Binnen wenigen Secunden war das Tau durchschnitten, und die inzwischen merklich aufgefrischte Brise, die den "Albatros" in schiefer Richtung traf, führte diesen nach Nordosten über das Meer hinaus. XVI. Welches den Leser in einer vielleicht beklagenswerthen Ungewißheit läßt. Es war jetzt zwanzig Minuten nach Mitternacht. Noch fünf bis sechs Flintenschüsse krachten von dem Aeronef herunter. Phil Evans unterstützend, hatten sich Onkel Prudent und Frycollin unter den Schutz der Felsen geflüchtet, ohne von einer Kugel verletzt zu werden. Für den Augenblick hatten sie nichts mehr zu fürchten. Zunächst wurde der "Albatros", während er sich gleichzeitig von der Insel Chatam entfernte, zu einer Höhe von neunhundert Metern emporgetrieben. Er hatte seine Aufstiegsschnelligkeit vergrößern müssen, um nicht in's Meer zu fallen. In dem Augenblick, als der von seiner Emballage befreite Wachtposten den ersten Ausruf ausgestoßen hatte, waren Robur und Tom Turner auf ihn zugeeilt und hatten ihn vollends von der den Kopf umschließenden Leinwandhülle befreit und seine Fesseln gelöst. Darauf stürzte der Obersteuermann gleich nach der Cabine des Onkel Prudent und Phil Evans, fand diese aber leer. François Tapage hatte inzwischen die Cabine Frycollin's durchsucht; auch in dieser war Niemand mehr. Als Robur die Ueberzeugung gewann, daß seine Gefangenen ihm entronnen waren, ergriff ihn der heftigste Zorn. Mit dem Entweichen des Onkel Prudent und Phil Evans' war sein Geheimniß und seine Persönlichkeit aller Welt offenbart. Wegen jenes bei der Fahrt über Europa herabgeworfenen Schriftstückes hatte er sich deshalb weit weniger Sorge gemacht, weil er annehmen durfte, daß dasselbe beim Niederfallen überhaupt verloren gegangen sei ... Jetzt lag die Sache aber ganz anders. Dann suchte er sich wieder zu beruhigen. "Sie sind vorläufig zwar entflohen, sagte er sich; da sie von der Insel Chatam aber vor Ablauf einiger Tage nicht wegkommen können, so werde ich dahin zurückkehren. Ich werde sie suchen ... sie wieder einfangen ... und dann ..." In der That konnten sich die drei Flüchtlinge noch keineswegs als gerettet betrachten. Erlangte der "Albatros" erst seine Manövrirfähigkeit wieder, so erschien er sicherlich wieder bei der Insel Chatam, von der Jene schwerlich zeitig genug zu entkommen vermochten. Schon vor Verlauf von zwölf Stunden konnten sie ungünstigen Falles dem Ingenieur wieder in die Hände gerathen sein. Vor Verlauf von zwölf Stunden? Aber binnen zwei Stunden sollte der "Albatros" ja vernichtet sein! Glich jene Dynamitpatrone nicht einem an seiner Wand befestigten Torpedo, der das Zerstörungswerk mitten in der Luft vollführen sollte? Inzwischen wurde der Aeronef von der noch mehr sich versteifenden Brise weiter nach Nordost hin getrieben und mußte mit Sonnenaufgang die Insel Chatam unbedingt aus dem Gesichte verloren haben. Um gegen den Wind aufkommen zu können, hätten seine Triebschrauben, mindestens die eine am Vordertheil, zu functioniren im Stande sein müssen. "Tom, rief der Ingenieur, laßt die Signallaternen so hell als möglich leuchten. -- Sogleich, Master Robur. -- Und dann Alle an die Arbeit! -- Alle!" wiederholte der Obersteuermann. Jetzt konnte nicht mehr davon die Rede sein, die Vollendung der nöthigen Reparaturen bis zum anderen Morgen aufzuschieben. Auf dem "Albatros" gab es keinen Mann, der nicht den Eifer seines Chefs getheilt, keinen einzigen, der nicht das Verlangen gehabt hätte, die Flüchtlinge wieder zu ergreifen. Sobald die vordere Triebschraube richtig eingesetzt war, wollte man nach Chatam umkehren, sich daselbst vor Anker legen und die Spur der Entflohenen verfolgen. Erst nachher sollte die Ausbesserung der hinteren Schraube vorgenommen werden, damit der Aeronef dann mit aller Sicherheit seine Reise über den Stillen Ocean und nach der Insel X ausführen könne. Jedenfalls erschien es von Bedeutung, daß der "Albatros" nicht allzu weit nach Nordost verschlagen würde. Leider wurde der Wind aber immer stärker und er konnte gegen denselben jetzt nicht aufkommen, ja, sich nicht einmal an ein und derselben Stelle erhalten. Seiner Triebschrauben beraubt, war er eben zum unlenkbaren Aerostaten geworden. Die noch an der Küste weilenden Flüchtlinge konnten sich noch überzeugen, daß er vollständig außer Sicht gekommen war, ehe die vorbereitete Explosion ihn in Stücke riß. Der jetzige Zustand der Dinge flößte Robur doch einige Beunruhigung ein, da er nur mit ziemlich bedeutender Verzögerung nach der Insel Chatam zurückzukehren hoffen durfte. Er entschloß sich deshalb, während alle Hände mit der so nothwendigen Ausbesserung beschäftigt waren, sich tiefer niederzulassen, in der Erwartung, damit eine schwächere Luftströmung anzutreffen. Vielleicht konnte sich der "Albatros" in diesen Schichten wenigstens an der Stelle erhalten, bis er wieder eigene Kraft genug zu äußern vermochte, um gegen die Brise mit Erfolg anzukämpfen. Dieses Manöver wurde auch sogleich ausgeführt. Wenn jetzt ein Schiff in der Nähe gewesen wäre, wie würde dessen Mannschaft erschrocken sein beim Anblick der Evolutionen dieses gewaltigen Apparates? Als der "Albatros" nur noch wenige hundert Fuß über der Meeresfläche schwebte, wurde sein Niedergang aufgehalten. Leider mußte sich Robur überzeugen, daß der Wind in diesen niederen Zonen nur noch heftiger wehte und der Aeronef also mit noch größerer Schnelligkeit dahin getrieben wurde. Er lief hiermit natürlich Gefahr, sehr weit nach Nordost verschlagen zu werden, was die Rückkehr nach der Insel Chatam noch mehr verzögern mußte. Nach diesen vergeblichen Versuchen wurde daher wieder beschlossen, sich mehr in den oberen Lagen der Atmosphäre zu erhalten, wo das Luftmeer in besserem Gleichgewicht und deshalb weniger bewegt war. Der "Albatros" stieg also wieder zu einer mittleren Höhe von dreitausend Meter empor. Blieb er hier auch nicht stationär, so trieb er doch wenigstens nur langsam weiter. Der Ingenieur konnte also hoffen, daß er bei Tagesanbruch und von dieser Höhe aus die Insel, deren geographische Lage er übrigens mit vollkommener Sicherheit aufgenommen hatte, noch werde sehen können. Darum, ob die Flüchtlinge Seitens der Eingeborenen -- im Fall die Insel bewohnt war -- einen freundlichen Empfang gefunden hatten, oder nicht, machte Robur sich keine weitere Sorge. Ob ihnen die Inselbewohner hilfreich beistanden, war für ihn ziemlich belanglos. Durch die Angriffswaffen, über die der "Albatros" verfügte, würden sie sicherlich erschreckt und schnell zerstreut werden. Die Wiedererlangung der Gefangenen war also eine leichte Aufgabe, und einmal ergriffen ... "Nun, von der Insel X entflieht Niemand!" sagte Robur. Eine Stunde nach Mitternacht war die vordere Triebschraube wieder in Stand gesetzt. Es erübrigte nun bloß noch die Montirung derselben, d. h. die gehörige Anbringung derselben an der Welle, was eine weitere Stunde Arbeit erforderte. Nachher sollte der "Albatros", den Bug nach Südwest gerichtet, sogleich abfahren und die Reparatur der hinteren Triebschraube in Angriff genommen werden. Aber die Lunte, welche in der verlassenen Cabine glimmte, diese Lunte, von der schon der dritte Theil aufgezehrt war! ... Und jener Funken, der sich mehr und mehr der Dynamitpatrone näherte! ... Wäre die Mannschaft des Aeronefs nicht gar so dringlich beschäftigt gewesen, so hätte doch vielleicht Einer das schwache Knistern wahrgenommen, welches jetzt dann und wann in dem Ruff entstand; vielleicht hätte er auch den Geruch verbrannten Pulvers bemerkt. Das hätte ihn sicherlich so beunruhigt, daß er dem Ingenieur davon Mittheilung machte. Bei genauer Nachforschung konnte dann der Kasten, in dem der explodirende Körper verborgen war, nicht unentdeckt bleiben. Es wäre also noch Zeit gewesen, den wunderbaren "Albatros" und Alle, die er trug, zu retten. Die Leute arbeiteten aber auf dem Vorderdeck und wenigstens zwanzig Meter entfernt von dem Ruff der Entflohenen. Noch rief sie nichts nach diesem Theile des Decks, sowie nichts sie von einer Beschäftigung ablenken konnte, die ihre volle Aufmerksamkeit in Anspruch nahm. Robur legte als geschickter Mechaniker persönlich Hand mit an. Er betrieb die Arbeit, ohne doch irgendwie zu vernachlässigen, daß Alles mit größter Sorgfalt ausgeführt wurde, da es ihm ja darauf ankam, seines Apparates vollständig Herr zu werden. Gelang es ihm nicht, die Gefangenen bald wieder in seine Gewalt zu bringen, so fanden diese voraussichtlich Gelegenheit, in ihr Vaterland zurückzukehren. Dann wurden jedenfalls Nachforschungen angestellt und die Insel X konnte dabei möglicher Weise aufgefunden werden; damit aber wäre das Ende der Existenz gekommen, welche sich die Leute, die der "Albatros" trug, geschaffen hatten -- das Ende dieser übermenschlichen, so zu sagen hocherhabenen Lebensweise. Eben jetzt trat Tom Turner an den Ingenieur heran. Es war ein Viertel nach ein Uhr. "Master Robur, begann er, mir scheint, die Brise hat Neigung abzuflauen und mehr nach Westen umzuschlagen. -- Und was zeigt der Barometer? fragte Robur, nachdem er den Himmel flüchtig betrachtet. -- Er hält sich ziemlich genau auf demselben Punkte, antwortete der Obersteuermann. Außerdem kommt es mir vor, als ob die Wolkenlagen unter dem "Albatros" sich senkten. -- Ganz recht, Tom Turner, und in diesem Falle wäre es nicht unwahrscheinlich, daß über dem Meere jetzt Regen fiele. Bleiben wir jedoch über der Regenzone schweben, so kümmert uns das ja nicht, und wir werden an der Vollendung unserer Arbeiten dadurch nicht gestört werden. -- Wenn jetzt Regen fällt, meinte Tom Turner, so kann es nur ein ganz feiner sein -- die Form der Wolken läßt das wenigstens muthmaßen -- und höchst wahrscheinlich legt sich tiefer unten der Wind bald gänzlich. -- Ohne Zweifel, Tom, antwortete Robur. Immerhin scheint es mir zweckmäßiger, noch nicht hinunter zu gehen. Beeilen wir uns erst, alle erlittenen Beschädigungen auszubessern, dann können wir ja nach Belieben manövriren, und das ist die Hauptsache." Wenige Minuten nach zwei Uhr war der erste Theil der Arbeit vollendet. Nach Wiedereinsetzung der vorderen Triebschraube wurden die jene treibenden Batterien in Thätigkeit gesetzt. Nach und nach beschleunigte sich die Bewegung des "Albatros", und, den Bug nach Südwest gerichtet, kehrte er mit mittlerer Geschwindigkeit in der Richtung nach der Insel Chatam zurück. "Tom, sagte Robur, es mögen etwa zweieinhalb Stunden verflossen sein, seit wir nach Nordost hin getrieben wurden. Die Windrichtung hat sich, wie mir Compaßbeobachtungen lehrten, seitdem nicht geändert. Ich schätze also, daß wir binnen höchstens einer Stunde die Gestade der Insel wieder gefunden haben können. -- Ich glaub' es auch, Master Robur, antwortete der Obersteuermann, denn wir bewegen uns jetzt mit einer Schnelligkeit von zwölf Meter in der Secunde vorwärts. Zwischen drei und vier Uhr Morgens müßte der "Albatros" seinen Ausgangspunkt demnach wieder erreichen. -- Das wäre desto besser, Tom, erwiderte der Ingenieur. Wir haben ein Interesse daran, noch während der Nacht einzutreffen und ungesehen an's Land zu kommen. Die Flüchtlinge halten uns für weit nach Norden verschlagen und sind jetzt gewiß nicht auf ihrer Hut. Wenn der "Albatros" ganz nahe der Erde hingleitet, werden wir versuchen, uns hinter einigen hohen Felsen der Insel zu verbergen. Müßten wir dann selbst mehrere Tage bei Chatam verweilen ... -- So bleiben wir eben da, Master Robur, und hätten wir auch gegen eine ganze Armee von Eingeborenen zu kämpfen ... -- So kämpfen wir, Tom, kämpfen wir für unseren "Albatros"!" Der Ingenieur wandte sich zu seinen neue Anordnungen erwartenden Leuten zurück. "Liebe Freunde, sagte er, noch ist die Stunde der Ruhe nicht gekommen, wir müssen bis zum Anbruch des Tages thätig sein." Alle erklärten sich bereit. Jetzt galt es, an der hinteren Triebschraube dieselben Reparaturen vorzunehmen, welche an der vorderen schon ausgeführt waren. Es handelte sich dabei um die gleichen Beschädigungen, die auch die nämliche Ursache, jener Orkan bei der Fahrt über den antarktischen Continent, veranlaßt hatte. Um diese Schraube hereinzuholen, erschien es rathsam, die Fahrt des Aeronefs während einiger Minuten zu unterbrechen oder ihm selbst eine Rückwärtsbewegung zu ertheilen. Auf ein Zeichen Robur's legte der Hilfsmechaniker die Maschine um, indem er die vordere Schraube sich in entgegengesetztem Sinne drehen ließ, so daß der Aeronef -- um den seetechnischen Ausdruck zu gebrauchen -- "über Steuer zu gehen" anfing. Schon wollten sich Alle nach dem Hinterdeck begeben, als Tom Turner ein eigenthümlicher Geruch auffiel. Es waren die in dem Kasten jetzt angehäuften Gase der Lunte, welche aus der Cabine der Flüchtlinge hervordrangen. "Hm ...? machte der Obersteuermann. -- Was giebt es? fragte Robur. -- Riechen Sie nichts? Man könnte sagen, es müsse Pulver brennen. -- Ihr habt Recht, Tom! -- Und dieser Geruch dringt aus dem letzten Ruff. -- Ja ... sogar aus derselben Cabine ... -- Sollten die Elenden auch noch Feuer angelegt haben? -- Und wenn es nicht nur Feuer wäre? ... rief Robur. Stoßt die Thür ein, Tom, stoßt sie ein!" Der Obersteuermann ging aber kaum daran, diesem Befehle nachzukommen, als eine furchtbare Explosion den "Albatros" erschütterte. Die Ruffs flogen in Stücke. Die elektrischen Lampen verlöschten, da ihnen der Strom plötzlich fehlte, und es ward vollständig finster. Doch wenn auch gleichzeitig die meisten Auftriebsschrauben verbogen oder theilweise zertrümmert und dadurch wirkungslos geworden waren, so drehten sich wenigstens noch mehrere nahe dem Bug ungestört weiter. Pötzlich öffnete sich auch der Aeronef ein wenig hinter dem ersten Ruff, dessen Accumulatoren noch immer die vordere Triebschraube in Thätigkeit erhielten, und der hintere Theil des Decks senkte sich ebenso schnell nach abwärts. Fast gleichzeitig standen die hinteren Auftriebsschrauben still und der "Albatros" stürzte in die Tiefe hinab. Das bedeutete für die acht Männer, welche sich gleich Schiffbrüchigen an dieses Wrack klammerten, einen Sturz von dreitausend Metern. Derselbe mußte obendrein noch um so schneller erfolgen, als die vordere Triebschraube, deren Achse jetzt senkrecht stand, noch immer arbeitete. Da ließ sich Robur, der in dieser verzweifelten Lage eine ganz außerordentliche Kaltblütigkeit an den Tag legte, bis zu dem halb weggesprengten Ruff gleiten, ergriff den Steuerungshebel und veränderte sofort die Drehungsrichtung der Schraube, welche nun statt vorwärts nach aufwärts trieb. Der Absturz wurde dadurch zwar nicht aufgehalten, aber doch wenigstens verlangsamt; das Wrack fiel nicht mehr mit der zunehmenden Geschwindigkeit nieder, welche alle nur der Wirkung der Schwerkraft unterworfenen Körper zeigen. Und wenn auch allen lebenden Wesen auf dem "Albatros" noch immer der Tod drohte, weil sie rettungslos in's Meer stürzen mußten, so war es doch nicht mehr der Tod durch Erstickung inmitten der wegen rasender Schnelligkeit des Falles unathembar werdenden Luft. Vierundzwanzig Secunden nach der Explosion war, was vom "Albatros" noch übrig war, in den Fluthen versunken. XVI. Worin der Leser um zwei Monate rückwärts und auch um neun Monate vorwärtsgeführt wird. Einige Wochen früher, am 13. Juni, d. h. am Tage nach der denkwürdigen Sitzung, während der es im Weldon-Institut zu so stürmischen Verhandlungen gekommen war, herrschte unter allen Classen der Bewohner von Philadelphia, unter den Negern wie den Weißen, eine leichter zu constatirende, als zu beschreibende Aufregung. Schon in den ersten Morgenstunden unterhielt man sich überall von den unerwarteten, lärmenden Zwischenfällen der Sitzung des letzten Abends. Ein Eindringling, der Ingenieur zu sein angab, ein Ingenieur, der den an sich unwahrscheinlichen Namen Robur -- Robur der Sieger! -- führen wollte, eine Persönlichkeit von unbekannter Herkunft und namenloser Nationalität hatte sich unerwartet im Sitzungssaale vorgestellt, die Ballonisten mit gröblichen Reden beleidigt, Diejenigen, welche der Lenkbarkeit von Aerostaten huldigten, verspottet, und hatte dagegen die Vorzüge von specifisch schwereren Apparaten gepriesen, ein verächtliches Hohnlachen unter dem wildesten Getöse ausgeschlagen und zu Drohungen geradezu herausgefordert, um diese seinen Gegnern wieder als Antwort in's Gesicht zu schleudern. Endlich war er, nachdem er den Rednerstuhl unter dem Knattern von Revolvern geräumt, verschwunden, und trotz aller Nachforschungen hatte man keine weiteren Spuren von ihm entdeckt. Natürlich waren solche Vorfälle dazu angetan, alle Zungen zu wetzen und der Phantasie ein weites Feld zu eröffnen. Daran sollte es denn auch weder in Philadelphia, noch in den sechsunddreißig anderen Staaten der Union fehlen, ja eigentlich wurde sogar die Alte Welt dadurch nicht minder erregt, wie die Neue Welt. Wie mußte sich diese allgemeine Aufregung aber noch steigern, als es am Abend des 13. Juni stadtkundig wurde, daß weder der Vorsitzende, noch der Schriftführer des Weldon-Instituts bis dahin in ihre Wohnungen zurückgekehrt waren, und hierbei handelte es sich um zwei geachtete, gelehrte Männer von verhältnißmäßig hoher Stellung. Am Vorabend noch hatten sie den Sitzungssaal verlassen als Bürger, welche ruhig nach ihrem Heim zurückzukehren denken, als Hagestolze, deren Nachhausekunft kein mürrisch gerunzeltes Gesicht verbittert hätte. Sollten Sie vielleicht gar absichtlich verschwunden sein? Nein: mindestens hatten sie nichts geäußert, was zu diesem Glauben hätte verführen können; ja, es war sogar besprochen worden, daß sie schon am nächsten Tage wieder nach dem Bureau des Clubs kommen und die gewohnten Plätze des Vorsitzenden und Schriftführers bei einer außerordentlichen Sitzung einnehmen sollten. Welche man zur weiteren Besprechung der Vorfälle des letzten Abends bestimmt hatte. Doch nicht nur jene beiden weitbekannten Persönlichkeiten des Staates Pennsylvanien waren spurlos verschwunden, auch von dem Diener Frycollin kam keinerlei Nachricht, auch er war ebenso wenig zu finden, wie sein Herr. Wahrlich, seit Toussaint Louverture, Faustin Soulouque und Dessaline hatte noch kein Neger so viel von sich reden gemacht. Er stand im Begriff, einen hervorragenden Platz sowohl unter seinen dienenden Collegen in Philadelphia, wie unter allen jenen Originalen einzunehmen, welche irgend eine Exentricität in dem schönen Amerika schon in helleres Licht zu setzen hinreicht. Auch am folgenden Tage nichts Neues. Weder die beiden Collegen, noch Frycollin erschienen wieder. Ernste Beunruhigung. Beginnende Aufregung. Vor den »Post and Telegraph offices« starke Ansammlung von Neugierigen, um etwaige Nachricht noch ganz warm zu erhalten. Vergebliche Liebesmühe. Und doch hatten so Viele deutlich genug gesehen, wie Beide in lebhaftem Gespräch aus dem Weldon-Institut weggingen, den sie erwartenden Frycollin mitnahmen und nachher die Walnut-Straße hinabwanderten, um sich dem Fairmont-Park zuzuwenden. Jem Cip, der Vegetarianer, hatte dem Präsidenten noch die rechte Hand gedrückt und sich verabschiedet mit den Worten: "Auf morgen also!" Und William T. Forbes, der Fabrikant von Zucker aus Leinwand, rühmte sich eines vertraulichen Handschlags von Phil Evans, der ihm zweimal "Auf Wiedersehen!" zugerufen hatte. Miß Doll und Miß Mat Forbes, welche ein Band reinster Freundschaft an Onkel Prudent fesselte, konnten sich über sein Verschwinden gar nicht beruhigen und schwatzten, nur um von ihm immer etwas zu hören, eher noch mehr, als gewöhnlich. So verstrichen drei, vier, fünf, sechs Tage, eine Woche, eine zweite Woche ... Weder irgendwer, noch irgendwas leitete auf die Fährte der drei Verschwundenen. Und doch hatte man die sorgsamsten Nachsuchungen im ganzen Stadtviertel vorgenommen ... vergeblich; in allen nach dem Hafen zu führenden Straßen ... nutzlos; weiter im Park selbst, unter den Gruppen größerer Bäume und dichterer Gebüsche ... erfolglos! ... Ueberall nichts! Auf der großen Waldblöße erkannte man jedoch, daß da und dort das Gras ganz neuerdings niedergedrückt schien. Diese Wahrnehmung erregte ihrer Unerklärlichkeit wegen einigen Verdacht. Ebenso wurden am Saume des dieselbe umschließenden Waldes Spuren eines stattgefundenen Kampfes entdeckt. Hatte nun eine Bande von Landstreichern vielleicht die beiden Collegen zu vorgerückter Nachtzeit hier in dem menschenleeren Parke getroffen und überfallen? Das war ja möglich. Die Polizei nahm auch eine diesbezügliche regelrechte und mit gesetzlicher Langsamkeit betriebene Untersuchung in die Hand. Man führte Schleppnetze durch den Schuylkill hin, schlämmte seinen Grund und befreite die Ufer von dem Gewirr angehäuften Unkrautes. Wenn auch das vergeblich blieb, so war es doch nicht nutzlos, denn der Schuylkill bedurfte einer gründlichen Säuberung gerade recht nöthig. O, es sind praktische Leute, die Aedilen von Philadelphia! Später wandte man sich an die verbreitetsten Zeitungen. Anzeigen, Reclamationen, wenn nicht gar Reclamen, wurden an alle demokratischen und republikanischen Blätter der Union -- ohne Rücksicht auf deren Farbe -- versendet. Der »Daily Negro« das specielle Organ der schwarzen Rasse, brachte Frycollin's Bildniß nach dessen letzter Photographie. Man bot Belohnungen und versprach Preise Jedem, der von den drei Abwesenden Nachricht geben könnte, ja sogar allen Denen, die nur irgend welches Anzeichen entdeckten, das auf deren Fährte zu leiten versprach. "Fünftausend Dollars! Fünftausend Dollars jedem Bürger, der ..." Vergeblich; die fünftausend Dollars verblieben in der Casse des Weldon-Instituts. "Nicht aufzufinden! Nicht aufzufinden! Nicht aufzufinden!!! Onkel Prudent und Phil Evans aus Philadelphia!" Es versteht sich von selbst, daß der Club durch dieses unerklärliche Verschwinden seines Vorsitzenden und seines Schriftführers in heillose Unordnung gerieth und von vornherein sah derselbe sich durch diese Nothlage zu dem Beschlusse gezwungen, die früher so eifrig betriebenen und schon ziemlich fortgeschrittenen Arbeiten betreffs Construction des »Go a head« auf unbestimmte Zeit einzustellen. Wie hätten die anderen Mitglieder auch in Abwesenheit der beiden Begründer und Förderer dieses Unternehmens, dem dieselben -- an Zeit und Geld -- einen Theil ihres Vermögens geopfert hatten, sich entschließen können, ein Werk zu Ende zu führen, wenn Jene fehlten, um es gleichsam zu krönen? Sie mußten sich also in Geduld fassen. Gerade zu dieser Zeit ging auf's Neue die Rede von der wunderbaren, merkwürdigen Erscheinung, welche mehrere Wochen vorher alle Geister so lebhaft erregt hatte. In der That war jener geheimnißvolle Gegenstand wieder und wiederholt wiedergesehen worden, wie er durch die höheren Schichten der Atmosphäre schwebte. Freilich dachte kein Mensch an einen Zusammenhang dieser auffallenden Erscheinung mit dem nicht weniger unerklärlichen Verschwinden der beiden Mitglieder des Weldon-Instituts. Es hätte auch einer außergewöhnlichen Dosis von Einbildungskraft bedurft, diese beiden Thatsachen mit einander in Verbindung zu bringen. Auf jeden Fall war das Asteroid, die erkaltete Feuerkugel oder das Luftungeheuer, wie man die Erscheinung nennen wollte, nun unter Bedingungen gesehen worden, welche seine Größe und Gestalt besser abzuschätzen erlaubten. Zuerst in Canada über den Gebietstheilen, die sich von Ottawa bis Quebec erstrecken, und zwar schon am nächsten Tage nach dem Verschwinden der beiden Collegen; dann später über den Ebenen des Fernen Westens, als der "Albatros" sich an Schnelligkeit mit einem Zuge der großen Pacific-Bahn maß. Von diesem Tage ab herrschte unter der gelehrten Welt keine Ungewißheit mehr; dieser Körper war kein Erzeugniß der Natur, sondern ein Flieg-Apparat mit praktischer Anwendung der Theorie des "Schwerer, als die Luft". Und wenn der Schöpfer und Führer dieses Aeronefs auch für seine Person das bisherige Incognito noch aufrecht erhalten wollte, jedenfalls sah er davon, so weit es seine Maschine betraf, jetzt ab, weil er dieselbe so dicht über den Gebieten des Fernen Westens sehen ließ. Die von ihm gewählte mechanische Kraftquelle, wie die Natur der Maschinen, welche dem Apparate seine Bewegung ertheilten, blieb vorläufig freilich noch unbekannt. Mindestens war jedoch außer Zweifel gestellt, daß diesem Aeronef eine ganz außergewöhnliche Fortbewegungsfähigkeit innewohnte, denn nur wenige Tage später meldete man schon sein Erscheinen im Himmlischen Reiche, dann aus den nördlichen Theilen von Hindostan und kurz darauf wieder aus den Steppen Rußlands. Wer mochte nun jener kühne Mechaniker sein, der über so große bewegende Kräfte gebot, für den weder Länder, noch Meere eine Grenze hatten, der in der Erdatmosphäre wie in einem ihm allein zugehörigen Gebiete schaltete und waltete? Sollte man glauben, es könne das jener Robur sein, der dem Weldon-Institut seine Theorien so rücksichtslos in's Gesicht geschleudert hatte, als er an dem bewußten Abend erschien, um in die Utopien betreffs der lenkbaren Ballons eine klaffende Bresche zu legen? Vielleicht kam einigen weiter blickenden Köpfen dieser Gedanke. Und -- wunderbarer Weise -- dennoch erhob sich Niemand zu der Annahme, daß besagter Robur mit dem Verschwinden des Vorsitzenden und des Schriftführers vom Weldon-Institut in irgend welchem Zusammenhange stehen könnte. Das blieb also noch weiter Geheimniß, bis eine Depesche von Frankreich durch das transatlantische Kabel am 6. Juli um elf Uhr siebenundreißig Minuten in New-York eintraf. Und was meldete diese Depesche? Sie übermittelte den Text jenes in Paris in einer Schnupftabaksdose gefundenen Documents -- des Schriftstückes, welches endlich enthüllte, was aus den beiden Männern geworden war, um welche die Union eben Trauer anlegen wollte. Der Urheber der Entführung war also doch Robur, der Ingenieur, der ausschließlich zu dem Zwecke nach Philadelphia kam, die Theorie der Ballonisten gleichsam im Ei zu ersticken. Er war es, der auf dem Aeronef "Albatros" umherfuhr; er, der zur Wiedervergeltung erfahrener Unbill Onkel Prudent nebst Phil Evans und Frycollin obendrein in die Lüfte entführt hatte! Und diese Personen konnte man als für immer verloren ansehen, wenn nicht durch irgend welche Hilfsmittel eine Maschine construirt wurde, welche im Stande war, jenen mächtigen Apparat zu bekämpfen, und wenn die irdischen Freunde Jener ihnen damit nicht zu Hilfe kamen. Welche Erregung! Welches Staunen! Das Pariser Telegramm war an das Bureau des Weldon-Instituts adressirt gewesen. Die Mitglieder des Clubs erhielten davon unverzüglich Kenntniß. Nach zehn Minuten hatte ganz Philadelphia durch seine Telephons die große Neuigkeit erfahren, binnen einer Stunde ganz Amerika, denn sie hatte sich elektrisch auf den zahllosen Drähten der Neuen Welt verbreitet. Man wollte noch nicht recht daran glauben und hielt es wohl für die Mystification eines schlechten Witzbolds -- sagten die Einen -- für ein "Einräuchern" schlimmster Art -- meinten die Andern. Wie wäre es möglich gewesen, diesen Raub in Philadelphia so im Geheimen auszuführen? Wie hätte der "Albatros" im Fairmont-Park zur Erde hernieder gehen können, ohne am Horizont des Staates Pennsylvanien bemerkt zu werden? Recht schön -- so lauteten die gewöhnlichen Argumente. -- Die Ungläubigen behielten zwar noch das Recht zu zweifeln, sollten es aber sieben Tage nach dem Eintreffen des Telegramms schon verlieren. Am 13. Juli ging das französische Packetboot "Normandie" im Hudson vor Anker und -- brachte die berühmte Schnupftabaksdose mit. Die Eisenbahn beförderte dieselbe in größter Eile von New-York nach Philadelphia. Ja, das war sie, die Dose des Vorsitzenden vom Weldon-Institut. Jem Cip hätte an diesem Tage gut gethan, eine etwas substantiellere Nahrung zu sich zu nehmen, denn er war, als er sie erkannte, nahe daran, ohnmächtig umzusinken. Wie oft hatte er sich daraus ein Freundschaftsprieschen zugelangt! Miß Doll und Miß Mat erkannten sie ebenfalls, diese Dose, welche sie so oft mit dem heimlichen Wunsche betrachtet, eines Tages auch ihre dürren Altjungfernfinger hinein zu senken. Und da waren ihr Vater, William T. Forbes, Truk Milnor, Bat T. Fyn und viele Andere aus dem Weldon-Institut -- hundertmal hatten sie dieselbe in den Händen ihres verehrten Vorsitzenden sich öffnen und schließen sehen. Endlich hatte sie das Zeugniß aller Freunde für sich, die Onkel Prudent in der guten Stadt Philadelphia besaß, deren Name -- wie man nicht oft genug wiederholen kann -- darauf hinweist, daß ihre Bewohner sich wie Brüder lieben. Jetzt war also nach dieser Seite kein Schatten eines Zweifels mehr aufrecht zu erhalten. Nicht allein die Dose des Vorsitzenden, sondern besonders auch die von ihm herrührenden Schriftzüge des Documents erlaubten es auch den Ungläubigsten nicht mehr mit den Achseln zu zucken. Da begannen nun die Wehklagen und verzweifelte Hände erhoben sich gen Himmel. Onkel Prudent und sein College in einer Flugmaschine entführt, ohne daß man ein Mittel entdecken konnte, sie zu befreien! Die Gesellschaft der Niagara-Fälle, deren stärkster Actionär Onkel Prudent war, hätte beinahe ihre Geschäfte eingestellt und die Wasserfälle geschlossen. Die »Walton Watch Company« dachte schon daran, ihre Uhrenfabrik zu liquidiren, da diese ihren Director Phil Evans eingebüßt hatte. Ja, es herrschte allgemeine Trauer, und das Wort Trauer ist hier gar nicht übertrieben, denn manche hirnverbrannte Köpfe, wie man deren auch in den Vereinigten Staaten antrifft, bildeten sich steif und fest ein, die beiden ehrenwerthen Bürger niemals wiederzusehen. Nachdem er über Paris hingefahren war, hörte man von dem "Albatros" zunächst nicht weiter reden. Einige Stunden später war er über Rom schwebend gesehen worden -- das war Alles. Bei der bekannten Geschwindigkeit des Aeronefs, mit der er über Europa von Nord nach Süd und über das Mittelmeer von West nach Ost gefahren war, darf das ja nicht Wunder nehmen. Und Dank eben dieser Schnelligkeit konnte ihn auch kein Fernrohr an irgend einem Punkte seiner Fahrtlinie genauer beobachten. Und hätten die Sternwarten ihr gesammtes Personal Tag und Nacht auf Vorposten gestellt, die Flugmaschine Robur des Siegers hätte sich so weit und so hoch entfernt -- in "Ikarien", wie er zu sagen pflegte -- daß Alle verzweifelt wären, deren Spur je wieder aufzufinden. Hier sei hinzugefügt, daß wenn seine Geschwindigkeit über dem Ufer Afrikas auch vermindert wurde, sich doch, weil jenes Document noch nicht bekannt war, Niemand versah, den Aeronef in den Höhen des algerischen Himmels zu suchen. Auf jeden Fall wurde er über Timbuctu wahrgenommen; das Observatorium dieser berühmten Stadt -- wenn sie überhaupt ein solches besitzt -- hatte aber noch nicht Zeit gefunden, das Resultat seiner Beobachtungen nach Europa mitzutheilen. Was den König von Dahomey betrifft, so hätte dieser gewiß eher zehntausend Unterthanen, und seine Minister inbegriffen, um einen Kopf kürzer machen lassen, ehe er zugestand, im Kampfe mit einer in der Luft schwebenden Maschine unterlegen zu sein. Jeder fröhnt eben seiner kleinen Eigenliebe. Weiterhin steuerte der Ingenieur Robur dann über den Atlantischen Ocean, wobei er zuerst nach dem Feuerlande und dann nach dem Cap Horn kam. Ferner irrte er, etwas gegen seinen Willen, über die südlichsten Landvesten und über das ausgedehnte Polargebiet hinweg. Von diesen antarktischen Gegenden aus war natürlich keine Nachricht zu erwarten. Der Juli verrann, und kein menschliches Auge konnte sich rühmen, den Aeronef nur flüchtig wieder erblickt zu haben. Der August ging zu Ende, ohne daß sich an der Ungewißheit über das Loos der beiden Gefangenen Robur's etwas änderte. Man fing allmählich an, sich zu fragen, ob der Ingenieur, nach dem Beispiele des Ikarus, dieses ältesten Mechanikers, dessen die Sagengeschichte erwähnt, nicht ein Opfer seiner Kühnheit geworden sein möge. Endlich vergingen auch die ersten siebenundzwanzig Tage des Septembers ohne jede Aenderung der Sachlage. Bekanntlich gewöhnt man sich ja in der Welt an Alles. Es liegt in der menschlichen Natur, mit der Zeit den Stachel des Schmerzes weniger zu empfinden; man vergißt, weil es nothwendig ist, einmal zu vergessen. In diesem Falle mußte man dagegen den Bewohnern dieses Erdenthals zu ihrer Ehre nachsagen, daß sie von der allgemeinen Regel abwichen; noch immer ermattete nicht die warme Theilnahme an dem Loose zweier Weißen und eines Schwarzen, die wie durch den Propheten Elias entführt schienen, denen aber keine Rückkehr durch die Bibel geweissagt war. In Philadelphia trat das natürlich noch deutlicher zu Tage, als an jedem anderen Orte; hier kamen dabei ja nähere persönliche Beziehungen in's Spiel. Robur hatte den Onkel Prudent und Phil Evans aus Rache ihrer Heimat entfremdet, hatte, wenn auch ohne jedes Recht, eine grausame Wiedervergeltung geübt. Doch war seine Rache damit gekühlt? Würde er dieselbe nicht auch noch anderen Collegen des Vorsitzenden und des Schriftführers vom Weldon-Institut fühlen lassen? Und wer konnte sich gesichert wähnen gegen etwaige Angriffe jenes allmächtigen Beherrschers des Luftmeeres? Da durchlief am 28. September eine Neuigkeit die ganze Stadt: Onkel Prudent und Phil Evans sollten danach am Nachmittage in der Privatwohnung des Vorsitzenden vom Weldon-Institut wieder aufgetaucht sein. Das Merkwürdigste an dieser Botschaft war, daß sie sich bestätigte, obgleich die Meisten nicht daran glauben wollten. Dennoch mußte man sich der Thatsache fügen. Das waren die beiden Verschwundenen in Person -- nicht ihre Schatten -- und auch Frycollin war mit ihnen zurückgekehrt. Die Mitglieder des Clubs, darauf deren Freunde und endlich eine ungeheure Volksmenge strömten vor Onkel Prudent's Hause zusammen. Alle begrüßten mit Jubelruf die beiden Collegen, welche unter Hurrahs und Hipps von Hand zu Hand getragen wurden. Hier befand sich Jem Cip, der sein Frühstück -- geröstete Brotschnittchen mit gekochtem Lattig -- verlassen hatte, und auch William T. Forbes nebst seinen beiden Töchtern Miß Doll und Miß Mat. Wäre Onkel Prudent Mormone gewesen, heute hätte er sie alle Beide zu Frauen bekommen; doch das war er nicht und hatte auch nicht die geringste Absicht, es je zu werden. Hier waren ferner Truk Milnor, Bat T. Fyn und endlich die übrigen Mitglieder des Clubs. Es ist noch bis heutigen Tages ein Räthsel geblieben, wie Onkel Prudent und Phil Evans hatten lebend aus den Tausenden von Armen hervorgehen können, welche sie bei ihrem ersten Gange durch die Stadt ebenso viele Male zu erdrücken drohten. An eben jenem Abende sollte das Weldon-Institut seine gewohnte wöchentliche Sitzung abhalten. Man rechnete darauf, die beiden Collegen ihre früheren Plätze wieder einnehmen zu sehen. Da sie übrigens von ihren Abenteuern bisher noch nichts erzählt hatten -- vielleicht hatte der Zudrang der Leute ihnen gar nicht die nöthige Zeit gewährt -- so hoffte man auch, daß sie nun von den gehabten Eindrücken während jener unfreiwilligen Reise berichten würden. In der That hatten sich Beide aus irgend welchem Grunde bisher ganz stumm verhalten, und stumm blieb auch der Diener Frycollin, den seine Stammesgenossen vor toller Erregung fast geviertheilt hätten. Was die beiden Collegen noch nicht gesagt und vielleicht hatten sagen wollen, war Folgendes: Wir brauchen wohl kaum auf die dem Leser bekannten Vorgänge in der Nacht vom 27. zum 28. Juli zurück zu kommen; auf die kühn ausgeführte Flucht des Vorsitzenden und des Schriftführers vom Weldon-Institut, auf ihre lebhafte Erregung bei Durchwanderung der felsigen Insel Chatam, den auf Phil Evans abgefeuerten Gewehrschuß, auf das durchschnittene Ankertau und den "Albatros", der damals, seiner Triebschrauben entbehrend, durch den Südwestwind weit fortgetrieben und gleichzeitig zu großer Höhe gewissermaßen emporgeschnellt wurde. Darauf war derselbe bald aus ihrem Gesichtskreis entschwunden. Die Flüchtlinge hatten nun nichts mehr zu fürchten. Wie hätte Robur nach der Insel zurückkehren können, da seine Schrauben noch drei bis vier Stunden außer Stande waren, zu functioniren? Nach Ablauf dieser Zeit aber mußte der durch die Explosion zerstörte, "Albatros" zum elenden, auf dem Meere treibenden Wrack geworden sein, und Diejenigen, welche er trug, waren jedenfalls nur noch in Stücke gerissene Leichen, die auch der Ocean nicht wieder herausgeben konnte. Der entsetzliche Racheact mußte dann vollkommen gelungen sein. Da Onkel Prudent und Phil Evans sich als im Stande der Nothwehr betrachteten, litten sie wegen dieser That an keinen Gewissensbissen. Phil Evans war durch die vom "Albatros" aus entsendete Kugel nur leicht verletzt worden. Alle Drei wanderten also am Ufer hinauf, in der Hoffnung, Eingeborene anzutreffen. Diese Hoffnung sollte nicht getäuscht werden. Etwa fünfzig halbwilde, vom Fischfange lebende Einwohner siedelten an der Westküste Chatams. Sie hatten den Aeronef nach der Insel herabkommen sehen und bereiteten den Flüchtlingen einen Empfang, wie sie ihn als übernatürliche Wesen verdienten. Man betete sie an, mindestens fehlte daran nicht viel, und brachte sie in der größten und schönsten Hütte unter. Frycollin fand gewiß niemals wieder eine solche Gelegenheit, die Rolle als Gott der Schwarzen spielen zu können. Wie sie vorausgesetzt, sahen Onkel Prudent und Phil Evans den Aeronef nicht wieder zurückkehren, und mußten daraus schließen, daß die schreckliche Katastrophe in großer Höhe eingetreten sein werde. Nun würde Niemand wieder von dem Ingenieur Robur reden hören, so wenig wie von seiner wunderbaren Maschine, die seine Leute mit ihm dahingetragen hatte. Jetzt galt es nur noch, eine Gelegenheit zur Rückkehr nach Amerika abzuwarten, denn die Insel Chatam wird von Seefahrern wenig besucht. So verstrich der ganze Monat August und die Flüchtlinge legten sich schon die Frage vor, ob sie am Ende nicht bloß ein Gefängniß gegen ein anderes eingetauscht hätten, mit dem übrigens Frycollin sich weit besser, als mit dem "Kerker in der Luft", abzufinden schien. Endlich am 3. September erschien ein Schiff, um an der Insel Chatam Wasser einzunehmen. Der Leser hat jedenfalls nicht vergessen, daß Onkel Prudent zur Zeit der Entführung aus Philadelphia mehrere tausend Dollars Papiergeld bei sich führte, d. h. mehr als nothwendig war, um nach Amerika zurückkehren zu können. Nachdem sie ihren Verehrern, welche ihnen stets den allergrößten Respect bewiesen hatten, herzlich gedankt, schifften sich Onkel Prudent, Phil Evans und Frycollin nach Aukland ein. Von ihren Schicksalen erzählten sie nichts, und nach zwei Tagen schon langten sie in der Hauptstadt Neu-Seelands an. Hier nahm sie ein Packetboot des Stillen Oceans als Passagiere auf, und am 20. September landeten die Ueberlebenden vom "Albatros" nach höchst glücklicher Ueberfahrt in San Francisco. Sie hatten weder ausgesprochen, wer sie waren, noch woher sie kamen: doch da sie einen recht anständigen Preis für ihre Plätze entrichteten, so wäre es keinem amerikanischen Capitän jemals eingefallen, weitere Fragen an die Leute zu richten. In San Francisco benützten Onkel Prudent, sein College und der Diener Frycollin den ersten Zug der großen Pacific-Bahn und trafen am 27. wohlbehalten in Philadelphia ein. Das ist der gedrängte Bericht über Alles, was seit dem Entweichen der Flüchtlinge und ihrer Abfahrt von der Insel Chatam vorgefallen war; und somit konnten an jenem Abende der Vorsitzende und der Schriftführer, inmitten eines ungeheuren Zudrangs, ihre Plätze im Weldon-Institut wieder einnehmen. Niemals aber hatte weder der Eine, noch der Andere eine so auffallende Ruhe zur Schau getragen. Ihr Anblick allein hätte niemals ahnen lassen, daß seit jener denkwürdigen Sitzung vom 12. Juni irgend etwas Besonderes vorgefallen sei. Diese dreiundeinhalb Monate schienen in ihrem Leben gar nicht mit zu zählen. Nach den ersten Begrüßungssalven, welche Beide ohne das Zucken nur eines Gesichtsmuskels hinnahmen, bedeckte Onkel Prudent das Haupt und ergriff er zuerst das Wort. "Ehrenwerthe Bürger, sagte er, die Sitzung ist eröffnet." Wahnsinniger und gewiß wohlberechtigter Beifall, denn wenn es auch als etwas Außergewöhnliches nicht gelten konnte, daß eine solche Wochenversammlung eröffnet wurde, so erhielt der Umstand doch ein außergewöhnliches Gewicht, daß das durch Onkel Prudent unter Assistenz von Phil Evans geschah. Der Vorsitzende ließ den in Zurufen und Händeklatschen kundgegebenen Enthusiasmus sich ruhig austoben. Dann fuhr er fort: "In unserer letzten Sitzung, meine Herrn, kam es zu recht lebhaftem Meinungsaustausch (Hört! Hört!) zwischen den Vertretern der Vorder- und der Rückenschraube für unseren Ballon, den »Go a head«. (Zeichen von Verwunderung.) Wir haben inzwischen ein Auskunftsmittel erfunden, um die Vorder- und Hintersteuerer unter einen Hut zu bringen, und das besteht einfach darin: Wir versehen eben beide Enden des Nachens mit je einer Triebschraube." (Stillschweigen vor allgemeinem Erstaunen.) Das war Alles! Ja, Alles, von der Entführung des Vorsitzenden und des Schriftführers des Weldon-Instituts fiel kein Sterbenswörtchen; kein Wort über den Ingenieur Robur und den "Albatros"; kein Wort über die Art und Weise, wie die Gefangenen hatten entkommen können, und endlich kein Wort über das Schicksal des Aeronefs, ob er noch durch das Luftmeer schwebe und ob noch weitere Angriffe gegen Mitglieder des Clubs zu befürchten wären. Gewiß fehlte es den Ballonisten nicht an Lust, Onkel Prudent und Phil Evans auszufragen; sie sahen dieselben aber so ernst, so zugeknöpft, daß es angezeigt schien, ihre Zurückhaltung zu respectiren. Wenn sie die Zeit zum Sprechen gekommen meinten, würden sie schon allein sprechen und Alle würden sich geehrt genug fühlen, ihnen zuzuhören. Uebrigens konnte unter diesem Stillschweigen ja noch ein Geheimniß verborgen liegen, das heute noch nicht enthüllt werden durfte. Da nahm Onkel Prudent unter einem, bisher bei den Sitzungen des Weldon-Instituts unerhörten Stillschweigen wieder das Wort. "Meine Herren, sagte er, es erübrigt uns nun bloß noch, den Aerostaten »Go a head«, der bestimmt ist, sich das Luftmeer zu erobern, schleunigst der Vollendung entgegen zu führen. -- Die Sitzung ist geschlossen." XVIII. Welches diese wahrhafte Geschichte zu Ende führt, ohne sie zu beendigen. Am 29. April des folgenden Jahres, sieben Monate nach der so unerwarteten Rückkehr des Onkel Prudent und Phil Evans, war ganz Philadelphia in reger Bewegung. Um politische Fragen handelte es sich dabei nicht, ebenso wenig um Wahlen oder Volksversammlungen. Der auf Betreiben des Weldon-Instituts nun vollendete Aerostat »Go a head« sollte endlich seinem natürlichen Element übergeben werden. Als Aeronaut für denselben war der berühmte Harry W. Tinder, dessen wir schon zu Anfang dieser Erzählung erwähnten, bestimmt worden, und ihm hatte man noch einen erfahrenen Gehilfen beigegeben. Die Passagiere bildeten der Vorsitzende und der Schriftführer des Weldon-Instituts, denen diese Ehre gewiß vor allen Anderen zukam, da es für sie so zu sagen eine Lebensaufgabe geworden war, persönlich gegen jeden Apparat, der auf dem Principe "Schwerer, als die Luft" beruhte, Einspruch zu erheben. Doch auch jetzt, nach sieben Monaten, sollten sie immer noch erst anfangen, über ihre Abenteuer zu berichten. Selbst Frycollin hatte, wie sehr es ihn auch dazu drängte, noch nicht vom Ingenieur Robur und von dessen wunderbarer Maschine gesprochen. Offenbar wollten Onkel Prudent und Phil Evans als eingefleischte und unverbesserliche Ballonisten überhaupt nicht, daß von dem Aeronef oder einer anderen Flugmaschine jemals die Rede sei. Auch wenn ihr Ballon, der »Go a head«, noch nicht die erste Stelle unter den zur Fortbewegung durch die Luft bestimmten Apparaten einnehmen sollte, so wollten sie doch keine, von irgendwelchem Anhänger der Aviation herrührende Erfindung dabei anwenden lassen. Sie glaubten noch immer und wollten auch später nur glauben, daß das einzig wahre atmosphärische Vehikel der Aerostat sei, und daß ihm allein die Zukunft gehöre. Uebrigens existirte ja Derjenige, an dem sie eine so furchtbare, ihrer Ansicht nach aber nur gerechte Rache genommen hatten, jetzt schon längst nicht mehr. Keiner von Denen, die er trug, hatte seinen Untergang überleben können. Das Geheimniß des "Albatros" lag jetzt in den unergründlichen Tiefen des Stillen Oceans begraben. Die Annahme, daß der Ingenieur Robur einen Zufluchtsort, eine rettende Insel im ungeheuren, verlassenen Ocean gefunden habe, erschien nur als eine sehr gewagte Hypothese. Die beiden Collegen behielten sich für später die Entscheidung darüber vor, ob es angezeigt erscheine, nach dieser Richtung besondere Nachforschungen zu veranlassen. Man schritt also endlich zu dem großen Experimente, welches das Weldon-Institut so lange Zeit und mit so großer Sorgfalt vorbereitet hatte. Der »Go a head« war der vollendetste Typus dessen, was im Bereiche der Aerostatik bisher erfunden war -- dasselbe wie der »Inflexible» und der »Formidable« (zwei neuere französische Panzerschlachtschiffe) in der Schiffsbaukunst. Der »Go a head« besaß alle für einen Aerostaten nur wünschenswerthen Eigenschaften. Sein Volumen gestattete ihm, bis zu den allergrößten Höhen, die ein Ballon nur erreichen kann, aufzusteigen; seine Undurchlässigkeit für Gas, sich unbegrenzt lange in der Luft zu erhalten; seine Festigkeit, jeder Ausdehnung der Gase ebenso zu widerstehen, wie dem heftigsten Platzregen und stärksten Sturmwinde; sein Fassungsvermögen, eine genügende Auftriebskraft zu entfalten, um außer dem sonst nöthigen Zubehör eine elektrische Maschine mitzunehmen, die seinen Propellern eine, jeder bisher erreichten überlegene Treibkraft verleihen konnte. Der »Go a head« hatte eine längliche Gestalt, um die horizontale Fortbewegung zu erleichtern. Seine Gondel, eine derjenigen des Ballons der Capitäne Krebs und Renard ähnliche Plattform, enthielt alles für Luftschiffer nothwendige Geräth und Werkzeug, physikalische Instrumente, Taue, Anker, Rollen u. s. w., außerdem die Apparate, Batterien und Accumulatoren, welche seine mechanische Kraft lieferten. Diese Gondel trug vorne eine Schraube und hinten neben einer gleichen Schraube ein Steuerruder. Aller Wahrscheinlichkeit nach mußte jedoch die Arbeitsleistung der Maschinen des »Go a head« weit hinter der der Apparate des "Albatros" zurückbleiben. Der »Go a head« war nach vollendeter Füllung nach der Waldblöße im Fairmont-Park übergeführt worden, d. h. genau nach derselben Stelle, an welcher früher der Aeronef einige Stunden gelegen hatte. Wir brauchen wohl nicht zu betonen, daß ihm die Auftriebskraft durch das leichteste aller Gase verliehen worden war. Das gewöhnliche Leuchtgas entwickelt per Cubikmeter nur eine solche Hebekraft gleich 700 Gramm -- was gegen die umgebende Luft nur einen unbeträchtlichen Gewichtsunterschied darstellt. Das Wasserstoffgas dagegen besitzt bei gleichem Volumen eine auf etwa 1100 Gramm zu schätzende Steigekraft. Solches, nach dem Verfahren und in den Special-Apparaten des berühmten Henry Giffard dargestellte reine Wasserstoffgas erfüllte den ungeheuren Ballon. Da der »Go a head« nun einen Fassungsraum von 40.000 Cubikmetern besaß, so entsprach die Steigkraft seines Gases einem Gewichte von 40.000mal 1100 Gramm oder 44.000 Kilogramm. Am Morgen des 20. April war Alles bereit. Um elf Uhr schon schwankte der riesige Aerostat wenige Fuß über dem Boden und fertig, sich in die Luft zu erheben, majestätisch hin und her. Es herrschte ein prächtiges und wie für diesen Versuch eigens gemachtes Wetter. Vielleicht wäre eine etwas größere Windstärke wünschenswerther gewesen, da sie die Probe mehr beweisend gestaltet hätte. Man hat ja niemals bezweifelt, daß ein Ballon in ganz ruhiger Luft nach Belieben gelenkt werden könne, in bewegter Atmosphäre ist das aber ein anderes Ding und nur unter solchen Verhältnissen sollten derartige Proben ausgeführt werden. Genug, jetzt war weder Wind zu verspüren, noch deutete etwas darauf hin, daß solcher auftreten würde. An jenem Tage sendete Nordamerika aus seinem unerschöpflichen Vorrathe ausnahmsweise keinen Sturm nach dem westlichen Europa, und niemals hätte ein Tag günstiger als dieser zur Vornahme eines solchen aeronautischen Experimentes gewählt werden können. Kaum brauchen wir der ungeheuren, im Fairmont-Park aufgestauten Menschenmenge, ebenso wenig der zahlreichen Bahnzüge zu erwähnen, welche Ströme von Neugierigen aus allen Nachbarstaaten über Philadelphia ergossen hatten; auch nicht der Unterbrechung jeder industriellen und commerciellen Thätigkeit, welche es Allen -- Chefs, Beamten, Handwerkern, Männern und Frauen, Greisen und Kindern, Congreßmitgliedern, Vertretern der bewaffneten Macht, Magistratspersonen, Reportern, weißen und schwarzen Eingeborenen, die auf der Waldblöße zusammengelaufen waren -- gestattete, diesem Schauspiele beizuwohnen. Oder sollten wir das geräuschvolle Durcheinanderwogen dieser Volksmengen schildern, die unerwarteten Bewegungen, das plötzliche Drängen und das Jauchzen und Rufen des Mobs? Sollen wir die Hipp! Hipp! Hipp! nachzählen, welche von allen Seiten gleich dem Krachen von Feuerwerkskörpern laut wurden, als Onkel Prudent und Phil Evans auf der mit dem amerikanischen Sternenbanner geschmückten Plattform erschienen? Oder müßten wir es erst besonders aussprechen, daß der größte Theil dieser Neugierigen vielleicht nicht gekommen war, um den »Go a head« zu sehen, sondern um sich die zwei außerordentlichen Männer zu betrachten, um welche die Alte Welt die Neue beneidete? Warum aber nur Zwei und nicht Drei? Warum nicht auch Frycollin? -- Das kam daher, daß Frycollin die Reise mit dem "Albatros" für seine Berühmtheit als genügend erachtete und er die Ehre, seinen Herrn zu begleiten, bescheiden abgelehnt hatte. Er bekam also keinen Theil von den tollen Jubelrufen, welche den Vorsitzenden und den Schriftführer des Weldon-Instituts empfingen. Es versteht sich von selbst, daß von allen Mitgliedern der berühmten Gesellschaft keiner auf dem für diese reservirten Platze innerhalb der Pfähle und Leinen fehlte, welche einen Theil der Lichtung abgrenzten. Hier waren Truk Milnor, Bat T. Fyn, William T. Forbes, der seine beiden Töchter Miß Doll und Miß Mat an den Armen führte. Alle waren erschienen, um durch ihre Anwesenheit zu bekräftigen, daß nichts jemals im Stande sei, die Anhänger des "Leichter, als die Luft" zu trennen. Gegen elf Uhr zwanzig Minuten verkündigte ein Kanonenschuß die Beendigung der letzten Vorbereitungen. Der »Go a head« erwartete nur noch das Signal zum Aufsteigen. Ein zweiter Kanonenschuß donnerte um elf Uhr fünfundzwanzig. Der nur noch durch seine Leitseile gehaltene »Go a head« erhob sich gegen fünfzehn Meter über die Lichtung. Am anderen Ende der Plattform stehend, legten Onkel Prudent und Phil Evans die linke Hand auf die Brust, was bedeuten sollte, daß sie mit dem Zuschauerkreise eines Herzens wären. Dann streckten sie die rechte Hand nach dem Zenith aus, um anzudeuten, daß der größte, bis jetzt bekannte Ballon endlich in Begriff stehe, von seinem überirdischen Reiche Besitz zu ergreifen. Da legten sich hunderttausend Hände auf hunderttausend Brüste; und , 1 , " " 2 , . 3 4 5 6 7 . 8 9 . 10 11 12 13 . 14 . 15 , 16 , . 17 . 18 19 " " , 20 , 21 . 22 , ' . 23 24 , 25 , 26 27 . 28 , 29 . 30 31 ' ; 32 . 33 34 , 35 , . 36 ' 37 . 38 39 , , 40 . . . 41 . 42 43 . 44 45 " , ; 46 , 47 . . . . 48 . . . . . . " 49 50 51 . " " 52 , 53 , 54 . 55 . 56 57 ? 58 " " ! 59 , 60 ? 61 62 63 64 . 65 66 , , 67 , 68 . 69 70 " , , 71 . 72 73 - - , . 74 75 - - ! 76 77 - - ! " . 78 79 , 80 . 81 " " , 82 , , , 83 . 84 , , 85 . 86 , 87 88 . 89 90 , " " 91 . 92 , , 93 . 94 , 95 . 96 , , 97 . 98 99 100 , 101 . , 102 , 103 , , 104 . 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