
auf den Geist eines Menschen wirkt, so blieb er nicht nur nicht stehen,
um sie zu befragen, sondern suchte vielmehr sie gar nicht zu beachten.
Unten am Berge begegnete ihm ein Ordonnanz-Offizier, der in gestrecktem
Galopp von der Bastion gesprengt kam.
Sobkin! Sobkin! ... halten Sie einen Augenblick.
Nun, was giebt's?
Wo kommen Sie her?
Aus den Schützengräben.
Nun, wie geht's dort zu, heiß?
Ach, entsetzlich!
In der That hatte, obwohl das Gewehrfeuer schwächer geworden, die
Kanonade mit neuer Heftigkeit und Wut begonnen.
»Ach, gräßlich!« dachte Kalugin, indem er ein unangenehmes Gefühl
empfand, und ihn auch eine Vorahnung, ein sehr natürlicher Gedanke --
der Gedanke an den Tod überkam. Aber Kalugin war ehrgeizig und mit
stählernen Nerven begabt, mit einem Wort, was man tapfer nennt. Er gab
sich nicht der ersten Empfindung hin und suchte sich Mut zu machen,
er erinnerte sich eines Adjutanten, ich glaube Napoleons, der in dem
Augenblick, wo er den Befehl zum Galopp weiter gab, mit blutendem Kopfe
zu Napoleon herangesprengt kam.
-Vous êtes blessé?- sagte Napoleon zu ihm. -- »-Je vous demande pardon,
Sire, je suis mort.-« Und der Adjutant sank vom Pferde und war auf der
Stelle tot.
Das erschien ihm sehr schön, und in seiner Einbildung kam er sich
selbst ein wenig wie dieser Adjutant vor, er schlug sein Pferd mit der
Peitsche, und gab sich noch mehr die kecke »Kosakenpose«, warf einen
Blick zurück auf den Kosaken, der in den Steigbügeln aufrecht stehend
hinter ihm her trabte, und kam als ein ganzer Held an der Stelle an,
wo er vom Pferde steigen sollte. Hier traf er vier Soldaten, die auf
Steinen saßen und ihre Pfeifen rauchten.
Was macht ihr hier? schrie er sie an.
Wir haben einen Verwundeten fortgebracht, Euer Wohlgeboren, und haben
uns hingesetzt, um auszuruhen, antwortete der eine von ihnen, indem er
seine Pfeife hinter dem Rücken verbarg und die Mütze abnahm.
Ja, ausruhen ... Marsch, an eure Plätze!
Er ging mit ihnen zusammen den Laufgraben entlang den Berg hinauf,
wobei er auf Schritt und Tritt Verwundeten begegnete. Auf der Höhe des
Berges wandte er sich links und befand sich, nachdem er einige Schritte
gegangen war, ganz allein. Ein Bombensplitter sauste ganz nahe an ihm
vorbei und schlug in den Laufgraben ein. Eine andere Bombe stieg vor
ihm auf und kam, wie ihm schien, gerade auf ihn zu geflogen. Plötzlich
wurde ihm schrecklich zu Mute: er lief trabend fünf Schritte weit
und legte sich auf die Erde nieder. Als die Bombe platzte, und zwar
entfernt von ihm, war er auf sich selber sehr böse, er stand auf und
sah sich um, ob jemand sein Niederlegen bemerkt hätte; aber niemand war
da.
Wenn die Furcht sich einmal der Seele bemächtigt hat, weicht sie nicht
bald einem anderen Gefühle. Er, der sich immer gebrüstet hatte, daß
er sich niemals bücke, ging jetzt mit beschleunigten Schritten und
fast kriechend den Laufgraben entlang. »Ach, schlimm! dachte er, als
er stolperte, ich werde unfehlbar getötet,« er fühlte, wie schwer
es ihm wurde, zu atmen, und wie der Schweiß an seinem ganzen Körper
hervortrat, und wunderte sich über sich selber, versuchte aber nicht
mehr, seiner Empfindung Herr zu werden.
Plötzlich ließen sich Schritte vor ihm hören. Schnell richtete er sich
auf, hob den Kopf in die Höhe und ging, munter mit dem Säbel klirrend,
nicht mehr mit den früheren schnellen Schritten einher. Er erkannte
sich selbst nicht wieder. Als er einem Sappeuroffizier und einem
Matrosen begegnete und der erstere ihm zurief: »Duck dich!« indem er
auf den leuchtenden Punkt einer Bombe zeigte, die immer heller und
heller, immer schneller und schneller sich näherte und in der Nähe des
Laufgrabens platzte, -- bog er nur ein wenig und unwillkürlich, unter
dem Einfluß des warnenden Schreies, den Kopf und ging weiter.
Sieh da, der ist tapfer! sagte der Matrose, der ruhig die fallende
Bombe betrachtet und mit erfahrenem Blick sofort berechnet hatte, daß
ihre Splitter in den Laufgraben nicht einschlagen konnten, er duckt
sich nicht einmal!
Nur noch einige Schritte hatte Kalugin über einen kleinen Platz bis
zur Blindage des Kommandeurs der Bastion zu gehen, als ihn wieder das
dumpfe Gefühl und die thörichte Furcht von vorhin überkam; sein Herz
schlug stärker, das Blut strömte ihm nach dem Kopfe, und er mußte sich
zusammennehmen, um nach der Blindage zu laufen.
Warum sind Sie so außer Atem? sagte der General, als er ihm die Befehle
überbrachte.
Ich bin sehr schnell gegangen, Excellenz!
Wollen Sie nicht ein Glas Wein?
Kalugin trank ein Glas Wein und rauchte eine Cigarette an. Das Gefecht
hatte bereits aufgehört, nur die starke Kanonade dauerte auf beiden
Seiten fort. In der Blindage saß der General N., der Kommandeur der
Bastion und sechs Offiziere, unter ihnen auch Praßkuchin, und sprachen
über verschiedene Einzelheiten des Gefechts. Als Kalugin in diesem
behaglichen Zimmer saß, das mit hellblauen Tapeten ausgeschlagen war,
das ein Sofa, einen Tisch, auf dem Papiere lagen, ein Bett, eine
Wanduhr und ein Heiligenbild, vor dem eine Lampe brannte, enthielt,
-- als er diese Zeichen der Wohnlichkeit und die fast drei Fuß dicken
Balken der Decke sah und die in der Blindage nur schwach tönenden
Schüsse hörte, -- konnte er gar nicht begreifen, wie er sich zweimal
von einer so unverzeihlichen Schwäche hatte können übermannen lassen.
Er war über sich selber erzürnt und sehnte sich nach der Gefahr, um
sich von neuem zu prüfen.
Ich freue mich, daß auch Sie hier sind, Kapitän, sagte er zu einem
Marineoffizier im Stabsoffiziersmantel mit einem starken Schnurrbart
und dem Georgskreuz, der inzwischen in die Blindage gekommen war
und den General bat, ihm Arbeiter zu geben, um zwei auf seiner
Batterie verschüttete Schießscharten wieder herzustellen. Der General
hat mir befohlen, mich zu informieren, fuhr Kalugin fort, als der
Batteriekommandeur aufgehört hatte, mit dem General zu sprechen, ob
Ihre Geschütze den Laufgraben mit Kartätschen beschießen können.
Nur ein Geschütz kann es, antwortete mürrisch der Kapitän.
Jedenfalls wollen wir hingehen und nachsehen.
Der Kapitän runzelte die Stirn und schrie zornig:
Schon die ganze Nacht habe ich dort gestanden und bin hierher gekommen,
um nur ein wenig auszuruhen, können Sie nicht allein hinuntergehen?
Mein Stellvertreter, der Leutnant Karz, ist dort, er wird Ihnen alles
zeigen.
Der Kapitän kommandierte schon seit sechs Monaten diese Batterie, eine
der gefährlichsten, wohnte sogar schon seit Anfang der Belagerung,
da es noch keine Blindagen gab, ununterbrochen auf der Bastion und
hatte unter den Seeleuten den Ruf der Tapferkeit. Daher setzte seine
Weigerung Kalugin nicht wenig in Erstaunen und Verwunderung. »Was
bedeutet der Ruf!« dachte er.
Nun, so werde ich allein gehen, wenn Sie gestatten, entgegnete er in
etwas spöttischem Tone dem Kapitän, der jedoch seine Worte nicht weiter
beachtete.
Kalugin bedachte aber nicht, daß er zu verschiedenen Zeiten alles in
allem nur an fünfzig Stunden auf den Bastionen zugebracht, während
der Kapitän sechs Monate dort gewohnt hatte. Kalugin trieb noch die
Eitelkeit, der Wunsch zu glänzen, die Hoffnung auf Auszeichnungen,
auf Ruhm und der Reiz der Gefahr; der Kapitän hatte all das schon
durchgemacht: auch er hatte der Eitelkeit, der Tapferkeit, der Gefahr
nachgestrebt, der Hoffnung auf Auszeichnungen und Ruhm, und hatte auch
beide errungen, jetzt aber hatten alle diese Reizmittel ihre Macht
über ihn verloren, und er betrachtete den Krieg mit anderen Augen: er
erfüllte aufs pünktlichste seine Pflicht, war sich aber dessen wohl
bewußt, wie wenig Aussichten ihm für das Leben blieben, und setzte
darum nach einem Aufenthalte von sechs Monaten auf der Bastion diese
Aussichten nicht ohne die dringendste Not aufs Spiel, so daß der junge
Leutnant, der vor acht Tagen bei der Batterie eingetreten war, der sie
jetzt Kalugin zeigte, sich mit ihm unnützerweise zur Schießscharte
hinauslehnte und auf die Banketts kletterte, ihm zehnmal tapferer
erschien, als der Kapitän.
Als Kalugin die Batterie besichtigt hatte und nach der Blindage
zurückging, stieß er in der Finsternis auf den General, der sich mit
seinen Ordonnanzoffizieren auf die Höhe begab.
Rittmeister Praßkuchin! sagte der General, gehen Sie gefälligst in den
rechten Schützengraben hinunter und sagen Sie dem zweiten Bataillon des
M.-Regiments, das dort auf Arbeit ist, daß es die Arbeit abbrechen,
ohne Lärm abmarschieren und sich mit seinem Regiment vereinigen soll,
das unten am Berge in Reserve steht ... Verstehen Sie? Sie werden es
selbst zum Regiment führen.
Zu Befehl.
Und Praßkuchin lief im Trabe zum Schützengraben.
Das Feuer wurde stärker.
X
Ist dies das zweite Bataillon des M.-Regiments? fragte Praßkuchin,
als er, an Ort und Stelle gekommen war und auf Soldaten stieß, die in
Säcken Erde trugen.
Jawohl, Herr.
Wo ist der Kommandeur?
Michajlow war in dem Glauben, daß nach dem Kompagniekommandeur
gefragt würde, kam aus seiner Grube herauf und ging, mit der Hand am
Mützenschirm, an Praßkuchin heran, den er für einen Vorgesetzten hielt.
Der General hat befohlen, schnell ... und vor allem still zurückzugehen
... nein, nicht zurück, sondern zur Reserve, sprach Praßkuchin, indem
er nach dem feindlichen Feuer schielte.
Als Michajlow Praßkuchin erkannt hatte, ließ er die Hand sinken und
gab, nachdem er erfahren, worum es sich handelte, den Befehl weiter;
das Bataillon hörte auf zu arbeiten, ergriff die Gewehre, zog die
Mäntel an und setzte sich in Bewegung.
Wer es nicht kennen gelernt hat, kann sich die Freude nicht vorstellen,
die ein Mensch empfindet, der nach einem dreistündigen Bombardement
einen so gefährlichen Platz, wie ein Schützengraben ist, verläßt.
Michajlow, der während dieser drei Stunden mehr als einmal nicht ohne
Grund geglaubt, daß sein *Ende* gekommen, hatte sich schon mit dem
Gedanken vertraut gemacht, daß er unzweifelhaft fallen müsse und daß
er nicht mehr dieser Welt angehöre. Aber trotzdem kostete es ihm große
Mühe, seine Beine vom Laufen zurückzuhalten, als er neben Praßkuchin an
der Spitze der Kompagnie aus dem Schützengraben ging.
Auf Wiedersehen! rief ihm ein Major zu, der Kommandeur eines anderen
Bataillons, das in den Schützengräben zurückblieb, und mit dem er in
der Grube an der Brustwehr gesessen und Käse gegessen hatte. Glück auf
den Weg!
Und Ihnen wünsche ich, glücklich Ihre Position zu halten. Jetzt ist es,
wie mir scheint, ruhig geworden.
Kaum aber hatte er dies gesagt, als der Feind, der jedenfalls die
Bewegung in den Gräben bemerkt hatte, immer stärker und stärker zu
feuern begann. Die Unsrigen antworteten ihm, und wiederum erhob sich
eine starke Kanonade. Die Sterne standen hoch am Himmel, glänzten
aber nicht hell. Die Nacht war so dunkel, daß man die Hand vor
den Augen nicht sah, nur die Feuer der Schüsse und die platzenden
Bomben erhellten auf einen Augenblick die Gegenstände. Die Soldaten
gingen schnell und schweigend und suchten unwillkürlich einander
zuvorzukommen; nach dem unaufhörlichen Rollen der Schüsse wurden
nur die gemessenen Schritte der Soldaten auf dem trockenen Wege,
das Klirren der Bajonette oder das Seufzen und das Gebet eines
Soldaten: »Herr, Herr! Was ist das?« gehört. Bisweilen ließ sich
das Stöhnen eines Verwundeten und der Ruf: »Tragbahre!« vernehmen.
(In der Kompagnie, die Michajlow befehligte, wurden allein durch
Artilleriefeuer in der Nacht 26 Mann getötet.) Ein Blitz flammte am
dunklen, fernen Horizonte auf, die Schildwache auf der Bastion schrie:
»Kano--o--ne!« und die Kugel sauste über die Kompagnie hin, riß die
Erde auf und warf Steine in die Höhe.
»Hol's der Teufel! wie langsam sie gehen, dachte Praßkuchin, indem
er neben Michajlow einherschritt und fortwährend zurückblickte.
Wahrhaftig, ich laufe lieber voraus; den Befehl habe ich ja überbracht
... Übrigens, nein: man könnte ja sagen, daß ich ein Feigling bin. Mag
geschehen, was will, -- ich gehe mit den übrigen.«
»Und weshalb folgt er mir? dachte seinerseits Michajlow. -- Soviel
ich bemerkt habe, bringt er immer Unglück. Da kommt eine geflogen,
schnurstracks hierher, wie mir scheint.«
Als sie einige hundert Schritt gegangen waren, stießen sie auf
Kalugin, der, mit dem Säbel klirrend, gemessenen Schrittes nach den
Schützengräben ging, um auf Befehl des Generals sich zu erkundigen,
wie weit die Arbeiten dort gediehen seien. Als er aber Michajlow
traf, fiel ihm ein, er könne, anstatt selbst in diesem schrecklichen
Feuer dorthin zu gehen, was ihm auch nicht befohlen worden war, einen
Offizier, der dort gewesen, nach allem ausfragen. Und wirklich erzählte
ihm Michajlow ausführlich von dem Stand der Arbeiten. Dann ging Kalugin
noch einige Schritte mit ihm und bog in den zur Blindage führenden
Laufgraben ein.
Nun, was giebt's Neues? fragte ein Offizier, der allein im Zimmer saß
und Abendbrot aß.
Nichts, es scheint, daß es kein Gefecht mehr geben wird.
Wie, kein Gefecht mehr? ... Im Gegenteil, der General ist soeben wieder
auf den Wachtturm gegangen. Noch ein Regiment ist gekommen. Da geht's
ja los ... hören Sie das Gewehrfeuer? Sie werden doch nicht gehen?
Wozu das? fügte der Offizier hinzu, als er die Bewegung bemerkte, die
Kalugin machte.
»Eigentlich müßte ich jedenfalls dabei sein, dachte Kalugin, aber ich
habe mich in dieser Nacht schon vielen Gefahren ausgesetzt; das Feuer
ist schrecklich.«
Ich werde sie in der That lieber hier erwarten, sagte er.
Wirklich kehrten nach zwanzig Minuten der General und die bei ihm
befindlichen Offiziere zurück; unter ihnen befand sich der Junker
Baron Pest, aber Praßkuchin fehlte. Die Schützengräben waren von den
Unsrigen genommen und besetzt worden.
Nachdem Kalugin ausführliche Nachrichten über das Gefecht erhalten,
verließ er mit Pest die Blindage.
XI
Ihr Mantel ist blutig, sind Sie denn im Handgemenge gewesen? fragte ihn
Kalugin.
Ach, schrecklich! Sie können sich vorstellen ...
Und Pest begann zu erzählen, wie er seine Kompagnie geführt, wie
der Kompagniekommandeur getötet worden, wie er einen Franzosen
niedergestochen und wie ... wäre er nicht gewesen, das Gefecht verloren
wäre.
Das Wesentliche dieser Erzählung, daß der Kommandeur getötet war
und daß Pest einen Franzosen getötet hatte, war richtig; aber in
der Schilderung der Einzelheiten war der Junker erfinderisch und
prahlsüchtig.
Er prahlte unwillkürlich, da er sich während des ganzen Gefechts in
einer Art Rausch und Besinnungslosigkeit befunden hatte, so daß alles,
was geschah, ihm so vorkam, als wäre es irgendwo, irgendwann und mit
irgend jemandem geschehen; und es war natürlich, daß er sich Mühe gab,
diese Einzelheiten in einer für ihn vorteilhaften Weise darzustellen.
Wie aber war es in Wirklichkeit gewesen?
Das Bataillon, dem der Junker während des Ausfalls zugeteilt war,
stand zwei Stunden im Feuer, in der Nähe einer Wand, dann gab der
Bataillonskommandeur vor der Front einen Befehl, die Hauptleute trugen
ihn weiter, das Bataillon setzte sich in Bewegung, marschierte vor
die Brustwehr und machte nach hundert Schritten Halt, um sich in
Kompagniekolonnen zu formieren. Pest wurde beordert, sich auf den
rechten Flügel der zweiten Kompagnie zu stellen.
Ohne sich Rechenschaft darüber zu geben, wo er sich befinde und
weshalb er da sei, stellte sich der Junker an seinen Platz und sah
mit unwillkürlich verhaltenem Atem und mit kaltem, über den Rücken
laufendem Zittern bewußtlos vor sich hin, in die dunkle Ferne hinaus,
etwas Schreckliches erwartend. Übrigens war ihm nicht so schrecklich
zu Mute, denn es wurde nicht geschossen, vielmehr war ihm der Gedanke
eigentümlich, seltsam, sich außerhalb der Festung, auf freiem Felde zu
befinden. Wiederum gab der Bataillonskommandeur einen Befehl vor der
Front, wiederum überbrachten ihn flüsternd die Offiziere, und plötzlich
senkte sich die schwarze Wand der ersten Kompagnie, -- es war befohlen
worden, sich niederzulegen. Die zweite Kompagnie legte sich ebenfalls,
wobei sich Pest die Hand an einem Dornstrauch verletzte. Nur der
Hauptmann der zweiten Kompagnie legte sich nicht. Seine kleine Gestalt,
mit dem gezogenen Degen, den er unter fortwährendem Sprechen hin- und
herschwang, bewegte sich vor der Kompagnie.
Kinder! Das sag' ich euch, haltet euch brav! Aus dem Gewehr keinen
Schuß, mit den Bajonetten auf die Kanaillen! Wenn ich »Urra« schreie,
dann mir nach und nicht zurückgeblieben! ... Frisch drauf los ist die
Hauptsache ... Wir wollen uns sehen lassen, nicht mit der Nase in den
Staub! Nicht wahr, Kinder? Für den Zaren, den Vater! ...
Wie heißt unser Kompagniekommandeur? fragte Pest den Junker, der neben
ihm lag, er ist wirklich tapfer!
Ja, er ist's immer, wenn es zum Kampfe kommt, antwortete der Junker,
Lißinkowski heißt er.
Da blitzte dicht vor der Kompagnie eine Flamme auf, ein Krach ertönte,
der die ganze Kompagnie betäubte, hoch in die Luft schwirrten Steine
und Sprengstücke (wenigstens fiel nach fünfzig Sekunden ein Stein
nieder und zerschmetterte einem Soldaten das Bein). Das war eine Bombe
aus der Elevationslafette, und ihr Einfallen in die Kompagnie bewies,
daß die Franzosen die Kolonne bemerkt hatten.
Mit Bomben schießt er! ... Laß uns nur erst an dich heran sein, dann
sollst du, Verfluchter, das dreikantige russische Bajonett kosten!
rief der Hauptmann so laut, daß der Bataillonskommandeur ihm befehlen
mußte zu schweigen und nicht so viel zu lärmen.
Bald darauf erhob sich die erste Kompagnie, nach ihr die zweite. Es
wurde befohlen, das Gewehr zum Angriff in die rechte Hand zu nehmen,
und das Bataillon ging vorwärts. Pest hatte vor Furcht das Bewußtsein
verloren, wie betrunken ging er mit. Aber plötzlich blitzte von allen
Seiten eine Million von Feuern auf, pfiff und krachte es. Er schrie und
lief vorwärts, weil alle liefen und schrien. Dann stolperte er und fiel
auf etwas. Das war der Kompagnieführer, ... er war vor der Kompagnie
verwundet worden, er hielt den Junker für einen Franzosen und packte
ihn am Bein. Als er sein Bein befreit und sich erhoben hatte, stieß
in der Finsternis ein Mensch mit dem Rücken ihn an und hätte ihn fast
wieder zu Boden geworfen; da schrie ein anderer: »Stich ihn nieder! Was
gaffst du?« Er nahm das Gewehr und stieß das Bajonett in etwas Weiches.
»-Ah Dieu!-« schrie jemand mit schrecklicher, durchdringender Stimme,
und erst da begriff Pest, daß er einen Franzosen erstochen hatte. --
Kalter Schweiß trat an seinem ganzen Körper hervor, er schüttelte sich
wie im Fieber und warf das Gewehr fort. Aber nur einen Augenblick
dauerte dies: sogleich kam ihm der Gedanke in den Kopf, daß er ein
Held sei. Er hob das Gewehr und lief »Urra« schreiend mit der Menge
von dem getöteten Franzosen fort. Nachdem er zwanzig Schritte gelaufen
war, kam er in einen Laufgraben. Dort waren die Unsrigen und der
Bataillonskommandeur.
Ich habe einen erstochen! sagte er zu dem Bataillonskommandeur.
Brav, Baron!
XII
Und wissen Sie, Praßkuchin ist tot! sagte Pest, als er Kalugin, der
nach Hause ging, begleitete.
Nicht möglich!
Warum? Ich habe es selbst gesehen.
Leben Sie wohl, ich habe Eile!
Ich bin sehr zufrieden, dachte Kalugin auf dem Heimwege, zum erstenmal
habe ich während meines Tagdienstes Glück gehabt. Es ist mir
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