Katharina: So beruhige dich doch, Paul, sei nicht so aufgebracht! Petkoff [brummend]: Der Schuft ist in meiner Abwesenheit außer Rand und Band geraten. Ich werde ihn schon lehren...[Er erinnert sich seines Gastes.] Ach, entschuldigen Sie! Kommen Sie, Bluntschli, und sprechen Sie nicht mehr vom Fortgehen. Sie wissen ganz gut, daß Sie nicht sofort in die Schweiz zurückkehren, Sie können also vorerst getrost bei uns bleiben. Raina: Ach ja! Bitte, bleiben Sie, Hauptmann Bluntschli. Petkoff [zu Katharina]: Hauptmann Bluntschli zögert am Ende noch, weil er glaubt, daß du sein Bleiben nicht wünschest? Bitte du ihn, und er wird nachgeben. Katharina: Aber selbstverständlich! Ich werde mich glücklich schätzen, wenn Hauptmann Bluntschli wirklich bleiben will. [Ihn mit Blicken beschwörend]: Er kennt meine Wünsche. Bluntschli [in seiner trockensten militärischen Art]: Ganz wie Sie befehlen, gnädige Frau. Sergius [freundschaftlich]: Und damit abgemacht! Petkoff [herzlich]: Abgemacht! Raina: Sie sehen, daß Sie bleiben MÜSSEN! Bluntschli [lächelnd]: Nun, wenn ich muß, dann muß ich wohl. [Gebärde der Verzweiflung von Katharina.] [Vorhang] DRITTER AKT [Nach dem Mittagessen in der Bibliothek.--Nicht viel darin berechtigt zu dieser Bezeichnung. Die literarische Einrichtung dieses Raumes besteht bloß aus einem einzigen Bücherbrett, das mit alten ungebundenen, zerrissenen, kaffeebefleckten und mit Daumenabdrücken versehenen Romanen angefüllt ist. Ferner ein paar hängende Wandetageren mit einigen Geschenkbänden. Die andern Wände sind mit Jagd- und Kriegstrophäen bedeckt, es ist im übrigen ein äußerst behagliches Wohnzimmer. Eine Front von drei breiten Fenstern gestattet den Ausblick auf ein Bergpanorama, das man eben in sehr freundlichem, mildem Nachmittagslichte bewundern kann. In der Ecke neben dem rechtseitigen Fenster verspricht ein viereckiger Kachelofen, ein wahrer Turm farbiger Kacheln bis fast zur Zimmerdecke, behagliche Wärme. Die Ottomane in der Mitte ist rund, mit gestickten Kissen bedeckt, und in den Fensternischen stehen gut gepolsterte kleine Diwane. Kleine türkische Tische--auf einem liegt eine gutgearbeitete Wasserpfeife--und ein sie verbindender Wandschirm vervollständigen den angenehmen Eindruck der Einrichtung. Nur ein Möbelstück ist da, das gar nicht in den Rahmen des Zimmers paßt,--das ist ein kleiner, sehr abgenützter, in einen Schreibtisch umgewandelter Küchentisch. Eine alte, mit Federn gefüllte Blechbüchse, ein mit Tinte gefüllter Eierbecher und ein elender Fetzen ganz verbrauchten rosaroten Löschpapiers liegen darauf. An diesem Tische, der dem linksseitigen Fenster gegenübersteht, sitzt Bluntschli, in Arbeit vertieft. Er hat ein paar Landkarten vor sich und schreibt Befehle aus. An der Schmalseite sitzt Sergius, der auch so tut als ob er beschäftigt wäre, der aber eigentlich nur an seinem Federhalter kaut. Er beobachtet Bluntschlis raschen, sicheren, berufsmäßigen Fortschritt bei der Arbeit mit einer Mischung von neidischer Erregung in Anbetracht seiner eigenen Unfähigkeit, und ehrfürchtigem Erstaunen über eine Geschicklichkeit, die ihm beinahe überirdisch erscheint, obgleich der prosaische Charakter der Arbeit ihm verbietet, sie zu achten. Major Petkoff lehnt behaglich mit einer Zeitung auf der Ottomane, in erreichbarer Nähe steht die Wasserpfeife. Katharina sitzt am Ofen, kehrt der Gesellschaft den Rücken zu und stickt. Raina lehnt in den Kissen des Divans unter dem rechtsseitigen Fenster und blickt träumerisch auf die Balkanlandschaft hinaus, ein vernachlässigter Roman liegt in ihrem Schoße. Die Tür ist auf derselben Seite wie der Ofen, weiter vom Fenster entfernt. Der Knopf der elektrischen Klingel befindet sich zwischen der Tür und dem Ofen.] Petkoff [blickt von seiner Zeitung auf und beobachtet, wie es auf dem Tische vorwärts geht]: Sind Sie ganz sicher, daß ich Ihnen in keiner Weise behilflich sein kann, Bluntschli? Bluntschli [ohne seine Arbeit zu unterbrechen oder aufzusehen]: Ganz sicher, ich danke. Saranoff und ich, wir werden die Sache schon fertigkriegen. Sergius [grimmig]: Jawohl, WIR werden die Sache schon fertigkriegen. Er tiftelt heraus und bestimmt, was zu geschehen hat, schreibt die Ordres aus, und ich unterschreibe sie, das heißt Arbeitsteilung, Major. [Bluntschli reicht ihm ein Papier.] Noch eins? Ich danke Ihnen. [Er breitet den Bogen vor sich aus, setzt seinen Stuhl sorgfältig davor zurecht und unterschreibt mit der Miene eines Mannes, der entschlossen eine schwierige und gefahrvolle Tat vollbringt.] Diese Hand ist mehr an das Schwert gewöhnt als an die Feder. Petkoff: Es ist wirklich sehr freundlich von Ihnen, Bluntschli, wahrhaftig, daß Sie sich in dieser Weise ausnützen lassen. Sind Sie GANZ sicher, daß ich gar nichts weiter helfen kann? Katharina [in leise verwarnendem Ton]: Du könntest aufhören zu unterbrechen, Paul. Petkoff [fährt auf und blickt zu ihr hinüber]: Was? Wie? Ganz richtig, meine Liebe, ganz richtig. [Er nimmt die Zeitung wieder auf, läßt sie aber sofort fallen.] Ah, du hast keinen Feldzug mitgemacht, Katharina, du ahnst nicht, wie angenehm es uns ist, nach einem guten Mittagessen hier zu sitzen, mit keiner andern Verpflichtung, als es uns wohl sein zu lassen. Etwas fehlt mir allerdings zu meiner vollständigen Behaglichkeit. Katharina: Und das ist? Petkoff: Mein alter Rock--ich fühle mich nicht zu Hause in diesem da. Ich komme mir vor wie bei der Parade. Katharina: Mein teurer Paul, wie töricht du nur wegen dieses alten Rockes bist. Er muß noch in der blauen Kammer hängen, wo du ihn zurückgelassen hast. Petkoff: Meine liebe Katharina, ich versichere dir, daß ich dort gesucht habe. Darf ich meinen eigenen Augen glauben oder nicht? [Katharina erhebt sich ruhig und drückt auf die elektrische Klingel neben dem Ofen.] Wozu führst du diese Klingel vor? [Sie sieht ihn majestätisch, an, setzt sich schweigend in ihren Stuhl und nimmt ihre Näharbeit wieder auf.] Meine Liebe, wenn du glaubst, daß der Eigensinn einer Frau aus zwei alten Schlafröcken Rainas, aus deinem Regenmantel und meinem Mantel einen Rock machen kann, dann irrst du ganz gewaltig, und DAS ist zu dieser Stunde einzig und allein der Inhalt der blauen Kammer! [Nicola erscheint auf der Schwelle.] Katharina [ganz ruhig, trotz Petkoffs Ausfall]: Nicola! geh in die blaue Kammer und bringe deines Herrn alten Rock hierher, den mit Borten besetzten, den er gewöhnlich im Hause trägt. Nicola: Zu Befehl, gnädige Frau. Petkoff: Katharina! Katharina: Ja, Paul. Petkoff: Ich wette mit dir um jeden Schmuck, den du in Sofia bestellen willst, gegen das Haushaltungsgeld einer Woche, daß der Rock nicht in der blauen Kammer ist. Katharina: Abgemacht, Paul! Petkoff [aufgeregt durch die Aussicht auf eine Wette]: Kommt, es gibt hier einen Sport. Wer will noch darauf wetten? Bluntschli, ich halte Ihnen sechs gegen eins. Bluntschli [gelassen]: Das hieße Sie ausrauben, Major. Die gnädige Frau hat sicher recht. [Ohne aufzusehen reicht er Sergius abermals einen Stoß Papiere.] Sergius [gleichfalls aufgeregt]: Bravo, Schweiz! Major, ich wette mein bestes Chargenpferd gegen eine arabische Stute für Raina, daß Nicola den Rock in der blauen Kammer findet. Petkoff [eifrig]: Dein bestes Chargenpferd? Katharina [ihn rasch unterbrechend]: Sei nicht verrückt, Paul, eine arabische Stute kann dich fünfzigtausend Leu kosten. Raina [plötzlich aus ihrer träumerischen Bewunderung der Landschaft erwachend]: Wahrhaftig, Mama, wenn du bereit bist, den Schmuck anzunehmen, so sehe ich nicht ein, warum du mir meinen Araber vorenthalten willst. [Nicola kehrt mit dem Rock zurück und bringt ihn Petkoff, der kaum seinen Augen traut.] Katharina: Wo war er, Nicola? Nicola: Er hing in der blauen Kammer, gnädige Frau. Petkoff: Na, ich will verdammt sein... Katharina [einfallend]: Paul! Petkoff: Ich hätte schwören mögen, daß er nicht dort war. Das Alter fängt an, bei mir anzuklopfen, ich bekomme schon Halluzinationen. [Zu Nicola]: Da, hilf mir! Entschuldigen Sie, Bluntschli. [Er wechselt seinen Rock, Nicola hilft ihm dienstbeflissen.] Ich mache dich darauf aufmerksam, Sergius, daß ich deine Wette nicht angenommen habe. Du könntest lieber selbst Raina die arabische Stute schenken, da du nun schon einmal solche Erwartungen erweckt hast. Nicht wahr, Raina? [Er wendet sich nach ihr um, aber sie ist wieder in den Anblick der Landschaft vertieft; mit einem kleinen Ausbruch väterlicher Liebe und Eitelkeit macht er die andern auf seine Tochter aufmerksam und sagt]: Sie träumt schon wieder, wie gewöhnlich. Sergius: Keinesfalls soll sie dabei zu kurz kommen. Petkoff: Um so besser für Raina. Ich fürchte, ich werde nicht so billig loskommen. [Nun ist der Kleiderwechsel vollzogen, Nicola geht mit dem abgelegten Rock hinaus.] Petkoff: Ach, nun fühle ich mich endlich zu Hause! [Er setzt sich und nimmt seine Zeitung mit behaglichem Grunzen wieder zur Hand.] Bluntschli [zu Sergius, ihm ein Papier reichend]: Das ist der letzte Befehl. Petkoff [aufspringend]: Was--schon fertig? Bluntschli: Fertig! Petkoff [geht zu Sergius, sieht neugierig über seine linke Schulter zu, wie er unterzeichnet, und sagt mit kindischem Neide]: Soll ich denn gar nichts unterzeichnen? Bluntschli: Es ist nicht nötig, seine Unterschrift wird genügen. Petkoff: Nun gut, ich denke, wir haben ein verflucht anständiges Stück Arbeit vollbracht. [Er entfernt sich vom Arbeitstisch]: Kann ich sonst noch etwas tun? Bluntschli: Gut wäre es, wenn Sie beide die Kerle ansehen würden, die diese Befehle zu überbringen haben. [Zu Sergius]: Schicken Sie die Leute gleich fort und zeigen Sie ihnen, daß ich auf der Marschroute die Zeit angegeben habe, in der sie ausgehändigt sein MÜSSEN. Sagen Sie ihnen auch, daß ihnen die Haut über die Ohren gezogen werden wird, wenn sie trinken und schwatzen und sich dadurch auch nur um fünf Minuten verspäten. Sergius [erhebt sich entrüstet]: Das werde ich ausrichten! Und wenn einer von ihnen Manns genug ist, mir dafür ins Gesicht zu speien, weil ich ihn beleidigt habe, so will ich ihn loskaufen und ihm eine Pension bezahlen. [Er geht mit großen Schritten ab, in seiner Menschenwürde tief verletzt.] Bluntschli [vertraulich zu Petkoff]: Sie passen auf, daß er mit den Leuten richtig spricht, Herr Major, nicht wahr? Petkoff [diensteifrig]: Gewiß, Bluntschli, gewiß, ich will mich darum kümmern. [Er geht gewichtig zur Tür, zögert aber an der Schwelle]: Apropos, Katharina, du kannst auch mitkommen. Dein Anblick wird sie weit mehr einschüchtern als der meine. Katharina [ihre Stickerei niederlegend]: Ich glaube selbst, daß es besser sein wird; du wirst dich höchstens blamieren. [Petkoff öffnet ihr die Türe, sie geht ab und er folgt ihr.] Bluntschli: Was für ein Volk! Sie zimmern Kanonen aus Kirschbäumen, und die Offiziere schicken nach ihren Frauen, um die Disziplin aufrechtzuerhalten. [Er fängt an, die Papiere zusammenzufalten und zu verzeichnen; Raina, die sich vom Diwan erhoben bat, geht im Zimmer auf und ab, die Hände auf dem Rücken geballt, blickt sie Bluntschli mutwillig an.] Raina: Sie sehen jetzt viel netter aus als damals, da wir uns zuletzt getroffen haben. [Er blickt überrascht auf.]--Wie haben Sie das nur angestellt? Bluntschli: Mich gewaschen, gebürstet, nachts gut geschlafen und gefrühstückt--weiter nichts, gnädiges Fräulein. Raina: Sind Sie an jenem Morgen gefahrlos durchgekommen? Bluntschli: Vollkommen, ich danke Ihnen. Raina: Waren Ihre Vorgesetzten ungehalten darüber, daß Sie bei Sergius' Attacke davongelaufen sind? Bluntschli: Nein, sie waren darüber froh, weil sie alle genau dasselbe getan hatten. Raina [geht an den Tisch und beugt sich über den Tisch zu ihm hinüber]: Es muß eine lustige Geschichte für SIE gewesen sein--all das von mir und meinem Zimmer! Bluntschli: Ein famoses Abenteuer. Aber ich habe es nur einem einzigen Menschen erzählt, einem alten Freunde. Raina: Auf dessen Verschwiegenheit Sie unbedingt zählen durften? Bluntschli: Unbedingt. Raina: So! Nun denn, er hat meinem Vater und Sergius alles erzählt an jenem Tage, an dem Sie den Austausch der Gefangenen vornahmen. [Sie wendet sich ab und schlendert nachlässig auf die gegenüberliegende Seite des Zimmers.] Bluntschli [sehr betroffen und halb ungläubig]: Das ist doch nicht Ihr Ernst--das ist unmöglich! Raina [mit plötzlichem Ernst, indem sie umkehrt]: Es ist so; aber die beiden wissen nicht, daß SIE es waren und daß Sie in DIESES Haus geflüchtet sind. Wenn Sergius das erführe, er würde Sie fordern und im Duell töten. Bluntschli: Gott behüte, dann erzählen Sie es ihm nur nicht! Raina [vorwurfsvoll wegen seines Leichtsinns]: Können Sie sich vorstellen, was es für mich bedeutet, ihn betrügen zu müssen? Ich möchte ganz eins sein mit Sergius. Keinerlei Niedrigkeiten, nichts Verwerfliches, kein Betrug sollte zwischen uns stehen. Meine Beziehung zu ihm ist das wahrhaft schönste und erhabenste Ereignis meines Lebens--ich hoffe, Sie können das begreifen. Bluntschli [skeptisch]: Sie wollen sagen, daß es Ihnen nicht angenehm wäre, wenn er herausfände, daß die Geschichte mit dem Eispudding eine--eine...na--Sie wissen schon. Raina [zusammenzuckend]: Ah, sprechen Sie darüber nicht in so leichtfertiger Weise! Ja, ich habe gelogen, ich weiß es, aber ich habe gelogen, um Ihnen das Leben zu retten--er würde Sie getötet haben! Es war das zweitemal, daß ich in meinem Leben gelogen habe. [Bluntschli erhebt sich rasch und blickt Raina zweifelnd und etwas strenge an.] Raina: Erinnern Sie sich an das erstemal? Bluntschli: Ich? nein. War ich denn zugegen? Raina: Jawohl! Und ich sagte dem russischen Offizier, der nach Ihnen suchte, daß Sie nicht zugegen wären. Bluntschli: Bei Gott, das ist wahr, ich hätte mich daran erinnern sollen. Raina [sehr ermutigt]: Ah, ich begreife, daß SIE das vergessen haben; Sie hat es ja nichts gekostet, aber mich kostete es eine Lüge--eine Lüge! [Sie setzt sich auf die Ottomane und blickt starr vor sich hin, die Hände über das Knie gekreuzt. Bluntschli nähert sich ihr sehr ergriffen und setzt sich mit ganz besonders beruhigender und rücksichtsvoller Gebärde neben sie.] Bluntschli: Verehrtes gnädiges Fräulein, machen Sie sich darüber keine Gedanken! Bedenken Sie, ich bin Soldat! Nun welches sind die beiden Dinge, die einem Soldaten so oft passieren, daß er schon gar nicht mehr darauf achtet? Daß er Leute Lügen erzählen hört, ist das eine. [Raina fährt zurück.] Das andere, daß ihm auf alle mögliche Art und Weise von allen möglichen Leuten das Leben gerettet wird. Raina [protestiert entrüstet und erhebt sich]: Und so wird er ein undankbares, treuloses Geschöpf. Bluntschli [ein saures Gesicht schneidend]: Lieben Sie Dankbarkeit? Ich nicht. Wenn Mitleid mit der Liebe blutsverwandt ist, so ist die Dankbarkeit verwandt mit dem Gegenteil. Raina: Dankbarkeit! [Sich nach ihm umwendend]: Wenn Sie nicht dankbar sein können, dann sind Sie überhaupt jeder edlen Regung unfähig--selbst Tiere sind dankbar! Oh, jetzt weiß ich genau, was Sie über mich denken! Sie waren nicht überrascht, mich lügen zu hören, Sie waren überzeugt, daß ich das täglich, ja stündlich täte! So denken Männer über Frauen. [Sie geht im Zimmer melodramatisch umher.] Bluntschli [mißtrauisch]: Nicht so ganz ohne Berechtigung. Sie behaupten, daß Sie in Ihrem ganzen Leben bloß zweimal gelogen haben! Verehrtes Fräulein, ist das nicht gar zu wenig?! Ich bin ein recht wahrheitsliebender Kerl; aber bei mir würde das nicht für einen einzigen Vormittag reichen. Raina [ihn von oben herab ansehend]: Sie beleidigen mich, Herr Hauptmann! Bluntschli: Dafür kann ich nichts. Wenn Sie diese edle Haltung annehmen und in so hohem Tone sprechen, dann bewundere ich Sie--aber es ist mir unmöglich, Ihnen auch nur ein Wort zu glauben! Raina [stolz]: Hauptmann Bluntschli! Bluntschli [unbeweglich]: Sie befehlen? Raina [geht ihm ein wenig entgegen, als ob sie ihren Ohren nicht traute]: MEINEN Sie das, was Sie eben gesagt haben? WISSEN Sie, was Sie eben gesagt haben? Bluntschli: Ganz genau. Raina [keuchend]: Ich! Ich!! [Sie zeigt ungläubig auf sich, als wollte sie sagen: "Ich Raina Petkoff, bin eine Lügnerin." Er begegnet ihrem Blick unerschütterlich, plötzlich setzt sie sich neben ihn und geht mit vollkommenem Wechsel ihres Benehmens von ihrer aufgebrachten zu einer vertraulichen Art und Weise über.] Wie haben Sie mich so schnell durchschaut? Bluntschli [sofort]: Instinkt, gnädiges Fräulein, Instinkt und Welterfahrung! Raina [verwundert]: Wissen Sie, daß Sie der erste Mann in meinem Leben sind, der mich nicht ernst genommen hat? Bluntschli: Sie meinen, nicht wahr, daß ich der erste Mann bin, der Sie ganz ernst nimmt? Raina: Ja, ich glaube, das meine ich. [Gemütlich und sehr unbefangen]: Wie sonderbar das ist, wenn mit einem so ehrlich gesprochen wird! Wissen Sie, ich hab' es immer so getrieben!--ich meine die edle Haltung und den hohen Ton, so habe ich mich schon als kleines Kind meiner Amme gegenüber aufgespielt. Sie hat daran geglaubt. Ich tue es vor meinen Eltern; sie glauben auch daran, Sergius gegenüber tue ich gleichfalls so, er glaubt auch daran. Bluntschli: Jawohl, er posiert selbst ein wenig in dieser Art, nicht wahr? Raina [auffahrend]: Glauben Sie? Bluntschli: Sie müssen ihn besser kennen als ich. Raina: Ich wäre begierig, zu erfahren, ob er wirklich auch so ist! Wenn ich dächte, daß er--! [Entmutigt:] Doch wozu, was liegt daran? Ich fühle, daß Sie mich jetzt verachten, weil Sie mich erkannt haben. Bluntschli [erhebt sich, warm]: Durchaus nicht, mein verehrtes Fräulein,--o nein, nein, tausendmal nein. Ihr Gehaben macht einen Teil Ihrer Jugend, Ihres Reizes aus. Ich bin genau wie alle übrigen, wie Amme, Eltern und Sergius,--ich bin Ihr betörter Bewunderer. Raina [erfreut]: Wirklich? Bluntschli [sich nach deutscher Art auf die Brust schlagend]: Hand aufs Herz, wahrhaftig! Raina [sehr glücklich]: Aber was haben Sie dazu gesagt, daß ich Ihnen mein Bild geschenkt habe? Bluntschli [erstaunt]: Ihr Bild? Sie haben mir doch nie Ihr Bild geschenkt. Raina [rasch]: Wollen Sie behaupten, daß Sie es NICHT erhalten haben? Bluntschli: Gewiß will ich das! [Er setzt sich mit erneuertem Interesse neben sie und sagt mit einer gewissen Selbstgefälligkeit]: Wann haben Sie es mir denn geschickt? Raina [entrüstet]: Ich habe es Ihnen nicht geschickt! [Sie wendet den Kopf ab und fügt zögernd hinzu]: Es war in der Tasche jenes Rockes... Bluntschli [beißt sich auf die Lippen und rollt die Augen]: Oh, oh, oh, und ich hab' es nicht gefunden! Es muß jetzt noch darin sein. Raina [aufspringend]: Noch darin?! Damit mein Vater es findet, sobald er die Hände in die Taschen steckt? Nein, wie konnten Sie nur so dumm sein! Bluntschli [erhebt sich gleichfalls]: Machen Sie sich nichts daraus, es ist doch nur eine Photographie,--wie kann er wissen, für wen sie bestimmt war? Sagen Sie ihm einfach, daß er sie selbst hineingetan hat. Raina [ungeduldig]: Ich danke Ihnen für den guten Rat! Sie sind gar so gescheit! Ach, ach, ach, was soll ich nur beginnen? Bluntschli: Ah, ich verstehe: Sie haben etwas darauf geschrieben. Das war freilich unvorsichtig. Raina [fast bis zu Tränen verdrossen]: Nein, daß ich so etwas für Sie tun konnte,--für Sie, dem gar nichts daran liegt! Der sich höchstens über mich lustig macht! Sind Sie wenigstens sicher, daß bis jetzt niemand es berührt hat? Bluntschli: Nein, ganz sicher kann ich nicht sein. Bedenken Sie doch: ich konnte den Rock ja nicht immer mit mir herumtragen, man darf im aktiven Dienst nicht viel Gepäck mitführen. Raina: Was haben Sie denn aber damit gemacht? Bluntschli: Als ich nach Pirot kam, da mußte ich ihn irgendwo in Sicherheit bringen, ich dachte an das Garderobezimmer der Eisenbahnstation,--aber das ist bestimmt ein Platz, der bei unserer modernen Kriegführung ganz ausgeplündert wird. Da zog ich vor, den Rock zu--versetzen! Raina: Versetzt haben Sie ihn! Bluntschli: Ich weiß, es klingt nicht nett, aber das Versatzamt war gewiß der sicherste Ort. Vorgestern habe ich ihn wieder ausgelöst; weiß der Himmel, ob der Pfandleiher die Taschen ausgeleert hat oder nicht. Raina [wütend, ihm die Worte ins Gesicht schleudernd]: Sie haben eine niedrige Krämerseele. Sie denken an Dinge, die einem Ehrenmann niemals einfallen könnten. Bluntschli [phlegmatisch]: Das ist der Schweizer Nationalcharakter, verehrtes Fräulein. Raina: Oh, wäre ich Ihnen nie begegnet! [Sie wendet sich heftig ab und setzt sich wütend ans Fenster.] [Louka kommt herein, einen Pack Briefe und Telegramme auf ihrem Servierteller. Sie geht mit ihrem kühnen, freien Wesen an den Tisch; ihr linker Ärmel ist mit einer Brosche an die Schulter hinaufgeheftet; man sieht ihren bloßen Arm, dessen blauer Fleck durch ein breites vergoldetes Armband verdeckt ist.] Louka [zu Bluntschli]: Das ist für Sie; [sie leert ihre Platte unbekümmert auf den Tisch aus:] der Bote wartet. [Sie ist entschlossen, gegen einen Serben nicht höflich zu sein, selbst wenn sie ihm seine Briefe bringen muß.] Bluntschli [zu Raina]: Wollen Sie mich einen Augenblick entschuldigen? Die letzte Post hat mich vor drei Wochen erreicht--diese Anhäufung ist die Folge davon,--vier Depeschen--eine Woche alt. [Er öffnet eine davon:] Oho! schlechte Nachrichten! Raina [steht auf und nähert sich etwas reumütig]: Schlechte Nachrichten? Bluntschli: Mein Vater ist gestorben. [Er blickt auf das Telegramm mit geschlossenen Lippen, in Gedanken vertieft über den unerwarteten Umschlag in seinen Plänen.] Raina: Oh! wie traurig. Bluntschli: Jawohl! Da werde ich in einer Stunde heimreisen müssen. Mein Vater hat eine Menge großer Hotels hinterlassen, um die ich mich nun bekümmern muß. [Er greift ein dickes, langes, blaues Kuvert heraus.] Da ist auch schon ein großer Brief von unserm Familienadvokaten. [Er reißt die Papiere heraus und überfliegt sie.] Großer Gott, siebzig--zweihundert--[mit wachsender Bestürzung:] vierhundert--viertausend--neuntausendsechshundert...was, um des Himmels willen, soll ich denn damit anfangen?! Raina [schüchtern]: Neuntausendsechshundert Hotels? Bluntschli: Hotels! Unsinn! Wenn Sie nur wüßten,--aber es ist zu lächerlich, entschuldigen Sie, ich muß Anordnungen wegen meiner Abreise treffen. [Er verläßt rasch das Zimmer, die Papiere in der Hand.] Louka [spöttisch]: Er hat nicht viel Herz, dieser Schweizer, obwohl er die Serben liebt; er hat kein Wort der Trauer, des Kummers für seinen seligen Vater. Raina [bitter]: Der und Kummer! Ein Mensch, der jahrelang nichts anderes getan hat, als Leute umbringen,--was liegt dem daran, wenn sein alter Vater stirbt! was liegt einem Soldaten an irgend etwas? [Sie geht zur Tür, ihre Tränen nur mühsam zurückhaltend.] Louka: Major Saranoff hat auch gekämpft, und es ist ihm doch sehr viel Herz übriggeblieben. [Raina blickt sie von der Tür aus hochmütig an und geht hinaus.] Aha, ich habe es mir gedacht, daß du wenig Gefühl aus DEINEM Soldaten herauskriegen würdest. [Sie ist im Begriff, Raina zu folgen, da tritt Nicola ein, Holz in den Armen, um nachzulegen.] Nicola [sie verliebt anlächelnd]: Den ganzen Nachmittag habe ich mich umsonst bemüht, dich allein anzutreffen, mein Schatz. [Sein Gesichtsausdruck verändert sich, als er ihren Arm bemerkt.] Was ist das für eine neue Mode, deine Ärmel zu tragen, mein Kind? Louka [stolz]: Meine eigene Mode. Nicola: In der Tat--! na! wenn dich die Frau so erwischt, wird sie dich lehren. [Er wirft das Holz auf die Ottomane und setzt sich bequem daneben.] Louka: Ist das ein Grund für dich, mich zu lehren? Nicola: Geh, sei nicht so widerspenstig gegen mich; ich habe eine gute Nachricht für uns. [Er nimmt etwas Papiergeld aus der Tasche, Louka kommt mit gierigem Augenblitzen näher, um es anzusehen.] Schau, ein Zwanzigleuschein! Sergius gab mir das Geld aus reiner Prahlerei--so ein Narr! Narrengeld ist bald dahin. Und da sind noch zehn Leu,--die gab mir der Schweizer dafür, daß ich der Gnädigen und Rainas Lügen auf mich genommen habe. Der ist kein Narr! Du hättest die alte Katharina nur unten hören sollen, wie höflich sie mich bat, mir nichts daraus zu machen, daß der Major etwas ungeduldig gewesen sei, denn sie wüßten ganz gut, was für ein prächtiger Diener ich sei--nachdem sie mich vor allen zu einem Narren und Lügner gestempelt haben! Die zwanzig Leu sind für unsere Ersparnisse bestimmt, und dir gebe ich die zehn, die kannst du nach Belieben ausgeben, wenn du dafür mit mir nur so sprechen willst, als ob ich auch ein Mensch wäre. Manchmal habe ich es doch satt, Diener zu sein. Louka [verachtungsvoll]: Ja, geh hin und verkaufe deine Manneswürde für dreißig Leu und kaufe mich für zehn Leu dazu! Behalte dein Geld! Du bist zum Diener geboren, ich nicht! Wenn du deinen Laden eingerichtet hast, dann wirst du jedermanns Diener sein, statt, wie jetzt, eines Mannes Diener. Nicola [nimmt sein Holz auf und geht zum Ofen]: Pah, wart' es nur erst ab, du wirst schon sehen! Wir werden unsere Abende für uns haben, und ich werde der Herr in MEINEM Hause sein,--das verspreche ich dir! [Er wirft das Holz hinunter und kniet vor dem Ofen.] Louka: Du wirst nie der Herr in meinem Hause sein. [Sie setzt sich stolz auf Sergius' Stuhl.] Nicola [wendet sich um, immer auf den Knien, und kauert sich etwas trostlos auf seine Fersen nieder, entmutigt von Loukas unerbittlicher Mißachtung.] Du bist sehr ehrgeizig, Louka; wenn dir irgendein unverhofftes Glück widerfahren sollte, dann vergiß nicht: ich war es, der eine Frau aus dir gemacht hat. Louka: Du? Nicola [mit hartnäckiger Selbstverteidigung]: Jawohl, ich. Wer hat dir abgewöhnt, deinen Kopf mit falschen schwarzen Haaren zu behängen und deine Lippen und Wangen rot zu schminken wie alle andern bulgarischen Mädchen? Ich war das. Wer lehrte dich deine Nägel putzen und deine Hände pflegen und dich fein und sauber halten wie eine große russische Dame? Ich! Verstehst du mich? Ich! [Sie wirft den Kopf verachtungsvoll in die Höhe und er erhebt sich übellaunig und fügt kühler hinzu:] Ich habe mir oft gedacht, wenn Raina nicht im Wege stünde und du bloß ein klein wenig klüger wärest und Sergius bloß ein klein wenig dümmer, du könntest einmal zu meinen größten Kunden zählen, statt daß du nur meine Frau wirst und mich Geld kostest. Louka: Ich glaube, du würdest lieber mein Diener sein als mein Mann! Du könntest dann auch mehr aus mir herausschlagen,--ich kenne deine schöne Seele. Nicola [tritt nahe an sie heran, um mit größerem Nachdruck zu sprechen]: Laß meine Seele aus dem Spiel, ein für allemal, aber höre auf meine Ratschläge! Wenn du eine Dame werden willst, dann ist dein augenblickliches Benehmen zu mir durchaus nicht angebracht, ausgenommen, wenn wir allein sind; es ist zu scharf und zu frech, und Frechheit verrät gewissermaßen eine Vertraulichkeit, die als Gunstbezeichnung ausgelegt werden könnte! Dann werde ich dich auch sehr bitten, nicht hochnäsig und von oben herab mit mir zu verkehren! Du bist darin wie alle Landgänschen. Du glaubst, es ist vornehm, einen Diener so zu behandeln, wie ich einen Stalljungen behandele; daran ist aber nur deine Unbildung schuld; vergiß das nicht und sei nur nicht immer gar so bereit, jedem Menschen Trotz zu bieten! Benimm dich, als ob du erwartetest deinen eigenen Willen durchzusetzen, und nicht, als ob du gewohnt wärst, daß mit dir herumkommandiert wird. Der Weg, sich als Dame oder als Diener vorwärts zu bringen, ist ganz der gleiche. Man muß wissen, was sich gehört, das ist das ganze Geheimnis. Und auf mich kannst du dich verlassen: ich weiß, was sich für mich gehört, wenn du aufrückst. Denke an mich, mein Schatz, ich will auch zu dir halten! Ein Diener sollte dem andern immer behilflich sein. Louka [erhebt sich ungeduldig]: Oh, ich muß mich auf meine eigene Art benehmen, du nimmst mir mit deiner kaltblütigen Weisheit nur alle Unbefangenheit. Geh, wirf das Holz ins Feuer, das ist eine Sache, die du verstehst. [Bevor Nicola etwas erwidern kann, tritt Sergius ein; er hält inne, als er Louka erblickt, dann geht er an den Ofen.] Sergius [zu Nicola]: Ich hoffe, ich bin dir nicht im Weg bei deiner Arbeit. Nicola [glatt, den alten Diener spielend]: O nein, ich danke sehr; ich habe nur mit diesem närrischen Ding über ihre Gepflogenheit gesprochen, bei jedem Anlaß in die Bibliothek zu laufen, um die Bücher anzusehen. Es ist ein Fehler ihrer Erziehung, Herr Major; sie gab ihr Gewohnheiten, die über ihrem Stande sind. [Zu Louka.] Mache den Tisch für den Herrn Major zurecht, Louka. [Er geht gesetzt hinaus; Louka beginnt, ohne Sergius anzublicken, die Papiere auf dem Tisch zu ordnen; er kommt langsam auf sie zu und studiert aufmerksam die Anordnung ihres Ärmels.] Sergius: Lassen Sie mich sehn, haben Sie da noch einen blauen Fleck? [Er nimmt das Armband ab und betrachtet den Fleck, der durch den Druck seiner Finger entstanden ist. Sie steht unbeweglich und sieht ihn nicht an, sie ist wie bezaubert, aber auf ihrer Hut. Er bläst auf die Stelle.] Tut's noch weh? Louka: Jawohl! Sergius: Soll ich es heilen? Louka [zieht sofort ihren Arm stolz zurück, ohne ihn anzusehen]: Nein, jetzt können Sie's nimmermehr. Sergius [herrisch]: Sind Sie dessen ganz sicher? [Er macht eine Bewegung, als ob er sie umarmen wollte.] Louka: Bitte, spielen Sie nicht mit mir; ein Offizier sollte nicht mit einer Dienerin tändeln. Sergius [berührt ihren Arm mit einem unbarmherzigen Streich seines Zeigefingers]: Das war kein Getändel, Louka. Louka: Nein? [Sieht ihn zum ersten Male an:] Tut es Ihnen leid? Sergius [mit gemessenem Pathos, seine Arme kreuzend]: Mir tut NIE etwas leid. Louka [sehnsüchtig]: Ich wollte, ich könnte glauben, daß ein Mann einer Frau so wenig ähnlich sein könnte. Sagen Sie mir, sind Sie wirklich ein tapferer Mann? Sergius [einfach, seine Positur aufgebend]: Ja, mutig bin ich wirklich. Mein Herz schlug beim ersten Schuß wie das eines Weibes, aber bei der Attacke fand ich meine ganze Tapferkeit wieder; ja, das wenigstens ist wahr und echt an mir. Louka: Fanden Sie bei der Attacke die Leute armer Herkunft, wie meinesgleichen, weniger tapfer als die, die reich waren wie Sie? Sergius [bitter, leichthin]: Nicht im geringsten. Sie fochten und fluchten und schrien alle wie Helden! Pah, der Mut zu wüten und zu töten ist billig. Ich habe einen englischen Bullterrier, der von dieser Art Mut so viel besitzt wie die ganze bulgarische Nation und die ganze russische Armee dazu, aber er läßt sich trotzdem von meinem Stallknecht prügeln. So sind eure Soldaten ganz genau. Nein, Louka, eure armen Teufel können zwar Hälse abschneiden, aber sie fürchten sich vor ihren Offizieren, sie lassen sich Beleidigungen und Schläge gefallen, sie stehen dabei und sehen ruhig zu, wenn ihre Kameraden bestraft werden wie kleine Kinder, ja und was noch schlimmer ist, sie helfen selbst mit, wenn sie dazu befohlen werden. Und die Offiziere erst, na... [Mit einem kurzen und bitteren Lachen:] Ich bin Offizier, ach! [Feurig:] Zeigen Sie mir einen Mann, der jeder Macht auf Erden oder im Himmel, die ihn zwingen wollte, gegen seinen Willen oder sein Gewissen zu handeln, Trotz bietet bis in den Tod! Nur ein solcher Mann ist tapfer. Louka: So zu reden, das ist leicht. Mir scheint die meisten Männer bleiben zeitlebens Knaben. Sie haben alle Ideen wie die Schuljungen. Sie wissen auch nicht, was wahrer Mut ist. Sergius [ironisch]: Wirklich? Ich lasse mich gerne belehren. Louka: Sehen Sie mich an! Wie oft darf ich mir den Luxus eines eigenen Willens gestatten? Ich muß Ihr Zimmer in Ordnung bringen, muß abstauben und fegen, holen und laufen. Wie kann mich das erniedrigen, wenn es Sie nicht erniedrigt, für den das alles geschieht?! Aber [mit unterdrücktem Zorn] wenn ich Kaiserin von Rußland wäre, über alle Menschen erhaben, dann--wenn ich auch Ihrer Meinung nach gar keinen Mut beweisen könnte,--na, Sie sollten schon sehen. Sergius: Was würden Sie dann tun, edle Kaiserin? Louka: Ich würde den Mann heiraten, den ich liebte, wozu keine Königin Europas den Mut findet. Wenn ich beispielsweise Sie liebte, der Sie dann so tief unter mir stünden, wie ich jetzt unter Ihnen stehe, ich würde es wagen, mich meinem Untergebenen gleichzustellen! Würden Sie diesen Mut finden, wenn Sie mich liebten? Nein! Wenn Sie fühlten, daß Sie mich zu lieben beginnen, so würden Sie dieses Gefühl unterdrücken, Sie würden nicht wagen, mich zu heiraten. Sie würden die Tochter eines reichen Mannes heimführen aus Angst, was "die Welt", was andere Leute dazusagen könnten! Sergius [hingerissen]: Sie lügen, das ist nicht der Fall--beim Himmel nicht! Wenn ich Sie liebte, und wäre ich selbst der Zar, ich würde Sie neben mich auf den Thron setzen. Sie wissen, daß ich eine andere Frau liebe, die so hoch über Ihnen steht, wie der Himmel über der Erde. Und Sie sind eifersüchtig auf sie. Louka: Dazu habe ich ja gar keinen Grund. Sie wird Sie doch niemals heiraten. Der Mann, von dem ich Ihnen sprach, ist zurückgekehrt. Sie wird den Schweizer heiraten! Sergius [zurückfahrend]: Den Schweizer! Louka: Einen Mann, der zehn Ihresgleichen aufwiegt. Dann können Sie zu mir kommen, aber ich werde Sie auch abweisen. Sie sind mir nicht gut genug. [Sie wendet sich zur Türe.] Sergius [springt ihr nach und fängt sie wild in seinen Armen auf]: Ich werde den Schweizer töten, und mit Ihnen werde ich dann machen, was mir beliebt. Louka [in seinen Armen, ruhig und gefaßt]: Vielleicht wird der Schweizer Sie töten. In der Liebe hat er Sie schon geschlagen, er kann Sie vielleicht auch im Kampfe besiegen. Sergius [gequält]: Halten Sie es für möglich, daß ich jemals glauben werde, daß--"sie", deren ärgste Gedanken noch höher stehen als Ihre besten, daß "sie" fähig wäre, hinter meinem Rücken mit einem andern Mann zu tändeln!? Louka: Halten Sie es für möglich, daß "sie" dem Schweizer glauben würde, wenn er ihr jetzt erzählte, daß ich in Ihren Armen liege? Sergius [läßt sie verzweifelnd los]: Oh, zum Henker! Verdammt! Spott und Hohn überall! Meine eigenen Taten machen meine erhabensten Gedanken lächerlich. [Er schlägt sich heftig vor die Brust.] Feigling, Lügner, Narr! Soll ich mich töten wie ein Mann, oder soll ich weiterleben und vorgeben mich selbst zu verhöhnen? [Louka wendet sich abermals der Tür zu.] Louka! [Sie bleibt in der Nähe der Tür stehen.] Merken Sie sich: Sie gehören zu mir! Louka [ruhig]: Was heißt das? Soll das eine Beleidigung sein? Sergius [befehlend]: Das heißt, daß Sie mich lieben und daß ich Sie hier in meinen Armen gehalten habe und Sie vielleicht wieder so halten werde. Ob das eine Beleidigung ist, das weiß ich nicht, das ist mir auch ganz einerlei,--nehmen Sie das, wie's Ihnen beliebt; aber [heftig:] ich will kein Feigling und kein Lump sein! Wenn es mir gefällt, Sie zu lieben, so wage ich es auch,--ganz Bulgarien zum Trotz--Sie zu heiraten. Wenn diese Hände Sie jemals wieder berühren, dann werden sie meine angelobte Braut berühren. Louka: Wir werden ja sehn, ob Sie es wagen, Ihr Wort zu halten; aber nehmen Sie sich in acht, ich werde nicht lange warten. Sergius [verschränkt seine Arme wieder und bleibt unbeweglich in der Mitte des Zimmers stehen]: Ja, das werden wir sehen, und Sie werden warten, solange es mir beliebt! [Bluntschli kommt, sehr beschäftigt, seine Papiere noch in Händen, herein und läßt die Tür für Louka offen. Er geht hinüber an den Tisch und wirft ihr im Vorübergehen einen flüchtigen Blick zu. Sergius, ohne seine entschlossene Stellung aufzugeben, sieht ihn fest an, Louka geht hinaus und läßt die Tür offen.] Bluntschli [zerstreut, sitzt am Tisch wie zuvor und legt sein Papiere nieder]: Das ist eine auffallend hübsche junge Person. Sergius [ernst, ohne sich zu rühren]: Hauptmann Bluntschli! Bluntschli: Sie wünschen? Sergius: Sie haben mich betrogen, Sie sind mein Nebenbuhler; ich dulde keinen Rivalen! Um sechs Uhr werde ich allein zu Pferd, mit meinem Säbel, auf den Exerzierplatz an der Straße nach Klissura sein! --Verstehen Sie mich? Bluntschli [starrt ihn an, bleibt aber ganz gemütlich sitzen]: Ich danke Ihnen. Das ist der Vorschlag eines Kavalleristen. Ich bin Artillerist und habe die Wahl der Waffen. Wenn ich komme, so bringe ich eine Mitrailleuse mit. Aber diesmal wird kein Irrtum mit der Munition sein, verlassen Sie sich darauf. Sergius [errötend, aber mit tödlicher Kälte]: Nehmen Sie sich in acht, Herr, es ist nicht unsere Gewohnheit in Bulgarien, mit solchen Einladungen Scherz treiben zu lassen. Bluntschli [warm]: Bah, reden Sie mir nicht von Bulgarien, Sie wissen ja gar nicht, was "kämpfen" heißt. Aber meinetwegen. Bringen Sie Ihren Säbel mit. Ich werde dort sein. Sergius [sehr entzückt, in seinem Gegner einen Mann von Mut zu finden]: Schön gesprochen, Schweizer. Soll ich Ihnen mein bestes Pferd leihen? Bluntschli: Nein, der Teufel hole Ihr bestes Pferd! Immerhin danke ich Ihnen, lieber Freund. [Raina kommt herein und hört den nächsten Satz.] Ich werde Sie zu Fuß erwarten; zu Pferde ist das zu gefährlich; ich will Sie nicht töten, wenn ich es vermeiden kann. Raina [läuft ängstlich nach vorn]: Ich habe gehört, was Hauptmann Bluntschli eben gesagt hat, Sergius! Ihr wollt euch schlagen! warum? [Sergius wendet sich schweigend ab, geht nach dem Ofen und beobachtet sie, während sie, zu Bluntschli gewendet, fortfährt]: Weswegen? Bluntschli: Ich weiß nicht, er hat es mir nicht anvertraut. Mischen Sie sich lieber nicht ein, verehrtes Fräulein, es wird kein Unglück geschehen; ich habe schon oft als Fechtlehrer gedient. Er wird nicht imstande sein, mich zu berühren, und ich werde ihm nicht weh tun. Das wird immerhin Auseinandersetzungen ersparen. Morgen früh werde ich dann auf der Heimreise sein, und Sie werden mich niemals wiedersehen oder je von mir hören. Sie werden die Sache dann schon mit ihm ins reine bringen; und nachher werden Sie glücklich miteinander leben. Raina [wendet sich tief verletzt ab; beinahe mit einem Seufzer in ihrer Stimme]: Ich habe nie gesagt, daß ich Sie wiederzusehen wünsche. Sergius [vorwärtsschreitend]: Ha, das ist ein Geständnis! Raina [hoheitsvoll]: Was meinen Sie damit? Sergius: Sie lieben diesen Mann! Raina [empört]: Sergius! Sergius: Sie haben ihm gestattet, Ihnen hinter meinem Rücken Liebeserklärungen zu machen, genau so wie Sie mich hinter seinem Rücken zum Gatten haben wollten. Bluntschli, Sie kannten unsere Beziehungen und betrogen mich, das ist der Grund, warum ich von Ihnen Genugtuung verlange,--nicht, weil Sie Begünstigungen empfangen haben, die mir verweigert worden sind. Bluntschli [empört aufspringend]: Blödsinn, Unsinn! Ich habe keine Begünstigungen empfangen. Das gnädige Fräulein weiß ja nicht einmal, ob ich verheiratet bin oder nicht. Raina [sich vergessend]: Oh! [Auf die Ottomane hinsinkend:] Sie sind verheiratet?? Sergius: Sie sehen, welchen Eindruck diese Möglichkeit auf die junge Dame macht! Hauptmann Bluntschli: Leugnen ist vergeblich, Sie haben den Vorzug genossen, spät nachts in Fräulein Rainas Schlafzimmer empfangen worden zu sein. Bluntschli [unterbricht ihn heftig]: Ja, Sie Dummkopf, sie hat mich empfangen, weil ich ihr meine Pistole auf die Brust gesetzt habe. Eure Kavallerie war mir auf den Fersen. Ich hätte sie getötet, wenn sie einen Laut von sich gegeben hätte. Sergius [verblüfft]: Bluntschli--Raina--ist das wahr? Raina [richtet sich in majestätischem Zorn auf]: Wie können Sie es wagen? Bluntschli: Entschuldigen Sie sich, Mann, entschuldigen Sie sich! [Er nimmt seinen Platz am Tische wieder ein.] Sergius [mit altgewohnter Übertreibung, seine Arme kreuzend]: Ich entschuldige mich nie! Raina [leidenschaftlich]: Das verdanke ich Ihrem famosen Freunde, Hauptmann Bluntschli, er hat diese empörende Geschichte über mich ausgesprengt. [Sie geht sehr erregt auf und ab.] Bluntschli: Nein, der schweigt, er ist tot, verbrannt bei lebendigem Leibe! Raina [einhaltend, entsetzt]: Lebendig verbrannt? Bluntschli: Wurde auf einem Holzhof in die Hüfte geschossen. Konnte sich nicht fortschleppen. Da setzten die Granaten der Bulgaren das Holz in Flammen und er verbrannte mit einem halben Dutzend anderer armer Teufel, die in derselben Lage waren. Raina: Wie schrecklich! Sergius: Und wie lächerlich! O Krieg, Krieg, Traum der Patrioten und Helden! Du bist ein Schwindel, eine hohle Phrase, wie die Liebe! Raina [außer sich]: Wie die Liebe?! Das sagen Sie vor mir? Bluntschli: Lassen Sie's gut sein, Saranoff, die Sache ist erledigt! Sergius: Eine hohle Phrase, sage ich. Wären Sie hierher zurückgekehrt, Herr Hauptmann, wenn sich zwischen Ihnen nichts als die Geschichte mit der Pistole zugetragen hätte? Raina täuscht sich über unseren verbrannten Freund: er war es nicht, der mir die Mitteilung machte! Raina: Wer denn? [Plötzlich die Wahrheit ahnend:] Ah, Louka, mein Mädchen, meine Dienerin! Sie waren ja mit ihr die ganze Zeit nach dem Frühstück allein--oh, so also sieht der Gott aus, den ich angebetet habe! [Er begegnet ihrem Blick mit sardonischer Freude über ihre Ernüchterung; um so geärgerter tritt sie näher an ihn heran und sagt in leisem, heftigem Tone:] Wissen Sie, daß ich vom Fenster aus, als ich mich umwandte, um noch einen Blick auf meinen Helden zu werfen, etwas gesehen habe, was ich vorhin nicht verstand? Jetzt weiß ich, daß Sie mit Louka angebandelt haben! Sergius [mit grimmigem Humor]: Haben Sie das bemerkt? Raina: Nur zu gut. [Sie wendet sich weg und wirft sich ganz überwältigt auf den Diwan unter dem Mittelfenster.] Sergius [zynisch]: Raina, unser Roman ist zu Ende. Das Leben ist eine Posse. Bluntschli [gutmütig zu Raina]: Sehen Sie, jetzt hat er sich endlich selbst durchschaut. Sergius: Bluntschli: ich habe Ihnen erlaubt, mich einen Dummkopf zu nennen; jetzt können Sie mich auch noch einen Feigling schelten: ich weigere mich, mich mit Ihnen zu schlagen. Wissen Sie, warum? Bluntschli: Nein, aber das macht nichts. Ich habe nicht gefragt, warum Sie mich gefordert haben, und ich frage auch jetzt nicht, warum Sie wieder abwinken. Ich bin Berufssoldat, ich kämpfe, wenn ich kämpfen muß, bin aber immer sehr froh, nicht kämpfen zu müssen, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Sie sind nur ein Amateur; Sie glauben, Kämpfen ist ein Vergnügen. Sergius: Trotzdem will ich Ihnen den Grund sagen, Sie Berufssoldat, Sie: Zu einem echten Kampf gehören zwei Männer, wirkliche Männer, Männer von Herz, Blut und Ehre. Mit Ihnen könnte ich mich ebenso wenig schlagen, wie ich einer häßlichen Frau Liebeserklärungen machen könnte. Ihnen fehlt der Magnetismus für ein Duell, Sie sind kein Mann,--Sie sind eine Kampfmaschine. Bluntschli [als wollte er sich entschuldigen]: Das ist vollkommen richtig! Wahrhaftig! So ein Kerl war ich immer, ich bedaure! Aber jetzt, da Sie wieder entdeckt haben, daß das Leben keine Posse, sondern etwas ganz Vernünftiges und Ernsthaftes ist,--welches Hindernis gibt es jetzt noch für Ihr Glück? Raina [sich erhebend]: Sie scheinen sehr besorgt um unser Glück. Haben Sie seine neue Liebe vergessen--Louka? jetzt soll er nicht mit Ihnen kämpfen, sondern mit seinem Nebenbuhler--Nicola. Sergius: Nebenbuhler!! [Sich an die Stirne schlagend.] Raina: Wissen Sie nicht, daß die beiden verlobt sind? Sergius: Nicola? Öffnen sich neue Abgründe?...Nicola? Raina [sarkastisch]: Ein empörendes Opfer, nicht wahr? Diese Schönheit, dieser Geist, diese Anmut, vergeudet an einen Diener in mittleren Jahren! Wirklich, Sergius, Sie dürfen das nicht länger dulden. Das sind Sie Ihrer Ritterlichkeit schuldig. Sergius [seine Selbstbeherrschung ganz verlierend]: Natter! Schlange! [Er läuft schäumend auf und ab.] Bluntschli: Hören Sie, Saranoff, Sie ziehen den kürzeren. Raina [zorniger]: Begreifen Sie, was er getan hat, Hauptmann Bluntschli? Er hat uns dieses Mädchen als Spionin auf den Hals geschickt, und zum Lohn dafür macht er ihr den Hof. Sergius: Das ist nicht wahr! Das ist ungeheuerlich! Raina: Ungeheuerlich? [Ihn mit den Blicken messend:] Können Sie leugnen, daß Louka Ihnen gesagt hat, Hauptmann Bluntschli sei in meinem Zimmer gewesen? 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 335 336 337 338 339 340 341 342 343 344 345 346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 368 369 370 371 372 373 374 375 376 377 378 379 380 381 382 383 384 385 386 387 388 389 390 391 392 393 394 395 396 397 398 399 400 401 402 403 404 405 406 407 408 409 410 411 412 413 414 415 416 417 418 419 420 421 422 423 424 425 426 427 428 429 430 431 432 433 434 435 436 437 438 439 440 441 442 443 444 445 446 447 448 449 450 451 452 453 454 455 456 457 458 459 460 461 462 463 464 465 466 467 468 469 470 471 472 473 474 475 476 477 478 479 480 481 482 483 484 485 486 487 488 489 490 491 492 493 494 495 496 497 498 499 500 501 502 503 504 505 506 507 508 509 510 511 512 513 514 515 516 517 518 519 520 521 522 523 524 525 526 527 528 529 530 531 532 533 534 535 536 537 538 539 540 541 542 543 544 545 546 547 548 549 550 551 552 553 554 555 556 557 558 559 560 561 562 563 564 565 566 567 568 569 570 571 572 573 574 575 576 577 578 579 580 581 582 583 584 585 586 587 588 589 590 591 592 593 594 595 596 597 598 599 600 601 602 603 604 605 606 607 608 609 610 611 612 613 614 615 616 617 618 619 620 621 622 623 624 625 626 627 628 629 630 631 632 633 634 635 636 637 638 639 640 641 642 643 644 645 646 647 648 649 650 651 652 653 654 655 656 657 658 659 660 661 662 663 664 665 666 667 668 669 670 671 672 673 674 675 676 677 678 679 680 681 682 683 684 685 686 687 688 689 690 691 692 693 694 695 696 697 698 699 700 701 702 703 704 705 706 707 708 709 710 711 712 713 714 715 716 717 718 719 720 721 722 723 724 725 726 727 728 729 730 731 732 733 734 735 736 737 738 739 740 741 742 743 744 745 746 747 748 749 750 751 752 753 754 755 756 757 758 759 760 761 762 763 764 765 766 767 768 769 770 771 772 773 774 775 776 777 778 779 780 781 782 783 784 785 786 787 788 789 790 791 792 793 794 795 796 797 798 799 800 801 802 803 804 805 806 807 808 809 810 811 812 813 814 815 816 817 818 819 820 821 822 823 824 825 826 827 828 829 830 831 832 833 834 835 836 837 838 839 840 841 842 843 844 845 846 847 848 849 850 851 852 853 854 855 856 857 858 859 860 861 862 863 864 865 866 867 868 869 870 871 872 873 874 875 876 877 878 879 880 881 882 883 884 885 886 887 888 889 890 891 892 893 894 895 896 897 898 899 900 901 902 903 904 905 906 907 908 909 910 911 912 913 914 915 916 917 918 919 920 921 922 923 924 925 926 927 928 929 930 931 932 933 934 935 936 937 938 939 940 941 942 943 944 945 946 947 948 949 950 951 952 953 954 955 956 957 958 959 960 961 962 963 964 965 966 967 968 969 970 971 972 973 974 975 976 977 978 979 980 981 982 983 984 985 986 987 988 989 990 991 992 993 994 995 996 997 998 999 1000