Wo ist der gute Hastings? Richard. Ein Tusch, Trompeten! Trommeln, schlaget Lärm! Der Himmel höre nicht die Schnischnackweiber Des Herrn Gesalbten lästern: schlagt, sag ich! (Tusch. Lärmtrommeln.) Geduldig seid und gebt mir gute Worte, Sonst in des Krieges lärmendem Getöse Ersäuf ich eure Ausrufungen so. Herzogin. Bist du mein Sohn? Richard. Ja, Gott gedankt sei's, Euch und meinem Vater. Herzogin. So hör geduldig meine Ungeduld. Richard. Ich habe eine Spur von Eurer Art, Frau Mutter, Die nicht den Ton des Vorwurfs dulden kann. Herzogin. O laß mich reden! Richard. Tut's, doch hör ich nicht. Herzogin. Ich will in meinen Worten milde sein. Richard. Und, gute Mutter, kurz! Denn ich hab Eil'. Herzogin. Bist du so eilig? Ich hab dein gewartet, Gott weiß, in Marter und in Todesangst. Richard. Doch kam ich endlich nicht zu Eurem Trost? Herzogin. Nein, bei dem heil'gen Kreuz! Zur Welt gebracht, Hast du die Welt zur Hölle mir gemacht. Eine schwere Bürde war mir die Geburt; Launisch und eigensinnig deine Kindheit; Die Schulzeit schreckhaft, heillos, wild und wütig; Dein Jugendlenz verwegen, dreist und tollkühn; Dein reifres Alter stolz, fein, schlau und blutig, Zwar milder, aber schlimmer, sanft im Haß. Welch eine frohe Stunde kannst du nennen, Die je in deinem Beisein mich begnadigt? Richard. Find ich so wenig Gnad' in Euren Augen, So laßt mich weiterziehn und Euch nicht ärgern.-- Trommel gerührt! Herzogin. Ich bitt dich, hör mich reden. Richard. Ihr redet allzu bitter. Herzogin. Hör ein Wort, Denn niemals wieder werd ich mit dir reden. Richard. Wohl! Herzogin. Du stirbst entweder durch des Himmels Fügung, Eh' du aus diesem Krieg als Sieger kommst; Oder ich vergeh vor Gram und hohem Alter, Und niemals werd ich mehr dein Antlitz sehn. Drum nimm mit dir den allerschwersten Fluch, Der mehr am Tag der Schlacht dich mög' ermüden Als all die volle Rüstung, die du trägst! Für deine Gegner streitet mein Gebet, Und dann der Kinder Eduards kleine Seelen, Sie flüstern deiner Feinde Geistern zu Und angeloben ihnen Heil und Sieg. Blutig, das bist du; blutig wirst du enden: Wie du dein Leben, wird dein Tod dich schänden. (Ab.) Elisabeth. Zwar weit mehr Grund zum Fluchen wohnt mir bei, Doch minder Mut: drum sag ich Amen nur. (Will gehen.) Richard. Bleibt, gnäd'ge Frau: ich muß ein Wort Euch sagen. Elisabeth. Nicht mehr der Söhn' aus königlichem Blut Für dich zum Morden, Richard, hab ich ja. Und meine Töchter, nun, die sollen beten Als Nonnen, nicht als Königinnen weinen: Und also steh nach ihrem Leben nicht. Richard. Ein' Eurer Töchter heißt Elisabeth, Ist tugendsam und schön, fürstlich und fromm. Elisabeth. Und bringt ihr das den Tod? O laß sie leben, Und ihre Sitten will ich selbst verderben, Beflecken ihre Schönheit, mich verleumden, Als wär' ich treulos Eduards Bett gewesen, Der Schande Schleier werfen über sie: So sie den blut'gen Streichen nur entrinnt, Bekenn ich gern, sie sei nicht Eduards Kind. Richard. Ehrt ihre Abkunft, sie ist königlich. Elisabeth. Ich leugn' es ab, das Leben ihr zu sichern. Richard. Ihr Leben sichert die Geburt zumeist. Elisabeth. Dadurch gesichert starben ihre Brüder. Richard. Weil gute Sterne der Geburt gemangelt. Elisabeth. Nein, weil ihr Leben üble Freunde hatte. Richard. Nicht umzukehren ist des Schicksals Spruch. Elisabeth. Ja, wenn verkehrter Sinn das Schicksal macht. Den Kindern war ein schönrer Tod beschieden, Hättst du ein schönres Leben dir erkoren. Richard. Ihr sprecht, als hätt' ich meine Vetter umgebracht. Elisabeth. Wohl umgebracht! Du brachtest sie um alles: Um Freude, Reich, Verwandte, Freiheit, Leben. Wes Hand die zarten Herzen auch durchbohrt, Dein Kopf, mit krummen Wegen, gab die Richtung; Stumpf war gewiß das mörderische Messer, Bis es, gewetzt an deinem harten Herzen, In meiner Lämmer Eingeweiden wühlte. Den wilden Gram macht die Gewohnheit zahm, Sonst nennte meine Zunge deinen Ohren Nicht meine Knaben eh', als meine Nägel In deinen Augen schon geankert hätten, Und ich, in so heilloser Todesbucht, Gleichwie ein Boot, beraubt der Tau' und Segel, Zerscheitert wär' an deiner Felsenbrust. Richard. So glück' es mir bei meinem Unternehmen Und blut'gen Kriegs gefährlichem Erfolg, Als ich mehr Guts gedenk Euch und den Euren, Als ich je Leids Euch und den Euren tat. Elisabeth. Welch Gut, bedeckt vom Angesicht des Himmels, Ist zu entdecken, das mir Gutes schaffte? Richard. Erhebung Eurer Kinder, werte Frau. Elisabeth. Zum Blutgerüst, ihr Haupt da zu verlieren. Richard. Nein, zu der Höh' und Würdigkeit des Glücks, Dem hehren Vorbild ird'scher Herrlichkeit. Elisabeth. Schmeichle mein Leid mit dem Bericht davon. Sag, welchen Glückstand, welche Würd' und Ehre Kannst du auf eins von meinen Kindern bringen? Richard. Was ich nur habe; ja, mich selbst und alles Will ich an deiner Kinder eins verschenken, So du im Lethe deines zorn'gen Muts Die trüb' Erinnrung dessen willst ertränken, Was, wie du meinst, ich dir zu nah getan. Elisabeth. Sei kurz, der Antrag deiner Freundschaft möchte Sonst länger dauern als die Freundschaft selbst. Richard. So wiss', von Herzen lieb ich deine Tochter. Elisabeth. Im Herzen denkt es meiner Mutter Tochter. Richard. Was denket Ihr? Elisabeth. Daß du vom Herzen meine Tochter liebst. So liebtest du vom Herzen ihre Brüder, Und ich, vom Herzen, danke dir dafür. Richard. Verwirret meine Meinung nicht so rasch. Ich meine, herzlich lieb ich deine Tochter Und mache sie zur Königin von England. Elisabeth. Wohl, doch wer meinst du, soll ihr König sein? Richard. Nun, der zur Königin sie macht. Wer sonst? Elisabeth. Wie? du? Richard. Ich, eben ich: was dünkt Euch, gnäd'ge Frau? Elisabeth. Wie kannst du um sie frein? Richard. Das möcht ich lernen Von Euch, die ihren Sinn am besten kennt. Elisabeth. Und willst du's von mir lernen? Richard. Herzlich gern. Elisabeth. Schick durch den Mann, der ihre Brüder schlug, Ihr ein paar blut'ge Herzen; grabe drein: Eduard und York; dann wird sie etwa weinen, Drum biet ihr (wie Margretha deinem Vater Weiland getan, getaucht in Rutlands Blut) Ein Schnupftuch, das den Purpursaft, so sag ihr, Aus ihrer süßen Brüder Leibe sog, Und heiß' damit ihr weinend Aug' sie trocknen. Rührt diese Lockung nicht zur Liebe sie, Send einen Brief von deinen edlen Taten: Sag ihr, du räumtest ihren Oheim Clarence Und Rivers weg; ja, halfest ihrethalb Der guten Tante Anna schleunig fort. Richard. Ihr spottet, gnäd'ge Frau: sie zu gewinnen Ist das der Weg nicht. Elisabeth. Keinen andern gibt's, Kannst du dich nicht in andre Bildung kleiden Und nicht der Richard sein, der all dies tat. Richard. Setzt, daß ich's nur aus Liebe zu ihr tat. Elisabeth. Ja, dann fürwahr muß sie durchaus dich hassen, Der Lieb' erkauft um solchen blut'gen Raub. Richard. Seht, was geschehn, steht jetzo nicht zu ändern. Der Mensch geht manchmal unbedacht zu Werk, Was ihm die Folge Zeit läßt zu bereun. Nahm Euren Söhnen ich das Königreich, So geb ich's zum Ersatz nun Eurer Tochter. Bracht' ich die Früchte Eures Schoßes um, Um Eu'r Geschlecht zu mehren, will ich mir Aus Eurem Blute Leibeserben zeugen. Großmutter heißen ist kaum minder lieb Als einer Mutter innig süßer Name. Sie sind wie Kinder, nur eine Stufe tiefer, Von Eurer Kraft, von Eurem echten Blut, Ganz gleicher Müh' bis auf eine Nacht des Stöhnens, Von der geduldet, für die Ihr sie littet. Plag' Eurer Jugend waren Eure Kinder, Trost Eures Alters sollen meine sein. Was Ihr verlort, war nur ein Sohn als König, Dafür wird Eure Tochter Königin. Ich kann nicht, wie ich wollt', Ersatz Euch schaffen, Drum nehmt, was ich in Güte bieten kann. Dorset, Eu'r Sohn, der mißvergnügte Schritte Mit banger Seel' auf fremdem Boden lenkt, Wird durch dies holde Bündnis schleunig heim Zu großer Würd' und hoher Gunst gerufen. Der König, der die schöne Tochter Gattin nennt, Wird traulich deinen Dorset Bruder nennen. Ihr werdet wieder Mutter eines Königs, Und alle Schäden drangsalvoller Zeiten Zwiefach ersetzt mit Schätzen neuer Lust. Ei, wir erleben noch viel wackre Tage! Die hellen Tränentropfen kommen wieder, Die ihr vergoßt, in Perlen umgewandelt, Das Darlehn Euch vergütend, mit den Zinsen Von zehnfach doppeltem Gewinn des Glücks. Geh, meine Mutter, geh zu deiner Tochter: Erfahrung mach' ihr schüchtern Alter dreist; Bereit ihr Ohr auf eines Freiers Lied; Leg in ihr zartes Herz die kühne Flamme Der goldnen Hoheit; lehre die Prinzessin Der Ehefreuden süß verschwiegne Stunden: Und wenn der Arm hier jenen Zwergrebellen, Den ungehirnten Buckingham gezüchtigt, Dann komm ich prangend im Triumpheskranz Und führ ins Bett des Siegers deine Tochter; Ihr liefr' ich die Erobrung wieder ab, Und sie sei einzig Sieg'rin, Cäsars Cäsar. Elisabeth. Wie soll ich sagen? Ihres Vaters Bruder Will ihr Gemahl sein? Oder sag ich, Oheim? Oder, der Oheim' ihr erschlug und Brüder? Auf welchen Namen würb' ich wohl für dich, Den Gott, Gesetz, meine Ehr' und ihre Liebe Den zarten Jahren ließ' gefällig sein? Richard. Zeig Englands Frieden ihr in diesem Bündnis. Elisabeth. Den sie erkaufen wird mit stetem Krieg. Richard. Sag ihr, der König, sonst gebietend, bitte. Elisabeth. Das von ihr, was der Kön'ge Herr verbeut. Richard. Sag, sie werd' eine mächt'ge Königin. Elisabeth. Den Titel zu bejammern, sowie ich. Richard. Sag, immerwährend lieben woll' ich sie. Elisabeth. Wie lang wird wohl dies Wörtchen immer währen? Richard. Bis an das Ende ihres holden Lebens. Elisabeth. Wie lang wird wohl dies süße Leben währen? Richard. So lang Natur und Himmel es verlängt. Elisabeth. So lang's die Höll' und Richard leiden mag. Richard. Sag, ich, ihr Herrscher, sei ihr Untertan. Elisabeth. Zwar Untertanin, haßt sie solche Herrschaft. Richard. Zu meinem Besten sei beredt bei ihr. Elisabeth. Ein redlich Wort macht Eindruck, schlicht gesagt. Richard. So sag ihr meine Lieb' in schlichten Worten. Elisabeth. Schlicht und nicht redlich lautet allzu rauh. Richard. Zu seicht und lebhaft sind mir Eure Gründe. Elisabeth. Nein, meine Gründe sind zu tief und tot; Zu tief und tot im Grab die armen Kinder. Richard. Rührt nicht die Saite mehr: das ist vorbei. Elisabeth. Ich will sie rühren, bis das Herz mir springt. Richard. Bei meinem George, dem Knieband und der Krone-– Elisabeth. Entweiht, entehrt, die dritte angemaßt! Richard. Schwör ich-- Elisabeth. Bei nichts; denn dieses ist kein Schwur. Der George, entehrt, verlor die heil'ge Ehre; Befleckt, das Knieband seine Rittertugend; Geraubt, die Krone ihren Fürstenglanz. Willst du was schwören, das man glauben mag, So schwör bei etwas, das du nicht gekränkt. Richard. Nun, bei der Welt-- Elisabeth. Voll deines schnöden Unrechts. Richard. Bei meines Vaters Tod-- Elisabeth. Dein Leben schmäht ihn. Richard. Dann bei mir selbst-- Elisabeth. Dein Selbst ist selbstgeschändet. Richard. Beim Himmel-- Elisabeth. Gottes Kränkung ist die ärgste. Hättst du gescheut, den Schwur bei ihm zu brechen, Die Einigkeit, die mein Gemahl gestiftet, Wär' nicht zerstört, mein Bruder nicht erschlagen. Hättst du gescheut, den Schwur bei ihm zu brechen, Dies hehre Gold, umzirkelnd nun dein Haupt, Es zierte meines Kindes zarte Schläfen Und beide Prinzen wären atmend hier, Die nun, im Staub zwei zarte Bettgenossen, Dein treulos Tun zum Raub der Würmer machte. Wobei nun kannst du schwören? Richard. Bei der künft'gen Zeit. Elisabeth. Die kränktest du in der Vergangenheit. Mit Tränen muß ich selbst die Zukunft waschen, Für die Vergangenheit, gekränkt durch dich. Die Kinder, deren Eltern du ermordet, In unberatner Jugend leben sie Und müssen es bejammern noch im Alter. Die Eltern, deren Kinder du geschlachtet, Als unfruchtbare Pflanzen leben sie Und müssen es bejammern schon im Alter. Schwör bei der Zukunft nicht, so mißverwandelt Durch die vergangne Zeit, die du mißhandelt. Richard. So wahr ich sinn auf Wohlfahrt und auf Reu'! So geh's mir wohl im mißlichen Versuch Feindsel'ger Waffen! Schlag ich selbst mich selbst! Himmel und Glück entzieh' mir frohe Stunden! Tag, weigre mir dein Licht! Nacht, deine Ruh'! Sei'n alle Glücksplaneten meinem Tun Zuwider! wo ich nicht mit Herzensliebe, Mit makelloser Andacht, heil'gem Sinn Um deine schön' und edle Tochter werbe! Auf ihr beruht mein Glück und deines auch: Denn ohne sie erfolgt für mich und dich, Sie selbst, das Land und viele Christenseelen Tod und Verwüstung, Fall und Untergang. Es steht nicht zu vermeiden, als durch dies; Es wird auch nicht vermieden, als durch dies. Drum, liebe Mutter (so muß ich Euch nennen), Seid meiner Liebe Anwalt: stellt ihr vor Das, was ich sein will, nicht, was ich gewesen; Nicht mein Verdienst, nein, was ich will verdienen; Dringt auf die Notdurft und den Stand der Zeiten, Und seid nicht launenhaft in großen Sachen. Elisabeth. Soll ich vom Teufel so mich locken lassen? Richard. Ja, wenn der Teufel dich zum Guten lockt. Elisabeth. Soll ich denn selbst vergessen meiner selbst? Richard. Wenn Eurer selbst gedenken selbst Euch schadet. Elisabeth. Du brachtest meine Kinder um. Richard. In Eurer Tochter Schoß begrab ich sie; Da, in dem Nest der Würz', erzeugen sie Sich selber neu, zu Eurer Wiedertröstung. Elisabeth. Soll ich die Tochter zu gewinnen gehn? Richard. Und seid beglückte Mutter durch die Tat. Elisabeth. Ich gehe; schreibt mir allernächstens, Und Ihr vernehmt von mir, wie sie gesinnt. Richard. Bringt meinen Liebeskuß ihr, und lebt wohl. (Küßt sie. Elisabeth ab.) Nachgieb'ge Törin! wankelmütig Weib! Nun? was gibt's Neues? (Ratcliff tritt auf, und Catesby folgt ihm.) Ratcliff. Gewalt'ger Fürst, im Westen längs der Küste Wogt eine mächt'ge Flotte; hin zum Strand Drängt sich ein Haufe hohlgeherzter Freunde, Wehrlos und ohn' Entschluß, sie wegzutreiben. Man meinet, Richmond sei ihr Admiral. Sie liegen da, die Hilfe Buckinghams Erwartend nur, am Strand sie zu empfangen. Richard. Ein flinker Freund soll hin zum Herzog Norfolk: Du, Ratcliff; oder Catesby: wo ist er? Catesby. Hier, bester Herr. Richard. Catesby, flieg hin zum Herzog. Catesby. Das will ich, Herr, mit aller nöt'gen Eil'. Richard. Ratcliff, komm her. Reit hin nach Salisbury: Wenn du dahin kommst-- (Zu Catesby.) Unachtsamer Schurke, Was säumst du hier, und gehst nicht hin zum Herzog? Catesby. Erst, hoher Herr, erklärt die gnäd'ge Meinung, Was ich von Euer Hoheit ihm soll melden. Richard. Wahr, guter Catesby! Gleich aufbringen soll er Die größte Macht und Mannschaft, die er kann, Und treffe mich alsbald zu Salisbury. Catesby. Ich gehe. (Ab.) Ratcliff. Was soll ich, wenn's beliebt, zu Salisbury? Richard. Ei, was hast du zu tun da, eh' ich komme? Ratcliff. Eu'r Hoheit sagte mir, vorauszureiten. (Stanley tritt auf.) Richard. Ich bin itzt andern Sinns.--Stanley, was bringst du Neues? Stanley. Nichts Gutes, Herr, daß Ihr es gerne hörtet, Noch auch so schlimm, daß man's nicht melden dürfte. Richard. Heida, ein Rätsel! weder gut noch schlimm! Was brauchst du so viel Meilen umzugehn, Statt grades Weges deinen Spruch zu sprechen? Nochmal, was gibt's? Stanley. Richmond ist auf der See. Richard. Versänk' er da, und wär' die See auf ihm! Landläufer ohne Herz, was tut er da? Stanley. Ich weiß nicht, mächt'ger Fürst, und kann nur raten. Richard. Nun, und Ihr ratet? Stanley. Gereizt von Dorset, Buckingham und Morton, Kommt er nach England und begehrt die Krone. Richard. Ist der Stuhl ledig? ungeführt das Schwert? Ist tot der König? herrenlos das Reich? Sind Erben Yorks am Leben, außer mir? Und wer ist Englands König, als Yorks Erbe? Drum sage mir, was tut er auf der See? Stanley. Es sei denn dazu, Herr, kann ich's nicht raten. Richard. Es sei denn, daß er komm', Eu'r Fürst zu sein, Könnt Ihr nicht raten, was der Wäl'sche will! Ich fürcht, Ihr fallt mir ab und flieht zu ihm. Stanley. Nein, mächt'ger Fürst; mißtraut mir also nicht. Richard. Wo ist dein Volk denn, ihn zurückzuschlagen? Wo hast du deine Leut' und Lehnsvasallen? Sind sie nicht an der Küst' im Westen jetzt, Geleit zum Landen den Rebellen gehend? Stanley. Nein, meine Freunde sind im Norden, bester Herr. Richard. Mir kalte Freunde: was tun die im Norden, Da sie ihr Fürst zum Dienst im Westen braucht? Stanley. Sie waren nicht befehligt, großer König. Geruht Eu'r Majestät mich zu entlassen, So mustr' ich meine Freund' und treff Eu'r Gnaden, Wo es und wann Eu'r Majestät beliebt. Richard. Ja, ja, du möchtest gern zu Richmond stoßen: Ich will Euch, Herr, nicht traun. Stanley. Gewalt'ger Fürst, Ihr habt an meiner Freundschaft nicht zu zweifeln; Ich war und werde nimmer treulos sein. Richard. Geht denn, mustert Volk. Doch, hört Ihr, laßt zurück George Stanley, Euren Sohn; und wankt Eu'r Herz, Gebt acht, so steht sein Kopf nicht allzu fest. Stanley. Verfahrt mit ihm, wie ich mich treu bewähre. (Stanley ab. Ein Bote tritt auf.) Bote. Mein gnäd'ger Fürst, es sind in Devonshire, Wie ich von Freunden wohl berichtet bin, Sir Eduard Courtney und der stolze Kirchherr, Bischof von Exeter, sein ältrer Bruder, Samt vielen Mitverbündeten in Waffen. (Ein andrer Bote tritt auf.) Zweiter Bote. Mein Fürst, in Kent die Guilfords sind in Waffen, Und jede Stunde strömen den Rebellen Mitwerber zu, und ihre Macht wird stark. (Noch ein andrer Bote tritt auf.) Dritter Bote. Mein Fürst, das Heer des großen Buckingham-- Richard. Fort mit euch Uhus! Nichts als Todeslieder? (Er schlägt den Boten.) Da, nimm das, bis du beßre Zeitung bringst. Dritter Bote. Was ich Eu'r Majestät zu melden habe, Ist, daß durch jähe Flut und Wolkenbrüche Buckinghams Heer zerstreut ist und versprengt Und daß er selbst allein sich fortgemacht; Wohin, weiß niemand. Richard. Oh, ich bitt, entschuldigt! Da ist mein Beutel, um den Schlag zu heilen. Ließ nicht ein wohlberatner Freund Belohnung Ausrufen dem, der den Verräter greift? Dritter Bote. Ein solcher Ausruf ist geschehn, mein Fürst. (Ein vierter Bote tritt auf.) Vierter Bote. Sie Thomas Lovel und der Marquis Dorset Sind, Herr, wie's heißt, in Yorkshire in den Waffen. Doch diesen guten Trost bring ich Eu'r Hoheit: Vom Sturm zerstreut ist die Bretagner Flotte; Richmond sandt' an die Küst' in Dorsetshire Ein Boot aus, die am Ufer zu befragen, Ob sie mit ihm es hielten oder nicht. Sie kämen, sagten sie, vom Buckingham Zu seinem Beistand; doch er traute nicht, Zog Segel auf, und steur'te nach Bretagne. Richard. Ins Feld! ins Feld! weil wir in Waffen sind: Wo nicht zu fechten mit auswärt'gen Feinden, Zu Dämpfung der Rebellen hier zu Haus. (Catesby tritt auf.) Catesby. Der Herzog Buckingham, Herr, ist gefangen: Das ist die beste Zeitung; daß Graf Richmond Mit großer Macht gelandet ist zu Milford, Klingt minder gut, doch will's gemeldet sein. Richard. Wohlauf nach Salisbury! Indes wir schwatzen, Könnt' eine Hauptschlacht schon entschieden sein. Trag einer Sorge, Buckingham zu schaffen Nach Salisbury; ihr andern zieht mit mir. (Alle ab.) FÜNFTE SZENE Ein Zimmer in Stanleys Hause. (Stanley und Sir Christopher Urswick, ein Priester, treten auf.) Stanley. Sir Christopher, sagt Richmond dies von mir: Im Kofen des blutdürst'gen Ebers sei Mein Sohn, George Stanley, eingestallt in Haft; Und fall ich ab, so fliegt des Knaben Kopf. Die Furcht hält meinen Beistand noch zurück. Doch sagt, wo ist der edle Richmond jetzt? Urswick. Zu Pembroke, oder Ha'rford-West, in Wales. Stanley. Wer hält sich zu ihm von namhaften Männern? Urswick. Sir Walter Herbert, ein berühmter Krieger; Sir Gilbert Talbot, Sir William Stanley; Oxford, der mächt'ge Pembroke, Sir James Blunt, Und Rice ap Thomas, mit beherzter Schar, Und viele mehr von großem Ruf und Wert; Und hin nach London richten sie den Zug, Wenn sie kein Angriff hindert unterwegs. Stanley. Wohl, eil zu deinem Herrn: empfiehl mich ihm, Sag ihm, die Königin woll' ihre Tochter Elisabeth ihm herzlich gern vermählen. Die Briefe hier eröffnen ihm das Weitre. Leb wohl. (Er gibt ihm Papiere. Beide ab.) FÜNFTER AUFZUG ERSTE SZENE Salisbury. Ein offner Platz. (Der Sheriff und die Wache, mit Buckingham, der zur Hinrichtung geführt wird.) Buckingham. Will König Richard sich nicht sprechen lassen? Sheriff. Nein, bester Herr; drum faßt Euch in Geduld. Buckingham. Hastings und Eduards Kinder, Rivers, Grey, Du heil'ger Heinrich und dein holder Sohn, Vaughan, und alle, die Ihr seid gestürzt Durch heimliche, verderbte, schnöde Ränke: Wenn Eure finstern, mißvergnügten Seelen Die Wolken durch, die jetz'ge Stunde schaun, So rächt Euch nur und spottet meines Falls!-- Ist heut nicht Allerseelentag, ihr Leute? Sheriff. Ja, Mylord. Buckingham. Nun, Allerseelentag ist meines Leibs Gerichtstag. Dies ist der Tag, den wünscht' ich über mich In König Eduards Zeit, wofern ich falsch An seinem Weib und Kindern würd' erfunden; Auf diesen Tag wünscht' ich mir meinen Fall, Durch dessen Falschheit, dem zumeist ich traute; ja dieser, dieser Allerseelentag Ist meiner armen Seele Sündenfrist. Der hoh' Allsehende, mit dem ich Spiel trieb, Wandt' auf mein Haupt mein heuchelndes Gebet Und gab im Ernst mir, was ich bat im Scherz. So wendet er den Schwertern böser Menschen Die eigne Spitz' auf ihrer Herren Brust. Schwer fällt Margrethas Fluch auf meinen Nacken: "Wenn er", sprach sie, "dein Herz mit Gram zerreißt, Gedenke, Margaretha war Prophetin."-- Kommt, daß ihr mich zum Block der Schande führt; Unrecht will Unrecht, Schuld, was ihr gebührt. (Sie führen ihn ab.) ZWEITE SZENE Ebne bei Tamworth. (Mit fliegenden Fahnen und klingendem Spiel treten auf Richmond, Oxford, Sir James Blunt, Sir Walter Herbert und andre, mit Truppen auf dem Marsch.) Richmond. Ihr Waffenbrüder und geliebte Freunde, Zermalmet unterm Joch der Tyrannei! So weit ins Innerste des Landes sind Wir fortgezogen ohne Hindernis; Und hier von unserm Vater Stanley kommen Uns Zeilen tröstlicher Ermutigung. Der greulich blut'ge, räuberische Eber, Der Eure Weinberg' umwühlt, Eure Saaten, Eu'r warm Blut säuft wie Spülicht, Eure Leiber Ausweidet sich zum Trog: dies wüste Schwein Liegt jetzt in dieses Eilands Mittelpunkt, Nah bei der Stadt Leicester, wie wir hören; Von Tamworth bis dahin ist nur ein Tag. Frisch auf, in Gottes Namen, mut'ge Freunde, Die Frucht beständ'gen Friedens einzuernten Durch eine blut'ge Probe scharfen Kriegs. O xford. Jeglich Gewissen ist wie tausend Schwerter, Zu fechten mit dem blut'gen Bösewicht. Herbert. Ganz sicher fallen seine Freund' uns zu. Blunt. Erbat nur Freunde, die aus Furcht es sind; Die werden ihn in tiefster Not verlassen. Richmond Dies alles mir zugunsten. Auf, mit Gott! Hoffnung ist schnell und fliegt mit Schwalbenschwingen; Aus Kön'gen macht sie Götter, Kön'ge aus Geringen. (Alle ab.) DRITTE SZENE Das Feld bei Bosworth. (König Richard mit Mannschaft; Herzog von Norfolk, Graf von Surrey und andre.) Richard. Hier schlagt die Zelt' auf, hier im Feld bei Bosworth.-- Mylord von Surrey, warum seht Ihr trübe? Surrey. Mein Herz ist zehnmal heitrer als mein Blick. Richard. Mylord von Norfolk-- Norfolk. Hier, mein gnäd'ger Fürst. Richard. Norfolk, hier gilt es Schläge? Ha, nicht wahr? Norfolk. Man gibt und nimmt sie, mein gewogner Herr. Richard. Schlagt auf mein Zelt: hier will ich ruhn zu Nacht. (Soldaten fangen an, des Königs Zelt aufzuschlagen.) Doch morgen wo? Gut, es ist alles eins.-- Wer spähte der Verräter Anzahl aus? Norfolk. Sechs, sieben Tausend ist die ganze Macht. Richard. Ei, unser Heer verdreifacht den Belauf. Auch ist des Königs Nam' ein fester Turm, Woran der feindlichen Partei es fehlt.-- Schlagt mir das Zelt auf.--Kommt, Ihr edlen Herrn, Laßt uns der Lage Vorteil überschaun.-- Ruft ein'ge Männer von bewährtem Rat. Laßt Zucht uns halten und nicht lässig ruhn, Denn, Lords, auf morgen gibt's vollauf zu tun. (Richard mit den übrigen ab.) (An der andern Seite des Feldes treten auf Richmond, Sir William Brandon, Oxford und andre Herren. Einige Soldaten schlagen Richmonds Zelt auf.) Richmond Die müde Sonne ging so golden unter, Und nach des Feuerwagens lichter Spur Verheißt sie einen schönen Tag auf morgen.-- Sir William Brandon, Ihr tragt mir mein Banner.-- Gebt mir Papier und Tinte in mein Zelt.-- Ich will der Schlachtordnung Gestalt entwerfen, Jedwedem Führer seinen Stand begrenzen Und recht verteilen unsre kleine Macht. Mylord von Oxford--Ihr, Sir William Brandon-- Und Ihr, Sir Walter Herbert, bleibt bei mir;-- Der Graf von Pembroke führt sein Regiment; Bringt, Hauptmann Blunt, ihm gute Nacht von mir, Und um die zweite Stunde früh ersucht Den Grafen, mich in meinem Zelt zu sprechen. Doch eins noch, guter Hauptmann, tut für mich: Wo hat Lord Stanley sein Quartier? Ihr wißt es? Blunt. Wenn ich mich nicht in seinen Fahnen irrte (Was ich versichert bin, daß nicht geschehn), So liegt sein Regiment eine halbe Meile Gen Süden von des Königs großem Heer. Richmond Ist's ohn' Gefährde möglich, lieber Blunt, So findet Mittel aus, mit ihm zu sprechen, Und gebt von mir ihm dies höchst nöt'ge Blatt. Blunt. Bei meinem Leben, Herr, ich unternehm's; Und somit geb' Euch Gott geruh'ge Nacht. Richmond Gut' Nacht, mein guter Hauptmann Blunt. Kommt, Herrn, Laßt uns das morgende Geschäft beraten. Ins Zelt hinein, die Luft ist rauh und kalt. (Sie begeben sich in das Zelt.) (König Richard geht zu seinem Zelte mit Norfolk, Ratcliff und Catesby.) Richard. Was ist die Uhr? Catesby. Nachtessenszeit, mein Fürst: Es ist neun Uhr. Richard. Ich will zu Nacht nicht essen.-- ? 1 2 . 3 , ! , ! 4 5 : , ! 6 7 ( . . ) 8 9 , 10 11 . 12 13 . 14 ? 15 16 . 17 , ' , . 18 19 . 20 . 21 22 . 23 , , 24 . 25 26 . 27 ! 28 29 . 30 ' , . 31 32 . 33 . 34 35 . 36 , , ! 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