Memoiren einer Sozialistin
Lehrjahre
Roman
von
Lily Braun
Albert Langen, München
1909
An meinen Sohn
Die Rosen blühen und die Linden duften. Über dunkle Wälder und saftgrüne
Matten ragen die Berge meiner Heimat zum Himmel empor, an dem die Sterne
funkeln und strahlen, ungetrübt von den Dünsten der Städte und den
Nebeln der Niederung. Die grauen Felsriesen schimmern silbern im
Mondlicht, und in ihren tausend Furchen und Spalten glänzt noch der
Schnee.
Das ist die schönste Nacht des Jahres, die Nacht, in der's in Wald und
Feld von alten Märchen raunt und flüstert, die Nacht, mein Sohn, die
dich mir geschenkt: ein Sonnwendskind, ein Sonntagskind. Elf Jahre sind
es heute. Ist es mir doch, als wäre es erst gestern gewesen, daß du an
meiner Brust gelegen, daß du die ersten Worte lautest, zum erstenmal die
Füßchen setztest. Und nun bist du ein großer Junge! Die Kindheit
bereitet sich aufs Abschiednehmen vor.
Fast am gleichen Tage war es, und mehr als drei Jahrzehnte sind es her,
daß auch ich zu Füßen dieser Berge meinen elften Geburtstag feierte. Die
Tafel bog sich damals unter der Fülle der Geschenke -- auf deinem Tisch,
mein Sohn, lagen heute neben dem duftenden Kuchen unsrer alten Marie nur
ein paar Bücher! --, und Eltern, Verwandte und Freunde umgaben mich,
mit schäumendem Sekt und schmeichelnden Reden das Geburtstagskind
feiernd, -- wir dagegen waren heute allein und hatten nur tiroler
Landwein in den Gläsern. Das Geburtstagskind von damals war ein blasses,
langaufgeschossenes Mädchen mit einem alten, hochmütig-sarkastischen Zug
um den Mund, dessen Lächeln der Dankbarkeit nur die Frucht guter
Erziehung war; du aber bist ein blühender Knabe, der im Überschwang
seiner Freude seine Mutter und die alte Marie abwechselnd in tollem Tanz
auf der Wiese umherwirbelte. Nur zweierlei ist sich gleich geblieben --
damals und heute --: auf deinem Tisch wie auf dem meinen lag das erste,
langersehnte Tagebuch, dessen weiße Blätter so verlockend sind für ein
elfjähriges Herz, wie der Eingang ins Zauberreich des Lebens selbst, und
vor dir wie vor mir ragten dieselben Bergesriesen, und derselbe Wald
umrauschte unsre Kinderträume.
Mich hat mein Tagebuch durch's ganze Leben begleitet, und der
Gewohnheit, mir allabendlich vor ihm Rechenschaft abzulegen über des
Tages Soll und Haben, bin ich immer treu geblieben. Am Schlusse jeden
Jahres habe ich an seiner Hand den verflossenen Lebensabschnitt überlegt
und sein Fazit gezogen. Seine lakonischen Bemerkungen -- ein bloßes
trockenes Tatsachenmaterial -- bildeten den festen Rahmen, den die
Erinnerung mit den bunten Bildern des Lebens füllte, und unverzerrt
durch jene schlechtesten Porträtisten der Welt -- Haß oder Bewunderung
--, blickte mein Ich mir daraus entgegen.
Als ich diesmal aus der Tretmühle und der Fabrikatmosphäre meines
Berliner Arbeitslebens in unsre stille Bergeinsamkeit floh, nahm ich die
zweiunddreißig Jahreshefte meines Tagebuches mit mir. Generalabrechnung
muß ich halten.
Auf steilem Felsenpfad bin ich bis hierher gestiegen, meinem wegkundigen
Blick, meiner Kraft vertrauend, weit entfernt von den Lebenssphären, die
Tradition und Sitte mit Wegweisern versah, damit auch der Gedankenlose
nicht irre gehe. Jetzt aber muß ich stille stehen, muß Atem schöpfen,
denn die große Einsamkeit um mich her läßt mich schaudern. Wohin nun?
Hinab zu Tal, zu den Wegweisern? Oder weiter auf selbstgewähltem Steige?
Die Menschen zürnen mir, und alle nennen mich fahnenflüchtig, die
irgendwann auf der Lebensreise ein Stück Weges mit mir gingen; mir aber
erscheinen sie als die Ungetreuen. Wer hat recht von uns: sie oder ich?
Um die Antwort zu finden, will ich den letzten Wurzeln meines Daseins
nachspüren, wie seinen äußersten Verästelungen; und an dich, mein Sohn,
will ich denken dabei, auf daß du, zum Manne gereift, deine Mutter
verstehen mögest.
In der Sonnwendnacht, die dich mir geschenkt, in der Sonnwendnacht, in
der ringsum auf den Höhen die Feuer glühen, in der Sonnwendnacht, wo
aufersteht, was ewigen Lebens würdig war, seien die Geister der
Vergangenheit zuerst heraufbeschworen.
Obergrainau, den 24. Juni 1908
Erstes Kapitel
Wo die kurische Nehrung beginnt, ihre Dünen in die Ostsee
hinauszustrecken, und das Meer auf der einen, das Haff auf der andern
Seite das Land bespült, steht das Haus meiner Großeltern, in dem ich
geboren bin. Vor Jahrhunderten haben deutsche Ordensritter es als festes
Bollwerk gegen das heidnische Volk des Samlands erbaut; der breite,
viereckige Turm, die dicken Mauern und der Graben ringsum erinnern noch
an seinen Ursprung. Ein Ordensbruder soll es gewesen sein, der als einer
der ersten im Samland zur Lehre Luthers übertrat, -- nicht aus
Gewissenszwang, denn das hätte dem blonden derben Junker aus dem
thüringischen Geschlecht der Golzows wenig ähnlich gesehen, sondern aus
Liebe zu einem schönen Fräulein, die ihn das Keuschheitsgelübde brechen
hieß. Er wurde auf dem Schloß von Pirgallen der Stammvater des
preußischen Zweigs der Familie und der Vorfahr meines Großvaters. Mit
dem Besitz schien sich aber auch die lebenbestimmende Liebesleidenschaft
des Ahnherrn von Generation zu Generation zu vererben. Nur selten fügte
sich ein Golzow dem Rate der Familiensippe, wenn es galt, sich die
Eheliebste zu wählen, und so wurden viele fremde Blumen in den
nordischen Garten verpflanzt. Manch eine mag dabei im Frost erstarrt,
vom Meersturm zerzaust worden sein, andere aber blühten, trugen Frucht
und streuten den Samen ihrer Heimaterde in das Land, wo er üppig
aufging, so daß es zwischen den gelben Dünen, den weißen Birkenstämmen
und knorrigen Eichen gar seltsam anzuschauen war.
Auch meine Großmutter war solch eine fremde Blume gewesen: ein Kind der
Liebe, dem heimlichen Bund eines Königs mit einem kleinen elsässischen
Komteßchen entsprossen. Und sie war wohl nie recht heimisch geworden da
oben. Sie fror immer, saß auch im Sommer gern am Kaminfeuer der Halle,
und schwere schleppende Samtkleider, mit Pelz verbrämt, trug sie am
liebsten. Sie blieb auch einsam trotz der großen Kinderschar, die sie
umgab. Das Blut der Golzows war lebenskräftiger als das ihre, denn all
die Buben und Mädeln, die sie gebar, waren nicht eigentlich ihre Kinder:
mit hellen blauen Augen aus rosigweißen Gesichtern blickten sie in die
Welt, und Jagd und Tanz, Spiel und Liebe blieb ihnen Lebensinhalt.
An meine Mutter, ihr jüngstes Kind, die goldblonde Ilse, hatte sie sich
mit aller Kraft ihrer Sehnsucht geklammert. Lange hoffte sie, sich
selbst in ihr wiederzufinden, und verdeckte mit den bunten Gewändern
ihrer Phantasie in zärtlicher Selbsttäuschung alles, was ihr fremd war
an ihrer Tochter. Sie half ihr auch den Starrsinn des Vaters brechen,
der sich ihrer Verbindung mit einem armen Infanterieleutnant
widersetzte. Die Ehe mit dem ernsten, strebsamen Mann würde, so meinte
sie, ihr eigentliches Wesen erst zur Entfaltung bringen, -- das Wesen,
das sich schon deutlich genug dadurch auszudrücken schien, daß ihre Wahl
unter allen ihren glänzenden Bewerbern grade auf diesen gefallen war.
Sie wußte nicht, daß nur der Rausch Golzowscher Liebesleidenschaft --
heiß und kurz, wie die Sommer Pirgallens -- Ilse beherrschte. Ihr Gatte
kannte die Tochter besser als sie, darum gab er die Hoffnung nicht auf,
statt des »heimatlosen Landsknechts«, wie er ihren Erwählten, den
Leutnant Hans von Kleve, spöttisch nannte, einen der Standesherrn des
Landes als Schwiegersohn zu begrüßen.
Kleve besaß nichts als seinen guten Namen und seinen Ehrgeiz. Nachdem
sein Vater, ein leichtsinniger Gardeleutnant, mit dem spärlichen Rest
seines rasch verjubelten Vermögens und einer lustigen kleinen Frau,
deren bürgerliche Herkunft ihn den schönen bunten Rock auszuziehen
zwang, ein Gütchen in der Nähe Berlins erworben hatte, um dort nichts zu
tun, als zu sterben, war seiner Mutter kaum das notwendigste übrig
geblieben, um ihn und seine vier Geschwister zu erziehen. Wie gut, daß
sie an Arbeit gewöhnt gewesen war ihr Leben lang! Zu stolz, die reichen
Verwandten ihres Mannes, die sie ihrer Herkunft wegen nie hatten
anerkennen wollen, in Anspruch zu nehmen, zog sie sich in eine kleine
märkische Stadt zurück, wo sie ihre Kinder mit eiserner Strenge und in
spartanischer Einfachheit erzog. Hans war zwölf Jahre alt, als er in
diese harte Schule genommen wurde. Er empfand die Beschränktheit des
Lebens am tiefsten und litt ständig unter den Anforderungen, die seine
Mutter an seine geistige und moralische Leistungskraft stellte. Sein
Liebesbedürfnis fand wenig Verständnis bei ihr, die unter dem dauernden
Druck quälender Sorgen die Zärtlichkeit glücklicher Mütter eingebüßt
hatte. Eine Schwester, die ihm im Alter am nächsten stand, und der er
sein ganzes Herz zuwandte, wurde ihm früh durch väterliche Verwandte,
die sich plötzlich der armen Witwe und ihrer Kinder erinnert hatten,
entrissen; so blieb er ganz auf sich allein angewiesen und konzentrierte
all seine Energie auf das eine Ziel: sich selbst das Leben zu erobern.
Mit sechzehn Jahren machte er das Abiturientenexamen und trat in ein
Königsberger Infanterieregiment ein. Kavallerist zu werden, was er sich
gewünscht hatte -- denn die Reiterleidenschaft saß ihm tief im Blute --,
erlaubten seine Mittel ihm nicht, und die Schwester, die von ihrem
reichen Onkel wie ein eignes Kind gehalten wurde, hatte dem Bruder, --
um ihre persönliche Stellung besorgt, -- rundweg abgeschlagen, eine
Zulage für ihn zu erbitten. Von selbst reichte des Onkels Generosität
über das Geburtstags- und Weihnachtsgoldstück und gelegentliche
Urlaubsreisen nach dem Familiengut in Oberfranken nicht hinaus, und so
bestand des jungen Mannes Dasein in unaufhörlichen Verzichtleistungen.
Er lebte nur seinem Beruf; sein Empfindungsleben schien durch die Arbeit
völlig erstickt zu sein.
Um diese Zeit lernte er Ilse Golzow kennen, und alles, was an
Liebessehnsucht in seiner Seele gelebt hatte von klein auf, brach
ungestüm hervor. Das Weib war ihm unbekannt geblieben bis dahin; die
Arbeit hatte ihn taub und blind gemacht, und eine angeborene Reinheit
der Gesinnung hatte ihn das Gemeine stets als gemein empfinden lassen.
So vereinte sich in der ersten Liebe des Achtundzwanzigjährigen die
volle phantastische Schwärmerei des Jünglings mit der tiefen Neigung des
reifen Mannes. Die Erfüllung alles dessen, was er in seinen stillsten
Stunden für sich an Glück erträumt hatte, erwartete er von dem Besitz
dieses holden blonden Mädchens. Daß ihm dies Glück nicht kampflos in den
Schoß fiel, erhöhte nur seinen Wert für ihn.
Um ihretwillen vertauschte er seine Studierstube mit dem Ballsaal; er
entwickelte gesellige Talente, die bisher niemand in ihm vermutet hatte,
er wurde das belebende Element aller großen und kleinen Feste. Auf dem
Wege zwischen Königsberg und Pirgallen ritt er sein Pferd fast zu
Schanden, das er sich endlich als Regimentsadjutant halten konnte, und
auf den Schnitzeljagden stellte er durch seine Reiterkunst sämtliche
Kürassierleutnants in den Schatten. Ein instinktives Verständnis für die
weibliche Natur lehrte ihn, daß Mädchen, wie die schöne Ilse, durch die
Bewunderung, die man ihnen abnötigt, am sichersten zu gewinnen sind. Von
dem Vater der Geliebten aber mußte er sich eine zweimalige Ablehnung
gefallen lassen; erst als er zum drittenmal wieder kam und die Tränen
Ilsens sich mit seinen Bitten vereinigten, während ihre Mutter alle
Gründe der Liebe und der Vernunft zu seinen Gunsten zur Geltung brachte,
hieß er ihn -- mit aller Reserviertheit des Bezwungenen, nicht des
Überzeugten -- als Schwiegersohn willkommen.
An einem Maiensonntag des Jahres 1863 fand die Trauung des jungen
Paares in der alten Pirgallener Dorfkirche statt. Als »Burg des
Christengottes«, so erzählt die Sage, galt sie einst dem heidnischen
Volk, und an eine Burg mehr als an eine Kirche erinnern noch heut die
aus ungefügen Steinblöcken zusammengesetzten Mauern und der viereckige
Turm mit den kleinen Fenstern, den dichter Efeu fast ganz überwucherte.
Die dämmerige Halle verstärkte diesen Eindruck: vor dem Zeichen des
Speeres, dem Wappenbilde der Golzows, verschwand fast das des Kreuzes,
und statt der Bilder des Heilands und der Apostel reihte sich ein
Grabstein neben dem andern an den Wänden, mit Ritterhelmen und
Schwertern geschmückt, oder mit steinernen Bildnissen, die alle
denselben Typus ostdeutschen Adels aufwiesen, ob ihr Antlitz mit den
regelmäßigen, etwas leblosen Zügen und den hochmütig geschürzten Lippen
nun unter dem Stechhelm oder der Allongeperücke hervorsah. Auf den
Grabsteinen der Frauen erzählten die Doppelwappen, wie selten nur die
ritterbürtige Ahnenreihe unterbrochen worden war. Und daß sie alle zu
einem Geschlechte gehörten: diese stummen Zeugen der Hochzeit Ilsens und
die vielen derer von Golzow, die sich in der alten Kirche
zusammenfanden, -- das bewiesen diese schlanken Menschen mit den
schmalen Handgelenken und den langen spitzen Fingern, die an harte
Arbeit nie gewöhnt gewesen waren. Nur daß die Kraft der Ahnen sich in
lässige Grazie verwandelt und ihre rassige Vornehmheit einen leisen
Schein müder Dekadenz angenommen hatte.
Auch des Bräutigams Verwandte waren vollzählig erschienen. Sie hatten
sich die Teilnahme an dem Familienfest um so weniger entgehen lassen,
als Hans Kleves Heirat die Mesallianz seines Vaters verschmerzen ließ.
Von anderem Schlag waren sie als die Golzows: Das Blut fahrender
Landsknechte und alt-nürnberger Patrizier mischte sich in ihren Adern,
und breit, groß und stämmig waren ihre Gestalten. Die Kniehosen und
Wadenstrümpfe ihres bayerischen Berglands ließen ihnen besser, als Frack
und Zylinder, und seltsam stach vor allem des Bräutigams üppige
rotblonde Schwester Klotilde ab gegen die zarte Elfengestalt seiner
Braut.
Als Menschen eigner Art jedoch, nicht als bloße Glieder einer Familie,
traten zwei Erscheinungen aus dem großen Kreise hervor: die Mütter des
jungen Paares waren es. Das Leben hatte sie beide auf seine Höhen
geführt und in seine Abgründe hineingerissen, sie waren von ihm
gezeichnet; die eine -- das Königskind, das Kind der Liebe --, um deren
hohe Gestalt das Samtgewand wie ein Krönungsmantel niederfloß, deren
schwermütig-dunkle Augen Geist und Güte strahlten, -- die andere --, ein
Kind des Volkes und der Arbeit, die sich nicht zu Hause fühlte in dem
schwarzen Seidenkleid, deren harte Hände von zähem Fleiße, deren
durchfurchte Züge von eiserner Willenskraft sprachen, und in deren
braunen Augen doch der kecke Humor noch lachte, der über alles Ungemach
hinweghilft.
Königsberg, die Garnison meines Vaters, als er heiratete, war mit dem
raschen Golzowschen Gespann von Pirgallen aus in drei Stunden zu
erreichen. Es war daher für die Tochter kein Abschied von zu Hause, der
den Schmerz langer Trennung in sich birgt. Ja, sie blieb im Grunde
daheim, denn im alten Stadthaus ihrer Eltern wurde dem jungen Paare die
Wohnung eingerichtet.
Während es auf der Hochzeitsreise war, schmückte die Großmutter das
künftige Nest ihrer Kinder. All ihren Geschmack, all ihre Träume und
Gedanken über die Schönheit, Harmonie und Behaglichkeit einer
Familienwohnung verwirklichte sie hier. Da war der grüne Salon mit den
tiefen englischen Lehnstühlen, dem geräumigen Sofa am breiten
Fensterpfeiler, mit dem runden, von einer Tuchdecke bedeckten großen
Tisch davor, dem mächtigen roten Marmorkamin an der Längswand ihm
gegenüber; daneben, nur durch Portieren getrennt, das helle Boudoir mit
seinen kretonneüberzogenen Wänden und Möbeln, dem Schreibtisch voller
Familienbilder, überragt von Thorwaldsens segnendem Christus; und auf
der andern Seite des Vaters Zimmer mit seinen schweren geschnitzten
Eichenmöbeln, in deren Arabesken das Wappentier der Kleves, die gekrönte
Eule, sich vielfach wiederholte. Für das Speisezimmer hatte die
Großmutter die alten Empiremöbel ihrer Mutter hergegeben: Mahagoni mit
Bronzebeschlägen und gelbseidnen Sesselbezügen. Hier prangte auch eine
Reihe alter Familienbilder an den Wänden: Frauen im Reifrock mit
märchenhaft dünner Taille und gepuderten Haaren, Männer in
goldstrotzender Uniform und mächtiger Lockenperücke, und mitten unter
ihnen ein rosiges, lächelndes, goldlockiges Frauenköpfchen, das die
Mutter in spätern Jahren immer in den dunkelsten Winkel zu hängen
pflegte: Alix, die Urgroßmutter, das Königsliebchen.
Ein großes, helles Schlafzimmer, eine Fremdenstube und ein sorgfältig
abgeschlossner, von der Großmutter streng behüteter Raum -- als hätte
Blaubart seine Frauen darin -- vollendeten die Wohnung. In Ost und West,
in Süd und Nord -- wohin immer das Soldatenschicksal uns getrieben hat,
-- dieser Rahmen des Lebens ist sich stets gleich geblieben. Ein
Gesellschaftszimmer, ein Tanzsaal kamen später wohl hinzu, sie haben
mich aber immer wie etwas Fremdes angemutet. »Ihr habt keine Heimat,«
pflegte die Großmutter zu sagen, »da müßt ihr sie als Ersatz, wie die
Schnecke ihr Haus, mit euch tragen.«
Als die Eltern nach der Hochzeitsreise diese Räume, die geschaffen
schienen, Liebe und Freude in sich zu schließen, betraten, war auf ihr
Eheglück schon ein Reif gefallen. Ahnungslos, wie alle wohlgehüteten
Mädchen ihrer Zeit und ihrer Lebenskreise, war Ilse in die Ehe getreten.
Keusch wie sie war der Mann, dem sie sich vermählt hatte, aber um so
gewaltiger war die Glut seiner Liebe und seines Begehrens, während ihre
Sinne noch schliefen und das große, tiefe Geheimnis des Geschlechts sich
ihr wie eine gräßliche Untat offenbarte. Sie hat mir oft erzählt, daß
sie in den ersten acht Tagen ihres Zusammenlebens mit ihrem Mann am
liebsten davongelaufen wäre, wenn sie sich nicht vor ihren Eltern
geschämt hätte. Erst ganz allmählich kam ihr die Erkenntnis, daß ihr
Gatte kein Verbrecher, ihr Schicksal kein abnormes war. Zu den
seelischen Leiden, mit denen sie ihn, der so liebevoll, so zartfühlend
und weichherzig war, wohl noch mehr quälte als sich selbst, kamen
körperliche Beschwerden hinzu, deren Ursachen sie ebenso verständnislos
gegenüberstand. Sie suchte sie mit der ihr eignen Energie zu
beherrschen, um so mehr, als sie sich unter den ihr fremden Kleveschen
Verwandten befand; sie teilte auch ihrer Mutter nichts davon mit, um die
Überängstliche nicht unnötig, wie sie meinte, aufzuregen. Tapfer
beteiligte sie sich an allen Ausflügen, allen ländlichen Festen; tanzte
und ritt, obwohl es ihr oft vor den Augen dunkelte und der Schwindel sie
zu übermannen drohte. So kehrte die junge Frau bleich und müde zurück,
die, ein Bild blühender Gesundheit, das Elternhaus verlassen hatte. Der
Schatten dieser ersten Schmerzen und Enttäuschungen fiel über ihr ganzes
Leben.
Der Großmutter blutete das Herz, als sie ihr Kind wiedersah. Bald aber
war sie beruhigt und zärtlicher Freude voll in dem Gedanken an das junge
Leben, das sich im Schoße der Tochter entwickelte. Nur allzu früh sollte
die Hoffnung, die von Ilse selbst nur qualvoll empfunden wurde, zerstört
werden; und statt einer Wöchnerin pflegte die Großmutter eine schwer
kranke junge Frau. Erst die würzige Herbstluft von Pirgallen heilte sie,
und der Königsberger Karneval sah sie als eine der schönsten der Schönen
im fröhlichen Kreise der Jugend wieder. Sie tanzte gern, sie sah sich
gern von Bewunderern umgeben, und ihr Mann war überglücklich, wenn er
sie heiter wußte.
Im zweiten Jahre ihrer Ehe stellten sich wieder Hoffnungen ein; mit
hellem Jubel begrüßte sie Hans Kleve, mit tiefer Rührung die Großmutter;
nur die, unter deren Herzen das neue Leben erwachte, spürte nichts von
alledem. Die Fassung, mit der sie sich in ihr Schicksal ergab, das
Vorgefühl ernster kommender Pflichten war das einzige, was sie ihm
gegenüber aufbringen konnte.
Indessen richtete die Großmutter des Enkelkindes erstes Stübchen ein:
Alles darin war weiß und rot, einfach und freundlich, nur das Sofa war
mit braunem Rips bezogen und der Tisch davor mit braunem Wachstuch. Du
gutes altes Sofa! Auf dir hab ich die Glieder im ersten Lebensgefühl
gestreckt, auf dir bin ich umhergeklettert, als ich die Beinchen regen
konnte; in deinen Winkeln hab ich mein Lieblingsspielzeug geheimnisvoll
verwahrt, habe, tief in deine Polster geschmiegt, meine Märchenbücher
verschlungen und meine ersten Träume auf dir geträumt!
Mitten in den Vorbereitungen zum Empfange des kleinen Erdenbürgers warf
eine Lungenentzündung den alten Golzow aufs Krankenlager. Bei einer der
häufig wiederkehrenden Überschwemmungen, die durch die wilden, alle
Dämme durchreißenden Wogen des kurischen Haffs entstanden und die Wiesen
stets auf Jahre hinaus wertlos machten, hatte er stundenlang, bis an die
Kniee im Wasser, mit den Knechten um die Wette die Löcher der Dämme zu
verstopfen gesucht und sich dabei eine Erkältung zugezogen. Auf die
Nachricht seiner Erkrankung siedelte Ilse, die ihrem Vater besonders
nahe stand, nach Pirgallen über. Noch wochenlang sah sie dem wilden
Kampf des starken Mannes gegen den Allüberwinder zu, der ihn
schließlich sanft in seine Arme nahm.
Ein Maiensonntag war es abermals, als der Gutsherr mit all dem Pomp, der
die Sprossen eines der ältesten Geschlechter des Landes von jeher zu
Grabe leitete, in die Gruft seiner Vorfahren gesenkt wurde. Vollzählig
war wieder die Familie versammelt, vollzählig war auch das Offizierkorps
des Königsberger Kürassierregiments zugegen, dem Walter, der älteste
Sohn des Verstorbenen, angehörte, und seine Trompeter bliesen die
Trauerchoräle. In langem Zuge folgten die Knechte und die Instleute dem
Sarge, den der greise Förster, des Toten Lebensgefährte, mit seinen
Jägern trug. Ehrliche Trauer blickte aus den Zügen aller der
wettergebräunten Männer der Arbeit. Werner Golzow war ihnen ein guter
Herr gewesen. Sie hatten nie seine Faust und nie seine Peitsche gespürt,
wie ihre Kollegen ringsum auf den Nachbargütern, und sie fürchteten sich
vor dem Junker, seinem Erben. Sein junges hübsches Gesicht war hart und
hochmütig, auf die unbeholfenen, teilnehmenden Worte der Diener seines
Vaters antwortete er nur mit einem leichten Neigen des Kopfes, die Hand,
die sie, der alten preußischen Sitte gemäß, küssen wollten, zog er
ungeduldig zurück. Als die Gutsleute nach der Beisetzung in der großen
Halle des Herrenhauses von der Großmutter empfangen wurden, spürten sie
doppelt ihre Güte, die nichts Herablassendes hatte, die den Untergebenen
niemals den Abstand zwischen Herrn und Diener fühlen ließ. Und einer
nach dem andern richtete die angstvolle Frage an sie: Unsre Frau Baronin
wird uns doch nicht verlassen? Sie schüttelte nur wehmütig lächelnd den
Kopf dazu, und halb und halb beruhigt ging alles auseinander.
Sechs Wochen später wurde ich geboren. Es war ein glühheißer
Junisonntag; in voller Pracht blühten die Rosen, und in der alten
dunkeln Gespensterallee, wo die »böse Frau von Pirgallen«
nächtlicherweile mit dem Kopf unter dem Arme umging, dufteten
berauschend die Linden. Das Geläut der Glocken begleitete gerade die
heimkehrenden Kirchgänger, als ich zur Welt kam. Ich konnte das Leben
nicht erwarten, denn den Weg hinein fand ich ohne Hilfe, -- die weise
Frau kam erst, als die Großmutter mich schon in den Armen hielt und dem
Vater beim Anblick seines Kindes große Tränen der Rührung über die
Wangen liefen.
In der alten Kirche, über der Gruft der Golzows und unter ihren Speeren,
wurde ich getauft. Die Gutskinder hatten den düstern Raum in eine Laube
von Jasmin verwandelt, -- darum hab ich wohl mein Lebtag keinen
Blumenduft so geliebt wie den dieser weißen Sterne. Selbst im geweihten
Wasser des Taufsteins schwammen ihre Blätter, und als der greise Pfarrer
es mir auf die Stirn träufelte, blieb eins davon auf meinem dunkeln
Köpfchen haften. »Und wenn ich mit Menschen- und Engelzungen redete und
hätte der Liebe nicht, ich wäre ein tönend Erz und eine klingende
Schelle« -- lautete der Text der Taufpredigt und Alix der Name, der mir
gegeben wurde. Beides hatte die Großmutter gewählt; den Namen hatte sie
gegen den Widerstand der Tochter für ihr erstes Enkelkind durchgesetzt,
-- den Namen ihrer Mutter, die sie um so inniger geliebt, je mehr die
Welt sie verdammt hatte.
Ich blieb in Pirgallen. Vergebens hatte man versucht, mich an die Brust
meiner Mutter zu legen. War es ihre innere Abneigung, die sie nur im
Gefühl, eine Pflicht erfüllen zu müssen, überwinden wollte, war es mein
früh erwachter Eigensinn, -- kurz, Mutter und Kind schienen nichts von
einander wissen zu wollen, und eine derbe Fischerfrau, die mich mit
ihrem Söhnchen zusammen nährte, wurde meine Amme. Behütet von ihr und
der Großmutter, der das schwarzhaarige, dunkeläugige Baby so ähnlich
sah, verbrachte ich auch den Winter bei ihr; seufzend hatte es mein
Vater zugegeben, da er sah, daß ich hier besser aufgehoben war als in
Königsberg, wo die Freuden der Gefälligkeit meiner Mutter ganze Zeit in
Anspruch nahmen. Oft aber packte ihn die Sehnsucht so sehr, daß er Sturm
und Wetter nicht scheute und, wie einst zu der Geliebten, zu der Braut,
nun zu dem Töchterlein hinausritt, um es zu küssen, und in den Armen zu
schaukeln. Die Großmutter hat immer dabei weinen müssen, erzählte mir
die Amme später. Lange wußte ich nicht, warum.
Dann kam der Krieg, der böse deutsche Bruderkrieg. Mein Vater wurde
Kompagnieführer in einem jener Regimenter, die durch die mörderischen
Kämpfe in Böhmen fast völlig aufgerieben wurden. In den Wäldern um
Königgrätz warf ihn eine Kugel zu Boden. Wären nicht ein paar seiner
treuen Grenadiere, die ihn wie einen Vater liebten, der eignen
Erschöpfung nicht achtend, noch spät des Nachts ausgezogen, um, wie sie
meinten, die Leiche ihres Hauptmanns zu suchen, er wäre elend verblutet.
Puckchens, unseres Affenpinschers, klägliches Winseln führte sie auf
die Spur des Verwundeten. Sobald er transportfähig war, brachte man ihn
nach Königsberg. Die Mutter, sonst eine so starke Frau, brach zusammen
beim Anblick des entkräfteten, vollkommen entstellten Mannes. Er war es,
der sie lächelnd trösten mußte.
Viele, viele Wochen lag er auf dem Krankenlager, das ihm in seinem
Wohnzimmer errichtet worden war. Je mehr seine Genesung vorschritt,
desto eifriger beschäftigte er sich mit mir. Ich habe nie einen Mann
gesehen, der wie er mit kleinen Kindern spielen konnte.
Meine erste traumhafte Erinnerung, -- ich bin immer ausgelacht worden,
wenn ich von ihr erzählte, da ich doch damals noch nicht zwei Jahre alt
war --, führt mich in einen dunkel verhängten Raum vor ein großes
braunes Bett, aus dem mir ein blasser Mann die Arme entgegenstreckte.
Ich weiß, daß ich laut aufschrie, daß der Mann den Kopf müde zurücklegte
und ich mich ausatmend in meinem hellen Stübchen wiederfand. Und später
sah ich ihn im Rollstuhl wieder und mich auf seinem Schoß mit seiner
großen, dicken Uhr spielend, die, weil sie mit so zärtlichem, feinen
Stimmchen alle Viertelstunden schlug, für mich immer etwas Lebendiges
gewesen ist. Wende ich ein andres Blatt der Erinnerung um, so seh ich
große rote Blumenkerzen in mein Fenster hereinleuchten. Das war in
Potsdam, wohin mein Vater nach dem Feldzug versetzt wurde, und wo wir in
einem gartenumsäumten Haus, vor dem ein alter Kastanienbaum Wache hielt,
das erste Stockwerk bezogen. Neben uns, nur durch den Gartenzaun
getrennt, wohnte meiner Mutter zweiter Bruder Max, der bei den
Gardehusaren Leutnant war und eine elsässische Cousine geheiratet
hatte. Werner, ihr Sohn, war nur um wenige Monate jünger als ich. Unter
uns aber, in die Parterrewohnung mit der großen Terrasse, auf deren
Balustrade kleine Steinengelchen saßen, die in meinen Träumen immer
lebendig wurden, zog, kaum ein Jahr nach unsrer Übersiedlung, die
Großmutter ein.
Walter Golzow hatte nach dem Kriege den bunten Rock mit dem schönen
himmelblauen Kragen ausgezogen und das Gut übernommen, dessen Geschäfte
die Großmutter bis dahin mit Hilfe des erprobten Verwalters gewissenhaft
und in der alten Weise geleitet hatte. Sie versuchte dann noch eine
Zeitlang, neben dem Sohn zu wirken und zu arbeiten, wie sie es früher
gewohnt gewesen war. Aber zu hart stießen die Gegensätze aneinander: in
ihrer Milde sah Walter Schwäche, in ihrer Wohltätigkeit Verschwendung.
Es kam auch tatsächlich zuweilen vor, daß ihre Güte mißbraucht wurde,
daß man die allzeit Hilfsbereite, die an jedem Menschen etwas Gutes sah
oder herauszulocken verstand, hinterging und betrog. Das nahm ihr Sohn
zum Vorwand, ihrem barmherzigen Wirken mehr und mehr Hindernisse in den
Weg zu legen. Doch dies alles hätte sie nicht so schwer getroffen, da
sie als Herrin ihres Vermögens damit machen konnte, was ihr gut schien;
unerträglich wurde ihr die Existenz vielmehr erst durch die fast
fieberhafte Neuerungssucht Walters: nichts in der Wirtschaft und im
Hause schien ihm mehr gut genug, und Umwandlungen und Neuanschaffungen,
die ein vorsichtiger, auf alle Möglichkeiten schlechter Jahre
vorbereiteter Gutsherr auf einen langen Zeitraum verteilt, sollten jetzt
in wenigen Monden vor sich gehen. Die Großmutter sorgte, warnte, bat,
-- sie predigte tauben Ohren. Die Ställe füllten sich mit Luxuspferden,
die Wirtschaftsräume mit neuen Maschinen aller Art, deren Handhabung
selten einer verstand, das Herrenhaus mit modernen Möbeln, vor deren
geschmacklosem Prunk der alte, solide Hausrat aus Urväter Tagen weichen
mußte. Es kam zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen Mutter und Sohn,
die ihren Höhepunkt erreichten, als sie sah, wie er auf die Wange eines
ungeschickten Reitknechts die Peitsche niedersausen ließ, so daß der
junge Mensch blutend zu Boden sank. Wenige Tage darauf entführte der
alte breite Kutschwagen mit den wohlgenährten Braunen davor die
Großmutter von der Stätte ihrer jahrzehntelangen Wirksamkeit, von dem
erinnerungsreichen Boden ihrer zweiten Heimat. Sie sah sich nicht um,
und sie weinte nicht; zu tief empfand sie das schwerste Geschick, das
ein Weib treffen kann: fremde Kinder zu haben.
Ich war vier Jahre, als die Großmutter nach Potsdam kam. Ein Ölbild von
Tochter und Enkelin, das damals für sie gemalt worden war, zeigt, daß
auch ich meiner Mutter solch ein fremdes Kind gewesen bin: von ihrer
lichten Erscheinung mit dem hellblonden Haar, der durchsichtigen Haut,
den meerblauen Augen sticht das kleine Mädchen seltsam ab, um dessen
schmales gelbliches Antlitz dunkle schwere Locken sich ringeln, dessen
schwarze Augen fragend und verträumt ins Weite sehen. Von klein an
bewunderte ich neidvoll meiner Mutter nordische Schönheit, und wenn
meine Freunde mir Tränen des Zorns entlocken wollten, brauchten sie mich
nur »schwarze Alix« zu rufen; sie waren selbst alle blond, und schon
bei den Unmündigen wirkt die Majorität überzeugend. Die Anführer bei
solchen Späßen, die mir den Umgang mit meinesgleichen früh verleideten,
waren meist mein Vetter Werner und Adda, das Töchterchen eines der
Regimentskameraden meines Vaters. Mit jener Grausamkeit, die nur den
kleinen Menschentieren eigen ist, rächten sie sich durch ihre Neckereien
an meiner Besonderheit. Einig waren wir drei eigentlich nur, wenn es
galt, unseren französischen Bonnen einen Schabernack zu spielen. Wir
konnten sie alle nicht leiden und empfanden sie nur als notwendiges
Übel, unter dem wir gemeinsam zu leiden hatten.
An jedem schönen Morgen führten sie uns in den Park von Sanssouci; kein
Wort Deutsch durften wir sprechen, und artig mußten wir nebeneinander
gehen. Wenn die drei Fräuleins aber erst häkelnd auf einer der Bänke
saßen und die Lebhaftigkeit ihres Gesprächs einen gewissen Höhepunkt
erreicht hatte, benutzten wir schleunigst die Gelegenheit, aus ihrem
Gesichtskreis zu verschwinden, und dann war ich die Anführerin. Wo die
Büsche am dichtesten waren, versteckten wir uns und spielten im grünen
Dämmerlicht phantastische Märchen. Meine blühende Phantasie steckte die
beiden andern an: unter halbverwitterten steinernen Göttern gruben sie
eifrig nach den Schätzen, von denen ich ganz genau zu erzählen wußte,
oder sie umschlichen geduldig immer wieder des alten Fritzen Schloß oben
auf den Blumenterrassen, die Ritter und die Feen mit Herzklopfen
erwartend, die ich schon »soo« oft gesehen hatte. Wenn freilich durchaus
nichts von dem Erwarteten sich zeigen wollte, mußte ichs bitter büßen,
und wenn wir unsrer schmutzigen Hände und zerdrückten Kleider wegen von
unsern drei Gestrengen gescholten wurden, war allemal ich die
Hauptschuldige. Allmählich gewöhnte sich mein sehr robuster und
prosaischer kleiner Vetter daran, den lebhaften Ausbrüchen meiner
Einbildungskraft mit einem verächtlichen »zu dumm« zu begegnen, was mich
bis zu Tränen kränkte und mehr und mehr verstummen ließ. Spielte ich
dann artig mit Ball und Reifen, ohne in die Büsche zu kriechen, dann
lobte mich Mademoiselle: »Comme elle devient raisonable!« sagte sie.
Noch stand ich nicht fest auf dieser Staffel der guten Erziehung, als
mir ein schwerer Kummer widerfuhr. In unserm Garten, in dem wir
nachmittags zu spielen pflegten, lagen auf den Wegen viele bunte
Kieselsteine. In einem Winkel, unter einem Jasminstrauch -- zu den
weißen Blüten trug ich immer meine tiefsten Geheimnisse -- sammelte ich
die schönsten, die ich finden konnte. Ich war fest überzeugt, daß sie in
ihrem Innern goldne Wagen mit weißen Pferdchen davor, blitzende
Königskronen und schimmernde Schlösser bargen, und versuchte, sie mit
einem Hammer aufzuschlagen. Schließlich kamen Werner und Adda hinter
mein Geheimnis; mein Vetter, den meine glühende Begeisterung für die zu
erwartenden Herrlichkeiten anstecken mochte, bemühte sich auch
seinerseits, die Kiesel zu öffnen, und es gelang. »Bist du dumm,« rief
er ärgerlich, als er die grauen Splitter in der Hand hielt, »es sind ja
nur ganz gewöhnliche Steine!«
Noch oft hab ich später hinter dem Leblosen wundervolle Offenbarungen
vermutet und im Schweiße meines Angesichts versucht, zu ihnen
vorzudringen, aber die Enttäuschung hat mich kaum je so heftig
geschmerzt und bis zu so wilder Verzweiflung getrieben, wie damals, wo
ich, ein fünfjähriges Kind, weinend vor den zerschlagenen Kieseln saß.
Wenn die andern mich verhöhnten, wenn der Schmerz mich übermannte und
sie nicht verstanden, warum, dann blieb mir ein Zufluchtsort und ein
Mensch, der immer die rechten Worte des Trostes fand: Großmama. Wie oft
flüchtete ich in ihr stilles Reich, wo sie zwischen blühenden Blumen und
dunkeln Palmen lesend, schreibend oder still vor sich hinträumend in
ihrem tiefen, grünen Lehnstuhl saß. Sie hatte immer Zeit für mich, sie
lachte mich niemals aus und antwortete nie auf meine tausend Fragen mit
jenem ein weiches Kindergemüt so verletzenden: »Das verstehst du nicht.«
Und wenn sich mir Park und Garten, Wasser und Wald mit tausend Gestalten
bevölkerten, wenn die allabendlich in buntem Reigen um mein Bettchen
tanzten, so wußte ich: Großmama sah sie, wie ich; nur die andern hatten
keine Augen dafür. War ich allein bei ihr, so erschienen mir ihre Zimmer
wie ein einzig Märchenreich: Zwischen den Palmen lächelte der schöne
weiße Jünglingskopf ihres Vaters mir entgegen -- halb ein Cäsar, halb
ein Antinous --; von den Wänden sahen Männer und Frauen mich an, mir
vertraut seit meinem ersten Augenaufschlag, wenn auch fremd nach Art und
Gewandung, und unter einem von ihnen, auf kleinem Postament, stand
Winter und Sommer ein frischer Blumenstrauß. Das war der Dichter, zu
dessen Füßen die Großmutter gesessen hatte, als sie ein Kind, ein junges
Mädchen gewesen war, der die Geschichte vom Heideröslein gedichtet
hatte, die erste, die ich wiedererzählen konnte, und bei deren Schluß
mir immer die Stimme brach: ... »Doch es half kein Weh und Ach, mußt es
eben leiden!«
Auf dem Fußbänkchen neben Großmama, den Kopf vergraben in den weichen
Falten ihres Sammetkleids, die Augen auf die tanzenden und zuckenden
Flammen des Kaminfeuers gerichtet, während ihre leise Stimme über mir
klang, von Schneewittchen und Dornröschen erzählend oder von der kleinen
Seejungfrau, die dem Prinzen zuliebe unter tausend Schmerzen zum
Menschen wurde und dann doch wieder hinabsteigen mußte in die Fluten, --
das waren die schönsten Stunden meiner frühen Kinderjahre. Und das alles
waren Erlebnisse für mich, viel bedeutungsvollere, als die Ereignisse
des öffentlichen Lebens, deren Kunde an mein Ohr schlug. So weiß ich vom
deutsch-französischen Kriege, obwohl ich ihn als fast Sechsjährige
erlebte, nicht allzuviel. Ich sehe mich zwar Charpie zupfend am Fenster
sitzen oder mein Frühstücksbrötchen mitleidig für die armen Soldaten in
die Kiste legen, die die Mutter allwöchentlich zu packen pflegte; ich
erinnere mich, daß ich mit Hurra schrie bei jeder Siegesnachricht und
die Illuminationskerzen nach dem Fall von Sedan mit in die sandgefüllten
Gläser steckte. Ich weiß auch, daß mir das bunte Schauspiel des Einzugs
der Sieger in Berlin, dem ich in einem neuen blauseidnen Kleidchen mit
meiner Mutter von irgend einem Lindenhotel aus beiwohnte, sehr gefiel,
und daß mein Lorbeerkranz statt auf die Lanze eines Kriegers auf den
aufgespannten Schirm irgend einer biedern Berliner Bürgerfrau
niederfiel; aber von hochgeschwellter patriotischer Begeisterung weiß
ich nichts. Vielleicht, daß die gedrückte Stimmung zu Haus mich
beeinflußt hatte, denn hier kam eine reine Siegesfreude nicht auf. Nicht
nur, weil Söhne und Gatten allen Wechselfällen des Krieges ausgesetzt
waren, sondern auch, weil nahe, liebe Verwandte der Großmutter im
französischen Heere dienten. Neffen von ihr kamen als Gefangene nach
Potsdam; der alte Bruder ihrer Mutter, der sich als Jüngling unter
Napoleon I. die Sporen verdient hatte, kämpfte jetzt mit derselben
glühenden Vaterlandsliebe unter seinem Nachfolger. Von dem Franzosenhaß,
der den deutschen Kindern späterer Zeit eingeprägt wurde, wußten wir
infolgedessen nichts. Ich glaube, jener Hurrapatriotismus, der sich
heute breit macht, gedeiht nur in Friedenszeiten. Wer dem Kriege Aug in
Auge sieht, dessen Vaterlandsliebe wird vielleicht nicht weniger tief,
wohl aber ernster und stiller sein. Erst wenn die großen Kämpfe der
Völker lange vorüber sind, werden sie zu Mitteln, die Begeisterung auch
der Kinder anzufachen. So kam es wohl, daß meine Phantasie von dem, was
vor sich ging, ebenso unberührt blieb wie mein Gemüt. Nur der Heimkehr
meines Vaters sah ich voll jubelnder Freude entgegen.
Er brachte uns allen Geschenke aus Frankreich mit, die er mit Sorgfalt
und in der freudigen Aussicht auf die glücklichen Gesichter der
Empfänger ausgewählt und wofür er wohl auch viel Geld ausgegeben hatte.
Über all das schöne Spielzeug, das ich erhielt, war mein Jubel ohne
Grenzen, und ein zierliches goldnes Kettlein, das mich noch mehr
entzückte, schlang ich mir grade vor dem Spiegel um den Kopf, so daß die
Perle, die wie ein Tautropfen daran hing, just unter dem Scheitel auf
die Stirne fiel -- meine schwarzen Locken erschienen mir plötzlich gar
nicht mehr so häßlich --, als das Antlitz meiner Mutter hinter mir
auftauchte. Angstvoll erstaunt wandte ich mich um; Seiden- und
Samtstoffe lagen vor ihr ausgebreitet, mit zärtlich-fragenden Augen sah
der Vater sie an, und sie -- sie freute sich nicht! Worte des Vorwurfs
über die »unnützen Ausgaben« war das erste, was ich sie sagen hörte, und
mit ungewohnt heftiger Geberde nahm sie mir die Kette aus den Haaren,
die nun -- ich wußte das nur zu gut -- in der unergründlichen Tiefe des
Silberschranks verschwinden würde, wie so manche der schönsten Dinge,
bis »Alix groß sein wird«. Dann dankte sie dem Vater mit einer kühlen
Phrase, aus der ich das Erzwungene mit dem feinen Gefühl des
Kinderherzens herausempfand. Über unsre Festtagsfreude hatte sich ein
dunkler Schatten gelegt. Papa ging verstimmt hinaus, ich spielte
verschüchtert in einem möglichst versteckten Winkel. Freude ist eine der
sensitivsten Pflanzen, die es gibt, das hab ich damals unbewußt zum
erstenmal empfunden: wenn sie in vollster Blüte steht, genügt ein kalter
Lufthauch, sie zu töten. Sie will gehütet sein und gepflegt, und nur ihr
natürliches Welken ist schmerzlos. Verschleiert blieb von da an die
Stimmung; um Liebe werbend, dankbar für jeden wärmeren Blick, bemühte
sich mein Vater um seine schöne kühle Frau. Wie oft nahm er mich auf den
Schoß, legte mein Bäckchen an seine Wange und herzte und streichelte
mich, während seine Augen ihr folgten, die im Zimmer umherging, jedem
Staubfäserchen nach, das etwa von einem Möbelstück nicht entfernt worden
war.
Bald hieß es, die Mutter sei krank und brauche längere Zeit der
Erholung. Große Koffer wurden gepackt, und wir reisten -- Großmama, Mama
und ich, meine Mademoiselle und die Jungfer -- nach der Schweiz. Wie
schnell war da der arme, einsame Papa vergessen! Wundervolle Bilder von
weißleuchtenden Gletschern, blauen Seen, brausenden Wasserstürzen und
Schauerlichen Abgründen zogen an mir vorüber. Nirgends war mir meine
Bonne mit ihrem ewigen: Tiens-toi droite -- ne court pas si vite -- sois
raisonable so widerwärtig vorgekommen wie hier. Ins Moos sich werfen mit
ausgebreiteten Armen, laufen und springen, wie von Flügeln getragen, und
über Stock und Stein aufwärts klettern, höher, immer höher, bis zu den
silbernen Häuptern der Berge mitten in den Himmel hinein -- ach, wer das
könnte! Eines Tages hielt es mich nicht länger. Irgendwo am
Vierwaldstädter See wars, wo ich davon lief, gedankenlos, ziellos, nur
erfüllt von dem Wonnegefühl der ungebundenen Kraft. Erst als es anfing
zu dunkeln, kam ich zum Bewußtsein meiner Verwegenheit. Da plötzlich
geschah etwas so Wundersames, daß ich alles vergaß: die weißen Berge
bekamen rotglühendes Leben. -- Männergeschrei und ängstliches Rufen
schreckten mich auf aus der Verzauberung; vom Hotel aus suchte man die
Ausreißerin. Stumm kehrte ich heim, unempfindlich blieb ich für alle
Vorwürfe, die mich sonst so bitter trafen; das Erlebte hatte jede andre
Empfindung in mir ausgelöscht. Nur der Großmutter vertraute ich
flüsternd das große Geheimnis an: wie die Bergriesen vor mir lebendig
geworden waren.
Im Herbst desselben Jahres kehrte Großmama nach Potsdam zurück, Mama
und ich aber reisten nach Augsburg zu meines Vaters Schwester Klotilde.
Sie hatte sich mit Baron Artern, dem jüngeren Bruder ihrer Tante Kleve,
bei der sie erzogen worden war, vermählt gehabt und war nach kurzem
strahlendem Glück Witwe geworden. Monatelang schien es, als ob ihr
sehnsüchtiger Wunsch, dem Toten zu folgen, erfüllt werden würde, und es
war mein Vater, der ihr in dieser Zeit mit der ganzen hingebungsvollen
Liebe und zarten Rücksicht, deren er fähig war, zur Seite gestanden und
sie dem Leben zurückgewonnen hatte. Er war es wohl auch gewesen, der ihr
den Gedanken nahe legte, uns zu sich einzuladen. Es gibt kaum eine
heilendere Kraft für alle Lebenswunden als die weichen Hände, die klaren
Augen und das helle Lachen eines Kindes, -- ihr war sie versagt
geblieben; in mir, so hoffte mein Vater, sollte sie sie finden.
An einem trüben Oktoberabend kamen wir in Augsburg an. In Trauerlivree
empfing uns der Diener am Bahnhof, dunkel war die Equipage, dunkel waren
die engen winkligen Straßen, und grau, wie leblos, starrten die alten
Häuser mir entgegen. In einen hallenden Torweg, den nur eine unruhig
flackernde Lampe spärlich erhellte, bog der Wagen, und vor einer
breiten, teppichbelegten Treppe mit kunstvollem schmiedeeisernem
Geländer stiegen wir aus. Eine alte Dienerin mit großem Schlüsselbund
über der schwarzseidenen Schürze begrüßte uns zuerst; oben, wie eine
Fürstin, wartete des Hauses Herrin auf uns. Der Kreppschleier verhüllte
sie fast ganz, nur das weiße Gesicht und die roten Haare leuchteten
daraus hervor. Weinend umarmte sie ihre Gäste, und erschüttert von dem
Eindruck der neuen Umgebung weinte ich mit ihr. »Du gutes Kind,« sagte
sie und küßte mich zärtlich; ich hatte ihr Herz gewonnen.
Ein seltsames Leben begann für mich in dem grauen Hause mit seinen
langen, düstern Gängen, an deren Wänden ein dunkles Bild neben dem
andern hing, mit seinen mächtigen schwarzbraunen Schränken und den
tiefen, tiefen Teppichen, über die der Fuß unhörbar hinglitt. Die Türen
waren mit Fries eingefaßt, um jedes Geräusch zu vermeiden, und die
Klingeln hatten einen dunkeln Ton. Meine Tante vertrug nicht den
geringsten Lärm. Man hatte mir das streng eingeschärft, aber ich wäre
hier auch ohnedies ganz still gewesen. Nur im Stübchen bei der alten
Kathrin, der Wirtschafterin, die mich schnell in ihr Herz schloß, durfte
ich lachen und toben, und draußen bei allen den vielen Verwandten und
Freunden fühlte ich mich aus dem Traumreich in die Welt zurückversetzt.
Die erste Mädcheneitelkeit ist damals von ihnen in mir großgezogen
worden. Sie umgaben mich förmlich mit der wohligen weichen Treibhausluft
der Bewunderung; und wenn meine Mutter auch, sobald wir allein waren,
Worte wie Hagelschauer und Gewitterregen abkühlend hernieder brausen
ließ, so sah ich darin doch nichts weiter, als daß sie mir die Freude
eben wieder einmal nicht gönnen wolle. Hatte ich mich früher, weil ich
anders war, zurückgesetzt gefühlt, war ich mir im Vergleich zu meinen
helläugigen Gespielen häßlich vorgekommen, so wurde ich allmählich
meiner Besonderheit als eines Vorzugs bewußt.
In meinem Zimmer, das ich allein bewohnte -- Mademoiselle war auf
Urlaub bei ihren Eltern in der Schweiz geblieben --, stand ein
verschlossener Schrank. Ich studierte durch die Glastüren die Titel auf
den Rücken der Bücher, soweit das meine ziemlich unzureichende Kenntnis
der deutschen Buchstaben zuließ; französisch war mir bisher allein
geläufig geworden. Auf einer Reihe großer Quartbände wiederholten sich
immer dieselben Worte: »Die Geschichten aus tausend und einer Nacht.«
»Tausend und eine Nacht«, -- hieß nicht so das Buch mit den bunten
Bildern, aus dem mir Großmama Aladins seltsame Abenteuer vorgelesen
hatte? Niemand erzählte mir Märchen in Augsburg, die alte Kathrin wußte
nur immer dieselben Gespenstergeschichten, ach, wenn ich doch selber
lesen könnte! Heimlich versuchte ich, mit allen Schlüsseln, die mir
erreichbar waren, den Schrank zu öffnen, um zu den Schätzen zu gelangen,
die er barg. Endlich, endlich sprang er auf. Wie gut, daß ich Halsweh
hatte und Tante und Mama allein spazieren gefahren waren! Mit klopfendem
Herzen nahm ich einen Band nach dem andern heraus -- ich sehe noch ihr
gebräuntes Leder vor mir und ihr gelbes, stockfleckiges Papier! -- und
betrachtete die vielen Bilder darin: Geister und Ungeheuer, Männer auf
sich bäumenden Rossen mit krummen Säbeln und hohem Turban und wunder-,
wunderschöne Frauen. Von nun an hatte ich häufig »Halsschmerzen« und
ließ mir mit rührender Geduld Einreibungen und Umschläge gefallen, trug
auch klaglos das rote Flanellläppchen, das ich sonst nicht rasch genug
hatte abreißen können. Sobald ich allein war, vertiefte ich mich in die
Bücher. Es waren unverkürzte Übersetzungen des herrlichen
Märchenschatzes; ich lernte lesen darin; der ganze Farbenreichtum, die
ganze Glut des Orients umgaben mich wie mit einem Zaubermantel. Wie oft,
wenn ich mit glühenden Wangen und heißen Augen den Heimkehrenden
entgegentrat, wurde mir der Fieberthermometer besorgt unter den Arm
gesteckt. Aber ich hatte kein Fieber, -- ich hatte ja auch nur mit den
Ausschneidepuppen gespielt, die in buntem Durcheinander auf meinem
Tische lagen!
Warum ich mein Geheimnis verschwieg? Nicht nur, weil die Mutter ganz
gewiß die Bücher verschlossen hätte, sondern weit mehr noch, weil alles,
was mich am tiefsten ergriff, auch am tiefsten verhüllt bleiben mußte.
Es erschien mir entweiht, seines Wertes beraubt, wenn andre es sahen,
besprachen, betasteten. Großmama allein hätte ich davon erzählen können.
Niemand merkte das Geheimnis, in dem ich lebte, niemand ahnte, daß ich
in den dunkeln Gängen und tiefen Nischen alle Spukgestalten meiner
Bücher leibhaftig vor mir sah, daß sie mir aus den Bildern an den Wänden
entgegentraten, daß ich eine seltsam schwüle, schwere Luft durstig
einatmete.
Seit meiner ersten Kinderzeit hatte ich die Gewohnheit, mir abends im
Bett Geschichten zu erzählen; das waren meine köstlichsten Stunden! Da
störte mich nie die rauhe Hand der Wirklichkeit, da lachte mich keiner
aus. Von nun an wurden meine Phantasten wilder, so daß ich mich oft vor
ihnen fürchtete und zitternd unter die Bettdecke kroch. Häufig genug
wartete ich mit fieberhafter Erregung auf den Schritt der Mutter im
Nebenzimmer, aber zu rufen wagte ich nicht, nachdem sie mich einmal
meiner »dummen Aufregung« wegen arg gescholten hatte.
Inzwischen war mein Vater nach Karlsruhe versetzt worden. Er und die
Großmutter besorgten den Umzug, suchten die Wohnung und richteten sie
ein. Beide erwarteten uns, als wir nach einer beinahe halbjährigen
Abwesenheit endlich heimwärts reisten. Mir war der Abschied von Augsburg
sehr schwer geworden, denn mochte ich mir noch so sehr den Kopf
zerbrechen, -- meine lieben Bücher heimlich mitzunehmen, gelang mir
nicht. Papa und Großmama erschraken, als sie mich wiedersahen. »So blaß
ist mein Alixchen,« sagte sie. »So dunkle Ränder hat sie um die Augen,«
fügte er hinzu. Als ich zuerst sein Zimmer betrat, einen langen Raum mit
einem einzigen breiten Fenster, sah ich eine durchsichtige, weiße
Gestalt mit gesenktem Haupt an mir vorüberschweben. Ich schrie auf und
erzählte nach vielem Zureden, was mir begegnet war; schon wollte die
Mutter auffahren, und der Vater murmelte etwas von »dem Unsinn, den man
dem armen Kinde beigebracht hat«, als die Großmutter mich still beiseite
nahm und lange und liebreich auf mich einsprach. Was sie sagte, weiß ich
nicht mehr, aber es löste mir Herz und Zunge. »Ach, bleib doch bei mir,
Großmama!« rief ich, während die Angst sich in Tränen löste. Andre
jedoch bedurften ihrer noch mehr als ich; ihr jüngster Sohn, Max, zog
sie an sein Krankenlager, und ich war wieder allein.
Es war tiefer Winter damals. Trübselig und neidvoll sah ich oft durch
die geschlossenen Fenster auf den Platz, wo die Kinder tobten,
Schneeball warfen und Schneemänner bauten. Ich durfte nur selten
hinaus. Von klein an war ich Halsentzündungen ausgesetzt gewesen, und
meine Mutter ließ mich, ebenso pflichttreu wie gedankenlos, bei kaltem
Wetter nur ins Freie, wenn es völlig windstill war. Aber auch dann wurde
ich dick verpackt und durfte nicht laufen wie die andern. Das ließ mich
noch mehr vereinsamen. Mir ist, als hätte ich die Winter stets
verschlafen, so wenig weiß ich von ihnen. Vom Frühling aber und vom
Sommer weiß ich um so mehr. Wir hatten einen großen Garten hinter dem
Hause mit alten Bäumen, blühenden Büschen und bunten Blumen. Hier war
mein Reich. Hier durfte ich ungestört umherspringen, mir Höhlen bauen,
die zu unterirdischen Schätzen führten, auf der Schaukel bis zu den
Wolken fliegen, die im Grunde gar keine Wolken, sondern Drachen und
Zaubervögel waren. Hier konnte ich mit meinen Bällen, die alle
Märchennamen trugen, geheimnisvolle Zwiesprach halten, so daß die
Nachbarn oft meinten, ich hätte Scharen von Gespielen im Garten. Puck,
unser alter Pinscher, dem zwei Feldzüge schon die Haare gebleicht
hatten, mußte sich hier zu jugendlichen Sprüngen bequemen, war er doch
das Flügelpferd, das mich ins Zauberland tragen sollte.
Ich war den größten Teil des Tages mir selbst überlassen. Mademoiselle
war froh, wenn sie den Mund nicht aufzutun brauchte und mit ihrer
unendlichen Häkelei friedfertig auf dem Sofa sitzen konnte. Papa war den
ganzen Vormittag auf dem Bureau des Generalkommandos tätig, nachmittags
ritt er mit Mama spazieren und arbeitete dann allein bis zum Abend.
Mama hatte immer schrecklich viele Besuche zu machen und zu empfangen;
und was beiden an freier Zeit etwa noch übrig blieb, das verschlang die
große, zu jeder Jahreszeit äußerst lebendige Geselligkeit. Nur
vormittags zwischen ein und zwei Uhr pflegte meine Mutter mich bei
schönem Wetter zum Spaziergang mitzunehmen. Mit dem Reifen, meinem
unzertrennlichen Gefährten, lief ich voraus durch eine jener
menschenleeren, langen, graden Straßen, die in Fächerform sämtlich am
Schloßplatz münden, und trieb mein Spiel durch die stillen Laubengänge
des Parks, bis es Zeit war, Papa vom Bureau abzuholen. Pünktlich, wenn
wir vor dem Hause standen, schloß der Kommandierende, General von
Werder, der Sieger von Wörth, die Vormittagsarbeit und kam mit Papa
hinaus, um uns heim zu begleiten, denn er mochte alle schönen Frauen
gern, meine Mutter insbesondere. Ich sehe ihn noch, den kleinen Mann,
mit den Händen auf dem Rücken und den blitzenden Augen in dem scharf
geschnittenen Gesicht, wie er neben uns herging, immer zu einem derben
Scherz bereit und stets einen Leckerbissen für mich in der Tasche.
Mein Reifen ruhte auf dem Heimweg, denn dann hatte der Vater mich an der
Hand, und des Fragens und Erzählens war kein Ende. Wenn er für meine
Phantasien auch nur wenig Verständnis hatte und ich mich hütete, sie ihm
anzuvertrauen, so wußte er doch wie kein anderer meine Wißbegierde zu
stillen. Er hatte eine Art, mir die Dinge klarzumachen und selbst
schwierige Probleme meinem kindlichen Verständnis nahezubringen, mir
Naturerscheinungen, chemische oder physikalische Vorgänge zu erklären
und mich das Leben der Pflanzen und Tiere beobachten zu lehren, die die
kurzen Stunden des Zusammenseins mit ihm wertvoller für mich machten,
als wenn ich den ganzen Vormittag in der Schule gesessen hätte. Kamen
wir nach Haus, so gingen wir zusammen in den Stall, und ich brachte den
Pferden meinen Frühstückszucker, den ich mir täglich vom Munde absparte,
seitdem Mama mich wegen meiner Zuckerverschwendung gescholten hatte.
August, unser Kutscher und Faktotum, der mir trotz seiner verdächtig
roten Nase viel lieber war als alle Mademoiselles zusammen genommen,
mußte den kleinen Braunen herausführen, und ich durfte auf Mamas Sattel
im Hof umherreiten, während Puckchen steifbeinig nebenher trabte, die
Augen ernsthaft auf mich gerichtet, als müßte er Sitz und Haltung ebenso
beobachten und kritisieren wie Papa. Der war kein bequemer Lehrmeister,
und ich fürchtete diese halbe Stunde vor Tisch mehr, als daß ich mich
daran freute. Ja, reiten, -- das mußte herrlich sein! Frei, mit
verhängtem Zügel über Felder und Wiesen, -- vor Wonne klopfte mein Herz,
wenn ich daran dachte! Aber im engen Hof, immer im Schritt, bestenfalls
im kurzen Trab in der Runde, jeden Moment gewärtig, vom Vater heftig
angefahren zu werden, wenn ich krumm saß, die Zügel verkehrt hielt, die
Ecken nicht ausritt oder die Peitsche verlor, -- gräßlich wars! Laute,
harte Worte zu hören, verwundete mich aufs tiefste, und die
Liebesbeweise, mit denen mein Vater mich nach jedem Ausbruch seiner
Heftigkeit in doppeltem Maße überschüttete, vermochten den Eindruck
nicht auszulöschen. Ich bemühte mich, sie nicht hervorzurufen -- man
nannte das lobend »artig sein« --, aber mein Herz krampfte sich dabei
zusammen, und ich zog mich mehr und mehr in das Gehäuse meines
verborgenen Lebens zurück, was meine Mutter als ein erfreuliches
Resultat ihrer Erziehungsmethode betrachten mochte, die nur ein Prinzip
kannte: Selbstbeherrschung. »Ein gut erzogenes Mädchen zeigt seine
Gefühle nicht,« pflegte sie zu sagen, und so vergrub ich mich in die
Kissen meines Betts, wenn ich weinen mußte, und lief in den Garten
hinaus, um mich hoch in die Lüfte zu schaukeln, wenn ich mich freute.
Eigentliche Freunde und Spielkameraden hatte ich nicht, wohl aber
geselligen Verkehr, der mich Sonntags fast immer, schön geputzt, aus dem
Hause führte. Im Schloß bei Großherzogs war ich ein häufiger Gast:
Prinzessin Viktoria und Prinz Ludwig, zwei blühende Kinder damals, waren
lustige Gefährten, und beim Baumplündern zu Weihnachten, beim Eiersuchen
zu Ostern hallte das Schloß wieder von unserm Lachen und Lärmen, an dem
das freundliche Elternpaar stets die meiste Freude hatte. Nur das Kochen
in Vickis großer Küche, die das Ideal aller andern kleinen Mädchen war,
langweilte mich entsetzlich, -- die Fee, die dem Wickelkind die
Hausfrauentugenden in die Wiege legt, war offenbar zu meinem Tauffest
nicht geladen worden! Da wars bei Max und Marie doch schöner, den
Kindern des Prinzen Wilhelm, deren kaiserlicher Großvater ihnen aus
Rußland das kostbarste Spielzeug zu schicken pflegte: Eisenbahnen mit
richtigen Schienen, Puppen, die laufen und reden konnten, -- lauter
Dinge, die zu jener Zeit für gewöhnliche Sterbliche unerreichbar waren.
Am allerbesten aber gefiel es mir in einem Hause, dessen Herrin, eine
Tochter Bettinens auch dem Geiste nach, es verstand, Märchen zu
Wirklichkeiten zu machen. Mit ihren beiden reizenden Töchtern, die um
ein paar Jahre älter waren als ich, fertigte sie aus buntem Seidenpapier
die köstlichsten Gewänder an, mit denen geschmückt wir lebende Bilder
stellten, Scharaden aufführten und uns als Helden Grimmscher Märchen in
unsre Rollen so einlebten, daß die Rückkehr in die prosaische Erdenwelt
uns hart ankam. Unsre Feste wurden bald die große Attraktion der
Gesellschaft; oft genug sah auch der Großherzog uns zu, und ich erinnere
mich noch recht gut, wie ich einmal als kleiner Amor im rosa Hemdchen,
mit goldenen Sandalen und blitzenden Flügeln aus einem Strauß lebendiger
Blumen meinen Pfeil auf ihn zu richten hatte und auf seinen lachenden
Zuruf: »Nun, schieß los!« das strenge Schweigegebot vergebend,
antwortete: »Aber das tut weh!« Bald lernte ich besser, bei solchen
Gelegenheiten die Fassung zu bewahren, denn lebende Bilder und
Kostümfeste waren auch bei den »Großen« an der Tagesordnung, und fast
überall wirkte ich mit. In Scheffels Dichtung vom Rockertweibchen, die
unter seiner persönlichen Leitung dargestellt wurde, war ich ein kleines
Schwarzwaldmädchen, das sich der besonderen Gunst des Dichters erfreute.
Er hatte immer eine Düte für mich in der Tasche, und das erste Glas
Sekt, das mir warm und wohlig bis in die Fußspitzen niederrieselte,
verdanke ich ihm. Auch ein Rokokodämchen war ich, mit hoch aufgetürmtem,
gepudertem Haar, und ein Elfenkind, und das Veilchen auf der Wiese, --
was Wunder, daß ich immer unlustiger morgens vor meinem alten,
pedantischen Lehrer saß, der mich Buchstaben malen, Gesangbuchverse und
Bibelsprüche hersagen ließ. Im Strudel rauschender Freude untertauchen
oder lesen und träumen für mich ganz allein, -- was dazwischen lag: das
Alltagsleben mit seinen Pflichten und Leiden, war wie eine staubige
Straße, die ich am liebsten zu gehen vermied. »Pflichten« besonders
waren mir verhaßt; ich definierte sie schon als sechsjähriges Kind auf
eine Frage hin als das, »was immer unangenehm ist«. Alles, was Mama z. B.
tat, wenn sie ein recht unzufriedenes Gesicht dazu machte, erklärte sie
für Pflichterfüllung: die schmutzige Wäsche selber zählen, obwohl drei
Dienstboten daneben standen, die Zutaten zum Kochen herausgeben, obwohl
wir eine vortreffliche französische Köchin hatten, nachmittags mit mir
spazieren fahren, obwohl wir uns beide schrecklich dabei langweilten, --
ja selbst die Dämmerstunden bei Papa, wo er zu Frau und Kind gern
zärtlich war, schienen mir, nach ihrem Ausdruck zu schließen, in dieses
Gebiet zu gehören. Ganz gewiß, ich würde nie meine Pflicht erfüllen,
schwor ich mir heimlich und suchte meine Theorie nur zu oft in die
Praxis umzusetzen, indem ich tat, was mir zu tun gefiel, und Befehlen,
deren Ursache und Zweck ich nicht einsah, hartnäckigen Widerstand
entgegensetzte. Der meiner freien Bewegung gezogene Umkreis konnte daher
für meine Bedürfnisse nicht weit genug sein; darum war der Sommer so
schön, wo ich den Garten fast für mich allein hatte, wo ich auf dem
Lande bei Verwandten und Freunden der weitgehenden Ungebundenheit mich
erfreute.
Eingebettet zwischen weiß- und rotblühenden Obstbäumen, überragt von
grünen Hügeln, zu denen schmale, nußbaumbeschattete Wege emporführten,
noch nicht erobert von dem Feinde aller verträumten Poesie, der
fauchenden, qualmenden Maschine, lag Weinheim damals zu Füßen der
Bergstraße. Dem Grafen Währing, dem Bruder meiner Urgroßmutter, hatte
das Schloß gehört, das mit seinen Gärten und Weinbergen das Städtchen
beherrschte. Jetzt hauste seine Witwe, eine achtzigjährige Greisin dort
oben, der niemand ihr Alter ansah, und bei der wir oft wochenlang zu
Gaste waren. Wie eine Marquise aus dem achtzehnten Jahrhundert war sie
anzuschauen: klein, zierlich, sprudelnd von Geist und Leben, mit
winzigen weißen, von Juwelen bedeckten Händen, allerhand seltenes
Tierzeug -- weiße Angorakatzen, schlanke Windspiele, lockige
Zwergpinscher -- um sich herum. Sie pflegte sich stets nur mit Jugend zu
umgeben, -- es sei genug, daß der Spiegel sie an ihr Alter erinnerte,
meinte sie. Je toller es um sie her zuging, je mehr Liebesgeschichten
sie sich entspinnen sah, desto fröhlicher war sie. Immer hatte sie
Schränke voll Pariser Toiletten bereit, um ihre weiblichen Gäste -- die
schönsten am häufigsten -- damit zu beschenken, und Juwelen, Ringe und
Armbänder aller Art, mit denen sie sie schmückte. Wer harmlos irgend
etwas, was nicht niet- und nagelfest war, bei ihr bewunderte, dem wurde
es als Geschenk aufgenötigt. Und was für merkwürdige Dinge gab es in
ihren Salons mit den Louis XV. Möbeln, den hohen Spiegeln und vielen,
vielen Bildern und Bilderchen: da waren Sessel, Fußbänke, Bücher, aus
denen in tollem Durcheinander Mozartsche und Offenbachsche Melodien
ertönten, sobald sie benutzt wurden; Gemälde, die plötzlich in der Wand
verschwanden, um einem Schränkchen voll süßem Naschwerk Platz zu machen;
Tischchen, die in den Boden sanken, wenn man sie anstieß, um mit Wein
und Kuchen besetzt wieder zu erscheinen, kurz -- ein Paradies für ein
wundergieriges Kinderherz! Und dann der Garten mit seiner Fülle von
Beeren und Blumen, mit seinen dichten Laubengängen und lustigen
Wasserspielen -- und die Freiheit vor allem, die ungebundene!
Wenn ich bei Tisch erschien, musterte die alte Tante mich zuvor
sorgfältig, rückte da eine Falte zurecht, steckte mir dort eine Schleife
an, wickelte meine Locken über ihre feinen Fingerchen, zog das Kleid
noch tiefer von meinen magern Schultern und holte die Puderquaste aus
ihrer kleinen goldnen Taschenbüchse, um den Rest Vormittagsübermut von
meinen Wangen zu entfernen. »Est-elle gentille, la petite?!« sagte sie
dann, mich vor dem Spiegel drehend. Mit Seide und Spitzen, mit Kettchen
und Armbändern, mit Worten und Ratschlägen, die für die Seele einer
Siebenjährigen nichts andres waren als süßes Gift, warb sie um mich und
modelte an mir. Was sie sagte, weiß ich heute nicht mehr, aber ich weiß,
daß ich von ihr erfuhr, des Weibes Aufgabe sei, zu gefallen und zu
herrschen, und all die Spiegel und Büchschen und Fläschchen des
Toilettentischs, all die Geheimnisse des Boudoirs seien nichts als
Etappen auf dem Wege zu ihrer Erfüllung. Das Bewußtsein, hübsch zu sein,
machte mich stolz, und mit der Koketterie des kleinen Mädchens suchte
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