Zeichn ihn, Antonius. Lepidus. Mit dem Beding, daß Publius nicht lebe, Der Eurer Schwester Sohn ist, Mark Anton. Antonius. Er lebe nicht; sieh her, ein Strich verdammt ihn. Doch Lepidus, geht Ihr zu Cäsars Haus, Bringt uns sein Testament; wir wollen sehn, Was an Vermächtnissen sich kürzen läßt. Lepidus. Wie? Soll ich hier euch finden? Octavius. Hier oder auf dem Kapitol. (Lepidus ab.) Antonius. Dies ist ein schwacher, unbrauchbarer Mensch, Zum Botenlaufen nur geschickt. Verdient er, Wenn man die dreibenannte Welt verteilt, Daß er als dritter Mann sein Teil empfange? Octavius. Ihr glaubtet es und hörtet auf sein Wort, Wen man im schwarzen Rate unsrer Acht Zum Tode zeichnen sollte. Antonius. Octavius, ich sah mehr Tag' als Ihr. Ob wir auf diesen Mann schon Ehren häufen, Um manche Last des Leumunds abzuwälzen, Er trägt sie doch nur wie der Esel Gold, Der unter dem Geschäfte stöhnt und schwitzt, Geführt, getrieben, wie den Weg wir weisen; Und hat er unsern Schatz, wohin wir wollen, Gebracht, dann nehmen wir die Last ihm ab Und lassen ihn als ledgen Esel laufen, Daß er die Ohren schütteln mög und grasen Auf offner Weide. Octavius. Tut, was Euch beliebt; Doch ist er ein geprüfter, wackrer Krieger. Antonius. Das ist mein Pferd ja auch, Octavius, Dafür bestimm ich ihm sein Maß von Futter. Ist's ein Geschöpf nicht, das ich lehre fechten, Umwenden, halten, grade vorwärts rennen, Des körperliches Tun mein Geist regiert? In manchem Sinn ist Lepidus nichts weiter: Man muß ihn erst abrichten, lenken, mahnen; Ein Mensch von dürftgem Geiste, der sich nährt Von Gegenständen, Künsten, Nachahmungen, Die, alt und schon von andern abgenutzt, Erst seine Mode werden. Sprecht nicht anders Von ihm als einem Werkzeug nur.--Und nun, Octavius, vernehmet große Dinge: Brutus und Cassius werben Völker an, Wir müssen ihnen stracks die Spitze bieten; Drum laßt die Bundsgenossen uns versammeln, Die Freunde sichern, alle Macht aufbieten; Und laßt zu Rat uns sitzen alsobald, Wie man am besten Heimliches entdeckt Und offnen Fährlichkeiten sicher trotzt. Octavius. Das laßt uns tun; denn uns wird aufgelauert, Und viele Feinde bellen um uns her; Und manche, so da lächeln, fürcht ich, tragen Im Herzen tausend Unheil. (Beide ab.) Zweite Szene Vor Brutus' Zelte im Lager nahe bei Sardes Trommeln werden gerührt. Brutus, Lucilius, Lucius und Soldaten treten auf. Pindarus und Titinius kommen ihnen entgegen Brutus. Halt! Lucilius. He! Gebt das Wort und haltet. Brutus. Was gibt's, Lucilius? Ist Cassius nahe? Lucilius. Er ist nicht weit, und hier kommt Pindarus, Im Namen seines Herrn Euch zu begrüßen. (Pindarus überreicht dem Brutus einen Brief.) Brutus. Sein Gruß ist freundlich. Wißt, daß Euer Herr, Von selbst verändert oder schlecht beraten, Mir gültgen Grund gegeben, ungeschehn Geschehenes zu wünschen. Aber ist er Hier in der Näh, so wird er mir genugtun. Pindarus. Ich zweifle nicht, voll Ehr und Würdigkeit Wird, wie er ist, mein edler Herr erscheinen. Brutus. Wir zweifeln nicht an ihm.--Ein Wort, Lucilius: Laßt mich erfahren, wie er Euch empfing. Lucilius. Mit Höflichkeit und Ehrbezeugung gnug, Doch nicht mit so vertrauter Herzlichkeit, Nicht mit so freiem, freundlichem Gespräch, Als er vordem wohl pflegte. Brutus. Du beschreibst, Wie warme Freund' erkalten. Merke stets Lucilius, wenn Lieb erkrankt und schwindet, Nimmt sie gezwungne Höflichkeiten an. Einfältge, schlichte Treu weiß nichts von Künsten; Doch Gleisner sind wie Pferde, heiß im Anlauf: Sie prangen schön mit einem Schein von Kraft; Doch sollen sie den blutgen Sporn erdulden, So sinkt ihr Stolz, und falschen Mähren gleich Erliegen sie der Prüfung.--Naht sein Heer? Lucilius. Sie wollten Nachtquartier in Sardes halten. Der größte Teil, die ganze Reiterei Kommt mit dem Cassius. (Ein Marsch hinter der Szene.) Brutus. Horch! Er ist schon da. Rückt langsam ihm entgegen. Cassius tritt auf mit Soldaten. Cassius. Halt! Brutus. Halt! Gebt das Befehlswort weiter. (Hinter der Szene: Halt!--Halt!--Halt!) Cassius. Ihr tatet mir zu nah, mein edler Brutus. Brutus. Ihr Götter, richtet! Tu ich meinen Feinden Zu nah? und sollt ich's meinem Bruder tun? Cassius. Brutus, dies Euer würdiges Benehmen Deckt Unrecht zu, und wenn Ihr es begeht-- Brutus. Seid ruhig, Cassius! bringet leise vor, Was für Beschwerd Ihr habt.--Ich kenn Euch wohl. Im Angesicht der beiden Heere hier, Die nichts von uns als Liebe sehen sollten, Laßt uns nicht hadern. Heißt hinweg sie ziehn; Führt Eure Klagen dann in meinem Zelt; Ich will Gehör Euch geben. Cassius. Pindarus, Heißt unsre Obersten ein wenig weiter Von diesem Platz hinweg die Scharen führen. Brutus. Tut Ihr das auch, Lucilius. Laßt niemand, Solang die Unterredung dauert, ein. Laßt Lucius und Titinius Wache stehn. (Alle ab.) Dritte Szene Im Zelte des Brutus Lucius und Titinius in einiger Entfernung davon. Brutus und Cassius treten auf Cassius. Eur Unrecht gegen mich erhellet hieraus: Ihr habt den Lucius Pella hart verdammt, Weil er bestochen worden von den Sardern; Mein Brief, worin ich mich für ihn verwandt, Weil ich ihn kenne, ward für nichts geachtet. Brutus. Ihr tatet Euch zu nah, in solchem Fall zu schreiben. Cassius. In solcher Zeit, wie diese, ziemt es nicht, Daß jeder kleine Fehl bekrittelt werde. Brutus. Laßt mich Euch sagen, Cassius, daß Ihr selbst Verschrien seid, weil Ihr hohle Hände macht, Weil Ihr an Unverdiente Eure Ämter Verkauft und feilschet. Cassius. Mach ich hohle Hände? Ihr wißt wohl, Ihr seid Brutus, der dies sagt, Sonst, bei den Göttern! wär dies Wort Eur letztes. Brutus. Des Cassius Name adelt die Bestechung, Darum verbirgt die Züchtigung ihr Haupt. Cassius. Die Züchtigung! Brutus. Denkt an den März, denkt an des Märzen Idus! Hat um das Recht der große Julius nicht Geblutet? Welcher Bube legt' an ihn Die Hand wohl, schwang den Stahl, und nicht ums Recht? Wie? Soll nun einer derer, die den ersten Von allen Männern dieser Welt erschlugen, Bloß, weil er Räuber schützte: sollen wir Mit schnöden Gaben unsre Hand besudeln? Und unser Würden weiten Kreis verkaufen Für soviel Plunders, als man etwa greift? Ein Hund sein lieber und den Mond anbellen, Als solch ein Römer! Cassius. Brutus, reizt mich nicht! Ich will's nicht dulden. Ihr vergeßt Euch selbst, Wenn Ihr mich so umzäunt; ich bin ein Krieger, Erfahrner, älter, fähiger als Ihr, Bedingungen zu machen. Brutus. Redet nur,-- Ihr seid es doch nicht, Cassius. Cassius. Ich bin's. Brutus. Ich sag, Ihr seid es nicht. Cassius. Drängt mich nicht mehr, ich werde mich vergessen; Gedenkt an Euer Heil, reizt mich nicht länger. Brutus. Geht, leichtgesinnter Mann! Cassius. Ist's möglich? Brutus. Hört mich an, denn ich will reden. Muß ich mich Eurer jähen Hitze fügen? Muß ich erschrecken, wenn ein Toller starrt? Cassius. Ihr Götter! Götter! muß ich all dies dulden? Brutus. All dies? Noch mehr! Ergrimmt, bis es Euch birst, Das stolze Herz. Geht, zeiget Euren Sklaven, Wie rasch zum Zorn Ihr seid, und macht sie zittern. Muß ich beiseit mich drücken? muß den Hof Euch machen? Muß ich dastehn und mich krümmen Vor Eurer krausen Laune? Bei den Göttern! Ihr sollt hinunterwürgen Euren Gift, Und wenn Ihr börstet; denn von heute an Dient Ihr zum Scherz, ja zum Gelächter mir, Wenn Ihr Euch so gebärdet. Cassius. Dahin kam's? Brutus. Ihr sagt, daß Ihr ein beßrer Krieger seid: Beweist es denn, macht Euer Prahlen wahr. Es soll mir lieb sein; denn, was mich betrifft, Ich werde gern von edlen Männern lernen. Cassius. Ihr tut zu nah, durchaus zu nah mir, Brutus. Ich sagt, ein ältrer Krieger, nicht ein beßrer. Sagt ich, ein beßrer? Brutus. Und hättet Ihr's gesagt, mir gilt es gleich. Cassius. Mir hätte Cäsar das nicht bieten dürfen. Brutus. O schweigt! Ihr durftet ihn auch nicht so reizen. Cassius. Ich durfte nicht? Brutus. Nein. Cassius. Wie? Durft ihn nicht reizen? Brutus. Ihr durftet es für Euer Leben nicht. Cassius. Wagt nicht zuviel auf meine Liebe hin, Ich möchte tun, was mich nachher gereute. Brutus. Ihr habt getan, was Euch gereuen sollte. Eur Drohn hat keine Schrecken, Cassius; Denn ich bin so bewehrt durch Redlichkeit, Daß es vorbeizieht wie der leere Wind, Der nichts mir gilt. Ich sandte hin zu Euch Um eine Summe Golds, die Ihr mir abschlugt. Ich kann kein Geld durch schnöde Mittel heben. Beim Himmel! lieber prägt ich ja mein Herz Und tröpfelte mein Blut für Drachmen aus Als daß ich aus der Bauern harten Händen Die jämmerliche Habe winden sollte Durch irgendeinen Schlich.--Ich sandt um Gold zu Euch, Um meine Legionen zu bezahlen; Ihr schlugt mir's ab: war das, wie Cassius sollte? Hätt ich dem Cajus Cassius so erwidert? Wenn Marcus Brutus je so geizig wird, Daß er so lumpge Pfennige den Freunden Verschließt, dann rüstet eure Donnerkeile, Zerschmettert ihn, ihr Götter! Cassius. Ich schlug es Euch nicht ab. Brutus. Ihr tatet es. Cassius. Ich tat's nicht; der Euch meine Antwort brachte, War nur ein Tor.--Brutus zerreißt mein Herz-- Es sollt ein Freund des Freundes Schwächen tragen, Brutus macht meine größer, als sie sind. Brutus. Das tu ich nicht, bis Ihr damit mich quält. Cassius. Ihr liebt mich nicht. Brutus. Nicht Eure Fehler lieb ich. Cassius. Nie konnt ein Freundesaug dergleichen sehn. Brutus. Des Schmeichlers Auge säh sie nicht, erschienen Sie auch so riesenhaft wie der Olymp. Cassius. Komm, Mark Anton, und komm, Octavius, nur! Nehmt eure Rach allein am Cassius; Denn Cassius ist des Lebens überdrüssig, Gehaßt von einem, den er liebt; getrotzt Von seinem Bruder; wie ein Knecht gescholten. Man späht nach allen meinen Fehlern, zeichnet Sie in ein Denkbuch, lernt sie aus dem Kopf, Wirft sie mir in die Zähne.--Oh, ich könnte Aus meinen Augen meine Seele weinen! Da ist mein Dolch, hier meine nackte Brust; Ein Herz drin, reicher als des Plutus Schacht, Mehr wert als Gold; wo du ein Römer bist, So nimm's heraus. Ich, der dir Gold versagt, Ich biete dir mein Herz. Stoß zu, wie einst Auf Cäsar! Denn ich weiß, als du am ärgsten Ihn haßtest, liebtest du ihn mehr, als je Du Cassius geliebt. Brutus. Steckt Euren Dolch ein! Seid zornig, wenn Ihr wollt: es steh Euch frei! Tut, was Ihr wollt, Schmach soll für Laune gelten. O Cassius! einem Lamm seid Ihr gesellt, Das so nur Zorn hegt wie der Kiesel Feuer, Der, viel geschlagen, flüchtge Funken zeigt Und gleich drauf wieder kalt ist. Cassius. Lebt ich dazu, Ein Scherz nur und Gelächter meinem Brutus Zu sein, wenn Gram und böses Blut mich plagt? Brutus. Als ich das sprach, hatt ich auch böses Blut. Cassius. Gesteht Ihr soviel ein? Gebt mir die Hand. Brutus. Und auch mein Herz. Cassius. O Brutus! Brutus. Was verlangt Ihr? Cassius. Liebt Ihr mich nicht genug, Geduld zu haben, Wenn jene rasche Laune, von der Mutter Mir angeerbt, macht, daß ich mich vergesse? Brutus. Ja, Cassius; künftig, wenn Ihr allzu streng Mit Eurem Brutus seid, so denket er, Die Mutter schmäl aus Euch, und läßt Euch gehn. (Lärm hinter der Szene.) Ein Poet (hinter der Szene). Laßt mich hinein, ich muß die Feldherrn sehn. Ein Zank ist zwischen ihnen; 's ist nicht gut, Daß sie allein sind. Lucilius (hinter der Szene). Ihr sollt nicht hinein. Poet (hinter der Szene). Der Tod nur hält mich ab. Der Poet tritt ein. Cassius. Ei nun, was gibt's? Poet. Schämt ihr euch nicht, ihr Feldherrn? Was beginnt ihr? Liebt euch, wie sich's für solche Männer schickt; Fürwahr, ich hab mehr Jahr' als ihr erblickt. Cassius. Ha, ha! wie toll der Zyniker nicht reimt! Brutus. Ihr Schlingel, packt Euch! Fort, verwegner Bursch! Cassius. Ertragt ihn, Brutus! seine Weis ist so. Brutus. Kennt er die Zeit, so kenn ich seine Laune. Was soll der Krieg mit solchen Schellennarren? Geh fort, Gesell! Cassius. Fort! fort! geh deines Wegs! (Der Poet ab.) Lucilius und Titinius kommen. Brutus. Lucilius und Titinius, heißt die Obersten Auf Nachtquartier für ihre Scharen denken. Cassius. Kommt selber dann und bringt mit euch Messala Sogleich zu uns herein. (Lucilius und Titinius ab.) Brutus. Lucius, eine Schale Weins. Cassius. Ich dachte nicht, daß Ihr so zürnen könntet. Brutus. O Cassius, ich bin krank an manchem Gram. Cassius. Ihr wendet die Philosophie nicht an, Die ihr bekennt, gebt Ihr zufällgen Übeln Raum. Brutus. Kein Mensch trägt Leiden besser.--Portia starb. Cassius. Ha! Portia! Brutus. Sie ist tot. Cassius. Lag das im Sinn Euch, wie entkam ich lebend? O bittrer, unerträglicher Verlust! An welcher Krankheit? Brutus. Die Trennung nicht erduldend; Und Gram, daß mit Octavius Mark Anton So mächtig worden--denn mit ihrem Tod Kam der Bericht--das brachte sie von Sinnen, Und wie sie sich allein sah, schlang sie Feuer. Cassius. Und starb so? Brutus. Starb so. Cassius. O ihr ewgen Götter! Lucius kommt mit Wein und Kerzen. Brutus. Sprecht nicht mehr von ihr.--Gebt eine Schale Weins! Hierin begrab ich allen Unglimpf, Cassius. (Trinkt.) Cassius. Mein Herz ist durstig, Euch Bescheid zu tun. Füllt, Lucius, bis der Wein den Becher kränzt; Von Brutus' Liebe trink ich nie zuviel. (Trinkt.) Titinius und Messala kommen. Brutus. Herein, Titinius! Seid gegrüßt, Messala! Nun laßt uns dicht um diese Kerze sitzen Und, was uns frommt, in Überlegung ziehn. Cassius. O Portia, bist du hin! Brutus. Nicht mehr, ich bitt Euch! Messala, seht, ich habe Brief' empfangen, Daß Mark Anton, mit ihm Octavius, Heranziehn gegen uns mit starker Macht Und ihren Heerzug nach Philippi lenken. Messala. Ich habe Briefe von demselben Inhalt. Brutus. Mit welchem Zusatz? Messala. Daß durch Proskription und Achtserklärung Octavius, Mark Anton und Lepidus Auf hundert Senatoren umgebracht. Brutus. Darüber weichen unsre Briefe ab. Der meine spricht von siebzig Senatoren, Die durch die Ächtung fielen; Cicero Sei einer aus der Zahl. Cassius. Auch Cicero? Messala. Ja, er ist tot, und durch den Achtsbefehl.-- Kam Euer Brief von Eurer Gattin, Herr? Brutus. Nein, Messala. Messala. Und meldet Euer Brief von ihr Euch nichts? Brutus. Gar nichts, Messala. Messala. Das bedünkt mich seltsam. Brutus. Warum? Wißt Ihr aus Eurem Brief von ihr? Messala. Nein, Herr. Brutus. Wenn Ihr ein Römer seid, sagt mir die Wahrheit. Messala. Tragt denn die Wahrheit, die ich sag, als Römer: Sie starb, und zwar auf wunderbare Weise. Brutus. Leb wohl denn, Portia!--Wir müssen sterben, Messala; dadurch, daß ich oft bedacht, Sie müß einst sterben, hab ich die Geduld, Es jetzt zu tragen. Messala. So trägt ein großer Mann ein großes Unglück. Cassius. Durch Kunst hab ich soviel hievon als ihr, Doch die Natur ertrüg's in mir nicht so. Brutus. Wohlan, zu unserm lebenden Geschäft! Was denkt Ihr? Ziehn wir nach Philippi gleich? Cassius. Mir scheint's nicht ratsam. Brutus. Euer Grund? Cassius. Hier ist er: Weit besser ist es, wenn der Feind uns sucht; So wird er, sich zum Schaden, seine Mittel Erschöpfen, seine Krieger müde machen. Wir liegen still indes, bewahren uns In Ruh wehrhaften Stand und Munterkeit. Brutus. Den bessern Gründen müssen gute weichen. Das Land von hier bis nach Philippi hin Beweist uns nur aus Zwang Ergebenheit, Denn murrend hat es Lasten uns gezahlt. Der Feind, indem er durch dasselbe zieht, Wird seine Zahl daraus ergänzen können Und uns erfrischt, vermehrt, ermutigt nahn. Von diesem Vorteil schneiden wir ihn ab, Wenn zu Philippi wir die Stirn ihm bieten, Dies Volk im Rücken. Cassius. Hört mich, lieber Bruder! Brutus. Erlaubt mir gütig!--Ferner müßt Ihr merken, Daß wir von Freunden alles aufgeboten, Daß unsre Legionen übervoll Und unsre Sache reif. Der Feind nimmt täglich zu; Wir, auf dem Gipfel, stehn schon an der Neige. Der Strom der menschlichen Geschäfte wechselt; Nimmt man die Flut wahr, führet sie zum Glück; Versäumt man sie, so muß die ganze Reise Des Lebens sich durch Not und Klippen winden. Wir sind nun flott auf solcher hohen See Und müssen, wenn der Strom uns hebt, ihn nutzen; Wo nicht, geht unser schwimmend Gut verloren. Cassius. So zieht denn, wie Ihr wollt; wir rücken selbst Dem Feind entgegen nach Philippi vor. Brutus. Die tiefe Nacht hat das Gespräch beschlichen, Und die Natur muß frönen dem Bedürfnis, Das mit ein wenig Ruh wir täuschen wollen. Ist mehr zu sagen noch? Cassius. Nein. Gute Nacht! Früh stehn wir also morgen auf, und fort. Brutus. Lucius, mein Schlafgewand! (Lucius ab.) Lebt wohl, Messala! Gute Nacht, Titinius! Edler, edler Cassius, Gute Nacht und sanfte Ruh! Cassius. O teurer Bruder, Das war ein schlimmer Anfang dieser Nacht. Nie trenne solcher Zwiespalt unsre Herzen, Nie wieder, Brutus. Brutus. Alles steht ja wohl. Cassius. Nun, gute Nacht! Brutus. Gute Nacht, mein guter Bruder! Titinius und Messala. Mein Feldherr, gute Nacht! Brutus. Lebt alle wohl. (Cassius, Titinius und Messala ab.) Lucius kommt zurück mit dem Nachtkleide. Brutus. Gib das Gewand, wo hast du deine Laute? Lucius. Im Zelte hier. Brutus. Wie? Schläfrig? Armer Schelm, Ich tadle drum dich nicht; du hast dich überwacht. Ruf Claudius her und andre meiner Leute, Sie sollen hier im Zelt auf Kissen schlafen. Lucius. Varro und Claudius! Varro und Claudius kommen. Varro. Ruft mein Gebieter? Brutus. Ich bitt euch, liegt in meinem Zelt und schlaft; Bald weck ich euch vielleicht, um irgendwas Bei meinem Bruder Cassius zu bestellen. Varro. Wenn's Euch beliebt, wir wollen stehn und warten. Brutus. Das nicht! Nein, legt euch nieder, meine Freunde.-- (Die beiden Diener legen sich nieder.) Vielleicht verändert noch sich mein Entschluß.-- Sieh, Lucius, hier das Buch, das ich so suchte; Ich steckt es in die Tasche des Gewandes. Lucius. Ich wußte wohl, daß mein Gebieter mir Es nicht gegeben. Brutus. Hab Geduld mit mir, Mein guter Junge, ich bin sehr vergeßlich. Hältst du noch wohl die müden Augen auf Und spielst mir ein paar Weisen auf der Laute? Lucius. Ja, Herr, wenn's Euch beliebt. Brutus. Das tut's, mein Junge. Ich plage dich zuviel, doch du bist willig. Lucius. Es ist ja meine Pflicht. Brutus. Ich sollte dich Zur Pflicht nicht über dein Vermögen treiben; Ich weiß, daß junges Blut auf Schlafen hält. Lucius. Ich habe schon geschlafen, mein Gebieter. Brutus. Du tatest recht und sollst auch wieder schlafen. Ich will nicht lang dich halten; wenn ich lebe, Will ich dir Gutes tun. (Musik und ein Lied.) Die Weis ist schläfrig--Mörderischer Schlummer, Legst du die blei'rne Keul auf meinen Knaben, Der dir Musik macht?--Lieber Schelm, schlaf wohl, Ich tu dir's nicht zuleid, daß ich dich wecke; Nickst du, so brichst du deine Laut entzwei; Ich nehm sie weg, und schlaf nun, guter Knabe. Laßt sehn! Ist, wo ich aufgehört zu lesen, Das Blatt nicht eingelegt? Hier, denk ich, ist's. (Er setzt sich.) Der Geist Cäsars erscheint. Wie dunkel brennt die Kerze!--Ha, wer kommt? Ich glaub, es ist die Schwäche meiner Augen, Die diese schreckliche Erscheinung schafft. Sie kommt mir näher--Bist du irgendwas? Bist du ein Gott, ein Engel oder Teufel, Der starren macht mein Blut, das Haar mir sträubt? Gib Rede, was du bist. Geist. Dein böser Engel, Brutus. Brutus. Weswegen kommst du? Geist. Um dir zu sagen, daß du zu Philippi Mich sehn sollst. Brutus. Gut, ich soll dich wiedersehn? Geist. Ja, zu Philippi. (Verschwindet.) Brutus. Nun, zu Philippi will ich denn dich sehn. Nun ich ein Herz gefaßt, verschwindest du; Gern spräch ich mehr mit dir noch, böser Geist.-- Bursch! Lucius!--Varro! Claudius! wacht auf! Claudius! Lucius. Die Saiten sind verstimmt. Brutus. Er glaubt, er sei bei seiner Laute noch. Erwache, Lucius! Lucius. Herr? Brutus. Hast du geträumt, daß du so schrieest, Lucius? Lucius. Ich weiß nicht, mein Gebieter, daß ich schrie. Brutus. Ja doch, was tatst du; sahst du irgendwas? Lucius. Nichts auf der Welt. Brutus. Schlaf wieder, Lucius.--Heda, Claudius! Du, Bursch, wach auf! Varro. Herr? Claudius. Herr? Brutus. Weswegen schriet ihr so in eurem Schlaf? Varro und Claudius. Wir schrieen, Herr? Brutus. Ja, saht ihr irgendwas? Varro. Ich habe nichts gesehn. Claudius. Ich gleichfalls nicht. Brutus. Geht und empfehlt mich meinem Bruder Cassius; Er lasse früh voraufziehn seine Macht, Wir wollen folgen. Varro und Claudius. Herr, es soll geschehn. (Alle ab.) Fünfter Aufzug Erste Szene Die Ebene von Philippi Octavius, Antonius und ihr Heer Octavius. Nun, Mark Anton, wird meine Hoffnung wahr. Ihr spracht, der Feind werd auf den Höhn sich halten Und nicht herab in unsre Ebene ziehn; Es zeigt sich anders: seine Scharen nahn! Sie wollen zu Philippi hier uns mahnen Und Antwort geben, eh wir sie befragt. Antonius. Pah, steck ich doch in ihren Herzen, weiß, Warum sie's tun. Sie wären's wohl zufrieden, Nach andern Plätzen hinzuziehn, und kommen Mit bangem Trotz, im Wahn, durch diesen Aufzug Uns vorzuspiegeln, sie besitzen Mut. Allein dem ist nicht so. Ein Bote tritt auf. Bote. Bereitet euch, ihr Feldherrn. Der Feind rückt an in wohlgeschloßnen Reihn. Sein blutges Schlachtpanier ist ausgehängt, Und etwas muß im Augenblick geschehn. Antonius. Octavius, führet langsam Euer Heer Zur linken Hand der Ebene weiter vor. Octavius. Zur rechten ich; behaupte du die linke. Antonius. Was kreuzt Ihr mich, da die Entscheidung drängt? Octavius. Ich kreuz Euch nicht, doch ich verlang es so. (Marsch.) Trommeln werden gerührt. Brutus und Cassius kommen mit ihrem Heere; Lucilius, Titinius, Messala und andre. Brutus. Sie halten still und wollen ein Gespräch. Cassius. Titinius, steh! Wir treten vor und reden. Octavius. Antonius, geben wir zur Schlacht das Zeichen? Antonius. Nein, Cäsar, laßt uns ihres Angriffs warten. Kommt, tretet vor! Die Feldherrn wünschen ja Ein Wort mit uns. Octavius. Bleibt stehn bis zum Signal. Brutus. Erst Wort, dann Schlag: nicht wahr, ihr Landsgenossen? Octavius. Nicht, daß wir mehr als ihr nach Worten fragen. Brutus. Gut Wort, Octavius, gilt wohl bösen Streich. Antonius. Ihr, Brutus, gebt bei bösem Streich gut Wort. Des zeuget Cäsars Herz, durchbohrt von Euch, Indes Ihr rieft: "Lang lebe Cäsar, Heil!" Cassius. Die Führung Eurer Streiche, Mark Anton, Ist uns noch unbekannt; doch Eure Worte Begehn an Hyblas Bienen Raub und lassen Sie ohne Honig. Antonius. Nicht auch stachellos? Brutus. O ja! auch tonlos, denn Ihr habt ihr Summen Gestohlen, Mark Anton, und drohet weislich, Bevor Ihr stecht. Antonius. Ihr tatet's nicht, Verräter, Als eure schnöden Dolch' einander stachen In Cäsars Brust. Ihr zeigtet eure Zähne Wie Affen, krocht wie Hunde, bücktet tief Wie Sklaven euch und küßtet Cäsars Füße; Derweil von hinten der verfluchte Casca Mit tückschem Bisse Cäsars Nacken traf. O Schmeichler! Cassius. Schmeichler!--Dankt Euch selbst nun, Brutus, Denn diese Zunge würde heut nicht freveln, Wär Cassius' Rat befolgt. Octavius. Zur Sache! kommt! Macht Widerspruch uns schwitzen, So kostet rötre Tropfen der Erweis. Seht! auf Verschworne zück ich dieses Schwert: Wann, denkt ihr, geht es wieder in die Scheide? Nie, bis des Cäsar dreiundzwanzig Wunden Gerächt sind, oder bis ein andrer Cäsar Mit Mord gesättigt der Verräter Schwert. Brutus. Cäsar, du kannst nicht durch Verräter sterben, Du bringest denn sie mit. Octavius. Das hoff ich auch; Von Brutus' Schwert war Tod mir nicht bestimmt. Brutus. , . 1 2 . 3 , , 4 , . 5 6 . 7 ; , . 8 , , 9 ; , 10 . 11 12 . 13 ? ? 14 15 . 16 . ( . ) 17 18 . 19 , , 20 . , 21 , 22 ? 23 24 . 25 , 26 27 . 28 29 . 30 , ' . 31 , 32 , 33 , 34 , 35 , , ; 36 , , 37 , 38 , 39 40 . 41 42 . 43 , ; 44 , . 45 46 . 47 , , 48 . 49 ' , , 50 , , , 51 ? 52 : 53 , , ; 54 , 55 , , , 56 , , 57 . 58 . - - , 59 , : 60 , 61 ; 62 , 63 , ; 64 , 65 66 . 67 68 . 69 ; , 70 ; 71 , , , 72 . ( . ) 73 74 75 76 77 ' 78 79 . , , 80 . 81 82 . 83 ! 84 85 . 86 ! . 87 88 . 89 ' , ? ? 90 91 . 92 , , 93 . 94 95 ( . ) 96 97 . 98 . , , 99 , 100 , 101 . 102 , . 103 104 . 105 , 106 , , . 107 108 . 109 . - - , : 110 , . 111 112 . 113 , 114 , 115 , , 116 . 117 118 . 119 , 120 ' . 121 , , 122 . 123 , ; 124 , : 125 ; 126 , 127 , 128 . - - ? 129 130 . 131 . 132 , 133 . 134 135 ( . ) 136 137 . 138 ! . 139 . 140 141 . 142 143 . 144 ! 145 146 . 147 ! . 148 149 ( : ! - - ! - - ! ) 150 151 . 152 , . 153 154 . 155 , ! 156 ? 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