Natürlich hatte der Findling auf der Farm zuweilen von seinen ehemaligen
Freunden gesprochen und hier in allen ein gewisses Interesse für jene
geweckt.
Martin Mac Carthy veranlaßte Nachforschungen über jene, die leider
keinen weiteren Aufschluß über Sissy lieferten, als daß auch diese aus
dem Dorfe Rindok verschwunden war.
Bezüglich Grips hatte man von Galway eine Antwort erhalten. Der arme
Bursche hatte, nachdem seine Wunden kaum geheilt waren, aus Mangel an
Beschäftigung die Stadt verlassen und irrte jetzt wahrscheinlich Arbeit
suchend im Lande umher. Findling empfand es recht schmerzlich, so
glücklich zu sein, während es Grip jedenfalls nicht war. Martin selbst
nahm regen Antheil an Grip und hätte diesen so gern im Pachthofe als
nützlichen Helfer mit aufgenommen, wenn er nur wußte, wo jener zu finden
wäre. Sein Schicksal blieb zunächst aber unenthüllt, und vorläufig
mußten sich die beiden früheren Insassen der Lumpenschule mit der
Hoffnung auf ein zufälliges, späteres Wiedersehen trösten.
In Kerwan führte die Familie Mac Carthy's ein regelmäßiges arbeitsvolles
Leben. Die nächsten Pachtgüter lagen zwei bis drei Meilen von hier
entfernt. Unter den Pächtern inmitten dieser bevölkerten Gebiete des
unteren Irlands kann von einer Nachbarschaft kaum die Rede sein. Tralee,
der Hauptort der Grafschaft, lag auch ein Dutzend Meilen weit entfernt,
und Martin und Murdock begaben sich nur dahin, wenn ihre Geschäfte an
Jahrmarktstagen sie dazu nöthigten.
Die Farm gehört zur Kirche von dem fünf Meilen entfernten Silton, einem
Dorfe mit etwa vierzig Häusern und kaum hundert rund um die Kirche
angesiedelten Bewohnern. Des Sonntags begaben sich die Frauen zu Wagen,
die Männer von der Farm zu Fuß nach der Frühmesse. Ihres Alters wegen
vom dortigen Geistlichen vom Kirchenbesuch dispensiert, blieb die
Großmutter, außer an den hohen Festen, zu Weihnachten, zu Ostern und zu
Mariä Himmelfahrt, meist im Hause zurück.
In der Kirche von Silton erschien der Findling jetzt in höchst
anständiger Tracht. Das war nicht mehr das Kind in Lumpen, das durch
die Thür der Hauptkirche von Galway schlüpfend sich hinter den Pfeilern
versteckte. Jetzt fürchtete der Knabe nicht mehr hinausgejagt zu werden,
er zitterte nicht mehr vor dem strengen langen Schwarzrock, den weißen
Lätzchen und dem langen Stabe -- deren Vereinigung den Kirchendiener der
Parochie bildete. Jetzt hatte er seinen Platz auf der Bank neben Martine
und Kitty, er lauschte dem frommen Gesange und wohnte voll Andacht dem
ganzen Gottesdienste bei. Das war ein Knabe, den man mit einigem Stolz
sehen lassen konnte, wenn er so in seinem saubern, sorgsam gehaltenen
Tweed aus gutem Stoffe einherging.
Nach Schluß der Messe fuhren die Kirchenbesucher sogleich nach Kerwan
zurück. In diesem Winter herrschte vielfach starkes Schneetreiben
bei schneidendem Winde. Alle hatten davon geröthete Augenlider und
aufgesprungene Gesichter. Am Barte Martins und seiner Söhne hingen lange
Eiskrystalle, was ihnen fast das Aussehen von Gipsfiguren verlieh.
Im großen Kamin prasselte inzwischen ein von der Großmutter
unterhaltenes tüchtiges Wurzelholz- und Torffeuer. Hier wärmte sich die
kleine Gesellschaft wieder auf und setzte sich dann an den Tisch, worauf
ein duftendes Stück Pökelfleisch mit Kohl dampfte, daneben eine Schüssel
mit Kartoffeln in der Schale, und endlich eine Omelette -- zu der die
Eier natürlich nach der richtigen Nummernfolge gewählt waren.
Verbot die Witterung einen Spaziergang, so vertrieb man sich den Tag mit
Lesen und Plaudern, und Findling bereicherte seine Kenntnisse aus allem,
was er hörte.
Die Monate verstrichen. Der Februar war sehr kalt und der März sehr
regnerisch. Schon nahte die Zeit zur Wiederaufnahme der Feldarbeiten.
Der im ganzen nicht allzustrenge Winter schien nicht lange mehr
anhalten zu sollen, so daß die Einsaat voraussichtlich unter günstigen
Verhältnissen erfolgen konnte. Dann waren die Pächter wohl auch in der
Lage, für Weihnachten den dann abzuführenden Pachtschilling bereit zu
halten und nicht von den in vielen Gegenden so häufigen Austreibungen
bedroht zu sein, wenn die Ernte fehlschlägt, Austreibungen, durch die
zuweilen ganze Kirchspiele entvölkert werden.[5]
Immerhin hing eine schwarze Wolke, wie man zu sagen pflegt, am Horizonte
der Farm.
Vor zwei Jahren war der zweite Sohn, Pat, mit einem dem Hause Marcuart
in Liverpool gehörigen Handelsschiffe, dem »Guardian«, ausgesegelt. Zwei
Briefe waren von ihm, nach Durchkreuzung der Südsee, eingetroffen,
der letzte vor neun oder zehn Monaten, seitdem fehlte es aber ganz an
Nachricht von ihm. Selbstverständlich hatte Martin darum nach Liverpool
geschrieben. Die erhaltene Antwort lautete aber nicht besonders
beruhigend. Man hatte weder durch Zeitungen, noch durch die auswärtigen
Correspondenten etwas über das Schicksal des Schiffes gehört, und die
Herren Marcuart machten über ihre Befürchtungen wegen des »Guardian«
kein Hehl.
Von Pat war in Folge dessen auf der Farm vielfach die Rede, und Findling
sah deutlich genug, welchen Kummer dieses Ausbleiben jeder Nachricht der
ganzen Familie bereitete.
Da war wohl die Spannung kein Wunder, mit der man jeden Tag das
Eintreffen der Briefpost erwartete. Der kleine Knabe lauerte sie auf
der Straße ab, die diesen Theil der Grafschaft mit deren Hauptorte
in Verbindung setzt. Sobald er den an seiner blutrothen Farbe leicht
erkennbaren Wagen von weitem erblickte, lief er, was er laufen konnte,
nicht wie die Straßenbuben, die ein paar Kupfermünzen nachstürzen,
sondern nur um zu hören, ob nicht ein Brief an Martin Mac Carthy
angekommen wäre.
Der Postdienst ist auch in den entlegensten Grafschaften Irlands ganz
vorzüglich eingerichtet. Der Wagen hält auf dem Lande an allen Thüren
an, um Briefe zu vertheilen oder anzunehmen. An Mauern und Grenzsteinen
befinden sich Kästen mit einer Rothgußplatte, selbst einfache Säcke,
die an Baumzweigen hängen und die der Postconducteur im Vorüberkommen
ausleert.
Leider traf kein Brief von der Hand Pats, auch keiner von der Firma
Marcuart in der Farm ein. Seitdem der »Guardian« zuletzt in den
Australischen Meeren gesehen wurde, war und blieb er vorläufig
verschollen.
Die Großmutter war tiefbetrübt, denn gerade Pat hatte sie besonders ins
Herz geschlossen. Auch jetzt sprach sie unausgesetzt von ihm, den sie
bei ihrem hohen Alter nun kaum wiederzusehen fürchtete. Findling suchte
sie immer zu beruhigen.
»Er wird schon wiederkommen, sagte er. Noch kenne ich ihn nicht, muß ihn
aber doch kennen lernen, da er ja zur Familie gehört.
-- Und er würde Dich ebenso lieb gewinnen, wie wir, antwortete sie.
-- Es muß doch herrlich sein, Großmutter, Seemann zu sein! Wie schade
nur, daß man da einander, und immer so lange, verlassen muß. Könnte denn
nicht gleich eine ganze Familie zur See gehen?
-- Nein, mein Kind, als Pat fortging, hat das mich tief geschmerzt!
Wie glücklich sind die, die sich niemals zu trennen brauchen!... Unser
Junge hätte auch auf der Farm bleiben können. An Arbeit würde es ihm
nicht gefehlt haben, und wir verzehrten uns jetzt nicht vor Unruhe. Er
hat es nicht gewollt... möge Gott ihn uns zurückführen!... Vergiß ja
nicht, für ihn mitzubeten!
-- Nein, Großmutter, das vergess' ich nicht, für ihn und für Sie alle!«
In den ersten Apriltagen begann die Arbeit außer dem Hause. Es war eine
schwere Aufgabe, die noch frostharte Erde aufzupflügen, sie mit der
Walze einzuebnen und oberflächlich mit der Egge wieder zu lockern.
Hierzu mußten einige fremde Arbeiter gemiethet werden, da Martin und
seine Söhne allein damit nicht hätten fertig werden können. Die Minuten
sind kostbar, wenn es sich darum handelt, mit dem einsetzenden Frühling
zum Säen bereit zu sein. Außerdem galt es noch Gemüse zu pflanzen
und Kartoffeln zu stecken, wobei die Knollen mit den besten »Augen«
ausgewählt wurden.
Nun mußten ferner die Thiere aus den Ställen. Die Schweine ließ man
einfach im Hofe oder auf der Straße herumlaufen. Die Kühe, die mit
Ketten an Pflöcken auf der Weide festgelegt wurden, bedurften keiner
großen Ueberwachung, außer daß sie des Morgens aus- und des Abends
eingetrieben wurden. Das Melken derselben war Sache der Frauen. Dagegen
mußten die Schafe gehütet und, da sie sich den Winter über nur von
Häcksel, Kraut und Rüben ernährt hatten, auf die Weide einmal hier-,
einmal dorthin geführt werden. Der Findling erschien wie zum Schäfer
dieser Heerde geschaffen.
Mac Carthy besaß, wie wir wissen, gegen hundert Schafe, und zwar von der
schönen schottischen Rasse, mit langer, mehr grauer als weißer Wolle und
schwarzen Mäulern und Füßen. Als Findling sie zum ersten Male nach
der fast eine halbe Meile entfernten Weidestelle trieb, fühlte er sich
ordentlich stolz über das neue Amt. Er empfand seine Verantwortlichkeit
für die blökende Heerde, die unter seiner Leitung dahintrabte, während
Birk, der Hund, etwaige Nachzügler oder Ausbrechende zusammentrieb, für
die Widder, die die Spitze bildeten, und für die Lämmer, die sich um
ihre Mütter drängten. Wenn sich nun ein Thier verirrt hätte!... Wenn
gar Wölfe in der Nähe hausten! Doch nein, mit Birk und seinem Messer an
der Seite fürchtete der junge Schäfer auch Wölfe nicht.
Früh am Morgen brach er auf, ein tüchtiges Stück Brod, ein hartes Ei und
eine Schnitte Speck in seinem Sacke, um davon zu Mittag zu essen. Die
Schafe zählte er beim Verlassen des Stalles ebenso wie bei der Rückkehr
dahin. Dasselbe that er mit den Ziegen, auf die er ein Auge hatte und
die die Hunde frei umherspringen lassen.
An den ersten Tagen war die Sonne kaum aufgegangen, als Findling schon
hinter seiner Heerde herzog. Im Westen flimmerten noch einzelne
Sterne. Er sah sie nach und nach verlöschen, als ob der Morgenwind sie
ausgeblasen hätte. Dann schossen die Sonnenstrahlen durch die Landschaft
und glitzerten in jedem Thautröpfchen auf den Steinen. Meist lenkten
Martin und Murdock auf einem benachbarten Felde den Pflug, der eine
gerade und schwärzliche Furche hinter sich zurückließ. Auf einem andern
verstreute Sim mit gemessener Armbewegung den Samen, den die Egge dann
mit dünner Erdschicht zudeckte.
Trotz seiner Jugend pflegte Findling immer mehr die praktische als die
etwa wunderbare Seite aller Dinge zu beobachten. Er fragte sich nicht,
wie ein einfaches Körnchen zu einem Halm mit Aehre auswachsen könnte,
wohl aber, wie viel Körner die Korn-, Gersten- oder Haferähre bei der
Ernte liefern würde. Das wollte er zählen, wie er die Eier im Hühnerhof
zählte, und das Ergebniß niederschreiben. Das lag in seiner Natur. Er
hätte auch die Sterne eher gezählt als bewundert.
So freute er sich beim Aufgang der Sonne weniger über deren Licht
als über die Wärme, die sie der Welt spenden würde. Man sagt, daß die
Elephanten Indiens das Tagesgestirn begrüßen, wenn es am Horizonte
aufsteigt, und Findling ahmte ihnen nach, höchstens erstaunt, daß nicht
auch die Schafe aus Dankbarkeit zu blöken begännen. Schmilzt denn jenes
nicht den Schnee, der die Erde bedeckt? Nein, die Schafe zeigten sich
entschieden undankbar!
Meistens befand sich Findling während des größten Theiles des Tages
auf seiner Weide allein. Zuweilen machten Murdock und Sim jedoch ein
Weilchen Halt, nicht um ihn als Schäfer zu beobachten, denn auf den
Knaben konnte man sich verlassen, sondern um einige freundliche Worte
mit ihm zu wechseln.
»Nun, riefen sie da, wie macht sich's denn mit der Heerde? Ist das Gras
hübsch dicht?
-- Sehr dicht und fett, Herr Murdock.
-- Und sind auch die Schafe artig? fragt einer wohl lächelnd.
-- Sehr artig, Sim. Fragen Sie nur Birk, der hat mit ihnen nicht viel zu
thun.«
Der nicht grade schön zu nennende, aber sehr intelligente und
muthige Birk war schon ein treuer Gefährte Findlings geworden. Beide
unterhielten sich wirklich miteinander. Wenn der Knabe, den Blick auf
ihn geheftet, mit dem Thiere sprach, so schien Birk, dessen braune
Nasenspitze dabei zitterte, die Worte förmlich aufzusaugen und wedelte
verständnißinnig mit dem Schwanze, den man fast hätte einen »tragbaren
Zeigertelegraphen« nennen können. Es waren eben zwei ziemlich
gleichaltrige gute Freunde, die einander vollkommen verstanden.
Mit dem Mai fing es nun stärker an zu grünen. Die Futterkräuter, wie
Esparsette, Rothklee und Luzerne bildeten bereits einen dichten Teppich.
Die Getreidefelder zeigten dagegen nur noch recht kurze Halme, so daß
sich Findling fast verführt fand, daran zu ziehen, um sie größer zu
machen. Als Martin ihn eines Tags aufgesucht hatte, theilte er diesem
seine berühmte Idee mit.
»Glaubst Du denn, mein Junge, antwortete der Farmer lächelnd, Deine
Haare wüchsen schneller, wenn man daran zupfte?... Nein; das würde Dir
nur weh thun, weiter nichts.
-- So darf man das also nicht?
-- Nein; niemals soll man jemand, und wäre das auch nur eine Pflanze,
wehe thun. Laß nur den Sommer kommen, die Natur ihr Werk verrichten,
dann werden die grünen Sprossen zu schönen Halmen geworden sein, die wir
abmähen, um das Stroh und die Körner zu gewinnen.
-- Glauben Sie, Herr Martin, daß die Ernte dieses Jahr gut sein wird?
-- Allen Anzeichen nach, ja. Der Winter ist nicht gar so streng gewesen,
und seit dem Frühjahre haben wir mehr sonnige als regnerische Tage
gehabt. Gott gebe, daß das noch drei Monate so fortgeht, dann liefert
die Ernte reichlich die Abgaben und den Pachtzins.«
Immerhin gab es Feinde, die nicht zu vernachlässigen waren: die
gefräßigen Vögel, die auf den Feldern Irlands umherschwärmen. Von den
Schwalben, die während ihrer kurzen Anwesenheit hier blos Insecten
verzehren, war ja nicht zu reden. Dagegen verursachten die frechen,
nimmersatten Sperlinge und auch die Krähen dem Landmann hier sehr
fühlbaren Schaden.
Die abscheulichen Vögel versetzten Findling förmlich in Wuth, und dabei
schien es noch, als ob sie sich über ihn lustig machten. Wenn er seine
Schafe nach der Weide trieb, flatterten sie in schwarzen Schaaren empor
und flogen mit scharfem Geschrei, die Füße herabhängend, davon. Es
waren Vögel von enormer Spannweite, deren große Flügel sie sehr schnell
hinwegtrugen. Findling verfolgte sie hitzig und hetzte auch Birk auf
sie, der dann bellte, bis ihm der Athem verging. Was war aber gegen
die Räuber, denen man sich nicht nähern konnte, zu beginnen? Sie narren
einen noch auf zehn Schritte Entfernung; dann tönt's »Krroa... krroa!«
und die Wolke zerstäubt.
Am meisten ärgerte es Findling, daß die inmitten des Getreides
aufgestellten Vogelscheuchen offenbar gar nichts nützten. Sim hatte ganz
entsetzlich aussehende Männer mit ausgestreckten Armen fabriciert, deren
zerrissene Bekleidung sich bei jedem Windhauch bewegte. Kinder
hätten sich vielleicht davor gefürchtet... die Krähen?... Nicht im
geringsten! Vielleicht konnte man eine noch mehr erschreckende und nicht
so stumme Vorrichtung ersinnen; dieser Gedanke kam unserm kleinen Helden
nach langer Ueberlegung. Wohl bewegt die Vogelscheuche bei genügendem
Winde scheinbar die Arme, doch sie spricht, sie schreit nicht; hierin
mußte sie vervollkommnet werden.
Ein vortrefflicher Gedanke, wie jeder zugeben wird, und um ihn
auszuführen, hatte Sim am Kopfe der Gestalt nur eine Schnarre
anzubringen, die vom Winde mit Geräusch gedreht wurde.
Wenn die Krähen darüber an den beiden ersten Tagen zwar nicht zu
erschrecken, doch aber erstaunt zu sein schienen, so achteten sie am
dritten Tage schon gar nicht mehr darauf, und Findling sah sie sich
ruhig auf den Zappelmann setzen, dessen Schnarre mit ihrem Gekrächz
nicht wetteifern konnte.
»Entschieden ist nicht alles vollkommen hienieden!« dachte der Knabe.
Im übrigen ging auf der Farm alles den gewohnten Gang. Findling war so
glücklich wie möglich. An den langen Winterabenden hatte er im Schreiben
und Rechnen gute Fortschritte gemacht. Wenn er jetzt gegen Abend
heimkehrte, brachte er zuerst seine Buchführung in Ordnung. Diese
umfaßte neben den Eiern der Hühner auch die Küchlein im Stalle, die am
Tage, wo sie ausgekrochen waren, aufgeschrieben und numeriert wurden.
Dasselbe galt von den geworfenen Ferkeln und Kaninchen, die in Irland
wie anderswo gliederreiche Familien bilden. Dem jungen Buchhalter machte
das manche Arbeit. Man wußte ihm aber auch Dank dafür. Er bewies so viel
Ordnungssinn, daß man ihn darin eher noch bestärkte, und jeden Abend
übergab ihm Martin seinen Kieselstein, der in der Kruke aufbewahrt
wurde. Diese Kiesel hatten für den Knaben ebenso viel Werth wie
Schillinge. Geld ist ja überhaupt nur eine Sache des Uebereinkommens.
Der Steintopf enthielt außerdem auch die goldne Guinee, die er für sein
erstes Auftreten in Limerick erhalten und deren er, ohne selbst einen
Grund zu wissen, auf der Farm noch gar nicht Erwähnung gethan hatte.
Da er dafür hier, wo es ihm an nichts fehlte, keine Verwendung sah,
schätzte er sie fast geringer als die kleinen Steine, die seinen Eifer
und seine gute Aufführung bezeugten.
Da die Witterung immer günstig geblieben war, begann man schon in der
letzten Juliwoche mit der Heuernte, die sehr reichlich ausfiel. Alle
Insassen des Pachthofes hatten dabei zu thun. Murdock, Sim und den
beiden Lohnarbeitern fiel es zu, gegen fünfzig Acres Gras abzumähen. Die
Frauen halfen dann das Gras auszubreiten, um es zu trocknen, ehe es
in »Moffles« (etwa »Feimen«) aufgestapelt wurde, von denen aus man es
endlich nach den Scheuern schafft. In einem so regenreichen Lande ist
natürlich jeder Tag kostbar und man beeilt sich, von jedem guten
Wetter Nutzen zu ziehen. Um Martine und Kitty unterstützen zu können,
vernachlässigte Findling eine Woche lang sogar seine Heerde ein wenig.
So verfloß das Jahr, eines der glücklichsten, das Martin auf der Farm
erlebt hatte. Höchstens beklemmte es ihn, von Pat keine Nachricht
erhalten zu haben. Es sah fast aus, als bringe die Anwesenheit
Findlings dem Hause Glück und Segen. Als der Abgabeneinsammler und der
Pachtzinserheber sich einstellten, wurden sie bei Heller und Pfennig
bezahlt. Auf den nächsten milden und feuchten Winter folgte ein zeitiger
Frühling, der bei den Landleuten die gehegten Erwartungen erfüllte.
Nun ging die Thätigkeit auf dem Felde wieder an. Findling verbrachte
draußen mit Birk und seinen Schafen die gewohnten langen Tage. Er sah
die Feldfrucht grünen, er lauschte dem ganz feinen Geräusch, das bei der
Entwicklung der Halme vom Roggen und vom Hafer ausgeht; ihn belustigte
der Wind, der die langbärtige Gerste zerzauste. Und weiter sprach man
zu Hause auch von einer andern, ungeduldig erwarteten Ernte, worüber die
Großmutter heimlich lächelte. Wirklich vergingen keine drei Monate, als
die Familie Mac Carthy's durch ein ihr von Kitty geschenktes Mitglied
vermehrt wurde.
Während der Heuernte im August und mitten in der dringlichsten Arbeit
bekam einer der Arbeiter das Fieber und konnte seine Arbeit nicht
fortsetzen. An seiner Stelle galt es nun einen andern, noch feiernden
Mäher zu schaffen, wenn sich ein solcher fand. Das mißlichste dabei
war, daß Martin einen halben Tag opfern mußte, um nach Silton zu gehen.
Deshalb nahm er es gern an, als Findling sich hierzu anbot.
Man konnte sich schon auf ihn verlassen, daß er einen erhaltenen Auftrag
gewissenhaft ausführte. Fünf Meilen auf einer ihm von den sonntäglichen
Kirchgängen her bekannten Straße zurückzulegen, war ihm ja ein kleines.
Von der Farm frühzeitig aufbrechend, versprach er, noch vor Mittag
zurück zu sein.
Findling schlug einen schnellen Schritt ein und trug in seiner Tasche
einen Brief des Farmers an den Gasthalter in Silton, in einem kleinen
Rucksack aber einige Mundvorräthe für den Weg.
Das Wetter war schön; von Osten her wehte ein erfrischender Wind, und so
waren die ersten drei Meilen bald überwunden.
Auf dem Wege und im Innern der vereinzelten Häusern befand sich kein
Mensch. Alle waren auf den Feldern beschäftigt. Auf Sehweite hinaus
zeigte sich das Land mit Tausenden von Moffles bedeckt, die bald
eingefahren werden sollten.
An einer Stelle trifft die Landstraße hier an ein dichtes Gehölz, um
das sie etwa eine Meile weit herumführt. Um Zeit zu ersparen, hielt
es Findling für angezeigt, den Wald gleich zu durchkreuzen. Er schritt
hinein, nicht ganz frei von der angebornen Furcht der Kinder vor dem
Walde, in dem sich oft Diebe aufhalten, dem Walde, in dem Wölfe hausen
und in dem alle Schauergeschichten spielen, die man in der Dämmerung
aufzutischen pflegt. Was den Wolf angeht, so betet Paddy gern zu allen
Heiligen, diesen bei guter Gesundheit zu erhalten, und er nennt das
Raubthier gar »seinen Gevatter«.
Findling hatte kaum hundert Schritte auf einem schmalen Pfade
zurückgelegt, als er angesichts eines Mannes stehen blieb, der am Fuße
eines Baumes lag.
War das ein Reisender, den hier die Kräfte verlassen hatten, oder nur
ein Fußgänger, der vor der Fortsetzung seines Weges etwas ausruhte?
Findling betrachtete ihn, und da jener sich nicht bewegte, ging er
vorwärts.
Die Arme gekreuzt und den Hut über die Augen gezogen, lag der Mann in
tiefem Schlafe. Er schien jung zu sein, höchstens fünfundzwanzig Jahre
alt. An seinen beschmutzten Stiefeln und der staubigen Kleidung sah man,
daß er, jedenfalls von Tralee her, eine weite Strecke gewandert sein
mochte.
Am meisten erregte es aber die Aufmerksamkeit Findlings, daß der
Fremde ein Seemann sein mußte, das verrieth seine Tracht und ein großer
getheerter Kleidersack. Auf diesem stand eine Adresse, die der Knabe
beim Näherkommen lesen konnte.
»Pat, rief er überrascht, das ist Pat!«
Wirklich war es Pat, den man schon an der Aehnlichkeit mit seinen
Brüdern erkennen konnte, Pat, von dem so lange jede Nachricht fehlte und
dessen Heimkehr so sehnsüchtig erwartet wurde.
Schon wollte Findling ihn durch einen Anruf erwecken... er hielt inne.
Er sagte sich, wenn Pat an der Farm erschien, ohne daß jemand darauf
vorbereitet war, so würden seine Mutter und seine Großmutter wenigstens
dadurch so erregt werden, daß es ihnen schaden könnte. Nein, besser war
es, Martin zu benachrichtigen; dieser würde die Frauen dann vorsichtig
auf das Eintreffen ihres Sohnes und Enkels vorbereiten. Der Auftrag an
den Gasthalter von Silton konnte auch morgen ausgerichtet werden.
Und übrigens war Pat, als Kind der Familie, ja auch eine gegebene
Hilfskraft, die gewiß jede andre aufwog. Der Wandrer war wirklich
ermüdet, denn er hatte Tralee, bis wohin die Eisenbahn führte, schon
mitten in der Nacht verlassen. Wenn er sich aber hier erhob, würde er
die Farm ganz gewiß schnell erreichen. Vorzüglich kam es Findling also
darauf an, vor jenem dort einzutreffen.
Das Bündel wollte er ihn aber doch nicht tragen lassen, das konnte
Findling wohl den eignen Schultern aufbürden, und mit um so mehr
Vergnügen, als es ja der Reisesack eines Matrosen war, ein Sack, der vom
weiten Meere herkam.
So faßte er diesen am Knoten des Strickes, der ihn oben verschloß, warf
ihn sich auf den Rücken und trabte in der Richtung nach der Farm ab.
Erst aus dem Walde, hatte er nur der Landstraße zu folgen, die sich von
da eine halbe Meile in schnurgrader Linie hinzog.
Findling hatte aber kaum fünfhundert Schritte in dieser Richtung
zurückgelegt, als er hinter sich lautes Rufen vernahm. Er wollte jedoch
weder stehen bleiben, noch seinen Schritt verlangsamen, im Gegentheil
suchte er einen Vorsprung zu gewinnen.
Der freilich, der hinter ihm rief, der lief auch.
Das war Pat.
Beim Erwachen hatte er seinen Sack nicht mehr gefunden. Erzürnt eilte er
aus dem Walde und sah das Kind gerade noch bei einer Biegung des Weges.
»He! Dieb! Wirst Du still stehen?«...
Begreiflicher Weise hörte Findling hierauf nicht, sondern lief aus allen
Kräften davon. Mit dem Sack auf dem Rücken konnte es freilich nicht
fehlen, daß er von dem schnellfüßigen Seemanne eingeholt würde.
»Heda, Dieb Du!... Du entwischt mir nicht... Dir ist Deine Strafe
gewiß!«
Da Findling bemerkte, daß Pat kaum noch zweihundert Schritt weit hinter
ihm war, ließ er den Sack fallen und stürmte nun erst recht weiter.
Pat nahm seinen Sack auf und setzte die Verfolgung fort.
Kurz, gerade vor der Farm gelang es Pat noch, das Kind am Kragen zu
packen.
Martin und seine Söhne waren auf dem Hofe mit dem Abladen von Futter
beschäftigt. Da entfuhr ihnen ein Freudenschrei, den sie gar nicht zu
unterdrücken suchten.
»Pat... mein Junge!
-- Bruder... Bruder!«
Schon eilten auch Martine mit Kitty und kam selbst die Großmutter herzu,
um Pat in die Arme zu schließen.
Mit freudestrahlenden Augen stand Findling dabei und wartete, ob ihm
auch eine Begrüßung zutheil würde....
»Ah! Der Kleine, der mich bestohlen hatte!« rief dafür Pat.
Mit einigen Worten war alles erklärt, und auf Pat zustürmend, kletterte
Findling diesem an den Hals, als ob er den Mastkorb eines Schiffes hätte
erklimmen sollen.
XIII.
Zweifache Taufe.
Das war ein Jubel bei den Mac Carthy's! Pat heimgekehrt, der junge Mann
in der Farm von Kerwan, die ganze Familie vereinigt, die drei Brüder
an einem Tische, die Großmutter mit ihrem Enkel, Martin und Martine mit
allen ihren Kindern!
Das Jahr ließ sich gut an. Futter gab es in Menge und die Ernte
versprach auch sehr gut zu werden. Dazu die Kartoffeln, über deren
Knollen fast die Furchen anschwollen. Das war fertiges Brod, das nur
gekocht zu werden brauchte, und dazu reichte ein wenig Gluth auf dem
ärmlichsten Herde.
Zuerst richtete Martine an Pat die Frage:
»Bist Du nun für ein ganzes Jahr zu uns heimgekehrt, mein Kind?
-- Nein, Mutter, nur für sechs Wochen. Ich kann meinen schönen Beruf
nicht aufgeben. Nach sechs Wochen muß ich in Liverpool eintreffen, wo
ich wieder an Bord des »Guardian« gehe....
-- Schon in sechs Wochen! murmelte die Großmutter.
-- Ja; diesmal aber als Hochbootsmann, und der Hochbootsmann auf einem
großen Schiffe hat schon etwas zu bedeuten....
-- Schön, Pat, sehr schön! fiel Murdock ein, der warm die Hand des
Bruders drückte.
-- Bis zum Tage der Abreise, fuhr der junge Seemann fort, sollen
Euch indeß, wenn Ihr ein Paar gesunde Arme braucht, die meinigen zur
Verfügung stehen.
-- Das läßt sich hören,« antwortete Martin.
Heute lernte Pat nun auch seine Schwägerin Kitty kennen, deren Hochzeit
erst nach seiner letzten Einschiffung stattgefunden hatte. Er freute
sich aufrichtig, in ihr eine so vortreffliche, zu seinem Bruder passende
Frau zu finden, doch auch darauf, in der nächsten Zeit... Onkel zu
werden, und er umarmte Kitty wie eine in seiner Abwesenheit ins Haus
gekommene Schwester.
Findling war diesen Herzensergießungen gegenüber auch nicht
unempfindlich geblieben, wenn er sich bisher auch etwas abseits hielt.
Jetzt kam indeß an ihn die Reihe, denn er gehörte ja ebenfalls zur
Familie. Pat hörte dabei des Knaben Lebens- und Leidensgeschichte, die
ihn tief rührte. Von Stund' an wurden die beiden nun die besten Freunde.
»Und ich, wiederholte der junge Seemann lachend, ich konnte ihn für
einen Dieb halten, als ich ihn mit meinem Kleidersack davongehen
sah! Wahrlich, er lief Gefahr, aus Versehen ein paar Ohrfeigen
wegzubekommen....
-- Die hätten mir auch nicht weh gethan, versicherte Findling, denn ich
hatte Ihnen ja nichts gestohlen.«
Dabei betrachtete er den kräftigen, breitschultrigen jungen Mann mit so
entschlossenem Wesen, ungezwungenem Auftreten und mit von Sonne und
Wind gebräuntem Gesicht. Ein Seemann erschien ihm als ein ganz besondres
Wesen.... Deshalb begriff er recht gut, daß Pat der Günstling der
Großmutter war, die ihn an der Hand hielt, wie um ihn nicht zu zeitig
wieder fortgehen zu lassen.
Zunächst erzählte Pat nun seine Geschichte und erklärte, warum er so
lange in der weiten Welt gewesen sei, ohne von sich Nachricht zu geben.
Ja beinahe wäre er überhaupt nicht zurückgekehrt. Der »Guardian« war an
einer der Inseln des Indischen Meeres gestrandet. Die Schiffbrüchigen
fanden im Laufe von dreizehn Monaten keine andre Zuflucht, als dieses
kleine, außerhalb der Seeverkehrswege gelegene Stückchen Land, wo sie
von der übrigen Welt völlig abgeschlossen waren. Mit großer Mühe gelang
es ihnen da endlich, den »Guardian« wieder flott zu machen, und neben
dem Schiffe auch dessen Ladung zu retten. Pat hatte sich dabei durch
seinen Eifer und seine Gewandtheit so vortheilhaft ausgezeichnet,
daß die Firma Marcuart ihn auf Vorschlag seines Kapitäns für eine
demnächstige Reise nach dem Stillen Ocean als Hochbootsmann anstellte.
Alles hatte sich also zum besten gewendet.
Am folgenden Tag gingen alle Insassen von Kerwan an die Arbeit, und da
zeigte es sich, durch welch vorzügliche Kraft der erkrankte Lohnarbeiter
ersetzt war.
Mit dem September kam schon die Erntezeit heran. Blieb der Ertrag an
Weizen auch wie gewöhnlich recht mittelmäßig, so gab es doch desto mehr
Roggen, Gerste und Hafer. Das Jahr 1878 gehörte entschieden zu den sehr
fruchtbaren Jahren. Der Pachteinsammler hätte sich noch vor Weihnachten
einstellen können, er wäre in blankem Golde bezahlt worden. Auch
Mundvorräthe und Futter für den Winter gab es in Hülle und Fülle.
Besondere Ersparnisse konnte Martin Mac Carthy freilich immer noch
nicht zurücklegen. Er lebte von seiner Hände Arbeit, die ihm wohl die
Gegenwart, nicht aber die Zukunft sicherte. Die Zukunft der irischen
Pächter hängt ja immer von klimatischen Launen ab. Das lag Murdock immer
im Sinne. Derartige sociale Verhältnisse, die nur mit der Abschaffung
der Landlordwirthschaft und der Zurückgabe des Bodens an die Bebauer
desselben gegen mäßige Abzahlung endigen konnten, steigerten seinen Haß
nur weiter.
»Du mußt Vertrauen haben!« redete ihm Kitty zu.
Murdock sah sie an, ohne eine Antwort zu geben.
Am 9. dieses Monats trat das ungeduldig erwartete Ereigniß in der Farm
von Kerwan ein: Kitty, die dabei kaum zum Liegen kam, schenkte einem
Mädchen das Leben. Das war aber eine Freude! Das Baby wurde begrüßt,
wie ein Engel, der ins Haus geflogen wäre. Großmutter und Martine rissen
sich darum. Murdock lächelte, wenn er sein Kind in den Arm nahm. Seine
beiden Brüder standen voll Bewunderung vor ihrem Nichtchen. Es war
ja die erste Frucht am weiblichen Zweige des Familienstammbaumes, des
Kitty-Murdock'schen Zweiges, in Erwartung, daß die beiden andern
darin in gleicher Weise nachfolgen würden. Alle beglückwünschten und
liebkosten die junge Mutter, für die sie sich in zärtlichster Sorge
überboten. Wie reichlich flossen dabei die Thränen der Rührung! Es
schien fast, als wäre das Haus vor der Geburt des kleinen Wesens noch
ganz leer gewesen.
Der Findling hatte sich noch nie so ergriffen gefühlt wie bei dem ersten
Kusse, den man ihm der Neugebornen zu geben gestattete.
Daß dieses frohe Ereigniß Veranlassung zu einem besondern Feste geben
müsse, sobald erst Kitty daran theilnehmen konnte, daran zweifelte
keiner. Das Programm dazu war übrigens sehr einfach. Nach Vollziehung
der Taufe in der Kirche von Silton sollten sich der dortige Priester
und einige Freunde Martins -- ein halbes Dutzend Pächter aus der
Nachbarschaft, die einen Weg von zwei bis drei Meilen nicht scheuten --
in der Farm einfinden. Hier würde sie ein reichliches, nahrhaftes
Frühstück erwarten. Gewiß vereinigten sich die genannten alle gern
einmal mit der achtungswerthen Pächterfamilie, deren größte Freude es
war, daß auch Pat dem kleinen Feste noch beiwohnen konnte, da dessen
Abreise erst in den letzten Tagen des Septembers bevorstand.
Nun tauchte zunächst die Frage auf, wie das Kind genannt werden sollte.
Die Großmutter schlug den Namen »Jenny« vor, und hiermit war diese
Schwierigkeit ebenso gehoben, wie die wegen einer Taufzeugin; denn ohne
Zweifel war es der alten Frau eine herzliche Freude, selbst als solche
einzutreten. Wohl trennten Täufling und Pathin drei Generationen und ein
kleines Mädchen hätte wohl eine jüngere Pathin gebrauchen können. Hier
lag jedoch eine Gefühlssache vor, die alle andern Rücksichten beiseite
setzen ließ; es war als wenn die bejahrte Frau sich selbst neuer
Mutterschaft erfreute, und ihren Augen entquollen Thränen der Rührung,
als ihr jener Antrag mit einiger Feierlichkeit gemacht wurde.
Aber der Pathe?... Das war schwieriger. Von einem Fremden konnte nicht
die Rede sein, da ja noch zwei Brüder oder Onkels, Sim und Pat, im Hause
waren, die dieses Ehrenamt beanspruchen konnten. Die Wahl des einen
mußte dem andern aber als Zurücksetzung erscheinen, wenn auch Pat, der
ältere, hierin etwas im Vorsprunge war. Dieser befand sich als Seemann
aber die meiste Zeit auf dem Meere, so daß er seinen Verpflichtungen als
Pathe kaum nachkommen konnte. Das mußte er zu seinem Leidwesen zugeben,
und so blieb denn nur Sim übrig.
Da sprach die Großmutter einen Gedanken aus, der zuerst allerdings
überraschte. Jedenfalls stand es ihr aber zu, den Gevattersmann zu
bestimmen, und ihre Wahl fiel auf Findling.
Obgleich eine Waise und von unbekannter Familie, wußten ja alle, daß er
intelligent, arbeitsam und ihnen treu ergeben war, und alle liebten und
achteten ihn auf der Farm. Und doch?... Findling?... Er zählte ja kaum
siebeneinhalb Jahre, etwas wenig für einen Taufzeugen.
»Thut nichts, erklärte die Großmutter, was er an Jahren zu wenig hat,
habe ich wieder zu viel; das hebt sich auf.«
In der That war der Knabe noch nicht acht, die Großmutter aber
sechsundsiebzig Jahre alt. Das ergab für beide zusammen vierundachtzig
Jahre, zweiundvierzig für jeden, rechnete die Großmutter aus.
»Und kraft meines Alters,«... setzte sie hinzu.
Da sich alle bestrebten, gegen sie zuvorkommend zu sein, fand ihr
Vorschlag ohne Widerspruch Annahme. Die junge Mutter, die für Findling
eine Art mütterliche Zuneigung hegte, stimmte ebenfalls zu. Nur
Martin und Martine waren nicht ohne weiteres schlüssig, da über die
Familienverhältnisse des auf dem Friedhofe in Limerick gefundenen Knaben
gar keine Auskunft zu erhalten gewesen war.
Da machte Murdock den letzten Zweifeln ein rasches Ende. Er wies
darauf hin, daß der Knabe bei seinen vortrefflichen Anlagen und seinem
lobenswerthen Verhalten genug Sicherheit biete, daß er auch später seine
Pflichten erfüllen werde, und diese Darstellung führte die endliche
Entscheidung herbei.
»Willst Du denn? fragte er den Knaben.
-- Ja, Herr Murdock,« erklärte Findling.
Er antwortete mit so bestimmtem Tone, daß es jedem auffiel.
Unzweifelhaft war er sich klar über die Verantwortlichkeit, die er für
die Zukunft seines Pathenkindes auf sich nahm.
Am Morgen des 26. Septembers waren alle zu der heiligen Handlung bereit.
Mit den Sonntagskleidern angethan, begaben sich die Frauen im Wagen, die
Männer zu Fuß, und alle in gehobenster Stimmung nach der Pfarrkirche in
Silton.
Kaum hatten sie diese aber betreten, als eine Schwierigkeit auftauchte,
an die vorher niemand gedacht hatte, bis der Parochialgeistliche darauf
hinwies.
Auf seine Frage, wer der Taufzeuge der Neugebornen sei, antwortete
Murdock:
»Hier, Findling.
-- Wie alt ist dieser?
-- Siebenundeinhalb Jahr.
-- Siebenundeinhalb?... Das ist zwar etwas jung, doch kein gesetzliches
Hinderniß. Er hat doch wohl einen andern Namen als blos Findling?
-- Wir kennen keinen andern, Herr Pfarrer, ließ die Großmutter sich
vernehmen.
-- Keinen andern?« versetzte der Geistliche.
Dann wendete er sich an den Knaben.
»Du mußt doch einen Taufnamen haben? fragte er.
-- Ich habe aber keinen, Herr Pfarrer.
-- O doch, mein Kind! Oder solltest zufällig überhaupt nicht getauft
sein?«
Ob nun zufällig oder nicht, jedenfalls konnte Findling darüber keinerlei
Aufschluß geben, da er sich an eine ihn betreffende Tauffeierlichkeit
natürlich nicht erinnern konnte. Es erschien wirklich seltsam, daß die
so religiöse und gewissenhafte Familie Mac Carthy nicht schon früher auf
diese Frage gekommen war. In der That hatte aber niemand daran gedacht.
In der Meinung, nun unmöglich der Taufzeuge der kleinen Jenny werden zu
können, stand Findling völlig verblüfft daneben.
»Nun, wenn es noch nicht geschehen ist, Herr Pfarrer, rief da Murdock,
so kann er ja getauft werden.
-- Doch, wenn er das schon wäre! bemerkte die Großmutter.
-- O, so wird er einfach ein doppelter Christ, sagte Sim. Taufen Sie ihn
nur vor der Kleinen.
-- Nun ja, warum nicht? antwortete der Geistliche.
-- Dann könnte er als Taufzeuge dienen?
-- Gewiß.
-- Und es hindert nichts die Vornahme dieser zwei Taufen gleich nach
einander? erkundigte sich Kitty.
-- Das ich nicht wüßte, erklärte der Geistliche, vorausgesetzt, daß sich
für Findling ein Taufzeuge und eine Zeugin findet.
-- Dazu erbiete ich mich, sagte Martin.
-- Und ich mich ebenfalls,« setzte Martine hinzu.
Wie glücklich fühlte sich der Knabe, auf diese Weise mit seinen
Pflegeeltern noch enger verbunden zu werden.
»O, ich danke... ich danke allen...!« rief er wiederholt, während er
der Großmutter, Kitty und Martine lebhaft die Hände drückte.
Da er nun einen Taufnamen erhalten mußte, entschied man sich für »Edit«,
den Kalenderheiligen des betreffenden Tages.
Edit!... Recht so! Höchst wahrscheinlich blieb ihm aber doch der Name
Findling auch ferner; hatten sich doch alle daran schon so sehr gewöhnt.
Der junge Kirchenzeuge wurde also zuerst getauft; nach dieser Ceremonie
hielten die Großmutter und er das Kind über das Taufbecken und die
Kleine wurde, entsprechend dem Wunsche ihrer Pathin, »Jenny« getauft.
Sofort verkündeten die Glocken dem Kirchspiele die Vollziehung der
feierlichen Handlung, krachten vor der Kirche Kanonenschläge und regnete
es Coppers auf die Straßenjugend der Ortschaft. Was hatte sich aber
alles vor der Thüre des Gotteshauses versammelt! Es schien, als ob alle
Armen der Grafschaft sich hier ein Stelldichein gegeben hätten.
Die Heimkehr nach der Farm erfolgte in fröhlichster Stimmung. Mit
dem Geistlichen an der Spitze zogen die Festgäste, ein gutes Dutzend
Nachbarn und Nachbarinnen, dahin. Alle nahmen an der im großen
Zimmer aufgestellten Tafel Platz, für die die Gerichte von einer
ausgezeichneten, eigens aus Tralee geholten Köchin bereitet waren.
Selbstverständlich waren die Speisen bei diesem denkwürdigen Festmahle
alle den Vorräthen der Farm entnommen. Von außerhalb rührte gar nichts
her, weder die Hammelkeulen mit schmackhaft gewürzter Sauce, noch
die Hühnerbraten mit saftiger Beilage, weder die Schinken, noch die
Kaninchenröstbraten, nicht einmal die Salme und Hechte, denn diese waren
eigenhändig im Cashen gefangen worden.
Findling hatte selbstverständlich alle die schönen Sachen unter die
Rubrik »Abgänge« eingetragen und so seine Buchführung auf dem Laufenden
erhalten. Nun konnte er mit Gewissensruhe essen und trinken. Hier saßen
auch Tischgäste, die mit gutem Beispiele vorangingen, Leute mit Magen,
die weniger nach der Herkunft der Speisen, als nach deren Menge fragten.
So blieb von dem Frühstück rein nichts übrig, weder von den drei warmen
Gerichten, noch von der Nachspeise, obwohl der Plum-pudding aus Reis von
gewaltiger Größe war und es für jede Person noch eine Johannisbrodtorte
und eine Menge Sellerie gab.
Und dazu der Ingwerwein, der Stout, der Porter, das Sodawasser und der
Usquebaugh (eine Art Whisky), der Brandy und der Gin, nebst dem Grok,
hergestellt nach dem berühmten Recepte: »=hot, strong and plenty=« --
»heiß, stark und reichlich« -- genug, um die geübtesten Trinker
der Provinz unter den Tisch zu bringen. Gegen Ende der drei Stunden
währenden Mahlzeit glänzten denn auch die Augen wie Feuerbrände und
glühten die Wangen wie Kohlen im Kamin. In der Familie Mac Carthy
huldigte man der Nüchternheit. Kein Glied derselben besuchte die für
die Katholiken begehenden »Aether-Schänken«, noch viel weniger die
»Alkohol-Schänken«, wo die Protestanten verkehrten. Doch bei einem
Taufschmause konnte man sich wohl ein wenig gehen lassen, und dann war
ja auch der Geistliche bei der Hand, um die Absolution zu ertheilen.
Martin beobachtete seine Gäste auch sorgsamst und fand dabei unerwartete
Unterstützung durch seinen zweiten Sohn Pat, der sich sehr mäßig
gehalten hatte, während Sim vielleicht »einen kleinen Spitz« davontrug.
Und als ein dicker Farmer aus der Nachbarschaft sich wunderte, daß ein
Seemann ein so zaghafter Trinker sei, erwiderte der junge Mann:
»Das kommt daher, daß ich die Geschichte John Playne's kenne!
-- Die Geschichte John Playne's?
-- Die Geschichte oder die Ballade, wie Sie wollen.
-- Wohlan denn, singen Sie uns die Ballade vor, Pat, sagte der
Geistliche, der diese Ablenkung sehr gern sah.
-- Ja, sie ist etwas trauriger Art und etwas sehr lang.
-- Thut nichts, mein Sohn, wir haben Muße genug, sie bis zum Ende zu
hören.«
Darauf hin begann Pat das Klagelied mit so machtvoller, ergreifender
Stimme, daß Findling das ganze Meer aus seinem Munde tönend glaubte.
Das Klagelied von John Playne.
I.
John Playne, glaubt mir's ruhig,
War grau am ganzen Haupt,
Doch trinken mußt' er immer
Bis ihn der Tod geraubt.
Zwei Stunden in der Schänke...
Braucht' es denn wohl noch mehr?
Da war sein Kopf gefüllt zwar,
Der Beutel aber leer.
Ha! Wenn es draußen fluthet,
Winkt' ihm ja neuer Lohn,
Und den dann zu vertrinken,
Darauf freut' er sich schon.
Das ist nun einmal Sitte
Der Fischer von Kromer,
Sie haben schwere Arbeit...
Nun flott, John Playne, auf's Meer!
»Nun, da ist er ja gleich aus der Schänke heraus, rief Sim.
-- Das ist hart für einen erprobten Trinker! bemerkte der dicke Farmer.
-- Er hat wohl schon genug getrunken, äußerte Martin.
-- Schon zu viel!« meinte der Pfarrer.
Pat fuhr nun fort:
II.
John Playne's kleines Fahrzeug,
Sehr spitz gebaut am Bug,
Mit Klüverbaum und Fockmast,
Den Namen »Cavan« trug.
Doch John muß sich beeilen,
Daß er gelangt an Bord,
Schon sind die andern Fischer
Weit aus dem Hafen fort.
Das Meer ist grausam pünktlich,
Hält die Gezeiten ein:
Zwei Stunden noch, die Ebbe
Wird dann vorüber sein.
Drum wenn sich John nicht sputet,
Sofort hinaus zu gehn,
Und gar das Wetter umschlägt,
Ist's um sein Boot geschehn.
»Er wird schon durch eigne Schuld noch Unglück haben, ließ sich die
Großmutter vernehmen.
-- Desto schlimmer für ihn!« versetzte der Pfarrer.
Pat fuhr weiter fort:
III.
Tief dunkel... droh'nder Himmel!
Schon schlägt der Wind zurück,
Laut braust es in den Lüften,
Und John mit Katzenblick
Schaut auf und lauscht verwundert...
Was drang da an sein Ohr?
Was stößt ans Felsenufer?
Er rafft sich schwer empor:
Da sieht sein Boot er schwanken,
Bedrängt vom Wogenring,
Ein Glück, daß es nicht splitternd
Dabei zugrunde ging.
John Playne flucht und wettert:
»Das halt' der Teufel aus!
Bei solchem Sturmeswüthen
Soll man aufs Meer hinaus!«
Doch klettert er ins Fahrzeug,
Ins rollende hinein,
Und zündet seine Pfeife
Mit Schwamm und Feuerstein.
Er stülpt sich den Südwester
Zum Schutze über, dann
Theerrock und Wasserstiefeln
Legt er arg schwankend an.
Mit Mühe richtet Playne
Den Mast im Boote auf
Und zieht das schwere Segel
Mit kräft'gem Ruck hinauf.
Dann zerrt er an der Drisse,
Das Klüversegel steigt,
Ob auch das kleine Fahrzeug,
Sich tief zur Seite neigt.
Er läßt das Sorrtau schießen;
Das Steuerruder faßt
Die nerv'ge Hand und spannt nun
Das Segel aus am Mast.
Doch als am Kruzifixe
Des Strands vorbei er fliegt,
Macht er des Kreuzes Zeichen,
So toll sich's Boot auch wiegt.
»Ein Irländer darf es unter keinen Umständen vergessen, sich zu
bekreuzigen, bemerkte Murdock ernst.
-- Selbst wenn er etwas getrunken hat, setzte Martin hinzu.
-- Der Herr sei ihm gnädig!« schloß der Geistliche die Zwischenrede.
Pat nahm das Klagelied wieder auf.
IV.
Die Bai mißt gut zwei Meilen
Bis hin zum Fischergrund;
Hier führt der Weg im Zickzack,
Dort fast im Bogen rund.
Und selbst am hellen Tage,
Hat, wer im Herzen zagt,
Noch keiner ohne Bangen
Die Fahrt hindurch gewagt.
John kennt des Wassers Tiefen,
Weiß, wo der Grund sich senkt,
Und sichern Aug's und Armes
Er ohne Zögern lenkt
Das Fahrzeug nach dem Vorberg
Mit altem Hafenlicht,
Wo nicht so toll sich's Wasser
Wie näh'r am Lande bricht.
John spannt das Segel weiter,
Daß voll der Wind es schwellt
Und klatschend vorn am Buge
Der Wogen Berg zerspellt.
Doch schon ist er am Ende
Der Durchfahrt nach Nordost
Wo Fluthwell' oder Ebbe
Nicht mehr so grimmig tost.
Er kennt die schwanken Zeichen
Des Wasserwegs, den Sand
Zur linken, wo manch Fahrzeug
Sich elend festgerannt.
Er knüpft die Schote fester
Am Eisenringe schwer...
John ist ein sich'rer Lootse...
Er schwimmt auf hohem Meer!
»Auf dem offnen Meere, dachte Findling. O, wie schön muß das sein!«
V.
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