Wir verbrachten den Sommer in einem Badeorte. Ich war damals erst einundzwanzig Jahre alt; unsere Vermögensverhältnisse waren, wie ich glaubte, im glänzendsten Zustande; vom Familienleben verlangte ich nicht mehr, als es mir gab; alle, die ich kannte, schienen mich zu lieben; mein Gesundheitszustand war gut; meine Toiletten waren die schönsten im ganzen Badeorte; ich wußte, daß ich schön war; das Wetter war herrlich; eine eigentümliche Atmosphäre von Schönheit und Eleganz umgab mich, und es war mir sehr lustig zumute. Aber ich war doch nicht so lustig, wie ich es in Nikolskoje gewesen, als ich fühlte, daß ich in mir selbst glücklich sei, glücklich, weil ich dieses Glück verdient habe, daß mein Glück wohl groß sei, es aber irgendwo auch noch ein größeres Glück geben müsse, und daß ich immer mehr und mehr von diesem Glück wolle. Damals war es ganz anders gewesen; aber auch in diesem Sommer fühlte ich mich wohl. Ich wünschte nichts, ich hoffte auf nichts, ich befürchtete nichts, mein Leben erschien mir ganz ausgefüllt, und mein Gewissen war ruhig. Unter allen jungen Männern jener Saison gab es nicht einen einzigen, den ich irgendwie vor den anderen bevorzugte, -- nicht mal vor dem alten Fürsten K., unserem Gesandten, der mir den Hof machte. Der eine war jung, der andere alt, der eine ein blonder Engländer, der andere ein Franzose mit einem Spitzbart; sie erschienen mir alle gleich, doch alle waren mir unentbehrlich. Es waren lauter gleichgültige Menschen, die die freudige Lebensatmosphäre bildeten, die mich umgab. Nur einer unter ihnen, der italienische Marchese D., hatte durch die kühne Art, sein Entzücken über mich zu äußern, mehr als die anderen meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Er ließ keine Gelegenheit vorübergehen, um mit mir zusammen zu sein, zu tanzen, auszureiten, mich im Kasino usw. zu treffen und mir zu sagen, daß ich schön sei. Einigemal sah ich ihn durchs Fenster in der Nähe unseres Hauses stehen, und oft hatte der unangenehme durchdringende Blick seiner glänzenden Augen mich erröten gemacht und genötigt, mich umzuwenden. Er war jung, hübsch, elegant und hatte, vor allen Dingen, in seinem Lächeln und im Ausdruck seiner Stirne eine Ähnlichkeit mit meinem Manne, obwohl er viel hübscher war als dieser. Die Ähnlichkeit frappierte mich, obwohl er im allgemeinen, in den Augen, im Blick, im langen Kinn, statt des reizenden Ausdruckes der Güte und der idealen Ruhe meines Mannes, etwas Rohes und Tierisches hatte. Ich glaubte damals, daß er mich leidenschaftlich liebe und dachte daran mit stolzem Mitleid. Manchmal kam mir der Wunsch, ihn zu beruhigen und auf den Ton einer halbfreundschaftlichen stillen Vertrautheit zu stimmen, er wies aber alle solche Versuche schroff zurück und fuhr fort, mich auf die unangenehmste Weise mit seiner noch unausgesprochenen, aber jeden Augenblick zur Entladung kommen wollenden Leidenschaft in Verlegenheit zu bringen. Obwohl ich es mir auch nicht eingestand, fürchtete ich doch diesen Menschen und dachte oft unwillkürlich an ihn. Mein Mann kannte ihn und begegnete ihm noch kühler und hochmütiger als unseren anderen Bekannten, für die er bloß der Mann seiner Frau war. Gegen Ende der Saison wurde ich krank und hütete vierzehn Tage lang das Zimmer. Als ich zum erstenmal nach meiner Krankheit abends zur Kurmusik kam, erfuhr ich, daß währenddessen die längst erwartete und wegen ihrer Schönheit bekannte Lady S. angekommen sei. Um mich bildete sich ein Kreis, man empfing mich mit großer Freude, aber ein noch schönerer Kreis hatte sich um die neuangekommene Salonlöwin gebildet. Alle um mich herum sprachen nur von ihrer Schönheit. Man zeigte sie mir; sie war tatsächlich schön, aber ihr selbstbewußter Ausdruck war mir unangenehm, und ich sprach es auch aus. An diesem Tage langweilte mich alles, was mir früher lustig vorkam. Am nächsten Tage veranstaltete Lady S. einen Ausflug zur Burg, an dem ich mich nicht beteiligte. Bei mir blieb fast niemand, und alles hatte sich in meinen Augen verändert. Alle kamen mir auf einmal so dumm und langweilig vor, ich weinte beinahe, ich wollte meine Kur so schnell als möglich beenden und nach Rußland zurückkehren. In meinem Herzen regte sich irgendein häßliches Gefühl, aber ich wollte es mir nicht eingestehen. Unter dem Vorwande, daß ich zu schwach sei, hörte ich auf, mich in der großen Gesellschaft zu zeigen und kam nur manchmal des Morgens ganz allein zum Brunnen oder machte mit meiner russischen Bekannten L. M. Ausflüge in die Umgegend. Mein Mann war während dieser Zeit abwesend: er war für einige Tage nach Heidelberg gefahren, um dort das Ende meiner Kur abzuwarten und dann zusammen mit mir nach Rußland zurückzukehren, und besuchte mich nur ab und zu. Eines Tages hatte Lady S. die ganze Gesellschaft zu einer Jagd mitgenommen, während ich mit L. M. am Nachmittag zur Burg hinausfuhr. Als unsere Equipage im Schritt die vielgewundene Chaussee zwischen den hundertjährigen Kastanien hinauffuhr, durch die man die von den Strahlen der untergehenden Sonne beleuchtete liebliche Umgebung von Baden-Baden sehen konnte, kam es zwischen uns zu einem so ernsten Gespräch, wie wir es noch nie geführt hatten. L. M., die ich schon seit langem kannte, erschien mir zum erstenmal als eine kluge und gute Frau, mit der man über alles sprechen konnte und deren Freundschaft angenehm war. Wir sprachen von unseren Familien und Kindern, von der Leere des hiesigen Lebens, wir sehnten uns nach Rußland und dem Leben auf dem Gute zurück, und es wurde uns plötzlich so schwermütig und wohl ums Herz. Wir betraten die Burg unter dem Einflusse des gleichen ernsten Gefühls. In ihren Mauern war es schattig und kühl, oben auf den Ruinen spielte die Sonne und ließen sich Schritte und Stimmen vernehmen. Durch die Türe zeigte sich uns wie in einem Rahmen das reizende, aber für uns Russen so kalte Bild der Landschaft von Baden-Baden. Wir setzten uns hin, um auszuruhen, und blickten schweigend auf die untergehende Sonne. Die Stimmen erklangen deutlicher, und es war mir, als hörte ich meinen Namen. Ich lauschte und hörte unwillkürlich jedes Wort. Die Stimmen waren mir bekannt: es waren der Marchese D. und sein Freund, ein Franzose, den ich ebenfalls kannte. Sie sprachen von mir und von der Lady S. Der Franzose verglich mich mit ihr und kritisierte meine und ihre Schönheit. Er sagte zwar nichts Beleidigendes, aber mir strömte das ganze Blut zum Herzen, als ich seine Worte hörte. Er erklärte sehr ausführlich, was an mir und was an Lady S. schön sei. Ich hätte schon ein Kind, aber Lady S. sei erst neunzehn Jahre alt; mein Haar sei schöner, dafür habe Lady S. eine schlankere Taille; die Lady sei eine große Dame, »während Ihre Passion,« sagte er, »nur eine von den kleinen russischen Fürstinnen ist, die in der letzten Zeit so oft hier erscheinen.« Er schloß damit, daß ich sehr gut daran tue, mich mit der Lady S. nicht zu messen, und daß ich nun in Baden-Baden endgültig erledigt sei. »Sie tut mir leid.« »Wenn es ihr nur nicht einfällt, sich mit Ihnen zu trösten,« fügte er mit einem lustigen und harten Lachen hinzu. »Wenn sie verreist, folge ich ihr,« sagte roh die andere Stimme mit italienischem Akzent. »Der glückliche Sterbliche! Er kann noch lieben!« lachte der Franzose. »Lieben!« antwortete die andere Stimme und fuhr nach einigem Schweigen fort: »Ich kann nicht anders, ohne Liebe gibt es kein Leben. Aus seinem Leben einen Roman machen, ist das einzig Schöne. Mein Roman bleibt aber niemals in der Mitte stecken, und ich werde auch diesen zu Ende führen.« »~Bonne chance, mon ami~,« sagte der Franzose. Das Weitere hörten wir nicht, denn sie waren um eine Ecke gebogen, und ihre Stimmen erklangen von der anderen Seite. Sie gingen die Treppe hinunter, kamen nach einigen Minuten aus einer Seitentür und waren sehr erstaunt, uns hier zu treffen. Ich errötete, als der Marchese D. sich mir näherte, und erschrak, als er beim Verlassen der Burg mir den Arm bot. Ich konnte nicht ablehnen, und so begaben wir uns hinter L. M., die mit seinem Freunde vorausging, zu unserem Wagen. Die Worte des Franzosen hatten mich beleidigt, obwohl er nur das, was ich selbst fühlte, ausgesprochen hatte; aber die Worte des Marchese hatten mich durch ihre Rohheit in Erstaunen gesetzt und empört. Mich peinigte der Gedanke, daß er, obwohl ich seine Worte gehört hatte, keine Scheu vor mir empfand. Es war mir ekelhaft, ihn so nahe neben mir zu fühlen, und ich ging, ohne ihn anzusehen und ohne auf seine Worte zu antworten, schnell hinter L. M. und dem Franzosen her und bemühte mich, meinen Arm so zu halten, daß ich seine Worte nicht hören konnte. Der Marchese sagte etwas über die schöne Aussicht, über das unerwartete Glück, mich hier getroffen zu haben, und noch etwas, aber ich hörte ihm nicht zu. Ich dachte die ganze Zeit an meinen Mann, an meinen Sohn, an Rußland; ich empfand Scham, etwas tat mir leid, ich wünschte etwas und wollte so schnell als möglich nach Hause, nach meinem einsamen Zimmer im ~Hôtel de Bade~, um ungestört über alles nachzudenken, was in meiner Seele aufgewühlt worden war. Aber L. M. ging langsam, zum Wagen war es noch weit, und mein Kavalier verlangsamte, wie mir schien, hartnäckig seine Schritte, als versuchte er mich zurückzuhalten. -- Das darf nicht sein! -- sagte ich mir und beschleunigte energisch meine Schritte. Aber er hielt mich tatsächlich zurück und drückte sogar meinen Arm. L. M. verschwand hinter einer Biegung des Weges, und wir blieben ganz allein. Mich überkam ein Schreck. »Entschuldigen Sie,« sagte ich kühl und versuchte meinen Arm zu befreien, aber mein Spitzenärmel blieb an einem seiner Knöpfe hängen. Er beugte sich mit der Brust nach vorn und begann den Ärmel freizumachen, und die Finger seiner bloßen Hand berührten die meine. Ein eigentümliches, mir ganz neues Gefühl, in dem sich ein Grauen und eine Wonne vermischten, überlief mir kalt den Rücken. Ich sah ihn an, um durch einen kalten Blick die ganze Verachtung auszusprechen, die ich gegen ihn empfand; aber mein Blick drückte etwas ganz anderes aus: Furcht und Erregung. Seine brennenden, feuchten Augen, die so nahe an meinem Gesicht waren, sahen so eigentümlich auf mich, auf meinen Hals, auf meine Brust; seine beiden Hände betasteten meine Hand über dem Gelenk, seine offenen Lippen sprachen etwas, sie sagten, daß er mich liebe, daß ich für ihn alles sei; und diese Lippen kamen immer näher, und seine Hände drückten immer fester die meinen zusammen und versengten mich. Ein Feuer lief durch alle meine Adern, es wurde mir finster vor den Augen, ich zitterte, und die Worte, mit denen ich ihn zurückhalten wollte, blieben mir in der Kehle stecken. Plötzlich fühlte ich einen Kuß auf meiner Wange, ich blieb, am ganzen Leibe zitternd und erkaltend, stehen und sah ihn an. Außerstande, zu sprechen oder mich zu rühren, erwartete ich voller Schrecken etwas und verlangte zugleich danach. Das alles dauerte nur einen Augenblick. Aber dieser Augenblick war entsetzlich! Ich hatte ihn während dieses Augenblicks so genau gesehen. So verständlich war mir sein Gesicht: diese niedrige, steile Stirne, die der Stirne meines Mannes so ähnlich war, diese schöne, gerade Nase mit den geblähten Nüstern, dieser lange, steif gewichste Schnurr- und Kinnbart, diese glatt rasierten Wangen und der gebräunte Hals. Ich haßte ihn, ich fürchtete ihn: so fremd war er mir; aber in diesem Augenblick weckten in mir die Aufregung und die Leidenschaft dieses verhaßten, fremden Mannes einen so mächtigen Widerhall, ich fühlte ein so unüberwindliches Verlangen, mich den Küssen dieses rohen und schönen Mundes und den Umschlingungen dieser weißen Hände mit den feinen Adern und den ringgeschmückten Fingern hinzugeben, mich kopfüber in den lockenden Abgrund verbotener Wonnen, der sich plötzlich vor mir auftat, zu stürzen! ... -- Ich bin so unglücklich, -- dachte ich --, möge sich noch mehr Unglück über meinem Kopfe häufen. -- Er umschlang mich mit dem einen Arm und beugte sich über mein Gesicht. -- Möge sich noch mehr Schande und Sünde über meinem Kopfe sammeln! -- »~Je vous aime~,« flüsterte er mit einer Stimme, die so sehr an die meines Mannes erinnerte. Ich dachte an meinen Mann und an mein Kind wie an längst entschwundene teure Wesen, mit denen mich nichts mehr verband. Aber plötzlich erklang hinter der Biegung die Stimme der L. M., die mich rief. Ich kam zur Besinnung, entriß ihm meine Hand und lief fast, ohne ihn anzusehen, zu L. M. Wir stiegen in den Wagen, und erst jetzt sah ich ihn an. Er nahm den Hut ab und sagte lächelnd etwas. Er begriff wohl nicht den unsagbaren Ekel, den ich in diesem Augenblick gegen ihn empfand. Mein Leben erschien mir so unglücklich, meine Zukunft so hoffnungslos, die Vergangenheit so schwarz! L. M. sprach etwas zu mir, aber ich verstand ihre Worte nicht. Es war mir, als spräche sie mit mir nur aus Mitleid, um die Verachtung zu verbergen, die ich in ihr weckte. In jedem ihrer Worte, in jedem ihrer Blicke glaubte ich diese Verachtung, dieses verletzende Mitleid zu fühlen. Der Kuß brannte mir wie ein Schandmal auf der Wange, und der Gedanke an meinen Mann und an mein Kind war mir unerträglich. Ich hoffte allein in meinem Zimmer über meine Lage nachdenken zu können, aber es war mir so schrecklich, allein zu sein. Ich trank den Tee, den man mir gebracht hatte, nicht aus und machte mich mit fieberhafter Hast bereit, ohne zu wissen, warum, mit dem Abendzug zu meinem Mann nach Heidelberg zu fahren. Als ich mit meiner Zofe im leeren Wagen saß, die Maschine sich in Bewegung setzte und die durch das Fenster hereinwehende frische Luft mir über das Gesicht strich, kam ich allmählich zur Besinnung und fing an, meine Vergangenheit und Zukunft klarer zu sehen. Mein ganzes Eheleben vom Tage unserer Abreise nach Petersburg an erschien mir in einem neuen Lichte und legte sich mir als schwerer Vorwurf aufs Gewissen. Zum erstenmal erinnerte ich mich wieder lebhaft unserer ersten Zeit auf dem Lande, unserer Pläne, und zum erstenmal kam mir die Frage in den Sinn: welches waren seine Freuden während dieser ganzen Zeit? Und ich fühlte mich schuldig gegen ihn. -- Warum hat er mich aber nicht zurückgehalten, warum hat er geheuchelt, warum ist er allen Erklärungen aus dem Wege gegangen, warum hat er mich beleidigt? -- fragte ich mich. -- Warum hat er nicht von der Macht seiner Liebe über mich Gebrauch gemacht? Oder liebt er mich nicht? -- Aber so schuldig er auch sein mochte, der Kuß jenes fremden Mannes brannte mir auf der Wange, und ich fühlte ihn. Je mehr ich mich Heidelberg näherte, um so klarer sah ich meinen Mann vor mir, und um so schrecklicher erschien mir die bevorstehende Begegnung. -- Ich will ihm alles, alles sagen, ich will alles mit den Tränen der Reue ausweinen, -- dachte ich, -- und er wird mir verzeihen. -- Aber ich wußte selbst nicht, was dieses »alles« war, was ich ihm sagen wollte, und ich glaubte selbst nicht, daß er mir verzeihen würde. Als ich aber ins Zimmer meines Mannes trat und sein ruhiges, wenn auch erstauntes Gesicht sah, fühlte ich, daß ich ihm nichts zu sagen, nichts zu gestehen und auch nichts abzubitten habe. Der Gram und die Reue mußten unausgesprochen in meiner Seele bleiben. »Was ist dir eingefallen?« fragte er. »Ich wollte ja selbst morgen zu dir kommen.« Als er aber mein Gesicht aufmerksamer betrachtete, schien er erschrocken. »Was hast du? Was ist mit dir los?« fragte er mich. »Nichts,« antwortete ich, meine Tränen mit Mühe zurückhaltend. »Ich bin für ganz hergekommen. Fahren wir meinetwegen gleich morgen heim nach Rußland.« Er sah mich recht lange schweigend und aufmerksam an. »Erzähle doch, was geschehen ist,« sagte er. Ich errötete unwillkürlich und schlug die Augen nieder. In seinen Augen flammte ein Ausdruck von Kränkung und Zorn auf. Ich erschrak vor den Gedanken, die ihm kommen konnten, und sagte mit einer Verstellung, die ich von mir selbst nicht erwartet hatte: »Es ist nichts geschehen, es war mir nur so langweilig und traurig allein zu sein, und ich dachte viel an unser Leben und an dich. Ich fühle mich schon so lange schuldig gegen dich! Warum fährst du mit mir dorthin, wo es dir nicht gefällt? Ich fühle mich schon so lange schuldig gegen dich,« wiederholte ich, und die Tränen traten mir wieder in die Augen. »Wollen wir doch auf unser Gut fahren und für immer.« »Ach, liebes Kind, verschone mich mit solchen empfindsamen Szenen,« sagte er kühl. »Daß du aufs Land willst, ist sehr schön, denn es ist uns recht wenig Geld übrig geblieben; aber für immer, -- das ist nur eine Phantasie. Ich weiß, daß du es nicht aushalten wirst. Jetzt aber trinke Tee, das wird besser sein,« schloß er und stand auf, um dem Kellner zu klingeln. Ich stellte mir alles vor, was er von mir denken konnte, und fühlte mich durch die schrecklichen Gedanken beleidigt, die ich ihm zuschrieb, als ich seinen ungläubigen, gleichsam beschämten Blick, den er auf mich gerichtet hielt, sah. -- Nein, er will und kann mich nicht verstehen! -- Ich sagte ihm, daß ich nach dem Kinde sehen möchte und verließ ihn. Ich wollte allein sein und weinen, weinen, weinen ... IV Das lange nicht geheizte leere Haus zu Nikolskoje wurde wieder lebendig; aber das, was darin einst gelebt hatte, erwachte nicht mehr. Die Mama war nicht mehr am Leben, und wir standen uns allein gegenüber. Wir verlangten jetzt aber nicht nach dieser Einsamkeit, sie fiel uns sogar zur Last. Der Winter verging für mich um so schlimmer, als ich krank war und mich erst nach der Geburt meines zweiten Sohnes etwas erholte. Das Verhältnis zu meinem Mann war noch immer so kühl und freundschaftlich wie zur Zeit unseres Lebens in der Stadt; aber auf dem Lande erinnerte mich jedes Dielenbrett, jede Wand, jedes Sofa daran, was er für mich einst gewesen war und was ich verloren hatte! Zwischen uns stand etwas wie eine nicht verziehene Kränkung, als bestrafte er mich für irgend etwas und gäbe sich den Anschein, als merke er es nicht. Ich hatte ihm nichts abzubitten, es war nichts, womit er mich hätte verschonen können; er strafte mich nur damit, daß er sich und seine ganze Seele mir nicht mehr hingab, wie früher; er gab sie auch niemandem hin, als hätte er überhaupt keine Seele mehr. Manchmal kam mir der Gedanke, er stelle sich nur so, um mich zu quälen, während in ihm noch das alte Gefühl lebe, und ich bemühte mich, es zu wecken. Aber er schien jedesmal einer offenen Aussprache aus dem Wege zu gehen, mich der Verstellung zu verdächtigen und jede Empfindsamkeit als etwas Lächerliches zu fürchten. Sein Blick und sein Ton sagten mir: -- Ich weiß alles, ich weiß alles, du brauchst mir nichts zu sagen, ich weiß alles, was du mir sagen willst. Ich weiß auch, daß du das eine sagen und etwas anderes tun wirst. -- Diese Furcht vor einer offenen Aussprache verletzte mich anfangs, aber dann gewöhnte ich mich an den Gedanken, daß es kein Mangel an Offenheit, sondern das Fehlen eines Bedürfnisses nach Offenheit sei. Ich hätte es niemals übers Herz gebracht, ihm zu sagen, daß ich ihn liebe, oder ihn zu bitten, mit mir zu beten oder ihn zu rufen, damit er meinem Klavierspiel zuhöre. Im Verkehr zwischen uns hatten sich schon gewisse Anstandsgesetze herausgebildet. Wir lebten ein jeder für sich: er mit seinen Arbeiten, an denen mich zu beteiligen ich weder brauchte, noch wünschte, ich mit meinem Müßiggang, der ihn nicht mehr kränkte und betrübte wie früher. Die Kinder waren noch zu klein, um uns aneinander zu binden. Da brach aber das Frühjahr an. Katja und Ssonja kamen für den Sommer aufs Land, unser Haus in Nikolskoje wurde umgebaut, und wir siedelten nach Pokrowskoje über. Es war dasselbe alte Haus von Pokrowskoje mit seinem Ausziehtisch, dem Klavier in dem hellen Salon und meinem ehemaligen Zimmer mit den weißen Vorhängen und meinen gleichsam vergessenen Mädchenträumen. In diesem Zimmer standen zwei Kinderbetten: in dem einen, in dem ich einst selbst gelegen hatte, bekreuzigte ich jetzt jeden Abend den pausbackigen Kokoscha, und aus dem anderen, kleineren guckte das Gesicht des kleinen Wanja aus seinen Windeln hervor. Nachdem ich sie bekreuzigt hatte, blieb ich oft in der Mitte dieses stillen Stübchens stehen, und plötzlich stiegen aus allen Ecken, von den Wänden und den Vorhängen alte, vergessene Gesichte meiner Jugend auf. Alte Stimmen sangen Mädchenlieder. Wo sind aber diese Gesichte? Wo diese lieben, süßen Lieder? Alles, was ich kaum zu hoffen wagte, war in Erfüllung gegangen. Unklare, ineinanderfließende Träume waren zur Wirklichkeit geworden, und die Wirklichkeit hatte sich in ein schweres, mühseliges und freudloses Leben verwandelt. Dabei war aber alles noch das alte: der gleiche Garten liegt vor den Fenstern mit dem gleichen Rasenplatz und den gleichen Wegen; die gleiche Bank steht dort über der Schlucht, der gleiche Nachtigallengesang schallt vom Teiche herüber, die gleichen Fliederbüsche prangen in voller Blüte, und derselbe Mond steht über dem Hause; und doch hat sich alles in einer so schrecklichen, so unmöglichen Weise verändert! So kalt ist alles, was so lieb und so nahe sein könnte! Ich sitze genau wie einst mit Katja im Wohnzimmer, und wir sprechen leise von ihm. Katjas Gesicht ist aber von Runzeln durchfurcht und gelb, ihre Augen glänzen nicht mehr vor Freude und Hoffnung, sondern drücken teilnahmsvolle Trauer und Mitleid aus. Wir sprechen nicht mehr mit Entzücken von ihm, wir kritisieren ihn; wir staunen nicht mehr, warum und wofür uns dieses Glück beschieden ist und haben auch nicht mehr den Wunsch wie einst, der ganzen Welt unsere Gefühle und Gedanken mitzuteilen; wir tuscheln miteinander wie Verschworene und fragen uns zum hundertsten Male, warum sich alles so traurig geändert habe. Er ist aber noch immer derselbe, nur die Falte zwischen seinen Brauen ist tiefer geworden, an seinen Schläfen schimmern mehr graue Haare, aber sein tiefer, aufmerksamer Blick ist vor mir immer mit einer Wolke verhüllt. Auch ich bin noch immer dieselbe, aber in mir ist keine Liebe und kein Verlangen nach Liebe. Kein Bedürfnis nach Arbeit, keine Zufriedenheit mit mir selbst. Und so fern und unmöglich erscheinen mir jetzt meine religiösen Ekstasen, meine einstige Liebe zu ihm, die frühere Fülle meines Lebens. Jetzt würde ich nicht mehr begreifen, was mir einst so klar und gerecht erschien: das Glück, für einen anderen zu leben. Weshalb für einen anderen, wenn ich nicht mal für mich selbst leben will? Ich hatte seit der damaligen Petersburger Reise die Musik ganz aufgegeben; aber das alte Klavier und die alten Noten weckten in mir wieder die alte Lust. Eines Tages fühlte ich mich etwas unwohl und blieb allein zu Hause; Katja und Ssonja waren mit ihm nach Nikolskoje gefahren, um den Neubau zu besichtigen. Der Teetisch war gedeckt; ich ging hinunter, um auf sie zu warten, und setzte mich ans Klavier. Ich schlug die Sonate ~quasi una fantasia~ auf und begann zu spielen. Niemand war zu sehen oder zu hören, die Fenster nach dem Garten standen offen, und die bekannten Töne voller majestätischer Trauer klangen durch das Zimmer. Als ich mit dem ersten Teil zu Ende war, blickte ich aus alter Gewohnheit in den Winkel, wo er einst zu sitzen und mir zuzuhören pflegte. Er war aber nicht da; der Stuhl, den man schon lange nicht von der Stelle gerückt hatte, stand noch in seiner Ecke; durch das Fenster sah ich einen Fliederbusch, der sich vom hellen Abendhimmel abhob, und die Kühle des Abends strömte durch das offene Fenster herein. Ich stützte mich auf das Klavier, bedeckte das Gesicht mit beiden Händen und gab mich meinen Gedanken hin. Lange saß ich so, voller Schmerz der unwiederbringlichen alten Zeiten gedenkend und ängstlich in die Zukunft blickend. Aber die Zukunft schien leer, als ob ich mir nichts mehr erhoffte, nichts mehr ersehnte. -- Habe ich denn mein Leben schon hinter mir? -- fragte ich mich und hob entsetzt den Kopf. Um zu vergessen und nicht mehr zu denken, begann ich noch einmal dasselbe Andante zu spielen. -- Mein Gott! -- dachte ich mir, -- verzeih mir, wenn ich schuldig bin, oder gib mir alles wieder, was in meiner Seele so schön war, oder lehre mich, was ich jetzt tun, wie ich leben soll! -- Ein Wagen rollte über den Rasen und hielt vor dem Hause, auf der Terrasse ließen sich die bekannten vorsichtigen Schritte vernehmen, die gleich wieder verhallten. Aber diese bekannten Schritte weckten in meiner Seele nicht mehr das frühere Gefühl. Als ich zu Ende war, hörte ich diese Schritte hinter mir, und eine Hand legte sich auf meine Schulter. »Wie klug von dir, daß du diese Sonate gespielt hast!« sagte er. Ich schwieg. »Hast du noch keinen Tee getrunken?« Ich schüttelte verneinend den Kopf und sah mich nicht um, um die Spuren der Erregung auf meinem Gesicht nicht zu verraten. »Katja und Ssonja kommen gleich nach: das Pferd wollte nicht recht laufen, sie sind an der Landstraße aus dem Wagen gestiegen und kommen zu Fuß,« sagte er. »Wir wollen auf sie warten,« sagte ich und trat auf die Terrasse, in der Hoffnung, daß er mir folgen würde; er erkundigte sich aber nach den Kindern und ging zu ihnen. Seine Gegenwart, der Ton seiner einfachen, gütigen Stimme ließen es mir unglaublich erscheinen, daß ich etwas verloren hätte. Was soll ich mir noch wünschen? Er ist gütig und mild, er ist ein guter Gatte und Vater, ich weiß selbst nicht, was mir noch fehlt. Ich trat auf die Terrasse und setzte mich unter die Markise, auf die gleiche Bank, auf der ich am Tage unserer ersten Aussprache gesessen hatte. Die Sonne war schon untergegangen, es dämmerte, eine dunkle Frühlingswolke hing über dem Hause und dem Garten, und nur durch die Bäume war noch ein wolkenloser Streif des Himmels mit dem erlöschenden Abendrot und dem eben aufleuchtenden Abendstern zu sehen. Auf allen Dingen lag der Schatten der leichten Wolke, und alles wartete auf einen milden Frühlingsregen. Der Wind hatte sich gelegt, kein Blatt, kein Halm regte sich, der Duft des Flieders und des Faulbaums war im Garten und auf der Terrasse so stark, als stünde die ganze Luft in Blüte, und wogte bald stärker, bald schwächer, so daß man die Augen schließen wollte, um nichts zu sehen und nichts zu fühlen außer diesem süßen Duft. Die Georginen und die noch nicht aufgeblühten Rosen standen unbeweglich auf ihren aufgewühlten, schwarzen Beeten und schienen langsam an ihren weißen Stäben hinaufzuwachsen; die Frösche quakten unten in der Schlucht so laut und durchdringend, als wollten sie sich zum letztenmal vor dem Regen, der sie ins Wasser treiben würde, gehörig ausschreien. Ein ununterbrochenes, feines Rieseln tönte durch ihr Geschrei hindurch. Die Nachtigallen riefen einander etwas zu, und man hörte sie unruhig von der einen Stelle zu der anderen fliegen. Auch in diesem Frühling versuchte eine Nachtigall, sich im Gebüsch unter dem Fenster niederzulassen, und als ich hinaustrat, hörte ich, wie sie in die Allee flog, dort noch einen Triller losließ und dann erwartungsvoll verstummte. Vergebens suchte ich mich zu beruhigen: ich erwartete und beklagte etwas. Er kam hinunter und setzte sich neben mich. »Ich glaube, die beiden werden in den Regen kommen,« sagte er. »Ja,« sagte ich. Dann schwiegen wir beide lange. Die Wolke senkte sich immer tiefer in der windstillen Luft, alles wurde stiller, duftender und unbeweglicher; plötzlich fiel ein Tropfen nieder und prallte von der Markise ab; ein anderer zerschellte auf dem Schotter des Gartenweges; dann klatschte es gegen die Pestwurzstauden, und bald ging ein frischer, immer stärker werdender Regen nieder. Die Nachtigallen und die Frösche waren ganz verstummt, das feine Rieseln ließ sich noch immer vernehmen, obwohl es beim Rauschen des Regens aus weiterer Ferne zu kommen schien; und irgendein Vogel, der sich wohl im welken Laub nicht weit von der Terrasse versteckt hielt, ließ in regelmäßigen Abständen seine zwei einförmigen Töne erklingen. Mein Mann stand auf und wollte fortgehen. »Wo willst du hin?« fragte ich, um ihn zurückzuhalten. »Es ist so schön hier.« »Man muß ihnen einen Regenschirm und Galoschen schicken,« antwortete er. »Nicht nötig, der Regen hört gleich auf.« Er stimmte mir bei, und wir blieben beide am Geländer der Terrasse stehen. Ich stützte den Arm auf einen nassen, glatten Balken und hielt den Kopf hinaus. Der kühle Regen tropfte mir auf Haar und Hals. Die Wolke über uns wurde immer heller und dünner und erschöpfte sich; an Stelle des gleichmäßigen Rauschens des Regens klangen bald nur noch die einzelnen Tropfen, die aus der Luft und von den Blättern fielen. Wieder schmetterten unten die Frösche, wieder regten sich die Nachtigallen, die einander von der einen und von der anderen Seite etwas zuzurufen begannen. Alles vor unseren Blicken war wieder heller geworden. »Wie schön!« sagte er, sich auf das Geländer setzend und mit der Hand über mein nasses Haar streichend. Diese einfache Liebkosung wirkte auf mich wie ein Vorwurf: ich war nahe daran, zu weinen. »Was braucht der Mensch denn noch?« fragte er. »Ich bin jetzt so zufrieden, daß ich nichts mehr brauche! Ich bin vollkommen glücklich!« -- Ganz anders sprachst du zu mir einst von deinem Glücke, -- dachte ich mir. -- Wie groß es auch war, sagtest du, daß du noch mehr verlangtest. Jetzt aber bist du ruhig und zufrieden, während meine Seele voll unausgesprochener Reue und nicht ausgeweinter Tränen ist. -- »Auch mir ist es so wohl,« sagte ich, »aber gerade das, daß alles vor mir so schön ist, stimmt mich traurig. In meiner Seele ist alles so unharmonisch und unvollständig, ich verlange nach etwas, und hier ist alles so schön und ruhig. Mischt sich denn nicht auch bei dir eine Trauer in den Naturgenuß, sehnst du dich nicht nach der Vergangenheit zurück?« Er nahm seine Hand von meinem Kopf und schwieg eine Weile. »Ja, einst hatte auch ich dieses Gefühl, besonders im Frühjahr,« sagte er, als besänne er sich auf etwas. »Ich blieb manche Nacht auf, mir etwas ersehnend und auf etwas hoffend, und es waren schöne Nächte! ... Aber damals hatte ich alles vor mir, und jetzt habe ich alles hinter mir; jetzt genügt mir das, was ist, und es ist mir so wohl ums Herz,« schloß er mit einer so lässigen Sicherheit, daß ich, wie schmerzlich mir es auch zu hören war, glauben mußte, daß er die Wahrheit spreche. »Du hast also gar keine Wünsche?« fragte ich. »Ich wünsche mir nichts Unmögliches,« antwortete er, mein Gefühl erratend. »Du machst dir den Kopf naß,« fügte er hinzu, mich wie ein Kind liebkosend und mir wieder mit der Hand über das Haar streichend. »Du beneidest die Blätter und das Gras, weil sie vom Regen benetzt werden, du möchtest selbst Gras, Laub und Regen sein. Ich aber freue mich nur über sie, wie über alles in der Welt, was schön, jung und glücklich ist.« »Und betrauerst du nichts Vergangenes?« fragte ich weiter; ich fühlte, wie es mir immer schwerer ums Herz wurde. Er wurde nachdenklich und schwieg. Ich sah, daß er mir ganz aufrichtig antworten wollte. »Nein!« antwortete er kurz. »Es ist nicht wahr! Es ist nicht wahr!« sagte ich, mich zu ihm wendend und ihm in die Augen blickend. »Betrauerst du nicht das Vergangene?« »Nein!« sagte er wieder. »Ich bin dem Himmel dafür dankbar, aber ich betrauere das Vergangene nicht.« »Und du wünschst nicht einmal, daß es wiederkehre?« fragte ich. Er wandte sich um und begann in den Garten hinauszublicken. »Ich wünsche es nicht, wie ich auch nicht wünsche, daß mir Flügel wachsen,« sagte er. »Es darf nicht sein.« »Und du möchtest das Vergangene gar nicht besser machen? Du machst dir oder mir gar keine Vorwürfe?« »Niemals! Alles war zu unserem Besten.« »Hör einmal!« sagte ich und berührte seine Hand, damit er sich nach mir umblicke. »Hör einmal: warum hast du mir niemals gesagt, es sei dein Wunsch, daß ich so lebe, wie du es möchtest? Warum gabst du mir die Freiheit, mit der ich nichts anzufangen wußte, warum hast du aufgehört, mich zu lehren? Wenn du nur wolltest, wenn du mich anders geleitet hättest, so wäre nichts, gar nichts geschehen,« sagte ich mit einer Stimme, aus der immer stärker ein kalter Ärger und Vorwurf, aber nicht die frühere Liebe herausklang. »Was wäre nicht geschehen?« fragte er, sich erstaunt nach mir umwendend. »Es ist doch gar nichts geschehen. Alles ist gut. Sehr gut,« fügte er mit einem Lächeln hinzu. -- Versteht er denn nichts, oder will er, was noch schlimmer wäre, nichts verstehen? -- fragte ich mich, und Tränen traten mir in die Augen. »Dann wäre es nicht geschehen, daß ich, die ich keine Schuld vor dir trage, mit deiner Gleichgültigkeit, sogar mit deiner Verachtung gestraft worden wäre,« entfuhr es mir plötzlich. »Dann wäre es nicht geschehen, daß du mir plötzlich ohne jede Schuld von meiner Seite alles genommen hättest, was mir teuer war.« »Was sagst du, liebes Kind!« rief er, als verstünde er meine Worte nicht. »Nein, laß mich ausreden ... Du hast mir dein Vertrauen, deine Liebe, sogar deine Achtung genommen; denn ich kann nicht glauben, daß du mich nach allem, was einst war, noch liebst. Nein, laß mich doch einmal aussprechen, was mich schon so lange quält,« unterbrach ich ihn wieder. »Ist es denn meine Schuld, daß ich das Leben nicht kannte, und daß du es mir überließest, meinen Weg allein zu suchen? ... Ist es denn meine Schuld, daß du mich jetzt, wo ich schon selbst begriffen habe, was not tut, wo ich mich schon seit einem Jahre abmühe, zu dir zurückzukehren, von dir stößt, als verstündest du nicht, was ich will, und zwar so, daß man dir gar nichts vorwerfen kann, während ich allein schuldig und unglücklich bin?! Ja, du willst mich wieder in jenes Leben zurückstoßen, das mir und dir zum Unglück werden könnte.« »Womit habe ich denn das gezeigt?« fragte er mit aufrichtigem Entsetzen und Erstaunen. »Hast du mir denn nicht gestern noch gesagt und sagst du mir nicht immer, daß ich es hier nicht aushalten werde, daß wir für den Winter wieder nach Petersburg gehen müssen, das mir verhaßt ist?« fuhr ich fort. »Statt mich zu stützen, vermeidest du jede offene Aussprache mit mir, jedes aufrichtige, zärtliche Wort. Aber dann, wenn ich ganz gesunken bin, wirst du mir Vorwürfe machen und dich über meinen Fall freuen.« »Wart, wart,« sagte er streng und kalt, »es ist nicht gut, was du jetzt sagst. Das beweist nur, daß du jetzt gegen mich eingenommen bist, daß du mich nicht ...« »Daß ich dich nicht liebe? Sag es doch, sag!« sprach ich seinen Satz zu Ende, und Tränen stürzten mir aus den Augen. Ich setzte mich auf die Bank und bedeckte mein Gesicht mit dem Taschentuch. -- So hat er mich also verstanden! -- dachte ich und gab mir Mühe, das Schluchzen zu unterdrücken, das mich zu ersticken drohte. -- Es ist mit unserer alten Liebe zu Ende, -- sagte eine Stimme in meinem Herzen. Er ging nicht auf mich zu, er tröstete mich nicht. Er war durch meine Worte beleidigt. Seine Stimme war ruhig und trocken. »Ich weiß nicht, was du mir vorwirfst,« begann er, »wenn es nur das ist, daß ich dich nicht mehr so liebe, wie ich dich früher liebte ...« »Ja, wie du mich liebtest!« sagte ich in das Taschentuch hinein, das die bitteren Tränen immer reichlicher netzten. »So liegt es an der Zeit und auch an uns selbst. Jedes Alter hat seine eigene Liebe ...« Er schwieg eine Weile. »Soll ich dir die ganze Wahrheit sagen, wenn du Aufrichtigkeit verlangst? Soll ich dir sagen, wie ich in jenem Jahre, als ich dich kennen lernte, manche schlaflose Nacht an dich dachte, wie ich selbst meine Liebe schuf, wie diese Liebe in meinem Herzen wuchs und wuchs, wie ich dann in Petersburg und im Auslande viele schreckliche Nächte schlaflos verbrachte um diese Liebe, die mich quälte, zerstörte und vernichtete? Ich zerstörte nicht sie, sondern nur das, was mich quälte; ich habe mich beruhigt, und doch liebe ich dich noch immer, aber mit einer anderen Liebe.« »Ja, du nennst das Liebe, es ist aber eine Qual,« sagte ich. »Warum erlaubtest du mir, in der großen Welt zu leben, wenn sie dir so verderblich erschien, daß du mich um ihretwillen zu lieben aufgehört hast?« »Es ist nicht die große Welt, liebes Kind,« sagte er. »Warum hast du nicht von deiner Gewalt Gebrauch gemacht,« fuhr ich fort, »warum hast du mich nicht gebunden und getötet? Das wäre für mich besser, als alles zu verlieren, was mein Glück ausmachte, es wäre mir wohl, und ich müßte mich nicht so schämen.« Ich fing wieder zu schluchzen an und bedeckte mein Gesicht mit dem Tuch. In diesem Augenblick kamen Katja und Ssonja, lustig und durchnäßt, laut redend und lachend auf die Terrasse; als sie uns aber erblickten, verstummten sie und gingen sofort weg. Als sie fort waren, schwiegen wir lange; ich hatte mich ausgeweint und fühlte mich erleichtert. Ich sah ihn an. Er saß, den Kopf in die Hand gestützt, und wollte etwas auf meinen Blick antworten; aber er seufzte nur schwer auf und stützte den Kopf wieder in die Hand. Ich ging auf ihn zu und nahm seine Hand. Er sah mich nachdenklich an. »Ja,« begann er, als fahre er in seinen Gedanken fort. »Wir alle -- besonders aber ihr Frauen -- müssen die ganze Eitelkeit des Lebens auskosten, um zum Leben selbst zurückzukehren; die Erfahrung eines anderen kann uns nichts nützen. Du hattest damals diese verlockende und liebe, eitle Lust am Leben, die ich in dir bewunderte, noch lange nicht ausgekostet; ich ließ dich sie ganz auskosten und fühlte, daß ich kein Recht hätte, dir Schwierigkeiten zu machen, obwohl für mich diese Zeit längst vorbei war.« »Warum hast du dann diese ganze Eitelkeit mit mir genossen, warum ließest du mich sie genießen, wenn du mich liebst?« fragte ich. »Weil du, selbst wenn du wolltest, mir nicht geglaubt haben würdest; du mußtest alles selbst kennenlernen, und du hast es auch kennengelernt.« »Du hast viel zu viel Überlegungen angestellt,« sagte ich. »Du hast zu wenig geliebt.« Wir schwiegen wieder eine Weile. »Es ist grausam, was du eben sagtest, aber es ist wahr,« versetzte er, indem er sich plötzlich erhob und auf der Terrasse auf und ab und zu gehen begann. »Ja, es ist wahr. Ich war im Unrecht,« fügte er hinzu, vor mir stehen bleibend, »entweder hätte ich mir gar nicht erlauben dürfen, dich zu lieben, oder ich hätte dich einfacher lieben sollen. Ja.« »Vergessen wir alles,« sagte ich scheu. »Nein, das Vergangene kehrt nicht wieder, kehrt niemals wieder.« Seine Stimme wurde weicher, als er das sagte. »Alles ist ja schon wiedergekehrt!« sagte ich, indem ich ihm meine Hand auf die Schulter legte. Er nahm meine Hand von seiner Schulter und drückte sie. »Nein, ich sprach die Unwahrheit, als ich sagte, daß ich das Vergangene nicht betrauere; nein, ich betrauere es wohl, ich beweine jene frühere Liebe, die nicht mehr ist und nicht mehr wiederkehren kann. Wer die Schuld trägt, weiß ich nicht. Es ist wohl eine Liebe geblieben, aber es ist nicht die von einst; es ist nur ihr Platz geblieben, doch sie selbst ist verkümmert, es ist weder Kraft noch Saft in ihr, es sind nur die Erinnerungen und die Dankbarkeit geblieben, aber ...« »Sprich nicht so ...« unterbrach ich ihn. »Mag alles wieder so werden, wie es war. Das ist doch möglich? Ja?« fragte ich, ihm in die Augen blickend. Aber seine Augen waren heiter und ruhig und blickten gar nicht tief in die meinigen. Während ich das sagte, fühlte ich schon, daß das, was ich wollte und um was ich ihn bat, unmöglich sei. Er lächelte ein ruhiges, mildes, wie mir schien greisenhaftes Lächeln. »Wie jung du noch bist, und wie alt bin ich,« sagte er. »In mir ist nichts mehr davon, was du suchst; warum soll man sich betrügen?« fügte er mit dem gleichen Lächeln hinzu. Ich stand schweigend neben ihm, und es wurde mir ruhiger ums Herz. »Wir wollen nicht versuchen, das Leben zu wiederholen,« fuhr er fort, »wir wollen uns nicht mehr belügen. Daß aber die alten Aufregungen und Sorgen dahin sind, dafür müssen wir Gott danken! Wir haben nichts mehr zu suchen, keinen Grund mehr, uns aufzuregen. Wir haben schon alles gefunden, und es ist uns nicht wenig Glück zuteil geworden. Jetzt müssen wir zur Seite treten und den Weg diesem da freigeben,« sagte er, auf die Amme weisend, die mit Wanja auf dem Arme in der Terrassentüre erschienen war. »Ja, so ist es, liebes Kind,« schloß er, meinen Kopf niederbeugend und küssend. Es war kein Liebhaber mehr, sondern ein alter Freund, der mich küßte. Aus dem Garten zog aber immer stärker und süßer die duftende Frische der Nacht herein, immer feierlicher wurden alle Töne und die Stille, und immer mehr Sterne leuchteten am Himmel auf. Ich blickte ihn an, und es wurde mir plötzlich so leicht ums Herz, als hätte man mir einen kranken seelischen Nerv entfernt, der mir solche Schmerzen verursacht hatte. Ich begriff plötzlich klar und ruhig, daß das Gefühl jener Zeit so unwiederbringlich vorbei war, wie jene Zeit selbst, und daß es nicht nur unmöglich, sondern auch unerträglich und schmerzvoll gewesen wäre, jenes Gefühl wieder zu empfinden. War denn jene Zeit, die mir so glücklich erschienen, auch wirklich so schön gewesen? Und wie lange, wie lange war es schon her! »Aber es ist Zeit, Tee zu trinken!« sagte er, und wir gingen zusammen in das Wohnzimmer. In der Türe trafen wir wieder die Amme mit Wanja. Ich nahm das Kind auf die Arme, deckte seine bloßen roten Beinchen zu, drückte es an mich und küßte es, sein Köpfchen kaum mit den Lippen berührend. Das Kind bewegte wie im Schlafe das Händchen mit den gespreizten Fingerchen und schlug die trüben Äuglein auf, als suchte es etwas oder als wollte es sich an etwas erinnern; seine Äuglein blieben plötzlich an mir haften, ein Funke von Bewußtsein leuchtete in ihnen auf, und die vollen, etwas vorstehenden Lippen öffneten sich zu einem Lächeln. -- Mein, mein, mein! -- dachte ich, indem ich mir das Kind mit einer beseligenden Spannung in allen Gliedern an die Brust drückte und mich mit Mühe zusammennahm, um ihm nicht weh zu tun. Und ich begann, seine kalten Füßchen, seinen Leib, seine Händchen und sein kaum behaartes Köpfchen zu küssen. Mein Mann ging auf mich zu, ich verhüllte schnell das Gesicht des Kindes und deckte es gleich wieder auf. »Iwan Ssergejitsch!« sagte mein Mann, indem er das Kind mit dem Finger unter dem Kinne berührte. Ich deckte aber den Iwan Ssergejitsch wieder zu. Niemand durfte ihn lange ansehen außer mir. Ich sah meinen Mann an; seine Augen lachten, indem sie in die meinen blickten, und es war mir zum erstenmal seit langer Zeit so leicht und so wohl ums Herz, sie zu sehen. An diesem Tage endete mein Roman mit meinem Manne; das alte Gefühl wurde zu einer teueren, unwiederbringlichen Erinnerung, und das neue Gefühl der Liebe zu den Kindern und zum Vater meiner Kinder legte den Grund zu einem neuen, in einem ganz anderen Sinne glücklichen Leben, das ich in diesem Augenblicke noch nicht abgeschlossen habe ... Empfehlenswerte Bücher aus dem O. C. Recht Verlage, München, Leopoldstr. 3 -E. T. A. Hoffmann- Nußknacker und Mausekönig Mit über hundert Illustrationen von Bertall »Das schmucke Büchlein stellt ein typographisches Meisterwerk dar.« (Berliner Morgenzeitung) »Ein Verdienst ist die Veröffentlichung mit den zahlreichen Illustrationen von Bertall ... sie werden dem Buche eine ungeahnte Verbreitung sichern.« (Ostdeutsche Grenzboten) In Halbleinen gebunden M. 50.-- -Charles Perrault- Gänsemütterchens Märchen Herausgegeben und übertragen von Hans Krause Mit etwa 50 meistenteils ganzseitigen Illustrationen von Gustave Doré Perrault, ein Dichter des französischen Rokoko, ist der erste gewesen, der so bekannte Weltmärchen wie »Dornröschen«, »Blaubart«, »Rotkäppchen« usw. aufgezeichnet hat. Die Illustrationen des großen Doré unterstützen sein Werk, das romanischen Esprits und unsterblicher Grazie voll ist; ja, sie erheben es sogar, sie sichern ihm die Unsterblichkeit. In Halbleinen gebunden M. 75.-- »Gestern und heute« Rechts Roman Reihe Diese Reihe bringt eine Auswahl spannendster Romane von hohem literarischem Wert in buchtechnisch vollendeter Ausstattung. Bisher sind erschienen: Band 1: Leo Tolstoi Kindheit Band 2: Edgar Allan Poe A. G. Pyms abenteuerliche Erlebnisse Band 3: Theodor Storm Die Chronik von Grieshuus Preis jeden Bandes in Halbleinen M. 60.-- Vorzugsausgabe auf federleichtem Druckpapier in Halbleder gebunden M. 250.-- Verlagsverzeichnisse und Prospekte werden vom Verlag auf Anforderung bereitwilligst versandt Weitere Anmerkungen zur Transkription Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. Der Schmutztitel wurde entfernt. Ergänzung offensichtlich fehlender Wörter im Druck: S. 59: bekam → bekam aber bekam {aber} plötzlich Angst S. 70: als ich → als ob ich als {ob} ich wieder ein Junge 1 . 2 3 ; 4 , , ; 5 , ; , 6 , ; 7 ; ; 8 , ; ; 9 , 10 . , 11 , , 12 , , , 13 , 14 , . 15 ; 16 . , , 17 , , 18 . 19 , , - - 20 . , , 21 . , , 22 , ; 23 , . 24 , , 25 . , . , 26 , , 27 . 28 , , , 29 , . , 30 . 31 , 32 , 33 . , , , , 34 35 , . 36 , , , , 37 , 38 , . 39 , 40 . , 41 , 42 , 43 , 44 45 . , 46 . 47 48 , . 49 . 50 , 51 , 52 . . , 53 , 54 . 55 . ; 56 , , 57 . , 58 . . 59 , . 60 , . 61 , , 62 . 63 , 64 . , , 65 , 66 67 . . . 68 : 69 , 70 , . 71 72 . 73 , . . . 74 75 , 76 77 - , 78 , . . . , 79 , , 80 81 . , 82 , 83 , 84 . 85 . , 86 . 87 , 88 - . 89 , , 90 . , , 91 . . 92 : . , 93 , . 94 . 95 . , 96 , . 97 , . . 98 , . ; 99 , . ; 100 , » , « , » 101 , 102 . « , , 103 . , - 104 . 105 106 » . « 107 108 » , , « 109 . 110 111 » , , « 112 . 113 114 » ! ! « . 115 116 » ! « 117 : » , . 118 , . 119 , . « 120 121 » , , « . 122 123 , , 124 . 125 , 126 , . , . 127 , , 128 . , 129 . . , , . 130 , , 131 , ; 132 . 133 , , , 134 . , , 135 , , 136 . . , 137 , . 138 , , 139 , , . 140 , , ; 141 , , 142 , 143 , , 144 . . . , 145 , , , 146 , . - - 147 ! - - . 148 . . . 149 , . 150 . 151 152 » , « 153 , 154 . 155 , . 156 , , 157 , . , 158 , 159 ; : 160 . , , 161 , , 162 , ; 163 , , , 164 , ; 165 , 166 . , 167 , , , 168 , . 169 , , 170 , . , 171 , 172 . . 173 ! 174 . : , 175 , , , 176 , , 177 - , 178 . , : ; 179 180 , , 181 , 182 183 , 184 , 185 , ! . . . 186 187 - - , - - - - , 188 . - - 189 190 . 191 - - ! - - 192 193 » , « , 194 . 195 , 196 . . 197 . , . , 198 , , . . , 199 . . 200 , 201 . 202 203 , , 204 ! . . , 205 . , 206 , , . 207 , , 208 . 209 , 210 . 211 , , 212 . , , 213 , , , 214 . 215 216 , 217 218 , 219 , . 220 221 222 . 223 , , 224 : 225 ? 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