mich anfangs nicht; er hielt mich für einen Fisch-Händler. Es ist weit mit ihm gekommen; aber ich erinnre mich wol, daß ich in meiner Jugend erschreklich viel von der Liebe ausgestanden habe, es war diesem ziemlich nahe--Ich will ihn noch einmal anreden. Was leset ihr, Gnädiger Herr? Hamlet. Worte, Worte, Worte. Polonius. Wovon ist die Rede, Gnädiger Herr? Hamlet. Zwischen wem? Polonius. Ich meyne, was der Inhalt dessen, was ihr leset, sey? Hamlet. Calumnien, Herr; denn der satirische Bube da sagt, alte Männer hätten graue Bärte, und runzlichte Gesichter, ihr Augen trieften Amber und Pflaumen-Baum-Harz, und sie hätten vollen Mangel an Verstand mit sehr schwachen Schinken. Welches alles, mein Herr, ich zwar mächtiglich und festiglich glaube; aber doch halt' ich es für Unhöflichkeit, daß es so niedergeschrieben worden; denn ihr selbst, Herr, würdet so alt als ich seyn, wenn ihr wie ein Krebs rükwärts gehen könntet. Polonius (vor sich.) Wenn das Tollheit ist, wie es dann ist, so ist doch Methode drinn-- Wollt ihr nicht ein wenig aus der freyen Luft gehen, Gnädiger Herr? Hamlet. In mein Grab. Polonius. In der That, das wäre aus der freyen Luft-- (vor sich.) wie nachdrüklich manchmal seine Antworten sind! Das ist ein Vortheil der unsinnigen Leute, daß sie zuweilen Einfälle haben, die einem der bey seinen Sinnen ist, nicht so schnell und leicht von statten giengen--Ich will ihn verlassen, und sogleich Anstalt zu einer Zusammenkunft zwischen ihm und meiner Tochter machen-- (laut) Gnädigster Herr, ich nehme meinen unterthänigen Abschied von euch. Hamlet. Mein Leben ausgenommen, könnt ihr mir in der Welt nichts nehmen, dessen ich so leicht entrathen kan. Polonius. Lebet wohl, Gnädiger Herr. Hamlet (vor sich.) Die verdrießlichen alten Narren! Sechste Scene. (Rosenkranz und Güldenstern treten auf.) Polonius. Ihr sucht vermuthlich den Prinzen Hamlet; hier ist er. (Er geht ab.) Rosenkranz. Gott erhalte euch, Gnädiger Herr. Güldenstern. Mein theurester Prinz! Hamlet. Ah, meine werthen guten Freunde! Wie lebst du, Güldenstern? Ha, Rosenkranz, ihr ehrlichen Jungens, wie geht's euch beyden? Rosenkranz. Wie es so unbedeutenden Erden-Söhnen zu gehen pflegt. Güldenstern. Eben darinn glüklich, daß wir nicht gar zu glüklich sind--Wir sind eben nicht der Knopf auf Fortunens Kappe. Hamlet. Doch nicht die Solen an ihren Schuhen? Rosenkranz. Das auch nicht, Gnädiger Herr. Hamlet. Ihr hangt also an ihrem Gürtel--Gut; was bringt ihr denn neues? Rosenkranz. Nichts, Gnädiger Herr, als daß die Welt ehrlich worden ist. Hamlet. So ist der jüngste Tag im Anzug; aber eure Zeitung ist falsch. Verstattet mir einmal eine vertrauliche Frage: Womit habt ihr euch an der Göttin Fortuna versündiget, meine guten Freunde, daß sie euch hieher in den Kerker geschikt hat? Güldenstern. In den Kerker, Gnädiger Herr? Hamlet. Dännemark ist ein Kerker. Rosenkranz. So ist die ganze Welt einer. Hamlet. Ein recht stattlicher, worinn viele Thürme, Gefängnisse und Löcher sind, unter denen Dännemark eines der ärgsten ist. Rosenkranz. Wir denken nicht so, Gnädiger Herr. Hamlet. Nicht? Nun so ist es auch nicht so für euch: Es ist nichts so gut oder so schlimm, das nicht durch unsre Meynung dazu gemacht wird: Für mich ist es ein Gefängniß. Rosenkranz. Wenn das ist, so macht es euer Ehrgeiz dazu; es ist zu enge für euern Geist. Hamlet. O Gott, ich wollte mich in eine Nußschale einsperren lassen, und mir einbilden, daß ich König über einen unendlichen Raum sey; wenn ich nur nicht so schlimme Träume hätte. Güldenstern. Welche Träume im Grunde nichts anders als Ehrgeiz sind; denn was ist das ganze Wesen des Ehrsüchtigen, als ein Schatten von einem Traum? Hamlet. Ein Traum ist selbst nur ein Schatten. Rosenkranz. Allerdings, und ich halte den Ehrgeiz für etwas so leichtes und unwesentliches, daß er nur der Schatten eines Schattens genennt zu werden verdient. Hamlet. Nach dieser Art zu urtheilen, sind unsre Bettler, Körper; und unsre Monarchen und aufgespreißten Helden, der Bettler Schatten. Wollen wir nach Hofe? Denn, auf meine Ehre, raisonnieren ist meine Sache nicht. Beyde. Wir sind zu Euer Gnaden Aufwartung. Hamlet. Keine solche Complimente: Ich möchte euch nicht zu meinen übrigen Bedienten rechnen: Denn wenn ichs euch als ein ehrlicher Mann sagen soll, ich habe ein sehr fürchterliches Gefolge; aber in vollem Vertrauen, was thut ihr hier in Elsinoor? Rosenkranz. Wir sind blos hieher gekommen, euch unsern Besuch abzustatten. Hamlet. Ich bin so bettelarm, daß ich so gar an Dank arm bin; doch dank ich euch, und versichert euch, meine theuren Freunde, mein Dank ist zu theuer um einen Halb-Pfenning. Seyd ihr nicht beruffen worden? war es euer eigner Gedanke? Ist es ein Besuch aus freyem gutem Willen? Kommt, geht mit der Sprache heraus--Kommt, kommt; nun so sagt dann-- Güldenstern. Was sollen wir sagen, Gnädiger Herr? Hamlet. Das gilt mir gleich, wenn es nur zur Sache taugt. Man hat euch holen lassen; ich sehe eine Art von Geständniß in euern Augen, welches eure Bescheidenheit nicht Kunst genug hat zu maskieren. Ich bin gewiß, der gute König und die Königin haben euch holen lassen. Rosenkranz. Zu was Ende, Gnädiger Herr? Hamlet. Daß ihr mich ausforschen sollt; aber laßt mich euch bey den Rechten unsrer Cameradschaft, bey der Übereinstimmung unsrer Jugend, bey den Banden unsrer niemals unterbrochnen Liebe, und bey allem was ein beßrer Redner als ich bin, euch noch theurers vorhalten könnte, beschwören, mir aufrichtig und gerade heraus zu sagen, ob man euch nicht habe holen lassen? Rosenkranz (zu Güldenstern.) Was sagt ihr hiezu? Hamlet. Nicht so, denn ich hab' ein Aug auf euch; wenn ihr mich liebet so haltet nicht zurük. Güldenstern. Man hat uns ruffen lassen, Gnädiger Herr. Hamlet. Ich will euch sagen wofür; so habt ihr euch doch keine Verrätherey vorzuwerfen, und eure Treue gegen den König und die Königin wird um keine Feder leichter. Ich habe, seit einiger Zeit, warum weiß ich selbst nicht, alle meine Munterkeit verlohren, alle meine gewohnten Übungen aufgegeben; und in der That es ist mit meiner Schwermuth so weit gekommen, daß diese anmuthige Erde mir nur ein kahles Vorgebürge; dieses prächtige Baldachin die Luft, seht ihr, dieses stolze über uns hangende Firmament, diese majestätische Deke mit goldnen Sphären eingelegt, mir nicht anders vorkommt, als wie ein stinkender Sammelplaz pestilenzischer Ausdünstungen. Was für ein Meisterstük ist der Mensch! Wie edel durch die Vernunft! Wie unbegrenzt in seinen Fähigkeiten! An Gestalt und Bewegungs-Kraft wie vollendet und bewundernswürdig! Im Würken wie ähnlich einem Engel! Im Denken wie ähnlich einem Gott! Die schönste Zier der Schöpfung! Das vollkommenste aller sichtbaren Wesen! Und doch, was ist in meinen Augen diese Quintessenz von Staub? Der Mensch gefällt mir nicht, und das Weib eben so wenig; ohngeachtet ihr es durch euer Lächeln zu verstehen zu geben scheint. Rosenkranz. Gnädiger Herr, ich hatte keinen Gedanken an das. Hamlet. Warum lachtet ihr dann, wie ich sagte, der Mensch gefalle mir nicht? Rosenkranz. Ich lachte, weil mir dabey einfiel, was für einen magern Unterhalt, bey solchen Umständen, die Comödianten, bey Euer Gnaden finden werden; wir stiessen unterwegs auf sie, und sie sind im Begriff hieher zu kommen, um euch ihre Dienste anzubieten. Hamlet. Derjenige, der den König macht, soll mir willkommen seyn; seine Majestät soll Tribut von mir empfangen; der irrende Ritter soll sein Rappier und seine Tarsche brauchen; der Liebhaber soll nicht gratis seufzen; die lustige Person soll ihre Rolle ruhig bis zu Ende spielen; der Hans Wurst soll alle lachen machen, deren Lunge ohnehin von scharfen Feuchtigkeiten gekizelt wird, und die Damen sollen sagen was sie denken, oder die reimlosen Verse sollen es entgelten. Was für Comödianten sind es? Rosenkranz. Die nemlichen, welche sonst euern Beyfall hatten, die Schauspieler von der Stadt. Hamlet. Wie kommt es, daß sie reisen? Ihre Residenz war für ihren Ruhm und ihren Beutel vorteilhafter. Rosenkranz. Ich denke, ihre Abdankung ist die Folge einiger Veränderungen, welche neuerlich gemacht worden sind. Hamlet. Stehen sie noch in dem nemlichen Credit wie vormals, als ich in der Stadt war? Haben sie noch so viel Zulauf? Rosenkranz. Nein in der That, den haben sie nicht. Hamlet. Wie kommt das, fangen sie an rostig zu werden? Rosenkranz. Nein, sie geben sich noch immer so viele Mühe als zuvor; aber es ist ein Nest voll Kinder zum Vorschein gekommen, kleine Kichelchen, die beym Haupt-Wort eines Sazes aus allen Kräften ausgrillen, und auch jämmerlich genug geschlagen werden, bis sie es so gut gelernt haben; die sind izt Mode, und überplappern die gemeinen Schauspieler (so nennen sie's) dermassen, daß manche, die einen Degen an der Seite tragen, vor Gänsespulen erschraken, und das Herz nicht haben, sie zu besuchen.* {ed.-* Diese ganze Stelle bezieht sich auf einen damaligen theatralischen Streit, durch gewisse Schauspiele veranlaßt, welche von den Chor-Knaben von des Königs Jacob I. Capelle aufgeführt wurden.} Hamlet. Kinder, sagt ihr, seyen es? Und wer unterhält sie? Wie werden sie salariert? Werden sie das Handwerk nur so lange treiben, als sie singen können? Und wenn sie sich endlich zu gemeinen Comödianten ausgewachsen haben, (wie sie doch zulezt werden müssen, wenn sie keine Mittel haben,) werden sie sich alsdann nicht beschweren, daß ihre Autoren ihnen vormals so schöne Exclamationen gegen ihre eigne künftige Profession in den Mund gelegt haben? Rosenkranz. Bey meiner Ehre, es wurde auf beyden Seiten grosser Lerm gemacht, und die Nation hält es für keine Sünde, sie noch mehr zum Streit aufzureizen. Es war eine geraume Zeit lang mit dem schönsten Stük von der Welt kein Geld zu verdienen, wenn der Poet und der Schauspieler diese wichtige Streitfrage nicht mit hineinbrachten, und ihren Gegnern links und rechts Ohrfeigen austheilten. Hamlet. Ist's möglich? Güldenstern. O, ich kan Euer Gnaden versichern, es ist hizig hergegangen. Hamlet. Und tragen die Jungens es davon?** {ed.-** Man hat diese Redensart, welche auch im Französischen gewöhnlich ist, (est-ce que les Enfans l'emportent?) um der Antwort willen beybehalten müssen.} Güldenstern. Das thun sie, Gnädiger Herr; den Hercules mit samt seiner Ladung. Hamlet. Mich wundert es nicht; denn mein Oheim ist König in Dännemark, und die Nemlichen, welche bey meines Vaters Leben Frazen-Gesichter gegen ihn geschnitten hätten, geben izt zwanzig, vierzig, fünfzig, ja hundert Ducaten, um sein Bildniß in Miniatur zu haben.*** Es ist etwas mehr als natürliches hierinn, das wol werth wäre, daß die Philosophen sich Mühe gäben, es zu erforschen. {ed.-*** Ein Stich über den Beyfall den die Chor-Knaben bey dem König und dem Hofe fanden.} (Man hört ein Getöse.) Güldenstern. Da kommen die Comödianten. Hamlet (zu Güldenstern und Rosenkranz.) Meine Herren, ihr seyd willkommen in Elsinoor, gebt mir eure Hände; kommt, kommt; wir wollen die Ceremonien bey Seite legen. Das muß unter uns ausgemacht seyn, sonst würde mein Betragen gegen diese Comödianten (gegen welche ich, gewisser Ursachen wegen, höflich seyn werde,) mehr Verbindliches zu haben scheinen, als mein Bezeugen gegen euch. Ihr seyd willkommen; aber mein Oheim-Vater, und meine Tante-Mutter haben sich betrogen. Güldenstern. Wie so, Gnädiger Herr? Hamlet. Ich bin nur toll bey Nord oder Nord-West; wenn der Wind von Suden bläßt, kan ich einen Falken sehr wol von einer Hand-Säge unterscheiden.**** {ed.-**** Ein damals gewöhnliches Sprüchwort. Eigentlich soll es heissen, einen Falken von einem Reyger-Nest; allein das gemeine Volk machte aus (Hern-shaw, (I know a hawk from a hern-shaw) hand-saw) eine Hand-Säge, vermuthlich, damit die Redensart possierlicher klinge, wie es vielen Sprüchwörtern zu gehen pflegt.} Siebende Scene. (Polonius zu den Vorigen.) Polonius. Ich wünsche euch viel Gutes, meine Herren. Hamlet. Hört ihr, Güldenstern, und ihr auch; diß grosse Wiegen-Kind, das ihr hier vor euch seht, ist noch nie aus seinen Windeln gekommen. Rosenkranz. Vielleicht ist er zum andern mal drein gekommen, denn man sagt, alte Leute zweymal Kinder. Hamlet. Ich seh es ihm an, daß er kommt, mir von den Comödianten zu sprechen--Gebt Acht darauf--Ihr habt recht, mein Herr; lezten Montag früh war es so, in der That. Polonius. Gnädiger Herr, ich habe euch was neues zu sagen. Hamlet. Gnädiger Herr, ich habe (euch) was neues zu sagen; als Roscius ein Comödiant zu Rom war-- Polonius. Die Comödianten sind hier angekommen, Gnädiger Herr. Hamlet. Was? Polonius. Auf meine Ehre-- Hamlet. Jeder Comödiant kam also auf seinem Esel-- Polonius. Die besten Schauspieler in der Welt, es sey nun für Tragödie, Comödie, Historie, Pastoral, Tragi-Comödie, Comical-Pastoral, oder was ihr immer wollt; für sie ist Seneca nicht zu schwer, und Plautus nicht zu leicht. Wenn Wiz und Freyheit das einzige Gesez sind, so findet man ihres gleichen nicht in der Welt. Hamlet. (O Jephta, Richter in Israel)*, was für einen Schaz hast du! {ed.-* Dieses und was Hamlet dem Polonius antwortet, scheinen Bruchstüke aus alten Balladen zu seyn.} Polonius. Was hatte er für einen Schaz, Gnädiger Herr? Hamlet. (Ein' Tochter hatt' er, und nicht mehr, Ein hübsches Mädchen, das liebt er sehr.) Polonius (vor sich.) Immer stekt ihm meine Tochter im Kopf Hamlet. Hab' ich nicht recht, alter Jephta? Polonius. Wenn ich der Jephta bin, den ihr meynt, Gnädiger Herr, so hab ich eine Tochter, die ich sehr liebe. Hamlet. Nein, das folgt nicht. Polonius. Was folgt denn, Gnädiger Herr? Hamlet. Was? Zum Exempel, (Da trug sich zu, wie ich sagen thu--) ihr kennt ja das Liedchen? Aber da kommen die ehrlichen Leute, die mir heraushelfen-- (Vier oder fünf Schauspieler treten auf.) Willkommen, ihr Herren, willkommen allerseits--Es freut mich, dich wohl zu sehen-- Willkommen meine guten Freunde--Ha! Alter Freund! Du hast ja einen hübschen Bart bekommen, seit dem wir uns gesehen haben--wie, meine hübsche Jungfer, ihr seyd ja um eine Pantoffel-Höhe gewachsen? Ich will hoffen, daß es eurer schönen Stimme nichts geschadet haben werde--Ihr Herren, ihr seyd alle willkommen; wir wollen nur gleich zur Sache--eine hübsche Scene, wenn ich bitten darf; kommt, kommt; eine kleine Probe von eurer Kunst, eine Rede, worinn recht viel Affect ist-- 1. Schauspieler. Was für eine Rede, Gnädiger Herr? Hamlet. Ich hörte dich einmal eine declamieren, aber auf die Schaubühne kam sie nicht; wenigstens nicht mehr als einmal; denn das Stük, so viel ich mich erinnere, gefiel dem grossen Hauffen nicht; es war Stör- Rogen (Caviar) für den Pöbel; aber, wie ich und andre, deren Urtheil ich in solchen Sachen traue, es ansahen, war es ein vortreffliches Stük; viel Einfalt und doch viel Kunst in der Anlage des Plans, und die Scenen wol disponiert; nichts affectiertes in der Schreibart; kein Salz, (sagte jemand) in den Worten, um der Mattigkeit der Gedanken nachzuhelfen; keine Redensarten noch Schwünge, worinn man statt der redenden Person den sich selbst gefallenden Autor hört; kurz, ein natürlicher, ungeschminkter Styl, wie der Kenner sagte. Ich erinnre mich sonderheitlich einer Rede, die mir vorzüglich gefiel; es war in einem Dialoge des Äneas mit der Dido, die Stelle, wo er von Priams Tochter sprach. Wenn ihr's noch im Gedächtniß habt, so fangt bey der Zeile an--Laßt sehen, laßt sehen--"Der rauhe Pyrrhus, gleich dem Hyrcanischen Tyger"-- Nein, so heißt es nicht--es fangt mit dem Pyrrhus an--"Der rauhe Pyrrhus, dessen Rüstung, schwarz wie sein unmenschliches Herz, jener Nacht glich, da er auf Verderben laurend, im Bauch des fatalen Pferdes verborgen lag, hatte nun die furchtbare Schwärze seiner Waffen mit einer noch gräßlichern Farbe beflekt; nun ist er von Kopf zu Fuß ganz blutroth; entsezlich besprizt mit Blut von Vätern, Müttern, Söhnen, Töchtern, in die düstre Flamme gehüllt, deren verdammter Schein den Weg schnöder Mörder beleuchtet--So von Wuth und Hize lechzend, so mit gestoktem Blut überzogen, sucht mit funkelnden Augen der höllische Pyrrhus den alten Anherrn Priam auf." Polonius. Bey Gott, Gnädiger Herr, das war gut declamirt; mit einem guten Accent, und mit einer geschikten Action. 1. Schauspieler. Er findet ihn, von Griechen umringt, die er aber mit zu kurzgeführten Streichen, zurükzutreiben sucht. Sein altes Schwerd, ungehorsam dem kraftlosen Arm, führt lauter unschädliche Hiebe und bleibt liegen, wohin es fällt--welch ein Gegner, die Wuth des daherstürzenden Pyrrhus aufzuhalten, der Wütrich hohlt zu einem tödtlichen Streich weit aus; aber von dem blossen Zischen seines blutigen Schwerds fällt der nervenlose Vater zu Boden. Das gefühllose Ilion selbst schien diesen Streich zu fühlen, seine flammenden Thürme stürzten ein, und der entsezliche Ruin macht sogar den Pyrrhus stuzen; denn, seht, sein Schwerd, im Begriff, auf das milchweisse Haupt des ehrwürdigen Priams herab zu fallen, blieb, so schien es, in der Luft steken; Pyrrhus stuhnd, wie ein gemahlter Tyrann, unthätig, dem Unentschloßnen gleich, der zwischen seinem Willen und dem Gegenstand im Gleichgewicht schwebt; aber, so, wie wir oft wenn ein Sturm bevorsteht, ein tiefes Schweigen durch die Himmel wahrnehmen das Rad der Natur scheint zu stehen, die trozigen Winde schweigen, und unter ihnen liegt der Erdkreis in banger Todes-Stille; auf einmal stürzt der krachende Donner, Verderben auf die Gegend herab: So feurt den unmenschlichen Pyrrhus, nach dieser kleinen Pause, ein plözlicher Sturm von Rachsucht wieder zur blutigen Arbeit an: Gefühlloser fielen nie die Hämmer der Cyclopen auf die glühende Masse herab, woraus sie des Kriegs- Gottes undurchdringliche Waffen schmieden; als nun des Pyrrhus Schwerdt auf den hülflosen Greisen fällt--Hinaus, hinaus, du Meze, Fortuna! O ihr Götter alle, vereiniget euch, stehet alle zusammen, sie ihrer Gewalt zu berauben: Zerbrechet alle Speichen und Felgen ihres Rades, und rollet die zirkelnde Nabe von dem Hügel des Himmels bis in den Abgrund der Hölle hinab! Polonius. Das ist zu lang. Hamlet. Es soll mit euerm Bart zum Barbier--Ich bitte dich, fahre fort; er muß Wortspiele oder schmuzige Mährchen haben, oder er schläft ein-- Weiter fort, zur Hecuba-- 1. Schauspieler. Aber wer, o wer izt die vermummte Königin gesehn hätte-- Hamlet. Die vermummte Königin? Polonius. Das ist gut, vermummte Königin, ist gut. Schauspieler. Wie sie, in Verzweiflung, mit nakten Füssen auf- und nieder rannte, und weinte, daß die Flammen von ihren Thränen hätten verlöschen mögen; ein besudelter Lumpe auf diesem Haupt, wo kürzlich noch das Diadem funkelte; und statt des Königlichen Purpurs ein Bettlaken, das erste was sie im betäubenden Schreken ergriff, um ihre schlappen, von häufigem Gebähren ganz ausgemergelte Lenden hergeworffen; wer das gesehen hätte, würde mit in Gift getauchter Zunge Verwünschungen gegen das Glük ausgestossen haben--Doch, wenn die Götter selbst sie gesehen hätten, in dem Augenblik sie gesehen hätten, da Pyrrhus, mit unmenschlichem Muthwillen, die Glieder ihres Gemahls vor ihren Augen in kleine Stüke zerhakte, das ausberstende Geschrey, das sie da machte, würde sie, (es wäre dann, daß sie von sterblichen Dingen gar nicht gerührt werden,) würde die brennenden Augen des Himmels in Thränen aufgelöst, und die Götter in Leidenschaft gesezt haben. Polonius. Seht nur, ob er nicht seine Farbe verändert, und ob er nicht Thränen in den Augen hat? Ich bitte dich, laß es genug seyn. Hamlet. Gut, wir wollen den Rest dieser Rede auf ein andermal sparen--Mein guter Herr, (zu Polonius) wollt ihr dafür sorgen, daß diese Schauspieler wohl besorgt werden? Hört ihr's, laßt ihnen nichts abgehen; es sind Leute, die man in Acht nehmen muß; sie sind lebendige Chroniken ihrer Zeit; es wäre euch besser, eine schlechte Grabschrift nach euerm Tod zu haben, als ihre üble Nachrede, weil ihr lebt. Polonius. Gnädiger Herr, ich will ihnen begegnen, wie sie es verdienen. Hamlet. Behüt uns Gott, Mann, weit besser! Wenn ihr einem jeden begegnen wolltet, wie er's verdient, wer würde dem Staup-Besen entgehen? Begegnet ihnen, wie es eurer eignen Ehre und Würde gemäß ist. Je weniger sie verdienen, je mehr Verdienst ist in eurer Gütigkeit. Nehmt sie mit euch hinein. Polonius. Kommt, ihr Herren. (Polonius geht ab.) Hamlet. Folget ihm, meine guten Freunde: Morgen wollen wir ein Stük hören-- Hörst du mich, alter Freund, kanst du die Ermordung des Gonzago aufführen? Schauspieler. Ja, Gnädigster Herr. Hamlet. So wollen wir's Morgen auf die Nacht haben. Ihr könnt doch, im Nothfall eine Rede von einem Duzend oder sechszehn Zeilen studieren, die ich noch aufsezen, und hinein bringen möchte? Könnt ihr nicht? Schauspieler. Ja wohl, Gnädigster Herr. Hamlet. Das ist mir lieb. Geht diesem Herrn nach, aber nehmt euch in Acht, daß ihr ihn nicht zum besten habt. (Zu Rosenkranz und Güldenstern.) Meine guten Freunde, ich verlasse euch bis diese Nacht; ihr seyd willkommen in Elsinoor. Rosenkranz. Wir empfehlen uns zu Gnaden-- (Sie gehen ab.) Achte Scene. Hamlet (allein). Ja, so behüt euch Gott: endlich bin ich allein--O, was für ein Schurke, für ein nichtswürdiger Sclave bin ich! Ist es nicht was ungeheures, daß dieser Comödiant hier, in einer blossen Fabel, im blossen Traum einer Leidenschaft, soviel Gewalt über seine Seele haben soll, daß durch ihre Würkung sein ganzes Gesicht sich entfärbt, Thränen seine Augen füllen, seine Stimme bricht, jeder Gesichtszug, jedes Gliedmaß, jede Muskel die Heftigkeit der Leidenschaft, die doch bloß in seinem Hirn ist, mit solcher Wahrheit ausdrükt--und das alles um nichts? Um Hecuba--Was ist Hecuba für ihn, oder er für Hecuba, daß er um sie weinen soll? Was würd er thun, wenn er die Ursache zur Leidenschaft hätte, die ich habe? Er würde den Schauplaz in Thränen ersäuffen, und mit entsezlichen Reden jedes Ohr durchbohren; die Schuldigen würden von Sinnen kommen, und die Schuldlosen selbst wie Verbrecher erblassen-- und ich, träger schwermüthiger Tropf, härme mich wie ein milzsüchtiger Grillenfänger ab, fühle die Grösse meiner Sache nicht, und kan nichts sagen--nein, nichts, nichts für einen König, der auf eine so verruchte Art seiner Crone und seines Lebens beraubt worden ist!--Bin ich vielleicht eine Memme? Wer darf mich einen Schurken nennen, mir ein Loch in den Kopf schlagen, mir den Bart ausrauffen, und ins Gesicht werfen? Wer zwikt mich bey der Nase, oder wirft mir eine Lüge in den Hals, so tief bis in die Lunge hinab? Wer thut mir das? Und doch sollt' ich es leiden--Denn es kan nicht anders seyn, ich bin ein Daubenherziger Mensch, der keine Galle hat, die ihm seine Unterdrükung bitter mache; wenn es nicht so wäre, hätte ich nicht bereits alle Geyer der Gegend mit dem vorgeworfnen Aas dieses Sclaven gemästet? Der blutige kupplerische Bube! Der gewissenlose, verräthrische, unzüchtige, unbarmherzige Bösewicht!--Wie, was für eine niederträchtige Geduld hält mich zurük? Ich, der Sohn eines theuren ermordeten Vaters, von Himmel und Hölle zur Rache aufgefodert, ich soll wie eine feige Meze, mein Herz durch Worte erleichtern, wie eine wahre Gassen-Hure in Schimpf- Worte und Flüche ausbrechen--und es ist Hirn in diesem Schedel! Fy, der Niederträchtigkeit! Es muß anders werden!--Ich habe gehört, daß Verbrecher unter einem Schauspiel durch die blosse Kunst des Poeten und des Schauspielers so in die Seele getroffen worden, daß sie auf der Stelle ihre Übelthaten bekennt haben. Wenn ein Mord gleich keine Zunge hat, so muß doch ehe das lebloseste Ding Sprache bekommen, als daß er unentdekt bleiben sollte. Ich will diese Comödianten etwas der Ermordung meines Vaters ähnliches vor meinem Oheim aufführen lassen. Ich will sein Gesicht dabey beobachten; ich will ihm die Wike bis aufs Fleisch in die Wunde bohren; wenn er nur erblaßt, so weiß ich was ich zu thun habe. Der Geist, den ich gesehen habe, kan der Teufel seyn; denn der Teufel hat die Macht eine gefällige Gestalt anzunehmen; vielleicht mißbraucht er meine Schwermuth und Trübsinnigkeit (Geister, durch die er eine besondere Gewalt hat) mich zu einer verdammlichen That zu verleiten. Ich will einen überzeugendern Grund haben als diese Erscheinung; und im Schauspiel soll die Falle seyn, worinn ich das Gewissen des Königs fangen will. Dritter Aufzug. Erste Scene. (Der Pallast.) (Der König, die Königin, Polonius, Ophelia, Rosenkranz, Güldenstern, und Herren vom Hofe treten auf.) König. Ihr habt also nicht von ihm herausbringen können, was die Ursache ist, warum er in den schönsten Tagen seines Lebens in diese stürmische und Gefahr-drohende Raserey gefallen? Rosenkranz. Er gesteht, daß er sich in einem ausserordentlichen Gemüths- Zustande fühle; aber was die Ursache davon sey, darüber will er sich schlechterdings nicht herauslassen. Güldenstern. Auch giebt er nirgends keine Gelegenheit, wo man ihn ausholen könnte, und wenn man würklich ganz nahe dabey zu seyn glaubt, ihn zum Geständniß seines wahren Zustands zu bringen, so hat er, seiner vorgeblichen Tollheit ungeachtet, doch List genug, sich immer wieder aus der Schlinge zu ziehen. Königin. Empfieng er euch freundlich? Rosenkranz. Mit vieler Höflichkeit. Güldenstern. Doch so, daß man die Gewalt die er seinem Humor anthun mußte, sehr deutlich merken konnte. Rosenkranz. Mit Fragen war er sehr frey, aber überaus zurükhaltend, wenn er auf die unsrigen antworten sollte. Königin. Schluget ihr ihm keinen Zeitvertreib vor? Rosenkranz. Gnädigste Frau, es begegnete von ungefehr, daß wir unterwegs auf eine Schauspieler-Gesellschaft stiessen; von dieser sagten wir ihm, und es schien, als ob er eine Art von Freude darüber hätte: Sie befinden sich würklich bey Hofe, und (wie ich glaube,) haben sie bereits Befehl, diese Nacht vor ihm zu spielen. Polonius. Es ist nichts gewissers, und er ersucht Eure Majestäten, Zuschauer dabey abzugeben. König. Von Herzen gern, es erfreut mich ungemein, zu hören, daß er so gut disponiert ist. Erhaltet ihn bey dieser Laune, meine guten Freunde, und seyd darauf bedacht, daß er immer mehr Geschmak an dergleichen Zeitvertreib finde. Rosenkranz. Wir wollen nichts ermangeln lassen, Gnädigster Herr. (Sie gehen ab.) König. Liebste Gertrude, verlaßt ihr uns auch; wir haben heimliche Anstalten gemacht, daß Hamlet hieher komme, damit er Ophelien, als ob es von ungefehr geschähe, hier antreffe. Ihr Vater und ich wollen einen solchen Plaz nehmen, daß wir, ungesehn, Zeugen von allem was zwischen ihnen vorgehen wird, seyn, und also durch uns selbst urtheilen können, ob die Liebe die Ursache seines Trübsinns ist oder nicht. Königin. Ich gehorche euch; und an meinem Theil, Ophelia, wünsch' ich, daß eure Reizungen die glükliche Ursach von Hamlets Zustande seyn mögen: Denn das würde mir Hoffnung machen, daß eure Tugend ihn, zu euer beyder Ehre, wieder auf den rechten Weg bringen würde. Ophelia. Gnädigste Frau, ich wünsch' es so. (Die Königin geht ab.) Polonius. Ophelia, geht ihr hier auf und ab--Gnädigster Herr, wenn es beliebig ist, wollen wir uns hier verbergen-- (Zu Ophelia.) Thut, als ob ihr in diesem Buche leset; damit das Ansehn einer geistlichen Übung eure Einsamkeit beschönige. Es begegnet nur gar zu oft, daß wir mit der andächtigsten Mine und der frömmsten Gebehrde an dem Teufel selbst saugen. König (vor sich.) Das ist nur gar zu wahr. Was für einen scharfen Geissel-Streich giebt diese Rede meinem Gewissen! Die Wangen einer Hure durch Kunst mit betrügerischen Rosen bemahlt, sind nicht häßlicher unter ihrer Schminke, als meine That unter der schönen Larve meiner Worte-- O schwere Bürde! Polonius. Ich hör' ihn kommen; wir wollen uns entfernen, Gnädigster Herr. (Alle, bis auf Ophelia gehen ab.)Zweyte Scene. (Hamlet tritt auf, mit sich selbst redend.) Hamlet. Seyn oder nicht seyn--Das ist die Frage--Ob es einem edeln Geist anständiger ist, sich den Beleidigungen des Glüks geduldig zu unterwerfen, oder seinen Anfällen entgegen zu stehen, und durch einen herzhaften Streich sie auf einmal zu endigen? Was ist sterben?--Schlafen--das ist alles--und durch einen guten Schlaf sich auf immer vom Kopfweh und allen andern Plagen, wovon unser Fleisch Erbe ist, zu erledigen, ist ja eine Glükseligkeit, die man einem andächtiglich zubeten sollte--Sterben--Schlafen--Doch vielleicht ist es was mehr--wie wenn es träumen wäre?--Da stekt der Haken--Was nach dem irdischen Getümmel in diesem langen Schlaf des Todes für Träume folgen können, das ist es, was uns stuzen machen muß. Wenn das nicht wäre, wer würde die Mißhandlungen und Staupen- Schläge der Zeit, die Gewaltthätigkeiten des Unterdrükers, die verächtlichen Kränkungen des Stolzen, die Quaal verschmähter Liebe, die Schicanen der Justiz, den Übermuth der Grossen, ertragen, oder welcher Mann von Verdienst würde sich von einem Elenden, dessen Geburt oder Glük seinen ganzen Werth ausmacht, mit Füssen stossen lassen, wenn ihm frey stühnde, mit einem armen kleinen Federmesser sich Ruhe zu verschaffen? Welcher Taglöhner würde unter Ächzen und Schwizen ein mühseliges Leben fortschleppen wollen?--Wenn die Furcht vor etwas nach dem Tode--wenn dieses unbekannte Land, aus dem noch kein Reisender zurük gekommen ist, unsern Willen nicht betäubte, und uns riehte, lieber die Übel zu leiden, die wir kennen, als uns freywillig in andre zu stürzen, die uns desto furchtbarer scheinen, weil sie uns unbekannt sind. Und so macht das Gewissen uns alle zu Memmen; so entnervet ein blosser Gedanke die Stärke des natürlichen Abscheues vor Schmerz und Elend, und die grössesten Thaten, die wichtigsten Entwürfe werden durch diese einzige Betrachtung in ihrem Lauf gehemmt, und von der Ausführung zurükgeschrekt--Aber sachte!--wie? Die schöne Ophelia?--Nymphe, erinnre dich aller meiner Sünden in deinem Gebete. Ophelia. Mein Gnädiger Prinz, wie habt ihr euch diese vielen Tage über befunden? Hamlet. Ich danke euch demüthigst; wohl-- Ophelia. Gnädiger Herr, ich habe verschiedne Sachen zum Andenken von euch, die ich euch gerne zurükgegeben hätte; ich bitte euer Gnaden, sie bey dieser Gelegenheit zurük zu nehmen. Hamlet. Ich? ich wißte nicht, daß ich euch jemals was gegeben hätte. Ophelia. Ihr wißt es gar wohl, Gnädiger Herr, und daß ihr eure Geschenke mit Worten, von so süssem Athem zusammengesezt, begleitet habt, daß sie dadurch einen noch grössern Werth erhielten. Da sich dieser Parfüm verlohren hat, so nehmt sie wieder zurük. Geschenke verliehren für ein edles Gemüth ihren Werth, wenn das Herz des Gebers geändert ist. Hamlet. Ha, ha! Seyd ihr tugendhaft? Ophelia. Gnädiger Herr-- Hamlet. Seyd ihr schön? Ophelia. Was sollen diese Fragen bedeuten? Hamlet. Das will ich euch sagen. Wenn ihr tugendhaft und schön seyd, so soll eure Tugend nicht zugeben, daß man eurer Schönheit Schmeicheleyen vorschwaze. Ophelia. Machen Schönheit und Tugend nicht eine gute Gesellschaft mit einander aus, Gnädiger Herr? Hamlet. Nicht die beste; denn es wird allemal der Schönheit leichter seyn, die Tugend in eine Kupplerin zu verwandeln, als der Tugend, die Schönheit sich ähnlich zu machen. Das war ehmals ein paradoxer Saz, aber in unsern Tagen ist seine Wahrheit unstreitig--Es war eine Zeit, da ich euch liebte. Ophelia. In der That; Gnädiger Herr, ihr machtet mich's glauben. Hamlet. Ihr hättet mir nicht glauben sollen. Denn Tugend kan sich unserm alten Stamme nie so gut einpfropfen, daß wir nicht noch immer einen Geschmak von ihm behalten sollten. Ich liebte euch nicht. Ophelia. Desto schlimmer, daß ich so betrogen wurde. Hamlet. Geh in ein Nonnenkloster. Warum wolltest du eine Mutter von Sündern werden? Ich bin selbst keiner von den Schlimmsten; und doch könnt' ich mich solcher Dinge anklagen, daß es besser wäre, meine Mutter hätte mich nicht zur Welt gebracht. Ich bin sehr stolz, rachgierig, ehrsüchtig, zu mehr Sünden aufgelegt, als ich Gedanken habe sie zu namsen, Einbildungs-Kraft sie auszubilden, und Zeit sie zu vollbringen. Wozu sollen solche Bursche, wie ich bin, zwischen Himmel und Erde herumkriechen? Wir sind alle ausgemachte Taugenichts; traue keinem von uns--Geh in ein Nonnen-Kloster--Wo ist euer Vater? Ophelia. Zu Hause, Gnädiger Herr. Hamlet. Laß die Thür hinter ihm zuschliessen, damit er den Narren nirgends als in seinem eignen Hause spielen könne--Adieu. Ophelia. O hilf ihm, Gütiger Himmel! Hamlet. Wenn du einen Mann nimmst, so will ich dir diesen Fluch zur Mitgift geben--Sey so keusch wie Eis, so rein wie Schnee, du wirst doch der Verläumdung nicht entgehen--Geh in ein Nonnen-Kloster--Adieu--Oder wenn du es ja nicht vermeiden kanst, so nimm einen Narren; denn gescheidte Leute wissen gar zu wohl, was für Ungeheuer ihr aus ihnen macht.--In ein Nonnen-Kloster, sag ich und das nur bald: Adieu. Ophelia. Ihr himmlischen Mächte, stellet ihn wieder her! Hamlet. Ich habe auch von eurer Mahler-Kunst gehört; eine feine Kunst! Gott hat euch ein Gesicht gegeben, und ihr macht euch ein anders. Ihr verhunzt unserm Herrn Gott sein Geschöpf durch eure tändelhafte Manieren, durch eure Ziererey, euer affektiertes Stottern, euern tanzenden Gang, eure kindische Launen; und seyd unwissend genug euch auf diese Armseligkeiten noch wer weiß wie viel einzubilden. Geh, geh, ich will nichts mehr davon, es hat mich toll gemacht. Ich meyne, keine Heyrathen mehr! Diejenigen die nun einmal verheyrathet sind, alle bis an einen, mögen leben; die übrigen sollen bleiben wie sie sind. In ein Nonnen-Kloster, geh. (Hamlet geht ab.) Ophelia. O was für ein edles Gemüth ist hier zu Grunde gerichtet! Das Aug eines Hofmanns, die Zunge eines Gelehrten, der Degen eines Helden! Die Erwartung, die blühende Hoffnung des Staats! Der Spiegel, worinn sich jeder besah, der gefallen wollte; das Modell von allem was groß, schön und liebenswürdig ist, gänzlich, gänzlich zernichtet! Ich unglükselige! Die einst den Honig seiner Schmeicheleyen, die Musik seiner Gelübde so begierig in mich sog; und izt sehen muß, wie der schönste Geist, gleich einem verstimmten Glokenspiel, lauter falsche, mißklingende Töne von sich giebt, und diese unvergleichliche Tugend-Blühte in finstrer Schwermuth hinwelkt! O! wehe mir! daß ich leben mußte, um zu sehen, was ich gesehen habe. Dritte Scene. (Der König und Polonius treten auf.) König. Liebe, sagt ihr? Nein, sein Gemüth ist von ganz andern Dingen eingenommen, und was er sagte, ob es gleich ein wenig seltsam klang, war auch nicht Wahnwiz. Es liegt ihm etwas im Gemüth, worüber seine Melancholie brütend sizt, und ich besorge es möchte gefährlich seyn, es zeitig werden zu lassen. Es ist mir in der Geschwindigkeit ein Mittel beygefallen, wie diesem Übel vorgebogen werden kan. Ich will ihn ohne Aufschub nach England schiken, um den Tribut zu fodern, der uns zurükgehalten wird: Vielleicht, daß die See-Luft, ein anders Land und andre Gegenstände, diese böse Materie zerstreuen mögen, die sich in seinem Herzen gesezt, und sein Gehirn mit schwarzen Vorstellungen angefüllt hat, denen er nachhängt, und darüber in diesen seltsamen Humor verfallen ist. Was denkt ihr davon? Polonius. Es wird eine gute Wirkung thun. Und doch glaub ich noch immer, daß verachtete Liebe die erste Quelle und Ursach dieser Schwermuth gewesen--Wie steht's, Ophelia? Ihr habt nicht nöthig uns zu erzählen, was Prinz Hamlet sagte; wir haben alles gehört-- (Ophelia geht ab.) Gnädigster Herr, handelt nach euerm Gefallen; wenn es euch aber nicht entgegen ist, so laßt die Königin seine Frau Mutter nach der Comödie in einer geheimen Unterredung einen Versuch machen, die Ursache seines Grams von ihm zu erfahren; laßt sie mit der Sprache gerad gegen ihn herausgehen; und ich will mich, wenn ihr's für gut anseht, an einen Ort stellen, wo ich alles was sie mit einander reden, hören kan. Will er sich nicht erklären, so schikt ihn nach England, oder verwahrt ihn sonst irgendwo; was eure Klugheit das rathsamste finden wird. König. Wir wollen es so machen--Wahnwiz ist an den Grossen allemal was verdächtiges das man nicht unbewacht lassen soll. (Sie gehen ab.) (Hamlet mit zween oder dreyen Schauspielern tritt auf.) Hamlet. Sprecht eure Rede, ich bitte euch, so wie ich sie euch vorgesagt habe, mit dem natürlichen Ton und Accent, wie man im gemeinen Leben spricht. Denn wenn ihr das Maul so voll nehmen wolltet, wie manche von unsern Schauspielern zu thun pflegen, so wäre mir eben so lieb, wenn der Ausruffer meine Verse hersagte. Und sägt auch die Luft nicht so mit eurer Hand, sondern macht es manierlich; denn selbst ; - . 1 ; , 2 , 3 - - . 4 , ? 5 6 . 7 , , . 8 9 . 10 , ? 11 12 . 13 ? 14 15 . 16 , , , ? 17 18 . 19 , ; , 20 , , 21 - - , 22 . , , 23 ; ' 24 , ; 25 , , , 26 . 27 28 ( . ) 29 , , - - 30 , ? 31 32 . 33 . 34 35 . 36 , - - 37 38 ( . ) 39 40 ! 41 , , 42 , 43 - - , 44 - - 45 46 ( ) 47 48 , . 49 50 . 51 , , 52 . 53 54 . 55 , . 56 57 ( . ) 58 ! 59 60 61 62 63 . 64 ( . ) 65 66 67 . 68 ; . 69 70 ( . ) 71 72 . 73 , . 74 75 . 76 ! 77 78 . 79 , ! , ? , 80 , , ' ? 81 82 . 83 - . 84 85 . 86 , - - 87 . 88 89 . 90 ? 91 92 . 93 , . 94 95 . 96 - - ; ? 97 98 . 99 , , . 100 101 . 102 ; . 103 : 104 , , 105 ? 106 107 . 108 , ? 109 110 . 111 . 112 113 . 114 . 115 116 . 117 , , 118 , . 119 120 . 121 , . 122 123 . 124 ? : 125 , : 126 . 127 128 . 129 , ; 130 . 131 132 . 133 , , 134 , ; 135 . 136 137 . 138 ; 139 , 140 ? 141 142 . 143 . 144 145 . 146 , 147 , 148 . 149 150 . 151 , , ; 152 , . 153 ? , , 154 . 155 156 . 157 . 158 159 . 160 : 161 : 162 , ; 163 , ? 164 165 . 166 , . 167 168 . 169 , ; 170 , , , 171 - . ? 172 ? 173 ? , - - , ; 174 - - 175 176 . 177 , ? 178 179 . 180 , . 181 ; , 182 . 183 , 184 . 185 186 . 187 , ? 188 189 . 190 ; 191 , , 192 , 193 , , 194 , , 195 ? 196 197 ( . ) 198 ? 199 200 . 201 , ' ; 202 . 203 204 . 205 , . 206 207 . 208 ; 209 , 210 . , , 211 , , 212 ; 213 , 214 ; , , 215 , 216 , , 217 . 218 ! ! 219 ! - 220 ! 221 ! ! 222 ! ! , 223 ? 224 , ; 225 . 226 227 . 228 , . 229 230 . 231 , , ? 232 233 . 234 , , , 235 , , 236 ; , 237 , . 238 239 . 240 , , ; 241 ; 242 ; 243 ; 244 ; , 245 , 246 , 247 . ? 248 249 . 250 , , 251 . 252 253 . 254 , ? 255 . 256 257 . 258 , , 259 . 260 261 . 262 , 263 ? ? 264 265 . 266 , . 267 268 . 269 , ? 270 271 . 272 , ; 273 , , 274 - , 275 , 276 ; , 277 ( ' ) , , 278 , , 279 , . * 280 281 . - * 282 , , 283 - . 284 . 285 286 . 287 , , ? ? 288 ? , 289 ? 290 , ( , 291 , ) , 292 293 ? 294 295 . 296 , , 297 , 298 . 299 , 300 , 301 . 302 303 . 304 ' ? 305 306 . 307 , , . 308 309 . 310 ? * * 311 312 . - * * , 313 , 314 315 ( - ' ? ) 316 317 . 318 319 . 320 , ; . 321 322 . 323 ; , 324 , - 325 , , , , 326 , . * * * 327 , , 328 , . 329 330 . - * * * - 331 . 332 333 ( . ) 334 335 . 336 . 337 338 ( . ) 339 , , ; 340 , ; . 341 , 342 ( , , 343 , ) , 344 . ; - , 345 - . 346 347 . 348 , ? 349 350 . 351 - ; 352 , - 353 . * * * * 354 355 . - * * * * . 356 , - ; 357 ( - , ( - ) 358 - ) - , , 359 , . 360 361 362 363 364 365 . 366 ( . ) 367 368 369 . 370 , . 371 372 . 373 , , ; - , 374 , . 375 376 . 377 , , 378 . 379 380 . 381 , , 382 - - - - , ; 383 , . 384 385 . 386 , . 387 388 . 389 , ( ) ; 390 - - 391 392 393 . 394 , . 395 396 . 397 ? 398 399 . 400 - - 401 402 . 403 - - 404 405 . 406 , , 407 , , , - , - , 408 ; , 409 . 410 , . 411 412 . 413 ( , ) * , ! 414 415 . - * , 416 . 417 418 . 419 , ? 420 421 . 422 ( ' ' , , 423 , . ) 424 425 ( . ) 426 427 428 . 429 ' , ? 430 431 . 432 , , , 433 , . 434 435 . 436 , . 437 438 . 439 , ? 440 441 . 442 ? , 443 444 ( , - - ) ? 445 , - - 446 ( . ) , , 447 - - , - - 448 - - ! ! 449 , - - , 450 , - 451 ? , 452 - - , ; 453 - - , 454 ; , ; , , 455 - - 456 457 . . 458 , ? 459 460 . 461 , 462 ; ; , 463 , ; - 464 ( ) ; , , 465 , , 466 ; 467 , ; 468 ; , ( ) , 469 ; 470 , 471 ; , , , 472 . , 473 ; 474 , , . ' 475 , - - , 476 - - " , " - - 477 , - - - - " 478 , , , 479 , , 480 , 481 ; 482 ; 483 , , , , , 484 - - 485 , , 486 . " 487 488 . 489 , , ; 490 , . 491 492 . . 493 , , 494 , . , 495 , 496 , - - , 497 , 498 ; 499 . 500 , 501 , 502 ; , , , , 503 , , 504 , ; , 505 , , , 506 ; , , 507 , 508 , 509 , 510 - ; , 511 : , 512 , 513 : 514 , - 515 ; 516 - - , , , 517 ! , , , 518 : 519 , 520 ! 521 522 . 523 . 524 525 . 526 - - , ; 527 , - - 528 , - - 529 530 . . 531 , - - 532 533 . 534 ? 535 536 . 537 , , . 538 539 . 540 , , - , 541 , 542 ; , 543 ; , 544 , 545 , 546 ; , 547 - - , 548 , 549 , , , 550 , 551 , , , ( , 552 , ) 553 , 554 . 555 556 . 557 , , 558 ? , . 559 560 . 561 , - - 562 , 563 564 ( ) 565 566 , 567 ? ' , ; , 568 ; ; 569 , 570 , , . 571 572 . 573 , , . 574 575 . 576 , , ! 577 , ' , - ? 578 , . 579 , . 580 . 581 582 . 583 , . 584 585 ( . ) 586 587 . 588 , : - - 589 , , 590 ? 591 592 . 593 , . 594 595 . 596 ' . , 597 , 598 , ? ? 599 600 . 601 , . 602 603 . 604 . , , 605 . 606 607 ( . ) 608 609 , ; 610 . 611 612 . 613 - - 614 615 ( . ) 616 617 618 619 620 621 . 622 623 624 ( ) . 625 , : - - , 626 , ! 627 , , , 628 , 629 , 630 , , , 631 , , 632 , , 633 - - ? - - 634 , , ? 635 , , 636 ? , 637 ; 638 , - - 639 , , 640 , , 641 - - , , , 642 643 ! - - ? 644 , , 645 , ? , 646 , 647 ? ? ' - - 648 , , 649 , ; 650 , 651 ? 652 ! , , , 653 ! - - , 654 ? , , 655 , , 656 , - - 657 - - ! , 658 ! ! - - , 659 660 , 661 . 662 , 663 , . 664 665 . ; 666 ; 667 , . , 668 , ; 669 ; 670 ( , 671 ) . 672 ; 673 , 674 . 675 676 677 678 . 679 680 681 682 . 683 ( . ) 684 ( , , , , , 685 , . ) 686 687 688 . 689 , 690 , 691 - ? 692 693 . 694 , - 695 ; , 696 . 697 698 . 699 , 700 , , 701 , , 702 , , 703 . 704 705 . 706 ? 707 708 . 709 . 710 711 . 712 , , 713 . 714 715 . 716 , , 717 . 718 719 . 720 ? 721 722 . 723 , , 724 - ; , 725 , : 726 , ( , ) 727 , . 728 729 . 730 , , 731 . 732 733 . 734 , , , 735 . , , 736 , 737 . 738 739 . 740 , . 741 742 ( . ) 743 744 . 745 , ; 746 , , , 747 , . 748 , , , 749 , , 750 , 751 . 752 753 . 754 ; , , ' , 755 : 756 , , 757 , . 758 759 . 760 , ' . 761 762 ( . ) 763 764 . 765 , - - , 766 , - - 767 768 ( . ) 769 770 , ; 771 . 772 , 773 . 774 775 ( . ) 776 . - 777 ! 778 , 779 , - - 780 ! 781 782 . 783 ' ; , . 784 785 ( , . ) . 786 ( , . ) 787 788 789 . 790 - - - - 791 , 792 , , 793 ? 794 ? - - - - - - 795 , 796 , , , 797 - - - - - - 798 - - ? - - 799 - - 800 , , 801 . , - 802 , , 803 , , 804 , , , 805 , 806 , 807 , , 808 ? 809 ? - - 810 - - , 811 , 812 , , , 813 , , 814 , . 815 ; 816 , 817 , 818 , 819 - - ! - - ? ? - - , 820 . 821 822 . 823 , 824 ? 825 826 . 827 ; - - 828 829 . 830 , , 831 ; , 832 . 833 834 . 835 ? , . 836 837 . 838 , , 839 , , , 840 . 841 , . 842 , . 843 844 . 845 , ! ? 846 847 . 848 - - 849 850 . 851 ? 852 853 . 854 ? 855 856 . 857 . , 858 , 859 . 860 861 . 862 863 , ? 864 865 . 866 ; , 867 , , 868 . , 869 - - 870 , . 871 872 . 873 ; , ' . 874 875 . 876 . 877 , 878 . . 879 880 . 881 , . 882 883 . 884 . 885 ? ; 886 ' , , 887 . 888 , , , , 889 , - , 890 . , , 891 ? 892 ; - - - - - 893 ? 894 895 . 896 , . 897 898 . 899 , 900 - - . 901 902 . 903 , ! 904 905 . 906 , 907 - - , , 908 - - - - - - - 909 , ; 910 , 911 . - - - , : 912 . 913 914 . 915 , ! 916 917 . 918 - ; ! 919 , . 920 921 , , , 922 , ; 923 . 924 , , , . 925 , ! 926 , , ; 927 . - , . 928 929 ( . ) 930 931 . 932 ! 933 , , ! 934 , ! , 935 , ; 936 , , , 937 ! ! 938 , ; 939 , , 940 , , , 941 - 942 ! ! ! , , 943 . 944 945 946 947 948 . 949 ( . ) 950 951 952 . 953 , ? , 954 , , , 955 . , 956 , 957 , . 958 , 959 . , 960 , : , 961 - , , 962 , , 963 , 964 , . 965 ? 966 967 . 968 . , 969 970 - - ' , ? 971 , ; - - 972 973 ( . ) 974 975 , ; 976 , 977 , 978 ; 979 ; , ' 980 , , 981 , . , 982 , ; 983 . 984 985 . 986 - - 987 . 988 989 ( . ) 990 991 ( . ) 992 993 . 994 , , 995 , , 996 . , 997 , , 998 . 999 , ; 1000