das war: Ein Mensch ist nur ein Esel, wenn er sich einfallen lassen will, diesen Traum zu begreiffen. Mich dünkte ich war, kein Mensch kan sagen was. Mich dünkte ich war, und mich dünkte ich hatte-- Doch ein Mensch wäre nur ein ausgemachter Narr, wenn er sich dafür austhun wollte, zu sagen was ich hatte. Keines Menschen Auge hat gehört, keines Menschen Ohr hat gesehen; keines Menschen Hand ist vermögend zu schmeken, noch seine Zunge zu begreiffen; noch sein Herz zu erzählen, was mein Traum war. Ich will Peter Squenz bitten, daß er einen Gesang aus diesem Traum mache; er soll Zettels Traum genennt werden, und ich will ihn zu Ende des Spiels vor dem Herzog absingen; vielleicht, um es noch graziöser zu machen, will ich ihn singen, wenn ich mich erstochen habe. (Geht ab.)Vierte Scene. (Die Stadt.) (Squenz, Flaut, Schnauz und Schluker.) Squenz. Habt ihr nach Zettels Hause geschikt? Ist er noch nicht heim gekommen? Schluker. Man hört kein Wort von ihm. Ohne Zweifel haben ihn die Geister davon geführt. Flaut. Wenn er nicht kömmt, so ist das Spiel verdorben. Es geht nicht vor sich, thut es? Squenz. Es ist unmöglich. Ihr findet keinen Mann in ganz Athen, der im Stand wäre, den Pyramus vorzustellen, als ihn. Flaut. Nein, er hat kurzum den besten Kopf unter allen Handwerksleuten in Athen. Squenz. So ists, und die beste Person dazu; er ist ein rechter Gegenstand für eine zarte Stimme. (Schnok kömmt.) Schnok. Ihr Herren, der Herzog kömmt aus dem Tempel, und es sind noch zwey oder drey Herren und Damen mehr vermählt worden. Wenn unser Spiel vor sich gegangen wäre, so wären wir alle gemachte Leute gewesen. Flaut. O du guter Zettel, du hast einen Sechser des Tags für dein ganzes Lebenlang verlohren. Mein Seel! er hätte einem Sechser des Tags nicht entgehen können. Wenn ihm der Herzog nicht einen Sechser des Tags für den Pyramus gegeben hätte, so will ich gehangen seyn. Einen Sechser des Tags für Pyramus, oder nichts. (Zettel kömmt.) Zettel. Wo sind die Jungens? wo sind diese Hasen-Herzen? Squenz. Zettel!--O! höchst curaschöser Tag! o glükselige Stunde! Zettel. Ihr Herren, ich habe Wunderdinge zu erzählen, aber fragt mich nicht was; denn, ich will kein ehrlicher Athener seyn, wenn ich's euch sage. Ich will euch alles sagen, wie es gegangen ist. Squenz. Laß uns hören, lieber Zettel. Zettel. Nicht ein Wort von mir. Alles was ich euch sagen will, ist, daß der Herzog zu Mittag gegessen hat. Schaft eure Zurüstungen herbey, gute Strike für eure Bärte, neue Bänder für eure Stiefeletten; kommet alle bey dem Pallast zusammen, jedermann übersehe seinen Part; denn, ohne langes und breites, das Ende vom Lied ist, unser Spiel wird den Vorzug bekommen. Auf allen Fall, laßt Thisbe weisse Wäsche anziehen; und laßt den der den Löwen spielen soll, seine Nägel nicht abschneiden, denn sie müssen als des Löwen Klauen heraus hangen: Und meine werthesten Agenten, esset mir ja weder Zwiebel noch Knoblauch; denn wir müssen einen süssen Athem von uns geben, und ich zweifle nicht, sie werden sagen, es ist eine recht süsse Comödie. Keine Worte mehr, ab! Tretet alle ab. (Sie gehen.) Fünfter Aufzug. Erster Auftritt. (Der Pallast.) (Theseus, Hippolita, Egeus und Gefolge.) Hippolita. Das sind, mein Theseus, wunderbare Dinge, Was diese Liebenden erzählen. Theseus. Mehr wunderbar als wahr. Ich habe niemals Von diesen alten Fabeln, Feen-Mährchen Und Zaubereyen was geglaubt. Verliebte Sind hierinn den Verrükten ähnlich: Beyde Mit so erhiztem Hirn, so schöpfrischer Einbildungskraft begabt, sich vorzustellen, Was ruhige Vernunft nicht fassen kan. Mondsüchtige, Poeten und Verliebte Sind lauter Phantasie; der eine sieht Mehr Teufel, als die weite Hölle faßt; Indeß daß der Verliebte, gleich phrenetisch In einer Mohrin Ledas Schönheit sieht. Des Dichters Aug' in feinem Wahnwiz rollend, Blizt von der Erde zum Olymp, vom Himmel Zur Erd'; und wie die Phantasie Gestalten Von unbekannten Dingen ausgebiert, So bildet sie sein Kiel, und giebt dem lüftigen Unding Verbindung, Ort und Zeit, und einen Namen. So ist die Phantasie gewohnt zu würken; Sobald sie irgend eine Lust empfindt, Erfindt sie einen Schöpfer dieser Lust; Denn wenn bey Nacht uns eine Furcht befällt, Wie leicht ist's, einen Busch für einen Bär zu halten. Hippolita. Doch diese ganze Nachtgeschichte Mit ihren Folgen, dieser wunderbaren Verwandlung ihrer Seelen, zeugt von mehr Als Dichtungen der Phantasie, und wächßt Zu etwas, das zusammenhängend ist; Und doch darum nicht minder unbegreiflich. (Lysander, Demetrius, Hermia und Helena treten auf.) Theseus. Hier kommen sie, voll Lust und Frölichkeit. Heil, holde Freunde, Heil und frische Tage Der Lieb', ein Frühling dem kein Winter folge, Begleite eure Herzen-- Lysander. So mögen sie, in ungezählter Menge Um Eure Hoheit wachen. Theseus. Kommet nun, Was haben wir für Masken, was für Tänze, Um diesen langen Zeitlauf von drey Stunden, Vor schlafengehn, hinwegzuscherzen? Wo ist der Meister unsrer Lustbarkeiten? Was Spiele giebt's? Ist nicht ein Schauspiel da, Die Pein von einer langen Stunde zu erleichtern? Ruft Philostrat herbey. (Philostratus kömmt.) Philostratus. Hier, mächtiger Theseus. Theseus. Was hast du, diesen Abend zu verkürzen? Was für Ballette, für Musik und Tänze? Wie können wir die träge Zeit betrügen, Wenn nicht durch irgend eine Lustbarkeit? Philostratus. Hier, Prinz, ist eine Liste von den Spielen, Die eurer Hoheit Wahl und Wink erwarten. Theseus (ließt.) (Die Schlacht mit den Centauren, von einem Athenischen Castraten zur Harfe abzusingen.) Wir wollen nichts hievon. Das hab ich meiner Braut Zu Ehren meines Vetters, Herkules, Vorlängst erzählt. (Der Aufruhr der berauschten Bachantinnen, wie sie in ihrer Wuth Den Sänger Thraciens zerreissen.) Ein altes Stük, das schon gespielet ward Als ich von Thebe siegreich wieder kam. (Die dreymal drey Musen, welche den Tod der Gelehrtheit beweinen, die unlängst im Bettelstand verschieden.) Das ist irgend eine kühne critische Satyre, Die sich zu hochzeitlichen Feyrlichkeiten nicht schikt. (Eine tediose kurze Scene von dem jungen Pyramus, und seiner lieben Thisbe, recht tragicalisch-lustig). Lustig und tragisch? tedios und kurz? Das ist heisses Eis, eine seltsame Art von Schauspiel. Wie sollen wir den Sinn dieses Unsinns errathen? Philostratus. Mylord; es ist ein Schauspiel, ungefehr ein Duzend Worte lang, so kurz als ich je ein Schauspiel gesehen habe, aber gerad um zwölf Worte zu lang, wodurch es tedios wird; denn in dem ganzen Schauspiel ist kein Wort am rechten Orte, und kein Spieler taugt etwas. Tragisch ist es, denn Pyramus ersticht sich darinn, welches, ich muß bekennen als ich das Stük probieren sah, mir das Wasser in die Augen trieb; aber lustigere Thränen hat der Affect des lauten Lachens nie vergossen. Theseus. Wer sind die, die es spielen? Philostratus. Männer von rauhen Händen, die hier in Athen arbeiten, aber deren Seelen bis izo noch nie gearbeitet, und die nun ihre Memorien mit diesem Schauspiel auf Euer Vermählungsfest zermartert haben. Theseus. Wir wollen es hören. Philostratus. Nein, mein Gebieter, es ist nicht für euch. Ich hab es ganz gehört, und es ist nichts, nichts in der Welt; es wäre dann wenn euch ihre Absicht belustigen könnte, die sich mit jämmerlicher Mühe aufs äusserste angestrengt, um euch ihre Aufwartung zu machen. Theseus. Ich will dieses Stük hören; denn niemals ist etwas verschmähenswürdig, das von Einfalt und Pflicht dargeboten wird. Geh', bring sie her, und sezet euch, Mesdames. Hippolita. Ich sehe nicht gerne die Unglükseligkeit die unter ihrer Last einsinkt, und die Pflicht, die in ihrem Dienst zu Grunde geht. Theseus. Wie, holde Liebe, du sollt nichts dergleichen seh'n. Hippolita. Er sagt, sie können nichts in dieser Art. Theseus. Desto gütiger sind wir, wenn wir ihnen für Nichts danken. Unsere Lust wird seyn, zu verstehen, was sie mißverstehen; ein großmüthiger Sinn schäzt das was die arme willige Pflicht thut, nach dem Vorsaz, nicht nach dem Werth. Wie ich hieher kam, hatten sich grosse Gelehrte vorgesezt, mich mit studierten Glükwünschen zu begrüssen; ich sah sie zittern und bleich werden, mitten in einem Saz Perioden machen, ihren gekünstelten Accent vor Angst erstiken, und zulezt auf einmal verstummen, ehe sie mich nur willkommen geheissen. Glaubet mir, meine Angenehmste, aus diesem Stillschweigen selbst brachte ich einen Willkomm heraus; und die Bescheidenheit der schüchternen Pflicht sagte mir mehr, als die rasselnde Zunge der unverschämten und zuversichtlichen Beredsamkeit. Mit einem Wort, Liebe und unberedte Einfalt reden für mich am verständlichsten. (Philostratus kömmt.) Philostratus. Der Prologus ist fertig, wenn es Euer Hoheit gefällt. Theseus. Laßt ihn auftreten. Zweyter Auftritt. (Squenz tritt als Vorredner auf.) Vorredner. Wenn wir mißfallen thun, so ist's mit gutem Willen; Der Vorsaz bleibet gut, wenn wir ihn nicht erfüllen; Zu zeigen unsre Pflicht durch dieses kurze Spiel, Das ist der wahre Zwek von unserm End und Ziel. Erwäget also dann, warum wir kommen fein. Wir kommen nicht, als sollt ihr euch daran ergözen Die wahre Absicht ist--zu eurer Lust allein Wir sind nicht hier--daß wir in Reu euch sezen. Die Spieler sind bereit--wenn ihr sie werdet sehen, So wißt ihr alles schon, was ihr nur wollt verstehen. Theseus. Dieser Bursche geht nicht auf Stelzen. Lysander. Er hat seinen Prologus geritten, wie ein junges Füllen; er weiß noch nicht, wo er Halt machen soll. Eine gute Moral, Mylord. Es ist nicht genug daß man rede, man muß auch wahr reden. Hippolita. In der That, er hat auf seinem Prologus gespielt, wie ein Kind auf der Flöte; er brachte wol einen Ton heraus, aber keine Note. Theseus. Seine Rede war wie eine verwikelte Kette, alles zusammenhängend, aber alles in Unordnung. Wo ist nun der folgende? (Pyramus und Thisbe, Wand, Monschein und Löwe treten als stumme Personen auf.) Vorredner. Was diß bedeuten soll, das wird euch wundern müssen, Bis Wahrheit alle Ding stellt an das Licht herfür. Der Mann ist Pyramus, wofern ihr es wollt wissen, Und diese Fräulein schön, ist Thisbe, glaubt es mir. Der Mann mit Pflaster hier und Leimen soll bedeuten Die Wand, die garst'ge Wand, die ihre Lieb thät scheiden; Doch freut es sie, drob auch sich niemand wundern soll, Wenn durch die Spalten klein sie konnten flüstern wol. Der Mann da mit Latern, und Hund, und Busch von Dorn Den Monschein präsentiert; denn wenn ihr's wollt erwägen, Beym Monschein hatten die Verliebten sich geschwohr'n, Zu geh'n nach Nini Grab, und dort der Lieb' zu pflegen. Diß gräßlich wilde Thier, von Namen Löwe groß, Die treue Thisbe die des Nachts zuerst gekommen, Thät scheuchen ja vielmehr erschreken, daß sie bloß Den Mantel fallen ließ und blutt die Flucht genommen; Drauf dieser schnöde Löw in seinen Rachen nahm, Und ließ mit Blut beflekt den Mantel lobesam. Sofort kömmt Pyramus, ein Jüngling wolgemuth, Findt seiner Thisbe treu ihr'n Mantel voller Blut, Worauf er mit dem Deg'n, mit blut'gem bösem Degen, Die blut'ge heisse Brust sich dapferlich durchstach; Und Thisbe, die indeß im Maulbeer-Schatten g'legen, Zog seinen Dolch heraus und sich das Herz zerbrach. Was noch zu sagen ist, das wird, glaubt mir fürwahr, Euch Mondschein, Wand und Löw, und das verliebte Paar, Der Läng' und Breite nach, so lang sie hier verweilen, Erzählen, wenn ihr wollt, in wolgereimten Zeilen. (Alle treten ab, bis auf Wand.) Theseus. Mich wundert, ob der Löwe reden wird? Demetrius. Warum nicht ein Löwe, Mylord, da Esel reden können? Wand. In dem besagten Spiel es sich zutragen thut, Daß ich, Tom Schnauz genannt, die Wand vorstelle gut, Und eine solche Wand, wovon ihr solltet halten, Sie sey durch einen Schliz, recht durch und durch gespalten: Wodurch denn Pyramus und seine Thisbe fein Oft flüsterten fürwahr ganz leis' und ingeheim. Der Merdel, und der Leim, und dieser Stein thut zeigen, Daß ich bin diese Wand, ich will's euch nicht verschweigen. Und diß die Spalte ist, zur Linken und zur Rechten, Wodurch die Buhler zwey sich thäten still besprechen. Theseus. Könntet ihr fodern, daß Leim und Haar besser sprechen sollten? Demetrius. Mylord, es ist die sinnreichste Erfindung, von der ich jemals gehört habe. Theseus. Pyramus nähert sich der Wand; stille! (Pyramus tritt auf.) Pyramus. O Nacht so schwarz von Farb! o grimmerfüllte Nacht! O! Nacht als jemals schien, wenn es nicht Tag mehr war! O Nacht, o Nacht, o Nacht! ach! ach! ach, Himmel, ach! Ich fürcht' mein' Thisbe hat ihr Wort vergessen gar! Und du, o Wand, o süß und liebenswerthe Wand, Die zwischen unsrer bey--der Eltern Haus thut stehen, Du Wand, o Wand, o süß und liebenswerthe Wand, Zeig deine Spalte mir, daß ich dadurch mag sehen, Hab Dank, du gute Wand! Der Himmel lohn' es dir! Jedoch was seh' ich dort? Thisbe die seh' ich nicht. O böse Wand, durch die ich nicht seh' meine Zier! Verflucht sey'n deine Stein! daß du so äffest mich! Theseus. Mich dünkt, die Wand sollte wieder zurük fluchen, weil sie empfindlich ist. Pyramus. Nein, fürwahr, Herr, sie muß nicht. Äffest mich, ist Thisbes Merkwort; sie wird gleich kommen, und ich muß sie durch die Wand ausspähen. Ihr werdet sehen, es wird gerade so gehen, wie ich euch sage. Da kömmt sie schon. (Thisbe tritt auf.) Thisbe. O Wand, oft hast du schon gehört das Seufzen mein, Mein'n schönsten Pyramus weil du so trennst von mir! Mein rother Mund hat oft geküsset deine Stein, Dein' Stein' mit Haar und Leim geküttet auf in dir. Pyramus. Ein' Stimm' ich sehen thu, ich will zur Spalt' und schauen, Ob ich nicht hören kan mein'r Thisbe Antliz klar. Thisbe! Thisbe. Diß ist mein Schaz! Mein Liebchen ists! fürwahr. Pyramus. Denk was du willt, ich bin's; du kanst mir sicher trauen. Und gleich Limander bin ich treu nach meiner Pflicht. Thisbe. Und ich gleich Helena, bis mich der Tod ersticht. Pyramus. So treu war Schefelus zu seiner Procrus nicht! Thisbe. Wie Procrus Scheflus liebt', lieb' ich dein Angesicht. Pyramus. O küß mich durch das Loch von dieser garst'gen Wand! Thisbe. Mein Kuß trift nur das Loch, nicht deiner Lippen Rand. Pyramus. Willt du bey Ninnys Grab heut Nacht mich treffen an. Thisbe. Sey's lebend oder todt, ich komme wenn ich kan. Wand. So hab ich Wand nunmehr mein'n Part gemachet gut, Und nun sich also Wand hinwegbegeben thut. (Geht ab.) Theseus. So ist die Scheidwand zwischen beyden Nachbarn auf einmal gefallen. Demetrius. Kein Wunder, Mylord, da sie so willig war, sich aufzurichten. Hippolita. Elenderes Zeug hab ich niemals gehört. Theseus. Das Beste in dieser Art ist nur Schatten; und das Schlechteste ist nicht schlechter, wenn ihm die Einbildungskraft nachhilft. Hippolita. So muß es also eure Einbildungskraft seyn, nicht die ihrige. Theseus. Wenn wir nicht schlechter von ihnen denken als sie von sich selbst, so können sie für vortrefliche Leute passieren. Hier kommen zwey edle Bestien, in der Person eines Menschen und eines Löwen. (Löwe und Monschein treten auf.) Löwe. Ihr Fräulein, deren Herz fürchtet die kleinste Maus, Die in monstroser G'stalt thut an dem Boden schweben, Möcht izo zweifelsohn erzittern und erbeben, Wenn Löwe rauh von Wuth läßt sein Gebrüll heraus. So wisset dann, daß ich Hans Schnok, der Schreiner bin, Kein böser Löw fürwahr noch eines Löwen Weib; Denn käm' ich als ein Löw und hätte Harm im Sinn, So daurte, meiner Treu! mich nur mein g'rader Leib. Theseus. Eine höfliche Bestie, und recht gewissenhaft. Lysander. Dieser Löwe ist ein vollkommener Fuchs an Herzhaftigkeit. Theseus. Das ist wahr, und eine Gans an Discretion. Demetrius. Nicht so, Mylord, denn seine Herzhaftigkeit kan seiner Discretion nicht Meister werden, wie ein Fuchs einer Gans. Theseus. Ohne Zweifel kan seine Discretion seine Herzhaftigkeit nicht bemeistern, denn eine Gans bemeistert keinen Fuchs. Gut! wir wollen seine Discretion davor sorgen lassen, und izt hören, was uns der Mond zu sagen hat. Mondschein. Den wolgehörnten Mond d'Latern z'erkennen giebt. Demetrius. Er sollte die Hörner an seiner Stirne tragen. Theseus. Er ist nicht im Zunehmen; seine Hörner steken unsichtbar in der Peripherie. Mondschein. Den wolgehörnten Mond d'Latern z'erkennen giebt, Ich selbst den Mann im Mond, wofern es euch beliebt. Theseus. Das ist noch der gröste Fehler unter allen; man hätte den Mann in die Laterne sezen sollen; wie kan er sonst der Mann im Monde seyn? Demetrius. Er darf es nicht wegen der Kerze; Ihr sehet ja, daß sie schon lauter Buzen ist. Hippolita. Dieser Mond macht mir lange Weile; ich wollte, er änderte sich. Theseus. Man sieht an seinem bescheidnen Licht, daß er im Abnehmen ist; aus Höflichkeit und von rechtswegen müssen wir nun schon das Ende abwarten. Lysander. Komm besser hervor, Mond! Mondschein. Alles was ich zu sagen habe, ist euch zu melden, daß diese Laterne der Mond ist; ich, der Mann im Mond, dieser Dornbusch, mein Dornbusch, und dieser Hund, mein Hund. Demetrius. Alle diese Dinge sollten also in der Laterne seyn. Doch stille, hier kömmt Thisbe. (Thisbe tritt auf.) Thisbe. Diß ist ja Ninnys Grab, wo ist mein Liebchen dann? Löwe. Oh!-- (der Löwe brüllt, Thisbe läuft davon.) Demetrius. Wol gebrüllt, Löwe. Theseus. Wol geloffen, Thisbe. Hippolita. Wol geschienen, Mond. In der That, der Mond scheint mit einer recht guten Art. Demetrius. Und da kam Pyramus. Lysander. Und da verschwand der Löwe. (Pyramus tritt auf.) Pyramus. Ich dank dir, süsser Mond, für deine Sonnenstralen, Die also hell und schön den Erdenball bemahlen; Dieweil bey deinem Gold und funkelnd süssem Licht Zu kosten ich verhoff mein'r Thisbe Angesicht. Doch halt! o Pein! Was soll diß seyn? Was für ein Graus ist diß? Aug, siehst du noch? O! schweres Joch! Mein Herz, mein Liebchen süß, Dein Mantel gut, Beflekt mit Blut! Ihr Furien kommt in Trab, Herbey und rächt Und löscht und brecht Den Lebensfaden ab! Theseus. Diese Leidenschaft und der Tod eines werthen Freundes, würden nahe zu hinreichen, einen Mann finster sehen zu machen. Hippolita. Ich möchte mir selbst Böses wünschen, daß ich mich nicht verwahren kan, den Mann zu bedauern. Pyramus. Warum denn, o Natur, thätst du den Löwen bauen? Weil solch ein schnöder Löw mein' Lieb' hat defloriert; Sie welche ist--Nein! war--die schönste aller Frauen, Die je des Tages Glanz mit ihrem Schein geziert. Komm, Thränenschaar, Aus, Schwerdt, durfahr Die Brust des Pyramo! Die Linke hier, Wo s'Herz hüpft mir, So sterb' ich denn, So, so! Nun bin ich tod, Aus ist die Noth, Mein' Seel im Himmel lacht; Verliehr dein'n Schein, O Zunge mein, Flieh' Mond; gut Nacht, gut Nacht! Demetrius. So stirb dann, oder ein Aß für ihn, denn er ist doch eines. Lysander. Minder als ein Aß, Mann; denn er ist todt; er ist nichts. Theseus. Mit Hülfe eines Barbiers möchte er vielleicht noch aufkommen, und ein Aß werden. Hippolita. Wie? der Mondschein ist gegangen, eh Thisbe zurük kömmt, und ihren Liebhaber findet. (Thisbe kömmt.) Theseus. Sie wird ihn beym Sternenlicht finden. Hier kömmt sie, und ihre Passion endet das Spiel. Hippolita. Mich dünkt, sie sollte keine lange für einen solchen Pyramus nöthig haben; ich hoffe sie wird kurz seyn. Thisbe. Schläfst du, mein Kind? Steh auf geschwind! Wie? Täubchen, bist du todt? O! Sprich, o sprich! O! rege dich! Ach! todt ist er! O Noth! Dein Lilien-Mund, Dein Auge rund, Wie Schnittlauch frisch und grün, Dein Kirschen-Nas' Dein' Wangen blaß Die wie ein Goldlak blüh'n, Soll nun ein Stein Bedeken fein, O klopf, mein Herz, und brich! Ihr Schwestern drey Kommt, kommt herbey, Und leget Hand an mich! Schweig, Zunge still, Komm, Schwerdt, und ziel Nach meines Busens Schnee; So fahr ich hin Mit treuem Sinn, Adieu, adieu, adieu! (stirbt.) Theseus. Monschein und Löwe sind noch übrig, die Todten zu begraben. Demetrius. Ja, und (Wand) auch. Zettel. Nein, ich versichre euch, die Wand ist niedergerissen, die ihrer Väter Häuser trennte. Gefällt es euch den Epilogus zu sehen, oder einen Bergomasker-Tanz zwischen zween aus unsrer Companie zu hören? Theseus. Keinen Epilogus, wenn ich bitten darf. Euer Schauspiel bedarf keiner Entschuldigung. Keine Entschuldigung! Denn wenn die Schauspieler alle todt sind, so hat man nicht nöthig jemand zu tadeln. Wahrhaftig, wenn der Autor dieses Stüks den Pyramus gemacht, und sich selbst an Thisbes Strumpfband erhenkt hätte, so wäre es eine feine Tragödie gewesen; und das ist es auch, in der That, und auf eine recht merkwürdige Art vorgestellt. Aber kommt, euer Ballet; laßt euern Epilogus nur weg. (Hier folgt ein Tanz von Bauern.) Theseus. Schon hat die eiserne Zunge der Mitternacht zwölfe geruffen. Ihr Liebhaber, zu Bette! Es ist schon Feen-Zeit. Ich fürchte, wir werden den nächsten Morgen verschlaffen, wie wir diese Nacht verwacht haben. Dieses handgreiflich-dumme Schauspiel hat uns doch den schweren Gang der Nacht unmerklich gemacht. Zu Bette, lieben Freunde. Vierzehn solche Nächte sollen noch mit nächtlichen Spielen, und immer ändernden Lustbarkeiten zugebracht werden.* {ed.-* Hier folget im Original noch ein kleiner Feen-Auftritt, wo Puk zuerst mit einem Besem erscheint, um das Haus zuvor auszukehren, Oberon und Titania aber mit ihrem Gefolge dasselbe durchtanzen, und durch einen Gesang einsegnen. Es ist mir unmöglich gewesen, diese Scene, welche ohnehin bloß die Stelle eines Divertissement vertritt, in kleine gereimte Verse zu übersezen; in Prosa aber, oder in einer andern Versart als in kleinen Jamben und Trochäen, würde sie das tändelnde und Feen-mässige gänzlich verlohren haben, das alle ihre Anmuth ausmacht.} Ein St. Johannis Nachts-Traum, von William Shakespeare (Übersetzt von Christoph Martin Wieland). : , 1 , . , 2 . , - - 3 , 4 , . 5 , ; 6 , ; 7 , . , 8 ; 9 , 10 ; , , 11 , . 12 13 ( . ) . 14 ( . ) 15 ( , , . ) 16 17 18 . 19 ? 20 ? 21 22 . 23 . 24 . 25 26 . 27 , . 28 , ? 29 30 . 31 . , 32 , , . 33 34 . 35 , 36 . 37 38 . 39 , ; 40 . ( . ) 41 42 . 43 , , 44 . 45 , . 46 47 . 48 , 49 . ! 50 . 51 , . 52 , . 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