-- Ich bin kein Bettler! wiederholte Findling. -- Aber ein frecher kleiner Landstreicher... -- Pack' Dich fort, Schlingel, oder ich stehe nicht mehr für meine Hunde ein!« rief der Graf Ashton. Die Thiere, die der junge Piborne jetzt noch zu bändigen versuchte, wurden in der That immer wüthender und bedrohlicher. Da zeigte sich auf der Freitreppe vor dem Mittelportale des Schlosses der Lord Piborne selbst in all seiner Majestät, und als er sah, daß Scarlett noch immer nicht nach Kanturk weggeritten war, stieg er gemessenen Schrittes die Stufen hinab, ging steif über den Ehrenhof und erkundigte sich nach der Ursache der Verzögerung und des jetzigen Lärmens. »Wollen Eure Herrlichkeit entschuldigen, stammelte der Verwalter, es ist der Bursche hier, ein Bettelbube.... -- Ich erkläre Ihnen nun zum dritten Male, daß ich kein Bettler bin, fiel ihm Findling ins Wort. -- Was will dieser Knabe also? fragte der Marquis. -- Er will nur mit Euer Herrlichkeit sprechen.« Lord Piborne trat einen Schritt zurück, nahm eine möglichst vornehme Haltung an und richtete sich dabei in seiner ganzen Länge auf. »Was haben Sie mir zu sagen?« fragte er. Er duzte ihn nicht, obwohl er noch ein Kind vor sich hatte. Als Ausfluß höchster Vornehmthuerei redete der Marquis überhaupt niemand mit »Du« an, weder die Marquise, noch den Grafen Ashton -- wahrscheinlich vor fünfzig Jahren nicht einmal seine eigene Amme. »Sprechen Sie! setzte er hinzu. -- Der Herr Marquis hatte sich gestern nach Newmarket begeben, nicht wahr?... -- Ja. -Gestern Nachmittag?... -- Ja wohl.« Scarlett wußte nicht, wie ihm geschah. Hier fragte der Gassenjunge, und Seine Herrlichkeit geruhte zu antworten! »Herr Marquis, fuhr das Kind fort, haben Sie da nicht ein Portefeuille verloren? -- Ganz recht; und dieses Portefeuille... -- Hab' ich auf der Landstraße nach Newmarket gefunden und komme, es Ihnen abzuliefern.« Damit hielt er dem Lord Piborne das Portefeuille hin, dessen Verschwinden so viele Unruhe verursacht, so vielfachen Verdacht erweckt und in Trelingar-castle so viele Unschuldige compromittiert hatte. Die Schuld daran lag also, mochte sich seine Eigenliebe dadurch auch schwer verletzt fühlen, an Seiner Herrlichkeit selbst, jede Anklage gegen die Dienerschaft wurde zwecklos und es erschien jetzt -- zu seinem lebhaften Bedauern -- unnöthig, daß der Verwalter von Kanturk polizeiliche Hilfe herholte. Lord Piborne ergriff das Portefeuille, das im Innern seinen Namen und seine Adresse trug, und überzeugte sich, daß es die Schriftstücke und die Banknoten noch enthielt. »Sie also haben dieses Portefeuille gefunden? fragte er Findling. -- Gewiß, Herr Marquis. -- Und haben es natürlich geöffnet? -- Das mußt ich wohl, um zu erfahren, wem es gehörte. -- Sie haben darin eine Banknote gefunden... deren Werth war Ihnen aber wohl unbekannt? -- Das nicht; es war eine Banknote von hundert Pfund, erklärte Findling ohne Zögern. -- Hundert Pfund... das ist so viel wie?... -- Zweitausend Schillinge. -- Ah, das wissen Sie also, und trotzdem fiel es Ihnen nicht ein, sich das Geld anzueignen? -- Ich bin kein Dieb, Herr Marquis, erwiderte Findling stolz, so wenig wie ein Bettler!« Lord Piborne hatte das Portefeuille wieder geschlossen, die Banknoten daraus aber in seine Tasche gesteckt. Der Knabe verneigte sich grüßend und that schon einige Schritte rückwärts, als Seine Herrlichkeit ihn -- doch ohne ein Zeichen, daß die ehrliche Handlungsweise seine Anerkennung fand -- noch einmal ansprach. »Welche Belohnung verlangen Sie für die Wiederbeschaffung dieses Portefeuilles? -- Ah, was da... ein paar Schillinge... meinte Graf Ashton. -- Oder einige Pence, das ist für den Jungen übrig genug!« beeilte sich Scarlett hinzuzufügen. Findling empörte es, daß man hier mit ihm handelte, wo er doch gar nichts verlangt hatte, und er erklärte deshalb: »Mir kommen dafür weder Pence noch Schillinge zu.« Dabei wandte er sich nach der Landstraße. »Warten Sie, rief Lord Piborne. Wie alt sind Sie? -- Bald zehnundeinhalb Jahre. -- Und Ihr Vater... Ihre Mutter?... -- Ich habe keinen Vater und keine Mutter. -- Ihre sonstigen Angehörigen? -- Ich habe auch keine solchen. -- Woher kommen Sie überhaupt? -- Von der Farm von Kerwan, wo ich vier Jahre gewesen bin und die ich vor vier Monaten verlassen mußte. -- Weshalb denn? -- Weil der Farmer, der mich aufgenommen hatte, von den Gerichten vertrieben wurde. -- Kerwan... Kerwan... murmelte Lord Piborne. Ich glaube, das gehört ja zu dem Grundbesitze von Rockingham? -- Eure Herrlichkeit täuschen sich nicht, sagte der Verwalter. -- Und was denken Sie nun zu beginnen? wendete sich der Marquis wieder an Findling. -- Nun, ich kehre nach Newmarket zurück, wo ich mir bis jetzt mein Brod verdiente. -- Wollen Sie hier im Schlosse bleiben, so können Sie wohl in einer oder der andern Weise Beschäftigung finden.« Das war gewiß ein verlockendes Angebot. Vom Herzen war es dem hochmüthigen, gefühllosen Lord Piborne aber keineswegs eingegeben, und von einem Lächeln oder einer Freundlichkeit war es auch nicht begleitet. Findling empfand das ganz gut, und statt schnell zu antworten, begann er erst zu überlegen. Was er bisher vom Schlosse Trelingar gesehen hatte, gab ihm zu denken. Er fühlte sich nicht angezogen von Seiner Herrlichkeit und von dessen Sohne Ashton, der recht spöttische, widerwärtige Züge besaß, und noch viel weniger von dem Verwalter Scarlett, dessen brutaler Empfang ihn empört hatte. Dabei gedachte er auch noch Birks. Wenn man ihm Aufnahme bot, so würde man Birk diese doch verweigern, und zu einer Trennung von seinem Genossen in guten und bösen Tagen könnte er sich doch niemals entschließen. Immerhin mußte der Knabe, dessen Lebensunterhalt bis heute doch keineswegs gesichert war, dieses Anerbieten als einen Wink der Vorsehung betrachten. Die Vernunft rieth ihm, darauf einzugehen, da er es vielleicht zu bereuen gehabt hätte, wenn er nach Newmarket zurückkehrte. Nur der Hund bildete ein Hinderniß, doch davon zu reden, würde es ja eine Gelegenheit geben. Vielleicht nahm man ihn, und wäre es nur als Wachthund, schließlich dennoch mit auf. Von einer Stellung im Schlosse mußte er ja Vortheil haben, und bei der nöthigen Sparsamkeit... »Na... bist Du mit Dir im Reinen? brummte der Verwalter, der ihn lieber hätte zum Teufel gehen sehen. -- Was werd ich verdienen? fragte Findling, den sein praktischer Sinn nie verließ, ohne alle Schüchternheit. -- Zwei Pfund Sterling monatlich,« erklärte Lord Piborne. Zwei Pfund im Monat!... Das erschien ihm ungeheuer viel, und in der That konnte ein Kind seines Alters so viel ja kaum erwarten. »Ich danke Eurer Herrlichkeit, sagte er. Ich nehme das Anerbieten an und werde mich bemühen, Sie nach Kräften zufriedenzustellen.« Mit Zustimmung der Marquise noch desselben Tages unter die Schloßbediensteten aufgenommen, sah sich Findling eine Woche später schon zu der verantwortungsreichen Stellung eines Grooms des Erben der Piborne's erhoben. Den armen Birk hatte sein Herr während der sieben Tage noch nicht am Hofe -- natürlich des Schlosses -- vorgestellt, denn er fürchtete für ihn einen ungnädigen Empfang. Der Graf Ashton besaß nämlich drei Hunde, die er fast so sehr wie sich selbst liebte. In ihrer Gesellschaft zu leben, entsprach seinem Geschmacke und genügte seiner Intelligenz. Es waren Racethiere, deren Stammbaum -- wenigstens -- bis zur normännischen Eroberung zurückreichte, drei schöne, aber sehr bissige schottische Pointer (Wachtelhunde). Kam ein andrer Hund am Gitterthore vorbei, so mußte er sich schnell davon machen, um nicht von den wüthenden Thieren zerfleischt zu werden, die der Piqueur (Rüdenmeister) zu solchen Großthaten aufzuhetzen liebte. Birk begnügte sich auch, in der Nähe der Wirthschaftsgebäude umherzustreifen und wartete ruhig, bis der neue Groom des Abends kam und ihm etwas Futter zusteckte, das der Findling sich an der eignen Nahrung absparte. Die Folge davon war, daß beide magrer wurden. Ei was, es würden ja auch wieder bessere Tage kommen, wo sie sich auf Vorrath mästen konnten. Jetzt begann für den Findling, dessen traurige Geschichte wir erzählen, ein Leben, das sich von dem bisher geführten wesentlich unterschied. Ohne von den bei der Hard und in der =Ragged-School= verbrachten Jahren zu sprechen, zeigte seine Lage, nur im Vergleich zu der in der Farm von Kerwan, doch eine große Veränderung. Bei der Familie Mac Carthy zählte er zum Hause, unbelastet von dem Joch der Knechtschaft. Hier im Schlosse galt er für nichts. Der Marquis betrachtete ihn als Almosenbecken, in das er monatlich zwei Pfund Sterling legte, die Marquise als ein kleines Vorzimmerhündchen, und der Graf sah ihn für ein Spielzeug an, das man ihm, sogar ohne die Ermahnung, es nicht zu zerbrechen, geschenkt hatte. Scarlett endlich hatte sich gelobt, ihm durch fortwährende Chicanen seine Abneigung fühlen zu lassen, und dazu fehlte es nicht an Gelegenheit. Selbst die Diener betrachteten das heimatlose Kind, das Lord Piborne in das Schloß Trelingar aufgenommen hatte, für tief unter ihnen stehend. Leute von gutem Herkommen haben einmal ihre Einbildung, ihren Stolz einer lange eingenommenen Stellung, und es paßt ihnen nicht, mit solchen Gestalten von der Landstraße her in einen Topf geworfen zu werden. Bei den gemeinschaftlichen Mahlzeiten ließen sie das Findling auch fühlen, wo es nur anging. Dieser ließ darum keine Klage laut werden; er antwortete nicht und that gewissenhaft seine Pflicht, wenn er auch nach Ausführung der letzten Befehle seines Herren mit großer Erleichterung nach seinem besondern Kämmerchen hinaufging. Inmitten so vielen Uebelwollens fand er doch eine Frau, die sich seiner annahm. Es war das nur eine Wäscherin, namens Kat, die, jetzt im Alter von fünfzig Jahren, von jeher auf der Piborne'schen Domäne gelebt hatte und hier voraussichtlich ihr Leben beschloß, wenn sie der Verwalter Scarlett nicht fortjagte -- was er übrigens schon versucht hatte, da sie ihm etwas verhaßt war. Ein Vetter des Marquis, Sir Edward Kinney, offenbar ein sehr geistreicher Herr, behauptete, daß die Kat schon zur Zeit Wilhelms des Eroberers am Waschzuber gestanden habe. Die Frau ließ sich jedoch durch nichts beirren. Sie besaß ein vortreffliches Herz, und Findling schätzte sich glücklich, bei ihr Trost für manches Ungemach zu finden. Oft plauderten beide, wenn der Graf Ashton einmal allein vom Hause weg war. Und wenn der Groom von dem Verwalter oder einem andern Diener angelassen worden war, dann ermahnte die Kat den Knaben: »Nur Geduld, mein Sohn! Kümmere Dich nicht um ihre Redereien. Der beste unter ihnen ist nicht gar viel werth, ich wüßte wenigstens keinen, der das Portefeuille zurückgegeben hätte!« Vielleicht hatte die Wäscherin damit Recht, denn die gewissenlosen Leute erklärten Findling wegen seiner Ehrlichkeit nur für einen Einfaltspinsel. Der Groom war dem Grafen Ashton also gewissermaßen als Spielzeug geschenkt worden, und wie ein launenhaftes, eigenwilliges Kind amüsierte sich der junge Graf auch mit ihm. Meist ertheilte er ihm ganz sinnlose Befehle und widerrief diese dann ohne Grund. Zehnmal in der Stunde klingelte er ihn herbei, um das oder jenes in Ordnung oder in Unordnung zu bringen. Er hieß ihn die große oder die kleine Livrée anlegen, mit hunderten von Knöpfen, wie die Knospen an einem Rosenstock im Frühsommer. Ihn so zwanzig Schritte hinter sich her marschieren zu lassen, wobei die Hände auf der Naht der Beinkleider liegen mußten, und nicht nur in den Straßen der Ortschaft, sondern auch in den Alleen des Parks, das war für den eitlen Grafen das allergrößte Vergnügen. Findling unterwarf sich allen Launen, er gehorchte wie eine Maschine ihrem Führer. Man hätte ihn nur sehen sollen, wie er mit fest gekreuzten Armen vor dem Pferde seines Herrn wartete, bis dieser in den Sattel stieg, oder wie er hinter dem in tollem Galopp hinsausenden Cabriolet sich an das zusammengeschlagene Wagenverdeck klammerte, wenn sein Herr damit über Stock und Stein jagte, oder gelegentlich einen Menschen umriß, wofür das Gefährt des Grafen Ashton in Kanturk schon bekannt war. Abgesehen davon, daß er sich allen Thor- und Tollheiten seines Herrn zu fügen hatte, war Findling nicht eigentlich unglücklich. Das ging voraussichtlich so lange, wie jenem das neue Spielzeug gefiel. Bei dem unberechenbaren jungen Gentleman war freilich jede Ueberraschung möglich. Kinder bekommen ihr Spielzeug schließlich zum Ueberdruß und werfen es weg, wenn sie's nicht gar zerbrechen. Findling war freilich fest entschlossen, dergleichen von sich abzuwenden. Seine Stellung im Trelingar-castle betrachtete er nur als Nothnagel und lebte der Hoffnung, daß sich ihm schon noch eine bessere bieten werde. Sein kindlicher Ehrgeiz strebte höher hinauf, als nach den Obliegenheiten eines Grooms. Die Verneinung seines eignen Ich gegenüber diesem Erben der Piborne's, dem er sich überlegen fühlte, erniedrigte ihn. Ja... überlegen, obwohl der Graf Ashton noch immer Unterricht in Latein, Geschichte u. s. w. genoß und seine Lehrer sich redlich bemühten, ihm wenigstens einige Kenntnisse einzutrichtern. Sein Latein blieb aber doch »Hundelatein« (die englische Bezeichnung für unser »Küchenlatein«) und seine Geschichtskunde beschränkte sich auf das, was er im »goldenen Buche« der Pferdegeschlechter gelesen hatte. Kannte Findling nun auch diese schönen Dinge nicht, so verstand er es doch mit zehn Jahren, zu denken, zu überlegen. Er schätzte jenen Sohn der Familie nach seinem richtigen Werthe und erröthete manchmal über die Dienste, die er ihm leisten mußte. Wie bedauernd erinnerte er sich dann der stärkenden, heilsamen Beschäftigung auf der Farm, seines Lebens inmitten der Mac Carthy's, von denen er noch immer keine Kunde erhalten hatte. Die Wäscherin im Schlosse war und blieb das einzige Wesen, dem er sich anschließen konnte. Uebrigens bot sich bald Gelegenheit, die Freundschaft der guten Frau zu erproben. Hier sei noch angeführt, daß der Proceß mit dem Kirchspiele von Kanturk zu Gunsten der Familie Piborne ausgefallen war, doch nur, weil diese die von Findling abgelieferten Documente dabei in die Wagschale zu werfen vermochte. Was der Knabe gethan, war jetzt freilich vergessen, warum also hätte ihm dafür ein besondrer Dank gebührt? Mai, Juni und Juli waren vorüber. Birk hatte, so gut es anging, sein Futter erhalten. Das Thier schien zu verstehen, daß es sich vorsichtig verhalten mußte, um in der Umgebung des Schloßparks unentdeckt zu bleiben. Findling hatte schon dreimal seine zwei Pfund Sterling eingeheimst, die in seiner Agende auf der Einnahmeseite gebucht standen, während die Ausgabenseite noch leer geblieben war. Im Laufe dieser drei Monate hatten Lord und Lady Piborne nichts anderes zu thun, als Besuche zu empfangen und zu erwidern, und allerlei Höflichkeiten mit den Schloßbesitzern der Nachbarschaft auszutauschen. Hierbei drehte sich die Unterhaltung natürlich meist um die Lage der irischen Landlords. Da fielen recht grimmige Worte über die Ansprüche der Pächter und der Landliga, über den dreiundsiebzigjährigen Gladstone und über Parnell, den man an den höchsten Galgen wünschte. So verlief ein Theil des Sommers. Dann pflegten Lord und Lady Piborne nebst ihrem Sohne gewöhnlich eine mehrwöchige Reise, meist nach den schottischen Besitzthümern der Marquise, zu unternehmen. Dieses Jahr sollte sich der Ausflug nach einer andern Seite lenken, die von der großen Welt bevorzugt und von den Trelingarer Herrschaften noch nicht besucht worden war. Es handelte sich nämlich um die herrliche Gegend der Seen von Killarney, wohin am 3. August aufgebrochen werden sollte. Findlings Hoffnung, infolge dessen eine Zeit lang dienstfrei zu werden, ging nicht in Erfüllung. Da Lady Piborne ihre Kammerfrau Marion und der Marquis seinen Leibdiener John mitnahm, mußte der Graf Ashton doch auch seinen Groom bei sich haben. Dieser kam dadurch in nicht geringe Verlegenheit wegen Birks, da er nicht wußte, wer inzwischen für den Hund sorgen sollte. Findling beschloß deshalb, Kat ins Vertrauen zu ziehen, die es gern übernahm, den Liebling des Knaben zu pflegen, ohne daß jemand davon etwas erführe. »Beruhige Dich, mein Sohn, erklärte die gute Frau. Ich liebe Deinen Hund schon ebenso wie Dich, und er wird in Deiner Abwesenheit keine Noth leiden!« Findling umarmte die freundliche Kat für diese Zusage, und nachdem er sie am Abend vor der Abreise noch mit Birk bekannt gemacht hatte, nahm er von dem treuen Thiere Abschied. IV. Die Seen von Killarney. Die Abfahrt erfolgte, wie »höchsten Orts« bestimmt war, am Morgen des 3. August. Kammerdiener und Kammerfrau der Herrschaft bestiegen den Omnibus des Schlosses, der das Reisegepäck nach dem drei Meilen entfernten Bahnhof beförderte. Findling begleitete sie, um speciell die Effecten seines jungen Herrn zu überwachen. Marion und John ließen auch das Kind »von niemand« sich dabei helfen, so gut es anging. Der Groom machte seine Sache ganz vortrefflich, und das Gepäck des Grafen Ashton wurde unter seiner Aufsicht sorgsamst für den erwarteten Bahnzug zurechtgestellt. Gegen Mittag traf -- von der Straße längs des Flusses Allo -- die Equipage vom Schlosse ein, der nun Lord und Lady Piborne entstiegen. Da mehrere Personen aus der Vorhalle des Bahnhofs traten, um die hohen Reisenden -- natürlich aus respectvoller Entfernung -- zu sehen, konnte der Graf Ashton die Gelegenheit nicht vorübergehen lassen, mit seinem Groom eine Vorstellung zu geben. Er rief ihn nur »=Boy=« (Junge), wie er dies gewöhnt war, und als dieser an den Wagen herantrat, bekam er einen ganzen Packen Reisedecken an die Brust geworfen, so daß er von dem Stoße fast hinfiel, was die Umstehenden weidlich zu belustigen schien. Der Marquis und die Marquise begaben sich nach dem für sie reservierten Coupé eines Waggons erster Classe. John und Marion richteten sich in zweiter Wagenclasse ein, forderten aber den Groom nicht auf, bei ihnen Platz zu nehmen. Dieser mußte vielmehr ein andres leerstehendes Coupé besteigen, was er gerade für den Anfang der Reise nicht im mindesten bedauerte. Der Zug setzte sich sofort in Bewegung. Es sah aus, als habe er nur auf die hochvornehme Schloßherrschaft von Trelingar gewartet. Schon einmal war Findling, damals in den Armen der Miß Anna Walston, mit der Eisenbahn gefahren, doch dessen entsann er sich kaum, da er ja meist geschlafen hatte. Die aneinander gekuppelten, schnell dahinrollenden Wagen waren ihm ja bei Galway und bei Limerick bekannt geworden. Heute sollte nun sein heißer Wunsch in Erfüllung gehen, selbst von einer Locomotive, diesem keuchenden, dampfenden Rosse aus Stahl und Kupfer, durchs Land gezogen zu werden. Findling blickte durch das Fenster hinaus, dessen Scheibe herabgelassen war. Obwohl der Zug sich nur mit mäßiger Schnelligkeit bewegte, erschien diese ihm doch ganz außerordentlich, wenn er Häuser und Bäume scheinbar nach rückwärts eilend vorüberfliegen sah, wenn die Telegraphenstangen an ihm vorbeihuschten, auf deren Drähten die Depeschen noch ungleich schneller dahinblitzten, oder wenn ein andrer Zug an ihm vorübersauste, den er nur als eine verschwommene, polternde Masse erkannte. Das waren für seine Vorstellung ebenso viele neue Eindrücke, die sich unauslöschlich in ihm festsetzten. Einige Meilen weit folgte der Zug durch schöne Gegenden dem linken Ufer des Blackwaterflusses. Gegen zwei Uhr machte er, nach kurzem Verweilen an mehreren Zwischenstationen, im Bahnhofe von Millstreet für fünfundzwanzig Minuten Halt. Die vornehme Familie blieb im Waggon, nach dem Marion zur Bedienung ihrer Herrin gerufen wurde; auch John hielt sich vor der Coupéthür zu Befehl seines Herrn. Der Knabe erhielt von dem Grafen Ashton Auftrag, ihm eine unterhaltende Lectüre für zwei bis drei Stunden zu besorgen. Er begab sich also zu dem Perronbuchhändler, wo er, durch die großen Vorräthe von Büchern und Zeitschriften in Verlegenheit gebracht, schließlich eine Wahl mehr nach eignem Geschmack, als nach dem des jungen Piborne traf. Dieser empfing ihn auch höchst ungnädig, als er ihm den »Touristenführer nach den Seen von Killarney« einhändigte. Als ob es dem Erben von Trelingar-castle einfallen könnte, ein Reisehandbuch zu studieren! Als ob diesem die Gegend, die er besuchte, überhaupt etwas anginge! Er begab sich dahin, weil man ihn dahin führte. So mußte der Groom noch ein Witzblatt mit Carricaturen und fadem Texte herbeischaffen, das dem Geschmack des jungen Grafen mehr zusagte. Die Abfahrt von Millstreet erfolgte um zweieinhalb Uhr. Findling hatte sich wieder ans offne Fenster gesetzt. Der Zug rollte jetzt durch eine abwechslungsreiche, bergige Gegend hin. Das Wetter war schön, die Sonne nicht zu dicht verhüllt. Lord Piborne konnte sich beglückwünschen, für diesen Ausflug eine mehr trockene Periode getroffen zu haben, wo der Sonnenschirm der Marquise mehr Dienste leistete, als ihr Waterproof. Immerhin enthielt die Atmosphäre jene leichten Dünste, die den Berggipfeln, deren scharfe Linien sie abstumpfen, erhöhten Reiz verleihen. Findling konnte im Süden von der Bahnlinie die hohen Pics dieses Theiles der Grafschaft, den Caherbarnagh und den Paß, erkennen, die bis zweitausend Fuß aufsteigen. Gerade in der Umgebung von Killarney treten die geologischen Umwälzungen in Irland am mächtigsten zu Tage. Der Zug überschritt bald die Grenze zwischen den Grafschaften Cork und Kerry. Mit dem von seinem Herren verachteten Reiseführer in der Hand, verfolgte Findling voller Interesse die Gelände neben der Bahnlinie. Hier erweckte schon der Name Kerry seine lebhaftesten Erinnerungen. Zwanzig Meilen weiter nördlich waren ihm die schönsten Jahre der Kindheit verflossen, dort in der jetzt leer stehenden Farm von Kerwan, woraus der mitleidlose Middleman die Familie Mac Carthy vertrieben hatte. Da wandte er die Augen von der Landschaft ab. Er blickte tief in sein Inneres, und der schmerzliche Eindruck davon hielt noch an, als der Zug im Bahnhofe von Killarney eintraf. Für diesen kleinen Ort ist es ein von manchen Städten Europas empfundener Vorzug, am Ufer eines schönen Binnensees zu liegen, und Killarney verdankt sein glückliches Gedeihen ohne Zweifel der Kette von Wasserflächen, die sich von seinem Fuße aus hinzieht. Wegen seines Palastes, worin der katholische Bischof der Grafschaft residiert, wegen seiner Kathedrale oder wegen der hier befindlichen Irrenanstalt, auch wegen seines Franciscanerklosters oder seines Armenhauses strömen die Touristen in der schönen Jahreszeit hier wahrlich nicht zusammen. Nur seinen Seen verdankt es das Städtchen, der Sammelpunkt vieler Lustreisenden zu sein. Verlöre es seine herrliche Umgebung, so hätte Killarney sozusagen ausgelebt, was sehr zu bedauern wäre, vorzüglich für die Familie der Kenmare's, da dieses Städtchen einen Theil ihres neunzigtausend Hektar großen Besitzthums bildet. An Hôtels hier und an dem eine Viertelstunde entfernten Ufer des Lough-Leane fehlt es nicht. Lord Piborne hatte eines der bestempfohlenen ausgewählt; unglücklicher Weise war aber dieses Hôtel gerade jetzt »boycottiert«. Dieses neue irländische Wort stammt von dem Namen eines Capitäns Boycott her, der zur Einbringung seiner Ernte polizeiliche Hilfe herbeigerufen hatte, da die Arbeiter sich weigerten, auf seinen Feldern thätig zu sein. Das betreffende Hôtel stand also in Acht und Bann, weil sein Besitzer die gerichtliche Austreibung einiger seiner Pächter veranlaßt hatte. Jetzt gab es hier deshalb weder Kellner noch Köche, und kein Lieferant hätte gewagt, etwas dahin zu verkaufen. Der Marquis und die Marquise Piborne mußten sich wohl oder übel nach einem andern Hôtel begeben und ihre Abfahrt nach den Seen auf den nächsten Tag verschieben. Nach Besorgung des Reisegepäcks seines Herrn erhielt der Groom Befehl, sich den ganzen Abend zu dessen Verfügung zu halten. So konnte dieser also das Vorzimmer nicht verlassen, während der junge Piborne inmitten der im Salon lesenden, plaudernden und spielenden Touristen den großen Herrn spielte. Am folgenden Tage wartete ein Wagen vor dem Thore des Hôtels. Es war das ein großer, bequemer Landauer, zum Niederschlagen des ganzen Verdecks eingerichtet und hinten mit einem schwebenden Sitze für John und Marion. Der Groom hatte auf dem Bocke neben dem Kutscher Platz zu nehmen. In den Koffern führte man außer Kleidungsstücken und Wäsche auch einen tüchtigen Vorrath an Speisen und Getränken mit, um gegen alle Zwischenfälle, wie Verzögerungen der Fahrt und Unzulänglichkeit der Gasthöfe, gerüstet zu sein, denn die regelmäßigen Mahlzeiten der vornehmen Familie durften auf keinen Fall in Frage gestellt sein. Ihre Herrlichkeiten verzichteten indeß beim Aufbruch aus Killarney auf die Benützung des Wagens. Mit dem praktischen Verstande, dessen sich Lord Piborne -- sogar in den Sitzungen des Oberhauses -- zu rühmen pflegte, hatte er die Vergnügungsreise in zwei Abtheilungen zerlegt. Der erste Theil umfaßte den Besuch der Seen selbst, der zu Wasser abgemacht werden, und der zweite den der Grafschaft bis zur Küste, der zu Lande erfolgen sollte. Der Landauer hatte die vornehmen Touristen also erst während des letzten Theils der Reise aufzunehmen. Trotzdem fuhr er an diesem Morgen ab, um jene bei Brandons-cottage, am Ende der Seen von Killarney, deren Ostufer er umfuhr, zu erwarten. Da der Lord Piborne in seiner Weisheit die Fahrt über die Seen auf drei Tage bemessen hatte, durften Kammerdiener, Zofe und Groom ihrer Herrschaft natürlich so lange Zeit nicht fern bleiben. Der Findling wenigstens freute sich auch herzlich, über diese glänzenden Wasserspiegel fahren zu sollen. Das Meer war das freilich nicht, das unendliche Meer, das sich von einem Continente zum andern ausspannt... nur einige beschränkte Seen, die keine Handelsstraße bilden und nur von Touristenbooten durchschnitten werden. Doch auch das genügte schon unserm Findling. Gestern hatte er zum zweitenmale in einem Bahnzuge gesessen, heute sollte er zum ersten Male in einem Boote fahren. Während John, Marion und der Groom sich zu Fuß nach dem eine Meile entfernten Nordende der Seenreihe begaben, führte den Marquis, die Marquise und deren Sohn eine leichte Kalesche nach derselben Stelle. An der Ecke eines Platzes erblickte Findling im Vorübergehen auch die Kathedrale, zu deren Besuch er keine Zeit gefunden hatte. Auf den Straßen waren nur wenige Leute, und unter diesen mehr Spaziergänger als Geschäftsleute. In Killarney beschränkt sich der regere Verkehr auf die wenigen Monate, während der aus dem Vereinigten Königreiche jährlich gegen zehn- bis zwölftausend Touristen hier eintreffen. Dann scheint die eingeborne Bevölkerung nur noch aus Kutschern und Bootsleuten zu bestehen, die sich um die Kundschaft streiten, welche ihre Dienste gehörig bezahlen muß. Am Landeplatz erwartete ihre Herrlichkeiten ein Boot mit fünf Mann, vieren für die Ruder und einem für das Steuer. Polstersitze und ein abnehmbares Zeltdach gegen den Sonnenbrand oder gegen anhaltenden Regen sicherten den Fahrgästen die nöthige Behaglichkeit. Lord und Lady Piborne nahmen auf den weichen Bänken Platz, der Graf Ashton neben ihnen, die Diener und der Groom setzten sich im Vordertheile des Fahrzeugs nieder. Nun wurde das Tau losgeworfen, die Ruder tauchten gleichmäßig ins Wasser und das Boot entfernte sich vom Ufer. Die Seen von Killarney bedecken eine Fläche von einundzwanzig Quadratkilometern. Es sind ihrer drei: der Obere See, der aus der Umgebung die Flüsse Grenshorn und Doogary aufnimmt; der Muckroß- oder Toresee, in den sich nach einem Verlaufe längs des schmalen Lough-Range-Canals die Gewässer des Owengariffe ergießen, und der Untere See, der Lough-Leane, der durch die Lawne und einige kleinere Wasseradern am Meeresufer in die Bai von Dingle ausmündet. Die Strömung in den Seen verläuft von Süden nach Norden, so daß der Untere See also der nördlichste ist. Das Gesammtbild der drei Wasserbecken ähnelt etwa einem gewaltigen Schwimmvogel, einem Pelikan oder dergleichen, dessen Füße der Lough-Range, dessen Beine der Obere See und dessen Rumpf der Muckroß und der Lough-Leane darstellten. Da die Einschiffung am Nordufer des Lough-Leane stattgefunden hatte, ging die Fahrt stromaufwärts, erst durch den unteren, dann durch den Muckroß-See und hierauf mittelst des Lough-Range-Canals nach dem Oberen See. Nach dem Programm des Lord Piborne sollte jedem Seebecken ein Tag gewidmet werden. Im Süden und Westen dieser Gegend erheben sich die höchsten Bergzüge des Grünen Erin bis zu der prächtigen, in die Küste der Grafschaft Cork eingeschnittenen Bai von Bantry. Hier befindet sich auch der kleine Fischerhafen, in dem Hoche mit seinen vierzehntausend Mann ans Land stieg, als die Republik Frankreich diese 1796 ihren irischen Brüdern zu Hilfe geschickt hatte. Lough-Leane, der größte der drei Seen, mißt fünf Meilen in der Länge und drei Meilen in der größten Breite. Sein von der Bergkette des Carn-Tual beherrschtes Ostufer ist mit dunkelgrünen Waldmassen eingerahmt, die zum größten Theil zur Domäne von Muckroß gehören. Er enthält zahlreiche Inseln, wie Brown, Lamb, Heron, Mouse u. a., unter denen die Insel Roß die größte und Innishallen die schönste ist. Nach letzterer steuerte das Boot zuerst bei herrlichem Wetter und in diesen Gegenden recht seltenem klaren Sonnenscheine. Eine leichte Brise kräuselte die Oberfläche des Wassers. Findling berauschte sich an dem erquickenden Lufthauche, während er die reizenden Bilder, die an ihm vorüberzogen, bewunderte. Er hütete sich aber, seinen Empfindungen lauten Ausdruck zu geben, denn man hätte ihm doch Stillschweigen geboten. Lord und Lady Piborne wären gewiß auch gar zu verwundert gewesen, daß ein Wesen ohne Geburt und Erziehung für diese Naturschönheiten, die doch nur für das Vergnügen aristokratischer Augen geschaffen waren, hätte empfänglich sein können. Uebrigens unternahmen Ihre Herrlichkeiten diesen Ausflug, wie wir wissen, ja nur, weil es für Leute ihres Ranges zum guten Ton gehörte, ihn ausgeführt zu haben, während in ihrem Gedächtniß wahrscheinlich kein dauernder Eindruck davon zurückblieb. Dem Grafen Ashton war die ganze Sache völlig gleichgiltig. Er hatte einige Angelschnuren mitgenommen und wollte Fische fangen, während seine erhabenen Eltern pflichtgemäß die Landsitze und Ruinen der Umgebung aufsuchen würden. Das schmerzte vorzüglich Findling. Als Innishallen erreicht war, stiegen der Marquis und die Marquise aus, auf den an ihren Sohn gerichteten Vorschlag aber, sie zu begleiten, antwortete der liebenswürdige junge Mann nur: »Ich danke; ich will während Ihres Spaziergangs lieber angeln! -- Und doch, erwiderte Lord Piborne, befinden sich hier die Reste einer berühmten Abtei, und mein Freund, Lord Kenmare, dem diese Insel gehört, würde es mir wohl übel deuten... -- Wenn es der Graf aber vorzieht... warf die Marquise nachlässig ein. -- Gewiß ziehe ich es vor, erklärte der Graf Ashton, und mein Groom wird mir die Angelhaken mit Köder versorgen.« Der Marquis und die Marquise brachen also, mit John und Marion als Gefolge, auf, und so kam es, daß Findling, der ja den Launen des jungen Piborne nachgeben mußte, zu seinem großen Leidwesen nichts von den archäologischen Merkwürdigkeiten von Innishallen kennen lernte. Der Marquis und die Marquise brachten davon übrigens auch keine dauernde Erinnerung mit heim. Wie konnten auf ihren indifferenten, blasierten Geist die Schönheiten dieses Klosters Eindruck machen, dessen Gründung bis ins 6. Jahrhundert zurückreicht, die Anordnung der vier dasselbe bildenden Gebäude, die romanische Kapelle mit ihren herrlichen Steinarbeiten am Bogengewölbe, das Ganze verloren in üppigem Grün, inmitten dichter Gruppen von Stechginster, Taxusbäumen, Eschen und Erdbeerbäumen, deren vorzüglichste Arten dieser Insel -- der »Insel der Heiligen«, wie Fräulein de Bouret so treffend das Juwel von Killarney genannt hat -- anzugehören scheinen? Hatte der Graf Ashton es auch abgeschlagen, Ihre Herrlichkeiten während der Stunde, die sie der Besichtigung von Innishallen widmeten, zu begleiten, so darf man nicht glauben, daß er deshalb seine Zeit verloren hätte. Freilich war ihm eine schöne Forelle durch eigne Schuld wiederholt entschlüpft, und sein Mißvergnügen darüber machte sich in ebenso unverdienten, wie maßlosen Vorwürfen gegen seinen Groom Luft. Einige Aale, die an seinem Haken zappelten, galten ihm in der That mehr als jene erbärmlichen Ruinen, um die er sich keinen Pfifferling kümmerte. Das erschien ihm als eine so würdige Ausfüllung seiner Muße, daß er nicht einmal die Insel Roß mit durchstreifen wollte, wo das Boot eine Stunde später anlegte. Auch hier vertändelte er die Zeit mit der Angelschnur, und Findling mußte bei ihm bleiben, während Lord und Lady Piborne mit majestätischer Gleichgiltigkeit im Schatten der Wälder des Lord Kenmare lustwandelten. Die vierundzwanzig Hektar große Insel gehört nämlich zu dem Besitzthum des Genannten, der sie am Ostufer des Sees durch eine gute Straße mit seinem Schlosse, einer alten Feudalveste aus dem 14. Jahrhundert, in bequeme Verbindung gesetzt hat. Dem Marquis und der Marquise fiel es allerdings auf, daß sowohl die Insel Roß als auch der Schloßpark jedermann offen stehen, dem es beliebt, das grüne, mit Minzen und Goldwurz zwischen Gruppen herrlicher Azaleen und Rhododendrons geschmückte Gelände zu durchstreifen. Nach zweistündigem, durch wiederholte Ruhepausen unterbrochenem Besuche kehrten Ihre Herrlichkeiten wieder nach dem kleinen Bootshafen zurück. Der Graf Ashton war gerade dabei, seinen Groom tüchtig abzukanzeln, und der Marquis nebst der Marquise fand das ganz in Ordnung, ohne zu wissen, was dazu Veranlassung gegeben hätte. Das war aber nichts andres, als daß die Fische sich gehütet hatten, an die Angelhaken des jungen Edelmannes anzubeißen, worüber dieser unwillig wurde und es auch bis zum Abend blieb. Die Gesellschaft bestieg wieder das Boot. Jetzt steuerte dieses mehr nach der Mitte des Sees, um dann am Westufer noch die murmelnde Cascade von O'Sullivan zu besuchen, ehe man in die Mündung des Lough-Range einfuhr. Nahe derselben liegt die Dinish-Cottage, wo Lord Piborne zu übernachten beabsichtigte. Mit trauerndem Herzen über die erlittene Ungerechtigkeit hatte Findling seinen Platz im Vordertheile wieder eingenommen. Bald aber vergaß er seinen Kummer und ließ seine Phantasie unter das schlummernde Wasser schweifen. Im Reiseführer hatte er eine wunderbare Sage über die Seen von Killarney gelesen. Hier lag danach vor Zeiten ein glückliches Thal, das durch ein Schutzwehr gegen Ueberfluthung aus der Umgebung abgeschlossen wurde. Eines Tags hatte das mit dessen Bedienung betraute junge Mädchen aus Unbedachtsamkeit die Schützen dieses Wehres gezogen und sofort stürzte das Wasser in gurgelndem Strome hindurch. Dörfer und Menschen sammt ihrem Vorsteher, dem »Thanist«, gingen dabei zu Grunde. Seitdem sollen jene unten im See fortleben, von woher ein scharfes Ohr sie unter den Fluthen des Lough-Leane ihre Festtage im Reiche der Aale und Forellen feiern hören kann. Es war um vier Uhr, als Ihre Herrlichkeiten bei der Dinish-Cottage, nahe der Mündung des Lough-Range und am rechten Ufer der sogenannten Bai von Glenoo, ans Land gingen. Hier fanden sie ziemlich bequeme Unterkunft. Als Findling jedoch um neun Uhr entlassen wurde, erhielt er die bestimmte Anweisung, auf sein Zimmer zu gehen, so daß er also auch jetzt nicht einige Stunden der Freiheit genießen konnte. Der nächste Tag galt dem Besuche des Muckroßsees. Dieser zweieinhalb Meilen lange und kaum halb so breite See von regelmäßiger Gestalt bildet eigentlich nur einen großen Teich inmitten eines von den Eigenthümern nicht mehr bewohnten Besitzthums, dessen prächtiger Wald dadurch, daß er in den Naturzustand zurückverfiel, mehr gewonnen als verloren hat. Diesmal ließ sich der Graf Ashton herbei, seine hohen Eltern zu begleiten. Auch der Groom, der Flinte und Jagdtasche trug, mußte sich anschließen. Früher hausten hier im Walde zahlreiche Wildschweine. Jetzt trifft man statt derselben noch auf rothes Damwild, das im Vereinigten Königreich sonst dem Aussterben nahe zu sein scheint. Der Graf Ashton hätte gewiß eine cygenetische Heldenthat vollbracht, wenn ihm eines der sehr scheuen Thiere vors Rohr gekommen wäre. Daraus wurde aber nichts, obwohl zwei der Ruderer als Treiber und Findling als -- Jagdhund dienten. Dieser bekam auch den malerischen Wasserfall von Tore nicht zu sehen, ebenso wie eine alte Franciscanerabtei mit Kirche und Kloster aus dem 13. Jahrhundert, von deren Aufsuchung den vornehmen Reisenden besser abgerathen worden wäre. In diesem Kloster befindet sich noch ein ungeheurer Eibenbaum, dessen Stamm fünfzehn Fuß Umfang hat. Einem plötzlichen Einfalle nachgebend, vielleicht um ein Andenken an ihren Besuch der Abtei von Muckroß mitzunehmen, wollte die Marquise ein Blatt von dem uralten Baume abreißen. Schon hatte sie die Hand danach ausgestreckt, als ein Anruf des Führers sie aufhielt. »Hüten sich Ihre Herrlichkeit... -- Sich hüten?... Warum? fragte Lord Piborne. -- Gewiß, Mylord! Hätte die Frau Marquise ein solches Blatt abgepflückt... -- Nun, ist das etwa vom Besitzer von Muckroß verboten? unterbrach ihn der Lord hochfahrenden Tones. -- Das nicht, Herr Marquis, antwortete der Führer, doch wer hier ein Blatt abpflückt, stirbt noch in demselben Jahre... -- Auch eine Marquise? -- Gewiß, auch eine Marquise!« Lady Piborne wurde hierdurch so betroffen, daß sie sich fast unwohl fühlte. Noch einen Augenblick und sie hätte das Blatt abgerissen gehabt. An jene alten Sagen glaubt man auf der Smaragdnen Insel wie ans Evangelium, und überhaupt zeichnet sich Paddy in der Stadt und auf dem Lande durch einen fast lächerlichen Aberglauben aus. Lady Piborne kam, eingedenk der Gefahr, die ihr so nahe gedroht hatte, ganz verstört nach Dinish-Cottage zurück. Lord Piborne mußte, obwohl es erst um zwei Uhr war, aus Rücksicht auf sie den Besuch des Oberen Sees bis zum nächsten Tage verschieben. Der junge Ashton war höchst verstimmt darüber, ohne Jagdbeute zurückgekehrt zu sein. War er von der Anstrengung erschöpft, wie viel mehr mußte es sein kleiner Groom sein, dem er keine Minute Rast gegönnt hatte. Findlings Stolz verbot es ihm aber, eine Klage laut werden zu lassen. Am nächsten Tage nahmen Ihre Herrlichkeiten gleich nach dem Frühstück wieder im Boote Platz. Die Ruderer mußten »fest anziehen«, wie Pat Mac Carthy gesagt haben würde, um gegen die Strömung im Lough-Range aufzukommen. Die Enge der Mündung erzeugt hier heftige Wirbel und die Passagiere wurden davon tüchtig geschüttelt. War das auch ein Vergnügen für unsern jungen Helden, so theilten es Lord und Lady Piborne doch keineswegs. Der Marquis wollte im Hinblick auf die Angst seiner Gemahlin schon wieder umkehren lassen, und auch der Graf Ashton befand sich in ganz traurigem Zustande. Einige Ruderschläge genügten jedoch, das Boot durch die schlimmsten Stellen zu treiben, und danach schwamm es wieder in verhältnißmäßig ruhigem Wasser zwischen den mit Seelilien geschmückten Ufern. Anderthalb Meilen von hier erhob sich ein achtzehnhundert Fuß hoher Berg, Eagle's-Nest genannt von den Adlern, die ihn zahlreich umschwärmen. Die Ruderer machten ihre vornehmen Gäste aufmerksam, daß dieser Berg, wenn sie geruhen wollten, ihn anzurufen, ihnen antworten würde. Alle Touristen bewundern das in der That überraschende Echo. Der Marquis und die Marquise erachteten es aber jedenfalls unter ihrer Würde, dieses Echo, »das ihnen nicht vorgestellt war«, zu wecken. Der Graf Ashton dagegen konnte die Gelegenheit nicht vorüberlassen, einige recht läppische Worte laut auszurufen, zuletzt auch die Frage, wer er sei. »Ein Einfaltspinsel!« antwortete Eagle's-Nest durch den Mund eines Spaziergängers, der hinter dichtem Wachholdergebüsch auf halber Bergeshöhe verborgen war. Wie von der Tarantel gestochen, erklärten Ihre Herrlichkeiten, daß dieses unverschämte Echo bestraft worden wäre, wenn jetzt die Schloßherren die höhere und niedere Gerichtsbarkeit noch selbst ausgeübt hätten. Die Ruderer trieben das Boot möglichst schnell von der Stelle, und gegen vier Uhr wurde der Obere See erreicht. Dessen Aussehen gleicht im allgemeinen dem des Muckroßsees, doch zeigt er eine unregelmäßigere Gestalt, was ihm erhöhten Reiz verleiht. Im Süden erheben sich die steilen Abhänge der Cromaglans, im Norden die Grate des Tomie und des Purpurberges, der mit lebhaft rothem Strauchwerk bedeckt ist. Das südliche Ufer trägt einen dichten Kranz der herrlichen Baumarten, die das Thal von Killarney beschatten. So bezaubernd der Anblick dieses Sees auch war, schenkten Ihre Herrlichkeiten ihm doch nur eine sehr geringe Beachtung, und außer Findling hatte wohl niemand einen besondern Genuß von diesem Ausfluge. Lord Piborne ließ wenigstens sofort nach der Mündung des Geanhmeen zu steuern, um nach Brandons-Cottage zu gelangen, wo vor dem Besuche des Ufergeländes ordentlich Rast gehalten werden sollte. Nach so ungewohnten Anstrengungen bedurften Ihre Herrlichkeiten natürlich der Ruhe. Für sie war diese Spazierfahrt auf den Seen gleich einer Reise über das Weltmeer gewesen. Die beiden Diener mußten mit dem Groom im Hôtel bleiben, und wenn letzterer nicht zwanzig sich widersprechende Befehle erhielt, kam das nur daher, daß der Graf Ashton beim neunzehnten fest eingeschlafen war. Am nächsten Tage mußte frühzeitig aufgestanden werden, denn es galt jetzt, eine ziemlich lange Wegstrecke zurückzulegen. Die Marquise ließ sich sehr bitten. Marion fand sie ziemlich blaß und angegriffen, so daß man unschlüssig wurde, ob man die Fahrt fortsetzen oder unmittelbar nach Trelingar-castle zurückkehren sollte. Lady Piborne stimmte für das letztere; Lord Piborne aber erinnerte daran, daß ihre intimsten Freunde, der Herzog von Francastar und die Herzogin von Wersgalber, ihren Ausflug bis nach Valentia ausgedehnt hätten, und daraufhin wurde beschlossen, es diesen nachzuthun -- zur großen Freude Findlings, der vor allem fürchtete, nach dem Schlosse heimkehren zu müssen, ohne das Meer gesehen zu haben. Um neun Uhr des Morgens stand der Landauer bereit. Der Marquis und die Marquise nahmen den hinteren Sitz, der Graf Ashton den vorderen ein. John und Marion saßen nebeneinander hinter dem Wagen und der Groom auf dem Bocke neben dem Kutscher. Der Landauer, der ja im Nothfalle leicht zu schließen war, blieb vorläufig offen. Endlich brachen die vornehmen Reisenden auf, nachdem sich das Personal der Brandons-Cottage ehrerbietig von ihnen verabschiedet hatte. Eine Viertelmeile weit folgten die beiden muthigen Pferde dem linken Ufer des Doogary, einem der Zuflüsse des Oberen Sees, dann bogen sie nach den oft steilen Wegen der Kette der Gillyenddy-Reeks ein, wo der Wagen nur im Schritt vorwärts kam. Jede Straßenbiegung entrollte hier ein neues Bild. Findling war aber wohl der einzige, der es bewunderte. Hier befand man sich im bergigsten Theile der Grafschaft Kerry und damit von ganz Irland. Neun Meilen im Südosten, jenseits der Gillyenddy-Reeks, tauchte die in den Wolken halb verlorne Spitze des Carrantuohill empor. Unten an den Bergen lagen zerstreute Moränen, ein Chaos erratischer Blöcke, die das langsame, aber unausgesetzte Fortschreiten der Gletscher hier abgelagert hatte. Gegen Mittag gelangte der Landauer, den Tomie und den Purpurberg zur Rechten lassend, nach einer schmalen, in die Gillyenddy-Reeks eingeschnittenen Rampe. Dieser Durchbruch von Dunloe ist weit und breit berühmt, und der kraftvolle Roland hat die Pyrenäenkette wohl kaum mit einem mächtigeren Hiebe gespalten. Da und dort glitzern kleine Seen in der wilden Landschaft, und Findling hätte, so wenig das Ihre Herrlichkeiten interessierte, hier manche Sage erzählen können, denn er befleißigte sich stets, vor dem Aufbruch seinen Reiseführer zu studieren. Es hätte ihm aber doch keiner zugehört. Jenseits dieses Durchbruchs rollte der Landauer schneller die Abhänge nach Nordwesten hinunter. Binnen drei Stunden erreichte er das Ufer der Lawne, deren Bett das überschüssige Wasser der Seen von Killarney nach der Bai Dingle abführt. Diesem Flusse folgte man vier Meilen weit, und es war sechs Uhr geworden, als die Reisenden, ermüdet von einer Fahrt über neun Meilen, in dem kleinen Flecken Kilgobinet Halt machten. Im dortigen Gasthaus, wo man die mangelnde Bequemlichkeit durch unterwürfige Höflichkeit vergessen zu machen suchte, verbrachte man eine ungestörte Nacht. Zur großen Beunruhigung Findlings entstand aber am nächsten Morgen wieder eine Verhandlung darüber, ob der Wagen nach rechts abschwenken und unmittelbar nach Killarney zurückkehren, oder sich nach links wenden sollte, um nach Valentia zu gelangen. Da der Hôtelwirth aber versicherte, daß vor zwei bis drei Monaten der Fürst und die Fürstin von Kardigan denselben Weg genommen hätten, gab der Lord Piborne der Lady Piborne zu verstehen, daß sie doch nicht wohl anders könnten, als dem Beispiele dieser hochedeln Vorgänger zu folgen. Die Abfahrt von Kilgobinet erfolgte um neun Uhr Morgens. Heute war regnerisches Wetter, so daß der Landauer geschlossen werden mußte. Die Herrschaften meinten sogar, der Groom neben dem Kutscher werde den stürmischen Wind kaum aushalten können. Bah! Der hatte schon ganz anderm Wetter getrotzt! Der Knabe verlor also keines von den schönen Landschaftsbildern und bewunderte ebenso die nebelumfangenen Bergzüge des Ostens, wie die tiefen Abhänge des Westens, die zur Küste hinabfallen. In seiner Seele sproßte die Empfindung für Naturschönheiten immer mehr auf, und immer schärfer prägten sich diese seinem Gedächtniß ein. Am Nachmittage zeigten sich, je weiter die vom Carrantuohill überragten Berge im Osten verschwanden, die Iveraghberge am entgegengesetzten Horizonte. Weiter hinaus sollte, dem Reisehandbuche nach, eine bequeme Straße nach dem kleinen Hafen von Cahersiveen hinabführen. Gegen Abend erreichten Ihre Herrlichkeiten nach einer Fahrt von zehn Meilen die Ortschaft Carramore. Entsprechend dem hier sehr lebhaften Touristenverkehr giebt es daselbst auch zahlreiche, gut ausgestattete Hôtels, so daß die im Landauer mitgeführten Vorräthe nicht angegriffen zu werden brauchten. Am folgenden Tage ging es bei Regenwetter weiter. Am Himmel jagten, bei steifem Winde vom Meere her, die Wolken schnell dahin. Nur von Zeit zu Zeit stahl sich ein Sonnenstrahl dazwischen hindurch. In vollen Zügen athmete Findling aber die mit den salzigen Dünsten des Meeres beladne Luft ein. Kurz vor Mittag lenkte der Wagen nach einer scharfen Straßenbiegung gerade nach Westen hin ein. Nachdem er nicht ohne einige tüchtige Stöße einen Engpaß der Iveraghkette passiert hatte, rollte er, von dem Schleifzeug im Laufe gemäßigt, allein nach der Ausmündung der Valentia hinab, und gegen fünf Uhr hielt er am Ziele der Reise vor einem Hôtel in Cahersiveen. »Wie viel mögen Ihre Herrlichkeiten wohl unterwegs von allen Schönheiten der Natur gesehen haben?« fragte sich Findling mit einem gewissen Bedauern für die Gleichgiltigkeit der vornehmen Herrschaft. Er wußte ja noch nicht, daß so viele von den »Oberen Zehntausend« nur reisen, um sagen zu können, daß sie gereist seien. Der Flecken Cahersiveen liegt am linken Ufer der Valentia, die sich hier zu einem Nothhafen erweitert, der den Namen Valentia-Harbour erhalten hat. Vor ihm erhebt sich die gleichnamige Insel mit ihrem Brag-Head, als einem der am weitesten nach Westen hinausragenden Punkte Irlands. Was den Flecken selbst betrifft, so wird kein Ire vergessen, daß er der Geburtsort O'Connell's ist. Am folgenden Tage mußten Ihre Herrlichkeiten, die nun darauf bestanden, ihr Reiseprogramm bis zur letzten Nummer zu erledigen, dem Besuche der Insel Valentia noch einige Stunden widmen. Das Verlangen, Möven zu schießen, hatte den Grafen Ashton erfaßt, und deshalb bekam Findling zu seinem größten Vergnügen Befehl, ihn zu begleiten. Ein Fährdampfer unterhielt den Verkehr zwischen Cahersiveen und der eine Meile vor der Mündung aufragenden Insel. Lord Piborne, Lady Piborne und ihr Gefolge schifften sich nach dem Frühstück ein und das Ferry-Boat setzte sie in dem kleinen Hafen ab, wo die Fischerboote bei plötzlichen Stürmen Schutz finden. Sehr wild und rauh von außen, entbehrt diese Insel doch nicht gewisser mineralischer Schätze, denn es finden sich auf ihr mehrere ergiebige Schieferbrüche. In einem Dorfe kann man verschiedene Häuser sehen, deren Mauern und Dach aus je einem einzigen großen Stück Schiefer bestehen. In diesem Dorfe ist auch für Unterkommen für Touristen gesorgt, obwohl kaum einer, trotz des vortrefflichen Gasthofs, davon Gebrauch macht. Wozu auch? Wenn sie, wie es auch Ihre Herrlichkeiten thaten, das alte verfallene Fort, das Cromwell einst erbaute, besucht und den Leuchtthurm, den Wegweiser für die Seeschiffe, bestiegen, und wenn sie die Skellings, das sind zwei hohe Bergkuppen in der Entfernung von fünfzehn Meilen, bewundert haben, deren Feuer die Nähe dieser gefährlichen Küstenstrecke weit hinaus anzeigt, dann bietet Valentia nichts besondres mehr. Es ist nur eine jener Inseln, die man an der Westküste Irlands zu Hunderten findet. Immerhin genießt Valentia eine dreifache specielle Berühmtheit. Es diente als Ausgangspunkt der Triangulierung, mittelst der ein Bogenstück der Erde gemessen wurde, das quer durch Europa bis zum Uralgebirge reicht. Es ist thatsächlich die am weitesten nach Westen vorgeschobene meteorologische Station, an der die Sturmwellen von Amerika her zuerst anprallen. Endlich besitzt es ein isoliert stehendes Gebäude, wohin Lord und Lady Piborne sich führen ließen. Hier beginnt das erste Transatlantische Kabel, das zwischen der Alten und der Neuen Welt ausgespannt wurde. Im Jahre 1858 ließ es Kapitän Anderson von dem einst berühmten Riesendampfer, dem »Great-Eastern«, abrollen, während es 1866 zuerst fungierte -- damals allein, bis später vier weitere Kupferfäden Amerika und Europa verbanden. Hier traf das erste zwischen einem Continent und dem andern gewechselte Telegramm ein, das vom Präsidenten der Vereinigten Staaten, Buchanan, abgesendet, als Text die Worte hatte: »Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen.« Armes Irland! Du hast es nicht unterlassen, dem Höchsten die Ehre zu geben, doch werden die Menschen Dir jemals den socialen Frieden sichern, indem sie Dir die Unabhängigkeit zurückgeben? V. Schäferhund und Jagdhund. Von Cahersiveen am Morgen des 11. August abgefahren, machte der Landauer, der der an den ersten Verzweigungen der Iveraghberge verlaufenden Küstenstraße folgte, nach kurzer Rast in Kells, einem Flecken an der Dingle-Bai, am Abend und für die Nacht in Killorglin Halt. Den ganzen Tag über hatte das windige, regnerische Wetter angehalten; am nächsten Tage aber wurde es geradezu abscheulich. Nur Schloßen und Sturm, unter denen Ihre Herrlichkeiten die dreißig Meilen zwischen Valentia und Killarney zurücklegen mußten, wo sie in einer ebenso abscheulichen Stimmung eintrafen, um hier die letzte Nacht auf - - ! . 1 2 - - . . . 3 4 - - ' , , 5 ! « . 6 7 , , 8 . 9 10 11 , , 12 , 13 , 14 15 . 16 17 » , , 18 , . . . . 19 20 - - , , 21 . 22 23 - - ? . 24 25 - - . « 26 27 , 28 . 29 30 » ? « . 31 32 , . 33 » « 34 , , - - 35 . 36 37 » ! . 38 39 - - , 40 ? . . . 41 42 - - . 43 44 - ? . . . 45 46 - - . « 47 48 , . , 49 ! 50 51 » , , 52 ? 53 54 - - ; . . . 55 56 - - ' , 57 . « 58 59 , 60 , 61 - . 62 , 63 , , 64 - - 65 - - , 66 . 67 68 , 69 , , 70 . 71 72 » ? . 73 74 - - , . 75 76 - - ? 77 78 - - , , . 79 80 - - . . . 81 ? 82 83 - - ; , 84 . 85 86 - - . . . ? . . . 87 88 - - . 89 90 - - , , , 91 ? 92 93 - - , , , 94 ! « 95 96 , 97 . 98 , - - 99 , 100 - - . 101 102 » 103 ? 104 105 - - , . . . . . . . 106 107 - - , ! « 108 . 109 110 , , 111 , : 112 113 » . « 114 115 . 116 117 » , . ? 118 119 - - . 120 121 - - . . . ? 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