und so zerbrechlich wie die Majestät, ist auch das Gesicht; denn
hier ligt es, in hundert Scherben zerbrochen. Gieb Acht,
stillschweigender König, auf die Moral dieses Kinderspiels; wie
schnell mein Kummer mein Gesicht zerstört hat.
Bolingbroke.
Der Schatten euers Kummers hat den Schatten euers Gesichts zerstört.
König Richard.
Sagt das noch einmal. Der Schatten meines Kummers! Ha, laßt
einmal sehen--es ist in der That so, mein Schmerz ligt ganz in
meinem Innern, und alle diese äusserlichen Zeichen von Jammer sind
blosse Schatten des unsichtbaren Grams, der in geheim in der
gepeinigten Seele schwellt. Ich danke dir, König, daß du mir nicht
nur Ursache zum Wehklagen giebst, sondern mich auch noch lehrst,
wie ich die Ursache bejammern soll. Ich will nur noch um eine
einzige Gefälligkeit gebeten haben, und dann gehen und euch nicht
mehr beunruhigen. Werd' ich sie erhalten?
Bolingbroke.
Nennet sie, geliebter Vetter.
König Richard.
Geliebter Vetter! Ah! ich bin grösser als ein König; denn wie ich
ein König war, waren meine Schmeichler meine Unterthanen; nun da
ich ein Unterthan bin, hab ich einen König zum Schmeichler. Da ich
ein so grosser Mann bin, so hab ich nicht nöthig zu bitten.
Bolingbroke.
So fordert.
König Richard.
Und soll ich's haben?
Bolingbroke.
Ihr sollt.
König Richard.
So erlaubt mir wegzugehen.
Bolingbroke.
Wohin?
König Richard.
Wohin ihr wollt, wenn es nur aus euerm Gesicht ist.
Bolingbroke.
Einige von euch sollen ihn nach dem Tower begleiten--Auf nächsten
Mitwoch sezen wir unsre Krönung fest: Milords, haltet euch dazu
gefaßt.
(Alle gehen ab, bis auf den Abbt von Westmünster, den Bischoff und
Aumerle.)
Vierte Scene.
Abbt.
Welch ein jammervolles Schauspiel, das wir hier gesehen haben!
Bischoff.
Der Jammer wird erst kommen; die noch ungebohrne Nachwelt wird
diesen Tag so scharf wie einen Dorn in ihrem Fleische fühlen.
Aumerle.
Ihr heiligen Priester, ist denn kein Mittel, das Reich vor diesem
verderblichen Unwesen zu retten?
Abbt.
Eh ich euch hierüber mein Innerstes entdeke, sollt ihr das
Sacrament darauf empfangen, daß ihr nicht nur mein Vorhaben
verschwiegen halten, sondern auch alles vollziehen wollet, was ich
euch nur immer auftragen werde. Ich sehe eure Stirne voll
Mißvergnügen, euer Herz voll Gram, und eure Augen voll Thränen.
Kommt mit mir heim zum Nacht-Essen, und da wollen wir den Grund zu
einem Entwurf legen, der uns einen glüklichen Tag sehen lassen soll.
(Sie gehen ab.)
Fünfter Aufzug.
Erste Scene.
(Eine Strasse in London.)
(Die Königin mit ihren Damen tritt auf.)
Königin.
Diesen Weg wird der König kommen: Diß ist der Weg zu jenem fatalen
Thurm, den Julius Cäsar aufführte, und worein der stolze
Bolingbroke meinen Herrn zur Gefangenschaft verurtheilt hat. Hier
wollen wir ausruhen; wenn diese aufrührische Erde anders noch eine
Ruhe für ihres rechtmäßigen Königs Gemalin hat.--
(König Richard tritt mit seiner Wache auf.) Aber stille! aber
seht, doch seht lieber nicht, wie verwelkt meine schöne Rose ist--
Nein, seht auf, schaut und zerfließt aus Mitleiden in Thau, um ihn
mit den Thränen einer getreuen Liebe wieder frisch zu waschen. O
du, der Trümmer, wo das alte Troja stand, du Ruin der Majestät, du
Grabmal von König Richard, und nicht König Richard selbst! Du
schöner Gasthof, soll Gram und Jammer in dir herbergen, indeß daß
Triumph der Gast in einer Bierschenke worden ist?
König Richard.
Vereinige dich nicht mit meinem Kummer, schönes Weib, mein Ende zu
sehr zu beschleunigen. Lerne, gute Seele! unsern vorigen Zustand
als einen glüklichen Traum ansehen, von dem wir nun erwacht sind,
und uns in der That in keinen bessern Umständen finden, als worinn
wir sind. Meine Liebe, ich bin ein geschworner Bruder der
unerbittlichen Nothwendigkeit, und wir beyde werden im Bündniß
stehen bis zum Tode. Eile du nach Frankreich, und verbirg dich in
irgend eine andächtige Freystätte. Es ist uns nichts übrig, als
durch ein heiliges Leben die Crone in einer bessern Welt wieder zu
gewinnen, die wir durch unheilige Stunden verlohren haben.
Königin.
Wie? Ist mein Richard an Gestalt und Gemüth verwandelt? Hat
Bolingbroke auch deinen Geist abgesezt? Ist er bis in dein Herz
eingedrungen? Ein sterbender Löwe sträubt sich, und verwundet, aus
Wuth überwältigt zu seyn, wenigstens die Erde, wo er fiel; und du,
willt wie ein unmündiger Knabe deine Züchtigung mit Sanftmuth
empfangen, die Ruthe küssen, und deinem Feind mit schaamwürdiger
Demuth die Füsse lecken, du, der ein Löwe, ein König der Thiere war?
König Richard.
Ein König von Thieren, in der That; und wenn es nichts als Thiere
gewesen wären, so wär' ich noch ein glüklicher König von Menschen.
Meine gute ehmalige Königin, mache dich reisefertig nach Frankreich.
Denk, ich sey todt, und daß du eben hier, als bey meinem Todbette,
den lezten Abschied von mir nimmst. In verdrieslichen
Winternächten size mit guten alten Leuten zum Feuer, und laß dir
Geschichten von Jammer und Unglük erzählen, die längst begegnet
sind; und ehe du ihnen gute Nacht giebst, erzähl' ihnen hinwieder
meinen kläglichen Fall, und schike die hörenden weinend zu Bette--
Zweyte Scene.
(Northumberland und Gefolge zu den Vorigen.)
Northumberland.
Milord, Bolingbrok hat seine Gedanken geändert, ihr sollt nach
Pomfret, nicht nach dem Tower--Madam, es sind schon Anstalten
euertwegen gemacht; ihr müßt in möglichstes Eile nach Frankreich.
König Richard.
Northumberland, du Leiter, auf welcher Bolingbroke an meinen Thron
hinaufgestiegen ist; die Zeit wird nicht lange aussenbleiben, da
dein schwährendes Verbrechen von faulem Eyter aufbrechen wird. Du
wirst denken, wenn er gleich das Reich theilt, und dir die Hälfte
giebt, es sey zu wenig, weil du ihm alles gegeben habest; und er
wird denken, du, der den Weg kennt unrechtmäßige Könige zu sezen,
werdest, auf die kleinste Veranlassung, auch wissen, ihn wieder, so
lang er ist, von seinem angemaßten Thron herab zu stürzen. Die
Liebe lasterhafter Freunde verwandelt sich in Mißtrauen, und diß
Mißtrauen in Haß; und der Haß wird einen oder beyde dem verdienten
Untergang überliefern.
Northumberland.
Mein Verbrechen sey über meinem Haupt, und soviel hievon! Nehmt
Abschied von einander, ihr müßt scheiden.
König Richard.
Doppelt geschieden? Gottlose Leute, ihr entheiligt eine zweyfache
Ehe; zwischen mir und meiner Crone, und zwischen mir und meinem
vermählten Weib. Laß mich den Eid hinwegküssen, der dich und mich
vereinigt; und doch, nicht so, denn mit einem Kuß ward er gemacht.
Scheid' uns, Northumberland; ich, nach Norden, wo schauernde Kälte
das kranke Clima verzehrt; meine Königin nach Frankreich, von
wannen sie im Pomp herübergesandt wurde, geschmükt wie der holde
May, nun zurük geschikt, verdüstert und traurig wie der kürzeste
Tag.
Königin.
Und müssen wir denn getrennt seyn? Müssen wir denn scheiden?
König Richard.
Ja, Hand von Hand, meine Liebe, und Herz von Herz.
Königin.
Verbannet uns beyde, und schikt den König mit mir.
Northumberland.
Das wäre gütig, aber sehr unpolitisch.
Königin.
So laßt mich mit ihm gehen.
König Richard.
Weine du in Frankreich für mich, und ich will hier für dich weinen;
es ist besser entfernt, als näher geschieden zu seyn. Geh, zähle
deinen Weg mit Seufzern ab, ich mit Ächzen den meinigen.
Königin.
So wird der längste Weg die meisten Seufzer haben.
König Richard.
Ich will bey jedem Schritt zweymal ächzen, weil mein Weg der
kürzere ist. Komm, komm, ein Kuß soll uns den Mund schliessen, und
dann fahr' wohl; so geb' ich dir mein Herz, und so nehm' ich deines.
(Sie küssen sich.)
Königin.
Nein, gieb mir das meinige zurük; es wäre kein schöner Abschied,
wenn ich dein Herz mit mir nehmen wollte, um es zu tödten.
(Sie küssen sich wieder.)
So, nun hab' ich das Meinige wieder, damit ich mich bestreben kan,
es mit einem Seufzer zu tödten.
König Richard.
Wir vermehren nur unsern Schmerz mit diesen zärtlichen
Verzögerungen; noch einmal, leb' wohl; das übrige laß unsre Thränen
sagen.--
(Sie gehen ab.)
Dritte Scene.
(Des Herzogs von York Palast.)
(York und seine Herzogin treten auf.)
Herzogin.
Milord, ihr wolltet fortfahren, mir den Einzug unsrer beyden
Vettern in London zu erzählen, als ihr durch Thränen genöthigt
wurdet, eure Geschichte zu unterbrechen.
York.
Wo blieb ich stehen?
Herzogin.
Bey dem kläglichen Absaz, Milord, da ruchlose unmenschliche Hände
aus einem Fenster Staub und Auskehricht auf König Richard herunter
schütteten.
York.
Der Herzog, der grosse Bolingbroke, von einem heissen feurigen
Hengst getragen, der, als ob er seinen emporstrebenden Reuter kenne,
mit langsamem aber stolzem Schritt dahergieng, sezte also, wie ich
sagte, seinen Zug fort, indem alle Zungen ihm entgegenriefen: Gott
erhalte dich, Bolingbroke! Unzähliche weitoffne Augen schossen
ihre verlangende Blike nach ihm, und das Zujauchzen war so groß,
daß ihr gedacht hättet, die Mauren selbst mit den Bildern womit sie
übermahlt sind, hätten auf einmal zu ruffen angefangen: Gott
erhalte dich, willkommen, Bolingbroke! Indeß daß er, sich immer
von einer Seite zur andern drehend, mit entblößtem Haupt, und alle
Augenblike bis unter seines stolzen Rosses Kopf sich bükend, ihnen
antwortete: Ich danke euch, meine Mitbürger; und so zog er langsam
die Strasse durch.
Herzogin.
O Jammer! Armer Richard! Wie gieng es ihm indessen?
York.
Wie in einem Schauspiel die Augen der Leute, wenn ein beliebter
Schauspieler die Scene verläßt, sich unachtsam von demjenigen
wegwenden, der zunächst auftritt, in der Einbildung, daß sie nichts
als ein langweiliges Gewäsche von ihm zu erwarten haben; eben so,
oder noch verächtlicher, runzelte sich jede Stirne, da Richard kam;
niemand rief. Gott erhalte ihn! Keine erfreute Zunge hieß ihn in
seiner Hauptstadt willkommen; sondern Staub wurde auf sein
geheiligtes Haupt geschüttet, den er mit einem so sanftmüthigen
Schmerz und mit einem Gesicht, worinn Thränen und Lächeln, auf eine
so herzrührende Art kämpften, von sich abschüttelte, daß, hätte
nicht Gott, aus irgend einer furchtbaren Ursache, die Herzen der
Menschen verhärtet, sie nothwendig hätten schmelzen, und Barbarey
selbst ihn hätte beweinen müssen. (Aber der Himmel hat seine Hand
in diesen Begebenheiten, und in seinen hohen Willen müssen wir den
unsrigen ergeben. Wir sind nun Bolingbroks Unterthanen, und ihm
hab' ich nun auf ewig meine Treue angelobt.)
Vierte Scene.
(Aumerle zu den Vorigen.)
Herzogin.
Hier kommt mein Sohn, Aumerle.
York.
Der Aumerle war, und es nicht mehr ist, weil er Richards Freund war.
Ihr müßt ihn nunmehr Rutland nennen, Madam; ich bin Bürge im
Parlament für seine Treue gegen den neuen König worden.
Herzogin.
Willkommen, Sohn; wo sind nun die Veilchen, die den grünen Schooß
des jungen Frühlings bestreuen?
Aumerle.
Madam, ich weiß es nicht, und bekümmre mich wenig darum. Gott weiß,
daß es mir gleichgültig ist, ob ich bin, oder ob ich nicht bin.
York.
Gut, betragt euch wohl in diesem Frühling einer neuen Zeit, sonst
möchtet ihr abgeschnitten werden, eh ihr geblüht habt. Was giebts
neues von Oxford? Dauren diese Lustbarkeiten und Ritterspiele noch
immer fort?
Aumerle.
So viel ich weiß, noch immer.
York.
Geht ihr auch dahin?
Aumerle.
Wenn Gott es nicht verhindert, so ist es mein Vorsaz.
York.
Was für ein Siegel ist das, so aus deinem Busen heraushängt--Wie,
du erblassest? Laß mich die Schrift sehen.
Aumerle.
Es ist nichts, Milord.
York.
So ist auch nichts daran gelegen, daß ichs sehe. Ich will
befriedigt seyn, laß mich die Schrift sehen.
Aumerle.
Ich bitte Euer Gnaden um Vergebung; es ist eine Kleinigkeit, die
ich aus gewissen Ursachen nicht gerne sehen lassen möchte.
York.
Die ich aus gewissen Ursachen sehen will, Herr. Ich fürchte, ich
fürchte--
Herzogin.
Was könnt ihr fürchten, Milord? Es wird nichts als irgend eine
Handschrift seyn, die er wegen seiner Equipage zum Einzug
ausgestellt haben wird.
York.
Ich glaube du bist nicht klug, Weib--Jung, laß mich die Schrift
sehen.
Aumerle.
Ich bitte euch, haltet mir's zu Gnaden; ich kan es nicht sehen
lassen.
York.
Ich will es aber sehen, sag ich--
(Er reißt ihms weg und ließt es.)
Verrath! Schändlicher Hochverrath! Nichtswürdiger! Verräther!
Sclave!
Herzogin.
Was ist es dann, Milord?
York.
He! wer ist da drinn? Sattlet mein Pferd. Himmel, was für eine
Verrätherey ist das!
Herzogin.
Wie, was ist es, Milord?
York.
Meine Stiefel her, sag ich; sattlet mein Pferd. Nun bey meiner
Ehre, bey meinem Leben, ich will dein Ankläger seyn, Bösewicht.
Herzogin.
Was ist es dann?
York.
Still, närrisches Weibsbild.
Herzogin.
Ich will nicht still seyn; was ist es, Sohn?
Aumerle.
Meine gute Mutter, gebt euch zufrieden, es ist nichts mehr, als
wovor mein armes Leben gut stehen muß.
Herzogin.
Dein Leben!
Fünfte Scene
(Ein Bedienter kommt mit Stiefeln herein.)
York.
Gieb mir die Stiefel her; ich will zum Könige.
Herzogin.
Schlag ihn zu Boden, Aumerle--(Armer Junge, du bist betäubt.) Weg,
Schurke, und komm mir nicht mehr vor die Augen.
(Zum Bedienten.)
York.
Meine Stiefel!
Herzogin.
Wie, York, was willt du thun? Du willt den Tod deines eignen Kinds
befördern? Haben wir noch mehr Söhne? Oder können wir noch mehr
bekommen? Willt du meinen einzigen Sohn in meinem Alter von mir
reissen, und mich des glükseligen Namens einer Mutter berauben?
Ist er nicht dein eigen?
York.
Du zärtliche Thörin! Wolltest du diese schwarze
Zusammenverschwörung verheeren? Ihrer Zwölfe haben das Sacrament
empfangen, und sich die Hände darauf gegeben, den König zu Oxford
zu ermorden.
Herzogin.
Das soll er nicht; wir wollen ihn hier behalten.
York.
Weg, närrisches Weib. Wär' er zwanzigmal mein Sohn, so wollt' ich
ihn angeben.
Herzogin.
Hättest du seinetwegen ächzen müssen wie ich, du würdest
mitleidiger seyn. Aber nun merke ich deine Gedanken; du argwöhnest,
daß ich deinem Bette ungetreu gewesen sey, und daß er ein Bastard
sey, nicht dein Sohn; liebster York, liebster Gemal, denke nicht so;
er ist dir so gleich als man seyn kan; er ist weder mir noch
irgend jemand aus meiner Verwandtschaft ähnlich, und doch lieb ich
ihn.
York.
Aus dem Weg, widerspenstiges Weibsbild.
(Er geht ab.)
Herzogin.
Geh ihm nach, Aumerle; besteig' sein Pferd, sporn' es so gut, daß
du vor ihm zum König kommst, und bitt' um Gnade, eh er dich
anklagen kan. Ich will nicht lange dahinten bleiben; wenn ich
schon alt bin, so will ich doch noch wol so schnell reiten als York;
und nimmer will ich vom Boden aufstehen, bis Bolingbroke dich
begnadigt hat. Hinweg.
(Sie gehen ab.)
Sechste Scene.
(Verwandelt sich in den Hof zu Windsor.)
(Bolingbroke, Percy, und andre Lords treten auf.)
Bolingbroke.
Kan mir niemand Nachricht von meinem ungerathnen Sohne geben? Es
sind volle drey Monate, seitdem ich ihn das leztemal sah. Wenn ja
eine Plage über uns hängt, so ist es er; ich wollte zu Gott,
Milords, daß er gefunden würde. Fragt zu London in den
Weinschenken nach ihm, denn dort sagt man, hält er sich täglich in
Gesellschaft zügelloser lüderlicher Leute auf, sogar mit solchen,
die in holen Wegen lauren und die Reisenden berauben, indeß daß der
junge ausgelassene Bube eine Ehre darinn sucht, eine so schändliche
Rotte zu beschüzen.
Percy.
Gnädigster Herr, es sind etwann zween Tage, daß ich den Prinzen sah,
und ihm von den Ritterspielen zu Oxford erzählte.
Bolingbroke.
Und was antwortete der Busch-Klöpfer?
Percy.
Er sagte, er wolle in ein Bordel, und der gemeinsten Meze einen
Handschuh abziehen, ihn ihr zu Ehren auf den Hut steken, und damit
den herzhaftesten Ritter aus dem Sattel heben.
Bolingbroke.
So lüderlich als wild; und doch seh' ich durch beydes einige Funken
von Hoffnung schimmern, welche mit zunehmenden Jahren glüklich
ausschlagen mögen. Aber wer kommt hier? (Aumerle zu den Vorigen.)
Aumerle.
Wo ist der König?
Bolingbroke.
Was hat unser Vetter, daß er so starr und wild aussieht?
Aumerle.
Gott erhalte Euer Majestät. Ich bitte euch, etliche Augenblike mit
Euer Majestät allein sprechen zu dürfen.
Bolingbroke.
Entfernet euch, und laßt uns hier allein; was ist dann nun die
Sache, Vetter?
Aumerle (kniend.)
Auf ewig mögen meine Knie in die Erde wachsen, und meine Zunge an
meinen Gaumen, oder Euer Majestät ertheile mir Gnade, eh ich rede!
Bolingbroke.
Was ist dein Fehler, vorgesezt, oder würklich begangen? Wenn nur
das erste, so groß er seyn mag, so vergeb' ich ihn dir, um deine
künftige Liebe zu gewinnen.
Aumerle.
So erlaubet mir, Gnädigster Herr, daß ich den Schlüssel umdrehen
darf, damit niemand herein komme, bis meine Erzählung zu ende ist.
Bolingbroke.
Das magst du.
York (hinter der Scene.)
Gnädigster Herr, nehmt euch in Acht, seht euch vor, ihr habt einen
Verräther bey euch.
Bolingbroke (zu Aumerle.)
Nichtswürdiger, ich will bald mit dir fertig seyn--
Aumerle.
Halt deine rächende Hand zurük, du hast keine Ursache zu fürchten.
York.
Mach die Thür auf, sichrer, unbesonnener König; öffne die Thür,
oder ich werde sie einstossen.
Siebende Scene.
(York zu den Vorigen.)
Bolingbroke.
Was giebt es, mein Oheim? Sprich, komm erst zu Athem; sag uns, wie
nah ist die Gefahr, damit wir uns waffnen können, ihr entgegen zu
gehen?
York.
Überlies diese Schrift, so wirst du die Verrätherey kennen, von
der ich, athemloß wie ich bin, noch nicht reden kan.
Aumerle.
Erinnre dich, indem du liesest, deines gegebnen Versprechens. Es
reuet mich, lies meinen Namen nicht, mein Herz ist kein
Bundsgenosse meiner Hand.
York.
Nichtswürdiger, dein Herz war ein Verräther, eh deine Hand es war--
ich riß es aus des Verräthers Busen, König. Furcht, nicht Liebe
zeugt seine Reue; habe kein Mitleiden mit ihm, oder dein Mitleiden
möchte eine Schlange werden, und dein Herz durchstechen.
Bolingbroke.
O grauliche, verwegne und mächtige Verschwörung! O rechtschaffner
Vater eines verrätherischen Sohns, du reine, unbeflekte
Silberquelle, aus welcher dieser Strom durch sumpfige Örter
geflossen, und so sich selbst verunreinigt hat. Der Überfluß
deiner Verdienste soll diesen tödtlichen Fleken von deinem
verbrecherischen Sohn abwaschen.
York.
So würde meine Tugend die Kupplerin seines Lasters seyn; und wie
verschwendrische Söhne ihrer kargen Väter Gold, so würde er durch
seine schändliche Thaten meine Ehre verprassen.* Meine Ehre lebt
nur, wenn seine Schande stirbt; du tödtest mich, du tödtest den
rechtschaffnen Mann, wenn du den Verräther leben lässest.
{ed.-* Von hier bis zur 9ten Scene lauter Reime im Original.}
Die Herzogin (hinter der Scene.)
O! Gnädigster Herr, um Gottes willen, laßt mich ein.
Bolingbroke.
Was für ein hellstimmiger Supplicant macht dieses ängstliche
Geschrey?
Herzogin.
Ein Weib, und deine Tante, grosser König, ich bin's. O lasset mich
vor, habet Mitleiden mit mir, laßt die Thür öffnen. Eine Bettlerin
bettelt, die zuvor noch nie gebettelt hat.
Bolingbroke.
Unsre Scene hat ihre ernsthafte Gestalt verlohren, und hat sich in
den Bettler und den König verwandelt; mein gefährlicher Vetter,
laßt eure Mutter herein, sie kommt ohne Zweifel für euch zu bitten.
York.
Wenn du vergiebst, wer es auch sey, der dich um Gnade bittet, so
wird deine Gnade die Aufmuntrung zu neuen Verbrechen seyn.
Schneide dieses eyternde Gelenk ab, so bleibt das übrige gesund; wo
nicht, so wird der ganze Leib angestekt werden.
Achte Scene.
(Die Herzogin von York zu den Vorigen.)
Herzogin.
O König, glaube nicht diesem hartherzigen Mann; wer kan jemand
andern lieben, der sich selbst nicht liebt?
York.
Du aberwiziges Weibsbild, was machst du hier?--
Herzogin.
Geduld, lieber York; höret mich, Gnädigster Herr.
(Sie kniet.)
Bolingbroke.
Steht auf, meine Tante.
Herzogin.
Noch nicht, ich bitte euch; ewig will ich hier auf meinen Knien
ligen, bis du durch die Begnadigung meines armen Sohns mir das
Leben giebst.
Aumerle.
Kniend füg' ich zu meiner Mutter Bitte die meinige.
York.
Und kniend heißt mich meine Treue wider beyde bitten; nimmer wirst
du gedeyhen, wenn du Gnade widerfahren lässest.
Herzogin.
Bittet er im Ernst? O betrachtet sein Gesicht; seine Augen lassen
keine Thränen fallen, sein Bitten ist nur Verstellung, seine Worte
kommen nur aus seinem Mund, unsre aus dem Herzen; er bittet nur, um
nicht erhört zu werden, wir bitten mit Herz und Seele; seine müden
Knie, ich weiß es, hoffen freudig aufzustehen; die unsrige sollen
knien, bis sie in den Boden wachsen. O so laßt dann unser
aufrichtiges Flehen seine heuchlerische Bitte überschreyen!
Bolingbroke.
Meine liebe Tante, steht auf.
Herzogin.
Nein, sagt nicht, daß ich aufstehen soll, ihr habt dann zuvor seine
Begnadigung ausgesprochen. O wär ich deine Amme, und sollte dich
reden lehren, Gnade sollte das erste Wort seyn, das deine Zunge
aussprechen lernte. Noch nie verlangte ich mit Ungeduld ein Wort
zu hören als izt, o König, sprich Gnade, so erhältst du zwey Leben
mit einem Wort.
Bolingbroke.
Steht auf, meine gute Tante.
Herzogin.
Ich bitte nicht, um Erlaubniß, zu stehen; Vergebung ist alles,
warum ich bitte.
Bolingbroke.
Ich vergebe ihm, wie der Himmel mir vergeben soll!
Herzogin.
O! du bist ein Gott auf Erden! Wo ist ein Wort, das aus einem
königlichen Munde schöner tönt? O! Sag es noch einmal, mein
ängstlich-zweifelndes Herz gewiß zu machen.
Bolingbroke.
Von ganzem Herzen vergeb' ich ihm. Aber was unsern getreuen
Schwager, den Abbt, betrift--und alle übrige von dieser zusammen-
verschwornen Rotte, die soll unerbittliches Verderben an den Fersen
ereilen!--Mein geliebter Oheim, sorget dafür, daß eine hinlängliche
Anzahl von Truppen nach Oxford, oder wo diese Verräther immer seyn
mögen, abgeordnet werde. Ich will sie haben, sobald ich weiß wo
sie sind, und ich schwöre sie sollen in dieser Welt nicht leben!
Lebet wohl, Oheim; und ihr, Vetter, Adieu; eure Mutter hat euch
gute Dienste gethan; es ist nun an euch, einen guten Gebrauch davon
zu machen.
Herzogin.
Komm, mein alter Sohn; ich bitte den Himmel, daß er dich neu mache.
(Sie gehen ab.)
Neunte Scene.
(Exton und ein Bedienter treten auf.)
Exton.
Hörtest du die Worte nicht, die dem König entfuhren: "Hab ich denn
keinen Freund, der mich von diesen unaufhörlichen Besorgnissen
befreyen mag?" Sagte er nicht so?
Bedienter.
Das waren würklich seine Worte.
Exton.
"Hab' ich keinen Freund?"--sagte er; er sagte es zweymal, und
zweymal mit einer gewissen Heftigkeit. That er's nicht?
Bedienter.
Er that es.
Exton.
Und indem er's sagte, sah' er mir starr ins Gesicht, als wollt' er
sagen--Ich wünsche, du wär'st der Mann, der mein Herz dieser
Besorgnisse erledigen möchte--er meynte den König zu Pomfret. Komm,
wir wollen gehen--Ich bin des Königs Freund, und will ihm von
seinem Feinde helfen.
(Sie gehen ab.)
Zehnte Scene.
(Verwandelt sich in das Gefängniß zu Pomfret-Castle.)
(König Richard tritt auf.)
König Richard.
Ich studiere schon lange, wie ich dieses Gefängniß, worinn ich lebe,
mit der Welt vergleichen wolle; und weil die Welt volkreich ist,
und hier kein anders Geschöpf als ich selbst, so kan ich nicht
damit zurecht kommen. Und doch will ich's versuchen--Mein Gehirn
soll das Weib meiner Seele werden, und meine Seele, der Vater; und
diese zwey sollen ein Geschlecht von Gedanken mit einander zeugen,
und diese Gedanken sollen diese kleine Welt bevölkern, humorisirt,
wie die Einwohner der grossen Welt, denn kein Gedank' ist zufrieden.
Sogar die besten (die Gedanken von göttlichen Dingen) sind mit
Zweifeln untermischt, und sezen das Wort selbst dem Wort entgegen;
zum Exempel: Kommt, ihr Kleinen; und dann wieder: Es ist so schwer
zu kommen, als einem Cameel durch ein Nadelöhr zu gehen.--Gedanken,
die nach Unabhänglichkeit streben, brüten unmögliche Wunder aus,--
wie diese schwachen Nägel mir eine Öffnung durch die steinernen
Rippen dieser Kerker-Mauren krazen könnten, und weil sie es nicht
können, so zerplazen sie an ihrem eignen schwellenden Stolz.
Gedanken, die nach Vergnügen streben, schmeicheln sich selbst, "sie
seyen nicht die ersten Sclaven des Glüks, und werden nicht die
lezten seyn," (wie schelmisches Bettelvolk, wenn sie im Stok sizen,
sich damit trösten, daß schon viele da gesessen sind, und noch
viele sizen werden.) Und in diesem Gedanken finden sie eine Art von
Erleichterung, indem sie ihr eignes Elend auf dem Rüken derer
tragen, die ehmals das nemliche ausgestanden haben. So spiel ich,
in einem Gefängniß, mancherley Personen, wovon keine mit sich
selbst zufrieden ist. Zuweilen bin ich ein Fürst; dann macht
Verrätherey, daß ich mich zu einem Bettler wünsche, und das bin ich.
Alsdann überredet mich die Dürftigkeit, es sey mir besser gewesen,
da ich ein Fürst war, und dann werd' ich wieder gefürstet; und
unvermerkt besinn' ich mich, daß mich Bolingbroke entfürstet hat,
und da bin ich wieder nichts--Was ich aber seyn mag, so ist doch
dieses gewiß, weder ich noch irgend ein andrer, wer er seyn mag,
wird eher nicht zur Ruhe kommen, bis er nicht mehr ist--Hör' ich
nicht Musik?
(Eine Musik.)
Ha, ha! Haltet den Tact; wie widrig die anmuthigste Musik ist,
wenn das Zeitmaaß gebrochen, und die Proportion nicht gehalten wird!
So ist es auch mit der Musik des menschlichen Lebens--Wie kommt
es, daß ich ein so feines Ohr habe, von dem kleinsten Mißklang
einer verstimmten Sayte, oder eines verspäteten Tons beleidigt zu
werden; und daß ich kein Ohr hatte, die schlechte Zusammenstimmung
in meinem Staat, das gebrochne Zeitmaaß in meiner Regierung zu
bemerken? Ich verderbte die Zeit; nun verderbt die Zeit mich. Die
Zeit hat nun ihre Stunden-Uhr aus mir gemacht; meine Gedanken sind
die Minuten, und meine jammernden Seufzer die Töne, die an mein
Herz anschlagen, und so die Stunden anzeigen--Diese Musik macht
mich närrisch--laßt sie schweigen; wenn sie gleich schon öfters
närrischen Leuten wieder zu ihrem Verstand geholfen hat, so scheint
es doch an mir, daß sie kluge Leute närrisch mache. Und doch
gesegnet sey der, so sie mir giebt; es ist immer ein Zeichen seiner
Liebe, und Liebe zu Richard ist ein seltnes Kleinod in einer Welt,
wo der Haß allezeit den Fall begleitet.
Eilfte Scene.
(Ein Stallknecht kommt herein.)
Stalknecht.
Heil, königlicher Herr!
König Richard.
Grossen Dank, edler Pair. Der Wohlfeilste von uns beyden ist um
zehn Groschen zu theuer. Wer bist du? Wie kommst du hieher?
Wohin niemand kommt, als ein schwermüthiger Sclave, der mir zu
essen bringt; um mein Unglük zu verlängern.
Stalknecht.
Ich war ein armer Stallknecht in deinem Marstall, König, wie du
noch ein König warst; und da ich unlängst nach York reisen mußte,
so hab' ich um die Erlaubniß angesucht, meinen ehmaligen Herrn
sehen zu dürfen. O wie weh that mir's im Herzen, wie ich in den
Strassen von London, an dem Krönungs-Tag zusehen mußte, wie
Bolingbroke auf dem weiß- und roth getüpfelten Barber, euerm
Leibpferd, ritt; auf diesem Pferd das ihr so oft geritten, und das
ich mit so grosser Sorgfalt abgerichtet hatte.
König Richard.
Ritt er auf meinem Barber? Sag mir, mein guter Freund, wie gieng
er unter ihm?
Stalknecht.
So stolz, als ob er den Boden aus Verachtung nicht berühren wolle.
König Richard.
So stolz, weil er Bolingbrok auf seinem Rüken hatte? Die
Schindmähre hat Brodt aus meiner königlichen Hand gefressen; diese
Hand hat ihn so oft durch streicheln stolz gemacht. Und er
stolperte nicht? Er fiel nicht, und brach diesem übermüthigen Mann
den Hals, der seinen Rüken usurpirte? Um Vergebung, du gutes Pferd!
du verdienst mein Schelten nicht; du warst dazu geschaffen, dem
Menschen unterthan zu seyn, und zum Tragen gebohren. Ich war zu
keinem Pferd gemacht, und doch trag' ich die Last eines Esels, und
lasse mich von dem trottenden Bolingbroke mit Sporrn zerfleischen
und zuschanden reiten.
Zwölfte Scene.
(Ein Hüter mit einer Schüssel, zu den Vorigen.)
Hüter.
Kerl, mach' Plaz, du darfst nicht länger bleiben.
(Zum Stallknecht.)
König Richard.
Wenn du mich liebst, so ist es Zeit, daß du gehst.
Hüter.
Milord, beliebt es euch zu essen?
König Richard.
Kost' es vorher, wie du gewohnt bist.
Hüter.
Milord, ich darf nicht; Sir Pierce von Exton, der kürzlich auf des
Königs Befehl hieher gekommen ist, hat mir's verboten.
König Richard.
Der Teufel hole Heinrichen von Lancaster und dich! Die Geduld geht
mir aus.
(Er schlägt den Hüter.)
Hüter.
Hülfe, Hülfe, Hülfe!--(Exton und Bediente zu den Vorigen.)
König Richard.
Wie? was soll das bedeuten? Kommt ihr mich zu ermorden?--
Unglükseliger, stirb durch dein eignes Schwerdt!
(Er reißt einem sein Schwerdt aus der Hand und stoßt ihn nieder.)
Geh du und füll' einen andern Plaz in der Hölle aus,
(er tödtet noch einen; Exton schlägt ihn mit einem Streich zu Boden,
)
diese Hand soll in unauslöschlichem Feuer brennen die mit des
Königs Blut des Königs eignes Land befleket hat!--Erheb' erhebe
dich, meine Seele, einen himmlischen Thron einzunehmen, indem mein
sterblicher Theil zur Erde sinkt.
(Er stirbt.)
Exton.
So voll von Tapferkeit als königlichem Blut! Und dieses hab' ich
nun vergossen! O wie wollt ich, daß diese That gut wäre! Aber der
Teufel, der mir sagte, ich thue recht, sagt izt, daß sie in die Tag-
Bücher der Hölle eingeschrieben ist. Ich will nun diesen todten
König zu dem lebenden tragen; ihr, schleppt die übrigen fort, und
sorgt, daß sie hier begraben werden.
(Sie gehen ab.)
Dreyzehnte Scene.
(Verwandelt sich in den Hof zu Windsor.)
(Trompeten; Bolingbroke, York, Lords und Gefolge treten auf.)
Bolingbroke.
Mein geliebter Oheim York, die neueste Nachricht die wir haben, ist,
das die Rebellen unsre Stadt Cicester in Glocesterschire in Brand
gestekt haben; aber wir hören nicht, ob sie geschlagen oder
gefangen worden--
(Northumberland zu den Vorigen.) Willkommen, Milord, was bringt
ihr neues?
Northumberland.
Zuerst wünsch' ich deiner geheiligten Person und Regierung
vollkommne Glükseligkeit; die nächste Zeitung ist, daß ich die
Köpfe von Salisbury, Spencer, Blunt und Kent nach London geschikt
habe. Die Umstände ihrer Gefangennehmung sind aus diesem Papier
ausführlich zu ersehen.
Bolingbroke.
Wir danken dir, werther Percy, für deine Mühe, und werden deine
Verdienste nach Würden zu belohnen wissen. (Fizwater zu den
Vorigen.)
Fizwater.
Gnädigster Herr, ich habe die Köpfe von Broccas und Sir Bennet
Seely von Oxford nach London geschikt, von zween jener zusammen-
verschwornen Verräther, die eure Majestät zu Oxford zu unterdrüken
suchten.
Bolingbroke.
Deine Bemühungen und Verdienste sollen nicht vergessen werden,
Fizwater; ich weiß und schäze ihren Werth. (Percy und der Bischoff
von Carlisle zu den Vorigen.)
Percy.
Das Haupt der Zusammen-Verschwornen, der Abbt von Westmünster, hat,
von Schwermuth und Gewissens-Bissen erdrükt, seinen Leib dem Grab
abgetreten; aber hier ist Carlisle, der euerm königlichen Urtheil
über sein Verbrechen sich unterwirft.
Bolingbroke.
Carlile, diß ist dein Urtheil; wähle dir irgend eine stille
geheiligte Freystädte aus, und geniesse darinn deines Lebens; und
so wie du in Ruhe leben wirst, sollst du ruhig sterben: Ob du
gleich immer mein Feind warest, so ehr' ich doch deine Tugend.
(Exton tritt mit einem Sarg auf.)
Exton.
Grosser König, in diesem Sarg überliefre ich dir deine begrabne
Besorgnisse. Hierin ligt athemlos der gröste von deinen Feinden,
Richard von Bourdeaux, von mir hieher gebracht.
Bolingbroke.
Exton, ich danke dir nicht; deine fatale Hand hat Schmach und Fluch
über mein Haupt, und über dieses ganze ruhmvolle Land gebracht.
Exton.
Aus euerm eignen Munde, Gnädigster Herr, that ich diese That.
Bolingbroke.
Man kan Gift nöthig haben, aber man liebt es nicht, und ich dich
eben so wenig; ob ich ihn gleich todt wünschte, so haß ich doch den
Mörder, und liebe nun den Ermordeten. Nimm du die Schuld eines
bösen Gewissens für deine Mühe, aber weder meinen Beyfall noch
meine Gnade. Geh, wandre wie Cain durch den Schatten der Nacht,
und zeige nie dem Tag dein verabscheutes Antliz. Milords, ich
schwöre euch, meine Seele ist bekümmert, daß Blut mich besprengen
soll, damit ich wachsen möge. Kommt, leget die Farbe der
kummervollen Traurigkeit an. Ich will einen Zug in das gelobte
Land thun, um dieses Blut von meiner schuldigen Hand abzuwaschen.
Folget mir in stillschweigender Trauer, und weinet mit mir über
dieser unzeitigen Baare.
(Sie gehen alle ab.)
1
,
;
2
,
.
,
3
,
;
4
.
5
6
.
7
.
8
9
.
10
.
!
,
11
-
-
,
12
,
13
,
14
.
,
,
15
,
,
16
.
17
,
18
.
'
?
19
20
.
21
,
.
22
23
.
24
!
!
;
25
,
;
26
,
.
27
,
.
28
29
.
30
.
31
32
.
33
'
?
34
35
.
36
.
37
38
.
39
.
40
41
.
42
?
43
44
.
45
,
.
46
47
.
48
-
-
49
:
,
50
.
51
52
(
,
,
53
.
)
54
55
56
57
.
58
59
60
.
61
,
!
62
63
.
64
;
65
.
66
67
.
68
,
,
69
?
70
71
.
72
,
73
,
74
,
,
75
.
76
,
,
.
77
-
,
78
,
.
79
80
(
.
)
81
82
83
84
85
.
86
87
88
89
.
90
(
.
)
91
(
.
)
92
93
94
.
95
:
96
,
,
97
.
98
;
99
.
-
-
100
(
.
)
!
101
,
,
-
-
102
,
,
,
103
.
104
,
,
,
,
105
,
!
106
,
,
107
?
108
109
.
110
,
,
111
.
,
!
112
,
,
113
,
114
.
,
115
,
116
.
,
117
.
,
118
119
,
.
120
121
.
122
?
?
123
?
124
?
,
,
125
,
,
;
,
126
127
,
,
128
,
,
,
?
129
130
.
131
,
;
132
,
'
.
133
,
.
134
,
,
,
,
135
.
136
,
137
,
138
;
,
'
139
,
-
-
140
141
142
143
.
144
(
.
)
145
146
147
.
148
,
,
149
,
-
-
,
150
;
.
151
152
.
153
,
,
154
;
,
155
.
156
,
,
157
,
,
;
158
,
,
,
159
,
,
,
,
160
,
.
161
,
162
;
163
.
164
165
.
166
,
!
167
,
.
168
169
.
170
?
,
171
;
,
172
.
,
173
;
,
,
.
174
'
,
;
,
,
175
;
,
176
,
177
,
,
178
.
179
180
.
181
?
?
182
183
.
184
,
,
,
.
185
186
.
187
,
.
188
189
.
190
,
.
191
192
.
193
.
194
195
.
196
,
;
197
,
.
,
198
,
.
199
200
.
201
.
202
203
.
204
,
205
.
,
,
,
206
'
;
'
,
'
.
207
208
(
.
)
209
210
.
211
,
;
,
212
,
.
213
214
(
.
)
215
216
,
'
,
,
217
.
218
219
.
220
221
;
,
'
;
222
.
-
-
223
224
(
.
)
225
226
227
228
.
229
(
.
)
230
(
.
)
231
232
233
.
234
,
,
235
,
236
,
.
237
238
.
239
?
240
241
.
242
,
,
243
244
.
245
246
.
247
,
,
248
,
,
,
249
,
,
250
,
,
:
251
,
!
252
,
,
253
,
254
,
:
255
,
,
!
,
256
,
,
257
,
258
:
,
;
259
.
260
261
.
262
!
!
?
263
264
.
265
,
266
,
267
,
,
,
268
;
,
269
,
,
;
270
.
!
271
;
272
,
273
,
,
274
,
,
,
275
,
,
276
,
,
277
.
(
278
,
279
.
,
280
'
.
)
281
282
283
284
.
285
(
.
)
286
287
288
.
289
,
.
290
291
.
292
,
,
.
293
,
;
294
.
295
296
.
297
,
;
,
298
?
299
300
.
301
,
,
.
,
302
,
,
.
303
304
.
305
,
,
306
,
.
307
?
308
?
309
310
.
311
,
.
312
313
.
314
?
315
316
.
317
,
.
318
319
.
320
,
-
-
,
321
?
.
322
323
.
324
,
.
325
326
.
327
,
.
328
,
.
329
330
.
331
;
,
332
.
333
334
.
335
,
.
,
336
-
-
337
338
339
.
340
,
?
341
,
342
.
343
344
.
345
,
-
-
,
346
.
347
348
.
349
,
'
;
350
.
351
352
.
353
,
-
-
354
355
(
.
)
356
357
!
!
!
!
358
!
359
360
.
361
,
?
362
363
.
364
!
?
.
,
365
!
366
367
.
368
,
,
?
369
370
.
371
,
;
.
372
,
,
,
.
373
374
.
375
?
376
377
.
378
,
.
379
380
.
381
;
,
?
382
383
.
384
,
,
,
385
.
386
387
.
388
!
389
390
391
392
393
394
(
.
)
395
396
397
.
398
;
.
399
400
.
401
,
-
-
(
,
.
)
,
402
,
.
403
404
(
.
)
405
406
.
407
!
408
409
.
410
,
,
?
411
?
?
412
?
413
,
?
414
?
415
416
.
417
!
418
?
419
,
,
420
.
421
422
.
423
;
.
424
425
.
426
,
.
'
,
'
427
.
428
429
.
430
,
431
.
;
,
432
,
433
,
;
,
,
;
434
;
435
,
436
.
437
438
.
439
,
.
440
441
(
.
)
442
443
.
444
,
;
'
,
'
,
445
,
'
,
446
.
;
447
,
;
448
,
449
.
.
450
451
(
.
)
452
453
454
455
.
456
(
.
)
457
(
,
,
.
)
458
459
460
.
461
?
462
,
.
463
,
;
,
464
,
.
465
,
,
466
,
,
467
,
468
,
469
.
470
471
.
472
,
,
,
473
.
474
475
.
476
-
?
477
478
.
479
,
,
480
,
,
481
.
482
483
.
484
;
'
485
,
486
.
?
(
.
)
487
488
.
489
?
490
491
.
492
,
?
493
494
.
495
.
,
496
.
497
498
.
499
,
;
500
,
?
501
502
(
.
)
503
,
504
,
,
!
505
506
.
507
,
,
?
508
,
,
'
,
509
.
510
511
.
512
,
,
513
,
,
.
514
515
.
516
.
517
518
(
.
)
519
,
,
,
520
.
521
522
(
.
)
523
,
-
-
524
525
.
526
,
.
527
528
.
529
,
,
;
,
530
.
531
532
533
534
.
535
(
.
)
536
537
538
.
539
,
?
,
;
,
540
,
,
541
?
542
543
.
544
,
,
545
,
,
.
546
547
.
548
,
,
.
549
,
,
550
.
551
552
.
553
,
,
-
-
554
,
.
,
555
;
,
556
,
.
557
558
.
559
,
!
560
,
,
561
,
562
,
.
563
564
.
565
566
.
567
;
568
,
569
.
*
570
,
;
,
571
,
.
572
573
.
-
*
.
574
575
(
.
)
576
!
,
,
.
577
578
.
579
580
?
581
582
.
583
,
,
,
'
.
584
,
,
.
585
,
.
586
587
.
588
,
589
;
,
590
,
.
591
592
.
593
,
,
,
594
.
595
,
;
596
,
.
597
598
599
600
.
601
(
.
)
602
603
604
.
605
,
;
606
,
?
607
608
.
609
,
?
-
-
610
611
.
612
,
;
,
.
613
614
(
.
)
615
616
.
617
,
.
618
619
.
620
,
;
621
,
622
.
623
624
.
625
'
.
626
627
.
628
;
629
,
.
630
631
.
632
?
;
633
,
,
634
,
;
,
635
,
;
636
,
,
;
637
,
.
638
!
639
640
.
641
,
.
642
643
.
644
,
,
,
645
.
,
646
,
,
647
.
648
,
,
,
649
.
650
651
.
652
,
.
653
654
.
655
,
,
;
,
656
.
657
658
.
659
,
!
660
661
.
662
!
!
,
663
?
!
,
664
-
.
665
666
.
667
'
.
668
,
,
-
-
-
669
,
670
!
-
-
,
,
671
,
672
,
.
,
673
,
!
674
,
;
,
,
;
675
;
,
676
.
677
678
.
679
,
;
,
.
680
681
(
.
)
682
683
684
685
.
686
(
.
)
687
688
689
.
690
,
:
"
691
,
692
?
"
?
693
694
.
695
.
696
697
.
698
"
'
?
"
-
-
;
,
699
.
'
?
700
701
.
702
.
703
704
.
705
'
,
'
,
'
706
-
-
,
'
,
707
-
-
.
,
708
-
-
,
709
.
710
711
(
.
)
712
713
714
715
.
716
(
-
.
)
717
(
.
)
718
719
720
.
721
,
,
,
722
;
,
723
,
724
.
'
-
-
725
,
,
;
726
,
727
,
,
728
,
'
.
729
(
)
730
,
;
731
:
,
;
:
732
,
.
-
-
,
733
,
,
-
-
734
735
-
,
736
,
.
737
,
,
,
"
738
,
739
,
"
(
,
,
740
,
,
741
.
)
742
,
743
,
.
,
744
,
,
745
.
;
746
,
,
.
747
,
,
748
,
'
;
749
'
,
,
750
-
-
,
751
,
,
,
752
,
-
-
'
753
?
754
755
(
.
)
756
757
,
!
;
,
758
,
!
759
-
-
760
,
,
761
,
762
;
,
763
,
764
?
;
.
765
-
;
766
,
,
767
,
-
-
768
-
-
;
769
,
770
,
.
771
,
;
772
,
,
773
.
774
775
776
777
.
778
(
.
)
779
780
781
.
782
,
!
783
784
.
785
,
.
786
.
?
?
787
,
,
788
;
.
789
790
.
791
,
,
792
;
,
793
'
,
794
.
'
,
795
,
-
,
796
-
,
797
,
;
,
798
.
799
800
.
801
?
,
,
802
?
803
804
.
805
,
.
806
807
.
808
,
?
809
;
810
.
811
?
,
812
,
?
,
!
813
;
,
814
,
.
815
,
'
,
816
817
.
818
819
820
821
.
822
(
,
.
)
823
824
825
.
826
,
'
,
.
827
828
(
.
)
829
830
.
831
,
,
.
832
833
.
834
,
?
835
836
.
837
'
,
.
838
839
.
840
,
;
,
841
,
'
.
842
843
.
844
!
845
.
846
847
(
.
)
848
849
.
850
,
,
!
-
-
(
.
)
851
852
.
853
?
?
?
-
-
854
,
!
855
856
(
.
)
857
858
'
,
859
860
(
;
,
861
)
862
863
864
!
-
-
'
865
,
,
,
866
.
867
868
(
.
)
869
870
.
871
!
'
872
!
,
!
873
,
,
,
,
-
874
.
875
;
,
,
876
,
.
877
878
(
.
)
879
880
881
882
.
883
(
.
)
884
(
;
,
,
.
)
885
886
887
.
888
,
,
,
889
890
;
,
891
-
-
892
(
.
)
,
,
893
?
894
895
.
896
'
897
;
,
898
,
,
899
.
900
.
901
902
.
903
,
,
,
904
.
(
905
.
)
906
907
.
908
,
909
,
-
910
,
911
.
912
913
.
914
,
915
;
.
(
916
.
)
917
918
.
919
-
,
,
,
920
-
,
921
;
,
922
.
923
924
.
925
,
;
926
,
;
927
,
:
928
,
'
.
929
(
.
)
930
931
.
932
,
933
.
,
934
,
.
935
936
.
937
,
;
938
,
.
939
940
.
941
,
,
.
942
943
.
944
,
,
945
;
,
946
,
.
947
,
948
.
,
,
949
.
,
950
,
,
951
,
.
,
952
.
953
,
.
954
,
955
.
956
957
(
.
)
958