geblieben war, gehörte Jenny Gustedt. "Du bist ein Vermächtniß, eine Erinnerung und ein Gegenwartstrost," schrieb ihr Walter, "Du, die Du verstanden hast, in dieser Welt weiter zu leben." Und von Wolf erhielt sie kurz vor ihrer Ankunft in Weimar diese Zeilen: "Seit der Mutter Tod lebe ich nicht mehr. Ich passe auch zu nichts anderem, als allein zu sein. Dich aber will ich wie ein Stück meiner selbst und wie das Allerbeste begrüßen." Von nun an war sie wieder einer der häufigsten Gäste in den Dachstuben. "Ich möchte Lebenswärme hineintragen, da es keine Gottesliebe sein kann," sagte sie. Daß ich sie begleiten durfte, war eine große Vergünstigung, die ich wie ein Geschenk aus einer höheren Welt empfing. Mit angehaltenem Atem und pochenden Schläfen stieg ich mit ihr die Treppe empor. Es schien mir wie Frevel, diese Stufen, die Goethe gegangen war, mit denselben Schuhen zu betreten, an denen der Staub der Straße haftete. Eine uralte Frau öffnete uns. Ich zitterte wie vor einer Erscheinung: auch sie, die alte Dienerin, hatte Goethe noch gekannt! An der Schwelle blieb ich wie verzaubert stehen: Goethe selbst mit lebendig leuchtendem Blick sah mir entgegen. Es war das Stielersche Bild, das an der Wand gegenüber hing. Und ich übersah angesichts dieser Gestalt den unscheinbaren kleinen Mann, der uns entgegengekommen war: Walter Goethe. Als dann aber die Türe aufging und sein Bruder eintrat und plötzlich ein paar große, ernste, forschende Augen auf mich richtete, kam ich zu mir. Während Großmama und Walter plauderten, stand Wolf auf und ging mit mir herunter. Kein gläubiger Katholik kann die Kapelle der wundertätigen Madonna mit inbrünstigeren Gefühlen betreten, als ich die Zimmer Goethes. Wie ein Sturm brauste es mir dabei in den Ohren, so daß ich nicht hörte, was mein Begleiter sprach. Im Arbeitszimmer des Dichters ließ er mich allein. Wie lange ich dort in Andacht versunken blieb, weiß ich nicht. Der kleine Garten lag im Sonnenlicht unter mir, nichts regte sich; nur durch meinen Kopf und mein Herz spukten Träume und Phantasien. Großmamas Stimme riß mich aus meiner Versunkenheit. Wir gingen still nach Hause, während über die dunklen Bäume des Parks rosenrote Abendwölkchen zogen. Zurück in die große Vergangenheit schweiften die Gedanken der alten Frau, vorwärts in die unbekannte, geheimnisvolle Zukunft wanderten die des Kindes neben ihr. Fast drei Monate war ich bei Großmama geblieben, schweren Herzens trennte ich mich von ihr, denn selbst der Briefwechsel, der von nun an ein immer regerer wurde, war nur ein schwacher Ersatz für den täglichen Umgang, für den ständigen Einfluß dieser in ihrer Güte, ihrer Anteilnahme, ihrer freundlichen Stimmung sich stets gleichbleibenden Frau. Nie hörte ich ein ungeduldiges Wort von ihr, nie kam das ein weiches Kindergemüt so oft verbitternde "das verstehst du nicht" über ihre Lippen, niemals verfiel sie in den Ton des Moralpredigers oder suchte mir ihre religiösen Ansichten aufzudrängen; aber gerade weil sie keine Autorität über mich zu gewinnen suchte, wurde sie mir zur höchsten Autorität. -- Dasselbe Jahr führte uns noch einmal zusammen. Ihren jüngsten Sohn, den schließlich die Verhältnisse genötigt hatten, sich von der Garde fort nach dem fernen Osten versetzen zu lassen, hatte das Leben in die Schule genommen und ihn gelehrt, was er von der Mutter nicht hatte lernen wollen; sein Leben war, zu ihrer Beruhigung, in ein anderes Fahrwasser geraten, und als er ihr seine Verlobung mitteilte, die die Umwandlung des Offiziers in einen seßhaften Gutsbesitzer in Aussicht stellte, freute sie sich dessen um so mehr, als all ihre Hoffnungen und Träume, die sie einst an die Tätigkeit ihres Gatten als Gutsherrn geknüpft hatte, nun mit alter Lebendigkeit wieder erwachten. Im Herbst des Jahres 1877 vereinigte sich die ganze Familie in Ostpreußen zur Hochzeit, und meine Großmutter benutzte die Gelegenheit, um Verwandte, die sie seit ihrem Abschied von Rosenberg nicht gesehen hatte, wieder aufzusuchen. Von der Besitzung ihrer Schwägerin, der Gräfin Kleist, aus schrieb sie nach Weimar: "Wir bleiben noch diesen Monat hier, dann kehre ich heim, und es wird mir sehr gut tun, wenn ich wieder in meiner grünen Stube und bei meinen alten Freunden bin, obwohl es mir in meinem lieben Preußen recht gut gefällt ... Körperlich ist mir nicht ganz wohl, und das mahnt an die Weisheit bei alten Leuten, nicht zu reisen. Zwar sind es nur kleine Unbehagen, die nicht stören, wenn man nicht immer die Sorge wie eine beharrliche Herbstfliege verscheuchen müßte, außerhalb seines zu Hause krank zu werden ... Ich habe 14 Tage in Lablacken zugebracht und ein schönes Gut, eine liebe Schwiegertochter und einen Sohn, der zufrieden ist, gefunden. Wenn ich Dir Alles erzählen wollte, würde ich viele Seiten des dünnsten Papiers beschreiben müssen, so muß ich für unsere Winterabende Alles aufbewahren, um so mehr, als Alles so ganz anders ist, als was Du kennst, daß wirklich nur mündlich und mit den Ausdrücken von Auge, Stimme und zeichnendem Finger eine Schilderung möglich ist ..." In einem anderen Briefe heißt es: "Nun muß ich Dir noch sagen, daß sich meine untergegangene Freudefähigkeit aus ihrem Scheintode rührt durch das Glück meines geliebten Sohnes ... Aber noch mehr durch seine zunehmende Ähnlichkeit mit seinem Vater, durch seinen Ernst und seine Männlichkeit. Hier darf ich auf einen Ruhepunkt für meine Gedanken und meine Muttergefühle hoffen, der um so notwendiger ist, als es sonst der Sorgen gar zu viele giebt." Ihr armes Sorgenkind Otto hatte, körperlich zum Militärdienst nicht mehr fähig, den Abschied nehmen müssen, und sein Leben spielte sich zwischen Plänen zu neuer Tätigkeit und steten Enttäuschungen, wenn es an ihre Ausführung gehen sollte, ab. Dazu kam die zunehmende Schwierigkeit seiner ökonomischen Lage, aus der die Mutter ihn immer wieder zu befreien suchte. Aber auch dort, wo ihre Sorgen bisher die wenigste Nahrung fanden, bei ihrer Tochter, war vieles anders geworden. Zwar war die militärische Karriere meines Vaters eine ungewöhnlich gute, und die Zukunft schien in der Richtung gesichert, aber mit jeder höheren Stellung wuchsen die Ansprüche an sie und die Verpflichtungen, die sie auferlegte, ohne daß ihr Einkommen in gleichem Verhältnis zunahm. Es entstand jenes Mißverhältnis, dessen ganze nervenaufreibende Qual nur der ermessen kann, der es selbst erlebte, zwischen einem glänzenden Leben nach außen mit ausgedehnter Geselligkeit, schönen Toiletten und einem großen Haushalt und der ängstlichen Sparsamkeit nach innen, die meiner Mutter früh jeden Frohsinn nahm und das Familienleben mit jener Gewitterschwüle erfüllte, die sich schwer auf die Brust eines jeden legte und den freien Atem beengte. Wer anders war es, als wieder die Großmutter, die helfend einsprang, sei es durch materielle Opfer, sei es dadurch, daß sie Tochter und Enkelin monatelang zur Kräftigung ihrer zarten Gesundheit und zur Erleichterung des Lebens mit sich nahm, wenn sie nach Karlsbad, nach der Schweiz oder nach Tirol reiste. "Alle irdischen Hoffnungen, die noch so sicher erschienen, erwiesen sich in meinem Leben als auf Sand gebaut," schrieb Jenny Gustedt im Hinblick auf das Schicksal ihrer Kinder; "es ist das der Weg, den Gott mit uns geht, um uns zu der Erkenntniß zu führen, daß Alles eitel ist und nur Eins not thut. Ich würde auch für mich selbst nicht klagen, denn ich verstehe den Lehrmeister und habe immer mehr irdischen Ballast über Bord geworfen. Aber meine Kinder verstehen ihn ganz und gar nicht. Ihnen wird irdisches Unglück nicht zur Stufenleiter geistigen Wachstums; sie vermögen ihm nicht ruhig ins Gesicht zu sehen, es willkommen zu heißen mit der Frage: wohin führst Du mich? Ich bin bereit! Und was mich für sie doppelt sorgenvoll in die Zukunft sehen läßt, das ist die Tatsache, daß sie ja vom eigentlichen Unglück, von wirklichen Nahrungssorgen, von leiblicher oder seelischer Gefährdung der Kinder noch gar nichts wissen; wie würden sie das ertragen, da sie schon jetzt sich als zu schwach erweisen ... Ich frage mich oft, was ihnen besser ist, wenn ich in ihrer Nähe oder wenn ich fern von ihnen bin, aber da ich, so schmerzlich auch diese Erkenntniß ist, mit meinem Rat und Beispiel gar nichts und nur mit materieller Unterstützung helfen kann, so ist es besser, ich bleibe in Weimar und erhalte mich in der dortigen, mir so wohltuenden Atmosphäre ihnen so lange wie möglich." Die Entfernung allein war auch imstande, ihre Gedanken und Empfindungen abzulenken und ihr noch ein persönlich reiches Leben zu sichern, wie Weimar es ihr bieten konnte. Bald nach ihrer Rückkehr aus Ostpreußen schrieb sie mir von dort: "Warm und freundlich haben meine stillen Stuben mich wieder aufgenommen. Mein guter Schwager, der liebe Großherzog, Walter Goethe und alle anderen Freunde und Freundinnen kamen mir entgegen, als hätten sie mich alle sehr vermißt, und es gab ein Fragen, ein Erzählen ohne Ende. Viele schöne Blumen haben mein Zimmer in einen Garten verwandelt, eine Reihe schöner Bücher lassen mich schon die Abendfeierstunden ahnen, bei denen Du, mein Lilychen, mir recht fehlen wirst. Ich wünschte, Du wärst wieder unter meinem Dach, wo es Dir so gut gefällt und Dein leider sonst so verschlossenes Herzchen Dir wieder aufgehen würde. Jedenfalls sollst Du wissen, daß Du mir immer alles sagen kannst, ohne ein Mißverstehen zu fürchten. Deine alte Großmama war auch einmal jung und war wie Du ..." Nachdem ich es mit Großmamas Hilfe erreicht hatte, daß meine Briefe nicht mehr als Stil- und Schönschreibübungen betrachtet wurden, die vor der Absendung die Kritik beider Eltern zu bestehen hatten, schrieb ich ihr oft, und jede Antwort von ihr war ein Fest, das mich nach dem lieben Weimar zurückzauberte. "Du würdest Dich wie ein Fischlein im Bache wohl fühlen," schrieb sie mir im Sommer 1878, "wenn Du all die Herrlichkeit mit erleben könntest, von der jetzt ganz Weimar voll ist. Im Juni war hier die Erstaufführung von Wagners 'Rheingold'. Es wimmelte von Musikbeflissenen -- echten und unechten -- aus aller Herren Länder, und jeder dritte Mensch, dem man begegnete, war eine Berühmtheit oder eine, die es werden wollte. Da hätte doch mein Lilychen hineingepaßt?! Ich habe den Strom an mir vorüberfluten lassen, habe ganz im Stillen manches Schöne gehört, habe unter anderem auch die Wagnersche Nibelungendichtung gelesen, die aber dem Original nicht gerecht wird. Die germanischen Göttersagen haben mir sowohl vom aesthetischen wie vom sittlichen Gesichtspunkt immer viel höher gestanden als die griechischen; sie sind ein unerschöpflicher Quell für die epische und die dramatische Dichtung, der aber in seiner lebendigen Urkraft nur in den Dramen Hebbels zu spüren ist. Hebbel als Dichter -- Wagner als Komponist -- das wäre vielleicht die richtige Mischung gewesen, da einen Goethe und einen Wagner zusammen zu wünschen, eine Vermessenheit wäre ... Was mir einen sehr fatalen Eindruck machte, ist das genialische Geberden, das sich die Kunstjünger beiderlei Geschlechts jetzt angewöhnt zu haben scheinen: wehende Locken und vernachlässigte Toilette. Es erinnert mich an ein Wort Goethes, das er einmal angesichts ähnlicher Erscheinungen sagte: Je mehr einer was scheinen will, desto weniger ist er was ... Eben haben wir das Jubiläumsfest des lieben Großherzogs überstanden. Es war ein gräßlicher Trubel, mein armer Fritz aufs äußerste angestrengt. Den ganzen Tag waren Husaren, Lakaien, Hofequipagen unterwegs. Wie Cyrus seinem Großvater vor dessen üppiger Tafel sagte: Wie viel Umstände, um satt zu werden, so sage ich: Wie viel Umstände, um zu leben. Eine Episode der Feste war wunderschön: das Morgenkonzert im Park unter dem goldenen flutenden Glanz der Sommersonne mit der schönen Greisengestalt Franz Liszts am Dirigentenpult ..." Ein altes Bild von Goethes Lili hatte Großmama dem Großherzog als Jubiläumsgeschenk gegeben und mit folgenden Versen begleitet: Anmutig im Vergangenen sich ergehen, Das Schöne schöner noch zu sehen, Die Schatten doppelt zu verdecken, Viele Liebe geben und viele Liebe wecken: Das ist des Tages festliches Beginnen, Das Ziel von unserm Wünschen, unserm Sinnen. Ein Frauenbild, das lieblichste von Allen, Das irdisch längst der Zeit verfallen, Bring ich Dir heut; es mahne Dich der Zeiten, Die, ob auch tot, uns noch lebendig leiten. So möge nie im Herzen uns veralten, Was liebt und lebt in ewigen Gestalten. Und wenn wir heut uns in Gedanken einen, Wird über uns ein ander Bild erscheinen, Im Glorienglanze steigt es vor uns auf. Ich nenn' es nicht -- ich zeige nur hinauf! Was groß und gut Dir heute kommt entgegen -- Das Beste dankst Du Deiner Mutter Segen. Der Großherzog antwortete darauf: "Zierlich denken und süß erinnern, Ist das Leben im tiefsten Innern!" "Nie hab ich die Wahrheit dieses Wortes von Lilis unsterblichem Freunde tiefer empfunden als heute, als in diesem Augenblick, wo die innigst verehrte Freundin mir jenes Bildniß durch meine Tochter übermitteln läßt und die Gabe durch ein Gedicht begleitet, das mich unentschieden läßt, was sinniger zu bezeichnen ist, Bild oder Gedicht. Indessen stammt beides noch von einem Sinn und von demselben Herzen, das so glücklich zu geben weiß, weil es so richtig empfindet und in der "Mutter Segen" den Schlußstein für so bedeutungsreiche Erinnerungen, so viel bedeutende Wünsche findet. Glauben Sie meinem Dank, weil er nicht die Worte zu finden weiß, und Sie vor allem dem Herzen glauben, Ihres wahrhaft ergebenen Freundes Weimar, am 8. Juli 1878. Carl Alexander." Die nächsten Jahre verflossen, nur von Reisen zu ihren Kindern und nach Karlsbad unterbrochen, still und friedlich. Meine Korrespondenz mit meiner Großmutter drehte sich mehr und mehr um religiöse Fragen und Zweifel, die mich um so stärker beschäftigten und quälten, als ich durch einen ultraorthodoxen Geistlichen für meine Einsegnung vorbereitet wurde, dessen Ansichten mit denen meiner Großmutter in schroffem Widerspruch standen. Ihre aus diesem Anlaß an mich geschriebenen Briefe bilden in ihrem Zusammenhang ihr religiöses Glaubensbekenntnis, das sie in den letzten Jahren ihres Lebens nur noch wenig modifizierte. In einem ihrer ersten Briefe schrieb sie: "Alle meine Gedanken sind bei Dir, mein liebes, liebes Kind, nicht blos weil die Bestrebungen unserer Seelen sich gleichen, sondern weil ich Dich vor allen Klippen, Rückfällen und Kämpfen bewahren möchte, die auf meinem Wege lagen und einen langen Teil meines Lebens recht rauh gemacht haben ... Das Erforschliche erforscht zu haben und das Unerforschliche ruhig zu verehren, giebt Goethe als des Menschen würdigste Seeleneinrichtung an, und bei der Umarbeitung seiner morphologischen Studien ein Jahr vor seinem Tode schrieb er: 'Man muß ein Unerforschliches voraussetzen und zugeben, alsdann aber dem Forscher selbst keine Grenzlinien ziehen. Muß ich mich denn nicht selbst zugeben und voraussetzen, ohne jemals zu wissen, wie es wirklich mit mir beschaffen sei, studiere ich mich nicht immerfort, ohne mich jemals zu begreifen? Und doch kommt man frisch und fröhlich weiter!' Du siehst daraus, daß der größte Geist, den seit Jahrhunderten die Welt gesehen hat, nicht wie jetzt die naseweisen Schulbuben, ein letztes Unerforschliches zugab. Die ganze Welt ist ja voller Materien, von der Eichel an, die zur Eiche, bis zum Kinde, das zum Propheten, zum Dichter, zum Helden wird. Für den klügsten Menschen bleibt also stets unendlich viel, was sein Verstand nicht erreicht, was entweder zur Glaubenssache wird, oder was dahingestellt bleiben muß. Unerkennbares zu glauben wird gegeben, aber nicht ergrübelt. Es kommt aber auch gar nicht auf dies 'Glauben' im Sinne eines Fürwahrhaltens an. Laß Alles dahingestellt. Folge Christus nur auf dem Wege, den er vorgeschrieben hat: 'Tut nach meinen Worten und ihr werdet sehen, ob es Gottes Worte sind oder ich aus mir selber rede.' Beten und arbeiten, mit den Menschen Frieden halten, Alles fröhlich genießen, was sich ohne Sünde genießen läßt, barmherzig, wahr, liebevoll sein -- das ist des Weges Anfang ... Das erste aller Geheimnisse -- das Leben -- hat noch niemand ergründet, obwohl wir es sehen, fühlen, haben; es ist auch ganz gleichgültig, wie wir uns seine erste Entstehung denken -- einen allerallerersten Anfang uns denken zu wollen, bleibt so wie so unmöglich -- aber darauf kommt es an, was wir daraus machen. Christus ist mit seinen Jüngern auch nicht den Weg des Grübelns gegangen, sondern den der Tat, die unter der ganz schlichten, ganz begreiflichen Weisung stand: Liebe deinen Nächsten als dich selbst. Er brauchte gar nicht existiert zu haben, wir brauchten gar nichts von ihm zu wissen und dieses einzige Gebot -- 'darinnen hänget das ganze Gesetz und die Propheten' -- würde die höchste Richtschnur sein ... Niemals dürfte die Idee von der Erlösung von der Sünde so verstanden werden, als ob etwa ihr bloßes Fürwahrhalten uns los und ledig spräche von allem Unrecht, das wir begehen. Wir müssen sie uns vielmehr täglich und stündlich im Kampf gegen das Böse, Selbstsüchtige in uns erringen. Ist unser Wille darauf gerichtet, ist nicht das Glücklichsein im Sinne einer Anhäufung materieller Genüsse, sondern das Gutsein, im Sinne des Freiwilligendienstes der Menschheit, unser Ziel, so werden wir auch glücklich sein, weil Schmerz und Unglück uns nicht mehr bitter, trotzig, menschenverachtend machen, sondern milde, ergeben, liebevoll, stark." In einem anderen Briefe heißt es: "Mit all meinen Gedanken bin ich bei Dir, mein Kind, und es bekümmert mich tief, daß Du, wie es scheint, mehr von einem Theologen als von einem Christen unterrichtet wirst. Es ist der Fluch der Theologie, daß sie Glaubenssätze aufstellt und daran festhält, wenn der wirkende Geist Gottes längst darüber hinausging, wenn sie erklären will, was nur erfahren werden kann, und wenn sie oft so alberne Erklärungen giebt, die sie Glauben nennt. Nicht nach dieser vorgeschriebenen Weise glauben zu können, ist kein Unglauben, aber in Hochmuth und Übereilung die Glaubenslehren wegwerfen, das führt zum Unglauben, weil es verhindert, daß Geist und Herz nach dieser Seite hin thätig sei, innere Erfahrungen machen und auf diesen weiter bauen kann. Ich glaube jetzt an Christus als an den geistigen Sohn Gottes, an sein liebevolles Werk, an sein Einssein mit dem Vater, an das großartige Erziehungswerk, wodurch nach Aeonen alle Menschen selig werden; ich glaube jetzt an den heiligen Geist als an die schaffende Kraft Gottes, die das Universum erfüllt, in Menschen, Kunstwerken, Erkenntnissen der Wissenschaft zu Form und Gestalt sich bildet ... Du fragst, wie es möglich sei, eine Entscheidung zu treffen, wenn Glaube und Wissenschaft einander widersprechen. Handelt es sich um echte Wissenschaft, um das Ergebniß sorgfältiger Untersuchung, so ist sie Wahrheit, und der Glaube, das Fürwahrhalten, wird ihr selbstverständlich weichen, wie er vor der Erkenntniß der Kugelgestalt der Erde weichen mußte. Sagt dir aber jemand im Namen der Wissenschaft, daß es z. B. eine Seele nicht geben könne, weil er sie nicht unter dem Mikroskop gefunden habe, so fordere ihm den Beweis für das Leben ab, denn alles Sichtbare ist todt, eigentliches Leben ist unsichtbar. Das entflohene Leben des Körpers hast Du nie gesehen, der todte Körper ist ja als Leiche derselbe, der Dir sichtbar war. Liebe, Dankbarkeit, ja, sogar die unedlen Empfindungen sind unsichtbar, und wo sie sichtbar sind, werden sie es nicht durch Form, sondern durch Ausdruck und Gefühl. Der eben abgehauene Baum ist das, was Du vom Baume siehst, sein Leben siehst Du nicht, den Duft der Rose siehst Du nicht, die gewaltigsten Naturkräfte, Magnetismus, Electricität, siehst du nicht ... Das Christenthum verlangt von seinen Anhängern gar keinen Wunderglauben, es bekämpft nur den geistigen Hochmut -- der übrigens auch menschlich ein Zeichen der Unbildung ist --, der alles zu wissen und erklären zu können behauptet. Nicht Wunder als Ausschreitungen der Natur brauchst Du anzunehmen, bekenne Dich nur in Demuth, daß Deine Intelligenz noch nicht bis zur Erkenntniß aller göttlichen Gesetze reicht, durch die diese Wunder erklärt werden. Hätte Christus vor fast 2000 Jahren gesagt: 'Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr ein Mikroskop hättet, ihr würdet Tausende von lebenden Geschöpfen in einem Wassertropfen sehen, oder wenn ihr ein Fernrohr hättet, ihr könntet Millionen Welten entdecken, wenn ihr ein Telephon hättet, ihr würdet die Sprache eurer fernen Freunde hören,' sie hätten den Herrn ebenso verspottet, als da er sprach: 'Wahrlich, ich sage euch, so ihr Glauben hättet, ihr könntet Berge versetzen!'" Auf meine Frage, ob ich nach ihrer Auffassung gezwungen wäre, an Gott zu glauben -- mein Lehrer hatte mir mit allen Strafen der Hölle gedroht, wenn ich die drei Artikel des Glaubensbekenntnis nicht eidlich zu bekräftigen vermöchte -- antwortete sie: "Zum Glauben zwingen wollen ist ein Verbrechen an der Menschenseele und kann nur zum Bösen führen, wie es nur zum Bösen führt, wenn man einen Menschen dadurch zum treuen Arbeiter machen will, daß man ihn in Sklavenketten legt. Gott wird die Seelen nicht fragen: glaubst Du an dies und das? sondern: wie war Dein Herz, was hast Du gethan? Dann wird Mancher, der sonntäglich in die Kirche ging und den Morgen- und Abendsegen nicht vergaß, wohl aber die thätige Menschenliebe, vor dem zurücktreten müssen, der sagte: wer darf ihn nennen, wer ihn bekennen? und der betete: gieb mir große Gedanken und ein reines Herz ... "Beängstigend, einengend ist mir immer so Vieles gewesen, was aus dem Christenthum herausgequält und als Glaubensartikel hingestellt wird, wie z. B.: 'Gottes Gerechtigkeit fordert ein Opfer, deshalb stirbt der Sündlose für den Sünder,' was aber die größte Ungerechtigkeit wäre. Oder: 'Meine Sünden haben den Herrn ans Kreuz geschlagen,' was auch unverständlich ist, fast 2000 Jahre nach Christus. Oder das Allerschwerste: 'Das ist mein Leib, das ist mein Blut,' während das neue Testament so einfach und erklärend hinzufügt: 'Solches thut, so oft ihr es thut, zu meinem Gedächtniß' ... Da ich demnächst bei Euch zu sein hoffe, so wollen wir vor Deiner Einsegnung uns noch gründlich aussprechen. Es soll Dir in keiner Weise Gewalt angetan werden. Das Eine aber laß Dir jetzt noch sagen und halte daran fest: Es kommt nicht auf das Glauben an Gott, sondern auf das Handeln im Sinne Gottes an. Der Glaube, jenes unerschütterliche Vertrauen in Gott, das uns seine Wege nicht nur tapfer gehen läßt, sondern auch die härtesten zu denen macht, die uns am meisten vorwärts führen, ist ein Geschenk höherer Seelenentwickelung, eine Gnade, ein Glück, aber kein Sittengesetz ..." Ich weiß nicht mehr, warum, aber Großmama kam nicht. Ich blieb allein, auch innerlich, denn in der tiefen Zerrissenheit meines Gemüts -- einer Folge des Religionsunterrichts, den ich genoß -- blieben ihre Worte ohne tieferen Eindruck, und ich wagte ihr nicht zu schreiben. Erst am Tage meiner Einsegnung, als die Kirchenglocken mir wie die Stimmen des ewigen Gerichts in die Ohren gellten und ich das Glaubensbekenntnis sprach in der Überzeugung, einen Meineid zu leisten, sah ich sie wieder. Mit den Sorgen um ihren ältesten Sohn und das Ergehen ihrer Tochter mehr denn je beschäftigt, hatte sie für die blasse, stille, vierzehnjährige Enkelin wohl Worte zärtlicher Liebe, aber sie pochten nur an die Türe meines Herzens, die eine fremde Gewalt in das Schloß geworfen hatte und darin festhielt. Wir reisten zusammen nach Ostpreußen, aber ich ging dem Alleinsein mit ihr aus dem Wege. Dann kam ich aus dem Hause, und die Korrespondenz schlief ein, weil die gestrenge Tante, bei der ich mich zur Erwerbung des letzten Erziehungsschliffs aufhielt, die Briefe las, die ich schrieb oder zu bekommen pflegte. Aber die Erinnerung an Weimar, an Großmama war um so lebendiger in mir und steigerte sich um so mehr zur Sehnsucht, je schroffer der Gegensatz zwischen dort und hier mir fühlbar wurde, und ich ergriff schließlich die erste Gelegenheit, die sich mir bot, um wieder in die alte Verbindung mit ihr zu treten. "Du wirst vor all dem Neuen an Menschen und Dingen, die Dir begegnen, Deine alte Großmutter wohl fast vergessen haben," schrieb sie mir, "aber sie denkt um so mehr an Dich, mein Herzenskind. Deine Mutter teilte mir nur Gutes von Dir mit und schickte mir einige Deiner neuesten Gedichtchen, die in der Form sehr hübsch, im Inhalt aber gar zu einförmig sind. Liebe und Frühling sind sehr schöne Dinge und können ein junges sechzehnjähriges Herz wohl ausfüllen, aber mein Enkelkind kenne ich zu gut, als daß ich nicht wüßte, daß sie mehr zu sagen hat. Die hauswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Talente, die Deine Tante bei Dir pflegt, sind sehr nützliche, aber die wertvolleren sind die des Geistes. Weder darfst Du das Große und Gute von Dir werfen, noch über die Gaben stolpern, die Gott Dir vor die Füße legte, Du mußt sie aufheben und pflegen. "Ich sehe jetzt gerade die preußische Geschichte von Voigt; selten ist ein Werk so treu, so vollständig und so langweilig geschrieben worden. Ich möchte Dir nur raten -- als Anregung zu poetischer Gestaltung -- die ungeheuer poetische und und brillante Episode aus der Ritterzeit in Marienburg nachzulesen, wo Johann von Bendorf wegen Bruchs der Ordensgesetze vom Kriegszug der Ritter nach Livland ausgeschlossen wird und aus Rache und Verzweiflung den Hochmeister Winrich von Kniprode ermordet im Augenblick, da dieser die Kapelle verläßt. Johann wird im Hof der Burg enthauptet, während die Ritter an ihm vorüber in den Krieg ziehen. Was meinst Du dazu? Wage Dich an große Stoffe, spanne Deinen Bogen so stark Du kannst, damit die Pfeile Deines Geistes weitgesteckte Ziele erreichen! ... Und dann habe ich ein anderes Büchlein wieder gelesen, das mir mein armer, lieber Wolf Goethe wortlos übergab, ehe er auf immer von hier Abschied nahm: seine Erlinde. Sie hat mich sehr ergriffen, und ich schrieb ihm darüber nach Leipzig, wo er jetzt lebt. Da sein rechter Arm durch furchtbare neuralgische Schmerzen beinahe gelähmt ist, antwortete er mir nur diese wenigen Zeilen: 'Rühre die Wunde nicht an, denn nur dünn ist die Haut, die darüber wuchs; daß meine Erlinde einen lebenskräftigen Keim hatte, glaube auch ich, aber es war niemand da, der sie pflegte.' -- Hier hast Du das Buch, mein Herzenskind. Wenn es Dir etwas sagt, wird doch vielleicht, auch ohne es in Worte zu kleiden, ein warmes Gefühl das Herz des einsamen Unglücklichen berühren, dessen letztes, tragisches Bekenntniß er in diesen Versen niederlegte: Alle Blumen sind gepflückt, Alle Lieder sind verstummt, Und ich geh einher gebückt In mein dumpfes Leid vermummt. Ich stehe stets daneben, Ich trete niemals ein; Nur einmal möcht ich leben! Und Mensch nur einmal sein! ..." Dieser Brief griff mir ans Herz. Mit der überschwenglichen Schwärmerei eines sechzehnjährigen Mädchenherzens träumte ich mich in den Gedanken hinein, dem Enkel Goethes ein Glück bereiten zu können. Und der Zufall wollte es, daß ich einen Theaterdirektor kennen lernte, der die Aufführung Erlindens wagen wollte. Meine Großmutter übermittelte dem Verfasser seine Absicht. Wolf Goethe sandte ihr folgende Antwort. "Leipzig, den 1. Januar 1881. "Theuerste Jenny! "Wie wunderbar und doch wie natürlich ist es, daß Dir jetzt die Erlinde nahe getreten. Welche Reihe von Gedanken und Empfindungen sich hieran für mich knüpfen muß, wirst Du Dir vorstellen können. "Es giebt Dinge, die wir ablehnen müssen, ja die es unsere Pflicht ist, abzulehnen, es giebt Dinge, bei denen wir zweifelhaft sein mögen, ob wir nicht den Willen der Vorsehung stören, wenn wir hemmend eingreifen. Zu solchen gehört wohl: später Erfolg, spätes Glück. Das Glück liebt es, uns verhüllt, in fremder Gestalt zu nahen. Erst wenn es im Weggehen das Haupt wendet und das unverhüllte Antlitz zeigt, erkennen wir es oft. Es wäre unnatürlich gewesen, wenn ich nicht an die Erlinde Hoffnungen geknüpft hätte. Daß sie nicht von den Menschen, von den Vielen, aufgenommen wurde, hat auf mein Leben großen Einfluß ausgeübt; aber ich empfinde keine Bitterkeit mehr deshalb! Es hat nicht sein sollen! Ob die Zeit der Erlinde gekommen ist, weiß ich nicht. Ob gar meine Zeit gekommen?! Ich glaube es nicht und wünsche es auch nicht. Der Mensch steht in der Welt erst im Augenblick nach seinem Tode vollendet da, bis dahin ist er für sie eine Gestalt ohne Haupt, sind die Glieder formlos. "Wie Du, theuerste Jenny, halte ich die Erlinde für aufführbar, mit einigen Abänderungen und Auslassungen ... Erlinde bedarf bei der Aufführung einer mäßigen Ausstattung und einer mit Maß angewandten Musik. Die Frage des Theaterdirektors, welche Du mir freundlichst mitteilst, hat mir große Freude bereitet, die Antwort wird mir aber nicht leicht. Die Gründe für sie, ja sie selbst, liegen schon in dem, was ich früher ausgesprochen habe. Soll ich die Gestaltung für die Aufführung der Erlinde ganz in die Hände von Anderen legen, Anderen ganz überlassen? Denn ich selbst vermöchte nicht, mich an ihr zu beteiligen. Wer weiß denn, ob sie nicht auch jetzt zurückgewiesen wird!? Soll ich selbst mir noch etwas Neues, Schweres, Schmerzliches heraufbeschwören? Ich weiß wohl, daß ein Erfolg viel unerwartetes Gutes für mich mit sich führen könnte. Ich weiß wohl, daß es zu den großen Seltenheiten gehört, wenn einer Dichtung die Stelle, die sie bei ihrem Erscheinen nicht erlangte, später eingeräumt wird, und daß etwas Entscheidendes darin liegt, auf einen bedeutenden Versuch in dieser Richtung nicht einzugehen. Nun aber bleibt mir nach meiner ganzen Lage nichts anderes übrig, als Dich zu bitten, in möglichst unscheinbarer Form, vielleicht durch die Güte Deiner verehrten Enkelin, zu antworten, daß der Verfasser der Erlinde, weil er nicht in der Lage ist, sich an ihrer Gestaltung für die Bühne zu beteiligen, gegenwärtig auf eine solche verzichten müsse. "Nun, theuerste Jenny, nimm, was ich schrieb, freundlich auf und lege alles an die rechte Stelle." Bis hierher ist der Brief ein Diktat. Darunter aber steht mit großer zitternder Schrift: "Treulichst Dein Wolf. Und wenn ich doch noch an dem Leben hinge?!" Meine Großmutter antwortete ihm mit folgenden Zeilen: "Mein lieber Wolf! "Du mußt Dir eine Antwort auf Deinen herrlichen -- mir herrlichen -- Brief gefallen lassen; es giebt auch mit 70 Jahren Lichtstrahlen, wie sie das 17te beleuchten, aber es sind nur Blitze, und unter einem solchen stand die Landschaft meines Jugendlebens vor mir, Deine Mutter, die ich nie aufgehört habe zu lieben, Du als Knabe, dunkle Wolken und nun milder Regen. Das mußte erst wieder still bei mir werden. Ich hoffte auch auf einen Brief meiner Enkelin, um zu erfahren, weß Geistes Kind der Theaterdirektor ist, ob verstehend oder nur berechnend, -- sie hat aber noch nicht geschrieben, und ich glaube in Deinem Sinn gehandelt zu haben, als ich ihm gleich bei Lilys Anfrage, ehe ich Dir schrieb, sagen ließ, Du seist verreist, ich rate zu keiner direkten Anfrage, gab ihm auch nicht Deine Adresse. So bist Du, ohne ihn zu kränken, aus dem Spiel und frei, eventuell hervorzutreten. Ich verstehe Deine Auffassung -- ich fühle ganz die letzten Zeilen Deines Briefes -- dann siegt aber doch die ungeheure Scheu vor den Krallen des Lebens, und wir behalten unsere Narben und unsere Ruhe! "Ich kann es nicht lassen, die Erlinde nur noch eifriger, eingehender und mit Berücksichtigung der Bühne zu lesen; da könnte allerdings nur Deine Hand die Bühnenfähigkeit geben. Gestrichen dürfte wenig werden, aber verbunden viel, sowohl in den einzelnen Scenen, die in lebendigere Beziehungen zueinander treten müßten, als in den Personen. Ich kann nicht leugnen, daß ich glaube, nur in Weimar würde man Erlinde ganz verstehen und mit Sorgfalt und Liebe zur Aufführung bringen, so daß das nahe und ferne Publikum ein Verständniß dafür bekäme. Ich hätte gern noch einen Stern in Euer Wappen gebracht und das Licht dazu war da -- es lagen nur Nebel dazwischen, aber sie haben es verhindert, durchzudringen. "Mein lieber Wolf, das soll kein Zureden sein; mir würde so bang werden wie Dir, daß Du Dir neue Schmerzen für Seele und Körper bereiten könntest; es liegt die Atmosphäre einer ganz anderen Welt zwischen Dir und den Menschen; was sie Dir bieten, achtest Du zu gering, und das 'Sesam, thu dich auf', das zu Deinen Schätzen führt, vertraust Du wenigen an ..." Er antwortete nicht auf diesen Brief. Monate später sandte er diese Zeilen, deren Buchstaben noch größer, noch zitteriger sind. "Ich schreibe Dir Briefe in Gedanken; ich kann sie Dir aber nicht senden, weil wir auf der Erde sind, und später kannst Du sie nicht mehr erhalten, weil wir drüben nicht lesen können. Dein Wolf Goethe." Der Umschlag trägt das Wappensiegel: ein Stern -- für einen anderen war daneben kein Platz mehr! Ein Jahr später folgte ein kleiner Zug von Trauernden einem einfachen Sarge, dessen Blumenschmuck schon auf dem Weg der rauhen Winterkälte erlag. "Heute haben Sie meinen lieben Wolf neben seiner Mutter begraben," schrieb Jenny Gustedt an diesem Tage. "Napoleons Sohn ging jammervoll zu Grunde wie er: an der Kraft, die nach innen zehrte, weil sie sich nach außen nicht entfalten durfte. Viele Generationen müssen sang- und klanglos versinken, ehe der Eine aus ihnen hervorgeht, dessen Name in die ewigen Sterne geschrieben wird -- das ist eine gerechte Entwicklung --, aber daß die Nachkommen an der Größe dieses Einen zu Grunde gehen, gehört zu den grausamen Räthseln, die wir nicht lösen können! -- Bald wird Walter dem Bruder folgen -- ich wollte, es wäre auch Zeit für mich zu gehen." Der Kummer, der aus diesen Zeilen spricht, hatte seinen Ursprung nicht in der Erlösung des Freundes von einem Leben der Schmerzen, auch um sie hatten sich die Nebel wieder zusammengeballt. "Daß ich meinen Kindern so fern bin," schrieb sie, "daß mein Alter mir das Reisen zu ihnen fast unmöglich macht, daß ich sie in meinen eigenen Räumen nicht beherbergen kann und nicht die Mittel habe, mir zu dem Zweck eine geeignete Wohnung zu nehmen -- ich muß ängstlich zusammen halten, denn immer wieder kommen Überraschungen, die mich nötigen, einzuspringen, -- das macht meine letzten Lebensjahre zu recht traurigen." Nach langen Kämpfen, die ihr durch ihre Weimarer Freunde und deren inständiges Bitten, sie nicht zu verlassen, noch schwerer gemacht wurden, als sie durch den Zwiespalt ihres eigenen Herzens sowieso schon waren, entschloß sie sich, nach Lablacken, dem Gute ihres jüngsten Sohnes, überzusiedeln. "Ich bedarf eines Heims, wo ich ohne Skrupel meine Kinder bei mir haben kann, und eines Lebens, dessen völlige Einfachheit mir ermöglicht, ihnen, was ich erübrige von meinem Einkommen, zuzuwenden," heißt es in einem ihrer letzten Briefe aus Weimar. Im Frühling 1883, als der Park seine erste duftende Lenzespracht entfaltete, kam ich zu ihr. Vierzehn Tage blieben wir zusammen dort. Nur wenige Freunde wußten, daß sie von der Karlsbader Reise, die sie vorhatte, nicht mehr nach Weimar zurückkehren wollte. Leise, ohne Abschiedsschmerzen, sollte die Trennung sich vollziehen. Wir gingen noch einmal all die schönen Wege nach Tiefurt, nach Belvedere, in die geheimnisvolle Stille von Goethes Gartenhaus, und auf den Kirchhof an das Grab ihrer Mutter und an das von Ottilie -- von Wolf; wir schritten hinab in die Dämmerkühle der Fürstengruft und standen schweigend vor den irdischen Resten ihres väterlichen Freundes. Dann aber stiegen wir hinauf zu dem letzten Lebendigen, den er hinterlassen hatte: über die klassische Treppe in die kleinen, stillen Dachstuben. Ich ließ die beiden Freunde allein und betrat die Zimmer wieder, wo Goethe wirkte, bis der Tod ihn von der Arbeitsstätte mit sich nahm. Es war eine Stunde heiliger Andacht, aus der Großmamas leise Stimme mich weckte. "Komm," sagte sie leise, und ihre Augen schwammen in Tränen. Ich gab ihr den Arm. Zum erstenmal sah ich, daß sie alt, sehr alt war, denn sie ging gebückt, und ihre Füße zitterten auf den breiten Stufen der Treppe, die sie nie wieder betreten sollte. Dem Ende entgegen Nordwärts von Königsberg führt die Chaussee durch ein Land, das sich glatt wie ein Tischtuch bis zum Kurischen Haff erstreckt. Wogende Kornfelder, grüne Wiesen, soweit das Auge reicht, nur hie und da von schmalen Waldstreifen unterbrochen, deren Eichen ihre knorrigen, zackigen Äste in tausend abenteuerlichen Formen nach allen Richtungen der Windrose recken -- ein Zeichen all der Stürme, mit denen sie um ihr Leben kämpfen mußten. Nach ein paar Stunden glatter Fahrt, vorüber an strohgedeckten Häuschen und großen schmutzigen, lärmenden Kneipen, wendet sich der Weg nach links. Dicke, kurzgeschnittene Weidenstämme, deren lichte junge Kronen so drollig wirken wie blondes Lockengewirr über einem runzligen Greisengesicht, fassen ihn zu beiden Seiten ein. Über die tiefgefahrenen harten Geleise holpert der Wagen, während das junge, unruhige Viergespann, die Nähe des Stalles witternd, weiter ausgreift. In eine breite Allee, über die sich uralte Linden zu lebendigem Dome wölben, schwere Duftwellen ringsum verbreitend, mündet der Weg. Und durch ein Tor, von dicken Steinmauern flankiert, die, aus unbehauenen Blöcken, wie von Zyklopenhänden aufgerichtet erscheinen und das Ganze einer Festung ähnlich machen, geht es hinein auf den breiten, vom Reichtum seiner Besitzer Zeugnis ablegenden Gutshof von Lablacken. Ringsum langgestreckte, massive Ställe, auf die, von der Weide kommend, die vierbeinigen Bewohner gemächlich zuschreiten; die schwarz weiß gefleckten Rinder von der einen Seite, die sich ängstlich zusammendrängende Herde der Schafe von der anderen, und schließlich in hellem Galopp unter fröhlichem Wiehern der Trupp der jungen Pferde, deren schmale Fesseln und schlanken Hälse von ihrer edlen Abstammung Zeugnis ablegen. Am Herrenhaus, das nur eine niedrige Mauer und ein paar himmelhohe Pappeln vom Gutshof trennen, müssen sie alle vorüber. Ein seltsames Haus ist es: Jahrhunderte haben an ihm gebaut, ohne Rücksicht auf Stil und Schönheit, nur bestrebt, Platz zu schaffen für die mit dem Wohlstand steigenden Bedürfnisse der Bewohner. Im Grunde sind es drei im Halbkreis aneinandergereihte zweistöckige Gebäude; über jedem der Tore prangt ein in Stein gehauenes Wappenschild, das derer von Ostau und von Wnuk und zuletzt das der Gustedts: die drei eisernen Kesselhaken im goldenen Felde. Der Mittelbau enthält die Eingangshalle: Elchfelle auf dem Boden, Elchgeweihe an den Wänden, schwere alte Eichensessel, Tische und Schränke als Einrichtung, dazwischen als einzige helle Flecke in dem dämmigeren Raum ein paar Ritterrüstungen, auf denen das Licht in weißen Reflexen spielt. Zu beiden Seiten steigt im Hintergrund die dunkle, braune Treppe empor, nur geradeaus, wo die große gedeckte Veranda nach dem Park mündet, schimmert das Grün der hohen Linden herein. Fast endlos, so scheint es, ist die Flucht der Zimmer, die sich oben und unten, von Fluren, Treppen und Winkeln vielfach unterbrochen, rechts und links durch die langgestreckten Häuser ziehen. Alle Zeiten, alle Stile spiegeln sich ab in ihnen: verblaßte Rokokostühlchen, von deren alter Pracht nur noch flüchtige Reste von Vergoldung zeugen, mächtige Truhen und Schränke, die einst den selbstgesponnenen und gewebten Leinenschatz der Hausfrau bargen, steife, feierliche Empiremöbel mit Bronzebeschlägen und gelbem Seidenbezug, und die ehrbar-gemütlichen Biedermeierkommoden, Servanten und breiten, schwerfälligen Sofas aus der Großväterzeit erinnern an die Generationen, die hier geboren wurden, arbeiteten, lebten und starben. Auch am lichtesten Sommertage ist alles wie von graugrünen Schleiern umhüllt, und ein Geruch, wie von feuchtem, welkem Herbstlaub durchströmt die Räume, denn dicht um das Haus stehen alte Pappeln und Linden, so daß ihre rissigen Stämme die Mauern berühren, ihre Äste an die Fenster klopfen, ihre Kronen sich über das Dach hinweg grüßen. Zu ebener Erde, im Eßsaal, vor dessen breiter Glastür die älteste der Linden Wache hält, hängen ringsum dunkelgerahmte Bilder an den Wänden: Männer mit dem Lockenhaupt des großen Kurfürsten, mit Allongeperücken und Galanteriedegen, mit dem steifen Zopf des großen Friedrich, im braunen Wertherfrack oder mit hohen Vatermördern -- alte und junge, harte, finstere, und fröhliche, weiche Gesichter, ohne einen gemeinsamen Zug darin, der darauf deuten ließe, daß sie eines Geschlechtes wären -- und zwischen ihnen die Frauen, solche mit dichter Haube und glatt gescheiteltem Haar, die Arme verschränkt unter der züchtig bedeckten Brust, oder die Hände, das weiße Tüchlein haltend, gekreuzt über dem Leib, und solche mit gepudertem Köpfchen, hochgeschnürtem Busen und enger Taille, oder im klassisch frisierten Lockengewirr und tief ausgeschnittenem Empiregewand -- alte und junge auch unter ihnen, und doch alle einander ähnlich, wie Schwestern. Es ist des Hauses seltsam geheimnisvolles Schicksal, das aus diesen Bildern spricht: Schon lange, lange ist es her, daß hier nur Mädchen geboren wurden, daß der alte Besitz sich vererbte von Tochter zu Tochter, mit den Namen ihrer Gatten den Namen des Besitzers wechselnd. Und eine dieser Frauen, aus deren todblassem Gesicht ein paar dunkle Augen feindselig funkeln, hat, so erzählt man, von irgendeinem finsteren Geheimnis belastet, keine Ruhe gefunden im Grabe; mit hohen Stöckelschuhen geht sie allnächtlich durchs Haus, und das Klappern ihrer Tritte, das Rauschen ihrer seidenen Röcke, die tiefen, schweren Seufzer, die sie ausstößt, will schon manch einer gehört haben, wenn der Sturm, vom Kurischen Haff herüberbrausend, draußen heulte und pfiff und die alten Baumäste knarrten und die Blätter an die Fenster schlugen. Auch die Buchenallee im Park, die vor hundert Jahren ein zierlich beschnittener Laubengang war, soll sie zuweilen auf und nieder gehen. Vielleicht war sie es, die diese Bäume, die die geraden Wege mit den Blumenrabatten zu beiden Seiten anlegen ließ und die undurchdringlich dichten Lauben von Flieder und Jasmin! Einer der Wege durchschneidet den großen Garten von Osten nach Westen. Wo er beginnt und wo er aufhört, ist die Mauer von einem hohen hölzernen Bogenfenster unterbrochen. Wer abends durch das eine gen Westen hinausschaut, der sieht, wie jenseits der Felder und Wiesen am äußersten Horizont der rote Sonnenball in den grauen Fluten des Kurischen Haffs versinkt, und wer durch das andere am frühen Morgen die Blicke schweifen läßt, den soll auch der dämmernde junge Tag an das Scheiden gemahnen, denn hinter dem fernen Kirchturm von Legitten, unter dem die Toten von Lablacken begraben werden, steigt er auf. -- -- -- Hier war es, wo Jenny Gustedt ihres Lebens letzte Station gefunden hatte. In der geräumigen Wohnung des Erdgeschosses von einem der drei Häuser richtete sie sich in alter, vertrauter Weise ein. Ihr zuliebe -- denn Luft und Licht war ihr ein Lebensbedürfnis -- ließ ihr Sohn zwei der großen beschattenden Bäume vor ihren Fenstern fällen, so daß die Sonne von allen Seiten freien Zutritt hatte. Monatelang versammelten sich jeden Sommer ihre Kinder und Enkel um sie, und da die Gastfreundlichkeit ihres Sohnes und ihrer Schwiegertochter keine Grenzen kannte, so war in der schönen Jahreszeit für sie fast zu viel der Unruhe, der sie freilich durch ein mit dem zunehmenden Alter immer häufigeres Zurückziehen in ihre stillen Stuben entgehen konnte. Die fremden Gäste brachten ihr auch allzu wenig, denn so sehr sie sich fröhlicher Jugend freute und für harmlosen Witz ein heiteres Verständnis besaß, so vertrug sie doch schwer den herrschenden Ton der dortigen Gesellschaft. Die Signatur ihrer Unterhaltung war die Oberflächlichkeit; man hätte fast ein stillschweigendes Übereinkommen aller vermuten sollen, durch die jede Vertiefung eines Gesprächs verhindert wurde. Meiner Großmutter Auffassung, wonach Vornehmheit Ruhe ist, erschien hier in ihrer Karikatur: man war ruhig, weil man sorgfältig alles zu berühren vermied, was Uneinigkeit und damit Unruhe hätte hervorrufen können. Seine tiefsten Gedanken, seine eigensten Sorgen behielt ein jeder für sich. Durch Reiten und Kutschieren, durch Jagd und Segelfahrt und durch den ostpreußischen Nationalfehler langer und häufiger Mahlzeiten war der Tag für die Gäste ausgefüllt; um gesellschaftlichen und nachbarlichen Klatsch drehte sich die allgemeine Unterhaltung; kam das Gespräch auf politische Fragen, so wurde es ausschließlich eins der in der Hauptsache -- in ihrer parteipolitischen Stellung dazu -- von vornherein einigen Männer. Auch der beste, naheliegendste Anknüpfungspunkt zur Entwicklung tieferer Interessen, die praktischen Fragen der Landwirtschaft, bildeten das Sondergebiet des Gutsherrn, für das er ein ernsteres Verständnis bei anderen weder voraussetzte noch zu wünschen schien. Selbst seiner Mutter, die seine Pläne und seine Tätigkeit, zwischen Freude und Sorge schwankend, verfolgte, gewährte seine Zurückhaltung nicht den Einblick, den sie sich so dringend gewünscht hätte. Das schöne große Gut, ein kleines Fürstentum nach mitteldeutschen Begriffen, bot dem tätigen Landwirt die größten, abwechslungsreichsten Aufgaben. So hatte es seit Menschengedenken durch die Überschwemmungen der Wasser des Kurischen Haffs zu leiden gehabt; Felder, Wiesen und Weiden waren so und so oft auf Jahre hinaus dadurch ihres Wertes beraubt worden. Jetzt erhoben sich unter der Leitung des neuen Besitzers allmählich Dämme und Deiche gegen die anstürmenden Wogen, und Kanäle durchzogen nach allen Richtungen hin die Felder, so daß ganze Strecken sumpfigen Landes in üppige Wiesen verwandelt wurden. Der Wald, dessen uralter Baumbestand und dessen Bewohner, die riesigen Elche, an jene dunkle Vorzeit erinnerten, wo noch kein menschlicher Fuß die öde Wildnis des Samlandes betrat, wurde allmählich licht und schön. Das Haff, das bisher nur wenigen armen Fischern kärgliche Nahrung geboten hatte und allen wie ein finsterer Feind erschien, in dessen unergründlicher Tiefe die letzte der heidnischen Göttinnen, Neringa, die Riesin, hauste, Jahr um Jahr Steinblöcke emporschleudernd, um die Menschen zu verderben, wurde nicht nur zu einem fröhlichen Tummelplatz für die elegante Jacht des Gebieters, auch ein fester Hafen wurde gebaut, wo die Fischer Zuflucht fanden und wo allmählich mehr und mehr große Kähne landeten, um den Reichtum an Steinen zu verfrachten. Alljährlich hatte der Landmann die seltsamen, immer wieder neu auftauchenden erratischen Blöcke beim Bestellen der Felder sprengen und sammeln müssen, hatte überall, nur um sie beiseitezuschaffen, breite Mauern aufgeschichtet; jetzt fuhr eine Feldeisenbahn sie zum Hafen, und sie wurden zur Quelle reicher Einnahmen. Die Vermehrung der Wiesen und ihres Ertrags führte zu einer Vergrößerung und Modernisierung der Milchwirtschaft. Für alle Gebiete der Landwirtschaft wurden neue Maschinen aller Art angeschafft und, als einer der ersten, der den Versuch wagte, wurden in Haus und Gut telephonische Verbindungen angelegt. Aber neben diesen großen praktischen Reformen steigerten sich die Luxusbedürfnisse: der altmodische Garten, mit seinen Georginen und Malvengängen, seinen verwachsenen Lauben und versumpften Teichen wurde in einen englischen Park verwandelt, das Haus wurde vielfach erweitert, die alten Möbel wanderten in die Fremdenzimmer und machten neuen Platz; die Zahl der Reit- und Wagenpferde vermehrte sich, eine kostbare Pferdezucht, eine Fasanerie wurde eingerichtet -- kurz, wenn sich die Mutter auf der einen Seite der rastlosen landwirtschaftlichen Tätigkeit ihres Sohnes freute, so wuchsen auf der anderen ihre Sorgen. Nach einem langen Aufenthalt bei ihr schrieb sie mir: "Als der Wagen, der mein bestes, geliebtes Kind und ihre zwei trautsten Töchter auf lange entführte, verschwunden war, ging ich wie im Traum in meine Stube und sammelte meine Gedanken und Gefühle. Mein großmütterliches Herz war überfließend weich, als ich mit Rührung die 5 Monate an mir vorübergehen ließ, in der mein liebes Enkelkind mir nur noch mehr ans Herz wuchs ... Ruhe und Friede ist um mich, auch treue, gute kindliche Liebe. Wer aber kürzlich doppelt so viel besaß, muß sich erst an Herzensgenügsamkeit gewöhnen, um so mehr, als ich mir auch wieder das Schweigen angewöhnen muß über all die vielen Dinge, die wir, mein Lilychen, miteinander beredeten ... Ich bekomme von allen Freunden Kondolenzbriefe über meine bevorstehende Einsamkeit, wenn Werners ihren Winteraufenthalt in Königsberg nehmen, aber ich empfinde sie doch nur an solchen Tagen ernst, wo meine Augen zur Schonung mahnen und Freundschaftsstündchen wie in Weimar wohltätig wären. Ich habe aber Gott Lob eine Virtuosität, in Gedanken und Briefen mit meinen Lieben in der Ferne weiter zu leben, und mein Körper bedarf immer mehr der Ruhe und Einförmigkeit, so daß ich den Winter nicht allzusehr fürchte." In einem anderen Briefe heißt es: "Werners fahren diese Woche zum Rennen, da ihre Pferde beteiligt sind. Auch diese Sache hat nicht meine Billigung, doch mache ich meinen Tadel nicht breit, wenn ich weiß, daß er nichts nützt. Hier sind in diesem Jahr ungeheure Arbeiten gemacht worden, Gott segne sie und lasse aus dem Überstürzen keine Sorgen entstehen und aus der zu vielen Arbeit keine Abspannung für meinen lieben Sohn. Er ist jetzt oft recht hypochonder, was bei dem vielen Regen, der Erschwerung der Kanalarbeiten, den sich mehrenden Lasten durch Verwöhnungen und der vollkommenen Unfähigkeit, sich einzuschränken, mich nicht Wunder nimmt. Seine Frau hat es dann um so leichter, um ihre Abneigung gegen das Landleben -- das herrliche, segensreiche, natürliche Landleben! -- einzuimpfen und ihm den Aufenthalt in Königsberg oder Berlin als viel angenehmer erscheinen zu lassen. Und dann wundern sich die Gutsbesitzer, wenn ihre Arbeiter demselben Zug nach der Stadt folgen! ..." Einem Brief des folgenden Jahres entnehme ich diese Zeilen: "Mein Werner war drei Tage hier. Sie könnten so schön sein, wenn die Flut unangenehmer Geschäfte ihn nicht immer unter Wasser brächte und die Sorgen ihn mir gegenüber nicht so verschlossen machten, daß ihn selbst mein stilles ängstliches Lesen in seinen müden Zügen nervös macht. Dabei immer neue Pläne und Wünsche, die er befriedigen soll, unaufhörliche Ansprüche an Amüsements, wo doch hier aus der täglichen Erfüllung der Pflichten ein so tiefes, reiches Glück blühen könnte, vor dem jedes Vergnügen nichts ist als ein Rausch, aus dem man krank erwacht ... Glück suchen die lieben Beiden, d. h. stete Erfüllung ihrer Wünsche, und es ist doch so leicht zu sehen, daß auf Erden nichts darauf eingerichtet ist. Im alltäglichen Leben kommt ähnliches Erkennen so ganz von selbst, z. B. eine Schulstube nicht für ein Theater, eine Scheune nicht für einen Ballsaal zu halten, sie sind eben nicht darauf eingerichtet. Man sollte das Leben gleich klar und tapfer und freudig nehmen als das, was es ist: als Schule, Schule mit Freistunden, Sonntagen, Ferien, aber immer Schule. Es giebt selten Schüler, die die Schule lieben, aber alle lieben das Gelernte ... Nimm dir kein Beispiel, mein Lilychen, an dem Styl dieses Briefes, der meinen alten französischen Professor noch im Grabe ängstigen könnte: ein Brief, sagte er, muß wie ein Bächlein fließen, das tausend kleine Wellen hat, aber nur einen Lauf. Ein Thema muß unweigerlich aus dem andern sich entwickeln, ohne daß der Faden verloren geht! ..." Zu den Sorgen um die Kinder und ihr Ergehen kamen die um die Enkel hinzu: da war der Sohn ihres armen Ältesten, der nicht recht fortzukommen vermochte in der Welt, da war das Töchterchen ihres Jüngsten -- wieder ein Mädchen, ein einziges, das unter Lablackens Dach geboren worden war --, dessen Leiden eine langwierige Kur notwendig machte, an deren Erfolg die Großmutter nicht glauben konnte, da war meine schwere Erkrankung, die mich ein paar Jugendjahre kostete. "Ich wache jetzt regelmäßig im Morgengrauen mit starkem Herzklopfen auf," schrieb sie damals, "wobei alle meine Angst um Kinder und Enkel mir recht lebendig wird. Dann wird es recht schwer, den kategorischen Imperativ, den ich am Tage zu meinen Pflichten stelle: Sorget nicht! zu erfüllen. Menschliche und Herzensgründe habe ich wohl nach allen Seiten hin: hier die durch überwältigende Lasten eines Luxuslebens gesteigerten landwirtschaftlichen Nöte, die auch meines lieben Sohnes Gesundheit erschüttern, dazu der Stoizismus des Schweigens über die Dinge, die man glaubt, nicht ändern zu können oder die man nicht ändern will, und der allmählig bei meinen Kindern zur Verkehrstradition geworden ist. Und bei Ottos die Existenz auf einem Ast, der sie widerwillig trägt, bei ihm wie bei Werner Gedankenwechsel auf eine große Zukunft, bei denen die Millionen in der Luft hängen -- das ist, mein Lilychen, nicht die Art Deiner alten soliden Großmutter, aber leider die Art unserer Gesellschaft, die sich selbst ihr Grab gräbt ... Die Vertrauensfähigkeit ist bei mir zu sehr ausgegangen, als daß ich mit hoffen könnte ..." Ich befand mich damals, als die Krankheit mir Zeit zum Grübeln ließ, in jenem inneren Konflikt, den viele Mädchen unserer Kreise, die nicht im oberflächlichen Genußleben aufzugehen vermögen und weder einen ernsten Beruf haben noch heiraten wollen ohne Liebe, durchkämpfen müssen. Als ich einmal wieder in Lablacken war, erriet meine Großmutter mehr, was mich quälte, als daß ich es verraten hätte -- zum "Stoizismus des Schweigens" war auch ich dressiert worden. Es kam zu ernsten Aussprachen zwischen uns, und was sie sagte, gipfelte immer in dem Rat: schaffe dir durch dein Talent so viel innere und äußere Selbständigkeit, um nicht heiraten zu müssen! Sie regte mich mündlich und brieflich immer wieder zu schriftstellerischer Arbeit an, bat mich, ihr alles zu schicken, was ich geschrieben hatte, "Du brauchst Dich dabei vor mir nicht zu fürchten, mein geliebtes Herzenskind," schrieb sie, "höchstens binde ich einige zu üppige Schlingpflanzen Deiner Phantasie an, damit der Sturm sie nicht zerzaust." "Entschließe dich," heißt es in einem anderen Brief, "nicht zu einer Heirat, weil irgend jemand Dir zuredet, oder etwa gar aus Mitleid mit einem Kurmacher -- das ist schon das allerdümmste! -- oder weil Du fürchtest, zu alt zu werden. Glaube fest, daß die späten Heiraten die besten sind. Junge Eheleute entwickeln sich fast immer auseinander, und da Scheidungen, so notwendig sie oft sein mögen, immer ein Gefolge schwerer Schmerzen und Bitterkeiten nach sich ziehen, so ist es besser, zu warten, bis der reife Verstand, das reife Herz ihre Wahl treffen." Ein paar Jahrzehnte früher hatte Jenny Gustedt im Hinblick auf Lewes' und George Sands Apostelschaft für freie Ehen noch geschrieben: "Ich betrachte die Ehe in ihrer Heiligkeit und Unauflösbarkeit als einen Hebel des Göttlichen, als die Stütze wahrer Reinheit und Liebe, als Schutz und Schirm von Frauenehre und Frauentugend, als das festeste Band bürgerlicher Ordnung und geselliger Anmuth. Diese außerehelichen Verhältnisse, auch bei edleren Naturen, lassen immer in Kampf und Irrgängen mit der Welt und mit sich selbst, sie tragen das Gepräge des selbstgemachten Geschickes, sie werden nicht wie ein Gegebenes fest und demüthig hingenommen, weil sie eben lösbar sind und dem Menschen den Versuch gestatten, einen Mißgriff durch einen zweiten und dritten Mißgriff zu verbessern. Es ist deshalb nicht genug zu betonen, wie groß Goethes Charakter sich zeigte, als er sich gerade mit der alternden Geliebten ehelich verband und sich selbst damit befahl: Sie ist Dir gegeben, bleibe ihr treu! Wir kommen schnell dahin, weltliche Stellungen und Verhältnisse als etwas Gegebenes anzunehmen, uns ihnen in Treue und Demuth anzupassen, und wir sollten vor allen Dingen Menschen als Gegebene betrachten und uns dahin erziehen, wie Goethe es that, uns, unser Glück und unser ganzes Wesen so zu bilden, daß wir damit an keinem der uns gegebenen Menschen Schiffbruch leiden. Von den Verhältnissen zwischen Eltern und Geschwistern wird dies noch eher eingesehen, bei der Ehe wird es so selten und so spät verstanden, weil man sich einbildet, den Mann oder die Frau gewählt und nicht empfangen zu haben. Wer hat aber je die und vollends den Gewählten im engsten Zusammenleben wiedergefunden? Besser -- schlimmer -- jedenfalls anders, und dem echten Menschen -- ich erinnere wieder an Goethe -- muß es dann so recht sein, er muß dem Gegebenen halten, was er dem Gewählten versprach." Und sie hatte, als man sie auf die vielen unglücklichen Ehen verwies, gesagt: "Ich bin trotz alledem ein Advokat der Ehe, die doch, trotz Wenn und Aber und Ach und Leider, das beste ist, was man wählen kann." Jetzt, auf der Höhe ihrer Lebenserfahrung, schrieb sie mir: "Ich habe meine alten Ansichten vielfach modifiziert, nachdem ich Menschen kennen lernte, die nichts zusammenhielt als ihre treue Liebe, und Ehen sah, die auch vom strengsten christlichen Standpunkt aus nicht aufrecht erhalten werden durften, ohne die sittliche Verderbniß von Eltern und Kindern nach sich zu ziehen. Auch die unbedingte Empfehlung der Ehe vermag ich nicht mehr aufrecht zu erhalten. Jedenfalls sollte sie nicht wie bisher als einziger Beruf des Weibes aufgefaßt werden; das Resultat davon ist auf der einen Seite die Tragik der beschäftigungslosen alten Jungfer, die vergebens auf die Ehe gewartet hat, auf der anderen die oft noch größere der Frau, die den Gatten verlor, die Kinder fortgeben mußte und nun verzweifelnd vor einem leeren Leben steht. Darum mag Dir bescheert sein, was da will, sichere Dir auf alle Fälle den inneren Schatz, den der Rost und die Motten nicht fressen und der unter allen Umständen die reichsten Zinsen trägt ... Ich möchte Dir gerne dabei behülflich sein und kann es nicht in dem Maß, wie ich möchte. Mir fehlt leider gute Lektüre, wie sie mir in Weimar von allen Seiten zufloß. Ich scheue die Anschaffungskosten wertvoller Werke, und was Werners aus der Leihbibliothek kommen lassen, ist zwar ein Zweig der Litteratur, den ich bisher zu gering schätzte -- Tendenzromane und Sittennovellen -- und der manches Gute und Belehrende bringt, aber doch nur für ein Publikum, das es in anderer Form nicht annehmen mag. In meinen stillen Stunden würde ich mich noch gern mit Übersetzen beschäftigen, da das Selbstproduzieren, wozu ich früher Kräfte hatte und keine Zeit, und jetzt Zeit habe und keine Kräfte, doch nicht mehr mit 73 Jahren in Angriff genommen werden kann; aber auch dazu fehlt Gelegenheit und Material ..." Es war die geistige Einsamkeit, die ihr dann am drückendsten fühlbar wurde, wenn sie unter Menschen war. Sie empfand, was Goethe aussprach, der bis in seine letzten Lebensjahre ein freudig Empfangender blieb und darum als Geber so überschwenglich reich sein konnte: "Wir sind Alle kollektive Wesen ... Wir müssen empfangen und lernen, sowohl von denen, die vor uns waren, als von denen, die mit uns sind. Selbst das größte Genie würde nicht weit kommen, wenn es Alles seinem eigenen Innern verdanken wollte." Und wenn sie auch niemals darüber sprach, so mochte die Sehnsucht nach Weimar, das ihre Heimat war und blieb, doch oft ihr Herz mit stiller Wehmut füllen. Die Liebe zu ihren Kindern hatte sie fortgetrieben, aber was sie ihnen von den Schätzen ihres Innern geben konnte, das galt ihnen nichts, und was sie empfing, war nicht viel mehr als ein wenig pflichtmäßige Zärtlichkeit, die einer Mutter galt, deren tiefstes Wesen allen ihren Kindern fremd und unverständlich war. Wie oft krampfte sich mir das Herz zusammen, wenn ich sah, wie ihre Gedanken und Empfindungen mit einer Art nachsichtigen Mitleids belächelt wurden, wie ein spöttisches Wort über ihren "liederlichen" Freund Goethe sie verstummen machte, welch beziehungsreiche Stille eintrat, wenn "die gute Mama" von Seelenerfahrungen zu sprechen versuchen wollte. Nein, hier fand sie die Saiten nicht, aus denen ihr Spiel Töne hätte hervorlocken können, hier war niemand, der für ihren nie verlöschenden geistigen Durst einen frischen Trunk bereithielt. Auch mit ihrer Anteilnahme für das Wohl und Wehe der Gutsinsassen, der Knechte und Mägde, der Instleute und Dorfbewohner stand sie allein. Hier geschah nichts, das an jene umfassende Tätigkeit erinnerte, die sie in Garden und Rosenberg ausgeübt hatte. "Am Notwendigsten fehlt es zwar nicht," schrieb sie, "aber dafür am Freiwilligen vollständig, und es wird, fürchte ich, so lange daran fehlen, bis dies unterwürfige demütige Volk aufhören wird, den Rocksaum der Herrin und die Hand des Gebieters zu küssen, und fordern wird, was man ihm von selbst nicht gab. Unendliches wäre hier zu leisten: den armen elenden Weibern die notwendigsten Begriffe von Reinlichkeit und Haushaltung beizubringen, die Männer in ihren Feierstunden mit unterhaltender und belehrender Lektüre zu versorgen, statt daß sie im Krug alles Verdiente durch die Gurgel jagen. Und was wäre Alles für die Kinder zu tun, bei denen überhaupt jede Arbeit anzufangen hat! Sie wachsen buchstäblich zwischen den Schweinen und im Straßenkot auf, von klein an gewöhnt an die widerlichsten Eindrücke der Unzucht und der Trunkenheit, und von der Schule, die für sie der lichte Punkt des Lebens, der Ausgang von geistiger Erweckung, Sittlichkeit und Frohsinn sein sollte, erwarten sie nichts als Prügel." Um den Wünschen und Ratschlägen der Mutter in etwas nachzugeben, richtete ihr Sohn einen Kindergarten ein, für den eine ehemalige Krankenschwester als Leiterin gewonnen wurde. Meine Großmutter hatte die größte Freude an den vielen strohgelben Kinderköpfchen, die sich nun zu fröhlichem Spiel alltäglich versammelten, und den ärmsten unter ihnen, den armen vaterlosen, wandte sie wie immer ihr größtes Mitleid, ihre weitestgehende Sorgfalt zu. Es waren ihrer nicht wenige, denn uneheliche Geburten waren an der Tagesordnung, Trunksucht und Roheit förderten ihre Vermehrung. Da gab es z. B. ein armseliges Weib -- Großmamas Hauptschützling --, das als ganz junges Ding von ein paar Burschen betrunken gemacht und im Straßengraben vergewaltigt worden war; nachher hatten sie ihr ein paar Eimer eiskaltes Wasser über den Kopf gegossen, und als sie zu sich kam, war sie halb gelähmt und blödsinnig. Sie erholte sich so weit, um die Puten hüten und -- fast alljährlich ein neues elendes Würmchen in die Welt setzen zu können. Der Kindergarten nahm sie alle auf und brachte ein bißchen Sonnenschein in das dunkle Leben der Kleinen, etwas Freude in das graue Leben der Mutter. Wo sie meine Großmutter sah, den einzigen Menschen, der ihr anders begegnete als mit Fluchen, Schelten und Spotten, humpelte sie von weitem schon eilig auf sie zu, um ihr die Hand zu küssen; dabei huschte über ihr 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 335 336 337 338 339 340 341 342 343 344 345 346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 368 369 370 371 372 373 374 375 376 377 378 379 380 381 382 383 384 385 386 387 388 389 390 391 392 393 394 395 396 397 398 399 400 401 402 403 404 405 406 407 408 409 410 411 412 413 414 415 416 417 418 419 420 421 422 423 424 425 426 427 428 429 430 431 432 433 434 435 436 437 438 439 440 441 442 443 444 445 446 447 448 449 450 451 452 453 454 455 456 457 458 459 460 461 462 463 464 465 466 467 468 469 470 471 472 473 474 475 476 477 478 479 480 481 482 483 484 485 486 487 488 489 490 491 492 493 494 495 496 497 498 499 500 501 502 503 504 505 506 507 508 509 510 511 512 513 514 515 516 517 518 519 520 521 522 523 524 525 526 527 528 529 530 531 532 533 534 535 536 537 538 539 540 541 542 543 544 545 546 547 548 549 550 551 552 553 554 555 556 557 558 559 560 561 562 563 564 565 566 567 568 569 570 571 572 573 574 575 576 577 578 579 580 581 582 583 584 585 586 587 588 589 590 591 592 593 594 595 596 597 598 599 600 601 602 603 604 605 606 607 608 609 610 611 612 613 614 615 616 617 618 619 620 621 622 623 624 625 626 627 628 629 630 631 632 633 634 635 636 637 638 639 640 641 642 643 644 645 646 647 648 649 650 651 652 653 654 655 656 657 658 659 660 661 662 663 664 665 666 667 668 669 670 671 672 673 674 675 676 677 678 679 680 681 682 683 684 685 686 687 688 689 690 691 692 693 694 695 696 697 698 699 700 701 702 703 704 705 706 707 708 709 710 711 712 713 714 715 716 717 718 719 720 721 722 723 724 725 726 727 728 729 730 731 732 733 734 735 736 737 738 739 740 741 742 743 744 745 746 747 748 749 750 751 752 753 754 755 756 757 758 759 760 761 762 763 764 765 766 767 768 769 770 771 772 773 774 775 776 777 778 779 780 781 782 783 784 785 786 787 788 789 790 791 792 793 794 795 796 797 798 799 800 801 802 803 804 805 806 807 808 809 810 811 812 813 814 815 816 817 818 819 820 821 822 823 824 825 826 827 828 829 830 831 832 833 834 835 836 837 838 839 840 841 842 843 844 845 846 847 848 849 850 851 852 853 854 855 856 857 858 859 860 861 862 863 864 865 866 867 868 869 870 871 872 873 874 875 876 877 878 879 880 881 882 883 884 885 886 887 888 889 890 891 892 893 894 895 896 897 898 899 900 901 902 903 904 905 906 907 908 909 910 911 912 913 914 915 916 917 918 919 920 921 922 923 924 925 926 927 928 929 930 931 932 933 934 935 936 937 938 939 940 941 942 943 944 945 946 947 948 949 950 951 952 953 954 955 956 957 958 959 960 961 962 963 964 965 966 967 968 969 970 971 972 973 974 975 976 977 978 979 980 981 982 983 984 985 986 987 988 989 990 991 992 993 994 995 996 997 998 999 1000