geboren, wirkte aber als Dichter in dem hybläischen Megara und in
Syrakus. Es waren dies dorische Kolonien, daher die Ansprüche der Dorer
auf die Erfindung der Komödie. Das "um vieles älter" darf in dieser
tendenziösen Beweisführung nicht zu wörtlich genommen werden.
-Eriphyle-: S. Alkmeon.
-Eukleides-: c. 22, 4. Durch den Zusatz "der Alte" von den vielen, auch
bekannten Namensvettern unterschieden. Gegen die neuerdings
ausgesprochene Vermutung, er sei mit dem berühmten athenischen Archon
und Reformator des attischen Alphabets (403) identisch spricht bei
Aristoteles, seinem jüngeren Zeitgenossen, gerade jener Zusatz. Eher
könnte man an den Begründer der megarischen Philosophenschule, den
Freund des Sokrates und Platon, denken.
-Euripides- (485--407/6): c. 13, 4. 17, 3. 18, 4. 6. 25, 6. Der jüngste
der drei großen Tragiker. Der häufige Tadel des Aristoteles richtet sich
gegen dessen mangelhafte Technik.
/*
(-Elektra-: c. 13, 6. 14, 4. Orestes und Aigisthos. Personen im
Drama.
-Iphigeneia in Aulis-: c. 15, 5. Der hier ausgesprochene Tadel ist
von Schiller energisch zurückgewiesen worden.
-Iphigeneia-, Taurische: c. 14, 9. 16, 2. 5. 17, 3. --: c. 11, 4.
16, 2. Person im Drama, ebenso Orestes in c 11, 4. 16, 2. Dieses
Drama und der Oed. Tyr. des Sophokles sind dem Aristoteles die zwei
Mustertragödien.
-Kresphontes-: c. 14, 9. Eines seiner berühmtesten Dramen, das noch
zu Plutarchs Zeiten seine erschütternde Wirkung nicht verfehlte und
in der Neuzeit sehr oft nachgeahmt wurde (s. Lessing, Hamb. Dram. St
37--50) Der Inhalt ist uns hauptsächlich aus den sog. Fabeln des
Hygin (184) bekannt. Merope im Begriff einen im Schlafe liegenden
Jüngling, den sie für den Mörder ihres Sohnes Kresphontes hält, mit
dem Beil zu erschlagen, erkennt in ihm noch rechtzeitig ihren
eigenen Sohn. Beide töten sodann im Verein den Usurpator
Polyphontes, der den Gatten der Merope ermordet und die Witwe
gezwungen (S. 72) hatte ihn zu heiraten. Vgl. Hamlet und Richard
III.
-Medea-: c. 14, 4. 15, 7. 25, 21. Der Tadel an letzter Stelle
bezieht sich doch wohl auf die scheinbar unmotivierte Einführung des
Aigeus, nicht auf das so betitelte Drama desselben Dichters.
-Melanippe- die Weise, im Unterschiede von Melanippe die Gefangene
desselben Dichters: c. 15, 5. Die Anspielung bezieht sich auf ihre
berüchtigte Verteidigungsrede, in der sie sich mit sophistischen
Gründen bemüht, ihrem Vater zu beweisen daß ihre dem Poseidon
heimlich geborenen Kinder auch von einer Kuh zur Welt gebracht und
gesäugt werden konnten, ohne die Naturgesetze zu verletzen. Die
Anfangsworte sind uns zufällig erhalten.
-Orestes-: c 15, 5. 25, 21. Darin spielt Menelaos eine charakterlose
Rolle.
-Philoktetes-: c. 22, 5. S. Aischylos' Philoktetes.
-Troerinnen-: c. 23, 4. S. Ilias, die Kleine.
*/
[-Eurypylos-]: S. Sophokles.
-Ganymedes-: S. Probleme.
-Glaukon-: c. 25, 17. Wohl ein Grammatiker. Da zahlreiche Schriftsteller
denselben Namen tragen, ist eine Identifizierung nicht möglich. Nur an
den Rheginer, den ältesten Homer-erklärer, der überdies Glaukos, nicht
Glaukon hieß, darf man schon wegen des Inhalts des Zitats nicht denken.
-Hades-dramen: c. 18, 2. Dramen mit dem Schauplatz in der Unterwelt
waren: Aischylos' Sisyphos der Steinwälzer, Euripides' (Kritias?) und
Achaios' Peirithoos.
-Haimon-: S. Sophokles Antigone.
-Hegemon- v. Thasos (Ende des 5. Jahrh.): c 2, 3. Berühmter Parode und
auch Komödiendichter, von Aristoteles zuerst erwähnt, später sehr
häufig. Erhalten sind ein längeres Fragment (21 Hexameter) und zwei
Trimeter.
-Helle-: c. 14, 9. Verlorene Tragödie eines wohl berühmten Dichters, da
Aristoteles seinen Namen zu nennen nicht für nötig hält. Auch von der
hier zugrundeliegenden Sagenversion, die von der sonstigen Überlieferung
völlig abweicht, ist uns keine Kunde erhalten, doch wußte man von drei
-Söhnen-, die sie dem Poseidon geboren hatte.
-Herakleis-: c. 8, 2. Heraklesepen dichteten Kinaithon (c. 750),
Peisandros (c. 650) und Panyasis, der Onkel des Herodot, 9000 Verse in
14 B. Nur von diesem sind einige Bruchstücke erhalten.
-Hermokaikoxanthos-: c. 21, 1. Ein aus drei Flußnamen (S. 73) des
westlichen Kleinasiens, Hermos, Kaïkos, Xanthos, gebildetes Kompositum.
Nach der Lesart der arabischen Übersetzung waren derartige
Zusammensetzungen bei den Bewohnern von Massalia (Marseille) üblich und
zwar soll die hier erwähnte ein lokaler Beiname des Zeus gewesen sein.
-Herodot- (blühte um 450): c. 9, 2. Der "Vater der Geschichte". Seine
Verwendung als typisches Beispiel verdankt er nicht so sehr der
Wertschätzung seitens des Aristoteles, als dem Umstand, daß das vielfach
dichterische Kolorit seines Werkes ihn im Zusammenhange ganz besonders
zur Exemplifizierung geeignet erscheinen ließ. Der von Aristoteles rein
hypothetisch gesetzte Fall ist übrigens bei Livius tatsächlich
eingetreten, der von Festus Avienus (4. Jahrh n. Chr.) in Jamben
übertragen wurde.
-Hippias- von Thasos: c. 25, 12. Nur hier genannt, denn seine Erwähnung
bei einem späten Erklärer des Aristoteles, es handelt sich um dasselbe
"Problem", geht auf unsere Stelle zurück.
-Homer-: c. 1, 5. 2, 3. 3, 1. 2. 4, 4. 6. 8, 3. 15, 9. 23, 3. 24, 2, 6.
8.
/*
-Ilias-: c. 4, 6. 8, 3. 15, 7. 18,4. 20, 19. 23, 4. 24, 2. 25, 4.
26, 7. Die "-Abfahrt-" (c. 15, 6) bezieht sich auf die a.a.O.
zitierte Stelle der Ilias, wo durch das Erscheinen der Göttin Athene
die Heimkehr des Heeres verhindert wurde.--Schiffskatalog (c. 23,
3). Teiltitel des 2. B. (s. u.).
-Odyssee-: c. 4, 6. 8, 3. 13, 6. 17, 4. 23, 4. 24, 2. 9. 26, 7. -Mär
des Alkinoos- (c. 16, 3) und -Badeszene- (Niptra, c. 16, 1. 24, 8)
sind Teiltitel der Odyssee, die vor der erst später eingeführten
Buchzählung im Gebrauch waren. Der Titel umfaßte aber nach c. 24, 8
das ganze 19. B, einschließlich der Begegnung des Odysseus und der
Penelope.
-Margites-: c. 4, 4. 6. Ein burleskes Epyllion, in dem Hexameter und
jambische Trimeter abwechselten. Es schilderte in ergötzlicher Weise
einen Tölpel, "der viele Dinge wußte, aber alle schlecht". Als
unhomerisch scheint es erst nach Kallimachos (c. 150) erkannt worden
zu sein.
*/
-Ikadios-: c. 25, 17. Dieser angebliche Name des Schwiegervaters des
Odysseus, statt des homerischen lkarios, begegnet nur hier.
-Ilias- s. Homer.
-Ilias-, Die Kleine: c. 23, 4. Ein nachhomerisches, dem sogenannten
"Epischen Kyklos" angehöriges Epos. Wenn Spätere allgemein einen Lesches
von Lesbos als Verfasser nennen, so fällt das aristotelische Zeugnis der
Anonymität dagegen entscheidend ins Gewicht. Die Erzählung begann etwa
da, wo die homerische Ilias aufhörte (Lösung Hektors) und endete (S.
74) mit dem Fall Trojas und der Erzählung des Schicksals der gefangenen
Troerinnen. Die Liste des Aristoteles ist nicht vollständig noch streng
chronologisch und vermutlich nach dem Gedächtnis angegeben. Mit zwei
Ausnahmen decken sich die Titel mit denen noch nachweisbarer Tragödien.
/*
-Waffengericht-: S. Aiasdramen.
-Philoktet-: Von Aischylos, Sophokles, Euripides, Achaios, Antiphon,
Philokles, Theodektes dramatisiert.
-Neoptolemos-(= Eurypylos s. Sophokles): Von Nikomachos.
-Bettlerrhapsodie- (= Lakonierinnen s. Sophokles).
-Ilions Zerstörung-: So hieß ein Drama Iophons, des Sohnes des
Sophokles und ein Epos des "Kyklos".
-Abfahrt- des griechischen Heeres nach der Insel Tenedos, vor der
Erzählung des Hölzernen Pferdes und der Einnahme Trojas. Ein Drama
dieses Titels ist nicht bekannt.
-Sinon-: S. Sophokles. Durch Vergils Aeneis II allgemein bekannt.
-Troerinnen-: S. Euripides. Die Schicksale der trojanischen
Gefangenen (Hekuba, Andromache, Kassandra, Polyxena) sind von vielen
dramatisiert worden. Erhalten sind neben den Troerinnen nur die
Hekuba und Andromache, ebenfalls von Euripides, und Aischylos,
Agamemnon (Kassandra).
*/
-Iphigeneia-: S. Euripides und Polyidos.
-Ixion-dramen: c. 18, 2. Unter anderen Missetaten versuchte er sich an
Hera zu vergreifen und wurde dafür gemartert, indem er an ein
geflügeltes, sich ewig drehendes, feuriges Rad gebunden wurde. Der
Sagenstoff wurde von Aischylos, Sophokles (?), Euripides, Kallistratos
und Timesitheos dramatisiert.
-Kallipides-: c 26, 2. 3. Berühmter Schauspieler, Zeitgenosse des
Sokrates, von dem eine Anzahl Anekdoten überliefert ist.
-Karkinos-: Der jüngere Tragiker dieses Namens, Zeitgenosse des
Aristoteles. Er soll 160 Tragödien verfaßt haben und hat elfmal gesiegt.
/*
-Thyestes-: c. 16, 1. Nur hier genannt und nicht ohne weiteres mit
seiner ebenfalls nur einmal erwähnten Aerope zu identifizieren, da
der fruchtbare Tragiker, wie z. B auch Sophokles und Euripides,
mehrere Tragödien aus demselben reichhaltigen *agenstoffe behandelt
haben kann. Die "Sterne" waren angeblich ein auf der Schulter der
Nachkommen des Pelops befindliches, hellglänzendes Zeichen. In
welcher Situation es für eine Erkennung benutzt wurde, entzieht sich
jeder Vermutung.
[-Amphiaraos-]: e. 17, 1. Der Vater des Alkmeon (s.d.) und (S. 75)
Gatte der Eriphyle. Der Name scheint aber nur aus einer
Randbemerkung in den Text gedrungen zu sein, da er in der syrisch
arabischen Übersetzung fehlt, die überdies einen Zusatz in der
griechischen Vorlage voraussetzt, der wohl die jetzt nicht mehr
erkennbare Art des Verstoßes deutlicher machte.
*/
-Karthager-: c. 23, 2. Es handelt sich um den großen Sieg Gelons und
Therons über die Karthager bei Himera in Sizilien, der nach Herodot an
demselben Tage, wie der griechische Seesieg bei Salamis (27./28. Sept.
480) stattgefunden haben soll. Von diesem bis auf den Tag genauen
Synchronismus hält sich Aristoteles frei. Der von ihm geleugnete kausale
politische Zusammenhang, den die alten Historiker behaupten, wird auch
jetzt wieder, aber, wie es scheint, mit Unrecht, meist gänzlich in
Abrede gestellt.
-Kentauros- s. Chairemon.
-Kephallenier-: c. 25, 17. Die Bewohner der dem Odysseus untertänigen
Inseln und des Festlandes. Kephallenia als Inselname ist Homer noch
unbekannt.
-Kleophon-: c. 2, 4. 22, 1. Epiker, von dem Aristoteles in der Rhetorik
ein Werk -Mandrobulos-, wohl ein Epyllion, nennt. Sonst unbekannt, denn
mit dem Tragiker gleichen Namens, von dem 10 Dramentitel überliefert
sind, ist er kaum identisch.
-Klytaimestra-: c. 14, 4. Homer kennt K. weder als Gattenmörderin (so
erst seit Stesichoros) noch Orestes als Muttermörder. Diese Sagenversion
war aber durch Aischylos so festgewurzelt, daß die ursprüngliche für
Aristoteles wohl nicht mehr in Betracht kam, denn sonst wäre das
Beispiel im Zusammenhang nicht glücklich gewählt.
-Krates-: c. 5, 2. Attischer Komödiendichter, zuerst Schauspieler in den
Stücken des Kratinos. Er errang seinen ersten Sieg 449. Eine Anzahl
Titel und einige Bruchstücke sind erhalten. Er nahm unter den Dichtern
der alten Komödie eine Sonderstellung ein, wie schon aus der berühmten
Kritik in den Rittern des Aristophanes hervorgeht.
-Kreon-: S. Sophokles Antigone.
-Kreter-: c. 25, 10. Aristoteles oder sein Gewährsmann wird die hier
mitgeteilte sprachliche Beobachtung einem attisch-kretischen Glossar
entnommen haben. S.u. Kyprier.
-Kyklop-: S. Philoxenos, Timotheos.
-Kypria-: c. 23, 4. Nachhomerisches, anonymes Epos des Epischen Kyklos
in 11 B., vermutlich in Kypros entstanden und schon von Herodot dem
Homer abgesprochen. Spätere legten es einem Stasimos oder Hegesias
(Hegesinos) bei. Das Gedicht (S. 76) behandelte die Vorgeschichte des
trojanischen Krieges, beginnend mit dem Urteil des Paris, und bildete
eine Fundgrube für tragische Stoffe. Wir können noch etwa 15 Dramentitel
nachweisen, von denen allein 9 auf Sophokles fallen. Erhalten ist nur
die Iphigenia in Aulis des Euripides, von dem Epos nur wenige Verse.
Daselbst war auch die c. 8, 3 erwähnte Episode erzählt. Odysseus stellte
sich wahnsinnig, um dem Zugegen Troja nicht folgen zu müssen, wurde aber
durch eine List von Palamedes entlarvt.
-Kyprier-: S. Dikaiogenes. --Dialekt der: c 21, 3: S. Einleitung S.
XXIV.
-Laios-: c. 24, 9. Vater des Oidipus, der ihn unerkannt erschlug und
dessen Nachfolger auf dem Thron Thebens wurde. Auf die hier erwähnte
Unwahrscheinlichkeit wurde bereits c. 14, 5 angespielt.
[-Lakonierinnen-]: S.Sophokles.
-Lynkeus-: S. Theodektes.
-Magnes-: c. 3, 4 Neben Chionides (s.d.) der älteste attische Komiker.
Er hat elfmal gesiegt. Uns sind einige Titel erhalten. Es ist
zweifelhaft, ob selbst Aristophanes noch Stücke von ihm gelesen hat.
Jedenfalls waren etwaige dem Aristoteles bekannte Komödien nicht echt,
was die alten Kritiker schon erkannt hatten.
-Margites-: S. Homer.
-Massalioten-: S. Hermokaikoxanthos.
-Medea-: S. Euripides.
-Megarer-: c. 3, 4. Ihre Ansprüche scheinen nicht unbegründet gewesen zu
sein, wenn auch die von Aristoteles selbst zurückgewiesene etymologische
Begründung nicht haltbar ist.
-Melanippe-: S. Euripides.
-Meleagros-: c. 13, 4. Eine berühmte Sagenfigur und Held der
"Kalydonischen Jagd". Bei der Verteilung der Beute erschlägt er die
Brüder seiner Mutter Althaia. Sie verflucht ihn darob und verbrennt ein
Holzscheit, an das sein Leben geknüpft war, so daß er in jugendlichem
Alter stirbt. Der dankbare Mythos, in dem auch Atalante eine bedeutsame
Rolle spielt, wurde von vielen Dichtern, insbesondere von den Tragikern,
behandelt, so von Phrynichos, Sophokles, Antiphon, Euripides und, nach
Aristoteles, von Sosiphanes. Die einzige uns erhaltene dichterische
Darstellung ist die des Ovid (met. 8, 270 ff.). Sehr beliebt war die
Sage auch in der Kunst (Vasen, Tempelgiebel und Sarkophage).
-Menelaos-: S. Euripides Orestes. (S. 77)
-Merope-: S. Euripides Kresphontes.
-Mitys-: c. 9, 9. Er war in einem Straßenaufruhr getötet worden. Wenn
Plutarch angibt, daß die Strafe den Mörder bei einer -Festfeier-
ereilte, so beruht dies wohl auf einem Mißverständnis des Wortes
"theorunti" ("anschauen"), das Aristoteles sonst nie in seiner sakralen
Bedeutung gebraucht.
-Mnasitheos-: c 26, 3. Ein nur hier erwähnter, in lyrischen Wettkämpfen
auftretender Sänger. Dem ganzen Zusammenhang nach wohl ein Zeitgenosse
des Aristoteles.
-Mynniskos-: c. 26, 2. Darsteller von Heldenrollen (Protagonist) in den
späteren Tragödien des Aischylos.
-Myser-: S. Aischylos.
-Mysien-: c. 24, 9. Provinz im Nordwesten Kleinasiens.
-Neoptolemos-: c. 23, 4. Sohn des Achilles. S. Ilias, Die Kleine und
Sophokles.
-Nikochares-: c 2, 3. Verfasser eines, wie es scheint, burlesken Epos,
der Deliade, nur hier erwähnt. Vielleicht identisch mit dem
Komödiendichter, dessen "Lakoner" zusammen mit dem "Plutos" des
Aristophanes aufgeführt wurden.
-Niobe-: S. Aischylos.
-Odyssee-: S. Homer.
-Odysseus-, der Verwundete: S. Karkinos und Sophokles.
/*
--, der Trugbote: c. 16, 4. Verfasser unbekannt. Vielleicht ein Satyrdrama.
--, in der Skylla: S. Timotheos.
*/
-Oidipus-: S. Sophokles.
-Orestes-: c. 13, 4. Die Sage des O.
/*
--: S. Aischylos Agamemnon, Choephoren.
--: S. Sophokles Elektra
--: S. Euripides Elektra, Iphigeneia, Orestes.
--: S. Polyidos Iphigeneia.
*/
-Pauson-: c. 2. 2. Attischer Karikaturenmaler aus der zweiten Hälfte des
5. Jahrh. Schon von Aristophanes verspottet und noch Aristoteles warnt
die Jugend vor seinen Bildern. Seine Malerei scheint sich demnach lange
in der Gunst des Publikums erhalten zu haben.
-Peleus-: S. Sophokles.
-Peloponnesier-: c 3, 4. Die Ansprüche, auf die Erfindung der Tragödie
gingen, wie es scheint, von den Sikyoniern aus und Spätere nennen einen
gewissen Epigenes als den Begründer. Auch Pratinas, der angebliche
Erfinder des Satyrspiels, stammte aus Phlius, einer peloponnesischen
Stadt.
-Philoktetes-: S. Aischylos. (S. 78)
-Philoxenos- (435--380): c. 2, 3. Berühmter Dithyrambiker, geboren in
Kythera, lebte dann am Hofe des älteren Dionysios in Syrakus. Er starb
in Ephesos. Unter seinen 24 Dithyramben war der berühmteste der "Kyklop"
(Werbung um Galateia), wohl die Vorlage von Theokrit, Idyll XI. Er soll
unter der Maske des Kyklopen den Dionysios verspottet haben, der ihn zur
Strafe dafür in die Steinbrüche sandte. Es sind nur dürftige Überreste
erhalten. Hier scheint das Gedicht im Gegensatz zu dem gleichnamigen
Dithyrambos oder Nomos des Timotheos als Beispiel der Darstellung
schlechterer Charaktere angeführt zu werden.
-Phiniden- c. 16, 4. Der Verfasser dieses schaurigen Familiendramas ist
ebenso unbekannt wie alle Umstände, die zu der hier erwähnten Erkennung
führten. Auch wissen wir nicht, ob dadurch die Rettung oder Tötung der
Frauen erfolgte. Im übrigen sind wir über die verschiedenartig
ausgestaltete Sage gut unterrichtet. Es handelt sich um den König
Phineus, der, Verleumdungen seiner zweiten Gemahlin Gehör schenkend,
seine erste Gattin einkerkern und seine Söhne martern oder blenden ließ.
Sie wurden von den Argonauten befreit und Phineus seinerseits geblendet
oder getötet. Es gab eine Tragödie des Namens von dem römischen Dichter
Accius und einen Dithyrambos des Timotheos.
-Phorkiden-: S. Aischylos.
-Phthiotinnen-: S. Sophokles.
-Pindaros-: c. 26, 2. Ein nur hier genannter Schauspieler, dem
Zusammenhang nach Zeitgenosse des Kallipides (s.d.).
-Polyeidos- der Sophist: c. 16, 4. 17, 3. Der Name ist äußerst selten,
so daß der Zusatz vielleicht nicht nur der Unterscheidung dienen soll.
Er war vermutlich identisch mit dem Dithyrambendichter Musiker und
Maler. Seine taurische Iphigeneia war ein dramatisch angelegter
Dithyrambos wie die Skylla des Timotheos (s.d.) und zweifellos
nacheuripideisch.
-Polygnotos-: 2, 2. 6, 7. Einer der berühmtesten und ältesten
griechischen Maler, Sohn des Malers Aglaophon in Tarsos. Seine
bedeutendsten Werke malte er in Plataiai, Athen und Delphi (458--447).
Von den letzten besitzen wir eine ausführliche Beschreibung bei
Pausanias. Als Ethograph wird er noch an einer anderen Stelle des
Aristoteles bezeichnet (Politik 8, 5).
-Prometheus-: S. Aischylos.
-Protagoras- v. Abdera (c. 485--c. 416): c. 19, 2. Neben Gorgias der
bedeutendste der Sophisten. Er war der Gründer der griechischen
Grammatik, indem er sich als erster des grammatischen (S. 79)
Geschlechts und der verbalen Modi (Indikativ, Imperativ Optativ usw.)
wissenschaftlich bewußt wurde. Daß er dabei zuweilen etwas pedantisch zu
Werke ging, wie in dem hier erwähnten Falle, ist verzeihlich. Die
sensationelle Neuheit seiner Entdeckungen beweist der Spott in den
Wolken des Aristophanes.
-Pythische- Spiele: c. 24, 9. In derElektra des Sophokles schildert der
Paedagogus der Klytaimestra diese in Delphi stattfindenden Spiele, bei
denen ihr Sohn Orestes ums Leben gekommen sei. Solche gab es aber damals
(11. Jahrh.) noch nicht, wie schon ein alter Erklärer bemerkte.
Denselben Anachronismus hatte übrigens der Dichter bereits in seinem
Tleptolemos begangen.
-Salamis-: S. Karthager.
-Sinon-: S. Ilias, Die Kleine und Sophokles.
-Sisyphos-: c. 18, 5. Sohn des Aiolos. Galt als der Typ eines
überklugen, aber frevelhaften Menschen. Wegen eines an Zeus begangenen
Verrats wurde er zu der bekannten Strafe verurteilt, einen Felsen
bergaufwärts zu wälzen, der stets kurz vor dem Gipfel wieder
hinabrollte. Der vielgestaltige Sagenstoff wurde oft dramatisiert, so
von Aischylos, Sophokles, Euripides und Kritias. In welchem von diesen
Dramen er überlistet wurde, wissen wir nicht. In der uns bekannten
Überlieferung käme dafür nur Hygin, Fab. 60 über Tyro, die von ihm
verführte Gemahlin seines Bruders Salmoneus, in Betracht.
-Skylla-: S. Timotheos.
-Sophokles- (497/6--406/5): c. 3, 2. 4, 9. 18, 6. 25, 6. Für Aristoteles
der künstlerisch vollendetste Tragiker.
/*
-Antigone-: c. 14, 6. In der erwähnten Szene versucht Hainion, der
Bräutigam der Antigone, seinen Vater zu töten, der aber dem
Schwertstreich ausweicht. Vgl. Hamlet u. König Claudius am Altar.
-Elektra-: c. 24, 9. Orestes, Person im Drama: c. 13, 6. 14, 4.
-Eurypylos-: c. 23, 4. Sohn des Telephos von Neoptolemos getötet. S.
Ilias, die Kleine.
[-Lakonierinnen-]: c. 23, 4. In dem Drama bildeten die spartanischen
Dienerinnen der Helena den Chor. Es handelte sich um den Raub des
troischen Palladiums durch Odysseus, den Helena trotz seiner
Verkleidung als Bettler erkannte. S. Ilias, die Kleine.
-Odysseus-, der verwundete, c. 14, 5. So hieß ein Drama des
Chairemon (s.d.). Das inhaltlich gleiche des Sophokles wird aber
stets als -O. Akanthoplex- (der vom Rochenstachel getroffene)
zitiert. Telegonos ("Der Ferngeborene"), (S. 80) Sohn des Odysseus
und der Kirke kam auf der Suche nach seinem Vater nach Ithaka und
verwundete ihn tödlich. Die Erkennung erfolgte dadurch, daß
Telegonos in seiner Umgebung zufällig hörte, daß der Getötete
Odysseus sei.
-Oidipus-: c. 11, 1. 2. 15, 8. 16, 5. 24 ,9. 26, 6. Stets ohne
Zusatz bei Aristoteles, der darunter aber nur den Oidipus Tyrannos,
nie den Oidipus Coloneus, versteht. /* --: c. 13, 4. 14, 1. Die Sage
des Oidipus. --: 11, 1. 13, 3. 14, 5. Die Person im Drama. */
-Peleus-: c. 18, 2. Peleus, der greise Vater des Achilles, durch
seine Söhne aus erster Ehe vom Thron gestoßen sucht seinen Enkel
Neoptolemos auf und stirbt auf der Insel Kos. Dem Zusammenhang nach
war es ein Stück ohne viel Handlung und mehr auf mitleiderregende
Begebenheiten aufgebaut. Auch Euripides schrieb einen Peleus und
Aristoteles mag auch diesen hier im Auge gehabt haben.
-Phthiotinnen-: c. 18, 2. Eine, wie oft auch bei Sophokles, nach dem
Chor genannte Tragödie unbestimmbaren, wenn auch vielleicht
verwandten Inhalts mit dem vorigen. In keinem Fall kann aber der
Peleus genau denselben Stoff behandelt haben, gleichviel ob von
demselben Dichter oder nicht. Ihn auf zwei Tragödien einer nirgends
bezeugten Peleus-Trilogie des Aischylos zu verteilen ist reine
Willkür.
-Sinon-: c. 23, 4. S. Ilias, Die Kleine.
-Tereus-: c. 16, 2. Tereus vergewaltigte Philomela, die Schwester
seiner Gattin Prokne und schnitt ihr die Zunge ab, damit sie ihn
nicht anklagen könne. Sie wob aber geschickt in einen Teppich, was
ihr widerfahren--dies die "Stimme der Spindel"--und die Schwestern
rächten sich an dem Frevler durch die Ermordung seines Sohnes Itys.
Den Stoff behandelte auch Philokles, ein Großneffe des Aischylos,
und Sieger über den Oidipus Tyrannos des Sophokles.
-Thyestes-: c. 13, 4. Held in dem gleichbetitelten Drama. S.
Thyestes.
-Tyro-: c. 16, 1. Tyro hatte dem Poseidon heimlich Zwillinge geboren
und sie in einer Wanne ausgesetzt. Sie wurden jedoch gerettet, und
als sie zu Jünglingen herangewachsen waren, trafen sie mit ihrer
Mutter zusammen und wurden von ihr durch eben jene Wanne, die der
eine mit sich genommen hatte, erkannt. Darauf rächten sie ihre
Mutter für die grausame Behandlung, die ihr Vater Salmoneus und ihre
Stiefmutter Sidero ihr hatten zuteil werden lassen. Von den (S. 81)
zwei Tragödien dieses Titels war die eine wohl nur eine
Neubearbeitung. Denselben Sagenstoff hatten Astydamos d. Jüngere und
Karkinos dramatisiert, dessen Kenntnis wir Apollodor (1, 9, 8)
verdanken.
*/
-Sokratische Gespräche-: c. 1, 5. Aristoteles versteht darunter stets
nur die Platonischen Dialoge, in denen Sokrates als Hauptunterredner
auftritt, nicht aber die von anderen Sokrates-schülern, wie Aischines,
Antisthenes, Xenophon, Phaidon verfaßten Gespräche.
-Sophron- (c. 450): c. 1, 5. Der Begründer einer neuen Literaturgattung
des Mimus, dramatische Szenen aus dem gewöhnlichen Leben darstellend und
in einer Art rhythmischer Prosa verfaßt. Er war ein
Lieblingsschriftsteller Platons, der seine Werke nach Athen gebracht
haben soll. Die erhaltenen Bruchstücke geben uns kein klares Bild seiner
Eigenart, wohl aber die Nachahmungen des Theokrit (15. Idyll) und die
poetischen Minien des Herondas (c. 250 v. Chr.), die 1891 entdeckt
wurden.
-Sosistratos-: c. 26, 3. Ein nur hier genannter Rhapsode, wohl älterer
Zeitgenosse des Aristoteles.
-Sthenelos-: c. 22, 1. Ein von Aristophanes seines frostigen Stils wegen
verspotteten Tragiker (c. 420). Der komische Dichter Platon beschuldigte
ihn des Plagiats.
-Tegea-: c. 24, 1. Stadt in Arkadien, Heimat des Telephos.
-Telegonos-: S. Sophokles, Odysseus Akanthoplex.
-Telemachos-: c. 25, 16. Sohn des Odysseus und der Penelope. Seine Reise
nach Sparta, um Erkundigungen über seinen Vater einzuziehen, erzählt die
sogenannte Telemachie, in der Odyssee B. 3--4, 619.
-Telephos-: c. 13, 4. Berühmte Sagenfigur, deren mannigfache Schicksale
sehr oft dramatisiert wurden, so von Aischylos (s.d.), Sophokles,
Euripides, Agathon, Nikomachos, Kleophon, Iophon, Moschion.
-Theodektes-: 16, 4. 18, 1. Genialer Schüler des Isokrates und Platon,
Freund des Aristoteles, Rhetor und hochgeschätzter Tragiker, verfaßte 50
Dramen und war siebenmal Sieger.
/*
-Lynkeus-: c. 11, 1. 18, 1. Held der Danaidensage. Hypermnestra war
die einzige der 50 Töchter des Danaos, die ihren Gatten Lynkeus
gegen den Befehl ihres Vaters rettete. Nach der Geburt ihres Sohnes
Abas versuchte Danaos Lynkeus zu töten. Im Verlaufe der Handlung
ereilte ihn aber in einer für uns nicht mehr genau zu erkennenden
Weise das Schicksal, das er (S. 82) jenem zugedacht.
Tydeus: c. 16, 4. Nicht mit dem bekannten Kämpfer unter den "Sieben
gegen Theben" identisch. Die hier angedeutete Sage ist uns völlig
unbekannt.
*/
-Theodoros-: c. 20, 5. Nur als Beispiel genannt.
-Theseis-: c. 8, 2. Theseusepen verfaßten Zopyros, wohl mit dem Orphiker
unter Peisistratos (6. Jahrh.) identisch, Diphilos (5. Jahrh.) und ein
Anonymus aus unbestimmter Zeit.
-Thyestes-: c. 13, 4. Eine der am häufigsten dramatisierten
Heldengestalten der an tragischen Ereignissen reichen Pelopidensage.
So von Sophokles (in zwei Dramen), Euripides, Agathon, Apollodoros,
Karkinos (s.d.), Chairemon, Kleophon und den römischen Tragikern,
Ennius, Varius, Seneca (erhalten), Curiatius Maternus.
-Timotheos- v. Milet (✝357): c. 2, 3. Berühmter Komponist, Dithyramben
und Nomendichter. Ein beträchtlicher Teil seines Nomos "Die Perser"
wurde 1902 aufgefunden.
/*
-Kyklop-: c. 2, 3. S. Philoxenos
-Skylla-: c. 15, 5. 26, 1. Ein Dithyrambus, der das in der Odyssee
geschilderte Abenteuer behandelt. Der Klagegesang des in Gefahr
schwebenden Odysseus wird als unmännlich und dem Charakter des
Helden nicht entsprechend gerügt. Der Flötenspieler zerrt den
Chorführer am Gewände, um das Bemühen der Jungfrau zu
veranschaulichen den Helden zu gewinnen.
*/
-Xenarchos-: c. 1, 5. Sohn des Sophron (s.d.). Nur hier als Verfasser
von Mimen erwähnt.
-Xenophanes- v. Kolophon (c. 570--479): c. 25, 7. Dichter und Begründer
der eleatischen Philosophenschule. Gegner des Polytheismus.
-Zeuxis- aus Herakleia (Unteritalien), blühte um 425: c. 6, 7. 25, 18.
Einer der größten Maler des Altertums. Nach Aristoteles idealisiert
sowohl Polygnot wie Zeuxis. Ersterer gab jedoch seinen Gestalten mehr
Charakter, weil er mehr das Individuelle Zeuxis das Typische zum
Ausdruck brachte.
* * * * *
SACHVERZEICHNIS (S. 83)
-Agon-: c. 6, 16. 7, 3. 13, 4. Der jährlich zweimal in Athen
stattfindende dramatische Wettkampf an den städtischen Dionysien und
Lenaeen. Die Aufführung begann am frühen Morgen und dauerte mehrere
Tage. Jeder der Mitbewerber trat mit einer Tetralogie (drei Tragödien
und einem Satyrdrama) auf.--In den musikalischen Agonen wurden
hauptsächlich Dithyramben und Nomen gegeben, auf die c. 26, 3 angespielt
wird.--Auch der Redekampf der Parteien im Gerichtssaal hieß Agon. Darauf
bezieht sich die Bemerkung über die Wasseruhr (c. 7, 3).
-Amphibolie- (Doppelsinn): c. 25, 14.
-Anagnorisis- (Erkennung): c. 11, 2 definiert.
-Anapaest- und -Trochaeus-, ohne: c. 12, 2. Weil jener ein
Marschrhythmus, dieser ein Tanzversmaß, eigneten sie sich nicht für das
stehend gesungene Chorlied (Stasimon).
-Artikel-: c. 20, 4. Bei Aristoteles noch nicht in unserem Sinne
gebraucht. So aber schon bei den stoischen Grammatikern. Dies ein
schwerwiegender Beweis gegen die Annahme der Unechtheit unseres
Kapitels.
-Auletik-: c. 1, 2. Da der von der Flöte begleitete Dithyrambus
unmittelbar vorher genannt wurde, so ist hier darunter die reine
Instrumentalmusik zu verstehen.
-Beiwort-, schmückendes (Kosmos): c. 21, 5. Definition und Beispiel sind
ausgefallen, daher die Deutung nicht ganz sicher. Es ist aber wohl das
epitheton ornans gemeint, das im Epos allerdings weit gebräuchlicher als
im Drama ist.
-Beugung- (Flexion): c. 20, 7.
-Bindewort-: c. 20, 3.
-Buchstabe-: c. 20, 1.
-Demokratie- in Megara: c. 3, 4. Um 590 v. Chr.
-Dithyrambische- Dichtung: c. 1, 2. Hier und mit -einer- Ausnahme auch
sonst nicht das uralte, noch strophisch gegliederte und inhaltlich
beschränkte dionysische Chorlied, aus dem nach c. 4, 8 die Tragödie
hervorgegangen sein soll, sondern der halb dramatische Dithyrambus, wie
ihn Aristoteles allein noch kannte. Die Flötenspieler scheinen dabei
auch schauspielerisch tätig gewesen zu sein (c. 26, 1).
-Episode-: Mit Ausnahme von c. 12, 2. [18, 6], wo das Wort etwa mit
"Akt" gleichbedeutend ist, stets in der auch uns allein gebräuchlichen
Bedeutung von einer Zutat, die mit der Handlung (S. 84) oder Erzählung
in nur losem oder auch gar keinem Zusammenhang steht.
-Flexion-: S. Beugung.
-Furcht-: Definiert c. 13, 2.
-Geschlecht-: S. Grammatik und Protagoras.
-Glosse- (Fremdwort, Provinzialismus, Dialektwort): c. 21, 3.
-Grammatik- (Redeteile, Geschlecht, Kasus, u.ä.): c. 20. 21. Trotz
mancher grundlegenden Vorarbeiten (S. Protagoras) befand sich die
Grammatik noch zur Zeit des Aristoteles in den Kinderschuhen Ihr
wissenschaftlicher Ausbau und die Terminologie werden erst den Stoikern
und alexandrinischen Philologen verdankt Der damals festgesetzten
Termini bedienen auch wir uns, durch die Vermittlung des Lateinischen,
bis auf den heutigen Tag, selbst unter Beibehaltung eines
Übersetzungsfehlers (Accusativ statt Causativ).
Wenn man es oft befremdlich gefunden hat, daß derartige scheinbar
elementare Dinge in einer Poetik ausführlich behandelt werden, so sei
dazu bemerkt, daß Aristoteles selbst einmal sie ausdrücklich als ihr
zugehörig bezeichnet hat.
-Halbvokal- (Liquida): c. 20, 1.
-Jambos-: c. 4, 5. 9. Aristoteles sagt an ersterer Stelle, daß der
Jambos sich besonders passend für das Spottgedicht erwiesen habe. An der
zweiten, daß ebenso naturgemäß der jambische Trimeter sich schließlich
als das für den dramatischen Dialog geeignetste Versmaß herausstellte.
Darin liegt aber kein Widerspruch, denn hier wie dort galt es, soweit
wie irgend möglich, sich der Umgangssprache anzupassen und über den
Gesprächston nicht hinauszugehen.
-Katharsis-: "Reinigung": c. 6, 2. Die seit Lessing und besonders seit
Bernays (s. Einleitung S. XV) umstrittenste Stelle der ganzen Poetik.
Selbst über den Ort, wo die von Aristoteles versprochene genauere
Erklärung des Ausdrucks gestanden habe, ist noch keine Einigung erzielt
worden. Ohne auf die berühmte Kontroverse hier irgendwie näher
einzugehen, sei nur so viel im allgemeinen bemerkt, daß an zwei
Tatsachen nicht gerüttelt werden sollte: 1. Der Ausdruck ist eine
medizinische Metapher. 2. Er bezeichnet die -Wirkung-, nicht den -Zweck-
der Tragödie denn als diesen nennt Aristoteles wiederholt und
unzweideutig (c. 4, 2. 13, 6. 14, 2. 23, 1. 26, 8.) eine ihr
eigentümliche -Lustempfindung-. Damit erledigt sich auch die Frage von
selbst, ob dieses Endziel, von dem hier garnicht (S. 85) die Rede ist,
ein -ethisch-moralisches- oder ein -aesthetisch-psychologisches- ist
oder seinsoll. Was dagegen die kathartische -Wirkung- anbelangt, so
dürfte Aristoteles beide Möglichkeiten anerkannt haben, im Gegensatz zu
Platon, der bekanntlich die erstere zwar forderte, aber der bisherigen
Tragödie wie dem Epos absprach und eine aesthetische überhaupt nicht
berücksichtigte.
-Kitharistik-: c. 1, 2. Die Guitarre (Lyra) war das übliche
Begleitinstrument des Nomos, der hier neben dem aulodischen Dithyrambus
wohl nur zufällig nicht mit aufgezählt wird (S. c. 1, 2). Dennoch wird
man wohl richtiger auch hier, wie bei der Auletik (s.d.) die reine
Instrumentalmusik verstehen müssen
-Klepsydra-: S. Wasseruhr.
-Kosmos-: S. Beiwort, schmückendes.
-Maschine-: c. 15, 7. Gewöhnlich bezieht sich der Ausdruck auf den
bekannten deus ex machina, dessen Erscheinen durch die Theatermaschine
auf der erhöhten, sogenannten Götterplattform (Theologeion)
bewerkstelligt wird. Hier handelt es sich ausnahmsweise in dem einen
Falle um den Drachenwagen der fliehenden Medea. In dem anderen der Ilias
entnommenen Beispiel (s. Homer, Ilias) ist die Bezeichnung rein bildlich
von jeder Göttererscheinung, die plötzlich wie hier Athene in die
Handlung eingreift, gebraucht.
-Metapher-: c. 21, 4 definiert. 22, 2. 7.
-Mimesis- (nachahmende Darstellung): c. 1, 2 u.ö. Das Wort "Nachahmung"
erschöpft den Begriff dieses Kunstausdrucks nicht, denn er bezeichnet
bei Aristoteles nicht lediglich die Nachbildung von Gegenständen in der
Außenwelt, sondern vornehmlich die von Handlungen und handelnden
Menschen, ist also eine geistige Versinnbildlichung menschlichen Tuns
und Treibens. Es ist daher nicht richtig, wie man behauptet, daß die
künstlerisch schaffende Phantasie in der "Dichtkunst" des Aristoteles
unberücksichtigt geblieben ist. Auch die -lyrische- Poesie hat
Aristoteles, schon laut Vorwort, von seiner Betrachtung nicht
ausgeschaltet, aber sie kommt für ihn nur soweit in Betracht, als sie
einen Mythos, eine Fabel oder eine Handlung enthält. Deren Erörterung
ist uns aber, wie die über die Komödie, verloren gegangen.
-Mitleid-: c. 13, 2 definiert.
-Nachahmende Darstellung-: S. Mimesis.
-Nichtlauter- (Muta): c. 20, 1. (S. 86)
-Nomos-: c. 2, 3. Ursprünglich ein Chorlied im Apollokult. Seine
mannigfache und interessante Entwicklungsgeschichte fand durch Timotheos
(s.d.) ihren Abschluß, dessen erst in allerneuester Zeit wieder
entdeckte "Perser" uns jetzt eine klare Vorstellung von dieser
Dichtgattung, wenigstens für die Zeit des Aristoteles, geben. Es fehlt
uns aber noch ein vollständiges Beispiel des zeitgenössischen
Dithyrambus, um die Unterschiede zwischen beiden deutlicher zu erkennen.
In der uns vorliegenden Poetik spielt der Nomos eine sehr untergeordnete
Rolle, wohl weil er einen weniger dramatischen Charakter trug als der
Dithyrambus.
-Probleme-: c. 25, 1--22 Die literarische, wie die Textkritik der
Griechen entwickelte sich, und zwar schon ziemlich frühzeitig, an den
homerischen Gedichten. Von Aristoteles selbst gab es eine Schrift
"Homerische Fragen," die viel benutzt worden ist. In der Folgezeit,
namentlich unter den Alexandrinern, ist die Suche nach Widersprüchen,
sachlichen und textkritischen Schwierigkeiten in den homerischen Epen
und dementsprechend die Auffindung von "Lösungen" fast sportmäßig
betrieben worden. Der darauf verwandte Spürsinn wie die feine
Beobachtungsgabe ist bewunderungswürdig und sie haben begreiflicherweise
oft zu wertvollen Ergebnissen geführt. Andrerseits haben aber auch der
Ehrgeiz durch Scharfsinn zu glänzen und ein Mangel an Verständnis für
homerische Naivität zu sophistischen spitzfindigen und uns oft töricht
oder komisch anmutenden Erklärungen Anlaß gegeben. In einer Anzahl von
Fällen scheint man sogar das "Problem" nur irgend einer gelehrten oder
geistreichen Lösung zu Liebe glatt erfunden zu haben. Für all dies gibt
unser beispielreiches Kapitel Belege. Einige der hier erwähnten
"Probleme und Lösungen" finden sich bei späteren Erklärern des Homer
wieder, andere hat Aristoteles früheren Quellen entnommen. Wie viele
aber sein geistiges Eigentum sind, läßt sich nicht mehr feststellen, da
man ihm nicht ohne weiteres nur die annehmbaren Lösungen zuschreiben
darf.
8. "-Aber die Lanzen- usw." Man meinte, daß bei der geschilderten
Aufstellung der Lanzen diese leicht umfallen, andere mit sich ziehen und
so die Nachtruhe des Lagers stören könnten. Die vorgeschlagene Erklärung
entlastet den Dichter, löst aber die angebliche Schwierigkeit nicht.
10. "-Die Mäuler zuerst-." Man stieß sich daran, daß bei der von Apollo
gesandten Seuche die "Mäuler" -vor- den schuldigen Menschen
dahingerafft wurden. Die gegebene Lösung (S. 87) ist hinfällig, denn,
selbst wenn das Wort "Wächter" bedeuten könnte--es kommt nur noch einmal
in einem Verse der Ilias vor,--so trifft sie doch auf das folgende "-und
die hurtigen Hunde-," das demselben Bedenken unterworfen ist, nicht zu.
10. "-Der von Gestalt zwar häßlich-." Das "Problem" ist gar nicht
vorhanden und ist wohl nur erfunden, um die bei den Haaren
herbeigezogene, gelehrte Notiz an den Mann zu bringen. Denn gerade die
merkwürdige Verbindung eines unebenmäßigen Körpers mit Schnelligkeit der
Füße wollte der Dichter hervorheben, wie die Partikeln "men--alla"
(zwar--jedoch) beweisen. Die hier vorgeschlagene Lösung ergibt überdies
gar keinen verständlichen Gegensatz (Häßlich zwar von Angesicht, jedoch
schnellfüßig).
10. "-Mische reineren Wein-:" Den Anstoß, den man daran nahm, gibt
Aristoteles im Text an. Die Lösung beruht auf der ganz willkürlichen
Annahme, daß zōrós im Griechischen auch die Bedeutung "schnell" hat. Das
angeblich ethisch "Unpassende" (aprepés) gab auch später sehr häufig
Anlaß zu gewaltsamen Textänderungen und Deutungen.
11. "-Alle-" im Sinne von "Viele." Aristoteles muß in seinem Homertexte
"alle," nicht "andere," was sämtliche Hss, auch des Homer, bieten,
gelesen haben, denn sonst wäre die gegebene Lösung gegenstandslos. Unter
dieser Voraussetzung ist sie aber annehmbar, wird doch gerade das Wort
"alle" auch in anderen Sprachen besonders häufig hyperbolisch gebraucht.
11. "-Allein nicht teilnimmt-." Die astronomische Unrichtigkeit daß das
Bärengestirn -allein- unter den am Pol befindlichen Sternbildern nicht
untergehe, hat die Kritiker viel beschäftigt. Die hier gegebene Lösung
findet sich aber sonst nicht. Sie beruht auf der Anschauung der
Allwissenheit des Homer, die später namentlich von den Stoikern zum
Prinzip erhoben wurde. Aristoteles hätte hier ruhig dieselbe
Entschuldigung gelten lassen können, die er für Pindar, der der Hindin
Hörner gab (c. 25, 5), anführt.
12."-Wir gewähren ihm-:" Dieses und das folgende Problem wie seine
Lösung--das erstere wird von Aristoteles noch einmal in einer linderen
Schrift ausführlich besprochen, aber ohne Hippias von Thasos zu
nennen--haben die Tatsache zur Voraussetzung daß Akzente und Handweichen
erst etwa um die Wende des 3. Jahrh. v. Chr. gesetzt wurden. Je nachdem
der Akzent bei dem Wort -didomen- auf die erste oder zweite (S. 88)
Silbe fällt, kann es "wir gewähren" oder "gewähre!" bedeuten. Hippias
nahm das erstere an, nach dem Grundsatz des "Unpassenden" (s.o.), um so
die Schuld dem Agamemnon ein trügerisches Versprechen gegeben zu haben
von dem höchsten Gott auf den jenem gesandten Traumgott abzuwälzen. Die
spitzfindige Lösung befriedigte scheinbar selbst die alten Kritiker
nicht und so griffen sie zu dem Gewaltmittel den anstößigen Halbvers,
der jetzt an einer weit späteren Stelle steht, durch einen anderen zu
ersetzen, und dieser ist uns daselbst ohne Variante allein überliefert.
Hippias und Aristoteles können ihn aber noch nicht gekannt haben.
12. "-Das zum Teil-": Je nachdem das starke Hauchzeichen gesetzt wird
oder nicht, bedeutet -ou- entweder "dessen" (hu) oder "nicht" (u). Dem
Sinne nach ist nur das letztere überhaupt möglich und so schreiben alle
unsere Homer hss und die alten Erklärer ignorieren das gar nicht
vorhandene Problem völlig. Hippias scheint es nur der Lösung halber
aufgeworfen zu haben.
13. "-gemischt was lauter zuvor-." Der fast völlige Mangel jeglicher
Interpunktionszeichen in der in großen Buchstaben abgefaßten Schrift war
zumal bei der freien Wortstellung im Griechischen eine beständige Quelle
von Mißverständnissen. Aristoteles sagt selbst einmal, daß es schwierig
sei, die Sätze des Herakleitos sinngemäß zu interpungieren. In unserem
Falle kann man im Griechischen das -zuvor- ebenso gut mit -gemischt- als
mit -lauter- verbinden. Aus der vollständigeren, anderweitig
überlieferten Stelle ergibt sich aber, daß nur das erstere dem
Zusammenhang entspricht.
14. "-der größere Teil-". Man glaubte einen argen Widerspruch in der
angeblichen Behauptung zu finden, daß wenn zwei Drittel der Nacht
verstrichen seien, der größere Teil noch übrig bleiben könne. Ein alter
Erklärer nennt dies ein "überaus abgedroschenes Problem", das viele zu
lösen versuchten, darunter auch Aristoteles (nämlich in den "Homerischen
Fragen"). Das Problem existiert aber gar nicht, wenn man sich die a.a.O.
zitierte Stelle genau ansieht, womit sich auch dessen Lösungen
erübrigen.
15. Die drei auf Grund des Sprachgebrauchs entschuldigten
Ungenauigkeiten beruhen auf einer -Metonymie-, wie der technische
Ausdruck lautet. Wie Ganymed als "Weinschenk" der Götter bezeichnet
wird, obwohl diese keinen Wein, sondern Nektar trinken, so wird in noch
auffälligerer Weise Hebe geradezu -Weinschenkin- (S. 89) -des Nektar-
(Ilias 4, 3) genannt, was für unsere Stelle ein noch besseres Beispiel
abgegeben hätte. Vergleichen kann man auch Tac. Germ. 22, wo von den
biertrunkenen Germanen -vinolenti- gebraucht wird.
Daß die Beinschiene nicht nur aus dem weichen Zinn, sondern aus einer
Metallmischung verfertigt wurde, schloß Aristoteles vermutlich daraus,
daß in der betreuenden Iliasstelle die Beinschiene des Achilles vom
Wurfspieß Agenors getroffen nur mächtig erdröhnte ohne durchbohrt zu
werden.--Kupferschmied das ältere Wort, wurde noch beibehalten, als man
schon längst das Eisen bearbeitete.
Vergleichen kann man die Bezeichnung des Centumviralgerichts in Rom, die
bestehen blieb, als die Mitglieder weit über 100 zählten. Ähnlich
verhielt es sich mit den germanischen "Hundertschaften".
16. "-hielt die eherne Lanze an-": Ein vielbehandeltes "Problem". Der
berühmte alexandrinische Homerkritiker Aristarchos verwarf die ganze
Stelle und war der Meinung, die Verse seien von jemandem nur um ein
Problem zu schaffen interpoliert worden. Es handelt sich um die fünf
Metallschichten des Achilles-Schildes, von denen die Lanze des Aineas
zwei durchbohrt hatte und dann stecken blieb. Strittig war nun, ob die
Goldlage in der Mitte oder, was das natürlichste war, an der Außenseite
sich befand. Im ersteren Fall war die Stoßkraft des Speeres stärker
gehemmt. Vermutlich stammt die in unserem Homertext allein überlieferte
Lesart "eschen" statt "ehern" von einem Kritiker, der die weichere
Goldschicht an die Außenseite setzte, womit die Schwierigkeit in der Tat
so ziemlich beseitigt wurde.
-Prolog-: c. 5, 2. Dieser Prolog der primitiven Komödie ist in der uns
allein bekannten aristophanischen nicht vorhanden, aber in der späteren
mittleren und neuen, wie es scheint, wieder eingeführt worden. Wenn es
nun heißt, der Urheber sei unbekannt so setzt dies im Zusammenhang
voraus, daß das gleiche für den Tragödienprolog nicht gilt. Die Späteren
nennen ihn Thespis.--Als ein quantitativer Bestandteil der Tragödie wird
der Prolog c. 12, 1 definiert. Wieder ganz anderer Art war der
euripideische, auf den nur zweimal (Supplices, Bacchae) die Parodos des
Chors unmittelbar folgt.
-Qualen-, übermäßige: c. 11, 5. Falls nur körperliche gemeint sind, so
wäre allein der sophokleische, uns erhaltene Philoktet zu nennen. Sonst
kämen auch die Wahnsinnsausbrüche des (S. 90) Orestes im Orestes und in
der taurischen Iphigeneia wie der Hercules Furens von Euripides in
Betracht.
-Satz- (Wortgefüge): c. 20, 8.
-Schauspieler-, Zahl der: c. 4, 9. 5, 2. Sie betrug nie mehr als drei.
Schon zur Zeit des Aristoteles waren die Schauspieler zu großem Ansehen
und Einfluß gelangt und erhielten Preise in den dramatischen
Wettkämpfen. Je nach der Bedeutung ihrer Rollen wurden sie als
Protagonisten, Deuteragonisten und Tritagonisten bezeichnet. Bereits
Sophokles soll in der Bearbeitung seiner Dramen berühmten Darstellern
Rollen auf den Leib geschrieben haben.
-Silbe-: c. 20, 2.
-Stasimon-: c. 12, 1.
-Substantivum-: c. 20, 5.
-Szenerie-, gemalte: c. 4, 9. Spätere behaupteten, daß schon Agatharchos
von Samos für Aischylos die Bühnenmalern eingeführt habe.
-Tetrameter-: c. 4, 9. Stets der trochäische. Siehe u. Trochäus.
-Tötung auf der Bühne-: c. 11, 5. Uns ist nur ein Beispiel, der
Selbstmord des Aias, erhalten und ein alter Erklärer des sophokleischen
Dramas bezeichnet dies als eine Seltenheit. Doch muß wohl Aristoteles
zahlreichere Fälle vor Augen gehabt haben. Wenn Hor. Ars Poetica 185
vorschreibt, daß Medea ihre Kinder nicht vor den Augen des Publikums
töten darf, so mag auch er eine derartige Tragödie gekannt haben,
Senecas Medea scheidet als reines Lesedrama aus. Noch am nächsten kommt
für uns der Todesschrei des gemordeten Agamemnon (Aischylos) und der
Klytaimestra (Soph. Elektra).
-Trimeter-: c. 1, 5. Stets der jambische Trimeter.
-Trochaeus-: c. 12, 2. S. Anapaest.
-Tragödie-: c. 1. Wenn hier nicht Thepsis, der allen Späteren als der
"Erfinder" der attischen Tragödie galt, sondern Aischylos als ihr
Begründer erscheint, so beruht dies auf der richtigen Erwägung, daß in
Wahrheit erst mit der Hinzufügung des zweiten Schauspielers eine im
Dialog sich vollziehende Handlung ermöglicht wurde.
/
--, unglücklicher Ausgang der: c. 13, 4. Einschließlich der noch
erkennbaren Ausgänge verlorener Tragödien gestaltet sich das
Verhältnis der unglücklich verlaufenden zu den glücklich endenden
bei Euripides wie 46:16,[100] bei Sophokles wie 43:24, was (S. 91)
das berühmte Urteil über den ersteren kaum rechtfertigen würde. Ein
solcher Schluß ist jedoch nicht zwingend, wenn man bedenkt, daß dem
Aristoteles ein unendlich reichhaltigeres Beobachtungsmaterial zu
Gebote stand als uns. Es sei aber bemerkt, daß die im Texte
gegebene, auf der syrischen Übersetzung beruhende Fassung jene
Behauptung immerhin etwas abschwächt, denn die bisherige
Überlieferung lautete: "scheint Euripides der tragischste Dichter zu
sein".
/
-Verbum-: c. 20, 6.
-Verwundungen-: c. 11, 5. Falls es sich nicht auch hier, wie bei den
Tötungen (s.d.), nur um Vorgänge auf der Bühne handelte, wofür es kein
sicheres Beispiel gibt ("Der verwundete Odysseus?" s.d.), so wären hier
allenfalls das Erscheinen des blinden Polyphem im Kyklops des Euripides
und der selbstgeblendete Oidipus im Oid. Tyr. des Sophokles zu nennen.
Aristoteles dürfte aber auch hier wieder, wie der Plural zeigt,
zahlreichere Belege gekannt haben.
-Vokal-: S. Selbstlaut.
-Wasseruhr- (Klepsydra): c. 7, 3. In athenischen wie auch in römischen
Gerichtsverhandlungen war den Rednern eine bestimmte Zeitdauer
vorgeschrieben, die nach der Wasseruhr bemessen wurde. Zu demselben
Zwecke verwandte man noch im Jahre 1786 in Venedig, wie Goethe
berichtet, eine Sanduhr. Daß eine derartige Maßregel jemals bei einer
szenischen Aufführung im Gebrauch gewesen sein sollte, entbehrt jeder
inneren Wahrscheinlichkeit. Wenn man dies dennoch allgemein angenommen
hat, so geschah dies lediglich auf Grund einer falschen, jetzt in der
syrisch-arabischen Übersetzung aber richtig gestellten Lesart.
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