unterdrücken zu können. Der Tatar mit den wehenden Frackschößen eilte davon und in fünf Minuten flog er herbei mit einer Schüssel geöffneter perlmutterglänzender Austern und einer Bouteille. Stefan Arkadjewitsch entfaltete die gestärkte Serviette und steckte sie an seiner Weste fest, worauf er sich den Austern zu widmen begann. »Ah, nicht übel,« sagte er, mit der silbernen Gabel die schlüpfrigen Austern von der Perlmutterschale lösend und sie eine nach der andern verschluckend. »Nicht übel,« wiederholte er, die feuchtschimmernden Augen bald auf Lewin, bald auf den Tataren richtend. Lewin nahm gleichfalls Austern zu sich, obwohl ihm Weißbrot und Käse lieber gewesen wäre, aber er richtete sich nach Oblonskiy; der Tatar aber, welcher mittlerweile den Pfropfen gelöst und den moussierenden Wein in die schlanken Gläser eingeschenkt hatte, schaute gleichfalls mit eigenartigem Lächeln, seine weiße Halsbinde in Ordnung bringend, auf Stefan Arkadjewitsch. »Liebst du nicht Austern sehr?« sagte Stefan Arkadjewitsch, seinen Kelch leerend, »oder bist du nicht bei Laune?« Er wünschte, daß Lewin heiterer Laune sein möchte, aber anstatt daß dies der Fall war, empfand derselbe vielmehr eine gewisse Beengtheit. Mit alledem, was er in seinem Innern fühlte, war es ihm seltsam und unbequem im Hotel, innerhalb dieser Kabinette, wo man mit Damen dinierte, unter diesem Laufen und Hasten; diese Bronze ringsum, die Spiegel, das Gas, diese Tataren, all das war ihm lästig und er fürchtete, damit die Empfindung zu beflecken, die seine Seele erfüllte. »Ich? Ja, ich bin nicht recht in Stimmung; überdies jedoch beengt mich hier die Umgebung,« antwortete er. »Du kannst dir nicht vorstellen, wie alles das hier für mich, einem einfachen Landmann, wunderlich ist; ebenso wunderlich, wie die Fingernägel des Herrn, den ich bei dir gesehen habe« -- »Ja, ja, ich bemerkte wohl, daß die Fingernägel des armen Grinjewitsch dich sehr interessierten,« meinte Stefan Arkadjewitsch lachend. »Ich kann nicht anders,« versetzte Lewin. »Bemühe dich, mir einmal nachzufühlen, stelle dich auf den Gesichtspunkt eines Landmannes. Wir auf dem Dorfe bemühen uns, unsere Hände in einem Zustande zu erhalten, der sie geeignet macht zur Arbeit; zu diesem Zwecke schneiden wir uns die Nägel, streifen wir die Rockärmel empor. Hier aber lassen die Leute ihre Nägel stehen, so lange sie sich nur erhalten können, und haken sich Spangen wie kleine Schüsseln an, nur damit sie mit den Händen nichts zu thun haben.« Stefan Arkadjewitsch lächelte heiter. »Dies ist ein Zeichen davon, daß hier grobe Arbeit nicht nötig ist. Hier arbeitet eben nur der Geist.« »Mag sein. Aber dennoch erscheint mir das seltsam; ebenso, wie es mir jetzt wunderlich vorkommt, daß wir Landbewohner uns bestreben, möglichst schnell zu essen, um wieder in Stand gesetzt zu sein zu arbeiten, während ich jetzt mit dir zusammen so lange als möglich speise, und zu diesem Zwecke noch Austern esse.« »Läßt sich begreifen,« sagte Stefan Arkadjewitsch, »aber hierin liegt ja eben der Ausgangspunkt der Kultur: aus allem sich einen Genuß zu verschaffen.« »Wenn dies das Ziel der Kultur sein soll, dann wünschte ich lieber wild zu bleiben.« »Bleibe immerhin wild. Ihr Lewins seid alle wild.« Lewin seufzte. Er gedachte seines Bruders Nikolay und es wurde ihm schwer und traurig zu Mute, so daß er die Stirne runzelte, Oblonskiy aber begann soeben von einem Gegenstand zu sprechen, der ihn sogleich hiervon abzog. »Also fahren wir denn heute Abend zu unseren Schtscherbazkiys?« frug Stefan Arkadjewitsch, die leeren, rauhen Schalen beiseite schiebend und den Käse heranziehend, während sein Auge bedeutungsvoll erglänzte. »Ja, ich werde unfehlbar fahren,« antwortete Lewin, »obwohl mir schien, als wenn die Fürstin mich nicht gern eingeladen hätte.« »Was sagst du doch da! Das ist Unsinn, es ist das so ihre Manier -- he, Freund, gieb die Suppe jetzt! Es ist das so ihre Manier, als =grande dame=,« sagte Stefan Arkadjewitsch. »Ich werde ebenfalls mit hinkommen, doch muß ich auch noch auf eine Weile zur Gräfin Bonina. Du bist aber doch zu seltsam! Wie soll ich es nur erklären, daß du so plötzlich aus Moskau verschwandest? Die Schtscherbazkiy haben mich ununterbrochen nach dir gefragt, gleich als ob ich das wissen müßte. Ich weiß eigentlich nur das Eine, daß du stets das thust, was niemand sonst thut.« »Ja, ja,« antwortete Lewin, langsam aber erregt, »du hast recht, ich bin seltsam. Nur beruht meine Seltsamkeit nicht darin, daß ich Moskau verließ, sondern darin, daß ich wiedergekommen bin. Jetzt bin ich wiedergekommen« -- »O du Glücklicher!« unterbrach ihn Stefan Arkadjewitsch, Lewin ins Auge schauend. »Weshalb?« »Man erkennt die störrigen Pferde an gewissen Zeichen, verliebte Jünglinge erkenne ich an ihren Augen,« deklamierte Stefan Arkadjewitsch. »An dir erkenne ich alles im voraus.« »Bei dir erkennt man aber alles wohl erst nachher?« »Nein, nicht gerade nachher; aber du hast eine Zukunft, ich habe nur eine Gegenwart, und die Gegenwart -- ist verpfuscht.« »Was heißt das?« »Es geht mir nicht gut. Indessen von mir will ich nicht sprechen, ich kann dir auch nicht alles so offenbaren,« sagte Stefan Arkadjewitsch. »Aber weshalb bist du wieder nach Moskau gekommen? -- Da nimm!« rief er dem Tataren zu. »Vermutest du?« antwortete Lewin, ohne seine tiefinnerlich leuchtenden Augen von Stefan Arkadjewitsch abzuwenden. »Ich vermute, kann aber nicht darüber zu sprechen beginnen; schon hieran kannst du erkennen, ob ich richtig oder falsch vermute,« sagte Stefan Arkadjewitsch, mit seinem Lächeln Lewin anblickend. »Und was hast du mir da zu sagen?« fuhr Lewin mit schwankender Stimme fort, empfindend, daß in seinem Antlitz jeder Muskel bebte. »Wie schaust du auf die Sache?« Stefan Arkadjewitsch trank langsam sein Glas Jablis aus, ohne das Auge von Lewin zu verwenden. »Ich,« sagte Stefan Arkadjewitsch, »würde nichts so sehr wünschen, als dies, nichts! Das ist das Beste was geschehen könnte.« »Aber täuschest du dich auch nicht? Du weißt doch hoffentlich, wovon wir jetzt reden,« frug Lewin, sich mit dem Blick an dem Freunde festsaugend; »glaubst du, daß es möglich ist?« »Ich denke, es ist möglich. Weshalb sollte es unmöglich sein?« »Nein, nein, denkst du wirklich, daß es möglich ist? Sage mir alles, was du denkst! Wie, wenn mir eine Absage würde? Ich bin sogar überzeugt« -- »Weshalb denkst du denn so?« antwortete Stefan Arkadjewitsch, lächelnd über diese Erregtheit. »Nun, mir scheint es bisweilen so; aber es wäre furchtbar, für mich wie für sie.« »Auf alle Fälle wäre doch für das Mädchen nichts Schreckliches dabei. Jedes Mädchen ist stolz auf einen Antrag.« »Ja, jedes Mädchen, aber sie nicht.« Stefan Arkadjewitsch lächelte. Er kannte schon dieses Gefühl Lewins, und wußte, daß für diesen alle Mädchen in der Welt sich nur in zwei Arten teilten; die eine Art bildeten alle Mädchen in der Welt -- außer ihr -- und diese Mädchen besaßen alle menschlichen Schwächen; sie waren sehr gewöhnliche Menschen; die andere aber -- war sie allein, ohne jegliche Fehler, hocherhaben über alle Menschheit. »Halt, nimm Sauce,« sagte er, die Hand Lewins festhaltend, welcher die Sauce fortgeschoben hatte. Lewin nahm sich gefügig die Sauce, ließ aber Stefan Arkadjewitsch nicht zum Essen kommen. »Halt,« sagte er, »du weißt, daß dies für mich eine Frage auf Leben und Tod ist; ich habe noch nie mit jemand darüber gesprochen, kann auch mit niemand reden, als mit dir. Und doch sind wir beide in allem so verschieden. Verschiedener Geschmack, verschiedene Ansichten, alles; indessen ich weiß, daß du mich liebst und verstehst, und deshalb liebe ich dich so unaussprechlich. Aber bei Gott, sei ganz offen gegen mich.« »Ich sage dir ja, was ich denke,« antwortete Stefan Arkadjewitsch lächelnd. »Aber ich will dir noch mehr sagen: Mein Weib ist ein -- bewundernswertes Weib.« -- Stefan Arkadjewitsch seufzte, indem er seiner jetzigen Beziehungen zu seinem Weibe gedachte; er schwieg eine Weile und fuhr dann fort: »Sie hat die Gabe des Voraussehens, und erkennt die Menschen durch und durch; aber noch nicht genug damit, sie weiß, auch was kommen wird, besonders in Bezug auf Ehebünde. So hat sie beispielsweise vorausgesagt, daß die Schachowskaja den Brendeljen heiraten werde. Kein Mensch hatte dies glauben wollen und doch ist es so gekommen. Sie aber, ist -- ganz auf deiner Seite.« -- »Inwiefern denn?« »Insofern, daß sie abgesehen noch davon daß sie dich liebt, sagt, Kity würde unfehlbar dein Weib.« Bei diesen Worten erglänzte das Gesicht Lewins von einem Lächeln, einem Lächeln, welches den Thränen der Rührung nahe war. »Das sagt sie?« rief Lewin aus. »Ich habe stets gesagt, daß sie herrlich ist, deine Frau. Nun ist genug, völlig genug gesagt über die Sache,« antwortete er, von seinem Platze aufstehend. »Gut; aber setze dich doch.« Lewin war aber nicht imstande, wieder Platz zu nehmen; er ging mit seinen festen Tritten mehrmals in dem kleinen Raume auf und ab, und blinzelte mit den Augen, um die Thränen nicht sehen zu lassen. Erst dann setzte er sich wieder nieder am Tische. »Verstehe wohl,« sagte er, »das dies keine Liebe ist. Ich war einst verliebt, aber dies ist nicht Liebe. Diese Empfindung ist nicht mein eigen, es ist mehr eine äußere Macht, die mich übermannt. Ich habe ja deshalb Moskau verlassen, weil ich den Beschluß gefaßt hatte, daß es nicht sein dürfe, verstehst du, als ein Glück, wie es in der Welt nicht existiert. Ich kämpfte mit mir, und ich sehe, daß es ohne jenes Eine für mich kein Leben giebt. Ich muß zu einem Ende kommen« -- »Weshalb warest du nur fortgefahren?« »O, halt, halt, welche Menge von Ideen du bringst; welche Masse von Fragen sind da nötig. Höre also. Du wirst dir freilich nicht vorstellen können, was du mir geleistet hast mit dem was du soeben sagtest. Ich bin so glücklich, daß ich sogar unangenehm werde, ich habe alles vergessen. Heute habe ich erfahren, daß mein Bruder Nikolay -- du kennst ihn doch, er ist hier -- ich habe auch ihn vergessen. Mir scheint, als ob er glücklich wäre. Es ist so etwas von Spleen in ihm. Eines aber ist entsetzlich -- du hast ja geheiratet und kennst das Gefühl -- eines ist entsetzlich, daß wir, die wir schon in die Jahre gekommen sind, keine Liebe kennen, sondern nur Sünden, daß wir uns plötzlich einem reinen, unschuldigen Geschöpf nähern. Dies ist abstoßend, und deshalb kann ich nicht umhin, mich eines solchen unwürdig zu fühlen.« »Nun, du hast doch der Sünden nicht zu viel auf dem Gewissen.« »O, immerhin,« sagte Lewin, »immerhin; wenn ich voll Widerwillen mein Leben prüfe, so erzittere ich, verwünsche ich mich und beklage ich mich tief.« »Was ist aber zu thun? Die Welt ist einmal so eingerichtet,« antwortete Stefan Arkadjewitsch. »Es giebt nur einen einzigen Trost, wie in jenem Gebet, das ich stets geliebt habe, nämlich daß man nicht nach seinen Verdiensten Vergebung erlangt, sondern nach der Barmherzigkeit. So wird auch sie mir vergeben.« 11. Lewin leerte sein Glas und beide schwiegen eine Zeitlang. »Eins muß ich dir noch sagen. Du kennst wohl Wronskiy?« frug alsdann Stefan Arkadjewitsch Lewin. »Nein, ich kenne ihn nicht. Weshalb frägst du so?« »Eine andere Flasche,« wandte sich Stefan Arkadjewitsch an den Tataren, der die Gläser füllte und sich um beide herum bewegte; hauptsächlich dann, wenn er nicht erforderlich war. »Du mußt Wronskiy deshalb kennen, weil er einer von deinen Nebenbuhlern ist.« »Was ist das für ein Wronskiy?« frug Lewin, und seine Miene ging von dem Ausdruck des kindlichen Entzückens, mit dem er soeben noch Oblonskiy betrachtete, plötzlich zu dem des Hasses und der Feindseligkeit über. »Wronskiy ist einer der Söhne des Grafen Kyrill Iwanowitsch Wronskiy, einer der hellsten Sterne der =jeunesse dorée= von Petersburg. Ich habe ihn in Twer kennen gelernt, als ich dort in Dienst stand und er zur Rekrutenaushebung dorthin kam. Er ist ungeheuer reich, schön, hat mächtige Connexionen, ist Flügeladjutant und obenein ein sehr lieber guter Mensch. Aber mehr als dies gilt noch, daß er so, wie ich ihn hier kennen gelernt habe, auch Bildung besitzt und sehr klug ist; er ist ein Mensch, der es weit bringen wird.« Lewin verfinsterte sich und blieb stumm. »Nun, dieser Wronskiy also erschien hier, kurz nach deiner Abreise, und ist, so viel ich beurteilen kann, bis über die Ohren verliebt in Kity. Du weißt ja wohl, daß deren Mutter« -- »Entschuldige, aber ich verstehe von alledem gar nichts,« antwortete Lewin, sein Gesicht in finstere Falten legend. Sogleich erinnerte er sich wieder seines Bruders Nikolay und dessen, daß er ihn hatte vergessen können. »Warte nur ruhig, warte,« sagte Stefan Arkadjewitsch lächelnd und seine Hand berührend. »Ich habe dir gesagt, was ich weiß und wiederhole, daß in dieser zarten Angelegenheit, so viel ich urteilen kann, mir die Chancen auf deiner Seite zu sein scheinen.« Lewin warf sich in seinem Stuhle zurück; sein Gesicht sah bleich aus. »Ich würde dir eben raten, die Sache sobald als möglich zur Entscheidung zu bringen. Heute rate ich dir nicht, zu reden,« fuhr Stefan Arkadjewitsch fort, »aber morgen früh fahre zu ihr hin und mache ihr eine klassische Erklärung; Gott möge dich dabei segnen.« »Was übrigens deine Absicht anlangt, zu mir zur Jagd zu kommen, so komme nur im Frühjahr zu mir,« antwortete Lewin. Er bereute jetzt aus ganzer Seele, dies ganze Gespräch mit Stefan Arkadjewitsch begonnen zu haben. Sein »Gefühl«, wie er seine Liebe nannte, war sowohl durch den Bericht über die Konkurrenz eines Petersburger Offiziers, als durch die Vorschläge und den Rat Stefan Arkadjewitschs verletzt. Stefan Arkadjewitsch lächelte. Er verstand, was in der Seele Lewins vorging. »Ich werde schon einmal kommen,« sagte er. »Ja, ja, liebster Freund, die Frauenzimmer sind eine Schraube, um die sich alles dreht. Auch meine Situation ist übel, sehr übel. Und alles kommt nur von den Weibern. Sprich einmal aufrichtig,« fuhr er fort, sich eine Cigarre nehmend und mit der anderen das Glas haltend, »und gieb mir einen Rat.« »Worin?« »Nun, im folgenden. Nehmen wir an, du wärest verheiratet, liebtest dein Weib, würdest aber von einer anderen verführt« -- »Entschuldige, das verstehe ich entschieden nicht, ebensowenig, wie ich etwa -- es ist ja gleich was ich nehme -- wie ich nicht begreifen könnte, wenn ich mir jetzt, nachdem wir uns satt gegessen haben, an einem Bäckerladen vorübergehend, eine Semmel stehlen sollte.« Die Augen Stefan Arkadjewitschs glänzten mehr als gewöhnlich. »Weshalb das? Die Semmel kann bisweilen so appetitlich duften, daß du es doch nicht aushältst: »Himmlisch ist's, wenn ich bezwungen Meine irdische Begier; Aber doch, wenn's nicht gelungen, Hatt' ich auch recht hübsch Plaisir.« Stefan Arkadjewitsch lächelte fein bei diesen Worten, auch Lewin konnte gleichfalls nicht umhin zu lächeln. »Ja, aber ohne Scherz,« fuhr Oblonskiy fort, »stelle dir vor, daß ein Frauenzimmer ein liebes, sanftes, liebevolles Wesen, arm, einsam, sich ganz dir opfert. Jetzt, da die Sache schon vollendet ist -- verstehe recht -- muß es da verlassen werden? Nehmen wir an, man müsse sich trennen, um das Familienleben nicht zu zerstören, soll man das arme Geschöpf da nicht bemitleiden, nicht unterstützen und seine Not nicht lindern?« »O, entschuldige mich doch. Du weißt, daß alle Weiber für mich in zwei Klassen zerfallen, oder nein -- richtiger -- es giebt Weiber und es giebt -- ich habe noch keine reizenden, gefallenen Geschöpfe gesehen und will keine sehen; solche aber, wie jene geschminkte Französin dort im Kontor mit ihren Bändern, sind für mich Unrat; überhaupt alle gefallenen sind es.« -- »Und die Büßerin in der Bibel?« »O, halt' inne! Christus würde diese Worte nie gesprochen haben, hätte er wissen können, wie man mit ihnen Mißbrauch treiben würde. Aus dem ganzen Evangelium kennt man eben nur diese Worte. Übrigens spreche ich nicht das aus, was ich denke, sondern das, was ich fühle; ich habe einen Ekel vor den gefallenen Weibern. Man fürchtet sich wohl vor Spinnen -- ich vor diesem Auswurf. Die Spinnen wirst du freilich wohl nach ihren Eigenarten nicht studiert haben und kennst ihre Art nicht -- ich ebensowenig.« -- »Du hast gut reden; dir ist alles gleichgültig, wie jenem Herrn in einem Romane von Dickens, der alle unbequemen Fragen mit einer Bewegung der linken Hand nach der rechten Schulter von sich abweist; indessen eine Negierung einer Thatsache ist keine Antwort. Was ich thun soll, sage mir, was ich thun soll? Die Frau wird alt und man ist lebenslustig; man hat sich kaum umgeschaut, da fühlt man, daß man sein Weib nicht mehr in Leidenschaft zu lieben vermag, so sehr man sie auch achtet. Die Liebe hat sich dann plötzlich gewandt, sie ist dahin, dahin!« Stefan Arkadjewitsch sprach mit düsterer Verzweiflung. Lewin lächelte. »Jawohl; sie ist dahin,« fuhr Oblonskiy fort, »und was soll man dann thun?« »Jedenfalls keine Semmeln stehlen!« Stefan Arkadjewitsch brach in Gelächter aus. »O, über diesen Moralprediger! Stelle dir doch nur vor; es handelt sich um zwei Weiber; die eine besteht nur auf ihrem Rechte und diese Rechte bestehen in deiner Liebe, die du ihr aber nicht geben kannst, die andere aber opfert sich dir dahin, und fordert nichts dafür. Was sollst du da thun? Wie handeln? Es ist ein entsetzliches Drama.« »Willst du in der That meine Erklärung über die Sache, so sage ich dir, daß ich nicht glauben kann, es läge hier ein Drama vor. Und zwar aus folgendem Grunde: Nach meiner Meinung dient die Liebe -- jede der beiden Arten von Liebe, wie sie, wie du weißt, Plato im »Gastmahl« definiert, --als Probierstein für die Menschen. Die einen kennen nur die eine Art, die andern nur die andere. Die welche nur die nichtplatonische Liebe kennen, sprechen unnütz über das Vorhandensein eines Dramas. >Ich danke bestens für das gehabte Vergnügen, meine besondere Hochachtung<, das ist hier das ganze Drama. Für die platonische Liebe aber giebt es kein Drama, weil in einer solchen alles offen und rein ist, weil« -- In diesem Augenblick fielen Lewin seine eigenen Sünden bei und er gedachte der inneren Kämpfe, die er durchlebt hatte. Unerwarteterweise fügte er daher hinzu: »Du kannst übrigens vielleicht doch recht haben; sehr recht. Doch ich weiß nichts, entschieden nichts.« »Da hat man es,« antwortete Stefan Arkadjewitsch, »du bist ein sehr offener Mensch. Dies eben ist deine Eigenschaft und zugleich dein Fehler. Du bist ein unverfälschter Charakter und möchtest, das ganze Leben sollte sich aus offenkundigen Erscheinungen zusammensetzen, aber dies ist leider nicht der Fall. Daher verachtest du nun die Gesellschaft mit ihrer Dienstpflicht, weil es dich verlangt, zu sehen, daß die Arbeit stets dem Zwecke entspreche, aber dies ist leider auch nicht immer der Fall. Du willst ferner, daß die Thätigkeit eines Menschen stets einen Endzweck habe, daß also auch Liebe und Familienleben stets ein Einheitliches wären, aber auch dies ist leider nicht der Fall. Alle Abwechslung, aller Reiz, alle Schönheit des Lebens besteht aus Licht und Schatten.« Lewin seufzte und antwortete nichts; er dachte an seine eigenen Angelegenheiten und hörte Oblonskiy gar nicht. Plötzlich aber empfanden sie beide, daß obwohl sie Freunde waren, miteinander diniert und Wein getrunken hatten, was sie beide doch noch mehr nähern mußte, gleichwohl ein jeder von ihnen nur mit seinen eigenen Dingen zu thun hatte, und den einen die Angelegenheiten des anderen so gar nichts angingen. Oblonskiy war nicht zum erstenmale dieser vollständigen Trennung an Stelle der Annäherung, wie sie sich heute nach dem Diner zeigte, inne geworden, und er wußte, was bei solchen Gelegenheiten zu thun war. »Zahlen!« rief er und trat in den Nebensalon, wo er sogleich einen Bekannten, welcher Adjutant war antraf, mit dem er ins Gespräch über eine Schauspielerin und deren Freund geriet. In dieser Unterhaltung mit dem Adjutanten empfand Oblonskiy sogleich Erleichterung von dem Gespräch mit Lewin, der ihn stets zu einer allzu großen geistigen und seelischen Anstrengung veranlaßte. Als der Tatar mit der Rechnung von sechsundzwanzig Rubel und einigen Kopeken erschien, zu denen noch ein Aufschlag für den Branntwein kam, verzog Lewin, den bei einer anderen Gelegenheit der Anteil seiner Rechnung von vierzehn Rubel als einen Landmann in Schrecken versetzt haben würde, keine Miene darüber, zahlte und begab sich dann nach Hause, um sich umzukleiden und zu den Schtscherbazkiy zu fahren, wo sich sein Schicksal entscheiden sollte. 12. Die junge Fürstin Kity Schtscherbazkaja zählte achtzehn Sommer. Im vergangenen Winter war sie zum erstenmal in der Öffentlichkeit erschienen und ihre Erfolge in der großen Welt waren größer, als diejenigen ihrer beiden älteren Schwestern, größer als die Fürstin selbst erwartet hatte. Wenn schon die jungen Männer, die auf den Moskauer Bällen tanzten, fast sämtlich in Kity verliebt waren, hatten sich dieser bereits im Lauf der ersten Saison auch zwei ernste Partieen eröffnet, Lewin, und sogleich nach dessen Abreise der Graf Wronskiy. Das Erscheinen Lewins zu Beginn des Winters, seine häufigen Besuche und seine offenbare Liebe zu Kity waren der Anlaß zu den ersten ernsten Auseinandersetzungen der Eltern Kitys über deren Zukunft, und zu Streitigkeiten zwischen dem Fürsten und der Fürstin. Der Fürst war auf seiten Lewins; er sagte, daß er für Kity keine bessere Partie wünschen könne; die Fürstin aber, mit der den Frauen eigenen Gewohnheit, die Hauptfrage zu umgehen, war der Ansicht, daß Kity noch viel zu jung sei, Lewin noch in keiner Hinsicht bewiesen habe, daß er ernste Absicht hege, daß Kity keine Neigung zu ihm empfinde &c.; die Hauptsache aber sagte sie nicht, nämlich, daß sie auf eine noch bessere Partie für die Tochter warte, und daß Lewin ihr nicht sympathisch war, daß sie ihn nicht verstehe. Als Lewin unerwartet abgereist war, freute sich die Fürstin und sagte triumphierend zu ihrem Gemahl: »Siehst du, ich hatte recht.« Nachdem Wronskiy erschienen war, geriet sie noch mehr in Freude, in ihrer Meinung bestärkt, Kity müsse nicht einfach nur eine gute Partie machen, sondern eine glänzende. Für die Mutter gab es gar keine Möglichkeit einer Parallele zwischen Lewin und Wronskiy. Der Mutter gefielen an Lewin dessen seltsame, entschiedene Urteile nicht, seine Plumpheit in der vornehmen Welt, die sich, wie sie annahm, auf Stolz gründete und sein nach ihren Begriffen gleichsam wildes Leben auf dem Dorfe mit seinen Beschäftigungen in der Viehzucht, seinem Verkehr mit den Bauern. Auch dies gefiel ihr nicht sehr, daß er, obwohl in ihre Tochter verliebt, anderthalben Monat hindurch ihr Haus besuchte, als erwarte er etwas; ausschaute, als fürchte er, eine zu große Ehre zu erweisen, wenn er mit einem Antrag käme, und nicht begriff, daß man sich erklären müsse, wenn man ein Haus besuche, dessen Tochter heiratsfähig war. Plötzlich, ohne sich zu erklären, war er abgereist. »Nur gut, daß er nicht zu sehr anziehend gewesen ist, daß Kity sich nicht in ihn verliebt hat,« dachte die Mutter. Wronskiy hingegen entsprach allen Wünschen derselben. Er war sehr reich, klug, wissend, im Begriff, eine glänzende militärische Hofcarriere zu machen, ein verführerischer Mann. Man konnte keine bessere Partie wünschen. Auf den Bällen bewarb sich Wronskiy offen um Kity; tanzte mit ihr, besuchte das Elternhaus und es schien wohl kaum an dem Ernste seiner Absichten ein Zweifel obzuwalten. Aber nichtsdestoweniger hatte sich die Mutter den ganzen Winter hindurch in einem Zustande seltsamer Unruhe und Erregung befunden. Die Fürstin selbst war vor dreißig Jahren auf die Werbung einer Tante hin in den Stand der Ehe getreten. Ihr Bräutigam, den man schon von vornherein recht wohl kannte, hatte die Braut erblickt, man hatte auch ihn gesehen, die Tante hatte alles erkannt und die wechselseitigen Eindrücke mitgeteilt; diese lauteten günstig und an einem vorherbestimmten Tage wurde den Eltern die erwartete Erklärung gemacht und von ihnen acceptiert. Das alles war äußerst leicht und einfach vor sich gegangen; wenigstens schien es der Fürstin so. Aber an ihren Töchtern hatte sie erfahren, daß es gar nicht so leicht und einfach sei, was so gewöhnlich schien, das Unternehmen, Töchter zu verheiraten. Wie viel Befürchtungen wurden da nicht durchlebt, wie viel Gedanken durchdacht, wie viel Geld verloren, wie viel Zusammenstöße gab es mit ihrem Manne betreffs der Aussteuer der beiden ältesten Töchter, Darjas und Natalys. Jetzt, bei dem ersten Auftreten der jüngsten, durchlebte man die nämlichen Befürchtungen, die nämlichen Zweifel, den nämlichen Streit, diesen aber nur noch größer, als er es bei den älteren Töchtern gewesen war. Der alte Fürst war, wie alle Väter, besonders feinfühlig in Bezug auf die Ehre und Makellosigkeit seiner Töchter; er war rücksichtslos eifersüchtig auf diese und namentlich auf Kity, die sein Liebling war. Auf jeden Schritt hin verursachte er der Fürstin Scenen, weil sie die Tochter kompromittiert haben sollte. Die Fürstin hatte sich daran gewöhnt, schon von ihren älteren Töchtern her, jetzt aber fühlte sie, daß die Empfindlichkeit des Fürsten eine tiefere Berechtigung besaß. Sie bemerkte recht wohl, daß sich in den letzten Zeiten vieles in den Manieren der Gesellschaft verändert hatte, daß die Pflichten einer Mutter schwierigere geworden waren. Sie sah, daß die Altersgenossinnen Kitys Cirkel hielten, sich an Kursen beteiligten, freier mit der Männerwelt verkehrten, allein ausfuhren, vielfach nicht mehr knicksten, und, was die Hauptsache war, die feste Überzeugung besaßen, daß die Wahl eines Zukünftigen nur ihre Sache sei, nicht diejenige der Eltern. »Man giebt uns heutzutage nicht mehr den Männern in die Ehe, wie ehemals,« dachten und sagten alle diese Mädchen und selbst auch alle älteren Leute. Aber wie verheiratet man sie denn dann heutzutage? Die Fürstin fand bei niemand Aufschluß darüber. Die französische Sitte, den Eltern das Geschick der Kinder in die Hände zu legen, war nicht üblich, sie wurde verurteilt. Die englische Sitte, der Tochter völlige Freiheit zu lassen, war ebenfalls nicht in Aufnahme und in der russischen Gesellschaft überhaupt undenkbar. Die russische Sitte der Freiwerbung wurde als unfein betrachtet, jedermann lachte jetzt über sie, die Fürstin selbst sogar; aber gleichwohl wußte niemand, auf welche Weise eine Tochter heiraten könne, und alle, mit denen die Fürstin über dieses Thema ins Gespräch kam, sagten ihr das Eine, man müsse eben in der gegenwärtigen Zeit Abstand nehmen vom Althergebrachten. Daher müsse man die Jugend allein in die Ehe treten lassen, ohne der Eltern Geleit; vielleicht selbst die jungen Leute sich einrichten lassen, wie sie es verständen. Indessen so gut reden hatten nur diejenigen, welche keine Töchter besaßen, und die Fürstin wußte recht wohl, daß bei einer Annäherung ihre Tochter sich verlieben könne, in jemand verlieben, der sie gar nicht heiraten wollte, oder in jemand, der nicht zu ihrem Gatten taugte. So viel man denn daher der Fürstin zuredete, man müsse jetzt die Jugend sich selbst überlassen, vermochte diese doch nicht, dem Gehör zu schenken, ebenso wie sie nie geglaubt haben würde, daß zu irgend einer Zeit für fünfjährige Kinder geladene Pistolen als bestes Spielzeug gedient hätten. Aus diesem Grunde hegte die Fürstin um Kity mehr Besorgnisse, als dies bei ihren älteren Töchtern der Fall gewesen war. Sie fürchtete jetzt, Wronskiy könnte sich vielleicht nicht nur damit begnügen, ihrer Tochter den Hof zu machen. Sie gewahrte, daß diese sich in den jungen Mann schon verliebt hatte, aber sie beruhigte sich damit, daß er doch ein Ehrenmann sei und deshalb das Befürchtete nicht thun werde. Zu gleicher Zeit aber wußte sie auch, wie leicht es in der herrschenden Freiheit des Verkehrs sei, einem jungen Mädchen den Kopf zu verdrehen, und wie leicht die Männerwelt im allgemeinen auf ein solches Vergehen zu blicken pflege. In der vergangenen Woche hatte Kity der Mutter ein Gespräch erzählt, welches sie mit Wronskiy während einer Mazurka gehabt hatte. Dieses Gespräch beruhigte die Fürstin zum Teil, aber vollständig nicht. Wronskiy hatte zu Kity gesagt, daß er und sein Bruder so gewöhnt wären, in allem ihrer Mutter sich unterzuordnen, daß sie niemals einen wichtigen Schritt zu unternehmen pflegten, ohne sie um Rat dabei gefragt zu haben. »Auch jetzt warte ich, wie auf ein besonderes glückliches Ereignis, auf die Ankunft meiner Mutter aus Petersburg,« hatte er gesagt. Kity erzählte dies, ohne den Worten eine Bedeutung beizulegen, aber die Mutter nahm das Gehörte anders auf. Sie wußte, daß man auf die alte Dame von Tag zu Tag warte, wußte, daß diese erfreut sein werde über die Wahl des Sohnes und es erschien ihr seltsam, daß er, in der Besorgnis vor seiner Mutter, nicht doch eine Erklärung machte. Gleichwohl aber wünschte sie den Ehebund sehr, und vor allem eine Beruhigung in ihren Besorgnissen, so daß sie dem Bericht Vertrauen schenkte. So bitter wie es ihr auch jetzt war, das Unglück ihrer ältesten Tochter Dolly mit ansehen zu müssen, die sich vorbereitete, den Gatten zu verlassen, so erstickte jetzt doch die Erregung über das sich entscheidende Schicksal ihrer jüngsten Tochter alle anderen Gefühle. Der heutige Tag hatte nun mit dem Erscheinen Lewins eine neue Sorge gebracht. Sie fürchtete, daß die Tochter, welche wie ihr schien, einmal für Lewin ein Ohr gehabt hatte, aus überspanntem Ehrgefühl Wronskiy abweisen, und daß überhaupt die Ankunft Lewins die Dinge, die so nahe der Entscheidung waren, verwickeln und aufhalten werde. »Was will er, ist er schon seit Längerem hier angekommen?« frug die Fürstin bezüglich Lewins, als man nach Haus zurückkehrte. »Heute, =maman=!« »Ich möchte nur das Eine sagen,« begann die Fürstin, und an ihrem ernsten, erregten Gesicht erriet Kity, wovon die Rede sein werde. »Mama,« begann sie, auffahrend und sich schnell nach der Mutter umwendend, »sprecht, ich bitte um alles, nicht davon; ich weiß, ich weiß alles!« Sie wünschte dasselbe, was die Mutter wünschte, aber die Motive des Wunsches bei ihrer Mutter beleidigten sie. »Ich will nur sagen, daß wenn du Einem Hoffnung gegeben hast« -- »Mama, meine Liebe, um Gottes willen, sprecht nicht. Es ist mir so entsetzlich, hiervon zu reden!« »Ich werde nichts mehr sagen,« antwortete die Mutter, Thränen in den Augen ihrer Tochter bemerkend, »aber eins noch, mein Herzchen: du hast mir versprochen, vor mir kein Geheimnis haben zu wollen. Nicht so?« »Niemals, Mama, ich werde nie eins haben,« antwortete Kity, errötend und offen ins Antlitz der Mutter blickend. »Aber ich habe jetzt nichts zu sagen -- ich -- wenn ich auch wollte -- ich weiß nichts -- was ich sagen sollte -- ich weiß nichts.« »Nein; mit diesen Augen kann man nicht die Unwahrheit sprechen,« dachte die Mutter, lächelnd auf ihres Kindes Erregung und Glück blickend. Die Fürstin lächelte darüber, daß ihm, dem armen Kinde alles das so ungeheuerlich und bedeutungsvoll erscheine, was jetzt in dessen Seele vor sich ging. 13. Kity empfand nach der Mittagsmahlzeit, bis zum Einbruch des Abends hin ein Gefühl ähnlich dem, wie es der Jüngling vor der Schlacht hat. Ihr Herz pochte mächtig und ihre Gedanken wollten sich durchaus nicht um einen festen Punkt konzentrieren lassen. Sie fühlte, daß der heutige Abend, an welchem sie sich zum erstenmal beide wieder begegnen sollten, ein entscheidender für ihr Geschick werden würde, und sie stellte sich unaufhörlich die beiden Männer im Geiste vor, bald jeden einzeln, bald beide nebeneinander. Entsann sie sich der Vergangenheit, so verweilte sie mit Vergnügen und wohliger Empfindung bei der Erinnerung an ihre Beziehungen zu Lewin. Die Erinnerungen an ihre Kindheit und an die Freundschaft Lewins mit ihrem seligen Bruder gaben ihren Beziehungen zu ihm einen eigenartigen, poetischen Reiz. Seine Liebe zu ihr, von der sie überzeugt war, erschien ihr schmeichelhaft und verursachte ihr Freude. Und es fiel ihr nicht schwer, sich Lewins zu erinnern. In ihre Gedanken an Wronskiy hingegen mischte sich etwas wie Schwerfälligkeit, obwohl er im höchsten Maße Weltmann und von sehr ruhiger Haltung war; gleichsam als wäre etwas Falsches dabei -- nicht in ihm, denn er war sehr treuherzig und freundlich, sondern in ihr, während sie sich bezüglich Lewins vollkommen ruhig und klar erschien. Dachte sie jedoch allein an die Zukunft mit Wronskiy, so entstand dafür vor ihr eine Perspektive von Glück und Glanz, während ihr über der mit Lewin nur ein Nebel zu liegen schien. Als sie emporstieg, um sich für den Abend umzukleiden, und in den Spiegel schaute, bemerkte sie mit Freude, daß sie heute einen ihrer besten Tage habe und sich im vollen Besitz aller ihrer Kräfte befinde -- dies war ihr ja auch so nötig für das Bevorstehende. Sie fühlte in ihrem Inneren ihre äußere Ruhe und war sich einer freien Grazie in ihren Bewegungen bewußt. Um halb acht Uhr -- sie war soeben in den Salon getreten -- meldete der Diener »Konstantin Dimitritsch Lewin!« Die Fürstin war noch in ihren Räumen, der Fürst war ebenfalls noch nicht erschienen. »Sei's drum,« dachte Kity und alles Blut trat ihr zum Herzen. Sie erschrak ob ihrer Blässe, als sie in den Spiegel geblickt hatte. Jetzt wußte sie sicher, daß er nur deshalb frühzeitiger ankam, um sie allein zu treffen und ihr seinen Antrag zu machen. Mit dieser Erkenntnis aber erschien ihr die ganze Angelegenheit zum erstenmale in einem ganz anderen, neuem Lichte. Jetzt erst erkannte sie, daß die Frage nicht sie allein anging, mit wem sie glücklich sein könnte und wen sie liebte, sondern daß sie in dieser Minute einen Mann schmerzlich treffen sollte, den sie wirklich liebte. Wie hart sollte sie ihn treffen; und warum? Darum, weil er, ein guter Mensch, sie liebte, eine Leidenschaft zu ihr gefaßt hatte. Indessen, es war nichts zu thun; wie es die Pflicht erheischte, so mußte gehandelt werden. »Mein Gott, muß ich denn aber selbst ihm dies sagen?« dachte sie, »soll ich ihm sagen, daß ich ihn nicht liebe? Das wäre ja eine Unwahrheit. Was soll ich also nun sagen? Etwa, daß ich einen anderen liebte? Das ist unmöglich. Ich werde fliehen, forteilen!« Sie war bereits bis zur Thür gelangt, als sie seine Schritte vernahm. »Nein, das ist nicht ehrenhaft; was habe ich zu fürchten? Ich habe nichts Schlechtes gethan! Was sein soll, muß sein! Ich will die Wahrheit sagen, mit ihm kann ich nicht falsch verfahren. Da ist er!« sprach sie zu sich selbst, seine kraftvolle Gestalt mit den blitzend auf sie gerichteten Augen zaghaft eintreten sehend. Sie blickte ihm offen ins Antlitz, als wolle sie ihn um Schonung bitten, und reichte ihm ihre Hand. »Ich komme nicht zur rechten Zeit, wie mir scheint, ein wenig zu früh,« hub er an, im leeren Salon Umschau haltend. Als er gewahrte, daß seine Hoffnungen sich erfüllt hatten, daß nichts ihn hindere, sich auszusprechen, wurden seine Mienen düster. »O nein,« antwortete Kity, an einem Tische Platz nehmend. »Ich wollte eben, daß ich Euch allein anträfe,« begann er, ohne sich zu setzen und ihren Blick vermeidend, um seine Fassung nicht zu verlieren. »Mama wird sogleich erscheinen. Sie war gestern sehr ermüdet, gestern --« Sie sprach, ohne recht zu wissen, was ihre Lippen hervorbrachten, und ohne den beschwörenden und bittenden Blick von ihm zu wenden. Er schaute sie an; sie errötete und verstummte. »Ich sagte Euch schon, daß ich selbst nicht wisse, ob ich für längere Zeit hierher gekommen wäre -- daß dies von Euch abhängt« -- Sie neigte das Haupt tiefer und tiefer, ohne zu wissen, was sie auf das Kommende zu antworten haben würde. »Dies hängt von Euch ab,« wiederholte er; »ich wollte sagen -- ich wollte sagen -- ich bin deshalb gekommen, damit -- Ihr mein Weib würdet« -- sagte er, ohne zu wissen, was er sprach; aber im Gefühl, daß er das Furchtbare gesprochen hatte, stockte er und schaute sie an. Sie atmete schwer, ohne den Blick zu ihm zu erheben; ein Entzücken durchrieselte sie; ihre Seele war voll Glück. Nie hätte sie erwartet, daß das Geständnis seiner Liebe zu ihr auf sie einen so mächtigen Eindruck machen würde. Doch dies währte nur einen Augenblick; sie erinnerte sich Wronskiys und sie erhob ihre hellen, offenen Augen zu Lewin; als sie sein verzweiflungsvolles Gesicht bemerkte, antwortete sie: »Es kann nicht sein -- vergebt mir.« Wie nahe war sie noch vor einer Minute ihm gewesen, wie wertvoll war sie ihm da noch für das Leben -- und wie fremd stand sie jetzt vor ihm, wie weit! »Es mußte so kommen,« sprach er, ohne sie anzublicken. Er verneigte sich und wollte gehen. 14. In diesem Moment erschien die Fürstin. Auf ihrem Antlitz malte sich Erschrecken, als sie die beiden allein erblickte, mit ihren zerstreuten Mienen. Lewin verbeugte sich vor ihr, ohne ein Wort zu reden. Kity schwieg, ohne das Auge zu erheben. »Gott sei Dank, sie hat refüsiert,« dachte die Mutter und ihr Gesicht erglänzte in dem gewohnten Lächeln, mit dem sie des Donnerstags ihre Gäste zu bewillkommen pflegte. Sie ließ sich nieder und begann Lewin über das Leben auf dem Lande zu befragen. Auch er nahm Platz, die Ankunft der Gäste erwartend, um so unbemerkt den Salon verlassen zu können. Nach Verlauf von fünf Minuten erschien eine Freundin Kitys, die im vergangenen Winter geheiratet hatte, die Gräfin Nordstone. Sie war ein mageres, gelbliches krankhaftes und nervenschwaches Geschöpf mit schwarzen, blitzenden Augen. Sie liebte Kity und ihre Liebe zu derselben drückte sich -- wie gewöhnlich die Liebe der Verheirateten zu Unverheirateten -- in dem Wunsch aus, Kity einen Mann zu verschaffen, der ihrem Ideal von Glück entspräche; sie wünschte Kity mit Wronskiy zu vereinen. Lewin, dem sie im Anfang des Winters häufig begegnet war, war ihr stets unsympathisch gewesen, und ihre stete Beschäftigung bei einer Begegnung mit ihm war die, sich über ihn lustig zu machen. »Ich liebe es, wenn er von der Höhe seines Selbstgefühls auf mich herabblickt, entweder seine geistvolle Unterhaltung mit mir abbricht, weil ich ihm zu dumm bin, oder sich zu mir herabläßt. Ich liebe das sehr, wenn er sich so herabläßt, und bin froh, daß er mich nicht ausstehen kann,« äußerte sie sich über ihn. Sie hatte recht, denn Lewin konnte sie in der That nicht ausstehen und blickte verächtlich auf sie, weil sie sich -- was sie sich als Vorzug anrechnete -- mit ihrer Nervenschwäche brüstete, mit ihrer vornehmen Geringschätzung, ihrer Indifferenz gegenüber allem Derberen und Prosaischen. Zwischen Nordstone und Lewin bestand jene in der Welt so häufige Erscheinung daß sich zwei Menschen, dem Äußeren nach in den freundschaftlichsten Beziehungen zu einander stehend, bis zu einem Grade verachten, daß sie nicht mehr ernst miteinander verkehren können und nicht imstande sind, noch eine gegenseitige Kränkung zu empfinden. Die Gräfin Nordstone eilte Lewin sogleich entgegen. »Ah, Konstantin Dmitritsch! Wieder zurückgekehrt nach unserem ausschweifenden Babylon,« begann sie, ihm die kleine gelbe Hand reichend, und sich seiner Worte erinnernd, die er im Beginne des Winters geäußert hatte, Moskau sei ein Babylon. »Das Babylon hat sich gebessert, aber Ihr seid schlechter geworden!« fügte sie hinzu, lächelnd auf Kity blickend. »Es ist mir sehr schmeichelhaft Gräfin, daß Ihr Euch meiner Worte so wohl entsinnt,« versetzte Lewin, bereit, den Hieb zu parieren und sogleich in sein scherzhaft gegnerisches Verhältnis zur Gräfin Nordstone tretend, »wahrscheinlich haben sie recht schwer auf Euch eingewirkt.« »Ah gewiß; ich schreibe ja alles nieder. Nun, Kity, bist du wieder Schlittschuh gefahren?« Sie begann jetzt, mit Kity zu sprechen. So schlecht gewählt jetzt auch die Zeit sein mochte, sich zu verabschieden, so wollte Lewin doch lieber diese Taktlosigkeit begehen, als den ganzen Abend hindurch hier zu bleiben und Kity sehen zu müssen, die nur selten nach ihm hinschaute und seine Blicke vermied. Er wollte sich erheben, allein die Fürstin, wohl bemerkend daß er sich schweigend verhielt, wandte sich an ihn. »Seid Ihr für längere Zeit nach Moskau gekommen? Ihr seid doch wohl im Friedensgericht und da wird sich ein langer Aufenthalt nicht ermöglichen lassen?« »Nein, Fürstin, ich befasse mich jetzt nicht mehr mit dem Semstwo,« antwortete er. »Ich bin für einige Tage hierher gekommen.« »Mit dem ist es nicht ganz richtig,« dachte die Gräfin Nordstone, sein strenges, ernstes Gesicht bemerkend; »es scheint ihm etwas nicht in den Kram zu passen. Doch ich werde ihn blamieren; ich habe es gar zu gern, ihn als Narren hinstellen zu können vor Kity; und ich werde es thun.« »Konstantin Dmitritsch,« begann sie zu Lewin, »sagt mir doch, ich bitte recht schön -- was hat das zu bedeuten -- Ihr wißt doch ja alles. Bei uns in Kaluga haben alle die Bauern und alle die Weiber alles vertrunken, was sie hatten, und zahlen uns jetzt keine Steuern mehr. Was hat das zu bedeuten? Ihr lobt doch die Bauern sonst stets!« -- In diesem Augenblick trat eine Dame in den Salon und Lewin erhob sich. »Entschuldigt mich, Gräfin, aber ich weiß in der Sache wahrhaftig nichts zu sagen,« versetzte er, den Blick nach dem der Dame folgenden Offizier richtend. »Dies muß Wronskiy sein,« dachte Lewin, und blickte nach Kity, um sich hierüber Gewißheit zu verschaffen. Diese war Wronskiys schon ansichtig geworden und schaute jetzt nach Lewin. An dem einen unwillkürlich aufglänzenden Blicke ihrer Augen erkannte Lewin, daß Kity diesen Mann liebte, und er erkannte dies so sicher, als hätte sie es ihm mit Worten ausgesprochen. Aber was war das für ein Mann? Jetzt, -- mochte es gut sein, oder nicht, -- mußte Lewin noch länger bleiben; er mußte erfahren, was dies für ein Mensch war, den Kity liebte. Es giebt Menschen, die ihrem in irgend einer beliebigen Sache glücklicheren Nebenbuhler von vornherein bereit sind, alles Gute was in ihm ist, abzusprechen, und allein das Schlechte in ihm wahrzunehmen. Es giebt aber auch im Gegensatz hierzu Menschen, die um jeden Preis wünschen, in diesem glücklicheren Nebenbuhler diejenigen Eigenschaften zu entdecken, vermöge deren sie selbst überwunden wurden, und sie suchen dann in ihm, mit schmerzlicher Angst im Herzen, allein das Gute. Lewin gehörte zu dieser Art von Menschen; aber es fiel ihm nicht schwer, das Gute und Anziehende an Wronskiy zu entdecken; es fiel ihm von selbst in die Augen. Wronskiy war nicht groß, ein stämmiger brünetter junger Mann mit freundlichem, hübschen und außerordentlich ruhigem und entschlossenen Gesichtsausdruck. In seinem Antlitz und in seiner Erscheinung, von den kurzgeschnittenen schwarzen Haaren und dem frischrasierten Kinn an bis zu der weiten, nagelneuen Uniform war alles an ihm einfach und doch zugleich schön. Der eintretenden Dame den Vortritt lassend, schritt Wronskiy auf die Fürstin zu und wandte sich dann an Kity. Während er zu dieser hintrat, erglänzten seine hübschen Augen in einem besonderen, zarten Feuer, und mit kaum bemerkbarem, glücklichem und bescheiden triumphierendem -- so schien es wenigstens Lewin -- verbeugte er sich ehrfurchtsvoll und ritterlich und reichte ihr seine ziemlich kleine, aber breite Hand. Nachdem er alle anderen begrüßt und einige Worte gewechselt hatte, setzte er sich, ohne auch nur ein einziges Mal nach Lewin zu schauen, der keinen Blick von ihm verwandte. »Gestattet, daß ich bekannt mache,« hub jetzt die Fürstin an, auf Lewin weisend: »Konstantin Dmitritsch Lewin -- Graf Aleksey Kyrillowitsch Wronskiy.« -- Wronskiy erhob sich, freundlich auf Lewin blickend und ihm die Hand drückend. »Ich hätte mit Ihnen heuer im Winter dinieren müssen, scheint mir,« begann er mit seinem guten und offenherzigen Lächeln, »aber Ihr waret so unerwartet auf das Land gereist.« »Konstantin Dmitritsch verachtet und haßt das Stadtleben und uns, die Städter,« warf die Gräfin Nordstone ein. »Meine Worte müssen doch recht sehr auf Euch eingewirkt haben, da Ihr derselben so sehr gedenkt,« sagte Lewin, wurde aber rot, da ihm einfiel, daß er diese Worte bereits vorher gesprochen hatte. Wronskiy blickte Lewin an und dann die Gräfin Nordstone und lächelte. »Haltet Ihr Euch stets auf dem Lande auf?« frug er, »ich sollte meinen, im Winter ist das langweilig?« »Es ist nicht langweilig, wenn man Beschäftigung hat und mit mir selbst langweile ich mich nicht,« antwortete Lewin fest. »Ich liebe das Dorf,« fuhr Wronskiy fort, sich den Anschein gebend, als bemerke er den Ausdruck und den Ton Lewins nicht. »Aber ich hoffe doch, Graf, daß Ihr nie einverstanden damit sein würdet, stets daselbst zu leben,« rief die Gräfin Nordstone. »Ich weiß nicht, da ich das Landleben auf die Dauer nicht erprobt habe. Ich empfand stets ein seltsames Gefühl,« antwortete Wronskiy, »aber nirgends habe ich mich so gesehnt, in Langerweile, nach dem Dorfe, dem russischen Dorfe mit seinen Bastschuhen und Muschiks, als zur Zeit, da ich mit Mama einen Winter in Nizza verlebte. Nizza ist an und für sich langweilig, Ihr wißt es ja; selbst Neapel, Sorrento sind nur für kurze Zeit schön. Gerade dort gedenkt man besonders lebhaft Rußlands und vor allem des Dorfes. Jene Orte sind gleichsam« -- Er sprach weiter, zu Kity wie zu Lewin gewendet und seine ruhigen und freundlichen Blicke von einem auf den andern gleiten lassend; er sagte offenbar das, was er eben dachte. Da er bemerkte, daß die Gräfin Nordstone etwas einwerfen wollte, hielt er inne, ohne den angefangenen Satz zu vollenden und begann, dieser aufmerksames Gehör zu schenken. Das Gespräch verstummte keine Minute, so daß die alte Fürstin, welche stets für den Fall eintretenden Mangels an einem Gesprächsthema zwei schwere Geschütze in Reserve hatte, nämlich die klassische und die reale Bildung und die allgemeine Militärpflicht, gar nicht in die Lage kam, dieselben auffahren zu müssen, während die Gräfin Nordstone keine Gelegenheit finden konnte, sich an Lewin zu reiben. Dieser bezeugte keine Lust, in das allgemeine Gespräch einzugreifen; er sagte jeden Augenblick zu sich selbst, er müsse nun fort, und dennoch ging er nicht gleichwie in der Erwartung irgend eines Ereignisses. Die Unterhaltung kam jetzt auf Tischrücken und Geister, und die Gräfin Nordstone, welche an den Spiritismus glaubte, begann von Wundern zu erzählen die sie gesehen haben wollte. »O, Gräfin, bringt mich, ich bitte Euch um aller Heiligen willen, mit den Geistern in Verbindung! Noch niemals habe ich etwas Ungewöhnliches erlebt, und suche doch allüberall darnach,« sagte Wronskiy lächelnd. »Gut, nächsten Sonnabend,« versetzte die Gräfin Nordstone, »Ihr aber, Konstantin Dmitritsch, glaubt Ihr denn an die Geister?« frug sie Lewin. »Weshalb fragt Ihr mich? Ihr wißt ja doch wohl, was ich antworten werde.« »Ich wünsche aber Eure Meinung zu hören.« »Meine Meinung ist nur die,« versetzte Lewin, »die sich bewegenden Stühle beweisen, daß die sogenannte gebildete Gesellschaft nicht höher steht als der Muschik. Dieser glaubt an den bösen Blick, an die Behexung, wir aber« -- »Nun, Ihr glaubt nicht?« »Ich kann es nicht, Gräfin!« »Aber wenn ich selbst gesehen habe« -- »Auch die alten Weiber erzählen, daß sie Kobolde gesehen haben.« »So denkt Ihr also, ich spreche die Unwahrheit?« Sie lachte nicht gut. »Siehst du, Mama, Konstantin Dmitritsch sagt, er könne nicht daran glauben,« sagte Kity, über Lewin errötend; dieser verstand das, und wollte, noch mehr in Erregung geratend, antworten, allein Wronskiy mit seinem offenen, heiteren Lächeln, kam dem Gespräch sogleich zu Hilfe, da es unangenehm zu werden drohte. »Ihr gebt eine Möglichkeit absolut nicht zu?« frug er, »weshalb nicht? Wir räumen doch die Existenz der Elektricität, die wir noch nicht näher kennen, ein; weshalb sollte da nicht auch eine neue Kraft die uns noch unbekannt ist, vorhanden sein können, welche« -- »Als die Elektricität entdeckt wurde,« erwiderte Lewin schnell, »so war nur deren Offenbarung entdeckt und es blieb Geheimnis, woher sie stamme und was sie bewirke; Jahrhunderte aber vergingen, bevor man an ihre Verwendung dachte. Die Spiritualisten hingegen begannen damit, daß ihnen ihre Tische etwas aufschrieben, daß die Geister zu ihnen kamen, und dann erst sagten sie, es sei dabei eine unerforschte Kraft vorhanden.« Wronskiy hörte aufmerksam auf Lewins Worte, wie er es eben stets that; augenscheinlich von denselben interessiert. . 1 2 3 4 . 5 6 7 , . 8 9 » , , « , 10 11 . » , « , 12 , . 13 14 , 15 , ; 16 , 17 , 18 , , 19 . 20 21 » ? « , 22 , » ? « 23 24 , , 25 , . 26 , , 27 , , , 28 ; , , , 29 , , 30 , . 31 32 » ? , ; 33 , « . » , 34 , , ; 35 , , 36 « - - 37 38 » , , , 39 , « . 40 41 » , « . » , 42 , . 43 , , 44 ; 45 , . 46 , , 47 , 48 . « 49 50 . 51 52 » , . 53 . « 54 55 » . ; , 56 , , 57 , , 58 , 59 . « 60 61 » , « , » 62 : 63 . « 64 65 » , 66 . « 67 68 » . . « 69 70 . 71 , , 72 , 73 . 74 75 » ? « 76 , , 77 , . 78 79 » , , « , » , 80 . « 81 82 » ! , - - , 83 , ! , = 84 = , « . » , 85 . 86 ! , 87 ? 88 , . 89 , , . « 90 91 » , , « , , » , 92 . , 93 , , . 94 « - - 95 96 » ! « , 97 . 98 99 » ? « 100 101 » , 102 , « . 103 » . « 104 105 » ? « 106 107 » , ; , 108 , - - . « 109 110 » ? « 111 112 » . , 113 , « . 114 » ? - - ! « 115 . 116 117 » ? « , 118 . 119 120 » , ; 121 , , « 122 , . 123 124 » ? « 125 , , . » 126 ? « 127 128 , 129 . 130 131 » , « , » , 132 , ! . « 133 134 » ? , 135 , « , ; 136 » , ? « 137 138 » , . ? « 139 140 » , , , ? , 141 ! , ? « - - 142 143 » ? « , 144 . 145 146 » , ; , 147 . « 148 149 » . 150 . « 151 152 » , , . « 153 154 . , 155 , 156 ; - - 157 - - ; 158 ; - - , 159 , . 160 161 » , , « , , 162 . 163 164 , 165 . 166 167 » , « , » , 168 ; , 169 , . 170 . , , ; 171 , , 172 . , . « 173 174 » , , « 175 . » : - - 176 . « - - , 177 ; 178 : » , 179 ; , , 180 , . 181 , 182 . 183 . , - - . « - - 184 185 » ? « 186 187 » , , , 188 . « 189 190 , 191 , . 192 193 » ? « . » , 194 , . , , « 195 , . 196 197 » ; . « 198 199 , ; 200 , 201 , . 202 . 203 204 » , « , » . 205 , . 206 , , . 207 , , 208 , , , 209 . , , 210 . « - - 211 212 » ? « 213 214 » , , , ; 215 . . 216 , . 217 , , . 218 , - - , 219 - - . , 220 . . 221 - - - - 222 , , , 223 , , , 224 . , 225 , . « 226 227 » , . « 228 229 » , , « , » ; 230 , , 231 . « 232 233 » ? , « 234 . 235 236 » , , 237 , 238 , . 239 . « 240 241 242 . 243 244 . 245 246 » . ? « 247 . 248 249 » , . ? « 250 251 » , « , 252 ; 253 , . 254 255 » , 256 . « 257 258 » ? « , 259 , 260 , . 261 262 » , 263 = = . 264 , 265 . , , 266 , 267 . , , 268 , ; 269 , . « 270 271 . 272 273 » , , , 274 , , . 275 , « - - 276 277 » , , « 278 , . 279 , 280 . 281 282 » , , « 283 . » , , 284 , , 285 . « 286 287 ; . 288 289 » , 290 . , , « 291 , » 292 ; . « 293 294 » , , 295 , « . 296 , . 297 » « , , 298 , 299 . 300 301 . , 302 . 303 304 » , « . » , , , 305 , . 306 , . . 307 , « , 308 , » . « 309 310 » ? « 311 312 » , . , , 313 , « - - 314 315 » , , , 316 - - - - 317 , , , 318 , . « 319 320 . 321 322 » ? , 323 : 324 325 » ' , 326 ; 327 , ' , 328 ' . « 329 330 , 331 . 332 333 » , , « , » , 334 , , , , , 335 . , - - 336 - - ? , 337 , , 338 , 339 ? « 340 341 » , . , 342 , - - - - 343 - - , 344 ; , 345 , ; 346 . « - - 347 348 » ? « 349 350 » , ' ! , 351 , . 352 . 353 , , , ; 354 . - - 355 . 356 - - 357 . « - - 358 359 » ; , 360 , 361 ; 362 . , 363 , ? ; 364 , , 365 , . 366 , , ! « 367 . 368 369 . 370 371 » ; , « , » 372 ? « 373 374 » ! « 375 376 . 377 378 » , ! ; 379 ; 380 , , 381 , . 382 ? ? . « 383 384 » , , 385 , . 386 : - - 387 , , , » « , 388 - - . , 389 . 390 , . 391 , , 392 . 393 , , « - - 394 395 396 , . 397 : 398 399 » ; . 400 , . « 401 402 » , « , » 403 . 404 . , 405 , 406 . 407 , , , 408 , 409 . , 410 , 411 , . 412 , , 413 . « 414 415 ; 416 . 417 418 , , 419 , 420 , 421 , 422 . 423 424 425 , , 426 , , . 427 428 » ! « , 429 , , 430 . 431 432 , 433 . 434 435 436 , , 437 , 438 439 , , , 440 , 441 . 442 443 444 . 445 446 . 447 448 , 449 , 450 . 451 452 , , 453 , 454 , , 455 . 456 457 , 458 459 , 460 . 461 462 ; , 463 ; , 464 , , , 465 , , 466 , . ; 467 , , 468 , , 469 . , 470 : » , 471 . « 472 473 , , 474 , 475 , . 476 477 478 . , 479 , , 480 , , 481 482 , . 483 , , , 484 , ; , 485 , , 486 , , , 487 , . , 488 , . 489 490 » , , 491 , « . 492 493 . , 494 , , , 495 , . 496 . 497 498 ; , 499 500 . 501 502 . 503 504 505 . , 506 , , 507 , 508 ; 509 510 . 511 ; . 512 , , 513 , , . 514 , 515 , , 516 , 517 . , , 518 , , 519 , , 520 . 521 522 , , 523 ; 524 , . 525 , 526 . 527 , , , 528 . 529 530 , 531 , 532 . , 533 , , 534 , , , 535 , , , 536 , . 537 538 » , 539 , « 540 . ? 541 . , 542 , , 543 . , 544 , 545 . 546 , , 547 ; , 548 , , 549 , , 550 . 551 552 , 553 ; 554 , . 555 , , 556 , , 557 , , , 558 . 559 , , 560 , , 561 , 562 . 563 , 564 . 565 566 , 567 , . , 568 , , 569 570 . 571 572 , 573 , , 574 575 . 576 577 , 578 . 579 , . 580 , , 581 , 582 , 583 . 584 585 » , , 586 , « . 587 588 , , 589 . , 590 , , 591 , , 592 , . 593 , 594 , . 595 596 , 597 , , 598 , 599 . 600 601 602 . , , , 603 , 604 , , 605 , . 606 607 » , ? « 608 , . 609 610 » , = = ! « 611 612 » , « , 613 , , . 614 615 » , « , 616 , » , , ; , 617 ! « 618 619 , , 620 . 621 622 » , « - - 623 624 » , , , . 625 , ! « 626 627 » , « , 628 , » , : 629 , . ? « 630 631 » , , , « , 632 . » 633 - - - - - - - - 634 - - . « 635 636 » ; , « 637 , . 638 , , 639 , 640 . 641 642 643 . 644 645 , 646 , . 647 648 . 649 650 , , 651 , 652 , 653 , , . 654 , 655 . 656 657 , 658 . , , 659 . 660 , . 661 662 663 , 664 ; - - 665 , , , 666 . 667 , 668 , 669 . 670 671 , , 672 , , 673 - - 674 . 675 676 . 677 678 - - - - 679 » ! « 680 681 , 682 . 683 684 » ' , « . 685 , . 686 687 , , 688 . 689 690 , . , 691 , , 692 , 693 . ; ? 694 , , , , 695 . 696 697 , ; , 698 . 699 700 » , ? « , » 701 , ? . 702 ? , ? 703 . , ! « 704 705 , . 706 707 » , ; ? 708 ! , ! 709 , . ! « 710 , 711 . 712 , , 713 . 714 715 » , , , « 716 , . , 717 , , 718 , . 719 720 » , « , . 721 722 » , , « , 723 , . 724 725 » . , - - « 726 , , , 727 . 728 729 ; . 730 731 » , , 732 - - « - - 733 734 , , 735 . 736 737 » , « ; » - - 738 - - , - - « 739 - - , , ; , 740 , . 741 742 , ; 743 ; . , 744 745 . ; 746 , 747 ; , 748 : 749 750 » - - . « 751 752 , 753 - - , 754 ! 755 756 » , « , . 757 758 . 759 760 761 . 762 763 . 764 , , 765 . 766 767 , . , 768 . » , , « 769 , 770 . 771 . 772 , , 773 . 774 775 , 776 , . 777 778 , 779 , . 780 - - 781 - - , , 782 ; 783 . , , 784 , 785 , . 786 787 » , 788 , , 789 , . 790 , , , 791 , « . 792 793 , 794 , - - 795 - - , 796 , 797 . 798 799 800 , 801 , 802 , 803 , . 804 805 . 806 807 » , ! 808 , « , 809 , , 810 , . » , 811 ! « , 812 . 813 814 » , 815 , « , , 816 817 , » . « 818 819 » ; . , , 820 ? « 821 822 , . 823 , , 824 , 825 , 826 . , , 827 , . 828 829 » ? 830 831 ? « 832 833 » , , , « 834 . » . « 835 836 » , « , 837 , ; » 838 . ; , 839 ; . « 840 841 » , « , » , 842 - - - - . 843 844 , , . 845 ? ! « - - 846 847 . 848 849 » , , 850 , « , 851 . 852 853 » , « , , 854 . 855 . 856 , 857 , , 858 . ? 859 860 , - - , , - - 861 ; , , 862 . , 863 , 864 , , . 865 , 866 , 867 , , 868 , , . 869 870 ; , 871 ; 872 . 873 874 , 875 , 876 . , 877 878 , 879 . , 880 . 881 , , 882 , , 883 - - - - 884 885 , . 886 887 , 888 , , 889 . 890 891 » , , « , 892 : » - - 893 . « - - 894 895 , 896 . » , 897 , « , » 898 . « 899 900 » , 901 , « . 902 903 » , 904 , « , , , 905 . 906 907 . 908 909 » ? « , » , 910 ? « 911 912 » , 913 , « . 914 915 » , « , , 916 . 917 918 » , , , 919 , « . 920 921 » , . 922 , « , » 923 , , , 924 , , 925 . 926 , ; , 927 . 928 . « - - 929 930 , 931 ; 932 , . , 933 , , 934 , . 935 936 , , 937 938 , 939 , , 940 , 941 , . 942 943 , ; 944 , , 945 . 946 947 , 948 , , 949 . 950 951 » , , , , 952 ! 953 , , « . 954 955 » , , « , » , 956 , ? « . 957 958 » ? , 959 . « 960 961 » . « 962 963 » , « , » 964 , 965 . , 966 , « - - 967 968 » , ? « 969 970 » , ! « 971 972 » « - - 973 974 » , . « 975 976 » , ? « 977 978 . 979 980 » , , , 981 , « , ; , 982 , , , 983 , , , 984 . 985 986 » ? « , » ? 987 , 988 , ; 989 , , « - - 990 991 » , « , » 992 , 993 ; , 994 . , 995 , , 996 , . « 997 998 , ; 999 . 1000