Gassen-Liedchen, das wir lezte Nacht hörten, machte mir leichter
ums Herz als diese flüchtigen Läuffe, diese studierten Säze einer
rauschenden und schwindlicht sich im Kreise herumdrehenden
Symphonie--Kommt, nur eine Strophe--
Curio.
Gnädigster Herr, es ist niemand da, der es singen könnte.
Herzog.
Wer sang es denn gestern?
Curio.
Fest, der Pikelhäring, der Narr, mit dem der Gräfin Olivia Vater
soviel Kurzweil hatte. Er ist ausgegangen.
Herzog.
Sucht ihn auf, und spielt indessen die Melodie. Komm hieher, Junge:
wenn du jemals erfahren wirst was Liebe ist, so denk' in ihren
süssen Beklemmungen an mich; so wie ich bin, sind alle Liebhaber:
unstät und launisch in allen andern Vorstellungen, als allein in
dem Bilde des Geliebten, das immer vor ihren Augen schwebt--wie
gefällt dir dieser Ton?
Viola.
Er giebt ein wahres Echo von dem Siz, wo die Liebe thront.
Herzog.
Du sprichst meisterlich. Ich seze mein Leben dran, dein Herz ist
nicht so unerfahren als du jung bist; du hast geliebt, nicht wahr,
Junge?
Viola.
Ein wenig, Gnädigster Herr.
Herzog.
Von was für einer Gattung Weibsbilder ist sie?
Viola.
Sie sieht Eu. Gnaden gleich.
Herzog.
So ist sie deiner nicht werth. Wie alt, ernsthafter Weise?
Viola.
Von euerm Alter, Gnädigster Herr.
Herzog.
So ist sie zu alt; ein Weibsbild soll immer einen ältern nehmen als
sie ist, so daurt sie ihn aus, und ist sicher, ihren Plaz in ihres
Mannes Herzen immer zu behalten. Denn, glaube mir, Junge, wir mögen
uns so schön machen als wir wollen, so sind doch unsre Zuneigungen
immer weit schwindlichter, unsteter, schwankender, und leichter
abgenuzt und verlohren, als der Weiber ihre.
Viola.
Das denk' ich selbst, Gnädigster Herr.
Herzog.
Wähle dir also eine Liebste die jünger als du bist, oder deine
Liebe wird von keiner Dauer seyn: Denn Weiber sind wie Rosen; in
der nemlichen Stunde, da ihre schöne Blume sich völlig entfaltet,
fällt sie ab.
Viola.
Und so sind sie; wie schade, daß sie so sind! daß sie in dem
Augenblik sterben, worinn sie den Punkt ihrer Vollkommenheit
erreicht haben. (Curio und der Narr zu den Vorigen.)
Herzog.
O, komm du, guter Freund--Das Lied von gestern Nachts--Gieb Acht
darauf, Cäsario, es ist alt und einfältig; die Spinnerinnen und
Strikerinnen, wenn sie an der Sonne bey ihrer Arbeit sizen, und die
muntern Webers-Mädchen, wenn sie zetteln, pflegen es zu singen; es
ist ein läppisches, kindisches Ding, aber es sympathisiert mit der
Unschuld der Liebe, wie man vor Alters liebte.
Narr.
Seyd ihr fertig, Herr?
Herzog.
Ja; sing, ich bitte dich. (Ein Lied.*)
Herzog.
Hier ist was für deine Mühe.
Narr.
Keine Mühe, Herr; singen ist ein Vergnügen für mich, Herr.
Herzog.
So will ich dir dein Vergnügen bezahlen.
Narr.
Das ist ein anders, Herr; Vergnügen will über kurz oder lange
bezahlt seyn.
Herzog.
Du kanst nun wieder gehen, so schnell du willst.
Narr.
Nun, der melancholische Gott der Liebe behüte dich, und der
Schneider mache dir ein Wamms von schielichtem Taft; denn dein
Gemüth ist ein wahrer Opal. Leute von solcher Standhaftigkeit müßte
man mir über Meer schiken, damit ihr Geschäfte allenthalben und ihr
Ziel nirgends wäre; denn das ist gerade was man braucht, um von
einer langen Reise nichts nach Hause zu bringen. Lebt wohl.
(Er geht ab.)
* Der Verfasser der Beurtheilung des ersten Theils dieser
Übersezung, in der Bibliothek der schönen Wissenschaften hat eine
so glükliche Probe mit einem Liede des Narren im König Lear gemacht,
daß wir ihm auch dieses Gassenhauerchen überlassen wollen. Es ist
in der That alles was Orsino davon sagt, aber es müßte, um nicht
alles zu verliehren in der Sprache Sebastian Brands oder einer noch
ältern, in der nemlichen oder einer ganz ähnlichen Versart, mit der
nemlichen Wahrheit der Erfindung, und tändelnden Einfalt des
Ausdruks, übersezt werden--eine Arbeit, welche vielleicht schwerer
ist, als das feinste Sonnet von einem Zappi, in Reime zu übersezen.
Sechste Scene.
Herzog.
Macht uns Plaz ihr andern--Versuch es noch zum leztenmal, Cäsario;
geh noch einmal zu dieser schönen Unerbittlichen; sag ihr, meine
Liebe lege einer Menge von ausgebreiteten Erdschollen die man
Ländereyen heißt, keinen Werth bey; sag ihr, die Güter die das Glük
ihr zugelegt habe, seyen in meinen Augen so eitel als das Glük
selbst; ihr Gemüth allein, dieses Wunder, dieses unvergleichliche
Kleinod, das die Natur so schön gefaßt hat, ziehe meine Seele an,
und wenn sie die ganze Welt zum Brautschaz hätte, so würde sie in
meinen Augen nicht reizender seyn.
Viola.
Aber wenn sie euch nun nicht lieben kan, Gn. Herr?
Herzog.
Ich will keine solche Antwort haben.
Viola.
Aber wie dann, wenn ihr müßt? Sezet den Fall, es gäbe eine junge
Dame, wie es vielleicht eine giebt, die aus Liebe zu euch diese
nemliche Quaal in ihrem Herzen fühlte, die ihr für Olivia fühlt;
und ihr könntet sie nicht lieben, und ihr sagtet ihr das; müßte sie
sich diese Antwort nicht gefallen lassen?
Herzog.
Es giebt kein weibliches Herz das stark genug wäre, den Sturm einer
so heftigen Leidenschaft auszuhalten, wie die meinige ist--es giebt
keines, das groß genug wäre, eine solche Liebe zu fassen. Ihre
Liebe verdient mehr den Namen eines flüchtigen Gelusts, sie reizt
nur ihren Gaumen, nicht ihre Leber, und endigt sich bald durch
Überfüllungen Ekel und Abscheu; da die meinige hingegen so hungrig
ist wie die See, und eben so viel verdauen kan. Mache keine
Vergleichung zwischen der Liebe die ein Weibsbild für mich haben
kan, und der meinigen für Olivia.
Viola.
Gut, und doch weiß ich--
Herzog.
Was weißst du?
Viola.
Nur zuwohl was für einer Liebe die Weibsbilder zu den Mannsleuten
fähig sind. Aufrichtig zu reden, sie haben so getreue Herzen als
wir immer. Mein Vater hatte eine Tochter die jemand so sehr liebte,
als ich vielleicht, wenn ich ein Weibsbild wäre, Euer Gnaden lieben
würde.
Herzog.
Und was ist ihre Geschichte?
Viola.
Ein weisses Blatt Papier: Nie entdekte sie ihre Liebe sondern ließ
ihr Geheimniß, gleich einem Wurm in der Knospe, an ihrer Rosenwange
nagen: Sie verschloß ihre Quaal in ihr Herz, und, in blasser
hinwelkender Schwermuth, saß sie wie die Geduld auf einem Grabmal,
und lächelte ihren Kummer an. War das nicht Liebe, wahre Liebe? Wir
Männer mögen mehr reden, mehr schwören, aber daß wir besser lieben,
daran läßt sich zweiffeln, ohne uns Unrecht zu thun; wir zeigen
immer mehr als wir fühlen--und unsre Liebe ist oft desto schwächer,
je stärker wir sie ausdruken.
Herzog.
Aber starb deine Schwester an ihrer Liebe, Junge?
Viola.
Ich bin alle Töchter die von meines Vaters übrig sind, und alle
Brüder dazu--und doch weiß ich nicht--Gnädigster Herr, soll ich zu
dieser Dame gehen?
Herzog.
Ja, das ist die Sache. Eile zu ihr; gieb ihr dieses Kleinod; sag
ihr, meine Liebe könne und werde sich nicht abtreiben lassen.
(Sie gehen ab.)
Siebende, achte und neunte Scene.
(Jungfer Maria hatte mit den beyden würdigen Junkern Sir Tobias
und Sir Andreas, in der vierten Scene den Plan zu einem kleinen
Streich angelegt, den sie, zu ihrer allerseitigen Belustigung, dem
Malvolio, einem einbildischen, in sich selbst verliebten, dummen
und dabey sehr feyrlichen Gesellen, spielen wollten. Dieses
Complott wird nun in diesen dreyen Scenen ausgeführt. Maria
schreibt in ihrer Gebieterinn Namen einen Brief worinn Oliviens
Hand so gut als möglich nachgeahmt ist, und legt ihn an einen Ort,
wo ihn Malvolio finden muß. Man kan sich vorstellen, was für
närrisches Zeug ein solcher Bursche anzugeben fähig ist, da er
Oliviens eigne Hand dafür zu haben glaubt, daß sie sterblich in ihn
verliebt sey. Alles was wir aus diesem Intermezzo der Übersezung
würdig halten, ist das Gespräch des Malvolio das er mit sich selbst
hält, eh und da er den unterschobnen Brief findet, und aus welchem
wir nur die abgeschmakten Ausruffungen, Schwüre und Parenthesen
weglassen, welche die beyden Junkers a parte machen.)
(Die Scene ist in Olivias Garten.)
(Maria zu Sir Tobias, Sir Andreas und Fabian.)
Maria.
Geht, verbergt euch alle drey in die Laube dort; Malvolio kommt
diesen Gang herauf; er stuhnd schon diese halbe Stunde lang dort in
der Sonne, und gesticulirte gegen seinem eignen Schatten--gebt auf
ihn acht, ich bitte euch, ihr werdet Spaß davon haben: Denn ich bin
sicher, dieser Brief wird ihn in die lächerlichste Betrachtungen
versenken--Haltet euch still, wenn ihr euch nicht selbst einen Spaß
verderben wollt--lieg du da--
(Sie wirft den Brief hin, und entfernt sich.)
(Malvolio tritt auf; mit sich selbst redend.)
Malvolio.
Es kommt alles aufs Glük an, alles aufs Glük! Maria sagte mir
neulich, sie könne mich überaus wohl leiden, und ich habe selbst
gehört, daß sie sich herausgelassen hat, wenn sie sich verlieben
wollte, so müßt' es in einen von meiner Figur seyn. Überdem
begegnet sie mir immer mit einer gewissen Achtung, das sie sonst
für keinen von ihren Bedienten thut. Was soll ich von der Sache
denken--das wäre mir eins, Graf Malvolio--Man hat doch dergleichen
Exempel--Die Princessin von Thracien heurathete einen Bedienten von
der Garderobe--Wenn ich dann drey Monate mit ihr verheurathet wäre,
und sässe da auf meinem Guthe--und rieffe meine Officianten um mich
herum, in meinem ausgeschnittnen Samtnen Rok--nachmittags, vom
Ruhbette aufgestanden, wo ich Olivia schlafend gelassen hätte--und
dann nähm ich den Humor an den mein Stand erforderte; gienge, die
Hände kreuzweis auf den Rüken gelegt, ganz ernsthaft auf und ab,
schaute sie dann mit einem kalten, überhinfahrenden Blik an, und
sagte ihnen, ich wisse wer ich sey, und wünschte, sie möchten auch
wissen wer sie seyen--fragte nach meinem Onkel Tobias--Sechs oder
Sieben von meinen Leuten führen dann plözlich auf, und rennten
einander nieder vor Eilfertigkeit ihn aufzusuchen; indessen mach
ich eine weil' ein finstres Gesicht, ziehe vielleicht meine Uhr auf,
oder tändle mit dem Schaupfenning an der goldnen Kette, die ich um
die Schultern hängen habe--Dann kommt Tobias herbey, macht seine
Verbeugungen sobald er mich erblikt--ich streke meine Hand so gegen
ihn aus, und lösche mein vertrauliches Lächeln mit einem strengen
herrischen Blik--sag ihm, Onkel Tobias, da mein Schiksal mich eurer
Nichte zugeworfen hat, so hoff ich das Recht zu haben zu reden--ihr
müßt euer starkes Trinken lassen--und zudem verderbt ihr eure
kostbare Zeit mit einem närrischen Junker--einem gewissen Sir
Andreas--He? was giebts hier zu thun?--
(Er hebt den Brief auf.)
Bey meinem Leben, das ist der Gnädigen Frau ihre Hand: Das sind
ihre natürlichen C., ihre U., und ihre T., und so macht sie ihre
grosse P. Es ist ihre Hand, da ist nicht dawider einzuwenden--(Dem
Geliebten Ungenannten dieses und meine Zärtlichsten Wünsche:) Das
ist ihre Schreib-Art: Mit Erlaubniß, Wachs. Sachte! Und das Sigel
ihre Lucretia, mit der sie alle ihre Briefe zu sigeln pflegt: An
wen mag das seyn?
(Das ich lieb', ist euch, ihr Götter, kund;
aber wen, verschweige stets, mein Mund) Das soll also ein Geheimniß
seyn?--Seltsam! was folgt weiter? Aber wen, verschweige stets mein
Mund--wie wenn du das wärest, Malvolio?--Sachte, hier haben wir
auch Prosa--"Wenn dieses in deine Hände kommt, so liese es mehr als
ein mal. Mein Gestirn hat mich über dich gesezt, aber fürchte dich
nicht vor Grösse; einige werden groß gebohren, andre arbeiten sich
zu Grösse empor, andern wird sie zugeworffen. Dein glükliches
Schiksal öffnet seine Arme gegen dich; habe den Muth ihm entgegen
zu eilen; und um dich bey Zeiten an das zu gewöhnen, was du
wahrscheinlicher Weise werden wirst, so wirf dein allzu demüthiges
Betragen von dir, und zeige dich in einem vortheilhaftern Lichte.
Begegne meinem Vetter zuversichtlich, und den Bedienten trozig;
rede von Staats-Sachen; nimm in allen Stüken etwas sonderliches an.
Das ist der Rath derjenigen, die für dich seufzet. Erinnre dich,
wer dir rieth gelbe Strümpfe zu tragen und sie unter dem Knie zu
binden. Ich sag', erinnre dich daran; (Geh, geh, du bist ein
gemachter Mann, wenn du nur willst: Wo nicht, so bleibe dann dein
Lebenlang ein Hausmeister, der Camerad von Bedienten und unwürdig
Fortunens Finger zu berühren. Adieu. Sie, die geneigter ist, deine
Sclavin zu seyn, als dir zu gebieten, o glüklicher Sterblicher)"--
Sonnenlicht kan nichts klärer machen als das ist--Das heiß' ich
klar. Ja, ich will stolz seyn, ich will politische Bücher lesen,
ich will Sir Tobiesen scheeren, ich will mit meinen vorigen
Bekannten thun, als kennt' ich sie nicht, kurz, ich will thun, wie
mein Herr selbst. Es ist offenbar, daß ich mir nicht zu viel
schmeichle, daß es keine blosse Einbildung ist; alles überzeugt
mich, daß die Gnädige Frau verliebt in mich ist. Sie ermahnte mich
lezthin gelbe Strümpfe zu tragen, sie lobte meine Beine--und hier
haben wir's wiederum, und auf eine Art, als ob sie es für eine
Gefälligkeit aufnehmen wolle, wenn ich mich nach ihrem Geschmak
puze. Dank sey meinen Sternen, ich bin glüklich: Ich will so fremde
thun, daß man mich nicht mehr kennen soll, gelbe Strümpfe tragen,
und sie unter den Knien binden, und das gleich diesen Augenblik.
Jupiter und mein Gestirn sey gepriesen!--Hier ist noch ein
Postscript--(Es ist unmöglich daß du nicht errathen solltest wer
ich bin--wenn dir meine Liebe angenehm ist, so zeig es durch dein
Lächeln; das Lächeln läßt dir gar zu gut. Lächle also immer in
meiner Gegenwart, mein Allerliebster, ich bitte dich darum)--
Jupiter! ich danke dir! Ich will lächeln, ich will alles thun, was
du von mir verlangst.
(ab.)
Dritter Aufzug.
Erste Scene.
(Olivia's Garten.)
(Ein wiziger Wett-Kampf zwischen Viola und dem Narren.)
Zweyte Scene.
(Sir Tobias mit seinem Freund, zu den Vorigen.)
(Bald darauf auch Olivia und Maria.)
Dritte Scene.
(Olivia und Viola allein.)
Olivia.
Gebt mir eure Hand, mein Herr.
Viola.
Mit meinen unterthänigsten Diensten, Gnädige Frau.
Olivia.
Wie ist euer Name?
Viola.
Cäsario ist euers Dieners Name, schöne Princessin.
Olivia.
Meines Dieners, mein Herr? Die Welt hat ihre beste Anmuth verlohren,
seitdem man erdichtete Gesinnungen Complimente nennt: Ihr seyd des
Herzogs Orsino Diener, junger Mensch--
Viola.
Und also der eurige, Gnädige Frau. Der Diener euers Dieners, muß
nothwendig auch euer Diener seyn.
Olivia.
An ihn denk' ich nun gar nicht; ich wollte, seine Gedanken wären
lieber gar leer als mit mir angefüllt.
Viola.
Gnädige Frau, ich komme in der Absicht, eure schönen Gedanken zu
seinem Vortheil zu wenden.
Olivia.
O, mit eurer Erlaubniß, ich bitte euch--Ich sagt' euch ja, ihr
möchtet mir nichts mehr von ihm sagen. Ihr könntet eine andre Sayte
rühren, wo ich euch lieber hören wollte als Musik aus dem Himmel.
Viola.
Gnädige Frau--
Olivia.
Mit Erlaubniß, wenn ich bitten darf. Ich schikte euch, nach der
lezten zaubrischen Erscheinung, die ihr hier machtet, einen Ring
nach. Es war ein Schritt, dessen Bedeutung ihr nicht mißverstehen
konntet, und der mich vielleicht in euern Augen herabgesezt hat.
Was konntet ihr davon denken? Habt ihr deßwegen so nachtheilig von
meiner Ehre gedacht als ein unempfindliches Herz denken kan? Einem
von euerm Verstand, ist genug gesagt; ein Cypern, nicht ein Busen
dekt mein armes Herz. Und nun laßt hören, was ihr zu sagen habt.
Viola.
Ich bedaure euch.
Olivia.
Das ist eine Stuffe zur Liebe.
Viola.
Nicht allemal; wir bedauren oft sogar unsre Feinde.
Olivia.
Wie dann, so ist es Zeit wieder zu lächeln. O Welt, wie geneigt die
Armen sind stolz zu seyn! Wenn man ja zum Raube werden muß, so ist
es doch besser durch einen Löwen zu fallen als durch einen Wolf.
(Die Gloke schlägt.)
Die Gloke wirft mir vor daß ich die Zeit verderbe. Fürchtet euch
nicht, guter junger Mensch, ich mache keine Ansprüche an euch; und
doch wenn Verstand und Jugend bey euch zur Reiffe gekommen seyn
werden, so wird eure Frau, allem Ansehen nach, einen feinen Mann
haben: Hier ligt euer Weg, westwärts.
Viola.
So wünsch' ich Euer Gnaden Vergnügen und guten Humor; habt ihr mir
nichts an meinen Herrn aufzugeben, Madam?
Olivia.
Warte noch; ich bitte dich, sage mir was du von mir denkst?
Viola.
Ich denke, ihr denkt ihr seyd nicht was ihr seyd.
Olivia.
Wenn ich so denke, so denk ich das nemliche von euch.
Viola.
Und so denkt ihr recht, ich bin nicht was ich bin.
Olivia.
Ich wollt' ihr wäret wie ich euch wünschte.
Viola.
Würd' ich besser seyn, Madam, als wie ich bin? Ich wollt es wäre so,
denn izt bin ich euer Narr.
Olivia.
Wie anmuthig selbst Verachtung und Zorn auf seinen schönen Lippen
sizt.* Mördrische Schuld verräth sich nicht schneller, als Liebe
die sich verbergen will: Die Nacht der Liebe ist Mittag. Cäsario,
bey den Rosen des Frühlings, bey meiner jungfräulichen Ehre und
Treue, und bey allem in der Welt, ich liebe dich so sehr, daß, troz
allem deinem spröden Wesen, weder Wiz noch Vernunft meine
Leidenschaft verbergen kan. Erzwinge dir daher, daß ich dir mein
Herz selbst antrage, keinen Grund es zu verschmähen; denke lieber
so, (du wirst so richtiger denken) gesuchte Liebe ist gut; aber
ungesucht geschenkt, ist sie noch besser.
Viola.
Ich schwöre bey meiner Unschuld und Jugend, ich habe Ein Herz,
Einen Busen, und Eine Treue, und diese hat kein Weibsbild; noch
wird jemals Eine Meisterin davon seyn als ich selbst. Und hiemit,
adieu, Gnädiges Fräulein; niemals werd' ich mich wieder gebrauchen
lassen, euch meines Herrn Thränen vorzuweinen.
Olivia.
Komm nichts desto minder wieder; vielleicht mag es dir endlich
gelingen, dieses Herz, das izt seine Liebe verabscheut, zu einer
zärtlichern Gesinnung zu bewegen.
(Sie gehen ab.)
Vierte Scene.
(Verwandelt sich in ein Zimmer in Olivias Haus.)
(Sir Tobias, Sir Andreas und Fabian.)
(Sir Tobias und Fabian bemühen sich den Sir Andreas zur Eifersucht
gegen den Cäsario oder die verkleidete Viola zu reizen, und bereden
ihn, Olivia habe dem Cäsario nur darum so gut begegnet, um zu sehen,
ob er, Andreas, so geduldig dazu seyn werde; Sir Tobias sezt hinzu,
sie habe ohnfehlbar erwartet, daß er irgend einen tapfern Ausfall
gegen seinen Nebenbuhler wagen würde, und da dieses nicht geschehen,
so sey er nun ganz gewiß sehr tief in ihrer guten Meynung gefallen.
Du bist nun, sagt er, in den Norden, von meiner Nichte guter
Meynung hineingesegelt, wo du hangen wirst wie ein Eiszapfe an
eines Holländers Bart, wofern du dich nicht durch irgend eine kühne
That wieder losmachst--Kurz, sie bereden ihn endlich, daß er sich
schlechterdings mit Cäsario schlagen müsse, und Sir Tobias erbietet
sich, diesem die Ausforderung zu überbringen; welche zu schreiben
dann Sir Andreas abgeht.)
Fünfte Scene.
(Fabian und Sir Tobias machen sich zum voraus über die Kurzweile
lustig, die sie von diesem Zweykampf erwarten. Sir Tobias gesteht
von seinem Freund daß er eine Memme sey; wenn man ihn öfnete, sagt
er, und ihr findet nur soviel Blut in seiner Leber, daß eine Floh
die Füsse darinn naß machen könnte, so will ich den Rest der
Anatomie aufessen. Indem kommt Maria zu ihnen, und bittet sie mit
ihr zu gehen und zu sehen, wie seltsam sich Malvolio in seinen
gelben, unter den Knien gebundnen Strümpfen gebehrde, und wie
pünctlich er der Vorschrift des von ihr unterschobnen Briefs
nachlebe. Er lächelt (sagt sie) sein breites Gesicht in mehr Linien
als auf der neuen Land-Carte sind, die mit den beyden Indien
vermehrt ist; ihr habt euere Tage nichts so gesehen; ich bin gewiß,
mein Fräulein wird ihm eine Ohrfeige geben; wenn sie's thut, so
wird er lächeln und es für eine grosse Gunstbezeugung aufnemen.)
Sechste Scene.
(Verwandelt sich in die Strasse.)
(Sebastian und Antonio treten auf.)
(Sie freuen sich einander wieder zufinden; Sebastian bittet seinen
Freund mit ihm zu gehen, um die Merkwürdigkeiten der Stadt zu sehen;
Antonio antwortet, er getraue sich, weil er ehedem gegen den
Herzog gedient und ihm einen namhaften Schaden gethan habe, nicht,
sich so öffentlich sehen zu lassen, er bestellt also den Sebastian
auf den Abend ins Wirthshaus zum Elephanten, giebt ihm, auf den
Fall, wenn er etwann Lust hätte etwas einzukauffen, seinen Beutel,
und verläßt ihn, um ihm das Nacht-Quartier zu bestellen.)
* Von hier an bis zu Ende dieser Scene, ist im Original alles in
Reimen.
Siebende Scene.
(Verwandelt sich in Olivias Haus.)
(Olivia und Maria.)
Olivia.
Ich habe nach Cäsario geschikt; er sagt, er will kommen; was soll
ich ihm für Ehre anthun? Was soll ich ihm geben? Denn Jugend wird
öfters erkauft als erbettelt oder entlehnt--Ich rede zu laut--Wo
ist Malvolio? Er ist ernsthaft und höflich, er schikt sich gut zu
einem Bedienten für eine Person von meinen Umständen; wo ist
Malvolio?
Maria.
Er kommt sogleich, Gnädiges Fräulein, aber in einem seltsamen
Aufzug. Er ist ganz unfehlbar besessen, Gnädiges Fräulein.
Olivia.
Wie, wo fehlt es ihm? Raßt er denn?
Maria.
Nein, Gnädiges Fräulein, er thut nichts als lächeln; Euer Gnaden
wird wohlthun, jemand zur Sicherheit bey sich zu haben: denn, ganz
gewiß, der Mann ist nicht recht richtig unterm Hut.
Olivia.
Geh, ruf ihm.--(Malvolio tritt auf.)--Ich bin so närrisch als er
immer, wenn traurige und lustige Narrheit auf eins hinauslauffen--
Nun, wie gehts, Malvolio?
Malvolio.
Liebstes Fräulein, ha, ha.
(Er lächelt auf eine abgeschmakte Art.)
Olivia.
Lächelst du? Ich schikte nach dir, um dich zu einem ernsthaften
Geschäfte zu gebrauchen.
Malvolio.
Ernsthaft? Ich könnte wol ernsthaft aussehen, dieses starke Binden
unter den Knien macht einige Obstruction im Geblüt; aber was thut
das? Wenn es nur Einer gefällt, so geht mir's vollkommen wie es in
dem Sonnet heißt: Gefall ich Einer, so gefall ich Allen.
Olivia.
Wie, was bedeutet das, Mann? Was fehlt dir?
Malvolio.
Es ist in meinem Kopf nicht so schwarz als meine Beine gelb sind:
Es ist mir richtig zu Handen gekommen, und Befehle sollen vollzogen
werden. Ich denke, wir kennen diese schöne Römische Hand.
Olivia.
Willt du nicht zu Bette gehen, Malvolio?
Malvolio (leise.)
Zu Bette? Ja, Liebchen, und mit dir.
Olivia.
Gott behüte dich! Warum lächelst du so, und küssest deine Hand so
oft?
Maria.
Was fehlt euch, Malvolio?
Malvolio.
Habt ihr zu fragen? Wahrhaftig! Nachtigallen antworten gleich
Krähen!
Maria.
Wie untersteht ihr euch mit einer so lächerlichen Kühnheit vor
meiner Gnäd. Fräulein zu erscheinen?
Malvolio.
Fürchte dich nicht vor Grösse;--Das war wol gegeben.
Olivia.
Was meynst du damit, Malvolio.
Malvolio.
Einige werden groß gebohren--
Olivia.
Ha?
Malvolio.
Andre arbeiten sich zur Grösse empor--
Olivia.
Was sagst du?
Malvolio.
Und andern wird sie zugeworfen.
Olivia.
Der Himmel helfe dir wieder zurechte!
Malvolio.
Erinnre dich, wer dir befahl gelbe Strümpfe zu tragen--
Olivia.
Deine gelbe Strümpfe?
Malvolio.
Und wünschte, daß du sie unterm Knie binden möchtest?
Olivia.
Unterm Knie binden?
Malvolio.
Geh, geh, du bist ein gemachter Mann, wenn du nur willst.
Olivia.
Was sagst du?
Malvolio.
Wo nicht, so bleibe dein Lebenlang ein Bedienter.
Olivia.
Wie, das ist ja eine wahre Hundstags-Tollheit.
(Ein Bedienter meldet den Cäsario an, Olivia geht ab, nachdem sie
Befehl ertheilt hat, daß man zu Malvolio Sorge trage.)
Achte Scene.
(Malvolio, der seine Sachen vortrefflich gemacht zu haben glaubt,
bestärkt sich selbst, in einem kleinen Monologen, in seinem
angenehmen Wahnwiz, und hält sich seines Glüks so gewiß, daß ihm
nichts übrig bleibe, als den Göttern davor zu danken.)
Neunte Scene.
(Sir Tobias, Fabian und Maria zu Malvolio.)
Sir Tobias.
Wo ist er, wo ist er, im Namen alles dessen was gut ist? Und wenn
alle Teufel in der Hölle sich ins Kleine zusammengezogen hätten und
in ihn gefahren wären, so will ich mit ihm reden.
Fabian.
Hier ist er, hier ist er. Wie steht's um euch, Herr? Wie steht's um
euch?
Malvolio.
Geht eurer Wege; ich entlaß euch; laßt mich bey mir selbst; geht
eurer Wege.
Maria.
Seht, wie der böse Feind aus ihm heraus redt! Sagt ich's euch
nicht? Sir Tobias, die Gnädige Fräulein bittet euch, Sorge zu ihm
zu tragen.
Malvolio.
Ah, ha! Thut sie das?
Sir Tobias.
Geh, geh; still, still, wir müssen säuberlich mit ihm verfahren;
laßt mich allein machen. Wie! Mann! Laß den Teufel nicht Meister
seyn; bedenke, daß er ein Feind der Menschen ist.
Malvolio (ernsthaft und stolz.)
Wißt ihr auch was ihr sagt?
Maria.
Da seht ihr; wenn ihr was böses vom Teufel sagt, wie er's gleich zu
Herzen nimmt--Gott gebe, daß er nicht besessen seyn möge!
Fabian.
Man muß sein Wasser zu der weisen Frauen tragen.
Maria.
Meiner Treue, das soll auch gleich morgen gethan werden, wenn ich
das Leben habe. Mein Gnädiges Fräulein würd' ihn um mehr als ich
sagen mag nicht verliehren wollen.
Malvolio.
Nun wie, Jungfer?
Maria.
O Himmel!
Sir Tobias.
Ich bitte dich, schweige; das ist nicht das rechte Mittel: Siehst
du nicht, daß du ihn nur böse machst? Laßt mich allein mit ihm.
Fabian.
Nur keinen andern Weg als Freundlichkeit; nur sanft, nur sanft; der
böse Feind ist gar kurz angebunden, er läßt nicht grob mit sich
umgehen.
Sir Tobias.
Nun, wie, wie steht's, mein Truthähnchen? Wie geht's dir, mein
Herzchen?
Malvolio.
Sir?--
Sir Tobias.
Ja, ich bitte dich, komm du mit mir. Wie, Mann, es schikt sich
nicht für einen so weisen Mann wie du bist mit dem Teufel den
Narren zu treiben. An den Galgen mit dem garstigen Kohlenbrenner!
Maria.
Laßt ihn sein Gebet hersagen, lieber Sir Tobias; laßt ihn beten.
Malvolio.
Beten, du Affen-Gesicht?
Maria.
Da, hört ihr's, er will von nichts gutem reden hören.
Malvolio.
Scheret euch alle an den Galgen: Ihr seyd ein einfältiges dummes
Pak; ich bin nicht euers Gelichters; ihr werdet mich seiner Zeit
schon kennen lernen.
(Er geht ab.)
Sir Tobias.
Ist's möglich?
Fabian.
Wenn man das in einer Comödie spielen würde, wer würd' es nicht als
eine unwahrscheinliche Erdichtung verurtheilen?
(In dem Rest dieser Scene freuen sich Sir Tobias und seine
Consorten, daß ihnen ihre Absicht so wol gelungen sey, und
entschliessen sich nicht abzulassen, bis sie den armen Malvolio,
zur Züchtigung seines Übermuths in ein finstres Gemach und an
Bande gebracht haben würden.)
Zehnte Scene.
(Sir Andreas kommt mit der Ausforderung, die er indessen aufgesezt
hat, zu den Vorigen, und ließt ihnen das abgeschmakteste Zeug vor,
das man sich träumen lassen kan. Alle geben ihm ihren Beyfall, und
muntern ihn auf, sich wohl zu halten. Sir Tobias nimmt auf sich,
die Ausforderung dem Cäsario einzuhändigen und schikt den Sir
Andreas in den Garten, wo er seinem Gegner, der sich würklich bey
Fräulein Olivia befindet, aufpassen soll. Allein sobald er
weggegangen ist, entdekt Tobias dem Fabian daß er weit entfernt sey,
einem so feinen jungen Edelmann als Cäsario zu seyn scheine, ein
so vollgültiges Document der verächtlichen Schwäche seines Gegners
zu geben; denn so würde der Spaß gleich ein Ende haben: er finde
also besser, seine Comission mündlich abzulegen, und dem jungen
Cäsario einen ganz entsezlichen Begriff von Sir Andreassen
Tapferkeit, und unbezwingbarer Wuth beyzubringen; auf diese Art,
sezt er hinzu, werden beyde in eine solche Furcht gesezt werden,
daß sie einander nur durch Blike tödten werden, wie die Basilisken.)
Eilfte Scene.
(Olivia und Viola treten auf.)
Olivia.
Zu einem Herzen von Stein hab' ich zuviel gesagt, und meine Ehre zu
wohlfeil ausgelegt. Es ist etwas in mir, das mir meinen Fehler
vorrükt; aber es ist ein so eigensinniger hartnäkiger Fehler, daß
ihm Vorwürfe nichts abgewinnen können.
Viola.
Der Herzog, mein Herr befindet sich in dem nemlichen Falle.
Olivia.
Hier, tragt dieses Kleinod zu meinem Andenken; es enthält mein Bild;
schlagt es nicht aus, es hat keine Zunge euch zu plagen; und ich
bitte euch, kommt morgen wieder. Was könntet ihr von mir begehren,
das mit Ehren gegeben werden kan, und ich euch abschlagen würde?
Viola.
Ich bitte um nichts als eure Liebe für meinen Herrn.
Olivia.
Wie kan ich ihm mit Ehren geben, was ich euch schon gegeben habe?
Viola.
Ich will euch dessen quitt halten.
Olivia.
Gut, komm morgen wieder; lebe wohl--
(Sie geht ab--)
Ein Teufel der deine Gestalt hätte, könnte meine Seele bis in die
Hölle loken--
Zwölfte und dreyzehnte Scene.
(Sir Tobias kündigt den Zorn des furchtbaren Sir Andreas und seine
Ausforderung dem verkappten Cäsario an, der Mühe genug hat seinen
wenigen Muth zu einem solchen Zweykampf zu verbergen. Tobias
verspricht ihm endlich seine guten Dienste, um wenigstens die
Ursache der grausamen Ungnade zu erkundigen, welche Cäsario durch
nichts verdient zu haben sich bewußt ist, und wo möglich den
wüthenden Sir Andreas in etwas zu besänftigen. Tobias stellt sich
als ob er zu diesem Ende abgehe, da indessen Fabian fortfährt der
armen Viola Schreken einzujagen, und ihren Gegner als den besten
Fechter und den fatalesten Widerpart den man in ganz Illyrien
finden könne, abzumahlen. Sie gehen ab, um dem Sir Tobias Plaz zu
geben, in der folgenden Scene, seinen Freund Andreas in eine eben
so friedliebende Gemüths-Verfassung zu sezen. Er beschreibt ihm den
Cäsario als einen eingefleischten Teufel, der des Sophi Hof-
Fechtmeister gewesen sey, und keinen Stoß zu thun pflege, der nicht
eine tödtliche Wunde mache. Andreas geräth darüber in solche Angst,
daß er verspricht er wolle ihm sein bestes Pferd geben, wenn er die
Sache auf sich beruhen lassen wolle. Indessen kommt Fabian mit
Cäsario zurük, der, sobald er den Andreas erblikt, sich allen
Heiligen zu empfehlen anfängt, ohne gewahr zu werden, daß Andreas
wie eine Memme schlottert. Sir Tobias geht von dem einen zum andern,
sagt einem jeden, sein Gegner wolle sich durch nichts in der Welt
besänftigen lassen, und bringt sie endlich dahin, daß sie, ungern
genug, die Degen zu ziehen anfangen; welches alles auf dem Theater
eine äusserst lächerliche Scene machen muß.)
Vierzehnte Scene.
(Indem sie ziehen, und Viola mit weinerlicher Stimme protestiert,
daß es wider ihren Willen geschehe, kommt Antonio dazu, der durch
die vollkommne Ähnlichkeit zwischen ihr und ihrem Bruder und durch
ihre Verkleidung betrogen, sie für seinen jungen Freund Sebastiano
ansieht, sich ins Mittel schlägt, und sich erklärt, er möge nun der
beleidigte Theil oder der Beleidiger seyn, so mache er seine Sache
zu seiner eignen. Sir Tobias der es übel nimmt, daß ihm sein Spaß
verdorben werden soll, erklärt sich, wenn der Neuangekommne sich zu
Cäsarios Secundanten aufwerfe, so wolle er sein Mann seyn; allein
kaum haben sie gezogen, so kommt die Wache, bey deren Erblikung
Viola den Sir Andreas bittet seinen Degen wieder einzusteken,
welches sich dieser nicht zweymal sagen läßt. Antonio, der sich,
wie man weiß, des Herzogs Ungnade zugezogen hatte, war verrathen
worden. Die Wache suchte ihn auf; und da sie, der gemachten
Beschreibung nach, ihren Mann gefunden zu haben glaubt, wird er auf
Befehl des Herzogs Orsino in Verhaft genommen.)
Antonio (nachdem er sich vergeblich hatte verläugnen wollen.)
Ich muß gehorchen.
(Zu Cäsario.)
Das begegnet mir, weil ich euch allenthalben aufsuchte. Aber dafür
ist nun kein Mittel. Ich werde mich zu verantworten wissen. Was
wollt ihr thun? Meine eigne Noth zwingt mich, daß ich meinen Beutel
wieder abfordern muß. Dieser Zufall bekümmert mich viel weniger um
meiner selbst willen, als weil ich euch unnüz werden muß: Ihr seyd
betroffen, seh ich; aber laßt den Muth noch nicht sinken.
1. Officier.
Kommt, Herr, wir müssen fort.
Antonio (Zu Cäsario.)
Ich bin genöthigt euch um etwas Geld zu bitten.
Viola.
Was für Geld, mein Herr?--Um eures edeln Bezeugens gegen mich
willen, und weil ich zum Theil durch den verdrieslichen Zufall, der
euch hier zugestossen ist, aus der grösten Verlegenheit gezogen
worden bin, will ich euch etwas vorstreken; was ich habe ist was
weniges, aber ich will doch mit euch theilen was ich habe; nemmt,
das ist die Hälfte meines Vermögens.
Antonio.
Und ihr seyd fähig, mich izt zu mißkennen? Ist's möglich daß meine
guten Dienste--o sezt meine Noth nicht auf eine so harte Probe,
oder ihr könntet mich zu der Niederträchtigkeit versuchen, euch die
Freundschaft, die ich euch bewiesen habe, vorzurüken.
Viola.
Ich weiß von keiner, und kenne euch weder an eurer Stimme noch
Gestalt. Ich hasse Undankbarkeit mehr an einem Mann als
Aufschneiden, einbildisches Wesen, waschhafte Trunkenheit, oder
irgend eine andre Untugend, wovon der anstekende Saame in unserm
Blute stekt.
Antonio.
O Himmel!--
Ein Officier.
Kommt, mein Herr, ich bitte euch, geht.
Antonio.
Laßt mich nur noch ein Wort sagen. Diesen jungen Menschen, den ihr
hier seht, zog ich aus dem Rachen des Todes; ich that alles was der
zärtlichste Bruder thun könnte, ihn wieder herzustellen; ich liebte
ihn, und ließ mich von seiner Gestalt, die mir die besten
Eigenschaften anzukündigen schien, so sehr einnehmen, daß ich ihn
fast abgöttisch verehrte.
1. Officier.
Was geht das uns an? Die Zeit verstreicht indessen; fort!
Antonio.
Aber, oh, was für ein häßlicher Göze ist aus diesem Gotte worden. O
Sebastiano, du machst der Schönheit Unehre. Wahrhaftig, man sollte
niemand häßlich nennen, als Leute die kein gutes Herz haben. Tugend
ist Schönheit; böse Leute, welche schön aussehen, sind hohle Klöze
die der Teufel angestrichen hat.
1. Officier.
Der Mann fangt an zu rasen: weg mit ihm. Kommt, kommt, Herr.
Antonio.
Führt mich wohin ihr wollt.
(Sie gehen ab.)
Viola.
Mich däucht es ist eine so wahre Leidenschaft in seinen Reden, daß
er würklich glaubt was er sagt. Und doch ist gewiß daß ich ihn
nicht kenne. O daß die Einbildung sich wahr befinden möge, o, daß
es wahr sey, daß man, liebster Bruder, izt für dich mich angesehen
habe--Er nannte mich Sebastian; Ich sehe meinen Bruder noch lebend
so oft ich in den Spiegel sehe, er sah vollkommen so aus, und gieng
auch eben so gekleidet, von solcher Farbe, und so ausstaffiert wie
ich; denn ihn copiere ich in dieser Verkleidung--O, wenn es so ist,
so werd' ich den Sturm und die Wellen liebreich statt grausam
nennen.
(Sie geht ab.)
Sir Tobias.
Ein recht schlechter armseliger Bube, und eine feigere Memme als
eine Hindin; seine Schlechtigkeit zeigte sich in seiner Aufführung
gegen seinen Freund, den er in der Noth verläugnete; und von seiner
Feigheit kan euch Fabian erzählen.
Fabian.
Eine Memme ist er, eine recht fromme, friedfertiger feige Memme.
Sir Andreas.
Mein Seel! Ich will ihm nach und ihn prügeln.
Sir Tobias.
Thut das, gebt ihm Maulschellen, bis er genug hat, nur den Degen
zieht nicht gegen ihn.
Sir Andreas.
Wenn ich's nicht thue--
(Er läuft fort.)
Fabian.
Kommt, wir müssen doch sehen, wie er das machen wird.
Sir Tobias.
Ich wollte wetten was man will, es wird doch nichts daraus werden.
(Sie gehen ab.)
Vierter Aufzug.
Erste Scene.
(Die Strasse.)
(Hans Wurst, der von Olivia geschikt worden, den Cäsario zu ihr zu
ruffen, trift den Sebastiano an, und richtet seinen Auftrag bey ihm
aus, weil er ihn für den Cäsario ansieht; Sebastiano, der hier ganz
fremd ist, und von der Verkleidung seiner Schwester, die er sogar
für todt hält, nichts wissen kan, stellt sich zu diesem) qui pro
quo (so befremdet an, als man sich vorstellen kan, und will
schlechterdings derjenige nicht seyn, wofür ihn Hans Wurst ansieht:
Indem sie nun mit einander streiten, kommen Sir Andreas und Sir
Tobias dazu, von denen der Erste durch den nemlichen Optischen
Betrug seinen Mann gefunden zu haben glaubt, und dem vermeynten
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