Festlich erleuchtet prangte die unglückliche Stadt. Michael Strogoff lauschte; der Platz schien ihm still und verlassen. Tastend suchte er die Stelle zu erreichen, auf der seine Mutter niedersank. Seine Hand fand sie, er neigte sich über sie, er legte sein Antlitz auf das ihre, er hörte die Schläge ihres Herzens. Dann schien es, als flüsterte er ihr einige Worte zu. Lebte die alte Marfa noch, und hörte sie, was ihr Sohn zu ihr sagte? Jedenfalls machte sie nicht die geringste Bewegung. Michael Strogoff küßte ihr die Stirn und das weiße Haar. Dann erhob er sich, tastete mit den Füßen, suchte seine Hand auszustrecken, um den Weg zu finden, und schritt langsam nach dem Ende des Platzes. Plötzlich erschien Nadia. Sie ging gerade auf ihren Gefährten zu. Ein Dolch, den sie bei sich trug, diente ihr, die Fesseln zu durchschneiden, welche Michael Strogoff’s Arme drückten. Bei seiner Blindheit wußte dieser nicht, wer ihn befreite, denn Nadia hatte noch kein Wort gesprochen. Nachher erst flüsterte sie: „Bruder, mein Bruder! -- Nadia, erwiderte Michael Strogoff, Du, Nadia! -- Komm, Bruder! antwortete sie. Meine Augen werden nun die Deinigen sein, ich werde Dich nach Irkutsk führen!“ Sechs tes Capitel. Ein Freund unterwegs. Nach Verlauf einer halben Stunde hatten Michael Strogoff und Nadia Tomsk verlassen. Ueberhaupt gelang es im Laufe dieser Nacht einer ganzen Anzahl Gefangenen zu entweichen, da Soldaten und Officiere im Taumel der wilden Festlichkeiten die bisher gewohnte strenge Ueberwachung jenes Menschenknäuels vernachlässigten. Nadia vermochte also, nachdem man sie erst mit den anderen Gefangenen weggeführt hatte, zu entfliehen und nach dem Plateau zurück zu kehren, gerade als Michael Strogoff vor den Emir geschleppt wurde. Unter der Zuschauermenge verloren, hatte sie Alles mit angesehen. Nicht ein Schrei entfuhr ihr, als die weißglühende Säbelklinge die Augen ihres Begleiters streifte. Sie erzwang sich die Kraft, unbeweglich und lautlos zu verharren. Eine providentielle Ahnung gab ihr den Rath ein, sich zurück zu halten, um ihre Freiheit zu sichern und den Sohn Marfa Strogoff’s nach dem Ziele zu geleiten, das er zu erreichen geschworen hatte. Einen Augenblick wohl stand das Herz ihr still, als sie die alte Sibirerin ohnmächtig niedersinken sah, aber -ein- Gedanke reichte hin, ihr all’ die frühere Entschlossenheit zurück zu geben. „Ich werde der treue Hund des Blinden sein!“ sagte sie sich. Als Iwan Ogareff sich entfernte, suchte Nadia sich im Dunkel zu verbergen. Sie wartete gelassen, bis die Menge sich vom Plateau verlief. Verlassen, wie ein elendes Geschöpf, das man nicht weiter zu fürchten hatte, war Michael Strogoff allein gelassen worden. Sie sah, wie er sich zu seiner Mutter hin tastete, sich über sie beugte, ihre Stirn voll heißer Liebe küßte und dann zu entfliehen suchte ... Einige Minuten später verließen Beide Hand in Hand den Abhang des Hügels, folgten bis zum Ende der Stadt den Ufern des Tom und gelangten unbemerkt durch eine Oeffnung des Umfassungswalles. Nur die eine Straße nach Irkutsk verlief dort in östlicher Richtung. Nadia führte Michael Strogoff möglichst schnell mit sich fort, in der Besorgniß, es möchten die Plänkler des Emirs nach Schluß der thierischen Orgie, die sie jetzt feierten, wieder ausschwärmen und jeden Weg verlegen. Ihr galt es also, Jenen zuvor zu kommen, und Krasnojarsk, das übrigens 500 Werst von Tomsk entfernt liegt, eher als sie zu erreichen. Sich seitwärts von der Straße zu wagen, das hieß dem Ungewissen, Unbekannten, wahrscheinlich aber dem drohenden Verderben entgegen zu gehen. Wie Nadia die Anstrengungen der Nacht vom 16. zum 17. August zu ertragen vermochte; woher sie die Kräfte nahm, eine so lange Tagereise auszuhalten; wie ihre von dem anstrengenden Marsche der vorhergehenden Tage noch blutenden Füße sie bis dahin tragen konnten, – wohl ist das kaum begreiflich. Aber trotzdem erreichte sie am nächsten Tage, zwölf Stunden nach dem Aufbruch aus Tomsk, mit Michael Strogoff den Flecken Semilowskoë, – nach einem Wege von fünfzig Werst Länge. Michael Strogoff hatte noch keine Silbe gesprochen. Nicht Nadia hielt seine Hand, sondern er schloß sich die ganze Nacht über an die seiner Begleiterin; aber Dank dieser treuen Hand, die ihn, wenn auch leise zitternd, leitete, war er gewohnten schnellen Schrittes gegangen. Semilowskoë erwies sich fast vollständig verlassen. Aus Furcht vor den Tartaren waren die Einwohner nach der Provinz Yeniseïsk entflohen, und nur zwei oder drei Häuser bewohnt geblieben. Allen Reichthum der Stadt an nützlichen und werthvollen Gegenständen hatte man auf Karren fort geschafft. Dennoch konnte Nadia nicht umhin, hier einige Stunden Halt zu machen. Beide bedurften nothwendig der Nahrung und der Ruhe. Das junge Mädchen führte seinen Begleiter also nach dem Ende des Marktfleckens. Dort fand sich ein Haus mit offen stehender Thür. Sie traten ein. Neben dem in sibirischen Häusern gebräuchlichen ungeheuren Ofen stand mitten in der Stube eine einfache hölzerne Bank. Beide setzten sich dort nieder. Jetzt erst schaute Nadia ihrem geblendeten Gefährten in’s Gesicht, wie sie ihn wohl noch nie angesehen hatte. Aus ihrem Blicke sprach noch mehr als Dankbarkeit, mehr als Mitleid mit dem Unglück. Hätte nur Michael Strogoff sie sehen können, er hätte in ihrem verzweifelten Blick den Ausdruck der Ergebenheit ohne Grenzen, der innigsten Zärtlichkeit lesen müssen. Die von der hellglühenden Klinge gerötheten Lider bedeckten zur Hälfte die trockenen Augen des Blinden. Die Sklerotika (die weiße Augenhaut) erschien leicht gefaltet, wie verhornt, die Pupille auffallend vergrößert; die Iris (Regenbogenhaut) zeigte ein dunkleres Blau als vordem; Wimpern und Augenbrauen waren zum Theil verbrannt und versengt, – scheinbar aber hatte der so durchdringende Blick des jungen Mannes sich keineswegs verändert. Wenn er nicht sehen konnte, wenn seine Blindheit vollständig war, so rührte das von der totalen Zerstörung der Lichtempfindlichkeit der Netzhäute und Sehnerven durch die Hitze des glühenden Stahles her. Jetzt streckte Michael Strogoff seine hilflosen Hände aus. „Du bist hier, Nadia? fragte er. -- Ja, ich bin bei Dir, erwiderte das junge Mädchen, ich werde Dich niemals verlassen, Michael.“ Michael Strogoff erzitterte im Innern, als Nadia zum ersten Male seinen wahren Namen aussprach. Er begriff, daß seine Gefährtin Alles wußte, wer er sei und welche Bande ihn mit der alten Marfa verknüpften. „Nadia, fuhr er fort, wir werden uns trennen müssen. -- Uns trennen? Und warum, Michael? -- Ich will Dir kein Hinderniß Deiner Reise sein. Dein Vater erwartet Dich in Irkutsk. Du mußt zu ihm eilen. -- Mein Vater würde mir fluchen, Michael, wenn ich Dich, nach dem, was Du für mich gethan, verlassen wollte. -- Nadia, Nadia, erwiderte Michael Strogoff, und drückte die Hand, welche das junge Mädchen in die seinige gelegt hatte, Du hast an Niemand als an Deinen Vater zu denken. -- Michael, antwortete Nadia fast bitter, Du bedarfst meiner jetzt mehr, als mein Vater! Willst Du denn darauf verzichten, nach Irkutsk zu kommen? -- Niemals! sagte Michael Strogoff schnell und in einem Tone, der seine ganze frühere Energie durchklingen ließ. -- Du besitzest aber jenen Brief nicht mehr ... -- Den Brief, den Iwan Ogareff mir raubte!... Ja wohl, doch auch das soll mich nicht abhalten, Nadia! – Sie haben mich als Spion verurtheilt, – gut, so werde ich handeln wie ein Spion. In Irkutsk will ich Alles sagen, was ich gesehen, was ich gehört habe, und, beim allmächtigen Gott, ich schwöre es, daß der Verräther mich noch einmal zu Gesicht bekommen soll; nur muß ich vor ihm in Irkutsk ankommen. -- Und doch sprichst Du von Trennung, Michael! -- Die Nichtswürdigen haben mir Alles gestohlen, Nadia. -- Mir blieben noch einige Rubel und meine Augen. Ich kann für Dich mit ihnen sehen und Dich dahin führen, wohin Du allein niemals gelangen würdest. -- Und wie sollen wir weiter reisen? -- Zu Fuß. -- Und wovon leben? -- Wir betteln. -- Nun denn, mit Gott! -- Komm, Michael.“ Die beiden jungen Leute nannten sich nicht mehr Bruder und Schwester, das gemeinsame Unglück kettete sie noch inniger an einander. Beide verließen das Haus, nachdem sie eine Stunde geruht hatten. Nadia durcheilte vorher die Straßen des kleinen Ortes, und es war ihr geglückt, einige Stücken „Tschornekhleb“, d. i. eine Art Gerstenbrod, und etwas Meth, der in Rußland mit dem Namen „Meed“ bezeichnet wird, zu erlangen. Beides kostete ihr nichts, denn sie hatte sich bezwungen, als Bettlerin anzuklopfen. Das Brod und der Meth sättigten nothdürftig Michael Strogoff’s Hunger und Durst. Nadia hatte ihm den größeren Theil des kärglichen Mahles aufgenöthigt. Er aß die Brodbissen, die ihm seine Gefährtin einen nach dem andern reichte; er trank aus der Kürbisflasche, die sie an seine Lippen setzte. „Ißt Du auch, Nadia? fragte er wiederholt. -- Ja wohl, Michael“, beruhigte ihn das junge Mädchen, während es sich doch mit den Ueberresten begnügte. Michael Strogoff und Nadia verließen Semilowskoë und begaben sich wieder auf den mühseligen Weg nach Irkutsk. Energisch widerstand das junge Mädchen jeder Ermüdung. Hätte Michael Strogoff sie gesehen, es wäre ihm wohl der Muth gesunken, weiter zu ziehen. Nadia aber beklagte sich nicht, und da Michael Strogoff keinen leisen Seufzer hörte, so ging er mit einer Hast, die er selbst nicht zu zügeln vermochte. Und warum? Durfte er hoffen, den Tartaren zuvor zu kommen? Er war zu Fuß, ohne Geld und – blind, und wenn Nadia, seine einzige Führerin, ihm entrissen werden sollte, blieb ihm ja nichts Anderes übrig, als sich an die Seite der Straße zu legen und elend zu verderben. Konnte er dagegen durch ungebeugte Energie nach Krasnojarsk gelangen, so war vielleicht noch nicht Alles verloren, da der Gouverneur, dem er sich zu entdecken gedachte, ihm ohne Zweifel die nöthigen Mittel gewähren würde, um Irkutsk zu erreichen. Michael Strogoff wanderte also karg an Worten und versunken in Gedanken weiter. Er hielt Nadia’s Hand. Beide blieben ununterbrochen vereinigt. Es schien, als bedürften sie der Sprache zum Austausch ihrer Gedanken gar nicht mehr. Von Zeit zu Zeit unterbrach Michael Strogoff wohl das Schweigen. „Sprich doch zu mir, Nadia, sagte er. -- Wozu das, Michael? Wir denken ja zusammen!“ antwortete die junge Liefländerin und bemühte sich, ihre Erschöpfung nicht durch ihre Stimme zu verrathen. Manchmal aber sanken ihre Füße zusammen, als stände ihr Puls schon still, ihr Schritt verlangsamte sich und mit flehend geöffneten Armen blieb sie ein wenig zurück, dann hemmte auch Michael Strogoff seine Schritte und richtete die Augen auf das junge Mädchen, so als könne er es in der Dunkelheit, die ihn umgab, erkennen. Seine Brust hob sich; er suchte seine Begleiterin noch besser zu unterstützen und nahm den ermüdenden Weg wieder auf. Diese ununterbrochenen Anstrengungen sollten aber heute eine überaus glückliche Wendung erfahren, welche Beiden für die Zukunft eine große Erleichterung versprach. Seit zwei Stunden hatten sie Semilowskoë verlassen, als Michael Strogoff stehen blieb und fragte: „Ist die Straße menschenleer? -- Vollständig verlassen, antwortete Nadia. -- Hörst Du nicht hinter uns irgend ein Geräusch? -- Ja, wirklich. -- Das könnten Tartaren sein; wir werden uns verbergen müssen. Passe wohl auf! -- Warte ein wenig, Michael!“ erwiderte Nadia und ging die Straße einige Schritte, bis zu einer nahen Biegung rückwärts. Michael Strogoff blieb, angestrengt lauschend, einige Augenblicke allein. Nadia kehrte sehr bald zurück und meldete: „Es ist ein Wagen hinter uns, den ein junger Mann führt. -- Ist er allein? -- So viel ich sehen kann, ja.“ Michael Strogoff zögerte einen Moment. Sollte er sich verbergen? – oder sollte er im Gegentheil bei der sich bietenden Gelegenheit versuchen, auf diesem Wagen, wenn auch nicht für sich selbst, so doch vielleicht für sie, einen Platz zu erhalten? Er würde sich damit begnügen, eine Hand auf den Wagen zu stützen; ja, er würde diesen selbst mit schieben, denn seine Füße versagten ihm voraussichtlich niemals den Dienst, aber er fühlte wohl, daß Nadia durch die lange, achttägige Wanderung vom Obi bis hierher am Ende ihrer Kräfte sein müsse. Er wartete. Der Wagen zeigte sich bald an dem Knie der Straße. Es war ein sehr verfallenes, für höchstens drei Personen eingerichtetes Fuhrwerk, eine in der dortigen Gegend sogenannte Kibitka. Gewöhnlich bilden drei Pferde die Bespannung einer solchen Kibitka; diese wurde aber nur von einem Pferde mit langer Behaarung und dickbuschiger Mähne und Schweif gezogen, dessen offenbar mongolische Abstammung seine Stärke und Ausdauer verrieth. Als Führer saß ein junger Mann auf dem Wagen, neben welchem ein Hund neugierig hervorguckte. Nadia erkannte bald, daß der junge Mann ein Russe sei. Er hatte ein freundliches, ruhiges, Vertrauen erweckendes Gesicht. Besondere Eile schien er auch nicht zu haben. Er trottete ruhigen Schrittes dahin, um sein Pferd nicht überanzustrengen, und wer ihn so sah, hätte gewiß nie geglaubt, daß er auf einem Wege fahre, den die wilden Horden der Tartaren jederzeit abschneiden konnten. Nadia faßte Michael Strogoff’s Hand sicherer und trat zur Seite. Die Kibitka hielt; lächelnd sah deren Führer das junge Mädchen an. „Ei, wo wandert Ihr denn hin?“ fragte er mit freundlich theilnehmendem Blicke. Der Ton dieser Stimme belehrte Michael Strogoff, daß er dieselbe irgendwo schon einmal gehört habe. Ohne Zweifel genügte ihm dieser Anhaltepunkt, um den Führer der Kibitka wieder zu erkennen, denn seine sorgenvolle Stirn heiterte sich plötzlich auf. „Nun, wohin wollt Ihr denn? wiederholte der junge Mann, indem er sich direct an Michael Strogoff wandte. -- Wir gehen nach Irkutsk, antwortete dieser. -- Aber, Väterchen, Du weißt wohl gar nicht, daß es noch viele, viele Werst bis Irkutsk ist. -- O ja, das weiß ich. -- Und Du reisest zu Fuß? -- Wie Du siehst. -- Für Dich mag das angehen, aber die junge Dame ... -- Das ist meine Schwester, fiel Michael Strogoff ein, der es für gerathener hielt, ihr diese Bezeichnung wieder beizulegen. -- Ja, das ist ganz gut, Väterchen. Aber traue meinem Worte, sie wird zu Fuß niemals nach Irkutsk kommen. -- Guter Freund, begann Michael Strogoff und näherte sich dem Wagen, die Tartaren haben uns geplündert und ich besitze keine Kopeke, sie Dir anzubieten; doch wenn Du nur meine Schwester mit auf den Wagen nehmen willst, so werd’ ich Dir gern zu Fuß folgen, nöthigenfalls laufen, um Dich keine Stunde aufzuhalten ... -- Aber, Bruder, fiel ihm Nadia in’s Wort,... ich will das nicht, nein, ich will nicht!... Mein Bruder ist blind, mein Herr! -- Blind! rief der junge Mann mit bewegter Stimme. -- Die Tartaren blendeten ihm die Augen durch Feuer! setzte Nadia dazu, während sie die Hände ausstreckte, um sein Mitleid anzurufen. -- Die Augen haben sie Dir ausgebrannt? – O, Du armes Väterchen! – Nun, ich will nach Krasnojarsk. Warum willst Du nicht mit Deiner Schwester auf meinem Wagen Platz nehmen? Wenn wir uns etwas einrichten, werden alle drei Platz finden. Mein Hund wird nichts dagegen haben, weiter zu Fuß zu gehen. Nur fahre ich nicht sehr schnell, um mein Pferd zu schonen. -- Wie ist Dein Name, Freund? fragte Michael Strogoff. -- Ich heiße Nicolaus Pigassof. -- Diesen Namen werd’ ich niemals vergessen, betheuerte Michael Strogoff. -- Nun komm, steig’ auf, blindes Väterchen. Hinten im Wagen mag Deine Schwester neben Dir sitzen; ich werde davor Platz finden, um das Pferd zu führen. Im Wagen liegt schöne Birkenrinde und Gerstenstroh – es ist wie ein warmes Nest darin. Allons, Sersko, mach’ Platz!“ Der Hund sprang, ohne sich bitten zu lassen, herab. Er war von sibirischer Race mit grauem Fell, von mittlerer Größe, mit großem, gutmüthigem Kopfe und schien sehr an seinem Herrn zu hängen. Michael Strogoff und Nadia richteten sich schnell in der Kibitka ein. Michael Strogoff hatte die Hände ausgestreckt, um die Nicolaus Pigassof’s zu suchen. „Meine Hand willst Du drücken, Väterchen? sagte Nicolaus. Hier ist sie! Drücke sie, soviel es Dir Vergnügen macht.“ Die Kibitka setzte sich wieder in Bewegung. Das Pferd, welches Nicolaus Pigassof nie mit der Peitsche antrieb, war ein Paßgänger. Wenn Michael Strogoff auch an Schnelligkeit nicht viel gewann, so blieben ihm und Nadia doch weitere Körperanstrengungen erspart. Die Erschöpfung des jungen Mädchens war auch so groß, daß es, geschaukelt von dem gleichmäßigen Schwanken der Kibitka, bald in tiefen, fast todtenähnlichen Schlaf verfiel. Michael Strogoff und Nicolaus Pigassof betteten die müde Schläferin so gut es ging auf Birkenlaub und Stroh. Der mitleidige junge Mann war innig bewegt, und wenn sich aus Michael Strogoff’s Lidern keine Thräne drängte, so lag es daran, daß das glühende Eisen deren Quelle versiegen gemacht hatte. „Es ist ein nettes Mädchen, sagte Nicolaus. -- O ja, erwiderte Michael Strogoff. -- Die Püppchen wollen immer stark sein, Väterchen, immer muthig, und im Grunde sind sie doch nur schwach. – Kommt Ihr von weit her? -- Von sehr weit. -- Arme Leutchen, – das mußte Dir sehr weh thun, als sie Deine Augen verbrannten. -- Ja gewiß, erwiderte Michael Strogoff sich umwendend, als hätte er Nicolaus sehen können. -- Und Du weintest dabei nicht? -- Doch. -- O, ich hätte wohl auch geweint. Zu denken, daß man seine Lieben niemals wiedersehen soll! Aber, sie können Euch doch sehen, darin liegt ja wenigstens -ein- Trost. -- Ja, vielleicht. – Sage mir, Freund, fragte Michael Strogoff, solltest Du mich noch niemals gesehen haben? -- Dich, Väterchen? Daß ich nicht wüßte. -- Mir kommt der Ton Deiner Stimme so bekannt vor. -- Sieh da! versetzte Nicolaus lächelnd. Er kennt den Klang meiner Stimme. Du fragst mich das vielleicht, um zu erfahren, woher ich komme. O, das will ich Dir sagen. Ich komme von Kolyvan. -- Von Kolyvan? wiederholte Michael Strogoff. Dann bin ich Dir aber doch begegnet. Du warst dort im Telegraphenamte? -- Das trifft, bestätigte Nicolaus. Ich wohnte daselbst als Beamter. -- Und bliebst dort bis zum letzten Augenblick? -- Nun, ich war wohl verpflichtet, bis zum Aeußersten auszuharren. -- Das geschah an dem Tage, da ein Engländer und ein Franzose, die Hände voller Rubelstücke, sich um den Platz an Deinem Schalter stritten und der Engländer die ersten Verse der Bibel abtelegraphiren ließ? -- Das mag sein, Väterchen, doch ich entsinne mich dessen nicht. -- Wie? Daran erinnerst Du Dich nicht? -- Ich lese die abzusendenden Depeschen niemals. Es ist meine Pflicht, sie zu vergessen, und das Kürzeste, gar keine Kenntniß von ihnen zu nehmen.“ Diese Antwort schloß Michael Strogoff den Mund. Inzwischen bewegte sich die Kibitka in ihrem mäßigen Tempo weiter, das Michael Strogoff so gern etwas beschleunigt hätte. Doch Nicolaus und sein Pferd erschienen an jenes so gewöhnt, daß weder der Eine noch das Andere je davon abgingen. Drei Stunden lang zog das Pferd in gleichem Schritte weiter, dann ruhte es während einer Stunde, – und das Tag und Nacht. An den Haltestellen weidete das Thier und die Insassen der Kibitka nahmen in Gesellschaft des treuen Sersko einen Imbiß ein. Die Kibitka war mindestens für zwanzig Personen verproviantirt, und Nicolaus stellte opferwillig seine Vorräthe den beiden Gästen, die er für Bruder und Schwester hielt, zur Verfügung. Nach eintägiger Ruhe gewann Nadia ihre Kräfte so ziemlich wieder. Nicolaus sorgte nach Kräften für ihr Wohlergehen. Die Reise ging, wenn auch langsam, doch regelmäßig und unter ganz leidlichen Verhältnissen von statten. Es kam auch vor, daß Nicolaus während der Nacht, die Zügel in den Händen, einschlief, wobei sein ungestörtes Schnarchen ein beredtes Zeugniß für sein ruhiges Gewissen ablegte. Dann hätte man beobachten können, daß Michael Strogoff die Zügel des Pferdes zu erlangen und dieses in schnelleren Gang zu bringen suchte, zum größten Erstaunen Sersko’s, der das indeß schweigend geschehen ließ. Unwiderruflich verlangsamte sich dieser Trab aber sofort wieder zu dem alten Paßgang, sobald Nicolaus erwachte; nichtsdestoweniger hatte die Kibitka einige Werst über die reglementmäßige Geschwindigkeit gewonnen. So kreuzte man den Ischimsk-Strom, durchzog die Flecken Ischimskoë, Berikylskoë, Kuskoë, den Mariinsk-Fluß, die gleichnamige Ortschaft, Bogostowskoë und kam endlich über den Tschula, einen unbedeutenderen Wasserlauf, der Westsibirien von Ostsibirien scheidet. Die Straße durchschnitt hier bald ungeheure Haiden, welche einen ausgedehnten Ueberblick gestatteten, bald dichte Tannenwälder, die gar kein Ende zu nehmen schienen. Alles war öde; die Wohnstätten der Menschen fast ausnahmslos verlassen. Die Landleute flüchteten sich über den Yeniseï, in der Meinung, daß dieser breite Strom den Tartaren Halt gebieten werde. Am 22. August erreichte die Kibitka den Flecken Atschinsk, 380 Werst von Tomsk. Hundertzwanzig Werst trennten sie nun noch von Krasnojarsk. Kein Zwischenfall hatte die Fahrt gestört. Seit sechs Tagen vereinigt waren Nicolaus, Michael Strogoff und Nadia die nämlichen geblieben, jener bezüglich seiner unerschütterlichen Ruhe, diese unruhig und besorgt wegen der Stunde, in der sich ihr Gefährte von ihnen trennen würde. Michael Strogoff sah wirklich die durchfahrenen Landstrecken durch die Augen Nicolaus’ und des jungen Mädchens. Abwechselnd beschrieben ihm Beide die Gegenden, durch welche die Kibitka fuhr. Er wußte, ob in der Umgebung ein Wald oder eine offene Ebene sei, ob sich ein verlorenes Häuschen in der Steppe oder ein Sibirer in der Ferne zeigte. Nicolaus’ Zunge stand selten still. Er liebte es, zu plaudern, und bei seiner eigenen Anschauungsweise der Dinge hörte man ihm gern zu. Eines Tages fragte ihn Michael Strogoff, wie die Witterung sei. „O, recht schön, Väterchen, antwortete er, aber wir haben nun auch die letzten angenehmen Sommertage. Der Herbst ist in Sibirien kurz und bald genug werden sich die ersten Winterfröste melden. Vielleicht beschließen die Tartaren, während der schlechten Jahreszeit Cantonnements zu beziehen?“ Ungläubig schüttelte Michael Strogoff den Kopf. „Du glaubst es nicht, Väterchen, bemerkte Nicolaus. Du denkst, sie werden bis Irkutsk vordringen? -- Ich fürchte es, erwiderte Michael Strogoff. -- Ja ... Du kannst Recht haben. Sie haben da einen Schurken bei sich, der ihren Kriegseifer nicht auf halbem Wege erkalten lassen wird. – Hast Du von Iwan Ogareff gehört? -- Gewiß. -- Weißt Du, daß es sehr schlecht ist, sein Vaterland zu verrathen? -- Ja, das ist es ... antwortete Michael Strogoff, der seine Ruhe mühsam zu bewahren suchte. -- Väterchen, versetzte Nicolaus, mir scheint, es empört Dich gar nicht so sehr, von Iwan Ogareff sprechen zu hören. Jedes russische Herz zittert doch sonst vor Wuth, wenn man diesen Namen ausspricht. -- Glaube mir, Freund, ich hasse ihn mehr, als Du ihn jemals hassen könntest. -- Das ist unmöglich, erklärte Nicolaus; nein, das ist nicht möglich! Wenn ich an Iwan Ogareff denke, an das Böse, das er unserm heiligen Rußland zugefügt hat, so übermannt mich der Zorn und wenn ich ihn unter den Händen hätte ... -- Nun, wenn Du ihn hättest, Freund? -- Ich glaube, ich würde ihn umbringen. -- Und ich, ich weiß das gewiß“, erklärte ruhig Michael Strogoff. Siebentes Capitel. Die Ueberschreitung des Jeniseï. Am 25. August kam die Kibitka mit sinkendem Tage in Sicht von Krasnojarsk an. Die Reise von Tomsk bis hierher hatte acht Tage in Anspruch genommen. Wenn sie trotz aller Bemühungen Michael Strogoff’s nicht schneller vor sich ging, kam das daher, daß Nicolaus nur sehr wenig schlief. Daraus ergab sich die Unmöglichkeit, die Gangart seines Pferdes zu beschleunigen, das unter anderen Händen nur sechzig Stunden zu dieser Strecke gebraucht hätte. Zum Glück war von den Tartaren noch gar nichts zu spüren. Kein Plänkler ließ sich bis jetzt auf der von der Kibitka verfolgten Straße sehen. Es erschien das ganz unbegreiflich, und offenbar mußte ein sehr gewichtiger Umstand die Truppen des Emirs verhindert haben, ohne Verzug nach Irkutsk zu weiter zu marschiren. In der That war ein solches Hinderniß eingetreten. Ein neues in aller Eile gesammeltes russisches Corps war aus dem Gouvernement Jeniseïsk auf Tomsk gezogen, um diese Stadt womöglich wieder zu erobern. Freilich erwies es sich der Heeresmacht Feofar-Khan’s gegenüber noch zu schwach und hatte sich wieder zurückziehen müssen. Nach Vereinigung seiner eigenen Truppen mit den Soldaten der Khanate von Khokhand und Kunduz verfügte Feofar-Khan über eine Gesammtzahl von 250,000 Mann, denen die russische Regierung noch keine hinreichende Truppenmacht entgegen zu stellen vermochte. So frühzeitig die Invasion zu ersticken schien nicht ausführbar, und jedenfalls konnten die Tartarenhaufen versuchen, nach Irkutsk aufzubrechen. Am 22. August kam es zu jenem Treffen bei Tomsk, von dem Michael Strogoff zunächst nichts wußte, das aber hinreichend erklärt, warum der Vortrab des Emirs Krasnojarsk noch am 25. unbelästigt gelassen hatte. Kannte Michael Strogoff auch die jüngsten Ereignisse nicht, so wußte er doch das Eine, daß er den Tartaren um mehrere Tage voraus war und nicht daran zu verzweifeln brauchte, Irkutsk vor ihnen zu erreichen. Die Hauptstadt Ostsibiriens lag jetzt noch 850 Werst (= 900 Kilometer) von ihm entfernt. Er rechnete übrigens darauf, daß es ihm in Krasnojarsk, einer Stadt von etwa 12,000 Seelen, an Transportmitteln nicht fehlen könne. Da Nicolaus Pigassof in dieser Stadt bleiben wollte, machte sich die Beschaffung eines Führers und eines anderen schnelleren Fuhrwerkes nöthig. Michael Strogoff hoffte, es werde ihm, wenn er sich an den Gouverneur der Stadt wendete, seine Identität und seine Eigenschaft als Courier des Czaaren nachwies, – was ihm nicht schwer fallen konnte, – gewiß gelingen, mit dessen Hilfe Irkutsk in kürzester Zeit zu erreichen. Er hatte dann dem wackeren Nicolaus Pigassof nur noch seinen herzlichen Dank abzustatten und unverzüglich mit Nadia abzureisen, denn diese wollte er nicht eher verlassen, als bis er sie den Händen ihres Vaters übergeben hätte. Nicolaus’ Entschluß, in Krasnojarsk zu bleiben, galt freilich nur „unter der Bedingung, dort Verwendung zu finden“. Dieses Muster eines Beamten strebte nur darnach, sich, nachdem er seinen Posten in Kolyvan bis zum letzten Augenblick behauptet, der Telegraphen-Verwaltung sofort wieder zur Verfügung zu stellen. „Wie könnte ich einen Gehalt angreifen, den ich nicht verdient hätte?“ wiederholte er mehrfach. Für den Fall, daß man seiner Dienste auch in Krasnojarsk nicht benöthigte, wollte er, da letztere Stadt mit Irkutsk noch immer in telegraphischer Verbindung stehen mußte, sich entweder nach Udinsk, oder auch nach der Hauptstadt Sibiriens begeben. Dann setzte er aber seine Reise mit dem Bruder und der Schwester fort, und wo hätten diese einen sicherern Führer, einen ergebeneren Freund finden können? Die Kibitka befand sich jetzt nur noch eine halbe Werst von Krasnojarsk. Rechts und links bemerkte man jene zahlreichen Kreuze, wie sie sich hier an den Straßen in der Nähe der Stadt finden. Es war um sieben Uhr des Abends. An dem klaren Himmel zeichneten sich die Silhouetten der Kirchen und die Profile der an dem steilen Abhange des Jeniseï erbauten Häuser ab. Das Wasser des Flusses erglänzte in den letzten Lichtstrahlen der Atmosphäre. Die Kibitka hielt an. „Wo sind wir, Schwester? fragte Michael Strogoff. -- Eine halbe Werst von den ersten Häusern der Stadt, belehrte ihn Nadia. -- Ist die ganze Stadt eingeschlafen? fuhr Michael Strogoff fort. Kein Laut dringt zu meinen Ohren. -- Und ich sehe auch kein Licht erglänzen, keinen Rauch in die Luft emporsteigen, fügte Nadia hinzu. -- Eine eigenthümliche Stadt! sagte Nicolaus. Hier macht man keinen Lärmen und legt sich sehr zeitig nieder!“ In Michael Strogoff stieg eine böse Ahnung auf. Er hatte Nadia noch nicht mitgetheilt, welche Hoffnung er auf Krasnojarsk setzte, wo er die Mittel zur sicheren Fortsetzung ihrer Reise zu erlangen glaubte. Jetzt fürchtete er, seine Hoffnung werde noch einmal getäuscht werden. Aber Nadia hatte seine Gedanken errathen, obgleich sie nicht begriff, warum ihr Gefährte jetzt, nach Verlust des kaiserlichen Handschreibens, so sehr eilte, nach Irkutsk zu kommen. Eines Tages hatte sie mit Bezug hierauf auch einige Worte fallen lassen. „Ich habe geschworen, nach Irkutsk zu gehen!“ Darauf beschränkte sich seine ganze Antwort. Um jedoch den Zweck seiner Sendung zu erfüllen, mußte er in Krasnojarsk noch ein schnelles Beförderungsmittel finden. „Nun, Freund, wandte er sich an Nicolaus, weshalb fahren wir nicht weiter? -- Ich befürchte, die Bewohner der Stadt durch das Geräusch unsres Wagens aus dem Schlafe zu stören.“ Durch einen leichten Streich mit der Peitsche setzte Nicolaus sein Pferd wieder in Bewegung. Sersko schlug einige Male an und die Kibitka rollte mäßig schnell die Straße hinab, die nach Krasnojarsk hinein führte. Zehn Minuten später befand sie sich in der Hauptstraße. Auch Krasnojarsk war verlassen! Kein Athener belebte „das nordische Athen“, wie Frau von Bourboulon die Stadt genannt hat. Keine jener so prächtig bespannten Equipagen rollte durch die breiten, reinlichen Straßen. Kein Fußgänger wandelte auf den Trottoirs der schönen, in monumentalem Style erbauten Holzhäuser. Keine elegante, nach neuester Pariser Mode gekleidete Sibirerin, promenirte in jenem herrlichen Parke, der, in einem Birkenwalde angelegt, sich bis an das Ufer des Jeniseï fortsetzte. Die große Glocke der Kathedrale schwieg, die Glockenspiele der Kirchen blieben stumm, während sonst nur selten der Gesang derselben in den russischen Städten nicht ertönt. Doch hier war Alles erstorben. Kein lebendes Wesen athmete mehr in der sonst so verkehrsreichen Stadt! Das letzte Telegramm aus dem Cabinet des Czaaren vor Unterbrechung der telegraphischen Verbindung befahl dem Gouverneur, der Garnison, den Einwohnern allen, Krasnojarsk zu verlassen, jeden werthvollen Gegenstand und Alles, was den Tartaren hätte von Nutzen sein können, wegzuschaffen und nach Irkutsk zu flüchten. Dieselbe Verordnung traf die Einwohner aller kleineren Ortschaften der Provinz. Die russische Regierung suchte vor den Schritten der Feinde eine Wüste herzustellen. Solche eines Rostopschin würdige Befehle wurden nicht einen Augenblick lang kritisirt. Man kam ihnen einfach nach, und deshalb blieb auch kein lebendes Wesen in Krasnojarsk zurück. Michael Strogoff, Nadia und Nicolaus durchwanderten schweigend die Straßen der Stadt. Sie selbst verursachten das einzige Geräusch, das in dieser todten Stadt ertönte. Von den Empfindungen, die ihn marterten, ließ Michael Strogoff zwar äußerlich nichts merken, aber es kochte doch manchmal auf in ihm über das unersättliche Mißgeschick, welches ihn verfolgte und seine Hoffnungen noch einmal so bitter täuschte. „Großer Gott, jammerte Nicolaus, in dieser Wüstenei werde ich meinen Gehalt nimmer ehrlich verdienen können. -- Guter Freund, redete ihm Nadia zu, Sie werden mit uns den Weg nach Irkutsk einschlagen müssen. -- Freilich muß ich das! antwortete Nicolaus. Zwischen Udinsk und Irkutsk muß die Leitung noch im Stande sein und da ... Wollen wir weiter, Väterchen? -- Warten wir bis morgen, erwiderte Michael Strogoff. -- Du hast Recht, bestätigte Nicolaus. Wir müssen den Jeniseï passiren und dazu sehen können. -- Sehen können!“ murmelte Nadia mit einem Gedanken an ihren blinden Gefährten. Nicolaus hatte doch ihre Bemerkung gehört und wendete sich an Michael Strogoff. „Verzeihe, Väterchen, sagte er. Ach, Nacht und Tag, das ist für Dich ja gleichgiltig! -- Mache Dir keine Vorwürfe, Freund, beruhigte ihn Michael Strogoff und strich dabei mit der Hand über seine Augen. Mit Dir als Führer kann ich auch noch etwas nützen. Ruhe jetzt einige Stunden aus. Auch Nadia mag sich durch den Schlummer stärken. Morgen wird es ja wieder Tag.“ Michael Strogoff, Nadia und Nicolaus hatten nicht lange zu suchen, um eine Ruhestätte zu finden. Das erste Haus, dessen Thüre sie öffneten, war ja ebenso leer, wie alle die anderen. Nur einige Haufen Laubwerk fanden sich darin vor. In Ermangelung besseren Futters mußte das Pferd sich mit diesem begnügen. Von dem noch nicht erschöpften Proviant aus der Kibitka erhielt jeder seinen Theil. Nachdem sie dann vor einem bescheidenen, an der Wand hängenden Bilde der Panaghia, welches das letzte Flämmchen einer Lampe beleuchtete, ihre Knie gebeugt, schliefen Nicolaus und das junge Mädchen bald ein, während Michael Strogoff, den der Schlaf noch floh, neben ihnen wachte. Am folgenden Tage, dem 26. August, fuhr die wieder angeschirrte Kibitka durch den Birkenpark nach dem Ufer des Jeniseï. Michael Strogoff war sehr besorgt. Auf welche Weise sollte der Fluß überschritten werden, wenn man, wie anzunehmen war, alle Boote und Fähren zerstört hatte, um das Vordringen der Tartaren zu verzögern? Er kannte den Jeniseï, den er schon manchmal passirte, sehr gut, ebenso die beträchtliche Breite desselben, wie die heftigen Stromschnellen zwischen den Inseln in seinem Bette. Unter gewöhnlichen Verhältnissen verlangt die Ueberschreitung des Jeniseï mittels besonderer für den Transport von Reisenden, Wagen und Pferden eingerichteter Fähren eine Zeit von drei Stunden, und dabei erreichen diese Fährboote das rechte Ufer nur unter dem Aufwande der größten Anstrengungen. Wie sollte nun, beim Mangel jedes Transportmittels, die Kibitka von einem Ufer zum andern gelangen? „Und ich muß doch hinüber kommen!“ sagte sich Michael Strogoff wiederholt. Der Tag begann zu grauen, als die Kibitka an einer dort auslaufenden Allee des Parkes das linke Stromufer erreichte. An dieser Stelle erhebt sich das Uferland etwa hundert Fuß über der Wasserfläche, so daß diese bis auf weite Entfernung hin zu übersehen ist. „Entdeckt Ihr eine Fähre? fragte Michael Strogoff, indem er seine Augen, eine Folge früher Gewohnheit, hier- und dorthin wendete, als könne er selbst noch sehen. -- Noch ist es kaum Tag, antwortete Nadia. Auf dem Strome liegt ein so dichter Dunst, daß man kaum das Wasser zu sehen vermag. -- Doch ich höre das Rauschen der Wellen“, setzte Michael Strogoff noch hinzu. Wirklich drang aus den tieferen Nebelschichten ein Brausen von auf einander treffenden Strömungen und Gegenströmungen herauf. Das zu dieser Jahreszeit sehr angeschwollene Wasser rauschte mit furchtbarer Gewalt dahin. Alle Drei horchten und warteten auf das Verschwinden des Nebelvorhanges. Rasch stieg nun die Sonne über den Horizont empor und ihre ersten warmen Strahlen tranken die angesammelten Dünste weg. „Nun? fragte Michael Strogoff. -- Der Nebel beginnt zu weichen, Bruder, antwortete ihm Nadia; schon durchdringt ihn allmälig das Licht des Tages. -- Das Niveau des Flusses siehst Du noch nicht? -- Bis jetzt noch nicht. -- Etwas Geduld, Väterchen, sagte Nicolaus. Es wird sich Alles machen. Da, es erhebt sich schon ein frischer Wind; er wird die Nebel bald vertreiben. Schon zeigen die hohen Hügel des andern Ufers ihre dichten Baumreihen. Die dienstwilligen Sonnenstrahlen verzehren die angehäuften Wasserdünste. O, wie schön das ist, Du armer Blinder, und welches Unglück für Dich, dies prächtige Schauspiel nicht genießen zu können! -- Siehst Du ein Fahrzeug? fragte Michael Strogoff. -- Ich sehe keines, antwortete Nicolaus. -- Sieh scharf hinaus, Freund, längs dieses Ufers und längs des anderen, soweit Deine Augen reichen. Ein Boot! eine Barke, nur ein Canot aus Baumrinde!“ Nicolaus und Nadia, die sich an den äußersten Birkenstämmen des steilen Ufers anhielten, bogen sich fast bis über den Fluß hinaus. Ihr Gesichtskreis gewann dadurch noch mehr an Ausdehnung. Der Jeniseï ist an dieser Stelle nicht weniger als anderthalb Werst breit und bildet zwei ungleich große Arme, in welchen die Wellen mit erstaunlicher Schnelligkeit dahin schießen. Zwischen diesen Armen liegen mehrere Inseln zerstreut, die mit ihren Erlen, Weiden und Pappeln wie eben so viele im Flusse verankerte Fahrzeuge aussehen. Ueber diesen erheben sich die Hügel des östlichen Ufers, gekrönt mit Wäldern, deren Baumgipfel jetzt in purpurnem Morgenlichte flammten. Stromaufwärts und stromabwärts erstreckte sich der Lauf des Jeniseï bis über Gesichtsweite hinaus. Das ganze wunderbar schöne Panorama entrollte sich in einem Umfange von mindestens fünfzig Werst. Ein Boot aber zeigte sich weder am rechten noch am linken Ufer, noch auch an dem Rande der Inseln. Schafften die Tartaren also das Material zum Bau einer Schiffbrücke nicht selbst von Süden hierher, so mußte ihr Zug auf Irkutsk durch den schwer überschreitbaren Jeniseï eine nicht unbeträchtliche Verzögerung erfahren. „Ich erinnere mich, begann da Michael Strogoff, eines kleinen Ausschiffungsplatzes, weiter oben, nahe den letzten Häusern von Krasnojarsk. Dort legten die Fähren an. Laß uns den Fluß hinauf ziehen, Freund, und sieh dabei zu, ob nicht eine einzige Barke vergessen worden ist.“ Nicolaus wendete sich nach der angedeuteten Richtung. Nadia ergriff Michael Strogoff’s Hand und führte ihn schnellen Schrittes dahin. Eine Barke, nur ein hinreichend großes Boot, um die leichte Kibitka zu tragen, und in Ermangelung dessen, nur ein Kahn, um die Insassen der letzteren überzuführen, – und Michael Strogoff würde keinen Augenblick gezögert haben, die Ueberschreitung des Stromes zu wagen. Zwanzig Minuten später hatten alle drei die beschränkte Landungsstelle erreicht, einen kleinen Hafen, dessen letzte Häuser bis an das Niveau des Flusses herab reichten, etwa wie ein sich an Krasnojarsk anschließender kleiner Vorort. Auch hier fand sich jedoch kein Fahrzeug am Ufer, kein Kahn an der Pfahlwand, ja, nicht das Geringste, aus dem sich ein für drei Personen hinreichendes Floß hätte herstellen lassen. Michael Strogoff befragte Nadia über den Befund, und diese gab leider die wenig trostreiche Antwort, daß ihr unter den gegebenen Verhältnissen eine Ueberschreitung des Flusses schlechterdings unmöglich scheine. „Wir kommen hinüber“, erklärte Michael Strogoff. Die Nachsuchungen begannen auf’s Neue. Man durchstöberte die an dem Abhange gelegenen Gebäude, welche ebenso verlassen waren, wie die in der eigentlichen Stadt. Höchstens die Thüren hätte man dort ausheben können. Es waren übrigens nur vollkommen leere Hütten ärmerer Leute. Nicolaus sah sich in der einen um, Nadia durchsuchte die andere. Selbst Michael Strogoff trat hier und da ein und tastete nach irgend einem Gegenstande, der ihm jetzt hätte von Nutzen sein können. Nicolaus und das junge Mädchen hatten sich vergeblich in den Hütten umgesehen und wollten schon jede fernere Nachsuchung aufgeben, als sie ihre Namen rufen hörten. Beide sahen sich auf dem Abhange um und gewahrten Michael Strogoff auf der Schwelle einer Hausthür. „Kommt hierher!“ rief dieser. Die Beiden folgten sofort seinem Rufe und traten in das Hüttchen ein. „Was ist das hier? fragte Michael Strogoff und berührte mit der Hand verschiedene in einer Art Speisegewölbe liegende Gegenstände. -- Das sind Schläuche, bedeutete ihm Nicolaus, wahrhaftig, ein volles halbes Dutzend. -- Sind sie gefüllt? -- Ja wohl, mit Kumiß, ein Fund zu sehr gelegener Zeit, um unseren Proviant zu erneuern.“ Der „Kumiß“ ist ein aus Stuten- oder Kameelmilch bereitetes stärkendes, sogar berauschendes Getränk, und Nicolaus hatte alle Ursache, sich dieses Fundes zu freuen. „Leg’ einen bei Seite, sagte Michael Strogoff zu ihm, aber entleere sofort alle übrigen. -- Sogleich, Väterchen. -- Diese sollen uns den Jeniseï überschreiten helfen. -- Und das Floß? -- Das stellt die Kibitka selbst vor, welche ja leicht genug ist, um selbst zu schwimmen. Uebrigens werden wir und das Pferd sie vermittels dieser Schläuche halten. -- Gut ausgedacht, Väterchen, rief Nicolaus, und mit Gottes Hilfe werden wir glücklich den Hafen erreichen ... vielleicht nicht in gerader Linie, denn die Strömung ist sehr stark. -- Das thut nichts, versicherte Michael Strogoff. Laß uns nur erst hinüber kommen, die Straße nach Irkutsk finden wir schon wieder. -- An’s Werk also“, sagte Nicolaus, der sofort daran ging, die Schläuche zu entleeren und sie nach der Kibitka zu schaffen. Nur ein mit Kumiß gefüllter Schlauch ward reservirt, die andern, mit Luft aufgeblasen und sorgfältig verschlossen, sollten als schwimmende Träger dienen. Zwei derselben band man an die Seiten des Pferdes, um dieses über Wasser zu halten. Zwei andere wurden an dem Sitzkasten der Kibitka zwischen den Rädern angebracht, um diese zu tragen und sie als Floß benutzen zu können. Diese Arbeit war bald vollendet. „Du wirst Dich doch nicht fürchten, Nadia? fragte Michael Strogoff. -- Nein, Bruder, erwiderte das junge Mädchen. -- Und ich, rief Nicolaus, ich erreiche endlich die Erfüllung meiner Träume, gleich in der Kutsche zu schwimmen.“ Das hier sanfter geneigte Ufer begünstigte den Stapellauf (wenn man so sagen darf) der Kibitka. Das Pferd zog sie bis zum Rande des Wassers, und bald schwamm der ganze Apparat sammt dem Pferde auf den Wellen des Flusses. Sersko schwamm dabei munter nebenher. Die drei in dem Sitzkasten stehenden Passagiere hatten aus Vorsicht die Fußbekleidung abgelegt, doch reichte ihnen, Dank der Tragkraft jener Schläuche, das Wasser kaum bis an die Knöchel. Michael Strogoff führte die Zügel des Pferdes und lenkte es, nach den Anweisungen, welche ihm Nicolaus gab, schief gegen den Strom, ohne das Thier im vorzeitigen Kampfe gegen das Wasser zu sehr anzustrengen. So lange die Kibitka sich direct mit der Strömung bewegte, ging Alles ganz gut von statten, und schon nach wenigen Minuten hatte sie die Quais von Krasnojarsk passirt. Sie wich dabei nach Norden zu ab, und es lag auf der Hand, daß sie das jenseitige Ufer nur weit stromabwärts von der Stadt erreichen werde. Doch hierauf legte man kein besonderes Gewicht. Die Fahrt über den Jeniseï wäre nun, trotz der sehr mangelhaften Hilfsmittel, ohne zu große Schwierigkeit ausgeführt worden, wenn sich die Strömung in ihren gewöhnlichen, regelrechten Verhältnissen bewegt hätte. Unglücklicher Weise kreuzten sich aber mehrere Wirbel auf der Oberfläche des schäumenden Wassers, und bald wurde die Kibitka, trotz aller Anstrengungen Michael Strogoff’s, sie in einer andern Linie zu erhalten, unwiderstehlich in einen dieser Trichter hinein gezogen. Die Gefahr war groß. Die Kibitka hielt nicht mehr die Richtung nach dem östlichen Ufer ein, sie ging nicht ferner stromab, sondern drehte sich mit ungemeiner Schnelligkeit und nahm eine nach dem Mittelpunkte dieser Bewegung geneigte Stellung an, wie der Reiter auf der Bahn eines engen Circus. Ihre Schnelligkeit wuchs noch mehr. Das Pferd vermochte kaum noch den Kopf über dem Wasser zu halten und lief Gefahr, in dem Wirbel erstickt zu werden. Auch Sersko hatte einen Stützpunkt an der Kibitka suchen müssen. Michael Strogoff begriff recht wohl, was hier vorging. Er fühlte sich in einer immer enger werdenden Spirale dahin gezogen, der er nicht entgehen konnte. Er sprach kein Wort. Seine Augen schienen die Gefahr sehen zu wollen, um sie leichter zu vermeiden – sie konnten es nicht! Auch Nadia schwieg. Ihre Hände klammerten sich krampfhaft an das Gerüst des Wagens, und so sicherte sie sich gegen die ungeordneten Bewegungen desselben, als er sich immer mehr dem Depressionscentrum zuneigte. Begriff auch Nicolaus den ganzen Ernst der Lage? Ueberwog in ihm das Phlegma oder die Verachtung der Gefahr, der Muth oder die Gleichgiltigkeit? Hatte das Leben keinen Werth für ihn und galt es ihm, nach einem Ausdrucke der Orientalen, so viel, „wie eine Hotelwohnung für fünf Tage“, die man wohl oder übel am sechsten Tage räumen muß? Jedenfalls zeigte sein immer lächelndes Gesicht keine Spur einer Veränderung. Die Kibitka verblieb also in dem reißenden Strudel und das Pferd stand am Ende seiner Kräfte. Plötzlich warf Michael Strogoff alle Kleidungsstücke, die ihm hinderlich sein konnten, ab und stürzte sich in das Wasser; dann ergriff er mit mächtigem Arme den Zügel des halb scheu gewordenen Pferdes und riß es so mächtig fort, daß es sich bis über den anziehenden Kreiswirbel hinaus arbeitete, und sobald die Kibitka wieder in die geordnete Strömung kam, trieb sie mit erneuter Schnelligkeit weiter. „Hurrah!“ rief Nicolaus. Nur zwei Stunden nach dem Verlassen des Landungsplatzes hatte die Kibitka den größeren Arm des Stromes überschritten und landete, freilich sechs Werst stromab von der Abfahrtsstelle, an dem Ufer einer Insel. Das Pferd zog nun den Wagen vollends hinauf auf das Land, wo dem wackeren Thiere gern eine Stunde Ruhe gegönnt wurde. Dann fuhr die Kibitka unter dem schützenden Dache prächtiger Birken quer über das ganze Eiland und langte an dem schmäleren Arme des Jeniseï an. Hier vollzog sich die Ueberfahrt leichter. Kein Wasserwirbel unterbrach den Strom des zweiten Bettes, die Bewegung des Wassers war aber eine so schnelle, daß die Kibitka das rechte Ufer erst fünf Werst stromabwärts erreichte. Im Ganzen war sie also um elf Werst verschlagen worden. Diese großen Stromadern des sibirischen Gebietes, welche bis jetzt noch nirgends überbrückt sind, bilden überall sehr fühlbare Hindernisse der Communication. Alle erwiesen sich auch Michael Strogoff mehr oder weniger verderblich. Auf dem Irtysch hatten die Tartaren die Fähre, welche ihn und . 1 2 ; . 3 4 , 5 . , , 6 , . , 7 . 8 9 , , ? 10 11 . 12 13 . 14 , , , 15 , . 16 17 . 18 19 . , , 20 , , 21 . 22 23 , , 24 . 25 26 : 27 28 , ! 29 30 - - , , , ! 31 32 - - , ! . , 33 ! « 34 35 36 37 38 . 39 40 41 . 42 43 44 45 . 46 47 48 , 49 50 . , 51 , 52 , 53 . 54 55 , . 56 , 57 . , 58 . , 59 , 60 , . 61 , 62 , - - , 63 . 64 65 ! « . 66 67 , . 68 , . , 69 , , 70 . , 71 , , 72 . . . 73 74 , 75 76 . 77 78 . 79 , , 80 , 81 , . 82 , , , 83 , . 84 , , , 85 . 86 87 . . 88 ; , ; 89 90 , 91 . , 92 , , 93 . 94 95 . 96 , 97 ; , , 98 , , . 99 100 . 101 , 102 . 103 104 . 105 106 , . 107 . 108 109 110 . . 111 . 112 . 113 . 114 115 , 116 . 117 , . 118 , 119 , . 120 121 122 . 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