-- Das ist gleichgiltig, ich hätte ihm noch einen Denkzettel obendrein gegeben,« erklärte der erste Heizer des »Vulcan«. Inzwischen spazierte das fröhliche Kleeblatt am rechten Ufer des Canals hinauf. Grip wollte immer weitere Einzelheiten hören. Seine Bewunderung Findlings suchte er gar nicht zu verbergen. Was der schon alles vom Handel verstand! Er wußte zu kaufen, zu verkaufen und Buch und Rechnung zu führen... mindestens ebensogut wie O'Bodkins. Und als Findling ihm mitgetheilt hatte, daß er jetzt ein Capital von hundertfünfzig Pfund »in der Casse« hatte, rief er verwundert: »Alle Wetter, da bist Du ja ebenso reich wie ich, mein Junge!... Nur daß ich sechs Jahre gebraucht habe, diese Summe zu erwerben, und Du nur sechs Monate!... Ich wiederhole Dir, was ich schon damals in Cork sagte, Du wirst Geschäfte machen... wirst ein Vermögen ansammeln... -- Wo denn? fragte Findling. -- Ueberall, wohin Du gehst, versicherte Grip mit dem Tone vollster Ueberzeugung. In Dublin, wenn Du hier bleibst... irgendwo, wenn Du wo anders hingehst. -- Und ich? ließ Bob sich vernehmen. -- Du auch, Knirps, vorzüglich wenn Du öfters so gute Ideen hast, wie die mit den Vögeln. -- Daran soll's nicht fehlen, Grip. -- Und wenn Du nichts unternimmst, ohne Dich mit dem Patron zu besprechen... -- Mit wem?... Dem Patron?... -- Natürlich mit Findling! Erscheint er Dir denn etwa nicht wie ein richtiger Patron oder Principal?... -- Ja, ja, davon plaudern wir noch mehr.... -- Doch erst nach dem Frühstück, meinte Grip. Für heute bin ich ganz frei. Ich kenne die Stadt durch und durch und will Euch durch Dublin lootsen. Da wirst Du auch sehen, Findling, was hier am besten zu thun ist.« Das Frühstück wurde in einer Matrosenschenke am Quai eingenommen und mundete vortrefflich, wenn auch die Leckerbissen des unvergeßlichen Festmahls in Cork dabei nicht wieder auf den Tisch kamen. Grip erzählte von seinen Reisen. Bob lauschte seinen Worten mit Entzücken, Findling immer nachsinnend. -- Der Knabe machte wirklich den Eindruck, als ob er gleich zwanzig Jahre alt geboren wäre und jetzt im dreißigsten Jahre stände. Hierauf führte Grip seine beiden Freunde nach der Mitte der Stadt, in die Gegend der Liffey. Hier erhob sich das reiche Quartier Dublins, das umsomehr von den andern absticht, als es an einem vermittelnden Uebergang von den Hütten zu den Palästen gänzlich fehlt. Einen Mittelstand giebt es in der Hauptstadt Irlands nicht. Luxus und Armuth stoßen sich mit dem Ellbogen. Das reiche Stadtviertel erstreckt sich vom Flusse aus bis nach dem Stephens-Square, wo die vornehme Bürgerschaft wohnt, die sich zwar durch seine Sitten und Bildung auszeichnet, leider aber durch religiöse und politische Streitfragen in zwei Lager zerfällt. Eine der schönsten Straßen ist hier die Sackeville-Street. Hier hat auch das Centralcomité der Landliga seinen Sitz, der durch ein Schild mit goldnen Buchstaben gekennzeichnet ist. In der herrlichen Straße wimmelt es freilich auch von Armen, die überall herumsitzen und am Fuße der Denkmäler stehen. Findling fühlte sich recht sehr davon ergriffen. Was in dem Quartier Saint-Patrick vielleicht natürlich erschien, bildete in der schönen Sackeville-Street einen gar zu schreienden Contrast. Auffallend war hier auch die erstaunliche Menge von Kindern, die alle Zeitungen, wie die Gazette de Dublin, den Dublin Expreß, die National Preß, Freemann's Journal, die hauptsächlichsten protestantischen und katholischen Blätter und noch manche andre zum Verkauf ausboten. »Seh' einer, bemerkte Grip, die vielen kleinen Händler auf den Straßen, an den Bahnhöfen und den Quais! -- Ja freilich, an ein solches Geschäft ist hier gar nicht zu denken, antwortete Findling. In Cork ging das ganz gut, hier dürfte es fehlschlagen.« In der That machte es die übermäßige Concurrenz sehr wahrscheinlich, daß der früh morgens gefüllte Karren Birks am Abend auch noch voll gewesen wäre. Auf dem weiteren Spaziergange entdeckten sie nun noch andre schöne Straßen mit prächtigen Gebäuden, so die Post-Office, deren Mittelporticus auf einer Reihe jonischer Säulen ruht. Findling dachte beim Anblick derselben an die unendliche Menge von Briefen, die hier zusammenströmen oder von hier ausgehen. »Dieses Haus hat man auch für Deinen Gebrauch gebaut, mein Boy, sagte Grip, denn hier werden Deine Briefe eingehen mit der Adresse: »Master Findling, Kaufmann in Dublin.« Der Knabe konnte nicht umhin, über den Enthusiasmus seines alten Gefährten aus der =Ragged-School= zu lachen. Fernerhin kamen die drei Freunde nach dem Gebäude der vier unter einem Dache vereinigten Gerichtshöfe, mit seiner dreiundsechzig Toisen langen Front und der von zwölf Fenstern unterbrochenen Kuppel, die heute dann und wann von einem Sonnenstrahl erglänzten. »Ich hoffe, ließ Grip sich vernehmen, daß Du mit dem großen Hause da niemals etwas zu thun hast! -- Und warum nicht?... -- Weil das auch ein Heizraum ist, wie der auf dem »Vulcan«, nur daß man hier keine Steinkohlen verbrennt, sondern Verklagte langsam schmoren läßt, wobei Solicitors, Attorneys, Proctors und andre Händler mit Gesetzen einheizen... einheizen.... -- Man kann kein Geschäft machen, ohne einmal in einen Proceß zu gerathen, Grip. -- Jedenfalls bemühe Dich, deren so wenig wie möglich zu haben. Es kostet einem viel Geld, wenn man sie gewinnt, und ruiniert einen, wenn man sie verliert!« Es klang, als wenn Grip aus Erfahrung spräche. Wie wechselte er aber den Ton, als alle drei ein rundes Gebäude bewunderten, das durchweg einen dorischen Styl zeigte. »Die Bank von Irland! rief er grüßend. Da hinein, mein Boy, solltest Du einmal recht häufig zu gehen haben. Da drinnen stehen Geldschränke so groß wie Häuser! Möchtest Du nicht in einem solchen wohnen, Bob? -- Sind die aus Gold? -- Nein, doch was darin steckt, ist Gold.... Ich hoffe bestimmt, daß Findling hier einmal seine Gelder anlegen wird!« Grip übertrieb wie immer, wenn er auch nur seiner festen Ueberzeugung Ausdruck gab. Findling hörte ihm nur halb zu, während er das geräumige Gebäude betrachtete, worin nach Grips Aussage ein Haufe von Millionen auf dem andern liegen sollte. Weiterhin führte der Weg wiederholt aus den Straßen des Elends in die des prunkenden Luxus; hier die reichen Leute, die zum Vergnügen lustwandelten, dort die Armen, die die Hand ausstreckten, ohne sich gerade Mühe zu geben, die Vorübergehenden zu rühren. Ueberall Polizisten mit dem Skiff in der Hand und zur besseren Sicherheit der Schwesterinsel den Revolver im Gürtel, eine Vorsicht, die bei der leidenschaftlichen politischen Erregung hier allerdings geboten erscheint. Die Irländer vertragen sich untereinander nur, so lange keine religiöse oder eine Home-rule betreffende Frage sie nicht gegeneinander aufhetzt. Dann gerathen sie ganz außer sich, dann fließt nicht mehr das Blut der alten Gaëler in ihren Adern und sie sind so weit unter einander uneinig, daß sie ein Sprichwort ihres Landes bestätigen, welches lautet: Setzt einen Irländer an den Bratspieß, so wird sich stets ein andrer einfinden, um diesen zu drehen. Bei ihrem Ausfluge zeigte Grip seinen kleinen Freunden auch eine große Menge Statuen. Noch ein halbes Jahrhundert, und es sind ihrer so viele wie Einwohner in der Stadt. Da steht in Bronze oder Marmor eine ganze Bevölkerung von Wellington, O'Connell, O'Brien, Burke, Goldsmith, Grawan, Thomas Moore, Crampton, Nelson, der Wilhelme von Oranien und der Könige Georg, von denen vor der Hand erst vier vorhanden sind. Noch niemals hatte Findling oder Bob eine solche Versammlung berühmter Persönlichkeiten auf ihren Piedestalen gesehen. Dann unternahmen sie eine Fahrt mit der Trambahn und während der Wagen an verschiedenen Gebäuden, die ihre Aufmerksamkeit erregten, vorüberrollte, fragten sie Grip darüber, der allemal Auskunft zu geben wußte. Einmal war es das Gefängniß, wo man die Leute einsperrt, und dann wieder Workhouses, wo man sie gegen sehr geringe Entschädigung zum Arbeiten zwingt. »Und das da?... erkundigte sich Bob, auf ein sehr großes Haus in der Coombe-Street zeigend. -- Das?... antwortete Grip; das ist die =Ragged-School=«. Das Wort erweckte in Findling manch' trübe Erinnerung. Hatte er unter einem solchen traurigen Dache aber einst auch viel gelitten, so hatte er daselbst doch Grip kennen gelernt... und das hob sich auf. Jene Mauern bargen also eine Schaar verlassner Kinder! Mit ihrem blauen Jersey, dem grauen Beinkleid und derben Schuhen an den Füßen, nebst einem Barret auf dem Kopfe, glichen sie freilich nicht im geringsten den zerlumpten Knaben in Galway, um die sich O'Bodkins so wenig bekümmerte. Hier bemühte sich die »Missionsgesellschaft der Irischen Kirche«, die Eigenthümerin der Schule, ihre Zöglinge nicht nur körperlich und geistig zu erziehen, sondern ihnen auch die Glaubenssätze der anglicanischen Kirche einzupflanzen, und ähnliche Ziele verfolgen mit den gleichen Mitteln auch verschiedne katholische religiöse Vereine. Immer unter Leitung ihres Führers verließen Findling und Bob endlich die Trambahn am Eingang eines im Westen der Stadt gelegenen Gartens, der auf jener Seite von der Liffey begrenzt wird. Ein Garten ist es weniger, vielmehr ein großer Park von eintausendsiebenhundertundfünfzig Acres (709 Hektaren), der Phönix-Park, auf den Dublin mit Recht stolz ist. Dickichte von herrlichen Ulmen, saftige Rasenflächen, auf denen Kühe und Schafe weiden, dichte Gebüsche, in denen sich Ziegen tummeln, große Beete mit prächtigen Blumen, freie Plätze für Paraden, geräumige Flächen für das Fußball- und das Polospiel... nichts fehlt diesem mitten in einer Stadt gelegenen Stück Landschaft. Unfern der großen Mittelallee erhebt sich die Residenz des Lord-Lieutenant, neben der sich eine Schule und ein Krankenhaus für das Militär sowie ein Artilleriehof mit Kaserne befinden. Der Phönix-Park ist freilich auch der Schauplatz mancher Mordthat gewesen, und Grip zeigte den Knaben zwei Einschnitte in Form eines Kreuzes, wo kaum drei Monate vorher, am 6. Mai und fast unter den Augen des Lord-Lieutenant, der Dolch der Unbezwinglichen den Staatssecretär von Irland und den Untersecretär, Burke und Lord Frederick Cavendish, tödtlich getroffen hatte. Ein Spaziergang durch den Phönix-Park bis zu dem hier angeschlossenen Zoologischen Garten beendigte diesen Ausflug durch die Stadt. Es war um fünf Uhr, als die Knaben von Grip Abschied nahmen, um nach ihrem Gasthaus in der Saint-Patrick-Street zurückzukehren, nachdem sie übereingekommen waren, sich alle drei jeden Tag bis zur Abfahrt des Dampfers zu treffen. Als sie sich trennen wollten, sagte Grip noch zu Findling: »Nun, mein Boy, ist Dir denn im Laufe dieses Nachmittags ein guter Gedanke gekommen? -- Ein Gedanke, Grip?... -- Nun ja, hast Du Dich für etwas entschieden, was Du anfangen willst? -- Was ich anfangen will... nein, das noch nicht, doch was ich nicht anfangen will, ja. Unsern Straßenhandel wie in Cork wieder aufzunehmen, das ist hier aussichtslos. Für den Verkauf von Zeitungen und Broschüren giebt es zu viel Concurrenz. -- Das mein' ich auch, sagte Grip. -- Ob wir mit dem Karren durch die Straßen fahren sollen... das weiß ich nicht... welcherlei Waaren sollte man da verkaufen?... Auch solche fahrende Händler giebt es schon sehr viele. Nein, es erscheint mir das rathsamste, gleich einen kleinen Laden zu miethen.... -- Jetzt bist Du auf dem richtigen Wege, mein Boy! -- Einen Laden in einem Stadttheil mit lebhaftem Verkehr... nicht von reichen Leuten... so etwa in einer Straße der Freiheiten.... -- Ganz vortrefflich! rief Grip. -- Was sollen wir da aber verkaufen? fragte Bob. -- Lauter nützliche Dinge, antwortete Findling, alles, was täglich gebraucht wird.... -- Also etwas zum Essen? meinte Bob, zum Beispiel Kuchen, nicht wahr? -- Das Leckermäulchen! rief Grip. Kuchen gehören doch nicht zu den nützlichen Dingen.... -- O doch, weil sie gut schmecken. -- Das genügt nicht, vor allem müssen die Dinge nothwendig sein, erwiderte Findling. Doch... das wird sich finden. Erst will ich mir das Quartier da unten noch ansehen. Allem Anscheine nach machen die Händler daselbst gar nicht so schlechte Geschäfte. Ich denke, so eine Art Bazar.... -- Ein Bazar... richtig! jubelte Grip, der schon den großen, reich ausgestatteten Laden Findlings mit glänzender Firma vor sich sah. -- Ich werde mir's überlegen, Grip. -- Nur nicht überhasten! Ehe man sich entscheidet, muß man alles reiflich erwägen. -- Und vergiß nicht, mein Boy, daß ich mein ganzes Geld zu Deiner Verfügung stelle. Ich weiß so wie so nicht, was ich damit anfangen soll, und wirklich, es belästigt mich nicht wenig, es immer bei mir zu tragen.... -- Warum legst Du es denn nicht an, Grip...? -- Ja, gern, bei Dir... Willst Du es? -- Wir werden sehen, vielleicht später... wenn unser Handel gut geht. Für jetzt fehlt mir ja nur mehr das Haus, in dem ich einen Laden eröffnen könnte, und wo nicht zu viel Risico dabei wäre... -- Keine Angst, mein Boy! Ich sage Dir, Du erwirbst Dir ein Vermögen, das weiß ich gewiß! Ich sehe Dich schon im Besitz von hunderten, von tausenden Pfund Sterling... -- Wann fährt denn der »Vulcan« ab, Grip? -- Etwa in acht Tagen. -- Und kehrt hierher zurück? -- Nicht vor Verlauf von zwei Monaten, denn wir wollen nach Boston, Baltimore, ich weiß nicht, wohin, oder vielmehr überall hin, wo Fracht einzunehmen... -- Und hierher zu bringen ist!« rief Findling mit heimlichem Neide. Endlich trennten sie sich. Grip wandte sich nach den Docks zu, während Findling mit Bob und Birk die Brücke über die Liffey überschritt, um nach Saint-Patrik zurückzugelangen. Wie vielen Armen beiderlei Geschlechts begegneten sie da, doch auch wie vielen, die von übermäßig genossenem Whisky und Gin widerwärtig dahinschwankten! Wozu hatte es genützt, daß der Erzbischof Johann bei einem 1186 in der Hauptstadt Irlands abgehaltenen Concil so wüthend gegen die Trunksucht gedonnert hatte? Sieben Jahrhunderte später trank Paddy noch immer über die maßen und weder ein andrer Erzbischof noch ein andres Concil dürfte jemals im Stande sein, diesen traurigen Erbfehler auszurotten. XI. Der Bazar »Zum kleinen Geldbeutel«. Unser Held zählte jetzt elfeinhalb und Bob acht Jahre, so daß beide zusammen noch nicht einmal das majorenne Alter dargestellt hätten. Findling schon mitten in der Geschäftsthätigkeit, im Begriff, ein Handelshaus zu gründen. Es gehörte wirklich die blinde Vorliebe eines Grip dazu, um zu glauben, daß er damit gleich Glück haben, daß sein Handel nach und nach Umfang genug erreichen werde, um damit ein Vermögen zu erwerben. Jedenfalls besaß das Quartier Saint Patrik zwei Monate nach dem Eintreffen der beiden Knaben in der Hauptstadt Irlands einen Bazar, der die Aufmerksamkeit der Leute erregte und auch eine große Kundschaft heranlockte. Dieser Bazar aber war nicht etwa in den ärmlichen Straßen der Freiheiten zu suchen, die sich in der Umgebung der Saint-Patrick-Street kreuzen. Findling hatte es vorgezogen, sich mehr nach der Liffey zu, in der Bedfort-Street, zu etablieren, wo man nichts überflüssiges, sondern nur Bedarfsgegenstände einzukaufen pflegt. Für die nothwendigsten Gegenstände finden sich ja stets Käufer, wenn jene gut und nicht zu theuer sind. Das hatte die Erfahrung dem jungen Kaufmann schon gelehrt, als er noch mit dem Karren durch die Straßen von Cork zog und dann die Grafschaften von Munster und Leinster durchwanderte. Ein wirkliches Magazin war es, treu bewacht von Birk, der jetzt nicht mehr zum Zugthier erniedrigt wurde. Der Laden führte ein in die Augen fallendes Schild mit der Inschrift »Zum kleinen Geldbeutel«, und darunter die Firma »Little Boy and Co.« Little Boy, das war Findling; and Co., das war Bob... und ohne Zweifel auch Birk. Das betreffende Haus in der Bedfort-Street bestand aus drei Stockwerken. Eine Treppe hoch wohnte darin der Besitzer O'Brien, ein früherer Colonialwaarenhändler, der sich nach erfolgreicher Thätigkeit vom Geschäft zurückgezogen hatte, übrigens ein rüstiger alter Junggeselle von fünfundsechzig Jahren, der mit Recht im Rufe eines hochachtbaren Mannes stand. O'Brien war natürlich nicht wenig erstaunt, als ein Kind von elfeinhalb Jahren kam, um einen seit einigen Monaten leerstehenden Laden im Erdgeschoß von ihm zu miethen. Die verständigen und praktischen Antworten aber, die er auf seine Fragen von dem Knaben erhielt, nahmen ihn schnell für diesen ein, und so kam ein Miethcontract bald zu Stande, vorzüglich, da der junge Miether sich erbot, den Zins für ein ganzes Jahr gleich im Voraus zu entrichten. Der freundliche Leser will nicht vergessen, daß der Held unsrer Erzählung wegen seiner Größe und Schulterbreite älter erschien, als er war. Doch wenn man ihn auch für vierzehn oder fünfzehn Jahre schätzte, so erschien er doch jedem Fernstehenden gewiß noch als viel zu jung, um einen selbständigen Ladenhandel anzufangen, wenn dieser auch die bescheidne Bezeichnung »Zum kleinen Geldbeutel« trug. Jedenfalls handelte O'Brien nicht, wie es vielleicht viele gethan hätten. Als sich der ordentlich gekleidete Knabe mit einer gewissen Sicherheit vorstellte, sein Anliegen klar und deutlich vorbrachte, da führte er ihn nicht ohne Erwiderung hinaus, sondern hörte ihn bis zum Ende ruhig an. Was er da von der Vergangenheit desselben, von seinem Handel in Cork, seiner Wanderung nach der Hauptstadt vernahm, das rief unwillkürlich sein Interesse wach. Er erkannte in Findling einen so gereiften Verstand, eine solche Klarheit der Gedanken, daß er an dessen glücklicher Zukunft gar nicht zweifeln konnte. Der alte Kaufmann versprach daher, Findling mit seinem Rathe beizustehen, indem er sich vornahm, alles, was sein junger Miethsmann thäte, zu beobachten. Mit Unterzeichnung des Contractes und Zahlung des Miethpreises wurde Findling endgiltig zu einem der Ladeninhaber der Bedfort-Street. Das an Little Boy and Co. vermiethete Erdgeschoß bestand aus zwei Räumlichkeiten, von denen eine nach der Straße, die andre nach dem Hofe zu lag. Die erste sollte als Geschäftslocal, die andre als Schlafzimmer dienen. Nach dem Hofe schloß sich hieran noch ein Kämmerchen und eine Küche, wo eine Köchin hausen konnte... wenn einmal eine solche da war. Jetzt erschien eine solche für die zwei Knaben noch nicht nöthig. Sie wollten essen, wenn sie dazu Zeit hatten und keine Kunden zu bedienen waren. Zuerst immer die Kundschaft! Auf Zuspruch konnte Findling ja rechnen, da er in seinem saubern Laden eine große Auswahl von Waaren bot. Mit dem nach Zahlung des Miethzinses übrig gebliebnen Geld hatte der junge Kaufmann alles von den Großhändlern und Fabrikanten gegen baar bezogen, und jetzt war der Bazar »Zum kleinen Geldbeutel« auf Tischen und Regalen reichlich ausgestattet. Nach Beschaffung des nothwendigen Mobiliars für Laden und Schlafstube war von den hundertundfünfzig Pfund, die Findling mit nach Dublin gebracht hatte, freilich nur noch der dritte Theil übrig. Weitere Ausgaben vermied er weislich, um sich für den Nothfall eine Reserve zu sichern. Lücken, die in seinen Waarenvorräthen entstanden, hoffte er mit den laufenden Einnahmen wieder füllen zu können. Selbstverständlich verlangte eine geordnete Geschäftsführung die Anlage eines sogenannten Journals für die täglichen Verkäufe, ferner eines Hauptbuches -- das Hauptbuch Findlings! -- wo Einnahmen und Ausgaben eingetragen werden sollten, um jeden Abend die Richtigkeit der Casse prüfen zu können. Wahrlich, O'Bodkins von der Lumpenschule hätte seine Sache auch nicht besser machen können. In dem Bazar von Little Boy fand man etwas von allem, was in diesem Stadttheil vorwiegend gebraucht wurde. Was der Papierhändler, der Kurzwaaren-, der Eisenwaaren-, der Buchhändler und andre ihren Kunden einzeln boten, das vereinigte der Laden Findlings an einer Stelle. Im Bazar »Zum kleinen Geldbeutel« konnte man nahezu alles zu festem, aber billigem Preis haben. Neben den eigentlichen Bedarfsgegenständen enthielt der Laden noch eine reiche Auswahl von Spielwaaren aller Art, doch nur solche für Kinder von fünf bis zu zwölf Jahren. Diese Abtheilung besorgte Bob mit besondrer Vorliebe und bemühte sich, sie in bester Ordnung zu halten, wenn er sich auch nicht überwinden konnte, das eine oder das andre Spielzeug einmal selbst zu versuchen. Vorzüglich beschäftigte er sich da mit den Schiffen und Booten -- für wenige Pence, wobei er sich sorglich hütete, dieselben irgendwie zu beschädigen, denn der Principal scherzte damit nicht und ermahnte ihn manchmal. »Sei doch ernsthaft, Bob! Wenn Du das jetzt nicht bist, könnte man glauben, daß Du es niemals würdest!« Wir haben nicht nöthig, Tag für Tag die Fortschritte zu verfolgen, die der Bazar von Little Boy and Co. in der Achtung und dem Vertrauen der Leute machte. Auf jeden Fall erfreute er sich des besten Erfolges. O'Brien konnte sich nicht genug wundern über die Gewandtheit und den richtigen Blick seines jungen Miethers, der stets vortheilhaft einzukaufen und wieder zu verkaufen verstand. So hatte es auch der alte Kaufmann gemacht und sich dadurch ein recht schönes Vermögen erworben. Freilich begann er sein Geschäft im Alter von fünfundzwanzig Jahren, nicht in dem von zwölf Jahren. Auch O'Brien theilte bald die Ansicht Grips, daß es Findling gar nicht fehlen könne, bald zu Vermögen zu kommen. Zur Erklärung des wirklich außergewöhnlichen Erfolges, dessen sich der Bazar »Zum kleinen Geldbeutel« erfreute, diene die Bemerkung, daß es sich in der ganzen Stadt mit Windeseile verbreitet hatte, daß dieses Geschäft von einem kaum den Schuljahren entwachsenen Knaben begründet worden war, und von ihm nur mit Unterstützung eines noch weit jüngeren Knaben geführt wurde. Das genügte, um Findlings Laden sozusagen in die Mode zu bringen. Dieser hatte auch nicht unterlassen, sich durch einige Annoncen in den Blättern zu empfehlen, die er recht theuer bezahlen mußte. Bald begannen aber die hervorragendsten Blätter der Hauptstadt seines ungewöhnlichen Geschäftes auch aus freien Stücken Erwähnung zu thun, und nun stellten sich viele Reporter ein, die Little Boy and Co. -- ja, auch Bob selbst! -- mit ebenso vieler Sorgfalt interviewten, als wenn es dem Lord Gladstone gegolten hätte. Ueberall sprach man schon von dem jugendlichen Kaufmann der Bedfort-Street und von seinem Unternehmen, dem sich die allgemeine Theilnahme zuwandte. Er wurde der Held des Tages und -- was das Wichtigste ist -- die Leute drängten sich, seinen Bazar zu besuchen. Natürlich wurde hier die Kundschaft mit größter Höflichkeit und Zuvorkommenheit behandelt. Findling hatte die Augen überall und Bob mit dem Lockenkopfe sprang hin und her, um jeden nach Wunsch zu bedienen. Sogar Damen aus dem vornehmen Viertel kamen zu Wagen an und machten es sich zum Vergnügen, wenigstens das Spielwaarenlager Findlings bald zu vermindern oder gar zu leeren. Mit einem Worte, Findling konnte sich eines glänzenden Erfolges rühmen, und um sich diesen auch weiter zu sichern, ließ er sich's an keiner Mühe fehlen. Als der »Vulcan« in Dublin wieder eingelaufen war, galt der erste Ausgang Grips natürlich seinen Freunden. Ueber den Bazar in der Bedford-Street konnte er seiner Verwunderung gar nicht laut genug Ausdruck verleihen; ja, seiner Meinung nach hatte sich die ganze Straße dadurch so verwandelt, daß sie wenigstens der Sackevillestraße hier in Dublin, womöglich auch gar dem Strand in London, dem Broadway in Newyork, dem Boulevard des Italiens in Paris gleichkam. Bei jedem Besuche hielt er sich für verpflichtet, etwas zu kaufen, »um das Geschäft in Gang zu erhalten«, wie er sagte, obgleich er das gewiß nicht nöthig hatte. Einmal wählte er eine Brieftasche, um diejenige zu ersetzen, die er... niemals besessen hatte, ein andermal eine hübsche, bunt angestrichene Brigg, die er den Kindern eines seiner Kameraden vom »Vulcan« zum Geschenk machen wollte. Schließlich erwarb er sogar einmal eine ziemlich theure Pfeife aus falschem Meerschaum, deren Mundstück aus gelbem Bernstein geschnitzt war. Findling mußte von ihm natürlich wie von andern Leuten Bezahlung annehmen. »Siehst Du, mein Boy, die Sache macht sich!... Das geht ja wie mit hundert Schraubenumdrehungen, nicht wahr? Jetzt bist Du Befehlshaber an Bord des »Kleinen Geldbeutel« und brauchst nur darauf zu achten, daß das Feuer nicht ausgeht. Es ist lange her, daß wir zwei noch in Lumpen durch die Straßen von Galway trabten, oft Hunger und Kälte zu erleiden hatten, damals in der =Ragged-School=. Da fällt mir ein, ist Carker denn gehenkt worden? -- So viel ich weiß, noch nicht, Grip. -- Das kann aber nicht mehr lange dauern, und jedenfalls legst Du mir das Journal bei Seite, das darüber ausführlich berichtet!« Grip fuhr mit dem »Vulcan« wieder hinaus aufs weite Meer, und kaum von der Reise zurückkehrend, erschien er auch aufs neue im Bazar und ruinierte sich durch fortwährende Einkäufe. Da sagte Findling eines Tags zu ihm: »Glaubst Du es denn noch immer, Grip, daß ich es einmal zu einem gewissen Vermögen bringe? -- Natürlich, mein Boy, so sicher, wie ich glaube, daß unser einstiger Kamerad Carker mit einem Strick um den Hals endigen wird! -- Nun aber Du selbst, mein guter Grip, denkst Du denn niemals an die Zukunft? -- Ich?... Weshalb sollte ich daran denken?... Hab' ich nicht einen Beruf, den ich doch gegen keinen andern vertauschen möchte. -- Einen beschwerlichen Beruf, der sich auch nicht besonders lohnt. -- Wie?... Vier Pfund monatlich, und dazu Nahrung, Wohnung, Heizung, daß man zuweilen fast selbst gebraten wird? -- Und das in einem Schiffe! fiel Bob ein, dessen größtes Glück es gewesen wäre, einmal auf dem Meere zu schwimmen. -- Das thut nichts, Grip, fuhr Findling fort. Ein Heizer zu sein, hat noch niemand Vermögen gebracht, und Gott will, daß man auf Erden sein Glück suche.... -- Bist Du dessen so sicher? fragte Grip mit den Achseln zuckend. Steht das mit in seinen Geboten? -- Ja, antwortete Findling. Er will, daß man etwas erwirbt, nicht um allein glücklich zu sein, sondern um auch die glücklich zu machen, die es nicht sind und doch zu sein verdienten!« In seinen Gedanken tauchte dabei die Erinnerung an Sissy auf, an seine Leidensgefährtin in der Hütte der Hard, und an die Familie Mac Carthy, deren Spuren er nicht zu entdecken vermocht hatte, sowie an sein Pathenkind Jenny, der es jetzt gewiß recht traurig erging, während er... »Nun, Grip, nahm er wieder das Wort, überlege Dir wohl, welche Antwort Du giebst. Warum willst Du nicht auf dem Lande bleiben? -- Ich sollte den »Vulcan« verlassen?... -- Ja, doch nur, um Dich mit mir zu associieren. Du weißt ja... Little Boy and Co.... ist durch Bob nicht hinreichend vertreten, doch wenn Du mit einträtest... -- Ach, lieber, bester Grip, fiel Bob ein, das würde für uns beide das größte Vergnügen sein. -- Für mich auch, meine Kinder, erwiderte Grip sehr gerührt von diesem Vorschlage, doch soll ich Euch etwas sagen? -- So sprich, Grip. -- Nun also... ich bin zu groß. -- Zu groß? -- Ja, wenn die Leute mich im Laden sähen, so einen langen Bengel, so ginge das Geschäft nicht mehr, da wär es nicht mehr Little Boy and Co.... and Co. muß klein sein, um die Leute heranzuziehen. Ich würde die Handelsgesellschaft stören, würde Euch Unrecht thun. Gerade weil Ihr noch Knaben seid, blüht das Geschäft so ganz besonders. -- Vielleicht hast Du recht, Grip, antwortete Findling. Doch wir werden auch größer... -- Natürlich werden wir alle Tage größer, versetzte Bob, sich auf den Zehen aufrichtend. -- Gewiß, und hütet Euch nur, nicht allzuschnell zu wachsen! -- Das kann man wohl nicht hindern, bemerkte Bob. -- Nein, freilich nicht. Darum seht zu, daß Ihr Euer Geschäft gemacht habt, so lange Ihr noch Knaben seid. Zum Kuckuck, ich messe fünf Fuß sechs Zoll, und was über fünf Fuß ist, das paßt nicht in Euer Geschäft. Wenn ich übrigens Dein Geschäftstheilhaber nicht sein kann, Findling, so weißt Du doch, daß mein Geld Dir gehört.... -- Ich bedarf desselben nicht. -- Na, wie es Dir beliebt. Wenn Du Dich indeß einmal vergrößern willst.... -- Dann könnten wir zwei dem Geschäft nicht gut mehr allein vorstehen.... -- Ei, warum nehmt Ihr nicht wenigstens eine Frau ins Haus, um Euch die Wirthschaft zu besorgen? -- Daran hab' ich allerdings bereits gedacht, Grip, und der vortreffliche Herr O'Brien hat mir dasselbe angerathen. -- Er hat ganz recht damit, der brave Mann. Kennst Du denn kein weibliches Wesen, das Dein Vertrauen besäße? -- Nein, Grip. -- Das findet sich... wenn man danach sucht.... -- Ah warte... eben denke ich an eine alte Freundin... Kat!« Bei Erwähnung dieses Namens erscholl ein lustiges Gebell. Birk hatte ihn verstanden und sprang wie toll hin und her. »Ah, Du erinnerst Dich ihrer, Birk? sagte sein junger Herr. Kat... nicht wahr, der guten Kat?...« Da scharrte Birk an der Thür und schien nur noch den Auftrag zu erwarten, sofort in der Richtung nach dem Schlosse hinzulaufen. Grip erhielt nun eine weitere Erklärung. Eine bessere als Kat konnte man gar nicht finden; sie würde dem Haushalt vorstehen und die Küche besorgen, ohne selbst gesehen zu werden, und so konnte sie auch die sociale Lage der Firma Little Boy and Co. nicht durchkreuzen. Freilich entstand die Frage, ob sie überhaupt noch in Trelingar-castle war oder nicht. Findling schickte mit der ersten Post einen Brief an sie. Schon am nächsten Tage erhielt er eine Antwort in etwas grober, aber leserlicher Schrift, und kaum waren achtundvierzig Stunden verflossen, als Kat auf dem Dubliner Bahnhofe anlangte. Den herzlichen Empfang nach achtzehnmonatlicher Entfernung kann man sich wohl vorstellen. Findling sank ihr in die Arme und Birk sprang an ihr empor. Sie wußte gar nicht, wem sie zuerst antworten sollte. Die Thränen strömten ihr aus den Augen, und als sie in die Küche eingetreten war, wo sie Bob kennen lernte, wiederholte sich der Empfang noch einmal. An diesem Tage hatte Grip die Ehre und das Glück, mit seinen jungen Freunden das erste, von der guten Kat bereitete Mittagsmahl zu theilen, und als der »Vulcan« am nächsten Tage die Anker lichtete, trug er den zufriedensten Heizer von der Welt mit aufs Meer hinaus. Die Bedingungen, unter denen die gute Frau ihre neue Stellung übernahm, waren bald und ohne Feilschen verabredet, denn sie empfand es keineswegs als einen Rückschritt, jetzt bei Little Boy statt früher im Trelingar-castle in Dienst zu stehen. Ihren neuen Herrn noch mit Du anzureden, dazu war sie freilich nicht zu bewegen; dieser war ja nicht mehr der Groom des Grafen Ashton, sondern der Chef des Hauses »Zum kleinen Geldbeutel«. Auch Bob wurde von ihr nur Herr Bob genannt, und höchstens Birk erfreute sich der alten vertraulichen Anrede. Bald machte sich die Anwesenheit der braven Frau im Hause bemerkbar. Jetzt blieb die Wirthschaft stets in schönster Ordnung und im Zimmer wie im Laden sah es noch einmal so sauber aus. Nach einem Restaurant zu Tische zu gehen, das mochte wohl für einen Commis passen; für den Principal eines Geschäfts aber schickte es sich ja nicht mehr, dieser mußte sein völlig eingerichtetes »Home« haben und am eigenen Tische speisen. Das Jahr 1882 brachte für Little Boy and Co. einen sehr vortheilhaften Abschluß. Während der letzten Wochen konnte der Bazar zu Weihnachten und zum neuen Jahre kaum den Ansprüchen der Käufer genügen. Die Spielwaarenabtheilung mußte wohl zwanzigmal erneuert werden und Bob verkaufte mit einem Eifer sondergleichen Schaluppen, Kutter, Goëletten, Briggs, Dreimaster und selbst mechanische Dampfboote. Doch auch die andern Waaren fanden reißenden Absatz. In der feinen Welt gehörte es zum guten Ton, seine Bedürfnisse im Bazar »Zum kleinen Geldbeutel« zu decken. Ein Geschenk galt nicht als »=select=«, wenn ihm die Marke Little Boy and Co. fehlte. Ja, die »Mode« ist etwas werth, wenn die Kinder sie machen und die Eltern diesen, wie es ihre Pflicht ist, gehorchen. Findling hatte keine Ursache sich zu beklagen, daß er Cork verlassen und seinen Handel mit Zeitungen aufgegeben hatte. Den erweiterten Markt, den er in der Hauptstadt Irlands suchte, hatte er gefunden. O'Brien freute sich aufrichtig über die Zunahme der Geschäftsthätigkeit seines jungen Miethers, die dieser mit eignen Kräften und eignen Hilfsmitteln erzielt hatte. Seine Rathschläge wurden stets gern beachtet, sein Geld aber, das er in die Firma einzuschießen bereit war, lehnte Findling höflich ab. Kurz nach Abschluß der Inventuraufnahme des ersten Jahres, dessen Verläßlichkeit O'Brien in allen Stücken anerkannte, konnte Findling gewiß höchst zufrieden sein: binnen sechs Monaten, seit dem Eintreffen in Dublin, hatte er sein Capital verdreifacht. XII. Das Wiederfinden. »Wer irgendwelche Mittheilungen über die Familie Martin Mac Carthy (früheren Pächter der Farm von Kerwan, Grafschaft Kerry, Kirchspiel Silton) zu machen im Stande ist, wird dringend gebeten, diese der Firma Little Boy and Co., Bedford-Street, Dublin, zugehen zu lassen.« Diese Anzeige in der Nummer vom 3. April 1884 der Gazette de Dublin hatte unser junger Held selbst aufgegeben und mit zwei Schillingen für die Zeile bezahlt. Am nächsten Tage stand derselbe Aufruf auch in den andern Blättern der Hauptstadt. Findling hätte eine halbe Guinee gar nicht besser anzuwenden gewußt, denn wie hätte er, das Adoptivkind der unglücklichen Familie, die ihm so viele Wohlthaten erwiesen hatte, diese jemals vergessen können? Er hielt es für seine Pflicht, alles zu versuchen, um sie wiederzufinden, ihr nach Kräften zu helfen, und er freute sich schon im voraus von ganzem Herzen darauf, der Familie an Lebensglück zurückerstatten zu können, was er an Liebe von ihr empfangen hatte. Wie konnte er aber wissen, wo die Leute jetzt ein Obdach gefunden hatten, ob sie in Irland geblieben waren und jetzt vielleicht ihr Brod von Tag zu Tag erwerben mußten, ob Murdock, um sich weiteren Verfolgungen zu entziehen, vielleicht ausgewandert war und ob dessen Angehörige etwa gar sein Exil in fernem Lande, in Australien oder Amerika, theilten. Er hatte auch keine Ahnung, ob Pat noch segelte, und der Gedanke, daß die brave Familie wahrscheinlich jetzt noch unter der Last des Unglücks seufzte, verursachte ihm recht schweren Kummer. Obwohl Findlings Aufruf jeden Sonnabend mehrere Wochen hindurch in allen Dubliner Blättern stand, blieb er doch erfolglos. Wäre Murdock in ein Gefängniß des Landes eingeliefert worden, so hätte er das jedenfalls erfahren. So konnte der Knabe nur annehmen, daß Martin Mac Carthy sich inzwischen mit den Seinigen nach Amerika oder Australien eingeschifft habe, von wo sie vielleicht nie mehr zurückkehrten, wenn sie da eine zweite Heimat gefunden hatten. Die Hypothese einer Auswanderung nach Australien wurde übrigens durch Nachrichten, die O'Brien von früheren Geschäftsfreunden einzog, bald bestätigt. Ein von Belfast eingetroffener Brief brachte die erste Aufklärung. Nach Angabe der Bücher einer Auswanderungsagentur hatten sich die Mac Carthy's -- drei Männer, zwei Frauen und ein Kind -- vor fast zwei Jahren nach Melbourne eingeschifft. Hier ihre Spuren zu entdecken, war fast unmöglich, und alle Schritte, die O'Brien in dieser Richtung that, blieben ohne jeden Erfolg. Findling rechnete nun blos noch auf den zweiten Sohn Mac Carthy's, vorausgesetzt, daß dieser noch auf einem Schiffe des Hauses Macuard von Liverpool in Diensten stand. Er schrieb also an den Chef dieser Firma, erhielt aber die Antwort, daß Pat vor fünfzehn Monaten aus seiner Stellung bei ihnen geschieden sei und sie nicht wüßten, auf welchem Schiffe er jetzt segelte. So blieb nur die einzige Hoffnung, daß Pat bei gelegentlicher Rückkehr nach Irland von der seine Familie betreffenden Anzeige Kenntniß erhielt, und an diese, wenn auch schwache Hoffnung wollte Findling sich vorläufig halten. O'Brien bemühte sich vergeblich, seinem jungen Abmiether mehr Zuversicht einzuflößen, und eines Tages, als sie von der gleichen Angelegenheit sprachen, sagte er: »Es sollte mich wundern, junger Freund, wenn Du die Familie Mac Carthy nicht früher oder später wiedersähest. -- Jetzt, wo alle in Australien... Tausende von Meilen von hier weg sind, Herr O'Brien? -- Wie kannst Du nur so sprechen, mein Kind! Australien gehört doch fast zu unsrer Stadt, es liegt beinahe vor unsrer Hausthür. Entfernungen giebt es heutigen Tages nicht mehr, die hat der Dampf zunichte gemacht. Jener Martin und seine Frau werden schon nach der Heimat zurückkehren. Irländer vergessen ihr Irland niemals, und haben sie da draußen etwas vor sich gebracht.... -- Könnte ich das wirklich erhoffen, Herr O'Brien? fragte Findling kopfschüttelnd. -- Gewiß, wenn sie so tüchtige Arbeiter sind, wie Du sagst. -- Muth und Einsicht genügen nicht immer, Herr O'Brien. Man muß auch etwas Glück haben, und das war den Mac Carthy's fast stets versagt geblieben. -- Was nicht ist, kann noch werden, mein Sohn! Glaubst Du etwa, daß ich selbst immer vom Glück begünstigt gewesen wäre?... Nein, ich habe manche Schwierigkeiten zu überwinden, manche Verluste zu tragen gehabt, bis ich mich als Herrn meiner Lage fühlte. Bist Du nicht selbst ein Beispiel dafür? Hast Du Deine Laufbahn nicht als ein Spielball des Elends begonnen, und jetzt... -- Ja, Sie haben Recht, Herr O'Brien; ich frage mich auch manchmal, ob nicht alles nur ein Traum ist. -- Nein, mein liebes Kind, es ist echte, schöne Wirklichkeit! Daß Du ganz anders gehandelt hast, als man es von einem zwölfjährigen Kinde erwarten konnte, ist freilich etwas ganz außergewöhnliches. Doch, die Vernunft ist nicht immer nach dem Alter zu messen, und von ihr hast Du Dich von jeher leiten lassen. -- Von der Vernunft?... Vielleicht. Und doch, wenn ich mir meine heutige Lage vergegenwärtige, scheint es mir, daß der Zufall daran nicht wenig Antheil hat. -- Im Leben giebt es weniger Zufall, als Du glaubst, alles geht mit logischer Nothwendigkeit eines aus dem andern hervor. Das wirst Du noch erfahren. Es ist auch selten, daß ein Unglück nicht durch einen Glücksfall wett gemacht würde. -- Das glauben Sie, Herr O'Brien? -- Ja, und um so fester, als es, was Dich betrifft, gar nicht zweifelhaft sein kann. Das hab' ich mir schon oft gesagt, wenn ich über Deinen Lebenslauf nachdachte. So bist Du zu der bösen Hard gekommen, das war ein Unglück.... -- Aber auch ein Glück, weil ich dort die gute Sissy kennen lernte, deren Liebe zu mir ich nie vergessen kann. Was mag aus meiner armen, kleinen Leidensgefährtin geworden sein, und ob ich sie wohl jemals wiedersehe?... Ja, das war damals ein Glück.... -- Und auch das war ein solches, daß die Hard eine so abscheuliche Megäre war, sonst wärst Du ja in Rindock bis zu der Zeit geblieben, wo Du in das Armenhaus von Donegal zurück mußtest. Da bist Du entflohen und in die Hände des Puppenschaustellers gefallen.... -- O, das Ungeheuer! rief Findling. -- Dennoch betrachte ich es als Glück, daß er das war, denn sonst irrtest Du vielleicht noch heute, wenn auch nicht versteckt im Kasten, so doch im Dienste Thornpipe's auf den Landstraßen umher. Von da kamst Du nach der =Ragged-School= in Galway... -- Ja, und da lernte ich Grip kennen... Grip, der so gut zu mir war, dem ich das Leben verdanke, das er mir rettete, während er das seinige aufs Spiel setzte.... -- Und damit kamst Du zu der launenhaften Schauspielerin. Zugegeben, daß Du bei ihr ein weit schöneres Leben hattest, zu einem ehrenvollen Ziele hätte es Dich aber doch nicht geführt, und ich betrachte es als ein Glück, daß sie, nachdem sie ihr Vergnügen mit Dir gehabt hatte, Dich eines schönen Tages verließ.... -- Darum zürne ich ihr nicht, Herr O'Brien. Sie hatte mich aufgenommen, war liebreich gegen mich... und seit jener Zeit... ist mir manches klar geworden. Ihrem Gedankengang nach wurde ich in Folge dessen von der Familie Mac Carthy in der Farm von Kerwan aufgenommen.... -- Richtig, mein Sohn. Und auch da... -- O, Herr O'Brien, Sie werden mich schwerlich überzeugen, daß das Unglück dieser braven Leute auch ein Glück für mich gewesen wäre. -- Ja und nein, antwortete O'Brien. -- Nein, Herr O'Brien, nein! versicherte Findling energisch. Und wenn ich mir etwas erwerbe, wird mir immer das schmerzliche Gefühl bleiben, daß der Grund dieses Vermögens nach dem Untergange der Mac Carthy's gelegt wurde. Wie gern hätt' ich als Kind des Hauses mein Leben auf jener Farm verbracht! Da hätt' ich mein Pathenkind Jenny aufwachsen sehen, und ein größeres Glück, als das meiner Adoptivfamilie zu betrachten, könnt' ich mir gar nicht denken. -- Ich verstehe Dich, mein Kind. Es ist aber nicht minder richtig, daß grade dieser Verlauf der Dinge Dir einmal gestatten wird, Dich für das, was jene an Dir gethan, erkenntlich zu zeigen. -- Besser wär' es doch, Herr O'Brien, wenn sie nicht nöthig hätten, von irgend jemand Hilfe anzunehmen. -- Ich erkenne gern diese Empfindungen an, die Dir alle Ehre machen. Doch setzen wir unsre Betrachtungen fort. Du kamst nach Trelingar-castle.... -- O, diese widerwärtigen Leute, der Marquis, die Marquise und ihr Sohn Ashton!... Welche Kränkungen hab' ich da erdulden müssen!... Das war die schlimmste Zeit meines Lebens. -- Und doch ein Glück, daß es so war. Bei guter Behandlung wärst Du vielleicht in Trelingar-castle geblieben.... -- Nein, Herr O'Brien, im Dienste als Groom?... Nein, gewiß nicht!... Ich blieb nur da, um auf ein besseres Unterkommen zu warten und bis ich mir etwas erspart hätte. -- Nun, bemerkte O'Brien, eine Person muß doch sehr befriedigt davon sein, daß Du überhaupt in jenes Schloß gekommen warst; ich meine die Kat. -- O, die vortreffliche Frau! -- Und einer, der sehr zufrieden sein muß, daß Du von dort weggegangen bist, ich meine Bob, denn sonst konntest Du den nicht auf der Landstraße finden,... nicht ihn retten und mit nach Cork nehmen, wo Ihr beide so tüchtig gearbeitet, wo Ihr Grip wiedergefunden habt, und heute wärst Du nicht in Dublin... -- Und im vertraulichen Gespräch mit dem besten aller Menschen, der uns so freundlich entgegenkam! antwortete Findling, die Hand des Exkaufmanns ergreifend. -- Der Dir auch später, wenn nöthig, mit Rath und That beistehen wird. -- Ich danke Ihnen, Herr O'Brien, ich danke! Ja, Sie haben recht; Ihre Erfahrungen können Sie nicht trügen. Im Leben ist alles miteinander verkettet. Gebe Gott, daß auch ich allen nützlich sein könnte, die ich liebe und die mich geliebt haben!« Das Geschäft des Knaben blühte immer weiter, der Zudrang von Käufern verminderte sich nicht. Der Bazar erhielt vielmehr noch eine neue Einnahmequelle. Auf Anrathen O'Brien's legte sich Findling noch den Einzelverkauf von Specereien zu und zu diesen wird jetzt ja vielerlei gerechnet. Der Laden wurde bald zu beschränkt, so daß noch der andre Theil des Erdgeschosses gemiethet werden mußte, und es währte nicht lange, da wollte sich das ganze Stadtviertel mit derlei Waaren nur im »Kleinen Geldbeutel« versorgen. Diese Abtheilung fiel Kat zu, und sie entledigte sich ihrer Aufgabe auch mit rühmlichstem Eifer. Nun gab's freilich vom Morgen bis zum späten Abend sehr viel zu thun und Findling wäre mit seiner Buchführung und dem täglichen Cassenabschluß manchmal nicht fertig geworden, wenn ihm nicht der alte Kaufmann hilfreich beigesprungen wäre. Jetzt hätte sich unbedingt die Einstellung eines Gehilfen nöthig gemacht, und doch wollte der jugendliche Principal sich nicht entschließen, einen ganz Fremden bei sich aufzunehmen. Ja, wenn Grip dazu zu bewegen gewesen wäre! Doch daran war vorläufig nicht zu denken, obwohl dieser wie ausersehen schien, auf hohem Sessel hinter dem Pulte zu sitzen und die Conti für alle Lieferanten in Ordnung zu halten. Das war doch jedenfalls angenehmer, als sich vor den Dampfkesseln des »Vulcan« den Magen ausbraten zu lassen. Vergeblich wurde ihm das vorgestellt. Beim jedesmaligen Aufenthalt in Dublin widmete der erste Heizer zwar alle freien Stunden dem Bazar seines Freundes und unterzog sich hier gern jeder Arbeit; doch das dauerte nur eine Woche, dann fuhr der »Vulcan« wieder ab, und achtundvierzig Stunden später befand sich Grip schon Hunderte von Meilen weit entfernt von der Smaragdenen Insel. Seine Abfahrt war allemal ein Schmerz, seine Rückkehr eine Freude, so als ob ein älterer Bruder fortgegangen und wieder gekommen wäre. Der ältere Bruder machte nach wie vor seine Einkäufe bei Little Boy and Co. Immer kam er mit seinem ganzen Vermögen im Gürtel dahin, doch ließ er sich schließlich bestimmen, sich dieser Last und Sorge zu entledigen. Findling nahm die Ersparnisse des Freundes, aber nicht etwa für sein Geschäft, an; er brauchte das nicht, denn er besaß schon eine hübsche Einzahlung bei der Bank von Irland und ein Chequebuch, womit er alle vorkommenden Bedürfnisse bequem decken konnte. Grips Capital wurde in der Sparcasse angelegt, die mit ihrem Capital von fast vier Millionen mehr als genügend Sicherheit bot. Nun konnte Grip ruhig schlafen und dazu vermehrten sich seine Ersparnisse noch durch die auflaufenden Zinsen, die zum Capital geschlagen wurden. Wenn Grip sich auch weigerte, die Seemannsjacke mit dem eleganten Comptoirrocke zu vertauschen, so hatte er doch geholfen, die Kundschaft von Little Boy zu vermehren. Alle seine Kameraden vom »Vulcan« und deren Familien kauften alles mögliche in dem billigen Bazar, und Grip hatte diesen überhaupt allen Matrosen im Hafen so warm empfohlen, als wenn er der Reisende des Hauses »Zum kleinen Geldbeutel« gewesen wäre. »Du wirst sehen, sagte er eines Tages, daß sich später auch noch die Rheder selbst bei Dir versorgen werden. Dann mußt Du freilich für lange Seereisen Vorräthe an Specereien und Conserven halten. Du wirst dann Großhändler.... -- Großhändler? fragte Bob dazwischen. -- Ja freilich... mit Läden, Kellern und Speichern; wie die Herren Roe und Guineß. -- Oho! stieß Bob hervor. -- Gewiß, and Co., erwiderte Grip, der für Bob gern diesen Spitznamen gebrauchte, und denkt daran, was ich Euch sage.... -- Bei jeder Reise, fiel ihm Findling ins Wort. -- Ja... bei jeder Reise, wiederholte Grip. Du wirst noch ein Vermögen erwerben, ein sehr großes Vermögen.... -- Warum willst Du dann in das Geschäft nicht als Theilhaber eintreten, Grip? -- Ich?... Ich soll meinen Beruf aufgeben? -- Denkst Du darin etwa vorwärts zu kommen und vielleicht noch Maschinist zu werden? -- O nein... das nicht. So ehrgeizig bin ich nicht. Dazu muß man auch studiert haben und dazu ist's jetzt zu spät. Nein, ich bin ja zufrieden mit dem, was ich bin! -- Höre mich an, Grip. Wir brauchen einen Gehilfen, auf den wir uns unbedingt verlassen können. Warum weigerst Du Dich, als solcher einzutreten? -- Ich verstehe nichts von Eurer Buchführung. -- Die würdest Du in kurzer Zeit erlernen. -- Dann hab' ich auch den O'Bodkins, da unten in der Lumpenschule, sich genug damit abmühen sehen. Nein, mein Boy, nein! Auf dem Lande bin ich 1 - - , 2 , « » « . 3 4 5 . . 6 . 7 ! 8 9 , . . . 10 ' . 11 , » « 12 , : 13 14 » , , ! . . . 15 , , 16 ! . . . , 17 , . . . . . . 18 19 - - ? . 20 21 - - , , 22 . , . . . , 23 . 24 25 - - ? . 26 27 - - , , , 28 . 29 30 - - ' , . 31 32 - - , 33 . . . 34 35 - - ? . . . ? . . . 36 37 - - ! 38 ? . . . 39 40 - - , , . . . . 41 42 - - , . 43 . 44 . , , 45 . « 46 47 48 , 49 . 50 . , 51 . - - , 52 53 . 54 55 , 56 . , 57 , 58 . 59 . 60 . 61 - , 62 , , 63 . 64 65 - . 66 , 67 . 68 69 , 70 . 71 . - 72 , - 73 . 74 75 , 76 , , , 77 , ' , 78 . 79 80 » ' , , , 81 ! 82 83 - - , , 84 . , 85 . « 86 87 , 88 89 . 90 , - , 91 . 92 , 93 . 94 95 » , , 96 , : » 97 , . « 98 99 , 100 = - = . 101 102 103 , 104 , 105 . 106 107 » , , 108 ! 109 110 - - ? . . . 111 112 - - , » « , 113 , 114 , , , 115 . . . . . . . 116 117 - - , 118 , . 119 120 - - , . 121 , , , 122 ! « 123 124 , . 125 , , 126 . 127 128 » ! . , , 129 . 130 ! , ? 131 132 - - ? 133 134 - - , , . . . . , 135 ! « 136 137 , 138 . , 139 , 140 . 141 142 143 ; , 144 , , , 145 , . 146 147 , , 148 . 149 , 150 - . 151 , 152 , 153 , : 154 , , 155 . 156 157 158 . , 159 . 160 , ' , ' , , , 161 , , , , 162 , . 163 164 . 165 166 167 , , 168 , , 169 . , , 170 , 171 . 172 173 » ? . . . , 174 - . 175 176 - - ? . . . ; = - = « . 177 178 ' . 179 , 180 . . . . 181 ! , 182 , 183 , 184 , ' . 185 » « , 186 , 187 , 188 , 189 . 190 191 192 , 193 . 194 195 , 196 ( ) , - , 197 . , 198 , , , 199 , , 200 , - 201 . . . 202 . 203 - , 204 . 205 206 - 207 , 208 , , . 209 - , 210 , , 211 . 212 213 - 214 . 215 , , 216 - - , 217 , 218 . 219 220 , : 221 222 » , , 223 ? 224 225 - - , ? . . . 226 227 - - , , ? 228 229 - - . . . , , 230 , . , 231 . 232 . 233 234 - - ' , . 235 236 - - . . . 237 . . . ? . . . 238 . , 239 , . . . . 240 241 - - , ! 242 243 - - . . . 244 . . . . . . . 245 246 - - ! . 247 248 - - ? . 249 250 - - , , , 251 . . . . 252 253 - - ? , , ? 254 255 - - ! . 256 . . . . 257 258 - - , . 259 260 - - , , 261 . . . . . 262 . 263 . , 264 . . . . 265 266 - - . . . ! , , 267 . 268 269 - - ' , . - - ! 270 , . 271 272 - - , , 273 . , 274 , , , 275 . . . . 276 277 - - , . . . ? 278 279 - - , , . . . ? 280 281 - - , . . . 282 . , 283 , . . . 284 285 - - , ! , , 286 ! , 287 . . . 288 289 - - » « , ? 290 291 - - . 292 293 - - ? 294 295 - - , , 296 , , , , 297 . . . 298 299 - - ! « . 300 301 . , 302 , 303 - . 304 305 , 306 , 307 ! 308 309 , 310 311 ? 312 313 , . 314 315 316 317 318 . 319 320 » « . 321 322 323 , 324 . 325 , , 326 . 327 , , , 328 , 329 . 330 331 332 , 333 334 . 335 336 337 , - - . 338 339 , , 340 - , , , 341 . 342 , 343 . , 344 345 . 346 347 , , 348 . 349 » « , 350 » . « 351 352 , ; . , . . . 353 . 354 355 - . 356 ' , 357 , 358 , 359 , 360 . 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