Dies war wiederum eins aus der Million richtiger Urteile, die man an
seinem Bilde und an der Figur des Christus finden konnte.
Sie hatte gesagt, daß es ihm leid thue um Pilatus. In dem Ausdruck
des Christus mußte ja auch der von Mitleid liegen, da in ihm der
der Liebe lag, einer überirdischen Ruhe und Todesbereitschaft, des
Bewußtseins einer bevorstehenden Rechenschaft über seine Worte. Gewiß
lag der Ausdruck des dienstthuenden Beamten in dem Pilatus, der des
Mitleids mit diesem in dem Christus, da der Eine die Verkörperung des
fleischlichen, der Andere die des geistigen Lebens ist. Alles das
und noch vieles andere ging Michailoff durch den Kopf, und abermals
leuchtete sein Auge auf vor Entzücken.
»Und wie diese Figur gearbeitet ist, wie viel Luft; man kann um ihn
herumgehen,« sagte Golenischtscheff, offenbar um mit dieser Bemerkung
anzudeuten, daß er den Gedanken und Sinn der Figur nicht billige.
»Ja, ein wunderbares Meisterstück. Wie jene Figuren in dem
Hintergrunde sich abheben! Das ist Technik!« sagte Wronskiy, sich
zu Golenischtscheff wendend, und damit auf ein zwischen ihnen
stattgehabtes Gespräch darüber, daß Wronskiy an der Erwerbung dieser
Technik verzweifelte, anspielend.
»Ja, ja, wunderbar,« bestätigten Golenischtscheff und Anna.
Trotz des aufgeregten Zustandes, in welchem sich Michailoff befand,
griff diesen doch die Bemerkung über die Technik schmerzlich ans Herz
und grollend auf Wronskiy blickend, verfinsterte er sich plötzlich. Oft
schon hatte er das Wort Technik gehört und durchaus nicht begriffen,
was man eigentlich darunter verstände. Er wußte, daß man mit diesem
Worte die mechanische Fertigkeit des Malens und Zeichnens meine, die
vollständig unabhängig war von dem Inhaltlichen. Oft schon hatte er
bemerkt -- auch bei der gegenwärtigen Lobesspende -- daß man die
Technik dem inneren Werte gegenüberstelle, gerade als ob es möglich
wäre, das gut zu malen, was schlecht sei. Er wußte wohl, daß viel
Aufmerksamkeit und Vorsicht erforderlich sei, um ein Gemälde nicht
zu schädigen, wenn man von ihm die Hüllen abnahm, aber eine Kunst
des Malens -- eine Technik -- die gab es dabei nicht. Hätte sich
einem kleinen Kinde, oder seiner Köchin das ebenfalls geoffenbart,
was er sah, dann würden diese gleichfalls das herauszuschälen
verstanden haben, was sie sahen. Aber selbst der erfahrenste und
auch geschickteste Beherrscher der Maltechnik wäre allein mit der
mechanischen Fertigkeit nicht imstande gewesen, etwas zu malen, wenn
sich ihm nicht vorher die Grenzen des Inhaltlichen offenbarten. Dann
aber wußte er auch, daß wenn man nun einmal von einer Technik sprach,
er ihretwegen nicht gerühmt werden konnte. In allem was er malte und
schon gemalt hatte, erkannte er ihm in die Augen fallende Mängel, die
aus der Unvorsichtigkeit hervorgegangen waren, mit der er die Hüllen
entfernt hatte, und die er nun nicht mehr verbessern konnte, ohne die
ganze Schöpfung zu verderben. Fast auf allen Figuren und Gesichtern
sah er noch die Mängel nicht vollständig abgenommener Hüllen, die sein
Gemälde verdarben.
»Eines, wenn Ihr mir gestattet, diese Bemerkung zu machen, ließe sich
sagen,« äußerte Golenischtscheff.
»Ah, sehr erfreut, ich bitte Euch,« antwortete Michailoff mit
gekünsteltem Lächeln.
»Es ist dies, daß dieser Christus da bei Euch ein Menschgott, aber kein
Gottmensch geworden ist. Indessen, ich weiß ja, daß Ihr es eben so
gewollt habt.«
»Ich konnte den Christus nicht malen, der nicht in meiner Seele ist,«
versetzte der Maler mürrisch.
»Ja, aber in diesem Falle -- wenn Ihr mir gestattet meine Idee
auszusprechen -- Euer Gemälde ist so gut, daß meine Bemerkung ihm nicht
schaden kann, und dann ist dies ja auch nur meine persönliche Meinung.
Bei Euch ist das etwas Anderes; selbst das Motiv ist ein anderes. Aber
nehmen wir etwa den Iwanoff. -- Ich glaube, daß wenn Christus mit der
Norm eines historischen Gesichts zusammengebracht wird, es für Iwanoff
besser wäre, ein anderes historisches Thema zu wählen, ein neues, noch
nicht angeschlagenes.«
»Wie aber, wenn dies das erhabenste Thema wäre, welches sich der Kunst
bietet« --
»Wenn man nur suchen will, so wird man auch andere finden. Es handelt
sich nur darum, daß die Kunst keinen Streit, und keine Düfteleien
duldet. Vor einem Gemälde Iwanoffs ersteht für den Gläubigen wie für
den Nichtgläubigen die Frage: Ist das Gott oder ist es nicht Gott? und
diese stört die Einheit des Eindrucks.«
»Warum? Mir scheint, daß für gebildete Menschen,« sagte Michailoff,
»ein Streit nicht mehr bestehen kann.«
Golenischtscheff war hiermit nicht einverstanden und fertigte
Michailoff mit seinem ersten Gedanken über die Einheit des Eindrucks
ab, die in der Kunst notwendig sei.
Michailoff geriet in Erregung, wußte aber nichts zur Verteidigung
seines Gedankens zu sagen.
12.
Anna und Wronskiy hatten schon längere Zeit Blicke miteinander
gewechselt im Bedauern über die scharfsinnige Redefertigkeit ihres
Freundes; endlich schritt Wronskiy, ohne auf den Hausherrn zu warten,
zu einem anderen, einem kleinen Gemälde.
»Ah, wie reizend, wie reizend! Wundersam! Wie reizend!« riefen beide
mit einer Stimme.
»Was hat ihnen so gefallen?« dachte Michailoff. Er hatte das vor drei
Jahren gemalte Bild vergessen; vergessen alle die Leiden und Freuden,
welche er mit diesem Bilde durchlebt hatte, indem es ihn mehrere Monate
hindurch ausschließlich, und ohne daß er sich davon hätte trennen
können, Tag und Nacht beschäftigte, es vergessen, wie er überhaupt
stets seine vollendeten Bilder vergaß. Er liebte nicht einmal, es
anzuschauen, und stellte es nur deshalb aus, weil er einen Engländer
erwartete, der es zu kaufen wünschte.
»Ah; eine alte Studie,« sagte er.
»Wie hübsch,« rief Golenischtscheff, gleichfalls augenscheinlich
aufrichtig von dem Reiz des Bildes gefesselt.
Zwei Knaben im Schatten einer Bachweide angelten Fische. Der Eine,
ältere, hatte soeben die Angel ausgeworfen und führte aufmerksam
die Angelspule aus einem Gestrüpp heraus, ganz versunken in diese
Beschäftigung; der Andere, jüngere lag im Grase, den wirren Blondkopf
auf die Ellbogen gestützt, und schaute mit den blauen Augen
nachdenklich auf das Wasser.
Woran mochte er denken?
Das Entzücken über dieses sein Bild rief in Michailoff die frühere
Erregung hervor, doch scheute er sich vor diesem unangenehmen müßigen
Interesse für ältere Arbeiten, und so suchte er, obwohl ihm dieses Lob
angenehm war, die Besucher zu dem dritten Bilde hinzuziehen.
Doch Wronskiy frug, ob er dieses Gemälde verkaufe. Michailoff, von dem
Besuch erregt, war diese Frage über Geldgeschäfte jetzt sehr unangenehm.
»Es ist zum Verkauf ausgestellt,« versetzte er, sich verfinsternd.
Nachdem die Besucher gegangen waren, setzte sich Michailoff vor
seinem Bilde »Pilatus und Christus« nieder und wiederholte sich in
Gedanken alles, was gesprochen worden, oder, wenn nicht ausgesprochen,
so doch von den Besuchern angedeutet worden war. Und seltsam, was
so hohe Bedeutung für ihn gehabt hatte, während sie hier waren und
er sich in Gedanken auf ihren Standpunkt versetzte, hatte jetzt
plötzlich für ihn allen Wert verloren. Er schaute jetzt auf sein
Gemälde mit seinem vollen künstlerischen Blick, und kam zu demjenigen
Standpunkte der Überzeugung von seiner Vollkommenheit und darnach auch
Bedeutung, welcher ihm notwendig war zu der alle anderen Interessen
ausschließenden Spannkraft, mit welcher allein er nur zu arbeiten
vermochte.
Der eine Fuß des Christus war allerdings nicht recht befriedigend.
Er nahm die Palette und machte sich an die Arbeit. Indem er den Fuß
besserte, blickte er fortwährend auf die Gestalt des Johannes im
Hintergrund, welche die Besucher gar nicht bemerkt hatten, und die
gleichwohl -- er wußte es -- noch über der Vollkommenheit selbst stand.
Nachdem er mit dem Fuß fertig war, wollte er sich an diese Figur
begeben, aber er fühlte sich allzu erregt dazu. Nichtsdestoweniger
konnte er aber auch nicht arbeiten, wenn er ganz kühl, sowie wenn er
zu weich gestimmt war und alles zu sehr sah. Es gab nur eine Stimmung
in dem Übergang von der Kühle bis zur Begeisterung, in welcher ihm die
Arbeit möglich war. Jetzt befand er sich in allzugroßer Aufregung. Er
wollte das Gemälde verhüllen, hielt aber inne, mit der Hand den Vorhang
haltend, und schaute lange, beglückt lächelnd, auf die Gestalt des
Johannes. Endlich, gleichsam mit Schmerz sich losreißend, ließ er den
Vorhang fallen und begab sich ermüdet, aber beglückt heim.
Wronskiy, Anna und Golenischtscheff waren, heimgekehrt, in ausnehmend
angeregter und heiterer Stimmung. Man sprach von Michailoff und seinen
Bildern. Das Wort »Talent«, unter welchem sie eine angeborene, fast
physische Fähigkeit, unabhängig von Verstand und Herz verstanden,
und als das sie alles bezeichneten, was von dem Künstler durchlebt
wird, tauchte besonders häufig in ihrer Unterhaltung auf, da es ihnen
unentbehrlich dazu war, das zu bezeichnen, wofür sie kein Verständnis
besaßen, und worüber sie doch sprechen wollten. Sie sagten, man könne
ihm das Talent nicht absprechen, infolge der mangelnden Bildung aber
vermöge sich dieses nicht zu entwickeln. -- Dies sei das Unglück aller
russischen Künstler! -- Aber das Bild mit den beiden Knaben war doch in
ihrer Erinnerung haften geblieben und immer wieder kehrten sie zu ihm
zurück. Wie reizend! Wie schön war es ihm gelungen! Und wie einfach!
Er selbst weiß gar nicht, wie schön es ist. »Ja, das darf man nicht
fortlassen, das muß man kaufen,« sagte Wronskiy.
13.
Michailoff verkaufte Wronskiy das Bild und willigte auch ein, Annas
Porträt zu malen. Am festgesetzten Tage kam er und begann seine Arbeit.
Von der fünften Sitzung an setzte das Porträt jedermann in Erstaunen,
besonders Wronskiy, nicht nur durch die Ähnlichkeit, sondern
vornehmlich durch seine Schönheit. Es war seltsam, wie Michailoff jene
nur ihr eigene Schönheit hatte treffen können. »Man muß sie kennen und
lieben, wie ich sie geliebt habe, um diesen eigenen, lieblichen und
seelischen Ausdruck bei ihr zu entdecken,« dachte Wronskiy, obwohl nur
er in diesem Gemälde den lieblichen, seelischen Ausdruck erkannte.
Derselbe war aber so getreu, daß es ihm und anderen schien, als ob
sie ihn schon längst gekannt hätten. »Wie lange habe ich mich nun
schon geplagt, und nichts fertig gebracht,« sprach er bezüglich seines
eigenen Porträts, »und er hat sie nur angeschaut und gemalt! Das ist
die Technik.«
»Es wird noch kommen,« tröstete ihn Golenischtscheff, nach dessen
Auffassung Wronskiy Talent besaß und, was die Hauptsache war, auch
die Bildung, die einen erhabneren Blick auf die Kunst verlieh. Die
Überzeugung Golenischtscheffs von Wronskiys Talent wurde noch dadurch
gestützt, daß Golenischtscheff Wronskiys Teilnahme und Lob für seine
Arbeiten und seine Ideen brauchte, und so fühlte er, daß Lob und
Unterstützung hier auf Gegenseitigkeit beruhten.
In einem fremden Hause, und insbesondere in dem Palazzo bei Wronskiy
war Michailoff ein abweisend anderer Mensch, als in seinem Atelier.
Er war abstoßend höflich, gerade als fürchte er die Annäherung an
Menschen, die er nicht achte. Er nannte Wronskiy Ew. Erlaucht und blieb
niemals, ungeachtet der Einladungen Annas und Wronskiys, zum Essen da,
kam auch nicht zu anderen Zeiten, als zu den Sitzungen. Anna war gegen
ihn freundlicher, als gegen andere, und ihm dankbar für das Porträt.
Wronskiy war mehr als nur höflich gegen ihn, und interessierte sich
augenscheinlich für das Urteil des Künstlers über sein eigenes Gemälde.
Golenischtscheff ließ keine Gelegenheit vorüber, Michailoff die wahren
Begriffe über Kunst beizubringen, allein Michailoff blieb sich immer
gleich in seiner Zurückhaltung gegen alle. Anna fühlte an seinem Blick,
daß er sie gern betrachtete, doch er mied Gespräche mit ihr. Zu den
Gesprächen Wronskiys über dessen Malerei schwieg er beharrlich, und er
schwieg ebenso beharrlich, als man ihm das Bild Wronskiys zeigte; er
fühlte sich auch offenbar belästigt von den Reden Golenischtscheffs und
erwiderte diesem nichts.
Im allgemeinen gefiel ihnen daher Michailoff mit seinem zurückhaltenden
und unangenehmen, gleichsam feindseligen Verhalten sehr wenig, nachdem
man ihn näher kennen gelernt hatte, und man war deshalb froh, daß
als die Sitzungen beendet waren, in ihren Händen ein schönes Porträt
zurückblieb, während er selbst sein Kommen einstellte.
Golenischtscheff war es zuerst, der den Gedanken aussprach, den alle
hatten, nämlich, daß Michailoff auf Wronskiy einfach neidisch sei.
»Gesetzt, er beneidete ihn nicht, weil er Talent besitzt, ist es ihm
doch verdrießlich, daß ein Hofmann und reicher Mann, noch dazu ein
Graf, was schon alle beneiden, ohne besondere Mühe das Nämliche, wenn
nicht noch Besseres, leistet, als er, der sein ganzes Leben dem geweiht
hat. Die Hauptsache bleibt doch die Bildung, die jener nicht hat.«
Wronskiy verteidigte Michailoff, doch auf dem Grunde seines Herzens
glaubte er hieran, weil nach seiner Auffassung ein Mensch aus jener
anderen, niedrigeren Welt Neid hegen mußte.
Das Porträt Annas, ebenfalls in derselben Weise nach der Natur gemalt
von ihm wie von Michailoff, hätte Wronskiy den Unterschied zeigen
müssen, welcher zwischen ihm und jenem bestand, aber er gewahrte
denselben nicht. Er hörte nach der Arbeit Michailoffs nur auf, sein
Porträt von Anna weiter zu malen, indem er meinte, dies sei nunmehr
überflüssig geworden. Sein Gemälde aus dem mittelalterlichen Leben
hingegen setzte er fort, und er selbst, wie auch Golenischtscheff und
namentlich Anna fanden, daß es sehr schön sei, weil es den berühmten
Bildern viel ähnlicher werde, als das Bild Michailoffs.
Dieser nun war, ungeachtet dessen, daß ihn die Porträtierung Annas sehr
angezogen hatte, seinerseits noch froher als jene, als die Sitzungen
zu Ende waren und er nicht mehr das Geschwätz Golenischtscheffs über
Kunst anzuhören brauchte, und die Malerei Wronskiys vergessen durfte.
Er wußte, daß es unmöglich war, Wronskiy zu verbieten, mit der Malerei
Mutwillen zu treiben; er wußte, daß dieser ebenso wie alle anderen
Dilettanten das volle Recht besaß, zu malen was ihm anstand -- aber
ihm war dies unangenehm. Es war eben unmöglich, einem Menschen zu
untersagen, sich eine große Puppe aus Wachs zu machen und sie zu
küssen. Aber wenn nun gar dieser Mensch mit der Puppe kam, und sich
vor einem Verliebten hinsetzte und beginnen wollte, seine Puppe zu
liebkosen, wie ein Verliebter die, welche er liebt, so mußte das
dem Verliebten widerlich sein. Und dieses widerliche Gefühl empfand
Michailoff beim Anblick der Malerei Wronskiys; es wurde ihm dabei
komisch und ärgerlich, kläglich und grimmig zugleich zu Mut.
Die Passion Wronskiys für die Malerei und das Mittelalter hielt nicht
lange an. Wronskiy besaß doch soviel Geschmack für Malerei, daß er sein
Bild nicht zu beenden vermochte und es blieb liegen. Voll Bestürzung
war er inne geworden, daß die Mängel des Bildes, im Anfang weniger
bemerkbar, überraschend wirkten, wenn er es fortsetzte. Es ging ihm,
wie Golenischtscheff, der fühlte, daß es ihm auf das Reden nicht
ankomme und sich beständig damit selbst täuschte, daß nur seine Idee
noch nicht ausgereift sei, daß er sie erst austragen und Material
sammeln wolle. Aber Golenischtscheff hatte dies verbittert gemacht
und es marterte ihn; Wronskiy hingegen vermochte sich weder selbst
zu täuschen noch zu peinigen oder gar über sich selbst verbittert zu
werden; mit der ihm eigenen Charakterfestigkeit hörte er eben auf, ohne
eine Erklärung oder Rechtfertigung, zu malen.
Ohne diese Beschäftigung indessen erschien ihnen -- sowohl ihm wie
Anna, die sich über seine Ernüchterung verwunderte -- das Leben nun
so langweilig in der italienischen Stadt, wurde der Palazzo plötzlich
so sichtlich alt und schmutzig, schauten die Flecken auf den Gardinen
so unangenehm hervor, die Ritzen auf den Fußböden, die abgefallene
Stuccatur an den Karnisen, wurde ihnen auch der ewige Golenischtscheff,
der italienische Professor und ein deutscher Reisender nach und nach
so langweilig, daß man dieses Leben ändern mußte. Man beschloß, nach
Rußland auf das Land zu gehen. In Petersburg gedachte Wronskiy mit
seinem Bruder eine Vermögensteilung vorzunehmen, während Anna ihren
Sohn wiedersehen wollte. Den Sommer beabsichtigten sie auf dem großen
Erbbesitz Wronskiys zu verleben.
14.
Lewin war seit drei Monaten verheiratet. Er war glücklich, aber nicht
ganz so wie er erwartet hatte. Auf jedem Schritte begegnete er der
Enttäuschung in früheren Träumen, doch auch neuen, unerwarteten Reizen.
Er war glücklich, sah aber, nachdem er ins Familienleben getreten war,
auf jedem Schritte, daß dieses durchaus nicht so war, wie er es sich
vorgestellt hatte. Auf jedem Schritte erfuhr er an sich, was ein Mensch
fühlen mag, der sich an der glatten glücklichen Fahrt eines Nachens
auf dem See ergötzt, nachdem er sich etwa selbst hineingesetzt hat.
Er sah, daß er, indem er schon ruhig sitzen mußte und nicht schaukeln
durfte, sich auch noch dessen bewußt sein mußte -- ohne nur eine
Minute zu vergessen, wohin er fahren wollte -- daß unter seinen Füßen
Wasser war und er rudern mußte, und daß dies den nicht daran gewohnten
Händen mühsam wurde. Die Sache sah wohl sehr leicht aus, aber sie zu
vollbringen -- wenn es auch mit viel Freude verbunden war -- blieb
doch sehr schwierig.
Als Junggeselle hatte er oft, auf das Eheleben mit seinen kleinlichen
Sorgen, seinem Streit, seiner Eifersucht blickend, geringschätzig in
seinem Innern gelächelt. In seinem künftigen Eheleben konnte nach
seiner Überzeugung nicht nur nichts Ähnliches existieren, es sollten
sogar alle äußerlichen Formen desselben, wie ihm dünkte, dem Leben
der anderen in allem vollständig unähnlich sein. Plötzlich aber
hatte sich anstatt dessen auch sein Leben mit seinem Weibe nicht
nur nicht besonders gestaltet, sondern sich im Gegenteil, gerade
aus all jenen kleinlichsten Kleinigkeiten zusammengesetzt, die er
vordem so sehr verachtet hatte, die aber jetzt, gegen seinen Willen,
eine ungewöhnliche und unabweisbare Bedeutung erhalten hatten. Lewin
erkannte auch, daß die Regelung aller dieser Kleinigkeiten durchaus
nicht so leicht war, als ihm früher geschienen hatte. Ungeachtet
dessen, daß Lewin glaubte, die richtigsten Begriffe vom Eheleben
zu besitzen, stellte er sich, wie alle Männer, das Familienleben
unwillkürlich nur als eine Befriedigung seiner Liebe vor, der kein
Hindernis mehr in den Weg treten durfte, und von welcher ihn keine
kleinlichen Sorgen abziehen sollten. Er sollte nach seiner Auffassung
seine Arbeit verrichten und von derselben ausruhen im Glück der Liebe.
Sie sollte daher auch nur geliebt werden; allein er hatte dabei, wie
alle Männer, vergessen, daß auch sie arbeiten müsse. Er wunderte sich,
wie sie, die poetische, reizende Kity, nicht in den ersten Wochen,
nein, schon in den ersten Tagen des Ehelebens bereits, denken, sich
erinnern, sich sorgen konnte um Tischtücher, Möbel, Matratzen für die
anreisenden Besuche, das Geschirr, den Koch, das Essen und dergleichen.
Schon als Bräutigam war er in Erstaunen gesetzt worden von der
Bestimmtheit, mit welcher sie auf eine Reise ins Ausland verzichtete
und sich dafür entschieden hatte, auf das Dorf zu gehen, gerade als ob
sie schon wüßte, was not thue, und daß sie außer an ihre Liebe, auch
noch an Nebensächliches denken könne. Dies hatte ihn damals verstimmt,
und auch jetzt verstimmten ihn mehrmals ihre kleinen Mühen und Sorgen.
Doch er sah, daß ihr dies ein Bedürfnis war, und da er sie liebte, so
konnte er nicht umhin, sich über diese Sorgsamkeit zu freuen, wenn er
auch nicht wußte weshalb, und wenn er auch darüber spöttelte.
Er lächelte darüber, wie sie die Möbel stellte, welche aus Moskau
gebracht worden waren, wie sie ihr Zimmer und seines neu ausschmückte,
Gardinen aufsteckte, über die künftige Unterbringung der Besuche
verfügte, wie die Dollys; ferner wie sie ihre neue Zofe unterbrachte,
wie sie dem alten Koch das Menü vorschrieb und mit Agathe Michailowna
in Widerspruch geriet und diese der Verwaltung der Speisekammer enthob.
Er sah, daß der alte Koch lächelte und damit zufrieden war, sah, daß
Agathe Michailowna bedenklich, aber freundlich den Kopf schüttelte
über die neuen Verfügungen der jungen Herrin in der Vorratskammer; er
sah, wie Kity ungewöhnlich lieblich war, wenn sie lachend und weinend
zugleich, zu ihm kam, um ihm mitzuteilen, daß die Magd Mascha gewöhnt
sei, Agathe als Herrin zu betrachten, und daß deshalb niemand auf sie
höre. Ihm erschien dies lieblich, aber auch seltsam, und er dachte es
würde wohl besser sein, wenn dies nicht wäre.
Er kannte jenes Gefühl der Veränderung nicht, welches sie nun kennen
gelernt, nachdem sie daheim wohl bisweilen einmal nach Kohl mit Kwas
oder Konfekt verlangt hatte, ohne daß dies oder jenes zu haben gewesen
wäre, während sie jetzt befehlen durfte, was sie wollte, ganze Haufen
von Konfekt kaufen, Geld soviel sie wollte ausgeben, oder Backwerk
bestellen konnte nach Herzenslust.
Mit Freude dachte sie jetzt auch der Ankunft Dollys und der
Kinder, besonders deswegen, weil sie für jedes der Kinder dessen
Lieblingsgebäck hatte backen lassen, und Dolly ihre ganze neue
Einrichtung abschätzen lassen wollte. Sie wußte zwar selbst nicht,
warum und zu welchem Zwecke, aber das Hauswesen zog sie unwiderstehlich
an. Instinktiv fühlte sie das Nahen des Frühlings und wohl wissend, daß
es auch für sie schwere Stunden geben werde, baute sie sich, wie sie es
verstand, ihr Nest, und mühte sich zu gleicher Zeit zu lernen, wie man
bauen müsse.
Diese pedantische Sorglichkeit Kitys, dem Ideal Lewins von einem
erhabenen Glück der ersten Zeit so sehr entgegengesetzt, war eine der
Enttäuschungen. Diese liebliche Fürsorge, deren Sinn er nicht begriff,
die er aber lieben mußte, war die erste der neuen Enttäuschungen.
Eine zweite Ernüchterung, zugleich aber auch einen Reiz bildeten die
Zwiste. Lewin hatte sich nie vorstellen können, daß zwischen ihm und
seinem Weibe andere Beziehungen, als zärtliche, achtungsvolle und
liebevolle bestehen könnten, und plötzlich, gleich von den ersten Tagen
an, gerieten sie einmal so in Zwist, daß sie zu ihm sagte, er liebe sie
gar nicht, liebe nur sich selbst und nun zu weinen begann, und die Arme
hochhob.
Dieser erste Streit kam davon her, daß Lewin nach einer neuen Meierei
gefahren und eine halbe Stunde länger geblieben war, weil er auf einem
kürzeren Wege hatte heimfahren wollen, in welchem er sich jedoch
geirrt hatte. Er fuhr heim, nur in Gedanken an sie, an ihre Liebe
und sein Glück, und je näher er kam, um so heißer wallte in ihm die
Zärtlichkeit für sie. Er eilte nach ihrem Zimmer noch mit der nämlichen
Empfindung -- ja einer noch stärkeren -- als die gewesen, mit der er
sich dem Hause der Schtscherbazkiy genähert hatte, um seine Werbung
anzubringen. Da aber begegnete ihm plötzlich ein finsterer, noch nie an
ihr gesehener Ausdruck; er will sie küssen, sie stößt ihn von sich.
»Was hast du?«
»Du hast ja recht gute Laune,« begann sie, sich bemühend, ruhig und
sarkastisch zu erscheinen.
Kaum aber hat sie den Mund geöffnet, als der Redestrom der Vorwürfe
einer sinnlosen Eifersucht sich ihr entrang, alles dessen, was sie
in dieser halben Stunde gemartert hatte, die von ihr, indem sie
unbeweglich am Fenster saß verbracht worden war. Da erkannte er zum
erstenmal klar, was er noch nicht gewußt, als er sie nach der Trauung
aus der Kirche geführt hatte. Er erkannte, daß sie ihm nicht nur nahe
stehe, sondern daß er jetzt nicht einmal mehr wisse, wo sie aufhöre
und wo er anfange. Er empfand dies an jenem quälenden Gefühl der
Zweiheit, welches er in dieser Minute hatte. Im ersten Augenblick war
er verletzt, ebenso schnell aber wurde er auch inne, daß er von ihr
nicht verletzt werden könne, daß sie ja er selbst sei. Er empfand in
diesem ersten Augenblick ein Gefühl, ähnlich dem, welches ein Mensch
hat, wenn er, plötzlich einen starken Schlag von hinten erhaltend,
sich gereizt und mit dem Wunsch nach Rache umwendet, den Schuldigen
zu entdecken, sich aber dabei überzeugt, daß er sich unvermutet selbst
geschlagen hat, und daher niemandem zürnen dürfe, sondern seinen
Schmerz überwinden und beschwichtigen müsse.
Niemals hatte er dies mit solcher Macht in der Folge wieder empfunden,
aber jenes erste Mal konnte er sich lange Zeit darüber selbst nicht
wieder finden. Ein natürliches Gefühl erheischte von ihm, daß er sich
rechtfertigte und ihr ihre Schuld vorhalte; dies aber thun, hieß
sie nur noch mehr reizen und den Bruch noch größer machen, der die
Ursache des ganzen Leides bildete. Die eine, gewöhnlich vorhandene
Empfindung zog ihn, die Schuld von sich ab und auf sie zu wälzen, eine
andere, noch viel stärkere aber, schnell -- so schnell als möglich
-- den stattfindenden Gefühlsausbruch, zu besänftigen und ihn nicht
stärker werden zu lassen. Es war qualvoll, unter einer ungerechten
Beschuldigung zu leiden, allein sich zu rechtfertigen und ihr wehe
zu thun, war noch schlimmer. Wie ein Mensch im Halbschlaf, der von
einem Schmerz gequält ist, so wollte er jetzt die schmerzende Stelle
losreißen, von sich werfen und fühlte, als er zur Besinnung kam, daß
diese schmerzende Stelle -- er selbst war. -- Man konnte sich somit
nur bemühen, der kranken Stelle behilflich zu sein, zu dulden, und er
bemühte sich denn, dies zu thun.
Beide söhnten sich aus; sie, indem sie ihre Schuld einsah, ohne sie
jedoch einzugestehen, wurde wieder zärtlich gegen ihn, und beide
verspürten ein neues verdoppeltes Glück in ihrer Liebe. Dies hinderte
indessen nicht, daß sich diese Zusammenstöße nicht wiederholten, ja
sogar ziemlich häufig, und bei den unerwartetsten und geringfügigsten
Anlässen. Diese Zusammenstöße entstanden oft daraus, daß sie noch
nicht wußten, was das Eine für das Andere bedeutete, daraus, daß sie
in dieser ganzen ersten Zeit beide häufig in schlechter Laune waren.
Befand sich der eine Teil in guter, der andere in übler Stimmung,
so wurde der Frieden nicht gestört, wenn sich aber beide gerade in
Mißstimmmung befanden, so entstanden Zwiste aus Ursachen, die ihrer
Nichtigkeit halber so unbegreiflich waren, daß beide sich nachher
durchaus nicht mehr zu entsinnen vermochten, worüber sie sich entzweit
hatten. Allerdings verdoppelte sich hingegen das Glück ihres Lebens,
wenn sie beide bei guter Stimmung waren. Nichtsdestoweniger war aber
doch diese erste Zeit eine schwere für sie.
Während dieser ganzen Zeit hatte sich eine lebhafte Spannung, gleich
einem Zerren nach den beiden Enden einer Kette, durch die sie verbunden
waren, fühlbar gemacht.
Überhaupt war jener Honigmonat, das heißt der Monat nach der Hochzeit,
von dem sich Lewin, der Überlieferung nach, so viel versprochen hatte,
nicht nur nicht süß, sondern bildete vielmehr in der Erinnerung beider
gerade die schwerste und niederdrückendste Periode ihres Lebens.
Indessen bemühten sie sich beide für ihr späteres Leben alle die
häßlichen und beschämenden Umstände dieser ungesunden Zeit, in der sie
doch beide selten in normalem Seelenzustand, selten sie selbst gewesen
waren, aus ihrem Gedächtnis zu verwischen.
Erst im dritten Monat ihres Ehestandes, nach der Rückkehr von Moskau,
wohin sie sich für einen Monat begeben hatten, gestaltete sich ihr
Leben geebneter.
15.
Sie waren kaum von Moskau wieder zurückgekommen und freuten sich nun
ihrer Einsamkeit. Er saß im Kabinett am Schreibtisch und schrieb;
sie, in jenem dunkellila Kleid, welches sie in den ersten Tagen
ihres Ehestandes getragen und heute wiederum angelegt hatte, und das
besonders denkwürdig und teuer für ihn war, saß auf dem Diwan, dem
nämlichen altmodischen Lederdiwan, der stets unter dem Großvater und
Vater Lewins im Kabinett gestanden hatte und stickte eine =broderie
anglaise=. Er sann und schrieb, fortwährend in dem angenehmen
Gefühl ihrer Gegenwart. Seine Beschäftigung, sowohl die mit der
Landwirtschaft, als seinem Werke, in welchem die Prinzipien einer neuen
Landwirtschaft dargelegt werden sollten, war nicht von ihm aufgegeben
worden, aber so wie ihm vordem schon diese Arbeiten und Ideen klein und
geringfügig erschienen waren im Vergleich mit dem Dunkel, welches das
ganze Leben bedecke, so erschienen sie ihm auch jetzt noch unwichtig
und kleinlich im Vergleich mit dem vom warmen Lichtglanz des Glückes
überfluteten Leben, das vor ihm lag. Er setzte seine Arbeiten fort,
empfand aber jetzt, daß der Schwerpunkt seiner Aufmerksamkeit auf
etwas Anderes übergegangen sei und er infolge dessen ganz anders und
klarer auf die Sache blickte. Vordem war für ihn diese Beschäftigung
sein Lebensheil gewesen, vordem hatte er empfunden, daß ohne dieselbe
sein Dasein allzu düster sein würde; jetzt aber waren ihm diese
Arbeiten notwendig, damit ihm das Leben nicht zu einförmig erhellt
sein möchte. Nachdem er sich von neuem seinen Manuskripten gewidmet
hatte, fand er beim Durchlesen des Geschriebenen mit Genugthuung, das
Werk sei es wert, daß er sich mit ihm befaßte. Viele der früheren
Ideen zeigten sich ihm zwar überflüssig oder übertrieben, aber vieles
noch Fehlende wurde ihm auch klar, als er das ganze Werk in seinen
Gedanken wieder auffrischte. Er schrieb jetzt ein neues Kapitel über
die Gründe der ungünstigen Lage des Ackerbaues in Rußland. Er legte
dar, daß die Armut Rußlands nicht nur von der unregelmäßigen Verteilung
des Grundbesitzes und falscher Methode herrühre, sondern auch in der
letzten Zeit die in Rußland in nicht normaler Weise zur Entwickelung
gelangte äußerliche Civilisation hierzu beigetragen habe, insbesondere
durch die Verkehrswege, die Eisenbahnen, welche die Centralisierung
in den Städten mit sich gebracht hätten, die Entwickelung des Luxus,
und in der Folge hiervon, zum Schaden für die Landwirtschaft, die
Entwickelung des Fabrikwesens, des Kreditwesens und seines Trabanten --
des Börsenspiels. --
Ihm schien, daß bei einer normalen Entwickelung des Wohlstandes im
Reiche, alle diese Erscheinungen erst auftreten, nachdem man auf die
Landwirtschaft schon bedeutende Mühe verwendet hätte und dieselbe
in gesetzliche, oder wenigstens bestimmte Verhältnisse getreten
sei; daß der Reichtum einer Gegend in gleichmäßigem Wachstum stehen
müsse, und insbesondere in der Weise, daß andere Schößlinge der
Kapitalwirtschaft nicht der Landwirtschaft zuvorkommen dürften, daß
im Einklang mit notorisch bekannten Verhältnissen der Landwirtschaft
auch dementsprechende Verkehrswege dafür vorhanden sein müßten; und
daß bei der gegenwärtigen ungeregelten Ausnutzung des Bodens die
Eisenbahnen, welche nicht einem landwirtschaftlichen, sondern einem
politischen Bedürfnis entsprängen, verfrüht wären, und, anstatt zu der
Hebung der Landwirtschaft, welche letztere man doch von ihnen erwarte
beizutragen, dem Landbau zuvorkommend, nur eine Entwickelung der
Industrie und des Kredits hervorriefen, jenen aber hemmten. Er bewies,
daß weil nun die einseitige und verfrühte Entwickelung eines einzelnen
Organs im lebenden Organismus dessen Gesamtentwickelung hemmte, auch
der Kredit auf die allgemeine Entwickelung des Wohlstandes in Rußland,
die Verkehrswege, den Kraftaufwand der industriellen Thätigkeit, die in
Europa so zweifellos notwendig, weil alle zur rechten Zeit entstanden
seien, in Rußland nur Schaden verursachten, indem sie die Hauptfrage
der Organisierung des Ackerbaues verdrängten.
Während er so seine Ideen niederschrieb, dachte sie daran, wie
unnatürlich aufmerksam ihr Gatte gegen den jungen Fürsten Tscharskiy
gewesen sei, der ihr am Abend vor der Abreise sehr taktlos die Cour
gemacht hatte.
»Er ist offenbar eifersüchtig,« dachte sie; »mein Gott, wie gut und
befangen er ist! Er ist eifersüchtig auf mich! Wenn er wüßte, daß alle
für mich soviel sind, wie Peter der Koch.« Und mit einer ihr selbst
wunderlichen Empfindung von Selbstgefühl blickte sie auf seinen Nacken
und den rotschimmernden Hals. »Es ist zwar schade, ihn seiner Arbeit
zu entreißen -- er macht Fortschritte -- so muß ich doch sein Gesicht
sehen; ob er wohl fühlt, daß ich nach ihm schaue? Ich will, daß er
sich umwendet! Ich will es, nun!« und sie öffnete die Augen weiter, im
Wunsche, damit die Wirkung ihres Blickes zu verstärken.
»Ja, sie saugen alle Säfte in sich auf und geben einen falschen Glanz,«
murmelte er, mit Schreiben innehaltend, und blickte sich um, indem er
fühlte, daß sie auf ihn schaue, und lächelte.
»Was ist?« frug er noch lächelnd, und erhob sich.
»Er hat sich umgeblickt,« dachte sie.
»Nichts. Ich wollte nur, daß du dich umschautest,« versetzte sie, ihn
anblickend und zu erraten suchend, ob es ihm unangenehm gewesen sei
oder nicht, daß sie ihn gestört habe.
»Wie wohl wir uns doch so zu Zweien befinden! Ich wenigstens,« sagte
er, zu ihr hintretend und von einem Lächeln des Glückes strahlend.
»Auch mir ist so wohl! Ich werde nirgends mehr hinfahren, namentlich
nicht nach Moskau.«
»Woran dachtest du denn eigentlich?«
»Ich? Ich habe gedacht -- nein, nein, geh nur, schreib, zerstreue dich
nicht,« sprach sie, die Lippen kräuselnd, »ich muß jetzt diese kleinen
Löcher hier ausschneiden, siehst du?« --
Sie ergriff die Schere und begann auszuschneiden.
»Ach nein, sage mir doch, woran dachtest du?« sagte er, sich zu ihr
setzend und der kreisförmigen Bewegung der kleinen Schere folgend.
»O, woran ich dachte? Ich dachte? An Moskau, an deinen Nacken.«
»O, warum mir solch ein Glück? Es ist übernatürlich. Das ist zu schön,«
sagte er, ihr die Hand küssend.
»Mir ist es im Gegenteil um so schöner, je natürlicher es ist.«
»Du hast da ein Zöpfchen,« sagte er, behutsam ihren Kopf wendend. »Ein
Zöpfchen. Siehst du hier. Doch nein, nein, arbeiten wir!«
Die Arbeit wurde indessen nicht mehr fortgesetzt, und sie fuhren wie
schuldbewußt auseinander, als Kusma eintrat, um zu melden, daß der Thee
serviert sei.
»Ist aus der Stadt Etwas angekommen?« frug Lewin Kusma.
»Soeben. Es wird ausgepackt.«
»Komm sobald als möglich,« sagte sie zu ihm, das Kabinett verlassend,
»sonst werde ich in deiner Abwesenheit die Briefe lesen. Wir wollen
auch vierhändig spielen.«
Allein geblieben, packte er seine Hefte in das neu von ihr gekaufte
Portefeuille und wusch sich alsdann die Hände in dem neuen Waschbecken
und mit dem neuen, mit ihr zugleich hier erschienenen eleganten
Zubehör. Lewin lächelte über seine Gedanken und schüttelte mißbilligend
den Kopf darüber; eine Empfindung, die der Reue ähnlich war, quälte
ihn. Etwas Beschämendes, Verweichlichtes, Capuanisches, wie er es sich
selbst nannte, lag in seiner jetzigen Lebensweise.
»Es ist nicht gut, so zu leben,« dachte er bei sich. »Bald sind es nun
schon drei Monate und ich arbeite fast nichts. Heute habe ich mich
beinahe zum erstenmal wieder ernstlich an eine Arbeit gemacht, und was
geschah dabei? Kaum angefangen, habe ich sie wieder beiseite geworfen.
Selbst meine gewöhnlichen Übungen, selbst die habe ich fast aufgegeben.
Die Ökonomie, ich gehe fast gar nicht mehr nach ihr und fahre auch
nicht mehr. Bald thut es mir leid, sie im Stich lassen zu müssen, bald
sehe ich, daß sie sich langweilt. Habe ich doch gedacht, daß bis zur
Heirat das Leben an und für sich nicht gerechnet werden kann, daß es
erst nach derselben als ein wirkliches beginnt. Aber nun sind es schier
drei Monate, und noch nie habe ich meine Zeit so müßig und so nutzlos
hingebracht! Nein; das kann nicht mehr so fortgehen; man muß anfangen.
Natürlich ist sie nicht schuld. Ihr kann man in keiner Beziehung
Vorwürfe machen. Ich selbst hätte fester sein und meine männliche
Unabhängigkeit wahren müssen. Indessen ist es ja möglich, sich selbst
wieder daran zu gewöhnen und auch sie darin zu unterrichten; natürlich
ist ihr keinerlei Schuld beizumessen,« sprach er zu sich selbst.
Es ist indessen schwer für einen unzufriedenen Menschen, einem anderen,
und zwar gerade dem, der ihm am nächsten steht, in Bezug auf das,
worüber er unzufrieden ist, nicht Vorwürfe zu machen. Auch Lewin war es
dunkel in den Kopf gekommen, daß -- nicht, daß sie selbst schuld daran
gewesen wäre -- sie konnte an nichts Schuld tragen -- ihre Erziehung
wohl schuld sei, die allzu oberflächlich und frivol gewesen war --
(dieser Narr Tscharskiy; sie, das weiß ich, wollte ihn wohl von sich
abweisen, aber sie verstand es nicht). Außer dem Interesse für das Haus
-- das heißt ihre Familie -- außer ihrer Toilette und der =broderie
anglaise= hat sie keine ernsthaften Interessen. Sie hat kein Interesse
für ihre eigene Angelegenheit, die Wirtschaft, ihre Bauern, auch nicht
für die Musik, in der sie doch ziemlich sicher war, noch für Lektüre.
Sie thut nichts und ist doch vollständig zufrieden.
Lewin tadelte dies in seinem Innern und erkannte noch nicht, daß sie
sich auf diejenige Periode ihrer Wirksamkeit vorbereite, die für sie
erscheinen mußte, und in welcher sie zu gleicher Zeit als Frau ihres
Gatten, und Herrin des Hauswesens Kinder zu nähren und zu erziehen
haben würde. Er erkannte nicht, daß sie dies durch ihre Ahnung schon
wußte und sich in der Vorbereitung auf diese schwere Mühe über die
Augenblicke der Sorglosigkeit und des Liebesglückes, die sie jetzt noch
genoß, keine Vorwürfe machte, sondern heiter ihr künftiges Nest sich
baute.
16.
Als Lewin nach oben kam, saß seine Gattin vor dem neusilbernen Ssamowar
hinter dem neuen Theegeschirr und las, nachdem sie die alte Agathe
Michailowna mit einer ihr kredenzten Tasse Thee mit an das kleine
Tischchen gesetzt hatte, einen Brief Dollys, mit welcher sie beide in
beständigem und lebhaftem Briefwechsel standen.
»Da seht, Eure Herrin hat mich hierher gesetzt; sie sagte, ich solle
auch mit bei ihr sitzen,« begann Agathe Michailowna, Kity gutmütig
zulächelnd.
In diesen Worten Agathe Michailownas sah Lewin die Lösung eines
Dramas, welches sich in jüngster Zeit zwischen dieser und Kity
abgespielt hatte. Er sah, daß ungeachtet alles Leides, welches der
Agathe Michailowna durch die neue Herrin verursacht worden war, die
ihr die Zügel des Hausregiments aus der Hand genommen hatte, Kity sie
gleichwohl überwunden und gezwungen hatte, sie zu lieben.
»Da habe ich einen Brief an dich gelesen,« sagte Kity, ihm einen
fehlerhaft geschriebenen Brief reichend. »Hier ist einer von jenem
Weibe deines Bruders, wie es scheint,« sagte sie, »ich habe ihn nicht
gelesen. Der hier ist von den Meinen und von Dolly. Denke dir, Dolly
hat Grischa und Tanja zum Kinderball zu den Sarmatskiy geführt! Tanja
hatte dabei eine Marquise gemacht.«
Lewin hörte sie jedoch gar nicht; errötend hatte er das Schreiben von
Marja Nikolajewna, der früheren Geliebten Nikolays, ergriffen und es
zu lesen begonnen. Es war dies bereits das zweite Schreiben von ihr.
Im ersten Briefe hatte sie geschrieben, daß sein Bruder sich ihrer
entledigt habe, ohne daß sie sich eine Schuld beizumessen hätte, und
mit rührender Naivetät hinzugefügt, daß sie, obwohl sie nun wieder
im Elend lebe, um nichts bitte und nichts wünsche, und daß sie nur
der Gedanke quäle, Nikolay Dmitrjewitsch könne ohne sie mit seiner
schwachen Gesundheit ins Verderben geraten; sie hatte den Bruder
gebeten, Sorge für ihn zu tragen. Jetzt schrieb sie einen zweiten
Brief. Sie hatte Nikolay Dmitrjewitsch gefunden, sich wieder mit
ihm in Moskau vereint, und war mit ihm in eine Gouvernementsstadt
gereist, woselbst er ein Amt erhalten hatte. Dort war er indessen mit
seinem Vorgesetzten in Differenzen geraten und wieder nach Moskau
zurückgekehrt, »und der teure Mann ist nunmehr so krank geworden, daß
er wohl schwerlich je wieder aufkommen wird,« schrieb sie; »er hat
fortwährend Eurer gedacht, Geld besitzt er gar nicht mehr.«
»Lies, da schreibt Dolly von dir,« begann Kity lächelnd, hielt aber
plötzlich inne, als sie die Veränderung ihres Gatten gewahrte.
»Was hast du? Was ist da?«
»Sie schreibt mir, daß mein Bruder Nikolay dem Tode nahe ist. Ich muß
zu ihm.«
Das Gesicht Kitys veränderte sich plötzlich. Die Gedanken an Tanja als
Marquise, an Dolly, alles war verschwunden.
»Wann wirst du fahren?« sagte sie.
»Morgen.«
»Und ich gehe mit dir, darf ich!« fuhr sie fort.
»Kity! Was soll das?« frug er vorwurfsvoll.
»Was das soll?« erwiderte sie, gekränkt, daß er darüber wie es schien
ungern und mit Verdruß ihren Vorschlag entgegennahm. »Weshalb soll ich
nicht mit reisen? Ich werde dir nicht hinderlich sein. Ich« --
»Ich reise, weil mein Bruder stirbt,« antwortete Lewin. »Weshalb sollst
du da« --
»Weshalb? Eben deshalb, weshalb du reisest« --
»In einer für mich so ernsten Minute denkt sie nur daran, daß sie sich
allein könnte langweilen,« dachte Lewin, und die Auslegung in der so
ernsten Angelegenheit brachte ihn auf. »Es ist aber unmöglich,« sagte
er in strengem Tone.
Agathe Michailowna, welche sah, daß es zum Streit kommen wollte, setzte
leise ihre Tasse nieder und ging hinaus. Kity hatte sie gar nicht
bemerkt. Der Ton in welchem ihr Mann die letzten Worte gesprochen
hatte, hatte sie insofern besonders verletzt, als dieser offenbar dem
nicht glaubte, was sie sagte.
»Ich sage dir, daß wenn du reisest, ich mit dir reisen werde;
unbedingt mit reisen werde,« fügte sie eifernd und zürnend hinzu.
»Weshalb ist denn das unmöglich? Weshalb sagst du, es sei unmöglich?«
»Weil wir, Gott weiß wohin, auf was für Wegen und mit welchen
Gasthäusern zu reisen haben werden. Du wirst mir nur beschwerlich
sein,« sprach Lewin, sich bemühend, kaltblütig zu bleiben.
»Auf keinen Fall! Ich habe keinerlei Bedürfnisse. Wo du bist, kann ich
auch sein!«
»Nun dann, schon deshalb kannst du nicht, weil sich dort jenes Weib
befindet, dem du dich doch nicht nähern kannst« --
»Ich weiß nichts und will nicht wissen, wer oder was dort ist! Ich weiß
nur, daß der Bruder meines Gatten stirbt und daß mein Gatte zu ihm
geht; ich aber mit meinem Gatten gehen will, um« --
»Kity! Rege dich nicht auf! Bedenke, die Sache ist zu wichtig, so daß
es mir schmerzlich ist, zu denken, du könntest die Empfindung einer
Schwäche, die Abneigung davor, allein zu bleiben, hereinmengen. Nun,
wird es für dich langweilig hier, so fahre nach Moskau.«
»Da haben wirs! Stets schreibst du mir nur schlechte, niedrige Gedanken
zu,« fuhr sie fort, unter den Thränen der Erbitterung und des Zornes.
»Ich will nichts; es ist keine Schwäche, nichts; ich fühle nur, daß es
meine Pflicht ist, mit meinem Gatten zu sein, wenn er Leid trägt; du
aber willst mir absichtlich weh thun, willst mich absichtlich nicht
verstehen.«
»Nein; das ist doch zu schrecklich; geradezu ein Sklave zu sein!« rief
Lewin aus, indem er aufstand. Er war nicht fähig, seinen Verdruß noch
länger zurückzuhalten. Doch in diesem Augenblick empfand er, daß er
sich selbst traf.
»Aber weshalb hast du dann geheiratet? Wärest du doch frei geblieben!
Weshalb hast du geheiratet, wenn du es bereust!« fuhr sie fort, sprang
auf und eilte in den Salon.
Als er ihr nachfolgte, brach sie in Schluchzen aus. Er begann ihr
zuzureden mit dem Wunsche die Worte zu finden, welche sie, wenn nicht
überzeugen, doch wenigstens beschwichtigen könnten. Aber sie hörte ihn
nicht und war mit nichts einverstanden. Er beugte sich herab zu ihr,
und ergriff ihre abwehrende Hand. Er küßte die Hand, er küßte ihr das
Haar und küßte wiederum ihre Hand -- sie schwieg beharrlich. -- Als er
sie aber mit beiden Händen beim Kopfe nahm und »Kity« sagte, da kam sie
plötzlich zur Besinnung, brach in Thränen aus und war beschwichtigt.
Es wurde also bestimmt, daß man morgen vereint reiste. Lewin sagte zu
seinem Weibe, daß er wohl glaube, sie wollte nur mitreisen, um ihm
nützlich zu sein; er gab auch zu, daß Marja Nikolajewnas Aufenthalt bei
dem Bruder nichts Anstößiges habe -- reiste aber nichtsdestoweniger,
auf dem Grund seiner Seele unzufrieden mit ihr und mit sich selbst.
Mit ihr war er unzufrieden, weil sie es nicht hatte über sich gewinnen
können, ihn fort zu lassen, obwohl es doch notwendig war. Wie seltsam
ward es ihm jetzt bei dem Gedanken, daß er, der ja noch vor kurzem
nicht gewagt hatte, an das Glück zu glauben, daß sie ihn lieben könne,
sich jetzt darüber unglücklich fühlte, daß sie ihn zu sehr liebte!
-- Mit sich hingegen war er unzufrieden, daß er seinen Willen nicht
durchgesetzt hatte. Noch weniger war er im Grund seiner Seele damit
einverstanden, daß sie mit jener Weibsperson, die bei seinem Bruder
lebte, etwas zu thun haben sollte, und er dachte mit Schrecken an alle
Berührungen, welche stattfinden konnten.
Schon das Eine, daß sein Weib, seine Kity, in einem Raume mit jenem
Mädchen leben sollte, machte ihn schaudern vor Ekel und Entsetzen.
17.
Das Gasthaus der Gouvernementsstadt, in welcher Nikolay Lewin krank
lag, war eines jener Gouvernementshotels, wie sie nach neuen,
vervollkommneten Mustern gebaut werden, ausgestattet mit den
vorzüglichsten Rücksichtnahmen auf Sauberkeit, Komfort und selbst
Eleganz, sich aber infolge des Publikums, das sie besucht, mit
außerordentlicher Schnelligkeit in schmutzige Schenken, unter dem
Anstrich zeitgemäßer Vervollkommnung, verwandeln, damit aber noch
schlimmer werden, als die altmodischen, nur unsauberen Gasthäuser.
Das Hotel war schon in diesen Zustand geraten, und der Soldat in
schmutziger Uniform, welcher am Eingang eine Cigarette qualmte, und
das Amt eines Portiers versah, sowie die gußeiserne, zugige, düstere
und unfreundliche Treppe, der freche Kellner in schmutzigem Frack und
der öffentliche Salon mit dem staubbedeckten Bouquet von Wachsblumen,
welches den Tisch zierte, der Staub und Schmutz, die Unordnung überall,
und dazu noch die eigentümliche gleichzeitig bemerkbare Eisenbahnhast,
riefen in dem Lewinschen Ehepaar nach dem jungen Eheleben ein
beklemmendes Gefühl hervor; besonders beklemmend dadurch, daß sich der
scheinbare Eindruck, den das Gasthaus machte, in keiner Weise mit dem
vereinbarte, was beide darin erwartete.
Wie immer, so zeigte es sich auch jetzt, daß, nachdem sie die Frage, zu
welchem Preise sie ein Zimmer zu haben wünschten beantwortet hatten,
nicht ein einziges in gutem Zustande befindliches da war. Ein gutes
Zimmer war von einem Eisenbahnrevisor besetzt, ein zweites von einem
Moskauer Advokaten, ein drittes von der Fürstin Astaphjewa, die vom
Dorfe gekommen war. Es blieb nur ein schmutziger Raum, neben dem man am
Abend noch ein zweites freizumachen versprach.
Voll Verdruß über sein Weib, da es so kam, wie er erwartet hatte, und
namentlich, daß er im Augenblick der Ankunft, wo ihm das Herz von
Bewegung ergriffen war bei dem Gedanken, wie es mit dem Bruder stehen
möge, Sorge für sie zu tragen hatte, anstatt sofort zu dem Bruder eilen
zu können, führte Lewin seine Frau in das ihnen zugewiesene Zimmer.
»Geh, geh,« sagte sie, ihn mit schüchternem, schuldbewußtem Blick
anschauend.
Schweigend schritt er aus der Thür und traf hier mit Marja Nikolajewna
zusammen, die von seiner Ankunft erfahren hatte, aber nicht wagte,
bei ihm einzutreten. Sie sah noch geradeso aus, wie er sie in Moskau
gesehen hatte, das nämliche wollene Kleid, Arme und Hals nackt, und das
nämliche, gutmütig stumpfe, nur etwas voller gewordene, pockennarbige
Gesicht.
»Wie geht es? Was macht er? Wie?«
»Sehr schlecht. Er steht gar nicht mehr auf. Er hat Euch schon
erwartet. Er -- Ihr seid mit Eurer Gattin gekommen?«
Lewin verstand in der ersten Minute nicht, was sie in Verlegenheit
setzte, doch klärte sie ihn sogleich auf.
»Ich will gehen -- nach der Küche,« sagte sie; »der Herr wird sich
freuen. Er hat schon gehört, und kennt die Dame, und entsinnt sich
ihrer noch vom Auslande her.«
Lewin verstand jetzt erst, daß sie seine Frau meine, wußte aber nicht,
was er ihr antworten sollte.
»Kommt, kommt!« sagte er.
Kaum hatte er sich jedoch zum Gehen angeschickt, als sich die Thür
seines Zimmers öffnete und Kity herausblickte. Lewin errötete vor Scham
und Ärger über sein Weib, das sich selbst und ihn in diese schwierige
Situation gebracht hatte; Marja Nikolajewna errötete aber noch mehr.
Sie drückte sich seitwärts, bis zum Weinen rot geworden und drehte die
Zipfel ihres Tuches, die sie mit beiden Händen ergriffen hatte, in
ihren roten Fingern, ohne zu wissen, was sie sagen oder anfangen sollte.
Im ersten Moment sah Lewin den Ausdruck einer lebhaften Neugier in dem
Blick, mit welchem Kity auf dieses für sie unbegreifliche, schreckliche
Weib schaute, aber dies währte nur einen Augenblick.
»Nun, wie ist es denn, wie ist es denn?« wandte sie sich an ihren
Gatten und an jene. »Was macht er?« wandte sie sich an ihren Mann und
dann an sie.
»Man kann indessen auf dem Korridor nicht sprechen!« sagte Lewin sich
voll Verdruß nach einem Herrn umblickend, welcher dröhnenden Schrittes,
als wäre er ganz allein hier, soeben den Korridor hinabging.
»Nun, so kommt doch herein,« sagte Kity, zu der sich emporrichtenden
Marja Nikolajewna gewendet, fügte aber, als sie das erschreckte Gesicht
ihres Mannes erblickte, sogleich hinzu, »oder geht, geht, und schickt
nach mir,« und wandte sich wieder in ihr Zimmer zurück.
Lewin ging zu seinem Bruder. Er hatte durchaus nicht erwartet, was er
bei dem Bruder sah und empfand. Er hatte erwartet, noch den nämlichen
Zustand der Selbsttäuschung zu finden, welcher -- er hatte dies gehört
-- bei Brustleidenden so häufig sein soll, und der ihn während des
Besuchs seines Bruders im Herbst so betroffen gemacht hatte. Er hatte
erwartet, die physischen Anzeichen des nahenden Todes noch ausgeprägter
zu finden, eine größere Schwäche und größere Magerkeit, aber es zeigte
sich fast noch immer der nämliche Zustand. Er hatte erwartet, selbst
wieder jenes Gefühl des Schmerzes über den Verlust des geliebten
Bruders und des Entsetzens vor dessen Tode zu empfinden, welches er
damals gehabt hatte, nur in noch höherem Grade. Er hatte sich selbst
darauf vorbereitet, aber er fand etwas ganz Anderes.
In einem kleinen, unsauberen Zimmer, deren gemaltes Getäfel an den
Wänden bespieen und hinter dessen dünner Zwischenwand Gespräch
vernehmbar war, in einer von erstickendem Geruch verunreinigten Luft
lag auf einem von der Wand abgerückten Bett ein vom Deckbett verhüllter
menschlicher Körper. Ein Arm dieses Körpers lag oben auf der Bettdecke,
und die große, wie eine Harke aussehende Hand dieses Armes hing auf
unbegreifliche Weise an einer dünnen, langen, von Anfang bis zur Mitte
gleichmäßig verlaufenden Spule fest. Der Kopf lag seitwärts gedreht auf
dem Kissen. Lewin sah die schweißbedeckten, spärlichen Haare an den
Schläfen und über der Stirn.
»Es kann nicht sein, daß dieser entsetzliche Körper mein Bruder Nikolay
ist,« dachte Lewin. Doch er trat näher, erblickte das Gesicht und sein
Zweifel war schon unmöglich geworden. Trotz der furchtbaren Veränderung
dieser Züge, mußte Lewin doch erst noch diese lebhaften, sich auf den
Eintretenden richtenden Augen, und diese leichte Bewegung des Mundes
unter dem zusammenklebenden Schnurrbart erblicken, wollte er die
furchtbare Wahrheit begreifen, daß dieser Totenkörper da sein lebender
Bruder war.
Die glänzenden Augen blickten ernst und vorwurfsvoll auf den
eintretenden Bruder, und sogleich mit diesem Blicke entstand eine
lebhafte Wechselbeziehung unter den Lebenden. Lewin fühlte sofort den
Vorwurf in dem auf ihn gerichteten Blick, und Reue über sein eigenes
Glück.
Als Konstantin Nikolays Hand ergriff, lächelte dieser. Sein Lächeln war
schwach, kaum merklich, und trotz dieses Lächelns schwand der strenge
Ausdruck seiner Augen nicht.
»Du hast wohl nicht erwartet, mich so zu finden,« brachte er mit
Anstrengung hervor.
»Ja -- nein« -- sprach Lewin, in seinen eigenen Worten irre werdend.
»Warum konntest du nicht früher von dir wissen lassen, zur Zeit meiner
Verheiratung? Ich habe überall Nachforschungen nach dir angestellt.«
Es mußte gesprochen werden, damit man nicht schwieg, und er wußte
doch nicht, was er sagen sollte, um so weniger, als sein Bruder nicht
antwortete, sondern nur unverwandt schaute, und offenbar in den Sinn
eines jeden Wortes eindringen wollte. Lewin teilte dem Bruder mit, daß
auch seine Frau mit ihm gekommen sei. Nikolay drückte sein Vergnügen
darüber aus, sagte aber, er fürchte, sie durch seinen Zustand zu
erschrecken. Ein Schweigen trat ein. Plötzlich regte sich Nikolay und
begann zu sprechen. Lewin erwartete etwas besonders Bedeutendes und
Gewichtiges dem Ausdruck seines Gesichts nach, doch sprach Nikolay nur
über seine Gesundheit. Er klagte den Doktor an, beklagte, daß er keinen
berühmten Moskauer Arzt habe und Lewin erkannte, daß er noch immer
Hoffnung hegte.
Die erste Minute des Schweigens benutzend, erhob sich Lewin, im
Wunsche, wenigstens für eine Minute von dem peinigenden Gefühl erlöst
zu sein, und sagte, daß er gehen wolle, um seine Frau herzuführen.
»Gut, ich will indessen anordnen, daß hier gesäubert wird. Es ist
schmutzig hier und riecht übel, glaube ich. Mascha! Räume hier auf,«
sagte der Kranke mit Anstrengung, »und wenn du aufgeräumt hast, kannst
du hinausgehen,« fügte er hinzu, den Blick fragend auf den Bruder
richtend.
Lewin antwortete nichts. Als er auf den Korridor hinaustrat, blieb er
stehen. Er hatte gesagt, daß er seine Frau herführen wolle, jetzt aber,
als er sich Rechenschaft von jenem Gefühl gab, welches er empfunden
hatte, beschloß er, im Gegenteil zu versuchen, sie zu überreden,
daß sie nicht zu dem Kranken gehe. »Wozu sie peinigen, wie ich mich
peinige?« dachte er.
»Nun? Was ist? Wie steht es?« frug ihn Kity mit erschrecktem Gesicht.
»Ach, es ist doch entsetzlich, entsetzlich. Warum bist du nur
mitgekommen?« sagte Lewin.
Kity schwieg einige Sekunden, schüchtern und kläglich auf ihren Mann
blickend; dann trat sie auf ihn zu und hing sich mit beiden Armen an
seinen Ellbogen.
»Mein Konstantin! führe mich zu ihm, es wird uns zu Zweien leichter
werden. Führe du mich nur, führe mich, bitte, und komm,« sagte sie,
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