sämtliche Fußböden gescheuert und sämtliche Teppiche geklopft; an
jedem Ersten wurden Gottesdienste mit Wasserweihe abgehalten, und
an jedem Namenstage Tatjana Ssemjonownas oder ihres Sohnes (auch an
meinem -- zum erstenmal in diesem Herbst) gab es ein Festmahl für die
ganze Nachbarschaft. Dies alles geschah unverändert seit ältester
Zeit, soweit Tatjana Ssemjonowna sich ihrer selbst erinnerte. Mein
Mann mischte sich in den Haushalt nicht ein und beschäftigte sich
nur mit der Gutswirtschaft und den Bauern und das mit großem Eifer.
Er stand selbst im Winter so früh auf, daß ich ihn beim Aufwachen
nicht mehr sah. Er kam gewöhnlich zum Frühstückstee zurück, den wir
allein tranken, und befand sich um diese Stunde, nach allen Mühen
und Unannehmlichkeiten, die ihm die Wirtschaft bereitet hatte, in
der besonders lustigen Stimmung, die wir »wildes Entzücken« nannten.
Oft verlangte ich von ihm einen Bericht über alles, was er am Morgen
getrieben hatte, und er erzählte mir dann solchen Unsinn, daß wir uns
beide vor Lachen kugelten; manchmal bestand ich darauf, daß er mir
alles ernsthaft berichte, und er berichtete es mir, sein Lächeln
unterdrückend. Ich blickte ihm in die Augen, sah seine Lippen sich
bewegen, verstand nichts und freute mich nur darüber, daß ich ihn sah
und seine Stimme hörte.
»Nun, was habe ich eben gesagt? Wiederhole es!« verlangte er von mir.
Aber ich konnte nichts wiederholen. Es kam mir so komisch vor, daß
er mir nicht von sich selbst und nicht von mir erzählte, sondern von
irgendwelchen anderen Dingen. Als wäre es nicht ganz gleich, was es
dort alles gab! Erst viel später fing ich an, seine Sorgen einigermaßen
zu verstehen und mich für sie zu interessieren. Tatjana Ssemjonowna
zeigte sich am Vormittag nicht, trank ihren Tee allein und ließ uns
nur durch Abgesandte begrüßen. So seltsam klang in unserer eigenen,
wahnsinnig glücklichen kleinen Welt die Stimme aus jenem anderen
ordentlichen und vernünftigen Reich, daß ich mich oft nicht beherrschen
konnte und nur laut lachte, wenn ihre Zofe, die Hände auf der Brust
gefaltet, mir mit monotoner Stimme meldete, »Tatjana Ssemjonowna habe
ihr befohlen, zu fragen, wie wir nach dem gestrigen Spaziergange
geruht hätten; von sich selbst lasse sie aber berichten, daß ihr die
ganze Nacht eine Seite wehgetan hätte, und daß ein dummer Hund im
Dorfe gebellt und sie nicht schlafen lassen habe. Ferner lasse die
gnädige Frau fragen, wie uns das heutige Gebäck gemundet habe, und dazu
bemerken, daß heute nicht Taras, sondern zum ersten Male probeweise
Nikolascha gebacken habe; alles, besonders die kleinen Brezeln seien
ganz gut geraten, die Zwiebacke hätte er aber angebrannt.« Bis zum
Mittagessen blieben wir wenig zusammen. Ich spielte Klavier oder las
allein, er schrieb und ging noch einmal aus; aber zum Mittagessen,
das wir um vier Uhr einnahmen, trafen wir uns im Wohnzimmer; die Mama
tauchte aus ihrem Zimmer auf, und es erschienen irgendwelche arme,
adlige Damen oder Wallfahrerinnen, von denen immer zwei bis drei im
Hause wohnten. Mein Mann reichte regelmäßig nach alter Gewohnheit
seiner Mutter den Arm, sie verlangte aber, daß er den anderen Arm mir
reiche, und so gab es in der Türe regelmäßig Schwierigkeiten. Den
Vorsitz beim Mittagessen führte die Mama, und das Gespräch bei Tische
hatte immer einen ernsten und vernünftigen, etwas feierlichen Ton.
Die einfachen Worte, die ich mit meinem Manne wechselte, störten auf
eine angenehme Weise die Feierlichkeit dieser Sitzungen. Zwischen
Mutter und Sohn kam es zuweilen zu Streitigkeiten und Sticheleien;
ich mochte diese Streitigkeiten und Sticheleien besonders gern, weil
bei diesen Gelegenheiten die zärtliche und dauerhafte Liebe, die uns
verband, am stärksten zum Ausdruck kam. Nach dem Essen setzte sich
Mama in den großen Sessel im Wohnzimmer und rieb Tabak oder schnitt
die neuangekommenen Bücher auf, während wir etwas vorlasen oder ins
Diwanzimmer zum Klavier gingen. Wir lasen in dieser Zeit sehr viel,
aber die Musik war unser liebster und schönster Zeitvertreib, da sie
jedesmal neue Saiten in unseren Herzen zum Tönen brachte und uns
einander in einem neuen Lichte zeigte. Wenn ich seine Lieblingsstücke
spielte, setzte er sich auf ein fernes Sofa, wo ich ihn fast nicht
sehen konnte und bemühte sich aus Schamhaftigkeit den Eindruck zu
verbergen, den die Musik auf ihn machte; aber oft, wenn er es gar nicht
erwartete, stand ich vom Klavier auf und ging auf ihn zu, um in seinem
Gesicht noch die Spuren der Erregung und den unnatürlich feuchten
Glanz der Augen vorzufinden, die er vergebens vor mir zu verbergen
suchte. Mama hatte oft Lust, nach uns zu sehen, wenn wir im Diwanzimmer
waren; sie fürchtete wohl, uns zu stören, und ging zuweilen, ohne uns
anzublicken, mit einem geheuchelt ernsten und gleichgültigen Ausdruck
durchs Zimmer. Aber ich wußte, daß sie gar keinen Grund hatte, auf
ihr Zimmer zu gehen und so schnell zurückzukehren. Den Abendtee, den
ich einschenken mußte, tranken wir im großen Wohnzimmer, und alle
Hausgenossen versammelten sich wieder bei Tisch. Diese feierlichen
Sitzungen um den Samowar herum und das Verteilen der Gläser und Tassen
brachten mich lange Zeit in Verlegenheit. Es kam mir immer vor, als
sei ich der Ehre nicht würdig und viel zu jung und zu leichtsinnig,
um den Hahn des so großen Samowars umzudrehen, um Glas für Glas auf
Nikitas Tablett zu setzen und dabei zu sagen: »Für Pjotr Iwanowitsch,
für Marja Minitschna«, um zu fragen: »Ist es süß genug?« und um
einige Stück Zucker für die Kinderfrau und die verdienten Dienstboten
zurückzulegen. »Sehr gut, sehr gut,« sagte mir oft mein Mann, »ganz wie
eine Erwachsene!« Und das brachte mich in noch größere Verlegenheit.
Nach dem Tee legte die Schwiegermama Patience oder ließ sich von
Marja Minitschna die Karten schlagen; dann küßte und bekreuzigte
sie uns beide, und wir zogen uns zurück. Meistens blieben wir aber
noch bis nach Mitternacht auf, und das war unsere schönste und
angenehmste Zeit. Er erzählte mir von seiner Vergangenheit, wir
schmiedeten Pläne, philosophierten auch manchmal und bemühten uns
immer, recht leise zu sprechen, damit man uns oben nicht höre und es
nicht Tatjana Ssemjonowna melde, die von uns verlangte, daß wir zeitig
zu Bett gingen. Manchmal bekamen wir Appetit, schlichen uns in die
Speisekammer, verschafften uns durch Nikitas Protektion einen kalten
Imbiß und verzehrten ihn beim Scheine einer einzigen Kerze in meinem
Kabinett. So lebten wir beide wie fremde Leute in diesem großen, alten
Hause, in dem alles vom strengen Geist der alten Zeiten und dem Tatjana
Ssemjonownas beherrscht wurde. Nicht nur sie selbst, sondern auch die
Dienstboten, die ältlichen Mädchen, die Möbel, die Bilder flößten mir
Respekt, eine gewisse Scheu und das Bewußtsein ein, daß wir hier nicht
ganz auf unserem Platze seien und uns sehr vorsichtig und aufmerksam
zu benehmen hätten. Wenn ich mich jetzt jener Zeit erinnere, so sehe
ich, daß vieles -- diese lästige unabänderliche Hausordnung, diese
Menge müßiger und neugieriger Menschen in unserem Hause -- unbequem
und schwer zu ertragen war; aber diese Einengung vergrößerte unsere
Liebe. Nicht nur ich, sondern auch er verriet durch keine Miene, daß
ihm etwas mißfiele. Im Gegenteil, er schien sich sogar selbst von allem
fernzuhalten, was schlecht war. Mamas Kammerdiener, Dmitrij Ssidorow,
ein leidenschaftlicher Pfeifenraucher, ging regelmäßig nach dem Essen,
wenn wir uns im Diwanzimmer befanden, in das Kabinett meines Mannes,
um sich Tabak aus dem Kasten zu holen; man muß es gesehen haben, mit
welchem lustigen Schrecken Ssergej Michailytsch auf den Zehen zu mir
kam und, mit dem Finger drohend und mir zublinzelnd, auf Dmitrij
Ssidorow zeigte, der es gar nicht ahnte, daß man ihn beobachtete. Und
wenn Dmitrij Ssidorow fortging, ohne uns bemerkt zu haben, sagte mir
mein Mann vor Freude darüber, daß alles so gut abgelaufen war, wie
auch bei jeder anderen Gelegenheit, ich sei ein entzückendes Geschöpf
und gab mir einen Kuß. Diese Ruhe, diese Allverzeihung und scheinbare
Gleichgültigkeit gegen alles mißfielen mir zuweilen; ich merkte nicht,
daß in mir die gleichen Eigenschaften steckten und hielt sie für eine
Schwäche. -- Ganz wie ein Kind, das sich nicht getraut, seinen Willen
zu zeigen, -- dachte ich mir.
»Ach, liebe Freundin,« antwortete er mir, als ich ihm einmal sagte, daß
ich über seine Schwäche staunen müsse, »kann denn ein Mensch über etwas
unzufrieden sein, wenn er so glücklich ist, wie ich? Es ist doch viel
leichter, nachzugeben, als sich die anderen gefügig zu machen; davon
habe ich mich schon längst überzeugt, und es gibt keine Lebenslage, in
der man nicht glücklich sein könnte. Wir haben es aber so gut! Ich kann
nicht zürnen, es gibt für mich jetzt nichts Schlechtes, es gibt nur
Bemitleidenswertes und Komisches. Vor allen Dingen aber: ~le mieux est
l'ennemi du bien~. Glaube mir, wenn ich die Schelle eines Wagens höre,
wenn ich einen Brief erhalte oder auch nur einfach erwache, überkommt
mich zuweilen ein Grauen. Es ist so schrecklich, daß man leben muß, daß
sich etwas ändern kann; etwas Besseres als die Gegenwart kann es aber
gar nicht geben.«
Ich glaubte ihm, verstand ihn aber nicht; ich fühlte mich wohl, aber
ich glaubte, daß es gerade so und nicht anders sein müsse, und daß es
auch allen anderen Menschen ebenso ginge; daß es aber irgendwo auch
noch ein anderes, wenn auch nicht größeres, aber ein anderes Glück
gäbe.
So vergingen zwei Monate, es kam der Winter mit seinen Frösten und
Schneestürmen, und ich fing an, obwohl er mit mir war, mich einsam
zu fühlen; zu fühlen, daß das Leben sich wiederhole, daß weder in
mir noch in ihm etwas Neues sei, daß wir vielmehr wieder zum Alten
zurückkehrten. Er widmete sich jetzt immer mehr seinen Geschäften ohne
mich, und es kam mir wieder vor, als wäre in seiner Seele eine eigene
Welt, in die er mich nicht einlassen wolle. Seine immer ruhige Stimmung
reizte mich. Ich liebte ihn nicht weniger als früher und war auch über
seine Liebe nicht weniger glücklich als früher; aber meine Liebe war in
ihrem Wachstum stehengeblieben, und neben ihr keimte in meinem Herzen
irgendein neues unruhiges Gefühl. Es genügte mir nicht, ihn zu lieben,
nachdem ich das Glück genossen hatte, diese Liebe in mir aufblühen
zu fühlen. Ich sehnte mich nach Bewegung und nicht nach einem ruhig
dahinfließenden Leben. Ich sehnte mich nach Aufregungen, Gefahren und
Aufopferung des Gefühls wegen. Es war in mir ein Überfluß an Kraft,
die in unserem stillen Leben keine Anwendung fand. Mich überkamen
Anfälle von Schwermut, die ich wie etwas Schlimmes vor ihm zu verbergen
suchte, und Anfälle einer ungestümen Zärtlichkeit und Lustigkeit, die
ihn erschreckten. Er merkte meinen Zustand früher als ich und machte
mir den Vorschlag, in die Stadt zu ziehen; ich aber bat ihn, es nicht
zu tun, unsere Lebensweise nicht zu ändern und unser Glück nicht zu
stören. Ich war in der Tat glücklich, aber mich quälte es, daß dieses
Glück mich gar keine Mühe, gar kein Opfer kostete, während mich der
Überfluß an Tatkraft und Opferwilligkeit erdrückte. Ich liebte ihn
und sah, daß ich für ihn alles war; aber ich wünschte mir, daß alle
Menschen unsere Liebe sähen, daß man mich daran zu hindern suchte,
ihn zu lieben, und daß ich ihn trotzdem liebte. Mein Geist und sogar
meine Empfindung waren beschäftigt, aber es gab auch noch ein anderes
Gefühl von Jugend, ein Verlangen nach Bewegung, das in unserem stillen
Leben keine Befriedigung fand. Warum hatte er mir gesagt, daß wir in
die Stadt ziehen könnten, sobald ich es nur wünschte? Hätte er es mir
nicht gesagt, so hätte ich vielleicht verstanden, daß das Gefühl, das
mich bedrückte, eine dumme und schädliche Einbildung und ein Fehler
von mir war, daß das Opfer, nach dem ich lechzte, vor mir lag und in
der Unterdrückung dieses Gefühls bestand. Der Gedanke, daß ich meiner
Schwermut entgehen könnte, wenn ich nur in die Stadt zöge, kam mir
unwillkürlich in den Sinn; zugleich wäre es aber für mich beschämend
und schmerzlich, ihn von allem, was er liebte, loszureißen. Die Zeit
ging aber dahin, der Schnee häufte sich immer höher an den Hausmauern
auf, und wir waren immer allein und immer noch die gleichen zueinander;
aber irgendwo draußen wogten in Glanz und Lärm Scharen von Menschen,
die litten und sich freuten, ohne an uns und an unser dahinschwindendes
Dasein zu denken. Das Unangenehmste war für mich, daß ich fühlte, wie
die Gewohnheiten unser Leben mit jedem Tage zu einer bestimmten Form
erstarren machten, wie unser Gefühl, statt frei zu werden, sich dem
gleichmäßigen und leidenschaftslosen Gange der Zeit fügte. Des Morgens
waren wir lustig, um die Mittagsstunde höflich und am Abend zärtlich.
-- Gut! ... -- sagte ich mir, -- es ist gut, Gutes zu tun und ehrlich
zu leben, wie er es nennt; aber dazu haben wir noch Zeit, und es gibt
auch noch etwas anderes, wozu ich nur jetzt die Kraft habe. -- Mir tat
etwas anderes not, ich lechzte nach Kampf; ich wollte, daß das Gefühl
unser Leben leite und nicht vom Leben geleitet werde. Ich wollte mit
ihm an den Rand eines Abgrunds treten und sagen: -- Ein Schritt, und
ich stürze mich hinab, eine Bewegung, und ich bin verloren! -- Er aber
sollte am Rande des Abgrunds erbleichen, mich mit seinen kräftigen
Armen emporheben, eine Weile über dem Abgrunde halten, so daß mir das
Herz erkaltete, und mich dann forttragen, wohin er wollte.
Dieser Zustand beeinflußte sogar meine Gesundheit, und ich wurde
nervös. Eines Morgens fühlte ich mich noch schlechter als gewöhnlich;
er war aus dem Gutskontor in übler Laune zurückgekehrt, was bei ihm
selten der Fall war. Ich merkte es sofort und fragte ihn, was er habe.
Er wollte es mir aber nicht sagen und meinte, es sei nicht der Rede
wert. Wie ich später erfuhr, hatte der Isprawnik einige von unseren
Bauern zu sich berufen und von ihnen, um meinen Mann zu ärgern, unter
Drohungen etwas Ungesetzliches verlangt. Mein Mann hatte es noch nicht
so weit verdaut, daß es ihm bloß jämmerlich und lächerlich erschiene;
er war gereizt und wollte darum mit mir nicht sprechen. Mir schien
aber, er wolle darum nicht sprechen, weil er mich für ein Kind halte,
welches gar nicht verstehen könne, was ihn beschäftige. Ich wandte
mich von ihm weg, verstummte und ließ Marja Minitschna, die bei uns zu
Besuch war, zum Tee bitten. Nach dem Tee, der sehr schnell getrunken
war, ging ich mit Marja Minitschna ins Diwanzimmer und begann ihr
irgendeinen Unsinn zu erzählen, der mich gar nicht interessierte. Er
aber ging im Zimmer auf und ab und streifte uns ab und zu mit einem
Blick. Diese Blicke hatten auf mich diesmal die eigentümliche Wirkung,
daß ich immer größere Lust verspürte, zu sprechen und sogar zu lachen;
alles, was ich selbst sagte, und auch alles, was Marja Minitschna
sagte, kam mir so komisch vor. Er sagte mir kein Wort, zog sich in
sein Kabinett zurück und schloß die Türe. Sobald ich seine Schritte
nicht mehr hörte, verflüchtigte sich sofort meine ganze Lustigkeit,
so daß Marja Minitschna mich sogar fragte, was ich habe. Ohne ihr zu
antworten, setzte ich mich aufs Sofa und war bereit zu weinen. -- Was
fällt ihm bloß ein? -- dachte ich mir. -- Es ist irgendein Unsinn, der
ihm so wichtig erscheint; wenn er bloß versuchen wollte, es mir zu
sagen, so würde ich ihm zeigen, daß es ein Unsinn ist. Nein, er muß
sich unbedingt einreden, daß ich es nicht verstehen werde, er muß mich
mit seiner majestätischen Ruhe demütigen und immer Recht mir gegenüber
behalten. Dafür habe ich auch Recht, wenn ich mich langweile, wenn
mir alles leer erscheint, wenn ich leben und mich bewegen will, aber
nicht immer auf demselben Flecke bleiben und fühlen, wie die Zeit über
mich hinweggeht. Ich will vorwärtsgehen, ich will jeden Tag und jede
Stunde etwas Neues; aber er will stehenbleiben und auch mich zum Stehen
zwingen. Wie leicht könnte er es haben! Er brauchte mich gar nicht in
die Stadt zu bringen, es genügte, wenn er nur so wäre, wie ich, wenn
er sich keinen Zwang antäte, sich nicht zurückhielte und ganz einfach
leben wollte. Das rät er immer mir, ist aber dabei selbst gar nicht
einfach. Das ist es! --
Ich fühlte, wie mich die Tränen würgten, und daß ich gegen ihn gereizt
war. Ich erschrak vor diesem Gefühl und ging zu ihm. Er saß im Kabinett
und schrieb. Als er meine Schritte hörte, warf er mir einen kurzen,
gleichgültigen und ruhigen Blick zu und fuhr fort zu schreiben. Dieser
Blick gefiel mir nicht; statt zu ihm zu treten, blieb ich vor dem
Tische stehen, auf dem er schrieb, schlug ein Buch auf und blickte
hinein. Er hielt noch einmal in seinem Schreiben inne und sah mich an.
»Mascha, bist du heute schlecht gelaunt?« fragte er.
Ich antwortete mit einem kühlen Blick, welcher besagte: -- Brauchst
nicht zu fragen! Was sind das für Liebenswürdigkeiten? -- Er schüttelte
den Kopf und lächelte scheu und zärtlich; zum erstenmal antwortete ich
auf sein Lächeln nicht mit meinem Lächeln.
»Was hast du heute gehabt?« fragte ich. »Warum hast du es mir nicht
gesagt?«
»Unsinn! Eine kleine Unannehmlichkeit,« antwortete er. »Aber ich kann
es dir auch erzählen. Zwei Bauern gingen in die Stadt ...«
Aber ich ließ ihn nicht weitersprechen.
»Warum hast du es mir nicht schon beim Tee erzählt, als ich dich danach
fragte?«
»Damals hätte ich dir eine Dummheit gesagt, denn ich war wütend.«
»Aber ich wollte es gerade damals wissen.«
»Warum?«
»Warum glaubst du, ich könnte dir niemals helfen?«
»Und ob ich es glaube!« sagte er, die Feder fortlegend. »Ich glaube,
daß ich ohne dich nicht leben kann. In allen Dingen, in allen Dingen
hilfst du mir nicht nur, sondern tust alles statt meiner. Was dir
plötzlich einfällt!« rief er lachend. »Ich lebe doch nur dank dir.
Alles erscheint mir nur darum gut, weil du hier bist, weil man dich ...«
»Ja, ich weiß es: ich bin ein liebes Kind, das man beruhigen muß,«
sagte ich in einem solchen Ton, daß er mich so erstaunt, als sähe er
mich zum erstenmal, anblickte. »Ich will die Ruhe nicht, du hast sie ja
im Überfluß,« fügte ich hinzu.
»Nun siehst du selbst, worum es sich hier handelt,« begann er hastig,
mich unterbrechend, als fürchtete er, mich aussprechen zu lassen, »was
würdest du in diesem Falle sagen?«
»Jetzt will ich nichts sagen,« antwortete ich. Ich hatte zwar Lust, ihm
zuzuhören, aber es war mir so angenehm, seine Ruhe zu stören. »Ich will
nicht so tun, als ob ich lebte, ich will leben,« sagte ich, »genau so
wie du.«
Sein Gesicht, das jeden Eindruck so schnell und so lebhaft
wiederspiegelte, drückte Schmerz und gespannte Aufmerksamkeit aus.
»Ich will genau so wie du leben, mit dir ...«
Aber ich konnte nicht zu Ende sprechen: sein Gesicht nahm einen so
traurigen, einen so tieftraurigen Ausdruck an. Er schwieg eine Weile.
»Worin liegt der Unterschied zwischen meinem und deinem Leben?« fragte
er. »Doch nur darin, daß ich, und nicht du, mich mit dem Isprawnik und
den betrunkenen Bauern herumschlage ...«
»Nein, das ist nicht alles,« erwiderte ich.
»Begreife es doch, liebes Kind, um Gottes willen,« fuhr er fort, »ich
weiß, daß alle solche Aufregungen uns immer weh tun; ich kenne das
Leben und weiß es. Ich liebe dich und kann darum nichts anderes wollen,
als dir alle diese Aufregungen ersparen. Darin liegt mein Leben, in der
Liebe zu dir; erschwere mir nicht dieses Leben.«
»Du hast immer Recht!« sagte ich, ohne ihn anzusehen.
Es kränkte mich, daß in seiner Seele alles wieder so heiter und ruhig
war, während ich Ärger und ein Gefühl, das der Reue glich, empfand.
»Mascha, was hast du nur?« sagte er. »Die Rede ist doch nicht davon, ob
ich Recht habe oder du Recht hast, sondern von etwas ganz anderem: was
hast du gegen mich? Sage es mir nicht sofort, überlege es dir erst und
sage mir alles, was du dir denkst. Du bist mit mir unzufrieden, du hast
wahrscheinlich Recht, aber erkläre mir, worin ich Unrecht habe.«
Aber wie konnte ich ihm das Innerste meiner Seele aufdecken? Daß er
mich sofort verstanden hatte, daß ich wieder wie ein Kind vor ihm
dastand, daß ich nichts anfangen konnte, ohne daß er es begriff und
voraussah, -- regte mich noch mehr auf.
»Ich habe nichts gegen dich,« sagte ich. »Ich langweile mich nur und
will, daß diese Langweile aufhört. Aber du sagst, daß es so sein muß,
und hast wieder Recht!«
Nachdem ich das gesagt hatte, sah ich ihn an. Ich hatte meinen Zweck
erreicht: seine Ruhe war dahin, sein Gesicht drückte Schrecken und
Schmerz aus.
»Mascha,« begann er mit leiser, erregter Stimme, »es ist kein Scherz,
was wir jetzt treiben. Unser Schicksal steht auf dem Spiele. Ich bitte
dich, mir nichts zu antworten und mich anzuhören. Warum willst du mich
so quälen?«
Aber ich unterbrach ihn.
»Ich weiß, daß du Recht behältst. Sprich lieber nicht, du hast Recht,«
sagte ich kühl, als spräche ich es nicht selbst, sondern irgendein
böser Geist in mir.
»Wenn du nur wüßtest, was du tust!« sagte er mit zitternder Stimme.
Ich fing zu weinen an, und die Tränen erleichterten mir das Herz. Er
saß neben mir und schwieg. Ich empfand Mitleid mit ihm, ich schämte
mich und ärgerte mich über mein Tun. Ich sah ihn nicht an. Ich glaubte,
er müsse mich in diesem Augenblick entweder streng oder erstaunt
ansehen. Ich wandte mich zu ihm: ein sanfter, zärtlicher, wie um
Verzeihung bittender Blick war auf mich gerichtet. Ich nahm seine Hand
und sagte:
»Vergib mir! Ich weiß selbst nicht, was ich sagte.«
»Ja, aber ich weiß, was du sagtest, und du hattest Recht.«
»Wieso denn?« fragte ich.
»Wir müssen wirklich nach Petersburg gehen,« antwortete er. »Hier haben
wir nichts mehr zu tun.«
»Wie du willst,« sagte ich.
Er umarmte und küßte mich.
»Verzeih mir,« sagte er. »Ich war im Unrecht.«
An diesem Abend spielte ich ihm lange vor, während er im Zimmer auf und
ab ging und etwas flüsterte. Er hatte die Gewohnheit, so zu flüstern;
ich fragte ihn oft, was er geflüstert habe, und er sagte es mir dann
immer nach kurzem Besinnen; meistens waren es Verse und zuweilen auch
irgendein Unsinn, aber selbst an diesem Unsinn konnte ich immer seine
Stimmung erkennen.
»Was flüsterst du heute?« fragte ich.
Er blieb stehen, dachte nach und antwortete mir lächelnd mit den zwei
Zeilen Lermontows:
»... Doch der Verwegne lechzt nach Stürmen,
Als wäre in den Stürmen Ruh!«
-- Nein, er ist mehr als ein Mensch, er weiß alles! -- dachte ich mir.
-- Wie sollte ich ihn nicht lieben! --
Ich stand auf, ergriff seinen Arm und begann mit ihm auf und ab zu
gehen, mir Mühe gebend, gleichen Schritt mit ihm zu halten.
»Ja?« fragte er und sah mich lächelnd an.
»Ja,« antwortete ich flüsternd; und eine eigentümliche, lustige
Stimmung ergriff uns beide, unsere Augen lachten, wir machten immer
größere Schritte und reckten uns immer höher auf den Zehen empor. Mit
dem gleichen Schritt gingen wir zu großer Entrüstung Grigorijs und zum
Erstaunen Mamas, die im Wohnzimmer Patience legte, durch alle Zimmer
ins Speisezimmer, blieben dort stehen, sahen einander an und brachen in
Lachen aus.
Vierzehn Tage später, vor den Feiertagen, waren wir schon in
Petersburg.
II
Unsere Reise nach Petersburg, die acht Tage in Moskau, das Wiedersehen
mit seinen und meinen Verwandten, die Einrichtung in der neuen Wohnung,
die Fahrt selbst, die neuen Städte und die neuen Gesichter -- all das
zog wie ein Traum an mir vorüber. Das alles war so abwechslungsreich,
neu und lustig, so warm und hell von seiner Gegenwart, von seiner
Liebe erleuchtet, daß unser stilles Leben auf dem Lande mir als etwas
Längstvergangenes und Nichtiges erschien. Zu meinem großen Erstaunen
kamen mir alle (und zwar nicht nur die Verwandten, sondern auch die
Fremden), statt mit dem Hochmut und der Kälte der großen Welt, die
ich erwartete, mit einer so unverfälschten Liebenswürdigkeit und
Freude entgegen, daß ich den Eindruck hatte, als hätten sie nur an
mich gedacht und nur mich erwartet, um selbst ihre Freude an mir zu
haben. Ebenso unerwartet für mich zeigte es sich, daß mein Mann in
den vornehmsten Kreisen, die mir als die besten erschienen, viele
Bekannte hatte, von denen er mir niemals erzählt hatte; und es war
mir oft so sonderbar und unangenehm, aus seinem Munde strenge Urteile
über manche dieser Menschen zu hören, die mir so gut zu sein schienen.
Ich konnte nicht begreifen, warum er sie so kühl behandelte und
vielen Bekanntschaften aus dem Wege ging, die mir so schmeichelhaft
erschienen. Ich glaubte, je mehr gute Menschen man kenne, um so besser
sei es, und alle Menschen seien doch so gut.
»Siehst du, wie wir uns einrichten müssen,« hatte er mir vor der
Abreise vom Lande gesagt. »Hier sind wir reiche Leute, aber dort
sind wir es lange nicht. Darum dürfen wir in der Stadt nur bis zur
Osterwoche bleiben und müssen die große Welt meiden, sonst könnten wir
Schwierigkeiten haben; auch deinetwegen möchte ich es nicht anders.«
»Wozu die große Welt?« fragte ich. »Wir wollen nur die Theater und
unsere Verwandten besuchen, ein paarmal in die Oper gehen, gute Musik
hören und schon vor der Osterwoche aufs Land zurückkehren.«
Kaum kamen wir aber nach Petersburg, als diese Pläne vergessen waren.
Ich befand mich plötzlich in einer so neuen, glücklichen Welt, war von
so viel Freuden umfangen und von solchen neuen Interessen in Anspruch
genommen, daß ich mich sofort, wenn auch unbewußt, von meiner ganzen
Vergangenheit und den in der Vergangenheit gefaßten Plänen lossagte. --
Bisher war alles nur ein Spiel, das Richtige hatte noch nicht begonnen;
das da ist aber das wahre Leben! Und was erwartet mich noch alles?!
-- dachte ich mir. Die Unruhe und die beginnende Langweile, die mich
auf dem Lande gequält hatten, waren plötzlich wie durch einen Zauber
gänzlich verschwunden. Meine Liebe zu meinem Mann war ruhiger geworden,
und hier kam mir niemals der Gedanke, ob er mich nicht weniger liebe
als früher. Ich durfte auch nicht an seiner Liebe zweifeln: er erriet
sofort jeden meiner Gedanken, teilte jedes meiner Gefühle und erfüllte
jeden meiner Wünsche. Seine Ruhe war hier verschwunden oder hatte bloß
aufgehört, mich zu reizen. Dabei fühlte ich, daß zu seiner früheren
Liebe sich auch noch ein Entzücken gesellte. Gar oft sagte er nach
einem Besuch, oder wenn wir eine neue Bekanntschaft gemacht oder bei
uns eine Abendgesellschaft gehabt hatten, wo ich vor Angst, irgendeinen
Mißgriff zu machen, zitternd die Pflichten der Hausfrau erfüllte: --
»Sehr gut, mein Kind! Ausgezeichnet! Mut! Wirklich ausgezeichnet!« Und
ich war dann sehr froh. Bald nach unserer Ankunft in Petersburg schrieb
er seiner Mutter einen Brief, und als ich einige Worte hinzuschreiben
sollte, wollte er mir nicht zeigen, was er geschrieben hatte;
infolgedessen bestand ich natürlich darauf und bekam das Geschriebene
zu lesen. »Sie werden Mascha gar nicht wiedererkennen,« schrieb er ihr,
»und auch ich selbst erkenne sie nicht wieder. Woher hat sie nur diese
nette, graziöse Sicherheit, diese ›~affabilité~‹, diese Fähigkeit, in
der Gesellschaft durch Geist zu glänzen, und diese Liebenswürdigkeit!
Und all das ist bei ihr so einfach, lieb und gutmütig. Alle sind von
ihr entzückt, und auch ich selbst kann sie gar nicht genug bewundern;
wenn es möglich wäre, müßte ich sie noch mehr lieb gewinnen.«
-- Ach so, also so eine bin ich! -- dachte ich mir. Es wurde mir so
wohl und so lustig zumute, und es kam mir sogar vor, als liebte ich
ihn noch mehr. Mein Erfolg bei allen unseren Bekannten war für mich
völlig unerwartet. Von allen Seiten hörte ich, daß ich hier einem Onkel
besonders gut gefallen, daß dort eine Tante sich in mich verliebt
hätte; der eine sagte mir, daß es in ganz Petersburg keine ähnliche
Frau gäbe, die andere versicherte mich, ich brauche nur zu wollen,
um die »exklusivste« Dame der Gesellschaft zu werden. Besonderen
Eindruck machte ich auf eine Kusine meines Mannes, die Fürstin D.,
eine nicht mehr junge Dame der großen Welt; diese hatte sich plötzlich
in mich verliebt und sagte mir so schmeichelhafte Dinge, daß es mir
schwindelte. Als diese Kusine mich zum erstenmal aufforderte, einen
Ball zu besuchen, und meinen Mann darum bat, wandte er sich an mich
mit einem kaum merklichen schlauen Lächeln und fragte, ob ich hingehen
möchte. Ich nickte bejahend und fühlte, wie ich errötete.
»Sie gesteht wie eine Verbrecherin, was sie möchte,« sagte er mit einem
gutmütigen Lächeln.
»Du hattest doch selbst gesagt, daß wir keine großen Gesellschaften
besuchen würden, auch magst du so was nicht,« antwortete ich lächelnd
und ihn flehend anblickend.
»Wenn du so große Lust hast gehen wir hin,« sagte er.
»Nein, wirklich, lieber nicht.«
»Hast du große Lust?« fragte er wieder.
Ich gab keine Antwort.
»Die große Welt ist noch kein Übel,« fuhr er fort, »aber die
unbefriedigten Gelüste, die sie in uns weckt, sind schlimm und häßlich.
Wir müssen aber unbedingt hin und werden es auch tun,« schloß er sehr
bestimmt.
»Wenn ich dir die Wahrheit sagen soll,« entgegnete ich, »so wünsche ich
in der ganzen Welt nichts so sehr, wie diesen Ball zu besuchen.«
Wir gingen auch hin, und der Genuß, den mir der Ball verschaffte,
übertraf alle meine Erwartungen. Auf dem Balle hatte ich noch mehr
als früher den Eindruck, ich sei der Mittelpunkt, um den sich alles
bewegte, als sei dieser große Saal nur meinetwegen erleuchtet, als
spiele die Musik nur für mich und als hätten sich alle diese Menschen
versammelt, nur um mich zu bewundern. Alle, vom Friseur und der Zofe
bis zu den Greisen, die durch den Saal gingen, schienen mir zu sagen
und gaben mir zu fühlen, daß sie mich liebten. Das allgemeine Urteil,
das sich über mich auf diesem Balle gebildet hatte und das ich von der
Kusine zu hören bekam, lautete, daß ich allen anderen Damen gar nicht
ähnlich sehe, daß an mir etwas Besonderes, Ländlich-Einfaches und
Reizendes sei. Dieser Erfolg schmeichelte mir so sehr, daß ich meinem
Mann ganz offenherzig sagte, wie gerne ich in diesem Jahre noch zwei
oder drei Bälle besuchen möchte; »um sie ordentlich satt zu bekommen,«
fügte ich nicht ganz aufrichtig hinzu.
Mein Mann willigte gerne ein und führte mich in der ersten Zeit mit
sichtlichem Vergnügen auf die Bälle, freute sich über meine Erfolge und
schien das, was er früher gesagt hatte, ganz vergessen zu haben oder es
zu verleugnen.
Mit der Zeit fing er an sich offenbar zu langweilen und das Leben, das
wir führten, als eine Last zu empfinden. Aber ich kümmerte mich nicht
viel darum; wenn ich zuweilen auch seinen aufmerksamen und ernsten,
fragend auf mich gerichteten Blick sah, verstand ich seine Bedeutung
nicht. Ich war von diesem Gefühl, das ich so plötzlich in allen Fremden
geweckt hatte und das ich für Liebe hielt, von dieser Luft des Luxus,
der Vergnügungen und der neuen Eindrücke, die ich hier zum erstenmal
atmete, so benebelt, sein mich erdrückender moralischer Einfluß war so
spurlos verschwunden, es war mir so angenehm, hier in dieser Welt nicht
nur auf der gleichen Stufe mit ihm, sondern sogar über ihm zu stehen
und ihn darum noch mehr und selbständiger zu lieben als früher, daß
ich unmöglich verstehen konnte, was er in diesem Leben in der großen
Welt Unangenehmes für mich erblickte. Ich empfand das mir neue Gefühl
des Stolzes und der Genugtuung, wenn bei meinem Erscheinen auf einem
Balle alle Blicke sich auf mich richteten, während er, als schämte
er sich, dieser Menge zu zeigen, daß er mich besitze, mich eiligst
verließ und sich in der schwarzen Schar der Fracks verlor. -- Wart'
einmal! -- sagte ich mir oft, mit den Augen am Ende des Saales seine
unauffällige Gestalt mit dem oft gelangweilten Gesicht suchend, --
wart' einmal! -- sagte ich mir, -- wenn wir wieder zu Hause sind, so
wirst du auch verstehen, für wen ich so schön und glänzend sein wollte
und wen ich von allen, die mich am heutigen Abend umgeben, liebe. --
Ich glaubte selbst aufrichtig daran, daß meine Erfolge mich nur darum
so freuten, weil ich sie ihm zum Opfer bringen konnte. Das Einzige,
was mir in dieser großen Welt gefährlich werden konnte, glaubte ich,
sei die Möglichkeit, mich in einen der Männer, die ich da traf, zu
vergaffen und in meinem Manne Eifersucht zu wecken; aber er vertraute
mir so sehr und schien so ruhig und gleichgültig, und alle diese jungen
Männer kamen mir im Vergleich zu ihm so unbedeutend vor, daß diese
Gefahr, die ich für die einzige hielt, mich gar nicht erschreckte. Aber
die Aufmerksamkeit mancher Menschen in der Gesellschaft gewährte mir
dennoch Vergnügen, schmeichelte meinem Ehrgeiz, brachte mich auf den
Gedanken, daß meine Liebe zu meinem Manne mir als Verdienst anzurechnen
sei und verlieh meinem Benehmen gegen ihn eine gewisse Überlegenheit
und sogar Nachlässigkeit.
»Ich habe gesehen, wie lebhaft du dich mit der N. N. unterhalten
hast,« sagte ich ihm einmal bei der Rückkehr von einem Ball, ihm mit
dem Finger drohend und eine der bekannten Damen der Petersburger
Gesellschaft nennend, mit der er an diesem Abend wirklich gesprochen
hatte. Ich sagte dies, um ihn etwas aufzurütteln, denn er war besonders
schweigsam und langweilig.
»Ach, wie kann man nur so sprechen? Und das sagst du, Mascha!« sprach
er durch die Zähne und das Gesicht wie bei einem körperlichen Schmerz
verziehend. »Das steht uns beiden nicht! Überlaß das den anderen; solch
ein verlogenes Verhältnis könnte unser wahres Verhältnis zueinander
trüben, und ich hoffe doch, daß dieses wahre Verhältnis wiederkehrt.«
Ich schämte mich und schwieg.
»Es kehrt doch wieder, Mascha? Wie glaubst du?« fragte er.
»Es hat sich doch gar nicht getrübt und wird sich nie trüben,«
entgegnete ich und glaubte in jenem Augenblick wirklich daran.
»Gott gebe es!« sagte er. »Sonst wäre es Zeit, aufs Land
zurückzukehren.«
Das war aber auch das einzige Mal, daß er so zu mir sprach; sonst
schien es mir immer, daß er sich ebenso wohl fühlte wie ich, mir war
aber so lustig und fröhlich zumute. -- Wenn er sich sogar manchmal
langweilt, -- tröstete ich mich, -- so habe ich mich doch seinetwegen
genug auf dem Lande gelangweilt; und wenn unser Verhältnis sich auch
etwas verändert hat, so wird es doch wiederkehren, sobald wir im
Sommer wieder allein mit Tatjana Ssemjonowna in unserem Hause von
Nikolskoje sind. --
So verging für mich unmerklich dieser Winter, und wir blieben sogar,
entgegen unserer Absicht, auch die Osterwoche in Petersburg. In
der Woche nach Ostern, als wir schon reisefertig waren, als alles
eingepackt war und mein Mann, der die Geschenke, Blumen und andere
Gegenstände für unser Landleben einkaufte, besonders zärtlich und
fröhlich gestimmt war, kam zu uns unerwartet die Kusine, um uns
zu überreden, bis zum nächsten Sonnabend zu bleiben und noch eine
Soiree bei der Gräfin R. mitzumachen. Sie sagte, die Gräfin R. wolle
mich unbedingt bei sich sehen und der Prinz M., der sich damals in
Petersburg aufhielt, hätte noch auf dem letzten Ball den Wunsch
geäußert, mich kennenzulernen; er würde nur deswegen zu der Soiree
kommen und hätte gesagt, ich sei die hübscheste Frau in ganz Rußland.
Die ganze Stadt werde dabei sein, mit einem Worte, es wäre ganz
unerhört, wenn ich nicht käme.
Mein Mann stand am anderen Ende des Wohnzimmers und sprach mit jemand.
»Nun, werden Sie kommen, Marie?« fragte die Kusine.
»Wir wollen übermorgen aufs Land,« antwortete ich unentschlossen und
blickte meinen Mann an. Unsere Augen begegneten sich, und er wandte
sich schnell weg.
»Ich will ihn überreden, zu bleiben,« sagte die Kusine, »und am
Sonnabend gehen wir zur Gräfin, um allen die Köpfe zu verdrehen. Ja?«
»Das würde alle unsere Pläne über den Haufen werfen, und wir haben
auch schon gepackt,« antwortete ich, nahe daran, nachzugeben.
»Das beste wäre, sie ginge heute abend selbst zum Prinzen, um ihm ihre
Aufwartung zu machen,« sagte mein Mann vom anderen Ende des Zimmers in
einem so gereizten Ton, wie ich ihn bei ihm noch nie gehört hatte.
»Ach, er ist eifersüchtig! Das hätte ich doch nicht erwartet!« rief
die Kusine lachend. »Ich bitte sie ja nicht des Prinzen wegen, Ssergej
Michailytsch, sondern weil wir es alle wünschen. Wie flehentlich hat
mich doch die Gräfin R. darum gebeten!«
»Das hängt von ihr ab,« entgegnete mein Mann kühl und verließ das
Zimmer.
Ich sah, daß er erregter war als sonst; dies quälte mich, und ich
versprach der Kusine nichts. Als sie fort war, ging ich sofort zu
meinem Mann. Er ging nachdenklich auf und ab und sah und hörte nicht,
wie ich auf den Zehen zu ihm ins Zimmer trat.
-- Er denkt schon an sein liebes Haus zu Nikolskoje, -- sagte ich mir,
ihn anblickend, -- an den Morgenkaffee im hellen Wohnzimmer, an seine
Felder und Bauern, an die Abende im Diwanzimmer und an unsere geheimen
nächtlichen Mahlzeiten. Nein! -- sagte ich mir sehr entschieden, --
alle Bälle auf der Welt und die Schmeicheleien aller Prinzen gebe ich
gerne für seine freudige Verlegenheit und seine stillen Liebkosungen
hin! -- Ich wollte ihm schon sagen, daß ich zu der Soiree nicht gehen
würde, als er sich plötzlich umwandte, mich bemerkte und der sanfte
und nachdenkliche Ausdruck aus seinem Gesicht verschwand. Sein Blick
drückte wieder Klugheit, Weisheit und eine gönnerhafte Ruhe aus. Er
wollte nicht, daß ich ihn als einen gewöhnlichen Menschen sähe: er
mußte unbedingt als Halbgott auf einem Piedestal vor mir stehen.
»Was hast du, liebes Kind?« fragte er, sich gleichgültig und ruhig an
mich wendend.
Ich antwortete nicht. Mich verdroß es, daß er sich vor mir verstellte
und nicht so bleiben wollte, wie ich ihn liebte.
»Willst du also am Sonnabend zu der Soiree?« fragte er.
»Ich wollte es,« antwortete ich, »aber du hast keine Lust. Auch ist ja
schon alles gepackt,« fügte ich hinzu.
Noch nie hatte er mich so kalt angesehen, noch niemals so kalt mit mir
gesprochen.
»Ich reise nicht vor Dienstag ab und werde die Sachen wieder auspacken
lassen,« sagte er. »Darum kannst du auch die Soiree mitmachen, wenn du
Lust hast. Geh bitte hin. Ich reise nicht ab.«
Wie immer, wenn er aufgeregt war, ging er mit ungleichen Schritten auf
und ab und sah mich nicht an.
»Ich kann dich unmöglich verstehen,« sagte ich, ohne mich ihm zu
nähern und ihn mit den Augen verfolgend. »Du sagst, daß du immer so
ruhig seist (er hatte das niemals gesagt), warum sprichst du dann so
merkwürdig mit mir? Ich bin bereit, dir dieses Vergnügen zu opfern, du
aber verlangst von mir mit einer Ironie, mit der du zu mir noch niemals
gesprochen hast, daß ich zu der Soiree gehe.«
»Nun, du bringst -ein Opfer- (er betonte dieses Wort ganz besonders),
auch ich bringe ein Opfer; was kann man sich besseres wünschen? Es
ist ein Wettstreit der Großmut. Kann man sich denn ein schöneres
Familienglück denken?«
Ich hörte von ihm zum erstenmal so erbitterte und höhnische Worte.
Sein Hohn beschämte mich nicht, sondern verletzte mich, und seine
Erbitterung erschreckte mich nicht, sondern teilte sich auch mir mit.
Kamen diese Worte wirklich von ihm, der sonst in unserem Verhältnis
jede Phrase mied und immer so aufrichtig und einfach war? Womit hatte
ich das verdient? Damit, daß ich ihm wirklich mein Vergnügen opfern
wollte, in dem ich nichts Schlimmes erblicken konnte, und daß ich ihn
erst vor einer Minute so gut verstanden und geliebt hatte! Wir hatten
die Rollen getauscht: er vermied die einfachen und direkten Worte,
während ich sie suchte.
»Du hast dich sehr verändert,« sagte ich seufzend. »Was habe ich
gegen dich verbrochen? Es ist nicht der Abend bei der Gräfin, es
ist etwas anderes, Altes, was du gegen mich im Herzen hast. Warum
diese Unaufrichtigkeit? Hast du sie denn bisher nicht selbst immer
gefürchtet? Sag mir ganz offen, was du gegen mich hast!« -- Was wird
er mir wohl sagen? -- dachte ich mir, von der angenehmen Gewißheit
erfüllt, daß ich mir im Laufe des ganzen Winters nichts zuschulden
kommen ließ, was er mir vorzuwerfen hätte.
Ich trat in die Mitte des Zimmers, so daß er ganz nahe an mir
vorübergehen mußte und sah ihn an. -- Er wird auf mich zugehen, mich
umarmen und damit wird alles enden, -- ging es mir durch den Kopf,
und es tat mir sogar leid, daß ich nicht dazu kommen würde, ihm zu
beweisen, daß er im Unrecht sei. Aber er blieb am Ende des Zimmers
stehen und sah mich an.
»Verstehst du noch immer nichts?« fragte er.
»Nein.«
»Dann will ich es dir sagen. Es ist mir ekelhaft, es ist mir zum
erstenmal ekelhaft, was ich empfinde und was ich empfinden muß ...« Er
blieb stehen, sichtlich vom rauhen Ton seiner eigenen Stimme erschreckt.
»Was ist es denn?« fragte ich mit Tränen der Entrüstung in den Augen.
»Es ist ekelhaft, daß der Prinz dich hübsch findet, und daß du ihm
darum nachlaufen willst, darüber deinen Mann, dich selbst und die
weibliche Würde vergißt und nicht begreifen willst, was dein Mann
an deiner Statt empfinden muß, wenn dir selbst das Gefühl der Würde
abgeht; im Gegenteil, du kommst zu deinem Mann und sagst ihm, daß du
ein -Opfer- bringst, d. h.: ›es ist für mich ein großes Glück, mich
seiner Hoheit zu zeigen, aber ich bringe dieses Glück zum -Opfer-.‹«
Je länger er sprach, um so mehr geriet er in Feuer, und seine Stimme
klang giftig, grausam und roh. Niemals hatte ich ihn so gesehen und
von ihm so etwas auch nie erwartet; das ganze Blut schoß mir ins
Herz, ich fürchtete mich, aber zugleich erregte mich das Gefühl einer
unverdienten Beschämung und einer verletzten Eigenliebe, und ich fühlte
den Wunsch, mich an ihm zu rächen.
»Ich habe das schon längst erwartet,« sagte ich, »sprich nur, sprich.«
»Ich weiß nicht, was du erwartet hast,« fuhr er fort, »aber ich konnte
das Schlimmste erwarten, da ich dich täglich in diesem Schmutz, im
Müßiggange und Luxus dieser dummen Gesellschaft sah; und ich habe es
auch erlebt ... Ich hab' es erlebt, daß ich heute Scham und Schmerz
empfinde wie niemals; es war mir schmerzvoll genug, als deine Freundin
mit ihren schmutzigen Händen in mein Herz griff und von meiner
Eifersucht zu sprechen begann; und von was für einer Eifersucht? -- auf
einen Menschen, den keiner von uns, weder du noch ich, kennt. Du aber
willst mich wie zu Trotz nicht verstehen, du willst mir etwas zum Opfer
bringen, -- doch was? ... Ich muß mich für dich, für deine Erniedrigung
schämen! ... Ein Opfer!« wiederholte er.
-- Ach, so ist also die Gewalt des Mannes, -- dachte ich mir: --
Eine Frau zu beleidigen und zu demütigen, die nichts verbrochen hat.
Das sind also die Rechte des Mannes, aber ich werde mich ihnen nicht
fügen. --
»Nein, ich will dir nichts zum Opfer bringen,« sagte ich und fühlte,
wie meine Nüstern sich unnatürlich erweiterten und wie mir das Blut aus
dem Gesicht strömte. »Ich werde am Sonnabend zu der Soiree gehen, werde
unbedingt hingehen.«
»Gott gebe dir viel Vergnügen, aber zwischen uns ist alles aus!« rief
er in einem Anfalle von Raserei, die er nicht mehr beherrschen konnte.
»Aber du wirst mich nicht länger quälen. Ich war dumm, daß ich ...«
begann er wieder, aber seine Lippen zitterten, und er nahm sich mit
sichtlicher Anstrengung zusammen, um den angefangenen Satz nicht zu
Ende zu sprechen.
Ich fürchtete und haßte ihn in diesem Augenblick. Ich wollte ihm vieles
sagen und mich für alle die Beleidigungen rächen; hätte ich aber nur
den Mund aufgemacht, so wäre ich in Tränen ausgebrochen und hätte mich
vor ihm erniedrigt. Ich verließ schweigend das Zimmer. Als ich aber
seine Schritte nicht mehr hörte, entsetzte ich mich vor dem, was wir
getan hatten. Ich entsetzte mich vor dem Gedanken, daß dieses Band, das
mein Glück ausgemacht hatte, für immer zerreißen würde, und ich wollte
schon zu ihm zurückkehren. -- Hat er sich aber auch genügend beruhigt,
um mich zu verstehen, wenn ich ihm schweigend die Hand reiche und ihn
anblicke? -- fragte ich mich. -- Wird er meine Großmut begreifen? Wie,
wenn er meinen Schmerz für Heuchelei hält? Oder wenn er meine Reue mit
dem Bewußtsein seines Rechts und mit stolzer Ruhe hinnimmt und mir
verzeiht? Warum, warum hat er, den ich so sehr liebte, mich so grausam
beleidigt? --
Ich ging nicht zu ihm, sondern in mein Zimmer, wo ich lange allein saß
und weinte, mich mit Grauen jedes Wortes, das zwischen uns gefallen
war, erinnernd, diese Worte mit anderen vertauschend und andere, gute
Worte hinzufügend, dann wieder mit Entsetzen und einem Gefühl der
Kränkung des Vorgefallenen gedenkend. Als ich am Abend am Teetisch
erschien und in Gegenwart von S., der bei uns zu Besuch war, meinen
Mann traf, fühlte ich, daß an diesem Tage sich ein ganzer Abgrund
zwischen uns aufgetan hatte. S. fragte mich, wann wir abreisten. Ich
kam nicht dazu, ihm zu antworten.
»Am Dienstag,« antwortete mein Mann. »Wir wollen noch die Soiree bei
der Gräfin R. mitmachen. Du gehst doch hin?« wandte er sich an mich.
Ich erschrak über den einfachen Ton seiner Stimme und sah ihn ängstlich
an. Seine Augen waren gerade auf mich gerichtet, der Blick war boshaft
und spöttisch, seine Stimme klang gemessen und kalt.
»Ja,« antwortete ich.
Am Abend, als wir allein geblieben waren, ging er auf mich zu und
reichte mir die Hand.
»Vergiß bitte, was ich dir gesagt habe,« sagte er.
Ich ergriff seine Hand, ein zitterndes Lächeln erschien auf meinem
Gesicht, die Tränen wollten mir schon aus den Augen stürzen, aber er
zog seine Hand zurück und setzte sich in einen Sessel ziemlich weit
von mir, als fürchtete er eine empfindsame Szene. -- Glaubt er denn
wirklich, daß er im Rechte sei? -- dachte ich mir, und die schon
fertige Erklärung und die Bitte, nicht zur Soiree zu gehen, erstarben
mir auf den Lippen.
»Wir müssen Mama schreiben, daß wir die Abreise aufgeschoben haben,«
sagte er, »sonst wird sie unruhig werden.«
»Wann gedenkst du denn zu reisen?« fragte ich.
»Am Dienstag nach der Soiree,« antwortete er.
»Ich hoffe, daß es nicht meinetwegen geschieht,« sagte ich, ihm in die
Augen blickend, aber seine Augen sahen mich nur an und sagten nichts,
als wären sie verschleiert. Sein Gesicht kam mir plötzlich alt und
unangenehm vor.
Wir gingen zu der Soiree, und zwischen uns stellte sich äußerlich
wieder ein gutes und freundschaftliches Verhältnis ein; aber dieses
Verhältnis war ganz anders als das frühere.
Auf der Soiree saß ich unter den Damen, als der Prinz auf mich zuging,
so daß ich aufstehen mußte, um mit ihm zu sprechen. Als ich aufstand,
suchte ich unwillkürlich mit den Augen meinen Mann und sah, daß
er mich vom anderen Ende des Saales beobachtete und sich plötzlich
wegwandte. Ich empfand plötzlich solchen Schmerz und solche Scham,
daß ich unter den Augen des Prinzen furchtbar verlegen wurde und über
das Gesicht bis zum Hals hinunter errötete. Ich mußte aber stehen
und anhören, was er sagte, indem er mich von oben herab betrachtete.
Unser Gespräch war nur kurz, es gab neben mir keinen Platz, wo er sich
hinsetzen konnte, und er merkte wohl auch, daß ich mich unbehaglich
fühlte. Wir sprachen vom letzten Ball, wo ich den Sommer zuzubringen
pflege usw. Als er mich verließ, äußerte er den Wunsch, auch meinen
Mann kennenzulernen, und ich sah, wie sie sich am anderen Ende des
Saales trafen und ins Gespräch kamen. Der Prinz sagte wohl etwas von
mir, da er sich mitten im Gespräch lächelnd nach mir umwandte.
Mein Mann wurde plötzlich rot, machte eine tiefe Verbeugung und ließ
den Prinzen stehen. Auch ich errötete: ich mußte mich schämen, als ich
mir dachte, welche Vorstellung der Prinz wohl von mir und besonders
von meinem Manne gewonnen haben müßte. Mir kam vor, als hätten alle
bemerkt, wie verlegen ich war, als ich mit dem Prinzen sprach, als sei
allen auch das sonderbare Benehmen meines Mannes aufgefallen; Gott
weiß, wie sie es sich wohl erklären mögen; wissen sie vielleicht etwas
vom Gespräch, das ich mit ihm gehabt habe? Die Kusine brachte mich nach
Hause, und unterwegs kamen wir auch auf meinen Mann zu sprechen. Ich
konnte mich nicht beherrschen und erzählte ihr alles, was zwischen uns
anläßlich dieser unglückseligen Soiree vorgefallen war. Sie beruhigte
mich und sagte, daß es ein ganz bedeutungsloses, durchaus gewöhnliches
Zerwürfnis sei, das keinerlei Folgen haben werde; sie äußerte sich auch
von ihrem Standpunkte aus über den Charakter meines Mannes und meinte,
daß er verschlossen und stolz geworden sei; ich stimmte ihr bei, und es
war mir, als finge ich jetzt an, ihn ruhiger und besser zu beurteilen.
Aber später, als ich wieder allein mit meinem Manne war, lastete dieses
Urteil über ihn wie ein Verbrechen auf meinem Gewissen, und ich fühlte,
daß der uns trennende Abgrund noch größer geworden war.
III
Von diesem Tage an trat in unserem Leben und in unserem Verhältnis
eine tiefe Veränderung ein. Wir fühlten uns, wenn wir allein waren,
nicht mehr so wohl wie einst. Es gab Fragen, die wir umgingen, und
in Gegenwart eines Dritten war es uns viel leichter zu sprechen als
unter vier Augen. Wenn bloß die Rede auf das Landleben oder auf einen
Ball kam, fing es uns vor den Augen zu flimmern an, und wir schämten
uns, uns anzusehen. Als fühlten wir beide, wo der Abgrund lag, der uns
trennte, und als mieden wir, ihm nahe zu kommen. Ich war überzeugt, daß
er stolz und aufbrausend sei, und daß ich ihn vorsichtiger behandeln
müsse, um nicht seine schwachen Seiten zu verletzen. Er aber war
überzeugt, daß ich ohne die große Welt nicht leben könne, daß das Leben
auf dem Lande mir nicht passe, und daß er sich meinem unglücklichen
Geschmack fügen müsse. Wir vermieden beide jedes direkte Gespräch über
diese Gegenstände und beurteilten darum einander falsch. Wir hatten
schon lange aufgehört, einander für die vollkommensten Menschen auf
Erden zu halten; wir stellten vielmehr Vergleiche mit anderen an und
übten aneinander heimlich Kritik. Vor der Abreise erkrankte ich, und
wir zogen statt aufs Land in eine Sommerfrische in der Nähe der Stadt,
von wo mein Mann allein zu seiner Mutter reiste. Als er abreiste,
war ich schon so weit hergestellt, daß ich mit ihm hätte mitkommen
können, aber er bat mich, noch zu bleiben, als fürchtete er für
meine Gesundheit. Ich fühlte, daß ihm nicht meine Gesundheit Sorgen
machte, sondern der Gedanke, daß wir uns auf dem Lande zusammen nicht
wohl fühlen würden; ich widersprach ihm nicht viel und blieb. Ohne
ihn kam mir alles so leer und öde vor, als er aber wiederkam, merkte
ich, daß er meinem Leben nicht mehr das zu verleihen vermochte, was
er ihm früher verliehen hatte. Unsere früheren Beziehungen, wo jeder
Gedanke, jede Empfindung, die ich ihm nicht mitteilte, auf mir wie
ein Verbrechen lasteten, wo jede Handlung und jedes Wort von ihm mir
als der Gipfel der Vollkommenheit erschienen, wo wir immer vor Freude
lachen wollten, wenn wir uns bloß ansahen, -- dieses Verhältnis war
unmerklich zu einem anderen geworden und verschwunden, ehe wir uns
dessen versahen. Ein jeder von uns hatte jetzt seine eigenen Interessen
und Sorgen, die er gar nicht zu gemeinsamen zu machen suchte. Es
bedrückte uns sogar nicht mehr, daß jeder von uns seine eigene, für
den anderen fremde Welt hatte. Wir hatten uns an diesen Gedanken
gewöhnt, und nach einem Jahre hörte es schon sogar in unseren Augen
zu flimmern auf, wenn wir einander ansahen. Seine früheren Anfälle
plötzlicher Lustigkeit waren dahin, ebenso sein kindliches Wesen,
seine Allverzeihung und Gleichgültigkeit gegen alles, die mich früher
so empört hatten; vorbei war es mit seinem tiefen Blick, der mich
früher so verwirrte und erfreute, vorbei mit den gemeinsamen Gebeten
und Ekstasen; wir sahen uns sogar recht selten, denn er war immer auf
Reisen, und es tat ihm weder leid, noch ängstigte er sich, mich allein
zu lassen; ich aber war immer in der großen Welt, wo ich ihn nicht
brauchte.
Szenen und Zerwürfnisse kamen zwischen uns nicht mehr vor; ich bemühte
mich, ihm gefällig zu sein, er erfüllte alle meine Wünsche, und es sah
so aus, als ob wir einander noch liebten.
Wenn wir allein blieben, was nur selten vorkam, empfand ich in seiner
Gegenwart weder Freude, noch Aufregung oder Verwirrung, ganz als wäre
ich allein mit mir selbst. Ich wußte sehr gut, daß er mein Mann war,
nicht irgendein neuer, unbekannter Fremder, sondern ein guter Mensch,
mein Mann, den ich so gut kannte, wie mich selbst. Ich war überzeugt,
daß ich alles wisse, was er tun und was er sagen, und wie er dies oder
jenes ansehen würde, und wenn er etwas anders tat oder ansah, als ich
erwartete, so glaubte ich, -er- habe sich geirrt. Ich erwartete von
ihm nichts. Mit einem Worte, er war mein Mann und sonst nichts. Mir
schien, als müsse es so sein, als gäbe es kein anderes Verhältnis, als
hätte es unter uns sogar nie ein anderes Verhältnis gegeben. Wenn er
verreiste, fühlte ich mich, besonders in der ersten Zeit, einsam; in
seiner Abwesenheit empfand ich stärker, welche Stütze ich in ihm hatte;
wenn er zurückkehrte, fiel ich ihm vor Freude um den Hals, obwohl ich
schon nach zwei Stunden diese Freude vergaß und nicht mehr wußte,
über was mit ihm zu sprechen. Nur in den Augenblicken der stillen,
gemäßigten Zärtlichkeit, die es zwischen uns manchmal gab, kam es mir
vor, als sei es nicht das Richtige, als hätte ich im Herzen ein Weh,
und ich glaubte auch in seinen Augen dasselbe zu lesen. Ich sah vor mir
jene Grenze der Zärtlichkeit, die zu überschreiten er nicht den Willen
und ich nicht die Kraft hatte. Manchmal stimmte mich das traurig, aber
ich hatte keine Zeit, mich irgendwelchen Betrachtungen hinzugeben,
und ich bemühte mich, diese Trauer über die Änderung, die ich dunkel
empfand, in den Zerstreuungen zu vergessen, die mir immer zur Verfügung
standen. Das Leben in der großen Welt, das mich anfangs mit seinem
Glanze benebelt und meinem Ehrgeiz geschmeichelt hatte, bemächtigte
sich bald aller meiner Neigungen, wurde mir zur Gewohnheit, schlug mich
in Fesseln und nahm in meiner Seele den ganzen Platz ein, der für die
Gefühle bereitet war. Ich blieb jetzt niemals allein mit mir selbst
und scheute es, über meine Lage zu grübeln. Die ganze Zeit vom frühen
Morgen bis spät in die Nacht hinein war besetzt und gehörte nicht mir,
selbst wenn ich nicht ausging. Das war mir jetzt weder lustig noch
langweilig, sondern ich hatte das Gefühl, als müsse es immer so und
nicht anders sein.
So vergingen drei Jahre, und während dieser Jahre blieben unsere
Beziehungen dieselben; sie waren gleichsam stehengeblieben, erstarrt
und konnten weder schlechter noch besser werden. Im Laufe dieser
drei Jahre gab es zwei wichtige Ereignisse in unserem Familienleben,
doch keines von den beiden vermochte mein Leben irgendwie zu ändern.
Es waren dies die Geburt meines ersten Kindes und der Tod Tatjana
Ssemjonownas. Das Muttergefühl hatte mich in der ersten Zeit so mächtig
ergriffen und ein so unerwartetes Entzücken in mir geweckt, daß ich
schon glaubte, nun beginne für mich ein neues Leben; aber nach zwei
Monaten, als ich wieder in den Strudel der großen Welt kam, fing
dieses Gefühl an, beständig abzunehmen und wurde schließlich zu einer
Gewohnheit und kalten Pflichterfüllung. Mein Mann dagegen war nach der
Geburt unseres ersten Sohnes wieder der frühere sanfte und ruhige
Stubenhocker geworden und hatte seine ganze Zärtlichkeit und Lustigkeit
auf das Kind übertragen. Oft, wenn ich im Ballkleide ins Kinderzimmer
kam, um es zum Abschied zu bekreuzigen, und dort meinen Mann traf,
fühlte ich seinen vorwurfsvollen und durchdringenden Blick auf mir
ruhen, und ich mußte mich schämen. Ich erschrak plötzlich über meine
Gleichgültigkeit gegen das Kind und fragte mich, ob ich denn schlechter
sei als die anderen Frauen. -- Was soll ich machen? -- dachte ich mir:
-- Ich liebe meinen Sohn, aber ich kann doch nicht tagelang bei ihm
sitzen, das ist mir langweilig; heucheln werde ich aber um nichts in
der Welt. -- Der Tod seiner Mutter war für ihn ein harter Schlag; es
war ihm schwer, wie er sagte, nach ihrem Tode in Nikolskoje zu wohnen;
obwohl ich sie auch betrauerte und meinem Mann mitfühlte, hätte ich
doch das Landleben vorgezogen, das mir angenehmer und ruhiger erschien.
Diese ganzen drei Jahre hatten wir zum größten Teil in der Stadt
verlebt, aufs Land kam ich nur einmal für zwei Monate, und im dritten
Jahre reisten wir ins Ausland.
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