»Ganz wohl; aber die Spiritualisten sagen, wir wissen jetzt nicht was für eine Kraft hier wirkt, aber es ist eine und unter bestimmten Vorbedingungen tritt sie auf. Mögen doch nun die Gelehrten entdecken, worin diese Kraft besteht. Nein, nein, ich sehe nicht ein, warum nicht eine neue Kraft vorhanden sein könnte, wenn« -- »Da aber,« unterbrach ihn Lewin, »bei der Elektricität stets, sobald man Bernstein an Wolle reibt, sich jene bekannte Erscheinung zeigt, hier dies aber nicht jedesmal der Fall ist, so ist diese neue Kraft wahrscheinlich doch wohl keine -- Naturerscheinung.« -- Wohl in der Empfindung, daß das Gespräch einen für die Gesellschaft zu ernsten Charakter annehme, erwiderte Wronskiy nichts hierauf, sondern lächelte nur heiter in dem Bemühen, das Thema zu wechseln, und wandte sich an die Damen. »Machen wir sogleich eine Probe, Gräfin,« sagte er; doch Lewin wollte aussprechen, wie er dachte. »Ich meine,« fuhr er fort, »daß jener Versuch der Spiritualisten, ihre Wunder mit einer neuen Kraft zu erklären, völlig unglücklich ist. Sie sprechen unverhohlen von einer geistigen Kraft und wollen diese materiellen Versuchen unterwerfen.« Alle warteten, daß er enden sollte, und er selbst empfand das. »Ich glaube, Ihr würdet ein vorzügliches Medium sein,« sagte die Gräfin Nordstone, »Ihr habt so etwas Verzücktes.« Lewin öffnete den Mund und wollte etwas antworten, errötete aber nur und schwieg. »Machen wir sofort einen Versuch, mit den Tischen, Fürstin, ist es gestattet?« frug Wronskiy, welcher aufstand und mit den Augen nach einem Tische suchte. Kity hatte sich hinter ihrem kleinen Tische erhoben und begegnete, seitwärtstretend, den Augen Lewins. Sie empfand ein tiefes Mitgefühl mit ihm, umsomehr, als sie sich selbst als die Ursache seines Unglücks betrachtete. »Wenn Ihr mir verzeihen könnt, so verzeiht,« bat ihr Blick, »ich bin so glücklich.« »Ich hasse euch alle und mich,« antwortete sein Auge und er griff nach seinem Hut. Aber er sollte noch nicht von hier weggelangen. Man wollte sich soeben um das Tischchen gruppieren, und Lewin war im Begriff, zu gehen, als der alte Fürst hereintrat und, nachdem er die Damen begrüßt hatte, sich zu Lewin wandte. »Ah,« begann er erfreut, »auf längere Zeit hier? Ich wußte ja noch gar nichts von deiner Anwesenheit. Sehr erfreut, Euch zu sehen.« Der alte Fürst sprach Lewin bald mit -du- bald mit Ihr an; er umarmte ihn und bemerkte im Gespräch mit ihm gar nicht Wronskiy, welcher sich erhoben hatte und ruhig wartete, bis sich der Fürst an ihn wenden würde. Kity fühlte, daß nach alledem, was geschehen war, Lewin die Liebenswürdigkeit ihres Vaters nur peinlich sein mußte. Sie gewahrte auch, wie steif ihr Vater der Verbeugung Wronskiys dankte und wie letzterer mit freundlicher Verlegenheit auf ihren Vater schaute, sich vergeblich bemühend, zu begreifen wie und weshalb es möglich geworden war, ihm mit unfreundlicher Stimmung zu begegnen, und errötete. »Fürst, lasset jetzt den Konstantin Dmitritsch frei,« sagte die Gräfin Nordstone, »wir wollen ein Experiment machen.« »Was für ein Experiment? Tischrücken? Nun, es entschuldigen wohl die Damen und Herren, wenn ich nach meiner Meinung das Ringspiel doch noch heiterer finde,« antwortete der Fürst, auf Wronskiy blickend in der Vermutung, dieser könnte Anstalten dazu treffen. »Das Ringspiel hat doch wenigstens noch Sinn.« Wronskiy schaute befremdet auf den Fürsten mit seinen festen Blicken, dann aber begann er sofort, mit kaum bemerkbarem Lächeln sich an die Gräfin Nordstone wendend, von dem in der nächsten Woche bevorstehenden großen Balle zu reden. »Ich hoffe, Ihr werdet dort sein?« wandte er sich auch an Kity. Der alte Fürst hatte sich kaum von Lewin weggewendet, als dieser unbemerkt den Salon verließ. Der letzte Eindruck, den er von diesem Abend mit hinwegnahm, war das lächelnde, glückstrahlende Gesicht Kitys, wie sie Wronskiy auf seine Frage nach dem Balle antwortete. 15. Nachdem der Abend sein Ende erreicht hatte, erzählte Kity der Mutter von ihrem Gespräch mit Lewin, und sie freute sich, ungeachtet alles Mitleids, das sie für Lewin empfand, in dem Gedanken, daß ihr doch ein »Antrag« gemacht worden war. Es bestand für sie kein Zweifel, daß sie gehandelt hatte, wie es ihr zukam. Aber noch im Bett vermochte sie lange Zeit den Schlaf nicht zu finden. Ein bestimmter Eindruck verfolgte sie unablässig, es war das Antlitz Lewins mit den zusammengezogenen Brauen und den finster traurig unter ihnen hervorblickenden guten Augen, wie er stand, ihrem Vater zuhörend und nach ihr hinüberblickend und nach Wronskiy. Sie empfand so viel Mitleid mit ihm, daß Thränen in ihr Auge traten, doch sie vergegenwärtigte sich sogleich, für wen sie ihn eintauschte. Lebhaft stellte sie sich jenes männliche, feste Antlitz vor Augen, das mit so edler Ruhe und in einer so aus allem hervorleuchtenden Güte jedermann entgegenblickte. Sie vergegenwärtigte sich die Liebe dessen, den sie selbst liebte, es wurde ihr wieder fröhlich ums Herz, und mit einem Lächeln des Glückes legte sie sich endlich wieder auf ihr Kissen. »Schade, schade, aber was ist zu thun? Ich habe keine Schuld,« sprach sie zu sich selbst, eine innere Stimme aber sprach noch anders. Ob in derselben die Reue lag darüber, daß sie Lewin hierher gezogen, oder darüber, daß sie ihm eine Absage gegeben hatte -- sie wußte es selbst nicht. Ihr Glück wurde von Zweifeln vergiftet. »Herr Gott erbarme dich, erbarme dich,« betete sie für sich selbst, indem sie einschlummerte. Zur nämlichen Stunde spielte sich unten in dem kleinen Kabinett des Fürsten eine jener so häufig zwischen den Gatten sich wiederholenden Scenen ab, betreffs der Lieblingstochter. »Wie? Da hast du es!« rief der Fürst, mit den Händen fuchtelnd, und dann seinen Pelz von weißem Eichhorn zusammennehmend, »da habt Ihr es, daß Ihr weder Stolz noch Würde besitzt, die Tochter mit dieser niedrigen, albernen Freiwerbung kompromittiert und unglücklich macht!« »Aber um Gottes willen, Fürst, was habe ich gethan,« antwortete die Fürstin, fast weinend. Sie war so glücklich und zufrieden nach dem Gespräch mit ihrer Tochter gewesen, war jetzt nach ihrer Gewohnheit zum Fürsten gekommen, um diesem gute Nacht zu wünschen und hatte, ohne die Absicht ihm von Lewins Antrag zu erzählen oder von Kitys Absage, ihrem Gatten nur angedeutet, daß ihr die Angelegenheit mit Wronskiy völlig sicher zu stehen scheine, daß sich dieselbe entscheiden werde, sobald dessen Mutter angekommen sein würde -- da, bei diesen Worten, war der Fürst plötzlich aufgefahren und hatte ihr die härtesten Worte zugerufen. »Was Ihr gethan habt? Ihr sollt es wissen: Erstens lockt Ihr einen Bräutigam an, ganz Moskau wird davon reden, und mit Recht. Wenn Ihr Abendcirkel haltet, so ladet jedermann ein, nicht aber nur die heiratslustigen jungen Männer. Ladet dann -alle- jungen Leute in Moskau ein und laßt sie tanzen, aber nicht nur, wie heute, die Bräutigams die Ihr mit unserer Tochter zusammenbringt. Das zu sehen, ist entehrend für mich und Ihr habt es so weit gebracht, dem Kinde den Kopf zu verdrehen. Lewin ist ein tausendmal besserer Mensch! Jener Petersburger Fant hingegen ist einer wie in der Maschine gemacht; diese Leute sind alle nach einem Schlag, sind alle Nichts. Wäre er selbst ein Prinz von Geblüt, meine Tochter braucht niemanden!« »Aber was habe ich gethan?« »Nun,« rief der Fürst ingrimmig. »Ich erkenne das Eine, daß, wenn es nach dir geht,« unterbrach ihn die Fürstin, »wir niemals unsere Tochter verheiraten werden. Wenn dem so ist, dann können wir nur auf das Dorf gehen.« »Es wäre auch besser so.« »Halt ein. Suche ich denn nach jemand? Durchaus nicht! Ein junger Mann von angenehmen Wesen hat sich in sie verliebt, und sie, scheint es --« »Ah, da scheint Euch etwas! Wie denn nun, wenn sie sich thatsächlich verliebt hat, er aber ebensowenig gewillt wäre, sie zu heiraten, wie ich es etwa bin? O, der Spiritualismus, o, das Nizza, ach, der Ball,« -- der Fürst, sich stellend, als ahme er sein Weib nach, knixte mit jedem dieser Worte. »Dies ist der Weg, auf dem wir die Katinka unglücklich machen, auf dem sie sich in der That etwas in den Kopf setzen kann.« »Aber aus welchem Grunde denkst du denn?« -- »Ich denke gar nichts; ich weiß nur: dafür haben wir Augen, die Weiber aber nicht. Ich sehe mir den Mann an, welcher ernste Absichten hat, dies ist Lewin; ich sehe aber auch die Wachtel, den Zungendrescher, der sich nur zerstreuen will.« »Ah, das setzest du dir doch auch nur in den Kopf.« »Nun, entsinnest du dich, -- jetzt ist es freilich zu spät -- wie es mit der Dolly war?« »Genug, genug, wir wollen nicht weiter davon reden,« hemmte die Fürstin seinen Redefluß, der unglücklichen Dolly gedenkend. »Laß gut sein; schlaf wohl!« Sie bekreuzten beide einander und küßten sich; dann verließen sich die Gatten im Gefühl, daß jeder von ihnen bei seiner eigenen Meinung blieb. Die Fürstin war anfänglich fest überzeugt gewesen, daß der heutige Abend über das Schicksal Kitys entschieden habe und daß kein Zweifel über die Absichten Wronskiys mehr obwalten könne, aber die Worte des Gatten beunruhigten sie jetzt, und als sie in ihren Gemächern angelangt war, wiederholte sie ganz ebenso wie Kity voll Schrecken vor der verborgenen Zukunft mehrmals in ihrem Innern die Worte: »O Gott erbarme dich, erbarme dich!« 16. Wronskiy hatte nie ein Familienleben kennen gelernt. Seine Mutter war in ihrer Jugend eine glänzende Dame in der großen Welt gewesen, die zur Zeit ihres Ehestandes und namentlich auch nach demselben viele Romane erlebt hatte, welche die ganze Welt kannte. Seines Vaters konnte er sich fast gar nicht mehr entsinnen; er selbst war im Pagencorps auferzogen worden. Als sehr junger, glänzender Offizier die Schule verlassend, trat er unvermittelt in den Kreis der petersburgischen Offiziere ein; obwohl er aber nun auch bisweilen in der Petersburger Gesellschaft erschien, so lagen doch alle seine Lieblingsinteressen außerhalb dieser Gesellschaft. In Moskau erfuhr er zum erstenmal, nach einem üppigen und wüsten Leben in Petersburg, den Reiz der Annäherung an ein feingebildetes, liebenswürdiges und unschuldiges Mädchen, das ihn liebte. Es kam ihm gar nicht in den Sinn, daß etwas Sündhaftes in seinen Beziehungen zu Kity liegen könnte. Auf den Bällen tanzte er vorzugsweise mit ihr und er besuchte ihr Haus; er sprach mit ihr, was man in der Gesellschaft gewöhnlich zu sprechen pflegt, Nichtigkeiten; aber Nichtigkeiten, denen er ohne es vielleicht zu wollen, einen für sie bedeutungsvollen Sinn verlieh. Obwohl er ihr nie etwas gesagt hatte, was er nicht ebenso gut vor der gesamten Gesellschaft hätte sagen können, empfand er, daß sie immer mehr und mehr in ein Verhältnis von Abhängigkeit von ihm geriet, und je mehr er dessen inne ward, desto angenehmer war es ihm, und seine Empfindung für sie wurde allmählich inniger. Er wußte, daß sein Verhalten gegenüber Kity eine bestimmte Bedeutung hatte, daß es eine Verführung der Weiber ohne Äußerung der Absicht eine Ehe zu schließen war; daß diese Verführungskunst eine jener schlechten Handlungen darstelle, wie sie unter den glänzenden jungen Männern seiner Art gewöhnlich waren. Ihm dünkte, als habe er zuerst diesen Genuß entdeckt und er gefiel sich im Genuß seiner Entdeckung. Hätte er hören können, was ihre Eltern an diesem Abend sprachen, hätte er sich auf den Anschauungskreis der Familie stellen und so wahrnehmen können, daß Kity unglücklich werden würde wenn er sie nicht heimführte, so wäre er höchlich in Verwunderung geraten und hätte das nicht geglaubt. Er vermochte nicht zu glauben, daß das, was ihm nur ein großes, schönes Vergnügen gewährte, und für sie das höchste bildete, -- daß dies sündhaft war. Und noch weniger hätte er daran glauben können, daß er heiraten müßte. Eine Vermählung hatte er sich noch niemals als Möglichkeit gedacht; er liebte das Familienleben nicht nur nicht, er sah sogar in der Ehe, im Ehemann aber besonders, nach der allgemeinen Anschauung der kalten Sphäre, in der er lebte, etwas Seltsames, Verhaßtes, und vor allem -- Lächerliches. Aber wenn auch Wronskiy nicht ahnte, was die Eltern Kitys unter sich sprachen, so empfand er doch an diesem Abend beim Abschiednehmen von den Schtscherbazkiys, daß jenes geheimnisvolle seelische Bündnis zwischen ihm und Kity sich an demselben so sehr gefestigt hatte, daß man sich wohl zu irgend einem Entschluß aufraffen müsse. Was freilich gethan werden konnte oder mußte, das war er nicht imstande, sich klar zu machen. »Es ist reizend,« dachte er bei sich, als er von den Schtscherbazkiys hinwegging und von ihnen heute wie immer das angenehme Gefühl einer Reinheit und Frische, zum Teil wohl auch dadurch entstanden, daß er den ganzen Abend hindurch nicht geraucht hatte, mit hinwegnehmend und verbunden mit diesem eine ihm neue Empfindung von Rührung über ihre Liebe zu ihm. »Es ist reizend, daß kein Wort von mir oder von ihr gesprochen worden ist, und wir uns doch einander in diesem unhörbaren Gespräch so verstanden haben, daß sie jetzt offenbarer als jemals mir gestanden hat, wie sie mich liebt. Und auf wie liebliche, naive und -- was am meisten galt vertrauensvolle Weise hat sie es mir zu verstehen gegeben. Ich selbst fühle mich besser und geläuterter davon. Ich fühle, daß ich ein Herz besitze, daß in mir doch viel Gutes schlummert. Diese guten liebevollen Augen, als sie zu mir sagte: >Gewiß werde ich auf dem Balle sein.<« »Aber was weiter thun? Hm -- nichts! Ich befinde mich ganz wohl dabei und sie auch.« Er überlegte nunmehr, wo er den heutigen Abend noch ausfüllen könnte, und ließ alle die Orte Revue passieren, wohin er sich begeben konnte. »In den Klub? -- Spiel und Champagner? -- Nein, dahin nicht. =Château des fleurs=? -- Da finde ich Oblonskiy, Couplets und Cancan. Das ist langweilig! Eben deshalb liebe ich ja die Schtscherbazkiy, um mich selbst zu bessern. Also nach Hause denn!« Er begab sich in sein Logis bei Dussot, ließ ein Souper kommen und begab sich dann zur Ruhe. Er hatte kaum das Haupt auf die Kissen gelegt, als er schon in festen Schlaf versunken war. 17. Am andern Tage morgens um elf Uhr fuhr Wronskiy auf den Bahnhof der Petersburger Eisenbahn, um die Mutter abzuholen. Das erste Gesicht, das ihm auf den Stufen der großen Treppe in die Augen fiel, war Oblonskiy, der mit dem nämlichen Zuge seine Schwester erwartete. »Ah, Excellenz!« rief Oblonskiy. »Aus welchem Grunde bist du heute hier?« »Der Mutter halber,« antwortete Wronskiy mit dem nämlichen Lächeln, welches jedermann hatte, der Oblonskiy begegnete; er drückte diesem die Hand und stieg mit ihm zur Treppe hinauf; »sie muß jetzt mit dem Petersburger Zuge ankommen.« »Ich habe dich bis zwei Uhr erwartet. Wohin bist du denn gefahren von den Schtscherbazkiys aus?« »Nach Hause,« versetzte Wronskiy, »ich muß gestehen, es war mir gestern nach dem Besuch bei den Schtscherbazkiys so angenehm zu Mut, daß ich nirgendshin zu fahren noch Lust hatte.« »Man erkennt die verliebten Jünglinge an den Augen,« deklamierte Stefan Arkadjewitsch ebenso wie er dies früher Lewin gesagt hatte. Wronskiy lächelte mit einem Ausdruck welcher besagte, daß er dies nicht in Abrede stellen könnte, sprang aber sogleich auf ein anderes Thema über. »Wen erwartest du denn?« frug er seinerseits. »Ich? Ich erwarte die beste Frau die es giebt,« sagte Oblonskiy. »Sieh da!« »=Honny soit qui mal y pense=! Meine Schwester Anna!« »Aha; die Karenina!« rief Wronskiy. »Du kennst sie ja wohl?« »Ich glaube -- oder sollte es nicht sein? Allerdings, ich kann mich nicht besinnen,« sagte Wronskiy zerstreut, sich unter dem Namen Karenina irgend etwas Affektiertes und Langweiliges vorstellend. »Aber den Aleksey Aleksandrowitsch, meinen berühmten Schwager kennst du wohl. Den kennt ja die ganze Welt.« »Ja, das heißt nur dem Rufe und dem Aussehen nach. Ich weiß daß er ein verständiger, gelehrter und frommer Mann ist. Aber du weißt ja, daß dies nicht in meinem Gesichtskreis -- =not in my line= -- liegt,« sagte Wronskiy. »Er ist ein sehr bedeutender Mann; ein wenig konservativ, aber ein vorzüglicher Mensch,« bemerkte Stefan Arkadjewitsch, »ein vorzüglicher Mensch.« »Um so besser für ihn,« antwortete Wronskiy lächelnd. -- »Nun, bist du hier?« wandte er sich an einen hochgewachsenen alten Diener, der an der Thür stand, den Lakai seiner Mutter. Wronskiy fühlte sich in letzter Zeit, ungeachtet der ohnehin gegen Alle zu Tage tretenden Freundlichkeit Stefan Arkadjewitschs, verpflichtet, diesem umsomehr mit Zuvorkommenheit zu begegnen, als er nach seiner Auffassung mit Kity in Verbindung stand. »Wirst du Sonntag nicht ein Souper für die >Divas< geben?« sagte er, ihn lächelnd unter dem Arme fassend. »Sicherlich. Indessen bist du gestern mit meinem Freunde Lewin bekannt geworden?« frug Stefan Arkadjewitsch. »Gewiß. Doch zog er sich ziemlich frühzeitig zurück.« »Er ist ein vorzüglicher Mensch,« fuhr Oblonskiy fort, »habe ich nicht recht?« »Ich weiß nicht,« antwortete Wronskiy, »warum es bei allen Moskauern der Fall ist -- diejenigen natürlich ausgenommen,« bemerkte er scherzend, »mit denen ich spreche, daß sie etwas Entschiedenes, etwas stets Opponierendes, Jähes, haben, als ob sie einem stets etwas zu fühlen geben wollten.« »So ist es, ja, ja,« lachte Stefan Arkadjewitsch heiter. »Nun, kommt der Zug bald?« wandte sich Wronskiy an den Diener. »Der Zug ist soeben eingefahren,« antwortete dieser. Das Nahen des Trains zeigte sich in der mehr und mehr zunehmenden Bewegung zu Vorbereitungen auf dem Perron, in dem Hin- und Herlaufen der Träger, dem Erscheinen der Polizeiwachen und Beamten, in dem Vorfahren der Abholenden. Durch den Winternebel wurden die Arbeiter in ihren Halbpelzen und den weichen plumpen Stiefeln sichtbar, wie sie auf den gewundenen Schienensträngen umherliefen. Der Pfiff der Dampfpfeife ertönte und man vernahm die Bewegung eines schweren Etwas. »Nein,« sagte Stefan Arkadjewitsch, den es sehr verlangte, Wronskiy von den Absichten Lewins auf Kity Mitteilung zu machen. »Nein, du würdigst meinen Freund Lewin nicht richtig. Er ist ein sehr nervöser Mensch und gewöhnlich erscheint er unangenehm, das ist ja wahr, aber gleichwohl ist er dafür bisweilen wieder höchst liebenswert. Er besitzt eine so ehrenhafte, rechtschaffene Natur und ein goldenes Herz. Gestern aber hatte er eine besondere Ursache,« fuhr Stefan Arkadjewitsch mit bedeutungsvollem Lächeln fort und gänzlich die aufrichtige Empfindung vergessend, die er gestern für den Freund gehabt hatte; dieselbe äußerte sich jetzt in gleicherweise, aber Wronskiy gegenüber. »Ja, eine besondere Ursache war es, infolge deren er sehr glücklich oder sehr unglücklich werden könnte.« Wronskiy blieb stehen und frug geradezu: »Was heißt das? Hat er etwa gestern deiner =belle-soeur= eine Liebeserklärung gemacht?« »Vielleicht,« antwortete Stefan Arkadjewitsch, »mir schien es gestern wenigstens so. Ja, ja, wenn er gestern schon zeitig den Abendcirkel verlassen hat und nicht bei Laune gewesen ist, so wird es schon so gewesen sein. Er ist schon ziemlich lange verliebt und thut mir aufrichtig leid.« »Da haben wir's. Ich glaube übrigens, das Mädchen könnte auf eine bessere Partie reflektieren,« sagte Wronskiy, sich hochaufrichtend und wieder zu gehen beginnend; »doch ich weiß ja freilich nichts,« fügte er dann hinzu. »Das sind schwierige Situationen und daher zieht eben die große Mehrheit lieber die Bekanntschaften mit den Claras &c. vor. Hier äußert sich ein Fehlschlag wenigstens nur insofern, als der Geldbeutel zu klein gewesen ist, dort aber -- liegt die Ehre auf der Wagschale. -- Indessen, da ist der Zug!« -- In der That pfiff derselbe von fern und nach einigen Minuten erbebte der Perron, und schnaubend in dem von der Kälte nach unten getriebenen Rauch rollte das Dampfroß mit den langsam und stetig sich senkenden und hebenden Kolben des großen Mittelrades und dem sich herabbeugenden, dick angezogenen und reifbedeckten Maschinisten herein. Hinter dem Tender, aber immer langsamer, und den Perron mehr erschütternd, folgte der Bagagewagen mit einem heulenden Hunde und endlich, über kleine Hindernisse springend, kamen die Passagierwaggons. Ein junger Kondukteur sprang herab, im Laufen einen Pfiff gebend, ihm folgten einzeln die ungeduldigen Passagiere; ein Gardeoffizier in strenger und ernster Haltung um sich blickend, ein beweglicher Kaufmann mit seinem Portefeuille, und heiterem Lachen auf den Zügen -- ein Bauer mit einem Sack quer auf den Schultern. Wronskiy, neben Oblonskiy stehend, musterte die Waggons und die aus ihnen Heraussteigenden; er hatte seine Mutter ganz vergessen; das, was er soeben betreffs Kitys erfahren hatte, regte ihn an und erfreute ihn. Seine Brust dehnte sich unwillkürlich und sein Auge blitzte auf. Er fühlte sich als Sieger. »Die Gräfin Wronskiy ist in diesem Coupé,« sagte der junge Kondukteur, an Wronskiy herantretend. Die Worte des Beamten erweckten diesen und brachten ihm die Mutter in Erinnerung und das bevorstehende Wiedersehen mit ihr. Er achtete seine Mutter im Grund seiner Seele nicht, und, ohne sich eine Rechenschaft geben zu können, weshalb, liebte er sie auch nicht, obwohl er sich nach den Begriffen der Kreise in denen er lebte, seinem Bildungsgange nach andere Beziehungen zu seiner Mutter als die ehrfurchtsvollsten und ergebensten, nicht denken konnte; diese Beziehungen waren äußerlich um so ergebener und achtungsvoller, je weniger er in seinem Innern Achtung und Liebe hegte. 18. Wronskiy folgte dem Beamten zu dem Waggon; er blieb an dem Eingang ins Coupé stehen, um einer heraussteigenden Dame Raum zu geben. Mit dem gewöhnlichen Takte des Weltmannes erkannte Wronskiy auf den ersten Blick in dem Äußern der Dame, daß diese den höchsten Ständen angehörte. Er entschuldigte sich und trat dann in den Waggon, fühlte aber eine Versuchung in sich, nochmals ihr nachzublicken, nicht etwa deshalb, weil sie sehr schön gewesen wäre, nicht wegen ihrer vorzüglichen und decenten Grazie, die über der ganzen Figur lag, sondern deshalb, weil in dem Ausdruck ihrer wohlwollenden Züge, als sie an ihm vorübergeschritten war, etwas ausnehmend Freundliches und Mildes gelegen hatte. Als er sich umwandte, drehte auch sie das Haupt rückwärts. Ihre glänzenden grauen Augen, die dunkel unter den dichten Wimpern hervorschauten, hafteten aufmerksam auf seinem Gesicht, als habe sie ihn erkannt, dann aber schweiften ihre Augen auf den vorüberwallenden Haufen, als suche sie jemand in diesem. An diesem kurzen Blick hatte Wronskiy die zurückgehaltene Lebhaftigkeit bemerkt, die auf ihrem Antlitz lag und aus den blitzenden Augen sprühte, aus dem leisen Lächeln sprach, das ihre roten Lippen kräuselte. Etwas gleichsam Übermütiges schien ihr Wesen so zu erfüllen, daß es sich wohl wider ihren Willen bald im Glanz ihrer Augen, bald in ihrem Lächeln ausprägte. Sie schien absichtlich das Feuer ihrer Augen zu dämpfen, aber es leuchtete ihr zum Trotz dann aus dem kaum bemerkbaren Lächeln. Wronskiy trat in den Waggon. Seine Mutter, eine alte hagere Dame mit schwarzen Augen und Locken, kniff die Augen zusammen, als sie den Sohn erblickte und kräuselte leicht die schmalen Lippen. Sie erhob sich vom Polster, übergab ihrer Zofe ein Beutelchen und reichte dem Sohne die kleine dürre Hand, worauf sie ihn, seinen Kopf mit der Hand hebend, küßte. »Hast du mein Telegramm erhalten? Bist du wohl? Gott sei Dank?« »Glücklich angekommen?« antwortete der Sohn, sich neben sie setzend und unwillkürlich einer Damenstimme vor der Thür draußen lauschend. Er wußte, daß dies die Stimme jener Dame sei, die ihm bei seinem Eintritt begegnet war. »Ich bin aber dennoch nicht mit Euch einverstanden,« sprach die Stimme jener Dame. »Das ist so petersburgische Ansicht, Gnädigste!« »Nicht eine petersburgische Ansicht, sondern ein Frauenblick,« antwortete sie. »Nun, Ihr erlaubt doch -- Eurer Hand einen Kuß« -- »Auf Wiedersehen, Iwan Petrowitsch. Aber seht doch einmal zu, ob nicht mein Bruder hier ist, und sendet ihn dann zu mir,« fuhr die Dame fort, dicht an der Thür stehend und alsdann aufs neue in das Coupé tretend. »Nun, habt Ihr Euren Bruder angetroffen?« frug die Gräfin Wronskaja, sich an die Dame wendend. Wronskiy erkannte jetzt, daß diese die Karenina sein müsse. »Euer Bruder ist hier,« sagte er, sich erhebend. »Entschuldigt mich, ich habe Euch nicht erkannt, denn unsere Bekanntschaft war von so kurzer Dauer,« fuhr er fort, sie begrüßend, »daß Ihr Euch meiner wahrscheinlich nicht mehr entsinnen werdet.« »O doch;« ich würde Euch erkannt haben, da ich mit Eurer Mama wohl die ganze Route über von Euch gesprochen habe,« antwortete sie, jetzt endlich ihrer Lebhaftigkeit die sich nach außen drängte, gestattend, in einem Lächeln zu erscheinen. »Aber mein Bruder ist doch wohl nicht hier?« »Rufe ihn, Aljoscha,« sagte die alte Gräfin. Wronskiy trat auf den Perron hinaus und rief: »Oblonskiy, hier!« Karenina erwartete aber ihren Bruder nicht erst, sondern eilte, sobald sie seiner ansichtig geworden, mit schnellen leichten Schritten aus dem Waggon. Kaum war der Bruder an sie herangetreten, so umfing sie voll Gewandtheit und Grazie die Wronskiy frappierte, mit dem linken Arm seinen Hals, zog ihn schnell an sich und küßte ihn herzlich. Wronskiy musterte sie, ohne den Blick von ihr wegzuwenden und lächelte, ohne zu wissen, weshalb. Doch, sich erinnernd, daß die Mutter ihn erwarte, trat er wieder in den Waggon. »Nicht wahr, sie ist reizend?« frug ihn dieselbe. »Ihr Gatte hat sie in meine Gesellschaft gegeben und ich habe mich darüber sehr gefreut. Ich habe mich während der ganzen Fahrt mit ihr unterhalten. Du aber -- sagt man nicht -- =vous filez le parfait amour. Tant mieux, mon cher, tant mieux=«! »Ich weiß nicht, worauf Ihr hinzielt, =maman=,« antwortete der Sohn kühl. »Aber wollen wir jetzt gehen, =maman=?« Die Karenina trat in diesem Augenblick nochmals in das Coupé, um sich von der Gräfin zu verabschieden. »Nun Gräfin, Ihr habt den Sohn gefunden, ich den Bruder,« scherzte sie heiter, »meine Erzählungen wären nunmehr alle erschöpft, und weiter hätte ich nichts mehr zu berichten.« »O nein,« versetzte die Gräfin, sie an der Hand nehmend, »mit Euch möchte ich rund um die Erde reisen und ich könnte mich nicht langweilen. Ihr seid eine von jenen lieben Frauen mit denen man gern spricht und gern schweigt. Aber an Euern Sohn denkt nicht, Ihr müßt Euch von ihm doch einmal trennen.« -- Karenina stand unbeweglich, sie hielt sich außerordentlich steif aufgerichtet und ihre Augen lächelten. »Anna Karenina,« begann die Gräfin, ihrem Sohne eine Erklärung gebend, »hat ein Söhnchen, von acht Jahren wohl, und sie mochte sich niemals von ihm trennen; es schmerzt sie nun, daß sie es hat verlassen müssen.« »Ja, wir haben die ganze Zeit über nur von unseren Söhnen gesprochen,« sagte die Karenina, »die Gräfin von dem ihren, und ich von dem meinen,« und wieder spielte hell ein Lächeln über ihr Antlitz, ein schmeichelndes Lächeln, das ihm galt. »Wahrscheinlich wird Euch dies sehr schmerzlich gewesen sein,« sagte er, im Fluge den koketten Blick auffangend, den sie ihm zuwarf. Sie schien indessen nicht gewillt zu sein, das Gespräch in dieser Weise weiterzuführen und wandte sich an die alte Gräfin: »Ich danke Euch herzlich; ich selbst weiß nicht recht, wie mir der gestrige Tag verflogen ist; auf Wiedersehen denn, Gräfin.« »Adieu, liebste Freundin,« versetzte die Gräfin, »laßt mich Euer liebes Gesichtchen küssen. Ich bin eine offenherzige alte Frau und sage es gerade heraus, daß ich Euch lieb gewonnen habe.« So gedrechselt dieser Satz auch sein mochte, die Karenina glaubte diesen Worten offenbar und freute sich über sie. Sie errötete, verbeugte sich leicht und bot ihr Antlitz den Lippen der Gräfin, dann richtete sie sich wieder auf und gab mit jenem Lächeln, welches zwischen Augen und Lippen zu wechseln schien, Wronskiy die Hand. Er drückte das kleine ihm gebotene Händchen und freute sich, wie über etwas ganz Besonderes, über den energischen Gegendruck mit dem sie fest und unverhohlen antwortete. Schnell schritt sie hierauf hinaus mit seltsamer Leichtigkeit die ziemlich volle Gestalt bewegend. »Sehr lieb,« sagte die alte Gräfin. Das Nämliche dachte ihr Sohn. Er begleitete sie mit seinen Augen so lange, wie ihre graziöse Figur sichtbar blieb, und ein Lächeln lag auf seinen Zügen. Durch das Fenster sah er, wie sie sich zu ihrem Bruder begab, ihren Arm in den seinen legte und lebhaft mit ihm zu sprechen begann, augenscheinlich von einem Thema, das ihn selbst, Wronskiy, herzlich wenig betreffen mochte; dies aber war ihm fast ärgerlich. »Nun, Mama, seid Ihr denn bei recht guter Gesundheit?« wiederholte er seine frühere Frage, sich wieder an die Mutter wendend. »Es geht recht wohl, ausgezeichnet. Alexander war äußerst lieb und Marie ist sehr hübsch geworden; sehr interessant.« Sie begann von neuem davon zu erzählen, daß sie vor allem in Anspruch genommen worden sei von der Taufe eines Enkels, zu welcher sie nach Petersburg zu dem ältesten ihrer Söhne gereist war. »Da ist ja Laurenz,« sagte Wronskiy, durch das Fenster schauend, »jetzt können wir gehen, wenn du willst.« Ein alter Diener, welcher mit der Gräfin gereist war, erschien im Coupé, um zu melden, daß alles bereit sei, und die Gräfin erhob sich, um zu gehen. »Komm; jetzt sind nur noch wenig Personen auf dem Perron,« sagte Wronskiy. Die Zofe ergriff das Arbeitsbeutelchen und den Schoßhund, der Diener und ein Träger das übrige Gepäck, und Wronskiy nahm seine Mutter am Arme; als sie bereits den Waggon verlassen hatten, kamen plötzlich einige Leute mit erschreckten Gesichtern an ihnen vorübergelaufen; auch der Stationschef erschien in seiner Mütze von auffallender Farbe. Augenscheinlich war etwas Ungewöhnliches vorgefallen; das Volk von dem Train kam zurück. »Was giebt es denn! Was ist! -- Es ist jemand unter den Zug geraten! -- Er ist zerquetscht!« hörte man verschiedene Stimmen unter den Vorübereilenden. Stefan Arkadjewitsch, die Schwester am Arme, und beide ebenfalls mit erschreckten Gesichtern, waren stehen geblieben und hatten sich das Volk vermeidend, nach dem Coupé zurückgewandt. Die Damen traten wieder hinein, Wronskiy aber und Stefan Arkadjewitsch mischten sich unter die Menge, um Näheres über den Unglücksfall zu erfahren. Ein Weichenwärter -- mochte er berauscht oder vor der starken Kälte zu sehr vermummt gewesen sein -- hatte den rückwärts sich bewegenden Zug nicht wahrgenommen, und war überfahren worden. Noch bevor Wronskiy und Oblonskiy zurückgekehrt waren, hatten die Damen diese Einzelheiten schon von dem Diener erfahren. Oblonskiy und Wronskiy sahen beide den unförmlich gewordenen Leichnam und der Erstere war augenscheinlich hiervon tief ergriffen. Er wurde traurig und schien fast in der Stimmung zu sein, Thränen zu vergießen. »O, welches Entsetzen! Ach, Anna, hättest du das gesehen, o welch ein Unglück!« rief er aus. Wronskiy schwieg; sein hübsches Gesicht war nur ernst, aber es blieb vollkommen ruhig. »Hättet Ihr das gesehen, Gräfin,« fuhr Stefan Arkadjewitsch fort, »auch sein Weib war dabei. Es war ein furchtbarer Anblick, dieses zu sehen. Es warf sich über den Toten; man sagt, er allein habe seine sehr zahlreiche Familie erhalten. Dies ist das Unglück!« -- »Kann man denn nicht etwas thun für die Frau?« frug die Karenina in aufgeregt flüsterndem Tone. Wronskiy blickte sie an und verließ sogleich den Waggon. »Ich werde sofort wiederkommen, =maman=,« sagte er, sich an der Thür nochmals umwendend. Als er nach Verlauf mehrerer Minuten zurückkam, hatte sich Stefan Arkadjewitsch bereits mit der Gräfin über die neue Sängerin unterhalten, während diese gespannt nach der Waggonthür schaute, den Sohn erwartend. »Jetzt wollen wir gehen,« sagte Wronskiy, hereintretend. Sie gingen alle zusammen hinaus. Wronskiy ging voran mit seiner Mutter; hinter dieser Karenina mit ihrem Bruder. Am Eingang trat der Stationsvorsteher an Wronskiy heran, der von ihm eingeholt worden war. »Ihr habt meinem Vertreter zweihundert Rubel eingehändigt. Wollt doch die Güte haben zu bestimmen, für wen das Geld ausgesetzt sein soll?« »Der Witwe,« antwortete Wronskiy, die Achsel ziehend, »ich begreife nicht, wie darnach noch gefragt werden kann.« »Ihr habt gegeben?« rief Oblonskiy hinten aus und fügte hinzu, die Hand der Schwester drückend: »Das ist doch charmant, charmant; er ist doch ein herrlicher Mensch, habe ich nicht recht? Meine Hochachtung, Gräfin!« Er blieb mit der Schwester stehen, um deren Zofe ausfindig zu machen. Als sie hinaustraten, war der Wagen der Wronskiy schon abgefahren, die Leute unterhielten sich noch immer über den Unglücksfall, der sich soeben ereignet hatte. »Es ist ein entsetzlicher Tod,« sagte ein vorübergehender Herr, »man sagt, er sei in zwei Stücke zerfahren gewesen.« »Aber ich glaube, im Gegenteil, der leichteste war es, da er augenblicklich tot gewesen ist,« meinte ein anderer. »Daß man sich solches nicht zur Warnung dienen läßt,« ein dritter. Die Karenina setzte sich in den Wagen und Stefan Arkadjewitsch gewahrte mit Verwunderung, daß ihre Lippen bebten und sie nur mit Mühe die Thränen unterdrückte. »Was ist dir, Anna?« frug er. »Ein böses Anzeichen.« »Thorheiten, du bist glücklich angekommen, das ist die Hauptsache. Du kannst dir nicht vorstellen, was ich mir von dir verspreche.« »Kennst du Wronskiy schon lange?« frug sie. »Ja. Du weißt, daß wir hoffen, er möchte Kity heiraten.« »Ja wohl,« versetzte Anna leise. »Aber jetzt wollen wir einmal von deinen Angelegenheiten reden,« fügte sie hinzu, den Kopf schüttelnd, gleichsam als wollte sie etwas Äußerliches abschütteln, was sie bedrückte und störte. »Laß uns jetzt von deinen Angelegenheiten sprechen; ich habe dein Schreiben erhalten und bin daraufhin gekommen.« »Ganz recht. Meine ganze Hoffnung bist du,« sagte Stefan Arkadjewitsch. »Nun, so erzähle mir denn alles.« Stefan Arkadjewitsch begann zu erzählen. Nachdem man daheim angelangt war, hob Oblonskiy die Schwester aus dem Wagen, seufzte, drückte ihr die Hand und begab sich ins Amt. 19. Als Anna in das Gemach trat, saß Dolly in dem kleinen Gastzimmer mit ihrem weißhaarigen, dicken Knaben, der bereits jetzt dem Vater ähnlich zu werden begann, und überhörte ihm seine französische Lektion. Der Knabe las, und drehte dabei mit der Hand an einem Knopfe seiner Bluse, im Bemühen, denselben abzureißen. Die Mutter hatte ihm das Händchen bereits mehrmals von dem lose sitzenden Knopf entfernt, aber die kleine runde Faust fuhr immer wieder nach demselben. Endlich riß die Mutter selbst den Knopf ab und steckte ihn in ihre Tasche. »Laß deine Hand in Ruhe, Grischa,« sagte sie und beschäftigte sich wieder mit einer Decke, einer Arbeit die sie schon seit langem förderte, und welche sie stets in schweren Zeiten vornahm. Auch jetzt häkelte sie aufgeregt, den Finger ausstreckend und die Maschen zählend. Obwohl sie gestern befohlen hatte, ihrem Manne zu sagen, sie werde sich nicht darum kümmern, ob seine Schwester ankomme oder nicht, hatte sie dennoch alles zu deren Empfang herrichten lassen und erwartete nun die Schwägerin voll Aufregung. Dolly war darniedergedrückt von ihrem Leid und ganz in dasselbe versunken. Gleichwohl aber sagte sie sich, daß ihre Schwägerin Anna die Gattin einer der einflußreichsten Persönlichkeiten Petersburgs war, und daselbst die =grande dame= spielte. Dank diesem Umstande, hatte sie die dem Gatten gegebene Versicherung nicht aufrecht erhalten, das heißt, sie hatte nicht vergessen, daß ihre Schwägerin ankommen werde. »Nun, Anna trägt ja auch an nichts schuld,« dachte Dolly bei sich, »ich weiß von ihr nichts, als Gutes, und ich selbst habe von ihr nur Liebes und Gutes erfahren.« Allerdings, soweit sie sich der Eindrücke erinnern konnte, welche sie bei den Karenin in Petersburg erhalten, konnte sie das Haus derselben nicht als recht angenehm bezeichnen; es lag etwas Falsches in der Gesamtheit des Familienlebens daselbst. »Aber weshalb sollte ich sie denn nicht empfangen? Wenn sie es sich nur nicht etwa einfallen lassen wird, mich etwa zu trösten,« dachte Dolly. »Alle Tröstungen, alle Überredungsgründe, alle Lehren der christlichen Nachsicht und Milde, all das habe ich schon tausendmal überdacht, aber es hielt nichts davon Stich.« Die ganze letzte Zeit war Dolly allein mit ihren Kindern gewesen. Von ihrem Kummer wollte sie nicht sprechen, und mit diesem Kummer in der Seele konnte sie nicht von Nebensächlichem reden. Sie wußte, daß sie auf die eine oder die andere Weise Anna alles erzählen würde, und bald freute sie da der Gedanke daran, wie sie alles heruntersprechen wollte, bald aber brachte sie auch der Gedanke an die Notwendigkeit in Wut, mit jener von ihrer Erniedrigung sprechen zu müssen, seiner Schwester, und deren schon bereitgehaltene Phrasen beim Zureden und Trösten mit anhören zu müssen. Nach der Uhr blickend, erwartete sie sie von Minute zu Minute, und übersah dabei doch gerade diejenige, in welcher Anna Karenina ankam, so daß sie nicht einmal das Glöckchen vernahm. Erst als sie das Rauschen eines Gewandes und leichte Schritte schon in der Thür vernahm, blickte sie auf und auf ihren angespannten Zügen malte sich unwillkürlich nicht Freude, sondern Erstaunen. Sie erhob sich und umarmte die Schwägerin. »Wie, schon da?« sagte sie unter Küssen. »Dolly, wie freue ich mich, dich zu sehen!« »Auch ich freue mich,« erwiderte diese mit schwachem Lächeln und sich bemühend, an dem Gesichtsausdruck Annas zu erkennen, ob diese bereits wisse. »Wahrscheinlich ist sie schon unterrichtet,« dachte sie, einen Schimmer von Beileid auf Annas Zügen gewahrend. »Nun, komme denn, ich will dich in dein Zimmer führen,« fuhr sie fort, im Bemühen, die Minute der Aussprache so weit als möglich hinauszuschieben. »Ist das Grischa? Mein Gott, wie groß er geworden ist!« rief Anna aus, und küßte den Knaben, ohne das Auge von Dolly wegzuwenden; dann blieb sie stehen und errötete. »Aber nein, jetzt wollen wir nirgendshin gehen!« Sie nahm ihr Tuch ab, ihren Hut, und verwickelte diesen mit dem Gewirr ihrer schwarzen überall sich hervorwindenden Haare, befreite denselben aber daraus, indem sie mit dem Kopfe schwingende Bewegungen machte. »O, wie du glänzest von Glück und Gesundheit,« sagte Dolly fast neidisch. »Ich?« antwortete Anna. »Mein Gott, Tanja! Altersgenossin meines Sergey,« fügte sie hinzu, sich an das eintretende kleine Töchterchen Dollys wendend. Sie nahm es auf ihre Arme und küßte es -- »ein reizendes Kind, reizend! Zeige mir doch alle deine Kinder!« Sie nannte sie sämtlich und wußte nicht nur ihre Namen noch, sondern auch die Jahre und Monate der Geburt der Kinder, ihre Sinnesarten, ihre Krankheiten und Dolly fühlte sich wider ihren Willen bezaubert hiervon. »Nun komm, wir wollen zu ihnen gehen,« sagte sie, »Wasja schläft jetzt, schade.« Nachdem beide Frauen die Kinder gemustert hatten, setzten sie sich, nunmehr allein, im Salon zum Kaffee. Anna beschäftigte sich mit dem Präsentierbrett, und schob es dann von sich. »Dolly; er hat mit mir gesprochen.« Dolly blickte kühl auf Anna. Sie erwartete jetzt erheuchelte Beileidsbezeugungen, aber Anna äußerte nichts der Art. »Dolly, meine Liebe,« sagte sie, »ich will dir gegenüber nicht für ihn sprechen, dich auch nicht trösten; das ist unmöglich. Aber, gutes Herz, mir thust du offen herausgesagt, leid; von ganzer Seele leid!« Unter den dichten Wimpern ihrer blitzenden Augen erschienen plötzlich Thränen. Sie setzte sich näher zu ihrer Schwägerin, ergriff deren Hand mit ihrer energischen kleinen Rechten und Dolly widerstrebte nicht, allein ihre Züge hatten nichts von dem kalten Ausdruck verloren und sie sagte: »Trösten kann mich niemand. Alles ist verloren für mich nach solchen Geschehnissen; alles ist dahin!« Sie hatte dies kaum gesprochen, als der Ausdruck ihres Gesichts weicher wurde. Anna hob die magere, schmächtige Hand Dollys zu sich empor, küßte sie und antwortete: »Aber, Dolly, was soll nun geschehen, was soll geschehen? Wie soll man am besten handeln in dieser furchtbaren Lage? -- Hierüber gilt es jetzt nachzudenken!« »Es ist alles schon gethan, nichts bleibt mehr zu thun,« antwortete Dolly, »am Übelsten ist, verstehe mich recht, daß ich ihn nicht verlassen kann; denn es sind Kinder da; ich bin gebunden. Mit ihm leben aber kann ich nicht mehr; es ist mir eine Qual schon, ihn zu sehen.« »Dolly, mein Täubchen, er sprach zwar schon mit mir, aber ich möchte nun von dir hören; erzähle mir alles.« Dolly blickte fragend Anna an, in deren Gesicht ungeheuchelte Teilnahme und Liebe sichtbar waren. »Wohlan denn,« sagte sie plötzlich. »Doch ich will von Anfang an erzählen. Du weißt ja, wie ich geheiratet habe. Ich war mit meiner französischen =Maman=-Erziehung nicht nur unschuldig, sondern vielmehr dumm geblieben. Ich wußte nichts, gar nichts. Man sagt wohl, daß die Männer ihren Frauen von ihrem früheren Leben erzählten, aber Stefan -- Stefan Arkadjewitsch -- hat mir nichts erzählt. Du wirst das nicht glauben, aber bis heute habe ich geglaubt, daß ich das einzige Weib sei, welches er erkannt hat. So habe ich acht Jahre verlebt; stelle dir vor, daß ich nicht nur nie eine Treulosigkeit bei ihm geargwöhnt habe, nein, daß ich sie für unmöglich gehalten habe; und nun, stelle dir vor, mit solchen Auffassungen mußte ich plötzlich das ganze Verhängnis, diese ganze Niedrigkeit kennen lernen. Verstehst du mich auch recht? Was es heißt, ganz im Vollgefühl seines Glückes zu sein, und mit einem Schlage,« -- Dolly fuhr fort, nur mit Mühe das Schluchzen unterdrückend, »jenen Brief erhalten zu müssen. Es war sein Brief an seine Geliebte, meine Gouvernante. Nein, dies ist zu entsetzlich!« Schnell zog sie ihr Taschentuch hervor und bedeckte mit ihm ihr Antlitz. »Ich begreife noch, daß er verführt werden konnte,« fuhr sie fort, nachdem sie eine Weile geschwiegen, »aber hinterlistig, schlau mich zu betrügen, und mit wem zusammen? Daß er fortfahren sollte, mein Gatte zu sein und zugleich der ihrige -- das ist furchtbar! Aber du kannst das nicht verstehen!« »O doch, doch, ich verstehe! Ich begreife, gute Dolly, ich begreife,« antwortete Anna, ihr die Hand drückend. »Und denkst du etwa, er könnte sich die ganze Entsetzlichkeit meiner Lage klar machen?« fuhr Dolly fort, »keineswegs! Er ist glücklich und zufrieden!« »O nein!« unterbrach sie Anna schnell, »er ist in einer kläglichen Stimmung, er wird von Reue bedrückt!« »Ist er der Reue fähig?« fiel Dolly ein, der Schwägerin gespannt ins Gesicht schauend. »Ja. Ich kenne ihn. Ich habe nicht ohne Mitleid auf ihn blicken können. Wir beide kennen ihn. Er ist gut, aber auch stolz, und jetzt fühlt er sich erniedrigt. Die Hauptsache, welche mich rührte,« Anna erriet diese Hauptsache, welche Dolly rühren konnte, »ist die, daß ihn zweierlei quält; einmal empfindet er Scham vor seinen Kindern, und dann hat er, der dich liebt -- ja, ja, der dich mehr liebt als das Leben« -- ließ Anna Dolly, die sie unterbrechen wollte, nicht zu Worte kommen, -- »dir so weh gethan, dich so tief darniedergeschlagen. >Nein, nein, sie vergiebt nicht!< ist sein stetes Wort.« Dolly blickte in Gedanken versunken an der Schwägerin vorüber und lauschte auf deren Worte. »Ja, ich weiß, daß seine Lage schrecklich ist; der Schuldige fühlt viel tiefer, als der Unschuldige,« sagte sie, »wenn er empfindet, daß durch seine Schuld alles Unglück hereingebrochen ist. Aber wie sollte ich ihm verzeihen, wiederum sein Weib werden können -- nach jenem Geschöpf? Jetzt noch mit ihm zu leben, wäre für mich eine Qual, schon deshalb, weil mir die Liebe wertvoll ist, die ich ihm früher geweiht.« Schluchzen unterbrach ihre Stimme. Gleichsam vorsätzlich indessen begann sie jedesmal, wenn die Versöhnlichkeit sie zu überkommen drohte, wiederum von dem zu sprechen, was sie vor allem so erbittert hatte. »Sie ist freilich noch jung, noch schön,« fuhr sie fort, »du verstehst, Anna, daß meine Jugend, meine Schönheit mir von einem Manne genommen worden ist; von ihm und seinen Kindern! Ich diente ihm und ging in seinem Dienste auf, aber jetzt ist ihm -- das versteht sich wohl -- ein frisches, junges Wesen lieber. Sie mögen wohl beide von mir gesprochen, oder, was noch schlimmer wäre, geschwiegen haben -- verstehst du?« Ihr Auge loderte wiederum haßerfüllt empor. »Und nach alledem will er wieder mit mir reden. Wie, soll ich ihm denn noch glauben? Niemals! Nein; es ist alles dahin, alles, was für mich ein Trost, ein Lohn für meine Mühen und Qualen hätte sein können. Du verstehst mich doch? Soeben habe ich Grischa unterrichtet. Früher war mir das eine Freude, jetzt ist es eine Marter. Wofür mühe ich mich, was quäle ich mich ab? Wozu sind die Kinder da? -- Es ist furchtbar, daß plötzlich meine Seele sich gewendet hat, und anstatt Liebe und Zärtlichkeit, jetzt nur noch Wut, ja Wut darinnen wohnt. Getötet würde ich ihn haben« -- »Herzchen, Dolly, ich verstehe dich, aber martere dich nicht selbst; du bist so beleidigt, so aufgeregt, daß du manches in falschem Lichte siehst!« Dolly verstummte, zwei Minuten verstrichen in lautloser Stille. »Was soll ich thun, denke nach, Dolly, hilf mir. Ich habe alles schon mir überlegt, und sehe keinen Ausweg mehr.« Anna vermochte nichts zu denken, aber ihr Herz antwortete auf jedes Wort, auf jeden Ausdruck der Züge ihrer Schwägerin. »Ich kann nur Eines sagen,« begann sie, »ich bin seine Schwester und kenne seinen Charakter; seine Fähigkeit, alles zu vergessen,« -- sie machte eine Geste vor ihr Stirn -- »diese Fähigkeit des vollständigen Sichselbstverlierens, dabei aber auch eines wahrhaften Empfindens von Reue. Er glaubt kaum und begreift nicht, wie er das hat thun können, was er gethan hat.« -- »O nein! Er versteht es wohl, er versteht es wohl!« fiel ihr Dolly in die Rede, »aber ich -- du vergißt mich ja ganz -- ist mir etwa leichter?« »Warte doch! Als er mit mir sprach -- ich gestehe es -- begriff ich noch nicht die ganze Entsetzlichkeit deiner Lage. Ich sah nur ihn allein, und daß die Familie zerstört sei; er that mir leid, aber nun, nachdem ich, selbst ein Weib, mit dir gesprochen habe, sehe ich die Sache mit anderem Auge an. Ich sehe deine Leiden und wie leid du mir thust, das kann ich dir nicht schildern! Dolly, mein liebes Herz, ich verstehe deine Leiden von Grund aus -- nur eines nicht! Ich weiß nicht, ich weiß nicht, wie 1 » ; , 2 , 3 . , 4 . , , , 5 , « - - 6 7 » , « , » , 8 , , 9 , 10 - - . « - - 11 12 , 13 , , 14 , , 15 . 16 17 » , , « ; 18 , . 19 20 » , « , » , 21 , . 22 23 . « 24 25 , , . 26 27 » , , « 28 , » . « 29 30 , 31 . 32 33 » , , , 34 ? « , 35 . 36 37 , 38 , . 39 , , 40 . » , , « , 41 » . « 42 43 » , « 44 . . 45 , , 46 , , 47 , . 48 49 » , « , » ? 50 . , . « 51 52 - - ; 53 , 54 , . 55 56 , , , 57 . 58 , 59 , 60 , 61 , , . 62 63 » , , « 64 , » . « 65 66 » ? ? , 67 , 68 , « , 69 , . » 70 . « 71 72 , 73 , 74 , 75 . 76 77 » , ? « . 78 79 , 80 . , 81 , , , 82 . 83 84 85 . 86 87 , 88 , , 89 , , , 90 » « . 91 92 , , 93 . 94 . 95 96 , 97 98 , , 99 . 100 , , 101 , . 102 , , 103 104 . , 105 , , 106 . 107 108 » , , ? , « 109 , . 110 , , 111 , - - 112 . . » , 113 , « , . 114 115 116 117 , . 118 119 » ? ! « , , 120 , » , 121 , , 122 ! « 123 124 » , , , « 125 , . 126 127 128 , , 129 , 130 , , 131 , 132 , 133 - - , , 134 . 135 136 » ? : 137 , , . 138 , , 139 . - - 140 , , , 141 . , 142 , . 143 ! 144 ; 145 , . 146 , ! « 147 148 » ? 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