Binnen wenigen Secunden war das Tau durchschnitten, und die inzwischen
merklich aufgefrischte Brise, die den "Albatros" in schiefer Richtung
traf, führte diesen nach Nordosten über das Meer hinaus.
XVI.
Welches den Leser in einer vielleicht beklagenswerthen Ungewißheit läßt.
Es war jetzt zwanzig Minuten nach Mitternacht. Noch fünf bis sechs
Flintenschüsse krachten von dem Aeronef herunter. Phil Evans
unterstützend, hatten sich Onkel Prudent und Frycollin unter den Schutz
der Felsen geflüchtet, ohne von einer Kugel verletzt zu werden. Für den
Augenblick hatten sie nichts mehr zu fürchten.
Zunächst wurde der "Albatros", während er sich gleichzeitig von der
Insel Chatam entfernte, zu einer Höhe von neunhundert Metern
emporgetrieben. Er hatte seine Aufstiegsschnelligkeit vergrößern
müssen, um nicht in's Meer zu fallen.
In dem Augenblick, als der von seiner Emballage befreite Wachtposten
den ersten Ausruf ausgestoßen hatte, waren Robur und Tom Turner auf ihn
zugeeilt und hatten ihn vollends von der den Kopf umschließenden
Leinwandhülle befreit und seine Fesseln gelöst. Darauf stürzte der
Obersteuermann gleich nach der Cabine des Onkel Prudent und Phil Evans,
fand diese aber leer.
François Tapage hatte inzwischen die Cabine Frycollin's durchsucht;
auch in dieser war Niemand mehr.
Als Robur die Ueberzeugung gewann, daß seine Gefangenen ihm entronnen
waren, ergriff ihn der heftigste Zorn. Mit dem Entweichen des Onkel
Prudent und Phil Evans' war sein Geheimniß und seine Persönlichkeit
aller Welt offenbart. Wegen jenes bei der Fahrt über Europa
herabgeworfenen Schriftstückes hatte er sich deshalb weit weniger Sorge
gemacht, weil er annehmen durfte, daß dasselbe beim Niederfallen
überhaupt verloren gegangen sei ... Jetzt lag die Sache aber ganz
anders.
Dann suchte er sich wieder zu beruhigen.
"Sie sind vorläufig zwar entflohen, sagte er sich; da sie von der Insel
Chatam aber vor Ablauf einiger Tage nicht wegkommen können, so werde
ich dahin zurückkehren. Ich werde sie suchen ... sie wieder einfangen
... und dann ..."
In der That konnten sich die drei Flüchtlinge noch keineswegs als
gerettet betrachten. Erlangte der "Albatros" erst seine
Manövrirfähigkeit wieder, so erschien er sicherlich wieder bei der
Insel Chatam, von der Jene schwerlich zeitig genug zu entkommen
vermochten. Schon vor Verlauf von zwölf Stunden konnten sie ungünstigen
Falles dem Ingenieur wieder in die Hände gerathen sein.
Vor Verlauf von zwölf Stunden? Aber binnen zwei Stunden sollte der
"Albatros" ja vernichtet sein! Glich jene Dynamitpatrone nicht einem an
seiner Wand befestigten Torpedo, der das Zerstörungswerk mitten in der
Luft vollführen sollte?
Inzwischen wurde der Aeronef von der noch mehr sich versteifenden Brise
weiter nach Nordost hin getrieben und mußte mit Sonnenaufgang die Insel
Chatam unbedingt aus dem Gesichte verloren haben.
Um gegen den Wind aufkommen zu können, hätten seine Triebschrauben,
mindestens die eine am Vordertheil, zu functioniren im Stande sein
müssen.
"Tom, rief der Ingenieur, laßt die Signallaternen so hell als möglich
leuchten.
-- Sogleich, Master Robur.
-- Und dann Alle an die Arbeit!
-- Alle!" wiederholte der Obersteuermann.
Jetzt konnte nicht mehr davon die Rede sein, die Vollendung der
nöthigen Reparaturen bis zum anderen Morgen aufzuschieben. Auf dem
"Albatros" gab es keinen Mann, der nicht den Eifer seines Chefs
getheilt, keinen einzigen, der nicht das Verlangen gehabt hätte, die
Flüchtlinge wieder zu ergreifen. Sobald die vordere Triebschraube
richtig eingesetzt war, wollte man nach Chatam umkehren, sich daselbst
vor Anker legen und die Spur der Entflohenen verfolgen. Erst nachher
sollte die Ausbesserung der hinteren Schraube vorgenommen werden, damit
der Aeronef dann mit aller Sicherheit seine Reise über den Stillen
Ocean und nach der Insel X ausführen könne.
Jedenfalls erschien es von Bedeutung, daß der "Albatros" nicht allzu
weit nach Nordost verschlagen würde. Leider wurde der Wind aber immer
stärker und er konnte gegen denselben jetzt nicht aufkommen, ja, sich
nicht einmal an ein und derselben Stelle erhalten. Seiner
Triebschrauben beraubt, war er eben zum unlenkbaren Aerostaten
geworden. Die noch an der Küste weilenden Flüchtlinge konnten sich noch
überzeugen, daß er vollständig außer Sicht gekommen war, ehe die
vorbereitete Explosion ihn in Stücke riß.
Der jetzige Zustand der Dinge flößte Robur doch einige Beunruhigung
ein, da er nur mit ziemlich bedeutender Verzögerung nach der Insel
Chatam zurückzukehren hoffen durfte. Er entschloß sich deshalb, während
alle Hände mit der so nothwendigen Ausbesserung beschäftigt waren, sich
tiefer niederzulassen, in der Erwartung, damit eine schwächere
Luftströmung anzutreffen. Vielleicht konnte sich der "Albatros" in
diesen Schichten wenigstens an der Stelle erhalten, bis er wieder
eigene Kraft genug zu äußern vermochte, um gegen die Brise mit Erfolg
anzukämpfen.
Dieses Manöver wurde auch sogleich ausgeführt. Wenn jetzt ein Schiff in
der Nähe gewesen wäre, wie würde dessen Mannschaft erschrocken sein
beim Anblick der Evolutionen dieses gewaltigen Apparates?
Als der "Albatros" nur noch wenige hundert Fuß über der Meeresfläche
schwebte, wurde sein Niedergang aufgehalten.
Leider mußte sich Robur überzeugen, daß der Wind in diesen niederen
Zonen nur noch heftiger wehte und der Aeronef also mit noch größerer
Schnelligkeit dahin getrieben wurde. Er lief hiermit natürlich Gefahr,
sehr weit nach Nordost verschlagen zu werden, was die Rückkehr nach der
Insel Chatam noch mehr verzögern mußte.
Nach diesen vergeblichen Versuchen wurde daher wieder beschlossen, sich
mehr in den oberen Lagen der Atmosphäre zu erhalten, wo das Luftmeer in
besserem Gleichgewicht und deshalb weniger bewegt war. Der "Albatros"
stieg also wieder zu einer mittleren Höhe von dreitausend Meter empor.
Blieb er hier auch nicht stationär, so trieb er doch wenigstens nur
langsam weiter. Der Ingenieur konnte also hoffen, daß er bei
Tagesanbruch und von dieser Höhe aus die Insel, deren geographische
Lage er übrigens mit vollkommener Sicherheit aufgenommen hatte, noch
werde sehen können.
Darum, ob die Flüchtlinge Seitens der Eingeborenen -- im Fall die Insel
bewohnt war -- einen freundlichen Empfang gefunden hatten, oder nicht,
machte Robur sich keine weitere Sorge. Ob ihnen die Inselbewohner
hilfreich beistanden, war für ihn ziemlich belanglos. Durch die
Angriffswaffen, über die der "Albatros" verfügte, würden sie sicherlich
erschreckt und schnell zerstreut werden. Die Wiedererlangung der
Gefangenen war also eine leichte Aufgabe, und einmal ergriffen ...
"Nun, von der Insel X entflieht Niemand!" sagte Robur.
Eine Stunde nach Mitternacht war die vordere Triebschraube wieder in
Stand gesetzt. Es erübrigte nun bloß noch die Montirung derselben, d.
h. die gehörige Anbringung derselben an der Welle, was eine weitere
Stunde Arbeit erforderte. Nachher sollte der "Albatros", den Bug nach
Südwest gerichtet, sogleich abfahren und die Reparatur der hinteren
Triebschraube in Angriff genommen werden.
Aber die Lunte, welche in der verlassenen Cabine glimmte, diese Lunte,
von der schon der dritte Theil aufgezehrt war! ... Und jener Funken,
der sich mehr und mehr der Dynamitpatrone näherte! ...
Wäre die Mannschaft des Aeronefs nicht gar so dringlich beschäftigt
gewesen, so hätte doch vielleicht Einer das schwache Knistern
wahrgenommen, welches jetzt dann und wann in dem Ruff entstand;
vielleicht hätte er auch den Geruch verbrannten Pulvers bemerkt. Das
hätte ihn sicherlich so beunruhigt, daß er dem Ingenieur davon
Mittheilung machte. Bei genauer Nachforschung konnte dann der Kasten,
in dem der explodirende Körper verborgen war, nicht unentdeckt bleiben.
Es wäre also noch Zeit gewesen, den wunderbaren "Albatros" und Alle,
die er trug, zu retten.
Die Leute arbeiteten aber auf dem Vorderdeck und wenigstens zwanzig
Meter entfernt von dem Ruff der Entflohenen. Noch rief sie nichts nach
diesem Theile des Decks, sowie nichts sie von einer Beschäftigung
ablenken konnte, die ihre volle Aufmerksamkeit in Anspruch nahm.
Robur legte als geschickter Mechaniker persönlich Hand mit an. Er
betrieb die Arbeit, ohne doch irgendwie zu vernachlässigen, daß Alles
mit größter Sorgfalt ausgeführt wurde, da es ihm ja darauf ankam,
seines Apparates vollständig Herr zu werden. Gelang es ihm nicht, die
Gefangenen bald wieder in seine Gewalt zu bringen, so fanden diese
voraussichtlich Gelegenheit, in ihr Vaterland zurückzukehren. Dann
wurden jedenfalls Nachforschungen angestellt und die Insel X konnte
dabei möglicher Weise aufgefunden werden; damit aber wäre das Ende der
Existenz gekommen, welche sich die Leute, die der "Albatros" trug,
geschaffen hatten -- das Ende dieser übermenschlichen, so zu sagen
hocherhabenen Lebensweise.
Eben jetzt trat Tom Turner an den Ingenieur heran. Es war ein Viertel
nach ein Uhr.
"Master Robur, begann er, mir scheint, die Brise hat Neigung abzuflauen
und mehr nach Westen umzuschlagen.
-- Und was zeigt der Barometer? fragte Robur, nachdem er den Himmel
flüchtig betrachtet.
-- Er hält sich ziemlich genau auf demselben Punkte, antwortete der
Obersteuermann. Außerdem kommt es mir vor, als ob die Wolkenlagen unter
dem "Albatros" sich senkten.
-- Ganz recht, Tom Turner, und in diesem Falle wäre es nicht
unwahrscheinlich, daß über dem Meere jetzt Regen fiele. Bleiben wir
jedoch über der Regenzone schweben, so kümmert uns das ja nicht, und
wir werden an der Vollendung unserer Arbeiten dadurch nicht gestört
werden.
-- Wenn jetzt Regen fällt, meinte Tom Turner, so kann es nur ein ganz
feiner sein -- die Form der Wolken läßt das wenigstens muthmaßen -- und
höchst wahrscheinlich legt sich tiefer unten der Wind bald gänzlich.
-- Ohne Zweifel, Tom, antwortete Robur. Immerhin scheint es mir
zweckmäßiger, noch nicht hinunter zu gehen. Beeilen wir uns erst, alle
erlittenen Beschädigungen auszubessern, dann können wir ja nach
Belieben manövriren, und das ist die Hauptsache."
Wenige Minuten nach zwei Uhr war der erste Theil der Arbeit vollendet.
Nach Wiedereinsetzung der vorderen Triebschraube wurden die jene
treibenden Batterien in Thätigkeit gesetzt. Nach und nach beschleunigte
sich die Bewegung des "Albatros", und, den Bug nach Südwest gerichtet,
kehrte er mit mittlerer Geschwindigkeit in der Richtung nach der Insel
Chatam zurück.
"Tom, sagte Robur, es mögen etwa zweieinhalb Stunden verflossen sein,
seit wir nach Nordost hin getrieben wurden. Die Windrichtung hat sich,
wie mir Compaßbeobachtungen lehrten, seitdem nicht geändert. Ich
schätze also, daß wir binnen höchstens einer Stunde die Gestade der
Insel wieder gefunden haben können.
-- Ich glaub' es auch, Master Robur, antwortete der Obersteuermann,
denn wir bewegen uns jetzt mit einer Schnelligkeit von zwölf Meter in
der Secunde vorwärts. Zwischen drei und vier Uhr Morgens müßte der
"Albatros" seinen Ausgangspunkt demnach wieder erreichen.
-- Das wäre desto besser, Tom, erwiderte der Ingenieur. Wir haben ein
Interesse daran, noch während der Nacht einzutreffen und ungesehen an's
Land zu kommen. Die Flüchtlinge halten uns für weit nach Norden
verschlagen und sind jetzt gewiß nicht auf ihrer Hut. Wenn der
"Albatros" ganz nahe der Erde hingleitet, werden wir versuchen, uns
hinter einigen hohen Felsen der Insel zu verbergen. Müßten wir dann
selbst mehrere Tage bei Chatam verweilen ...
-- So bleiben wir eben da, Master Robur, und hätten wir auch gegen eine
ganze Armee von Eingeborenen zu kämpfen ...
-- So kämpfen wir, Tom, kämpfen wir für unseren "Albatros"!"
Der Ingenieur wandte sich zu seinen neue Anordnungen erwartenden Leuten
zurück.
"Liebe Freunde, sagte er, noch ist die Stunde der Ruhe nicht gekommen,
wir müssen bis zum Anbruch des Tages thätig sein."
Alle erklärten sich bereit.
Jetzt galt es, an der hinteren Triebschraube dieselben Reparaturen
vorzunehmen, welche an der vorderen schon ausgeführt waren. Es handelte
sich dabei um die gleichen Beschädigungen, die auch die nämliche
Ursache, jener Orkan bei der Fahrt über den antarktischen Continent,
veranlaßt hatte.
Um diese Schraube hereinzuholen, erschien es rathsam, die Fahrt des
Aeronefs während einiger Minuten zu unterbrechen oder ihm selbst eine
Rückwärtsbewegung zu ertheilen. Auf ein Zeichen Robur's legte der
Hilfsmechaniker die Maschine um, indem er die vordere Schraube sich in
entgegengesetztem Sinne drehen ließ, so daß der Aeronef -- um den
seetechnischen Ausdruck zu gebrauchen -- "über Steuer zu gehen" anfing.
Schon wollten sich Alle nach dem Hinterdeck begeben, als Tom Turner ein
eigenthümlicher Geruch auffiel.
Es waren die in dem Kasten jetzt angehäuften Gase der Lunte, welche aus
der Cabine der Flüchtlinge hervordrangen.
"Hm ...? machte der Obersteuermann.
-- Was giebt es? fragte Robur.
-- Riechen Sie nichts? Man könnte sagen, es müsse Pulver brennen.
-- Ihr habt Recht, Tom!
-- Und dieser Geruch dringt aus dem letzten Ruff.
-- Ja ... sogar aus derselben Cabine ...
-- Sollten die Elenden auch noch Feuer angelegt haben?
-- Und wenn es nicht nur Feuer wäre? ... rief Robur. Stoßt die Thür
ein, Tom, stoßt sie ein!"
Der Obersteuermann ging aber kaum daran, diesem Befehle nachzukommen,
als eine furchtbare Explosion den "Albatros" erschütterte. Die Ruffs
flogen in Stücke. Die elektrischen Lampen verlöschten, da ihnen der
Strom plötzlich fehlte, und es ward vollständig finster. Doch wenn auch
gleichzeitig die meisten Auftriebsschrauben verbogen oder theilweise
zertrümmert und dadurch wirkungslos geworden waren, so drehten sich
wenigstens noch mehrere nahe dem Bug ungestört weiter.
Pötzlich öffnete sich auch der Aeronef ein wenig hinter dem ersten
Ruff, dessen Accumulatoren noch immer die vordere Triebschraube in
Thätigkeit erhielten, und der hintere Theil des Decks senkte sich
ebenso schnell nach abwärts. Fast gleichzeitig standen die hinteren
Auftriebsschrauben still und der "Albatros" stürzte in die Tiefe hinab.
Das bedeutete für die acht Männer, welche sich gleich Schiffbrüchigen
an dieses Wrack klammerten, einen Sturz von dreitausend Metern.
Derselbe mußte obendrein noch um so schneller erfolgen, als die vordere
Triebschraube, deren Achse jetzt senkrecht stand, noch immer arbeitete.
Da ließ sich Robur, der in dieser verzweifelten Lage eine ganz
außerordentliche Kaltblütigkeit an den Tag legte, bis zu dem halb
weggesprengten Ruff gleiten, ergriff den Steuerungshebel und veränderte
sofort die Drehungsrichtung der Schraube, welche nun statt vorwärts
nach aufwärts trieb.
Der Absturz wurde dadurch zwar nicht aufgehalten, aber doch wenigstens
verlangsamt; das Wrack fiel nicht mehr mit der zunehmenden
Geschwindigkeit nieder, welche alle nur der Wirkung der Schwerkraft
unterworfenen Körper zeigen. Und wenn auch allen lebenden Wesen auf dem
"Albatros" noch immer der Tod drohte, weil sie rettungslos in's Meer
stürzen mußten, so war es doch nicht mehr der Tod durch Erstickung
inmitten der wegen rasender Schnelligkeit des Falles unathembar
werdenden Luft.
Vierundzwanzig Secunden nach der Explosion war, was vom "Albatros" noch
übrig war, in den Fluthen versunken.
XVI.
Worin der Leser um zwei Monate rückwärts und auch um neun Monate
vorwärtsgeführt wird.
Einige Wochen früher, am 13. Juni, d. h. am Tage nach der denkwürdigen
Sitzung, während der es im Weldon-Institut zu so stürmischen
Verhandlungen gekommen war, herrschte unter allen Classen der Bewohner
von Philadelphia, unter den Negern wie den Weißen, eine leichter zu
constatirende, als zu beschreibende Aufregung.
Schon in den ersten Morgenstunden unterhielt man sich überall von den
unerwarteten, lärmenden Zwischenfällen der Sitzung des letzten Abends.
Ein Eindringling, der Ingenieur zu sein angab, ein Ingenieur, der den
an sich unwahrscheinlichen Namen Robur -- Robur der Sieger! -- führen
wollte, eine Persönlichkeit von unbekannter Herkunft und namenloser
Nationalität hatte sich unerwartet im Sitzungssaale vorgestellt, die
Ballonisten mit gröblichen Reden beleidigt, Diejenigen, welche der
Lenkbarkeit von Aerostaten huldigten, verspottet, und hatte dagegen die
Vorzüge von specifisch schwereren Apparaten gepriesen, ein
verächtliches Hohnlachen unter dem wildesten Getöse ausgeschlagen und
zu Drohungen geradezu herausgefordert, um diese seinen Gegnern wieder
als Antwort in's Gesicht zu schleudern. Endlich war er, nachdem er den
Rednerstuhl unter dem Knattern von Revolvern geräumt, verschwunden, und
trotz aller Nachforschungen hatte man keine weiteren Spuren von ihm
entdeckt.
Natürlich waren solche Vorfälle dazu angetan, alle Zungen zu wetzen und
der Phantasie ein weites Feld zu eröffnen. Daran sollte es denn auch
weder in Philadelphia, noch in den sechsunddreißig anderen Staaten der
Union fehlen, ja eigentlich wurde sogar die Alte Welt dadurch nicht
minder erregt, wie die Neue Welt.
Wie mußte sich diese allgemeine Aufregung aber noch steigern, als es am
Abend des 13. Juni stadtkundig wurde, daß weder der Vorsitzende, noch
der Schriftführer des Weldon-Instituts bis dahin in ihre Wohnungen
zurückgekehrt waren, und hierbei handelte es sich um zwei geachtete,
gelehrte Männer von verhältnißmäßig hoher Stellung. Am Vorabend noch
hatten sie den Sitzungssaal verlassen als Bürger, welche ruhig nach
ihrem Heim zurückzukehren denken, als Hagestolze, deren Nachhausekunft
kein mürrisch gerunzeltes Gesicht verbittert hätte. Sollten Sie
vielleicht gar absichtlich verschwunden sein? Nein: mindestens hatten
sie nichts geäußert, was zu diesem Glauben hätte verführen können; ja,
es war sogar besprochen worden, daß sie schon am nächsten Tage wieder
nach dem Bureau des Clubs kommen und die gewohnten Plätze des
Vorsitzenden und Schriftführers bei einer außerordentlichen Sitzung
einnehmen sollten. Welche man zur weiteren Besprechung der Vorfälle des
letzten Abends bestimmt hatte.
Doch nicht nur jene beiden weitbekannten Persönlichkeiten des Staates
Pennsylvanien waren spurlos verschwunden, auch von dem Diener Frycollin
kam keinerlei Nachricht, auch er war ebenso wenig zu finden, wie sein
Herr. Wahrlich, seit Toussaint Louverture, Faustin Soulouque und
Dessaline hatte noch kein Neger so viel von sich reden gemacht. Er
stand im Begriff, einen hervorragenden Platz sowohl unter seinen
dienenden Collegen in Philadelphia, wie unter allen jenen Originalen
einzunehmen, welche irgend eine Exentricität in dem schönen Amerika
schon in helleres Licht zu setzen hinreicht.
Auch am folgenden Tage nichts Neues. Weder die beiden Collegen, noch
Frycollin erschienen wieder. Ernste Beunruhigung. Beginnende Aufregung.
Vor den »Post and Telegraph offices« starke Ansammlung von Neugierigen,
um etwaige Nachricht noch ganz warm zu erhalten.
Vergebliche Liebesmühe.
Und doch hatten so Viele deutlich genug gesehen, wie Beide in lebhaftem
Gespräch aus dem Weldon-Institut weggingen, den sie erwartenden
Frycollin mitnahmen und nachher die Walnut-Straße hinabwanderten, um
sich dem Fairmont-Park zuzuwenden.
Jem Cip, der Vegetarianer, hatte dem Präsidenten noch die rechte Hand
gedrückt und sich verabschiedet mit den Worten:
"Auf morgen also!"
Und William T. Forbes, der Fabrikant von Zucker aus Leinwand, rühmte
sich eines vertraulichen Handschlags von Phil Evans, der ihm zweimal
"Auf Wiedersehen!" zugerufen hatte.
Miß Doll und Miß Mat Forbes, welche ein Band reinster Freundschaft an
Onkel Prudent fesselte, konnten sich über sein Verschwinden gar nicht
beruhigen und schwatzten, nur um von ihm immer etwas zu hören, eher
noch mehr, als gewöhnlich.
So verstrichen drei, vier, fünf, sechs Tage, eine Woche, eine zweite
Woche ... Weder irgendwer, noch irgendwas leitete auf die Fährte der
drei Verschwundenen.
Und doch hatte man die sorgsamsten Nachsuchungen im ganzen Stadtviertel
vorgenommen ... vergeblich; in allen nach dem Hafen zu führenden
Straßen ... nutzlos; weiter im Park selbst, unter den Gruppen größerer
Bäume und dichterer Gebüsche ... erfolglos! ... Ueberall nichts!
Auf der großen Waldblöße erkannte man jedoch, daß da und dort das Gras
ganz neuerdings niedergedrückt schien. Diese Wahrnehmung erregte ihrer
Unerklärlichkeit wegen einigen Verdacht. Ebenso wurden am Saume des
dieselbe umschließenden Waldes Spuren eines stattgefundenen Kampfes
entdeckt. Hatte nun eine Bande von Landstreichern vielleicht die beiden
Collegen zu vorgerückter Nachtzeit hier in dem menschenleeren Parke
getroffen und überfallen?
Das war ja möglich. Die Polizei nahm auch eine diesbezügliche
regelrechte und mit gesetzlicher Langsamkeit betriebene Untersuchung in
die Hand. Man führte Schleppnetze durch den Schuylkill hin, schlämmte
seinen Grund und befreite die Ufer von dem Gewirr angehäuften
Unkrautes. Wenn auch das vergeblich blieb, so war es doch nicht
nutzlos, denn der Schuylkill bedurfte einer gründlichen Säuberung
gerade recht nöthig. O, es sind praktische Leute, die Aedilen von
Philadelphia!
Später wandte man sich an die verbreitetsten Zeitungen. Anzeigen,
Reclamationen, wenn nicht gar Reclamen, wurden an alle demokratischen
und republikanischen Blätter der Union -- ohne Rücksicht auf deren
Farbe -- versendet. Der »Daily Negro« das specielle Organ der schwarzen
Rasse, brachte Frycollin's Bildniß nach dessen letzter Photographie.
Man bot Belohnungen und versprach Preise Jedem, der von den drei
Abwesenden Nachricht geben könnte, ja sogar allen Denen, die nur irgend
welches Anzeichen entdeckten, das auf deren Fährte zu leiten versprach.
"Fünftausend Dollars! Fünftausend Dollars jedem Bürger, der ..."
Vergeblich; die fünftausend Dollars verblieben in der Casse des
Weldon-Instituts.
"Nicht aufzufinden! Nicht aufzufinden! Nicht aufzufinden!!! Onkel
Prudent und Phil Evans aus Philadelphia!"
Es versteht sich von selbst, daß der Club durch dieses unerklärliche
Verschwinden seines Vorsitzenden und seines Schriftführers in heillose
Unordnung gerieth und von vornherein sah derselbe sich durch diese
Nothlage zu dem Beschlusse gezwungen, die früher so eifrig betriebenen
und schon ziemlich fortgeschrittenen Arbeiten betreffs Construction des
»Go a head« auf unbestimmte Zeit einzustellen. Wie hätten die anderen
Mitglieder auch in Abwesenheit der beiden Begründer und Förderer dieses
Unternehmens, dem dieselben -- an Zeit und Geld -- einen Theil ihres
Vermögens geopfert hatten, sich entschließen können, ein Werk zu Ende
zu führen, wenn Jene fehlten, um es gleichsam zu krönen?
Sie mußten sich also in Geduld fassen.
Gerade zu dieser Zeit ging auf's Neue die Rede von der wunderbaren,
merkwürdigen Erscheinung, welche mehrere Wochen vorher alle Geister so
lebhaft erregt hatte.
In der That war jener geheimnißvolle Gegenstand wieder und wiederholt
wiedergesehen worden, wie er durch die höheren Schichten der Atmosphäre
schwebte. Freilich dachte kein Mensch an einen Zusammenhang dieser
auffallenden Erscheinung mit dem nicht weniger unerklärlichen
Verschwinden der beiden Mitglieder des Weldon-Instituts. Es hätte auch
einer außergewöhnlichen Dosis von Einbildungskraft bedurft, diese
beiden Thatsachen mit einander in Verbindung zu bringen.
Auf jeden Fall war das Asteroid, die erkaltete Feuerkugel oder das
Luftungeheuer, wie man die Erscheinung nennen wollte, nun unter
Bedingungen gesehen worden, welche seine Größe und Gestalt besser
abzuschätzen erlaubten. Zuerst in Canada über den Gebietstheilen, die
sich von Ottawa bis Quebec erstrecken, und zwar schon am nächsten Tage
nach dem Verschwinden der beiden Collegen; dann später über den Ebenen
des Fernen Westens, als der "Albatros" sich an Schnelligkeit mit einem
Zuge der großen Pacific-Bahn maß.
Von diesem Tage ab herrschte unter der gelehrten Welt keine Ungewißheit
mehr; dieser Körper war kein Erzeugniß der Natur, sondern ein
Flieg-Apparat mit praktischer Anwendung der Theorie des "Schwerer, als
die Luft". Und wenn der Schöpfer und Führer dieses Aeronefs auch für
seine Person das bisherige Incognito noch aufrecht erhalten wollte,
jedenfalls sah er davon, so weit es seine Maschine betraf, jetzt ab,
weil er dieselbe so dicht über den Gebieten des Fernen Westens sehen
ließ. Die von ihm gewählte mechanische Kraftquelle, wie die Natur der
Maschinen, welche dem Apparate seine Bewegung ertheilten, blieb
vorläufig freilich noch unbekannt. Mindestens war jedoch außer Zweifel
gestellt, daß diesem Aeronef eine ganz außergewöhnliche
Fortbewegungsfähigkeit innewohnte, denn nur wenige Tage später meldete
man schon sein Erscheinen im Himmlischen Reiche, dann aus den
nördlichen Theilen von Hindostan und kurz darauf wieder aus den Steppen
Rußlands.
Wer mochte nun jener kühne Mechaniker sein, der über so große bewegende
Kräfte gebot, für den weder Länder, noch Meere eine Grenze hatten, der
in der Erdatmosphäre wie in einem ihm allein zugehörigen Gebiete
schaltete und waltete? Sollte man glauben, es könne das jener Robur
sein, der dem Weldon-Institut seine Theorien so rücksichtslos in's
Gesicht geschleudert hatte, als er an dem bewußten Abend erschien, um
in die Utopien betreffs der lenkbaren Ballons eine klaffende Bresche zu
legen?
Vielleicht kam einigen weiter blickenden Köpfen dieser Gedanke. Und --
wunderbarer Weise -- dennoch erhob sich Niemand zu der Annahme, daß
besagter Robur mit dem Verschwinden des Vorsitzenden und des
Schriftführers vom Weldon-Institut in irgend welchem Zusammenhange
stehen könnte.
Das blieb also noch weiter Geheimniß, bis eine Depesche von Frankreich
durch das transatlantische Kabel am 6. Juli um elf Uhr siebenundreißig
Minuten in New-York eintraf.
Und was meldete diese Depesche? Sie übermittelte den Text jenes in
Paris in einer Schnupftabaksdose gefundenen Documents -- des
Schriftstückes, welches endlich enthüllte, was aus den beiden Männern
geworden war, um welche die Union eben Trauer anlegen wollte.
Der Urheber der Entführung war also doch Robur, der Ingenieur, der
ausschließlich zu dem Zwecke nach Philadelphia kam, die Theorie der
Ballonisten gleichsam im Ei zu ersticken. Er war es, der auf dem
Aeronef "Albatros" umherfuhr; er, der zur Wiedervergeltung erfahrener
Unbill Onkel Prudent nebst Phil Evans und Frycollin obendrein in die
Lüfte entführt hatte! Und diese Personen konnte man als für immer
verloren ansehen, wenn nicht durch irgend welche Hilfsmittel eine
Maschine construirt wurde, welche im Stande war, jenen mächtigen
Apparat zu bekämpfen, und wenn die irdischen Freunde Jener ihnen damit
nicht zu Hilfe kamen.
Welche Erregung! Welches Staunen! Das Pariser Telegramm war an das
Bureau des Weldon-Instituts adressirt gewesen. Die Mitglieder des Clubs
erhielten davon unverzüglich Kenntniß. Nach zehn Minuten hatte ganz
Philadelphia durch seine Telephons die große Neuigkeit erfahren, binnen
einer Stunde ganz Amerika, denn sie hatte sich elektrisch auf den
zahllosen Drähten der Neuen Welt verbreitet. Man wollte noch nicht
recht daran glauben und hielt es wohl für die Mystification eines
schlechten Witzbolds -- sagten die Einen -- für ein "Einräuchern"
schlimmster Art -- meinten die Andern. Wie wäre es möglich gewesen,
diesen Raub in Philadelphia so im Geheimen auszuführen? Wie hätte der
"Albatros" im Fairmont-Park zur Erde hernieder gehen können, ohne am
Horizont des Staates Pennsylvanien bemerkt zu werden?
Recht schön -- so lauteten die gewöhnlichen Argumente. -- Die
Ungläubigen behielten zwar noch das Recht zu zweifeln, sollten es aber
sieben Tage nach dem Eintreffen des Telegramms schon verlieren. Am 13.
Juli ging das französische Packetboot "Normandie" im Hudson vor Anker
und -- brachte die berühmte Schnupftabaksdose mit. Die Eisenbahn
beförderte dieselbe in größter Eile von New-York nach Philadelphia.
Ja, das war sie, die Dose des Vorsitzenden vom Weldon-Institut. Jem Cip
hätte an diesem Tage gut gethan, eine etwas substantiellere Nahrung zu
sich zu nehmen, denn er war, als er sie erkannte, nahe daran,
ohnmächtig umzusinken. Wie oft hatte er sich daraus ein
Freundschaftsprieschen zugelangt! Miß Doll und Miß Mat erkannten sie
ebenfalls, diese Dose, welche sie so oft mit dem heimlichen Wunsche
betrachtet, eines Tages auch ihre dürren Altjungfernfinger hinein zu
senken. Und da waren ihr Vater, William T. Forbes, Truk Milnor, Bat T.
Fyn und viele Andere aus dem Weldon-Institut -- hundertmal hatten sie
dieselbe in den Händen ihres verehrten Vorsitzenden sich öffnen und
schließen sehen. Endlich hatte sie das Zeugniß aller Freunde für sich,
die Onkel Prudent in der guten Stadt Philadelphia besaß, deren Name --
wie man nicht oft genug wiederholen kann -- darauf hinweist, daß ihre
Bewohner sich wie Brüder lieben.
Jetzt war also nach dieser Seite kein Schatten eines Zweifels mehr
aufrecht zu erhalten. Nicht allein die Dose des Vorsitzenden, sondern
besonders auch die von ihm herrührenden Schriftzüge des Documents
erlaubten es auch den Ungläubigsten nicht mehr mit den Achseln zu
zucken. Da begannen nun die Wehklagen und verzweifelte Hände erhoben
sich gen Himmel. Onkel Prudent und sein College in einer Flugmaschine
entführt, ohne daß man ein Mittel entdecken konnte, sie zu befreien!
Die Gesellschaft der Niagara-Fälle, deren stärkster Actionär Onkel
Prudent war, hätte beinahe ihre Geschäfte eingestellt und die
Wasserfälle geschlossen. Die »Walton Watch Company« dachte schon daran,
ihre Uhrenfabrik zu liquidiren, da diese ihren Director Phil Evans
eingebüßt hatte.
Ja, es herrschte allgemeine Trauer, und das Wort Trauer ist hier gar
nicht übertrieben, denn manche hirnverbrannte Köpfe, wie man deren auch
in den Vereinigten Staaten antrifft, bildeten sich steif und fest ein,
die beiden ehrenwerthen Bürger niemals wiederzusehen.
Nachdem er über Paris hingefahren war, hörte man von dem "Albatros"
zunächst nicht weiter reden. Einige Stunden später war er über Rom
schwebend gesehen worden -- das war Alles. Bei der bekannten
Geschwindigkeit des Aeronefs, mit der er über Europa von Nord nach Süd
und über das Mittelmeer von West nach Ost gefahren war, darf das ja
nicht Wunder nehmen. Und Dank eben dieser Schnelligkeit konnte ihn auch
kein Fernrohr an irgend einem Punkte seiner Fahrtlinie genauer
beobachten. Und hätten die Sternwarten ihr gesammtes Personal Tag und
Nacht auf Vorposten gestellt, die Flugmaschine Robur des Siegers hätte
sich so weit und so hoch entfernt -- in "Ikarien", wie er zu sagen
pflegte -- daß Alle verzweifelt wären, deren Spur je wieder
aufzufinden.
Hier sei hinzugefügt, daß wenn seine Geschwindigkeit über dem Ufer
Afrikas auch vermindert wurde, sich doch, weil jenes Document noch
nicht bekannt war, Niemand versah, den Aeronef in den Höhen des
algerischen Himmels zu suchen. Auf jeden Fall wurde er über Timbuctu
wahrgenommen; das Observatorium dieser berühmten Stadt -- wenn sie
überhaupt ein solches besitzt -- hatte aber noch nicht Zeit gefunden,
das Resultat seiner Beobachtungen nach Europa mitzutheilen. Was den
König von Dahomey betrifft, so hätte dieser gewiß eher zehntausend
Unterthanen, und seine Minister inbegriffen, um einen Kopf kürzer
machen lassen, ehe er zugestand, im Kampfe mit einer in der Luft
schwebenden Maschine unterlegen zu sein. Jeder fröhnt eben seiner
kleinen Eigenliebe.
Weiterhin steuerte der Ingenieur Robur dann über den Atlantischen
Ocean, wobei er zuerst nach dem Feuerlande und dann nach dem Cap Horn
kam. Ferner irrte er, etwas gegen seinen Willen, über die südlichsten
Landvesten und über das ausgedehnte Polargebiet hinweg. Von diesen
antarktischen Gegenden aus war natürlich keine Nachricht zu erwarten.
Der Juli verrann, und kein menschliches Auge konnte sich rühmen, den
Aeronef nur flüchtig wieder erblickt zu haben.
Der August ging zu Ende, ohne daß sich an der Ungewißheit über das Loos
der beiden Gefangenen Robur's etwas änderte. Man fing allmählich an,
sich zu fragen, ob der Ingenieur, nach dem Beispiele des Ikarus, dieses
ältesten Mechanikers, dessen die Sagengeschichte erwähnt, nicht ein
Opfer seiner Kühnheit geworden sein möge.
Endlich vergingen auch die ersten siebenundzwanzig Tage des Septembers
ohne jede Aenderung der Sachlage.
Bekanntlich gewöhnt man sich ja in der Welt an Alles. Es liegt in der
menschlichen Natur, mit der Zeit den Stachel des Schmerzes weniger zu
empfinden; man vergißt, weil es nothwendig ist, einmal zu vergessen. In
diesem Falle mußte man dagegen den Bewohnern dieses Erdenthals zu ihrer
Ehre nachsagen, daß sie von der allgemeinen Regel abwichen; noch immer
ermattete nicht die warme Theilnahme an dem Loose zweier Weißen und
eines Schwarzen, die wie durch den Propheten Elias entführt schienen,
denen aber keine Rückkehr durch die Bibel geweissagt war.
In Philadelphia trat das natürlich noch deutlicher zu Tage, als an
jedem anderen Orte; hier kamen dabei ja nähere persönliche Beziehungen
in's Spiel. Robur hatte den Onkel Prudent und Phil Evans aus Rache
ihrer Heimat entfremdet, hatte, wenn auch ohne jedes Recht, eine
grausame Wiedervergeltung geübt. Doch war seine Rache damit gekühlt?
Würde er dieselbe nicht auch noch anderen Collegen des Vorsitzenden und
des Schriftführers vom Weldon-Institut fühlen lassen? Und wer konnte
sich gesichert wähnen gegen etwaige Angriffe jenes allmächtigen
Beherrschers des Luftmeeres?
Da durchlief am 28. September eine Neuigkeit die ganze Stadt: Onkel
Prudent und Phil Evans sollten danach am Nachmittage in der
Privatwohnung des Vorsitzenden vom Weldon-Institut wieder aufgetaucht
sein.
Das Merkwürdigste an dieser Botschaft war, daß sie sich bestätigte,
obgleich die Meisten nicht daran glauben wollten.
Dennoch mußte man sich der Thatsache fügen. Das waren die beiden
Verschwundenen in Person -- nicht ihre Schatten -- und auch Frycollin
war mit ihnen zurückgekehrt.
Die Mitglieder des Clubs, darauf deren Freunde und endlich eine
ungeheure Volksmenge strömten vor Onkel Prudent's Hause zusammen. Alle
begrüßten mit Jubelruf die beiden Collegen, welche unter Hurrahs und
Hipps von Hand zu Hand getragen wurden.
Hier befand sich Jem Cip, der sein Frühstück -- geröstete
Brotschnittchen mit gekochtem Lattig -- verlassen hatte, und auch
William T. Forbes nebst seinen beiden Töchtern Miß Doll und Miß Mat.
Wäre Onkel Prudent Mormone gewesen, heute hätte er sie alle Beide zu
Frauen bekommen; doch das war er nicht und hatte auch nicht die
geringste Absicht, es je zu werden. Hier waren ferner Truk Milnor, Bat
T. Fyn und endlich die übrigen Mitglieder des Clubs. Es ist noch bis
heutigen Tages ein Räthsel geblieben, wie Onkel Prudent und Phil Evans
hatten lebend aus den Tausenden von Armen hervorgehen können, welche
sie bei ihrem ersten Gange durch die Stadt ebenso viele Male zu
erdrücken drohten.
An eben jenem Abende sollte das Weldon-Institut seine gewohnte
wöchentliche Sitzung abhalten. Man rechnete darauf, die beiden Collegen
ihre früheren Plätze wieder einnehmen zu sehen. Da sie übrigens von
ihren Abenteuern bisher noch nichts erzählt hatten -- vielleicht hatte
der Zudrang der Leute ihnen gar nicht die nöthige Zeit gewährt -- so
hoffte man auch, daß sie nun von den gehabten Eindrücken während jener
unfreiwilligen Reise berichten würden.
In der That hatten sich Beide aus irgend welchem Grunde bisher ganz
stumm verhalten, und stumm blieb auch der Diener Frycollin, den seine
Stammesgenossen vor toller Erregung fast geviertheilt hätten.
Was die beiden Collegen noch nicht gesagt und vielleicht hatten sagen
wollen, war Folgendes:
Wir brauchen wohl kaum auf die dem Leser bekannten Vorgänge in der
Nacht vom 27. zum 28. Juli zurück zu kommen; auf die kühn ausgeführte
Flucht des Vorsitzenden und des Schriftführers vom Weldon-Institut, auf
ihre lebhafte Erregung bei Durchwanderung der felsigen Insel Chatam,
den auf Phil Evans abgefeuerten Gewehrschuß, auf das durchschnittene
Ankertau und den "Albatros", der damals, seiner Triebschrauben
entbehrend, durch den Südwestwind weit fortgetrieben und gleichzeitig
zu großer Höhe gewissermaßen emporgeschnellt wurde. Darauf war derselbe
bald aus ihrem Gesichtskreis entschwunden.
Die Flüchtlinge hatten nun nichts mehr zu fürchten. Wie hätte Robur
nach der Insel zurückkehren können, da seine Schrauben noch drei bis
vier Stunden außer Stande waren, zu functioniren?
Nach Ablauf dieser Zeit aber mußte der durch die Explosion zerstörte,
"Albatros" zum elenden, auf dem Meere treibenden Wrack geworden sein,
und Diejenigen, welche er trug, waren jedenfalls nur noch in Stücke
gerissene Leichen, die auch der Ocean nicht wieder herausgeben konnte.
Der entsetzliche Racheact mußte dann vollkommen gelungen sein. Da Onkel
Prudent und Phil Evans sich als im Stande der Nothwehr betrachteten,
litten sie wegen dieser That an keinen Gewissensbissen.
Phil Evans war durch die vom "Albatros" aus entsendete Kugel nur leicht
verletzt worden. Alle Drei wanderten also am Ufer hinauf, in der
Hoffnung, Eingeborene anzutreffen.
Diese Hoffnung sollte nicht getäuscht werden. Etwa fünfzig halbwilde,
vom Fischfange lebende Einwohner siedelten an der Westküste Chatams.
Sie hatten den Aeronef nach der Insel herabkommen sehen und bereiteten
den Flüchtlingen einen Empfang, wie sie ihn als übernatürliche Wesen
verdienten. Man betete sie an, mindestens fehlte daran nicht viel, und
brachte sie in der größten und schönsten Hütte unter. Frycollin fand
gewiß niemals wieder eine solche Gelegenheit, die Rolle als Gott der
Schwarzen spielen zu können.
Wie sie vorausgesetzt, sahen Onkel Prudent und Phil Evans den Aeronef
nicht wieder zurückkehren, und mußten daraus schließen, daß die
schreckliche Katastrophe in großer Höhe eingetreten sein werde. Nun
würde Niemand wieder von dem Ingenieur Robur reden hören, so wenig wie
von seiner wunderbaren Maschine, die seine Leute mit ihm dahingetragen
hatte.
Jetzt galt es nur noch, eine Gelegenheit zur Rückkehr nach Amerika
abzuwarten, denn die Insel Chatam wird von Seefahrern wenig besucht. So
verstrich der ganze Monat August und die Flüchtlinge legten sich schon
die Frage vor, ob sie am Ende nicht bloß ein Gefängniß gegen ein
anderes eingetauscht hätten, mit dem übrigens Frycollin sich weit
besser, als mit dem "Kerker in der Luft", abzufinden schien.
Endlich am 3. September erschien ein Schiff, um an der Insel Chatam
Wasser einzunehmen. Der Leser hat jedenfalls nicht vergessen, daß Onkel
Prudent zur Zeit der Entführung aus Philadelphia mehrere tausend
Dollars Papiergeld bei sich führte, d. h. mehr als nothwendig war, um
nach Amerika zurückkehren zu können. Nachdem sie ihren Verehrern,
welche ihnen stets den allergrößten Respect bewiesen hatten, herzlich
gedankt, schifften sich Onkel Prudent, Phil Evans und Frycollin nach
Aukland ein. Von ihren Schicksalen erzählten sie nichts, und nach zwei
Tagen schon langten sie in der Hauptstadt Neu-Seelands an.
Hier nahm sie ein Packetboot des Stillen Oceans als Passagiere auf, und
am 20. September landeten die Ueberlebenden vom "Albatros" nach höchst
glücklicher Ueberfahrt in San Francisco. Sie hatten weder
ausgesprochen, wer sie waren, noch woher sie kamen: doch da sie einen
recht anständigen Preis für ihre Plätze entrichteten, so wäre es keinem
amerikanischen Capitän jemals eingefallen, weitere Fragen an die Leute
zu richten.
In San Francisco benützten Onkel Prudent, sein College und der Diener
Frycollin den ersten Zug der großen Pacific-Bahn und trafen am 27.
wohlbehalten in Philadelphia ein.
Das ist der gedrängte Bericht über Alles, was seit dem Entweichen der
Flüchtlinge und ihrer Abfahrt von der Insel Chatam vorgefallen war; und
somit konnten an jenem Abende der Vorsitzende und der Schriftführer,
inmitten eines ungeheuren Zudrangs, ihre Plätze im Weldon-Institut
wieder einnehmen.
Niemals aber hatte weder der Eine, noch der Andere eine so auffallende
Ruhe zur Schau getragen. Ihr Anblick allein hätte niemals ahnen lassen,
daß seit jener denkwürdigen Sitzung vom 12. Juni irgend etwas
Besonderes vorgefallen sei. Diese dreiundeinhalb Monate schienen in
ihrem Leben gar nicht mit zu zählen.
Nach den ersten Begrüßungssalven, welche Beide ohne das Zucken nur
eines Gesichtsmuskels hinnahmen, bedeckte Onkel Prudent das Haupt und
ergriff er zuerst das Wort.
"Ehrenwerthe Bürger, sagte er, die Sitzung ist eröffnet."
Wahnsinniger und gewiß wohlberechtigter Beifall, denn wenn es auch als
etwas Außergewöhnliches nicht gelten konnte, daß eine solche
Wochenversammlung eröffnet wurde, so erhielt der Umstand doch ein
außergewöhnliches Gewicht, daß das durch Onkel Prudent unter Assistenz
von Phil Evans geschah.
Der Vorsitzende ließ den in Zurufen und Händeklatschen kundgegebenen
Enthusiasmus sich ruhig austoben. Dann fuhr er fort:
"In unserer letzten Sitzung, meine Herrn, kam es zu recht lebhaftem
Meinungsaustausch (Hört! Hört!) zwischen den Vertretern der Vorder- und
der Rückenschraube für unseren Ballon, den »Go a head«. (Zeichen von
Verwunderung.) Wir haben inzwischen ein Auskunftsmittel erfunden, um
die Vorder- und Hintersteuerer unter einen Hut zu bringen, und das
besteht einfach darin: Wir versehen eben beide Enden des Nachens mit je
einer Triebschraube." (Stillschweigen vor allgemeinem Erstaunen.)
Das war Alles!
Ja, Alles, von der Entführung des Vorsitzenden und des Schriftführers
des Weldon-Instituts fiel kein Sterbenswörtchen; kein Wort über den
Ingenieur Robur und den "Albatros"; kein Wort über die Art und Weise,
wie die Gefangenen hatten entkommen können, und endlich kein Wort über
das Schicksal des Aeronefs, ob er noch durch das Luftmeer schwebe und
ob noch weitere Angriffe gegen Mitglieder des Clubs zu befürchten
wären.
Gewiß fehlte es den Ballonisten nicht an Lust, Onkel Prudent und Phil
Evans auszufragen; sie sahen dieselben aber so ernst, so zugeknöpft,
daß es angezeigt schien, ihre Zurückhaltung zu respectiren. Wenn sie
die Zeit zum Sprechen gekommen meinten, würden sie schon allein
sprechen und Alle würden sich geehrt genug fühlen, ihnen zuzuhören.
Uebrigens konnte unter diesem Stillschweigen ja noch ein Geheimniß
verborgen liegen, das heute noch nicht enthüllt werden durfte.
Da nahm Onkel Prudent unter einem, bisher bei den Sitzungen des
Weldon-Instituts unerhörten Stillschweigen wieder das Wort.
"Meine Herren, sagte er, es erübrigt uns nun bloß noch, den Aerostaten
»Go a head«, der bestimmt ist, sich das Luftmeer zu erobern,
schleunigst der Vollendung entgegen zu führen. -- Die Sitzung ist
geschlossen."
XVIII.
Welches diese wahrhafte Geschichte zu Ende führt, ohne sie zu
beendigen.
Am 29. April des folgenden Jahres, sieben Monate nach der so
unerwarteten Rückkehr des Onkel Prudent und Phil Evans, war ganz
Philadelphia in reger Bewegung. Um politische Fragen handelte es sich
dabei nicht, ebenso wenig um Wahlen oder Volksversammlungen. Der auf
Betreiben des Weldon-Instituts nun vollendete Aerostat »Go a head«
sollte endlich seinem natürlichen Element übergeben werden.
Als Aeronaut für denselben war der berühmte Harry W. Tinder, dessen wir
schon zu Anfang dieser Erzählung erwähnten, bestimmt worden, und ihm
hatte man noch einen erfahrenen Gehilfen beigegeben.
Die Passagiere bildeten der Vorsitzende und der Schriftführer des
Weldon-Instituts, denen diese Ehre gewiß vor allen Anderen zukam, da es
für sie so zu sagen eine Lebensaufgabe geworden war, persönlich gegen
jeden Apparat, der auf dem Principe "Schwerer, als die Luft" beruhte,
Einspruch zu erheben.
Doch auch jetzt, nach sieben Monaten, sollten sie immer noch erst
anfangen, über ihre Abenteuer zu berichten. Selbst Frycollin hatte, wie
sehr es ihn auch dazu drängte, noch nicht vom Ingenieur Robur und von
dessen wunderbarer Maschine gesprochen. Offenbar wollten Onkel Prudent
und Phil Evans als eingefleischte und unverbesserliche Ballonisten
überhaupt nicht, daß von dem Aeronef oder einer anderen Flugmaschine
jemals die Rede sei. Auch wenn ihr Ballon, der »Go a head«, noch nicht
die erste Stelle unter den zur Fortbewegung durch die Luft bestimmten
Apparaten einnehmen sollte, so wollten sie doch keine, von
irgendwelchem Anhänger der Aviation herrührende Erfindung dabei
anwenden lassen. Sie glaubten noch immer und wollten auch später nur
glauben, daß das einzig wahre atmosphärische Vehikel der Aerostat sei,
und daß ihm allein die Zukunft gehöre.
Uebrigens existirte ja Derjenige, an dem sie eine so furchtbare, ihrer
Ansicht nach aber nur gerechte Rache genommen hatten, jetzt schon
längst nicht mehr. Keiner von Denen, die er trug, hatte seinen
Untergang überleben können. Das Geheimniß des "Albatros" lag jetzt in
den unergründlichen Tiefen des Stillen Oceans begraben.
Die Annahme, daß der Ingenieur Robur einen Zufluchtsort, eine rettende
Insel im ungeheuren, verlassenen Ocean gefunden habe, erschien nur als
eine sehr gewagte Hypothese. Die beiden Collegen behielten sich für
später die Entscheidung darüber vor, ob es angezeigt erscheine, nach
dieser Richtung besondere Nachforschungen zu veranlassen.
Man schritt also endlich zu dem großen Experimente, welches das
Weldon-Institut so lange Zeit und mit so großer Sorgfalt vorbereitet
hatte. Der »Go a head« war der vollendetste Typus dessen, was im
Bereiche der Aerostatik bisher erfunden war -- dasselbe wie der
»Inflexible» und der »Formidable« (zwei neuere französische
Panzerschlachtschiffe) in der Schiffsbaukunst.
Der »Go a head« besaß alle für einen Aerostaten nur wünschenswerthen
Eigenschaften. Sein Volumen gestattete ihm, bis zu den allergrößten
Höhen, die ein Ballon nur erreichen kann, aufzusteigen; seine
Undurchlässigkeit für Gas, sich unbegrenzt lange in der Luft zu
erhalten; seine Festigkeit, jeder Ausdehnung der Gase ebenso zu
widerstehen, wie dem heftigsten Platzregen und stärksten Sturmwinde;
sein Fassungsvermögen, eine genügende Auftriebskraft zu entfalten, um
außer dem sonst nöthigen Zubehör eine elektrische Maschine mitzunehmen,
die seinen Propellern eine, jeder bisher erreichten überlegene
Treibkraft verleihen konnte. Der »Go a head« hatte eine längliche
Gestalt, um die horizontale Fortbewegung zu erleichtern. Seine Gondel,
eine derjenigen des Ballons der Capitäne Krebs und Renard ähnliche
Plattform, enthielt alles für Luftschiffer nothwendige Geräth und
Werkzeug, physikalische Instrumente, Taue, Anker, Rollen u. s. w.,
außerdem die Apparate, Batterien und Accumulatoren, welche seine
mechanische Kraft lieferten. Diese Gondel trug vorne eine Schraube und
hinten neben einer gleichen Schraube ein Steuerruder. Aller
Wahrscheinlichkeit nach mußte jedoch die Arbeitsleistung der Maschinen
des »Go a head« weit hinter der der Apparate des "Albatros"
zurückbleiben.
Der »Go a head« war nach vollendeter Füllung nach der Waldblöße im
Fairmont-Park übergeführt worden, d. h. genau nach derselben Stelle, an
welcher früher der Aeronef einige Stunden gelegen hatte.
Wir brauchen wohl nicht zu betonen, daß ihm die Auftriebskraft durch
das leichteste aller Gase verliehen worden war. Das gewöhnliche
Leuchtgas entwickelt per Cubikmeter nur eine solche Hebekraft gleich
700 Gramm -- was gegen die umgebende Luft nur einen unbeträchtlichen
Gewichtsunterschied darstellt. Das Wasserstoffgas dagegen besitzt bei
gleichem Volumen eine auf etwa 1100 Gramm zu schätzende Steigekraft.
Solches, nach dem Verfahren und in den Special-Apparaten des berühmten
Henry Giffard dargestellte reine Wasserstoffgas erfüllte den ungeheuren
Ballon. Da der »Go a head« nun einen Fassungsraum von 40.000
Cubikmetern besaß, so entsprach die Steigkraft seines Gases einem
Gewichte von 40.000mal 1100 Gramm oder 44.000 Kilogramm.
Am Morgen des 20. April war Alles bereit. Um elf Uhr schon schwankte
der riesige Aerostat wenige Fuß über dem Boden und fertig, sich in die
Luft zu erheben, majestätisch hin und her.
Es herrschte ein prächtiges und wie für diesen Versuch eigens gemachtes
Wetter. Vielleicht wäre eine etwas größere Windstärke wünschenswerther
gewesen, da sie die Probe mehr beweisend gestaltet hätte. Man hat ja
niemals bezweifelt, daß ein Ballon in ganz ruhiger Luft nach Belieben
gelenkt werden könne, in bewegter Atmosphäre ist das aber ein anderes
Ding und nur unter solchen Verhältnissen sollten derartige Proben
ausgeführt werden.
Genug, jetzt war weder Wind zu verspüren, noch deutete etwas darauf
hin, daß solcher auftreten würde. An jenem Tage sendete Nordamerika aus
seinem unerschöpflichen Vorrathe ausnahmsweise keinen Sturm nach dem
westlichen Europa, und niemals hätte ein Tag günstiger als dieser zur
Vornahme eines solchen aeronautischen Experimentes gewählt werden
können.
Kaum brauchen wir der ungeheuren, im Fairmont-Park aufgestauten
Menschenmenge, ebenso wenig der zahlreichen Bahnzüge zu erwähnen,
welche Ströme von Neugierigen aus allen Nachbarstaaten über
Philadelphia ergossen hatten; auch nicht der Unterbrechung jeder
industriellen und commerciellen Thätigkeit, welche es Allen -- Chefs,
Beamten, Handwerkern, Männern und Frauen, Greisen und Kindern,
Congreßmitgliedern, Vertretern der bewaffneten Macht, Magistratspersonen,
Reportern, weißen und schwarzen Eingeborenen, die auf der Waldblöße
zusammengelaufen waren -- gestattete, diesem Schauspiele beizuwohnen.
Oder sollten wir das geräuschvolle Durcheinanderwogen dieser
Volksmengen schildern, die unerwarteten Bewegungen, das plötzliche
Drängen und das Jauchzen und Rufen des Mobs? Sollen wir die Hipp! Hipp!
Hipp! nachzählen, welche von allen Seiten gleich dem Krachen von
Feuerwerkskörpern laut wurden, als Onkel Prudent und Phil Evans auf der
mit dem amerikanischen Sternenbanner geschmückten Plattform erschienen?
Oder müßten wir es erst besonders aussprechen, daß der größte Theil
dieser Neugierigen vielleicht nicht gekommen war, um den »Go a head« zu
sehen, sondern um sich die zwei außerordentlichen Männer zu betrachten,
um welche die Alte Welt die Neue beneidete?
Warum aber nur Zwei und nicht Drei? Warum nicht auch Frycollin? -- Das
kam daher, daß Frycollin die Reise mit dem "Albatros" für seine
Berühmtheit als genügend erachtete und er die Ehre, seinen Herrn zu
begleiten, bescheiden abgelehnt hatte. Er bekam also keinen Theil von
den tollen Jubelrufen, welche den Vorsitzenden und den Schriftführer
des Weldon-Instituts empfingen. Es versteht sich von selbst, daß von
allen Mitgliedern der berühmten Gesellschaft keiner auf dem für diese
reservirten Platze innerhalb der Pfähle und Leinen fehlte, welche einen
Theil der Lichtung abgrenzten. Hier waren Truk Milnor, Bat T. Fyn,
William T. Forbes, der seine beiden Töchter Miß Doll und Miß Mat an den
Armen führte. Alle waren erschienen, um durch ihre Anwesenheit zu
bekräftigen, daß nichts jemals im Stande sei, die Anhänger des
"Leichter, als die Luft" zu trennen.
Gegen elf Uhr zwanzig Minuten verkündigte ein Kanonenschuß die
Beendigung der letzten Vorbereitungen.
Der »Go a head« erwartete nur noch das Signal zum Aufsteigen.
Ein zweiter Kanonenschuß donnerte um elf Uhr fünfundzwanzig.
Der nur noch durch seine Leitseile gehaltene »Go a head« erhob sich
gegen fünfzehn Meter über die Lichtung. Am anderen Ende der Plattform
stehend, legten Onkel Prudent und Phil Evans die linke Hand auf die
Brust, was bedeuten sollte, daß sie mit dem Zuschauerkreise eines
Herzens wären. Dann streckten sie die rechte Hand nach dem Zenith aus,
um anzudeuten, daß der größte, bis jetzt bekannte Ballon endlich in
Begriff stehe, von seinem überirdischen Reiche Besitz zu ergreifen.
Da legten sich hunderttausend Hände auf hunderttausend Brüste; und
,
1
,
"
"
2
,
.
3
4
5
6
7
.
8
9
.
10
11
12
13
.
14
.
15
,
16
,
.
17
.
18
19
"
"
,
20
,
21
.
22
,
'
.
23
24
,
25
,
26
27
.
28
,
29
.
30
31
'
;
32
.
33
34
,
35
,
.
36
'
37
.
38
39
,
,
40
.
.
.
41
.
42
43
.
44
45
"
,
;
46
,
47
.
.
.
.
48
.
.
.
.
.
.
"
49
50
51
.
"
"
52
,
53
,
54
.
55
.
56
57
?
58
"
"
!
59
,
60
?
61
62
63
64
.
65
66
,
,
67
,
68
.
69
70
"
,
,
71
.
72
73
-
-
,
.
74
75
-
-
!
76
77
-
-
!
"
.
78
79
,
80
.
81
"
"
,
82
,
,
,
83
.
84
,
,
85
.
86
,
87
88
.
89
90
,
"
"
91
.
92
,
,
93
.
94
,
95
.
96
,
,
97
.
98
99
100
,
101
.
,
102
,
103
,
,
104
.
"
"
105
,
106
,
107
.
108
109
.
110
,
111
?
112
113
"
"
114
,
.
115
116
,
117
118
.
,
119
,
120
.
121
122
,
123
,
124
.
"
"
125
.
126
,
127
.
,
128
,
129
,
130
.
131
132
,
-
-
133
-
-
,
,
134
.
135
,
.
136
,
"
"
,
137
.
138
,
.
.
.
139
140
"
,
!
"
.
141
142
143
.
,
.
144
.
,
145
.
"
"
,
146
,
147
.
148
149
,
,
,
150
!
.
.
.
,
151
!
.
.
.
152
153
154
,
155
,
;
156
.
157
,
158
.
,
159
,
.
160
,
"
"
,
161
,
.
162
163
164
.
165
,
166
,
.
167
168
.
169
,
,
170
,
,
171
.
,
172
,
173
,
.
174
175
;
176
,
,
"
"
,
177
-
-
,
178
.
179
180
.
181
.
182
183
"
,
,
,
184
.
185
186
-
-
?
,
187
.
188
189
-
-
,
190
.
,
191
"
"
.
192
193
-
-
,
,
194
,
.
195
,
,
196
197
.
198
199
-
-
,
,
200
-
-
-
-
201
.
202
203
-
-
,
,
.
204
,
.
,
205
,
206
,
.
"
207
208
.
209
210
.
211
"
"
,
,
,
212
213
.
214
215
"
,
,
,
216
.
,
217
,
.
218
,
219
.
220
221
-
-
'
,
,
,
222
223
.
224
"
"
.
225
226
-
-
,
,
.
227
,
'
228
.
229
.
230
"
"
,
,
231
.
232
.
.
.
233
234
-
-
,
,
235
.
.
.
236
237
-
-
,
,
"
"
!
"
238
239
240
.
241
242
"
,
,
,
243
.
"
244
245
.
246
247
,
248
,
.
249
,
250
,
,
251
.
252
253
,
,
254
255
.
'
256
,
257
,
-
-
258
-
-
"
"
.
259
260
,
261
.
262
263
,
264
.
265
266
"
.
.
.
?
.
267
268
-
-
?
.
269
270
-
-
?
,
.
271
272
-
-
,
!
273
274
-
-
.
275
276
-
-
.
.
.
.
.
.
277
278
-
-
?
279
280
-
-
?
.
.
.
.
281
,
,
!
"
282
283
,
,
284
"
"
.
285
.
,
286
,
.
287
288
,
289
.
290
291
292
,
293
,
294
.
295
"
"
.
296
297
,
298
,
.
299
300
,
301
,
,
.
302
303
,
304
,
305
,
306
,
307
.
308
309
,
310
;
311
,
312
.
313
"
"
,
'
314
,
315
316
.
317
318
,
"
"
319
,
.
320
321
322
323
324
.
325
326
327
.
328
329
330
331
,
.
,
.
.
332
,
-
333
,
334
,
,
335
,
.
336
337
338
,
.
339
,
,
,
340
-
-
!
-
-
341
,
342
,
343
,
,
344
,
,
345
,
346
347
,
348
'
.
,
349
,
,
350
351
.
352
353
,
354
.
355
,
356
,
357
,
.
358
359
,
360
.
,
,
361
-
362
,
,
363
.
364
,
365
,
,
366
.
367
?
:
368
,
;
,
369
,
370
371
372
.
373
.
374
375
376
,
377
,
,
378
.
,
,
379
.
380
,
381
,
382
,
383
.
384
385
.
,
386
.
.
.
387
»
«
,
388
.
389
390
.
391
392
,
393
-
,
394
-
,
395
-
.
396
397
,
,
398
:
399
400
"
!
"
401
402
.
,
,
403
,
404
"
!
"
.
405
406
,
407
,
408
,
,
409
,
.
410
411
,
,
,
,
,
412
.
.
.
,
413
.
414
415
416
.
.
.
;
417
.
.
.
;
,
418
.
.
.
!
.
.
.
!
419
420
,
421
.
422
.
423
424
.
425
426
?
427
428
.
429
430
.
,
431
432
.
,
433
,
434
.
,
,
435
!
436
437
.
,
438
,
,
439
-
-
440
-
-
.
»
«
441
,
'
.
442
,
443
,
,
444
,
.
445
446
"
!
,
.
.
.
"
447
448
;
449
-
.
450
451
"
!
!
!
!
!
452
!
"
453
454
,
455
456
457
,
458
459
»
«
.
460
461
,
-
-
-
-
462
,
,
463
,
,
?
464
465
.
466
467
'
,
468
,
469
.
470
471
472
,
473
.
474
475
-
.
476
,
477
.
478
479
,
480
,
,
481
,
482
.
,
483
,
484
;
485
,
"
"
486
-
.
487
488
489
;
,
490
-
"
,
491
"
.
492
,
493
,
,
,
494
495
.
,
496
,
,
497
.
498
,
499
,
500
,
501
502
.
503
504
,
505
,
,
,
506
507
?
,
508
,
-
'
509
,
,
510
511
?
512
513
.
-
-
514
-
-
,
515
516
-
517
.
518
519
,
520
.
521
-
.
522
523
?
524
-
-
525
,
,
526
,
.
527
528
,
,
529
,
530
.
,
531
"
"
;
,
532
533
!
534
,
535
,
,
536
,
537
.
538
539
!
!
540
-
.
541
.
542
,
543
,
544
.
545
546
-
-
-
-
"
"
547
-
-
.
,
548
?
549
"
"
-
,
550
?
551
552
-
-
.
-
-
553
,
554
.
.
555
"
"
556
-
-
.
557
-
.
558
559
,
,
-
.
560
,
561
,
,
,
,
562
.
563
!
564
,
,
565
,
566
.
,
.
,
,
.
567
-
-
-
568
569
.
,
570
,
-
-
571
-
-
,
572
.
573
574
575
.
,
576
577
578
.
579
.
580
,
,
!
581
582
-
,
583
,
584
.
»
«
,
585
,
586
.
587
588
,
,
589
,
,
590
,
,
591
.
592
593
,
"
"
594
.
595
-
-
.
596
,
597
,
598
.
599
600
.
601
,
602
-
-
"
"
,
603
-
-
,
604
.
605
606
,
607
,
,
608
,
,
609
.
610
;
-
-
611
-
-
,
612
.
613
,
614
,
,
615
,
,
616
.
617
.
618
619
620
,
621
.
,
,
622
.
623
.
624
625
,
,
626
.
627
628
,
629
'
.
,
630
,
,
,
631
,
,
632
.
633
634
635
.
636
637
.
638
,
639
;
,
,
.
640
641
,
;
642
643
,
,
644
.
645
646
,
647
;
648
'
.
649
,
,
,
650
.
?
651
652
-
?
653
654
?
655
656
.
:
657
658
-
659
.
660
661
,
,
662
.
663
664
.
665
-
-
-
-
666
.
667
668
,
669
'
.
670
,
671
.
672
673
,
-
-
674
-
-
,
675
.
.
676
,
677
;
678
,
.
,
679
.
.
680
,
681
,
682
683
.
684
685
-
686
.
,
687
.
688
-
-
689
-
-
690
,
691
.
692
693
694
,
,
695
.
696
697
698
,
:
699
700
701
.
.
;
702
-
,
703
,
704
,
705
"
"
,
,
706
,
707
.
708
.
709
710
.
711
,
712
,
?
713
714
,
715
"
"
,
,
716
,
,
717
,
.
718
719
.
720
,
721
.
722
723
"
"
724
.
,
725
,
.
726
727
.
,
728
.
729
730
,
731
.
,
,
732
.
733
,
734
.
735
736
,
737
,
,
738
.
739
,
740
,
741
.
742
743
,
744
,
.
745
746
,
747
,
748
,
"
"
,
.
749
750
.
,
751
.
,
752
753
,
.
.
,
754
.
,
755
,
756
,
,
757
.
,
758
-
.
759
760
,
761
.
"
"
762
.
763
,
,
:
764
,
765
,
766
.
767
768
,
769
-
.
770
.
771
772
,
773
;
774
,
775
,
-
776
.
777
778
,
779
.
,
780
.
781
.
782
.
783
784
,
785
,
786
.
787
788
"
,
,
.
"
789
790
,
791
,
792
,
793
,
794
.
795
796
797
.
:
798
799
"
,
,
800
(
!
!
)
-
801
,
»
«
.
(
802
.
)
,
803
-
,
804
:
805
.
"
(
.
)
806
807
!
808
809
,
,
810
-
;
811
"
"
;
,
812
,
813
,
814
815
.
816
817
,
818
;
,
,
819
,
.
820
,
821
,
.
822
823
824
,
.
825
826
,
827
-
.
828
829
"
,
,
,
830
»
«
,
,
,
831
.
-
-
832
.
"
833
834
835
836
837
.
838
839
,
840
.
841
842
843
844
.
,
845
,
846
.
847
,
.
848
-
»
«
849
.
850
851
.
,
852
,
,
853
.
854
855
856
-
,
,
857
,
858
,
"
,
"
,
859
.
860
861
,
,
862
,
.
,
863
,
864
.
865
866
,
867
.
,
»
«
,
868
869
,
,
870
871
.
872
,
,
873
.
874
875
,
,
876
,
877
.
,
,
878
.
"
"
879
.
880
881
,
,
882
,
,
883
.
884
,
,
885
.
886
887
,
888
-
889
.
»
«
,
890
-
-
891
»
»
»
«
(
892
)
.
893
894
»
«
895
.
,
896
,
,
;
897
,
898
;
,
899
,
;
900
,
,
901
,
902
,
903
.
»
«
904
,
.
,
905
906
,
907
,
,
,
,
.
.
.
,
908
,
,
909
.
910
.
911
912
»
«
"
"
913
.
914
915
»
«
916
-
,
.
.
,
917
.
918
919
,
920
.
921
922
-
-
923
.
924
.
925
,
-
926
927
.
»
«
.
928
,
929
.
.
.
930
931
.
.
932
,
933
,
.
934
935
936
.
937
,
.
938
,
939
,
940
941
.
942
943
,
,
944
,
.
945
946
,
947
948
.
949
950
,
-
951
,
,
952
953
;
954
,
-
-
,
955
,
,
,
,
956
,
,
,
957
,
,
958
-
-
,
.
959
960
,
,
961
?
!
!
962
!
,
963
,
964
?
965
,
966
,
»
«
967
,
,
968
?
969
970
?
?
-
-
971
,
"
"
972
,
973
,
.
974
,
975
-
.
,
976
977
,
978
.
,
.
,
979
.
,
980
.
,
981
,
,
982
"
,
"
.
983
984
985
.
986
987
»
«
.
988
989
.
990
991
»
«
992
.
993
,
994
,
,
995
.
,
996
,
,
997
,
.
998
999
;
1000