Vierte Scene. (Prinz John von Lancaster tritt auf.) Lancaster. Mir ist angenehm, mein Vetter Mowbray, euch hier anzutreffen; guten Tag, mein lieber Lord Erzbischoff, und so euch, Lord Hastings, und allen. Milord von York, ihr hattet ein weit bessers Ansehen, wenn euch eure Heerde, von der Gloke versammelt, umzirkelte, voller Ehrfurcht eure Erklärung des heiligen Texts anzuhören, als izt in dieser Gestalt eines eisernen Mannes, in der ihr eine Rotte von Aufrührern mit der Trummel aufreizet, um das Wort in Schwerdt, und Leben in Tod zu verwandeln. Der Mann, der das Herz eines Monarchen hat, und im Sonnenschein seiner Gewogenheit reift, wie viel Böses, wenn er die Macht des Königs mißbrauchen wollte, wie viel Unheil könnte er im Schatten eines solchen Ansehens anrichten? So ist es mit euch bewandt, Lord Bischoff. Wer hat nicht davon gehört, wie tief eure Einsicht in die Bücher des Himmels ist? In unsern Augen seyd ihr der Sprecher in seinem Parlament; wir glauben die Stimme des Himmels selbst zu hören, wenn wir euch hören; wir sehen euch als den Canal an, durch den die Gnaden des Himmels zu uns fliessen, und durch den wir ihm unsre Bitten vortragen. O! wer muß nicht glauben, daß ihr das ehrwürdige Ansehen euers Amts mißbraucht, und gleich einem treulosen Günstling, den Namen euers Fürsten zu Ausübung böser Thaten gelten macht? Ihr habt unter einem verstellten Eifer für die Sache Gottes, die Unterthanen seines Statthalters, meines Vaters, aufgewigelt, und sie, beydes gegen den Himmel und gegen ihn, in diesen Schwarm hier zusammen getrieben. York. Gnädigster Herr, ich bin nicht gegen euern Vater hier; sondern, wie ich bereits dem Lord von Westmorland sagte, die Verwirrung dieser Zeiten treibt uns zusammen, und gruppiert uns in diese ungeheure Form, um unsre Sicherheit zu erhalten. Ich sandte Eu. Durchlaucht die besondern Puncte, worinn wir uns beschwert befinden, und womit wir bey Hofe mit Verachtung abgewiesen worden sind. Daher dieser Aufstand, der durch Gewährung unsrer gerechten Forderungen augenbliklich wieder gestillet werden kan, um zahm und unterwürfig sich zu den Füssen der Majestät hinzulegen. Mowbray. Wo nicht, so sind wir bereit, unser Glük bis auf den lezten Mann zu versuchen. Westmorland. Gefällt es Euer Durchlaucht, ihnen darauf zu antworten, in wie fern ihr ihre Artikel genehmiget? Lancaster. Ich genehmige sie alle, und gestehe sie alle zu; und hier schwör ich, bey dem ehrenvollen Blut von dem ich stamme, meines Vaters Absichten sind mißgedeutet worden, und es sind einige um ihn, die seinen Willen und seine Autorität mit einer übertriebnen Schärfe gelten gemacht haben. Milord, diese Beschwerden sollen schleunig gehoben werden, bey meinem Leben! sie sollen. Wenn ihr hiemit zufrieden seyd, so entlaßt eure Truppen, wie wir mit den unsrigen thun werden; und laßt uns hier zwischen beyden Heeren uns umarmen, und auf unsre wiederhergestellte Freundschaft trinken, damit ihrer allen Augen diese Pfänder unsrer Aussöhnung mit nach Hause tragen mögen. York. Ich nehme euer Fürstliches Wort für die Abstellung dieser Beschwerden. Lancaster. Ich geb' es euch, und will es behaupten; und hiemit trink ich Eu. Gnaden zu. Hastings (zu Coleville.) Geh, Hauptmann, und kündige der Armee diese Friedens-Zeitung an; laß sie ihren Sold haben und gehen; ich weiß, es wird ihnen angenehm seyn. Beschleunige dich, Hauptmann. (Coleville geht ab.) York. Auf euer Wohlseyn, Milord von Westmorland. Westmorland. Ich werde Eu. Gnaden Bescheid thun, und wenn ihr wißtet, wie viele Mühe ich angewandt habe, diesen Frieden zu Stande zu bringen, ihr würdet desto muntrer trinken; aber ich werde künftig Anlas haben, euch meine Freundschaft deutlicher zu zeigen. York. Ich seze keine Zweifel in sie. Westmorland. Es erfreut mich. Auf eure Gesundheit, Milord und Vetter Mowbray. Mowbray. Die Gesundheit die ihr mir wünscht, käme sehr gelegen, denn es wird mir plözlich etwas übel. York. Vor schlimmen Zufällen sind die Menschen gemeiniglich munter, und Bangigkeit ist oft der Vorbote einer glüklichen Begebenheit. Westmorland. Seyd also munter, Vetter, weil diese plözlichen Anstösse von Bangigkeit von so glüklicher Bedeutung sind. York. Glaubt mir, es ist mir ungemein leicht ums Herz. Mowbray. Desto schlimmer, wenn eure eigne Regel wahr ist. (Man hört ein Freuden-Geschrey.) Lancaster. Der Friede ist angekündigt; horcht! wie sie froloken. Mowbray. Nach einem Sieg würde das angenehm getönt haben. York. Ein Frieden ist die glüklichste Art von Erobrung; beyde Theile sind dann überwunden, und keiner verliehrt. Lancaster (zu Westmorland.) Geht, Milord, und entlaßt auch unsre Armee. (Westmorland geht ab.) Und wenn es euch gefällt, mein lieber Lord, so wollen wir die Truppen bey uns vorbeyziehen lassen, damit wir sehen, mit was für Leuten wir uns hätten messen sollen. York. Geht, Lord Hastings, und laßt sie hier vorbey ziehen, eh sie auseinander gehen. (Hastings geht ab.) Lancaster. Ich hoffe, Milords, wir werden diese Nacht beysammen ligen. Fünfte Scene. (Westmorland kommt zurük.) Lancaster. Nun, Vetter, warum bleibt unsre Armee stehen? Westmorland. Die Officiers, welche den Befehl, Stand zu halten, aus Eu. Durchlaucht Mund haben, wollen nicht gehen, bis sie den Befehl dazu von Euch selbst bekommen würden. Lancaster. Sie kennen ihre Schuldigkeit. (Hastings kommt zurük.) Hastings. Milord, unsre Armee ist bereits zerstreut: Gleich jungen noch unbejochten Stieren rennten sie gegen Ost, West, Süd und Nord davon; oder wie, wenn die Schule aus ist, die Schul-Jungens in wimmelndem Gedräng hervor stürmen, und jeder seinem Haus oder seinem Spielplaz zuspringt. Westmorland. Eine gute Zeitung, Milord Hastings, für welche ich dich, Verräther, und euch, Lord Erzbischoff, und euch, Lord Mowbray, sämtlich als des Hochverraths schuldig in Verhaft nehme. Mowbray. Ist das ein erlaubtes und rechtschaffnes Verfahren? Westmorland. War es euer Aufstand? York. Brecht ihr eure Treue so? Lancaster. Ich versprach euch keine; ich versprach euch, daß diesen Beschwerden abgeholfen werden sollte, worüber ihr klagtet, und bey meiner Ehre, ich will es mit der christlichen Sorgfalt halten. Ihr aber, Empörer, empfangt den Lohn eurer Thaten. Der Ausgang eurer thörichten Unternehmung entspricht der Unbesonnenheit ihres Anfangs-- Laßt unsre Trummeln rühren, verfolgt die zerstreuten Flüchtlinge, der Himmel, nicht wir, hat an diesem Tag einen unblutigen Sieg für uns erfochten--Man sorge davor, daß diese Verräther bis zu ihrem Todes-Urtheil wol verwahret werden. (Sie gehen ab.) Sechste Scene. (Ein Kriegs-Getümmel. Excursionen. Falstaff und Coleville treten auf.) Falstaff. Wie ist euer Name, Sir? Von welchem Stand seyd ihr? Und von welchem Plaz, wenn ich bitten darf? Coleville. Ich bin ein Ritter, Sir, und mein Nam ist Coleville vom Thal. Falstaff. Gut, Coleville ist also euer Nam', ein Ritter ist euer Stand, und euer Plaz das Thal. Coleville soll immer euer Name bleiben, ein Verräther euer Stand, und ein Loch im Gefängniß euer Plaz; ein Ort das tief genug ist, damit ihr immer Coleville vom Thal bleibet. Coleville. Seyd ihr nicht Sir John Falstaff? Falstaff. Ein so braver Mann, Sir, als er, ich mag seyn wer ich will; wollt ihr euch ergeben, Sir, oder soll ich um euertwillen schwizen? Muß ich schwizen, so sind meine Schweiß-Tropfen die Thränen deiner Freunde, die deinen Tod beweinen. Zittre also so gut du kanst, und bitte um Gnade. Coleville. Ich denke, ihr seyd Sir John Falstaff, und in dieser Meynung geb ich mich zu euerm Gefangnen. Falstaff. Ich hab' eine ganze Schule voll Zungen in diesem Bauch und nicht eine einzige davon redt was anders als meinen Namen: Hätt' ich nur einen Bauch von etwas indifferenterm Umfang, ich wäre ohne weiters der activste Kerl in ganz Europa; mein Wanst, mein Wanst, mein Wanst ist mein Unglük--Hier kommt unser General. (Der Prinz John von Lancaster, und Westmorland treten auf.) Lancaster. Die Hize ist vorbey, folgt ihnen nicht weiter, ruft die Unsrigen zurük, mein lieber Vetter Westmorland. (Westmorland geht ab.) Nun, Falstaff, wo seyd ihr diese ganze Zeit über gewesen? Wenn alles und jedes vorbey ist, dann kommt ihr. Diese Langsamkeit schikt sich nicht gut zu euerm Handwerk; bey meinem Leben, sie wird über lang oder kurz noch einmal einem Galgen den Rüken brechen. Falstaff. Es solte mir leid thun, Milord, wenn es nicht so wäre; ich habe nie anders gehört, als daß Verweise und Demüthigungen der Lohn der Tapferkeit sind. Denkt ihr, ich sey eine Schwalbe, ein Pfeil oder eine Kugel? Kan ich armer alter Mann die Geschwindigkeit eines Gedankens haben? Ich eilte mit dem äussersten Punct des äussersten Grads der Möglichkeit hieher. Ich habe hundert und etlich und achtzig Postpferde zu Schanden geritten; und kaum war ich abgestiegen, so nahm' ich, so matt ich von der Reise war, in meiner reinen und immaculirten Tapferkeit diesen Sir John Coleville vom Thal, einen ganz furiosen Ritter und höchst furchtbaren Feind, gefangen: Doch was sag ich? Er sah mich, und ergab sich; so daß ich in Wahrheit mit jenem Haaken-nasichten Gesellen aus Rom da, dem Cäsar, sagen kan: ich kam, sah und siegte. Lancaster. Das war eine blosse Höflichkeit von ihm daß er sich ergab, und ihr könnt euch kein Verdienst daraus machen. Falstaff. Ich weiß nicht; hier ist er, und hier liefr' ich ihn aus, und bitte Eu. Durchlaucht, daß es mit den übrigen Thaten dieses Tages aufgeschrieben werden möge; oder bey G*** ich will eine eigne Ballade darauf machen lassen, und oben drüber mein Bild in Holzschnitt, und Colevillen wie er mir die Füsse küßt; wenn ich genöthiget werde, so was zu thun, und wenn ihr nicht alle wie verguldte Doppel-Pfennige gegen mich aussehen sollt, und ich am hellen Himmel des Ruhms euch nicht eben so weit überglänzen werde, als der Vollmond die Funken in einer heissen Asche, die nur wie Steknadel-Köpfe gegen ihn aussehen, so glaubt keinem Edelmann auf sein Wort. Laßt mir also mein Recht wiederfahren; laßt das Verdienst steigen. Lancaster. Zum Steigen ist das deine zu schwer. Falstaff. So laßt es scheinen. Lancaster. Dazu ist es zu dicht. Falstaff. Laßt es nur etwas thun, mein gütiger Lord, das mir wohl thut, und nennt es wie ihr wollt. Lancaster. Ist dein Name Coleville? Coleville. Ja, Milord. Lancaster. Du bist ein berüchtigter Rebell, Coleville. Coleville. Ich bin, Milord, was bessere als ich sind, die mich hieher führten; hätt' ich ihnen rathen sollen, ihr solltet sie theurer bezahlt haben, als ihr habt. Falstaff. Ich weiß nicht, wie theuer sie sich selbst verkauften, aber du warst ein so gutherziger Geselle, und gabst dich gratis weg; und ich danke dir davor. Siebende Scene. (Westmorland zu den Vorigen.) Lancaster. Nun, habt ihr das Nachsezen gehemmet? Westmorland. Unsre Leute sind wieder zurük, und warten nur auf Befehl, wegen der Gefangnen. Lancaster. Sendet also Colevillen mit seinen Consorten nach York, ihr Urtheil unverzüglich zu empfangen. Blunt, führe sie ab, und sorge daß sie wol bewacht werden. (Blunt geht mit Coleville ab.) Und nun, Milords, will ich nach Hofe; ich höre, der König mein Vater ist krank; unsre Zeitungen sollen uns zuvorkommen, und ihr, Vetter, sollet sie seiner Majestät überbringen; vielleicht werden sie von beßrer Würkung seyn, als alle andre Arzneyen. Wir werden euch sobald als möglich folgen. (Sie gehen ab.) Achte Scene. (Verwandelt sich in den Palast zu Westmünster.) (König Heinrich, Warwik, Clarence und Glocester treten auf.) König Heinrich. Nun, Milords, wenn der Himmel diesem Streit, der vor unsrer Thüre blutet, ein glükliches Ende macht, so wollen wir unsre Jugend in höhere Gefilde führen, und hinfort keine andre als geheiligte Schwerdter ziehen. Unsre Flotte ist ausgerüstet, unsre Macht beysammen, die Regierung in unsrer Abwesenheit ist bestellt, und alles ist so wie wir's wünschen; ausser daß wir uns ein wenig besser befinden sollten, und noch verziehen müssen, bis diese Rebellen zu paaren getrieben sind. Warwik. Beydes, Gnädigster Herr, wird, wie wir nicht zweifeln, in kurzem nach Wunsch erfolgen. König Heinrich. Humphrey, mein Sohn von Glocester, wo ist der Prinz euer Bruder? Glocester. Gnädigster Herr, ich denke, er ist nach Windsor auf die Jagd gegangen. König Heinrich. Mit was für Gesellschaft? Glocester. Ich weiß es nicht, Milord. König Heinrich. Ist nicht sein Bruder, Thomas von Clarence, bey ihm? Glocester. Nein, Gnädigster Herr, er ist hier gegenwärtig. Clarence. Was wünscht mein Gebietender Herr und Vater? König Heinrich. Nichts als Gutes für dich, Thomas von Clarence. Wie kommt es, daß du nicht bey dem Prinzen deinem Bruder bist? Er liebt dich, und du sezest ihn bey Seite, Thomas; du hast einen bessern Plaz in seinem Herzen als deine Brüder, trage Sorge dazu, mein Sohn, du kanst dereinst nach meinem Tod die Mittels-Person zwischen ihm und deinen Brüdern seyn, und ihnen wichtige Dienste thun. Verabsäume ihn also ja nicht; und verscherze den Vortheil seiner Liebe nicht, durch den Schein der Kaltsinnigkeit, oder, als wenn du dich nichts um ihn bekümmertest. Er ist gütig und freundschaftlich gegen diejenige, die er ihm ergeben sieht; er hat Thränen für andrer Leiden, und eine immer offne Hand zur Wohlthätigkeit. Allein, wenn er gereizt wird, ist er lauter Feuer, launig wie der Winter, und gäh wie ein Windsstoß an einem kühlen Morgen. Man muß sich daher nach seiner Gemüthsart richten lernen. Tadelt ihn wegen seiner Fehler, jedoch mit Ehrerbietung, wenn ihr sehet daß er bey guter Laune ist; aber wenn er aufgebracht ist, so gebt ihm Plaz, bis seine Leidenschaft, wie ein zu Grund sinkender Wallfisch, durch ihre eigne heftige Bewegungen sich entkräftet hat. Lerne diß, Thomas, und du wirst ein Schirm deiner Brüder seyn, ein goldner Reiff, der sie zusammenbinden wird, damit das vereinigte Gefäß ihres Bluts, wenn es, wie vielleicht begegnen kan, durch den Gift heimlicher Aufstiftungen in Gährung gesezt wird, nicht lek werde, und sollt' es gleich stärker würken als Aconitum oder rasches Schieß-Pulver. Clarence. Ich werde mir angelegen seyn lassen, seine Liebe zu verdienen. König Heinrich. Warum bist du nicht zu Windsor bey ihm, Thomas? Clarence. Er ist nicht zu Windsor; er speißt in London zu Mittag. König Heinrich. Und wer ist bey ihm? Kanst du mir's sagen? Clarence. Poins, und seine andern gewöhnlichen Begleiter. König Heinrich. Der fetteste Boden trägt das meiste Unkraut, und er das edle Bild meiner Jugend, ist ganz damit überwachsen; Ursache zu einem Kummer, der sich über mein Leben hinaus erstrekt. Das Blut weint aus meinem Herzen, wenn ich mir die regellosen Tage, die verderbten Zeiten vorstelle, die ihr sehen werdet, wenn ich einst bey meinen Voreltern schlafe: Denn wenn seine wilde Schwelgerey keinen Zügel mehr hat, wenn Wuth und schäumendes Blut seine Räthe sind, wenn Macht und schlimme Sitten sich vereinbaren; oh, mit was für stürmenden Schwingen wird er seinem Fall und Verderben entgegen stürzen. Warwik. Mein Gnädigster Herr, ihr mißkennt ihn in diesem Augenblik. Der Prinz studiert nur seine Gesellschafter, wie eine fremde Sprache; will man die Sprache besizen, so ist nöthig daß man auch das unanständigste Wort ansehe und lerne; wenn man's aber einmal versteht, so weiß Eu. Majestät, daß es zu keinem andern Gebrauch kommt, als daß man es kennt und verabscheut. So wird es der Prinz, zu seiner Zeit, mit seinen Gesellschaftern halten, und die Kenntniß die er von ihnen hat, wird eine Art von Modell oder Maasstab seyn, woran er den Werth beßrer Leute messen wird. König Heinrich. Selten macht die Biene ihren Waben in ein Todten-Aaß.--Wer kommt hier? Westmorland? Neunte Scene. (Westmorland tritt auf.) Westmorland. Heil, Gnädigster Herr, und neues Glük, zu demjenigen, so ich anzukündigen komme! Prinz John, euer Sohn küßt eure königliche Hand; Mowbray, der Bischoff Scroop, Hastings und die übrigen haben die Straffe eurer Geseze erfahren, kein einziges aufrührisches Schwerdt ist mehr entblößt, und der Friede treibt seine Oliven allenthalben hervor. Die Art und Weise und den ganzen Zusammenhang der Umstände, wie alles dieses geschehen ist, geruhe Euer Majestät mit beßrer Musse aus dieser Relation zu ersehen. (Er übergiebt ein Papier.) König Heinrich. O Westmorland, du bist ein Sommer-Vogel, der mitten im Winter den aufgehenden Tag ansingt. (Harcourt zu den Vorigen.) Seht, noch mehr Neuigkeiten. Harcourt. Der Himmel bewahre Eure Majestät vor Feinden, und stehen Feinde gegen euch auf, so mögen sie fallen wie diejenige, von denen ich komme, euch Nachricht zu geben. Der Graf von Northumberland, und der Lord Bardolph, mit einer ansehnlichen Macht von Engländern und Schotten, sind von dem Scheriff von Yorkschire aufs Haupt geschlagen worden. Die nähere Umstände und Folgen dieser Action enthält dieses Paquet. König Heinrich. Und warum müssen diese guten Zeitungen mich kränker machen? Kan das Glük keine unvermengte Gunst gewähren, und muß, wenn sie uns nichts als Gutes zu sagen hat, der angenehme Inhalt wenigstens in häßlichen Lettern geschrieben seyn? Entweder giebt sie einen guten Magen und nichts zu essen; oder sie stellt uns ein Banquet auf, und nimmt den Appetit hinweg. Ich sollte mich über diese gute Zeitungen erfreuen, und nun vergeht mir mein Gesicht, und mein Kopf wird mir ganz taumlicht. O! o! kommt näher--mir wird ganz übel-- Glocester. Der Himmel stärke Eu. Majestät. Clarence. O mein königlicher Vater! Westmorland. Mein Gnädigster Gebieter, richtet euch auf, ermuntert euch! Warwik. Geduld, meine Prinzen; ihr wißt, diese Anstösse sind bey Sr. Majestät nicht ungewöhnlich. Tretet weiter zurük, gebt ihm Luft, er wird gleich besser werden. Clarence. Nein, nein, er kan diese Bangigkeiten nicht mehr lange aushalten. Der langwierige Kummer, und die Unruhe seiner Seele haben die Mauer welche sie einschliessen soll, durchgearbeitet; und das Leben scheint allenthalben durch, und kan alle Augenblike ausbrechen. Glocester. Das Volk erschrekt mich: Man spricht von allerley unnatürlichen Wunderzeichen und vaterlosen Mißgeburten; die Jahrszeiten haben ihre Sitten geändert, und es ist, als ob das Jahr einige Monate schlafend gefunden und sie übersprungen habe. Clarence. Der Fluß ist dreymal ohne Ebbe angeschwollen, und alte Leute (die waschhaften Chroniken der Zeit) sagen, er habe eben das gethan, da unser grosser Anherr Eduard starb. Warwik. Redet nicht so laut, Prinzen, der König erholt sich wieder. Glocester. Dieser Schlag wird ganz gewiß sein Ende seyn. König Heinrich. Ich bitte euch, hebt mich auf, und tragt mich in ein anders Zimmer: Sachte, ich bitte euch; sorget davor, daß kein Getöse gemacht werde, meine werthen Freunde, ausser irgend eine mitleidige, tröstende Hand, wollte Musik meinem schmachtenden Geiste zuflüstern. Warwik. Ruft Musik in das Nebenzimmer-- König Heinrich. Sezt mir die Crone auf dieses Küssen hier. Clarence (bey Seite.) Seine Augen sind hohl, und er verändert sich ungemein. Warwik. Nicht so laut, nicht so laut. Zehnte Scene. (Der Prinz Heinrich tritt auf.) Prinz Heinrich. Wo ist der Herzog von Clarence? Clarence. Hier bin ich, Bruder, voller Kummer. Prinz Heinrich. Warum das? Warum habt ihr alle Thränen in den Augen? Wie stehts mit dem König? Glocester. Sehr schlecht. Prinz Heinrich. Weiß er die guten Zeitungen? Sagt sie ihm. Glocester. Er alterirte sich ungemein, da er sie hörte. Prinz Heinrich. Wenn er vor Freuden krank wurde, so wird er ohne Arzney gesund werden. Warwik. Nicht so laut, Milords; liebster Prinz, redet leise; der König, euer Vater, hat einen Ansaz zum Schlaffen. Clarence. Wir wollen in ein andres Zimmer gehen. Warwik. Gefällt es Eu. Hoheit, mit uns zu kommen? Prinz Heinrich. Nein; ich will mich hier sezen, und dem König wachen. (Alle gehen ab, bis auf Prinz Heinrich.) Warum ligt die Crone hier auf diesem Küssen, sie, die ein so unruhige Bettgesellin ist? O du goldne Sorge! die so manche durchwachte Nacht die Thüren des Schlummers weit offen hält, izt lässest du ihn doch schlaffen! Aber nicht so gesund, nicht halb so tief und süß als der schläft, der mit einem groben Tuch um seine Schläffe, die lange Nacht hinweg schnarcht. O Majestät! du ligst auf dem der dich trägt, wie eine goldne Rüstung, an einem heissen Mittag.--Hier ligt eine Pflaumfeder auf seinen Lippen, die sich nicht bewegt; wenn er athmete, so müßte dieser leichte Pflaum nothwendig erregt werden. Ach! Mein Herr! Mein Vater! was für ein Schlaf ist das? Das ist der Schlaf, der so manche Englische Könige von diesem goldnen Reiff geschieden hat. Was dir nun von mir gebührt, sind Thränen und herzliche Trauer, und die soll dir Natur, Liebe und kindliche Zärtlichkeit in vollem Maaß bezahlen. Was mir von dir gebührt, ist diese Königs-Crone, die von dir auf mich, als den nächsten an dir, unmittelbar herabsinkt. Nun, hier sizt sie; (Er sezt sie auf.) der Himmel soll sie schüzen; und legt in eines Riesen Arm die Stärke der ganzen Welt, nimmer soll er diese angestammte Ehre von meiner Stirne reissen. Ich will sie den meinigen verlassen, wie du sie mir verlassen hast. Eilfte Scene. (Warwik, Glocester und Clarence kommen wieder.) König Heinrich. Warwik! Glocester! Clarence! Clarence. Ruft der König? Warwik. Was befiehlt Eu. Majestät? wie befindet Sie sich? König Heinrich. Warum ließt ihr mich so allein, Milords? Clarence. Gnädigster Herr, wir liessen den Prinzen meinen Bruder hier, welcher sich sezen, und neben Eu. Majestät wachen wollte. König Heinrich. Den Prinzen von Wales? Wo ist er? laßt mich ihn sehen. Warwik. Hier ist eine Thür offen, er muß da hinausgegangen seyn. Glocester. Er gieng nicht durch das Zimmer, wo wir warteten. König Heinrich. Wo ist die Crone? Wer nahm sie von meinem Küssen. Warwik. Wie wir uns weg begaben, Gnädigster Herr, war sie noch da. König Heinrich. Der Prinz hat sie also weggenommen? Geht, sucht ihn auf. Ist er so ungeduldig, daß er meinen Schlaf für meinen Tod ansieht? Sucht ihn, Milord von Warwik, und schmählt ihn unverzüglich her. (Warwik geht ab.) Dieser Zug seiner Gemüthsart vollendet die Würkung meines Uebels, und beschleunigt meinen lezten Augenblik. Seht, Söhne, was für Dinge ihr seyd! Wie leicht sich die Natur zum Abfall bringen läßt, wenn Gold der Versucher ist! Für diß haben närrische sorgenvolle Väter ihren Schlaf mit Nachsinnen unterbrochen, ihr Gehirn mit Sorgen erschöpft, ihre Gebeine mit Arbeit entkräftet; für diß, für diesen Dank haben sie Tag und Nacht darauf gedacht, ihre Söhne durch Künste und martialische Uebungen zu bilden, für diß haben sie mit so vieler Mühe Gold auf Gold gehäuft. Gleich der Biene flattern wir von Blume zu Blume, saugen ihre besten Düfte aus, und wenn unsre Beine mit Wachs und unsre Lippen mit Honig beladen sind, tragen wir's in den Stok; und wie Bienen, werden wir für unsre Müh getödtet. Bittrer Gedanke für einen sterbenden Vater!-- (Warwik kommt zurück.) Nun, wo ist er? er, der nicht warten kan, bis sein Freund, Krankheit, mit mir fertig ist? Warwik. Gnädigster Herr, ich fand den Prinzen in dem nächsten Zimmer, mit Thränen der zärtlichsten Wehmuth seine Wangen badend, und in seiner Mine und Stellung eine so tiefe, so rührende Bekümmerniß ausgedrükt, daß die Grausamkeit selbst, bey seinem Anblik, ihren blutigen Dolch mit milden Thränen gewaschen hätte. König Heinrich. Aber warum nahm er dann die Crone weg? (Der Prinz Heinrich zu den Vorigen.) Seht, hier kommt er. Komm hieher zu mir, Harry; verlaßt das Zimmer, laßt uns allein. (Die Lords gehen ab.) Prinz Heinrich. Ich dachte nicht, daß ich Eu. Majestät wieder reden hören würde. König Heinrich. Dein Wunsch, Harry, war Vater zu diesem Gedanken. Ich lebe zu lange für dich, du wirst es müde. Ist deine Begierde nach meinem leeren Thron so heftig, daß du dich meiner Vorrechte schon anmassest, eh deine Stunde reif ist? O thörichter Jüngling! Du suchst eine Hoheit, die dich zu Grunde richten wird. Warte nur noch ein wenig; die Wolke meiner Würde wird von einem so schwachen Wind noch emporgehalten, daß sie bald zertrieffen wird. Du hast etwas gestohlen, das in wenigen Stunden ohne Verbrechen dein gewesen wäre; in meiner Todesstunde selbst hast du noch das Siegel auf meine Erwartung gedrükt; dein Leben bewies, wie wenig du mich liebest; und du willt, daß ich mit der völligen Ueberzeugung davon sterben soll. Du verbirgst tausend Dolche in deinen Gedanken, die du an deinem steinernen Herzen gewezt hast, eine halbe Stunde zu ermorden, die ich noch zu leben gehabt hätte. Wie? kanst du mich nicht noch eine halbe Stunde ertragen? So geh' dann, und grabe selbst mein Grab, und laß die frölichen Gloken in dein Ohr tönen, daß du gekrönt bist, nicht daß ich todt bin. Mögen alle die Tropfen, die meine Leiche bethauen sollten, zu Balsam-Tropfen werden, dein Haupt zu heiligen; nur bedeke mich vorher mit ein wenig faulem Staub, und gieb den der dir das Leben gab, den Würmern. Stürze meine Staats-Bediente, vernichte meine Verordnungen; denn nun ist eine Zeit gekommen, die aller gesezlichen Ordnung spottet. Heinrich der fünfte ist gekrönt: Auf, Thorheit! Herab, königliches Ansehn! Alle ihr weisen Räthe, hinweg! Und nun versammelt euch aus allen Enden an den Englischen Hof, ihr müßigen Affen; nun, angrenzende Nachbarn, reinigt euch von euerm Unrath! Habt ihr einen Lotterbuben, der schwört? säuft? tanzt? die Nächte durchschwärmt? raubt? mordet? und die ältesten Sünden nach der neuesten Mode begeht? Freut euch, er wird euch nicht länger beunruhigen, in England wird er Dienste, Ehre und Gewalt bekommen; denn Heinrich der fünfte nimmt der gekrümmten Ausgelassenheit den Maulkorb des Zwangs ab, und der rasende Hund hat nun Freyheit, seine Zähne in jeden Unschuldigen einzuhauen. O! mein armes Land! von bürgerlichen Wunden entkräftet! Wenn meine Sorgfalt deine Ausschweiffungen nicht dämmen konnte, was wird aus dir werden, wenn die Ausschweiffung deine Fürsorge ist? O du wirst wieder eine Wildniß werden, von Wölfen, deinen alten Einwohnern, bewohnt! Prinz Heinrich (kniend.) O! vergebet mir, mein Gnädigster Oberherr! Wenn ich vor Beklemmung und Thränen hätte reden können, so würde ich diese harte und schmerzliche Bescheltung eher unterbrochen haben. Hier ist eure Crone, und derjenige, der die Crone der Unsterblichkeit trägt, möge sie euch noch lang' erhalten. Wenn ich sie mehr liebe als euer Leben, und eure Ehre, so mög' ich nimmer von diesem Boden aufstehen, auf den mein getreues und von seiner Pflicht durchdrungnes Herz meine Knie niedergeworfen hat. Der Himmel ist mein Zeuge, was für ein kalter Schauer mich befiel, da ich herein kam, und keinen Athem mehr an Eurer Majestät spürte. Wenn diß Verstellung ist, o! so mög' ich in meiner gegenwärtigen Wildheit sterben, und die Zeit nicht erleben, daß ich der ungläubigen Welt die Veränderung zeigen könne, die ich bey mir selbst beschlossen habe. Ich war gekommen euch zu besuchen, und in der Meynung daß ihr todt seyd, und von dem Gedanken daß ihr es seyd, selbst beynahe todt, redte ich die Crone an, als ob sie mich verstehen könnte, und machte ihr diese Vorwürfe: Die Sorgen, die du machst, haben das Leben meines Vaters aufgezehrt, und also bist du, obgleich das feinste, das schlimmste Gold; anders Gold, obgleich minder fein, ist kostbarer, da es, in eine trinkbare Arzney aufgelößt, ein Mittel zu Erhaltung des Lebens ist; du hingegen, das feinste, das hochgeschäzteste, das glorreicheste, hast den der dich trug des Lebens beraubt. Indem ich sie so beschalt, mein Königlicher Herr, sezte ich sie auf mein Haupt, um mit ihr, wie mit einem Feind, der meinen Vater vor meinen Augen ermordet hatte, die Sache eines rechtschaffnen Erben auszufechten. Wenn sie aber mein Blut mit Freude anstekte, oder mit irgend einem stolzen Gedanken meine Seele schwellte, wenn ein rebellischer oder hochstrebender Geist in mir, auch nur mit dem schwächsten Grad von Vergnügen, ihre Macht willkommen hieß; so verhindre der Himmel, daß sie nie auf mein Haupt komme, und mache mich dem Aermsten unter allen gleich, die mit zitternder Ehrfurcht vor ihr knien! König Heinrich. O! Mein Sohn, der Himmel gab dir ein, sie von hinnen zu nehmen, um zu dieser Erklärung Anlaß zu machen, die dir deines Vaters Liebe in desto vollerm Maaß wieder giebt. Komm näher, Harry, seze dich zu meinem Bette, und höre, ich denke den lezten Rath, den ich dir jemals geben werde. Der Himmel weiß, mein Sohn, durch was für Seiten-Wege und krumme Pfade ich zu dieser Crone gekommen bin, und ich selbst weiß am besten, wie unruhig sie auf meinem Haupte saß. Zu dir wird sie in beßrer Ruhe, mit bessrer Meynung und mit einem bessern Titel herabsteigen: Denn alle Vorwürfe, die der Gelangung dazu gemacht werden können, gehen mit mir zu Grabe. Diese Crone schien an mir nur eine gewaltthätig an mich gerissene Zierde, und es lebten ihrer viele die mir vorrüken konnten, daß sie mir dazu verholfen hätten; und daraus mußte täglich Zank und Blutvergiessen entstehen; der Friede, dessen ich genoß, war unsicher, und alle Augenblike von Unternehmungen unterbrochen, die meine Crone und mein Leben in Gefahr sezten. Meine ganze Regierung war wie ein Schauspiel, wovon Empörung und Selbstvertheidigung der Inhalt war. Aber nun ändert mein Tod die Scene; was bey mir erobert war, fällt unter einem schönern Titel auf dich, denn du trägst die Crone durch das Recht der Erbfolge. Allein ob du gleich sichrer stehst als ich, so stehst du doch nicht fest genug, da die Beschwerden noch so frisch sind, und allen denen, die du nun zu deinen Freunden machen must, der Stachel erst so kürzlich ausgezogen worden ist. Ich rede von den Erben und Freunden dererjenigen, durch deren verbrecherische Künste ich emporgestiegen, durch deren Macht ich besorgen mußte, wieder gestürzt zu werden, und denen ich deßwegen zuvor kam. Meine Absicht war, sie in das heilige Land zu führen, damit nicht Ruhe und Musse sie veranlassen möchte, zu tief in unsern Staat hinein zu schauen. Laß es also deine vornehmste Maxime seyn, mein Sohn Harry, schwindlichte Köpfe mit auswärtigen Angelegenheiten zu beschäftigen; damit sie ihr Feuer in entfernten Provinzen ausarbeiten, und unter dieser Arbeit das Andenken der vorigen Tage verliehren. Ich wollte noch mehr mit dir reden, aber meine Lunge ist so schwach, daß ich es nicht länger aushalten kan. Wie ich zu dieser Crone kam, o Gott, vergieb mir! und laß sie ruhig und glüklich auf meines Sohnes Haupte sizen! Prinz Heinrich. Mein Gnädigster Herr, ihr habt sie gewonnen, getragen, erhalten, und auf mich gebracht; mein Besiz ist also klar und rechtmäßig; und rechtmäßig will ich ihn auch, so viele Müh es kosten mag, gegen die ganze Welt behaupten. (Lord John von Lancaster und Warwik, treten auf.) König Heinrich. Sieh, sieh, hier kommt mein Sohn Lancaster. Lancaster. Gesundheit, Frieden und Glük, meinem Königlichen Vater. König Heinrich. Du bringst mir Glük und Frieden, Sohn John; aber die Gesundheit ist mit jugendlichen Schwingen aus diesem kahlen verdorrten Stamm weggeflohen. Nachdem ich nun auch dich gesehen habe, so sind meine zeitlichen Geschäfte vorbey--Wo ist Milord von Warwik? Prinz Heinrich. Milord von Warwik!-- König Heinrich. Hat das Zimmer, wo ich die erste Ohnmacht bekam, nicht irgend einen besondern Nahmen? Warwik. Man nennt es Jerusalem, Gnädigster Herr. König Heinrich. Gott sey gelobt! Dort muß ich mein Leben enden. Es ist mir vor vielen Jahren propheceyet worden, ich könnte nirgends als in Jerusalem sterben: und ich bildete mir fälschlich ein, es müßte im gelobten Lande seyn. Aber bringet mich in dieses Zimmer, das ist das Jerusalem, wo ich sterben will. (Sie gehen ab.) Fünfter Aufzug. Erste Scene. (Schallow's Siz in Glosterschire.) (Schallow, Silence, Falstaff, Bardolph, und der kleine Lakay treten auf.) Schallow. Beym Sappermost, Sir, ich laß euch diese Nacht nicht fort! He! Davy, sag ich-- Falstaff. Ihr werdet mich entschuldigen, Herr Robert Schallow. Schallow. Ich werd' euch nicht entschuldigen; ihr sollt nicht entschuldiget werden; ich nehme keine Entschuldigung an; es hilft keine Entschuldigung; ich lasse keine Entschuldigung gelten--He! Davy-- (Davy tritt auf.) Davy. Hier, Sir. Schallow. Davy, Davy, Davy, laß mich seh'n, Davy, laß mich sehen; ja, Sapperment! der Koch William, sagt ihm, er soll herkommen--Sir John, ich laß keine Entschuldigung gelten. Davy. Ja, Herr; aber diese Regeln können nicht gehalten werden; und noch eins, Sir, sollen wir das Ek mit Weizen ansäen? Schallow. Mit rothem Weizen, Davy--Aber auf William Koch zu kommen--sind keine jungen Dauben da? Davy. Ja, Sir--Hier ist des Schmidts Conto, für Schuhe, und Pflug- Eisenwerk. Schallow. Laß ihn bezahlt und quittirt werden--Sir John, ich nehme keine Entschuldigung an. Davy. Izt, Sir, brauchte man nothwendig einen neuen Ring an den Wasser- Eymer. Und, Sir, ist nicht eure Meynung, dem William den Betrag von dem Sak, den er neulich auf dem Hinkley-Markt verlohr', an seinem Lohn abzuziehen? Schallow. Er muß es vergüten. Etliche Dauben, Davy, ein Paar kurz-beinichte Hennen, eine Schöps-Keule, und etliche artige kleine Beyessen: Sag's dem Koch Willhelm. Davy. Bleibt der Mann im rothen Rok die ganze Nacht da, Sir? Schallow. Ja, Davy. Ich will ihm eine Ehre anthun. Ein Freund bey Hofe, ist besser als ein Pfenning im Beutel. Mach' daß seine Leute ihre Sachen recht bekommen, Davy; denn es sind Erzschelme, sie würden uns durchhecheln, daß es eine Art hätte. Geh izt an deine Arbeit, Davy. Davy. Ich bitte euch, Herr, helfet doch dem William Visor von Woncot gegen Clement Perkes vom Bühel. Schallow. Es gehen grosse Klagen, Davy, über diesen Visor; dieser Visor ist ein Erz-Schelm, so viel ich weiß. Davy. Ich gesteh es Eu. Herrlichkeit ein, daß er ein Schelm ist; aber behüt uns G**, Sir, daß ein Schelm keine Gunst sollte finden können, wenn ein guter Freund für ihn bittet. Ein ehrlicher Mann, Sir, ist im Stand für sich selbst zu reden, das ist ein Schelm nicht. Ich hab' Euer Herrlichkeit treulich gedient, diese acht Jahr' her; und wenn ich nicht auch ein oder zweymal in einem Quartal einem Schelmen gegen einen Bidermann hinaushelfen kan, so ist wahrlich mein Credit bey Eu. Herrlichkeit nicht groß. Der Schelm ist mein guter Freund, Sir, und ich bitte Euer Herrlichkeit also, laßt ihn durchwischen. Schallow. Geh, geh, sag' ich, es soll ihm nichts gethan werden: Sieh' zu den Sachen, Davy.--Wo seyd ihr, Sir John? Kommt, herab mit euern Stiefeln! Gebt mir eure Hand, Herr Bardolph. Bardolph. Es freut mich, Eu. Herrlichkeit wohl zu sehen. Schallow. Ich danke dir von Herzen, mein wakrer Herr Bardolph; (zum kleinen Lakayen) ha, willkommen, mein hübscher Bursche--Kommt, Sir John. (Sie gehen ab.) Zweyte Scene. (Verwandelt sich in den Hof zu London.) (Der Graf von Warwik, und der Lord Ober-Richter treten auf.) Warwik. Wie steht es, Milord Ober-Richter, wohin? Ober-Richter. Wie befindt sich der König? Warwik. Vollkommen wohl; seine Sorgen sind nun alle geendigt. Ober-Richter. Ich hoffe, er ist nicht todt? Warwik. Er ist den Weg der Natur gegangen, und für uns lebt er nicht mehr. Ober-Richter. Ich wünschte, Se. Majestät hätte mich mit sich genommen. Die getreuen Dienste, die ich ihm in seinem Leben geleistet, haben mich allen Kränkungen ausgesezt gelassen. Warwik. In der That, ich denke der junge König ist nicht euer Freund. Ober-Richter. Ich weiß, daß er's nicht ist; und ich rüste mich auf alles was begegnen kan; es kan nicht schlimmer seyn, als ich's erwarte. (Lord John von Lancaster, Glocester und Clarence zu den Vorigen.) Warwik. Hier kommen die betrübten Söhne des todten Heinrichs. O hätte der lebende nur die Gemüthsart des schlechtesten unter diesen drey Prinzen, wie viele Männer von Stand und Verdienst würden dann ihre Pläze behalten, die izt vor Leuten von der verächtlichsten Classe die Segel streichen müssen. Ober-Richter. Ich besorge, leider! es werde alles zu unterst zu oberst gekehrt werden. Lancaster. Guten Morgen, Vetter Warwik. Glocester. Clarence. . 1 ( . ) 2 3 4 . 5 , , ; 6 , , , , 7 . , , 8 , , , 9 , 10 , 11 , , 12 . , 13 , , , 14 , 15 ? 16 , . , 17 ? 18 ; 19 , ; 20 , , 21 . ! 22 , , 23 , 24 ? 25 , 26 , , , , 27 , . 28 29 . 30 , ; , 31 , 32 , 33 , . . 34 , , 35 . 36 , 37 , 38 . 39 40 . 41 , , 42 . 43 44 . 45 , , 46 ? 47 48 . 49 , ; 50 , , 51 , , 52 53 . , 54 , ! . 55 , , 56 ; , 57 , 58 59 . 60 61 . 62 63 . 64 65 . 66 ' , ; . 67 . 68 69 ( . ) 70 , , - ; 71 ; , 72 . , . 73 74 ( . ) 75 76 . 77 , . 78 79 . 80 . , , 81 , , 82 ; , 83 . 84 85 . 86 . 87 88 . 89 . , . 90 91 . 92 , , 93 . 94 95 . 96 , 97 . 98 99 . 100 , , 101 . 102 103 . 104 , . 105 106 . 107 , . 108 109 ( - . ) 110 111 . 112 ; ! . 113 114 . 115 . 116 117 . 118 ; 119 , . 120 121 ( . ) 122 , , . 123 124 ( . ) 125 126 , , 127 , , 128 . 129 130 . 131 , , , 132 . 133 134 ( . ) 135 136 . 137 , , . 138 139 140 141 . 142 ( . ) 143 144 145 . 146 , , ? 147 148 . 149 , , , . 150 , , 151 . 152 153 . 154 . ( . ) 155 156 . 157 , : 158 , , ; 159 , , - 160 , 161 . 162 163 . 164 , , , , 165 , , , , 166 . 167 168 . 169 ? 170 171 . 172 ? 173 174 . 175 ? 176 177 . 178 ; , 179 , , 180 , . 181 , , . 182 - - 183 , , 184 , , 185 - - , 186 - . 187 188 ( . ) 189 190 191 192 . 193 ( - . . 194 . ) 195 196 197 . 198 , ? ? 199 , ? 200 201 . 202 , , . 203 204 . 205 , ' , , 206 . , 207 , ; 208 , . 209 210 . 211 ? 212 213 . 214 , , , ; 215 , , ? 216 , - 217 , . , 218 . 219 220 . 221 , , 222 . 223 224 . 225 ' 226 : ' 227 , 228 ; , , 229 - - . ( 230 , . ) 231 232 . 233 , , 234 , . 235 236 ( . ) 237 238 , , ? 239 , . 240 ; , 241 . 242 243 . 244 , , ; 245 , 246 . , , 247 ? 248 ? 249 . 250 ; 251 , ' , , 252 253 , , 254 : ? , ; 255 - , 256 , : , . 257 258 . 259 , 260 . 261 262 . 263 ; , ' , 264 . , 265 ; * * * 266 , 267 , ; 268 , , 269 - , 270 , 271 , 272 - , 273 . ; 274 . 275 276 . 277 . 278 279 . 280 . 281 282 . 283 . 284 285 . 286 , , , 287 . 288 289 . 290 ? 291 292 . 293 , . 294 295 . 296 , . 297 298 . 299 , , , ; 300 ' , 301 , . 302 303 . 304 , , 305 , ; 306 . 307 308 309 310 . 311 ( . ) 312 313 314 . 315 , ? 316 317 . 318 , , 319 . 320 321 . 322 , 323 . , , 324 . 325 326 ( . ) 327 328 , , ; , 329 ; , , 330 , ; 331 , . 332 . 333 334 ( . ) 335 336 337 338 . 339 ( . ) 340 ( , , . ) 341 342 343 . 344 , , , 345 , , 346 , 347 . , 348 , , 349 ' ; 350 , , 351 . 352 353 . 354 , , , , 355 . 356 357 . 358 , , ? 359 360 . 361 , , 362 . 363 364 . 365 ? 366 367 . 368 , . 369 370 . 371 , , ? 372 373 . 374 , , . 375 376 . 377 ? 378 379 . 380 , . , 381 ? , 382 , ; 383 , , , 384 - 385 , . 386 ; , 387 , , 388 . , 389 ; , 390 . , 391 , , , 392 . 393 . , 394 , ; 395 , , , 396 , 397 . , , 398 , , 399 , , 400 , , 401 , , ' 402 - . 403 404 . 405 , . 406 407 . 408 , ? 409 410 . 411 ; . 412 413 . 414 ? ' ? 415 416 . 417 , . 418 419 . 420 , 421 , ; , 422 . 423 , , 424 , , 425 : 426 , , 427 ; , 428 429 . 430 431 . 432 , . 433 , ; 434 , 435 ; ' 436 , . , 437 , . , 438 , , 439 , , 440 . 441 442 . 443 - . - - 444 ? ? 445 446 447 448 . 449 ( . ) 450 451 452 . 453 , , , , 454 ! , 455 ; , , 456 , 457 , 458 . 459 , , 460 . 461 462 ( . ) 463 464 . 465 , - , 466 . ( . ) , 467 . 468 469 . 470 , 471 , , 472 , . , 473 , 474 , 475 . 476 . 477 478 . 479 ? 480 , , 481 , 482 ? 483 ; , 484 . 485 , , 486 . ! ! - - - - 487 488 489 . 490 . . 491 492 . 493 ! 494 495 . 496 , , ! 497 498 . 499 , ; , . 500 . , , 501 . 502 503 . 504 , , . 505 , 506 , ; 507 , . 508 509 . 510 : 511 ; 512 , , 513 . 514 515 . 516 , ( 517 ) , , 518 . 519 520 . 521 , , . 522 523 . 524 . 525 526 . 527 , , : 528 , ; , , 529 , , 530 , . 531 532 . 533 - - 534 535 536 . 537 . 538 539 ( . ) 540 , . 541 542 . 543 , . 544 545 546 547 . 548 ( . ) 549 550 551 . 552 ? 553 554 . 555 , , . 556 557 . 558 ? ? 559 ? 560 561 . 562 . 563 564 . 565 ? . 566 567 . 568 , . 569 570 . 571 , 572 . 573 574 . 575 , ; , ; , 576 , . 577 578 . 579 . 580 581 . 582 . , ? 583 584 . 585 ; , . 586 587 ( , . ) 588 589 , , 590 ? ! 591 , 592 ! , 593 , 594 , . ! 595 , , 596 . - - , 597 ; , 598 . ! ! ! 599 ? , 600 . 601 , , 602 , . 603 , - , 604 , , . , 605 ; 606 607 ( . ) 608 609 ; 610 , 611 . , 612 . 613 614 615 616 . 617 ( , . ) 618 619 620 . 621 ! ! ! 622 623 . 624 ? 625 626 . 627 . ? ? 628 629 . 630 , ? 631 632 . 633 , , 634 , . . 635 636 . 637 ? ? . 638 639 . 640 , . 641 642 . 643 , . 644 645 . 646 ? . 647 648 . 649 , , . 650 651 . 652 ? , . 653 , ? 654 , , . 655 656 ( . ) 657 658 , 659 . , , 660 ! , 661 ! 662 , 663 , ; , 664 , 665 , 666 . 667 , , 668 , 669 ' ; , 670 . ! - - 671 ( . ) , ? , , 672 , , ? 673 674 . 675 , , 676 , 677 , , 678 , , 679 . 680 681 . 682 ? ( 683 . ) , . , ; 684 , . 685 686 ( . ) 687 688 689 690 . 691 , . . 692 693 . 694 , , . 695 , . 696 , 697 , ? ! 698 , . 699 ; 700 , . 701 , 702 ; 703 ; , 704 ; , 705 . , 706 , 707 , . ? 708 ? ' , 709 , , 710 , . 711 , , - 712 , ; 713 , , . 714 - , ; 715 , . 716 : , ! , 717 ! , ! 718 , ; , 719 , ! 720 , ? ? ? 721 ? ? ? 722 ? , 723 , , ; 724 725 , , 726 . ! ! 727 ! 728 , , 729 ? 730 , , , ! 731 732 ( . ) 733 ! , ! 734 , 735 . 736 , , , 737 ' . 738 , , ' 739 , 740 . 741 , , 742 , . 743 , ! ' 744 , , 745 , 746 . , 747 , , 748 , , , 749 : , , 750 , , 751 , ; , , 752 , , , 753 ; , , 754 , , 755 . , , 756 , , , 757 , 758 . 759 , 760 , , 761 , 762 ; , 763 , , 764 ! 765 766 . 767 ! , , , 768 , 769 . , , 770 , , , 771 . , , 772 - , 773 , . 774 , 775 : , 776 , . 777 , 778 , 779 ; 780 ; , , , 781 , 782 . 783 , . 784 ; , 785 , 786 . , 787 , 788 , , 789 , . 790 , 791 , 792 , , 793 . , , 794 , 795 . 796 , , 797 ; 798 , 799 . , 800 , . 801 , , ! 802 ! 803 804 . 805 , , , , 806 ; ; 807 , , 808 . ( , 809 . ) 810 811 . 812 , , . 813 814 . 815 , , . 816 817 . 818 , ; 819 820 . , 821 - - ? 822 823 . 824 ! - - 825 826 . 827 , , 828 ? 829 830 . 831 , . 832 833 . 834 ! . 835 , 836 : , 837 . , 838 , . 839 840 ( . ) 841 842 843 844 845 . 846 847 848 849 . 850 ( ' . ) 851 ( , , , , 852 . ) 853 854 855 . 856 , , ! ! 857 , - - 858 859 . 860 , . 861 862 . 863 ' ; 864 ; ; 865 ; - - ! - - 866 ( . ) 867 868 . 869 , . 870 871 . 872 , , , ' , , ; , 873 ! , , - - 874 , . 875 876 . 877 , ; ; 878 , , ? 879 880 . 881 , - - - - 882 ? 883 884 . 885 , - - , , - 886 . 887 888 . 889 - - , 890 . 891 892 . 893 , , - 894 . , , , 895 , - ' , 896 ? 897 898 . 899 . , , - 900 , - , : 901 ' . 902 903 . 904 , ? 905 906 . 907 , . . , 908 . ' 909 , ; , 910 , . , 911 . 912 913 . 914 , , 915 . 916 917 . 918 , , ; 919 - , . 920 921 . 922 . , ; 923 * * , , , 924 . , , 925 , . 926 ' , ' ; 927 928 , 929 . . 930 , , , 931 . 932 933 . 934 , , ' , : ' 935 , . - - , ? , 936 ! , . 937 938 . 939 , . . 940 941 . 942 , ; 943 944 ( ) 945 946 , , - - , . 947 948 ( . ) 949 950 951 952 . 953 ( . ) 954 ( , - . ) 955 956 957 . 958 , - , ? 959 960 - . 961 ? 962 963 . 964 ; . 965 966 - . 967 , ? 968 969 . 970 , . 971 972 - . 973 , . . 974 , , 975 . 976 977 . 978 , . 979 980 - . 981 , ' ; 982 ; , ' . 983 ( , . ) 984 985 . 986 . 987 988 , 989 , 990 . 991 992 - . 993 , ! 994 . 995 996 . 997 , . 998 999 . . 1000