Onkel Prudent und sein Gefährte sahen eine sehr schöne, an beiden Flußufern sich hinziehende Stadt mit ihren Brücken gleich ausgespannten Fäden, den Sennhütten mit ihren geschnitzten Balkons, ihren von hohen Pappeln beschatteten Gebäuden mit berasten Dächern, welche fast das Aussehen großer Maulwurfshaufen haben, ihren vielfachen Canälen mit Barken gleich Nußschalen und Bootsleuten gleich Ameisen darauf, mit ihren Palästen, Tempeln, Kiosks, Moscheen und den Bungalows am Eingange der Vorstädte -- das Ganze auch noch verdoppelt durch die Widerspiegelung des Wassers; endlich die alte Citadelle Hari-Parvata, die auf einem Hügel angelegt ist, wie das stärkste Fort von Paris auf dem Mont-Valérien. "Das wäre Venedig, wenn wir uns in Europa befänden," sagte Phil Evans. -- Und wenn wir in Europa wären, würden wir den Rückweg nach Amerika schon zu finden wissen," antwortete Onkel Prudent. Der "Albatros" verweilte nicht über dem See, den der Fluß durchfließt, sondern setzte seinen Flug durch das Thal des Hydaspis fort. Nur eine halbe Stunde blieb er, bis auf zehn Meter über dem Flusse hinabsteigend, einmal an ein und derselben Stelle. Während dessen versorgten sich Tom Turner und seine Leute mittelst eines Kautschukschlauches mit neuem Wasservorrathe, der durch eine Pumpe aufgesaugt wurde, welche die Ströme der Accumulatoren in Bewegung setzten. Onkel Prudent und Phil Evans hatten sich dabei bedeutungsvoll angesehen, da ein und derselbe Gedanke in ihnen aufstieg. Sie befanden sich nur wenige Meter über der Oberfläche des Hydaspis und nahe dem Ufer desselben. Beide waren geübte Schwimmer. Ein Sprung konnte ihnen jetzt die Freiheit wiedergeben, und wenn sie dann ein Stück unter dem Wasser fortschwammen, wie hätte Robur sie wieder ergreifen lassen können? Um den Treibschrauben ihre Beweglichkeit zu sichern, mußte er sie ja mit seinem Apparate mindestens zwei Meter über dem Seebecken halten. In einem Augenblicke hatten sie alle günstigen und ungünstigen Umstände eines solchen Versuchs gegen einander abgewogen und schon waren sie im Begriff, sich von dem Verdeck des Luftschiffes hinabzustürzen, als sich mehrere Hände fest auf ihre Schultern legten. Sie wurden beobachtet und erkannten die Unmöglichkeit, zu entfliehen. Immerhin ergaben sie sich nicht ohne einigen Widerstand und bemühten sich, die, welche sie hielten, zurückzustoßen -- aber es waren handfeste Burschen, diese Leute des "Albatros"! "Meine Herren, begnügte sich der Ingenieur zu sagen, wenn man das Vergnügen hat, in Gesellschaft mit Robur dem Sieger zu reisen, wie Sie ihn selbst so passend bezeichnet haben, und an Bord seines wunderbaren "Albatros", so verläßt man diesen nicht so ... französisch. Ja, ich sage Ihnen, Sie verlassen denselben überhaupt nicht wieder!" Phil Evans zerrte seinen Gefährten, der sich schon zu einem Gewaltacte hinreißen lassen wollte, noch zurück. Beide begaben sich nach ihrem Ruff, noch immer entschlossen, zu fliehen und wenn es ihnen, gleichviel wo, auch das Leben kosten sollte. Der "Albatros" hatte wieder seinen Curs nach Westen eingeschlagen. Während dieses Tages überschritt er bei mittlerer Geschwindigkeit das Gebiet von Kabulistan, die Grenze des Königreichs Herat. In diesen noch immer so bestrittenen Ländern und auf diesem Wege, der den Russen nach den englischen Besitzungen in Indien offen steht, erschienen große Haufen von Menschen, Colonnen, Gepäckwagen, mit einem Worte Alles, was das Personal und Material einer auf dem Marsche befindlichen Armee bildet. Man hörte wohl auch Kanonendonner und das Knattern von Gewehren; der Ingenieur mischte sich aber niemals in die Angelegenheiten Anderer, so lange diese für ihn nicht eine Frage des Ehrgeizes oder der Humanität bildeten. War Herat, wie man sagt, wirklich der Schlüssel Central-Asiens, so kümmerte es ihn doch gar nicht, ob dieser Schlüssel in eine englische oder eine moskowitische Tasche kam. Irdische Interessen berührten den furchtlosen Mann nicht, der das Luftmeer zu seinem ausschließlichen Gebiete erkoren hatte. Uebrigens schwand das Land sehr bald unter einem wahrhaften Orkan von Sand, wie er in diesen Gegenden so häufig vorkommt. Dieser Sturmwind, der hier "Tebbad" genannt wird, trägt manche Fieberkeime mit dem unwägbar feinen Sand oft sehr weit mit fort, und manche Caravane ist schon in seinen wüthenden Wirbeln zu Grunde gegangen. Um diesem harten Staube zu entgehen, der die Feinheit seiner Zahngetriebe hätte gefährden können, erhob sich der "Albatros" um zweitausend Meter nach einer reineren Zone. Damit schwand auch die Grenze Persiens aus den Augen und blieben dessen weite Ebenen fast ganz unsichtbar. Die Gangart war dabei eine sehr gemäßigte, obwohl eine Felsenklippe nirgends zu fürchten war. Wenn eine Landkarte dieser Gegend auch einige Berge zeigte, so steigen diese doch nur zu mittlerer Höhe an. Bei der Annäherung an die Hauptstadt freilich galt es, den Demawend zu vermeiden, der fast sechstausendsechshundert Meter emporragt, und auch die Elbruskette, an deren Fuß Teheran erbaut ist. Mit dem ersten Tagesgrauen des 2. Juli tauchte jener Demawend aus dem Sand-Samum auf. Der "Albatros" steuerte so, um über die Stadt hinwegzugehen, welche der Wind durch eine Wolke feinen Staubes verhüllte. Gegen zehn Uhr Morgens konnte man indeß die breiten Gräben erkennen, welche die Umwallung einschließen, und in der Mitte den Palast des Schah, dessen Mauern mit Fayenceplatten bedeckt sind und dessen Wasserbecken aus ungeheuren Türkisen von leuchtendem Blau geschnitten scheinen. Das schöne Bild verrann leider nur zu bald. Von hier aus schlug der "Albatros" nun eine andere Richtung ein und steuerte ziemlich genau nach Norden. Einige Stunden später befanden sie sich über einer kleinen Stadt im nördlichen Winkel der persischen Grenze und am Strande einer ausgedehnten Wasserfläche, deren Ende weder nach Norden, noch nach Osten zu erkennbar war. Diese Stadt war der Hafen Aschuarda, die südlichste Station Rußlands; die Wasserfläche aber fast ein Meer, nämlich der Kaspi-See. Hier wirbelte kein Staub mehr umher. Man sah bequem einen Haufen nach europäischer Art gebauter Häuser, welche, mit einem sie überragenden Glockenthurm, längs eines Vorgebirges lagen. Der "Albatros" senkte sich über dieses Meer, dessen Gewässer dreihundert Fuß unter dem Niveau des Mittelmeeres liegen. Gegen Abend glitt er längs der früher turkestanischen, jetzt aber russischen Küste hin, die nach dem Golf des Beckens zu aufsteigt, und am nächsten Tage, dem 3. Juli, schwebte er etwa hundert Meter über dem Kaspi-See. Weder an der asiatischen, noch an der europäischen Seite war hier Land in Sicht; nur auf dem Meer bemerkte man einzelne, von schwacher Brise geschwellte Segel, an deren Form man erkannte, daß es Fahrzeuge von Eingeborenen, Kesebegs mit zwei Masten, Kajiks, das sind Piratenschiffe mit nur einem Maste, und Teimils, einfache, zur Küstenfahrt oder zum Fischfang benützte Boote waren. Dann und wann wirbelten wohl auch die Ausläufer von Rauchsäulen bis zum "Albatros" empor, welche aus den Schornsteinen der Dampfer von Aschuarda quollen, die Rußland zu Polizeizwecken auf den turkomanischen Gewässern unterhält. An diesem Morgen plauderte der Obersteuermann Tom Turner mit dem Koch François Tapage und gab auf eine Frage des Letzteren Antwort: "Ja, wir werden gegen achtundvierzig Stunden über dem Kaspi-See verweilen. -- Schön, erwiderte der Koch, da haben wir doch einmal Gelegenheit, zu fischen? -- Ganz gewiß." Da über vierzig Stunden darauf verwendet werden sollten, die sechshundertfünfundzwanzig Meilen, welche jenes Binnenmeer bei zweihundert (englischen) Meilen Breite mißt, mußte die Geschwindigkeit des "Albatros" natürlich stark gemäßigt und letzterer während eines vorzunehmenden Fischfanges ganz still gehalten werden. Jene Antwort Tom Turner's wurde auch von Phil Evans gehört, der sich grade auf dem Vordertheil befand. Eben begann Frycollin wieder mit seinen unaufhörlichen Klagen und bat ihn, bei seinem Herrn ein gutes Wort einzulegen, daß er ihn "auf der Erde absetzen" lasse. Ohne auf dieses sinnlose Verlangen zu antworten, begab sich Phil Evans nach dem Hintertheil, um den Onkel Prudent zu treffen. Diesem theilte er unter größter Vorsicht, von Niemand gehört zu werden, die wenigen zwischen Tom Turner und dem Koche gewechselten Worte mit. "Phil Evans, meinte Onkel Prudent, ich denke, wir machen uns doch keine Illusionen über die letzten Absichten dieses Elenden? -- Gewiß nicht, antwortete Phil Evans. Er wird uns die Freiheit nur wiedergeben, wenn ihm das paßt -- und wenn er sie uns überhaupt wieder giebt. -- In diesem Falle müssen wir Alles wagen, um den "Albatros" zu verlassen. -- Ein wundervoller Apparat, das muß man wohl zugestehen! -- Das ist wohl möglich, rief Onkel Prudent, aber es ist der Apparat eines Schurken, der uns gegen alles Recht und Gesetz hier zurückhält. Uebrigens bildet dieser Apparat für uns und die Unsrigen eine unausgesetzte Gefahr. Gelingt es uns also nicht, denselben zu vernichten ... -- Beginnen wir damit, uns zu retten! ... antwortete Phil Evans, wir werden ja später sehen. -- Zugegeben, antwortete Onkel Prudent, und benützen wir jede sich bietende Gelegenheit. Allem Anscheine nach fährt der "Albatros" über den Kaspi-See, um sich dann im Norden oder im Süden von Rußland nach Europa zu begeben. Nun, wohin wir auch den Fuß setzen mögen, bis zum Atlantischen Ocean hin wäre unsere Rettung gesichert. Wir müssen uns also jede Stunde bereit halten. -- Aber, fragte Phil Evans, wie sollten wir fliehen können? -- Hören Sie mich an, antwortete Onkel Prudent. Es kommt zuweilen vor, daß der "Albatros" während der Nacht nur wenige hundert Fuß über dem Erdboden hinschwebt. An Bord befinden sich verschiedene Kabel von dieser Länge, und mit einiger Kühnheit könnte man sich wohl hinabgleiten lassen ... -- Ja, stimmte Phil Evans bei, im gegebenen Falle würde ich nicht zaudern ... -- Ich auch nicht, versicherte Onkel Prudent. Ich füge noch hinzu, daß während der Nacht außer dem Steuermann auf dem Hintertheile Niemand wach ist. Eines jener Kabel liegt nun gewöhnlich auf dem Verdeck, und ohne gesehen und gehört zu werden, dürfte es möglich sein, dasselbe aufzurollen ... -- Gut, gut, unterbrach ihn Phil Evans; ich sehe mit Vergnügen, Onkel Prudent, daß Sie jetzt weit ruhiger sind; das ist besser, wenn man handeln will. Augenblicklich freilich befinden wir uns auf dem Kaspi-See; verschiedene Fahrzeuge sind in Sicht. Der "Albatros" wird noch tiefer hinabgehen und während des Fischzuges anhalten ... Könnten wir daraus keinen Vortheil ziehen? ... -- Ah, man überwacht uns, selbst wenn wir nicht glauben, überwacht zu sein, antwortete Onkel Prudent. Sie haben's ja gesehen, als wir versuchten, uns in den Hydaspis zu stürzen. -- Und wer sagt, daß wir nicht auch in der Nacht beobachtet sind? erwiderte Phil Evans. -- Einerlei, wir müssen ein Ende machen, rief Onkel Prudent, ein Ende machen mit diesem "Albatros" und seinem Besitzer!" Man sieht, daß die beiden Collegen -- und vorzüglich Onkel Prudent -- unter der Aufregung des Zornes leicht dazu verführt werden konnten, die waghalsigsten und für ihre eigene Sicherheit vielleicht gefährlichsten Handlungen zu begehen. Das Gefühl ihrer Ohnmacht, der verächtliche Spott, mit dem Robur sie behandelte, die derben Antworten, welche er ihnen ertheilte, Alles trug dazu bei, die Spannung ihrer Lage zu erhöhen, deren Druck jeden Tag deutlicher hervortrat. An jenem Tage hätte übrigens ein neuer Auftritt bald einen höchst bedauerlichen Wortwechsel zwischen Robur und den beiden Collegen herbeigeführt, und Frycollin ahnte wohl kaum, daß er dazu die Veranlassung geben sollte. Als er sich einmal über diesem Meere ohne Grenzen sah, bemächtigte sich des Hasenfußes wieder ein furchtbarer Schrecken. Wie ein Kind -- und wie ein Neger, der er ja war -- fing er an zu jammern zu klagen und zu protestiren und machte die tollsten Verrenkungen und Grimassen. "Ich will fort! ... Ich will weg von hier! rief er. Ich bin kein Vogel! ... Ich bin nicht geschaffen zum Fliegen! ... Ich will, daß ich auf der Erde abgesetzt werde, und das sogleich!" Selbstverständlich bemühte sich Onkel Prudent keineswegs, ihn zu beruhigen, im Gegentheil. Das Heulen des Schwarzen erregte denn auch die Ungeduld Robur's. Da Tom Turner und die Anderen sich eben zum Fischfang anschickten, befahl der Ingenieur, um sich Frycollins zu entledigen, diesen in sein Ruff einzusperren. Der Neger setzte das vorige Unwesen fort, donnerte an die Wand und heulte aus Leibeskräften. Es war jetzt Mittag. Der "Albatros" schwebte eben nur fünf oder sechs Meter über der Oberfläche des Meeres. Einige bei seiner Annäherung erschreckte Boote waren eiligst davongefahren. Dieser Theil des Kaspi-Sees mußte also bald ganz verlassen sein. Man begreift leicht, daß die beiden Collegen unter diesen Verhältnissen, wo sie gelegentlich nur hätten mit dem Kopfe zu nicken brauchen, der Gegenstand erhöhter Aufmerksamkeit sein mußten und wirklich waren. Doch selbst angenommen, daß sie sich über Bord gestürzt hätten, so wäre es doch leicht gewesen, sie mit Hilfe des Kautschukbootes des "Albatros" wieder einzufangen. Während dieses Fischzuges war also nichts zu thun, und Phil Evans betheiligte sich lieber selbst thätig dabei, während Onkel Prudent im Zustand fortwährend kochender Wuth sich in seine Cabine zurückzog. Bekanntlich bildet der Kaspi-See eine beträchtliche Bodendepression wahrscheinlich vulcanischen Ursprunges. In dieses Becken ergießen sich die Gewässer sehr großer Ströme, wie der Wolga, des Ural, des Kur, der Kuma, Jemba u.A. Ohne die starke Verdunstung, welche dem Wasserbecken den Wasserüberfluß wieder entführt, hätte dieses siebzehntausend Quadratmeilen große Loch von fünf- bis sechshundert Fuß mittlerer Tiefe schon längst die niedrigen und sumpfigen Küsten im Norden und Osten überfluthet. Obgleich diese Schale weder mit dem Schwarzen, noch mit dem Aral-Meer in Verbindung steht, deren Niveau weit höher liegt, so ernährt es doch eine große Menge Fische -- wohl zu bemerken aber nur solche, welche die stark hervortretende Bitterkeit seines Wassers, eine Folge der Naphthaquellen am Südende desselben, vertragen. Bei dem Gedanken an die Abwechslung, welche dieser Fischzug ihrem gewohnten Speisezettel zu verleihen versprach, gab die Mannschaft des "Albatros" die Befriedigung, welche er derselben gewährte, deutlich genug zu erkennen. "Achtung!" rief Tom Turner, der eben einen Fisch von ziemlich bedeutender Größe und ähnlich einem Haifisch harpunirt hatte. Es war das ein prächtiger, gegen sieben Fuß langer Stör, von der Art, welche die Russen Belonga nennen, dessen mit Salz, Essig und Weißwein zugerichtete Eier den Caviar darstellen. Vielleicht sind die in den Flüssen gefangenen Störe noch schmackhafter als die aus dem Meere. Doch wurden letztere an Bord des "Albatros" mit großem Jubel begrüßt. Noch weit ergiebiger gestaltete sich dieser Fischzug aber durch Anwendung von Schleppnetzen, in welchen es bald von Karpfen, Brachsen und Seehechten, vorzüglich von jenen mittelgroßen Sterlets wimmelte, welche reiche Feinschmecker lebend von Astrachan nach Moskau und Petersburg bringen lassen. Diese hier wanderten -- ohne alle Transportkosten -- unmittelbar aus ihrem natürlichen Element in die Siedekessel der Mannschaftsküche. Die Leute Robur's zogen mit großem Vergnügen die Leine ein, nachdem der "Albatros" sie mehrere Stunden lang langsam dahingeführt hatte. Der Gascogner Tapage (der Name bedeutet deutsch: Lärmen, Getöse) machte durch sein Jubelgeschrei seinem Namen alle Ehre. Eine Stunde genügte, alle Behälter des "Albatros" mit jenem Nahrungsmaterial zu füllen, und dieser fuhr darauf nach Norden zu weiter. Während dieses Aufenthaltes hatte Frycollin nicht aufgehört, zu schreien, an die Wand seiner Cabine zu hämmern, mit einem Worte, einen unausstehlichen Lärm zu machen. "Wird dieser verdammte Nigger denn nicht Ruhe halten lernen! sagte Robur, dem die Geduld nun wirklich zu Ende ging. -- Mir scheint, Herr Robur, daß er völlig Recht hat, sich zu beklagen, bemerkte Phil Evans. -- Ja, ganz wie ich das Recht habe, meinen Ohren diese Qual zu ersparen, erwiderte Robur. -- Ingenieur Robur! ... ließ sich da der eben auf dem Verdeck erscheinende Onkel Prudent vernehmen. -- Herr Präsident des Weldon-Instituts?" ... Beide waren auf einander zugetreten und sahen sich eine Zeit lang in die Augen. Dann zuckte Robur ein wenig die Achseln. "An das Ende des Taues!" sagte er. Tom Turner hatte ihn verstanden; Frycollin wurde aus seiner Cabine geholt. Aber wie jämmerlich schrie er auf, als der Obersteuermann und einer von dessen Kameraden ihn ergriffen und in einer Art Korb festbanden, an dem sie sorgsam das Ende eines Taues festknüpften. Es war das eines jener Taue, welche Onkel Prudent zu dem uns bekannten Zwecke benützen wollte. Der Neger hatte zuerst geglaubt, er solle gehenkt werden ... Nein, er sollte nur aufgehängt werden. Das Tau wurde nämlich außen in der Länge von etwa hundert Fuß abgerollt und Frycollin schwebte damit frei in der Luft. Jetzt stand es in seinem Belieben, zu schreien, so viel er wollte; der Schrecken schnürte ihm jedoch den Kehlkopf zu -- er blieb stumm. Onkel Prudent und Phil Evans hatten sich dem barbarischen Verfahren widersetzen wollen -- sie wurden einfach zurückgestoßen. "Das ist abscheulich! ... Das ist Barbarei! rief Onkel Prudent, der darüber ganz außer sich war. -- Freilich! antwortete Robur. -- Das ist ein Mißbrauch der Gewalt, gegen den ich noch anders als durch Worte allein Einspruch erheben werde! -- Immer zu! -- Ich werde mich rächen, Ingenieur Robur! -- Rächen Sie sich getrost, Präsident des Weldon-Instituts. -- An Ihnen und Ihren Leuten!" Die Mannschaft des "Albatros" hatte sich in nicht besonders wohlwollender Haltung genähert. Robur gab den Leuten ein Zeichen, sich zu entfernen. "Ja, an Ihnen und Ihren Leuten ... wiederholte Onkel Prudent, den sein College vergebens zu beruhigen suchte. -- Ganz wie es Ihnen beliebt, erwiderte der Ingenieur. -- Und ohne Rücksicht auf die Mittel! -- Genug, sagte jetzt Robur in drohendem Tone, genug! Es giebt noch mehr Taue an Bord! Schweigen Sie ... oder ... der Herr ganz wie der Diener." Onkel Prudent schwieg, aber nicht aus Furcht, sondern weil ihn eine wahre Erstickung beklemmte, so daß Phil Evans ihn in seine Cabine führen mußte. Seit einer Stunde hatte sich das Wetter sehr merkbar verändert und es traten einzelne Zeichen hervor, welche keine Mißdeutung zuließen -- ein Unwetter war im Anzug. Die elektrische Sättigung der Atmosphäre hatte einen so hohen Grad erreicht, daß Robur gegen zweieinhalb Uhr Zeuge einer bisher von ihm nie beobachteten Erscheinung wurde. Im Norden, von wo das Unwetter herkam, stiegen dicht geballte, fast leuchtende Dünste auf -- was jedenfalls von der verschiedenen und wechselnden elektrischen Spannung der Wolkenschichten herrührte. Der Reflex von diesen Ansammlungen ließ Myriaden von Lichtern auf der Oberfläche des Meeres hintanzen, deren Intensität um so lebhafter wurde, je mehr der Himmel sich verfinsterte. Der "Albatros" und jenes Meteor mußten bald zusammentreffen, da sie sich auf einander zu bewegten. Und Frycollin? -- Nun Frycollin folgte noch immer im Schlepptau -- ja, das ist das richtige Wort, denn jenes Tau bildete einen weit offenen Winkel gegen den mit der Geschwindigkeit von hundert Kilometern hinfliegenden Apparat, wodurch der Korb nicht unerheblich zurückblieb. Das Entsetzen des armen Teufels wird man sich unschwer ausmalen können, als die Blitze jetzt um ihn her aufzuckten und der Donner mit gewaltiger Macht durch die Himmelsräume rollte. Das ganze Personal bemühte sich angesichts dieses Unwetters so zu manövriren, daß sie entweder höher als dasselbe hinaufkamen oder in den unteren Luftschichten bald jenes im Rücken ließen. Der "Albatros" befand sich eben ungefähr in mittlerer Höhe -- etwa tausend Meter -- als ein Donnerschlag von ungeheurer Heftigkeit über ihn hereinbrach, dem ein furchtbarer Windstoß folgte. Binnen wenigen Sekunden stürzten sich die feurigen Wolken auf den Aeronef. Da raffte sich Phil Evans zusammen, um zu Gunsten Frycollins ein gutes Wort einzulegen und zu erklären, daß dieser wieder an Bord herangezogen würde. Robur hatte eine solche Vermittlung aber gar nicht erst abgewartet und schon den nöthigen Befehl ertheilt. Jetzt waren die Leute bereits mit dem Einziehen des Taues beschäftigt, als sich eine plötzliche Verlangsamung der Rotation der Auftriebschrauben bemerkbar machte. Robur sprang nach dem mittleren Ruff. "Kraft! ... Volle Kraft! rief er dem Maschinisten zu. Wir müssen schnell höher, als das Unwetter steht, emporsteigen. -- Es ist unmöglich, Herr Ingenieur. -- Warum? -- Die Ströme sind gestört ... Es treten Unterbrechungen ein." In der That senkte sich der "Albatros" schon recht merkbar. Ganz wie das bei Gewittern mit den Strömen in den Telegraphendrähten vorkommt, so versagten jetzt auch die Accumulatoren des Apparats den regelmäßigen Dienst; was aber nur eine Unbequemlichkeit ist, wenn es sich um Absendung von Depeschen handelt, wurde hier zur furchtbarsten Gefahr, das mußte damit enden, daß der Aeronef, ohne daß man seiner ferner Herr war, in's Meer hinabstürzte. "Lass' ihn sich senken, rief Robur, damit wir aus der elektrischen Zone herauskommen. Vorwärts, Jungen, bewahrt Euer kaltes Blut!" Der Ingenieur hatte seine Commandobrücke bestiegen. Die Mannschaft war an ihrer Stelle und hielt sich bereit, jeder Anordnung ihres Herrn eiligst nachzukommen. Obwohl der "Albatros" sich nur einige hundert Fuß gesenkt hatte, schwebte er doch immer noch in der dichten Wolkenschicht inmitten von Blitzen, die sich wie Raketen eines Feuerwerks kreuzten. Man mußte jeden Augenblick fürchten, daß ihn ein Blitzstrahl treffe. Die Bewegung der Schrauben verlangsamte sich noch mehr, und was bisher ein etwas Schnelleres Herabsinken war, drohte jetzt ein gefährlicher Sturz zu werden. Zuletzt lag es auf der Hand, daß er in weniger als einer Minute auf der Meeresfläche angelangt sein mußte, und einmal in's Wasser getaucht, hätte keine Macht ihn daraus zu befreien vermocht. Plötzlich lagerte sich die elektrische Wolke dicht über ihnen. Der "Albatros" war jetzt nicht mehr als sechzig Fuß vom Kamm der Wellen entfernt. Binnen zwei bis drei Secunden drohten diese das Verdeck zu überfluthen. Da benützte Robur noch den letzten Moment, stürzte nach dem mittleren Ruff hin und packte hier die Hebel für die Vorwärtsbewegung, wodurch die von den Batterien kommenden Ströme geschlossen wurden, auf welche die elektrische Spannung der umgebenden Atmosphäre keinen Einfluß äußerte ... in einem Augenblick hatte er den Schrauben ihre normale Schnelligkeit wieder gegeben, den Sturz aufgehalten, und der "Albatros" hielt sich in geringer Höhe, entfloh jetzt aber mit rasender Eile dem Unwetter, das er bald hinter sich zurückließ. Es bedarf wohl nicht besonderer Bemerkung, daß Frycollin, wenn auch nur für wenige Secunden, ein unfreiwilliges Bad genommen hatte. Als er an Bord zurückkam, war er durchnäßt, als hätte er die Tiefe des Meeres gemessen. Man wird es kaum glauben, aber er schrie nicht mehr. Am nächsten Tage, am 4. Juli, hatte der "Albatros" die Nordgrenze des Kaspi-Sees überschritten. XI. In dem die Wuth des Onkel Prudent mit dem Quadrat der Geschwindigkeit zunimmt. Wenn Onkel Prudent und Phil Evans je auf die Hoffnung, entfliehen zu können, verzichten mußten, so war das während der nun folgenden fünfzig Stunden der Fall. Befürchtete Robur, daß die Ueberwachung seiner Gefangenen bei der Fahrt über Europa weniger leicht sein möchte? Vielleicht. Er wußte ja übrigens, daß sie zu Allem entschlossen waren, um zu entweichen. Doch, wie dem auch sein mochte, jeder Versuch wäre jetzt einem Selbstmorde gleichgekommen. Wenn Einer von einem Expreßzuge, der mit der Geschwindigkeit von hundert Kilometern in der Stunde dahinfliegt, herabspringt, so setzt er vielleicht sein Leben in Gefahr; wer das aber von einem zweihundert Kilometer in der Stunde dahinrasenden Blitzzuge versuchte, der kann nur den Tod wollen. Eben diese Geschwindigkeit, die größte, die er anzunehmen im Stande war, war jetzt dem "Albatros" ertheilt worden. Er überholte noch den Flug der Schwalbe, die hundertachtzig Kilometer in der Stunde zurücklegen kann. Hier mag auch bemerkt sein, daß bisher nordöstliche Winde in einer der Fortbewegung des "Albatros" sehr günstigen Ausdauer anhielten, da dieser in derselben Richtung, d. h. im Allgemeinen nach Westen zu flog. Dieser Wind begann aber allmählich abzuflauen, so daß es nachgerade unmöglich wurde, sich auf dem Verdeck zu halten, ohne die Athmung durch die Schnelligkeit der Bewegung fast aufgehoben zu sehen. Die beiden Collegen wären auch beinahe über Bord geschleudert worden, wenn sie nicht der Luftdruck an ihrem Ruff so zu sagen festgenagelt hätte. Zum Glück bemerkte sie der Steuermann durch die Lichtpforten seiner Hütte, und eine elektrische Klingel setzte die auf dem Verdeck eingeschlossenen Mannschaften von ihrer Nothlage in Kenntniß. Ueber das Verdeck hinkriechend, glitten vier Mann davon nach dem Hintertheil zu. Diejenigen, welche sich in einem Sturm auf einem vor dem Winde liegenden Schiffe befunden haben, werden verstehen, welchen Druck der Wind dabei auszuüben vermag. Hier war es jedoch der "Albatros" selbst, der diesen durch seine maßlose Geschwindigkeit hervorrief. Man mußte wirklich seinen Gang verlangsamen, was Onkel Prudent und Phil Evans gestattete, ihre Cabine wieder zu erreichen. Im Inneren seiner Ruffs führte der "Albatros", ganz wie der Ingenieur das versichert hatte, eine vollkommen athembare Atmosphäre mit sich. Welche erstaunliche Festigkeit besaß aber dieser Apparat, um einer so schnellen Fortbewegung den nöthigen Widerstand leisten zu können. Die Triebschrauben am Bug und am Heck sah man gar nicht mehr sich drehen; sie pfiffen nur mit scharfem, durchdringendem Ton durch die Luft. Die letzte, vom Bord aus gesehene Stadt war Astrachan gewesen, das ziemlich am nördlichsten Ende des Kaspi-Sees lag. Der Stern der Wüste -- jedenfalls hat ein russischer Dichter es so genannt -- ist jetzt von der ersten Größe zur fünften oder sechsten zurückgegangen. Dieser sehr einfache Hauptort des Gouvernements hatte einen Augenblick seine alten, mit unnützen Zinnen gekrönten Mauern gezeigt, ebenso wie seine alten Thürme in der Mitte der Stadt, seine an Kirchen in modernem Stil angrenzenden Moscheen, seine Kathedrale mit fünf vergoldeten und mit blauen Sternen übersäeten Kuppeln, die einem ausgeschnittenen Stück Firmament glichen -- das Ganze fast im Niveau der hier zwei Kilometer breiten Wolgamündung. Von diesem Punkt aus war der Flug des "Albatros" schon mehr eine Art Ritt durch die Höhen des Himmels, als würde er von fabelhaften Hippogryphen fortgetragen, welche eine Meile mit jedem Flügelschlage zurücklegen. Es war gegen zehn Uhr Morgens am 4. Juli, als der Aeronef, etwa dem Thale der Wolga folgend, nach Nordwesten weiter steuerte. An beiden Stromesufern hin dehnten sich die Steppen des Don und des Ural. Wäre es möglich gewesen, einen Blick auf diese ungeheuren Gebiete zu werfen, so hätte man die Städte und Dörfer darin kaum zählen können. Am Abend endlich zog der Aeronef über Moskau weg, ohne die auf dem Kreml flatternde Flagge zu salutiren. Binnen zehn Stunden hatte er die zweitausend Kilometer, welche Astrachan von der Hauptstadt aller Russen trennen, zurückgelegt. Von Moskau nach Petersburg ist die Eisenbahnlinie nicht länger als zwölfhundert Kilometer, konnte also mehr Zeit als einen halben Tag nicht beanspruchen. So erreichte denn auch der "Albatros" mit der Pünktlichkeit eines Expreßzuges Petersburg und die Ufer der Newa gegen zwei Uhr Morgens. Die Helligkeit der Nacht, in der in so hoher Breite die Sonne nicht tief unter den Horizont nieder taucht, gestattete einen Augenblick, das Gesammtbild dieser großen Stadt zu überschauen. Nachher folgte der finnische Meerbusen, das Inselgewirr von Abo, die Ostsee, Schweden in der Breite von Stockholm, Norwegen in der von Christiania -- zweitausend Kilometer in nur zehn Stunden! Wahrlich, man hätte glauben können, daß keine menschliche Macht fernerhin im Stande wäre, die Geschwindigkeit des "Albatros" zu hemmen, als ob die Resultante seiner Treibkraft und der Anziehung der Erde ihn in unveränderlichem Kreislaufe um die Erde gefesselt hielte. Danach unterbrach er seinen Lauf, und zwar genau über dem berühmten Wasserfall des Rjukanfos in Norwegen. Der Gusta, dessen Gipfel diesen herrlichen Theil von Telemarken beherrscht, erschien gleich einem riesenhaften Grenzwall, den er nach Westen nicht überschreiten durfte. Von hier aus näherte sich der "Albatros" auch, ohne Verminderung seiner Geschwindigkeit, wieder mehr dem Erdboden. Und was begann wohl Frycollin während dieser Fahrt ohne Gleichen? Frycollin blieb stumm in seiner Cabine und schlief, mit Ausnahme der Zeit, wo gegessen wurde, so gut er konnte. François Tapage leistete ihm dann Gesellschaft und ergötzte sich weidlich an seiner ewigen Angst. "He, he, mein Junge, sagte er, Du heulst ja gar nicht mehr? Brauchst Dich gar nicht zu geniren! ... Mit zwei Stunden aufgehängt sein ist Alles quitt gemacht! ... He, bei der Schnelligkeit, mit der wir jetzt fahren, müßte das ein vortreffliches Luftbad gegen den Rheumatismus abgeben! -- Mir kommt es vor, als ob Alles in kurze und kleine Stücke ginge, antwortete Frycollin. -- Das ist wohl möglich, mein wackerer Frycollin; aber wir fliegen so schnell dahin, daß wir gar nicht mehr fallen könnten. Das ist doch auch eine Beruhigung. -- Glauben Sie? -- Bei meiner Gascogner-Ehre!" Um die Wahrheit zu sagen und nicht zu übertreiben, wie François Tapage, so lag die Sache so, daß die Arbeit der Auftriebsschrauben infolge jener ungeheuren Geschwindigkeit jetzt ein wenig vermindert war, der Aeronef glitt auf den Luftschichten etwa hin, wie eine Congrève'sche Rakete. "Und das wird noch lange so fortdauern? sagte Frycollin. -- Lange? ... O nein! antwortete der Koch, nur das ganze Leben lang. -- Ach! seufzte der Neger, wieder mit seinen Klagen beginnend. -- Nimm Dich in Acht, Frycollin, nimm Dich in Acht! rief da François Tapage, denn, wie man bei mir zu Hause sagt, der Herr könnte Dich auf die Schaukel hinaussetzen." Und mit den Bissen, die er gleich doppelt in den Mund steckte, würgte Frycollin auch seine Seufzer hinunter. Während dessen entwarfen Onkel Prudent und Phil Evans, welche nicht dazu angethan waren, sich unnütz zu beklagen, einen wohl durchdachten Plan. An Ausführung eines Fluchtversuches war ja unmöglich zu denken. Doch wenn sie den Fuß auch nicht auf die Erde setzen konnten, war es nicht denkbar, den Erdenbewohnern mitzutheilen, was nach ihrem Verschwinden aus dem Vorsitzenden und dem Schriftführer des Weldon-Instituts geworden war, wer sie geraubt hatte, auf welcher fliegenden Maschine sie sich befanden, um vielleicht -- aber, lieber Gott, auf welche Weise? -- einen kühnen Versuch ihrer Freunde, sie den Händen Robur's zu entreißen, herbeiführen zu können? Doch wie sollten sie von sich Nachricht geben? Hätte es dazu hingereicht, die Methode der Seeleute nachzuahmen, welche ein Schriftstück mit Bezeichnung der Stelle des Schiffbruchs in eine Flasche stecken und diese in's Meer werfen? Hier vertrat die Stelle des Meeres aber die Atmosphäre. Die Flasche konnte darauf natürlich nicht schwimmen. Fiel dieselbe nicht gerade auf einen zufällig Vorübergehenden, dem sie recht gut den Schädel zerschmettern konnte, so lag die Vermuthung nahe, daß sie niemals aufgefunden wurde. Die beiden Collegen hatten leider kein anderes Mittel zur Verfügung und sie standen schon im Begriff, eine Flasche des Luftfahrzeuges zu opfern, als dem Onkel Prudent noch ein anderer Gedanke kam. Er schnupfte, wie wir wissen, und diese kleine Untugend darf man einem Amerikaner, der weit schlimmere Unsitten hätte an sich haben können, wohl nachsehen. Als Schnupfer besaß er natürlich auch eine Dose, die jetzt schon längst leer war. Diese Dose war aus Aluminium gearbeitet. Warf er dieselbe hinaus, so durfte man hoffen, daß jeder ehrbare Bürger, der sie fand, sie auch aufheben werde. Hob er sie auf, so lieferte er sie auch bei der Polizei ab, und hier würde man Kenntniß nehmen von dem Document, welches dazu dienen sollte, die Lage der beiden Opfer Robur des Siegers kund zu geben. Das wurde denn auch ausgeführt. Das kurze einzuschließende Schriftstück sagte Alles und trug daneben die Adresse des Weldon-Instituts mit der Bitte, dasselbe dahin zu befördern. Nachdem Onkel Prudent das Papier eingelegt, umwickelte er die Dose sorgsam mit einem dicken wollenen Band, um zu verhüten, daß dieselbe sich während des Falles schon öffne und durch das Aufschlagen nicht in Stücke gehe. Jetzt galt es nur noch eine günstige Gelegenheit abzuwarten. Das Schwerste bei der ganzen Sache war es aber während dieser merkwürdigen Fahrt über Europa, das Ruff zu verlassen, über das Verdeck zu kriechen, auf die Gefahr hin, fortgerissen zu werden, und das ganz heimlich durchzuführen. Andererseits kam es darauf an, daß die Dose nicht in ein Meer, einen Golf, See oder einen anderen Wasserlauf fiel, denn damit -- wäre sie ja verloren gewesen. Jedenfalls schien es aber nicht unmöglich, daß die beiden Collegen sich durch dieses Mittel mit der bewohnten Welt in's Einvernehmen setzen konnten. Eben jetzt wurde es jedoch Tag und es schien rathsamer, die Nacht abzuwarten und entweder eine Verminderung der Geschwindigkeit oder einen Halt zu benützen, um das Ruff zu verlassen. Vielleicht konnten sie dann die Reeling erreichen und die kostbare Dose genau über einer Stadt herunterfallen lassen. Doch selbst bei dem Zusammentreffen aller günstigen Umstände hätte das Vorhaben nicht gleich zur Ausführung gebracht werden können -- wenigstens nicht am heutigen Tage. Nachdem der Aeronef nämlich Norwegen in der Höhe des Gusta verlassen, hatte er sich nach dem Süden zu gewendet und folgte jetzt genau dem französischen Meridian Null, der bekanntlich über Paris verläuft. Er schwebte also über die Nordsee hinweg, nicht ohne an Bord der Tausende von Küstenfahrern, welche zwischen dem Festlande und England verkehren, das größte Aufsehen zu erregen. Fiel die Dose hier nicht gerade auf das Deck eines solchen Schiffes, so hatte sie die gegründete Aussicht, auf Nimmerwiedersehen in der Tiefe zu versinken. Onkel Prudent und Phil Evans sahen sich also genöthigt, einen günstigeren Augenblick abzuwarten. Da sollte sich ihnen, wie wir sehen werden, bald eine besonders geeignete Gelegenheit darbieten. Gegen zehn Uhr Abends erreichte der "Albatros" die Küste Frankreichs, nahezu in der Höhe von Dunkerque. Die Nacht war ziemlich dunkel. Einen Augenblick konnte man den Leuchtthurm von Gris-Nez seine elektrischen Lichtstrahlen mit denen von Dover kreuzen sehen, die also den Canal in seiner ganzen Breite erhellten. Dann steuerte der "Albatros" über Frankreich hin und hielt sich dabei in einer mittleren Höhe von etwa tausend Metern. Seine Geschwindigkeit hatte sich freilich nicht geändert. Wie eine Bombe flog er über Städte, Schlösser und Dörfer hinweg, die so zahlreich in den fruchtbaren Provinzen des nördlichen Frankreichs zerstreut liegen. Es waren das unter dem Meridiane von Paris nach Dunkerque, Doullons, Amiens, Creil, St. Denis ... Immer hielt jener dabei eine gerade Linie ein. So gelangte er gegen Mitternacht über die "Stadt des Lichts", welche diesen Namen wenigstens verdient, wenn ihre Einwohner schlafen oder doch schlafen sollten. Welch' sonderbare Laune veranlaßte nun den Ingenieur gerade über der Stadt Paris einmal anzuhalten? Niemand weiß es. Jedenfalls aber senkte sich hier der "Albatros" so weit, daß er nur wenige hundert Fuß über derselben schwebte. Robur trat aus seiner Cabine hervor und auch die ganze Mannschaft erschien, um lustwandelnd einmal frische Luft zu schöpfen, auf dem Verdeck. Onkel Prudent und Phil Evans achteten wohl darauf, die sich jetzt bietende ausgezeichnete Gelegenheit nicht vorüber gehen zu lassen. Beide suchten sich, sobald sie aus ihrem Ruff getreten waren, von den Anderen entfernt zu halten, um den rechten Augenblick zur Ausführung ihres Vorhabens auswählen zu können. Auf keinen Fall sollten die Anderen etwas davon merken. Einem gigantischen Käfer ähnlich zog der "Albatros" so langsam über die Stadt hin. Er überschritt die Linie der Boulevards, welche durch Edison'sche Lampen in hellem Tageslichte lagen. Das Geräusch der Wagen, welche noch durch die Straßen jagten, und das Rollen der Züge auf den vielen, in Paris zusammentreffenden Bahnlinien drang bis zu ihm hinauf. Dann glitt er in der Höhe der höchsten Bauwerke hin, als hätte er die Kugel vom Pantheon oder das Kreuz vom Invalidendom abstreifen wollen. Er steuerte zwischen den beiden Minarets des Trocadero hindurch nach dem eisernen Thurm des Marsfeldes, dessen ungeheurer Reflector die ganze Hauptstadt mit elektrischem Lichte überströmte. Diese Luftpromenade, dieses Flaniren in der Nacht, währte etwa eine Stunde. Es glich einer Station in den Lüften vor Fortsetzung der endlosen Reise. Der Ingenieur Robur wollte dabei den Parisern offenbar den Anblick eines Meteors bereiten, das ihre Astronomen noch niemals gesehen oder nur geahnt hatten. Die Signallichter des "Albatros" wurden in Function gesetzt. Zwei glänzende Strahlenbündel ergossen sich über die Plätze, die Häuservierecke, Gärten und die sechzigtausend Häuser der Stadt, indem sie ungeheure Lichtmassen von einem Horizont zum anderen schweifen ließen. Gewiß -- diesmal war der "Albatros" gesehen worden, und nicht allein gesehen, sondern auch gehört worden, denn Tom Turner hatte die Trompete hervorgeholt und eine schmetternde Fanfare über die Stadt hin ertönen lassen. In diesem Augenblick beugte sich Onkel Prudent ein wenig über die Reeling, öffnete die Hand und ließ die Dose fallen. Fast gleichzeitig erhob sich der "Albatros" wieder sehr schnell. Da schallte durch die Höhe des Pariser Himmels ein vieltausendfältiges Hurrah aus der Menge, das sich über die Boulevards fortpflanzte -- ein Hurrah der Verwunderung über das unvorhergesehene, phantastische Meteor. Plötzlich erloschen die Lichtquellen des Aeronefs und rund um ihn wurde es wieder dunkel und still; darauf nahm er seine Fahrt mit der Geschwindigkeit von zweihundert Kilometern in der Stunde wieder auf. Das war Alles gewesen, was seine Insassen von der Hauptstadt Frankreichs hatten sehen sollen. Um vier Uhr Morgens hatte der "Albatros" das ganze Land schon überflogen. Um keine Zeit mit der Ueberschreitung der Pyrenäen oder der Alpen zu verlieren, glitt er jetzt an der Oberfläche der Provence bis zur Spitze des Cap d'Antibes hin. Um neun Uhr blieben die auf der Terrasse des St. Peters-Domes versammelten Römer verblüfft stehen, als sie ihn über die Ewige Stadt hinwegschweben sahen. Zwei Stunden später schwankte er hoch über dem Golf von Neapel, einen Augenblick in der Rauchsäule des Vesuvs. Nachdem er dann das Mittelmeer in schräger Richtung überschritten, wurde er in der ersten Nachmittagsstunde von den Wachtposten in La Golette an der tunesischen Küste beobachtet. Von Amerika über Asien! Von Asien über Europa! Mehr als dreißigtausend Kilometer hatte der wunderbare Apparat in weniger als dreiundzwanzig Tagen zurückgelegt. Und jetzt zog er majestätisch über die bekannten und unbekannten Landmassen Afrikas dahin! * * * * * Vielleicht wünscht der Leser zu erfahren, was nach dem Herabfallen aus der berühmten Schnupftabaksdose geworden war? Die Dose war in der Rivoli-Straße vor dem Hause Nummer 210 zu einer Zeit niedergefallen, wo diese Straße gerade ziemlich leer war. Am folgenden Morgen wurde sie von einer ehrlichen Straßenkehrerin aufgefunden, welche sich beeilte, dieselbe auf der Polizei-Präfectur abzuliefern. Hier hielt man sie zuerst für einen explodirenden Körper und wickelte sie mit derselben allergrößten Vorsicht auf, wie sie zuletzt geöffnet wurde. Da trat wirklich eine Art Explosion ein ... Ein furchtbares Niesen, dessen sich der Sicherheitschef nicht zu erwehren vermochte. Dann zog man das Schriftstück aus der Dose und las zum allgemeinen Erstaunen wie folgt: "Onkel Prudent und Phil Evans, Vorsitzender und Schriftführer des Weldon-Instituts zu Philadelphia, entführt durch den Aeronef des Ingenieur Robur. Freunden und Bekannten davon Nachricht zu geben. Onkel Prudent und Phil Evans." Hiermit war die unerklärliche Erscheinung den Bewohnern beider Welten endlich erklärt, und die vielen Gelehrten an den Observatorien, welche es auf der Erde giebt, gewannen die längst verlorene Ruhe endlich wieder. XII. In dem der Ingenieur Robur handelt, als ob er sich um einen der Monthyon-Preise bewerben wollte. Bei dieser Erdumkreisung des "Albatros" drängen sich wohl von selbst ganz verschiedene Fragen auf; zum Beispiel: Wer ist überhaupt dieser Robur, von dem bisher nichts als der Name bekannt ist? Verbringt er sein Leben ganz in der Luft? Ruht sein Aeronef niemals aus? Hat er nicht vielleicht eine Zuflucht an unzugänglichem Orte, an dem er selbst wenn er der Ruhe nicht bedürfte, sich wenigstens mit neuen Vorräthen versorgt? Es wäre doch merkwürdig, wenn das nicht so sein sollte. Auch die mächtigsten Segler der Lüfte haben ja irgendwo einen Horst oder ein Nest. Und weiter: Was gedenkt der Ingenieur mit den beiden, ihn doch nur belästigenden Gefangenen zu beginnen? Beabsichtigt er sie in seiner Gewalt zu behalten und für ewig zu verdammen, mit ihm umherzufliegen? Oder wird er ihnen, nachdem er sie über Afrika, Südamerika, Austral-Asien, den Indischen, den Atlantischen und den Stillen Ocean hinweggeführt, um sie wider Willen zu seinen Anschauungen zu überzeugen, die Freiheit wieder schenken, etwa mit den Worten: "Jetzt, meine Herren, hoffe ich, werden Sie sich bezüglich des Grundsatzes: "Schwerer, als die Luft", nicht mehr so ungläubig, zeigen!--?" Auf diese Fragen läßt sich vorläufig noch keine Antwort geben; dies ist ein Geheimniß der Zukunft; vielleicht wird dasselbe eines Tages entschleiert werden. Auf keinen Fall schickte der Vogel Robur sich aber an, jenes angedeutete Nest an der Nordküste Afrikas aufzusuchen. Im Laufe des Tages strich er noch, je nach Laune, bald dahinrasend, bald langsamer schwebend, vom Cap Bon bis zum Cap Carthago über die Regentschaft Tunis hin. Darauf wandte er sich mehr dem Landesinneren zu und schlug den Weg durch das wundervolle Thal der Medjerda ein, indem er dem gelblichen, unter Cactus und Rosenbüschen verborgenen Wasserlauf derselben folgte. Zu vielen Hunderten flogen Vögel auf, die in langen Reihen auf den Telegraphendrähten saßen, als wollten sie die Depeschen beim Durchgang abfangen und auf ihren Flügeln weiter tragen. Mit Einbruch der Nacht schwebte der "Albatros" über den Grenzen von Krumirien, und wenn noch ein Krumir wach war, so unterließ er es gewiß nicht, das Gesicht auf die Erde niederzuwerfen und Allah bei der Erscheinung dieses riesenhaften Adlers um Schutz und Hilfe anzuflehen. Am folgenden Morgen waren Bona und die schönen Hügel seiner Umgebung in Sicht, später Philippeville, jetzt ein kleines Algier, mit seinen bogenförmigen Quais, seinen herrlichen Weingärten, deren grünende Reben der ganzen Landschaft ihren Charakter verleihen, einer Landschaft, welche aus Bordelais und den gesegneten Gebieten von Burgund herausgeschnitten zu sein scheint. Diese Spazierfahrt von fünfhundert Kilometern über Groß- und Klein-Kabylien hinweg endigte gegen Mittag in der Höhe der Kasbah von Algier. Welch' schönes Bild bot sich da den Passagieren des Aeronefs! Die offene Rhede zwischen Cap Matifu und der Pescade-Spitze, das mit Palästen, Maravuts und Landhäusern besäete Uferland; die launenhaft gewundenen Thäler mit ihrem Mantel von Weinstocken; das tiefblaue Mittelmeer, das die hier kleinen Booten gleichenden transatlantischen Dampfer durchfurchen. So ging es weiter bis zu dem malerischen Oran, dessen in den Gartenanlagen der Citadelle versammelte Bewohner den "Albatros" mit den ersten aufleuchtenden Sternen verschmelzen sahen. Wenn Onkel Prudent und Phil Evans sich fragten, welcher Laune der Ingenieur Robur nachgebe, als er ihr fliegendes Gefängniß über Algerien -- die Fortsetzung Frankreichs an der Südküste des Mittelmeeres -- hinführte, so mußten sie die Ueberzeugung gewinnen, daß diese Laune zwei Stunden nach Sonnenuntergang befriedigt sei. Eine Wendung des Steuerruders lenkte den "Albatros" nach Südosten ab, und dieser sah am folgenden Tage, nachdem er die bergige Gegend des Tell überstiegen, die Sonne über dem Wüstensande der Sahara aufgehen. Am 8. Juli wurde nun folgende Reiseroute zurückgelegt: Zuerst erblickte man den kleinen Flecken Géryville, der, wie Laghuat, an der Grenze der Wüste gegründet wurde, um die endliche Eroberung von Kabylien zu erleichtern; nachher passirte man den Kamm von Stillen, und zwar bei dem herrschenden heftigen Gegenwinde nicht ohne Schwierigkeit. Weiter ging es über die Wüste hin, bald langsam oberhalb der grünenden Oasen oder Ksars, bald mit wilder Schnelligkeit, welche den Flug der Lämmergeier überholte. Manchmal mußte sogar auf diese gewaltigen Raubvögel Feuer gegeben werden, die sich, zu zwölf und fünfzehn vereinigt, selbst nicht scheuten, zum größten Schrecken Frycollins sich auf den Aeronef zu stürzen. Wenn diese Lämmergeier nur durch furchtbares Geschrei, durch Schnabelhiebe und Krallenschläge zu antworten vermochten, so verschonten die nicht minder wilden Eingeborenen ihn nicht mit Flintenschüssen, vorzüglich als er über die Berge von Sel gekommen war, deren grüne und violette Grundmasse da und dort durch den weißen Mantel blickte. Jetzt schwebte das Luftschiff schon über der großen Sahara, wo an verschiedenen Stellen noch Reste der Lagerstätten Abd-el-Kader's zu bemerken waren. Hier -- und vorzüglich unter den Verbündeten Beni-Myal -- bietet das Land für den europäischen Reisenden noch immer ernste Gefahren. Jetzt mußte der "Albatros" wieder in höhere Zonen flüchten, um einem daherrasenden Samum zu entgehen, der eine gewaltige Welle röthlichen Sandes auf der Erde vor sich hintrieb, wie die steigende Fluth die Brandungswelle im Ocean. Weiterhin entluden die öden Hochplateaus der Chebka ihre schwärzlichen Lavamassen bis herunter zu dem frischen, grünen Thale des Ain-Massin. Schwerlich vermöchte sich Jemand größere Mannigfaltigkeit der Landschaften vorzustellen, welche der Blick hier in weitem Umfange umfaßte. Auf baum- und buschbedeckte Hügel folgten da lange graue Bodenwellen, gleich den Falten eines arabischen Burnus. In der Ferne erschienen "Oueds" mit brausenden Bergströmen, Wälder von Palmen, kleine Ansammlungen von Hütten, welche entweder einen Hügel krönten oder eine Moschee umrahmten, unter anderen Metliti, wo ein religiöser Häuptling, der große Marabut Sidi Scheik, seinen Sitz hat. Während der Nacht wurden mehrere hundert Kilometer über ein ziemlich ebenes, nur von Dünen unterbrochenes Gebiet zurückgelegt. Hätte der "Albatros" hier Halt machen wollen, so würde er in der Niederung der, unter einem ungeheuren Palmenwald versteckten Oase Uargla die Erde erreicht haben. Sehr deutlich zeigte sich die Stadt mit ihren drei bestimmt unterschiedenen Quartieren, mit dem alten Palast des Sultans, einer Art befestigter Kasbah, ihren Häusern aus Backsteinen, welche erst die glühende Sonne hart brennt, und mit ihren im Thale erbohrten artesischen Brunnen, an denen der Aeronef seinen Wasservorrath hätte erneuern können. Dank seiner außerordentlichen Schnelligkeit aber füllte das im Thale von Kaschmir aus dem Hydaspis geschöpfte Wasser noch immer die Vorrathstonnen, selbst in den Wüsten von Afrika, an. 1 , 2 3 , , 4 , 5 , 6 , 7 , , , 8 - - 9 ; - , 10 , 11 - . 12 13 " , , " . 14 15 - - , 16 , " . 17 18 " " , , 19 . 20 21 , 22 , . 23 24 , 25 , 26 . 27 28 29 , . 30 31 . . 32 , 33 , 34 ? , 35 36 . 37 38 39 40 , , 41 . 42 43 , . 44 45 46 , , , - - 47 , " " ! 48 49 " , , 50 , , 51 , 52 " " , . . . . , 53 , ! " 54 55 , 56 , . 57 , , , 58 , . 59 60 " " . 61 62 , . 63 64 , 65 , 66 , , , 67 , 68 . 69 ; 70 , 71 . , , 72 - , 73 , 74 . , 75 . 76 77 78 , . , 79 " " , 80 , 81 . 82 83 , 84 , " " 85 . 86 87 88 . 89 , . 90 , 91 . 92 , , 93 , , 94 . 95 96 . 97 - . 98 99 " " , , 100 . 101 102 , 103 , 104 , 105 106 . 107 108 . 109 " " 110 . 111 112 , , 113 . 114 115 , ; 116 , - . 117 118 . 119 , , 120 , . 121 122 " " , 123 . 124 , 125 , , , 126 . , - . 127 128 , 129 ; , 130 , , 131 , , , 132 , , , 133 . 134 " " , 135 , 136 . 137 138 139 : 140 141 " , - 142 . 143 144 - - , , , 145 ? 146 147 - - . " 148 149 , 150 , 151 ( ) , 152 " " 153 . 154 155 ' , 156 . 157 158 159 , , " 160 " . 161 162 , 163 , . 164 , , 165 . 166 167 " , , , 168 ? 169 170 - - , . 171 , - - 172 . 173 174 - - , " " 175 . 176 177 - - , ! 178 179 - - , , 180 , . 181 182 . , 183 . . . 184 185 - - , ! . . . , 186 . 187 188 - - , , 189 . " " 190 - , 191 . , , 192 . 193 . 194 195 - - , , ? 196 197 - - , . , 198 " " 199 . 200 , 201 . . . 202 203 - - , , 204 . . . 205 206 - - , . , 207 208 . , 209 , , 210 . . . 211 212 - - , , ; , 213 , ; , 214 . 215 - ; . " " 216 . . . 217 ? . . . 218 219 - - , , , 220 , . ' , 221 , . 222 223 - - , ? 224 . 225 226 - - , , , 227 " " ! " 228 229 , - - - - 230 , 231 232 . 233 234 , , 235 , , , 236 , , 237 . 238 239 240 241 , , 242 . 243 244 , 245 . - - 246 , - - 247 . 248 249 " ! . . . ! . ! 250 . . . ! . . . , 251 , ! " 252 253 , 254 , . 255 ' . 256 257 , 258 , , 259 . , 260 . 261 262 . " " 263 . 264 . 265 - . 266 267 , , 268 , 269 . 270 271 , , 272 , 273 " " . 274 , 275 , 276 . 277 278 - 279 . 280 , , , , 281 , . . , 282 , 283 - 284 285 . , 286 - , , 287 - - 288 , , 289 , . 290 291 , 292 , 293 " " , , 294 . 295 296 " ! " , 297 . 298 299 , , , 300 , , 301 . 302 . 303 " " . 304 305 306 , , 307 , , 308 309 . - - 310 - - 311 . 312 313 ' , 314 " " . 315 ( : , ) 316 . , 317 " " , 318 . 319 320 , 321 , , , 322 . 323 324 " ! 325 , . 326 327 - - , , , , 328 . 329 330 - - , , 331 , . 332 333 - - ! . . . 334 . 335 336 - - - ? " . . . 337 338 339 . 340 341 . 342 343 " ! " . 344 345 ; 346 . 347 348 , 349 , 350 . 351 352 , 353 . 354 355 , . . . , 356 . 357 358 359 . 360 361 , , ; 362 - - . 363 364 365 - - . 366 367 " ! . . . ! , 368 . 369 370 - - ! . 371 372 - - , 373 ! 374 375 - - ! 376 377 - - , ! 378 379 - - , - . 380 381 - - ! " 382 383 " " 384 . , 385 . 386 387 " , . . . , 388 . 389 390 - - , . 391 392 - - ! 393 394 - - , , ! 395 ! . . . . . . 396 . " 397 398 , , 399 , 400 . 401 402 403 , - - 404 . 405 , 406 . 407 408 , , , 409 - - 410 . 411 412 413 , 414 , . 415 416 " " , 417 . 418 419 ? - - - - , 420 , 421 422 , . 423 424 , 425 426 . 427 , 428 429 . 430 431 " " - - 432 - - 433 , . 434 . 435 436 , 437 , 438 . 439 440 441 . 442 , 443 . 444 445 . 446 447 " ! . . . ! . 448 , , . 449 450 - - , . 451 452 - - ? 453 454 - - . . . . " 455 456 " " . 457 458 459 , 460 ; , 461 , 462 , , , 463 , ' . 464 465 " ' , , 466 . , , ! " 467 468 . 469 , 470 . 471 472 " " , 473 474 , . 475 , . 476 , 477 , 478 . 479 480 , 481 , ' , 482 . 483 484 . 485 " " 486 . 487 . 488 489 , 490 , 491 , 492 493 . . . 494 , , " " 495 , 496 , . 497 498 , , 499 , . 500 , , 501 . , . 502 503 , . , " " 504 - . 505 506 507 508 509 . 510 511 512 . 513 514 515 516 , 517 , , 518 . , 519 ? 520 . , , 521 . 522 523 , , 524 . , 525 , 526 , ; 527 528 , . 529 530 , , 531 , " " . 532 , 533 . 534 535 , 536 " " , 537 , . . . 538 , 539 , , 540 . 541 , 542 . 543 544 545 , 546 . 547 548 , 549 . 550 551 , 552 , , 553 . " " , 554 . 555 556 , 557 , . 558 559 " " , 560 , . 561 562 , 563 . 564 ; 565 , . 566 567 , , 568 - . 569 570 - - 571 - - 572 . 573 , 574 , , 575 , 576 , 577 - - 578 . 579 580 " " 581 , 582 , 583 . 584 585 . , , 586 , . 587 . 588 , , 589 . 590 , 591 . 592 , 593 , . 594 595 596 , 597 . " " 598 599 . , 600 , 601 , . 602 603 , , 604 , , 605 - - ! , 606 , 607 , " " , 608 609 . 610 611 , 612 . , 613 , 614 , . 615 616 " " , 617 , . 618 619 ? 620 621 , 622 , , . 623 624 625 . 626 627 " , , , , ? 628 ! . . . 629 ! . . . , , 630 , 631 ! 632 633 - - , , 634 . 635 636 - - , ; 637 , . 638 . 639 640 - - ? 641 642 - - - ! " 643 644 , , 645 , 646 , 647 , ' 648 . 649 650 " ? . 651 652 - - ? . . . ! , . 653 654 - - ! , . 655 656 - - , , ! 657 , , , 658 . " 659 660 , , 661 . 662 663 , 664 , , 665 . . 666 , 667 , , 668 669 - , , 670 , - - , 671 , ? - - , 672 ' , ? 673 674 ? 675 , , 676 677 ' ? 678 679 . 680 . 681 , 682 , , 683 . 684 685 686 , 687 , . 688 , , 689 , , 690 . , 691 . . 692 , , 693 , , . , 694 , 695 , , 696 . 697 698 . 699 - 700 , . 701 702 , 703 , , 704 705 . 706 . 707 708 709 , , 710 , , , 711 . , 712 , , , 713 - - . 714 715 , 716 ' 717 . 718 719 , 720 721 , . 722 723 . 724 725 726 - - 727 . 728 729 , 730 731 , . 732 , 733 , , 734 . 735 , , 736 . 737 738 , 739 . , 740 , . 741 742 " " , 743 . . 744 - 745 , 746 . " " 747 748 . 749 750 . 751 , , 752 753 . 754 , , , , . . . . 755 . 756 " " , , 757 . 758 759 ' 760 ? . 761 " " , 762 . 763 , 764 , . 765 766 , 767 . 768 , , 769 , 770 . 771 . 772 773 " " 774 . , 775 ' . , 776 , 777 , . 778 779 , 780 . 781 782 , 783 . 784 785 , , 786 . 787 . 788 789 790 , 791 . " " 792 . , 793 , , 794 795 . 796 797 - - " " , 798 , , 799 800 . 801 , . 802 803 " " . 804 805 806 , - - 807 , 808 . 809 810 811 ; 812 . 813 814 , 815 . 816 817 " " 818 . 819 , 820 ' . 821 822 . - 823 , 824 . 825 , . 826 , 827 828 . 829 830 ! ! 831 832 . 833 834 835 ! 836 837 * * * * * 838 839 , 840 ? 841 842 - 843 , . 844 845 , , - 846 . 847 848 849 , 850 . 851 852 . . . , 853 . 854 855 856 : 857 858 " , 859 - , 860 . 861 862 . 863 864 . " 865 866 867 , , 868 , 869 . 870 871 872 873 874 . 875 876 , 877 - . 878 879 880 881 " " 882 ; : 883 884 , 885 ? ? 886 ? 887 , , 888 ? , 889 . 890 . 891 892 : , 893 ? 894 , ? 895 , , , 896 - , , 897 , 898 , , : 899 900 " , , , 901 : " , " , , 902 ! - - ? " 903 904 ; 905 ; 906 . 907 908 , 909 . 910 , , , 911 , 912 . 913 , , 914 . 915 , 916 , 917 . 918 919 " " 920 , , 921 , 922 . 923 924 925 , , , 926 , , 927 , , 928 929 . 930 931 - 932 - 933 . ' ! 934 - , 935 , ; 936 ; 937 , 938 . , 939 940 " " . 941 942 , 943 , 944 - - - - 945 , , 946 . 947 " " , 948 , , 949 . 950 951 . : 952 , , , 953 , 954 ; , 955 . 956 , 957 , , 958 . 959 , , 960 , , 961 . 962 963 , 964 , 965 966 , , 967 968 . , 969 - - ' 970 . - - - 971 - - 972 . 973 974 " " , 975 , 976 , 977 . 978 , 979 - . 980 , 981 . - 982 , . 983 " " , 984 , , 985 , , 986 , , . 987 988 989 , . 990 " " , , 991 992 . 993 , , 994 , , 995 , 996 , 997 . 998 999 , , . 1000