In Gedanken fing er nun an, seine Vorbereitungen zu treffen. Er
machte heimliche Pläne. Er träumte sich sein Pariser Zimmer aus.
Dort wollte er das Leben eines Bohémien führen. Gitarre wollte er
spielen lernen, einen Schlafrock tragen, dazu ein Samtbarett und
Hausschuhe aus blauem Plüsch. Und über dem Kamin sollten zwei
gekreuzte Floretts hängen, ein Totenschädel darüber und die
Gitarre darunter. Wundervoll!
Das Schwierige war nur, die Einwilligung seiner Mutter zu
bekommen. Aber im Grunde war sein Plan doch der
allervernünftigste! Sogar sein Chef redete ihm zu, sich in einer
andern Kanzlei weiter auszubilden. So entschied sich Leo zunächst
zu einem Mittelding. Er bewarb sich um einen Adjunktenposten in
Rouen. Als ihm dies mißlang, schrieb er schließlich seiner Mutter
einen langen Brief, in dem er ihr ausführlich auseinandersetzte,
warum er ohne weiteres nach Paris übersiedeln wollte. Sie war
damit einverstanden.
Trotz alledem beeilte er sich keineswegs. Volle vier Wochen lang
gingen von Yonville nach Rouen und von Rouen nach Yonville Koffer,
Rucksäcke und Pakete für ihn hin und her. Er vervollständigte
seine Garderobe, ließ seine drei Lehnstühle aufpolstern, schaffte
sich einen Vorrat von seidnen Halstüchern an, kurz und gut, er
traf Vorbereitungen, als wolle er eine Reise um die Welt antreten.
So verstrich Woche auf Woche, bis ein zweiter mütterlicher Brief
seine Abreise beschleunigte. Er hätte doch die Absicht, ein Examen
nach einem Semester zu machen.
Als der Augenblick des Abschieds gekommen war, da weinte Frau
Homais, Justin heulte, und Homais verbarg seine Rührung, wie sich
das für einen ernsten Mann schickt. Er ließ es sich jedoch nicht
nehmen, den Mantel seines Freundes eigenhändig bis zur
Gartenpforte des Notars zu tragen, wo des letzteren Kutsche
wartete, die den Scheidenden nach Rouen fahren sollte.
Im letzten Viertelstündchen machte Leo seinen Abschiedsbesuch im
Hause des Arztes.
Als er die Treppe hinaufgestiegen war, blieb er stehen, um Atem zu
schöpfen. Bei seinem Eintritt kam ihm Frau Bovary lebhaft
entgegen.
»Da bin ich noch einmal!« sagte Leo.
»Ich hab es erwartet!«
Emma biß sich auf die Unterlippe. Eine Blutwelle schoß unter der
Haut ihres Gesichts hin und färbte es über und über rot, vom
Halskragen an bis hinauf zu den Haarwurzeln. Sie blieb stehen und
lehnte die Schulter gegen die Holztäfelung.
»Ihr Herr Gemahl ist wohl nicht zu Hause?«
»Er ist fort.«
Dann trat Schweigen ein. Sie sahen sich beide an, und ihre
Gedanken, von gleichem Bangen durchwoben, schmiegten sich
aneinander wie zwei klopfende Herzen.
»Ich möchte Berta gern einen Abschiedskuß geben«, sagte Leo.
Emma ging hinaus, ein paar Stufen hinunter, und rief Felicie. Leo
warf schnell einen heißen Blick auf die Wände, die Möbel, den
Kamin, als wollte er alles umfassen, alles mit sich nehmen. Aber
da war sie auch schon wieder im Zimmer. Das Mädchen brachte die
kleine Berta, die einen Hampelmann an einem Faden in der Hand
hielt, verkehrt, den Kopf nach unten.
Leo küßte die Kleine ein paarmal auf die Stirn.
»Lebwohl, armes Kind! Lebwohl, liebes Bertchen! Lebwohl!«
Er gab das Kind der Mutter zurück.
»Bring sie weg!« befahl Emma.
Sie waren wiederum allein.
Frau Bovary wandte Leo den Rücken zu und preßte ihr Gesicht gegen
eine Fensterscheibe. Er hielt seine Reisemütze in der Hand und
schlug damit leise gegen seinen Schenkel.
»Es wird wohl regnen«, bemerkte Emma.
»Ich habe einen Mantel«, antwortete er.
»So!«
Sie wandte sich wieder um, das Kinn gesenkt. Das Licht glitt über
ihre vorgebeugte Stirn wie über glatten Marmor bis hinab in die
Augenbrauen. Man konnte nicht sehen, was in ihren Augen
geschrieben stand, noch was die Gedanken dahinter sannen.
»Also adieu!« seufzte Leo.
Sie hob den Kopf mit einer jähen Bewegung.
»Ja, adieu! Sie müssen gehen!«
Sie kamen aufeinander zu. Er reichte ihr die Hand hin. Sie zögerte.
»Sozusagen ein französischer Abschied!« meinte sie, indem sie ihm
die Hand überließ. Dabei lächelte sie gezwungen.
Leo fühlte ihre Finger in den seinen. Es kam ihm vor, als ströme
ihr ganzes Ich in seine Haut. Als er seine Hand wieder öffnete,
begegneten sich beider Augen noch einmal. Dann ging er.
Als er unter den Hallen war, blieb er stehen, wobei er sich hinter
einem Pfeiler verbarg. Er wollte ein letztes Mal ihr weißes Haus
mit seinen vier grünen Fensterläden sehen. Da vermeinte er, ihren
Schatten hinter der Gardine ihres Zimmers zu erblicken. Aber der
Vorhang hatte sich wohl von selbst gebauscht und fiel nun wieder
langsam in seine langen senkrechten Falten zurück, in denen er
dann regungslos stehen blieb wie eine Mauer von Gips. Leo eilte
von dannen.
Von weitem sah er schon den Wagen seines Chefs auf der Straße
halten. Ein Mann in leinenem Kittel stand daneben und hielt das
Pferd. Der Apotheker und der Notar plauderten miteinander. Man
wartete auf ihn.
»Lassen Sie sich noch einmal umarmen!« sagte Homais, Tränen in den
Augen. »Hier ist Ihr Mantel, mein lieber Freund! Erkälten Sie sich
unterwegs nicht! Schonen Sie sich recht und nehmen Sie sich
ordentlich in acht!«
»Einsteigen, Herr Düpuis!« mahnte der Notar.
Der Apotheker beugte sich über das Spritzleder und stammelte mit
tränenerstickter Stimme nichts als die beiden wehmütigen Worte:
»Glückliche Reise!«
»Guten Abend, Herr Apotheker!« rief Guillaumin. »Los!«
Die beiden fuhren weg, und Homais wandte sich heimwärts.
*****
Frau Bovary hatte das nach dem Garten gehende Fenster ihres
Zimmers geöffnet und betrachtete die Wolken. In der Richtung nach
Rouen, nach Westen zu, standen sie zusammengeballt. Leichteres
finsteres Gewölk zog von daher im raschen Fluge heran,
durchleuchtet von schrägen Sonnenstrahlen, die wie die goldnen
Strahlenbündel einer aufgehängten Trophäe hervorschossen. Der
übrige wolkenlose Teil des Himmelszeltes war weiß wie Porzellan.
Ruckweise Windstöße beugten die Häupter der Pappeln; plötzlich
rauschte Regen herab und prasselte durch das grünschimmernde
Laubwerk. Bald kam die Sonne wieder heraus. Die Hennen gackerten.
Die Spatzen schüttelten ihre Flügel auf dem nassen Gezweig, und in
den Wasserrinnen auf dem sandigen Boden schwammmen rote
Akazienblüten.
»Wie weit mag er nun schon sein!« dachte sie.
Halb sieben, beim Essen, erschien Homais gewohnterweise.
»Na,« sagte er, indem er sich an den Tisch setzte, »unsern jungen
Freund hätten wir glücklich verfrachtet!«
»Wie man mir berichtet hat«, gab der Arzt zur Antwort. Sich auf
seinem Stuhle nach ihm wendend, fuhr er fort: »Und was gibts bei
Ihnen Neues?«
»Nichts weiter. Meine Frau war heute nachmittag nur ein bißchen
aufgeregt. Sie wissen, die Frauen sind immer gleich aus dem
Häuschen. Und meine ganz besonders! Aber man soll ihnen daraus
keinen Vorwurf machen. Ihre Nerven sind eben zarter besaitet als
unsre.«
»Der arme Leo,« bemerkte Karl, »wie wirds ihm in Paris ergehen?
Wird er sich dort einleben?«
Frau Bovary seufzte.
»Natürlich!« meinte der Apotheker und schnalzte mit der Zunge.
»Feine Soupers! Maskenbälle! Sekt! Daran gewöhnt man sich schon,
versichre ich Ihnen.«
»Ich glaube nicht, daß er unsolid werden wird«, warf Bovary
ein.
»Gott bewahre!« entgegnete Homais lebhaft. »Aber mit den Wölfen
wird er halt heulen müssen. Sonst wird er als Duckmäuser
verschrien. Sie haben keine Ahnung, was diese Kerlchens im
Studentenviertel für ein flottes Leben führen! Mit ihren kleinen
Mädchen! Übrigens sind die Studenten in Paris überall gern
gesehen. Wenn einer nur ein bißchen gesellige Talente hat, stehen
ihm die allerbesten Kreise offen. Und es gibt sogar in der
Vorstadt Saint-Germain feine Damen, die sich Studenten zu Liebsten
nehmen, und das gibt ihnen dann die beste Gelegenheit, sich reich
zu verheiraten.«
»Das mag schon sein,« sagte der Arzt, »ich habe nur Angst,
er ... wird ... dort ...«
»Sehr richtig,« unterbrach ihn der Apotheker, »das ist die
Kehrseite der Medaille! In Paris, da muß man sich fortwährend die
Taschen zuhalten. Zum Beispiel, Sie sitzen in einer öffentlichen
Anlage. Nimmt da jemand neben Ihnen Platz, anständig angezogen,
womöglich ein Ordensbändchen im Knopfloch. Man könnte ihn für
einen Diplomaten halten. Er spricht Sie an. Sie kommen ins
Plaudern. Er bietet Ihnen eine Prise an oder hebt Ihnen den Hut
auf. So wird man intimer. Er nimmt Sie mit ins Café, ladet Sie in
sein Landhaus ein, macht Sie bei einem Glas Wein mit Tod und
Teufel bekannt -- und das Ende vom Liede: er pumpt Sie an oder
verstrickt Sie in gefährliche Abenteuer.«
»So ist es!« gab Karl zu. »Aber ich dachte vor allem an die
Krankheiten, die dem Studenten aus der Provinz in der Großstadt
drohen. Zum Beispiel ... der Typhus.«
Emma zuckte zusammen.
»Der kommt von der gänzlich veränderten Lebensweise«, fuhr der
Apotheker fort, »und der dadurch hervorgebrachten Umwälzung des
ganzen Organismus. Und dann denken Sie an das Pariser Wasser! An
das Essen in den Restaurants! Diese starkgewürzten Speisen
verderben schließlich das Blut. Man mag sagen, was man will, mit
einer guten Hausmannskost sind sie nicht zu vergleichen. Ich für
meinen Teil, ich schätze von jeher die bürgerliche Küche. Die ist
am gesündesten. Als ich stud. pharm. in Rouen war, da habe
ich deshalb regelmäßig in einer Pension gegessen. Die Herren
Professoren aßen auch da ...«
In dieser Weise fuhr er fort, sich über seine Ansichten im
allgemeinen und seinen persönlichen Geschmack im besondern
auszulassen, bis Justin kam und ihn zur Bereitung einer bestellten
Arznei holte.
»Man hat aber auch keinen Augenblick seine Ruhe!« schimpfte er.
»Immer liegt man an der Kette! Keine Minute kann man fort. Ein
Arbeitstier bin ich, das Blut schwitzen muß. Das ist ein
Hundedasein!«
In der Tür sagte er noch:
»Übrigens, wissen Sie schon das Neueste?«
»Was denn?«
Homais zog die Brauen hoch und machte eine hochwichtige Miene.
»Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Versammlung der Landwirte
unsers Departements heuer in Yonville stattfindet. Man munkelt
wenigstens. In der heutigen Zeitung steht auch schon eine
Andeutung. Das wäre für die hiesige Gegend von großer Bedeutung!
Aber darüber reden wir noch einmal! Danke, ich sehe schon. Justin
hat die Laterne mit ...«
Siebentes Kapitel
Der nächste Tag war für Emma ein Tag der Betrübnis. Alles um sie
herum erschien ihr wie von lichtlosem Nebel umflort, verschwommen,
zerrissen. Der Schmerz strich durch ihre Seele mit leisen Klagen
wie der Winterwind um ein einsames Schloß. Sie verfiel in die
Träumerei, die den Menschen umspinnt, wenn er etwas auf immerdar
verloren hat. Sie empfand die Müdigkeit, die ihn der vollendeten
Tatsache gegenüber übermannt, den Schmerz, der ihn überkommt, wenn
eine ihm zur Gewohnheit gewordne Bewegung plötzlich stockt, wenn
Schwingungen jäh aufhören, die lange in ihm vibriert haben.
Wie damals nach der Rückkehr vom Schlosse Vaubyessard, als die
wirbelnden Walzermelodien ihr nicht aus dem Sinne wollten, war sie
voll düsterer Schwermut, in dumpfer Lebensunlust. Leo stand vor
ihrer Phantasie immer größer, schöner, verführerischer. Wie ein
Ideal. Wenn er auch fern von ihr war, so hatte er sie doch nicht
verlassen. Er war da, und an den Wänden ihres Hauses schien sein
Schatten noch zu haften. Immer wieder schaute sie auf den Teppich,
über den er so oft gegangen, auf die leeren Stühle, wo er
gesessen. Draußen kroch das Flüßlein noch immer vorbei mit seinen
niedlichen Wellen, zwischen den schlammigen Ufern hin. An seinem
Gestade waren sie so oft gewandelt, bei dem Rauschen der Fluten um
die moosigen Steine. Wie warm hatte da die Sonne geschienen! Wie
traulich waren die Nachmittage gewesen, wenn sie hinten im
schattigen Garten allein gesessen hatten! Er hatte laut
vorgelesen, bloßen Kopfes, in einem Korbstuhl sitzend. Der frische
Wind, der drüben von den Wiesen her wehte, hatte die Blätter des
Buches bewegt und die violetten Blüten der Glycinen an der Laube
... Ach, nun war er fort, die einzige Freude ihres Daseins, die
einzige Hoffnung, daß sich ihr das erträumte Glück noch erfülle!
Warum hatte sie dieses Glück nicht mit beiden Händen festgehalten,
in den Schoß genommen, es nicht in die Ferne gelassen? Sie
verwünschte sich, Leos Geliebte nicht geworden zu sein. Sie
dürstete nach seinen Lippen. Am liebsten wäre sie ihm
nachgelaufen, hätte sich in seine Arme geworfen und ihm gesagt:
»Hier bin ich! Nimm mich!« Aber vor den Hindernissen, die sich der
Verwirklichung dieses Dranges entgegengestellt hätten, verzagte
Emma von vornherein, und der Schmerz darüber schürte ihre
Sehnsucht zu noch heißerer Glut.
Fortan war die Erinnerung an Leo der Kristallisationspunkt ihrer
Bitternisse. Sie flackerte verlockender als ein einsames
Lagerfeuer, das Wanderer in einer sibirischen Steppe inmitten des
Schnees angezündet haben. Zu diesem Feuer flüchtete sie, kauerte
sich daneben nieder und fachte es sorgfältig wieder an, wenn es zu
verlöschen drohte. Im Umkreise um sich herum suchte sie alles
mögliche herbei, um diese Flammen zu nähren. Die fernsten
Erinnerungen und die frischesten Ereignisse, Erlebtes und
Erträumtes, die wuchernden Phantastereien ihrer Sinnlichkeit, ihre
Sehnsucht nach Sonne, geknickt wie trocknes Gezweig im Wind, ihre
nutzlose Tugend, ihre getäuschten Illusionen, die Armseligkeit
ihres Hauswesens, alles das sammelte sie, raffte es zusammen und
warf es in die Glut, um ihre Trübsal daran zu wärmen.
Mit der Zeit verglomm das Feuer aber doch, sei es, weil ihm die
Nahrung fehlte, sei es, weil die Überfülle von Brennstoff es
erstickte. In der Abwesenheit des Geliebten verkam allmählich
ihre Liebe. Das Ineinemfort tötete den Schmerz, und am Himmel
ihrer Gefühle verblaßte der erst grellrote Feuerschein und wich
nach und nach schwarzem Dunkel. Während ihres phantastischen
Zustandes hatte sich ihr Widerwille gegen den Gatten in
Schwärmerei für den Geliebten verwandelt, und die Glut ihres
Hasses hatte ihre zärtliche Sehnsucht gewärmt. Aber nunmehr, da
ihre stürmische unbefriedigte Leidenschaft zu Asche gebrannt war,
das keine Hilfe kam und keine neue Sonne aufging, ward tiefe Nacht
um sie herum. In eisiger Kälte stand sie einsam da und erstarrte.
Die schrecklichen Tage von Tostes wiederholten sich nun. Nur
bildete sie sich ein, noch unglücklicher denn damals zu sein, weil
sie jetzt ein wirkliches Herzeleid trug und genau wußte, daß es
nie anders werden könne.
Eine Frau, die so viel geopfert, sei -- so sagte sie sich --
wohlberechtigt, sich ein paar harmlose Liebhabereien zu gönnen.
Sie schaffte sich einen gotischen Betstuhl an und verbrauchte in
vier Wochen für vierzehn Franken Zitronen zur Pflege ihrer Hände.
Sie schrieb nach Rouen und bestellte sich ein blaues
Kaschmirkleid. Bei Lheureux suchte sie sich den schönsten Schal
aus und trug ihn über ihrem Hauskleid. Sie schloß die Läden, nahm
ein Buch zur Hand und blieb so stundenlang auf dem Sofa liegen.
Häufig änderte sie ihre Haartracht. Bald trug sie eine hohe
Frisur, bald lose Locken, bald einen Kranz von Zöpfen, bald einen
Scheitel.
Sie geriet auf den Einfall, Italienisch lernen zu wollen, und so
kaufte sie sich ein Wörterbuch, eine Grammatik und eine Menge
Schreibpapier. Dann versuchte sie es mit ernsthafter Lektüre, las
Geschichtswerke und philosophische Schriften.
Nachts fuhr Karl mitunter in die Höhe, im Glauben, man hole ihn zu
einem Kranken. Noch halb im Schlafe rief er:
»Ich bin gleich fertig!«
Aber es war nur das Knistern des Streichholzes gewesen, mit dem
sich Emma die Lampe angezündet hatte. Sie wollte lesen. Aber es
ging ihr wie mit ihren Stickereien, von denen ein ganzer Stoß
angefangen im Schranke lag. Sie pflegte sie anzufangen, dann
liegen zu lassen und eine andre zu beginnen.
Sie hatte launenhafte Stimmungen, in denen man sie leicht zu dem
Unglaublichsten verleiten konnte. Einmal behauptete sie ihrem
Manne gegenüber, sie könne ein Weinglas voll Schnaps mit einem
Zuge leeren, und da Karl so töricht war, es zu bezweifeln, tat sie
es wirklich.
Bei allen ihren »Extravaganzen« (die Spießbürger von Yonville
nannten das so!) sah Emma keineswegs unternehmungslustig aus. Im
Gegenteil. Um ihre Mundwinkel lagerten sich jene gewissen starren
Falten, die alte Jungfern und verbissene Streber zu haben pflegen.
Sie war völlig blaß, weiß wie Leinwand; die Haut ihrer Nase
bildete nach den Flügeln zu Fältchen, und ihre Augen blickten wie
ins Leere. Seitdem sie an den Schläfen ein paar graue Haare
entdeckt hatte, nannte sie sich gesprächsweise eine alte Frau.
Oft hatte sie Schwindelanfälle, und eines Tages spuckte sie sogar
Blut. Aber als sich Karl eifrig um sie bemühte und seine Besorgnis
verriet, meinte sie:
»Laß mich! Es ist mir alles gleich!«
Karl zog sich in sein Sprechzimmer zurück. Er sank in seinen
Schreibsessel, stützte sich mit den Ellbogen auf den Tisch und
weinte -- unter dem phrenologischen Schädel.
Nach einer Weile setzte er einen Brief an seine Mutter auf und bat
sie zu kommen. Es fand zwischen beiden eine lange Konferenz Emmas
wegen statt. Welche Maßnahmen sollten getroffen werden? Was
sollte geschehen? Wo sie jedwede ärztliche Behandlung ablehnte!
»Weißt du, was deiner Frau fehlt?« meinte Frau Bovary schließlich.
»Eine ordentliche Beschäftigung! Körperliche Arbeit! Wenn sie wie
so manch andre ihr tägliches Brot selber verdienen müßte, dann
hätte sie keine Nerven und Launen. Die kommen bloß von den
überspannten Ideen, die sie sich aus purer Langweile in den Kopf
setzt.«
»Beschäftigung hat sie doch aber!« erwiderte Karl.
»So! Sie hat Beschäftigung? Was für welche denn? Romane schmökert
sie, schlechte Bücher, Schriften gegen die Religion, in denen die
Geistlichen verhöhnt werden mit Redensarten aus dem Voltaire!
Armer Junge, das führt zu nichts Gutem, und wer kein guter Christ
ist, mit dem nimmt es mal ein schlechtes Ende!«
Also ward beschlossen, Emma am Romanlesen zu hindern. Das schien
nicht so einfach, aber Mutter Bovary nahm die Sache auf sich. Auf
ihrer Heimreise wollte sie in Rouen persönlich zum
Leihbibliothekar gehen und Emmas Abonnement abbestellen. Wenn der
Mann trotzdem sein Vergiftungswerk fortsetzte, sollte man da nicht
das Recht haben, sich an die Polizei zu wenden?
Der Abschied zwischen Schwiegermutter und Schwiegertochter war
steif. In den drei Wochen ihres Beisammenseins hatten sie,
abgesehen von den häuslichen Anordnungen und den höflichen Formeln
bei Tisch und abends vor dem Zubettgehen, keine drei Worte
gewechselt.
Die alte Frau Bovary reiste ab an einem Mittwoch, dem Markttage
von Yonville. Vom frühen Morgen ab war an diesem Tage auf dem
Marktplatz, gleichlaufend mit den Häusern von der Kirche bis zum
Goldnen Löwen, eine lange Reihe von Leiterwagen aufgefahren,
Fahrzeug an Fahrzeug, alle mit hochgespießten Deichseln. Auf der
andern Seite des Platzes standen Zeltbuden, in denen
Baumwollenwaren, Decken und Strümpfe feilgeboten wurden, daneben
Pferdegeschirre und Haufen von bunten Bändern, deren Enden im
Winde flatterten. Zwischen Eierpyramiden und Käsekörben, aus denen
klebriges Stroh herausragte, lagen allerhand Eisenwaren auf dem
Pflaster ausgebreitet. Neben Ackergerät gackerten Hühner in
flachen Körben und steckten ihre Hälse durch die Luftlöcher. Die
Menge schob sich, ohne zu weichen, gerade nach den Stellen, wo das
Gedränge schon am dichtesten war. So geriet bisweilen das
Schaufenster der Apotheke wirklich in Gefahr. An den Markttagen
ward diese nie leer. Es standen immer eine Menge Leute darin,
weniger um Arzneien zu kaufen als vielmehr um den Apotheker zu
konsultieren. Herr Homais war in den benachbarten Ortschaften ein
berühmter Mann. Seine rücksichtslose Sicherheit fing die Bauern.
Sie hielten ihn für einen besseren Arzt als alle Doktoren im
ganzen Lande.
Emma saß an ihrem Fenster, wie so oft. Das Fenster ersetzt in der
Kleinstadt das Theater und den Korso. Sie belustigte sich über das
wimmelnde Landvolk; da bemerkte sie einen Herrn in einem Rock von
grünem Samt, mit gelben Handschuhen; sonderbarerweise trug er dazu
derbe Gamaschen. Ein Bauersknecht mit gesenktem Kopf und recht
trübseliger Miene folgte ihm. Beide gingen auf das Bovarysche Haus
zu.
»Ist der Herr Doktor zu sprechen?« fragte der Herr den
Apothekergehilfen, der an der Haustüre mit Felicie plauderte. Er
hielt ihn für den Diener des Arztes. »Melden Sie Herrn Rudolf
Boulanger von der Hüchette.«
Es war keineswegs Eitelkeit, daß der Ankömmling sein Gut zu seinem
Namen fügte. Er wollte nur genau angeben, wer er war. Die Hüchette
war nämlich ein Rittergut in der Nähe von Yonville, das er samt
zwei Meiereien unlängst gekauft hatte. Er bewirtschaftete es
selber, jedoch ohne sich allzusehr dabei anzustrengen. Er war
Junggeselle und hatte »so mindestens seine fünfzehntausend
Franken« im Jahr zu verzehren.
Karl begab sich in sein Sprechzimmer hinunter. Boulanger überwies
ihm seinen Knecht, der einen Aderlaß wünsche, weil er am ganzen
Körper ein Kribbeln wie von Ameisen habe.
»Das wird mich erleichtern«, wiederholte der Bursche auf alle
Einwände. Bovary ließ sich nunmehr eine Leinwandbinde und eine
Schüssel bringen. Er bat Justin, behilflich zu sein.
Dann wandte er sich an den Knecht, der schon ganz blaß geworden
war.
»Nur keine Angst, mein Lieber!«
»Ach nee, Herr Doktor, machen Sie nur los!« erwiderte er.
Dabei hielt er mit prahlerischer Gebärde seinen dicken Arm hin.
Unter dem Stich der Lanzette sprang das Blut hervor und spritzte
bis zum Spiegel hin.
»Die Schüssel!« rief Karl.
»Donnerwetter!« meinte der Knecht. »Das ist ja der reine
Springbrunnen! Und wie rot das Blut ist! Das ist ein gutes
Zeichen, nicht wahr?«
Bei diesen Worten sank der Mann mit einem Ruck in den Sessel
zurück, daß die Lehne krachte.
»Das hab ich mir gleich gedacht!« bemerkte Bovary, indem er mit
den Fingern die angestochne Ader zudrückte. »Erst gehts ganz gut,
dann kommt die Ohnmacht, gerade bei solchen robusten Kerlen wie
dem da!«
Die Schüssel in Justins Händen geriet ins Schwanken. Die Knie
schlotterten ihm; er wurde leichenfahl.
»Emma! Emma!« rief der Arzt.
Mit einem Satze war sie die Treppe hinunter.
»Essig!« rief ihr Karl zu. »Ach du mein Gott! Gleich zweie auf
einmal!«
In seiner Aufregung konnte er kaum den Verband anlegen.
»'s ist weiter nichts!« meinte Boulanger gelassen, der Justin
aufgefangen hatte. Er setzte ihn auf die Tischplatte und lehnte
ihn mit dem Rücken gegen die Wand.
Frau Bovary machte sich daran, dem Ohnmächtigen das Halstuch
aufzuknüpfen. Der Knoten wollte sich nicht gleich lösen, und so
berührte sie ein paar Minuten lang leise mit ihren Fingern den
Hals des jungen Burschen. Dann goß sie Essig auf ihr
Batisttaschentuch, betupfte ihm ein paarmal behutsam die Schläfen
und blies dann ein wenig darauf.
Der Knecht war bereits wieder munter, aber Justins Ohnmacht
dauerte an. Seine Augäpfel verschwammen in ihrem bleichen Gallert
wie blaue Blumen in Milch.
»Er darf das da nicht sehen!« ordnete Karl an.
Frau Bovary ergriff die Schüssel und setzte sie unter den Tisch.
Bei diesem Sichbücken bauschte sich ihr Rock (ein weiter gelber
Rock mit vier Falbeln) um sie herum und stand wie steif auf der
Diele, und je nach der Bewegung Emmas, die sich neigte, die Arme
ausstreckte und sich dabei in den Hüften ein wenig hin und her
drehte, wogte der Stoff auf und nieder. Dann nahm sie eine
Wasserflasche und löste ein paar Stück Zucker in einem Glase.
In diesem Augenblicke trat der Apotheker ein. Das Mädchen hatte
ihn vor Schreck herbeigeholt. Als er seinen Gehilfen wieder bei
Bewußtsein sah, atmete er auf. Dann ging er um ihn herum und
betrachtete sich ihn von oben bis unten.
»Dummkopf!« brummte er. »Ein Dummkopf, wie er im Buche steht! Als
obs wer weiß was wäre! Ein bißchen Aderlaß! Weiter nichts! Und das
will ein forscher Kerl sein! Ja, wenn es gilt, von den höchsten
Bäumen die Nüsse herunterzuholen, da klettert er wie ein
Eichhörnchen ... Na, tu deinen Mund auf und zeig dich mal in
deiner Gloria! Das sind ja nette Eigenschaften für einen, der mal
Apotheker werden will! Ich sage dir: als Apotheker kommt man in
die schwierigsten Lagen. So zum Beispiel vor Gericht als
Sachverständiger. Da heißt es kaltblütig sein, hübsch ruhig
überlegen und ein ganzer Mann sein! Sonst gilt man als
Schwachmatikus ...«
Justin sagte kein Wort. Der Apotheker fuhr fort:
»Wer hat dir denn übrigens gesagt, daß du hierher gehen sollst? In
einem fort belästigst du Herrn und Frau Doktor! Noch dazu an den
Markttagen, wo du drüben so notwendig gebraucht wirst! Es warten
zurzeit zwanzig Kunden im Laden. Deinetwegen habe ich alles stehn
und liegen lassen. Marsch! Hinüber! Trab! Gib auf die Arzneien
acht! Ich komme gleich nach!«
Als Justin seine Kleidung wieder in Ordnung gebracht hatte und
fort war, plauderte man noch ein wenig über Ohnmachtanfälle. Frau
Bovary sagte, sie hätte noch nie einen gehabt.
»Ja, bei Damen kommt so was sehr selten vor!« behauptete
Boulanger. »Es gibt aber auch Leute, die allzu zimperlich sind. Da
hab ich gelegentlich eines Duells erlebt, daß ein Zeuge ohnmächtig
wurde, als die Pistolen beim Laden knackten.«
»Was mich anbelangt,« erklärte der Apotheker, »mich stört der
Anblick fremden Blutes ganz und gar nicht. Aber der bloße Gedanke,
ich selber könne bluten, der macht mich schwindlig, wenn ich nicht
schnell an was andres denke.«
Inzwischen hatte Boulanger seinen Knecht fortgeschickt, nachdem er
ihn ermahnt, sich nun zu beruhigen.
»Nun ists aber alle mit der Einbildung!« sagte er ihm. »Die hat
mir die Ehre Ihrer Bekanntschaft verschafft«, fügte er hinzu. Bei
dieser Phrase blickte er Emma an. Dann legte er einen Taler auf
die Tischecke, grüßte flüchtig und verschwand.
Bald darauf erschien er drüben auf dem andern Ufer des Baches. Das
war sein Weg nach der Hüchette. Emma sah ihm von einem der
Hinterfenster nach, wie er über die Wiesen ging, die Pappeln
entlang, langsam wie einer, der über etwas nachdenkt.
»Allerliebst!« sagte er bei sich. »Wirklich allerliebst, diese
Doktorsfrau. Schöne Zähne, schwarze Augen, niedliche Füße und
schick wie eine Pariserin! Zum Teufel, wo mag sie her sein? Wo mag
sie dieser Schlot nur aufgegabelt haben?«
Rudolf Boulanger war vierunddreißig Jahre alt von roher Gemütsart
und scharfem Verstand. Er hatte sich viel mit Weibern abgegeben
und war Kenner auf diesem Gebiete. Die da gefiel ihm. Somit
beschäftigte sie ihn in Gedanken, ebenso ihr Mann.
»Ich glaube, er ist mordsblöde. Sie hat ihn satt, zweifelsohne. Er
hat dreckige Fingernägel und rasiert sich nur aller drei Tage.
Wenn er seine Patienten abzurennen hat, sitzt sie daheim und
stopft Strümpfe. Und langweilt sich. Sehnt sich nach der großen
Stadt und möchte am liebsten alle Abende auf den Ball. Arme kleine
Frau! So was schnappt nach Liebe wie ein Karpfen auf dem
Küchentisch nach Wasser! Drei nette Worte, und sie ist futsch!
Sicherlich! Das wär was fürs Herze! Scharmant! Aber wie kriegt man
sie hinterher wieder los?«
Diese Einschränkung des in der Ferne stehenden Genusses erinnerte
ihn -- zum Kontrast -- an seine Geliebte, eine Schauspielerin in
Rouen, die er aushielt. Er vergegenwärtigte sich ihren Körper,
dessen er sogar in der Vorstellung überdrüssig war.
»Ja, diese Frau Bovary,« dachte er bei sich, »die ist viel
hübscher, vor allem frischer. Virginie wird entschieden zu fett.
Sie zu haben, ist langweilig. Dazu ihre alberne Leidenschaft für
Krebse!«
Die Fluren waren menschenleer. Rudolf hörte nichts als das
taktmäßige Rascheln der Halme, die er beim Gehen streifte, und das
ferne Gezirpe der Grillen im Hafer. Er schaute Emma vor sich, in
ihrer Umgebung, angezogen, wie er sie gesehen hatte. Und in der
Phantasie entkleidete er sie.
»Oh, ich werde sie haben!« rief er aus und zerschlug mit einem
Schlage seines Spazierstockes eine Erdscholle, die im Wege lag.
Sodann überlegte er sich den taktischen Teil der Unternehmung. Er
fragte sich:
»Wie kann ich mit ihr zusammenkommen? Wie bring ich das zustande?
Sie wird egal ihr Baby im Arme haben. Und dann das Dienstmädel,
die Nachbarn, der Mann und der unvermeidliche Klatsch! Ach was!
Unnütze Zeitvergeudung!«
Nach einer Weile begann er von neuem:
»Sie hat Augen, die einem wie Bohrer in das Herz dringen! Und wie
blaß sie ist ... Blasse Frauen sind meine Schwärmerei!«
Auf der Höhe von Argueil war sein Kriegsplan fertig.
»Ich brauche bloß noch günstige Gelegenheiten. Gut! Ich werde ein
paarmal gelegentlich mit hingehen, ihnen Wildbret schicken und
Geflügel. Nötigenfalls lasse ich mich ein bißchen schröpfen. Wir
müssen gute Freunde werden. Dann lade ich die beiden zu mir ein
... Teufel noch mal, nächstens ist doch der Landwirtschaftliche
Tag! Da wird sie hinkommen, da werde ich sie sehen! Dann heißts:
Attacke! Und feste drauf! Das ist immer das Beste.«
Achtes Kapitel
Endlich war sie da, die berühmte Jahresversammlung der Landwirte!
Vom frühen Morgen an standen alle Einwohner von Yonville an ihren
Haustüren und sprachen von den Dingen, die da kommen sollten. Die
Stirnseite des Rathauses war mit Efeugirlanden geschmückt. Drüben
auf einer Wiese war ein großes Zelt für das Festmahl aufgeschlagen
worden, und mitten auf dem Markte vor der Kirche stand ein Böller,
der die Ankunft des Landrats und die Preiskrönung donnernd
verkünden sollte. Die Bürgergarde von Büchy -- in Yonville gab es
keine -- war anmarschiert und hatte sich mit der heimischen
Feuerwehr, deren Hauptmann Herr Binet war, zu einem Korps
vereinigt. Selbiger trug an diesem Tage einen noch höheren Kragen
als gewöhnlich. In die Litewka eingezwängt, war sein Oberkörper
so steif und starr, daß es aussah, als sei alles Leben in ihm in
seine beiden Beine gerutscht, die sich parademarschmäßig bewegten.
Da der Oberst der Bürgergarde und der Hauptmann der Feuerwehr
eifersüchtig aufeinander waren, wollte jeder den andern
ausstechen, und so exerzierten beide ihre Mannschaft für sich.
Abwechselnd sah man die roten Epauletten und die schwarzen
Schutzleder vorbeimarschieren und wieder abschwenken. Das ging
immer wieder von neuem an und nahm schier kein Ende!
Noch nie hatte man in Yonville derartige Pracht und Herrlichkeit
gesehen. Verschiedene Bürger hatten tags zuvor ihre Häuser
abwaschen lassen. Weiß-rot-blaue Fahnen hingen aus den halboffnen
Fenstern herab, alle Kneipen waren voll; und da schönes Wetter
war, sahen die gestärkten Häubchen weißer wie Schnee aus, die
Orden und Medaillen blitzten in der Sonne wie eitel Gold, und die
bunten Tücher leuchteten buntscheckig aus dem tristen Einerlei der
schwarzen Röcke und blauen Blusen hervor. Die Pächtersfrauen kamen
aus den umliegenden Dörfern geritten; beim Absitzen zogen sie die
langen Nadeln heraus, mit denen sie ihre Röcke hochgesteckt
hatten, damit sie unterwegs nicht schmutzig werden sollten. Die
Männer andrerseits hatten zum Schutze ihrer Hüte die Sacktücher
darüber gezogen, deren Zipfel sie mit den Zähnen festhielten.
Die Menge strömte von beiden Enden des Orts auf der Landstraße
heran und ergoß sich in alle Gassen, Alleen und Häuser. Überall
klingelten die Türen, um die Bürgerinnen herauszulassen, die in
Zwirnhandschuhen nach dem Festplatze wallten.
Zwei mit Lampions behängte hohe Taxusbäume, zu beiden Seiten der
vor dem Rathause errichteten Estrade für die Ehrengäste, erregten
ganz besonders die allgemeine Bewunderung. Übrigens hatte man an
den vier Säulen am Rathause so etwas wie vier Stangen
aufgepflanzt; jede trug eine Art Standarte aus grüner Leinwand.
Auf der einen las man: HANDEL, auf der zweiten: ACKERBAU, der
dritten: INDUSTRIE, der vierten: KUNST UND WISSENSCHAFT.
Die Freudensonne, die auf allen Gesichtern zu leuchten begann,
warf auch ihren Schatten und zwar auf das Antlitz der Frau Franz,
der Löwenwirtin. Auf der kleinen Vortreppe ihres Gasthofes
stehend, räsonierte sie vor sich hin:
»So eine Torheit! So eine Eselei, eine Leinwandbude aufzubaun!
Glaubt diese Bagage wirklich, daß der Herr Landrat besonders
ergötzt sein wird, wenn er unter einem Zeltdache dinieren soll,
wie ein Seiltänzer? Dabei soll der ganze Rummel der hiesigen
Gegend zugute kommen! War es wirklich der Mühe wert, extra einen
Koch aus Neufchâtel herkommen zu lassen? Für wen übrigens? Für
Kuhjungen und Lumpenpack!«
Der Apotheker ging vorüber in schwarzem Rock, gelben Buxen,
Lackschuhen und -- ausnahmsweise (statt des gewohnten Käppchens)
-- einem Hut von niedriger Form.
»Ihr Diener!« sagte er. »Ich habs eilig!«
Als die dicke Witwe ihn fragte, wohin er ginge, erwiderte er:
»Es kommt Ihnen komisch vor, nicht wahr? Ich, der ich sonst den
ganzen Tag in meinem Laboratorium stecke wie eine Made im Käse
...«
»In was für Käse?« unterbrach ihn die Wirtin.
»Nein, nein. Das ist nur bildlich gemeint«, entgegnete Homais.
»Ich wollte damit nur sagen, Frau Franz, daß es im allgemeinen
meine Gewohnheit ist, zu Hause zu hocken. Heute freilich muß ich
in Anbetracht ...«
»Ah! Sie gehen auch hin?« fragte sie in geringschätzigem Tone.
»Gewiß gehe ich hin!« sagte der Apotheker erstaunt. »Ich gehöre ja
zu den Preisrichtern!«
Die Löwenwirtin sah ihn ein paar Sekunden an, schließlich meinte
sie lächelnd:
»Das ist was anders! Aber was geht Sie eigentlich die
Landwirtschaft an? Verstehen Sie denn was davon?«
»Selbstverständlich verstehe ich etwas davon! Ich bin doch
Pharmazeut, also Chemiker. Und die Chemie, Frau Franz, beschäftigt
sich mit den Wechselwirkungen und den Molekularverhältnissen aller
Körper, die in der Natur vorkommen. Folglich gehört auch die
Landwirtschaft in das Gebiet meiner Wissenschaft. In der Tat, die
Zusammensetzung der Düngemittel, die Gärungen der Säfte, die
Analyse der Gase und die Wirkung der Miasmen .., ich bitte Sie,
was ist das weiter als pure bare Chemie?«
Die Löwenwirtin erwiderte nichts, und Homais fuhr fort:
»Glauben Sie denn: um Agronom zu sein, müsse man selber in der
Erde gebuddelt oder Gänse genudelt haben? Keine Spur! Aber die
Beschaffenheit der Substanzen, mit denen der Landwirt zu tun hat,
die muß man unbedingt studiert haben, die geologischen
Gruppierungen, die atmosphärischen Vorkommnisse, die
Beschaffenheit des Erdbodens, des Gesteins, des Wassers, die
Dichtigkeit der verschiedenen Körper und ihre Kapillarität! Und
tausend andre Dinge! Dazu muß man mit den Grundsätzen der Hygiene
völlig vertraut sein, um den Bau von Gebäuden, die Unterhaltung
der Haus- und Arbeitstiere und die Ernährung der Dienstboten
leiten und kontrollieren zu können. Fernerhin, Frau Franz, muß man
die Botanik intus haben. Man muß die Pflanzen unterscheiden
können, verstehen Sie, die nützlichen von den schädlichen, die
nutzlosen und die nahrhaften, welche Arten man vertilgen und
welche man pflegen, welche man hier wegnehmen und dort anpflanzen
muß. Kurz und gut, man muß sich in der Wissenschaft auf dem
Laufenden halten, indem man die Broschüren und die öffentlichen
Bekanntmachungen liest, und immer auf dem Damme sein, um mit dem
Fortschritte zu gehen ...«
Die Wirtin ließ unterdessen den Eingang des Café Français nicht
aus den Augen. Der Apotheker redete weiter:
»Wollte Gott, unsre Agrarier wären zugleich Chemiker, oder sie
hörten wenigstens besser auf die Ratschläge der Wissenschaft! Da
habe ich kürzlich selbst eine große Abhandlung verfaßt, eine
Denkschrift von mehr als 72 Seiten, betitelt: »Der Apfelwein.
Seine Herstellung und seine Wirkung. Nebst einigen neuen
Betrachtungen hierüber.« Ich habe sie der »Rouener Agronomischen
Gesellschaft« übersandt, die mich daraufhin unter ihre
Ehrenmitglieder (Sektion Landwirtschaft, Abteilung für Pomologie)
aufgenommen hat. Ja, wenn so ein Werk gedruckt erschiene ...«
Der Apotheker hielt ein. Er merkte, daß Frau Franz von etwas ganz
andrem in Anspruch genommen war.
»Sehr richtig!« unterbrach er sich selber. »Eine unglaubliche
Spelunke!«
Die Löwenwirtin zuckte so heftig die Achseln, daß sich die Maschen
ihrer Trikottaille weit auseinanderzogen. Mit beiden Händen
deutete sie auf das Konkurrenzlokal, aus dem wüster Gesang
herüberhallte.
»Na! Lange wird die Herrlichkeit da drüben nicht mehr dauern!«
bemerkte sie. »In acht Tagen ist der Rummel alle!«
Homais trat erschrocken einen Schritt zurück. Die Wirtin kam die
drei Stufen herunter und flüsterte ihm ins Ohr:
»Was? Das wissen Sie nicht? Noch in dieser Woche wird er
ausgepfändet und festgesetzt. Lheureux hat ihm den Hals
abgeschnitten. Mit Wechseln!«
»Eine fürchterliche Katastrophe!« rief der Apotheker aus, der für
alle möglichen Ereignisse immer das passende Begleitwort zur Hand
hatte.
Die Löwenwirtin begann ihm nun die ganze Geschichte zu erzählen.
Sie wußte sie von Theodor, dem Diener des Notars. Obgleich sie
Tellier, den Besitzer des Café Français, nicht ausstehen konnte,
mißbilligte sie doch das Vorgehen von Lheureux. Sie nannte ihn
einen Gauner, einen Halsabschneider.
»Da! Sehen Sie!« fügte sie hinzu. »Da geht er! Unter den Hallen!
Jetzt begrüßt er Frau Bovary. Sie hat einen grünen Hut auf und
geht am Arm von Herrn Boulanger.«
»Frau Bovary!« echote Homais. »Ich muß ihr schnell guten Tag
sagen. Vielleicht ist ihr ein reservierter Platz auf der Tribüne
vor dem Rathause erwünscht.«
Ohne auf die Löwenwirtin zu hören, die ihm ihre lange Geschichte
weitererzählen wollte, stolzierte der Apotheker davon. Mit
lächelnder Miene grüßte er nach links und rechts, wobei ihn die
langen Schöße seines schwarzen Rockes im Winde umflatterten, daß
er wer weiß wieviel Raum einnahm.
Rudolf hatte ihn längst bemerkt. Er beschleunigte seine Schritte.
Da aber Emma außer Atem kam, ging er wieder langsamer. Lachend und
in brutalem Tone sagte er zu ihr:
»Ich wollte nur dem Dicken entgehen, wissen Sie, dem Apotheker!«
Sie versetzte ihm eins mit dem Ellbogen.
»Was soll das heißen?« fragte er sie. Dabei blinzelte er sie im
Weitergehen von der Seite an.
Ihr Gesicht blieb unbeweglich; nichts darin verriet ihre Gedanken.
Die Linie ihres Profils schnitt sich scharf in die lichte Luft,
unter der Rundung ihres Kapotthutes, dessen blaßfarbene
Bindebänder wie Schilfblätter aussahen. Ihre Augen blickten
geradeaus unter ihren etwas nach oben gebogenen langen Wimpern.
Obgleich sie völlig geöffnet waren, erschienen sie doch ein wenig
zugedrückt durch den oberen Teil der Wangen, weil das Blut die
feine Haut straffte. Durch die Nasenwand schimmerte Rosenrot, und
zwischen den Lippen glänzte das Perlmutter ihrer spitzen Zähne.
Den Kopf neigte sie zur einen Schulter.
»Mokiert sie sich über mich?« fragte sich Rudolf.
In Wirklichkeit hatte der Ruck, den ihm Emma versetzt hatte, nur
ein Zeichen sein sollen, daß Lheureux neben ihnen herlief. Von
Zeit zu Zeit redete der Händler die beiden an, um mit ihnen ins
Gespräch zu kommen.
»Ein herrlicher Tag heute! -- Alle Welt ist auf den Beinen! -- Wir
haben Ostwind!«
Frau Bovary wie Rudolf gaben kaum eine Antwort, während Lheureux
bei der geringsten Bewegung, die eins der beiden machte, mit einem
ewigen »Wie meinen?« dazwischenfuhr, wobei er jedesmal den Hut
lüftete.
Vor der Schmiede bog Rudolf mit einem Male von der Hauptstraße ab
in einen Fußweg ein. Er zog Frau Bovary mit sich und rief laut:
»Leben Sie wohl, Herr Lheureux! Viel Vergnügen!«
»Den haben Sie aber fein abgeschüttelt!« lachte Emma.
»Warum sollen wir uns von fremden Leuten belästigen lassen?«
meinte Rudolf. »Noch dazu heute, wo ich das Glück habe, mit
Ihnen ...«
Sie wurde rot. Er vollendete seine Phrase nicht und sprach vom
schönen Wetter und wie hübsch es sei, so durch die Fluren
spazieren zu gehen.
Ein paar Gänseblümchen standen am Raine.
»Die niedlichen Dinger da!« sagte er. »Und so viele! Genug Orakel
für die verliebten Mädels des ganzen Landes!« Ein paar Augenblicke
später setzte er hinzu: »Soll ich welche pflücken? Was denken Sie
darüber?«
»Sind Sie denn verliebt?« fragte Emma und hustete ein wenig.
»Wer weiß?« meinte Rudolf.
Sie kamen auf die Festwiese, auf der das Gedränge immer mehr
zunahm. Bauersfrauen mit Riesenregenschirmen, einen Korb am einen
und einen Säugling im andern Arme, rempelten sie an. Häufig mußten
sie Platz machen, wenn eine lange Reihe nach Milch riechender
Dorfschönen in blauen Strümpfen, derben Schuhen und silbernen
Ohrringen vorbeizog, alle Hand an Hand.
Die Preisverteilung fand statt. Die Züchter traten, einer nach dem
andern, in eine Art Arena, die durch ein langes Seil an Pfählen
gebildet wurde. Innerhalb des so abgegrenzten Raumes standen die
Tiere, mit den Schnauzen nach außen, die ungleich hohen Kruppen in
einer unordentlichen Richtungslinie. Schläfrige Schweine wühlten
mit ihren Rüsseln in der Erde. Kälber brüllten, Schafe blökten.
Kühe lagen hingestreckt, die Bäuche im Grase, die Beine
eingezogen, kauten gemächlich wieder und zuckten mit ihren
schwerfälligen Lidern, wenn die sie umschwärmenden Bremsen
stachen. Pferdeknechte, die Arme entblößt, hielten an
Trensenzügeln steigende Zuchthengste, die mit geblähten Nüstern
nach der Seite hin wieherten, wo die Stuten standen. Diese
verhielten sich friedlich und ließen die Köpfe und Mähnen hängen,
während ihre Füllen in ihrem Schatten ruhten und ab und zu an
ihnen saugten. Über der wogenden Masse aller dieser Leiber sah man
von weitem hie und da das Weiß einer Mähne wie eine Springflut im
Winde aufwehen oder ein spitzes Horn hervorspringen, und überall
dazwischen die Häupter wimmelnder Menschen. Außerhalb der
Umseilung, etwa hundert Schritte davon entfernt, stand --
unbeweglich wie aus Bronze gegossen -- ein großer schwarzer Stier
mit verbundenen Augen und einem Eisenring durch die Nase. Ein
zerlumptes Kind hielt ihn an einem Stricke.
Ein paar Herren schritten langsam zwischen den beiden Reihen hin,
besichtigten jedes Tier einzeln und eingehend und berieten sich
jedesmal hinterher in flüsternder Weise. Einer von ihnen, offenbar
der Einflußreichste, schrieb im Gehen Bemerkungen in ein Buch. Das
war der Vorsitzende der Preisrichter, Herr Derozerays, Besitzer
des Rittergutes La Panville. Als er Rudolf bemerkte, ging er
lebhaft auf ihn zu und sagte verbindlich-freundlich zu ihm:
»Herr Boulanger, Sie lassen uns ja im Stich?«
Rudolf versicherte, er werde gleich zur Stelle sein. Als er jedoch
außer Hörweite des Vorsitzenden war, meinte er:
»Der Fuchs soll mich holen, wenn ich hinginge! Ich bleibe lieber
bei Ihnen!«
Er machte seine Witze über das Preisrichterkollegium, was ihn aber
nicht abhielt, seinen eignen Ausweis als Mitglied des
Festausschusses mit Grandezza zu zeigen, wenn er irgendwo
durchwollte, wo ein Schutzmann stand. Mehrfach blieb er auch vor
dem oder jenem »Prachtstück« stehen. Frau Bovary bewunderte nichts
mit. Das beobachtete er, und nun begann er spöttische Bemerkungen
über die Toiletten der Damen von Yonville loszulassen. Dabei
entschuldigte er sich, daß er selber auch nicht elegant gehe.
Seine Kleidung war ein Nebeneinander von Alltäglichkeit und
Ausgesuchtheit. Der oberflächliche Menschenkenner hält derlei
meist für das äußere Kennzeichen einer exzentrischen Natur, die
bizarr in ihrem Gefühlsleben, künstlerisch beanlagt und allem
Herkömmlichen abhold ist, und empfindet Ärgernis oder Bewunderung
davor. Rudolfs weißes Batisthemd mit gefälteten Manschetten
bauschte sich im Ausschnitt seiner grauen Flanellweste, wie es dem
Winde gerade gefiel; seine breitgestreiften Hosen reichten nur bis
an die Knöchel und ließen die gelben Halbschuhe ganz frei, auf
deren spiegelblanke Lackspitzen das Gras Reflexe warf. Er trat
unbekümmert in die Pferdeäpfel. Eine Hand hatte er in der
Rocktasche, und der Hut saß ihm schief auf dem Kopfe.
»Ein Bauer wie ich ...«, meinte er.
»Bei dem ist Hopfen und Malz verloren«, scherzte Emma.
»Sehr richtig! Übrigens ist kein einziger von all diesen
Biedermännern imstande, den Schnitt eines Rockes zu beurteilen.«
Dann sprachen sie von dem Leben in der Provinz, wo die Eigenart
des einzelnen erstickt und das Leben keinen Schwung hat.
»Darum verfalle ich der Melancholie ...«, sagte er.
»Sie?« erwiderte Emma erstaunt. »Ich halte Sie gerade für sehr
lebenslustig.«
»Ach, das sieht nur so aus! Weil ich vor den Leuten die Maske des
Spötters trage. Aber wie oft habe ich mich beim Anblick eines
Friedhofes im Mondenscheine gefragt, ob einem nicht am wohlsten
wäre, wenn man schliefe, wo die Toten schlafen ...«
»Sie haben doch Freunde. Vergessen Sie die nicht!«
»Ich? Freunde? Welche denn? Ich habe keine. Um mich kümmert sich
niemand.«
Dabei gab er einen pfeifenden Ton von sich.
Sie mußten sich einen Augenblick voneinander trennen, weil sich
ein Mann zwischen sie drängte, der einen Turm von Stühlen
schleppte. Er war derartig überladen, daß man nichts von ihm sah
als seine Holzpantoffeln und seine Ellbogen. Es war Lestiboudois,
der Totengräber, der ein Dutzend Kirchenstühle herbeischaffte.
Findig, wie er immer war, wo es etwas zu verdienen gab, war er auf
den Einfall gekommen, aus dem Bundestage seinen Vorteil zu
schlagen. Und damit hatte er sich nicht verrechnet; er wußte gar
nicht, wen er zuerst befriedigen sollte. Die Bauern, denen es heiß
war, rissen sich förmlich um diese Stühle, deren Strohsitze nach
Weihrauch dufteten. Sie lehnten sich mit wahrer Kirchenstimmung
gegen die hohen wachsbeklecksten Stuhlrücken.
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