wandte sich hierauf sogleich an Oblonskiy. Obwohl er eine hohe Achtung vor seinem in ganz Rußland bekannten einzigen Bruder, welcher Schriftsteller war, hegte, so vermochte er es doch nicht zu ertragen, wenn man sich an ihn nicht wie an Konstantin Lewin wandte, sondern an den Bruder des berühmten Koznyscheff. »Nein, nein, ich bin kein Landrichter mehr; ich habe mit alledem gebrochen und werde zu keiner Bauernversammlung mehr fahren,« sagte er, sich an Oblonskiy wendend. »So schnell ist das gegangen!« antwortete Oblonskiy lächelnd, »aber wie ist das geschehen, und weshalb?« »Das ist eine lange Geschichte. Ich werde sie dir schon einmal erzählen,« versetzte Lewin, begann aber dabei schon im Augenblick zu berichten. »Mit kurzen Worten; ich habe mich überzeugt, daß es keinen Wirkungskreis für den Semstwo mehr giebt oder geben kann,« sagte er in einem Tone, als habe ihn soeben jemand beleidigt. »Einerseits ist er eine Spielerei; man spielt Parlament, und ich bin weder jung genug hierzu noch hinlänglich bejahrt, um an Spielzeugen Gefallen zu finden, andrerseits« -- er gähnte -- »ist er ein Mittel für die sogenannte Clique des betreffenden Landkreises, Geld zu verdienen. Früher gab es Vormundschaften, Gerichte, jetzt existiert das Semstwo, nicht unter der Flagge von Sportelschneiderei, sondern der des unverdienten Gehalts,« sprach er so hitzig, als habe jemand von den Anwesenden seine Meinung schon bestritten. »Aha, da bist du ja, wie ich sehe, wiederum in einem neuen Entwicklungsstadium, in dem des Konservatismus,« sagte Stefan Arkadjewitsch. »Indessen, wir wollen doch später mehr hierüber sprechen.« »Ja wohl. Später. Ich habe dich indessen einmal sehen müssen,« antwortete Lewin, scheel auf die Hand Grinjewitschs blickend. Stefan Arkadjewitsch lächelte kaum merklich. »Sagtest du nicht auch einmal, daß du nie und nimmermehr einen modernen Anzug anlegen würdest?« frug er, auf die Garderobe Lewins blickend, dessen Anzug augenscheinlich von einem französischen Tailleur gefertigt war. »Es ist schon so; ich sehe, daß hier eine neue Phase eingetreten ist.« Lewin errötete plötzlich, doch er errötete nicht so, wie die erwachsenen Leute, also flüchtig, und ohne daß man selbst davon Notiz nimmt, sondern so wie Knaben erröten, welche fühlen, daß sie in ihrer Befangenheit lächerlich werden, und die infolge davon mehr und mehr Scham empfinden, röter und röter werden, und fast in Thränen ausbrechen. So seltsam war es, dieses verständige, männliche Antlitz in solch einem knabenhaften Zustande zu sehen, daß selbst Oblonskiy abstand, es länger noch anzublicken. »Aber wo wollen wir uns sehen? Ich muß dich ja so dringend sprechen,« fuhr Lewin fort. Oblonskiy schien nachzudenken. »Machen wir es so: Wir fahren zu Gurin frühstücken und dort können wir uns unterhalten; bis drei Uhr stehe ich zu deiner Verfügung.« »Nein,« antwortete Lewin sinnend, »ich muß noch weiter fahren.« »Gut; dann speisen wir Mittag zusammen.« »Speisen? Ich will ja gar nichts Besonderes von dir, nur zwei Worte mit dir sprechen, dich etwas fragen; dann können wir uns meinethalben unterhalten.« »Nun, so sag mir diese zwei Worte und nach dem Mittagessen können wir weiter reden.« »Die zwei Worte sind diese,« sagte Lewin, »jedoch -- sie haben nichts Besonderes.« -- Sein Gesicht nahm plötzlich einen zornigen Ausdruck an, welcher von dem Bestreben, seine innere Gepreßtheit zu unterdrücken herrührte. »Was machen die Schtscherbazkiy? Steht es noch immer bei ihnen wie früher?« frug er. Stefan Arkadjewitsch, welcher längst wußte, daß Lewin in seine Schwägerin Kity verliebt war, lächelte fast unmerklich, seine Augen blitzten aber heiter auf. »Du sagtest mir zwar zwei Worte, ich aber bin nicht imstande, dir mit ebenso viel Worten nur zu antworten, denn -- entschuldige auf einen Augenblick« -- Ein Sekretär trat mit Akten ein und näherte sich Oblonskiy mit freundlicher Ehrerbietung und einem gewissen, allen Sekretären gemeinsamen bescheidenen Selbstbewußtsein, welches hier hervorging aus dem Gefühl der Überlegenheit über seinen Vorgesetzten in der Kenntnis der Amtsgeschäfte. Der Sekretär begann mit fragendem Ausdruck eine Angelegenheit auseinanderzusetzen. Stefan Arkadjewitsch legte ohne den Sekretär zu Ende zu hören, freundlich seine Hand auf den Arm desselben. »Nein, nein, Ihr müßt schon so thun, wie ich gesagt habe,« antwortete er ihm, seine Weisung durch ein Lächeln abschwächend und kurz auseinandersetzend, wie er die Sache auffasse. Er nahm die Akten weg und sagte: »So also macht Ihr es gefälligst wohl, Zacharias Nikitin!« Verwirrt entfernte sich der Sekretär. Lewin hatte sich während der Zeit der Beratung mit demselben vollständig wieder von seiner Verlegenheit befreit; er stand jetzt, beide Arme auf einen Stuhl gestützt und auf seinem Gesicht zeigte sich eine ironische Aufmerksamkeit. »Ich verstehe nicht, verstehe nicht,« sprach er. »Was verstehst du nicht?« frug Oblonskiy, mit sonnigem Lächeln eine Zigarette hervorholend. Er erwartete von Lewin wieder eine seltsame Deduktion. »Ich verstehe nicht, was Ihr da thut,« sagte Lewin, die Achseln zuckend. »Wie kannst du das vollen Ernstes thun?« »Wovon sprichst du denn?« »Nun, davon, daß -- Ihr nichts thut!« »So denkst du wohl, aber wir sind von Geschäften überhäuft.« »Von papiernen. Mag sein, du hast eine besondere Anlage dazu,« bemerkte Lewin. »Denkst du, daß ich etwa Mangel daran litte?« »Ist nicht ganz unmöglich,« antwortete Lewin. Aber nichtsdestoweniger liebe ich deine Erhabenheit hier und bin stolz, daß ich einen so großen Mann zum Freunde habe. Du hast mir aber doch noch nicht auf meine Frage geantwortet,« fügte er hinzu, mit verzweifelter Anstrengung Oblonskiy gerade in das Auge schauend. »Nun, gut, gut; warte noch ein wenig und du wirst schon noch hören. Es ist recht gut, wenn man nicht weniger als dreitausend Desjatinen Landes im Karazinsker Kreise besitzt und solche Muskeln hat wie du, solch eine Frische wie ein zwölfjähriges Mädchen -- aber du kommst schon auch noch auf unseren Standpunkt. Was aber jenes andere anbetrifft, wonach du frugst, so ist von einer Veränderung nichts zu berichten; schade indessen ist es, daß du so lange nicht hier gewesen bist.« »Ist etwas vorgefallen?« frug Lewin erschreckt. »Nein, nichts,« antwortete Oblonskiy. »Wir werden schon noch weiter sprechen, warum aber bist du denn eigentlich nach Moskau gefahren?« »O, davon werden wir gleichfalls nachher sprechen,« versetzte Lewin, wiederum bis an die Ohren errötend. »Schön. Ich begreife,« äußerte Stefan Arkadjewitsch. »Weißt du übrigens, ich würde dich zu mir einladen, allein meine Frau ist jetzt nicht recht gesund. Willst du indessen die Schtscherbazkiys heute sehen, so sind sie aller Wahrscheinlichkeit nach jetzt im Zoologischen Garten, von vier bis fünf Uhr. Kity läuft Schlittschuh. Fahre hin, und ich werde auch nachkommen; wir können alsdann irgendwo vereint dinieren.« »Ausgezeichnet, auf Wiedersehen also.« »Sieh aber zu, denn so wie ich dich kenne, kannst du alles plötzlich vergessen haben, oder wieder auf das Dorf gefahren sein!« rief Stefan Arkadjewitsch lachend aus. »O nein; gewiß nicht.« Er eilte davon, und besann sich erst an der Thür des Kabinetts, daß er die Kollegen Oblonskiys gar nicht zum Abschied begrüßt hatte. »Er scheint ein sehr energischer Herr zu sein,« sagte Grinjewitsch, nachdem Lewin gegangen war. »Ja, Verehrtester,« antwortete Stefan Arkadjewitsch, den Kopf schüttelnd -- »der ist doch ein Glückspilz! Dreitausend Desjatinen Landbesitz im Karazinsker Kreise, und diese Gesundheit! Könnte es unser einem nicht ebenso gut ergehen.« »Beklagt Ihr Euch etwa noch, Stefan Arkadjewitsch?« »Ach ja, es ist recht traurig, recht schlimm,« antwortete Stefan Arkadjewitsch mit einem schweren Seufzer. 6. Als Oblonskiy Lewin gefragt hatte, aus welchem Grunde derselbe eigentlich angekommen sei, war Lewin rot geworden; er war in Zorn geraten über sich, daß er rot geworden, und nicht in der Lage gewesen war, eine Antwort auf diese Frage zu geben, welche lauten sollte: »Ich bin gekommen, um deiner Schwägerin einen Antrag zu machen,« da er ja doch nur zu diesem Zwecke gekommen war. Die Familien der Lewin und Schtscherbazkiy waren von altem Moskauer Adel und standen stets miteinander in nahen und freundschaftlichen Beziehungen. Dieses Freundschaftsband wurde noch mehr befestigt zur Zeit der Universitätsstudien Lewins. Er bereitete sich zu gleicher Zeit wie der junge Fürst Schtscherbazkiy, der Bruder Dollys und Kitys, zum Studium vor, und bezog zugleich mit diesem die Hochschule. In jener Zeit war Lewin oft im Hause der Schtscherbazkiy gewesen, er hatte sich in die Familie derselben verliebt. So seltsam dies wohl erscheinen mag, aber Konstantin Lewin war thatsächlich in das Haus, in die Familie verliebt, und zwar besonders in die weibliche Hälfte der Familie Schtscherbazkiy. Lewin selbst hatte seine Mutter nie gekannt, seine einzige Schwester war älter als er, so daß er im Hause der Schtscherbazkiy zum erstenmal jenen Kreis des alten, feingebildeten und ritterlichen familiären Adelslebens kennen lernte, dessen er durch den Tod der Eltern verlustig gegangen war. Alle Glieder dieser Familie, insbesondere die weiblichen, erschienen ihm wie von einem geheimnisvollen, poetischen Schleier verhüllt und er erkannte in ihnen nicht nur keinerlei Mängel, sondern vermutete vielmehr unter jenem poetischen Schleier, der sie deckte, die erhabensten Gefühle und alle nur erdenkbaren Vollkommenheiten. Wozu die drei Damen abwechselnd den Tag hindurch französisch und englisch sprachen, weshalb sie zu bestimmter Stunde, sich abwechselnd, das Klavier spielten, dessen Klänge bei dem Bruder oben gehört wurden, bei dem sie als Studenten arbeiteten, weshalb Lehrer für die französische Litteratur, Musik, Zeichnen, Tanzen ins Haus kamen, weshalb zu bestimmten Stunden alle drei jungen Damen mit Mademoiselle Linon in der Equipage den Twerskiyboulevard hinabfuhren, in ihren Atlaspelzen -- Dolly in einem langen, Nataly in einem halblangen und Kity in einem ganz kurzen, so daß die üppigen Füßchen in den drallsitzenden, roten Strümpfchen vollständig gesehen werden konnten, weshalb sie in Begleitung eines Lakaien mit goldener Kokarde an der Mütze den Twerskiyboulevard abspazieren mußten -- alles dies und noch vieles andere, was sich in ihrem reizumwobenen Dasein abspielte, verstand er nicht; aber er wußte, daß alles, was hier vor sich ging, schön war, und er war vernarrt besonders in das Geheimnisvolle der Vorgänge. Zur Zeit seiner Universitätsstudien hätte er sich beinahe in die älteste, in Dolly, verliebt, aber man verheiratete sie sehr bald schon an Oblonskiy. Er verliebte sich hierauf in die zweitälteste. Er empfand, daß er eine der Schwestern lieben -müsse-, nur konnte er nicht zu der Erkenntnis gelangen, welche die Erkorene eigentlich sei. Indessen auch Nataly folgte -- sobald sie nur in der Gesellschaft erschienen war -- einem Diplomaten Lwoff an den Altar. Kity war noch ein Kind, als Lewin die Universität verließ. Der junge Schtscherbazkiy, welcher in die Marine eintrat, ertrank im baltischen Meere, und die Beziehungen Lewins zu den Schtscherbazkiy wurden ungeachtet seines freundschaftlichen Verhältnisses zu Oblonskiy immer entferntere. Als aber nun Lewin im laufenden Jahre zu Beginn des Winters nach Moskau kam nach einem einjährigen Aufenthalt auf dem Lande, und die Schtscherbazkiys wiedersah, da erkannte er, in welche von den drei Mädchen ihm endgültig vom Schicksal beschieden worden war, sich zu verlieben. Es hätte wohl scheinen können, als ob nichts einfacher sei als dies, daß er, ein Mann von guter Familie, eher reich als arm und im Alter von zweiunddreißig Jahren, der jungen Fürstin Schtscherbazkiy einen Heiratsantrag machte; allem Anschein nach mußte man ihn doch als eine gute Partie anerkennen. Aber Lewin war verliebt und demzufolge schien ihm, daß Kity ein in allen Beziehungen so vollkommenes Wesen sei, ein so über allem Irdischen erhabenes Geschöpf, er aber hingegen ein so gewöhnlicher Mensch, ein so niederes Wesen, daß sich nicht einmal daran denken lasse, es würde ihn irgend jemand anderes, oder gar sie selbst, als ihrer würdig ansehen. Nachdem er zwei Monate in Moskau wie im Rausche zugebracht hatte, fast jeden Tag Kity in der großen Gesellschaft sehend, wohin er sich begab, um ihr begegnen zu können, beschloß er plötzlich bei sich selbst, daß es nicht sein könne und reiste ab aufs Land. Die Überzeugung Lewins, daß es nicht in Erfüllung gehen könne, beruhte darauf, daß er in den Augen der Verwandten Kitys als eine nicht vorteilhafte, nicht angemessene Partie in Erwägung der persönlichen Vorzüge des Mädchens galt und daß dieses selbst ihn nicht lieben könne. In den Augen der Verwandten hatte er keine berufsmäßige, bestimmtgeregelte Thätigkeit, keine Stellung in der Welt, während seine Freunde jetzt, da er schon zweiunddreißig Jahre zählte, der eine Oberst und Flügeladjutant, der andere Professor, der dritte Bank- und Eisenbahndirektor, oder Gerichtspräsident geworden war wie Oblonskiy. Er aber -- der recht wohl wußte, als was er für die übrigen erscheinen mußte -- war ein Gutsbesitzer der sich mit Viehzucht, mit der Jagd auf Birkhühner und mit Bauten beschäftigte, das heißt ein talentloser Mensch, von dem nichts geleistet wurde und welcher nach den Begriffen der Gesellschaft nur das that, was taugliche Menschen eben niemals thun. Selbst die reizumwobene, schöne Kity konnte einen Mann der so unschön war, wie er selbst von sich sagte, und ganz besonders einen so einfachen, durch nichts sich auszeichnenden Menschen unmöglich lieben. Außerdem erschienen ihm seine früheren Beziehungen zu Kity -- Beziehungen eines Erwachsenen zu einem Kinde infolge seiner Freundschaft zu ihrem Bruder -- als eine neue Scheidewand vor der Liebe. Den unschönen, gutmütigen Mann für den er sich selbst hielt, konnte man wohl seiner Meinung nach als einen Freund lieben, aber um mit einer solchen Liebe geliebt zu werden, mit welcher er Kity liebte, dazu mußte man ein schöner Mensch sein, und -- was immer noch die Hauptsache dabei blieb -- man mußte ein absonderlicher Mensch sein. -- Er hatte wohl vernommen, daß die Weiber öfters auch häßliche Menschen lieben, einfache Menschen, aber er glaubte nicht daran, indem er nur nach sich selbst urteilte. Er selbst aber konnte nur schöne Weiber lieben, nur solche, die mit einem Reiz des Geheimnisvollen und Besonderen begabt waren. Nachdem Lewin so zwei Monate hindurch auf dem Lande gewesen war, überzeugte er sich, daß es sich für ihn nicht um eine jener Verliebtheiten handele, wie er sie in der Zeit seiner Jugend an sich erfahren hatte, sondern daß seine Empfindungen ihm keine Minute mehr Ruhe ließen, daß er nicht leben könne, ohne daß die Frage eine Entscheidung gefunden hätte, ob sie seine Gattin werden würde oder nicht, und daß seine ganze Verzweiflung nur aus der Vorstellung entstand, daß er nicht die geringsten Beweismittel dafür besaß, daß ihm ein Korb erteilt werden würde. So fuhr er denn jetzt nach Moskau mit dem festen Vorsatz, einen Antrag zu stellen und zu heiraten, wenn man ihn erhörte. Sonst -- -- er vermochte sich nicht zu denken, was mit ihm geschehen würde, sollte er eine Zurückweisung erfahren. 7. In Moskau mit dem Morgenzug angekommen, blieb Lewin bei seinem ältesten Bruder Koznyscheff. Nachdem er sich umgekleidet, begab er sich zu diesem ins Kabinett, entschlossen, ihm unverweilt zu berichten, zu welchem Zwecke er angekommen sei und seinen Rat zu erbitten. Aber sein Bruder war nicht allein. Bei ihm befand sich ein berühmter Professor der Philosophie, der aus Charkoff eigens deshalb gekommen war, um Zweifel, die beiden über eine sehr wichtige philosophische Frage aufgetaucht waren, aufzuklären. Der Professor führte eine sehr scharfe Polemik gegen die Materialisten und Sergey Koznyscheff war mit Interesse dieser Polemik gefolgt. Nachdem er den letzten Artikel des Professors gelesen hatte, teilte er demselben brieflich seine Einwendungen mit und machte ihm Vorwürfe, daß er den Materialisten viel zu große Konzessionen gemacht habe. Der Professor war nun sogleich selbst erschienen, um sich mit dem Briefschreiber auszusprechen. Das Thema drehte sich um eine moderne Frage: Giebt es eine Grenze zwischen den psychologischen und physiologischen Offenbarungen in der Thätigkeit des Menschen, und wo liegt sie? Sergey Iwanowitsch begrüßte seinen Bruder mit dem ihm eigenen vor jedermann angenommenen kaltfreundlichen Lächeln und fuhr, nachdem er denselben mit dem Professor bekannt gemacht hatte, in seinem Gespräch fort. Der kleine Herr in der Brille mit der schmalen Stirn ließ einen Augenblick das Gespräch fallen, um den Angekommenen zu begrüßen und setzte dann das Gespräch fort, ohne Lewin weitere Aufmerksamkeit zu widmen. Lewin saß erfüllt von der Erwartung, daß der Professor sich entfernen möchte, aber bald begann er sich selbst für den Gegenstand der Unterhaltung zu interessieren. Lewin hatte in den Journalen die Artikel gefunden, um die es sich hier handelte und sie gelesen, von ihnen angezogen als von einer Entwickelung ihm bekannter Dinge. Er hatte auf der Universität die Fundamente der Naturwissenschaften studiert, sich aber nie mit diesen wissenschaftlichen Ausführungen über die Entstehung des Menschen als eines lebenden Wesens, über die Reflexe, über Biologie und Sociologie näher beschäftigt, mit jenen Fragen über die Bedeutung des Lebens und des Todes für ihn selbst, die ihm in der jüngsten Zeit öfters in den Sinn gekommen waren. Beim Anhören der Unterredung des Bruders mit dem Professor bemerkte er, daß sie wissenschaftliche Fragen mit subjektiven verbanden. Mehrmals näherten sie sich jenen Fragen, aber jedes Mal, wenn sie nahe an den Hauptpunkten waren, wie ihm schien, entfernten sie sich sogleich wieder davon und versenkten sich wieder in das Gebiet feinster Unterscheidungen, Verteidigungen, Citate, Fingerzeige und Verweise auf Autoritäten, und nur schwer vermochte er noch zu erkennen, wovon eigentlich die Rede war. »Ich kann nicht zugeben,« sagte Sergey Iwanowitsch mit seiner gewöhnlichen Klarheit und Präzision des Ausdruckes und Eleganz der Diktion, »ich kann keinenfalls mit Keis darin übereinstimmen, daß meine gesamte Vorstellung von der äußeren Welt aus den Eindrücken hervorgehen sollte. Die elementarste Vorstellung vom Sein wird von mir nicht durch die Empfindung erworben, denn es ist gar kein besonderes Organ für die Wiedergabe dieser Vorstellung vorhanden.« »Ja wohl, aber Wurst und Knaust und Pripasoff würden dem entgegenhalten, daß Euer Daseinsbewußtsein aus der Vereinigung -aller- Empfindungen hervorgeht, daß dieses Existenzbewußtsein das Resultat der Gefühle ist. Wurst spricht sogar unverhohlen aus, daß wo nicht Gefühl vorhanden sei, auch das Verständnis für das Sein fehle.« »Ich würde dem gegenüber behaupten« -- begann Sergey Iwanowitsch. Hier schien es Lewin wiederum, als ob sie, der Hauptfrage nahe gekommen, sich von neuem von ihr entfernten, und so entschloß er sich, dem Professor eine Frage vorzulegen. »Es könnte demzufolge, wenn mein Gefühl vernichtet ist, wenn mein Körper stirbt, keine Existenz mehr geben?« warf er ein. Der Professor blickte verdrießlich und gewissermaßen mit einem geistigen Schmerzgefühl über die Unterbrechung auf nach dem seltsamen Frager hinüber, der eher einem Riesen ähnlich sah, als einem Philosophen, und richtete dann das Auge auf Sergey Iwanowitsch als wolle er fragen, was man eigentlich hierauf antworten könne. Sergey Iwanowitsch, der bei weitem nicht mit der nämlichen Anstrengung und Einseitigkeit sprach, wie der Professor, und in dessen Kopfe noch Spielraum genug übrig war, dem Professor mit Erwiderungen zu dienen, und zugleich auf diesen einfachen und natürlichen Gesichtspunkt einzugehen, von welchem aus diese Frage gestellt war, lächelte und sagte: »Diese Frage zu entscheiden besitzen wir kein Recht.« -- »Wir haben keine Unterlagen dafür,« bestätigte der Professor, und setzte seine Ausführungen fort. »Nein,« sagte er, »ich verweise darauf, daß, wenn, wie Pripasoff offen sagt, die Empfindung zu ihrem Fundamente den Eindruck hat, wir diese beiden Begriffe auch streng voneinander scheiden müssen.« Lewin hörte nun nicht weiter zu, sondern wartete nur noch, bis der Professor sich verabschieden würde. 8. Als der Professor gegangen war, wandte sich Sergey Iwanowitsch an seinen Bruder. »Sehr erfreut, daß du gekommen bist. Wirst du lange hier Aufenthalt nehmen? Wie geht es im Hauswesen?« Lewin wußte, daß das Hauswesen seinen älteren Bruder sehr wenig interessiere, und daß derselbe nur, um ihm eine Höflichkeit zu erweisen, darnach gefragt habe. Er antwortete daher nur in Bezug auf den Verkauf seines Weizens und die Gelder. Lewin wollte mit dem Bruder über sein Vorhaben, zu heiraten, sprechen und denselben um einen Rat bitten, er war sogar fest entschlossen gewesen hierzu; als er aber des Bruders ansichtig geworden war, seine Unterredung mit dem Professor angehört hatte, nachdem er ferner den unbewußt gönnerhaften Ton vernommen hatte, mit welchem ihn der Bruder über die häuslichen Angelegenheiten befragte -- das mütterliche Vermögen der beiden Brüder war ungeteilt und Lewin verwaltete es in beiden Teilen -- empfand er, daß es ihm unmöglich war, mit dem Bruder über seinen Entschluß sich zu verheiraten, eine Rücksprache anzubahnen. Er empfand, daß sein Bruder nicht so auf die Angelegenheit schauen würde, wie er selbst es gewünscht hätte. »Nun und wie steht es mit Eurem Semstwo?« frug Sergey Iwanowitsch weiter, der sich sehr für die Semstwos interessierte und denselben eine große Bedeutung beimaß. »Ich weiß nicht viel Genaues darüber.« »Wie? Du bist aber doch Mitglied in der Rechtspflege?« »Nein, nicht mehr; ich bin ausgetreten,« versetzte Lewin, »werde auch nicht mehr die Versammlung besuchen.« »Schade,« antwortete Sergey Iwanowitsch sich verfinsternd. Lewin begann zu seiner Rechtfertigung zu erzählen, was in den Sobranien seines Kreises eigentlich gethan würde. »So ist es eben immer!« unterbrach ihn Sergey Iwanowitsch. »Wir Russen sind stets dieselben. Möglicherweise ist dies gerade ein guter Zug bei uns, daß wir unsere Mängel erkennen, aber wir übersalzen sie nur, und trösten uns in der Ironie, die uns stets schlagfertig auf der Zunge liegt. Ich sage dir das Eine: Gieb eine solche Gerechtsame wie unsere Institution des Semstwos, einem anderen europäischen Volke, dem deutschen oder englischen, und es wird sich die Freiheit daraus erarbeiten; wir aber, wir lachen nur darüber.« »Allein was ist zu thun?« frug Lewin schuldbewußt, »es war dies meine letzte Erfahrung, und ich hatte sie aus ganzer Seele erprobt. Aber ich kann nicht mehr, ich bin nicht mehr imstande« -- »Du bist noch recht wohl imstande,« sagte Sergey Iwanowitsch, »du greifst nur die Sache nicht richtig an.« »Mag sein,« antwortete Lewin traurig. »Weißt du, daß Bruder Nikolay wieder hier ist?« Bruder Nikolay war ein leiblicher, älterer Bruder Konstantin Lewins und der Zwillingsbruder Sergey Iwanowitschs, ein verkommener Mensch, welcher den größten Teil seines Vermögens im Verkehr mit der seltsamsten und schlimmsten Gesellschaft verschwendet und sich mit seinen Brüdern überworfen hatte. »Was sagst du da?« rief voller Schrecken Lewin. »Woher weißt du dies?« »Prokop hat ihn auf der Straße gesehen.« »Hier in Moskau? Wo ist er? Weißt du es?« Lewin stand vom Stuhle auf, als wolle er sofort davoneilen. »Ich bedaure, daß ich dir dies gesagt habe,« bemerkte Sergey Iwanowitsch, kopfschüttelnd die Erregung seines jüngeren Bruders gewahrend. »Ich habe mich erkundigen lassen, wo er wohnt, und habe ihm seinen Wechsel geschickt, den ich einlöste. Hier hast du, was er mir antwortete.« Sergey Iwanowitsch reichte dem Bruder ein Schreiben hin. Lewin las dasselbe; es war in einer seltsamen eigenartigen Handschrift geschrieben und lautete folgendermaßen: »Ich ersuche Euch ergebenst, mich in Ruhe zu lassen. Dies ist das Einzige, was ich von meinen liebenswürdigen Brüdern wünsche. Nikolay Lewin.« Lewin las und blieb dann ohne den Kopf zu heben mit dem Schreiben in der Hand vor Sergey Iwanowitsch stehen. In seiner Seele kämpfte der Wunsch, den unglücklichen Bruder jetzt zu vergessen, mit dem Bewußtsein, daß dies schlecht gehandelt sei. »Er will mich augenscheinlich kränken,« fuhr Sergey Iwanowitsch fort, »aber kränken kann er mich nicht; ich würde von ganzer Seele ihm zu helfen wünschen, aber ich weiß, daß dies unausführbar ist.« »Ja wohl, so ist es,« wiederholte Lewin. »Ich verstehe und würdige dein Verhalten gegen ihn, aber ich muß hin zu ihm.« »Wenn dich darnach verlangt, so thue es, aber ich rate dir nicht dazu,« sagte Sergey Iwanowitsch. »Das heißt, was mich angeht, so fürchte ich nicht, daß er dich mit mir entzweien wird, aber für dich, rate ich, für dich wäre es besser, du führest nicht hin. Zu helfen ist ihm nicht. Doch -- thu wie du willst!« »Mag sein, daß ihm nicht mehr zu helfen ist, aber ich fühle -- namentlich in diesem Augenblick -- aber das ist ja etwas anderes -- ich fühle, daß ich keine Ruhe habe.« »Nun; das verstehe ich nicht,« antwortete Sergey Iwanowitsch. »Doch halt, Eins verstehe ich!« fügte er hinzu; »das soll eine Lektion zur Erniedrigung sein. Ich habe in anderer Weise und mit milderer Denkart auf das herabblicken gelernt, was man Niedrigkeit nennt, nachdem unser Bruder das geworden ist was er ist. Du weißt ja selbst, was er gethan hat.« »O, es ist schrecklich, schrecklich!« versetzte Lewin. Nachdem Lewin von dem Diener Sergey Iwanowitschs die Adresse seines Bruders in Empfang genommen hatte, setzte er sich in Bereitschaft, zu demselben zu fahren, allein nach einiger Überlegung entschied er sich dafür, seine Fahrt bis zum Abend aufzuschieben. Es handelte sich vor allem für ihn darum, daß er, um sein seelisches Gleichgewicht wieder zu erhalten, das Vorhaben zur Ausführung brachte, wegen dessen er nach Moskau gekommen war. Von seinem Bruder aus begab sich Lewin zu Oblonsky und als er sich dort über die Schtscherbazkiy erkundigt hatte, fuhr er nach dem Orte, an welchem er wie man ihm gesagt, Kity treffen konnte. 9. Um vier Uhr verließ Lewin, das Pochen seines Herzens fühlend, den Wagen vor dem Zoologischen Garten und begab sich auf einem Nebensteig zum Berg und der Schlittenbahn hinauf, in der sicheren Erwartung, Kity dort zu finden, da er den Wagen der Schtscherbazkiy schon vor der Auffahrt bemerkt hatte. Es war ein klarer, frostiger Tag. Vor der Auffahrt standen reihenweise die Equipagen, Schlitten und Landauer. Geputztes Volk, schimmernd im Glanze der Sonne in seinen Hüten, drängte sich vor dem Eingang und in den sauber gepflegten Wegen zwischen den kleinen russischen Häusern mit den geschnitzten Architraven; die alten, knorrigen Birken des Gartens, deren Geäst mit Schnee belastet war, schienen gleichsam in neue Feiertagskleider gehüllt zu stehen. Lewin begab sich auf dem Wege hin nach der Schlittenbahn; er sprach dabei sich selbst zu, er dürfe nicht in Aufregung geraten und müsse Ruhe bewahren. Was sollte diese Aufregung? Um was handelte es sich doch? Thorheit, die Unruhe mußte verstummen! So wandte er sich an sein Herz. Aber je mehr er sich bemühte sich zu beherrschen, desto mehr Schwierigkeit verursachte es ihm, zu atmen. Ein Bekannter begegnete ihm und rief ihn an, aber Lewin erkannte gar nicht, wer es sei. Er ging zu den Bergen hin, auf welchen die Ketten der losgelassenen und heraufgezogenen kleinen Schlitten kreischten; Lachen und heitere Stimmen ertönten auf den hinabgleitenden kleinen Schlitten. Er trat noch näher hinzu, vor ihm lag die Eisbahn und inmitten der Masse der auf ihr sich Tummelnden erkannte er sogleich -- sie. Er erkannte, daß sie da war, an der Freude und dem Schrecken der sein Herz ergriff. Sie stand im Gespräch mit einer Dame am entgegensetzten Ende der Eisbahn. Ihr Äußeres in der Garderobe zeigte nichts besonderes, auch ihre Haltung nicht, aber Lewin war es so leicht gewesen, sie allein inmitten dieses Haufens zu entdecken, als wäre sie eine Rose unter Nesseln. Alles wurde von ihr erhellt, sie war nur ein Lächeln, das seine gesamte Umgebung bestrahlte. »Kann ich denn hinübergehen über das Eis, zu ihr hintreten?« überlegte er. Der Platz, auf dem sie stand, erschien ihm als ein unzugängliches Heiligtum und eine Minute lang blieb er wie eingewurzelt stehen; so beängstigend überkam es ihn. Es kostete ihn alle Anstrengung, sich klar zu machen, daß rings um sie herum Menschen aller Art sich bewegten, und daß er recht gut auch hingehen könne, um mit denselben zu rollen. Er ging hinab, es lange vermeidend, einen Blick nach ihr zu richten, -- wie man die Sonne meidet -- aber er schaute sie doch gleich der Sonne, wollte er sie auch -nicht- sehen. Auf dem Eise hatten sich an diesem Tage der Woche und um die gegenwärtige Zeit nur Leute aus einem bestimmten Kreise, die sich sämtlich kannten, versammelt. Da waren Meister des Schlittschuhlaufes, die mit ihrer Kunst kokettierten, Lernende, die hinter Stuhlschlitten schüchtern und ungeschickt sich bewegten, Knaben, und Greise die aus Gesundheitsrücksichten sich Bewegung machen wollten. Sie alle erschienen Lewin als auserwählt Glückliche, weil sie dort waren, in ihrer Nähe. Alle die Fahrenden aber schienen mit völligem Gleichmut sie zu überflügeln oder einzuholen, sie sprachen selbst mit ihr, und ergötzten sich, völlig unabhängig von ihr, allein dahingegeben dem Genuß der vortrefflichen Eisbahn und des herrlichen Wetters. Nikolay Schtscherbazkiy, der Vetter Kitys, in einem kurzen Jaquet und engsitzenden Beinkleidern, saß mit seinen Schlittschuhen an den Füßen auf einer Bank und rief beim Erblicken Lewins: »Oho, da kommt ja der erste Schlittschuhläufer von Rußland! Bleibt Ihr lange hier? Das Eis ist ausgezeichnet, legt Schlittschuhe an!« »Ich habe gar keine,« antwortete Lewin, verwundert über diese Kühnheit und Ungezwungenheit in ihrer Gegenwart, und ohne die Angebetete eine Sekunde aus den Augen zu verlieren, obwohl er gar nicht nach ihr hinzuschauen schien. Da empfand er, daß die Sonne sich ihm näherte; sie war in der Ecke, aber kurz die kleinen Füßchen setzend in den hohen Stiefelchen, augenscheinlich verlegen werdend, kam sie auf ihn zu. Ein wie besessen mit den Armen in der Luft herumfuchtelnder, sich tief zur Erde beugender Junge in russischem Anzug überholte sie; sie fuhr nicht ganz sicher. Kity nahm die Hände aus dem kleinen Muff der an einer Schnur hing, hielt sie empor und lächelte Lewin in seinem Schrecken, den sie jetzt erkannte, zu. Als sie die Umfahrt beendet hatte, gab sie sich mit eigensinnigem Ausstrich einen Ruck und fuhr gerade auf Schtscherbazkiy zu, dessen Arm sie ergriff, während sie Lewin dabei zulächelte. Sie war schöner, als er vermutet hatte. Wenn er ihrer dachte, konnte er sie sich in ihrer ganzen Erscheinung vorstellen, besonders den ganzen Reiz dieses mit dem Ausdruck kindlicher Offenheit und Herzensgüte begabten Blondköpfchens, das so keck auf den schönen jungfräulichen Schultern saß. Die Kindlichkeit ihres Geichtsausdrucks im Vereine mit der zarten Schönheit ihrer Taille, bildeten insbesondere einen Reiz bei ihr, den er recht wohl zu würdigen verstand. Was ihn aber immer an ihr zu verwirren pflegte, das war der Ausdruck ihrer Augen, die sanft, ruhig und ehrlich schauten und namentlich ihr Lächeln, das Lewin stets in eine Zauberwelt versetzte, in der er sich beseligt, weich gestimmt fühlte, bei dem er sich der halbvergessenen Tage seiner frühesten Kindheit entsann. »Seid Ihr schon lange hier?« frug sie, ihm die Hand hinreichend. »Danke bestens,« fügte sie hinzu, als er ihr das Taschentuch aufhob, welches ihrem Muff entfallen war. »Ich? Nein, noch nicht lange -- seit gestern -- oder vielmehr heute -- bin ich angekommen,« versetzte Lewin, der ihre Frage vor Erregung nicht so schnell verstanden hatte. »Ich wollte zu Euch fahren,« fuhr er sogleich fort, indem er sich erinnerte, mit welcher Absicht er sie aufgesucht hatte, aber er geriet in Verwirrung und errötete. »Ich wußte nicht, daß Ihr Schlittschuh laufen könnt -- und Ihr lauft gut!« Sie blickte ihn aufmerksam an, als wünsche sie, die Ursache seiner Verwirrung zu erfahren. »Ich muß Euer Lob hochschätzen. Es hat sich hier die Tradition erhalten, daß Ihr der beste Schlittschuhläufer wäret, den es gäbe,« antwortete sie, mit der kleinen Hand in dem schwarzen Handschuh, die Reifnadeln abschüttelnd, welche auf den Muff gefallen waren. »Ja, einst bin ich leidenschaftlich gern gefahren; ich hatte es bis zur Vollkommenheit bringen wollen.« »Ihr treibt wohl alles leidenschaftlich, wie mir scheint,« sagte sie lächelnd. »Ich möchte in der That gern einmal sehen, wie Ihr rollt. Legt Schlittschuhe an und laßt uns zusammen fahren!« »Zusammen fahren! Ist es denn möglich?« dachte Lewin, sie anschauend. »Sogleich,« antwortete er laut, »lege ich Schlittschuhe an. »Ihr waret lange nicht bei uns, Herr,« sagte der Bahninhaber, Lewins Fuß haltend und den Absatz desselben anschraubend. »Nach Euch hat es hier keinen Meister wieder gegeben unter den Herren. Ist es so gut?« frug er, den Riemen anziehend. »Gut, gut, nur schnell wenn ich bitten darf,« antwortete Lewin, mit Mühe ein Lächeln der Glückseligkeit unterdrückend, das ihm wider Willen aufstieg. »Ja,« dachte er, »das ist Leben, das ist Glück! Zusammen! hat sie gesagt, laßt uns vereint fahren. Soll ich jetzt mit ihr reden? Aber ich fürchte mich ja fast, ihr zu gestehen, daß ich glücklich bin, glücklich schon in der Hoffnung. Was dann? Doch, es muß sein, es muß sein! Weg mit der Schwäche!« Lewin trat auf seine Füße, legte den Überrock ab und auf dem holperigen Eise bei dem Häuschen ansetzend, lief er hinaus auf die spiegelnde Fläche und fuhr ohne Hast, ganz wie seinem eigenen Willen gehorchend und seinen Lauf mäßigend dahin. Dann näherte er sich voll Befangenheit; ihr Lächeln aber machte ihn wieder sicher. Sie gab ihm die Hand und beide fuhren nun miteinander, ihren Lauf allmählich beschleunigend; und je schneller sie fuhren, desto stärker drückte sie seine Hand. »Unter Euch würde ich bald ausgelernt haben, ich habe solch ein Vertrauen zu Euch,« sagte sie. »Auch ich fühle mich sicher, wenn Ihr Euch auf mich stützet,« antwortete er, erschrak aber sogleich über das, was er gesagt hatte und errötete. Und in der That, sowie er nur diese Worte herausgebracht hatte, verlor ihr Gesicht, wie die Sonne die hinter die Wolken geht, all seine Freundlichkeit, und Lewin erkannte auf ihrem Gesicht jenes bekannte Spiel, welches das Arbeiten der Gedanken andeutet; auf ihrem glatten Antlitz erschien eine Falte. »Haben Sie etwas übel aufgenommen? Doch -- eigentlich habe ich gar nicht das Recht so zu fragen,« wandte er sich schnell an sie. »Warum hätte ich etwas übel aufzunehmen? O nein, dem ist durchaus nicht so,« versetzte sie kühl, fügte aber dann sogleich hinzu, »habt Ihr Mademoiselle Linon gesehen?« »Noch nicht.« »Geht doch zu ihr; sie liebt Euch so sehr.« »Was soll das heißen?« dachte Lewin, »ich habe sie gekränkt, Herr, steh mir bei!« Er lief zu der alten Französin hin mit den weißen Locken, die drüben auf der Bank saß. Lächelnd und ihre falschen Zähne zeigend, begrüßte sie ihn als alten Freund. »Ja, ja, wir sind gewachsen,« sagte sie, mit den Augen auf Kity weisend, »und wir werden älter. =Tiny bear= ist groß geworden!« fuhr die Französin lachend fort und erinnerte ihn damit an seinen Scherz über die jungen Herrinnen, die er einst die drei Bären aus dem englischen Märchen genannt hatte. »Wißt Ihr noch, wie Ihr zu sagen pflegtet.« Er konnte sich durchaus nicht mehr hierauf besinnen, aber sie lachte nunmehr schon ins zehnte Jahr über jenen Scherz und sie liebte denselben. »Nun, fahrt nur immer zu, fahrt. Unsere Kity hat gut Schlittschuhlaufen gelernt, nicht wahr?« Als Lewin wieder zu Kity zurückkehrte, war ihr Gesicht nicht mehr so ernst, ihre Augen blickten wieder so ehrlich und freundlich, aber ihm schien es, als läge in ihrer Freundlichkeit ein seltsamer, nachdenklich ruhiger Ton. Auch er wurde nachdenklich. Er begann von der alten Gouvernante und von ihren Eigenheiten zu sprechen; sie aber frug ihn nach seinem Leben. »Ist es Euch nicht zu langweilig auf dem Dorfe?« sagte sie. »O nein; langweilig ist es da nicht; ich habe sehr viel zu thun,« antwortete er ihr, empfindend, daß sie ihn ihrem ruhigen Tone unterordnete, dem zu entweichen er sich nie imstande fühlen würde, obwohl es im Beginn des Winters war. »Seid Ihr für längere Zeit hierher gekommen?« frug Kity. »Ich weiß noch nicht,« antwortete er, ohne zu überlegen, was er sprach. Der Gedanke, daß er wiederum unverrichteter Sache von dannen gehen werde, falls er sich dem nämlichen ruhigen Freundschaftston hingeben würde, wie sie, kam ihm in den Kopf und er entschloß sich, Mut zu fassen. »Inwiefern wißt Ihr das nicht?« »Ich weiß nicht. Es hängt dies ganz von Euch ab,« sagte er, erschrak aber sofort über seine eigenen Worte. Hörte sie diese nicht, oder wollte sie sie nicht hören, aber sie schien zu straucheln, stieß zweimal mit dem Füßchen auf das Eis und fuhr dann hinweg von ihm. Sie schwebte zu Mademoiselle Linon, sagte ihr einige Worte und begab sich dann nach dem Häuschen, wo die Damen ihre Schlittschuhe ablegten. »Mein Gott, was habe ich angerichtet, mein Gott! Hilf mir und rate mir,« sagte Lewin zu sich, gleichsam betend, und dabei zugleich in der Empfindung des Bedürfnisses nach einer heftigen Bewegung, ausstreichend und nach auswärts und innen Kreise ziehend. In diesem Augenblicke kam ein junger Mann, der beste der jüngeren Schlittschuhläufer, die Cigarette im Munde, auf seinen Schlittschuhen aus dem Café heraus; er lief, eilte auf den Schlittschuhen die Stufen herab, lachend und springend und flog dann auf dem Eise davon, ohne die freie Haltung seiner Arme zu verändern. »Aha, ein neues Kunststückchen,« sagte Lewin, und lief sofort nach oben um das neue Kunststückchen zu versuchen. »Fallt nicht, das will geübt sein!« rief ihm Nikolay Schtscherbazkiy zu. Lewin trat auf einen Vortritt, und sprang herab, bei der ungewohnten Übung das Gleichgewicht mit den Armen haltend. Auf der letzten Stufe blieb er hängen und berührte leicht das Eis mit der Hand, machte aber eine heftige Bewegung, schnellte auf und flog lachend hinaus auf die Fläche. »Ein wackerer Bursch,« dachte Kity dabei, als sie aus dem Häuschen heraustrat in der Begleitung der Mademoiselle Linon. Sie blickte dabei mit stillem Lächeln nach ihm hinüber, wie nach einem lieben Bruder. »Bin ich denn schuld, habe ich etwas Übles gethan? Man sagt, das sei Koketterie. Ich weiß, daß ich ihn nicht liebe, und doch bin ich gern in seiner Gesellschaft, er ist so wacker. Warum sagte er das auch gerade?« dachte sie. Als Lewin Kity mit ihrer Mutter, die ihr auf den Stufen entgegenkam, fortgehen sah, blieb er, errötet von der schnellen Bewegung, stehen und versank in Nachdenken. Er schnallte die Schlittschuhe ab und holte dann Mutter und Tochter am Ausgange des Gartens ein. »Sehr erfreut, Euch wiederzusehen,« sagte die Fürstin, »Donnerstag, wie ja immer, empfangen wir.« »Nicht heute vielleicht auch?« »Wird uns sehr angenehm sein,« versetzte die Fürstin trocken. Diese Trockenheit erbitterte Kity, und diese konnte sich nicht enthalten, die Kälte ihrer Mutter zu mildern. Sie wandte das Haupt nach ihm um und sprach lächelnd: »Auf Wiedersehen.« In diesem Augenblick erschien Stefan Arkadjewitsch, den Hut schief auf der Seite mit glänzenden Mienen und Augen, wie ein wohlgelaunter Sieger im Garten. Als er sich indessen der Tante genähert hatte, antwortete er mit schuldbewußtem Gesicht auf ihre Fragen betreffs des Befindens von Dolly. Nachdem er so halblaut und zerknirscht mit der Tante eine Weile gesprochen hatte, warf er sich wieder in die Brust, und nahm Lewin unter dem Arme. »Nun, was thun wir, wollen wir fahren?« frug er, »ich habe immer an dich gedacht und bin sehr, sehr glücklich, daß du gekommen bist,« sprach er, Lewin bedeutungsvoll ins Auge blickend. »Fahren wir, fahren wir,« antwortete dieser beglückt, ohne den Klang der Stimme aus dem Ohre zu verlieren, die da gesagt hatte, »auf Wiedersehen«. Er sah noch das Lächeln mit welchem die Worte gesprochen worden waren. »Gehen wir nach England oder in die Eremitage?« »Mir ganz gleichgültig.« »Nun, also nach >England<«, fuhr Stefan Arkadjewitsch fort, »England« deshalb wählend, weil er daselbst mehr Schulden hatte, als in der Eremitage. Er hielt es daher nicht für geraten, dieses Hotel zu meiden. »Du hast wohl einen Kutscher? Gut, ich habe nämlich meinen Wagen entlassen.« Die beiden Freunde legten schweigend den ganzen Weg zurück. Lewin dachte an das, was jene Veränderung im Gesichtsausdruck Kitys bedeutet haben mochte, und er überzeugte sich bald, es sei Hoffnung für ihn vorhanden, bald geriet er in Mutlosigkeit und erkannte klar, seine Hoffnung sei sinnlos. Nichtsdestoweniger fühlte er sich aber als einen ganz anderen Menschen, nicht mehr demjenigen ähnlich, der er gewesen war just bis zu jenem Lächeln hin, zu jenen Worten »auf Wiedersehen«! Stefan Arkadjewitsch stellte während dessen das Menu des Diners zusammen. »Liebst du nicht =turbot=?« frug er Lewin während der Fahrt. »Was sagtest du?« frug Lewin, »=turbot=? O ja, ich liebe den =turbot= außerordentlich.« 10. Als Lewin mit Oblonskiy in das Hotel trat, entging ihm nicht ein gewisser eigenartiger Ausdruck, ähnlich dem eines verhaltenen Aufglänzens auf dem Gesicht und in der ganzen Erscheinung Stefan Arkadjewitschs. Oblonskiy nahm seinen Überzieher ab und trat mit schiefsitzendem Hute in den Speisesalon, den sich an seine Sohlen haftenden Tataren im Frack und mit der Serviette einige Befehle erteilend. Er grüßte nach rechts und links die Anwesenden, und ging dann, wie stets seine Bekannten freundlich bewillkommend, an das Büffet, nahm ein Glas Branntwein mit Fisch und sagte der geschminkten, mit bunten Bändern und Krenzchen behängten Französin, die im Kontor saß, einige Worte, infolge deren sogar diese Französin herzlich lachte. Lewin trank nur deshalb keinen Branntwein, weil ihm die Französin widerwärtig war, die wie es schien nur aus falschen Haaren, =poudre de riz= und =vinaigre de toilette= zusammengesetzt war. Wie vor einem Schmutzhaufen, so wandte er sich hastig von ihr ab. Sein ganzes Inneres war von der Erinnerung an Kity erfüllt und in seinen Augen glänzte ein Lächeln des Triumphes und des Glückes. »Bitte hierher, Ew. Excellenz, man wird hier Ew. Excellenz nicht stören,« sagte ein alter Tatar, mit großem Becken, über dem der Frack in Falten auseinanderging. »Bitte gefälligst, Ew. Excellenz,« wandte er sich auch an Lewin, zum Zeichen seiner Ehrerbietung vor Stefan Arkadjewitsch sich auch dessen Gaste beflissen zeigend. Im Augenblick hatte er ein frisches Tafeltuch auf einen schon von einem solchen gedeckten runden Tische ausgebreitet, der unter einem Broncearmleuchter stand, samtne Stühle herbeigeschoben, und blieb nun mit Serviette und Menukarte in Erwartung weiterer Weisungen vor Stefan Arkadjewitsch stehen. »Wenn Ihr wünscht, Ew. Excellenz, wird das Privatkabinett sogleich frei sein; der Fürst Galizin mit einer Dame ist darin. Übrigens sind frische Austern angekommen.« »Ah! Austern!« Stefan Arkadjewitsch versank in Nachdenken. »Wollen wir nicht unsern Plan ändern, Lewin?« hub er an, den Finger auf die Karte legend. Seine Mienen drückten ernsten Zweifel aus. »Ob die Austern auch gut sind? Sieh du zu!« »Es sind Flensburger, Ew. Excellenz, keine von Ostende.« »Also Flensburger und frisch?« »Erst gestern erhalten.« »Dann wollen wir also zuerst mit den Austern beginnen, und darauf den ganzen Plan verändern. Nicht so?« »Mir ganz gleichgültig. Lieber als alles ist mir Schtschi und Kascha,[A] aber beides giebt es hier wohl nicht.« [A] Russische Grützbreispeise. »Kascha =à la russe= befehlt Ihr?« frug der Tatar, wie eine Amme über das Kind, sich zu Lewin beugend. »Nein, ohne Scherz, was du wählst, wird gut sein; ich bin Schlittschuh gefahren und möchte essen; denke nicht«, wandte er sich an Oblonsky, auf dessen Gesicht er einen Ausdruck der Unzufriedenheit bemerkte, »daß ich deine Wahl nicht hochschätzte, ich werde mit Vergnügen etwas Gutes mit speisen.« »Das wäre auch! Magst du sagen was du willst, das Essen ist einer der Genüsse des Lebens,« antwortete Stefan Arkadjewitsch. »Also bringe denn, lieber Freund, zwei oder drei Dutzend Austern für uns, und Suppe mit Schwarzwurzel« -- »=Printanière=,« verbesserte der Tatar, aber Stefan Arkadjewitsch wollte demselben doch nicht den Triumph einer französischen Korrektur in der Benennung der Speisen belassen. »Mit Schwarzwurzel, verstehst du? Hierauf =turbot= mit steifer Sauce, dann =Roastbeef=; sieh zu, daß alles gut ist; auch Kapaune mögen kommen und Konserven.« Der Tatar, welcher die Gepflogenheiten Stefan Arkadjewitschs kannte, die Speisen nach der französischen Karte zu benennen, wiederholte nicht mehr, sondern machte sich nun das Vergnügen, den ganzen Auftrag nach der Karte französisch zu wiederholen: »=Soupe printanière, turbot sauce Beaumarchais, poulard à l'estragon, conserves de fruits=« und wie auf Sprungfedern fortgeschnellt holte er, die eingebundene Karte niederlegend, eine andere, die Weinkarte herbei und brachte sie Stefan Arkadjewitsch. »Was werden wir trinken?« »Ich trinke was du willst, aber nicht viel; etwas Champagner,« antwortete Lewin. »Was? Gleich zum Anfang? Indessen ganz recht so. Ziehst du Weißsiegel vor?« »=Caché blanc=«, verbesserte der Tatar. »Also gieb diese Marke zu den Austern, wir werden ja sehen.« »Zu Diensten, und ist noch ein Likör gefällig?« »Ja wohl, bring den klassischen Jablis.« »Zu Diensten. Ihr befehlt doch Euren gewöhnlichen Käse?« »Gewiß, Parmesan. Oder liebst -du- etwa einen anderen mehr?« »Nein, mir ist alles gleich,« sagte Lewin, nicht imstande, ein Lächeln . 1 , 2 , , , 3 , 4 . 5 6 » , , ; 7 , « , 8 . 9 10 » ! « , » 11 , ? « 12 13 » . 14 , « , 15 . 16 17 » ; , 18 , « , 19 . » ; 20 , 21 , , « - - 22 - - » 23 , . , , 24 , 25 , , « 26 , 27 . 28 29 » , , , 30 , , « 31 . » , 32 . « 33 34 » . . , « 35 , . 36 37 . 38 39 » , 40 ? « , , 41 42 . » ; , 43 . « 44 45 , , 46 , , , 47 , , 48 , , 49 , . 50 51 , , 52 , , 53 . 54 55 » ? , « 56 . 57 58 . 59 60 » : 61 ; . « 62 63 » , « , » . « 64 65 » ; . « 66 67 » ? , 68 , ; 69 . « 70 71 » , 72 . « 73 74 » , « , » - - 75 . « - - 76 77 , 78 , . 79 80 » ? 81 ? « . 82 83 , , 84 , , 85 . 86 87 » , , 88 , - - 89 « - - 90 91 92 , 93 , 94 95 . 96 . 97 98 , 99 . 100 101 » , , , , « 102 , 103 , . 104 : » , ! « 105 106 . 107 108 109 ; , 110 111 . 112 113 » , , « . 114 115 » ? « , 116 . 117 . 118 119 » , , « , . 120 » ? « 121 122 » ? « 123 124 » , , - - ! « 125 126 » , . « 127 128 » . , , « 129 . 130 131 » , ? 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