Der "Albatros" wurde von den Arabern, den Mozabiten und den Negern,
welche sich in die Oasen von Uargla theilen, unzweifelhaft bemerkt,
denn es begrüßten ihn von hier aus Hunderte von Gewehrschüssen, ohne
daß die Kugeln ihn hätten erreichen können.
Dann kam die Nacht, die grabesstille Wüstennacht, deren Geheimnisse
Felicien David so hochpoetisch geschildert hat.
Während der folgenden Stunden kehrte man wieder nach Südwesten zurück
und kreuzte die Straßen von El Golea, deren eine im Jahre 1859 durch
den unerschrockenen Duveyrier entdeckt worden war.
Rings herrschte tiefe Finsterniß. Nichts war zu sehen von der nach den
Plänen Duponchel's zu erbauenden Sahara-Bahn, dem langen Eisenbande,
das Algier mit Timbuctu über Leghuat und Gardaia verknüpfen und später
bis zum Golf von Guinea fortgesetzt werden soll.
Der "Albatros" gelangte nun in die äquatorialen Gebiete jenseits des
Wendekreises des Krebses. Tausend Kilometer von der Nordgrenze der
Sahara überschritt er die Straße, wo der Major Loiny 1846 den Tod fand;
er kreuzte den Weg der Caravane von Marokko nach dem Sudan, und über
dem Theile der Wüste, in dem die Tuarys hausen, hörte er, was man den
"Gesang des Sandes" zu nennen pflegt, ein sanftes, klagendes Murmeln,
das dem Erdboden zu entsteigen scheint.
Nur ein einziger Zwischenfall ereignete sich hier; eine Wolke von
Heuschrecken zog in großer Höhe daher und aus derselben fiel nun eine
so große Menge an Bord, daß das Luftschiff davon unterzugehen drohte.
Die Mannschaft beeilte sich jedoch, die unerwünschte Last wieder
abzuwerfen, bis auf mehrere hundert Stück, welche François Tapage für
sich in Anspruch nahm. Er richtete dieselben auf so ausgezeichnet
schmackhafte Weise zu, daß Frycollin darüber sogar einmal seine eigene
Angst vergaß.
"Das schmeckt so gut, wie die besten Krabben!" sagte er.
Man befand sich jetzt tausendachthundert Kilometer von der Oase Uargla
entfernt, fast auf der Nordgrenze des ungeheuren Königreichs Sudan.
Gegen zwei Uhr Nachmittags wurde auch am Knie eines großen Stromes eine
Stadt sichtbar. Dieser Strom war der Niger -- die Stadt war Timbuctu.
Wenn dieses afrikanische Mekka bisher nur von kühnen Reisenden der
Alten Welt, von einem Batouta, Khazan, Imbert, Mungo-Park, Adams,
Loiny, Laillé, Barth, Lenz und Anderen besucht worden war, so konnten
von heute ab, und zwar Dank den Zufälligkeiten eines Abenteuers ohne
Gleichen, auch zwei Amerikaner »de visu«, »de auditu« und obendrein »de
olfactu« davon bei ihrer Heimkehr nach Amerika reden -- wenn sie
überhaupt einmal dahin zurückgelangten.
»De visu«, weil sie alle Ecken des fünf bis sechs Kilometer großen
Dreiecks, das die Stadt bildet, übersehen konnten; -- »de auditu«, weil
an diesem Tage großer Markt abgehalten wurde, bei dem es ohne einen
Heidenlärmen nicht abgeht; -- »de olfactu«, weil der Geruchsnerv sehr
unangenehm erregt werden mußte durch die Dünste des Yubu-Kamo-Platzes,
auf dem sich dicht neben dem alten Palaste der Könige die
Fleischverkaufshalle erhebt.
Jedenfalls glaubte der Ingenieur den Vorsitzenden und den Schriftführer
des Weldon-Instituts darauf aufmerksam machen zu sollen, daß es die
höchste Zeit sei, sich die Königin des Sudans zu betrachten, die sich
jetzt in den Händen der Touaregs von Laganet befindet.
"Timbuctu, meine Herren!" sagte er zu ihnen in demselben Tone, in dem
er zwölf Tage früher zu ihnen "Indien, meine Herren!" gesagt hatte.
Dann fuhr er fort:
"Timbuctu, unter 18 Grad nördlicher Breite und 5 Grad 56 Minuten
westlicher Länge von Paris, zweihundertfünfundvierzig Meter über dem
mittleren Niveau des Meeres gelegen. Eine bedeutende Stadt von zwölf-
bis dreizehntausend Einwohnern, die sich ehedem durch Kunst und
Wissenschaft auszeichnete. -- Vielleicht hatten Sie den Wunsch, hier
einige Tage Halt zu machen?"
Ein solches Angebot des Ingenieurs konnte nur ironisch gemeint sein.
"Indeß, fuhr er fort, es möchte für Fremde einigermaßen gefährlich
werden, inmitten von Negern, Berbern, Fullahs und Arabern, welche hier
wohnen, vorzüglich wenn wir bedenken, daß die Ankunft des Aeronefs ihr
Mißfallen erregt haben dürfte.
-- Mein Herr, erwiderte Phil Evans in derselben Tonart, für das
Vergnügen, Sie verlassen zu können, würden wir gern die Gefahr auf uns
nehmen, von den Eingeborenen hier übel empfangen zu werden. Ein Kerker
ist so gut wie der andere, aber Timbuctu immer noch besser, als der
"Albatros".
-- Das sind Geschmackssachen, versetzte der Ingenieur. Auf keinen Fall
möchte ich das Abenteuer wagen, denn ich bin verantwortlich für die
Sicherheit der Gäste, welche mir die Ehre anthun, mit mir zu reisen ...
-- Sie begnügen sich also nicht mehr, Ingenieur Robur, platzte jetzt
Onkel Prudent, dem die Galle überlief, heraus, mit der Rolle unseres
Kerkermeisters -- nein, Sie müssen uns auch noch beleidigen?
-- O, das war höchstens eine erlaubte Ironie!
-- Giebt es denn keine Waffen an Bord?
-- Gewiß, ein ganzes Arsenal.
-- Zwei Revolver würden genügen, wenn ich den einen nehme und Sie, mein
Herr, den anderen.
-- Ein Duell, rief Robur, ein Duell, das Einem von uns das Leben kosten
könnte!
-- Nein, ihm gewiß kosten würde!
-- Nein, nein, mein Herr Präsident des Weldon-Instituts, ich ziehe es
vor, Sie am Leben zu erhalten.
-- Um sicherer zu sein, daß Sie selbst leben bleiben. Das ist sehr
klug.
-- Klug oder nicht, mir paßt es eben. Es steht Ihnen völlig frei,
darüber anders zu denken und Klage zu erheben, wenn Sie es können.
-- Das ist schon geschehen, Ingenieur Robur!
-- Wirklich?
-- War es denn bei unserer Fahrt über die bewohnten Gegenden Europas so
schwierig, ein Schriftstück hinunterfallen zu lassen ...
-- Das hätten Sie gethan? unterbrach ihn Robur, in dem der Zorn hell
aufloderte.
-- Und wenn wir es gethan hätten?
-- Wenn Sie es gethan hätten, verdienten Sie ...
-- Was denn, mein Herr Ingenieur?
-- Daß man Sie Ihrem Schreiben über Bord nachfliegen ließe!
-- So werfen Sie uns über Bord ... Wir haben es gethan!" rief Onkel
Prudent.
Robur trat auf die beiden Collegen zu. Auf ein Zeichen von ihm waren
Tom Turner und einige seiner Kameraden herzugelaufen. Ja, der Ingenieur
hatte verzweifelte Lust, seine Drohung zur Ausführung zu bringen, und
ohne Zweifel zog er sich nur aus Besorgniß, ihr nicht widerstehen zu
können, plötzlich in seine Cabine zurück.
"Sehr schön! sagte Phil Evans.
-- Und was er zu thun nicht wagte, erklärte Onkel Prudent, das werde
ich wagen, ich, ja, ich werde es thun!"
In diesem Augenblick liefen die Bewohner von Timbuctu auf den Plätzen
und Straßen der Stadt zusammen und sammelten sich auf den Terrassen der
amphitheatralisch erbauten Häuser.
In den reichen Vierteln von Sankore und Sarahama, wie in den elenden
kugelförmigen Hütten des Quartiers Raguidi donnerten die Priester von
den Spitzen der Minarets die schlimmsten Flüche und Verwünschungen
gegen das Ungeheuer in der Luft. Das war indeß unschädlicher, als
Flintenkugeln.
Und auch bis zum Hafen von Kabara an der scharfen Biegung des Niger war
Alles, was sich auf Schiffen und Booten befand, in lebhafterer
Bewegung. Wenn der "Albatros" hier zur Erde niedergegangen wäre, die
Leute hätten ihn in Stücke gerissen.
Während einiger Stunden folgten ihm schreiend und an Schnelligkeit
wetteifernd lärmende Schaaren von Störchen, Haselhühnern und Ibissen;
sein rascher Flug hatte dieselben aber bald hinter sich zurückgelassen.
Gegen Abend ertönte ein dumpfes Grollen und Murren von zahlreichen
Elephanten und Büffelheerden, welche in diesen, durch ganz besondere
Fruchtbarkeit ausgezeichneten Gebieten umherirrten.
Während vierundzwanzig Stunden entrollte sich die ganze zwischen dem
Meridian 0 und dem 2. Grade der Länge zwischen dem Knie des Stromes
gelegene Gegend unter dem "Albatros" gleich einem Wandelpanorama.
Ja, wenn ein Geograph einen solchen Apparat zur Verfügung gehabt hätte,
wie leicht wäre es ihm dann nicht gewesen, eine topographische Aufnahme
des Landes auszuführen, die höchsten Punkte zu messen, den Lauf der
Ströme und ihrer Nebenflüsse zu bestimmen und die Lage der Städte und
Dörfer festzusetzen. Dann gäbe es in den Karten von Inner-Afrika nicht
mehr so viel leere Stellen, so viel nur mit blassen Farben markirte
Länder -- und keine punktirte Linien und unsichere Abgrenzungen mehr,
welche die Kartographen zur Verzweiflung bringen.
Am Morgen des 11. überschritt der "Albatros" die Berge des nördlichen
Guinea zwischen dem Sudan und dem Golf, der dessen Namen trägt. Am
Horizont erhoben sich schon in undeutlicher Linie die Kong-Berge des
Königreichs Dahomey.
Seit der Abfahrt von Timbuctu hatten Onkel Prudent und Phil Evans
beobachten können, daß sie stets die Richtung von Norden nach Süden
eingehalten hatten. Sie schlossen daraus, daß sie, wenn hierin keine
Aenderung eintrat, sechs Grade weiter die Aequinoctiallinie erreichen
mußten. Sollte der "Albatros" sich wirklich vom Festland ganz wegwenden
und hinaus, nicht auf das Behring-Meer, den Caspis-See, die Nordsee und
das Mittelmeer, sondern auf den Atlantischen Ocean wagen wollen?
Diese Aussicht war für die beiden Collegen, welche damit jede
Gelegenheit, zu entfliehen, verloren, freilich keine besonders
angenehme.
Der "Albatros" bewegte sich jetzt jedoch nur langsam vorwärts, als
zögere er noch, das afrikanische Gebiet zu verlassen. Der Ingenieur
dachte indeß keineswegs an eine Umkehr, nur fesselte das Land, über
welches sie kamen, seine Aufmerksamkeit im höchsten Grade.
Es ist allgemein und war ihm nicht minder bekannt, daß das Königreich
Dahomey an der Westküste Afrikas eines der mächtigsten ist. Stark
genug, um sich mit dem benachbarten Reiche der Aschantis im Kampfe
messen zu können, sind seine Grenzen doch sehr beschränkt, denn es mißt
nur fünfundzwanzig (englische) Meilen von Nord nach Süd und gegen
sechzig Meilen von Ost nach West; seine Einwohnerzahl beläuft sich
jedoch auf 7-800.000 Seelen, seitdem es die bisher unabhängigen Gebiete
von Ardrah und Wydoch annectirt hat.
Wenn dieses Königreich Dahomey also auch nicht groß ist, so hat es doch
recht oft von sich reden gemacht. Es wurde zeitig berühmt durch die
entsetzlichen Grausamkeiten, welche daselbst beim Jahreswechsel
begangen werden, durch die Menschenopfer, die furchtbaren Hekatomben,
welche gewöhnlich dem verstorbenen und dem seine Stelle ersetzenden
Könige dargebracht werden. Ja, es gehört so zu sagen zum guten Ton, daß
der König von Dahomey, wenn er den Besuch einer hohen Person oder etwa
eines Gesandten erhält, diesem zu Ehren einem Dutzend Gefangenen die
Köpfe abschlagen läßt -- abschlagen durch seinen Minister der Justiz,
den "Minghan", der sich seiner Aufgabe als Henker vortrefflich
entledigt.
Zur Zeit, als der "Albatros" die Grenze von Dahomey überschritt, war
eben der König Lahadu verstorben und die ganze Bevölkerung schritt zur
Feier der Thronbesteigung seines Nachfolgers. Daher herrschte im ganzen
Lande eine große Aufregung und Bewegung, welche Robur nicht hatte
entgehen können.
Lange Züge von Landbewohnern Dahomeys drängten sich nach Abomey, der
Hauptstadt des Reiches, hin. Ueberall zeigte das Land wohlunterhaltene
Straßen, welche durch weite, mit sehr hohem Grase bewachsene Ebenen
verlaufen. Ungeheure Maniocfelder, Wälder voll herrlicher Palmen,
Cocosnußbäume, Mimosen, Orangen- und Mangobäume, deren Düfte bis zum
"Albatros" hinaufstiegen, während Tausende von Papageien und Cardinälen
aus dem dunklen Grün aufflatterten.
Ueber die Reeling gebeugt und in Gedanken versunken, wechselte der
Ingenieur nur wenige Worte mit Tom Turner.
Es schien übrigens nicht, als ob der "Albatros" von vornherein die
Aufmerksamkeit der sich fortbewegenden Menschenmasse erweckte, welche
auch selbst unter den dichten Baumkronen meist nicht sichtbar war.
Hauptsächlich kam das jedoch wohl daher, daß er sich in großer Höhe und
zwischen leichten Wolken hielt.
Gegen elf Uhr Vormittags erschien die Stadt mit ihrem Mauergürtel, den
noch ein zwölf Meilen im Umfang messender Graben vertheidigt, mit ihren
breiten, regelmäßigen, sehr eben verlaufenden Straßen und dem großen
Platz, den der Palast des Königs einnimmt. Alle die vielen
Baulichkeiten überragt noch eine Terrasse, nicht weit vom gewöhnlichen
Opferplatz. Während der größten Feste werden dem Volke von der Höhe
derselben aus die in Weidenkörben angebundenen Gefangenen zugeworfen,
und man kann sich schwer eine Vorstellung von der Wuth machen, mit
welcher diese Unglücklichen in Stücke gerissen werden.
In einem Theile der Höfe, welche den Palast des Herrschers umschließen,
sind viertausend Krieger einquartirt, eine der Abtheilungen der
königlichen Armee, und natürlich nicht die schlechteste.
Wenn es auch zweifelhaft ist, daß es jemals Amazonen auf dem Strome
dieses Namens gegeben habe, so liegt das in Dahomey anders. Die Einen
tragen hier ein blaues Hemd, roth und blaue Schärpe, weiße,
blaugestreifte Beinkleider, weiße kurze Beinkleider darüber und die
Patronentasche im Gürtel; die Anderen, die Elephanten-Jägerinnen, sind
bewaffnet mit einer plumpen Flinte, einem Dolch mit kurzer Klinge, und
auf dem Kopfe tragen sie zwei mit einem Eisenringe befestigte
Antilopenhörner; die Artilleristen haben einen halb rothen und halb
blauen Ueberwurf und als Waffe die Donnerbüchse mit alten gußeisernen
Rohren, noch Andere endlich, ein Bataillon jener Mädchen, trägt eine
Art blauer Mäntel mit kurzem weißen Beinkleid; das sind wirkliche
Vestalinnen, keusch wie Diana und wie diese mit Pfeilen und Bogen
ausgerüstet.
Rechnet man zu diesen Amazonen noch fünf- bis sechstausend Mann in
Baumwollhemden und mit einem Gürtel um die Taille, so hat man die ganze
Armee von Dahomey Revue passiren lassen.
Abomey selbst war an diesem Tage völlig menschenleer, der König, das
ganze Personal, die männliche wie die weibliche Armee, sowie die
Einwohner, Alle hatten die Hauptstadt verlassen, um einige Meilen
entfernt auf einem großen, von prächtigem Baumschlag eingerahmten
Platze zusammenzuströmen.
Es war das die Ebene, auf der die Huldigung des neuen Königs
stattfinden sollte, und hier harrten Tausende, bei Gelegenheit der
letzten Razzias eingebrachte Gefangene zur Ehre desselben ihres letzten
Augenblicks.
Gegen zwei Uhr Nachmittags begann der jetzt über derselben Ebene
schwebende "Albatros" aus einer leichten Dunstschicht, die ihn bisher
den Augen der Bevölkerung von Dahomey verhüllt hatte, etwas mehr
niederzusinken.
Hier befanden sich jetzt wohl gegen sechzigtausend Menschen, die aus
allen Gegenden des Reiches, aus Midah, Karapay, Ardrah, Tombory und aus
allen Städten und Dörfern gekommen waren.
Der neue König -- ein kräftiger Kerl, Namens Bu-Stadi und
fünfundzwanzig Jahre alt -- thronte auf einer kleinen Anhöhe, welche
eine Gruppe von Bäumen mit langen Aesten beschattete. Vor ihm drängte
sich der neue Hofstaat, seine männliche Armee, seine Amazonen und das
ganze Volk hin und her.
Am Fuße dieses Erdhügels spielten etwa fünfzig Musiker auf ihren
barbarischen Instrumenten, bliesen auf Elephantenzähnen, die einen
rauhen Ton gaben, wirbelten auf großen, mit einer Hirschkuhhaut
bespannten Trommeln, oder hatten Flaschenkürbisse, Guitarren, Glocken,
die mit einem Eisenstabe angeschlagen wurden, und Flöten aus
Bambusrohr, deren scharfer Klang das ganze Orchester übertönte. Jeden
Augenblick krachten die Flinten, Donnerbüchsen und zuweilen die alten
Kanonen, deren Lafetten dabei zurücksprangen, daß die Artilleristen in
Lebensgefahr kamen; dazu herrschte ein solcher Heidenlärm und so wüstes
Geschrei, daß man kaum einen Donnerschlag hätte hören können.
In einer Ecke der freien Ebene standen, von Soldaten überwacht, die
Gefangenen, welche dem verstorbenen Könige das Geleit in die andere
Welt geben sollten, denn durch sein Ableben darf ein solcher noch keine
Einbuße an seiner hohen Würde erleiden. Bei der Leichenfeier Ghozo's,
des Vaters Bahadu's, hatte dessen Sohn ihm dreitausend Diener
mitgegeben. Bu-Stadi konnte seinem Vorgänger hierin doch nicht
nachstehen. Der Todte brauchte ja eine Menge Sendboten, nicht allein,
um die Geister seiner Ahnen herbeizurufen, sondern auch, um alle
Bewohner des Himmels zu versammeln, welche das Gefolge des verewigten
Königs bilden sollten.
Eine Stunde verging mit Gesprächen, Vorträgen und Ansprachen,
unterbrochen von Tänzen, welche nicht allein die eigentlichen Bajaderen
aufführten, sondern auch die Amazonen, die dabei viel kriegerische
Grazie entwickelten.
Inzwischen kam die Zeit zur Hinrichtung heran. Robur, der die blutigen
Gewohnheiten von Dahomey schon kannte, verlor die gefangenen Männer,
Frauen und Kinder, welche abgeschlachtet werden sollten, niemals aus
dem Auge.
Der Minghan verweilte am Fuße des Erdhügels. Er schwang das
Richtschwert mit gebogener Klinge, auf der auch noch ein metallener
Vogel saß, dessen Gewicht ihm noch mehr Schwung verlieh. Dieses Mal war
er nicht allein; er wäre mit der Arbeit auch nicht fertig geworden. In
seiner Umgebung befanden sich noch hundert Scharfrichter, die alle
eingeübt waren, einen Kopf mit einem einzigen Hieb vom Rumpfe zu lösen.
Inzwischen näherte sich der "Albatros" allmählich in schräger Richtung
und ließ seine Auftriebs- und Treibschrauben mit verminderter
Geschwindigkeit spielen. Bald trat er aus der Wolkenschicht hervor, die
ihn bis wenigstens hundert Meter von der Erde verhüllt hatte, und wurde
jetzt zum ersten Male sichtbar.
Ganz entgegen den gewöhnlichen Erfahrungen sahen die wilden
Eingeborenen in ihm nur ein himmlisches Wesen, das ganz allein zu dem
Zwecke herabgestiegen sei, dem Könige Bahadu zu huldigen.
Das gab einen Enthusiasmus ohne Gleichen, unendliche Zurufe, lautes
Jubeln und allgemeine Gebete, gerichtet an diesen übernatürlichen
Hippogryph, der ohne Zweifel jetzt kam, um den Körper des verstorbenen
Königs in die Höhe des Dahomey'schen Himmels zu tragen.
Eben da fiel der erste Kopf unter dem Schwerte des Minghan; dann wurden
hundert andere Gefangene ihren schrecklichen Henkern zugeführt.
Plötzlich krachte vom "Albatros" ein Schuß. Der Justizminister stürzte
getroffen zur Erde.
"Gut gezielt, Tom! sagte Robur.
-- Bah! ... Es war ein Schuß mitten in den Haufen!" antwortete
bescheiden der Obersteuermann.
Seine ebenfalls bewaffneten Kameraden standen bereit, auf das erste
Zeichen des Ingenieurs Feuer zu geben.
Die Volksmenge hatte durch diesen Vorfall aber ihre Anschauungen
schnell gewechselt; dieses geflügelte Ungeheuer war kein guter, sondern
ein dem guten Volk von Dahomey feindlicher Geist. Nachdem der Minghan
gefallen, erhob sich ein wildes Geheul. Gleichzeitig knatterten viele
Gewehre, die nach dem "Albatros" gerichtet waren.
Diese Drohungen hinderten letzteren jedoch nicht, bis auf etwa
hundertfünfzig Fuß über der Erde niederzusinken. Trotz ihrer dem
Ingenieur Robur gewiß ungünstigen Stimmung konnten sich Onkel Prudent
und Phil Evans doch nicht versagen, an diesem menschenfreundlichen
Werke theilzunehmen.
"Ja, laßt uns die Gefangenen befreien! riefen sie.
-- Das ist meine Absicht!" antwortete der Ingenieur.
Schon begannen die Repetirgewehre des "Albatros" in den Händen der
beiden Collegen, wie in denen der Mannschaft, ein Schnellfeuer, von dem
doch keine Kugel inmitten der großen Menschenmasse verloren ging. Und
selbst das kleine Geschütz an Bord, das so tief als möglich
herabgerichtet wurde, sandte einige Kartätschenladungen hinunter,
welche wahre Wunder wirkten.
Sofort sprengten die Gefangenen, ohne etwas von der ihnen aus der Höhe
gekommenen Hilfe zu begreifen, ihre Fesseln, während die Soldaten auf
den Aeronef Feuer gaben. Die vordere Schraube wurde von einer Kugel
durchlöchert, während einige andere an den Rumpf des Fahrzeuges
schlugen. Frycollin, der sich im Hintergrunde seiner Cabine verkrochen
hatte, wäre fast noch durch die Wand des Ruffs getroffen worden.
"Aha, sie haben Appetit auf etwas mehr!" rief Tom Turner.
Er begab sich nach der Munitionskammer und kehrte von dort mit einem
Dutzend Dynamitpatronen zurück, die er an die Kameraden vertheilte. Auf
ein Zeichen Robur's wurden dieselben über den Hügel hinabgeworfen und
durch das Aufschlagen auf den Erdboden zersprangen sie wie kleine
Bomben.
Das gab aber eine wilde Flucht! Der König, der Hof, die Armee und das
ganze Volk stürzte, von gewiß nicht ungerechtfertigter Furcht
ergriffen, auf und davon! Alle suchten unter den Bäumen Schutz, während
die Gefangenen entflohen und Niemand daran dachte, sie zu verfolgen.
So wurden die Festlichkeiten zu Ehren des neuen Königs von Dahomey
unterbrochen. Auch Onkel Prudent und Phil Evans mußten zugestehen, über
wie große Machtmittel dieser Apparat verfügte, und welchen hohen Nutzen
er der Menschheit hätte gewähren können.
Der "Albatros" erhob sich darauf zu mittlerer Höhe; er glitt über Mydah
hinweg und hatte bald diese ungastliche Küste, welche die Westwinde mit
unnahbarer Brandung peitschten, aus dem Gesichte verloren.
Er schwebte nun über dem Atlantischen Weltmeere.
XIII.
In dem Onkel Prudent und Phil Evans einen ganzen Ocean durchfahren,
ohne die Seekrankheit zu bekommen.
Ja, das Atlantische Meer! Die Befürchtungen der beiden Collegen hatten
sich bewahrheitet. Es schien übrigens nicht, als ob Robur hier über dem
unendlichen Ocean irgend welche Unruhe empfände. Das kümmerte ihn so
wenig wie seine Leute, welche an derartigen Fahrten gewöhnt sein
mochten. Dieselben waren schon wieder in ihre Wohnung zurückgekehrt.
Kein Alpdrücken sollte ihren Schlummer stören.
Wohin steuerte nun der "Albatros"? Sollte er wirklich noch mehr als
eine Reise um die Erde ausführen? Auf jeden Fall mußte diese Fahrt doch
irgendwo ein Ende nehmen. Daß Robur sein ganzes Leben in den Lüften, an
Bord des Aeronefs zubringen sollte, ohne jemals zur Erde hinunter zu
gehen, war doch nicht wohl annehmbar, denn wie hätte er seine Vorräthe
an Munition und Lebensmitteln erneuern sollen, ohne das für die
Functionirung der Maschine nothwendige Material zu erwähnen? Unbedingt
mußte er also einen Zufluchtsort, eine Art Nothhafen haben, und
wahrscheinlich auf einen unbekannten und schwer erreichbaren Punkt der
Erde, wo der "Albatros" sich mit allen Bedürfnissen frisch versehen
konnte. Mit den Bewohnern der Erde mochte er jeden Verkehr abgebrochen
haben, mit der Erde als solcher aber gewiß nicht.
Doch wenn das der Fall war, wo lag dieser Punkt? Wie mochte der
Ingenieur dazu gelangt sein, ihn zu erwählen? Erwartete ihn eine kleine
Colonie etwa als ihren Herrn? Konnte er von da neue Mannschaften
erhalten? Und zunächst, wie war er überhaupt dazu gekommen, seine, aus
den verschiedensten Ländern stammenden Leute an sein Schicksal zu
binden? Ueber welche Mittel verfügte er ferner, um einen so
kostspieligen Apparat erbauen zu können, dessen ganze Construction so
geheim gehalten worden war? Seine Unterhaltung freilich schien nicht
besonders viel zu beanspruchen. An Bord führte man fast ein gemeinsames
Leben, wie in einer Familie oder wie glückliche Leute, die kein
Geheimniß vor einander haben. Doch, wer war eigentlich jener Robur?
Woher kam er? Welcher Art war seine Vergangenheit? Das waren ebenso
viele unlösbare Räthsel, und der, auf den sie Bezug hatten, würde gewiß
der Letzte sein, eine Erklärung darüber abzugeben.
Es ist gewiß nicht zu verwundern, wenn diese Situation voller
unenthüllbarer Probleme die beiden Collegen mehr und mehr erregte. Sich
so in's Unbekannte hinaus entführt und den endlichen Ausgang eines
solchen Abenteuers nicht im geringsten vorauszusehen, selbst daran zu
zweifeln, daß dasselbe überhaupt jemals ein Ende nehme, zum ewigen
Umherfliegen verurtheilt zu sein -- mußte das den Vorsitzenden und den
Schriftführer des Weldon-Instituts nicht auf's Aeußerste treiben?
Inzwischen schwebte der "Albatros" am Abend des elften Juli über den
Atlantischen Ocean hin. Als am nächsten Morgen die Sonne aufging, erhob
sie sich über die kreisförmige Linie, in der Himmel und Wasser zusammen
zu treffen scheinen. Trotz des weit ausgedehnten Gesichtsfeldes war
doch nirgends ein Land in Sicht und Afrika schon vollständig hinter dem
nördlichen Horizont verschwunden.
Als Frycollin sich einmal aus seiner Cabine wagte und das weite Meer
unter sich sah, wurde er sofort von der grimmigsten Angst gepackt.
Unter sich ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck, es wäre besser
zu sagen, "um sich", denn für einen auf sehr hohem Punkte befindlichen
Beobachter erscheint es, als ob der Abgrund ihn von allen Seiten
umgäbe, und der Horizont weicht dabei gleichsam zurück, ohne daß man je
seine Grenzen erreichen könnte.
Physikalisch erklärte sich Frycollin diese Erscheinung sicherlich
nicht, aber er fühlte sie moralisch. Das genügte aber schon, um in ihm
die "Angst vor der Leere" zu erzeugen, deren sich manche, sonst ganz
muthige Naturen nicht entziehen können.
Jedenfalls erging sich der Neger aus Klugheit nicht in den gewohnten
Klagen. Mit geschlossenen Augen tastete er sich nach seiner Cabine
zurück, entschlossen, diese auf lange Zeit nicht wieder zu verlassen.
Von den 373,895.343 Quadratkilometern[5], welche die Oberfläche der
Meere einnehmen, fällt über ein Viertel auf den Atlantischen Ocean. Es
schien aber gar nicht, als ob der Ingenieur jetzt besondere Eile habe,
wenigstens hatte er nicht Befehl gegeben, den Aeronef mit voller
Geschwindigkeit arbeiten zu lassen. Uebrigens hätte dieser auch die
Fahrtschnelligkeit wie über Europa hin nicht erreichen können. In den
Gegenden, in denen der Südwestwind vorherrscht, lief er diesem fast
entgegen, und obwohl derselbe nur schwach zu nennen war, so bot der
Apparat ihm doch eine große Angriffsfläche.
[5] Die Oberfläche des festen Landes beträgt 136,055,371
Quadratkilometer.
Die neuesten und auf eine große Anzahl von Beobachtungen gestützten
meteorologischen Arbeiten haben eine gewisse Convergenz der Passate,
entweder nach der Sahara oder nach dem Golf von Mexiko, erkennen
lassen. Außerhalb der Region der Calmen kommen sie entweder von Westen
und strömen nach Afrika zu, oder sie kommen von Osten her und ziehen
nach der Neuen Welt zu -- wenigstens während der wärmeren Jahreszeit.
Der "Albatros" versuchte also gar nicht, gegen den ihm widrigen Wind
mit der ganzen Kraft seiner Treibschrauben anzukämpfen. Er begnügte
sich mit einer gemäßigten Gangart, welche übrigens die der
transatlantischen Dampfer immer noch überholte.
Am 13. Juli überschritt der Aeronef den Aequator, was der ganzen
Mannschaft besonders angemeldet wurde.
Onkel Prudent und Phil Evans erfuhren also dabei auch, daß sie nun die
nördliche Halbkugel verlassen hatten und nach der südlichen gekommen
waren. Diese Passirung der Linie wurde jedoch nicht durch die tollen
Ceremonien gefeiert, welche auf vielen Kriegs- und Handelsschiffen
gebräuchlich sind.
Nur François Tapage ließ es sich nicht nehmen, Frycollin eine große
Pinte Wasser über den Kopf zu gießen, da dieser Taufe aber einige
Gläser Gin nachfolgten, erklärte der Neger sich bereit, die Linie so
oft passiren zu wollen, wie man wünschte, vorausgesetzt, daß das nicht
auf dem Rücken eines mechanischen Vogels zu geschehen brauche, der ihm
nun einmal kein Vertrauen einflößte.
Am Morgen des 15. schwebte der "Albatros" über den Inseln Ascension und
St. Helena, aber näher der letzteren hin, deren höhere Theile sich
einige Stunden lang am Horizonte zeigten.
Hätte zur Zeit, als Napoleon sich in der Gewalt der Engländer befand,
ein Apparat, ähnlich dem des Ingenieurs Robur, existirt, gewiß würde
Hudson Lowe trotz seiner oft geradezu beleidigenden Vorsichtsmaßregeln
seinen berühmten Gefangenen auf dem Wege durch die Lüfte haben
entweichen sehen.
Während der beiden Abende des 16. und 17. Juli zeigten sich mit Abnahme
des Tageslichtes höchst eigenthümliche Dämmerungserscheinungen. Unter
höherer Breite hätte man bei ihrem Anblick an ein Nordlicht denken
können. Die Sonne warf nämlich bei ihrem Niedergang über den Himmel
vielfarbige Strahlen, von denen einige in leuchtendem Grün erschienen.
War das eine Wolke kosmischen Staubes, welche an der Erde vorüber zog
und jetzt den letzten Schimmer des Tages wiederstrahlte? Einige
Beobachter haben solche Dämmerungserscheinungen in dieser Weise
allerdings erklärt; sie wären aber gewiß zu anderer Anschauung
gekommen, wenn sie sich an Bord des Aeronefs befunden hätten.
Eine aufmerksame Prüfung ergab nämlich, daß in der Luft feine
Pyroxen-Krystalle schwebten, glasartige Kügelchen, nämlich zarte
Theilchen magnetischen Eisens, ganz entsprechend den Stoffen, welche
feuerspeiende Berge auswerfen. Es schwand damit also jeder Zweifel, daß
diese Wolke von einer vulcanischen Eruption herrührte, deren
krystallinische Auswurfsstoffe die beobachtete Erscheinung erzeugten --
eine Wolke, welche die Luftströmungen auch noch über dem Atlantischen
Ocean schwebend erhielten.
Während dieses Theiles der Reise wurden übrigens auch noch andere
Erscheinungen wahrgenommen. Wiederholt verliehen gewisse Wolken dem
Himmel eine weißgraue Färbung von eigenthümlichem Aussehen; gelangte
man dann durch einen solchen Dunstvorhang, so erschien dessen
Oberfläche ganz übersäet von glänzend weißen Körperchen, zwischen denen
einzelne größere besonders hervorleuchteten, was sich unter dieser
Breite durch nichts Anderes, als durch eine Hagelbildung erklären ließ.
In der Nacht vom 17. zum 18. bildete sich ein grünlichgelber
Mondregenbogen infolge der Stellung des Aeronefs zwischen dem Vollmonde
und einem Netz von fernem Regen, der schon in Dunst überging, ehe er
das Meer erreichte. Vielleicht ließ sich aus diesen verschiedenen
Erscheinungen schon auf einen bevorstehenden Witterungsumschlag
schließen. Jedenfalls hatte der Wind, der seit der Abfahrt von der
afrikanischen Küste stets aus Südwesten wehte, sich in der Nähe des
Aequators ganz gelegt. Hier in der Tropenzone herrschte dazu eine fast
unerträgliche Hitze. Robur suchte daher Kühlung in höheren
Luftschichten, und doch mußte man sich auch noch hier vor den directen
Sonnenstrahlen schützen, welche Niemand hätte aushalten können.
Dieser Wechsel in den Luftströmungen ließ schon ahnen, daß jenseits des
Aequatorialgebiets auch andere klimatische Verhältnisse herrschen
würden; es darf hierbei auch nicht vergessen werden, daß der Monat Juli
der südlichen Halbkugel der Januar der nördlichen ist, also dem
tiefsten Winter entspricht. Wenn der "Albatros" noch weiter nach Süden
vordrang, mußte er die Folgen davon bald spüren.
Das Meer aber "empfand das", wie die Seeleute sagen. Am 18. Juli zeigte
sich jenseits des Wendekreises des Steinbocks ein anderes Phänomen,
welches gewiß jeden Schiffer erschreckt hätte.
Mit einer auf mindestens sechzig Meilen in der Stunde zu schätzenden
Geschwindigkeit zog über das Meer weg eine merkwürdige Reihe von
leuchtenden Wellen, die einander in der Entfernung von etwa achtzig Fuß
folgten und lang schimmernde Streifen zurückließen. Mit einbrechender
Nacht strahlte der Widerschein davon sogar bis zum "Albatros" hinauf,
so daß dieser jetzt wirklich hätte für einen glühenden kleinen
Himmelskörper angesehen werden können. Noch nie war es Robur
vorgekommen, über ein Meer in Flammen hinwegzusteuern -- über Flammen
ohne Hitze, denen zu entfliehen er nicht nöthig hatte.
Die Elektricität mußte offenbar die Ursache dieser Erscheinung sein,
denn etwa einer Fischlaichbank oder einem von jenen kleinen Geschöpfen
gebildeten Zuge, welche zuweilen die Fläche des Meeres bedecken, konnte
man dieselbe nicht zuschreiben.
Das ließ vermuthen, daß die elektrische Spannung der Luft jetzt eine
sehr hohe sein müsse.
Am folgenden Tage, am 19. Juli wäre ein Schiff auf diesem Meere wohl
dem Untergang geweiht gewesen. Der "Albatros" dagegen spielte mit Wind
und Wellen, wie der gewaltige Vogel, dessen Namen er trug. Wenn es ihm
nicht beliebte, wie ein Sturmvogel über der Meeresfläche hinzugleiten,
so konnte er wie der Adler in höheren Schichten Ruhe und Sonnenschein
aufsuchen.
Man hatte jetzt den 47. Grad südlicher Breite überschritten. Der Tag
dauerte nur noch sieben bis acht Stunden, und er mußte mit der
Annäherung an die antarktischen Gegenden noch immer kürzer werden.
Gegen ein Uhr Nachmittags hatte sich der "Albatros", um eine günstige
Luftströmung aufzufinden, sehr tief gesenkt. Er schwebte höchstens noch
hundert Fuß über der Oberfläche des Meeres.
Das Wetter war still. An einzelnen Stellen des Himmels zogen dicke,
dunkle Wolken mit ausgezackten Rändern auf, welche oben eine genau
horizontale Linie bildeten. Aus diesen Wolken quollen langgezogene
Protuberanzen hervor, deren Ende das Wasser anzuziehen schien, das
darunter in Form eines flüssigen Straußes aufbrodelte.
Plötzlich stieg das Wasser in Form einer ungeheuren Sanduhr hoch empor.
In einem Augenblick wurde der "Albatros" in den Wirbel einer riesigen
Trombe hineingezogen, der bald zwanzig andere von Tintenschwärze das
Geleite gaben. Zum Glück vollzog sich die Drehung dieser Trombe
entgegen der der Auftriebsschrauben, sonst hätten diese ihre Wirkung
ganz eingebüßt und der Aeronef wäre in's Meer gefallen; jetzt wurde er
nur mit erschreckender Schnelligkeit um sich selbst gedreht.
Immerhin war die Gefahr groß und schien unmöglich abwendbar, da der
Aeronef sich nicht aus der Trombe los machen konnte, deren Anziehung
ihn trotz der Treibschrauben zurückhielt. Durch die Centrifugalkraft
wurde die Mannschaft nach beiden Enden des Verdecks geschleudert, und
mußte sich hier an den Schraubenmasten anhalten, um nicht über Bord zu
fallen.
"Ruhig Blut!" rief Robur.
Und das brauchten sie wirklich, und Geduld obendrein.
Onkel Prudent und Phil Evans, die aus ihrer Cabine heraustraten, wurden
nach dem Hintertheil getrieben und hatten die größte Mühe, sich noch
fest zu klammern.
Und während sich der "Albatros" in dieser Weise um sich selbst drehte,
folgte er auch der Lageveränderung der Tromben, die mit einer
Schnelligkeit, auf welche die Schrauben desselben hätten eifersüchtig
werden können, sich weiterhin wanden. Sobald er der einen entgangen,
wurde er von einer anderen gepackt und war stets in Gefahr, in Stücke
zerrissen zu werden.
"Einen Kanonenschuß!" rief der Ingenieur.
Der Obersteuermann Tom Turner verstand völlig diesen an ihn gerichteten
Befehl; er lehnte eben an dem kleinen Bordgeschütz mittschiffs, wo die
Centrifugalkraft minder wirksam war. Schneller, als wir es beschreiben
können, hatte er die Schwanzschraube des Rohrs geöffnet und führte in
diese eine scharfe Patrone ein, von denen ein kleiner Vorrath in einem
an der Lafette befestigten Kasten vorhanden war. Der Schuß krachte und
sofort sanken einige Tromben zusammen.
Die Lufterschütterung hatte hingereicht, das Meteor zu zerreißen und
die ungeheure Dunstmasse löste sich in einen Sturzregen auf, der den
Himmel mit dicken Wasserstreifen überzog, die Meer und Himmel
verbanden.
Endlich befreit, beeilte sich der "Albatros", um einige hundert Meter
aufzusteigen.
"Nichts zerbrochen an Bord?" fragte der Ingenieur.
-- Nein, antwortete Tom Turner; aber das war denn doch ein etwas gar zu
tolles Kreiseln, das wir uns nicht zum zweiten Male wünschen möchten."
In der That, in der Zeit von zehn Minuten war der "Albatros" in größter
Gefahr gewesen, und ohne seine solide Bauart dürfte er dem Wirbeln der
Tromben schwerlich widerstanden haben.
Wie lang wurden die Stunden bei dieser Fahrt über den Ocean, wenn
nichts die Eintönigkeit derselben unterbrach. Die Tage nahmen immer
mehr ab und die Kälte wurde allmählich fühlbar. Onkel Prudent und Phil
Evans sahen Robur nur wenig. In seine Cabine eingeschlossen,
beschäftigte er sich damit, den Curs zu bestimmen, auf seinen Karten
die zurückgelegten Strecken einzutragen und sich, wenn es irgend
anging, Gewißheit zu verschaffen, wo sie sich eben befanden, ferner die
Barometer, Thermometer und Chronometer zu beobachten und endlich alle
Zwischenfälle der Reise in das Schiffsbuch einzutragen.
Sorgsam verhüllt, bemühten sich die beiden Collegen unablässig, im
Süden Land zu entdecken.
Frycollin seinerseits versuchte, gemäß einem besonderen Auftrage des
Onkel Prudent, den Koch bezüglich des Ingenieurs auszuforschen. Wie
hätte aber Jemand aus dem, was der Gascogner François Tapage zur
Antwort gab, klug werden können? Nach ihm war Robur bald ein ehemaliger
Minister der Republik Argentina, ein Chef der Admiralität, ein
abgetretener Präsident der Vereinigten Staaten, ein auf Wartegeld
gesetzter spanischer General, oder auch ein Vicekönig von Indien, der
in den Lüften eine noch höhere Stellung gesucht hatte. Bald besaß er,
Dank der mit Hilfe seiner Maschine ausgeführten Razzias, Millionen und
war er allgemein in die Acht erklärt; bald hatte er sich wieder durch
die Herstellung dieses Apparats ruinirt und gezwungen gesehen,
öffentlich aufzusteigen, um sein Geld wieder zu gewinnen. Auf die Frage
nach einem Ruheplatz desselben war keine Auskunft zu erhalten, außer
der, daß er nach dem Mond zu gehen beabsichtige, um dort zu bleiben,
wenn er eine ihm passende Oertlichkeit anträfe.
"He, Fry ... mein Kamerad! ... Nicht wahr, es würde Dir Vergnügen
machen, zu sehen, wie es da oben zugeht?
-- Ich gehe nicht mit! Ich weigere mich! ... erwiderte der Schwachkopf,
der alle diese Faseleien für Ernst nahm.
-- Und weshalb, Fry, weshalb? Wir verheiraten Dich dort mit einer
hübschen, jungen Mondbewohnerin ... Du wirst da der Stammvater der
Neger!"
Als Frycollin das, was er gehört, seinem Herrn hinterbrachte, erkannte
dieser wohl, daß über Robur keine Auskunft zu erlangen sei. Er dachte
also nur noch daran, sich zu rächen.
"Phil, begann er eines Tages zu seinem Collegen, es liegt nun auf der
Hand, daß eine Flucht für uns unmöglich ist.
-- Unmöglich, Onkel Prudent!
-- Zugegeben, ein Mann ist aber stets sein eigener Herr, und wenn es
sein muß, indem er sein Leben opfert ...
-- Wenn ein solches Opfer nothwendig ist, dann wird es so schnell als
möglich gebracht! antwortete Phil Evans, dessen sonst so kühles
Temperament nun doch die Grenze des Erträglichen erreicht hatte. Ja, es
ist Zeit, ein Ende zu machen! ... Wohin geht der "Albatros"? ... Jetzt
fliegt er schräg über den Atlantischen Ocean, und wenn er diese
Richtung beibehält, muß er nach den Küsten von Patagonien, dann nach
denen des Feuerlandes kommen ... Aber nachher? ... Wird er auch noch
über den Stillen Ocean hinausschweben? Oder steuert er dann nach dem
Südpolarlande? ... Diesem Robur ist Alles zuzutrauen! ... Dann wären
wir verloren! ... Wir befinden uns also in der Zwangslage berechtigter
Nothwehr, und wenn wir einmal zu Grunde gehen müssen ...
-- So geschehe es nicht, fiel Onkel Prudent ein, ohne daß wir uns
gerächt, ohne daß wir diesen Apparat mit Allen, die er trägt, zerstört
haben!"
Bis zu solchen Anschauungen hatte der ohnmächtige Zorn, die in ihnen
aufgehäufte Wuth die beiden Collegen schon gebracht! Ja, weil es nicht
anders ging, wollten sie sich opfern, um den Erfinder sammt seinem
Geheimniß zu vernichten. Nur wenige Monate hätte dann dieser wunderbare
Aeronef erlebt, dessen unbestreitbare Ueberlegenheit bezüglich der
Fortbewegung durch die Luft sie anzuerkennen sich gezwungen sahen.
Diese Vorstellung hatte in ihren Köpfen so fest Wurzel geschlagen, daß
sie an gar nichts Anderes mehr dachten. Doch wie sollten sie zu Werke
gehen? O, sie wollten sich nur einer der an Bord vorhandenen
Explosionsmaschinen bemächtigen, um damit den ganzen Apparat in tausend
Stücke zu zersprengen; freilich mußten sie dazu erst Gelegenheit
finden, in die Munitionskammer einzudringen.
Glücklicher Weise ahnte Frycollin nichts von ihren Absichten. Bei dem
Gedanken, daß der "Albatros" in die Luft gesprengt werden sollte, würde
er sich nicht entblödet haben, seinen eigenen Herrn zu verrathen.
Am 23. Juli war es, wo in Südwesten wieder Land sichtbar wurde, und
zwar nahe dem Cap der Jungfrauen am Eingange der Magellan-Straße.
Jenseits des 54. Breitengrades währte die Nacht in dieser Jahreszeit
fast neunzehn Stunden und die Mitteltemperatur der Luft blieb
fortwährend unter 0 Grad zurück.
Statt jetzt noch weiter nach Süden vorzudringen, folgte der "Albatros"
zunächst den Windungen jener Meerenge, als ob er dem Stillen Ocean
zutriebe. Nachdem er über die Bai von Lomas hinweggekommen, den
Gregory-Berg im Norden und die Brecknocks-Berge im Westen hinter sich
gelassen, kam er in Sicht von Punta Arena, einem kleinen chilenischen
Dörfchen, gerade als daselbst das volle Kirchengeläute erklang, und
einige Stunden später in die Nähe der alten Niederlassung im
sogenannten Hungerhafen.
Wenn die Patagonier, deren Feuer man da und dort aufleuchten sah,
wirklich eine das mittlere Menschenmaß übertreffende Körpergröße haben,
so konnten doch die Passagiere des Aeronefs darüber nicht urtheilen, da
sie ihnen, von dieser Höhe gesehen, als Zwerge erschienen.
Doch welch' Schauspiel bot sich hier während der kurzen Stunden des
südlichen Tages! Steile, zerklüftete Berge, mit ewigem Schnee bedeckte
Spitzen, deren Seiten mit dichten Wäldern bedeckt waren; Binnenseen,
Buchten zwischen den Vorgebirgen und Inseln dieses Archipels; daneben
Clarence-, Dawson- und Desolationsland, Canäle und Furthen, unzählige
Caps und Halbinseln -- all' dieses undurchdringliche Gewirr, und jetzt
durch das Eis zu einer festen Masse verschmolzen, vom Cap Forward, am
Ende des amerikanischen Festlandes, bis zum Cap Horn am letzten
Ausläufer der Neuen Welt!
Nachdem er jedoch den Hungerhafen erreicht, nahm der "Albatros" wieder
eine völlig südliche Richtung an. Zwischen dem Tarnberge der Halbinsel
Brunswick und dem Grawes-Berge hindurchsteuernd, wandte er sich in
gerader Linie nach dem Sarmiento-Berge, einem gewaltigen, dick
übereisten Spitzberge, welcher die Meerenge der Magellan-Straße in
einer Höhe von zweitausend Metern beherrscht.
Hier zeigte sich den Blicken der Reisenden das Land der Pescheräs oder
Fuegier, jener Ureinwohner, welche noch im Feuerland siedeln.
Wie herrlich und fruchtbar hätten sich diese Gebiete -- vorzüglich
deren mittlerer Theil -- im Sommer gezeigt, wo die Tage fünfzehn bis
sechzehn Stunden lang dauern! Ueberall bieten sie nämlich Thäler und
Weideplätze, welche Abertausende von Thieren ernähren könnten, nebst
jungfräulichen Wäldern mit riesenhaften Bäumen, mit Weiden, Buchen,
Eschen, Cypressen und blühenden Farrenkräutern; dann wieder Ebenen,
welche große Heerden von Guanaquen, Vigogneschafen und Straußen
bewohnen. Als der "Albatros" seine elektrischen Lichter erglühen ließ,
flatterten auch Papageientaucher, Enten und Gänse -- hundertmal mehr,
als François Tapage's Speisekammer fassen konnte, an Bord.
Der Koch, welcher dieses Federwild so vortrefflich zuzurichten
verstand, daß es seinen thranigen Geschmack ganz verlor, erhielt
dadurch plötzlich weit mehr Arbeit, als gewöhnlich; mehr Arbeit machte
das aber auch Frycollin, der es nicht abschlagen konnte, von diesem
interessanten Geflügel ein Dutzend nach dem anderen wenigstens zu
rupfen.
Am nämlichen Tage zeigte sich, als die Sonne eben versinken wollte,
auch noch ein ziemlich großer, von prächtigen Waldungen eingerahmter
See. Jetzt lagerte über dem See eine feste Eisdecke und einige
Eingeborene glitten auf ihren langen Schneeschuhen pfeilschnell über
dessen Oberfläche hin.
Beim Erblicken der Flugmaschine entflohen diese Fuegier nämlich nach
allen Seiten, und wenn sie nicht fliehen konnten, so versteckten sie
sich doch und gruben sich wie Thiere in die Erde ein.
Der "Albatros" steuerte noch immer nach Süden über dem Beagle-Canal
hinaus und weiter fort, als die Insel Navarin, deren griechischer Name
unter den gewöhnlichen Bezeichnungen dieser entlegenen Landstrecken
etwas auffällig erscheint, weiter, als die Insel Wollaston, die sich
schon in den Wogen des Stillen Oceans badet. Endlich, nachdem er von
Dahomeys Küste aus über siebentausendfünfhundert Kilometer
zurückgelegt, schwebte er über die letzten Inseln des
Magellan-Archipels hinweg und endlich ganz im Süden über das
schreckliche Cap Horn, an das eine unaufhörliche wilde Brandung
donnert.
XIV.
In dem der "Albatros" etwas ausführt, was man vielleicht niemals dürfte
ausführen können.
Der nächstfolgende Tag war der 24. Juli. Der 24. Juli der südlichen
Halbkugel entspricht bekanntlich aber dem 24. Januar der nördlichen
Hemisphäre; außerdem war jetzt auch schon der 56. Breitegrad
überschritten, der im Norden Europas Schottland in der Höhe von
Edinburgh und Südschweden in der von Helsingborg durchschneidet.
Der Thermometer hielt sich auch fortwährend unter 0 Grad, so daß es
sich nöthig machte, die Ruffs durch künstliche Wärme etwas wohnlicher
zu machen.
Es versteht sich von selbst, daß der Tag, wenn er seit dem 21. Juni des
südlichen Winters auch schon zunahm, doch immer noch merklich kürzer
wurde, da der "Albatros" einen Curs nach den Polarregionen einhielt.
Die Folge davon war eine sehr geringe Helligkeit über jenem Theile des
Stillen Oceans, der an das antarktische Eismeer grenzt. Man hatte also
nur wenig Aussicht und während der Nacht recht empfindliche Kälte. Um
ihr zu widerstehen, mußte man sich nach Art der Eskimos und Fuegier
kleiden; doch da es an Bord an warmen Ueberkleidern nicht fehlte,
konnten die beiden, wohl eingepackten Collegen doch auf dem Verdeck
ausharren, wobei sie freilich immer nur an ihr Vorhaben dachten und
eine dazu günstige Gelegenheit zu erspähen suchten. Uebrigens sahen sie
Robur setzt sehr wenig, und seit jenem Wortwechsel mit beiderseitigen
Drohungen, der über Timbuctu stattfand, sprachen der Ingenieur und sie
nicht mit einander.
Frycollin kam jetzt kaum noch aus der Küche François Tapage's heraus,
der ihm hier wohlwollende Gastfreundschaft gewährte -- unter der
Bedingung, daß er sich als Hilfskoch nützlich machte. Da das nicht ohne
Vortheil für ihn abging, hatte der Neger sich mit Erlaubniß seines
Herrn gern dazu verpflichtet. So eingeschlossen, sah er ja auch nicht,
was draußen vorging, und konnte sich gegen jede Gefahr geschützt
glauben. Glich er nicht völlig dem thörichten Strauße, nicht allein
physisch durch seinen vortrefflichen Magen, sondern auch geistig durch
seine kindische Beschränktheit?
Doch nach welchem Punkte der Erde sollte der "Albatros" sich nun
wenden? Konnte man wohl annehmen, daß er sich im tiefen Winter über
diese südlichen Meere oder über das Festland des Pols hinauswage?
Selbst wenn die Chemikalien in den Batterien nicht durch die furchtbare
Kälte erstarrten, drohte in dieser eisigen Atmosphäre doch Allen der
Tod -- der schreckliche Tod des Erfrierens. Daß Robur es unternommen
hätte, in der warmen Jahreszeit über den Pol zu fahren, möchte wohl
angehen; inmitten der ewigen Nacht des antarktischen Winters erschien
dies dagegen wie der Streich eines Tollhäuslers.
Diesen Gedankengang hatten der Vorsitzende und der Schriftführer des
Weldon-Instituts, als sie sich jetzt nach dem äußersten Ende der Neuen
Welt entführt sahen, nach Gegenden, welche zwar zu Amerika, aber
freilich nicht zu den Vereinigten Staaten gehören.
Ja, was hatte dieser unergründliche Robur noch Alles vor? War jetzt
nicht der Zeitpunkt gekommen, die Reise durch Zerstörung des fliegenden
Apparats zu beendigen?
Fiel hierüber die Antwort auch noch unbestimmt aus, so stand dagegen
fest, daß der Ingenieur im Laufe des 24. Juli wiederholt mit seinem
Obersteuermann verhandelte. Mehrere Male beobachteten auch Tom Turner
und er selbst den Barometer, diesmal aber nicht zur Abschätzung der
Höhe, sondern um verschiedene Anzeichen eines drohenden Wetterumschlags
zu erkennen.
Onkel Prudent glaubte auch zu bemerken, daß Robur in Erfahrung zu
bringen suchte, wie viel er noch an Vorräthen aller Art, ebenso
derjenigen zur Unterhaltung der Treib- und Auftriebsmaschinen des
Aeronefs, wie derjenigen für die menschlichen Maschinen besaß, da es
darauf ankam, auch diese und ihre Arbeitskraft in bestem Zustand zu
erhalten.
Alles das schien auf eine geplante Umkehr hinzudeuten.
"Umkehr? ... sagte Phil Evans, aber wohin?
-- Dahin, wo sich Robur frisch verproviantiren kann, antwortete Onkel
Prudent.
-- Das müßte irgend eine im Stillen Ocean verlorene Insel sein, mit
einer, ihres Chefs ganz würdigen Colonie von Verbrechern.
-- Das ist auch meine Ansicht, Phil Evans. Ich glaube wirklich, er wird
nach Westen zu wenden lassen, und bei der Schnelligkeit, über die er
verfügt, dürfte er sein Ziel bald genug erreicht haben.
-- Wir würden jedoch unseren Plan nicht mehr zur Ausführung bringen
können ... wenn er daselbst ankommt ...
-- Er wird nicht ankommen, Phil Evans!"
Wie sich zeigte, hatten die beiden Collegen die Absichten des
Ingenieurs wenigstens zum Theil errathen. Im Laufe des Tages noch
schwand jeder Zweifel, daß der "Albatros", nachdem er die Grenzen des
südlichen Eismeeres gestreift, entschieden wieder rückwärts steuerte.
Wenn die Eisschollen auf dem Wasser bis zum Cap Horn hintrieben, mußten
sich die südlicheren Theile des Stillen Weltmeeres ganz mit Eisfeldern
und Eisbergen bedecken, und das Packeis bildete dann einen
undurchdringlichen Wall für die festesten Schiffe, wie für die
tollkühnsten Reisenden.
Gewiß hätte der "Albatros", wenn er seinen Flügelschlag beschleunigte,
diese über den Ocean aufgethürmten Eisberge ebenso überfliegen können,
wie die auf dem Festlande des Polarkreises aufragenden Gebirge -- wenn
es überhaupt ein Festland ist, was das Südende der Erdachse überdeckt.
Doch entschieden würde er nicht gewagt haben, inmitten der finsteren
Polarnacht auch einer Polarluft Trotz zu bieten, welche sich zuweilen
bis 60 Grad unter Null abkühlen kann.
Nachdem er also etwa hundert Kilometer nach Süden vorgedrungen, wandte
sich der "Albatros" nach Westen, so, als ob er die Richtung nach einer
unbekannten Insel des Archipels des Stillen Oceans einschlüge.
Unter ihm breitete sich die flüssige Ebene aus, welche zwischen die
Ländermasse Amerikas und Asiens geworfen ist. Jetzt hatten die Fluthen
derselben jene eigenthümliche Färbung angenommen, die zum Theil dem
Ocean den Namen des "Milchmeeres" erworben haben. In dem Halbdunkel,
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