diese, sie haben die Frage behandelt!« Er erkannte jetzt aber klar, daß weder Kaufmann noch Mitchelli ihm etwas sagen konnten und wußte doch, was er wollte. Er hatte erkannt, daß Rußland herrliches Land besitze, vorzügliche Arbeitskräfte und daß bei manchen Gelegenheiten die Arbeiter und das Land viel produzierten, in der Mehrzahl der Fälle aber, sobald das Kapital nach europäischem Muster angelegt würde, wenig, und daß dies nur daher komme, daß die Arbeiter zwar arbeiten wollten, aber nur nach ihrer eigenen Weise gut arbeiteten, und daß dieser Widerspruch kein zufällig auftretender sei, sondern ein fest bestehender, der seine Begründung im Geiste des Volkes habe. Er meinte, daß das russische Volk, in seiner Aufgabe, ungeheure unbebaute Landstrecken zu besiedeln und zu bearbeiten, sich, solange nicht alles Land besiedelt sein würde, an dasjenige Verfahren halte, welches dazu erforderlich war, und daß sein Verfahren durchaus nicht so mangelhaft sei, wie man dies gewöhnlich denke. Dies gedachte er theoretisch in seinem Werke, praktisch in seiner Ökonomie darzulegen. 30. Mit Ende des September wurde das Holz zum Bau des Viehhofes auf das der Artjel überlassene Areal gebracht; die Butter von den Kühen war verkauft und der Gewinn verteilt worden. In der Ökonomie ging alles ganz ausgezeichnet, oder es schien Lewin doch so. Zu dem Zwecke aber, alles theoretisch zu erklären und sein schriftliches Werk über die Beziehungen des Volkes zum Boden zu vollenden, welches seiner Idee nach nicht nur eine Umwälzung der politischen Ökonomie herbeiführen, sondern diese Wissenschaft vollständig vernichten und den Anfang zu einer neuen machen mußte, war es noch erforderlich, ins Ausland zu gehen und an Ort und Stelle alles zu studieren, was dort in dieser Richtung gethan worden war, damit er überzeugende Beweise dafür fände, daß alles, was dort gethan worden sei, nicht das sei, was nötig war. Lewin wartete nur noch die Einbringung des Weizens ab, um Geld zu haben und ins Ausland gehen zu können. Aber große Regengüsse stellten sich ein, die ein Hereinbringen des noch im Felde befindlichen Getreides und der Kartoffeln nicht gestatteten, und so blieb alle Arbeit und selbst die Lieferung des Weizens liegen. Auf dem Wege war der Schmutz undurchdringlich und das Wetter wurde schlechter und schlechter. Am dreißigsten September zeigte sich früh die Sonne, und Lewin begann sich entschlossen zur Abreise zu rüsten in der Hoffnung auf leidliches Wetter. Er befahl, den Weizen aufzuschütten und sandte den Verwalter zum Kaufmann, um Geld holen zu lassen, während er selbst die Felder abritt, um die letzten Bestimmungen vor der Abreise zu treffen. Nach der Besichtigung aller Arbeiten, durchweicht von den Wasserströmen, die ihm am Halse herunter auf dem ledernen Rock, und an den Stiefelschäften abflossen, aber in heiterster und angeregtester Stimmung, kehrte Lewin gegen Abend nach Hause zurück. Das Unwetter war um diese Zeit noch schlimmer geworden; ein Graupelwetter peitschte das ganz durchnäßte, Ohren und Kopf schüttelnde Pferd so, daß es seitwärts zu gehen begann, Lewin aber unter seinem Baschlik war es ganz wohl zu Mut und heiter schaute er um sich, bald auf die trüben Wasserbäche, die in den Radspuren strömten, bald nach den Wassertropfen, die an jedem überhängenden Aste schwebten, bald auf die weißen Flecken der Graupeln, die auf den Brettern des Steges noch nicht gethaut waren, bald auf das noch saftige fleischige Laub einer Rüster, welches in dichter Masse rings um den entblätterten Baum gefallen war. Ungeachtet der Düsterheit der ihn umgebenden Natur, fühlte sich Lewin bei ganz besonders guter Laune. Die Gespräche mit den Bauern in einem entfernten Dorfe hatten ihm gezeigt, daß diese sich in die neuen Verhältnisse zu gewöhnen begannen. Sein alter Hausmeister, bei dem er eingesprochen hatte, um sich zu trocknen, hatte augenscheinlich das Projekt Lewins gebilligt und selbst vorgeschlagen, in eine Artjel für Viehhandel zu treten. »Man muß sein Ziel nur hartnäckig verfolgen und man erreicht schon was man will,« dachte Lewin, »aber arbeiten und sich mühen ist schon des Preises wert. Diese Sache ist nicht meine eigene, persönliche, es handelt sich hier um eine Frage des allgemeinen Wohles. Die ganze Landwirtschaft und namentlich die Lage des ganzen Volkes muß von Grund aus umgewandelt werden! An Stelle der Armut wird ein allgemeiner Reichtum treten, allgemeine Zufriedenheit; an Stelle der Feindschaft Harmonie und ein Bund im gemeinsamen Interesse. Mit einem Worte, eine unblutige Revolution, aber eine erhabene Revolution, hat von dem kleinen Gebiete unseres Kreises aus begonnen, und wird zunächst im Gouvernement um sich greifen, dann in Rußland selbst -- endlich in der ganzen Welt, weil ein richtiger Gedanke nicht unfruchtbar zu bleiben vermag. Dies ist das Ziel, wegen dessen es der Mühe wert ist, zu arbeiten. Daß aber gerade ich es bin, der dies ausführt, ich, Konstantin Lewin, der Nämliche, welcher in der schwarzen Halsbinde zum Balle kam und den die Schtscherbazkaja von sich gewiesen, der so kläglich und nichtig dasteht, -- das hat hierbei gar nichts zu sagen. Ich bin überzeugt, daß Franklin sich gleichfalls nichtig gefühlt hat und sich selbst nichts zugetraut haben würde, wenn er an sich selbst zurückdachte. Dies sagt also gar nichts. Auch er hatte ja wohl seine Agathe Michailowna, der er seine Geheimnisse anvertraute.« Mit diesen Gedanken kam Lewin zu Hause an, als die Dämmerung schon hereingebrochen war. Der Verwalter, der beim Kaufmann gewesen, war angekommen und hatte einen Teil des Geldes für den Weizen mitgebracht. Unterwegs hatte der Verwalter erfahren, daß das Getreide noch überall im Felde stehe, so, daß seine hundertsechzig Haufen im Vergleich zu dem, was die anderen noch draußen hätten, nichts seien. Nachdem Lewin gegessen hatte, ließ er sich wie gewöhnlich mit dem Buch in der Hand in seinem Sessel nieder und fuhr fort, lesend über seine bevorstehende Reise im Zusammenhang mit seiner Lektüre nachzudenken. Heute stand die ganze Bedeutung seiner Aufgabe mit besonderer Klarheit vor ihm und wie von selbst ordneten sich in seinem Geiste ganze Perioden zusammen, welche das Wesen seiner Ideen darstellten. »Das muß ich niederschreiben,« dachte er, »dies soll eine kurze Einleitung, die ich früher für unnötig hielt, bilden.« Er erhob sich, um zum Schreibtisch zu gehen, und Laska, welcher zu seinen Füßen gelegen hatte, reckte sich, ebenfalls aufstehend, und blickte ihn an, als frage er, wohin er gehen solle. Aber er kam nicht zum Schreiben, weil die Vögte zur Arbeitsbestimmung erschienen waren und Lewin begab sich zu ihnen ins Vorzimmer. Nach Erledigung dieser Bestimmung, wie der Arbeitsplan für den folgenden Tag genannt wurde und der Anhörung sämtlicher Bauern, die mit ihm zu thun hatten, begab sich Lewin wieder in sein Kabinett und machte sich an die Arbeit. Laska hatte sich unter den Tisch gelegt und Agathe Michailowna saß mit dem Strickstrumpf auf ihrem Platze. Nachdem er einige Zeit geschrieben hatte, trat Lewin plötzlich mit ungewöhnlicher Lebhaftigkeit das Bild Kitys vor das Auge, ihre Absage und die letzte Begegnung. Er stand auf und begann im Zimmer auf und abzuschreiten. »Ihr brauchtet Euch nicht so zu langweilen,« begann Agathe Michailowna, »wozu sitzt Ihr hier zu Hause? Ihr müßtet in die warmen Bäder, da geht man jetzt hin!« »Übermorgen reise ich auch, Agathe Michailowna, ich muß mein Werk zu Ende bringen.« »O, Euer Werk! Es ist doch nur, daß Ihr die Bauern beschenkt. Die aber sagen höchstens: >Lohn's ihm der Zar!< Es ist doch zu seltsam, weshalb Ihr Euch soviel um die Bauern sorgt.« »Ich sorge nicht für sie, sondern handle für mich.« Agathe Michailowna kannte alle Einzelheiten der Wirtschaftspläne Lewins. Dieser hatte ihr seine Ideen schon häufig mit allen ihren Feinheiten dargelegt und war nicht selten mit ihr in Wortwechsel geraten, wenn er sich mit ihren Erklärungen nicht einverstanden fühlte. Jetzt aber faßte sie das, was er ihr gesagt hatte, ganz anders auf. »Es ist eine bekannte Sache, daß man auf sein eigenes Heil am meisten bedacht sein muß,« sagte sie mit einem Seufzer. »Da ist der Parthen Djenisytsch; obwohl er weder lesen noch schreiben konnte, ist er doch so gestorben, wie es der liebe Gott jedermann fügen möchte,« fuhr sie fort, von einem unlängst verstorbenen Bauern sprechend, »man hat ihm das Abendmahl und die letzte Ölung gespendet.« »Davon spreche ich nicht,« sagte Lewin, »ich sagte, daß ich für meinen Vorteil wirke. Mir ist es nützlicher, wenn die Bauern besser arbeiten.« »Ja, aber was Ihr auch thun mögt, wenn der Bauer ein Faulenzer ist, so werdet Ihr doch nur die Wurst nach der Speckseite werfen; ist er hingegen ein gewissenhafter Mensch, dann wird er ohnehin arbeiten; wenn nicht, so kann man nichts machen.« »Aber Ihr sagt doch selbst, daß Iwan jetzt den Viehhof besser verwaltet?« »Ich sage nur das Eine,« versetzte Agathe Michailowna, offenbar nicht auf einen plötzlichen Einfall hin, sondern in streng logischer Gedankenfolge, »Ihr müßt heiraten, so steht es!« -- Daß Agathe Michailowna gerade das erwähnte, woran er soeben selbst gedacht hatte, erbitterte und verletzte ihn. Lewin war finster geworden und setzte sich, ohne ihr zu antworten, wieder an seine Arbeit, indem er sich nochmals alles wiederholte, was er über die Bedeutung derselben gedacht hatte. Bisweilen nun lauschte er in der Stille dem Geräusch der Stricknadeln Agathe Michailownas und wieder wurde seine Miene düster, wenn er dessen gedachte, woran er nicht denken mochte. Um neun Uhr ertönte Schellengeläut und man vernahm das dumpfe Rollen eines Wagens in dem Kot draußen. »Da kommen wohl Gäste zu Euch; nun, dann wird es ja nicht mehr langweilig sein,« sagte Agathe Michailowna, sich erhebend und nach der Thür schreitend. Lewin überholte sie jedoch. Die Arbeit ging ihm jetzt nicht von statten, und er war froh, daß ein Besuch, mochte es sein, wer da wollte, kam. 31. Zur Hälfte der Treppe entgegeneilend, vernahm Lewin auf dem Vorsaal das Geräusch eines ihm wohlbekannten Hustens, doch er hörte wegen des Klanges der eigenen Schritte nicht genau, hoffte indessen, daß er sich geirrt haben möchte; gleich darauf erblickte er eine hagere, knochige, wohlbekannte Gestalt, und es schien ihm, als könne er sich nun nicht mehr täuschen, aber gleichwohl hoffte er noch immer, er irre sich, und diese lange Erscheinung, welche dort ihren Pelz ablegte und hustete, sei nicht die seines Bruders Nikolay. Lewin liebte seinen Bruder, aber immer mit ihm zusammen sein zu sollen, war eine Qual. Jetzt, als Lewin unter dem Einfluß des in ihm auftauchenden Gedankens und der Mahnung Agathe Michailownas in einen ihm selbst nicht erklärlichen Zustande von Ratlosigkeit war, erschien ihm das bevorstehende Wiedersehen mit dem Bruder besonders schwer. Anstatt eines heiteren gesunden fremden Besuches, welcher wie er gehofft hatte, ihn zerstreuen sollte, in seiner geistigen Ratlosigkeit, mußte er den Bruder begrüßen, der ihn durch und durch kannte, der alle seine innersten Empfindungen hervorrufen, und ihn zu einer Aussprache veranlassen konnte, die er auf keinen Fall wünschte. Auf sich selbst ungehalten über dieses häßliche Gefühl, eilte Lewin in das Vorzimmer, und kaum hatte er den Bruder in der Nähe erblickt, als das Gefühl seiner Enttäuschung sogleich verschwunden war und sich in Mitleid verwandelt hatte. So erschreckend ihm sein Bruder Nikolay mit seiner Magerkeit und seinem kranken Aussehen schon früher erschienen war, jetzt war er noch mehr abgezehrt, noch geschwächter. Er war zum Skelett geworden, und hing nur noch in der Haut. Er stand in dem Vorzimmer, mit seinem langen abgezehrten Halse ruckend; indem er sich den Shawl abriß, mit seltsam traurigem Lächeln. Als Lewin dieses friedsame, ergebene Lächeln sah, fühlte er plötzlich, wie ihm ein Schluchzen die Kehle zuschnürte. »Da, ich bin zu dir gekommen,« begann Lewin mit hohler Stimme, ohne auch nur eine Sekunde die Augen von dem Antlitz des Bruders zu verwenden. »Ich wollte schon lange kommen, war aber immer unwohl. Jetzt habe ich mich sehr gebessert,« sagte er, seinen Bart mit den langen mageren Handflächen streichend. »Ja wohl,« versetzte Lewin, und es wurde ihm immer entsetzlicher zu Mut, als er beim Küssen mit den Lippen die Hagerkeit des Körpers seines Bruders fühlte und so nahe dessen seltsam glänzende Augen sah. Einige Wochen vorher hatte Konstantin Lewin seinem Bruder geschrieben, daß dieser nach dem Verkauf des kleinen Teils des Besitzes, welcher im Hause ungeteilt verblieben war, jetzt seinen Anteil in Höhe von ungefähr zweitausend Rubel in Empfang zu nehmen hätte. Nikolay sagte ihm nun, er sei wohl gekommen, dieses Geld jetzt in Empfang zu nehmen, hauptsächlich aber, um einmal im alten lieben Neste zu sein, die Erde wieder zu berühren, um, wie die alten russischen Heroen, neue Kraft für weitere Thaten zu schöpfen. Trotz seiner jetzt noch mehr gekrümmten Haltung, trotz der bei seiner Größe frappierenden Abgezehrtheit, waren seine Bewegungen, wie immer, schnell und hastig. Lewin führte ihn in sein Kabinett. Der Bruder kleidete sich sehr sorgfältig um, was er früher nicht zu thun pflegte; er kämmte seine spärlichen Haare, die aufrecht in der Höhe standen, und stieg dann lächelnd nach oben. Er befand sich in bester und heiterster Stimmung, so wie sich Lewin seiner aus der Kindheit oft erinnert hatte. Selbst Sergey Iwanowitschs gedachte er heute ohne Groll. Als er Agathe Michailowna erblickte, begann er mit ihr zu scherzen und frug sie nach den alten Dienstboten. Die Nachricht vom Tode Parthen Djenisitschs wirkte unangenehm auf ihn; auf seinen Zügen malte sich Schrecken, doch ermannte er sich sogleich wieder. »Nun, er war ja auch schon alt,« sagte er und ging dann auf ein anderes Thema über. »Ich gedenke einen Monat bei dir zuzubringen, auch zwei, und dann nach Moskau zurückzukehren. Du weißt wohl, daß mir Mjachkoff eine Stelle zugesagt hat, und daß ich in den Dienst zu treten beabsichtige. Ich richte jetzt mein Leben ganz anders ein,« fuhr er fort, »du weißt wohl, daß ich jene Frauensperson entlassen habe?« »Marja Nikolajewna? Wie? Weshalb denn?« »Ach, sie war ein garstiges Geschöpf, -- hat mir eine Masse Unannehmlichkeiten bereitet!« -- Er erzählte indessen nicht, welcher Art diese Unannehmlichkeiten gewesen waren. Konnte er doch nicht mitteilen, daß er Marja Nikolajewna deshalb davongejagt hatte, weil der Thee einmal zu schwach gewesen, und namentlich, weil sie ihn wie einen Patienten behandelte. »Ich will infolgedessen jetzt mein Leben völlig umgestalten. Wie alle anderen habe ich natürlich auch Dummheiten begangen, doch mein Zustand -- den beklage ich nicht. Wenn ich nur erst gesund bin; und meine Gesundheit hat sich, Gott sei Dank, gebessert.« Lewin hörte zu und dachte nach, vermochte aber nicht etwas zu finden, was er sagen sollte. Dies mochte wohl auch Nikolay fühlen, denn er begann den Bruder nach dem Geschäftsgang zu fragen. Lewin war froh, von sich selbst sprechen zu können, weil er so reden konnte, ohne dabei zu heucheln. Er berichtete dem Bruder von seinen Plänen und Arbeiten. Nikolay hörte zu, war aber augenscheinlich wenig interessiert davon. Diese beiden Männer waren so eng miteinander verwandt und standen sich so nahe, daß die kleinste Bewegung, der Ton der Stimme schon, für die beiden mehr besagte, als alles, was sich mit Worten ausdrücken ließ. Jetzt hatten sie beide einen einzigen Gedanken -- die Krankheit und den Tod Nikolays -- welcher alles Übrige unterdrückte. Aber weder der Eine noch der Andere wagte davon zu sprechen, und infolgedessen war alles, was sie auch sagen mochten nur Heuchelei, da es nicht ausdrückte, was sie ausschließlich beschäftigte. Noch nie war Lewin so froh gewesen, daß der Abend zu Ende ging, und man zur Ruhe gehen mußte. Noch nie war er mit einem Fremden, oder bei einem offiziellen Besuch, so unnatürlich, so falsch gewesen, wie er es heute gewesen war. Das Bewußtsein dieser Falschheit und die Reue über sie hatten ihn noch unnatürlicher gemacht. Thränen wollten ihm aufsteigen über seinen sterbenden, geliebten Bruder, und dabei hatte er ein Gespräch anhören und mit ihm führen müssen, wie derselbe fernerhin zu leben gedenke. Da es im Hause feucht war und man nur ein Zimmer geheizt hatte, so quartierte Lewin seinen Bruder in dem eigenen Schlafzimmer hinter einer spanischen Wand ein. Der Bruder legte sich nieder und, -- schlief er oder schlief er nicht -- wälzte sich wie ein Leidender, hustete und murrte vor sich hin, wenn er nicht husten konnte. Bisweilen, wenn er schwer aufatmete, betete er »mein Gott, mein Gott!« Wenn ihn der Auswurf ersticken wollte, rief er gereizt »zum Teufel auch!« Lewin konnte lange nicht schlafen, indem er den Bruder so hörte. Die verschiedensten Gedanken waren in ihm wach, aber der Ausgangspunkt aller dieser Gedanken war nur -- der Tod. -- Der Tod, das unvermeidliche Ende von allem, erschien ihm zum erstenmale als eine unabweisbare Macht, und der Tod, welcher hier gegenwärtig war, in dem geliebten Bruder, der im Schlaf stöhnte und nach seiner Art ohne Unterschied durcheinander bald Gott, bald den Satan anrief, war nicht mehr so fern, als es ihm früher geschienen hatte. Er war schon in ihm, und er selbst fühlte dies. Wenn heute nicht, so kam er morgen, wenn morgen nicht, so kam er in dreißig Jahren -- als ob sich das nicht völlig gleich bliebe! -- Was aber dieser unvermeidliche Tod eigentlich war -- das wußte er nicht nur nicht, das hatte er nicht nur nie überlegt, er hatte es vielmehr gar nicht verstanden und nie gewagt, darüber nachzudenken. »Da arbeite ich, und will etwas vollbringen -- und habe vergessen, daß doch alles ein Ende haben wird, daß es -- einen Tod giebt!« -- Er saß auf seinem Bette in der Finsternis, gebeugt und die Beine übereinandergeschlagen und sann, den Atem anhaltend in der Anstrengung seines arbeitenden Geistes. Aber je mehr er seinen Geist anstrengte, um so klarer wurde ihm, daß es unzweifelhaft so sei, daß er dies in der That vergessen, einen kleinen Umstand im Leben übersehen hatte -- den, daß der Tod kommen und allem ein Ziel setzen werde, sodaß es sich nicht verlohnte, etwas zu unternehmen, und man dabei keinerlei Hilfe schaffen könne. Das war entsetzlich, aber es war so. -- »Aber noch lebe ich doch! Was soll ich daher jetzt thun, was thun?« sprach er zu sich voll Verzweiflung. Er zündete ein Licht an, erhob sich behutsam, ging zum Spiegel und begann sein Gesicht und Haar zu betrachten. Ja, an seinen Schläfen waren graue Haare. Er öffnete den Mund; die Backzähne begannen schlecht zu werden. Er entblößte seine muskulösen Arme -- Kraft war viel darin, aber auch sein Nikolay der dort mit den Resten seiner Lunge atmete, hatte einst einen gesunden Körper gehabt. Und plötzlich erinnerte er sich, wie sie sich als Kinder zusammen schlafen gelegt hatten und nur darauf warteten, daß Fjodor Bogdanowitsch zur Thür hinausging, damit sie beide sich mit den Kissen werfen und lachen konnten, so unbändig dabei lachen, daß selbst der Respekt vor Fjodor Bogdanowitsch nicht das überschäumende Bewußtsein des Lebensglückes niederzuhalten vermochte und jetzt -- diese eingesunkene, verödete Brust dort, und er selbst, ohne zu wissen, warum er da sei, was kommen werde für ihn. »Hcha, Hcha, Teufel! -- Was machst du denn dort, daß du nicht schläfst?« rief ihm jetzt die Stimme seines Bruders zu. »Ich weiß nicht, was das ist, ich kann nicht schlafen!« -- »Nun; ich habe recht gut geschlafen, ich schwitze jetzt gar nicht mehr. Sieh selbst, fühle nur mein Hemd an; kein Schweiß mehr!« Lewin befühlte das Hemd, ging dann hinter die Scheidewand, löschte das Licht wieder aus, konnte aber noch lange den Schlaf nicht finden. Kaum hatte sich ihm nur einigermaßen die Frage geklärt, wie er leben solle, da war schon eine neue, unlösbare vor ihm erschienen -- der Tod. »Er stirbt; er wird im Frühjahr sterben; wie kann man ihm helfen? Was soll ich ihm sagen? Was weiß ich darüber? Ich hatte vergessen, daß es so steht.« 32. Lewin hatte schon seit langem die Beobachtung gemacht, daß, wenn Einem im Umgang mit den Menschen deren allzugroße Zuvorkommenheit und Ergebenheit peinlich wird, sehr schnell auch ein übermäßig anspruchsvolles Wesen und Streitsucht unerträglich wird. Er fühlte, daß dies auch mit seinem Bruder der Fall sein würde; und in der That, die Sanftmut desselben reichte nicht lange aus. Schon vom anderen Morgen an wurde er reizbar und stritt geflissentlich mit dem Bruder, indem er diesen an seinen empfindlichsten Stellen zu treffen versuchte. Lewin fühlte sich betreten, vermochte aber die Sache nicht zu ändern. Er empfand, daß sie beide nur, wenn sie sich nicht mehr verstellten, sondern aussprächen, was man »vom Herzen herunter« sprechen nennt, das heißt, nur was sie wirklich dachten und fühlten, sich gegenseitig offen einander ins Auge blicken könnten, und Konstantin nur zu sagen hätte »du mußt sterben, sterben!« währen Nikolay ihm antworten müßte »ich weiß es, daß ich sterben werde, aber ich fürchte den Tod, ich fürchte, fürchte ihn.« -- Mehr würden sie nicht sprechen, wenn sie so nur vom Herzen herunter gesprochen haben würden. Aber so war nicht zu leben, und deshalb versuchte es Konstantin, zu thun, was er für sein ganzes Leben hindurch versucht hatte, ohne es zu können, das was nach seinen Beobachtungen viele so vortrefflich zu thun verstanden, und ohne das man nicht leben kann: Er versuchte es, nicht das zu sprechen, was er dachte, fühlte aber beständig, daß dies falsch sei, daß der Bruder ihn hierbei ertappe und davon gereizt werde. Nach Verlauf von drei Tagen forderte Nikolay seinen Bruder auf, ihm seinen Plan nochmals zu entwickeln. Er begann darauf denselben nicht nur zu verwerfen, sondern ihn sogar absichtlich mit dem Socialismus zusammenzubringen. »Da hast du lediglich einen fremden Gedanken aufgefaßt, ihn aber verballhornisiert und willst ihn dem Unmöglichen anpassen.« »Aber ich sage dir ja, daß er durchaus nichts Allgemeines in sich trägt. Die Socialisten verwerfen das Recht des Privateigentums, des Kapitals, der Erbfolge -- ich aber, ohne diese wichtigste Stimula zu verwerfen,« -- Lewin selbst war es widerlich, daß er sich derartiger fremder Worte bedienen mußte, aber seit er sich mehr mit seiner Arbeit beschäftigte, begann er unwillkürlich häufig und häufiger nichtrussische Worte zu brauchen -- »will nur die Arbeit regeln.« »Das ist es eben, daß du einen fremden Gedanken aufgefaßt und von ihm alles abgetrennt hast, was seine Bedeutung ausmacht, nun aber versichern willst, es sei dies etwas Neues,« antwortete Nikolay, heftig an seiner Halsbinde zerrend. »Aber mein Gedanke hat nichts Allgemeines« -- »Denn,« erwiderte Nikolay Lewin mit gehässigem Glanz in den Augen und ironischem Lächeln: »dort liegt doch zum wenigsten ein Reiz darin, ein, wie soll ich sagen, mathematischer -- nach seiner Klarheit und unzweifelhaften Richtigkeit. Möglicherweise ist er eine Utopie. Aber zugegeben, daß man aus der ganzen Vergangenheit eine =tabula rasa= machen könnte, daß es kein Privateigentum mehr gäbe, keine Familie, so wird doch immerhin die Arbeit bestehen bleiben. Bei dir aber ist nichts« -- »Weshalb vermischst du die Dinge? Ich bin nie ein Socialist gewesen.« »Ich aber war es, und finde, daß die Idee verfrüht ist, obwohl sie klug ist, daß sie ihre Zukunft hat, wie das Christentum in den ersten Jahrhunderten.« »Ich glaube, daß man die Arbeitskraft nur von dem Gesichtspunkt des Naturforschers aus beurteilen darf, das heißt, daß man sie studieren und ihre Eigenschaften erkennen muß.« »Das ist aber ganz unnütz. Diese Kraft findet von selbst je nach dem Grade ihrer Entwickelung eine bekannte Form für ihre Bethätigung. Es hat überall Knechte gegeben und dann Vögte; auch bei uns giebt es die Gesellschaftsarbeit, die Pacht, die Arbeit auf Tagelohn -- was willst du noch?« Lewin geriet bei diesen Worten plötzlich in Zorn, da er auf dem Grunde seiner Seele die Befürchtung empfand, der Bruder könne recht haben -- recht darin, daß er selbst zwischen dem Socialismus und den Ordnungsformen schwanke -- was doch schwerlich möglich sein konnte. »Ich suche Mittel dafür, mit Gewinn zu arbeiten, sowohl für mich selbst, wie für den Arbeiter. Ich will organisieren,« antwortete er heftig. »Nichts willst du organisieren; du willst einfach originell sein, wie du es Zeit deines Lebens gewesen bist; du willst zeigen, daß du nicht mit den Bauern experimentierst, sondern vielmehr mit der Idee.« »Nun -- denkst du so -- lassen wir das!« versetzte Lewin, welcher fühlte, daß ihm der Muskel seiner linken Wange bebte, ohne daß er dies unterdrücken konnte. »Du hattest nie Überzeugungen, und hast auch jetzt keine; nur deine Eigenliebe willst du befriedigen.« »Schön so; aber verlaß dieses Thema!« »Ich werde es lassen! Es ist schon längst Zeit dazu! Zum Teufel auch mit dir, ich wünschte, ich wäre gar nicht hergekommen!« So sehr sich Lewin nun bemühte, den Bruder zu beruhigen, Nikolay wollte nichts hören und sagte, daß er am liebsten gleich wieder fortfahren möchte; Lewin sah, daß dem Bruder das Leben unerträglich geworden war. Nikolay hatte bereits alle Anstalten zur Abreise getroffen, als Lewin wieder zu ihm kam und ihn bat, zu verzeihen, wenn er ihn gekränkt haben sollte. »O, diese Großmut!« antwortete Nikolay lächelnd. »Wenn du denn einmal recht behalten willst, so will ich dir dieses Vergnügen gewähren. Du hast recht. Aber ich will dennoch fahren!« Bei der Abreise selbst küßte ihn Nikolay und sprach, plötzlich seltsam und ernst auf den Bruder blickend: »Bei alledem; gedenke meiner nicht im Bösen, mein Konstantin!« und seine Stimme schwankte. Dies waren die einzigen Worte, die aufrichtig gesprochen worden waren. Lewin begriff, daß in diesen Worten der Sinn lag: »Du siehst es und weißt, daß ich sehr krank bin, und wir uns vielleicht niemals wieder sehen.« Lewin verstand dies und die Thränen strömten ihm aus den Augen. Noch einmal küßte er seinen Bruder, konnte ihm aber nichts mehr antworten, -- wußte ihm auch nichts mehr zu sagen. -- Am dritten Tage nach der Abreise des Bruders reiste Lewin nach dem Auslande ab. Als er auf der Eisenbahn mit Schtscherbazkiy, einem Vetter Kitys, zusammentraf, setzte er diesen durch seine Niedergeschlagenheit sehr in Erstaunen. »Was hast du denn?« frug ihn Schtscherbazkiy. »Nichts weiter; es giebt ja so wenig Angenehmes auf der Welt.« »Inwiefern denn wenig? Komm, fahre mit mir nach Paris, in Gesellschaft eines gewissen Mylus. Da sollst du sehen, wie lustig es auf der Welt ist!« »Nein. Ich bin schon fertig und möchte bald sterben.« »Das ist doch dein Spaß!« lachte Schtscherbazkiy, »ich bin ja erst im Begriff anzufangen!« »So meinte ich auch noch vor kurzem, jetzt aber weiß ich, daß ich bald sterbe.« Lewin sprach damit nur aus, was er wahrhaft gedacht hatte in diesen letzten Tagen. In allem sah er nur den Tod oder die Annäherung an denselben. Aber das von ihm unternommene Werk beschäftigte ihn nur um so mehr. Es galt ihm jetzt, sein Leben irgendwie fertig zu leben, bevor noch der Tod kam. Dunkelheit verschleierte für ihn alles, aber gerade mit dieser Dunkelheit fühlte er, daß der einzige leitende Faden in ihr nur noch sein Werk war, und mit den letzten Kräften widmete er sich diesem, klammerte er sich an ihm an. Vierter Teil. 1. Die Karenin, Gatte und Gattin, fuhren fort in einem Hause zusammen zu leben; sie sahen sich wohl alltäglich, waren aber einander vollständig entfremdet. Aleksey Aleksandrowitsch hatte es sich zum Gesetz gemacht, sein Weib alltäglich nur deshalb zu sehen, daß die Dienerschaft kein Recht haben möchte, Vermutungen zu hegen. Die Mittagstafel daheim mied er jedoch. Wronskiy war nie im Hause Aleksey Aleksandrowitschs erschienen, Anna sah ihn aber außerhalb desselben und ihr Gatte wußte dies. Die Lage war für alle drei peinvoll; und niemand von ihnen würde die Kraft besessen haben, auch nur einen einzigen Tag in derselben auszuhalten, wäre nicht die Erwartung dagewesen, daß sie sich ändern werde, daß alles dies nur eine zeitweilige, bittere und schwere Lage sei, welche vorübergehen würde. Aleksey Aleksandrowitsch wartete, daß diese Leidenschaft vergehen sollte, wie ja alles vergeht, daß alle die Sache vergessen möchten und sein Name nicht geschändet würde. Anna, von welcher diese ganze Situation abhing, und für die dieselbe peinlicher war, als für alle sonst, ertrug sie, weil sie nicht nur wartete, sondern fest überzeugt war, daß alles dies sehr bald zur Entwickelung und Klärung gelangen müsse. Sie wußte freilich nicht im geringsten, was denn eigentlich die Schwierigkeit lösen solle, aber sie besaß die Überzeugung, daß etwas jetzt und sehr schnell eintreten müsse. Auch Wronskiy, der sich ihr unwillkürlich fügte, erwartete etwas, das von ihm unabhängig, alle Schwierigkeiten klären müsse. Inmitten des Winters hatte Wronskiy eine sehr langweilige Woche durchlebt. Er war einem ausländischen, in Petersburg zugereisten Prinzen zubeordert worden, und hatte die Aufgabe, diesem die Sehenswürdigkeiten Petersburgs zu zeigen. Gerade Wronskiy war es, welcher vorgestellt wurde, denn abgesehen davon, daß dieser die Kunst, sich mit Würde und zugleich Ehrerbietung zu benehmen, besaß, war er es auch gewohnt, mit Männern ähnlichen Ranges umzugehen; allein diese Pflicht wurde ihm zu einer sehr schweren. Der Prinz wünschte nichts zu übergehen, bezüglich dessen er in der Heimat gefragt werden konnte, ob er es in Rußland gesehen, ja, er wünschte auch selbst, soviel es möglich war, russischen Vergnügungen beizuwohnen. Wronskiy war nun verpflichtet, ihn hier und dorthin zu führen, und des Vormittags fuhren sie nun, um die Sehenswürdigkeiten in Augenschein zu nehmen, des Abends, um an nationalen Vergnügungen teilzunehmen. Der Prinz erfreute sich einer selbst unter Prinzen ungewöhnlichen Gesundheit; sowohl durch leibliche Übungen wie durch gute Pflege seines Körpers hatte er eine solche Kraft erworben, daß er trotz des Übermaßes, mit welchem er sich den Zerstreuungen hingab, frisch aussah wie eine mächtige, grüne holländische Gurke. Der Prinz war viel gereist und hatte gefunden, daß einer der vorzüglichsten Vorteile der modernen Verkehrsbequemlichkeiten die Möglichkeit, nationalen Vergnügungen beiwohnen zu können, bilde. Er war in Spanien gewesen und hatte dort Serenaden veranstaltet und sich einer Spanierin genähert, welche Mandoline spielte. In der Schweiz hatte er Gemsen gejagt. In England im roten Frack unter Wetten zweihundert Fasanen erlegt. In der Türkei war er in einem Harem gewesen, in Indien hatte er auf Elefanten geritten und in Rußland jetzt wollte er alle echtrussischen Vergnügungen kennen lernen. Wronskiy, der bei ihm eine Art erster Ceremonienmeister war, kostete es große Mühe, alle die Zerstreuungen, die dem Prinzen von verschiedenen Seiten vorgeschlagen wurden, zu sichten. Da waren die russischen Trabrennen, und die Bärenjagden, die Troiken und die Zigeuner, wie das Topfschlagen. Der Prinz accomodierte sich dem russischen Geiste mit außerordentlicher Leichtigkeit; er beteiligte sich am Topfschlagen, setzte sich eine Zigeunerin auf das Knie und frug, wie es schien, ob dies alles sei, ob nur darin der ganze russische Geist bestehe. Am meisten von allen diesen russischen Vergnügungen gefielen allerdings dem Prinzen die französischen Schauspielerinnen, eine Balleteuse und der weißgesiegelte Champagner. Wronskiy hatte Übung im Umgang mit Prinzen, aber -- kam es davon, daß er selbst sich in letzter Zeit verändert hatte, oder von der allzu großen Nähe, in welcher er sich zu dem Prinzen befand -- diese Woche erschien ihm als eine furchtbar schwere. Die ganze Woche hindurch hatte er ohne Unterbrechung ein Gefühl empfunden, ähnlich dem eines Menschen, der zu einem gefährlichen Wahnsinnigen gesteckt wird, um zu erproben, ob er diesen wohl fürchtet und infolge der Nähe bei ihm, auch für seinen Verstand fürchten müsse. Wronskiy empfand beständig den Zwang, nicht eine Sekunde den Ton strenger offizieller Ehrerbietung sinken lassen zu dürfen, damit er keine Schlappe erleide. Die Umgangsweise des Prinzen gerade mit denjenigen, welche zur Verwunderung Wronskiys darüber aus der Haut fuhren, daß man ihm russische Vergnügungen biete, war eine souveräne. Sein Urteil über die russischen Frauen, die er kennen zu lernen gewünscht hatte, ließen Wronskiy mehr als einmal vor Unwillen erröten, aber der Hauptgrund, weshalb der Prinz für Wronskiy außerordentlich lästig war, war der, daß er in dem Prinzen unwillkürlich sich selbst wieder erkannte, und daß das, was er in diesem Spiegel erkannte, seiner Eigenliebe nicht eben schmeichelte. Der Prinz war ein sehr beschränkter, sehr eingebildeter, sehr gesunder und an sich sehr eigener Mensch, weiter aber nichts. Er war Gentleman, das war er in Wahrheit, und Wronskiy konnte das nicht in Abrede stellen. Er war gleichmütig und nicht kriechend vor Höheren, ungezwungen und einfach im Verkehr mit Gleichstehenden und gutmütig herablassend gegenüber den unter ihm Stehenden. Ganz genau so war aber auch Wronskiy, der das für einen großen Vorzug hielt; in der Umgebung des Prinzen war er doch der tiefer Stehende und die herablassend gutmütige Behandlungsweise ihm gegenüber regte ihn auf. »Das ist ein dummer Stier; bin ich das auch?« dachte er bei sich. Wie dem nun sein mochte, als er sich am siebenten Tage von ihm verabschiedete, vor der Abreise des Prinzen nach Moskau, und dessen Dank entgegennahm, war er glücklich, aus dieser peinlichen Lage und von diesem unangenehmen Spiegel erlöst zu sein. Er verabschiedete sich von ihm auf der Station, bei der Rückkehr von der Bärenjagd, an welcher während einer ganzen Nacht russische Bravour eine Galavorstellung gegeben hatte. 2. Heimgekommen, fand Wronskiy ein Billet Annas vor. Sie schrieb: »Ich bin krank und unglücklich. Ich kann nicht ausfahren, kann aber auch nicht länger ohne Euren Anblick sein. Kommt am Abend zu mir. Um sieben Uhr wird Aleksey Aleksandrowitsch zum Rat fahren und bis zehn Uhr dort bleiben.« Nachdem er eine Minute lang über den seltsamen Umstand, daß sie ihn so direkt zu sich berufe, ungeachtet der Forderung ihres Gatten, daß sie ihn nicht empfangen dürfe, nachgedacht hatte, entschloß er sich, der Einladung zu folgen. Wronskiy war im Lauf dieses Winters Oberst geworden, aus dem Regiment ausgetreten und lebte jetzt frei. Nachdem er gefrühstückt hatte, warf er sich sogleich auf den Diwan und in fünf Minuten vermischten sich die Erinnerungen der unangenehmen Scenen, wie er sie in den letzten Tagen gesehen hatte, und verbanden sich mit dem Gedanken an Anna und an die Bärenjagd, und er schlief ein. Erst in der Dunkelheit erwachte er wieder, bebend vor Entsetzen. Sofort zündete er eine Kerze an. »Was war das? Wie? Was habe ich Furchtbares im Traume gesehen? Der eine Bauer auf der Bärenjagd, klein, schmutzig, mit wirrem Barte, hatte gearbeitet, indem er sich niederbeugte, und dann plötzlich einige seltsame Worte auf französisch gesprochen. Nun, weiter war es nichts mit dem Traume,« sprach er zu sich selbst. »Aber weshalb war dies nur so furchtbar gewesen?« Lebhaft stellte er sich wiederum den Bauern vor und jene seltsamen französischen Worte, die derselbe gesprochen hatte -- und Entsetzen überlief kalt seinen Rücken. »Welcher Unsinn!« dachte er und schaute nach der Uhr. Es war bereits halb neun. Er schellte seinem Diener, kleidete sich hastig an und begab sich zur Treppe hinab, seinen Traum völlig vergessend und nur noch von der Besorgnis gequält, sich zu verspäten. Als er vor der Freitreppe der Karenin anlangte, schaute er wieder nach der Uhr und sah, daß es zehn Minuten vor neun war. Ein hoher, schmaler Wagen mit einem Paar grauer Pferde bespannt, stand unter der Einfahrt; er erkannte das Geschirr Annas. »Sie fährt zu mir,« dachte Wronskiy, »und das wäre auch besser gewesen; denn es ist mir unangenehm, dieses Haus zu betreten. Doch gleichviel, ich kann mich nicht verstecken,« und mit jenen ihm von Kindheit an eigenen Manieren eines Menschen, der sich vor nichts scheut, stieg Wronskiy aus dem Schlitten und schritt zur Thür hin. Die Thür öffnete sich und der Portier, ein Plaid auf dem Arme, rief den Wagen heran. Wronskiy, nicht gewohnt, Kleinigkeiten zu bemerken, gewahrte gleichwohl jetzt den verwunderten Gesichtsausdruck, mit welchem ihn der Portier anblickte. In der Thür selbst wäre Wronskiy fast mit Aleksey Aleksandrowitsch zusammengestoßen. Die Gasflamme beleuchtete das blutlose, eingefallene Gesicht unter dem schwarzen Hute und die weiße Halsbinde, die aus dem Biberpelz des Überrocks herausschimmerte. Die unbeweglichen, dunklen Augen Karenins richteten sich auf das Gesicht Wronskiys. Dieser verneigte sich und Aleksey Aleksandrowitsch, den Mund ein wenig bewegend, hob die Hand an den Hut und ging vorüber. Wronskiy sah, wie er, ohne aufzublicken, sich in den Wagen setzte, das Plaid und Augenglas durch das Wagenfenster nahm, und sich zudeckte. Wronskiy betrat das Vorzimmer; seine Brauen waren zusammengezogen und seine Augen erglänzten in bösem und stolzem Glanze. »Ist das eine Situation!« dachte er, »wenn er kämpfte, seine Ehre wahrte, dann könnte ich handeln, meine Empfindungen äußern; aber diese Schwäche oder vielmehr Erbärmlichkeit -- er versetzt mich in die Lage eines Betrügers, während ich dies doch nicht sein wollte und auch nicht sein will!« Seit der Zeit seiner Aussprache mit Anna im Park der Wrede hatten sich die Ansichten Wronskiys geändert. Sich unwillkürlich den Schwächen Annas unterwerfend, die sich ihm ganz gegeben hatte und nur noch von ihm die Entscheidung über ihr Geschick erwartete, indem sie sich von vornherein allem unterwarf, hatte er längst aufgehört, zu glauben, daß dieses Verhältnis so enden könne, wie er damals dachte. Seine Träume voll Ehrgeiz waren wieder in den Hintergrund getreten, und er ergab sich, aus dem Kreise einer Wirksamkeit tretend, in welchem alles begrenzt war, ganz seiner Empfindung; diese Empfindung aber fesselte ihn fester und fester an sie. Schon vom Vorzimmer aus vernahm er sich entfernende Schritte. Er erkannte, daß sie ihn erwartet hatte, gelauscht hatte und jetzt in den Salon zurückkehrte. »Nein!« rief sie aus, als sie seiner ansichtig wurde, und beim ersten Tone ihrer Stimme traten ihr die Thränen in die Augen, »wenn das so fortgehen soll, so wird das Unglück noch viel, viel früher eintreten!« »Was denn, mein Kind?« »Was? Ich warte und martere mich, eine Stunde, zwei, -- aber nein, ich will, ich kann nicht mit dir hadern. Du konntest wahrscheinlich nicht früher. Nein, ich will es nicht thun!« Sie legte beide Hände auf seine Schultern und blickte ihn lange mit tiefem, verzücktem und zugleich forschendem Blicke an. Sie prüfte sein Gesicht nach der Zeit, seit welcher sie ihn nicht gesehen hatte. Wie bei jedem Wiedersehen, so verglich sie wieder ihr innerliches Bild von ihm -- das unvergleichlich besser, und in der Wirklichkeit unmöglich war -- mit ihm, wie er wirklich aussah. 3. »Bist du ihm begegnet?« frug sie, als beide am Tische hinter der Lampe Platz genommen hatten. »Da hast du ja deine Strafe dafür, daß du dich verspätet hast.« »Ja, aber wie ist das? Er müßte doch im Rate sein?« »Er war dort und kam zurück, worauf er wieder fortgefahren ist. Doch das thut nichts; sprich nicht davon. Wo bist du gewesen? Stets mit dem Prinzen?« Sie kannte alle Einzelheiten seines Lebens. Er hatte ihr sagen wollen, daß er die ganze Nacht nicht geschlafen habe und eingeschlafen sei, als er aber ihr aufgeregtes und glückliches Antlitz sah, fühlte er Gewissensbisse, und er teilte ihr mit, daß er hätte Rapport erstatten müssen über die Abreise des Prinzen. »Jetzt aber ist alles vorüber und er ist fort?« »Gott sei Dank, es ist vorbei. Du kannst nicht glauben, wie unerträglich mir das gewesen ist.« »Weshalb denn? Dies ist doch das gewöhnliche Leben von euch jungen Männern allen?« sagte sie, die Brauen ziehend, und nach einer Häkelei, die auf dem Tische lag greifend, ohne Wronskiy anzublicken. »Ich habe dieses Leben schon lange aufgegeben,« sagte er, verwundert über die Veränderung im Ausdruck ihres Gesichts und sich bemühend, die Bedeutung derselben zu erforschen. »Ich gestehe,« fuhr er fort, lächelnd seine engstehenden weißen Zähne zeigend, »daß ich in dieser Woche mich wie in einem Spiegel gesehen habe, indem ich dieses Leben schaute, und es ist mir unangenehm geworden.« Sie hielt ihre Arbeit in den Händen, häkelte aber nicht, sondern schaute ihn mit seltsamem, glänzendem und freundlichem Blick an. »Heute morgen ist Lisa bei mir auf Besuch gewesen -- man scheut sich noch nicht, mich zu besuchen, trotz der Gräfin Lydia Iwanowna,« begann sie, »und sie erzählte mir von Eurem athenischen Abend. Welche Abgeschmacktheit das doch war!« »Ich wollte nur erzählen, daß« -- Sie unterbrach ihn. »War es nicht Therese, die du früher gekannt hast?« »Ich wollte erzählen« -- »Wie ihr Männer doch häßlich seid! Wie könnt ihr euch denken, daß ein Weib dies je vergäße,« sprach sie, mehr und mehr in Erregung geratend, und ihm damit die Ursache ihrer Aufregung zeigend, »und besonders das Weib, welches dein Leben nicht kennen kann. Was weiß ich davon? Was habe ich davon gewußt?« sagte sie, »nur das, was du mir selbst davon erzählst. Aber woher könnte ich wissen, ob du mir die Wahrheit damit gesagt hast?« »Anna! Du kränkst mich. Glaubst du mir denn nicht? Habe ich dir denn nicht gesagt, daß ich keinen einzigen Gedanken hege, den ich dir nicht entdeckte?« »Ja, ja,« antwortete sie, offenbar im Bemühen, die Regungen der Eifersucht von sich zu weisen, »aber hättest du gewußt, wie schwer mir zu Mute ist. Ich glaube, ich glaube dir ja -- doch was sagtest du?« Er war nicht imstande, sich sofort dessen zu entsinnen, was er hatte sagen wollen. Diese Anfälle von Eifersucht, die sie in der letzten Zeit immer häufiger und häufiger überkamen, erschreckten ihn, und so sehr er sich auch mühte, es zu verbergen, stimmten ihn kühler gegen sie, obwohl er recht gut wußte, daß die Ursache dieser Eifersucht ihre Liebe zu ihm war. Wie vielmal schon hatte er sich gesagt, daß ihre Liebe für ihn ein Glück sei; und nun, da sie ihn liebte, wie ein Weib nur lieben kann, für welche alle Güter im Leben von der Liebe überwogen werden -- fühlte er sich bei weitem ferner von jener Glückseligkeit, als damals, da er ihr von Moskau aus nachgereist war. Damals hatte er sich für unglücklich gehalten, aber das Glück kam noch; jetzt fühlte er hingegen, daß das höchste Glück bereits dahinten liege. Sie war durchaus nicht mehr die Nämliche, als welche er sie in der ersten Zeit gesehen hatte; innerlich und äußerlich hatte sie sich zu ihren Ungunsten verändert. Sie war dicker geworden, und als sie von der Schauspielerin sprach, lag ein schlimmer, verderbenschwangerer Ausdruck auf ihren Zügen, der sie entstellte. Er blickte sie an, wie ein Mensch auf eine durch ihn selbst abgerissene und nun welk gewordene Blüte schauen mag, an welcher er nur mit Mühe noch die Schönheit wiedererkennt, wegen deren er sie brach und dem Untergange weihte. Außerdem aber fühlte er auch, daß er seine Liebe damals, als sie noch stärker war, wenn er ernstlich gewollt hätte, aus seinem Herzen zu reißen vermocht haben würde. Jetzt aber, da ihm, wie in dem gegenwärtigen Augenblick, schien, als ob er gar keine Liebe zu ihr empfinde, jetzt erkannte er, daß sein Bund mit ihr nicht mehr gelöst werden könne. »Ah, du wolltest mir doch wohl vom Prinzen erzählen? Ich habe den Satan verjagt, ich habe ihn verjagt,« fügte sie hinzu. Satan nannten sie beide unter sich die Eifersucht. »Also was begannst du denn vom Prinzen zu erzählen? Weshalb ist es dir bei ihm so lästig geworden?« »O, unerträglich!« sagte er, sich bemühend, den Faden zu dem ihm entfallenen Gedanken wieder zu erfassen. »Er gewinnt nicht im näheren Umgang, und soll man ihn näher bezeichnen, so ist er ein vorzüglich gepflegtes Tier, für das man auf den Ausstellungen die Preismedaillen zu erhalten pflegt, weiter nichts,« sagte er mit einem Verdruß, der bei ihr Interesse hervorrief. »Wie, in der That?« fiel sie ein. »Er hat aber doch so viel gesehen, ist so gebildet?« »Es ist eine grundverschiedene Bildung -- die Bildung solcher Leute. Er ist offenbar nur deswegen gebildet worden, damit er ein Recht besitzen möchte, die Bildung von oben herab anzusehen, wie sie überhaupt alles verachten -- mit Ausnahme der Gegenstände ihres Vergnügens.« »Ihr liebt aber doch auch diese Gegenstände des Vergnügens!« sagte sie, und er bemerkte wiederum jenen düstern Blick, der ihn mied. »Warum nimmst du ihn in Schutz,« frug er lächelnd. »Ich verteidige ihn nicht; es ist mir alles vollkommen gleichgültig; aber ich glaube, daß du, wenn du selbst diese Zerstreuungen nicht liebtest, wohl hättest absagen können. Dir aber machte es Vergnügen, Therese zu sehen im Kostüme der Eva.« »Wieder und wieder der Diabolus,« erwiderte Wronskiy, die Hand ergreifend, welche sie auf den Tisch gelegt hatte, und sie küssend. »Ja wohl, aber ich kann nicht anders! Du weißt nicht, wie ich mich gemartert habe, indem ich deiner harrte. Ich denke wohl, daß ich nicht eifersüchtig bin; ich bin nicht eifersüchtig und glaube dir, wenn du hier bei mir bist; aber sobald du anderswo allein dein Leben, das mir unverständlich ist, führst« -- Sie wandte sich ab von ihm, sich wieder mit ihrem Häkelzeug beschäftigend, und begann mit Hilfe des Zeigefingers eine Masche der im Schein der Lampe hellschimmernden weißen Wolle nach der anderen aufzunehmen, wobei sich die zarte Hand mit nervöser Hast in dem Ärmel umwendete. »Aber, wo trafst du denn mit Aleksey Aleksandrowitsch zusammen?« erklang plötzlich ihre Stimme in fast unnatürlichem Tone. »Wir trafen an der Thür zusammen.« »Grüßte er dich?« Sie zog das Gesicht in die Länge, schloß die Augen halb, schnell den Ausdruck ihrer Züge verändernd und die Hände ineinander legend. Wronskiy gewahrte auf ihrem schönen Antlitz plötzlich den nämlichen Ausdruck, mit welchem ihn Aleksey Aleksandrowitsch gegrüßt hatte. Er lächelte, sie aber lachte heiter auf mit jenem lieben, herzlichen Lachen, welches einen ihrer Hauptreize ausmachte. »Ich begreife ihn entschieden nicht,« antwortete Wronskiy. »Wenn er noch nach deiner Erklärung auf der Villa mit dir gebrochen und mich zum Duell gefordert hätte -- aber dies verstehe ich nicht. Wie vermag er eine solche Lage zu ertragen? Er leidet ja; das ist offenbar.« »Er?« sagte sie lächelnd, »er ist vollkommen zufrieden.« »Weshalb aber martern wir uns dann alle, wenn alles ganz gut werden könnte?« »Nur er martert sich nicht. Soll ich sie etwa nicht kennen, diese große Lüge, in welcher er großgezogen ist? Ist es möglich, -- wenn man nur ein wenig fühlt, -- so zu leben, wie er mit mir lebt? Er versteht nicht und fühlt nicht. Kann denn ein Mensch, welcher nur einigermaßen fühlt, mit seiner verbrecherischen Frau in einem Hause leben? Kann er mit einer solchen sprechen? Sie mit >du< anreden?« Unwillkürlich stellte sie sich sein, »du, =ma chère=, Anna,« vor. »Er ist kein Mann und kein Mensch, er ist eine Puppe! Niemand weiß das, als ich. O, wäre ich an seiner Stelle, ich hätte längst gemordet, ich hätte in Stücke zerrissen dieses Weib, das so handeln konnte, wie ich, -- aber ich hätte nicht gesagt >=ma chère=, Anna!< Das ist kein Mensch, sondern eine Maschine des Ministeriums. Er begreift nicht, daß ich dein Weib bin, daß er mir ein Fremder ist, ein Überflüssiger. Aber wir wollen nie mehr miteinander davon sprechen!« -- »Du bist im Unrecht, ganz im Unrecht, meine Liebe,« sagte Wronskiy, sich bemühend, sie ruhiger zu stimmen. »Aber immerhin sprechen wir nicht mehr von ihm. Erzähle mir lieber, was du bisher gethan hast? Wie geht es dir selbst? Wie steht es mit deiner Gesundheit und was hat der Arzt gesagt?« Sie blickte ihn spöttisch und voll Freude zugleich an. Offenbar hatte sie lächerliche oder ungeheuerliche Seiten in diesem Manne da vor ihr entdeckt, und wartete nun nur auf den Augenblick, da sie dies mitteilen konnte. Er aber fuhr fort: »Ich vermute, es ist kein eigentliches Leiden, sondern nur deine Situation, welche dich krank macht. Wann wird dann die Krisis eintreten?« Der spöttische Glanz ihrer Augen erlosch, aber ein anderes Lächeln, das Kennzeichen eines ihm unbekannten, verborgenen Schmerzes, löste den früheren Ausdruck ab. »Bald, bald. Du sagtest, daß unsere Lage peinlich sei, daß wir ihr ein Ende machen müßten. Wüßtest du doch, wie mir dies schwer wird, was ich darum geben möchte, dich frei und kühn lieben zu dürfen. Dann würde ich weder mich noch dich mit meiner Eifersucht quälen. Jene Krisis wird bald eintreten, aber nicht so, wie wir denken.« Bei dem Gedanken daran, wie es kommen würde, erschien sie sich selbst so beklagenswert, daß ihr die Thränen in die Augen traten und sie nicht weiter zu sprechen vermochte. Sie zog ihre in der Lampe weißschimmernde beringte Hand in den Ärmel zurück. »Sie wird nicht so eintreten, wie wir denken. Ich wollte es dir nicht sagen, aber du veranlaßtest mich dazu. Bald, bald wird sich alles lösen und wir alle, alle werden ruhig werden und uns nicht mehr quälen.« »Ich verstehe nicht,« sagte Wronskiy, sie recht wohl verstehend. »Du frugest mich, wenn die Krisis käme? Nun bald! Ich selbst werde sie nicht überleben. Unterbrich mich nicht.« Sie fuhr hastig fort zu sprechen, »ich weiß das, ich weiß es gewiß! Ich werde sterben, und bin sehr froh, daß ich sterben und mich und euch erlösen werde.« Thränen rannen ihr aus den Augen; er aber beugte sich auf ihre Hand herab und küßte sie, um seine Bewegung zu verbergen, die -- er wußte es -- zwar keinerlei Grund hatte, aber gleichwohl nicht zu beschwichtigen war. »So wird es kommen, und so wird es am besten sein,« sagte sie, seine Hand mit heftiger Bewegung pressend; »das ist das Einzige, was uns geblieben ist.« Er kam zu sich und hob das Haupt. »Welch eine Thorheit! Welch sinnlose Thorheit du da sprichst!« »Nein, nur Wahrheit.« »Was, was für eine Wahrheit?« »Daß ich sterben werde. Ich habe einen Traum gehabt.« »Einen Traum?« Wronskiy fiel sofort der Bauer in seinem eigenen Traume ein. »Ja, einen Traum,« sagte sie. »Schon vor Langem habe ich ihn einmal gehabt diesen Traum. Ich träumte, daß ich in mein Schlafzimmer eilte, weil ich dort etwas holen, nach etwas sehen wollte -- du weißt ja, wie das im Traume ist,« sagte sie, vor Schrecken die Augen weit aufreißend, »im Schlafzimmer aber stand etwas« -- »Thorheiten, wie kann man glauben« -- , ! « 1 2 , 3 , . 4 5 , , 6 7 , , 8 , , 9 , , 10 , 11 , , 12 . 13 14 , , , 15 , , 16 , , 17 , 18 , . 19 , . 20 21 22 . 23 24 25 ; 26 . 27 28 , 29 . , 30 31 , 32 , 33 , 34 , 35 , , 36 , , , 37 , . 38 39 , 40 . 41 , 42 , 43 . 44 . 45 46 , 47 48 . , 49 , , , 50 . 51 52 , , 53 , 54 , 55 , . 56 ; 57 , , 58 , 59 , , 60 , , 61 , , 62 , 63 , 64 . 65 , 66 . 67 , . 68 69 , , 70 , 71 , . 72 73 » 74 , « , » 75 . , , 76 . 77 78 ! 79 , ; 80 . , 81 , , 82 , 83 , - - , 84 . 85 , , . 86 , , , , 87 , 88 , , 89 - - . , 90 91 , . 92 . , 93 . « 94 95 , 96 . 97 98 , , 99 . 100 , , , 101 , 102 , . 103 104 , 105 , 106 . 107 108 109 110 , . 111 112 » , « , » 113 , , . « 114 115 , , , 116 , , , 117 , , . 118 , 119 . 120 121 , 122 , 123 , 124 . 125 . 126 127 , 128 , 129 . 130 . 131 132 » , « , 133 » ? , 134 ! « 135 136 » , , 137 . « 138 139 » , ! , . 140 : ' ! , 141 . « 142 143 » , . « 144 145 . 146 147 , 148 . 149 , , . 150 151 » , 152 , « . » 153 ; , 154 , , « , 155 , » 156 . « 157 158 » , « , » , 159 . , . « 160 161 » , , , 162 ; 163 , ; 164 , . « 165 166 » , 167 ? « 168 169 » , « , 170 , 171 , » , ! « - - 172 173 , 174 , . 175 , , , 176 , 177 . 178 , 179 , . 180 181 182 . 183 184 » ; , 185 , « , 186 . . 187 , , , , 188 , . 189 190 191 . 192 193 , 194 , 195 , , 196 ; , , 197 , , 198 , , , 199 , , 200 . 201 202 , , 203 . , 204 205 , 206 . 207 , , 208 , , 209 , , 210 , 211 , . 212 213 , 214 , , 215 216 . 217 218 219 , 220 , . , 221 . 222 223 , ; 224 , . 225 , , , 226 . 227 228 » , , « , 229 . 230 231 » , . 232 , « , 233 . 234 235 » , « , , 236 237 . 238 239 , 240 , 241 , 242 . 243 244 , , 245 , , 246 , , , 247 , . 248 , 249 , , , . 250 . 251 252 , 253 ; , 254 , . 255 256 , 257 . 258 . 259 260 , 261 . 262 ; 263 , . 264 265 » , , « 266 . » , , 267 . , 268 , . 269 , « , » 270 , ? « 271 272 » ? ? ? « 273 274 » , , - - 275 ! « - - , 276 . , 277 , 278 , , 279 . » . 280 , 281 - - . ; 282 , , . « 283 284 , , 285 . , 286 . , 287 , , 288 . . 289 290 , . 291 292 , , , 293 , , . 294 295 - - 296 - - . 297 , , 298 , , 299 . 300 301 , , 302 . , 303 , , , 304 . 305 . 306 , , 307 , 308 . 309 310 , 311 312 . 313 314 , - - - - 315 , , 316 . , , 317 » , ! « , 318 » ! « , 319 . , 320 - - . - - 321 322 , , 323 , , , 324 , 325 , , 326 , . , 327 . , , 328 , - - 329 ! - - 330 - - , 331 , , 332 . 333 334 » , - - , 335 , - - ! « - - 336 337 , 338 , 339 . , 340 , , 341 , - - , 342 , 343 , , 344 . , . - - 345 346 » ! , ? « 347 . , 348 , 349 . , . 350 ; . 351 - - , 352 , 353 . , 354 , 355 , 356 , , 357 358 - - , 359 , , , , 360 . 361 362 » , , ! - - , ? « 363 . 364 365 » , , ! « - - 366 367 » ; , . 368 , ; ! « 369 , , 370 , . 371 372 , 373 , , - - . 374 375 » ; ; ? 376 ? ? , 377 . « 378 379 380 . 381 382 , , 383 384 , 385 . , 386 ; , 387 . 388 , 389 . 390 391 , . 392 , , , 393 , » « , 394 , , 395 , » 396 , ! « » , 397 , , , 398 . « - - , 399 . , 400 , , 401 , , 402 , 403 : , , , 404 , , 405 . 406 407 , 408 . 409 , 410 . 411 412 » , 413 . « 414 415 » , . 416 , , 417 - - , , « 418 - - , 419 , , 420 421 - - » . « 422 423 » , 424 , , 425 , , « , 426 . 427 428 » « - - 429 430 » , « 431 : » , , 432 , - - 433 . . 434 , = = 435 , , , 436 . « - - 437 438 » ? . « 439 440 » , , , 441 , , 442 . « 443 444 » , 445 , , 446 . « 447 448 » . 449 . 450 ; 451 , , - - 452 ? « 453 454 , 455 , - - 456 , 457 - - . 458 459 » , , , 460 . , « . 461 462 » ; , 463 ; , 464 , . « 465 466 » - - - - ! « , , 467 , 468 . 469 470 » , ; 471 . « 472 473 » ; ! « 474 475 » ! ! 476 , , ! « 477 478 , , 479 , 480 ; , . 481 482 , 483 , , 484 . 485 486 » , ! « . » 487 , . 488 . ! « 489 490 , 491 : 492 493 » ; , ! « 494 . 495 496 , . 497 , : » 498 , , 499 . « 500 501 . 502 , , - - 503 . - - 504 505 506 . , 507 , , 508 . 509 510 » ? « . 511 512 » ; . « 513 514 » ? , , 515 . , 516 ! « 517 518 » . . « 519 520 » ! « , » 521 ! « 522 523 » , , 524 . « 525 526 , 527 . 528 . 529 . , , 530 . , 531 , 532 , 533 , . 534 535 536 537 538 . 539 540 . 541 542 543 , , 544 ; , 545 . 546 547 , 548 , 549 , . . 550 , 551 . 552 553 ; 554 , 555 , , 556 , , 557 , . , 558 , , 559 . , 560 , 561 , , , , 562 , 563 . , 564 , 565 , . 566 567 , , , 568 , . 569 570 571 . , 572 , , 573 . , 574 , , , 575 , , 576 , ; 577 . 578 , , 579 , , , 580 , . , 581 , , 582 , , 583 . 584 ; 585 586 , , 587 , , 588 . , 589 590 , , . 591 592 593 , . 594 . 595 . , 596 597 . 598 599 , , 600 , , 601 , . 602 , , , 603 . 604 ; , 605 , , 606 , . 607 608 609 , 610 . 611 612 , - - , 613 , 614 , - - 615 . 616 617 618 , , 619 , , 620 , . 621 622 , 623 , 624 . 625 , 626 , , . 627 , 628 , , 629 , 630 , , 631 , , , 632 . , 633 , , 634 . , , 635 . 636 , 637 638 . , 639 ; 640 641 . 642 643 » ; ? « . 644 645 , 646 , , 647 , , 648 . 649 650 , 651 , 652 . 653 654 655 . 656 657 , . 658 659 : » . , 660 . 661 . 662 . « 663 664 , 665 , , 666 , , , 667 . 668 669 , 670 . , 671 672 , 673 , 674 , . 675 , . . » 676 ? ? ? 677 , , , , , 678 , 679 . , , « 680 . » 681 ? « 682 , - - 683 . 684 685 » ! « . 686 687 . , 688 , 689 , . 690 691 , 692 , . , 693 , ; 694 . » , « , 695 » ; , 696 . , , « 697 , 698 , 699 . 700 701 , , 702 . , , , 703 , 704 . 705 706 707 . , 708 , 709 . , 710 . 711 , 712 , . , 713 , , , 714 , . 715 716 ; 717 . 718 719 » ! « , » , 720 , , ; 721 - - 722 , 723 ! « 724 725 726 . 727 , 728 , 729 , , , 730 , . 731 , , 732 , , 733 ; 734 . 735 736 . 737 , , 738 . 739 740 » ! « , , 741 , » 742 , , ! « 743 744 » , ? « 745 746 » ? , , , - - , 747 , . 748 . , ! « 749 750 751 , . 752 , . 753 , 754 - - , 755 - - , . 756 757 758 . 759 760 » ? « , 761 . » , 762 . « 763 764 » , ? ? « 765 766 » , . 767 ; . ? 768 ? « 769 770 . , 771 , 772 , 773 , , 774 . 775 776 » ? « 777 778 » , . , 779 . « 780 781 » ? 782 ? « , , , 783 , . 784 785 » , « , 786 , 787 . » , « , 788 , » 789 , , 790 . « 791 792 , , 793 , . 794 795 » - - 796 , , , « , 797 » . 798 ! « 799 800 » , « - - 801 802 . 803 804 » , ? « 805 806 » « - - 807 808 » ! , 809 , « , , 810 , » 811 , . ? 812 ? « , » , 813 . , 814 ? « 815 816 » ! . ? 817 , , 818 ? « 819 820 » , , « , , 821 , » , 822 . , - - ? « 823 824 , , 825 . , 826 , , 827 , , , 828 , 829 . , 830 ; , , , 831 - - 832 , , 833 . 834 835 , ; 836 , . 837 , 838 ; 839 . , 840 , , 841 , . 842 843 , 844 , 845 , 846 . 847 848 , , 849 , , 850 . , , 851 , , 852 , , 853 . 854 855 » , ? 856 , , « . 857 . » 858 ? ? « 859 860 » , ! « , , 861 . » 862 , , 863 , 864 , , « , 865 . 866 867 » , ? « . » , 868 ? « 869 870 » - - . 871 , 872 , , 873 - - . « 874 875 » ! « , 876 , . 877 878 » , « . 879 880 » ; ; 881 , , 882 , . , 883 . « 884 885 » , « , 886 , , . 887 888 » , ! , 889 , . , 890 ; , 891 ; , 892 , « - - , 893 , 894 895 , 896 . » , 897 ? « 898 . 899 900 » . « 901 902 » ? « 903 904 , , 905 . 906 , 907 . 908 909 , , 910 , . 911 912 » , « . » 913 914 - - . 915 ? ; . « 916 917 » ? « , » . « 918 919 » , 920 ? « 921 922 » . , 923 , ? , - - 924 , - - , ? 925 . , , 926 ? 927 ? ? « 928 , » , = = , , « . » , 929 ! , . , , 930 , , 931 , , - - = 932 = , ! , 933 . , , 934 , . 935 ! « - - 936 937 » , , , « , 938 , . » 939 . , ? 940 ? ? « 941 942 . 943 944 , , 945 . 946 947 : » , , 948 , . 949 ? « 950 951 , , 952 , , 953 . 954 955 » , . , , 956 . , , 957 , . 958 . 959 , , . « , 960 , , 961 . 962 963 . » , . 964 , . , 965 , . « 966 967 » , « , . 968 969 » , ? ! 970 . . « 971 , » , ! , 972 , . « 973 ; 974 , , - - - - 975 , . » 976 , , « , 977 ; » , 978 . « 979 980 . 981 982 » ! ! « 983 984 » , . « 985 986 » , ? « 987 988 » . . « 989 990 » ? « 991 . 992 993 » , , « . » 994 . , , 995 , - - , 996 , « , , 997 » « - - 998 999 » , « - - 1000