Gaunt, und nichts als Haut und Knochen (Gaunt) vor Alter! Der Kummer in mir, hat eine verdrießliche Fasten gehalten, und wer wird nicht mager, der sich des Fleisches enthalten muß? Lange hab' ich für das schlafende England gewacht, und Wachen zehrt ab und macht mager. Das Vergnügen wovon einige Väter sich nähren, der Anblik meiner Kinder ist mir gänzlich untersagt; und die Fasten, die du mir hierinn auferlegt hast, hat mich ganz mager gemacht, mager für das Grab, mager wie ein Grab, dessen holer Leib nichts als Knochen enthält. {ed.-* Alle diese Wortspiele, die in dem Mund eines Tertianers kindisch wären, und in dem Mund eines Sterbenden unerträglich sind, gründen sich auf die Bedeutung des Namens Gaunt, der im Englischen so viel heißt als mager, abgezehrt, der nur noch Haut und Knochen hat.} König Richard. Können kranke Leute so spizfündig mit Worten spielen? Gaunt. Nein, aber Elend hat keine andre Kurzweile, als über sich selbst zu spotten. [Weil du meinen Namen in mir zu tödten suchst, so spotte ich meines Namens, Grosser König, um dir zu schmeicheln.** {ed.-** Die Zeilen, die hier und in der Folge in [ ] eingeschlossen sind, sind im Original in Reimen.} König Richard. Sollen sterbende Leute den lebenden schmeicheln? Gaunt. Nein, nein, die lebenden Leute schmeicheln den Sterbenden. König Richard. Du, ein Sterbender, sagst ja, du schmeichelst mir. Gaunt. O nein, du stirbst, ob ich gleich kränker bin. König Richard. Ich bin gesund, ich athme, und sehe daß du übel bist. Gaunt. O! der, der mich erschuf, weiß es, daß ich Dich übel sehe.] Mir ist für mich selbst übel, aber gar zu übel, indem ich dich ansehe. Dein Todbette ist nichts geringers als dein Land, worinn du an deinem Ruhm krank ligst; und du, allzunachläßiger Patient, übergiebst deine gesalbte Person den nemlichen Ärzten zu heilen, die dich krank gemacht haben. Tausend Schmeichler sizen um den Cirkel deiner Crone herum, und ob dieser Cirkel gleich nicht grösser ist als dein Haupt, so verliehrst du doch mit ihm dein ganzes Land, welches er umspannt. O hätte dein Großvater mit dem Aug' eines Propheten vorhersehen können, daß seines Sohns Sohn seine Söhne zu Grund richten würde, er würde dir's unmöglich gemacht haben, dich selbst so zu entehren, indem er dich vor deiner Einsezung entsezt hätte, dich, der izt eingesezt ist, um sich selbst zu entsezen. Wie? Vetter! wärest du Herr der ganzen Welt, so wär' es dir doch schimpflich dein Land zu verpachten; aber da deine ganze Welt in diesem einzigen Lande besteht, ist es nicht mehr als Schande, es so zu entehren? Landsaß von England bist du, nicht König. Deine gesezmäßige Oberherrlichkeit ist eine Leibeigne des Gesezes, und du-- König Richard. Und du, ein mondsüchtiger aberwiziger Narr, der auf das Privilegium eines Fiebers hin, sich erfrecht, mit deinen kalten Erinnerungen unsre Wange blaß zu machen, und das königliche Blut mit Ungestüm von seinem natürlichen Siz zu treiben. Nun, bey der Majestät meines angestammten Throns, wärst du nicht ein Bruder von dem Sohne des grossen Eduard, die Zunge, die so frey in deinem Kopf herum rennt, sollte deinen Kopf von deinen unehrwürdigen Schultern herunter rennen. Gaunt. O schone meiner nicht, meines Bruder Edward's Sohn, weil ich seines Vater Edwards Sohn war. Das Blut das ich von ihm habe, hast du längst wie ein Pelican, ausgezapft, und in trunknem Muth verschmaußt. Mein Bruder Glocester, eine aufrichtige, wohlgesinnte Seele, (glüklich möge sie unter des Himmels seligen Geistern seyn!) hat schon zum Beyspiel dienen müssen, wie wenig du Bedenken trägst, Edwards Blut zu vergiessen. Vereinige dich immerhin mit meiner Krankheit, und brich durch deine Hartherzigkeit eine vorhin schon welke Blume ab! Leb' in deiner Schande, aber deine Schande sterbe nicht mit dir! Und mögen diese meine lezten Worte künftig deine Peiniger seyn! Tragt mich in mein Bette, und dann in mein Grab. Die mögen leben, die Liebe und Ehre haben! (Er wird hinweg getragen.) König Richard. Und laßt die sterben, die Alter und Launen haben; du hast beydes, und beydes gehört in ein Grab. York. Ich bitte euer Majestät, seine Reden der verdrießlichmachenden Krankheit und dem hohen Alter zu gut zu halten; er liebt euch, bey meinem Leben, so sehr als Heinrich von Hereford, wenn er hier wäre. König Richard. Recht, ihr sagt die Wahrheit, wie Herefords Liebe, so ist seine, und wie die ihrige so ist meine; und alles mag seyn wie es ist. Dritte Scene. (Northumberland zu den Vorigen.) Northumberland. Gnädigster Herr, der alte Gaunt empfiehlt sich Eurer Majestät. König Richard. Was sagt der alte Gaunt? Northumberland. Nichts mehr; er hat alles gesagt, was er zu sagen hatte; seine Zunge ist nun ein Instrument ohne Saiten; Sprache, Leben und alles hat den alten Lancaster verlassen. York. Möge York der nächste seyn, den dieses Schiksal trift. So arm der Tod ist, so endet er doch alles sterbliche Weh. König Richard. Die reiffeste Frucht fällt zuerst; seine Zeit ist abgelauffen, und die unsrige lauft noch; so viel hievon!--Nun müssen wir unsre Aufmerksamkeit auf die Irländischen Unruhen richten; wir müssen diese rohen zottelköpfichten Kernen* unterdrüken, eh die anstekende Empörung weiter um sich frißt; und da diese grossen Geschäfte einen ziemlichen Aufwand erfordern, so bemächtigen wir uns hiemit, zu unsrer Unterstüzung alles baaren Gelds, Gold- und Silbergeschirrs, aller Einkünfte, und aller beweglichen und unbeweglichen Güter, die der alte Gaunt verlassen hat. {ed.-* Nahme einer Art von leichtbewaffnetem Irländischem Fußvolk.} York. Wie lange werd' ich noch Geduld behalten? O wie lange wird noch eine, vielleicht zu schüchterne Empfindung meiner Pflicht, mich jede Ungerechtigkeit geduldig leiden machen? Nicht Glosters Tod, noch Herefords Verbannung, nicht Gaunts erlidtne Kränkungen, noch Englands einheimische Wunden, noch meine eigne Verachtung, haben mich jemals meine geduldige Stirne gegen meinen König rümpfen gemacht. Ich bin der lezte von des grossen Edwards Söhnen, von denen der Prinz von Wales, dein Vater der erste war. Im Krieg war kein Löwe kühner, im Frieden kein Lamm sanftmüthiger, als dieser edle junge Prinz. Du hast seine Gesichtsbildung, so sah er aus; aber wenn er die Stirne runzelte, so war es gegen die Franzosen, nicht gegen seine Freunde: Seine edle Hand gewann erst das was sie ausgab, und verthat nicht, was sein siegreicher Vater gewonnen hatte. Seine Hand wurde oft mit dem Blut der Feinde seines Hauses, niemals mit dem Blut der Seinigen besudelt. O Richard! York muß noch mehr sagen, oder er hat schon zu viel gesagt. König Richard. Wie, mein Oheim, was wollt ihr dann sagen? York. O mein Gnädigster Herr, vergebet mir, wenn es euch gefällt; wo nicht, so laß ich mir auch gefallen, daß ihr mir nicht vergebt. Ihr sucht euch der Ländereyen, Güter und Rechte des verbannten Hereford zu bemächtigen? Wenn Gaunt todt ist, lebt nicht Hereford? War Gaunt nicht redlich, und ist Heinrich nicht getreu? Verdiente jener nicht, einen Erben zu haben? Ist nicht sein Erbe ein verdienstvoller Sohn? Kanst du Herefords Rechte, kanst du seine Titel, Urkunden und wohlhergebrachte Gerechtsame aufheben, und gewiß seyn, ob du morgen noch seyn wirst, was du bist? Denn woher bist du ein König, als durch das Recht der Erbfolge? Wenn ihr gewaltthätiger Weise die Erbschaft Herefords an euch reissen, die Vollmacht seines General-Procurators, in seinem Namen davon Besiz zu nehmen, vernichten, und ihm die angebotne Huldigung versagen wollt; so häuft ihr tausend Gefahren über euer Haupt, verliehrt tausend wohlgesinnte Herzen, und reizet selbst meine sanftmüthige Geduld zu Gedanken, welche Pflicht und Ehre nicht denken können. König Richard. Denkt was ihr wollt; wir nehmen alle seine Güter, Mobilien, Baarschaften und Ländereyen, zu unsern Händen. York. Wenigstens will ich kein Augenzeuge davon seyn; lebet wohl, mein gebietender Herr; was hieraus entstehen wird, kan niemand sagen. Aber aus schlimmen Handlungen läßt sich ohne Mühe weissagen, daß ihre Folgen nicht gut seyn können. (Er geht ab.) König Richard. Geh, Buschy, ungesäumt zu dem Grafen von Wiltschire, und ersuch ihn zu uns nach Ely-House zu kommen, und der Vollziehung dieses Geschäftes vorzustehen. Morgen wollen wir nach Irland, es ist Zeit. Indessen ernennen wir, während unsrer Abwesenheit, unsern Oheim York zum Lord-Statthalter von England, denn er ist rechtschaffen, und war uns jederzeit zugethan. Kommet, meine Königin; morgen müssen wir uns scheiden; beruhigt euch, wir werden nicht lange abwesend seyn. (König Richard, Königin und Gefolge gehen ab.) Vierte Scene. (Northumberland, Willoughby und Roß bleiben.) Northumberland. Nun, Milords, der Herzog von Lancaster ist todt. Ross. Und lebt wieder in seinem Sohn, der nun Herzog von Lancaster ist. Willoughby. Dem Namen, nicht den Einkünften nach. Northumberland. Beyden nach, wenn Gerechtigkeit ihr Recht erhält. Ross. Mein Herz ist voll; aber es muß von Schweigen brechen, eh ihm eine freymüthige Zunge leichter machen kan. Northumberland. Bezieht sich das, was ihr reden möchtet, auf den Herzog von Hereford, so sagt es kühnlich heraus, Mann; mein Ohr horcht mit Freuden allem Guten entgegen, was von ihm gesagt wird. Ross. Alles Gute, was ich für ihn thun kan, ist, Mitleiden mit ihm zu haben, daß er seines Erbguts so beraubt worden ist. Northumberland. Nun, beym Himmel, Schande ist es, daß solche Kränkungen, solche Ungerechtigkeiten gegen ihn, einen königlichen Prinzen, und manche andre von edlem Blut, in diesem dem Umsturz nähernden Lande niederträchtig ertragen werden sollen! Der König ist nicht er selbst, unköniglich läßt er von Schmeichlern sich leiten; und was sie aus Raubsucht oder aus Haß gegen irgend einen aus uns anzetteln möchten, das wird der König nach der Schärfe gegen uns, unser Leben, unsre Kinder und Erben ausführen. Ross. Die Gemeinen hat er durch übermäßige Auflagen ausgesogen, und dadurch ihre Herzen verlohren; die Edeln hat er wegen abgestorbner Händel gebüßt, und ihre Herzen verlohren. Willoughby. Nichts destoweniger werden unter allerley Namen täglich neue Erpressungen ausgesonnen; aber, was um Gottes willen! soll endlich daraus werden? Northumberland. Kriege haben alle diese Summen nicht verzehrt; denn er hatte nie keinen Krieg, sondern gab vielmehr durch einen schimpflichen Verglich hin, was seine Vorältern durch Siege gewonnen hatten; er hat mehr Aufwand im Frieden gemacht, als sie in allen ihren Kriegen. Ross. Der Graf von Wiltschire hat das Königreich im Pacht. Willoughby. Der König ist Bankrutt worden. Ross. Und ungeachtet aller seiner schweren Auflagen, muß er den vertriebnen Herzog berauben, um Geld für diese Irländischen Unruhen zu haben. Northumberland. Seinen edeln Blutsverwandten!--Höchst ausgearteter König! Aber, Milords, wir hören dieses fürchterliche Gewitter singen, und suchen doch keinen Schirm gegen den Sturm; wir sehen den Wind unsern Segeln zusezen, und doch ziehen wir sie nicht ein, sondern gehen unbesorgt unter. Ross. Wir sehen den Schiffbruch vorher, und es ist noch keine Anstalt gegen die Gefahr gemacht, weil wir so geduldig die Ursachen unsers Schiffbruchs leiden. Northumberland. Nicht so; selbst durch die hohlen Augen des Todes, sehe ich Leben hervorschauen; aber ich darf es nicht sagen, wie nah' uns unsre Hülfe ist. Willoughby. Wir haben unsre Gedanken nicht vor dir verborgen; laß uns auch die deinigen theilen. Ross. Rede zuversichtlich, Northumberland; wir drey sind nur du selbst, und wenn du mit uns sprichst, sind deine Worte nur wie Gedanken; also rede kühnlich! Northumberland. So höret dann, meine Freunde, was für geheime Nachrichten ich von (Port le blanc), einem Hafen in Bretagne, habe. Heinrich von Hereford, Rainald, Lord Cobham, der unlängst mit dem Herzog von Exeter gebrochen hat; sein Bruder, der neue Erzbischoff von Canterbury, Sir Thomas Erpingham, Sir John Ramston, Sir John Norbrew--, Sir Robert Waterton, und Franz Coines; alle diese, von dem Herzog von Bretagne mit allen Nothwendigkeiten versehen, sind würklich im Begriff, mit acht langen Schiffen und dreytausend streitbaren Männern, eine Landung an unsern Nordischen Küsten zu wagen; vielleicht haben sie schon gelandet, und warten nur bis der König nach Irland abgegangen ist. Wann wir nun entschlossen sind, unser sclavisches Joch abzuschütteln, die gebrochnen Schwingen unsers sinkenden Vaterlandes wieder neu zu befiedern, die entehrte Crone von einem schimpflichen Versaz wieder einzulösen; den Staub abzuwischen, der unsers Scepters reines Gold verbirgt, und der Majestät ihre eigne Gestalt wieder zu geben: So folget mir schleunig nach Ravenspurg. Zaudert ihr aber, oder fürchtet ihr euch, so zu thun, so bleibet zurük, und seyd verschwiegen; so will ich allein gehen. Ross. Zu Pferd, zu Pferd! Laßt die zaudern die sich fürchten. Willoughby. Wenn anders mein Pferd aushält, so will ich der erste dort seyn. (Sie gehen ab.) Fünfte Scene. (Der Hof.) (Die Königin, Buschy und Bagot treten auf.) Buschy. Gnädigste Frau, Eure Majestät ist viel zu niedergeschlagen. Ihr versprachst dem König beym Abschied, alle sich selbsthärmende Gedanken zu entfernen, und eine frohe Gemüthsfassung zu unterhalten. Königin. Dem Könige zu gefallen, that ich's; mir selbst zu gefallen kan ich's nicht thun; und doch weiß ich keine Ursache, warum ich einen solchen Gast, wie der Kummer ist, willkommen heissen sollte, als diese, weil ich einem so werthen Gast, wie mein Richard ist, leb' wohl sagen mußte; und doch ist mir, als ob irgend ein noch ungebohrner Kummer, im Schooß des Schiksals reiffend, mir bevorstehe; meine innerste Seele zittert über etwas, ohne zu wissen was es ist; ausgenommen, daß es nicht die Trennung von dem König meinem Gemal ist. Buschy. Ein jeder würklicher Schmerz hat zwanzig Schatten die ihm gleich sehen, und es doch nicht sind; durch den Crystall blendender Thränen, sieht das Auge der Traurigkeit einen einzigen Gegenstand in viele gespalten. Gleich gewissen perspectivischen Figuren, die, wenn man sie geradezu anschaut, nichts als verworrene Striche zeigen, aber aus einem gewissen schiefen Sehpunct eine regelmäßige Gestalt darstellen, zeigen sich euch, indem ihr euers Gemals Abwesenheit seitwärts anseht, Gestalten von Kummer, welche, wenn sie angesehen werden, wie sie sind, nichts als blosse Schatten von dem was nicht ist, sind. Trauret also über nichts mehr als die Abreise euers Gemals; mehr ist nicht sichtbar, oder ist es doch nur aus dem falschen Gesichtspunct der Traurigkeit, die oft über eingebildete Übel, wie über wahre, weint. Königin. Es mag so seyn; und doch sagt meine innerste Seele mir etwas anders; dem sey wie ihm wolle, ich kann mich nicht erwehren traurig zu seyn, auf eine so bange Art traurig, daß wenn die Überlegung mir gleich sagt, es sey nichts, dieses ängstigende Nichts mich doch nichts desto minder schmachten und welken macht. Buschy. Es ist blosse Einbildung, meine gnädigste Königin. Königin. Nichts weniger als Einbildung; Einbildung entspringt allemal aus irgend einem vorhergegangenen Schmerz; so ist der meinige nicht. Denn Nichts hat das Etwas gebohren das mich ängstiget; aber was es ist, das ist noch unbekannt.* {ed.-* Im Original ist dieses viel spizfündiger gesagt: (For nothing hath begot my something-grief, Or something hath, the nothing that I grieve. But what it is, that is not yet Known, what I cannot name, 'tis nameless Woe, I wot.)} Sechste Scene. (Green zu den Vorigen.) Green. Der Himmel erhalte Euer Majestät!--Ich erfreue mich, euch zu sehen, meine Herren--Ich hoffe, der König hat sich noch nicht nach Irland eingeschift. Königin. Warum hoffst du das; es ist mehr Ursache zu hoffen, daß er's gethan habe; denn seine Absichten erfordern Behendigkeit, und seine Behendigkeit giebt gute Hoffnung; warum sagst du also, du hoffest er sey noch nicht zu Schiffe? Green. Damit Er, auf welchem alle unsre Hoffnung beruht, seine Macht zurük behalten hätte, um die Hoffnung eines Feindes zur Verzweiflung zu bringen, der trozig seinen Fuß in dieses Land gesezt hat. Der verbannte Bolingbroke hat sich selbst zurük beruffen, und ist mit emporgestrekten Waffen glüklich zu Ravenspurg angelangt. Königin. Das verhüte der Himmel! Green. O Gnädigste Frau, es ist nur allzuwahr; und was noch schlimmer ist, der Lord Northumberland, der junge Percy, sein Sohn, die Lords von Roß, Beaumond und Willoughby mit allen ihren mächtigen Freunden sind zu ihm übergegangen. Buschy. Wie? Habt ihr denn den Northumberland und alle von dieser rebellischen Rotte nicht für Verräther erklärt? Green. Das haben wir, und darauf hat der Graf von Worcester seinen Stab zerbrochen, seine Oberhofmeister-Stelle niedergelegt, und sich mit allen königlichen Haus-Bedienten zum Bolingbroke geflüchtet. Königin. O Green, du bist die Wehmutter meines Kummers. Nun hat meine Seele ihr Ungeheuer zur Welt gebracht. Bolingbroke ist die unglükliche Geburt meines ahnenden Weh's, und ich eine keuchende neu-entbundne Mutter, sinke aus einer Angst, einem Schmerz, in den andern. Buschy. Lasset den Muth noch nicht sinken, Gnädigste Frau. Königin. Und warum soll ich nicht? Ich will verzweifeln, ich will mit der betrügerischen Hoffnung in Feindschaft stehen; sie ist eine Schmeichlerin, die den Tod nur zurük hält, um durch ihre täuschenden Eingebungen das Gefühl seiner Streiche zu übertäuben. Siebende Scene. (York zu den Vorigen.) Green. Hier kommt der Herzog von York. Königin. Mit Zeichen des Kriegs um seinen bejahrten Naken. O, seine Blike sind von sorgenvollen Geschäften verdüstert! Guter Oheim, um des Himmels willen, eine tröstliche Zeitung! York. So müßte ich meine Gedanken belügen; der Trost ist im Himmel, und wir sind auf einer Welt, wo nichts als Kreuz, Sorge und Kummer lebt. Euer Gemal ist gegangen, um in der Ferne zu retten, was ihm andre indeß daheim entreissen. Ich ward hier zurük gelassen, um dieses Land zu unterstüzen; ich, der vom Alter gedrükt, kaum mich selbst tragen kan. Nun kommen die kranken Tage, die seine Ausschweiffungen nach sich gezogen haben; nun wird er seine Freunde, die ihm schmeichelten, kennen lernen. (Ein Bedienter kommt herein.) Bedienter. Milord, euer Sohn war schon abgereist, wie ich ankam. York. Schon abgereist; Nun, so geh alles, welchen Weg es will. Die Edeln sind übergegangen, die Gemeinen kalt, und wanken schon wie ich besorge, auf Herefords Seite--Geh du nach Plaschie, zu meiner Schwester von Glocester; bitte sie, daß sie mir unverzüglich tausend Pfund schike; halt, hier ist mein Ring. Bedienter. Milord, ich habe vergessen zu sagen, daß an dem nemlichen Tag da ich hinkam, und anfragte--Aber ich werde euch betrüben, wenn ich es sage. York. Was ist es dann? Bedienter. Eine Stunde eh ich kam, starb die Herzogin. York. Gerechter Himmel! Was für eine Fluth von Plagen stürzt sich auf einmal über dieses unglükselige Land! Ich weiß nicht, was ich thun soll; wollte Gott! der König hätte (ohne daß eine Untreue von mir ihn dazu aufgefordert hätte) meinen Kopf mit meines Bruders Gloster's seinem abschlagen lassen. Wie, sind schon Jacht-Schiffe nach Irland abgegangen? Wo sollen wir Geld zu diesem Krieg hernehmen? Kommt, Schwester; (Base, wollt' ich sagen,) ich bitte euch um Vergebung.-- (Zum Bedienten.) Geh' du heim, Bursche, bestelle einige Wagen, und belade sie mit den Waffen, die du finden wirst--Meine Herren, wollt ihr gehen, und die Truppen mustern? Ich versichre euch, daß ich nicht weiß, wie ich die Sachen, in der Unordnung, worinn sie mir in die Hände gegeben worden, ordnen soll.--Beyde sind meine Bruders-Söhne; der eine ist mein Souverain, beydes mein Eid und meine Pflicht befiehlt mir, ihn zu schüzen; der andre, gleichfalls mein Neffe, hat Unrecht vom König erlidten; Gewissen und Natur befehlen mir seinem Recht beyzustehen. Nun, etwas muß gethan seyn: Kommt, Base, ich will für eure Sicherheit sorgen. Geht, mustert eure Leute, und erwartet mich zu Berkley-Castle; ich will auch nach Plaschie--Aber die Zeit wird es nicht zulassen. Alles ist uneben, alles in der äussersten Unordnung. (York und die Königin gehen ab.) Achte Scene. Buschy. Der Wind ist günstig, neue Zeitungen nach Irland zu schiken, aber bringt keine zurük. Wir werden nimmermehr eine hinlängliche Macht, um dem Feind Widerstand zu thun, aufbringen können. Green. Ausserdem sind wir dem Haß derer, die den König hassen, desto näher, je näher wir der Liebe des Königs sind. Bagot. Und das sind die unbeständigen Gemeinen; ihre Liebe ligt in ihrem Beutel; wer ihren Beutel ausleert, füllt ihre Herzen mit tödtlichem Haß. Buschy. Wenn dieses ist, so ist der König mit allen Stimmen verurtheilt. Bagot. Und so ist uns unser Urtheil auch gesprochen. Green. Gut; ich will zu meiner Sicherheit nach Bristol, der Graf von Wiltschire ist schon da. Buschy. Ich will mit euch; denn von den erbitterten Gemeinen haben wir nicht viel bessere Dienste zu gewarten, als daß sie uns in Stüken zerreissen werden. Wollt ihr mit uns, Bagot? Bagot. Nein; ich will zu Sr. Majestät nach Irland. Lebet wohl; wenn mir mein Herz die Wahrheit sagt, so werden wir Drey nimmer wieder zusammen kommen. Buschy. Das kommt darauf an, ob York den Bolingbroke zurükschlagen wird. Green. Der arme York! Das Geschäfte, das er übernommen hat, ist nicht leichter, als wenn er den Sand zählen, und das Meer austrinken wollte. Wenn einer an seiner Seite ficht, so werden tausend fliehen. Buschy. Lebet wohl für ein und allemal. Green. Wir können einander wol wieder sehen. Bagot. Ich besorge, nimmer. (Sie gehen ab.) Neunte Scene. (Verwandelt sich in eine wilde Gegend, in Glocester-Schire.) (Bolingbroke und Northumberland treten auf.) Bolingbroke. Wie weit ist es noch, Milord, von hier nach Berkley? Northumberland. Ich bin hier fremde in Glocester-Schire; diese hohen wilden Hügel, und diese rauhen unebnen Wege, machen unsern Marsch langsam und sehr beschwerlich; und doch hat eure angenehmste Gesellschaft mich beydes vergessen gemacht. Ich bedaure nur Roß und Willoughby, die auf ihrem Weg von Ravenspurg nach Cotschold das Glük ermangeln müssen, so ich izt geniesse; doch die Hoffnung erleichtert ihnen den ihrigen, und die Hoffnung des Genusses genießt beynahe schon so viel, als der Genuß selbst. Bolingbroke. Eure Freundschaft treibt den Werth meiner Gesellschaft viel zu hoch, aber wer kommt hier? (Percy zu den Vorigen.) Northumberland. Es ist mein Sohn, der junge Heinrich Percy, von meinem Bruder Worcester abgeschikt: Woher, Harry, was macht dein Oheim? Percy. Ich hoffte, Milord, bey euch Nachricht von ihm zu holen. Northumberland. Wie, ist er nicht bey der Königin? Percy. Nein, Milord, er hat den Hof verlassen, seinen Stab zerbrochen, und die Königliche Hofstatt zerstreut. Northumberland. Wie? Aus was Ursache? Er war nicht so gesinnt, da ich ihn das leztemal sprach. Percy. Weil Euer Gnaden als ein Verräther ausgeruffen worden ist. Er ist nach Ravenspurg abgegangen, um dem Herzog von Hereford seine Dienste anzubieten; und mich hat er nach Berkley geschikt, um die Stärke der Kriegs-Völker zu erkundigen, die der Herzog von York daselbst zusammengebracht hat, mit dem Befehl von da gerade nach Ravenspurg zu eilen. Northumberland. Hast du den Herzog von Hereford vergessen? Percy. Nein, Milord, man kan nicht vergessen, wessen man sich nie erinnert hat; meines Wissens hab' ich ihn in meinem Leben nie gesehen. Northumberland. So lern' ihn dann izt kennen; diß ist der Herzog. Percy. Gnädigster Herr, ich erbiete euch meine Dienste, so wie sie sind, schwach, roh und jugendlich; zunehmende Jahre werden sie reiffer, und euers Beyfalls würdiger machen. Bolingbroke. Ich danke dir, edler Percy; sey versichert, daß ich mich in nichts anderm so glüklich schäze, als in einem Herzen, das seiner guten Freunde nicht vergessen kan; und so, wie mein Glük mit deiner Liebe reiffen wird, soll es jederzeit die Belohnung deiner treuen Liebe seyn. Mein Herz macht diesen Vertrag, und hier siegelt ihn meine Hand. Northumberland. Wie weit ist es von hier nach Berkley? und was für Bewegungen macht der gute alte York mit seinen Truppen dort? Percy. Das Schloß steht dort hinter jenem Gebüsche, und ist, wie ich hörte, mit dreyhundert Mann besezt; die Lords, York, Berkley und Seymour sind darinn, sonst niemand von Namen und Ansehn. (Roß und Willoughby zu den Vorigen.) Northumberland. Hier kommen die Lords von Roß und Willoughby, blutig vom Spornen, und feuerroth von Eile. Bolingbroke. Willkommen, Milords; ich weiß, eure Liebe verfolgt einen verbannten Verräther; alle meine Schäze bestehen noch in leerem Dank, der, wenn er reicher geworden ist, die Vergeltung eurer Liebe und eurer Dienste seyn soll. Ross. Eure Gegenwart macht uns reich genug, Milord; Willoughby. Und ersezt uns die Arbeit überflüßig, wodurch wir sie erhalten haben. Bolingbroke. Immer mehr Dank!--(die Wiedervergeltung der Armen,) bis mein noch unmündiges Glük zu Jahren kommt, müssen Worte für mein erkenntliches Herz Bürge seyn. Aber wer kommt hier? (Berkley zu den Vorigen.) Northumberland. Es ist Milord von Berkley, däucht mich. Berkley. Milord von Hereford, mein Auftrag geht an euch. Bolingbroke. Milord, meine Antwort ist zu Lancaster; ich bin gekommen, diesen Namen in England zu suchen, und ich muß diesen Titel in eurer Zunge finden, eh ich auf etwas antworten kan, das ihr sagt. Berkley. Meine Absicht, Milord, ist gar nicht, einen Titel von euern Würden wegzunehmen; ich komme zu euch, Milord, (Lord wovon ihr nur wollt) von demjenigen der izt der Erste in diesem Land ist, von dem Herzog von York, um zu erfahren, was euch antreibt, den Vortheil der Abwesenheit des Königs zu nehmen, und unsern angebohrnen Frieden durch einheimische Waffen zu schreken? Zehnte Scene. (York zu den Vorigen.) Bolingbroke. Ich werde nicht nöthig haben, meine Antwort durch euch zu versenden; hier kommt Se. Gnaden selbst. Mein edler Oheim! (Er kniet vor ihm nieder.) York. Zeige mir, statt diesen betrüglich demüthigen Knien ein aufrichtig unterwürfiges Herz. Bolingbroke. Mein gnädigster Oheim! York. Stille, stille; ich will nichts von deinen Titeln; ich bin keines Verräthers Oheim, und das Wort Gnade wird in einem verbrecherischen Mund entweiht. Warum haben deine geächteten, verbannten Füsse sich erfrecht, den Staub von Englands Boden zu betreten? Und, was noch ärger ist, wie haben sie sich erfrecht, so viele Meilen über ihren friedsamen Busen einher zu ziehen, und ihre erblassenden Einwohner mit dem Gepränge einer kriegrischen Schlacht-Ordnung zu schreken? Kommst du, weil der gesalbte König abwesend ist? Wie, unbesonnener Jüngling, der König ist noch da, seine Gewalt ligt in einem treuvollen Busen. Wär' ich nur noch Herr von jener jugendlichen Stärke wie damals, da der brave Gaunt, dein Vater, und ich, den schwarzen Prinzen, diesen jungen Kriegsgott, mitten aus den Linien von zehntausend Franzosen erledigten; o! wie schnell sollte dieser izt entnervte Arm, deinen Übermuth züchtigen! Bolingbroke. Mein gnädigster Oheim, laßt mich nur erst wissen, von was für einer Art mein Verbrechen ist. York. Von der schlimmsten Art, Aufruhr und fluchwürdiger Hochverrath. Du bist ein Landsverwiesener, und kommst hier, bevor deine Zeit verflossen ist, in herausfordernden Waffen deinem Oberherrn Troz zu bieten. Bolingbroke. Wie ich verwiesen wurde, war ich Hereford; nun, da ich komme, komme ich für Lancaster. Ich bitte Euer Gnaden, betrachtet das Unrecht, das mir zugefügt worden, mit einem unpartheyischen Auge. Ihr seyd mein Vater, denn mich däucht, in euch sehe ich den bejahrten Gaunt wieder lebend. O! denn, mein Vater! Könnt ihr gestatten, daß ich verurtheilt seyn soll, ein herumschweifenden Flüchtling zu seyn, und aller meiner Rechte und Regalien beraubt, gleichgültig zuzusehen, wie sie unter lumpichte Taugenichts ausgetheilt werden, die gestern noch Bettler waren? Wozu war ich gebohren? Wenn der König mein Vetter, König von England ist, so muß es unstreitig seyn, daß ich Herzog von Lancaster bin. Ihr habt einen Sohn, den Aumerle, mein edler Vetter; wäret ihr zuerst gestorben, und er wäre so niedergetreten worden, er würde in seinem Oheim Gaunt einen Vater, einen eifrigen Verfechter seines Rechts, gefunden haben. Man versagt mir die Besiznehmung von meinen angeerbten Titeln und Gütern, wozu mir doch meine Patenten die Befügniß geben. Meines Vaters Güter werden zerstreut und verkauft, und wie alles übrige unnüzer Weise durchgebracht. Was wollt ihr, daß ich in solchen Umständen thun soll? Ich bin ein Unterthan, und reclamire das Gesez; man versagt mir Anwalde, ich bin also genöthigt, in eigner Person die Ansprüche an mein angestammtes Erbgut gelten zu machen. Northumberland. Der edle Herzog ist zu sehr gekränkt worden. Ross. Es ligt nur bey euer Gnaden, ihm Recht wiederfahren zu lassen. Willoughby. Schlechte Leute sind durch seine Erbgüter groß gemacht worden. York. Milords von England, laßt mich euch sagen, daß ich gegen die Kränkungen meines Neffen nicht unempfindlich gewesen bin, und mich so sehr ich konnte bemühet habe, ihm sein Recht zu verschaffen. Aber auf eine solche Art zu kommen, in trozigen Waffen zu kommen, und sein Recht durch unerlaubte Gewalt zu suchen, das geht nicht an; und ihr, die ihr ihm hierinn beysteht, begünstiget die Empörung, und seyd alle Rebellen. Northumberland. Der Herzog hat geschworen, daß er nur gekommen sey, sein Recht zu suchen; und ihm zu diesem zu verhelfen, haben wir alle durch einen theuren Eid uns anheischig gemacht; und mög' auf ewig den die Freude meiden, der seinen Eid bricht! York. Gut, gut, ich sehe den Ausgang dieser Waffen; ich muß es bekennen, es ist nicht in meiner Macht, ihn zu verhindern; aber könnte ich's, bey dem der mich erschaffen hat! ihr solltet mir alle gebunden und in den Staub gebükt, euer verwürktes Leben von der königlichen Gnade erflehen! Nun, da ich ohne Kräfte bin, so wisset, daß ich soviel als neutral bleiben werde. Und hiemit gehabt euch wohl; es wäre dann, daß es euch beliebte, in dieses Schloß zu kommen, und die Nacht da auszuruhen. Bolingbroke. Ein Anerbieten, mein Oheim, das wir annehmen wollen; aber wir müssen Euer Gnaden erbitten, mit uns nach Bristol-Castle zu gehen, worinn, wie man sagt, Buschy, Bagot, und ihre Mitschuldigen sich halten, diese Raupen des gemeinen Wesens, die ich auszureuten geschworen habe. York. Es mag seyn, ich will gehen--Doch nein, laßt mich ruhig bleiben; ich will nicht von denen seyn, die die Geseze meines Vaterlands brechen. Weder Feinde noch Freunde, seyd ihr mir willkommen; und Dinge, denen nicht mehr zu helfen ist, sollen mich auch nicht mehr bekümmern. (Sie gehen ab.) Eilfte Scene. (In Wales.) (Salisbury und ein Officier treten auf.) Officier. Milord von Salisbury, wir haben zehen Tage gewartet, und die gröste Mühe gehabt, unsre Landleute bey einander zu behalten; da wir aber noch immer keine Nachrichten von dem König erhalten, so wollen wir wieder auseinander gehen. Lebet wohl! Salisbury. Gedulde dich nur noch einen einzigen Tag, du rechtschaffner Welschmann; der König sezt all sein Vertrauen in dich. Officier. Man glaubt, der König sey todt; wir warten nicht länger. Die Lorbeer-Bäume in unserm Lande sind alle verdorben, Wunderzeichen schreken die Fix-Sterne vom Himmel; der bleiche Mond schaut blutig auf die Erde herab, und hagre Propheten lispeln furchtbare Veränderung. Reiche Leute sehen traurig aus, und Bettler und Spizbuben tanzen und springen; die eine, aus Furcht zu verliehren was sie gewonnen haben, die andre, in Hoffnung durch Krieg und Zerrüttung zu gewinnen. Alles dieses sind Zeichen, die den Tod der Könige ankündigen--Lebet wohl; unsre Landleute sind alle wieder auseinander gegangen, und lassen sich nicht benehmen, daß König Richard todt sey. (Er geht ab.) Salisbury. Ach! Richard! ach! mit thränenbeladnen Augen seh' ich deinen Glanz, gleich einem fallenden Stern, vom Firmament zur Erde sinken. Die Sonne sizt weinend im niedrigen West, und propheceyt Stürme, Unruhen und Unglük. Deine Freunde sind zu deinen Feinden übergegangen, und alle Umstände vereinigen sich zu deinem Verderben. (Er geht ab.) Dritter Aufzug. Erste Scene. (Bolingbroks Lager zu Bristoll.) (Bolingbroke, York, Northumberland, Roß, Percy, Willoughby, mit Buschy, und Green, als Gefangnen treten auf.) Bolingbroke. Bringt diese Männer näher herbey--Buschy, und Green, ich will eure Seelen da es nun an dem ist, daß sie von ihren Leibern scheiden müssen, nicht mit so harten Vorwürfen ängstigen, als euer verderbliches Leben verdient hat, denn das wäre Unbarmherzigkeit; aber um euer Blut von meinen Händen zu waschen, will ich hier, vor dieser Versammlung, einige Ursachen eures Todes entfalten. Ihr habt einen Fürsten, den seine Geburt und sein angebohrner Edelmuth zu einem grossen und glüklichen Könige bestimmte, mißgeleitet, verderbt und unglüklich gemacht. Ihr habt ihn durch die Ausschweiffungen, wozu ihr ihn reiztet, in gewissem Sinn von seiner Königin geschieden, die geheiligten Rechte eines königlichen Ehbettes geschmälert, und die schönen Wangen einer liebenswürdigen Fürstin durch die Thränen beflekt, die eure Beleidigungen aus ihren Augen erpreßten. Ich selbst, durch das Glük meiner Geburt, ein Prinz vom königlichen Geblüte, und von dem König, meinem Blutsverwandten, werth gehalten, bis ihr durch giftige Eingebungen mich ihm verdächtig gemacht; ich selbst habe meinen Naken unter euern Verfolgungen beugen müssen, und, das bittre Brodt der Verbannung essend, meinen Engländischen Athem in ausländische Wolken verseufzt; indeß, daß ihr meine Herrschaften aufgezehrt, meine Waldungen und Lusthayne ausgehauen, mein Wappen von meinen Thoren abgerissen, und mir kein andres Zeichen übrig gelassen habt, wodurch ich der Welt zeigen kan, daß ich ein Edelmann bin, als die Meynung der Leute und das Blut in meinen Adern: Dieses und viel mehr, viel mehr als zweymal so viel, verurtheilt euch zum Tode. Sehet, daß ihr Urtheil an ihnen vollzogen werde. Buschy. Willkommner ist mir der Streich des Todes, als Bolingbroke England ist--Milords, gehabt euch wohl. Green. Mein Trost ist, daß der Himmel unsre Seelen aufnehmen, und die Ungerechtigkeit mit den Qualen der Hölle straffen wird. Bolingbroke. Milord von Northumberland, sehet, daß sie abgethan werden--Mein Oheim, ihr sagtet, die Königin befinde sich in ihrem Hause; um des Himmels willen, sorget davor, daß ihr geziemend begegnet werde; sagt ihr, daß ich sie meiner Ehrfurcht und Ergebenheit versichre; traget ja Sorge dafür, daß ihr mein Gruß überbracht werde. York. Ich habe einen von meinen Edelleuten mit Briefen abgeschikt, worinn eure freundschaftliche Gesinnungen ausführlich erklärt sind. Bolingbroke. Ich danke euch, mein gütiger Oheim, kommt, Milords, kommt, zum Gefecht mit Glendower und seinen Anhängern; noch eine Weile Arbeit, und dann Feyer-Abend. (Sie gehen ab.) Zweyte Scene. (Verwandelt sich in eine Küste von Wales.) (Trummeln und Trompeten. König Richard, Aumerle, der Bischoff von Carlisle, und Soldaten treten auf.) König Richard. Barkloughly-Castle nennt ihr jenes dort? Aumerle. Ja, Gnädigster Herr; wie findet Eure Majestät die Landluft, nach den Beschwerlichkeiten der See? König Richard. Sie muß mir wol angenehm seyn--Freuden-Thränen erfüllen meine Augen, da ich noch einmal wieder den Boden meines Königreichs betrete. Theure Erde, ich umarme dich, obgleich Aufrührer dich mit den Hufen ihrer Pferde verwunden. Wie eine lang von ihrem Kinde getrennte Mutter, beym Wiedersehn lächelnd in zärtliche Thränen zerfließt, so grüß' ich dich, zugleich weinend und lächelnd, meine Erde, und drüke dich an meine Königliche Brust. O, nähre nicht deines Königs Feind, holde Erde, und labe nicht mit deinen Erquikungen seinen raubgierigen Muth: Sende die Schlangen, die deinen Gift in sich saugen, und schwellende Kröten in ihren Weg, ihre verräthrischen Füsse zu verwunden, die mit gewaltthätigen Tritten dich stampfen; und wenn sie eine Blume von deinem Busen pflüken wollen, so bewaffne sie, ich bitte dich, mit einer laurenden Natter, deren zweygespizte Zunge den Tod in die Adern der Feinde deines Herrn sprize. Spottet nicht, Milords, daß ich leblose Dinge beschwöre; diese Erde wird ein Gefühl haben, und diese Steine werden zu bewaffneten Kriegern werden, eh ihr gebohrner König unter den Waffen schändlicher Empörer fallen soll. Bischoff. Fürchtet euch nicht, Gnädigster Herr; diese Gewalt, die euch zum Könige schuf, hat Macht genug, euch troz aller Welt als König zu erhalten. Aber wir müssen die Mittel ergreiffen, die uns der Himmel anbietet. Aumerle. Seine Meynung ist, daß wir zu schläfrig sind, Gnädigster Herr, und dem Bolingbroke Zeit lassen, durch unsre Sicherheit immer stärker zu werden. König Richard. Untröstlicher Vetter, weißst du nicht, daß wenn das forschende Auge des Himmels hinter unsrer Halbkugel verborgen ist und der Unterwelt leuchtet, daß dann Diebe und Mörder ungesehn herumschleichen und Räubereyen und blutige Gewalt verüben; aber sobald die wiederkehrende Sonne die stolzen Gipfel der östlichen Hügel glühen macht, und ihr Licht durch jede verbrecherische Gruft blizt, daß dann Mord und Verrath und jede schändliche Sünde, aus der Finsterniß schwarzem Mantel hervorgezogen, bloß und nakend da stehn, und über sich selbst erzittern? So, wenn dieser Räuber, dieser verräthrische Bolingbroke, der während dieser ganzen Nacht, da wir unsern Lauf bey den Antipoden vollbrachten, ungestört herumschwärmte, uns unsern Thron im Osten besteigen sehen wird, werden seine Verräthereyen, in seinem schaamglühenden Angesicht enthüllt, den Tag nicht ertragen können, der sie vor ihrer eignen grauenvollen Gestalt erzittern machen wird. Alle Wasser der ungestümen See sind nicht fähig, das geheiligte Öl von einem gesalbten Könige wegzuwaschen; und der Athem sterblicher Menschen kan denjenigen nicht entsezen, den der Herr zu seinem Statthalter ernannt hat. Für einen jeden Mann, den Bolingbroke aufgetrieben hat, sein Schwerdt gegen unsre Crone zu ziehen, hat der Himmel für seinen Richard einen glorreichen Engel in himmlischem Sold, und wo Engel fechten, da müssen schwache Menschen fallen.-- Dritte Scene. (Salisbury zu den Vorigen.) , ( ) ! 1 , , 2 , ? 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