Vor ihm die Wasserwüste, Die Wüste schwarz und wild, Wenn nicht ein fahles Leuchten Erhellt das düstre Bild. Am Himmel flieh'n die Wolken Mit Sturmeseile hin, Bald wird das schwere Wetter Die Küste überzieh'n. Da bricht's schon los, da pfeift es, Da heult es in der Luft Und reißt sie auf die Wogen, Wie eine droh'nde Gruft. Pat unterbrach seinen Gesang. Diesmal wurde keine Bemerkung laut. Jeder lauschte gespannten Ohres, als ob das Unwetter des Liedes sich über der Farm von Kerwan entladen müßte und diese zum Fahrzeuge John Playne's geworden wäre. VI. Doch John kann nichts erschrecken. Ihn macht kein Blitzstrahl blind, Er will, wie oft schon früher, Aufkreuzen in den Wind. Weit bauschen sich die Segel; Er stellt sie anders ein Und steuert ohne Zagen Scharf in den Sturm hinein. Was kümmert's ihn, ob schäumend Entgegenbraust das Meer? Er will doch Trotz ihm bieten, Ist auch die Arbeit schwer. So wirft er aus die Kette Mit langem Sacknetz dran Und läßt es nach sich schleppen... Bald ist das Werk gethan. Mit Last am Heck erhält sich Ein Boot schon in der Fahrt Und weicht nicht aus dem Curse, Arbeitet's noch so hart. Drum greift -- mit schwerem Kopfe, Nach hier und dort den Blick Gewandt -- John nach der Flasche, Dem Trost im Mißgeschick. Er führt sie an die Lippen Und schlürft den scharfen Trank, Bis auf der Bank am Ruder Er stumpf zusammensank. Da scheint das weite Meer ihm Ein Teich zu sein voll Gin, Er träumt, er schwämme wohlig Allein darüber hin. »Der Unbesonnene! rief Martin. -- Man sagt ja, es gäbe einen Gott für die Trunknen! bemerkte Sim. -- Da muß dieser aber viel zu thun haben, warf Martin ein. -- Wir werden's ja sehen! erwiderte der Geistliche. Fahrt nur fort, Pat.« VII. Am nächsten Morgen leuchtet Die Sonn' in voller Pracht. Am Himmel leichte Wölkchen -- Nachzügler von der Nacht. Wenn die Gefahr vorüber, Wer denkt dann noch daran? Schon tummeln sich die Fischer Am Hafen Mann für Mann. Und jedes Boot beeilt sich; Jetzt zieh'n sie Bord an Bord, gleich fröhlicher Regatta, Zum neuen Fange fort. »Und John Playne? fragte Findling, sehr besorgt um den Trunknen, der, das Sacknetz nachschleppend, eingeschlafen war. -- Nur Geduld! mahnte ihn Martin. -- Ich habe auch Angst um ihn!« setzte die Großmutter hinzu. VIII. Da... was ist dort geschehen? Das erste Fahrzeug weicht Aus dem gewohnten Curse, Wo's bald das Ziel erreicht. Und seiner Fährte schließen Die andern all' sich an; Grundlos wich nicht der Führer Aus der gewohnten Bahn. Ging wohl ein Boot verloren, Im tollen Sturm der Nacht? Hat einem Fischersmanne Er's nasse Bett gemacht? Da seht!... Es treibt ein Fahrzeug Gekentert auf dem Meer, Den Kiel nach oben schwankt es Und steuerlos umher. »Gekentert! rief Findling entsetzt. -- Gekentert!« wiederholte die Großmutter. IX. Geschwind nun an die Arbeit! Erst zieht das Sacknetz ein Und legt es Masch' um Masche Ins nächste Boot hinein. Schon sieht man nerv'ge Hände Am Tau des Netzes ziehn Und in dem Boot es bergen... Ein Leichnam hing darin. Und diese düstre Seetrift, Entrissen jetzt dem Meer, Sie war bisher John Playne Der Fischer aus Kromer. X. Nicht mehr von ihm gesteuert, Kam quer sein Boot zum Wind Das große Segel drückt' es dann nieder wie ein Kind. Gott sei der Seele gnädig Des armen, trunknen Narrn!... Hier fing sich ja der Fischer In seinem eig'nen Garn. O, welch ein graus'ger Anblick. Als man herein ihn zog, Trotz viel verschluckten Wassers, Schien er betrunken noch! »Der Unglückliche! rief die mitleidige Martine. -- Wir werden für ihn beten!« erklärte die Großmutter. XI. Nun frisch aus Werk, ihr Leute, Wir schaffen ihn ans Land, Dort mag ein Grab er finden, Doch nicht zu nah am Strand. Legt ihn dahin, wo nicht mehr So viel er trinken kann, Und stellt nur Glas und Flasche Ans Grab als Warnung an.... So endete John Playne, John Playne aus Kromer. Doch schon setzt ein die Ebbe, Ihr Fischer, rasch aufs Meer! Die Stimme Pats klang wie eine Trompete, als er den letzten Vers des traurigen Liedes sang. Auf die Tischgäste hatte dieses einen so mächtigen Eindruck gemacht, daß sie sich -- als Zugabe auf zehn tüchtige Gläser -- begnügten, nur noch einen Schluck auf die Gesundheit eines jeden zu trinken. Dann trennte sich die Gesellschaft mit dem Vorsatze, es John Playne nie gleich zu thun... nicht einmal auf dem festen Lande. XIV. Im Alter von kaum neun Jahren. Als der große Festtag vorüber war, ging man auf der Farm wieder an die gewohnte Feldarbeit. Pat merkte gewiß nichts davon, daß er einen Urlaub zur Erholung angetreten hatte. Die Seeleute sind ja immer tüchtige Arbeiter, auch wenn sie nicht draußen schwimmen. Pat war gerade zur Erntezeit eingetroffen, und nach dem Getreide war jetzt noch das Gemüse einzufahren. Findling wich fast niemals von der Seite Pats, der jenem eine aufrichtige Freundschaft entgegenbrachte... die Freundschaft des Matrosen für den Schiffsjungen. Nach beendetem Tagewerke und wenn sich alle zum Abendbrode versammelt hatten, war es für Findling die größte Freude, den jungen Seemann erzählen zu hören, wenn dieser über seine Reisen, über allerlei Ereignisse, über die Stürme, die der »Guardian« bestanden, und über so manche schnelle und herrliche Fahrt berichtete. Am meisten interessierte er sich aber für die reiche, der Firma Marcuart zugeführte Fracht, für die Schätze, die der Dreimaster nach Europa heimgebracht hatte. Die Handelsangelegenheiten ließen in seinem praktischen Geiste eine darauf abgestimmte Saite erklingen. Seiner Ansicht nach stand der Rheder weit höher als der Capitän. »Also das nennt man wohl Handelsgeschäfte treiben, Pat? fragte er. -- Ja; man holt die Erzeugnisse aus den Ländern, wo Natur oder Menschenhand sie hervorbringt, und verkauft sie da, wo das nicht der Fall ist. -- Und theurer, als man sie eingekauft hatte?... -- Natürlich... man muß doch etwas erübrigen. Dann führt man wieder die Erzeugnisse der andern Länder aus, um sie in der weiten Welt abzusetzen. -- Auch wieder theurer, Pat? -- Allemal etwas theurer, wenn das zu ermöglichen ist.« Derartige Fragen des Knaben mußte Pat nun immer beantworten. Leider und zur großen Betrübniß aller nahte jetzt die Zeit heran, wo er in Liverpool wieder eintreffen mußte. Am 30. September nahm er Abschied und als er sich von allen, die er liebte, trennte, wußte ja keiner, wie lange man ihn nicht wiedersehen würde. Er versprach jedoch, oft zu schreiben. Alle drückten ihn herzlich in die Arme. Der Großmutter standen die Augen voll Thränen, sie fürchtete ja bei ihrem hohen Alter, daß sie ihn vielleicht nicht mehr vor dem Spinnrade am Kamin und in der Mitte ihrer Kinder wiederfinden werde, wenn sie auch jetzt, ebenso wie die ganze Familie, gesund und wohlauf war. Für den Winter, dessen Vorboten sich bereits einstellten, war nach diesem sehr fruchtbaren Jahre auch nichts zu fürchten. Zu seinem älteren Bruder wendete sich Pat mit den Worten: »Sei doch nicht immer so sorgenvoll und nachsinnend, Murdock! Mit Muth und gutem Willen ist alles zu überwinden.... -- Gewiß, Pat, wenn man nur etwas Glück hat. Dem Glücke aber kann keiner befehlen. Sieh, Bruder, immerfort einen Boden zu bearbeiten, der nicht Dir eigen ist und es nie sein wird, und überdies sich gar so sehr vom Ausfall der Ernte abhängig zu wissen... daran werden Muth und guter Wille zuschanden!« Pat hätte nicht gewußt, was er dagegen anführen sollte, doch als er dem älteren Bruder zum letzten Male die Hand reichte, flüsterte er ihm noch zu: »Verliere nur das Vertrauen nicht!« Der junge Seemann wurde bis nach Tralee zu Wagen befördert, wobei sein Vater, seine Brüder und Findling ihm das Geleit gaben und letzterer sich recht traurig von jenem verabschiedete. Dann entführte ihn der Bahnzug nach Dublin, von wo aus er sich mit einem Dampfer nach Liverpool begeben wollte. In den folgenden Wochen gab es auf der Farm noch tüchtig zu thun. Zunächst mußte die eingeheimste Ernte ausgedroschen werden und dann hatte Martin die Märkte der Nachbarschaft zu besuchen, um seine Vorräthe, unter Zurückbehaltung des Samengetreides, zu verkaufen. Diese Verkäufe interessierten den Knaben ungemein und deshalb nahm ihn der Farmer auch dazu mit. Gierig nach Gewinn war Findling aber keineswegs, nur sein Instinct wies ihn immer und immer wieder auf den Handel hin. Im übrigen begnügte er sich mit dem Kieselstein, den ihm Martin nach Verabredung jeden Abend einhändigte, und er freute sich, seine Schätze wachsen zu sehen. Der irischen Rasse ist übrigens die Sucht nach Gewinn im allgemeinen angeboren. Die Bewohner des Grünen Erin verdienen einmal gerne Geld, wenn das in ehrlicher Weise möglich ist. Und wenn der Farmer etwa auf dem Markte in Tralee ein gutes Geschäft gemacht hatte, freute sich Findling ebenso herzlich darüber, als wenn das ihm selbst angegangen wäre. October, November und December verliefen recht gut. Die Arbeiten waren längst beendigt, als sich der Einholer des Pachtzinses am Abende vor Weihnachten in der Farm von Kerwan einstellte. Das Geld für ihn lag bereit; doch als dieses erst gegen eine regelrechte Quittung ausgetauscht war, blieb auf der Farm fast keines mehr übrig. Um es nicht mit anzusehen, wie dieses mit saurem Schweiße gewonnene Geld aus dem Hause ging, hatte sich Murdock sofort zurückgezogen, als der Einholer nur sichtbar wurde. Immer hatte er die Unsicherheit der Zukunft vor den Augen. Zum Glück war für den Winter gesorgt und die Vorräthe gestatteten auch, die Arbeiten im Frühlinge ohne weitere Auslagen wieder aufzunehmen. Mit dem neuen Jahr trat sehr strenge Kälte ein, die jeden ans Haus fesselte, wo es an Arbeit übrigens nicht fehlte. Mindestens war doch für die Pflege und die Ernährung der Thiere zu sorgen. Findling war vor allem der Hühnerhof anvertraut und auf ihn konnte man sich ja verlassen. Hühner und Küchlein wurden ebenso sorgsam gepflegt, wie über sie Buch geführt. Inzwischen vergaß der Knabe auch nicht, daß er ein Pathenkind hatte, und wie freute er sich allemal, Jenny in die Arme zu nehmen, sie lächeln zu machen, indem er die Kleine anlachte, und sie in der Wiege einzuschläfern, wenn ihre Mutter beschäftigt war. Ein Pathe ist fast so viel wie ein Vater, und er betrachtete das zarte Kind als seine Tochter. Für sie entwarf er hochfliegende Pläne. Sie sollte keinen andern Lehrer haben als ihn. Er wollte ihr erst reden, dann schreiben und endlich haushalten lehren. Findling hatte von dem gelegentlichen Unterrichte Martins und seiner Söhne, vor allem Murdocks, viel profitiert. Jetzt war er weiter vorgeschritten als bis zu dem Punkte, wohin Grip ihn gebracht hatte... der arme Grip, der seine Gedanken unausgesetzt beschäftigte.... Der Frühling setzte nach recht hartem Winter nicht allzuspät ein. In Begleitung seines Freundes Birk gab sich der junge Schäfer wieder der gewohnten Beschäftigung hin. Unter seiner Leitung zogen Schafe und Ziegen wieder auf die Weideplätze in einmeiligem Umkreis von der Farm. Immer schmerzte es ihn, sich an den andern Feldarbeiten, die freilich mehr Kräfte erforderten als er besaß, noch nicht betheiligen zu können. Zuweilen klagte er darüber gegen die Großmutter, und diese antwortete dann tröstend: »Geduld... das wird auch noch kommen.... -- Doch könnt' ich inzwischen nicht wenigstens ein Feld besäen? -- Würdest Du das so gern versuchen? -- O gewiß, Großmutter! Wenn ich Murdock oder Sim den Arm wiegend und regelmäßig fortschreitend die Samenkörner auf die Erde streuen sah, da trieb mich's immer, es ihnen nachzuthun. Es ist eine so schöne Arbeit und so interessant zu denken, daß aus diesen Körnern Halme, lange, lange Halme hervorgehen. Wie kann das nur zustandekommen?... -- Ich weiß es nicht, mein Kind; doch Gott weiß es ja, das muß uns genügen.« Infolge dieses Gespräches sah man Findling wenige Tage darauf ein wohlvorgerichtetes Feld recht geschickt mit Hafer besäen, was ihm manchen Lobspruch Martin Mac Carthy's einbrachte. Als dann die zarten Keime hervorsproßten, war er vom frühesten Morgen an zur Stelle, seine zukünftige Ernte gegen die diebischen Krähen zu vertheidigen, indem er diese mit Steinwürfen verjagte. Es sei auch nicht unerwähnt gelassen, daß er am Tage der Geburt Jennys mitten im Gutshofe eine kleine Tanne gepflanzt hatte, in der Hoffnung, beide, Bäumchen und Säugling, fröhlich aufwachsen zu sehen. Auch diese noch zarte Pflanze mußte er sorgsam gegen die Vögel schützen. Jedenfalls sollten Findling und die schädlichen Thiere nie gute Freunde werden. Im Sommer 1880 gab es auf den Fluren Westirlands überall recht harte Arbeit. Die Witterungsverhältnisse erwiesen sich für den Ertrag des Bodens höchst ungünstig. In den meisten Grafschaften blieb die Ernte hinter der des Vorjahrs weit zurück. Eine Hungersnoth war aber vollkommen ausgeschlossen, denn wenigstens versprachen die Kartoffelfelder einen reichen, wenn auch etwas verspäteten Ertrag, und damit mußten sich die Leute wohl zufrieden geben, denn Korn, Weizen, Gerste und Hafer erntete man kaum zur Deckung des Bedarfs im eignen Lande. Das schnellte zwar die Getreidepreise in die Höhe, die Pächter zogen davon aber keinen Vortheil, da sie nichts zu verkaufen hatten und kaum den Samen für das nächste Jahr übrig behielten. Selbst die, die früher einen Sparpfennig zurücklegen konnten, sahen diesen für die Staatsabgaben allein hinschwinden, und dann blieb wieder nichts übrig, um den schwerlastenden Pachtzins zu decken. Die nationale Bewegung erhielt hierdurch fast überall einen neuen Anstoß, wie das stets der Fall war und ist, wenn sich eine Wolke des Unglücks über das irische Land senkte. An vielen Orten erhob man schwere Klage und lebten die Hetzereien der agrarischen Liga wieder auf. Gegen die Besitzer des Bodens wurden maßlose Drohungen laut, ob diese nun Fremde waren oder nicht, denn bekanntlich werden in Irland die englischen und schottischen Landlords als Fremdlinge betrachtet. Im Juni dieses Jahres riefen die schon Hungernden in Westpoint: »Laßt Euch nicht von Euern Farmen vertreiben!« und die durch das Land gehende Parole lautete: »Den Grund und Boden für die Bauern!« In den Gebieten von Donegal, Sligo und Galway kam es zu wirklichen Unruhen. Auch Kerry blieb davon nicht frei. Voller Angst sahen die Großmutter, Martine und Kitty Murdock mit Einbruch der Nacht gar zu oft die Farm verlassen, wo er dann erst, abgespannt von den Strapazen des Wegs, am frühen Morgen wieder erschien. Düstrer und verbitterter als vorher kam er von den in den Hauptorten veranstalteten Meetings zurück, wo man den hellen Aufruhr predigte, eine Erhebung gegen die Landlords und den allgemeinen Boycott empfahl, der die Besitzer zwingen würde, ihr Land brach liegen zu lassen. Am meisten steigerte die Furcht der Familie wegen Murdocks der Umstand, daß der zu den strengsten Maßregeln entschlossene Lordlieutenant der Insel die Nationalisten durch seine Polizeiorgane aufs schärfste überwachen ließ. Stimmten Martin und Sim auch mit den Anschauungen Murdocks überein, so äußerten sie doch kein Wort, wenn dieser nach längerem Ausbleiben heimkehrte. Die Frauen dagegen flehten ihn an, vorsichtig zu sein und sich in Thaten und Worten in Acht zu nehmen. Sie versuchten ihm das Versprechen abzunöthigen, daß er sich einem Aufstand für =Home rule=, der doch nur Unheil bringen könne, nie anschließen werde. Das reizte Murdock, der seinem Ingrimm nun laut Luft machte. Er sprach und gesticulierte, als ob er sich in einer Volksversammlung befände. »Nichts als Elend, nach einem Leben voller Arbeit nichts als Elend!« wiederholte er. Und während Martine und Kitty davor zitterten, daß er gehört werden könnte, wenn draußen gerade ein Polizist umherschlich, senkten die danebensitzenden Martin und Sim nur schweigend den Kopf auf die Brust. Findling war tief ergriffen Zeuge dieser peinlichen Auftritte. Erschien es ihm dabei zuweilen doch, als sei er nach so vielen früheren Prüfungen auch in der Farm von Kerwan noch nicht ans Ende seiner Leiden gekommen und als sollte ihm die Zukunft noch schlimmere bringen. Er zählte jetzt achteinhalb Jahre. Für sein Alter recht kräftig und den gewöhnlichen Kinderkrankheiten glücklich entgangen, hatten weder Trübsal und Leiden, noch schlechte Behandlung und mangelnde Pflege seinen Organismus zu erschüttern vermocht. Findling war »bis zum Maximum der Widerstandsfähigkeit geprüft worden« und zeigte eine erstaunliche physische und moralische Festigkeit. Das erkannte man an den gut entwickelten Schultern, der schon recht breiten Brust und seinen zwar schlanken, doch nervigen und muskulösen Gliedern. Sein Haar färbte sich dunkler und er trug es schlicht, statt der Locken, die ihm Miß Anna Walston hatte brennen lassen. Seine tiefblauen, glänzenden Augen verriethen eine außerordentliche Lebhaftigkeit, der leichtgeschlossene Mund und das etwas kräftige Kinn die Energie und Entschiedenheit seines Charakters. Alles das hatte die Aufmerksamkeit der Farmerfamilie wachgerufen. Diese ernsten und nachdenklichen Landleute Irlands sind meist recht gute Beobachter. Auch den Bewohnern der Farm von Kerwan hatte es nicht entgehen können, wie dieser Knabe sich durch seinen Sinn für Ordnung und durch regen Fleiß auszeichnete und daß er sich bestimmt emporarbeiten würde, wenn er nur Gelegenheit fand, seine natürlichen Anlagen zu bethätigen. Die Zeit der Heu- und Getreideernte war durch die Witterung weit weniger begünstigt, als im vorigen Jahre. Der Minderertrag an Körnerfrüchten erwies sich so bedeutend, wie man gefürchtet hatte, so daß heuer keine fremden Arbeitskräfte hinzugezogen zu werden brauchten. Dagegen war die Kartoffelernte gut und damit die Ernährung während der schlechten Jahreszeit gesichert. Woher freilich das Geld kommen sollte, um Pacht und Abgaben zu bezahlen, das wußte niemand. Der Winter trat frühzeitig ein, schon im September gab es den ersten Frost, dem bald ergiebiger Schneefall folgte. Die Thiere mußten eher als sonst in den Ställen untergebracht werden, denn die weiße Decke war so tief und fest, daß weder Schafe noch Ziegen ein Hälmchen darunter hätten erlangen können. Das ließ einen Futtermangel für den Winter befürchten. Die Klugen, oder mindestens die, denen es an Mitteln nicht ganz fehlte -- und zu diesen gehörte Martin Mac Carthy -- ergänzten ihre Vorräthe durch Zukauf. Bei der Seltenheit der Waare mußten sie freilich höhere Preise anlegen und es wäre vielleicht besser gewesen, den Bestand an Vieh zu vermindern, das bei einer langen Ueberwinterung nur schwierig zu erhalten war. Der Frost, der den Boden bis auf einige Fuß Tiefe zum gefrieren bringt, ist ja überall sehr beschwerlich, vorzüglich aber bei leichter, kieselreicher Decke, wie in Irland, die auch die wenige Düngung, die man darauf bringt, sehr mangelhaft zurückhält. Dauert ein strenger Winter dann aber gar noch lange an, so dringt der Frost ungemein tief in die Erde und die Pflugschar ist nicht im Stande, den steinharten Humus zu lockern. Kann dann die Saat nicht zeitig genug bestellt werden, so droht das schlimmste Ungemach! Leider vermag der Mensch die klimatischen Verhältnisse nicht zu beeinflussen. Er kann nur mit gekreuzten Armen zusehen, wie seine Vorräthe sich immer weiter erschöpfen. Gegen Ende des Novembers verschlimmerte sich die Sache noch. Auf Schneestürme folgte sehr strenge Kälte. Häufig sank die Temperatur auf neunzehn Centigrade unter Null herab. Die von erhärtetem Schneepanzer bedeckte Farm glich mehr den im Polargebiete verstreuten grönländischen Hütten. Die dicke Schneelage hielt wenigstens die Kaminwärme im Innern etwas zurück; wenn man sich aber hinausbegab in die zum Glück jetzt stille Atmosphäre, deren Molecüle zu Eiskörnchen geworden zu sein schienen, da mußte man einigermaßen vorsichtig sein. Zu dieser Zeit mußten Martin Mac Carthy und Murdock, um den in wenigen Wochen fälligen Pachtzins zu beschaffen, nun doch einen Theil ihres Viehbestandes, darunter eine Anzahl Schafe, veräußern. Sie durften auch gar nicht zögern, um das Geld noch von den Händlern in Tralee zu erhalten. Es war jetzt der 15. December. Da der Wagen nur sehr beschwerlich hätte fortkommen können, beschlossen der Pächter und sein Sohn den Weg nach der Stadt zu Fuß zurückzulegen. Vierundzwanzig englische Meilen (à 1609 Meter) bei zwanzig Grad Kälte zu überwinden, das war natürlich keine so leichte Aufgabe. Voraussichtlich würden sie zwei oder drei Tage abwesend sein. Nicht ohne Unruhe sah man sie mit dem Frührothe die Farm verlassen. Obwohl die Luft noch trocken war, drohten doch schwere, im Westen lagernde Dünste mit einem baldigen Witterungsumschlag. Martin und Murdock waren am 15. aufgebrochen, vor dem 17. konnte man sie nicht zurückerwarten. Bis zum Abend änderte sich das Wetter nicht merkbar, höchstens sank das Thermometer noch um weitere zwei Grad. Des Nachmittags erhob sich etwas Wind, und das gab einen neuen Grund zu Befürchtungen, denn im Thale des Cashen wüthen die Stürme gar heftig, wenn sie sich vom Meere aus darin fangen. In der Nacht vom 16. zum 17. brach wirklich ein schwerer Sturm mit heftigem Schneegestöber aus. Zehn Schritte von der Farm hätte man diese in ihrem weißen Mantel gar nicht mehr erkannt. Furchtbar krachten die Eisschollen, die sich auf dem Flusse stießen. Jedenfalls waren Martin und Murdock zu dieser Stunde aus Tralee schon wieder aufgebrochen, sicherlich aber waren sie auch am 18. von da noch nicht heimgekehrt. In der Nacht heulte und tobte es draußen ohne Unterlaß, zur großen Beunruhigung aller Zurückgebliebenen. Sie konnten ja fürchten, daß die Wanderer sich im tollen Schneetreiben verirrt hätten. Vielleicht waren sie gar nur wenige Meilen von der Farm erschöpft zusammengebrochen und liefen Gefahr, vor Hunger und Kälte umzukommen.... Am nächsten Tage klärte sich der Himmel ein wenig auf und der Sturm flaute ab. Infolge einer Drehung des Windes nach Norden verhärtete sich der Schnee fast augenblicklich. Sim erklärte sich bereit, dem Vater und dem Bruder in Begleitung Birks entgegenzugehen, und die übrigen stimmten ihm zu unter der Bedingung, daß auch Martine und Kitty sich ihm anschließen dürften. Zu seinem Leidwesen mußte also Findling bei der Großmutter und dem Baby zu Hause bleiben. Die andern sollten den Erwarteten auch nur bis auf zwei, höchstens drei Meilen entgegengehen, dann aber nach Hause zurückkehren, selbst wenn es Sim für angezeigt hielt, noch eine Strecke weiter vorzudringen. Eine Viertelstunde später waren die Großmutter und Findling schon allein. Jenny schlief in einem Zimmer neben der großen Stube, dem Murdocks und Kittys. Ein Korb, der nach irischer Art an zwei an der Decke befestigten Stricken hing, diente dem Kind als Wiege. Der Lehnstuhl der Großmutter stand vor dem Kamine, in dem Findling mit Torf und Holz ein tüchtiges Feuer unterhielt. Von Zeit zu Zeit sah er nach, ob sein »Töchterchen« nicht erwacht wäre, da ihn jede Bewegung der Kleinen beunruhigte, immer bereit, ihr etwas Milch zu reichen oder sie auch wieder in Schlaf zu wiegen. Voller Unruhe lauschte die Großmutter auf jedes Geräusch von draußen, auf das Knistern des Schnees, der sich verhärtend auf dem Strohdach zusammenzog, und auf die seufzerähnlichen Laute aus den Brettern, die da und dort durch die Kälte sprangen. »Du hörst nichts, Findling? fragte sie. -- Nein, Großmutter!« Und nachdem er die Scheiben stellenweise von den glitzernden Eisblumen befreit hatte, suchte der Knabe einen Blick nach dem weiß überdeckten Hofe zu werfen. Gegen halb ein Uhr stieß das kleine Mädchen einen leichten Schrei aus. Findling eilte zu ihr hin. Da sie aber die Augen nicht geöffnet hatte, begnügte er sich damit, sie aufs neue einzuwiegen. Schon wollte er die bejahrte Frau, die er nicht gern allein ließ, wieder aufsuchen, als draußen ein merkwürdiges Geräusch entstand. Es klang wie ein Scharren und Kratzen, das von dem an das Zimmer Murdocks grenzenden Stalle herzukommen schien. Da die Zwischenwand aber aus Mauerwerk bestand, schenkte er diesem Geräusch keine weitere Aufmerksamkeit. Jedenfalls rührte es von einigen Ratten her, die draußen unter den Strohschütten umherliefen. Da auch das Fenster des Raumes geschlossen war, schien ja nichts zu fürchten sein. Findling ließ die Thür zwischen beiden Räumen offen stehen und ging zur Großmutter zurück. »Nun, wie steht's mit Jenny? fragte diese. -- Sie ist wieder eingeschlummert. -- So bleib' also bei mir, mein Kind. -- Ja, Großmutter!« Vor dem wärmenden Kamin sitzend, sprachen nun beide von Martin und Murdock und von den andern, die diesen entgegengegangen waren. Wenn diese nur nicht Unglück gehabt hatten, was ja bei so heftigem Schneegestöber nicht gar so selten vorkommt. Doch... die kräftigen, entschlossenen Männer würden sich schon zu helfen wissen, und wenn sie heimkamen, erwartete sie ein prasselndes Feuer und ein dampfender Grok, die Glieder wieder zu erwärmen. Schon seit zwei Stunden waren Martine und die andern fortgegangen, doch bis jetzt deutete nichts auf ihre baldige Zurückkunft. »Meinen Sie nicht, Großmutter, begann da Findling, daß ich einmal hinaus und bis zur Landstraße hin gehen sollte, um zu sehen, ob sie kommen? -- Nein, nein, das Haus darf nicht allein bleiben, und das ist es, wenn nur ich noch darin bin.« Beide setzten also ihr Gespräch fort, bald aber nickte -- was zuweilen vorkam -- die bejahrte Frau vor zunehmender Abspannung ein. Nach seiner Gewohnheit schob ihr Findling sanft ein Kissen unter den Kopf und schlich lautlos zum Fenster, um durch eine etwas vom Eis befreite Scheibe hinauszublicken. Alles draußen war blendend weiß, alles still wie auf einem Friedhofe. Da die Großmutter schlummerte und Jenny im Nebenzimmer gut gebettet lag, glaubte der Knabe jetzt einmal bis zur Landstraße laufen zu können, um nach den Ausbleibenden zu sehen. So schlüpfte er denn geräuschlos hinaus und schloß die Thür hinter sich vorsichtig wieder. Bald bis über die Knie in den Schnee versinkend, erreichte er das Thor der Farm. Auf der gleichmäßig weißen Landstraße war niemand mehr zu erblicken und kein Laut von Westen her zu vernehmen. Wären Martine, Kitty und Sim in der Nähe gewesen, so hätte sich gelegentlich gewiß ein Gebell Birks hören lassen. Findling ging bis zur Mitte der Landstraße hin. Da erweckte ein erneutes Scharren seine Aufmerksamkeit, das aber nicht von der Straße, sondern vom Pachthofe her tönte und von einem halberstickten Geheul begleitet schien. Findling lauschte, ohne sich zu rühren, doch mit stark klopfendem Herzen. Entschlossen wendete er sich dann nach den Ställen zu und schlich aus Vorsicht möglichst geräuschlos um deren Ecke. Noch immer hörte er das Scharren von innen, hinter dem Winkel, in dem Murdocks und Kittys Zimmer mit dem einen Stalle zusammenstieß. In der Vorahnung eines Unglücks drückte sich Findling längs der Mauer hin. Kaum gelangte er um die Ecke, als ihm ein Aufschrei entfuhr. Hier bemerkte er in der Wand, deren Mörtel durch die Länge der Zeit mürbe geworden sein mochte, ein ziemlich großes Loch, das nach dem Zimmer führte, worin Jenny schlief. Wer konnte hier durchgebrochen haben?... Ein Mensch?... Ein Thier?... Ohne Zögern stürmte Findling auf die Mauerlücke zu und versuchte hier einzudringen. In demselben Augenblicke aber entwich ein großes Thier daraus und warf entfliehend den Knaben zur Erde. Es war das ein Wolf... einer der starken Wölfe mit spitziger Schnauze, die in langen Wintern haufenweise in Irland umherschweifen. Nachdem dieser die Wand durchbrochen hatte und in das Zimmer gelangt war, hatte er Jennys Wiege gepackt, deren Aufhängestricke dabei rissen, und entfloh jetzt, indem er diese auf dem Schnee mit fortschleppte. Das kleine Mädchen weinte jämmerlich. Sein Messer fassend, stürmte Findling, während er laut um Hilfe rief, dem gefährlichen Räuber nach. Daran, daß der Wolf sich auf ihn stürzen, daß er dabei das Leben aufs Spiel setzen konnte, dachte er mit keiner Silbe. Er sah nur das Kind, wie es von dem mächtigen Thiere entführt wurde. Der Wolf entfloh mit großen Sprüngen, da ihn die leichte Wiege mit dem Kinde das Fortkommen nicht besonders erschwerte. Findling mußte wohl hundert Schritte weit laufen, ehe er ihn einholte. Der Wolf hielt an, ließ die Wiege los und wendete sich gegen seinen Verfolger. Dieser erwartete ihn festen Fußes und ausgestreckten Armes, und als das Thier ihm an den Hals springen wollte, bohrte er ihm das Messer tief in die Seite. Trotzdem biß ihn der Wolf noch so heftig in den Arm, daß er halb bewußtlos vor Schmerz im Schnee zusammenbrach. Zum Glück ließ sich, ehe ihm die Sinne völlig schwanden, ein lautes Bellen vernehmen. Das kam von Birk, der sich jetzt auf den Wolf stürzte und diesen zur Flucht nöthigte. Gleich darauf erschienen Martin Mac Carthy und Murdock, die in der Entfernung von über zwei Meilen mit Sim, Martine und Kitty zusammengetroffen waren. Die kleine Jenny war gerettet und ihre Mutter trug sie in den Armen zurück nach dem Hause. Findling, dessen Wunde Murdock vorläufig etwas geschlossen hatte, wurde nach der Farm zurückgeführt und im Zimmer der Großmutter in sein Bett gebracht. Sobald er wieder ganz bei Sinnen war, fragte er ängstlich: »Was ist mit Jenny geworden? -- Sie ist hier, antwortete Kitty, hier... und lebend... das danken wir Dir, Du braves Kind! -- Ach, ich möchte sie so gern umarmen....« Und als er die Kleine unter seinem Kusse hatte lächeln sehen, da fielen ihm vor Mattigkeit die Augen zu. XV. Ein schlechtes Jahr. Die Verletzung Findlings erwies sich nicht als gefährlich, ohwohl er dadurch viel Blut verloren hatte. Wären die drei andern aber nur eine Minute später gekommen, so hätten sie nur eine Leiche gefunden und würde Kitty ihr Kind nie wiedergesehen haben. Natürlich wurde Findling in den wenigen Tagen bis zu seiner Wiederherstellung aufs sorgfältigste gepflegt. Mehr als je empfand es da der arme Knabe, daß er, eine Waise von unbekannter Herkunft, jetzt eine Familie hatte. Wie dankbar nahm er alle Liebe und Güte hin, zumal wenn er an die vielen glücklichen Tage dachte, die er in der Farm schon verlebt hatte. Um deren Zahl zu wissen, brauchte er ja nur die Kieselsteine zu zählen, wovon ihm Martin jeden Abend einen gegeben hatte, doch mit ganz besondrer Freude sah er den Stein in seiner Kruke verschwinden, den er am Abend nach dem Vorkommnisse mit dem Wolf empfing. Mit dem Neujahr setzte der Winter nochmals in alter Strenge ein und es machten sich jetzt gewisse Vorsichtsmaßregeln nöthig. Aus der Umgebung der Farm wurde das Erscheinen starker Banden von Wölfen gemeldet, deren Zähnen die morschen Wände des Hauses kaum widerstanden hätten. Martin und seine Söhne mußten wiederholt auf die hungernden Bestien Feuer geben. So war es in der ganzen Grafschaft, wo das Land in den langen Nächten von erschreckendem Geheul widerhallte. Dieses Jahr brachte einen jener schlimmen Winter, die über das nördliche Europa die eisigschneidenden Winde des Polarbeckens zu entfesseln scheinen. Immer blieb eine nördliche Luftströmung vorherrschend und diese führt ja bekanntlich die schlimmste Kälte mit sich. Leider drohten diese Verhältnisse sich lange auszudehnen, wie die algide Periode bei von Fieber verzehrten Kranken. Und wenn die Kranke die Erde ist, die sich verzieht, wie die Lippen eines Sterbenden, die unter dem Einfluß der Kälte zu Stein verhärtet, dann möchte man glauben, daß ihre Fruchtbarkeit für immer erlöschen müsse, wie es für jene todten Weltkörper gilt, die schon so zahlreich durch den Himmelsraum irren. Die Befürchtungen des Farmers und seiner Familie waren bei der ungewöhnlichen Härte des Winters also gewiß gerechtfertigt. Durch den Verkauf eines Theils seiner Schafe hatte Martin indeß das Geld für Abgaben und Pachtzins herbeischaffen können, und als sich der Middleman zu Weihnachten einstellte, erhielt er unverkürzt, was ihm zukam. Das verwunderte den Mann ein wenig, denn in den meisten Farmen blieb er unbefriedigt und hatte den gerichtlichen Weg zur Austreibung der Pächter einschlagen müssen. Martin Mac Carthy wußte freilich auch nicht, wie er im nächsten Jahre seinen Verpflichtungen werde nachkommen können, wenn es ihm an dem nöthigen Saatgetreide fehlte. Hierzu kam auch noch weiteres Unglück. Infolge der bis auf dreißig Grad unter Null herabsinkenden Kälte gingen in den Ställen vier Pferde und fünf Kühe ein, da es unmöglich gewesen war, die in verfallenem Zustande befindlichen Gebäude, welche dem Anpralle des Sturmes nicht mehr gewachsen waren, genügend dicht geschlossen zu halten. Auch der Hühnerhof erlitt trotz aller Bemühungen, die man auf ihn verwandte, empfindliche Verluste. Jeden Tag wuchs die Deficitseite in Findlings Notizbuche. Am bedrohlichsten aber erschien es, daß auch das Wohnhaus der Zerstörung durch die Witterung anheimfallen könnte. Martin, Murdock und Sim blieben deshalb auch unausgesetzt thätig, dasselbe auszubessern und widerstandsfähiger zu machen. Manchmal kamen ganze Tage, an denen kein Mensch einen Fuß ins Freie setzen konnte. Die Wege, auf denen mannshoher Schnee lag, waren völlig ungangbar. Die am Geburtstage Jennys mitten im Hofe gepflanzte Tanne streckte nur noch den vom Rauchfrost weißen Kopf hervor. Um zu den Ställen zu gelangen, mußte ein Gang ausgeschaufelt und dieser täglich zweimal gereinigt werden. Ebenso gelang die Beförderung des Futters von einem Hofgebäude zum andern nur mit größter Mühe. Ganz unfaßbar schien es, daß die Kälte trotz des fort und fort herabfallenden Schnees nicht nachließ. Freilich rieselte der Schnee nicht in leichten sternförmigen Flocken nieder, sondern stürmte wie ein Platzregen aus kleinen Eiskrystallen einher, die sich in den tollen Luftwirbeln jagten. Hierdurch werden alle Bäume und Sträucher mit perennierenden Blättern der letzteren vollständig beraubt. Zwischen den Ufern des Cashen bildete sich allmählich ein Eisschutz von enormem Umfang. Fast glich dieser einem wirklichen Eisberge und legte die Befürchtung weiterer Unfälle bei eintretendem schnellen Thauwetter nahe. Wälzte dann der Fluß seine Wassermassen bis an die Farm heran, so hätten Martin und seine Söhne gewiß nicht mehr gewußt, wie sie die Baulichkeiten derselben schützen sollten. Für jetzt lagen ihnen jedoch andre Sorgen, die für die Pflege und Ernährung des Viehbestandes, näher. Von der Geißel des Orkans wurden die Strohdächer der Stallungen zerrissen, und diese mußten zunächst ausgebessert werden. Was von den Schafen, den Kühen und Pferden noch übrig war, blieb mehrere Tage der außerordentlichen Kälte ausgesetzt, und mehrere von den Thieren kamen noch vor Frost um. So mußten denn die Dächer trotz des schneidenden Sturmwindes wohl oder übel wiederhergestellt werden, und es machte sich dazu nöthig, den vordern Theil der nach der Straße zu gelegenen Stallungen ganz abzudecken, um mit dem gewonnenen Langstroh andre Lücken zu verschließen. Das Wohnhaus der Familie Mac Carthy blieb auch nicht verschont. Eines Nachts stürzte die Mansarde ein, und Sim, der sie bewohnte, mußte nach dem großen Zimmer im Erdgeschoß übersiedeln. Da nun aber auch von diesem die Decke bedroht war, weil sich der Schnee immer mehr darüber anhäufte, mußte diese mit rohen Pfählen gestützt werden. Auch weiterhin verlor der Winter nichts an seiner Strenge. Der Februar blieb noch ebenso kalt, wie der Januar und die Mitteltemperatur hielt sich auf zwanzig Grad unter Null. Die Insassen der Farm glichen mehr Schiffbrüchigen im Polarmeere, die das Ende des Winters nicht abzusehen vermögen. Leider drohte hier das endliche Thauwetter mit neuen Katastrophen, wenn der Cashen weit aus seinen Ufern trat. Zum Glück war auf der Farm kein Nahrungsmangel zu fürchten; an Fleisch und Zuspeisen fehlte es nicht; dazu lieferten die nur durch den Frost umgekommenen und jetzt leicht zu conservierenden Thiere einen reichlichen weiteren Vorrath. Wurde der Hühnerstall decimiert, so ertrugen die Schweine die niedrige Temperatur ganz gut, und schon durch sie allein wäre die Ernährung der Pächterfamilie auf sehr lange Zeit gesichert gewesen. Was das Heizmaterial anging, brauchten sie nur die vom Sturme abgebrochenen Zweige aus dem Schnee aufzulesen, um an Torf zu sparen, der allmählich zur Neige ging. Kräftig und gesund, von langer Zeit her abgehärtet, erwiesen sich jedoch der Vater und dessen Söhne dem rauhen Klima völlig gewachsen und auch der Findling zeigte eine erstaunliche Widerstandsfähigkeit. Bisher hatten sich auch die Frauen, Martine und Kitty, ohne sich der allgemeinen Arbeit zu entziehen, recht wohl befunden. Die kleine Jenny, immer im dicht verschlossenen Zimmer gehalten, wuchs wie eine Pflanze im Warmhause auf. Dagegen schien die Großmutter, trotz aller ihr gewidmeten Pflege, ernstlicher angegriffen zu sein. Ihre körperlichen Leiden wurden von der heimlichen Angst, die Zukunft der Ihrigen bedroht zu sehen, natürlich noch verschlimmert. Das war mehr als sie aushalten konnte und bereitete der ganzen Familie recht schmerzliche Unruhe. Im April wurde die Temperatur wieder normaler und stieg endlich über den Gefrierpunkt. Der Erdboden brauchte aber noch die ganze Wärme des Mai, um seiner Eiskruste ledig zu werden, und zur Einsaat war es also schon spät, sehr spät. Die Futterkräuter konnten vielleicht noch gedeihen, die Getreidearten aber schwerlich reif werden. So dachte man schon daran, das Saatkorn nicht unnütz zu verwenden und sich lieber des Anbaues von Gemüse und Knollenfrüchten zu befleißigen, deren Ernte im October zu erwarten war, -- vorzüglich der Kartoffeln, durch die das Land wenigstens vor den Schrecken einer Hungersnoth bewahrt blieb. Nach der Schneeschmelze zeigte sich der Erdboden leider fünf bis sechs Fuß tief fest gefroren. Das war keine zerreibliche Erde mehr, sondern ein Humus von Granit, in dem keine Pflugschar eine Furche aufreißen konnte. Der Anfang der Feldarbeiten mußte bis zu den letzten Tagen des Mai hinausgeschoben werden. Die Erde schien alle Wärme verloren zu haben, so langsam thaute die Schneedecke hinweg, und in den mehr bergigen Theilen der Grafschaft dauerte das gar bis in den Juni hinein. Der Beschluß, sich auf den Anbau von Kartoffeln zu beschränken und auf Getreide ganz zu verzichten, wurde ganz allgemein gefaßt. Was auf der Farm von Kerwan geschah, wiederholte sich in allen andern Farmen des Gebietes von Rockingham. Dieselbe Maßnahme beschränkte sich nicht allein auf die Grafschaft Kerry, sondern erstreckte sich auch über die Westirlands in Munster, wie in Connaught und Ulster. Nur die Provinz Leinster war eher frei von Schnee und hier konnte die Feldbestellung noch mit einiger Aussicht auf Erfolg vorgenommen werden. Die Folge war also, daß die schwergeprüften Pächter sich tüchtig anstrengen mußten, um die Felder für den Anbau von andern Früchten und Gemüsen in Stand zu setzen. In der Farm von Kerwan unterzogen sich Martin und seine Söhne dieser Arbeit, die für sie um so beschwerlicher war, weil es ihnen an Zugthieren fehlte. Nur ein einziges Gespann, von einem Pferde und dem Esel gebildet, stand ihnen zur Verfügung. Mit unausgesetztem Fleiße gelang es ihnen jedoch bei je zwölfstündiger Arbeit nach und nach einige dreißig Acres zu bepflanzen, freilich mit der Befürchtung, daß ein vorzeitiger Winter sie auch um die Frucht dieser Mühen bringen könnte. Da ereignete sich noch ein allen Gegenden Irlands gemeinsames Unglück. Gegen Ende des Juni brannte die Sonne so heiß, daß der noch auf den Bergen lagernde Schnee sehr schnell niederschmolz. Am schlimmsten hatte, ihrer vielverzweigten Wasserläufe wegen, hiervon die Provinz Munster zu leiden. In der Grafschaft Kerry steigerte sich das bis zur wirklichen Katastrophe. Die vielen Flüsse schwollen mächtig an und verursachten ausgedehnte Ueberschwemmungen. Viele Häuser fielen der Fluth zum Opfer. Ueberrascht von der plötzlich eintretenden Wassersnoth warteten die Bewohner derselben vergeblich auf Hilfe. Fast alles Vieh kam um, und gleichzeitig wurde die so mühsam vorbereitete Ernte vollständig vernichtet. In der Grafschaft Kerry verschwand ein Theil der Domäne Rockingham unter den Fluthen des Cashen. Vierzehn Tage lang blieb die Umgebung der Farm auf einen Umkreis von zwei bis drei Meilen in einen See verwandelt -- in einen See mit wilden Strömungen, die entwurzelte Bäume, Trümmer von Hütten, abgehobene Dächer und auch die Cadaver der Thiere, deren die Bauern sehr viele verloren, in brodelndem Strudel mit sich fortrissen. Die Ueberschwemmung erstreckte sich bis zu den Scheuern und Stallungen der Farm, die davon fast gänzlich zerstört wurden. Trotz unmenschlicher Anstrengung gelang es, außer bezüglich einiger Schweine, nicht, die noch vorhandenen Thiere zu retten. Wurde das Wohnhaus auch von der Fluth nicht weggetragen, so reichte diese doch bis zum Niveau des Erdgeschosses heran, und auch dieses war in der schlimmsten Nacht recht schwer bedroht. Den Todesstoß aber erhielt das Land weithin durch die Vernichtung der erhofften Kartoffelernte, denn die Fluthen hatten auch die Setzkartoffeln herausgespült. Noch niemals hatte die Familie Mac Carthy auf ihrem Pachtgute eine solche Kette von Mißgeschick erlitten, niemals hatte sich dem irischen Farmer der Ausblick in die Zukunft so schwer verdüstert. Jetzt war seine Lage thatsächlich unhaltbar und die Existenz der unglücklichen Leute ernstlichst bedroht. Martin wußte wahrlich nicht, was er antworten sollte, wenn ihm die Staatsabgaben und die Pachtzinsen abgefordert würden. Die Lasten eines solchen Pächters sind in der That gar so schwer. Wenn der Steuereinnehmer und der Pachtcassierer sich einstellen, wandert stets der allergrößte Theil seines Baarvermögens in deren Tasche. Haben die Latifundienbesitzer auch dreihunderttausend Pfund Sterling an Grundrente und sechshunderttausend Pfund Armenabgabe zu leisten, so sind die Bauern doch noch mehr bedrückt durch persönliche Lasten, d. h. durch die Abgaben für Straßen und Brücken, für Polizei und Justiz, für die Gefängnisse und öffentlichen Arbeiten... was zusammen die ungeheure Summe von einer Million Pfund Sterling (20 Millionen Mark) ausmacht, und zwar allein für das arme Irland. Ist die Ernte gut ausgefallen, hat das Jahr einige Ersparnisse ermöglicht, kurz, sind die Verhältnisse günstig gewesen, so wird es dem Pächter schon schwer genug, den Anforderungen des Staates und der Gemeinde zu entsprechen, während er ja überdies noch den Pachtschilling aufzubringen hat. Was beginnt er aber, wenn sein Land nur dürftigen Ertrag lieferte, wenn Winterfrost und Ueberschwemmungen die Felder verwüsteten und dann die Gespenster des Hungers und der drohenden Vertreibung aus seinem Gütchen am Horizonte aufsteigen? Alles das hindert ja den Einnehmer nicht, zur gewöhnlichen Zeit vorzusprechen, und nach seinem Besuche... sind die letzten Sparpfennige verschwunden. So stand es jetzt Martin Mac Carthy bevor. Frohe festliche Stunden, wie sie Findling in der ersten Zeit seines Aufenthaltes hier kennen gelernt hatte, gab es jetzt nicht mehr. Aus Mangel an Arbeit rasteten alle, und so saß die ganze Familie in den langen Sommertagen verzweifelt bei der Großmutter, die zusehends schwächer und schwächer wurde. Die traurigen Unglücksfälle hatten die meisten Bezirke der Grafschaft gleichmäßig betroffen. Von Eintritt des Winters 1881 an hörte man schon überall von einem allgemeinen Boycott sprechen, einer Einstellung aller nothwendigen Feldarbeiten, um eine Weiterverpachtung und jeden sofortigen Anbau des Ackerlandes zu hintertreiben -- eine Maßregel, die den Pächter ebenso wie den Grundeigenthümer ruiniert. Durch solche unüberlegte Mittel wird sich Irland niemals den Fesseln der Feudalherrschaft entziehen, nie eine allmähliche Ueberlassung des Bodens in das wirkliche Eigenthum der Kleinpächter erwirken und wird es nie die verderblichen Gepflogenheiten des Landlordismus beseitigen können. Die Erregung verdoppelte sich indeß in den von so vielem Unglück betroffenen Kirchspielen. Vor allen zeichnete sich Kerry aus durch den Widerhall aus seinen Meetings und durch die Kühnheit der Verfechter der Autonomie, die es unter Entfaltung der Fahne der Landliga durchzogen. Im Vorjahre schon war Parnell in drei Wahlbezirken gewählt worden. Zum Schrecken seiner Gattin und seiner Mutter stürzte sich Murdock ohne alle Rücksicht in den Strudel dieser Bewegung. Frost und Hunger trotzend, eilte er von Ort zu Ort, um Einigkeit in der Pachtzinsverweigerung zu erzielen und eine Weiterverpachtung der Felder nach etwaiger Vertreibung der jetzigen Pächter unmöglich zu machen. Martin und Sim hätten vergeblich versucht, ihn zurückzuhalten. Im Grunde stimmten sie ihm ja völlig bei, da sie sahen, daß alle ihre Mühe und Arbeit nun doch zu... nichts anderem geführt hatte, als daß man sie in der nächsten Zeit aus der so lange von ihrer Familie bewirthschafteten Farm von Kerwan verjagen würde. Die Regierung aber hatte, in Voraussicht von Unruhen nach einem so verderblichen Jahre, bereits ihre Maßregeln getroffen. Schon schwärmten Abtheilungen der »=mounted constabulary=« (berittene Polizei) durch das Land, mit der Anweisung, die Gerichtsdiener und Häscher mit bewaffneter Hand zu unterstützen. Ebenso hatten sie, wenn nöthig, die Volksversammlungen mit Gewalt zu sprengen und die übrigens schon bekannten fanatischen Agitatoren zu verhaften. Wenn Murdock zu diesen augenblicklich vielleicht noch nicht gehörte, so mußte das gewiß sehr bald der Fall sein. Uebrigens vermögen die Irländer ja gegen ein System, das sich auf dreißigtausend alle Zeit fertige Gewehre stützt, doch nichts auszurichten. Nun vergegenwärtige man sich die quälende Angst der Familie Mac Carthy! Sobald von der Straße Schritte ertönten, wurden Martine und Kitty todtenbleich. Die Großmutter richtete langsam den Kopf auf und ließ ihn kraftlos wieder niedersinken. Immer fürchteten die Frauen, es könnten Polizisten eindringen, um Murdock und vielleicht auch dessen Vater und Bruder in Haft zu nehmen. 1 , 2 , 3 4 . 5 6 ' 7 , 8 9 ' . 10 11 ' , , 12 13 , 14 ' . 15 16 17 . . 18 , 19 ' 20 . 21 22 23 . 24 25 . 26 , 27 , , 28 . 29 30 ; 31 32 33 . 34 35 ' , 36 ? 37 , 38 . 39 40 41 42 . . . 43 . 44 45 46 47 , 48 ' . 49 50 - - , 51 52 - - , 53 . 54 55 56 , 57 58 . 59 60 61 , 62 , 63 . 64 65 66 » ! . 67 68 - - , ! . 69 70 - - , . 71 72 - - ' ! . , 73 . « 74 75 76 . 77 78 79 ' . 80 - - 81 . 82 83 , 84 ? 85 86 . 87 88 ; 89 ' , 90 , 91 . 92 93 94 » ? , , , 95 , . 96 97 - - ! . 98 99 - - ! « . 100 101 102 . 103 104 . . . ? 105 106 , 107 ' . 108 109 110 ' ; 111 112 . 113 114 , 115 ? 116 117 ' ? 118 119 ! . . . 120 , 121 122 . 123 124 125 » ! . 126 127 - - ! « . 128 129 130 . 131 132 ! 133 134 ' 135 . 136 137 ' 138 139 . . . 140 . 141 142 , 143 , 144 145 . 146 147 148 . 149 150 , 151 152 ' 153 . 154 155 156 , ! . . . 157 158 ' . 159 160 , ' . 161 , 162 , 163 ! 164 165 166 » ! . 167 168 - - ! « . 169 170 171 . 172 173 , , 174 , 175 , 176 . 177 178 , 179 , 180 181 . . . . 182 183 , 184 . 185 , 186 , ! 187 188 189 , 190 . 191 , - - 192 - - , 193 . , 194 . . . . 195 196 197 198 199 . 200 201 . 202 203 204 , 205 . , 206 . 207 , . 208 , 209 . , 210 . . . 211 . 212 , 213 , , 214 , , , » « 215 , . 216 , 217 , , 218 . 219 . 220 . 221 222 » , ? . 223 224 - - ; , 225 , , 226 . 227 228 - - , ? . . . 229 230 - - . . . . 231 , . 232 233 - - , ? 234 235 - - , . « 236 237 . 238 , 239 . 240 241 . , 242 , , , 243 . , . 244 . , 245 , 246 247 , , , 248 . , , 249 . 250 : 251 252 » , ! 253 . . . . 254 255 - - , , . 256 . , , , 257 , 258 . . . 259 ! « 260 261 , , 262 , 263 : 264 265 » ! « 266 267 , 268 , 269 . 270 , 271 . 272 273 . 274 275 , 276 , , . 277 278 279 . 280 , 281 . , 282 , , 283 . 284 . 285 , . 286 287 , , 288 . 289 290 , . 291 , 292 . 293 ; 294 , . 295 , 296 , , 297 . 298 . 299 , 300 . 301 302 , 303 , . 304 . 305 . 306 , 307 . , 308 , , , 309 , , 310 , . 311 , . 312 . 313 . , 314 . 315 316 317 , , . 318 , . . . 319 , . . . . 320 321 . 322 323 . 324 . 325 , , 326 , . 327 , 328 : 329 330 » . . . . . . . 331 332 - - ' ? 333 334 - - ? 335 336 - - , ! 337 , 338 ' , . 339 , , , 340 . ? . . . 341 342 - - , ; , 343 . « 344 345 346 , 347 ' . 348 349 , 350 , 351 , . 352 , 353 , , , 354 , . 355 . 356 . 357 358 359 . 360 . 361 . 362 , 363 , , 364 , , , 365 366 . , 367 , 368 . , 369 , 370 , , 371 . 372 373 374 , , 375 . 376 . 377 , 378 , 379 . 380 381 : » 382 ! « 383 : » ! « 384 385 , 386 . . 387 , 388 , , 389 , . 390 , 391 , 392 , , 393 . 394 395 , 396 397 398 . 399 400 , 401 , 402 . , 403 . 404 , = = , 405 , . 406 407 , . 408 , . 409 410 » , ! « 411 . 412 413 , 414 , , 415 . 416 417 . 418 , 419 420 . 421 422 . 423 , 424 , 425 . » 426 « 427 . 428 , 429 , . 430 , , 431 . , 432 , 433 434 . 435 . 436 . 437 , 438 439 , , 440 . 441 442 - 443 , . 444 , , 445 . 446 447 . , 448 , . 449 450 , 451 , . 452 , 453 , 454 . . 455 , , 456 - - - - 457 . 458 , 459 , 460 . 461 462 , 463 , , , 464 , , , 465 , . 466 , 467 , 468 . , 469 ! 470 . 471 , . 472 473 . 474 . 475 . 476 477 478 . 479 ; 480 , 481 , 482 . 483 , , 484 , , 485 . , 486 . 487 488 . . 489 , 490 . 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