(Der König und Laertes treten auf.) König. Nunmehr muß dann euer Gewissen selbst meine Freysprechung sigeln, und ihr müsset überzeugt seyn, daß ich euer Freund bin, da ihr gesehen habt, daß eben derjenige, von dessen Hand euer edler Vater fiel, mir selbst nach dem Leben getrachtet hat. Laertes. Die Beweise reden. Aber erlaubet mir zu fragen, warum ihr gegen Übelthaten von so ungeheurer Beschaffenheit nicht gerichtlich procedirt habet; da doch eure eigne Sicherheit, Klugheit, und alles in der Welt euch rathen mußte, den Thäter zur Rechenschaft zu ziehen? König. Zwoo besondre Ursachen haben mich davon abgehalten, die in euren Augen vielleicht weniger Stärke haben als in den meinigen. Die Königin seine Mutter lebt, so zu sagen, fast von seinen Bliken, und ich selbst (es mag nun eine Tugend oder eine Schwachheit seyn:) liebe sie so zärtlich, daß ich ihren Wünschen nichts versagen kan. Der andre Grund ist die allgemeine Zuneigung, welche das Volk zu ihm trägt, und die so weit geht, daß sie seine Fehler selbst übergülden und seine Verbrechen zu Tugenden machen würden: so daß meine Pfeile, zu schwach befiedert für einen so starken Wind, auf mich selbst zurük gefallen, und nicht dahin gekommen wären, wohin ich gezielt hätte. Laertes. Und so muß ich einen edlen Vater verlohren haben, und eine Schwester zu Grund gerichtet sehen, deren Vortreflichkeit unser ganzes Zeitalter herausfoderte, ihres gleichen zu zeigen--Aber meine Rache soll nicht ausbleiben. König. Laßt euch das nichts von euerm Schlafe nehmen. Ihr müßt mich nicht für einen so phlegmatischen milchlebrichten Mann halten, der sich den Bart mit Gewalt ausrauffen läßt, und es für Kurzweil aufnimmt. Ihr sollt bald mehr hören. Ich liebte euern Vater, und liebe mich selbst, und dieses, hoff ich, wird euch nicht zweifeln lassen--Was giebts? Was Neues? (Ein Bote.) Bote. Briefe, Gnädigster Herr, vom Prinzen Hamlet. Diesen an Eu. Majestät, und diesen, an die Königin. König. Von Hamlet? Wer brachte sie? Bote. Matrosen, sagt man; ich sah sie nicht; die Briefe wurden mir von Claudio gegeben, der sie von ihnen empfieng. König. Laertes, ihr sollt sie hören--Verlaßt uns, ihr-- (Der Bote geht ab.) "Durchlauchtiger und Großmächtiger! Dieses soll euch benachrichtigen, daß ich nakend in euer Königreich ausgesezt worden bin. Auf Morgen werd' ich mir die Erlaubniß ausbitten, eure Königliche Augen zu sehen; wo ich dann (in Hoffnung Verzeihung deßwegen zu erhalten) erzählen werde, was die Gelegenheit zu dieser schleunigen Wiederkunft gegeben hat." Was soll dieses bedeuten? Sind die andern auch zurükgekommen? Ist es ein Kunstgriff--oder ist gar nichts an der Sache? Laertes. Kennt ihr die Hand? König. Es ist Hamlets Handschrift--Nakend, und hier sagt er in einem Postscript, allein--Könnt ihr mir sagen, was ich davon denken soll? Laertes. Ich begreiffe nichts davon, Gnädigster Herr; aber laßt ihn kommen; mein Herz lebt wieder auf von dem Gedanken, daß ich es erleben werde, ihm in seine Zähne zu sagen, das thatest du-- König. Wenn es so ist, Laertes--ob ich gleich eben so wenig begreiffe daß es ist, als wie es anders seyn kan--wollt ihr euch von mir weisen lassen? Laertes. Ja, nur nicht daß ich ruhig bleiben soll. König. Was ich vorhabe, wird dir zu deiner eignen Gemüths-Ruhe verhelfen; Wenn er nun wieder gekommen ist, weil ihm die Reise nicht anständig war, und er nicht gesinnt ist, sie von neuem zu unternehmen; so habe ich so eben etwas ausgedacht, das ihn unfehlbar zu seinem Fall befördern soll, ohne daß sein Tod den mindesten Vorwurf nach sich ziehen, noch seine Mutter selbst den Kunstgriff merken, sondern ihn dem blossen Zufall beymessen soll. Laertes. Ich will mich weisen lassen, und desto lieber, wenn ihr es so einrichten könnet, daß ich das Werkzeug bin. König. Das ist auch meine Meynung: Es ist seitdem ihr auf Reisen seyd, und zwar in Hamlets Gegenwart, oft von einer gewissen Geschiklichkeit gesprochen worden, worinn ihr ausserordentlich groß seyn sollt: Alle eure übrigen Gaben zusammengenommen, erwekten nicht so viel Eifersucht in ihm als diese einzige, die in meinen Augen die geringste unter allen ist. Laertes. Was kan das seyn, Gnädigster Herr? König. Eine blosse Feder auf dem Hute der Jugend, aber doch nöthig; denn die Jugend hat in der leichten und nachlässigen Liverey die sie trägt, nicht weniger Anstand als das gesezte Alter in seinen Pelzen und langen Ceremonien-Kleidern--Es sind ungefehr zween Monate, daß ein junger Cavalier aus der Normandie hier war; die Normänner werden für gute Reiter gehalten; wie ich selbst gesehen habe, da ich ehmals gegen die Franzosen diente; aber bey diesem jungen Menschen dachte man, daß es nicht natürlich zugehe; er schien mit seinem Pferd zusammengewachsen, und wie ein Centaur, halb Mensch und halb Pferd zu seyn, so bewundernswürdig hatte er sich zum Meister desselben gemacht. Er übertraf alles, was man sich davon einbilden kan. Laertes. Es war ein Normann? König. Ein Normann. Laertes. So soll's mein Leben gelten, wenn es nicht Lamond war. König. Der war's. Laertes. Ich kenne ihn wohl; er ist in der That der Ausbund und die Zierde der ganzen Nation. König. Dieser erzehlte uns von euch, und legte euch eine so bewunderns- würdige Geschiklichkeit in der Vertheidigungs-Kunst, besonders mit dem Rappier, bey, daß er behauptete, es würde ein Wunder seyn, wenn sich jemand finden sollte, der es mit euch aufnehmen dürfte. Er schwur die besten Fechter seiner Nation hätten weder Behendigkeit, Auge noch Kunst, so bald sie es mit euch zu thun hätten--Mein Herr, diese Erzählung vergiftete den Hamlet mit solchem Neid, daß er den ganzen Tag nichts anders that als wünschen und beten, daß ihr bald zurük kommen möchtet, um mit ihm zu fechten. Nun aus diesem-- Laertes. Was wollt ihr aus diesem machen, Gnädigster Herr? König. Laertes, war euch euer Vater lieb? Oder seyd ihr nur ein Gemählde von einem Traurenden, ein Gesicht ohne Herz? Laertes. Warum diese Fragen? König. Nicht als ob ich denke, ihr liebtet euern Vater nicht, sondern weil ich weiß, daß die Liebe, wie alles andre, der Gewalt der Zeit unterworfen ist, daß sie in ihrer Flamme selbst eine Art von Dacht oder Wike hat, wovon sie endlich geschwächt und verdunkelt wird, und kurz, daß sie, wenn sie zu ihrer Stärke angewachsen ist, an ihrer eignen Vollblütigkeit sterben muß. Was wir thun wollen, sollten wir sogleich thun, wann wir es wollen; denn dieses Wollen ist veränderlich, und hat so viele Abfälle und Hindernisse als es Zungen, Hände und Umstände giebt, welche uns, wenn die Gelegenheit einmal versäumt ist, die Ausführung vielleicht so schwer machen, daß wir auch den Willen verliehren, so vielen Schwierigkeiten troz zu bieten. Doch, um das Geschwür aufzustechen--Hamlet kommt zurük; was wäret ihr fähig zu unternehmen, um mehr durch Thaten als Worte zu zeigen, daß ihr euers Vaters Sohn seyd? Laertes. Ihm die Gurgel in der Kirche abzuschneiden. König. In der That sollte kein Plaz einen Mörder schüzen, noch der Rache Grenzen sezen; aber mein guter Laertes, wollt ihr das thun? Schließt euch in euer Zimmer ein. Hamlet soll bey seiner Wiederkunft hören, daß ihr nach Hause gekommen seyd: Wir wollen ihm Leute zuschiken, welche ein so grosses Lob von eurer Geschiklichkeit im Fechten machen, und so viel und so lange davon reden sollen, biß er es auf eine Wette ankommen lassen wird. Da er selbst edelmüthig, zuversichtlich, und von allen Kunstgriffen fern ist, wird er nicht daran denken, die Rappiere genau zu besehen, so daß ihr leicht durch ein bißchen Taschenspielerey einen Degen ohne Knopf mit euerm Rappier verwechseln, und durch einen geschikten Stoß euern Vater rächen könnt. Laertes. Ich will es thun, und zu diesem Gebrauch meinen Degen mit einem Saft beschmieren, den ich von einem Marktschreyer gekauft habe; der so tödtlich ist, daß wenn man ein Messer nur darein taucht, keine Salbe, und wenn sie aus den heilsamsten Kräutern die unter dem Mond sind, gezogen wäre, denjenigen vom Tod erretten kan, der nur damit gerizt wird; mit diesem Gift will ich die Spize meines Degens nezen, damit auch die leichteste Wunde, die ich ihm beybringe, Tod sey. König. Wir wollen diese Sache besser überlegen; Zeit und Umstände müssen abgewogen werden; und auf den Fall, daß uns dieser Anschlag in der Ausführung mißlingen sollte, müssen wir einen andern zum Rükenhalter haben. Sachte--Laßt sehen--Es soll eine feyrliche Wette über eure Geschiklichkeit angestellt werden--Nun hab' ichs-- wenn ihr euch unterm Kampf erhizt habt, und er zu trinken begehrt, will ich einen Becher für ihn bereit halten; wovon er nur schlürfen darf, um unsre Absicht zu erfüllen, wofern er euerm Rappier entgeht. Zehnte Scene. (Die Königin zu den Vorigen.) König. Was giebt's, meine liebste Königin? Königin. Ein Unglük tritt dem andern auf die Fersen, so schnell folgen sie auf einander: Eure Schwester ist ertrunken, Laertes. Laertes. Ertrunken? Oh, wo? Königin. Es ist eine gewisse Weide, am Abhang eines Wald-Stroms gewachsen, die ihr behaartes Laub in dem gläsernen Strom besieht. Hieher kam sie mit phantastischen Kränzen von Hahnen-Füssen, Nesseln, Gänse- Blümchen und diesen langen rothen Blumen, denen unsre ehrlichen Schäfer einen natürlichen Namen geben, unsre kalten Mädchens aber nennen sie Todten-Finger; wie sie nun an diesem Baum hinankletterte, um ihre Grasblumen-Kränze an die herabhängende Zweige zu hängen, glitschte der Boden mit ihr, und sie fiel mit ihren Kränzen in der Hand ins Wasser; ihre weitausgebreiteten Kleider hielten sie eine Zeit lang wie eine Wasser-Nymphe empor; und so lange das währte, sang sie abgebrochene Stüke aus alten Balladen, als eine die keine Empfindung ihres Unglüks hatte, oder als ob sie in diesem Element gebohren wäre; aber länger konnte es nicht seyn, als bis ihre Kleider so viel Wasser geschlukt hatten, daß sie durch ihre Schwere die arme Unglükliche von ihrem Schwanen-Gesang in einen nassen Tod hinabzogen. Laertes. O Gott! So ist sie ertrunken! Königin. Es ist allzuwahr. Laertes. --Lebet wohl, mein Gebieter--meine weibische Thränen erstiken eine Rede von Feuer, welche eben auflodern wollte-- (Er geht ab.) König. Kommt mit mir, Gertrude--Wie viel hatte ich zu thun, seine Wuth zu besänftigen! Nun besorg ich, dieser Umstand wird sie von neuem anflammen--Wir wollen ihm folgen. (Sie gehen ab.) Fünfter Aufzug. Erste Scene. (Ein Kirch-Hof.) (Zween Todtengräber mit Grabscheitern und Spaten treten auf.) 1. Todtengräber. Kan sie denn in ein Christliches Begräbniß gelegt werden, wenn sie eigenmächtig ihre (Salvation) gesucht hat? 2. Todtengräber. Ich sage dir's ja, sie kan; mach also ihr Grab unverzüglich; die Obrigkeit hat es durch einen Commissarius und Geschworne untersuchen lassen, und gefunden, daß sie wie andre Christen begraben werden soll. 1. Todtengräber. Das kan nicht seyn, sie müßte sich denn zu ihrer Selbstvertheidigung ertränkt haben? 2. Todtengräber. So hat sich's eben befunden. 1. Todtengräber. Es muß (se offendendo) geschehen seyn, anders ist's nicht möglich. Denn da stekt der Knoten: Wenn ich mich selbst wissentlich ertränke, so zeigt das einen (Actum) an; ein (Actus) aber hat drey Zweige: Beginnen, thun und vollbringen; (ergel), ersäufte sie sich selbst wissentlich. 2. Todtengräber. Nein, hört mich nur an, Gevatter-- 1. Todtengräber. Mit Erlaubniß; seht einmal, hier liegt das Wasser, gut; hier steht der Mann, gut: Wenn nun der Mann zu diesem Wasser geht und ertränkt sich, so muß er eben, woll' er oder woll' er nicht, dran glauben; gebt wol Acht auf das: Aber wenn das Wasser zu ihm kommt und ertränkt ihn, so ertränkt er sich nicht selbst; (ergel), hat der, der keine Schuld an seinem eignen Tode hat, sich das Leben nicht selbst abgekürzt. 2. Todtengräber. Aber sagt das Gesez das? 1. Todtengräber. Sapperment, ja wohl, sagt es: Das müssen ja die Geschwornen verstehen, die es untersucht haben-- 2. Todtengräber. Willt du wissen, wo der Hase im Pfeffer liegt? Wenn sie kein Gnädiges Fräulein gewesen wäre, sie würde gewiß ihre Lebtage in kein Christliches Grab gekommen seyn. 1. Todtengräber. Wie, du magst mir wol recht haben. Aber desto schlimmer, daß die vornehmen Leute in der Welt mehr Recht haben sollen, sich zu hängen oder zu ersäuffen als ihre Neben-Christen! Komm, meine Spate, her! es sind doch keine ältere Edelleute als Gärtner, und Todten-Gräber; sie haben ihre Profession von Adam her. 2. Todtengräber. War der ein Edelmann? 1. Todtengräber. Der erste, der jemals armirt gewesen ist. 2. Todtengräber. Wie so, das? 1. Todtengräber. Wie, bist du denn ein Heid? Verstehst du die Schrift nicht? Die Schrift sagt, Adam habe gegraben: Hätt' er graben können, wenn er keine Arme gehabt hätte? Ich will dir noch eine Frage vorlegen; wenn du mir die rechte Antwort darauf giebst, so bekenne-- 2. Todtengräber. Was ist's dann? 1. Todtengräber. Wer ist der, der stärker baut als Maurer und Zimmermann? 2. Todtengräber. Das ist der Galgen-Macher; denn dessen sein Gebäu überlebt tausend Innhaber. 1. Todtengräber. Dein Einfall gefällt mir nicht übel, in der That; der Galgen schikt sich wol: Aber wie schikt er sich wol? Er schikt sich wol für diejenigen die Übels thun; nun thust du übel zu sagen, der Galgen sey stärker gebaut als die Kirche; (ergel), mag sich der Galgen wol für dich schiken. Zur Sache, komm. 2. Todtengräber. Wer stärker baue als Maurer und Zimmermann? 1. Todtengräber. Ja, wenn du mir das sagen kanst, so will ich dich gelten lassen. 2. Todtengräber. Beym Element, nun kan ich dir's sagen. 1. Todtengräber. Nun, so sage-- 2. Todtengräber. Nein, Sakerlot, ich kan nicht. (Hamlet und Horatio treten in einiger Entfernung von den Todtengräbern auf.) 1. Todtengräber. Gieb's lieber auf, dein Esel wird doch nicht schneller gehen, du magst ihn schlagen wie du willt; und wenn dich einer einmal wieder fragt, so sage, der Todtengräber. Denn die Häuser, die er macht, dauren bis zum jüngsten Tag: Geh einmal zum rothen Roß, und hol mir ein Glas Brandtwein. (Der 2te Todtengräber geht ab.) (Der erste Todtengräber gräbt und singt ein Liedchen dazu.) Hamlet. Hat dieser Bursche kein Gefühl von seinem Geschäfte, daß er zum Grabmachen singen kan? Horatio. Die Gewohnheit hat ihn so verhärtet, daß er bey einer solchen Arbeit gutes Muths seyn kan. Hamlet. (Indem der Todtengräber immer singend einen Schedel aufgräbt.) Dieser Schedel hatte einst eine Zunge, und konnte singen--wie ihn der Schurke in den Boden hinein schlägt, als ob es Cains des ersten Mörders Kinnbaken wäre! und doch war der Schedel mit dem dieser Esel izt so übermüthig zu Werke geht, vielleicht der Hirnkasten eines Staatsmanns, eines von diesen Herren, die unserm Herrn Gott selbst einen Nebel vormachen möchten; nicht so? Horatio. Es ist möglich, Gnädiger Herr-- Hamlet. Oder eines Höflings, der sagen konnte: Guten Morgen, mein liebster Lord; wie befindet sich Euer Herrlichkeit? Es kan Milord der und der gewesen seyn, der Milord dessen seinem Pferd eine Lobrede halten konnte, wenn er's ihm gerne abgebettelt hätte; nicht so? Horatio. Ja, Gnädiger Herr. Hamlet. Nicht anders; und nun ist Milady Wurm von allen ihren Anbetern verlassen, und muß sich von eines Todtengräbers Spate aus dem Boden herausschlagen lassen. Hier ist eine hübsche Revolution, wenn wir den Verstand hätten sie zu sehen--Hier ist ein andrer: Kan das nicht der Schedel eines Rechtsgelehrten gewesen seyn? Wo sind nun seine Quidditäten und Qualitäten? Seine (Casus?) Seine Tituls? Seine Ränke? Warum leidet er, daß ihn dieser grobe Geselle mit seiner kothigen Schaufel aus seiner Retirade herausklopfen darf, ohne eine Action gegen ihn anzustellen?--* Ich muß mit diesem Burschen reden. Wessen Grab ist das, Bursche? {ed.-* Hamlet sezt im Original diese kühlen Betrachtungen noch länger fort, indem er sich vorstellt, daß es der Schädel eines reichen Landsässen gewesen sey; man hat es aber unmöglich gefunden, diese Stelle, deren gröster Nachdruk in etlichen Wortspielen besteht, zu übersezen; und man würde diese ganze Scene eben sogern ausgelassen haben, wenn man dem Leser nicht eine Idee von der berüchtigten Todtengräber-Scene hätte geben wollen.} Todtengräber. Meines, Herr-- (er fängt wieder an zu singen.) Hamlet. Ich denk' es ist dein, denn du lügst darinn. Todtengräber. Und ihr lügt daraus, Herr, und also ist es nicht euers-- (Hier folgen noch etliche elende Reden, wovon das sinnreiche in dem Wortspiel mit lie, welches Liegen und Lügen bedeutet, liegt.) Hamlet. Ich frage, wie der Mann heißt, für den du das Grab machst? Todtengräber. Ich mach es für keinen Mann, Herr. Hamlet. Für was für eine Frau dann? Todtengräber. Auch für keine Frau. Hamlet. Wer soll dann darinn begraben werden? Todtengräber. Eine die in ihrem Leben ein Weibsbild war, aber, Gott tröst ihre Seele! nun ist sie todt. Hamlet. Was für ein determinierter Schurke das ist! In was für einer Sprache müssen wir mit ihm reden, daß er uns nicht mit Zweydeutigkeiten stumm mache? Bey Gott, Horatio, ich habe diese drey Jahre her beobachtet, daß die Welt so spizfündig worden ist, daß der Bauer seinen plumpen Wiz eben so hoch springen und so seltsame Gambaden machen läßt, als der wizigste von unsern Hofschranzen--Wie lange bist du schon ein Todtengräber? Todtengräber. Unter allen Tagen im Jahr kam ich an dem Tag dazu, da unser verstorbner König Hamlet über den Fortinbras Meister wurde. Hamlet. Wie lang ist das? Todtengräber. Könnt ihr das nicht sagen? Das kan ein jeder Narr sagen: Es war auf den nemlichen Tag, da der junge Hamlet auf die Welt kam, der närrisch wurde, und nach England geschikt worden ist. Hamlet. Was, zum Henker! und warum wurde er nach England geschikt? Todtengräber. Warum? weil er närrisch worden ist; er soll dort seine fünf Sinnen wieder kriegen; oder wenn er sie nicht wieder kriegt, so hat es dort nicht viel zu bedeuten. Hamlet. Warum das? Todtengräber. Man wird es nicht an ihm gewahr werden; denn dort sind die Leute eben so närrisch als er. Hamlet. Wie wurde er dann närrisch? Todtengräber. Auf eine gar seltsame Art, sagt man. Hamlet. Wie so, seltsam? Todtengräber. Sapperment, er wurde eben ein Narr, weil er seinen Verstand verlohr. Hamlet. Aus was für einem Grund? Todtengräber. Wie, hier, in Dännemark. Ich bin hier Todtengräber gewesen, von meinen jungen Jahren an bis izt, diese dreissig Jahre. Hamlet. Wie lange kan wol ein Mensch in der Erde liegen, bis er verfault? Todtengräber. Wenn er nicht schon faul ist, eh er stirbt (wie wir denn heut zu Tag manche Leichen haben, die kaum so lange halten, bis sie unterm Boden sind) so kan er euch acht bis neun Jahre dauren; ein Loh- Gerber dauert euch seine neun Jahre. Hamlet. Warum ein Loh-Gerber länger als andre Leute? Todtengräber. Warum, Herr? weil seine Haut von seiner Profession so gegerbt ist, daß sie das Wasser länger aushält. Denn es ist nichts das einem todten Körper eher den Garaus macht als Wasser. Hier ist ein Schedel, der nun bereits drey und zwanzig Jahre im Boden liegt. Hamlet. Wessen war er? Todtengräber. Es war ein vertrakter Bursche, dem er gehörte; wer denkt ihr daß es war? Hamlet. Ich weiß es nicht. Todtengräber. Daß die Pestilenz den Schurken! Er goß mir einmal eine Flasche mit Rheinwein über den Kopf. Dieser nemliche Schedel, Herr, war Yoriks Schedel, des Königlichen Hofnarrens. Hamlet. Dieser? Todtengräber. Dieser nemliche. Hamlet. Ach der arme Yorik. Ich kannte ihn, Horatio, es war der kurzweiligste Kerl von der Welt; von einer unvergleichlichen Einbildungs-Kraft: Er hat mich viel hundertmal auf seinem Rüken getragen: Und nun, was für ein grausenhafter Anblik! Mein Magen kehrt sich davon um. Hier hiengen diese Lippen, die ich wer weiß wie oft küßte. Wo sind nun deine Scherze? Deine Sprünge? Deine Liedchen? Wo sind die schnakischen Einfälle, welche die Tafel mit brüllendem Gelächter zu erschüttern pflegten? Ist dir nicht ein einziger übrig geblieben, um über dein eignes Grinsen zu spotten? Nun geh mir einer in Mylady's Schlaf-Zimmer, und sag ihr; und wenn sie sich einen Daumen dik übermahle, so müß' es doch zulezt (dazu) mit ihr kommen--Ich bitte dich, Horatio, antworte mir nur auf Eine Frage-- Horatio. Was ist es, Gnädiger Herr? Hamlet. Denkst du, Alexander habe auch so im Boden ausgesehen? Horatio. Eben so. Hamlet. Und so gerochen? Fy! (Er riecht an dem Schedel.) Horatio. Ja, Gnädiger Herr. Hamlet. Zu was für einer unedeln Bestimmung können wir endlich herabsinken, Horatio! Können wir nicht in unsrer Einbildung Alexanders edlem Staube folgen, bis wir ihn an einem Ort finden, wo er ein Spund- Loch stoppt? Horatio. Eine solche Betrachtung wäre gar zu spizfündig. Hamlet. Nein, gar nicht, im geringsten nicht: Die Betrachtung ist ganz natürlich: Alexander starb, Alexander wurde begraben, Alexander wurde zu Staub; der Staub ist Erde; aus der Erde machen wir Laim; und konnte mit diesem Laim, worein er verwandelt wurde, nicht eine Bier-Tonne gestoppt werden? Und so kan der Welt-Bezwinger Cäsar eine Spalte in einer Mauer gegen den Wind gestoppt haben. Aber sachte! Sachte eine Weile--da kommt der König-- Zweyte Scene. (Der König, die Königin, Laertes, und ein Sarg mit einem Trauer- Gefolge von Hofleuten, Priestern, u.s.w.) Hamlet. Die Königin--ein Gefolge von Hofleuten--Was ist das, was sie begleiten? und warum mit so wenig Ceremonien? Das zeigt, daß die Leiche, so sie begleiten von jemand ist, der gewaltthätige Hand an sich selbst gelegt hat--Es muß eine Person von Stande gewesen seyn-- wir wollen uns ein wenig entfernt halten und acht geben. Laertes. Die übrigen Ceremonien? Hamlet. Das ist Laertes, ein sehr edler junger Mann: gieb acht-- Laertes. Die übrigen Ceremonien? Priester. Ihre Obsequien sind so weit ausgedehnt worden, als wir ermächtigst sind; ihr Tod war zweifelhaft; und hätte der Königliche Befehl die Ordnung nicht übermocht, so sollte sie in einem ungeweihten Boden bis zum Schall der lezten Trompete ihr Lager gehabt haben; statt mildherziger Fürbitten sollten Scherben, und Kieselsteine auf sie geworfen worden seyn; nun wird sie mit jungfräulichen Ehrenzeichen, unter Gesang und Gloken-Geläut bestattet. Laertes. Und ist das alles was gethan werden soll? Priester. Es ist alles was gethan werden kan; es würde Entheiligung seyn, ihr ein (requiem) zu singen und ihr die lezte Ehre die nur Seelen die im Frieden abgeschieden sind, gebührt, zu erstatten. Laertes. Legt sie in die Erde; und aus ihrem schönen und unbeflekten Fleisch mögen Violen hervorkeimen! Ich sage dir, hartherziger Priester, meine Schwester wird ein Engel des himmlischen Thrones seyn, wenn du heulend im Abgrund liegst. Hamlet. Wie? die schöne Ophelia? Königin. Das lezte lebe wohl, angenehme Schöne! Ich hoffte, du solltest meines Hamlets Weib werden; ich dachte einst dein Braut-Bette zu deken, holdes Mädchen, nicht dein Grab mit Blumen zu bestreuen. Laertes. O dreyfaches Weh falle zehnfältig dreymal über das verfluchte Haupt, dessen gottlose That dich deiner schönen Vernunft beraubte. Haltet noch ein, bis ich sie noch einmal in meine Arme geschlossen habe. (Er springt in das Grab.) Nun werft euern Staub über den Lebenden und Todten, bis ihr aus dieser Ebne ein Gebürge gemacht habt, das den alten Pelion und den Himmelberührenden Olimpus übergipfle. Hamlet, (der sich zu erkennen giebt.) Wer ist der, dessen Schmerz sich so emphatisch ausdrukt? Dessen Trauer-Töne die irrenden Sterne beschwören und sie zwingen, von Erstaunen gefesselt, stille zu stehn und zu horchen? Der bin ich, Hamlet, der Dähne. (Er springt in das Grab.) Laertes. Der Teufel hole deine Seele! (Er ringt mit ihm.) Hamlet. Du betest nicht schön. Ich bitte dich, deine Finger von meiner Gurgel weg!--Wenn ich gleich nicht splenetisch und jähzornig bin, so hab ich doch etwas gefährliches in mir, wovor du dich hüten magst, wenn du klug bist. Deine Hand zurük. König. Reißt sie von einander-- Königin. Hamlet, Hamlet-- Horatio. Mein gnädigster Prinz, halltet euch zurük-- (Die Umstehenden machen sie von einander loß.) Hamlet. Was, ich will über diese Materie mit ihm fechten, bis meine Auglider nicht länger niken können. Königin. O mein Sohn! was für eine Materie? Hamlet. Ich liebte Ophelien; vierzigtausend Brüder könnten mit aller ihrer Liebe zusammen genommen die Summe der meinigen nicht aufbringen. Was willt du für sie thun? König. O er ist rasend, Laertes-- Königin. Um Gottes willen, habt Geduld mit ihm. Hamlet. Komm, zeig mir, was du thun willt. Willt du weinen? Willt du fechten? Willt du fasten? Dich selbst zerfezen? Willt du Wein- Essig trinken, ein Crocodil verschlingen? Ich will es thun--Kamst du nur hieher, zu weinen? Vor meinen Augen in ihr Grab zu springen? Laß dich lebendig mit ihr begraben; ich will es auch; und wenn du von Bergen schwazest, so laß sie Millionen Jaucharten auf uns werfen, bis die auf uns liegende Erde, den Ossa zu einem Maulwurfs-Hauffen macht! Wahrhaftig! Wenn du großsprechen willt, so kan ich das Maul so voll nehmen wie du. Königin. Er spricht in tollem Muth, und so wird der Paroxismus eine Weile auf ihn würken; aber auf einmal wird, so geduldig als die weibliche Daube, eh ihre goldbehaarten Jungen ausgekrochen sind, sein Stillschweigen brütend sizen. Hamlet. Hört ihr, Herr--was ist die Ursache, daß ihr mir so begegnet? Ich liebte euch allezeit: Aber es hat nichts zu sagen. Laßt den Hercules selbst thun was er kan, die Kaze muß mauen und der Hund seinen Lauf haben-- (Er geht ab.) König. Ich bitte euch, guter Horatio, habet acht auf ihn. (Horatio geht ab.) (zu Laertes.) Stärket eure Geduld durch unsre lezte Abrede. Wir wollen uns nicht länger säumen, die Hand an die Ausführung zu legen--Liebe Gertrude, gebet eurem Sohn einige Hüter zu--Dieses Grab soll ein würdiges Denkmal bekommen--Und nun wollen wir unsrer Ruhe eine Stunde schenken. (Sie gehen ab.)Dritte Scene. (Verwandelt sich in eine Halle im Palast.) (Hamlet und Horatio treten auf.) (Hamlet erzehlt seinem Vertrauten,auf was Weise er den Inhalt der königlichen Commission, womitRosenkranz und Güldenstern beladen waren, entdekt und vereitelthabe. Da diese ganze Scene nur zur Benachrichtigung der Zuhörerdient, so wären zwey Worte hinlänglich gewesen, ihnen zu sagen wassie ohnehin leicht erraten könnten. Hamlet hatte Ursache einMißtrauen in die Absichten des Königs bey seiner Versendung nachEngland zu sezen. Er schlich sich also während daß die beydenGesandten schliefen, in ihre Cajute, fingerte ihr Pakett weg, zogsich damit in sein eigenes Zimmer zurük, erbrach das königlicheSigel und fand einen gemeßnen Befehl an den Englischen König,vermöge dessen dem Hamlet sobald er angelangt seyn würde, der Kopfabgeschlagen werden sollte--Er stekte dieses Papier zu sich, undsezte sich hin, eine andre Commission zu schreiben, worinn derKönig aufs ernstlichste beschwohren wurde, so lieb ihm dieFreundschaft Dännemarks (von welchem England damals abhängig war)sey, die Überbringer dieses Schreibens unverzüglich aus dem Wegeräumen zu lassen. Zu gutem Glüke hatte er seines Vater Signet inder Tasche; und zu noch grösserm Glük war es dem grossen dähnischenSigel vollkommen gleich; er faltete also dieses Schreiben eben sowie das erste, unterschrieb und sigelte es, und legte es sogeschikt an die Stelle des andern, daß Rosenkranz und Güldensterndie Verwechslung nicht gewahr wurden, und also bey ihrer Ankunft inEngland wie Bellerophon, ihr eigenes Todesurtheil überlieferten.Horatio findet hiebey bedenklich, daß dieser mißlungene Ausgang desKöniglichen Bubenstüks nicht lange verborgen bleiben könne. Hamletberuhigst sich hierüber daß doch die Zwischen- Zeit sein sey, undnicht mehr als ein Augenblik erfordert werde, dem Leben einesMenschen ein Ende zu machen. Indessen bedaurt er, daß er sichdurch den Affect habe hinreissen lassen, den Laertes zu beleidigen,und nimmt sich vor, daß er sich bemühen wolle, seine Freundschaftwieder zu erlangen.)* {ed.-* Man kan hieraus schliessen, daß HamletAbsichten gegen den König gehabt habe; es war aber doch nichtsbestimmtes, kein Entwurf, wobey er sich seiner eignen Sicherheitund eines glüklichen Ausgangs hätte versichert halten können--Hamlet soll und will seinen Vater rächen--Dieser Wille beherrschtihn vom ersten Actus des Stüks bis zum Ende, ohne daß er jemalsselbst weiß, oder nur daran denkt wie er dabey zu Werke gehen wolle--Allein wir haben längst gesehen, daß die Anlegung der Fabel, dieVerwiklung und die Entwiklung derselben gerade die Stüke sind,worinn unser Poet schwerlich jemand unter sich hat. Indessengefällt doch dem Englischen Parterre kein Stük ihres Shakespearsmehr als dieses. Man sollte sagen, es simpathisiere mit ihnen.Der Humor des Hamlet (Denn das was ihn in dem ganzen Lauf des Stüksbeherrscht, ist viel weniger Leidenschaft als Laune,) diese kalte,raisonnirende oder richtiger zu reden, phantasirende Melancholie,die nur dann und wann in plözliche und eben so schnell wiedersinkende Wind-Stösse von Leidenschaft ausbricht, dieseGleichgültigkeit gegen sein eigens Leben, welche das grosseVorhaben der Rache, wovon seine Seele geschwellt ist, demungefehren Zufall überlaßt, und es nicht der Mühe werth hält einenPlan anzulegen oder Präcautionen zu nehmen, um nicht selbst in denFall seines Feindes verwikelt zu werden--Alles dieses sind Züge, worinn Engländer ihr eignes Bild zu sehr erkennen, um nicht weitstärker davon interessiert zu werden, als durch die idealischenCharakters und die starken soutenierten Leidenschaften der Heldendes Corneille. Shakespears Helden, zumal seine Lieblings- Helden,sind alle (Humoristen), und vermuthlich ist dieses eine Haupt-Ursache, warum ungeachtet Sprache, Sitten und Geschmak sich seitseiner Zeit so sehr verändert haben, dieser Autor doch für seineLandsleute immer neu bleibt, und etwas weit anzügelichers für siehat, als alle die neuern, welche nach französischen Modellengearbeitet haben.} Vierte Scene. (Oßrik des Königs Hofnarr, kommt dem Hamlet zu melden, der König habe eine Wette mit Laertes angestellt, daß ihm Hamlet im Fechten überlegen sey. Diese Scene ist mit der unübersezlichen Art von Wiz, Wortspielen und Fopperey angefüllt, worinn unser Autor seine damaligen Rivalen eben so weit als an Genie und an wahren Schönheiten hinter sich ließ. Nach einem langen Ball-Spiel mit Wiz, unter welchen einige Satyrische Züge gegen die gezwungene und) precieuse(Hof-Sprache der damaligen Zeit mit einlauffen, fertigt Hamlet den Narren mit der Antwort an den König ab, daß er auf der Stelle bereit sey, den Wett-Kampf mit Laertes zu unternehmen. Bald darauf tritt ein Herr vom Hofe auf, und kündigt an, daß der König, die Königin, und der ganze Hof im Begriff seyen zu kommen und dem Wett-Kampf beyzuwohnen. Er sezt hinzu: Die Königin ersuche den Prinzen, vor Anfang des Gefechts sich eine Weile mit Laertes auf einen freundschaftlichen Fuß zu unterhalten. Hamlet verspricht es zu thun, und der Höfling geht ab.) Horatio. Ich besorge ihr verliehret die Wette Gnädiger Herr. Hamlet. Ich glaub es nicht; ich bin, seit dem er nach Frankreich gieng, in beständiger Übung gewesen, ich halte mich des Siegs gewiß. Aber du kanst dir nicht vorstellen, wie übel mir allenthalben hier ums Herz ist--Allein das hat nichts zu bedeuten. Horatio. Ich denke nicht so, mein liebster Prinz. Hamlet. Es ist nichts, blosse Kinderey; und doch wär es vielleicht genug, um ein Weibsbild unruhig zu machen. Horatio. Wenn euch euer Herz eine geheime Warnung giebt, so folgt ihm. Ich will ihnen entgegen gehen, und sagen, ihr seyd izo nicht disponiert. Hamlet. Nein, nein, ich halte nichts auf Ahnungen; die Vorsehung erstrekt sich bis über den Fall eines Sperlings. Ist es izt, so ist es nicht ein andermal; ist es nicht ein andermal, so ist es izt; und ist es nicht izt, so wird es ein andermal seyn--Alles kommt darauf an, daß man bereit sey. Fünfte Scene. (Der König, die Königin, Laertes und eine Anzahl Herren vom Hofe, Oßrik und einige Bedienten mit Rappieren und Fecht-Handschuhen. Ein Tisch und Flaschen mit Wein darauf.) König. Kommt, Hamlet, kommt, und nemmt diese Hand von mir. (Er giebt ihm des Laertes Hand.) Hamlet. Ich bitte um eure Vergebung, mein Herr, ich habe euch bleidiget; aber vergebet mirs und versichert mich dessen als ein Edelmann. Alle Gegenwärtigen wissen, und ihr müßt es gehört haben, mit was für einer unglüklichen Gemüths-Krankheit ich gestraft bin. Was ich gethan habe, das in euch Natur, Ehre und Rache gegen mich aufreizen möchte, hat, ich erklär' es hier öffentlich, meine Raserey gethan; Es war nicht Hamlet der euch beleidigte--Hamlet war nicht er selbst, da er es that, er verabscheut die That seiner Raserey; sie ist der Beleidiger, er auf der Seite der Beleidigten; seine Raserey ist des armen Hamlets Feind. Laßt also meine feyerliche Erklärung daß ich keinen Vorsaz hatte, übels zu thun, mich so fern in euern edelmüthigen Gedanken frey sprechen, als ob ich meinen Pfeil über ein Haus geschossen, und meinen Bruder verwundet hätte. Laertes. Ich bin befriedigt, in so fern ich Sohn und Bruder bin, Namen, die in diesem Fall mich am meisten zur Rache auffordern; Aber als ein Edelmann, kan und will ich keine Versöhnung eingehen, bis ich von einigen ältern und bewährten Richtern dessen was die Ehre fodert, die Versicherung erhalten habe, daß ich es ohne meinen Namen zu entehren thun könne. Inzwischen nehme ich, bis dahin, eure angebotene Freundschaft als Freundschaft an, und will sie nicht mißbrauchen. Hamlet. Ich bin zufrieden, und auf diesen Fuß bin ich bereit, diesen freundschaftlichen Wett-Kampf zuversichtlich zu bestehen. Gebt uns die Rappiere. Laertes. Kommt, eins für mich. Hamlet. Ich werde eure Folie seyn, Laertes; eure Kunst wird aus meiner Unwissenheit desto feuriger hervorstralen, wie ein Stern aus der Finsterniß der Nacht; in der That. Laertes. Ihr scherzet, mein Herr. Hamlet. Nein, bey dieser Hand. König. Gebt ihnen Rappiere, Oßrik. Hamlet, ihr wisset, worauf ich gewettet habe? Hamlet. Ich weiß es, Gnädigster Herr; Eure Majestät hat sich in Gefahr gesezt, zu verliehren. König. Ich besorge nichts; ich habe euch beyde fechten gesehen, weil er aber indessen stärker worden ist, so haben wir das Gewette angestellt. Laertes. Dieses Rappier ist zu schwer, laßt mich ein anders sehen. Hamlet. Das meine ist mir ganz recht; diese Rappiere haben alle die rechte Länge. König. Füllt mir diese Dekel-Gläser mit Wein! Wenn Hamlet den ersten oder zweyten Stoß beybringt, oder bis zum dritten sogleich erwiedert, so laßt alle Canonen loßfeuren; der König wird auf Hamlets bessern Athem trinken, und in den Becher soll eine Perle geworfen werden, reicher als die kostbarste die jemals ein dänischer König in seiner Crone getragen hat. Gebt mir die Becher: Und laßt es die Kessel- Pauken den Trompeten kundmachen, die Trompeten den Canonieren draussen, die Canonen dem Himmel, die Himmel der Erde, daß der König auf Hamlets Gesundheit trinke--Komt, fangt an, und ihr Herren Richter, habt gute Acht. Hamlet. Kommt dann, mein Herr. Laertes. Wohlan, Gnädiger Herr-- (Sie fechten.) Hamlet. Einer-- Laertes. Nein-- Hamlet. Thut den Ausspruch-- Oßrik. ( . ) 1 2 3 . 4 , 5 , , 6 , , 7 , . 8 9 . 10 . , 11 12 ; , , 13 , 14 ? 15 16 . 17 , 18 . 19 , , , 20 ( : ) 21 , . 22 , 23 , , 24 : 25 , , 26 , , 27 . 28 29 . 30 , 31 , 32 , - - 33 . 34 35 . 36 . 37 , 38 , . 39 . , 40 , , , - - 41 ? ? ( . ) 42 43 . 44 , , . . 45 , , . 46 47 . 48 ? ? 49 50 . 51 , ; ; 52 , . 53 54 . 55 , - - , - - 56 57 ( . ) 58 59 " ! 60 , 61 . ' , 62 ; ( 63 ) , 64 . 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