Gesicht Annas, die -- er wußte es -- ihre letzten Kräfte zusammennahm, um die einmal übernommene Rolle zu Ende zu führen. Diese Rolle, die äußerlich Ruhige zu spielen, gelang ihr vollständig. Wer sie und ihre Kreise nicht kannte, nicht alle die Äußerungen des Bedauerns, des Unwillens und der Verwunderung seitens der Frauen darüber hörte, daß sie sich erlaubt hatte, in der Welt zu erscheinen und sich mit ihrem Spitzenschmuck und ihrer Schönheit so bemerkbar zu machen, die bewunderten die Ruhe und Schönheit dieser Frau und ahnten nicht, daß sie die Empfindungen eines Menschen in sich trug, der an den Schandpfahl gestellt ist. In der Gewißheit, daß Etwas vorgefallen sei, aber ohne zu wissen was, fühlte Wronskiy eine quälende Unruhe und begab sich, in der Hoffnung, etwas darüber erfahren zu können, nach der Loge seines Bruders. Absichtlich einen der Loge Annas gegenüberliegenden Gang im Parterre wählend, stieß er im Hinausgehen mit seinem früheren Regimentskommandeur, der mit zwei Bekannten sprach, zusammen. Wronskiy hörte, daß der Name der Karenin genannt wurde, und bemerkte, wie der Regimentskommandeur sich beeilte, laut den Namen Wronskiys zu nennen, indem er die Sprechenden anblickte. »Ah, Wronskiy! Wann kommst du denn einmal zum Regiment? Wir können dich nicht ohne ein Fest fortlassen. Du bist unser Stammhalter,« sagte der Regimentskommandeur. »Es thut mir sehr leid, ein ander Mal,« sagte Wronskiy und eilte die Treppe hinauf in die Loge seines Bruders. Die alte Gräfin, die Mutter Wronskiys, mit ihren stahlblauen Haarlocken befand sich in derselben. Warja und die Fürstin Sorokina begegneten ihm auf dem Korridor der Bel-Etage. Nachdem Warja die Fürstin Sorokina zu ihrer Mutter geführt hatte, reichte sie ihrem Schwager die Hand, und begann dann sogleich mit ihm über das zu sprechen, was ihn interessierte. Sie war so aufgeregt, wie er sie nur selten gesehen hatte. »Ich finde, daß dies niedrig und gemein ist, und Madame Kartasowa dazu nicht das geringste Recht hatte. Madame Kartasowa« -- begann sie. »Aber was ist denn? Ich weiß gar nicht« -- »Wie, du hast nicht gehört?« »Du hörst wohl, daß ich der Letzte bin, der also davon erfährt.« »Giebt es wohl ein schlechteres Geschöpf, als diese Kartasowa.« »Aber was hat sie denn gethan?« »Mir hat es mein Mann erzählt -- sie hat die Karenina beleidigt. Ihr Mann hatte mit dieser über die Loge hinüber gesprochen, und die Kartasowa ihm darauf eine Scene gemacht. Sie hat, wie er mir erzählt, sich laut in kränkender Weise ausgesprochen und ist dann gegangen.« »Graf, Mama läßt Euch rufen,« sagte die Fürstin Sorokina, aus der Thür der Loge blickend. »Ich warte schon lange auf dich,« sprach die Mutter zu ihm, sarkastisch lächelnd. »Man sieht dich ja gar nicht mehr.« Der Sohn erkannte, daß sie ein Lächeln der Freude nicht unterdrücken konnte. »Guten Tag, =Maman=; ich kam eben zu Euch,« sagte er kühl. »Warum gehst du denn nicht, =faire la cour à madame Karènine=?« fügte sie hinzu, als die Fürstin Sorokina weggetreten war. »=Elle fait sensation. On oublie la Patti pour elle=.« -- »=Maman=, ich bat Euch, nur nicht hiervon zu sprechen,« antwortete er sich verfinsternd. »Ich spreche nur das, was alle sprechen.« Wronskiy erwiderte nichts, und ging wieder, nachdem er der Fürstin Sorokina noch einige Worte gesagt hatte. In der Thür begegnete er seinem Bruder. »Ah, Aleksey,« sagte dieser. »Welche Niedrigkeit! Diese Närrin -- weiter ist sie nichts! Ich wollte soeben zu ihr gehen. Komm, wir gehen zusammen.« -- Wronskiy hörte ihn nicht. Mit schnellen Schritten stieg er hinunter; er empfand, daß er etwas thun müsse, wußte aber nicht, was. Sein Verdruß über Anna, daß sie sich und ihn in eine so schiefe Lage gebracht hatte, doch auch das Mitleid mit ihr wegen ihrer Leiden, versetzten ihn in Aufregung. Er ging hinunter ins Parterre und schritt geradenwegs auf den Platz Annas zu. Neben diesem stand Stremoff, der sich mit ihr unterhielt. »Tenöre giebt es eben nicht mehr. =Le moule en est brisé=!« Wronskiy verneigte sich vor ihr und blieb stehen, Stremoff begrüßend. »Ihr scheint spät gekommen zu sein und die besten Arien nicht gehört zu haben,« sagte Anna zu Wronskiy, ihn spöttisch anblickend, wie ihm schien. »Ich bin ein schlechter Kritiker,« antwortete er, streng auf sie schauend. »Wie der Fürst Jaschwin,« sagte sie lächelnd, »welcher findet, daß die Patti zu laut singt. Ich danke Euch,« mit der kleinen Hand im hohen Handschuh einen von Wronskiy aufgehobenen Theaterzettel nehmend; und plötzlich, in diesem Augenblick, erbebten ihre schönen Züge. Sie stand auf und begab sich in die Tiefe der Loge. Als Wronskiy bemerkt hatte, daß im folgenden Akt ihre Loge leer war, ging er, während sich in dem bei den Tönen einer Kavatine stillgewordenen Theater ein Zischeln erhob, aus dem Parterre und fuhr heim. Anna war schon zu Haus. Als Wronskiy bei ihr eintrat, befand sie sich noch in der Toilette, in welcher sie im Theater gewesen war. Sie saß auf dem nächsten an der Wand stehenden Lehnstuhl und starrte vor sich hin. Sie blickte ihn an und nahm dann ihre frühere Stellung wieder ein. »Anna!« sagte er. »Du, du bist schuld an allem!« rief sie unter Thränen der Verzweiflung und der Wut in der Stimme, und erhob sich. »Ich habe dich gebeten, dich beschworen, nicht zu fahren; ich habe gewußt, daß es dir unangenehm werden würde« -- »Unangenehm!« rief sie, -- »entsetzlich! So lange ich lebe, werde ich dies nicht vergessen! -- Sie hat gesagt, es sei entehrend, neben mir sitzen zu müssen!« -- »Die Worte eines thörichten Weibes,« sagte er, »aber wozu mußtest du dazu herausfordern?« »Ich hasse deine Ruhe! Du durftest mich nicht so weit bringen. Wenn du mich geliebt hättest« -- »Anna! Wozu hier eine Frage nach meiner Liebe« -- »Ja, wenn du mich liebtest, wie ich dich liebe, wenn du dich martertest, wie ich mich martere« -- sprach sie, mit dem Ausdruck des Entsetzens auf ihn blickend. Es that ihm wehe um sie, und dennoch empfand er auch Verdruß. Er versicherte sie seiner Liebe, weil er sah, daß nur dies allein sie jetzt beruhigen konnte, und machte ihr keine Vorwürfe mit Worten; wohl aber tadelte er sie in seinem Innern. Und jene Versicherungen der Liebe, die ihm so niedrig erschienen, daß es ihm schwer ankam, sie auszusprechen, sog sie in sich ein und wurde etwas ruhiger. Am andern Tage fuhren beide, vollständig ausgesöhnt, auf das Land. Sechster Teil. 1. Darja Aleksandrowna verbrachte den Sommer mit den Kindern in Pokrowskoje bei ihrer Schwester Kity Lewina. Auf ihrem Gute war das Wohnhaus gänzlich in Verfall geraten, und Lewin mit seiner Gattin hatten ihr zugeredet, den Sommer bei ihnen zuzubringen. Stefan Arkadjewitsch billigte dieses Arrangement sehr; er drückte sein Bedauern darüber aus, daß der Dienst ihn verhindere, den Sommer mit der Familie zusammen auf dem Dorfe zu verleben, was für ihn das höchste Glück bilde, und kam, in Moskau bleibend, nur selten für einen Tag oder für zwei auf das Land. Außer den Oblonskiys mit all ihren Kindern und der Gouvernante war bei Lewins während dieses Sommers noch die alte Fürstin, welche es für ihre Pflicht hielt, ihre unerfahrene Tochter im Auge zu behalten, die sich in gewissen Umständen befand. Weiterhin hatte auch Warenka, die Freundin Kitys, von dem Aufenthalt im Auslande her ihr Versprechen erfüllt, zu Kity zu kommen, wenn diese verheiratet sein würde, und war jetzt bei ihrer Freundin zu Besuch. Alles waren Verwandte und Freunde der Frau Lewins, aber obgleich dieser sie alle lieb hatte, war es ihm doch einigermaßen leid um seine »Lewinsche Welt« und die Ordnung, welche durch diese Überschwemmung mit dem »Schtscherbazkischen Element«, verschlungen worden war, wie er sich selbst sagte. Von Verwandten seiner Linie weilte in diesem Sommer nur Sergey Iwanowitsch zu Besuch da, und auch dieser war kein Mensch von Lewins, sondern von Koznyscheffschem Schlag, so daß Lewins geistige Sphäre vollständig unterdrückt war. In Lewins so lange verödet gewesenem Hause befanden sich jetzt so viel Menschen, daß fast alle Räume besetzt waren, und fast jeden Tag kam es vor, daß die alte Fürstin, wenn sie bei Tische sitzend alles überzählte, den dreizehnten, Enkel oder Enkelin, an einen besonderen kleinen Tisch setzen mußte. Auch für Kity, die sich sorgsam mit der Hauswirtschaft befaßte, gab es nicht wenig Sorge um die Beschaffung der Hühner, Kapaunen und Enten, welche bei dem Sommerappetit der Gäste und der Kinder zahlreich verbraucht wurden. Die ganze Familie saß bei Tische. Die Kinder Dollys machten mit der Gouvernante und Warenka Pläne, wohin sie Pilze suchen gehen wollten. Sergey Iwanowitsch, welcher im Kreise sämtlicher Gäste einen Respekt vor seinem Geist und seiner Gelehrsamkeit genoß, der fast bis zur Verehrung ging, sah alles in die Unterhaltung von den Pilzen vertieft. »Aber mich nehmt Ihr doch auch mit Euch. Ich gehe sehr gern Pilze suchen,« sagte er, Warenka anblickend, »und finde, daß das ein sehr hübscher Zeitvertreib ist.« »Nun, wir werden uns sehr freuen,« antwortete Warenka errötend. Kity wechselte einen bedeutungsvollen Blick mit Dolly. Der Vorschlag des gelehrten und geistreichen Sergey Iwanowitsch, mit Warenka Pilze suchen zu wollen, stützte gewisse Vermutungen in Kity, welche diese in jüngster Zeit lebhaft beschäftigt hatten. Schnell begann sie mit ihrer Mutter zu sprechen, damit ihr Blick nicht bemerkt werden möchte. Nach Tisch setzte sich Sergey Iwanowitsch mit seiner Tasse Mokka an das Fenster im Salon, ein mit dem Bruder begonnenes Gespräch fortsetzend und dabei nach der Thür blickend, zu welcher die Kinder hinausgehen mußten, die sich fertig machten, in die Pilze zu gehen. Lewin saß auf dem Fenster bei seinem Bruder, Kity stand neben ihrem Manne, sichtlich auf das Ende des für sie nicht interessanten Gesprächs wartend, um ihm etwas mitzuteilen. »Du hast dich sehr verändert, seit du verheiratet bist, und zwar zu deinem Vorteil,« sagte Sergey Iwanowitsch, Kity zulächelnd und augenscheinlich von der Unterhaltung wenig interessiert, »aber du bist deiner Leidenschaft, die paradoxesten Themen zu verteidigen, getreu geblieben.« »Katja, es ist für dich nicht gut, zu stehen,« sagte der Gatte zu ihr, einen Stuhl heranschiebend und sie bedeutungsvoll anschauend. »Ah; ich habe übrigens gar keine Zeit mehr,« fügte Sergey Iwanowitsch hinzu, die hinauseilenden Kinder erblickend. Allen voran, von seitwärts im Galopp mit den drallsitzenden Strümpfchen, ein Körbchen und den Hut Sergey Iwanowitschs schwingend, kam Tanja gerade auf letzteren zugeeilt. Frohmutig auf ihn zueilend mit leuchtenden Augen, die in ihrer Schönheit denen des Vaters so ähnlich waren, reichte sie Sergey Iwanowitsch den Hut und that, als wolle sie ihm denselben aufsetzen, mit schüchternem, sanftem Lächeln ihre Ungebundenheit zügelnd. »Warenka wartet schon,« sagte sie, ihm den Hut behutsam aufsetzend, nachdem sie an dem Lächeln Sergey Iwanowitschs erkannt hatte, daß sie dies dürfe. Warenka stand in der Thür, in einem gelben Kattunkleid, um den Kopf ein weißes Tuch geschlungen. »Ich komme schon, ich komme, Barbara Andrejewna,« sagte Sergey Iwanowitsch, seine Tasse Mokka leerend und ein Schnupftuch nebst dem Cigarrenetuis in seinen Taschen verteilend. »Wie reizend ist doch meine Warenka, nicht wahr?« sagte Kity zu ihrem Manne, sobald Sergey Iwanowitsch aufgestanden war. Sie sagte dies so, daß Sergey Iwanowitsch sie vernehmen konnte, woran ihr offenbar gelegen war. »Und wie schön sie ist, wie edel schön! Warenka!« rief Kity. »Ihr werdet wohl im Mühlenholz sein? Wir kommen zu Euch hin!« »Du vergißt doch entschieden deinen Zustand Kity,« bemerkte die alte Fürstin, schnell zur Thür herauskommend, »du darfst nicht so schreien.« Warenka, welche die Stimme Kitys sowie die Äußerung der Mutter vernommen hatte, kam leichten Schrittes zu Kity geeilt. Die Schnelligkeit ihrer Bewegungen, die Farbe, welche ihr munteres Gesicht bedeckte -- alles das bewies, daß in ihr etwas Ungewöhnliches vorging. Kity wußte, was dieses Ungewöhnliche war, und beobachtete sie aufmerksam. Sie hatte jetzt Warenka nur gerufen, um ihr für ein wichtiges Ereignis, welches sich nach ihrer Erwägung heute, nach Tische im Walde vollziehen mußte, innerlich Segen zu wünschen. »Warenka, ich würde sehr glücklich, wenn sich etwas ereignen sollte,« sagte Kity flüsternd und sie küssend. »Ihr werdet aber mit uns kommen?« sagte Warenka in Verwirrung geratend, zu Lewin, und gab sich den Anschein, als habe sie gar nicht gehört, was zu ihr gesagt worden war. »Ich werde kommen, doch nur bis zur Tenne, und dort werde ich bleiben.« »Was hast du denn vor?« sagte Kity. »Ich muß die neuen Fuhren inspizieren und nachzählen,« antwortete Lewin, »doch wo wirst du bleiben?« »Auf der Terrasse.« 2. Auf der Terrasse hatte sich die ganze weibliche Gesellschaft versammelt. Die Damen liebten es, überhaupt dort nach Tische zu sitzen, aber heute gab es da sogar etwas zu thun. Außer dem Nähen und Sticken, womit sich alle beschäftigten, wurde heute Eingemachtes nach einer für Agathe Michailowna ganz neuen Methode -- ohne Zuguß von Wasser -- zubereitet. Kity hatte diese neue Methode, welche bei ihr zu Haus in Gebrauch war, eingeführt. Agathe Michailowna, welcher früher dieses Geschäft anvertraut gewesen war, hatte in der Ansicht, daß das, was im Haus der Lewin gemacht wurde, doch nicht schlecht sein könne, gleichwohl ihr Wasser über die Wald- und Gartenerdbeeren mit der Versicherung gegossen, daß es unmöglich anders sein könne, aber sie wurde in ihrer Meinung überführt, und jetzt brodelte vor aller Augen die Himbeere, und Agathe Michailowna mußte sich überzeugt sehen, daß auch ohne Wasser das Eingemachte gut werde. Agathe Michailowna mit erhitztem, erbittertem Gesicht, wirren Haaren, und bis an den Ellbogen entblößten, hageren Armen schwenkte die Schüssel im Kreise über dem Feuerbecken und blickte grollend auf die Beeren, aus Seelengrunde wünschend, sie möchten nicht gar werden. Die Fürstin, welche merkte, daß auf sie, als die hauptsächlichste Ratgeberin bei der Zubereitung der Beeren, der Zorn Agathe Michailownas gerichtet sein müsse, bemühte sich, den Anschein zu wahren, als sei sie mit ganz anderen Dingen beschäftigt, und interessiere sich gar nicht für die Himbeeren; sie sprach von Nebensächlichem, schaute aber immer dabei seitwärts nach dem Kohlenbecken. »Ich kaufe den Mädchen stets Kleider,« sagte die Fürstin, ein begonnenes Gespräch fortsetzend -- »wollen wir jetzt nicht den Schaum abnehmen, Liebe?« -- fügte sie aber hinzu, sich an Agathe Michailowna wendend. »Das brauchst du durchaus nicht selbst zu thun, es ist heiß,« hielt Kity diese dabei zurück. »Ich werde es thun,« sagte Dolly, stand auf und begann behutsam den Löffel über den schäumenden Zucker zu führen; bisweilen damit, um von ihm das daran haften Gebliebene zu entfernen, auf einen Teller klopfend, der bereits von mischfarbigem, gelbrotem Schaum und flüssigem blutrotem Syrup bedeckt war. »Wie sie das schlecken werden zum Thee,« gedachte sie dabei ihrer Kinder und rief sich ins Gedächtnis zurück, wie sie selbst, als sie noch ein Kind gewesen, sich schon immer verwundert hatte, daß die Erwachsenen nicht gerade das Beste äßen -- nämlich den Schaum -- »Stefan sagt, es sei bei weitem besser, Geld zu geben,« sagte Dolly dabei, das begonnene, interessante Gespräch darüber, wie man die Dienstleute beschenken solle, fortsetzend, »allein« -- »So viel es möglich ist, Geld,« sagten wie mit einer Stimme die Fürstin und Kity. »Sie schätzen das.« »Nun, ich habe beispielsweise im vergangenen Jahre unserer Matrjona Ssemjonowna ein Kleid gekauft,« sprach die Fürstin. »Ich besinne mich, zu Eurem Geburtstage ging sie darin.« »Ein reizendes Muster -- so einfach und fein. Ich hätte es mir selbst machen lassen, wenn es nicht ihr gehört hätte; -- so, wie das von Warenka war es. So hübsch und billig.« »Jetzt scheint es fertig zu sein,« sagte Dolly, den Syrup vom Löffel laufen lassend. »Wenn Kringel werden, ist es gut. Kocht noch weiter, Agathe Michailowna.« »Diese Fliegen,« antwortete Agathe Michailowna gereizt. »O, wie niedlich, verjagt ihn nicht!« sprach Kity plötzlich, auf einen Spatz blickend, der sich auf dem Geländer niedergesetzt hatte und das Mark einer Himbeere zu picken begann. »Ja, aber du mußt etwas weiter vom Kohlenbecken weg,« sprach die Mutter. »=A propos de Warenka=,« begann Kity französisch, wie sie stets sprachen, damit Agathe Michailowna sie nicht verstehe. »Ihr wißt, =maman=, daß ich heute aus gewissen Gründen eine Entscheidung erwarte. Ihr versteht wohl, welche. Wie schön wäre das!« »Ah, welch meisterhafte Freibewerberin du bist,« sprach Dolly, »wie sie behutsam und geschickt die Leute zusammenführt.« »Nun, =maman=, sagt doch, was Ihr dazu meint!« »Was soll ich meinen? Er« -- unter dem Er verstand man Sergey Iwanowitsch -- »konnte stets die erste Partie in Rußland machen, er ist zwar jetzt nicht mehr so jung, aber gleichwohl, ich weiß es, würden ihn auch jetzt noch viele Frauen nehmen. Sie ist sehr gut, aber er könnte doch« -- »Nein, seht nur erst ein, =maman=, warum etwas Besseres für ihn, wie für sie nicht zu denken ist. Erstens -- sie ist eine Schönheit!« sprach Kity, einen Finger ausstreckend. »Sie gefällt ihm sehr, das ist wahr,« bestätigte Dolly. »Dann nimmt er eine solche Stellung in der Welt ein, daß ihm ein Vermögen, ein Stand in der Welt für seine Frau ganz und gar nicht erforderlich ist. Ihm ist Eins nur nötig -- ein gutes, liebevolles ruhiges Weib.« »Jawohl, und mit ihr kann man ruhig leben,« bestätigte Dolly. »Drittens; sie muß ihn lieben! So ist es ja auch -- und soweit wäre alles ganz gut. Ich erwarte, daß sie aus dem Walde kommen und alles entschieden ist. Ich werde es sogleich an ihren Augen erkennen; und würde mich so sehr freuen! Wie denkst du darüber, Dolly?« »Rege dich nur nicht auf. Du darfst dich durchaus nicht erregen,« sagte die Mutter. »Aber ich rege mich ja gar nicht auf, =maman=; mir scheint nur, daß er heute seinen Antrag machen wird.« »Ach; es ist so seltsam, wenn ein Mann eine Liebeserklärung macht. Erst ist so eine Scheidewand vorhanden, und plötzlich ist sie durchbrochen,« sagte Dolly, gedankenvoll lächelnd und sich an die Vergangenheit mit Stefan Arkadjewitsch erinnernd. »Mama, wie hat Euch denn Papa seine Liebeserklärung gemacht?« frug Kity plötzlich. »Es war nichts Außergewöhnliches dabei, sehr einfach,« antwortete die Fürstin, aber ihr ganzes Gesicht erglänzte bei dieser Erinnerung. »Nun, wie denn? Ihr habt ihn doch geliebt, bevor Euch noch erlaubt war, mit ihm zu sprechen.« Kity fand einen eigenen Reiz darin, mit ihrer Mutter jetzt wie mit einer Gleichgestellten über diese höchsten Fragen des Frauenlebens sprechen zu können. »Versteht sich, liebte er mich! Er kam zu uns auf das Land.« »Aber wie entschied es sich? Mama?« »Du denkst wahrscheinlich, daß ihr beide euch etwas Neues ausgedacht hättet? Es war ganz dieselbe Geschichte; mit Blicken und Lächeln« -- »Wie Ihr das so schön ausgesprochen habt, =maman=! Ja, die Augen, das Lächeln,« bestätigte Dolly. »Aber welche Worte sprach er denn?« »Was für Worte hat dir dein Konstantin gesagt?« »Er schrieb sie mit Kreide. Es war wunderbar. Wie weit scheint mir dies schon dahinten zu liegen,« antwortete Kity. Die drei Frauen sannen jetzt über ein und dasselbe nach. Kity brach zuerst wieder das Schweigen. Der ganze letzte Winter vor ihrer Verheiratung, ihre Leidenschaft für Wronskiy kam ihr wieder ins Gedächtnis. »Aber noch Eins -- jene frühere Leidenschaft Warenkas,« sagte sie, in einem natürlichen Gedankengang sich dessen erinnernd. »Ich wollte Sergey Iwanowitsch schon irgendwie Mitteilung machen, ihn vorbereiten. Sie sind ja alle Männer,« fügte sie hinzu, »und entsetzlich eifersüchtig auf unsere Vergangenheit.« »Nicht alle,« antwortete Dolly, »du urteilst so nach deinem Manne; der martert sich noch jetzt ab in der Erinnerung an Wronskiy. Nicht wahr? Habe ich nicht recht?« »Du hast recht,« antwortete Kity, gedankenvoll mit den Augen lächelnd. »Ich weiß nun nicht,« fuhr die Fürstin fort, ihre mütterliche Obhut für die Tochter wieder übernehmend, »was eigentlich in deiner Vergangenheit ihn stören könnte? Daß Wronskiy dir den Hof machte? Das passiert jedem jungen Mädchen.« »Ach, sprechen wir nicht davon,« sagte Kity errötend. »Nein, gestatte,« fuhr die Mutter fort, »du selbst wolltest mir ja nicht gestatten, mit Wronskiy Rücksprache zu nehmen. Weißt du noch?« »Ach, Mama!« sagte Kity mit einem Ausdruck von Leiden. »Deine Beziehungen zu ihm konnten ja nicht weitergehen als sie durften; ich selbst würde ihn noch ermutigt haben. Doch im übrigen, liebe Seele, taugt es nicht für dich, wenn du dich erregst. Denke, bitte, hieran, und beruhige dich.« »Ich bin vollkommen ruhig, =maman=.« »Wie war es doch zum Glück damals für Kity, daß Anna kam,« sagte Dolly, »und wie verhängnisvoll wurde das für sie selbst. Da haben wir es gerade umgekehrt,« fügte sie hinzu, betroffen über ihren eigenen Gedanken. »Damals war Anna so glücklich und Kity hielt sich für unglücklich. Welch ein völliger Umschlag! Ich denke oft an sie.« »Das wäre das Weib, an welches man denken dürfte! Ein häßliches, ausschweifendes Weib ohne Herz,« sprach die Mutter, welche nicht vergessen konnte, daß Kity nicht einen Wronskiy, sondern einen Lewin geheiratet hatte. »Was ist es für ein Vergnügen, hiervon zu sprechen,« fuhr Kity voll Verdruß fort, »ich denke nicht daran und will nicht daran denken. Ich will nicht daran denken,« sprach sie, dabei dem wohlbekannten Klang der Schritte ihres Mannes auf den Stufen zur Terrasse lauschend. »Wovon ist denn die Rede >ich will nicht daran denken?<« frug Lewin, die Terrasse betretend. Niemand antwortete ihm, und er wiederholte seine Frage nicht. »Ich bedaure, euer Frauenreich gestört zu haben,« sprach er, mißvergnügt alle anblickend und wohl gewahrend, daß man über etwas gesprochen hatte, wovon man in seiner Gegenwart nicht geredet haben würde. Einen Augenblick empfand er, daß er die Gefühle Agathe Michailownas teile, die Unzufriedenheit darüber, daß man die Himbeeren ohne Wasser einkoche, und über den fremdartigen Einfluß der Schtscherbazkiy. Er lächelte aber doch und trat zu Kity. »Nun, wie befindest du dich?« frug er sie, mit dem gleichen Ausdruck auf sie blickend, mit welchem sich ihr jetzt alle zuwandten. »Oh; ich befinde mich recht wohl,« sagte Kity lächelnd, »und wie geht es bei dir?« »Man fährt dreimal mehr, als der Wagen aushält. Aber wollen wir zu den Kindern hinausfahren? Ich habe anspannen lassen.« »Wie, willst du Kity im Wagen ausfahren?« frug die Mutter vorwurfsvoll. »Wir fahren natürlich Schritt, Fürstin.« Lewin nannte die Fürstin nie =maman=, wie das sonst Schwiegersöhne thun, und dies war der Fürstin unangenehm, aber wenn er die Fürstin auch sehr lieb hatte und achtete, konnte er sie doch nicht so nennen, ohne die Empfindungen für seine dahingeschiedene Mutter zu entweihen. »Fahret mit uns, =maman=,« sagte Kity. »Ich will diese Unüberlegtheit nicht mit ansehen.« »Dann gehe ich zu Fuß. Ich befinde mich ja ganz wohl.« Kity erhob sich, trat zu ihrem Gatten und nahm dessen Arm. »Ganz wohl, aber alles mit Maßen« -- bemerkte die Fürstin. »Nun, Agathe Michailowna, ist das Eingemachte fertig?« sagte Lewin lächelnd zu Agathe Michailowna, mit dem Wunsche sie heiter zu stimmen. »Geht es gut nach der neuen Mode?« »Muß wohl; es geht gut. Nach meiner Meinung ist es fertig.« »Es ist besser so, Agathe Michailowna; das Eingemachte wird nicht sauer und bei uns ist das Eis jetzt ohnehin schon gethaut, so daß es keinen Platz zum Aufbewahren giebt,« sagte Kity, sogleich die Absicht ihres Mannes durchschauend und sich in der nämlichen Absicht an die Alte wendend. »Übrigens ist Euer Pökel so gut, daß Mama behauptet, ihn noch nirgends so gegessen zu haben,« fügte sie hinzu, sich lächelnd einen Zopf ordnend. Agathe Michailowna blickte grollend Kity an. »Ihr braucht mich nicht zu trösten, Herrin; ich beurteile Euch, wie er, und befinde mich wohl dabei« -- sprach sie; der rauhe Ausdruck »er« statt »der Herr« verletzte Kity. »Wir wollen zusammen nach Pilzen gehen, Ihr könnt uns die Plätze zeigen.« Agathe Michailowna lächelte kopfschüttelnd, als wollte sie sagen »wenn ich Euch auch gern gram sein möchte, so kann ich es doch nicht.« »Handelt, bitte, nach meinem Rate,« sprach die alte Fürstin, »über das Eingemachte legt Ihr ein Papier und feuchtet es mit Rum an; auch ohne Eis wird alsdann niemals ein Kahm darauf kommen.« 3. Kity war herzlich froh über die Gelegenheit, mit ihrem Gatten einmal Auge in Auge allein sein zu können, da sie bemerkt hatte, wie ein Schatten der Verstimmung über sein Alles so lebhaft ausdrückendes Gesicht huschte, im Augenblicke da er die Terrasse betreten und man ihm, als er gefragt hatte, wovon man spreche, nicht antwortete. Als sie zu Fuß den anderen vorausgingen und außer Sehweite des Hauses den ausgefahrenen, staubigen und mit Kornähren und Körnern überstreuten Weg hinausschritten, stützte sie sich fester auf seinen Arm und preßte denselben an sich. Er hatte jenen momentanen, unangenehmen Eindruck bereits vergessen, und empfand, in der Einsamkeit mit ihr, jetzt, da ihn der Gedanke an ihre Schwangerschaft keinen Augenblick verließ, jene ihm noch neue, freudige, vollkommen von Sinnenlust freie Befriedigung in der Nähe des geliebten Weibes. Zu sprechen war nichts, aber ihn verlangte es, den Ton ihrer Stimme zu hören, die sich ebenso wie ihr Blick, jetzt in ihrer Schwangerschaft verändert hatte. In ihrer Stimme wie in ihrem Blicke war eine Weichheit, ein Ernst, ähnlich jener, die bei Leuten vorhanden zu sein pflegt, die beständig auf ein einzelnes geliebtes Werk konzentriert sind. »Du wirst doch nicht müde werden? Stütze dich fester,« sagte er. »Nein, ich bin so froh über die Gelegenheit, mit dir einmal allein zu sein, und gestehe dir, daß mir, so wohl mir auch in ihrer Gesellschaft ist, doch unsere Winterabende zu Zweien recht leid thun.« »Es war schön, doch dies ist noch besser. Wir beide sind besser daran,« sagte er, ihren Arm drückend. »Du weißt, wovon wir sprachen, als du eintratest?« »Von dem Eingemachten?« »Ja, auch von dem Eingemachten, dann aber davon, wie man einen Heiratsantrag macht.« »Ah,« sagte Lewin, mehr den Klang ihrer Stimme hörend, als die Worte die sie sprach, und fortwährend auf den Weg Bedacht nehmend, der jetzt im Walde hinführte und diejenigen Stellen vermeidend, die sie nicht sicher hätte betreten können. »Auch von Sergey Iwanowitsch und Warenka. Du hast wohl bemerkt? -- Ich wünschte es sehr,« fuhr sie fort, »wie denkst du darüber?« Sie blickte ihm ins Gesicht. »Ich weiß nicht, was man da denken muß,« antwortete Lewin und lächelte. »Sergey erscheint mir in dieser Beziehung sehr seltsam. Ich habe dir wohl erzählt« -- »Daß er jenes Mädchen, welches gestorben ist, geliebt hatte« -- »Das war der Fall, als ich noch ein Kind war. Ich kenne dies nur aus der Überlieferung, kann mich aber noch auf ihn damals besinnen. Er war wunderbar liebenswert. Seit jener Zeit beobachte ich ihn im Umgang mit den Frauen; er ist liebenswürdig, manche gefallen ihm auch, aber man fühlt, daß sie für ihn einfach nur Menschen sind, keine Weiber.« »Ja, aber jetzt mit Warenka. Es scheint, daß doch etwas« -- »Kann sein, daß dem so ist -- doch muß man ihn eben erst kennen lernen; er ist ein absonderlicher und wunderlicher Mensch. Er lebt nur ein geistiges Leben und ist ein Mensch von allzu reinem und erhabenem Gemüt.« »Wie? Sollte ihn denn etwa ein solches Verhältnis erniedrigen?« »Nein; aber er ist so daran gewöhnt, ein einsames Geistesleben zu führen, daß er sich mit der Wirklichkeit nicht vertragen kann, und Warenka ist doch immerhin eine Wirklichkeit.« Lewin war jetzt schon gewohnt, seine Gedanken frei auszusprechen, ohne sich zu bemühen, dieselben dabei in präcise Worte zu kleiden, er wußte, daß sein Weib in den Minuten der Liebe, sowie auch jetzt schon aus der Andeutung verstehen würde, was er sagen wollte, und Kity verstand ihn auch. »Ja; aber in ihr ist doch nicht diese Wirklichkeit, wie in mir; ich verstehe; daß er mich wohl niemals hätte liebgewinnen können; sie hingegen ist ganz Gemüt.« »O nein; er liebt dich sehr, und mir ist es stets so angenehm, wenn die Meinigen dich lieb haben.« »Ja; er ist gut gegen mich, aber« -- »-- nicht so, wie mit dem verstorbenen Nikolay; ihr habt einander liebgewonnen,« vollendete Lewin. »Weshalb sollte ich das nicht sagen?« fügte er hinzu, »ich mache mir manchmal Vorwürfe, und das hört erst damit auf, daß man vergißt. O, welch ein furchterweckender, und doch reizvoller Mensch war er! Doch wovon sprachen wir?« sagte Lewin, nachdem er eine Weile geschwiegen hatte. »Du denkst, daß er nicht zu lieben vermag,« sagte Kity, in ihre Sprache übersetzend. »Nicht, daß er nicht lieben könnte,« antwortete Lewin lächelnd, »aber er besitzt nicht die Schwäche, die dazu nötig ist -- ich habe ihn stets beneidet und selbst jetzt, wo ich doch so glücklich bin, beneide ich ihn noch darum.« »Du beneidest ihn, weil er nicht lieben kann?« »Ich beneide ihn darum, daß er besser ist, als ich,« antwortete Lewin lächelnd. »Er lebt nicht für sich; sein ganzes Leben ist der Pflicht geweiht, und infolge dessen kann er ruhig und zufrieden sein.« »Und du?« frug Kity mit schelmischem, liebevollem Lächeln. Sie konnte nicht im entferntesten den Gedankengang ausdrücken, der sie lächeln machte; aber das letzte Resultat desselben war dies, daß ihr Gatte, von seinem Bruder entzückt, und sich vor demselben herabsetzend, nicht mehr aufrichtig blieb. Kity wußte, daß diese Heuchelei seinerseits von der Liebe zu dem Bruder herrührte, von dem Gefühl seiner Besorgtheit darüber, daß er allzu glücklich sei, und insbesondere seinem Wunsche, der ihn nie verließ, besser zu sein. Sie liebte dies an ihm und lächelte daher. »Und du? Womit bist du unzufrieden?« frug sie mit dem nämlichen Lächeln. Ihr Mißtrauen seiner Unzufriedenheit mit sich selbst gegenüber, erfreute ihn und ohne Besinnen forderte er sie heraus, ihm die Ursachen ihres Mißtrauens mitzuteilen. »Ich bin glücklich, aber mit mir nicht zufrieden,« sprach er. »So kannst du also unzufrieden sein, wenn du glücklich bist?« »Wie soll ich sagen. Ich wünsche in meinem Herzen nichts, als daß du nicht strauchelst; so darf man natürlich nicht springen!« brach er das Gespräch ab, mit einem Vorwurf, weil sie eine zu schnelle Bewegung gemacht hatte, indem sie über einen auf dem Fußwege liegenden Ast weggestiegen war, »wenn ich über mich Betrachtungen anstelle und mich mit anderen vergleiche, besonders mit meinem Bruder, dann fühle ich, daß ich ein Nichts bin.« »Aber inwiefern denn?« fuhr Kity noch mit dem nämlichen Lächeln fort, »wirkst du etwa nicht auch für andere? Und deine Meiereien, deine Ökonomie, dein Buch?« »Nein; ich fühle es namentlich jetzt -- und du bist schuld daran,« sagte er, ihr den Arm pressend, »daß dem eben nicht so ist. Ich arbeite nur so leichthin. Wenn ich all dieses Wirken lieben könnte, wie ich dich liebe -- aber so habe ich die ganze letzte Zeit gearbeitet, wie nach einer mir aufgegebenen Lektion.« »Und was würdest du da über Papa sagen,« frug Kity; »er ist jedenfalls auch nichts wert, weil er nichts für das Allgemeine gewirkt hat.« »Er? Nein. Aber man muß jene Natürlichkeit, Klarheit, Güte besitzen, wie dein Vater. Habe ich die etwa? Ich arbeite nicht, ich quäle mich nur, und alles das hast du mir zugefügt! Wärest du nicht gewesen, so wäre auch das da noch nicht,« sagte er, mit einem Blick auf ihren Körper, den sie verstand, »so würde ich alle meine Kräfte auf die Arbeit verwenden; jetzt aber kann ich dies nicht, und darüber ist mir das Herz schwer; ich arbeite wie man eine aufgegebene Lektion lernt, ich heuchle« -- »Nun, dann würdest du dich sogleich mit Sergey Iwanowitsch ausgewechselt wünschen,« sagte Kity. »Würdest wünschen, jene gemeinnützige Thätigkeit betreiben, und jene aufgegebene Lektion lieben zu können, wie er sie liebt, und weiter nichts?« »Natürlich nicht,« antwortete Lewin. »Im übrigen bin ich ja so glücklich, daß ich nichts weiter begreife. Du denkst also, daß er ihr heute schon seinen Antrag machen wird?« fügte er nach einer Pause hinzu. »Ich denke, vielleicht aber wird er's auch nicht. Jedenfalls wünsche ich es aufs Sehnlichste. Da, halt« -- sie beugte sich nieder und pflückte am Rande des Weges eine wilde Kamille ab. »Nun zähle: Entweder erklärt er sich heute, oder er erklärt sich nicht,« sprach sie und reichte ihm die Blume. »Er thut es, er thut es nicht,« sagte Lewin, die weißen, schmalen langen Blätter abreißend. »Nein, nein!« hemmte ihn Kity jetzt, seine Hand erfassend, nachdem sie seinen Fingern voll Erregung gefolgt war. »Du hast zwei abgerissen!« »Nun, dafür kommt dann dieses kleine hier nicht mit in Anrechnung,« antwortete Lewin, ein kurzes, noch nicht entwickeltes Blättchen abpflückend, »doch da hat uns der Wagen erreicht.« »Bist du nicht ermüdet Kity!« rief die Fürstin. »Nicht im geringsten!« »So setze dich doch in den Wagen, wenn die Pferde ruhig sind, und fahrt Schritt.« Doch in den Wagen zu steigen, hätte keinen Zweck mehr gehabt; man war schon dem Ziel nahe und alles ging zu Fuß weiter. 4. Warenka mit ihrem weißen Tuch auf dem schwarzen Haar, von den Kindern umringt, und gutherzig und heiter mit ihnen beschäftigt, erschien, augenscheinlich aufgeregt durch die Möglichkeit einer Erklärung mit dem Manne, welcher ihr gefallen hatte, sehr anziehend. Sergey Iwanowitsch schritt neben ihr hin und ließ nicht nach, ihr Aufmerksamkeiten zu erweisen. Sie anblickend, rief er sich alle die freundlichen Worte ins Gedächtnis zurück, die er von ihr vernommen hatte, alles, was er von ihr Gutes wußte, und erkannte dabei immer mehr und mehr, daß das Gefühl, welches er für sie empfand, ein gewisses besonderes war, das er schon lange vorher nur einmal gehegt hatte in seiner ersten Jugend. Das Gefühl der Freude über ihre Nähe wurde immer stärker, und ging so weit, daß er, als er ihr einen von ihm gefundenen Birkenschwamm auf dünnem Stengel in ihren Korb gab, und die Röte der freudigen und zugleich ängstlichen Aufregung gewahrte, die ihr Gesicht überdeckte, selbst in Verwirrung geriet, und ihr schweigend zulächelte, in einer Weise, die nur zu sprechend war. »Wenn dem so ist,« sagte er zu sich, »muß ich erwägen und mich entscheiden, aber mich nicht wie ein Knabe der Verleitung des Augenblickes hingeben. Ich werde jetzt abgesondert von allen, Pilze suchen gehen, da sonst meine Ausbeute nicht bemerkenswert ausfallen wird,« sprach er und ging allein vom Rande des Waldes, an welchem sie auf dem seidenartigen, niedrigen Grase zwischen vereinzelten alten Birken hingeschritten waren, nach der Mitte des Waldes zu, wo zwischen den weißen Birkenstämmen graue Eschen und dunkle Nußbüsche schimmerten. Nachdem er vierzig Schritt abseits gegangen war und einen in voller Blüte rosenrot prangenden Busch erreicht hatte, blieb Sergey Iwanowitsch stehen, da er wußte, daß man ihn nicht mehr sehen könne. Rings um ihn herrschte vollkommene Stille. Nur im Wipfel der Birken, unter welchen er stand, summten gleich einem Bienenschwarm, ohne zu verstummen, die Fliegen, und vereinzelt klangen auch die Stimmen der Kinder bis zu ihm. Plötzlich, unweit des Waldrandes, erklang die Altstimme Warenkas, die Grischa rief, und ein freudiges Lächeln trat auf die Züge Sergey Iwanowitschs. Seines Lächelns inne werdend, schüttelte er mißbilligend den Kopf über seinen Zustand, holte das Cigarrenetuis hervor und begann zu rauchen. Lange gelang es ihm nicht, das Zündholz an einem Fichtenstamm in Brand zu setzen. Eine feine Schicht der weißen Rinde haftete auf dem Phosphor und das Feuer erlosch. Endlich brannte eines der Zündhölzer und der duftige Rauch der Cigarre verbreitete sich wie ein hin und her wallendes, breites Tischtuch scharfbegrenzt vor- und rückwärts über dem Busch unter den herniederhängenden Zweigen der Birke. Mit den Augen den Streifen des Rauches folgend, ging Sergey Iwanowitsch leisen Schrittes weiter, über seine seelische Verfassung nachdenkend. »Warum sollte ich nicht?« dachte er. »Wäre es ein Strohfeuer oder ein leidenschaftlicher Rausch, fühlte ich nur diese Neigung, diese wechselseitige Neigung -- ich kann sagen >wechselseitige< -- und fühlte ich dabei, daß sie im Widerspruch mit meiner ganzen Art zu leben -- fühlte ich, daß ich in der Hingabe an diese Neigung meinen Beruf, meine Pflicht verletzte, -- aber dies ist nicht der Fall! Das Einzige, was ich dagegen sagen kann, ist dies, daß ich, als ich Maria verlor, mir sagte, ich wollte ihrem Angedenken getreu bleiben. Dies Eine nur kann ich gegen mein Gefühl einwenden; >und das ist wichtig,<« sagte Sergey Iwanowitsch zu sich, zugleich dabei empfindend, daß dieser Gedanke für ihn persönlich keine Bedeutung weiter habe, als die, daß er etwa in den Augen anderer Leute seine poetische Rolle verdarb. »Abgesehen hiervon, werde ich, soviel ich auch suchen mag, nichts finden, was ich gegen meine Empfindung einzuwenden hätte. Hätte ich allein mit meinem Verstande gewählt, ich könnte nichts Besseres finden.« So viele Frauen und Mädchen aus seiner Bekanntschaft er sich auch vergegenwärtigen mochte, er konnte sich keiner Jungfrau erinnern, die bis zu solchem Grade alle, gerade alle diejenigen Eigenschaften in sich vereinigte, welche er bei kühler Beurteilung einmal in seinem Weibe zu sehen gewünscht hätte. Sie besaß den ganzen Reiz und die Frische der Jugend, war aber kein Kind mehr, und wenn sie ihn liebte, liebte sie ihn mit Bewußtsein, so wie ein Weib lieben muß. Dies war das Eine. Ein Zweites lag darin, daß sie nicht nur der Weltlichkeit fern stand, sondern offenbar einen Ekel vor der Welt empfand, sie zugleich aber doch kannte, und alle die Manieren der Frau aus der guten Gesellschaft besaß, ohne welche für Sergey Iwanowitsch eine Lebensgefährtin undenkbar war. Ein Drittes bestand darin, daß sie religiös war; doch nicht wie ein Kind, religiös, ohne sich Rechenschaft davon zu geben, und gut wie beispielsweise Kity; sondern ihr Leben war auf religiösen Überzeugungen begründet. Selbst bis auf Kleinigkeiten fand Sergey Iwanowitsch in ihr alles, was er von einer Frau wünschte; sie war arm und stand allein; so daß sie keinen Haufen von Verwandten und deren Einfluß mit in das Haus des Mannes schleppte, so, wie er das bei Kity sah; sie mußte vielmehr ihrem Gatten in allem verpflichtet sein, was er auch immer für sein künftiges Familienleben gewünscht hätte. Und dieses Mädchen nun, welches alle jene Eigenschaften in sich vereinte, liebte ihn. Er war bescheiden, mußte dies aber doch wahrnehmen -- und liebte sie wieder. -- Den einzigen Gegengrund bildeten seine Jahre. Doch seine Konstitution war dauerhaft, er hatte noch kein einziges graues Haar, niemand maß ihm vierzig Jahre bei und er entsann sich, daß Warenka gesagt hatte, nur in Rußland hielten sich die Leute von fünfzig Jahren für Greise, während sich in Frankreich der fünfzigjährige Mann »=dans la force de l'âge=« erachte, ja, der vierzigjährige als »=un jeune homme=«. Aber was bedeutete die Altersrechnung, da er sich jung an Geist fühlte, so wie er es vor zwanzig Jahren gewesen? War denn nicht Jugend das Gefühl, welches er jetzt empfand, da er, auf der anderen Seite wieder zu dem Rande des Waldes hinaustretend, im hellen Glanz der schrägen Sonnenstrahlen die graziöse Gestalt Warenkas im gelben Kleid und mit dem Körbchen, leichten Schrittes an dem Stamm einer alten Birke vorüberschreitend erblickte, und der Eindruck dieser Erscheinung Warenkas in Eins zusammenfloß mit dem ihn durch seine Schönheit frappierenden Anblick des von den schrägen Lichtstrahlen übergossenen, gelbschimmernden Haferfeldes und des alten fernen Waldes hinter dem Felde, der, mit Gelb ins Bunte spielend, in blauer Ferne verschwamm? Sein Herz zog sich zusammen vor Lust, ein Gefühl des Friedens überkam ihn, und er empfand, daß er einen Entschluß gefaßt hatte. Warenka, welche sich soeben niedergelassen hatte, um einen Pilz aufzunehmen, erhob sich mit schneller Bewegung und schaute sich um. Die Cigarre wegwerfend, begab sich Sergey Iwanowitsch mit schnellen Schritten auf sie zu. 5. »Barbara Andrejewna, als ich noch sehr jung war, hatte ich mir ein Ideal vom Weib gebildet, wie ich es einmal lieben wollte und welches mein Weib nennen zu können, ich glücklich sein würde. Ich habe nun ein langes Leben gelebt und begegne jetzt zum erstenmal dem, was ich suche, in Euch. Ich liebe Euch und trage Euch meine Hand an.« -- Sergey Iwanowitsch hatte dies zu sich selbst gesagt, während er noch zehn Schritte von Warenka entfernt war. Auf den Knieen liegend, und mit den Händen einen Pilz vor Grischa schützend, rief sie die kleine Mascha. »Hierher, hierher; ihr Kleinen! Hier sind viel!« rief sie mit ihrer milden Bruststimme. Als sie den Sergey Iwanowitsch herankommen sah, erhob sie sich nicht, veränderte auch ihre Stellung nicht; alles aber sagte ihm, daß sie sein Kommen fühle und sich dessen freue. »Habt Ihr denn etwas gefunden?« frug sie unter ihrem weißen Tuch hervor, ihm das schöne, ruhig lächelnde Antlitz zukehrend. »Nicht einen einzigen,« sagte Sergey Iwanowitsch, »und Ihr?« Sie antwortete ihm nicht, mit den Kindern beschäftigt, die sie umringten. »Noch diesen, neben dem Zweige da,« wies sie der kleinen Mascha einen kleinen eßbaren Erdschwamm, dessen elastischer roter Hut quer von einem trockenen Grase durchschnitten war, unter dem er sich hervorgemacht hatte. Warenka erhob sich, als Mascha den Pilz, den sie in zwei Hälften zerbrochen hatte, aufgenommen hatte. »Dies ruft mir meine eigene Kindheit ins Gedächtnis,« fügte sie hinzu, an der Seite Sergey Iwanowitschs von den Kindern hinwegschreitend. Sie gingen schweigend einige Schritte. Warenka sah, daß er sprechen wollte; sie vermutete auch, was, und erstarrte fast in freudiger Erregung und Angst. Beide waren so weit hinweg geschritten, daß sie niemand mehr vernehmen konnte, aber noch begann er nicht zu sprechen. Für Warenka wäre es besser gewesen, zu schweigen. Nach einigem Stillschweigen war es leichter, das zu sagen, was sie sagen wollte, als nach den Worten über die Pilze, aber gegen ihren Willen, gleichsam wider Erwarten, sprach sie: »So habt Ihr also nichts gefunden? Inmitten des Waldes giebt es allerdings stets weniger.« Sergey Iwanowitsch seufzte und erwiderte nichts. Es war ihm verdrießlich, daß sie wieder von den Pilzen anfing. Hatte er sie doch auf ihre ersten Worte, die sie über ihre Kindheit gesagt hatte, führen wollen. Gleichsam wider seinen Willen, äußerte er nun, nachdem er einige Zeit geschwiegen, eine Bemerkung zu ihren letzten Worten. »Ich habe nur gehört, daß die weißen vorzugsweise am Rande stehen, obwohl ich den weißen nicht zu unterscheiden verstehe.« Wieder vergingen einige Minuten; sie gingen noch weiter von den Kindern hinweg und waren jetzt vollständig allein. Das Herz Warenkas pochte so stark, daß sie seine Schläge vernahm, und empfand, daß sie errötete, blaß wurde und wieder errötete. Die Frau eines Mannes wie Koznyscheff zu sein, nach ihrer Stellung bei Madame Stahl, erschien ihr als Gipfel des Glücks. Dann aber war sie auch fest überzeugt, daß sie ihn liebe; und dies sollte nun bald entschieden werden. Ihr war furchtbar zu Mut; furchtbar, daß er sprechen würde, furchtbar, daß er nicht sprach. Jetzt oder nie mußte man sich erklären; und dies empfand auch Sergey Iwanowitsch. Alles, im Blick, in der Röte ihres Gesichts, in den niedergeschlagenen Augen Warenkas, zeigte ihm ihre schmerzliche Erwartung. Sergey Iwanowitsch sah es und empfand Mitleid mit ihr. Er fühlte sogar, daß es sie bedeutend verletzt haben würde, wenn er jetzt nicht sprach. Er wiederholte nun schnell im Geiste die Gründe, die für seinen Entschluß sprachen, er wiederholte die Worte, mit welchen er seinen Antrag ausdrücken wollte; anstatt dieser Worte aber frug er infolge einer ihn unerwartet überkommenden Idee plötzlich: »Welcher Unterschied ist denn zwischen einem weißen Pilz und einem Birkenschwamm?« Die Lippen Warenkas bebten vor Erregung, als sie antwortete: »In den Köpfen ist fast gar kein Unterschied, nur im Stengel.« Und kaum waren diese Worte gesagt, so hatte er wie sie erkannt, daß alles vorüber war; daß das, was hätte gesagt werden müssen, nun nicht gesagt werden würde, und die gemeinsame Erregung, die auf den höchsten Grad gestiegen war, begann sich zu legen. »Der Birkenpilz -- sein Stengel -- erinnert an einen seit zwei Tagen nicht rasierten Bart eines Brünetten,« sagte Sergey Iwanowitsch, schon ruhig geworden. »Ja, es ist wahr,« antwortete Warenka lächelnd; unwillkürlich hatte sich die Richtung ihrer Promenade verändert. Sie begannen sich den Kindern wieder zu nähern. Warenka war es schmerzlich zu Mute, und sie empfand Scham, zugleich aber auch verspürte sie ein Gefühl der Erleichterung. Als Sergey Iwanowitsch heimgekehrt war und alle seine Beweisgründe wiederum durchmusterte, fand er, daß er falsch spekuliert hatte. Er konnte an dem Gedächtnis Marias nicht Verrat üben. »Stiller, Kinder, seid stiller!« rief Lewin fast zornig den Kindern zu, vor seinem Weibe stehend, um es zu schützen, als der Haufe der Kinder mit Freudengeschrei ihnen entgegenflog. Nach den Kindern war auch Sergey Iwanowitsch mit Warenka aus dem Walde gekommen. Kity brauchte Warenka nicht zu fragen; an dem ruhigen und etwas kühlen Ausdruck auf beider Gesichtern erkannte sie, daß sich ihre , - - - - , 1 . , 2 , . 3 , , 4 , 5 , 6 , 7 , 8 , 9 . 10 11 , , 12 , , 13 , , 14 . 15 , 16 , , . 17 , , , 18 , , 19 . 20 21 » , ! ? 22 . , « 23 . 24 25 » , , « 26 . 27 28 , , 29 . 30 - . 31 32 , 33 , 34 , . , 35 . 36 37 » , , 38 . « - - . 39 40 » ? « - - 41 42 » , ? « 43 44 » , , . « 45 46 » , . « 47 48 » ? « 49 50 » - - . 51 , 52 . , , 53 . « 54 55 » , , « , 56 . 57 58 » , « , 59 . » . « 60 61 , 62 . 63 64 » , = = ; , « . 65 66 » , = = ? « 67 , . » = 68 . = . « - - 69 70 » = = , , , « 71 . 72 73 » , . « 74 75 , , 76 . 77 . 78 79 » , , « . » ! - - 80 ! . , 81 . « - - 82 83 . ; 84 , , , . 85 , , 86 , 87 . 88 . , 89 . 90 91 » . = = ! « 92 93 , . 94 95 » 96 , « , , 97 . 98 99 » , « , 100 . 101 102 » , « , » , 103 . , « 104 ; 105 , , . 106 . 107 108 , 109 , , 110 , 111 . 112 113 . , 114 , . 115 116 . . 117 118 » ! « . 119 120 » , ! « 121 , . 122 123 » , , ; 124 , « - - 125 126 » ! « , - - » ! , 127 ! - - , , 128 ! « - - 129 130 » , « , » 131 ? 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