hatte meine Großmutter auch die Freude, den Prinzen Napoleon bei sich zu sehen. Bei ihrer Liebe für ihn und ihrem natürlicherweise zwischen Preußen und Frankreich geteilten Herzen -- hatte sie doch überall Verwandte, deren Schicksale ihr nicht gleichgültig sein konnten -- war die Aussicht auf einen Krieg für sie doppelt furchtbar. An Wilhelmine Froriep schrieb sie damals: "Mein Alter hat viel Segen, und ich danke Gott dafür, bin aber doch oft müde, und da ist es ein so beruhigender Gedanke, daß jetzt meine irdische Aufgabe beendet erscheint, meine Kinder versorgt, meine Geschäfte geordnet und daß ich in Frieden scheiden könnte; da ich aber auch in innigster Liebe mit meinen Kindern lebe, so kann ich alles erwarten und weiß, daß ich ihre Lebensfreude erhöhe und ihnen keine Last bin. Wovor mir graut, daß ich es gar nicht erleben möchte, das ist der Krieg, der mir wie ein Hohngelächter Satans immer in den Ohren klingt -- warum die Völker das Verbrechen begehen wollen, ist dies Mal unfaßlicher wie je, und doch zweifeln gerade die nicht daran, die es am besten wissen können." Aber es war nicht nur die Kriegsfurcht, die das Gleichgewicht ihrer Seele störte. "Meine wichtigen Gedanken und Gefühle werden nur dann zu Sorgen, wenn meiner Kinder Sünden damit verwickelt sind," schrieb sie, und die Sünden ihrer Kinder waren es, die ihr am Herzen zehrten. Schweigsam, Hypochonder, im stillen und lauten Kampf mit seinen Vorgesetzten, die oft, infolge Ottos langer Unterbrechung der Dienstzeit, jünger waren als er, lebte ihr geliebter Ältester neben ihr. "Mit stillem Entsetzen sehe ich, wie er zuhause wahllos Bücher um Bücher verschlingt," schrieb sie, "ohne den geringsten Nutzen, denn bei seinem schlechten Gedächtniß kann er unmöglich etwas davon behalten, auch findet er niemals Anregung zu irgend einer Unterhaltung darin. Obwohl er wissen muß, daß Niemand soviel Theilnahme und Verständniß für ihn haben kann als ich, bleibt er auch mir gegenüber stumm und ich weiß von seinem Innenleben so wenig, als wäre er ein Fremder." Ganz anderer Art waren ihre Sorgen um ihren jüngsten Sohn, der sich in fröhlichem Lebensgenuß keinerlei Zwang auferlegte und es für selbstverständlich zu halten schien, daß die Mutter, wenn er mit seinem eigenen Einkommen nicht reichte, immer wieder für ihn einsprang. Eine Empfindung, die ihr sonst fremd war -- Bitterkeit -- drückt sich oft in ihren Briefen aus, wenn sie dieser Erfahrungen gedenkt. Sie gehörte nicht zu jenen Müttern, die ihre eigene Jugend vergessen haben und darum die Fehler ihrer Kinder mit dem strengen Maßstab des Alters messen; wo sie konnte und wo es ihrer Auffassung von Ehre und Anstand entsprach, verschaffte sie ihnen sogar gern alle erreichbaren Lebensfreuden. Was sie nicht verstand, war jenes lustige Indentaghineinleben, jenes Sichgenügenlassen nur an den materiellen Freuden des Daseins. Dabei vergaß sie wohl auch zuweilen, daß ihr Sohn ein blutjunger, hübscher Gardeleutnant war, nicht besser, aber auch nicht schlechter als seine Kameraden, und hinzu kam, daß sie ihn bei sich wohnen ließ, also aus nächster Nähe zu ihrer täglichen Qual beobachten konnte, wovon sie sonst vielleicht gar nichts erfahren hätte. Seine Offenherzigkeit blieb dabei ihr Trost und versöhnte sie immer wieder. Aber auch die Herzensgeheimnisse, die er ihr rückhaltlos anvertraute, riefen ernste Sorgen in ihr hervor. Sie, die frühe Heiraten noch vor zehn Jahren eifrig propagiert hatte, schrak jetzt, nachdem sie bei Nahen und Fernen so viel Tragödien der Ehe miterlebte, davor zurück. "Ich glaube, daß seine Liebe ein Strohfeuer ist, aber auch ein Strohfeuer steckt ein Gehöft an, wenn der Moment günstig ergriffen wird. Und wenn ich wieder erleben müßte, ein von der zu frühen Fessel wundes und blutiges Herz zu sehen und zu wissen, daß, wie sehr sie auch drückt, ihr Entfernen noch schwerer sein würde -- es wäre zu traurig," schrieb sie an die Vertraute ihrer Mutterschmerzen, ihre Tochter. Nur zwei Jahre hatte sie die Freude gehabt, auch diese in ihrer Nähe zu haben; eine Freude, die ihr um so schattenloser war, als ihre Ehe ungetrübt und ihre Zukunft in jeder Beziehung gesichert erschien. Eine größere Erbschaft, die ihrem Schwiegersohn zugefallen war, verscheuchte die einzige Sorge, die sie hatte: "Wenn ich auch weiß, daß Hans nie arm zu sein verstünde, so weiß ich doch auch, daß er vom Reichtum nur den edelsten Gebrauch machen wird." Und das Enkelkind, mit dem Sohn Ottos in fast gleichem Alter, war ihr vollends ans Herz gewachsen, so daß sie die abermalige Versetzung ihrer Kinder im Jahre 1869 sehr schmerzlich empfand. Ihr Briefwechsel mit der Tochter, der einzige, der aus jenem Jahr vollständig erhalten blieb, war ein sehr reger. Familienerlebnisse und Erfahrungen, Bücherempfehlungen und Erziehungsratschläge spielten eine große Rolle darin, aber die größte: die Sehnsucht nach den Abwesenden. "Heute habe ich meinen Stuben die letzte Nuance von Seele: Blumen, gegeben, habe sie allein, ohne mein Lilychen, die so gern nebenher trippelte, gepflückt, und mir wäre sehr wohl, wenn ich meine ruhigen, grünen Mauern um mich habe, nur müßten alle Kinder und Enkel darin sein ..." heißt es in einem Brief. In einem anderen: "Ich gehe nicht gern in das Haus, wo mir mein Lilychen nicht mehr entgegenjauchzt, meine Tochter nicht mehr entgegenlächelt ... mich übergießt dabei eine so schmerzliche Wehmut, daß ich sogar die Straße vermeide." In einem ihrer Erziehungsbriefe schrieb sie: "Regt mein Lilychen nicht durch viele Erzählungen und sogenannte freudige Überraschungen auf, das Kindchen muß -terre à terre- gehalten werden, kochen, Sandkuchen backen, laufen, mehr vegetieren, als mit Bewußtsein leben ... Wie mein das Kind ist, könnt Ihr nicht glauben, darum weiß ich auch, was ihm schadet und nützt ... So müßt Ihr Euch Beide die kleinen strengen Beschäftigungen mit den Nebenmenschen abgewöhnen, ehe sie das Kind versteht und ihr Herzchen erkältet. Du, mein Jennchen, mußt in Ton und Ausdruck weniger streng und hart sein, das tut so zarten Seelchen weh ..." Es war der Seherblick der Liebe, der sie von dem vierjährigen Kind so sprechen ließ, jener Liebe, durch die ich vom ersten erwachenden Bewußtsein an in dieser Frau alles fand, was ein Kind bedarf: Verständnis, Anregung, Leitung, Freundschaft und Mütterlichkeit. Im Sommer 1869 besuchte sie uns. Sie war voller Sorgen um ihre Söhne, um Otto, dessen Kränklichkeit den Dienst fast unmöglich machte, um Werner, der weniger denn je das Seinige zusammenhielt. Wie immer, so wirkte der Kummer auch auf ihren körperlichen Zustand, das alte Leberleiden machte sich mehr als früher geltend, und eine Müdigkeit beherrschte sie, die ihr wie eine Vorahnung des Todes erschien. "Ich möchte den ganzen Tag schlafen," hatte sie kurz vorher ihrer Tochter geschrieben, "auch das Hinüberschlafen denke ich mir süß -- mir wird all das Harte, Grausame, Gewalttätige, die Verirrungen, Sünden, Leidenschaften, Wehen in der Welt so entsetzlich schwer mit anzusehen und anzuhören -- -- mir ist, als hätte ich hier nicht mehr viel zu lernen, ich weiß immer alles, was ich höre und lese, und kann doch nicht verhindern, daß Ihr, meine geliebten Kinder, vom Leben noch gelehrt werdet, was Euch Eure treue Mutter lieber lehrte und ersparte ..." Meine Mutter, in ernster Sorge um sie, befürwortete, daß Mutter und Söhne sich trennen möchten, um die Last täglicher Leiden von ihr zu nehmen, und hätte der drohende Krieg sie nicht noch fester an ihre Kinder gefesselt, so wäre sie dem guten Rat vielleicht gefolgt. So entschloß sie sich nur zu einer Karlsbader Kur im Frühling 1870. "Unbeschreiblich schön ist es in diesem gesegneten Ort," schrieb sie von dort aus, "ich fühle mich jetzt schon wie neugeboren, genieße auf stundenlangen einsamen Morgenspaziergängen Wald und Berge und begreife nicht, wie es Menschen geben kann, die sich freiwillig in die Steinwüsten der Städte begeben. Auf stillen Bänken lese ich alte und neue Bücher: Humboldts Kosmos zum zweiten oder gar dritten Mal, und mit wahrer Leidenschaft: Ut mine Stromtid von Fritz Reuter; es ist ein eminentes Meisterstück und die Atmosphäre einfachen Lebens und redlicher Menschen tut so wohl ... Verkehr habe ich so gut wie keinen, bin aber neulich gegen meinen Willen in eine ganz interessante Unterhaltung gezogen worden. Nicht Hände, nein Kiepen voll Schmutz wurden auf Lassalle geworfen. Sein Auftreten, besonders seine eitle, großspurige Manier, sein wüstes Hetzen, das so viel persönliche Eitelkeit und Ehrgeiz durchblicken ließ, waren mir auch stets antipathisch. Aber sein starkes Gerechtigkeitsgefühl erhebt ihn doch so sehr, daß man, nach seinem Tode besonders, das Andere leichter vergessen sollte. In seinem Eintreten für die Sicherung des Lebens der Armen bin ich unbedingt auf seiner Seite. Ich gehe sogar noch weiter: denn da ohne die friedliche Gewaltthat des Strikes auch die gerechteren Ansprüche der Handwerker nicht erfüllt werden, kann man sie ihnen nicht verargen, und sie sind doch besser als Barrikaden. So bin ich aus einem politischen Gespräch zu einem politischen Brief an mein sehr konservatives liebstes Töchterchen gelangt, das sicher dabei krebsrot wird ..." Kurz vor dem Ausbruch des Krieges kehrte Jenny von Gustedt nach Potsdam zurück, und als das lange Gefürchtete Wahrheit wurde und alles um sie her im Paroxysmus der Begeisterung schwelgte, schrieb sie ihrer Tochter: "Es ist selbstverständlich, daß wir Frauen uns mit den lieben Kindern und Enkeln hier vereinen. Alles steht in Gottes Hand, aber mir erscheint es doch wie Gotteslästerung, wenn mitten im Hurrahschreien und Toben der Vater aller Menschen wie ein alter Kriegsgötze für uns allein in Anspruch genommen wird ... Er verhüllt sein Haupt bei diesen größten Sünden der Völker ..." Während des ganzen Feldzugs wohnten wir bei Großmama in Potsdam. Noch sehe ich sie deutlich vor mir, wie sie frühmorgens im Sommer mit mir nach Sanssouci ging, wo die Bäume so hoch waren, daß ich glaubte, sie wüchsen in den Himmel, und die Stille so zauberhaft, daß ich, wenn die Blätter zu rauschen begannen und die Wellen auf den Teichen sich kräuselten, Elfen und Nixlein zu spüren meinte. Gingen wir aber oben auf den Terrassen, wo im heißen Sommersonnenschein die Rosen glühten, dann hätte ich mich kaum gewundert, wenn hinter den Laubengängen der alte Fritz mit dem Krückstock und den Windspielen gemächlich hervorspaziert wäre. Durch Großmamas schöne Geschichten war er mir ganz vertraut geworden. Oft saßen wir auf den weißen Marmorbänken und sahen dem Steigen und Fallen des Springbrunnens zu -- auf jedem Tröpfchen tanzte ein lustiger Sonnenelf, darum blitzte es so vergnüglich, und ganz, ganz oben, da badete sich die Rosenkönigin, die täglich von den Terrassen herüberflog, damit kein Stäubchen an ihrem duftenden Hemdchen hängen blieb. Ich habe sie sogar gesehen, wie sie zu uns herunterlachte: zu dem kleinen Mädchen und zu der alten Frau. Großmama war ja auch ihre gute Freundin, sonst wüßte sie nicht so viele Geschichten von ihr und allen ihren Schwestern! Hinter der Marmorbank war ein dichtes Gebüsch, und da gab es im feuchten Schatten viele, viele Schnecken, große und kleine, schwarze, weiße und rote mit buntem, komischem Häuschen auf dem Rücken. Die brauchten sich vor keinem Franzosen zu ängstigen, sagte Großmama; wurde es ihnen irgendwo ungemütlich, dann trugen sie eben ihr Häuschen, das ihnen kein Feind wegnehmen konnte, anderswo hin. Ach, es war herrlich, mit Großmama spazieren zu gehen, viel tausendmal schöner als mit Mademoiselle, bei der man immer artig sein und beileibe nicht hinter die Bänke kriechen durfte! Freilich: oft hatte sie keine Zeit für mich, und wenn sie mit Mama und Tante Cecile im grünen Zimmer saß und alle ernste Gesichter machten, dann liefen wir, mein Vetter Wawa, Onkel Ottos Sohn, und ich, am liebsten in den Garten und bauten Wälle aus dem großen Sandhaufen, der für uns in der Ecke lag. Kam eine Siegesnachricht, dann kriegten wir immer was Schönes geschenkt und schrien darum aus Leibeskräften "Hurrah!" Als die Kapitulation von Sedan bekannt wurde, tanzte meine Mutter ganz allein im Zimmer umher und Großmama liefen zwei große Tränen aus den Augen, so daß ich durchaus nicht entscheiden konnte, ob es zum Lachen war oder zum Weinen. Auf dem Balkon aber wurde eine große Fahne herausgesteckt, und viele, viele Lichtchen brannten abends hinter den Fenstern. Wir durften aufbleiben, um die Herrlichkeit mit anzusehen. Und dann warteten wir alle Tage, daß unsere Papas mit Sternen und Lorbeerkränzen geschmückt nach Hause kommen sollten. Aber sie kamen nicht; nicht einmal zu Weihnachten, und unsere Mamas weinten, und Großmama sah sehr, sehr ernst aus. Trotz der großen Puppe war es darum gar nicht schön. Wie im Sommer unsere Morgenspaziergänge, so waren im Winter unsere Abende das Schönste vom ganzen Tag: Großmama erzählte Märchen am Kaminfeuer, und wenn die Lampe kam, dann schnitt sie Puppen und Schlitten und Wagen und Pferde aus, zeichnete Häuser und Bäume dazu -- kein Spielzeug war uns so lieb wie dieses! Nur ein einziges Brieffragment aus der Zeit des Krieges gibt einen Begriff von den widerstreitenden Empfindungen, die Großmama bewegt haben müssen. "Ich bin wohl zu alt für den Siegestaumel," schrieb sie, "oder mein Herz ist wie immer zu sehr auf der Seite derer, die leiden. Wie vielen armen Müttern bin ich schon begegnet, die ihr Liebstes haben hergeben müssen und kein 'Tod fürs Vaterland' macht sie wieder lebendig. Und ich habe täglich, stündlich um drei Söhne zu zittern! Und nicht nur das: vor Metz lag Hans, während in Metz Berckheim und Henri (nahe Verwandte) sich befanden; vor Paris ist Otto, in Paris meine geliebte blinde Pauline, deren Kloster jeden Augenblick in Flammen aufgehen kann, wenn mir auch meine gute Königin immer wieder versichert, daß Alles geschehen sei, um es vor dem Bombardement zu schützen ... Das schöne Frankreich, das friedliebende gute tüchtige Landvolk, wie müssen sie leiden! Nachher wird dann aber noch die Saat des Bösen aufgehen: zum grollenden Feinde wird der Bauer werden, der seine zertrampelten Felder, seine vernichtete Ernte sieht ..." Wenn sie auch selbst vor dem Furchtbarsten bewahrt blieb und der mörderische Krieg ihre Söhne verschonte wie ihre Schwester, so traf sie das Unglück, das ihre nächsten Verwandten traf, als hätte es sie selbst getroffen: die beiden einzigen Söhne ihrer Schwester Cecile Beust fielen am gleichen Tage in derselben Schlacht. Es war zugleich der Todesstoß für die unglückselige Mutter, die auf die Schreckensnachricht hin zusammenbrach, um nicht wieder aufzustehen. Wenn schon vorher die innigste Freundschaft meine Großmutter mit ihrem Schwager Fritz Beust verband, so wurde sie jetzt zum wärmsten geschwisterlichen Verhältnis. Wie hätte sie rückhaltlos mit den Siegern jubeln können, da er so namenlos litt? Nur wo ihr Mutterherz sich freuen durfte, da freute sie sich wirklich. Die Erfolge ihres Schwiegersohnes, die Auszeichnung, die er mit Recht erfuhr, bestärkten sie in der hohen Meinung, die sie von seinem Geist wie von seinem Charakter hatte, und vertrieben die Sorgenwölkchen, die sie hie und da auch am Lebenshimmel ihrer Tochter glaubte aufsteigen zu sehen. Ganz besonders glücklich aber machten sie die Nachrichten von Otto, ihrem Sorgenkind. Der Krieg hatte ihn zum begeisterten Soldaten gemacht, hatte seine Schwermut vertrieben, und da er sah, daß sein Mut nicht unbeachtet blieb, daß seine Leistungen als Ordonnanzoffizier des Kronprinzen anerkannt wurden, schwand auch sein Mißtrauen und machte frohen Zukunftshoffnungen Platz. Einen Teil eines Briefes, den er im August 1870 an seine Frau geschrieben hatte, teilte seine Mutter einer Freundin mit folgenden Worten mit: "Es scheint, daß eine Kur auf Leben und Tod wie dieser Krieg notwendig war, um meines armen Otto Seele gesund zu machen. Er schrieb seiner Frau: 'Denke Dir meine maßlose Freude, als mir der Kronprinz, mein lieber gnädiger Herr, im Namen des Königs das eiserne Kreuz überreichte, als Auszeichnung für mein tapferes und umsichtiges Benehmen in der Schlacht bei Wörth. -- Das sind seine eigenen Worte. Ich weiß mich nicht zu lassen vor Freude, denn es ist eine sehr große Auszeichnung, die ich gar nicht erwartet habe. Ich glaubte mich schon übermäßig belohnt, als mich der Kronprinz heute dem König mit den Worten präsentierte: hier ist Otto Gustedt, er hat sich in der Schlacht bei Wörth und Weißenburg besonders ausgezeichnet, seiner muthigen Recognoszirung am Tage von Wörth verdanke ich die wichtigsten Nachrichten. Die Thränen standen mir dabei in den Augen.' Vielleicht, daß nicht nur für meinen Otto, sondern auch für Preußen die dunklen Wege Gottes doch schließlich wieder die hellsten waren!" Als die Friedensglocken feierlich ihre frohe Botschaft verkündeten und ein Wald von Fahnen aus den kleinen Häusern Potsdams fast bis zum holprigen Pflaster niederwehte und die engen Straßen noch enger machten, da vermochte Jenny Gustedt zum erstenmal all des Jammers, den der Krieg hervorgerufen hatte, zu vergessen: "So war es doch ein Seherblick, der vor dreißig Jahren meinen Stiefvater jene Worte aussprechen ließ: Preußen wird an der Spitze Deutschlands stehen, das ist die allein mögliche Lösung des gordischen Knotens der deutschen Politik, und es war mehr als ein Traum jugendlicher Begeisterung, wenn ich vor dreiundzwanzig Jahren, als diese Auffassung noch in den Verdacht revolutionärer Gesinnungen bringen konnte, für die Kaiserkrone Deutschlands auf dem Haupte eines Hohenzollern schwärmte. Möchte der Ruhm uns nicht übermütig machen und die Macht nur dazu führen, dem Wohle des Volks zu dienen." Nach dem Feldzug mußte sich Großmama wieder von ihrer Tochter trennen. Die Hoffnung, daß mein Vater als Generalstabsoffizier im -IV.- Armeekorps bleiben würde, erfüllte sich nicht, er wurde vielmehr nach Karlsruhe versetzt, so daß die Trennung, der weiten Entfernung wegen, eine recht schmerzliche war. Daß ihr Sohn Otto so fröhlich zurückkam und beim Kronprinzen in Potsdam blieb, daß ihr Sohn Werner so viel ernster und reifer geworden zu sein schien, erleichterte ihr den Abschied. Im Sommer des folgenden Jahres verband sie eine Reise nach Karlsruhe mit einem Besuch bei ihrer Schwester in Paris und beschloß sie mit der gewohnten Karlsbader Kur. In einem Briefe aus dieser Zeit -- 1872 -- heißt es: "Es scheint, als ob ein sehr friedliches, sorgenloses Ausleben mir beschieden wäre." Aber schon bald nach ihrer Rückkehr nach Potsdam verdunkelte sich das helle Zukunftsbild wieder. Es wiederholte sich, was gerade die besten Eltern am schmerzlichsten erfahren müssen: daß ein Zusammenleben von jung und alt nicht gut tut. Bei allem Verständnis für jugendliche Neigungen und Torheiten wird es jeder Mutter, jedes Vaters berechtigtes Bestreben sein, dem Kinde die Erfahrungen des eigenen Lebens zunutze zu machen. Nietzsches herrliches Wort: Nicht fort sollst du dich pflanzen, sondern hinauf! entspricht dem Wunsch, der, seit es Mütter gibt, ihr Denken und Fühlen beherrscht. Für ihr Kind wollen sie Erfahrungen gesammelt, wollen sie gelitten haben; ihr Kind soll nicht denselben Weg gehen, auf dem sie strauchelten, sondern ihn dort fortsetzen, wo sie angelangt sind. Darum wachen sie über seine Schritte, lassen es an Warnungen und Zukunftsprophezeihungen nicht fehlen, darum kann nichts so schmerzhaft verwunden, als wenn sie sehen müssen, daß der erwachsene Sohn oder die Tochter allem zum Trotz doch ihre eigenen Wege gehen, und für die Angst der Mutter gar nur ein mitleidiges Lächeln übrig haben. Was Güte und Liebe ist, empfindet Sohn oder Tochter nur als Beeinträchtigung der Freiheit, und so spitzt sich ein ursprünglich zärtliches Verhältnis oft so zu, daß es nur durch Trennung vor dem Zerreißen bewahrt werden kann. "Er glaubt mich ganz zu übersehen," schrieb Jenny Gustedt von ihrem jüngsten Sohn, "ahndet nichts von meiner Seele, weiß von der Würde einer Mutter nichts, und doch sprechen seine zärtlichen Augen meist die innigste Liebe aus ..." Sie fühlte selbst, daß sie ihren Sohn verlassen müsse, um ihn zu erhalten. Als daher mein Vater in den Großen Generalstab nach Berlin versetzt wurde und die begründete Aussicht bestand, daß er eine Reihe von Jahren in derselben Stellung bleiben würde, entschloß sie sich, mit uns zusammen zu ziehen. In der Hohenzollernstraße, ganz nahe dem Tiergarten, wo die Stadt sich in ihrer aufdringlichen Häßlichkeit ihr weniger empfindlich bemerkbar machte, wurde eine geräumige Wohnung gemietet, in der sie ihre ungestörten Zimmer für sich haben konnte; mich allein hatte sie in nächster Nähe: mein Schlafzimmerchen war nur durch eine dünne Tapetenwand von ihrem Salon getrennt, und eine Portiere ersetzte die Türe zwischen beiden. Entzückt war ich darüber und genoß das Zusammenleben wie nie zuvor: wieder, wie in Potsdam, gingen wir zusammen spazieren oder saßen während der Vormittage spielend und lesend im Zoologischen Garten; wieder erzählte sie mir vor dem grauen Marmorkamin Geschichten, viel schönere als früher, weil es nur selten noch Märchen waren, sondern Erzählungen aus der eigenen Jugend, aus dem Leben großer Geistes- und Kriegshelden. Auch sonst glich das äußere Leben sehr dem in Potsdam: Freunde und Verwandte kamen zur Teestunde zu ihr, und jeden Donnerstag abend rollte der Wagen der Kaiserin in den Torweg, und ich durfte den Kuchen zum Tee in den grünen Salon tragen, wo die beiden Freundinnen in lebhaftem Gespräch beieinander saßen. Einmal kam auch der Kronprinz zu ihr hinauf, als ich gerade alle meine Papierpuppen auf ihrem Tisch tanzen ließ. Das schadete aber gar nichts; er war nur um so freundlicher und machte, wie immer, seine Scherze mit mir. Bald jedoch sollte mir der Unterschied von dem damals in Potsdam und dem heute in Berlin zum Bewußtsein kommen. Ob die Lombarden gestiegen oder gefallen waren, das war angesichts der Morgenzeitungen das Gesprächsthema, und abends, wenn man mich schlafend glaubte, dann saß ich aufrecht im Bett und hörte Großmamas und ihrer Kinder erregte, klagende und anklagende Stimmen. Ich verstand nicht alles, aber doch genug, um zu wissen, daß Geld, viel Geld verloren worden war, viel mehr, als Großmama es vorher gefürchtet hatte; als dann gar unsere schönen Goldfüchse verkauft, der Kutscher entlassen wurde, und ich -- ein unerhörtes Ereignis für mein Leben! -- in einer Droschke zu Kronprinzens fahren mußte, wenn ich dort eingeladen war, da begriff ich Großmamas sorgenvolles Gesicht, und mein Herz krampfte sich zusammen vor heißem Mitgefühl. Ihr Sorgenkind war es gewesen, das sich, dem Zuge der Zeit folgend, in wagehalsige Spekulationen eingelassen und Schwager und Bruder mit hineingezogen hatte. Sie verloren alle den größten Teil ihres Vermögens. Welch ein Schlag für die Mutter! Sie selbst traute sich wohl zu, "unter dem kategorischen Imperativ der Lebensmaxime: Auskommen! von der Stufe der Zehntausend zu den Hunderttausend, ja zu den Millionen ruhig hinabzusteigen und jedesmal liebgewordenen Ballast, der keinen Platz auf der unteren Stufe hat, blutenden Herzens über Bord zu werfen -- wenn nur derselbe Weg für die Seele ein Steigen ist," aber für ihre Kinder sah sie Kämpfe und Sorgen ohne Ende voraus. "Nicht weil ich sie so verwöhnt habe," schrieb sie einer Freundin, "sondern weil sie trotz all meiner Anstrengung durch Wort und Beispiel das glänzende Blech bloß materiellsten Lebensgenusses dem Golde geistiger und seelischer Freuden vorziehen. Mein Jennchen macht noch am ersten eine Ausnahme, aber dafür ist ihr Mann um so mehr der Sparsamkeit abgeneigt, und ist es mit so viel Güte und Liebe, fast immer nur, um Andere zu erfreuen, daß man sich fast schämt, ihm darum zu zürnen." Was sie fürchtete, sollte rasch zur Gewißheit werden: die Söhne, auf ihre Güte vertrauend, lernten es nicht, sich einzuschränken, und sie versagte sich eine liebe Gewohnheit nach der anderen, um ihnen die Zulagen, die sie brauchten, gewähren zu können. Mit der Hoffnung auf ein sorgenfreies Alter war es ein für allemal vorbei. "Ich bin noch immer vergebens neugierig," heißt es in bitterer Ironie in einem ihrer Briefe, "wann die Reihe des Gewinnens an mich kommen wird, da ich bei allem Unerwarteten immer die schwarzen Kugeln aus der Urne ziehe." Hinter der Tapetenwand hörte ich bald so viel, daß es für ein empfindliches neunjähriges Kindergemüt drückend wurde wie Zentnerlast. Aber ich sprach nicht darüber, am wenigsten mit Großmama, vor der ich doch sonst nie ein Geheimnis gehabt hatte! Ich mochte wohl fühlen, welch unerträglicher Schmerz es für sie gewesen wäre, wenn sie mich in alles Leid der Familie eingeweiht wüßte. Auseinandersetzungen zwischen Mutter und Söhnen gab es besonders oft, und wenn sie sporenklingend das Zimmer verließen, hörte ich noch lange Großmamas leisen Schritt auf und nieder gehen und die qualvollen Seufzer, die von ihren Leiden zeugten. Viele Jahre später kleidete sie mancherlei Ansichten, Gedanken und Erinnerungen in eine novellistische Form, deren Mittelpunkt, "Gräfin Thara", sie selber war. Die Gespräche darin, die sich um Offiziersehre, um Schuldenmachen, Spielen und Trinken drehten, riefen mir jene Berliner Abende lebhaft ins Gedächtnis zurück. Wie oft hatte ich dieselben Worte gehört: "Wieder ein Liebesmahl? Und wieder Sect?" "Thust du nicht, als wäre das eine Sünde? Schadet das Jemandem, wenn ich Sect trinke?" "Direct nur dir!" "Das ist doch meine Sache!" "Außerdem ist es Sünde, sobald das Bedürfniß nach Trank und Speise zur Lust, Erweckung desselben zum Ziel wird! Nimmst du dir nicht etwa oft die ruhige Selbstbeherrschung, bringst dich in einen unwürdigen Zustand, machst auf viele Stunden deinen Körper krank, giebst den Leuten, denen du befehlen sollst, ein gefährliches Beispiel und übertrittst dabei sehr oft das einfache Ehrengebot: was ich nicht bezahlen kann, muß ich mir versagen." "Das war falsch, versagen darf ich mir das unter meinen Kameraden nicht, und bezahlen kann ich eine Flasche Sect." "Eine, ja, fünfzig, nein, wenigstens nicht ohne Opfer der Deinigen, oder ohne Rechnungen armer Handwerker stehen zu lassen. Und das Alles um das Bischen Nasenkitzel, um das jämmerliche Lustigsein mit dem Ende, das du Katzenjammer nennst!" "Darin liegt gerade der Schneid, dem Katzenjammer zu trotzen, und so lange ich den Körper habe, will ich mich mit ihm vertragen und ihm seine Freude gönnen, ist er einmal weg, so hat er auch keinen Durst mehr ..." Und wie oft, wenn der Sohn sich mit dem Hinweis auf die notwendigen Verpflichtungen verteidigte, hörte ich sie die Vorgesetzten anklagen, die "mehr verlangen, als die reichlichsten Zuschüsse leisten können, glänzende Regimentsfeste, übermäßig kostbare Geschenke, Pferde und Uniformen, Jagden, Rennen und dergleichen, und die jüngeren Offiziere auf ein Eitelkeitspiedestal heben, von welchem aus sie glänzen sollen. Ich habe selbst gehört, wie ein Regimentscommandeur Kartoffeln in den Bann erklärte, weil es für Gardecavallerie-Officiere ein zu gemeines Essen sei -- die Kartoffeln des großen Fritz! Und wie ein Anderer in dem preußischen Schnarr- und Nasenton einen jungen Officier, der, seinen Paletot auf dem Arm, zum Bahnhof ging, frug, ob sein Bursche den Wadenkrampf habe, daß er sich selbst so bepacke." Gingen die Wogen der Erregung hoch, wurde der Mutter weiche Stimme schärfer und härter, dann waren es die "falschen Ehrbegriffe inbezug auf Geld und Geldverwertung", die sie immer wieder bekämpfte. "Der, welcher am versprochenen Termin sein Geld fordert," heißt es in der "Gräfin Thara", "gilt für gemein und unzart, nicht der, welcher empfangen und versprochen hat und sein Wort nicht hält; der, welcher eine Rechnung schickt, wird mit jedem Schimpfnamen bezeichnet und als unverschämt abgewiesen, nicht der, welcher auf Rechnung genommen hat. Der, welcher mahnt, wird als Tretender bezeichnet, nicht der, welcher die Mahnung verdient. Der Vater, der seinen Sohn versetzen läßt, weil er Schulden macht, wird verdammt, der Sohn wird bedauert, und es geschieht, meinen die Kameraden, dem Vater ganz Recht, wenn der Sohn nun noch mehr Schulden macht; der Vater hat ja nur das Vermögen der Kinder zu verwalten, lebt auch zu lang, steht blos dem berechtigten Lebensgenuß des Sohnes im Wege! Mit ritterlichem Muth tritt er auf das Herz der Mutter, die für zwanzig- bis dreißigjährige Liebe und Treue Spott und Undank erntet. Das ist das Porträt eines 'charmanten Kerls', der unsinnige Wetten macht, eine Maitresse hat, die schöner wohnt, besser lebt, kostbarere Kleider hat als Schwester und Mutter! Wie könnte er drei Monate lang z. B. nicht nach Berlin fahren, wie kann er nicht Sect trinken, nicht spielen! Nein, da muß man den Muth haben, durch seine noblen Gewohnheiten dem Regiment Ehre zu machen, und ginge es über den Sarg von Vater und Mutter, über alle göttlichen Gesetze, über alle Pflichten der Liebe und der Ehre, und opferte man die Altersruhe der Eltern, die Unabhängigkeit der eigenen Zukunft, die Gesundheit des Leibes und der Seele! Und zuletzt giebt es ja, Gott sei Dank, Pistolen zum Selbstmord." Aber auch die erregteste Auseinandersetzung schloß mit allen Zeichen der Liebe, einer sorgenden, schmerzlichen, aber doch immer wieder hoffenden Liebe. "Laß die Sonne nie über deinem Zorn untergehen", war einer der Grundsätze Jenny Gustedts, und oft schloß sie ein ernstes Gespräch mit den Worten: "Das Alles giebt Stoff zu guten Monologen bei der Zigarre im Lehnstuhl oder vor dem Einschlafen. Bei Dialogen tritt Eitelkeit, Rechthaberei, Kränkung so leicht in den Weg, aber die Selbstgespräche, die folgen, die können Frucht bringen." Aus jener schweren Berliner Zeit datiert ein Brief von ihr, der ihre Stimmung am besten wiedergibt. "Die Gewohnheit meiner abendlichen Selbstprüfung", so heißt es darin, "hat mir niemals so viele schlaflose Nächte gemacht, als jetzt. Was habe ich versäumt an meinen Kindern? Welche Schuld habe ich ihnen gegenüber begangen? Das sind die Fragen, die mich quälen und auf die ich keine Antwort weiß ... Mein Mann und ich haben nie über unsere Verhältnisse gelebt, unseren Kindern gaben wir immer das Beispiel unbedingter Rechtschaffenheit. Aber freilich, diese Verhältnisse waren eben sehr gute; was hätte geschehen müssen, um die Kinder vor der Verwöhnung durch sie zu schützen? Wir hatten nach menschlichem Ermessen die Sicherheit, daß ihre Lebensführung dieselbe bleiben könnte wie unsere ... Ich habe ihnen immer durch mein Leben und Denken meine Geringschätzung rein materieller Genüsse gelehrt, habe Geist und Natur ihnen als Höchstes gepriesen und zugänglich gemacht, habe ihnen das Christentum niemals durch Kasteiungsideen und Weltverachtung verekelt, sondern im Gegenteil gezeigt, daß der beste Christ auch stets der fröhlichste, genußfähigste Mensch sein wird. Und dennoch diese Resultate. Bin ich vielleicht doch im Urteil zu hart? Sind sie zu jung und vergebe ich ihre Jugend? Als ich so alt war, bin ich doch auch lebensfroh gewesen, aber die geistigen Genüsse gingen mir über Alles ... Ich bin zwar unter ungewöhnlich günstigen Verhältnissen aufgewachsen, und das ist vielleicht die Ursache dafür, daß ich mich so ganz anders entwickelte. So wäre also die Schuld in der Zeit zu suchen, in dieser oberflächlichen, genußsüchtigen, nur nach Geld und Vergnügen jagenden Zeit, wo ein junger Lieutnant die Nase rümpfen würde, wenn er ein Schlafzimmer wie das Goethes bewohnen müßte, und ein Student empört wäre, wenn man ihm Goethes Arbeitszimmer anwiese ... Wenn das die Folgen unserer Siege sind, dann wäre es wahrlich besser, wir wären das arme, unscheinbare Preußen geblieben ... Ich fühle mich recht müde, recht alt und recht fremd in dieser Welt. Neulich besuchte mich R., seiner Gesundheit hat das Studentenleben, das das Lieutnantsleben fast zu übertrumpfen scheint, einen Knacks gegeben, den er vielleicht noch als Greis spüren wird -- wie jammerschade, Lust, Tatkraft, Tüchtigkeit so zu vergeuden. Und wie unbegreiflich bei einem Menschen wie er, der ehrgeizig ist und dieses Leben für das einzige hält, also logischerweise alle Kraft darauf konzentrieren müßte, es durch Leistungen zu erfüllen. Statt dessen wird Gesundheit, Nerven- und Geisteskraft im Genußleben ertränkt. Ich suche sein Verantwortlichkeitsgefühl zu wecken, und da er immer wieder kommt, muß doch irgend etwas ihn herziehen, was eine alte ernste Frau kaum sein kann ... Wie arm an Liebe muß die Welt sein, daß mein wirkliches aufrichtiges Wohlwollen mir immer so unerwartet Herzen gewinnt und ohne mein Wissen und Zutun es jedermann für Liebe nimmt, während ich eigentlich wirkliche Liebe für sehr wenige Menschen empfinde, deshalb nur mit sehr Wenigen lieber zusammen, als mit mir selbst allein bin ... Laute, lärmende Heiterkeit in meiner Nähe schmerzt mich jetzt ganz besonders. Meine Seele, die unter den Fröhlichen den Druck wie von heißer Sonnenhitze fühlt, empfindet den Umgang mit Trauernden, als träte sie in einen milden Schatten." Die Schmerzen, die ihr diesen Brief diktiert hatten, bezeichneten noch nicht den Gipfel des Leids, zu dem diese Jahre sie emporführen sollten. Selbst die Bäume am rauhen Lebensweg, in deren Schatten sich zuweilen von der mühseligen Wanderung ruhen ließ, hörten auf, und die Steine wurden spitzer und der Pfad immer steiler. Ihr Sorgenkind, ihr ältester Sohn, wurde ohne seine Schuld in einen tragischen Familienkonflikt verwickelt, aus dem es nur einen Ausweg für ihn gab: das Duell. Die Kugel seines Gegners traf ihn in den Unterleib. Leben und Tod standen in langem, schwerem Kampf an seinem Lager, und als er sich endlich von ihm erhob, war er ein an Leib und Seele gebrochener Mann. Nun war der Platz der Mutter wieder an der Seite des Sohnes. Sie, die ihm das Leben gegeben hatte, sah es als ihre Aufgabe an, es aus Schutt und Trümmern ihm wieder aufbauen zu helfen. Da ihr Schwiegersohn gegen alle Erwartung nach einem kaum anderthalbjährigen Aufenthalt in Berlin nach Posen versetzt wurde und sie nun abermals heimatlos war, erschien es ihr wie eine Fügung Gottes. "Ich bin wohl noch zu egoistisch gewesen," schrieb sie, "als ich mich vor ein paar Jahren auf ein friedliches Ausleben in der Mitte meiner Kinder vorbereitete. Bei der Art eurer Generation, alle Lasten, die seit Beginn der Welt Jeder getragen hat, unerträglich zu finden, sind die großen Familien sehr zu fürchten; wer ein egoistisch ruhiges süßes Alter träumt, muß kein zehnfaches Leben mit hineinnehmen, wie es bei Kindern und Enkeln geschieht und um so mehr geschieht, je mehr man sie liebt. Ich fühle die Schmerzen meiner Kinder doppelt und dreifach und würde sie freudig tausendfach fühlen wollen, wenn ich auch nur ein Sandkörnchen ihrer Last dadurch von ihren Schultern nehmen würde. Aber ich kann nichts, als im Stillen für sie beten, und da sein, wenn sie ein allzeit offnes Ohr und Herz brauchen, um ihren Jammer hinein zu schütten ... Es müssen glückliche Menschen gewesen sein, die sich Hölle und Fegefeuer erträumten, sonst hätten sie wissen müssen, daß die Erde Beides zugleich ist ... Glaube nicht, daß ich klage: mit dem Leid wächst die Kraft. Das wird auch Dein Mutterherz noch erfahren. Der Glaube, der Berge versetzt, ist nicht stärker, als die Mutterliebe, die den Kampf mit Hölle und Fegefeuer aufnimmt, um ihres Kindes willen." Ausleben Wieder daheim Jenny Gustedt war 64 Jahre geworden, ein Alter, von dem sie zu sagen pflegte, daß es ihm angemessen sei, "sich in den Schatten, sich aus dem Wege der Welt zu stellen, um seiner selbst willen, weil die Grenze des Diesseits schon das Jenseits streift, um Anderer willen, weil in den Lebensverhältnissen das Greisenalter, ich möchte sagen, über dem Etat ist und oft beengend auf die nächste Generation wirkt". Und wenn sie auch äußerlich fast unverändert blieb und die Pforten ihres geistigen Lebens sich nicht, wie bei den meisten alten Leuten, vor der Außenwelt und ihren Eindrücken zuschlossen, nur das Besitztum der Vergangenheit hütend, so zeigte sich doch ein untrügliches Merkmal hoher Jahre: Heimweh. Es befällt nicht nur den einen, der lange in fremden Ländern war, als eine Sehnsucht nach den Wäldern und Wiesen, wo seine Jugend reifte; noch stärker und schmerzhafter macht es sich vielmehr dem anderen fühlbar, der in geistiger Fremde lebte, und nun heim verlangt nach dem vertrauten Boden, in dem sein inneres Leben wurzelt, der seiner Seele die erste Nahrung gab. Nicht die Zahl der Jahre bestimmt den Zeitpunkt, wann dieses Heimweh unüberwindlich wird, sondern das Maß der Entfernung und die Menge der begrabenen Hoffnungen. Am längsten vermag die Mutterliebe, die das Weib an das innere und äußere Leben des Kindes fesselt, die Stimmen der Sehnsucht zu übertönen. Aber schließlich, wenn der müde Fuß den raschen Schritten der Jugend nicht mehr folgen kann und das Auge nichts als eine fremde Welt vor sich sieht, dann siegt das lang unterdrückte Verlangen, dorthin zurückzukehren, von dannen wir gekommen sind. Nach dem Tode ihres Gatten war der erste Gedanke der Witwe gewesen, sich von nun an dauernd in Weimar niederzulassen. Liebe und Pflichtgefühl hatten sie daran gehindert. Jetzt, zehn Jahre später, sah sie, daß ihre Kinder ihrer nicht bedurften, daß sie ihnen, selbst wenn sie litten, kaum zu helfen vermochte, weil ihr Trost ihnen kein Trost war, und es regte sich nun wohl auch in ihr der Wunsch, zum Schlusse des Lebens noch einmal sich selbst zu leben. Im Hause ihres Schwagers, des Grafen Beust, am Ende der Ackerwand, wo die alten Bäume des Parks in die Fenster hineingrüßten und der Brunnen dasselbe Lied rauschte und murmelte, wie vor einem halben Jahrhundert, fand sie eine kleine, freundliche Wohnung. "Meine Stuben würden Dir sehr gefallen," schrieb sie mir, "sie sind kleiner als die in Berlin, aber sehr harmonisch, und enthalten Alles, was mir notwendig, nützlich, angenehm und lieb ist; meine Freunde sind sehr gern darin, meistens zwischen 6 und 8 Uhr, dann brennen meine Lampen, alles ist still und friedlich, voll Blumen sind die Tische ... Morgens nach dem Frühstück gehe ich fast ohne Rücksicht auf das Wetter im Park, der immer schön ist, spazieren und vergesse vor lauter Erinnern zuweilen das halbe Jahrhundert, das zwischen meiner Jugend und meinem Alter liegt. Um 1 Uhr esse ich und habe neben der Güte der einfachen Mahlzeit die Freude stets unbestellter Gerichte, die Du, mein Herzensenkelkind, auch empfinden wirst, wenn Du einmal jahrzehntelang Hausfrau warst und -- leider muß ich das vermuthen -- wie ich, gar kein Talent dafür hattest. Oft esse ich auch bei meinem lieben Schwager Fritz, der dann schon am Abend vorher sagt: Auf morgen freue ich mich, dann bist Du bei mir! Selten vergeht ein Tag, ohne daß ich liebe Verwandte oder Freunde besuche oder empfange, und wie ein weicher, warmer Mantel legt sich die vertraute geistige Luft Weimars um mich ... Abends lese ich viel und mache mir darüber kurze Notizen, die Dir vielleicht einmal nützlich sein werden. Man vergeudet so viel Zeit mit schlechter Lektüre, daß es ein großer Gewinn wäre, wenn Kinder und Enkel sich darin wenigstens von den Alten raten und leiten ließen. Um 11 Uhr bin ich zu Bett und schlafe mit Gedanken und Gebet für meine Kinder und Enkel ein ... Ich denke, wir Beide, mein geliebtes Kind, könnten jetzt schon besser plaudern, als auf unseren Wegen in Berlin, und im Lieben und Denken wirst Du mich immer besser verstehen ..." Wenn es auch nicht das alte Weimar war, das meine Großmutter wieder aufnahm, so war es doch in der Hauptsache das alte geblieben. Es schien, als ob jeder im Umfang seiner Kräfte sich bemühte, die Tradition aufrechtzuerhalten, die vorschrieb, geistige Interessen in den Mittelpunkt des Lebens zu stellen. Und der Großherzog Karl Alexander war es, der darin mit dem guten Beispiel voranging. Er besaß jene Fürstentugend, die wir heute vergebens suchen: Talente heranzuziehen und zu beschützen, ihnen freie Bahn zu schaffen, ohne sie beeinflussen zu wollen. Seine Ehrfurcht vor geistiger Bedeutung war so groß, daß er vor ihr bescheiden zurückzutreten verstand. Niemals hätte er einem Künstler seinen Willen aufgezwungen und ihn dadurch auf das Niveau eines bloßen Handwerkers herabgedrückt. Die geistige Atmosphäre, die er dadurch schuf oder vielmehr erhielt, denn sie war Karl Augusts kostbares Vermächtnis, ermöglichte es, daß aus dem Weimar Goethes und Schillers noch ein Weimar Liszts und Wagners wurde. Obwohl die Welt Franz Liszt zu Füßen lag, wählte er sich die kleine Stadt, um alljährlich sein Haus an der Hofgärtnerei zum Mittelpunkt der Musikbewegung zu machen. Von Weimars unscheinbarem Theater aus trat Wagners "Lohengrin" den Siegeszug durch die Welt an. Ohne den Großherzog hätte Liszt seine Aufführung nicht durchzusetzen vermocht. Daß der Hof der modernen Musik so viel Verständnis und Förderung zuteil werden ließ, zog eine Reihe anderer Musiker, die später zu großer Bedeutung gelangten -- es sei hier nur an Männer wie Eugen d'Albert und Richard Strauß erinnert -- nach Weimar. Und wie die moderne Musik, so fand die moderne bildende Kunst hier zwar nicht einen Mittelpunkt des Lebens, wohl aber eine stille Wiege, wo sie die jungen Glieder strecken, von wo aus auch sie den Weg in die Welt antreten konnte. Graf Kalkreuth und Schillers liebenswürdig-geistvoller Enkel, Herr von Gleichen-Rußwurm, waren Ende der siebziger Jahre ihre Hauptvertreter in Weimar. Wie viele Dichter, Maler und Musiker haben außerdem, wenn nicht den Beginn oder den Höhepunkt ihres geistigen Schaffens, so doch Stunden der Anregung und Befriedigung -- jener seltenen Feiertage des Lebens, die ihnen notwendig sind, wie dem Arbeiter die Sonntagsruhe -- der lieblichen Stadt an der Ilm zu verdanken. Dem Fürsten aber, dem es gelang, im brandenden Meer des modernen Weltlebens diese Insel der Ruhe, des stillen Schaffens und Werdens, zu erhalten, blieb das Schicksal nicht erspart, das auf die eine oder andere Weise alle traf, die im Schatten der Titanen geboren wurden. Derselbe Mann, der vor seinen Freunden ein lebendiger, geistvoller Plauderer und immer ein vornehmer Mensch im besten Sinne des Wortes war, schien der verantwortungsvollen Last der großen Vergangenheit seines Hauses und Landes oft fast zu erliegen, wenn er sich unter Freunden im großen Kreise bewegte: er fühlte sich bedrückt, wenn alle Augen auf ihn sahen, wenn jeder darauf wartete, was er sagen würde, und seine Zerstreutheit, seine Schüchternheit und Verlegenheit machten ihn in der breiten Öffentlichkeit zu einer lächerlichen Figur. Meine Großmutter schrieb einmal von ihm: "Daß mein guter Großherzog so oft mißverstanden, ja, was noch schlimmer ist, verhöhnt wird, schmerzt mich um so mehr, als er im Grunde seines Wesens und seiner Anschauungen der Typus dessen ist, was ein Fürst in unseren konstitutionellen Staaten überhaupt noch sein kann: ein Grandseigneur, der die alte schöne Tradition pflegt und die Entwicklung einer neuen Kultur fördert, indem er wie ein guter Gärtner dort der wildwuchernden Rosenranke eines Talents eine Stütze giebt, dort einer andern, die im Verdorren ist, Wasser, Luft und Licht zuführt und allmählich einen Park anlegt, in dem Natur und Kunst den Gärtner gleichmäßig preisen, weil er die Natur nicht knebelte und die Kunst nicht degradierte." Neben ihrem Schwager Beust, der ein ungemein liebenswürdiger Mensch war, und trotz seiner lebenslangen Hofstellung -- was ebenso für den Fürsten wie für seinen Hofmarschall spricht -- nie ein Höfling wurde, gehörte der Großherzog zu meiner Großmutter vertrautestem Umgang. Er besuchte sie oft, und sie war ein häufiger Gast im Schloß, wenn sie allein kommen konnte oder nur ein kleiner Kreis versammelt war. Bei solchen Gelegenheiten war es, wo sie Liszts herrliches Spiel genoß, sich des genialen, geistvollen Gesellschafters freute, und durch ihn Wagners Musik kennen lernte. Es war eine neue Welt für sie und eine, die sich der altgewohnten harmonisch anschloß. "Ich habe zu viel Sinn für Musik," schrieb sie einmal, "um es nicht unerträglich zu finden, bei einem Kaffeekonzert, wo zwischen: 'wie freue ich mich, Sie zu sehen' -- 'Kellner, eine Portion Kaffee' -- 'nein, sieh nur diese Toilette' -- wo zwischen diesen und ähnlichen Gedanken und Gesprächen einige Töne von Mendelssohn oder Beethoven und dann zum lauten Entzücken des Publikums das 'Pariser Leben' ertönt. Das Ideal von Musik, das ich in der Seele trage, ist Verklärung, Seligkeit reinster Liebe, Auflösung des Innern in Ton und Klang. Wenn ich still in dämmeriger Ecke saß und Liszt spielte, wenn mir in Karlsbad, hoch über dem Konzert, auf einsamer Waldbank Wagners wunderbarer Pilgerchor entgegenklang, wenn ich in Freiburg in der stillen dunklen Kirche saß und die Orgel über mir brauste -- das Alles war Musik. Es beeinträchtigt schon meinen Genuß, wenn ich, um eine Wagnersche Oper zu hören, in ein volles Theater mit im Zwischenakt schwatzenden und kokettierenden Menschen gehen muß. -- Wie ich den Faust nicht auf der Bühne sehen kann -- den zweiten Teil aufzuführen, ist überhaupt eine Blasphemie -- so ist für mich jede Art Kunst, Musik insbesondere, entwertet, oder besser entweiht, wenn sie auf das Niveau des Massenamüsements heruntergezogen wird. Wertvoller für den Menschen ist ein schönes Bild im eigenen Zimmer, als Hunderte weltberühmter Bilder im Museum, an denen er mit einer Karawane Fremder vorüberziehen muß. Eine Welt höchster künstlerischer Kultur müßte alle Museen auflösen und die Kunstwerke in den Wohnungen verteilen, müßte in gothischen Domen mit gemalten Fenstern täglich musizieren und singen lassen, wobei einem Jeden der Eintritt zu Genuß und Andacht frei stünde ..." Das Interesse für den Musiker Wagner führte sie zu dem Dichter und Denker, und nichts zeugt mehr für ihre geistige Regsamkeit und Auffassungsfähigkeit, als die Tatsache, daß er bei aller Grundverschiedenheit der geistigen Tendenz so stark auf sie wirkte. "Ich lese mit wachsender Anteilnahme, wobei Staunen, Entzücken, Empörung, Bewunderung in lebhaftem Streit mit einander liegen, Richard Wagners Prosaschriften und Dichtungen," schrieb sie 1877 aus Weimar; "Alles darin ist bedeutend und sehr klar; in schöner bündiger Weise unterrichtend sind alle Artikel über Musik. Wie Wagner selbst die Musik versteht, ist mir sonnenklar vor die Seele gesprungen in den wenigen Worten: 'Wo die Sprache aufhört, fängt die Musik an'. Nicht allein ihre wortlose Herrlichkeit hienieden wird damit bezeichnet; aber man fühlt sie als Sphärensprache der Ewigkeit. Die Aufsätze: 'Eine Pilgerfahrt zu Beethoven', 'Ein Ende in Paris', 'Ein glücklicher Abend' erinnern ausnehmend in Tendenz, Empfindungen, spöttischer, tiefer Menschenverachtung, von der man sich selbst fast allein ausschließt, an Byron, der einmal mein Lieblingsdichter war, bis ich Goethe und sein Urteil über die von ihm so richtig bezeichnete 'Lazarethphilosophie' begreifen lernte. Es muß wohl Jeder, der von innen heraus wächst, dieses Seelenstadium durchmachen -- auch Goethe mußte es und hat es im Werther geschildert und überwunden -- aber wehe dem, der darin stecken bleibt: nicht nur, daß er selbst ein dauernd unglücklicher Mensch wird, auch seine Schaffenskraft zerbricht. In welcher herrlichen Verklärung tritt im klarsten Gegensatz zu der ganzen Lazarethphilosophie und Menschenverachtung das Christentum vor meine Seele. Die Menschenverachtung, die dort zu Spott, Haß und Verzweiflung führt, die Lebensbeziehungen der Menschen untereinander vergiftet und zerstört, führt hier zu tiefem Mitleid mit dem Sünder, der noch blind für die Wahrheit ist: 'die Sünde ist der Leute Verderben', führt zu sorgfältiger Prüfung der Ursachen, die Gemeinheit und Schlechtigkeit nähren und entstehen lassen, und zum rücksichtslosen Kampf gegen sie. Auf der Seite der Menschenverächter ein Schrei der Verzweiflung neben dem anderen, auf der anderen Seite das himmlische: Freuet euch in dem Herrn, und abermals sage ich euch, freuet euch. Auf der einen Seite Krieg mit oder Abgeschlossenheit von den Menschen, auf der anderen Seite hülfreiches, thätiges Zusammenleben und Lieben ... Ich kann Richard Wagner gegenüber den Eindruck nicht überwinden, der mich z. B. auch bei Heinrich Heine immer wieder überwältigte, daß sein Menschliches noch mit seinem Göttlichen -- und jeder Künstler und Dichter ist gottbegnadet -- im Kampfe liegt. Seine Musik, seine Dichtung, z. B. im Tannhäuser -- widerspricht seiner, nicht vom Genie, sondern vom irdischen Verstand diktierten Lazarethphilosophie. In Beethovens neunter Symphonie ist das rein Göttliche zu unvergleichlichem Ausdruck gekommen; ich warte nun auf Richard Wagners Neunte! ..." Einige Jahre später las meine Großmutter, noch ehe sie die Musik kannte, den "Parsival" und schrieb mir darüber: "Ich begann ihn gleichgültig, werde aber immer mehr davon hingerissen und begreife nicht, wie Eitelkeit, Weltlichkeit und Genußsucht einen Geist beschatten konnten, der solcher Gedanken, Anschauungen und Gefühle fähig ist. Die Verherrlichung und Weihe des Mitleids, das er als die höchste Liebe hinstellt, die Heiligung durch Buße und Gnade aller seiner Helden, die Auffassung des Abendmahls werfen Lichter in meine Seele, wie noch kein theologisches Buch es gethan hat. "Wie oft habe ich mich geprüft, ob es denn nicht Falschheit und Schmeichelei sei, was mich so liebevoll hinzog zu Menschen, deren mein Herz für mich gar nicht bedurfte. Wagners Auffassung des Mitleids erklärt mir meinen eigenen inneren Widerspruch. Das Mitleid, welches ich in seiner höchsten, mir oft krankhaft erscheinenden Potenz von je her für Menschen und Thiere empfand, ist eben die höhere und bessere Liebe, weil das Mitleid nichts für sich will, auch nicht Gegenseitigkeit, die meiste Liebe aber etwas sucht und braucht für sich." In einem anderen Briefe heißt es: "Ich habe nun auch einen großen Teil der Musik zum Parsival kennen gelernt. Sie gehört zu den erschütterndsten Eindrücken meines Lebens. Wunderschön war mir schon seine Sprache, um wie viel herrlicher ist seine Musik. Wenn ich sagen müßte, welches die höchsten Emanationen des Göttlichen im Menschen sind, die ich kenne, so würde ich heute antworten: Goethes Faust und Wagners Parsival. Sie stehen mir auch in anderer Weise gleich: wie ich den Faust nicht auf der Bühne sehen mag, möchte ich den Parsival nicht sehen. Zwar ist der Bayreuther Gedanke, der den Ort zu einer Art Wallfahrtsort macht und die Menschen dadurch schon aus der Alltagsstimmung herausreißt, mir sympathisch, aber da es leider auch dort weniger die stillen, auf seelischen Genuß gestimmten Seelen sein werden, die sich zusammen finden, sondern die jeder neuen Sensation auf dem Fuße folgenden großen Geldbeutel, so möchte ich um Alles in der Welt nicht unter ihnen sitzen." Mit vollen Zügen, mit einer fast ungebrochenen jugendlichen Kraft genoß Jenny Gustedt das geistige Leben, das wieder in breiten Fluten zu ihr hereinströmte. "Ich empfinde mit täglichem Dankgefühl," schrieb sie ihrer Tochter, "wie wertvoll der Mensch dem Menschen ist, sofern wir uns entschließen, die Präliminarien des Konventionellen rasch zu erledigen, und uns dann geben, wie wir sind, d. h. mit dem Besten, was in uns ist. Eure Art, das Innerste zu verschweigen, also im Konventionellen stecken zu bleiben, so daß der Verkehr mit Menschen schließlich zum überflüssigsten Zeitvertreib wird, ist nur eine Folge Eures Mangels an echter menschlich-christlicher Gesinnung: Ihr fürchtet jede Meinungsverschiedenheit, weil Ihr andere Ansichten in Eurer egoistischen Rechthaberei gar nicht mehr vertragen könnt. Das ist nicht nur ein Nagel zum Sarg der Geselligkeit, sondern auch zum Sarg der Freundschaft, der Ehe, ja selbst der Beziehungen zwischen Eltern und Kindern. Bereichert wird unser Leben, erweitert unser Gesichtskreis nur durch andere Ansichten als die unseren, und nur durch ihren Austausch können wir fördernd und anregend aufeinander wirken. Übrigens gilt dasselbe auch vom Lesen: Nichts törichter, als nur lesen zu wollen, was in unseren engen geistigen Horizont, in unsere Seelenstimmung, in unsere Glaubensauffassung hineinpaßt, und zu sagen: Das und das kann man nicht lesen. Man kann es nicht nur, man soll es sogar. Wie ein gesunder Körper sich Wind und Wetter aussetzt und davon nur gekräftigt wird, so muß ein gesunder, reifer Geist sich allen geistigen Luftströmungen aussetzen, um immer gesunder zu werden ..." Die Bücherliste der Weimarer Zeit ist erstaunlich reichhaltig und umfangreich, und Auszüge aus dem Gelesenen füllen einige Bände. Memoiren, Korrespondenzen und Biographien aus der Zeit Goethes und Napoleons, Friedrichs des Großen philosophische und historische Werke und seine Korrespondenz mit Voltaire, Chateaubriands zwölfbändiges Memoirenwerk nehmen auch in bezug auf die Auszüge einen breiten Raum ein. Kants Metaphysik der Sitten, Schopenhauers Ethik, Nietzsches Geburt der Tragödie, Strauß' Leben Jesu und sein Voltaire wurden studiert; kleinere historische und kulturhistorische Schriften, Reisebeschreibungen und hier und da auch ein Roman finden sich daneben verzeichnet. In ihren Briefen erwähnte sie meist, was sie gerade beschäftigte; da ich damals noch ein Kind war, blieben ihre Äußerungen mir gegenüber meinem Alter angepaßt. An die elfjährige Enkelin schrieb sie: "... Ich wünschte Dir, mein Kind, die Weimarer Luft, die Deiner Entwicklung notwendiger wäre, als die Offiziersinteressen-Atmosphäre, in der Du lebst ... Wie oft finde ich im Laufe meiner Lektüre Vieles, was ich Dir jetzt vorlesen und über das ich mit Dir sprechen könnte. Ganze Abschnitte aus Goethes Faust, aus Wahrheit und Dichtung, viele seiner herrlichen Briefe an seine Freunde würden Dich besser vorwärts bringen als Deine stupende Geschichtstabellenweisheit, die mir als Gedächtnisleistung zwar sehr imponiert, aber sonst doch gar keinen Zweck hat, als etwa den Eitelkeitszweck, damit zu prunken. Aber Bildung bedeutet nicht eine möglichst große Ansammlung von Wissensstoff, sondern ein persönliches Gewordensein ... Über all das wollen wir miteinander reden, wenn ich Dich bei mir habe, mein Herzenskind." Bald darauf, im Frühling 1877, kam ich zum ersten Male zu Großmama nach Weimar. Während einer langen, schweren Krankheit, die ich im Jahre vorher durchgemacht hatte, war ich aus den Kinderschuhen herausgewachsen, und noch sehe ich mich im Spiegel von Großmamas grünem Salon vor ihr stehen: einen hoch aufgeschlossenen Backfisch, blaß und schmal, die blonden Haare straff aus der so schrecklich hohen Stirn gekämmt, und daneben die schöne alte Frau mit dem feinen Gesicht und den graziösen Bewegungen, die mich gerührt in die Arme schloß. Ich weiß nicht, warum ich herzbrechend weinen mußte, vielleicht wußte sie es besser als ich; ihre ersten Worte waren: "Mein armes Kind", und sanft und vorsichtig behandelte sie mich wie eine Kranke. Wer keine Großmutter hat, der weiß nichts vom schönsten Märchenwinkel des Kindheitsparadieses, der ist um das kostbarste Erbe der Vergangenheit betrogen worden. Und wer von den armen Kindern der Gegenwart besitzt sie noch, auch wenn sie nicht gestorben ist? Jene gütige, verstehende, auf der Höhe der Lebenserfahrung milde gewordene Frau, die nicht nur unsere Schmerzen besser mitempfindet als die Mutter, die auch die Ruhe des Alters besitzt, die notwendig ist, um sie zu heilen? Die für sich selbst nichts mehr will und darum Zeit hat für uns; der wir alles sagen dürfen, weil sie alles versteht. Die Stadt der Epigonen, von der Dingelstedt sagte: "Sie mahnt mich selber wie ein Sarkophag", wurde mir zu einer Stadt geistiger Auferstehung. Meiner Großmutter Erzählungen, das Zusammensein mit ihren Freunden, die mir durch die Gloriole der Vergangenheit, die sie umgab, wie Wesen aus einer anderen Welt erschienen, belebten die Straßen, die Häuser, die Alleen und die stillen Waldwege mit den Gestalten Goethes und Schillers. Hier durfte ich, ohne daß das Lachen der anderen meinen Mund versiegelte, von all meinen phantastisch-törichten Kinderträumen reden, hier konnte ich meiner Begeisterung für Menschen und Werke den überschwenglichsten Ausdruck geben, ohne daß ich zu fürchten brauchte, für "dumm" oder "albern" gehalten zu werden. Großmama verstand mich, denn nur altkluge Kühle hätte sie nicht begriffen. Täglich wanderte ich mit ihr, die bis in ihr spätestes Alter eine rüstige Fußgängerin war, morgens durch den Park und nachmittags nach Tiefurt oder nach Belvedere. Nie versiegte unser Gespräch, nie ermüdete sie, meine Fragen zu beantworten. Abends und bei schlechtem Wetter lasen wir zusammen die "Iphigenie" aus dem alten blauen Buch, den Osterspaziergang aus dem Faust und manches, was Großmama selber in ihrer Jugend geschrieben hatte. Ihre Verwandten und ihre Freunde besuchte ich mit ihr, und seltsam muteten die Räume, die ich betrat, das heimatlose, von Ort zu Ort verschlagene Soldatenkind an: Großeltern, Eltern, Kinder hatten nacheinander darinnen gehaust, an den Bildern, den Möbeln, den tausend Kleinigkeiten der Umgebung haftete der Duft der Tradition; sie waren wie ein Kleid, das sich, je älter es wird, desto genauer und selbstverständlicher um den schmiegt, der es trägt, und das die Ausstrahlung seines Wesens aufnimmt. Jene Harmonie, die denen verloren gehen muß, die auch die Wohnung und ihre Einrichtung dem Wechsel der Mode unterwerfen, umfing mich ebenso wohltätig wie der große Kreis der Familie, für die ich, als Großmamas Enkelin, von Anfang an keine Fremde war. Meiner Großmutter starker Familiensinn, der durch ein erstaunliches Gedächtnis für die verwickeltsten verwandtschaftlichen Beziehungen unterstützt wurde, war sehr oft ein Gegenstand des Amüsements für ihre Kinder; ich habe ihn immer nur als die Grundlage einer großen Lebenswohltat empfunden: der Gedanke, nirgends verlassen und vereinsamt zu sein, gibt eine gewisse innere Sicherheit, die freilich meist der erst schätzen lernte, der sie verlor. Doch was sind alle diese Eindrücke und Empfindungen gegenüber der Erinnerung an jenes eine Ereignis meiner Kindheit, dessen tief erschütterndes Erleben bestimmend für mich werden sollte: mein erster Besuch in Goethes Haus. Zwischen jener Zeit, wo Jenny Pappenheims zierliche Mädchenfüße täglich die breite, klassische Treppe emporgestiegen waren, und der Gegenwart lag ein Menschenleben. Als sie heimkehrte nach Weimar, eine alte Frau, hatte Ottilie Goethe die Augen geschlossen, Ulrike, ihre Schwester, war ihr gefolgt, und einsam und menschenscheu, um ihr Lebensanrecht an Glück betrogen, niedergebeugt unter der Last der weithin leuchtenden Krone, die Goethes Name bedeutete, lebten Walter und Wolf in den stillen Dachstuben des großen Hauses am Frauenplan. Die alte Freundin ihrer Jugend war immer mit ihnen in Verbindung geblieben und hatte von Jahr zu Jahr gehofft und gewartet, daß sie sich doch noch einen selbständigen Platz in der Welt erobern würden. Vergebens! Walters musikalisches Talent, das vielleicht ausgereicht hätte, einem Menschen mit unbekanntem Namen eine Durchschnittsstellung ohne Prätensionen von Berühmtheit zu schaffen, war wie eine Pflanze, die, wenn man sie künstlich treiben will, vor der Entfaltung verdorrt. "Er versuchte den Kampf mit dem Leben nicht mehr, er ergab sich darein," schrieb meine Großmutter von ihm. "Er nahm es mit tiefem, aber verborgenem Schmerze auf, als seine Compositionen nicht beachtet wurden. Er dachte unendlich gering von sich selbst. Mit rührender Treue hing er an seiner Mutter, opferte ihr Geld, Zeit, Gesundheit, Lebensfreude. Pietät war der Cultus seines Lebens, doch auch hier in schroffen Gegensätzen zur Welt. Nicht mittheilend, unter vielem Kleinlichen auch die großartigen Kundgebungen der deutschen Nation abweisend, waren er und sein Bruder mißverstehend und mißverstanden. Mit allen Opfern persönlichen Behagens erstrebten sie das pietätvollste Erhalten des Überkommenen, aber ihre größte und verborgene Pietät bestand darin, Weimar, welches durch Goethe groß geworden und aus dem seine Größe herausgewachsen war, durch keine selbstische Vertheidigung, durch keine Anklage, Enthüllung, Preisgeben von Controversen, literarischen Klatsch in Wort und That zu schädigen." Weit schwerer ertrug Wolf die Tragik seines Lebens, die ihn -- den Enkel -- zum Schattendasein verdammte, denn die Kraft, die in ihm zerstört wurde, war eine bedeutend größere als die des Bruders, ihr Kampf gegen die Unerbittlichkeit des Schicksals daher länger und schmerzhafter. Mit neunzehn Jahren schrieb er eine romantisch-philosophische Tragödie, die den Kampf des Menschen gegen die Natur und den Zwiespalt zwischen heidnisch-naturreligiöser und kirchlich-christlicher Anschauung zum Gegenstand hatte und eine nicht gewöhnliche Begabung verriet. Meine Großmutter, die Wolf von klein an in ihr Herz geschlossen hatte und ihn auch als den geistigen Erben Goethes ansah, schrieb von ihm: "Niemand staunte, Niemand begriff, was in einem Menschen liegen mußte, der mit neunzehn Jahren 'Erlinde' schrieb. Humboldt und Varnhagen schienen es zu begreifen, ihr Lob war aber nicht mächtig und nicht nachhaltig genug, und so kam es, daß sein Werk, wie sein ganzes Leben, durch Enttäuschung, Überreizung und Stolz vereinzelt verloren ging." Er vergrub sich später in archivalische Studien, wurde zeitweise Legationssekretär bei einer Gesandtschaft, aber seine zunehmenden schweren neuralgischen Leiden hinderten ihn an allem und verbitterten ihm immer dann das Leben, wenn es eine glücklichere Wendung zu nehmen schien. "Er litt unter seinem Zustand wie unter einem Fluch, er litt ebenso unter dem Fluch eines Namens, den er nicht überbieten konnte ... Seine Vernunft paßte nicht zur Welt und die Vernunft der Welt nicht zu ihm. Das empfand er und hüllte sich stolz und stumm in sein einsames geistiges Leben, durchschritt ernst, forschend, lernend und denkend ein langes Lebensdasein. "Er hat sich einmal um ein Amt in Weimar beworben, es hätte ihn zu einer ersehnten glücklichen Häuslichkeit geführt. Der Minister von Watzdorf stemmte sich dagegen; später allerdings wurden ihm sehr wohlwollende Anerbietungen gemacht, aber sein Leben war abgelaufen. "Im Jahrhundert der Geldgier und des Ehrgeizes verachtete Wolf Geld und äußere Ehre; für nichts und niemand war ihm seine Würde feil. Seine großen, tiefen Gedanken blieben verschlossen in seiner Seele, sein leidenschaftliches Herz wurde stumm. "Es fand ein Mann am Meer eine Muschel, und weil sie keine Auster war, schleuderte er sie zurück in die wogende See, nicht ahnend, daß sie die köstlichste Perle enthielt. Der Mann war Deutschland, die geschlossene Muschel Wolfs liebe, edle, große Seele ..." Mit jener unglückseligen Eigenschaft der Nachgeborenen begabt, die jeden Luftzug des Mißverstehens wie ein Ungewitter, jeden leisen Nadelstich der Lieblosigkeit wie ein Ans-Kreuz-Schlagen empfinden läßt, zogen sich die beiden Brüder immer mehr von der Außenwelt zurück -- "zwei in Nachtvögel verzauberte Prinzen, die einen vergrabenen Schatz bewachen". In dem fatalistischen Glauben an den notwendigen Untergang ihres Geschlechts, hatten die Brüder auch die Liebe zum Weibe in sich unterdrückt -- niemand sollte von neuem geboren werden, um den Namen Goethe fortzusetzen. Schon in den vierziger Jahren, nach dem Tode der reizenden Alma, des letzten Sonnenstrahls der Familie, hatte Walter Goethe an den Sekretär Schuchardt geschrieben: "Wenn Sie so in den Sammlungsräumen oder dem Arbeitszimmer des Großvaters Staub und böse Geister bannen, so gereut es Sie vielleicht doch nicht, daß Sie treu an uns festhalten, den Überbliebenen aus Tantalus' Haus. Aber glauben Sie mir: das Reich der Eumeniden geht zu Ende ...!" Und seitdem war eine neue Welt neben ihnen emporgeblüht, aber sie sahen sie nicht, wollten sie nicht sehen, und empfanden es doch peinigend, daß sie selbst von ihr auch übersehen wurden. Zu den wenigen Freunden, denen ihr Heim und ihr Herz immer offen 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 38 39 40 41 42 43 44 45 46 47 48 49 50 51 52 53 54 55 56 57 58 59 60 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70 71 72 73 74 75 76 77 78 79 80 81 82 83 84 85 86 87 88 89 90 91 92 93 94 95 96 97 98 99 100 101 102 103 104 105 106 107 108 109 110 111 112 113 114 115 116 117 118 119 120 121 122 123 124 125 126 127 128 129 130 131 132 133 134 135 136 137 138 139 140 141 142 143 144 145 146 147 148 149 150 151 152 153 154 155 156 157 158 159 160 161 162 163 164 165 166 167 168 169 170 171 172 173 174 175 176 177 178 179 180 181 182 183 184 185 186 187 188 189 190 191 192 193 194 195 196 197 198 199 200 201 202 203 204 205 206 207 208 209 210 211 212 213 214 215 216 217 218 219 220 221 222 223 224 225 226 227 228 229 230 231 232 233 234 235 236 237 238 239 240 241 242 243 244 245 246 247 248 249 250 251 252 253 254 255 256 257 258 259 260 261 262 263 264 265 266 267 268 269 270 271 272 273 274 275 276 277 278 279 280 281 282 283 284 285 286 287 288 289 290 291 292 293 294 295 296 297 298 299 300 301 302 303 304 305 306 307 308 309 310 311 312 313 314 315 316 317 318 319 320 321 322 323 324 325 326 327 328 329 330 331 332 333 334 335 336 337 338 339 340 341 342 343 344 345 346 347 348 349 350 351 352 353 354 355 356 357 358 359 360 361 362 363 364 365 366 367 368 369 370 371 372 373 374 375 376 377 378 379 380 381 382 383 384 385 386 387 388 389 390 391 392 393 394 395 396 397 398 399 400 401 402 403 404 405 406 407 408 409 410 411 412 413 414 415 416 417 418 419 420 421 422 423 424 425 426 427 428 429 430 431 432 433 434 435 436 437 438 439 440 441 442 443 444 445 446 447 448 449 450 451 452 453 454 455 456 457 458 459 460 461 462 463 464 465 466 467 468 469 470 471 472 473 474 475 476 477 478 479 480 481 482 483 484 485 486 487 488 489 490 491 492 493 494 495 496 497 498 499 500 501 502 503 504 505 506 507 508 509 510 511 512 513 514 515 516 517 518 519 520 521 522 523 524 525 526 527 528 529 530 531 532 533 534 535 536 537 538 539 540 541 542 543 544 545 546 547 548 549 550 551 552 553 554 555 556 557 558 559 560 561 562 563 564 565 566 567 568 569 570 571 572 573 574 575 576 577 578 579 580 581 582 583 584 585 586 587 588 589 590 591 592 593 594 595 596 597 598 599 600 601 602 603 604 605 606 607 608 609 610 611 612 613 614 615 616 617 618 619 620 621 622 623 624 625 626 627 628 629 630 631 632 633 634 635 636 637 638 639 640 641 642 643 644 645 646 647 648 649 650 651 652 653 654 655 656 657 658 659 660 661 662 663 664 665 666 667 668 669 670 671 672 673 674 675 676 677 678 679 680 681 682 683 684 685 686 687 688 689 690 691 692 693 694 695 696 697 698 699 700 701 702 703 704 705 706 707 708 709 710 711 712 713 714 715 716 717 718 719 720 721 722 723 724 725 726 727 728 729 730 731 732 733 734 735 736 737 738 739 740 741 742 743 744 745 746 747 748 749 750 751 752 753 754 755 756 757 758 759 760 761 762 763 764 765 766 767 768 769 770 771 772 773 774 775 776 777 778 779 780 781 782 783 784 785 786 787 788 789 790 791 792 793 794 795 796 797 798 799 800 801 802 803 804 805 806 807 808 809 810 811 812 813 814 815 816 817 818 819 820 821 822 823 824 825 826 827 828 829 830 831 832 833 834 835 836 837 838 839 840 841 842 843 844 845 846 847 848 849 850 851 852 853 854 855 856 857 858 859 860 861 862 863 864 865 866 867 868 869 870 871 872 873 874 875 876 877 878 879 880 881 882 883 884 885 886 887 888 889 890 891 892 893 894 895 896 897 898 899 900 901 902 903 904 905 906 907 908 909 910 911 912 913 914 915 916 917 918 919 920 921 922 923 924 925 926 927 928 929 930 931 932 933 934 935 936 937 938 939 940 941 942 943 944 945 946 947 948 949 950 951 952 953 954 955 956 957 958 959 960 961 962 963 964 965 966 967 968 969 970 971 972 973 974 975 976 977 978 979 980 981 982 983 984 985 986 987 988 989 990 991 992 993 994 995 996 997 998 999 1000