abzuerkennen. Der römische Historiker berichtet nämlich,[51] daß die
Gattin des Senators Buccion, Afrania oder Cafrania, wie man sie später
nannte, mit Leidenschaft Prozesse führte und stets ihr eigener Anwalt
war. Dabei soll sie sich so skandalös benommen haben, daß der Prätor
sofort ein Edikt gegen das Auftreten von Frauen vor Gericht erließ, weil
sie sich entgegen "der ihrem Geschlecht zukommenden schamhaften
Zurückhaltung" in anderer Leute Angelegenheiten gemengt und männliche
Tugenden ausgeübt hätten.[52] Die spätere Justinianische Gesetzgebung
setzte dieser Verordnung die Krone auf, indem sie erklärte:[53] "Frauen
sind von allen Aemtern, bürgerlichen wie öffentlichen, ausgeschlossen,
können daher weder Richter sein noch Verwaltungsbeamte, noch können sie
klagen oder für andere als Beistände oder als Sachwalter vor Gericht
auftreten." Die Begründung für dieses Verbot lautete: "Es wird allgemein
angenommen, daß Frauen und Sklaven öffentliche Aemter nicht auszufüllen
vermögen."[54] Durch den Vellejanischen Senatsschluß wurden sie
schließlich auch in privater Beziehung völlig rechtlos, da sie für
unfähig erklärt wurden, Bürgschaften irgend welcher Art zu
übernehmen.[55]
Das Bild der Frauenwelt Roms zu Beginn unserer Zeitrechnung ist das
dunkelste, das die Sittengeschichte bis dahin aufzuweisen hatte. Kaum
ein Lichtstrahl erhellte es, denn selbst die Dichter, die sonst die
Frauen immer zu preisen pflegen, überhäuften ihre Zeitgenossinnen mit
Hohn und Spott, oder besangen nur die Dirnen unter ihnen, von denen
keine die geistige Höhe griechischer Hetären erreicht hatte. Nur
vereinzelt und beinahe schüchtern versuchten einige Schriftsteller der
allgemeinen Meinung entgegenzutreten. So sprach sich Cicero nicht, wie
man infolge einer mißverständlichen Auffassung des Textes oft meint, für
die Abschaffung der Vormundschaft der Frauen, sondern vielmehr dafür
aus, daß jene Art Sittenpolizei, die über die Aufführung und den Luxus
der Frauen in Griechenland zu wachen hatte, nicht in Rom eingeführt
werde; statt ihrer sollte "nur ein Censor da sein, der die Männer lehre,
ihre Weiber gehörig zu leiten".[56]
Und Cornelius Nepos spricht in der Vorrede zu seinen Biographieen seine
Zustimmung zu nichts anderem aus, als dazu, daß die Römerin im Gegensatz
zur Griechin an Gastmählern teilnehme, Besuche empfange und nicht wie
jene im Frauenhaus eingesperrt sei.[57] Wichtiger, als diese kurzen
Bemerkungen, die nur deshalb erwähnenswert sind, weil ihre Bedeutung
leicht überschätzt und Cicero zuweilen als Vorkämpfer der
Frauenemanzipationgefeiert wird, ist die Schrift Plutarchs über die
Tugenden der Weiber. Er erzählt darin von einer ganzen Anzahl edler und
heldenmütiger Frauen und erklärt in der Einleitung, durch diese
historische Beweisführung den Satz bewahrheiten zu wollen, daß die
Tugend des Mannes und die des Weibes gleich sei.[58] Aber auch er ist
weit entfernt davon, den Schluß auf die Notwendigkeit gleicher Rechte
daraus zu ziehen.
Weit mehr als diesen zweifelhaften "Vorkämpfern" der Sache der Frauen
ging einem anderen, geistig und moralisch höher stehenden römischen
Schriftsteller--Tacitus--die Not seiner Zeit, die unwürdige Stellung
seiner weiblichen Landsleute zu Herzen, und mit tieferem Ernst als sie
suchte er dagegen anzukämpfen. Er entwarf von dem Volk der Germanen ein
schattenloses Bild und der Gedanke liegt nahe, er habe es hauptsächlich
geschrieben, damit Rom an dieser schlichten Reinheit seine eigene
Verworfenheit erkennen möge. Er glaubte an die Wirkung des guten
Beispiels mehr als an die wohlgemeinter Predigten und zog dabei nicht in
Betracht, daß gute Sitten sich nicht durch den guten Willen verpflanzen
lassen, sondern von selbst aus dem gesunden Boden der Volksnatur
hervorwachsen müssen.
In allen Völkern, deren Entwicklungsstufe dem Urzustand am nächsten
steht, die den schroffen Gegensatz von arm und reich, frei und unfrei
noch nicht kennen, ist die Lage der Frauen eine verhältnismäßig
günstige, weil die für die ganze Familie notwendig auszuführende Arbeit
allein in ihren Händen ruht, weil die Bildung der beiden Geschlechter
eine gleiche ist, und die uralte göttliche Verehrung der Mutterschaft
ihren Glorienschein noch auf das Weib zurückwirft. Die germanische Frau
erschien Tacitus in ihrer Keuschheit, ihrem Fleiß, ihrer Einfachheit als
das gerade Widerspiel der sittenlosen, faulen, verschwenderischen
Römerin. Mit dem Tode wurde der Ehebruch bestraft, mit Peitschenhieben
vertrieb man die Dirne aus dem Heerbann; "verführen und verführt werden
nennt man nicht Zeitgeist, und mehr wirken dort gute Sitten als anderswo
gute Gesetze."[59] Die Mühseligkeiten mondelanger Wanderungen mit
Kindern und Hausgerät, die Schrecken der Fehden und Kriege teilten die
Weiber mit den Männern. Das Klima ihrer Heimat und die Strapazen ihres
Lebens hatten sie widerstandsfähiger und kräftiger werden lassen als
andere ihres Geschlechts. Trotz alledem war die Germanin nicht der Typus
der glücklichen, freien, gleichberechtigten Frau, wie sie einem Tacitus
auf den ersten flüchtigen Blick erscheinen mochte. Auch sie war nur des
Mannes willenloses Eigentum; alle Arbeit, auch die des Feldes, lag
allein in ihren Händen, während der Mann im Frieden auf der Bärenhaut
lag. Sie mußte den Pflug führen und auf schweren Handmühlen das Getreide
mahlen, sie mußte die Hütte aufrichten, backen, Meth brauen, spinnen und
weben; sie blieb auch dann noch überlastet, als nach den großen
Wanderungen auch die Männer Ackerbauer geworden waren, denn das Gebiet
ihrer Thätigkeit umspannte, außer der häuslichen Wirtschaft, die
Viehzucht, die Schafschur, die Flachsbereitung und nicht zum mindesten
die aufmerksame Bedienung des Mannes.[60]
In der ganzen heidnischen Welt finden wir in Bezug auf die Stellung der
Frau nur Gradunterschiede. Infolge ihrer Geschlechtsfunktionen und der
notwendig daraus folgenden Beschränkungen war sie dem Manne
untergeordnet; Religion, Recht und Sitte heiligten und befestigten
diesen Zustand. Die wirtschaftlichen Verhältnisse trieben sie noch nicht
in den offenen Konkurrenzkampf mit dem Mann; selbst die Sklavin war
nicht die Konkurrentin, sondern die Leidensgenossin des Sklaven, und es
gab daher wohl Sklavenkriege, aber keine Frauenbewegungen. Erst mußte
die Frauenfrage in ihrer ganzen Schärfe formuliert werden, ehe eine
Bewegung sich ihre Lösung zum Ziel setzen konnte. Nur leise Spuren von
ihr haben wir in Griechenland und Rom verfolgen können. Mit dem
Zusammenbruch der antiken Gesellschaft und dem allmählichen Auftauchen
neuer Lebens- und Arbeitsformen tritt sie immer deutlicher hervor, bis
sie auf jenen Höhepunkt gelangt, von wo aus ihr Flammenzeichen überall
sichtbar werden sollte.
2. Das Christentum und die Frauen.
Während Rom auf der Höhe seiner äußeren Macht zu stehen schien, im
Innern aber von der schleichenden Krankheit der allgemeinen Korruption
so zerfressen wurde, daß sein Zusammensturz nahe bevorstand, war über
Bethlehem, mitten unter dem geknechteten, geschmähten Judenvolk jener
Stern aufgegangen, durch dessen Glanz Rom zu neuer Weltherrschaft
auferstehen sollte.
Es ist hier nicht der Ort, den innigen Zusammenhang der Entstehung des
Christentums mit den wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen der
Zeit, in der es sich ausbreitete, näher zu erörtern. Es mußte über den
Kreis des armen Volks, dem sein Gründer angehörte, schnell
hinauswachsen, weil der Boden im römischen Reich überall dafür
vorbereitet war. Den Philosophen waren seine Gedanken zum Teil schon
vertraut; von dem Nebenmenschen als dem Bruder hatte schon Plato
gesprochen; die Stoiker lehrten die Verachtung irdischer Güter und waren
die ersten gewesen, die erklärten, daß der Mensch auch gegen seine
Sklaven moralische Verpflichtungen zu erfüllen habe. Und der Mühseligen
und Beladenen gab es mehr als genug; für sie alle war das Christentum
der Rettungsanker, der sie über ihr eigenes Elend hinaushob, der
Hoffnungsstrahl, der in ihre Nacht leuchtete. Es war nicht jene vage
Hoffnung der späteren Christen, die von der ewigen Seligkeit die
Entschädigung für ihre irdischen Schmerzen erwarteten, sondern der
sichere Glaube an das nahe Ende der Welt, an die Wiederkehr Christi und
an die Aufrichtung des tausendjährigen Reiches. Unter all den Armen und
Elenden, die ihm zuströmten, kamen auch jene gequältesten aller Menschen
in Scharen, die Frauen. Ihnen brachte das Christentum neben dem Trost
und der Hoffnung, die es allen Unterdrückten brachte, noch etwas ganz
Besonderes: Die Gleichwertung des Weibes mit dem Manne als moralisches
Wesen, als "Kind Gottes".
Sowohl die orthodoxen Anhänger des Christentums als seine fanatischen
Verächter sind, soweit sie für die Frauenemanzipation eintreten, anderer
Ansicht. Die einen behaupten, indem sie das Wort des Apostels Paulus:
"Hier ist kein Jude noch Grieche, hier ist kein Knecht noch Freier,
hier ist kein Mann noch Weib;"[61] aus dem Zusammenhang herausreißen,
daß das Christentum sich darin für die volle Gleichberechtigung der
Frauen ausspricht; die anderen stützen sich auf jenen Satz desselben
Apostels: "Das Weib schweige in der Gemeine,"[62] wenn sie erklären, das
Christentum habe das weibliche Geschlecht nicht nur nicht befreit,
sondern nur noch vollständiger geknechtet.
Das ursprüngliche Christentum aber ist von beiden Meinungen gleich weit
entfernt. Eine Frauenemanzipation im modernen Sinn ist ihm ebenso fremd,
wie eine Emanzipation der Sklaven ihm fremd war. Dagegen hatten Leid,
Not und Unterdrückung die männlichen und weiblichen Lasttiere der
Gesellschaft so aneinander gekettet, daß die neue Religion beiden
denselben Trost, dieselbe Hoffnung, dieselben Vorschriften geben mußte.
Wenn der Apostel Paulus sagt: "hier ist kein Mann noch Weib", so fügt er
gleich hinzu: "ihr seid allzumal einer in Christo Jesu" und schickt
voraus: "ihr seid alle Gottes Kinder durch den Glauben an Christo
Jesu".[63] Nur vor Gott also, nicht vor dem Staat, sind Herren und
Sklaven, Männer und Frauen gleich. Aber auch die Verachtung des Weibes
ist keine ursprüngliche Lehre des Christentums. Wenn als eine natürliche
Reaktion gegen die furchtbaren geschlechtlichen Ausschweifungen jener
Zeit die Enthaltung von allem Geschlechtsverkehr als besonders heilig
und eines Christen würdig gepriesen wurde, so wurde die keusche Jungfrau
stets dem keuschen Jüngling gleich gestellt.[64] Nicht der Mann wurde
vor der Berührung des Weibes, als des bösen Prinzips, gewarnt, sondern
beiden wurde der ledige Stand als der gottgefälligere anempfohlen.[65]
Wie wir wissen, galt bei den Alten der Ehebruch des Weibes für ein
todeswürdiges Verbrechen, während der ehebrecherische Mann zumeist
straflos ausging. Christus stellte das sündige Weib dem sündigen Manne
gleich, indem er sagte: "wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den
ersten Stein auf sie", und er verdammte die Reuevolle nicht.[66] Er
forderte von beiden die eheliche Treue,[67] seine Jünger verlangten vom
Mann, daß er sein Weib liebe, wie sie ihn,[68] und die Ausgießung des
heiligen Geistes erfolgte ausdrücklich über "Söhne und Töchter".[69] In
dieser moralischen Gleichstellung der Frau mit dem Mann liegt die
Bedeutung des Christentums für das weibliche Geschlecht. Weiter aber
reicht sie nicht. Alle Einzelvorschriften, soweit sie sich auf das Weib
beziehen, erheben sich nicht über die bekannten religiösen und
weltlichen Gesetze der morgen- und abendländischen Völker. Das Weib muß
dem Manne gehorchen, ihm unterthan,[70] schweigsam und häuslich
sein,[71] es darf weder lernen noch lehren[72] und soll selig werden
durch Kinderzeugen.[73] Das alles bedeutet keinen Fortschritt in Bezug
auf die Auffassung von der Stellung des weiblichen Geschlechts, aber es
bedeutet ebensowenig eine verschärfte Knechtung.
Erst als das Christentum aus einer Religion der Armen und Verfolgten zur
Staatsreligion wurde, erfuhr es seitens seiner Hauptträger eine den
neuen Verhältnissen entsprechende Umwandlung. Die Kirchenväter und die
Gesetzgeber des kanonischen Rechts nutzten Aussprüche Christi und der
Apostel insoweit aus, als sie der Ausbreitung der Macht der Kirche
förderlich sein konnten, und ließen andere außer acht, die diesem Zweck
nicht dienstbar zu machen waren. Während Paulus seine Predigt von der
größeren Heiligkeit des ehelosen Lebens nicht nur an beide Geschlechter
richtet, sondern sie ausdrücklich damit einleitet, daß er sagt, er teile
nur seine eigene Meinung, nicht ein Gebot des Herrn mit,[74] klammerten
sich asketische Eiferer an Sätze wie: "Es ist dem Menschen gut, daß er
kein Weib berühre",[75] und "Adam ward nicht verführet; das Weib aber
ward verführet und hat die Uebertretung eingeführet"[76] und verdammten
die Ehe als ein Laster, das Weib als diejenige, die dem Teufel Eingang
verschaffte.[77] Das kanonische Recht erhob die Auslegungen der
apostolischen Lehren durch die Kirchenväter zum Gesetz, indem es unter
anderem verfügte: "die Frau ist nicht nach dem Bilde Gottes geschaffen.
Adam ist durch Eva verführt worden und nicht Eva durch Adam. Es ist
daher recht, daß der Mann der Herr der Frau sei, die ihn zur Sünde
reizte, auf daß er nicht wieder falle. Das Gesetz befiehlt, daß die Frau
dem Manne unterworfen und beinahe seine Dienerin sei."[78]
Am deutlichsten jedoch kam die niedrige Auffassung, welche die römische
Kirche vom Weibe hatte, dort zum Ausdruck, wo sie dem Rechtsbewußtsein
der Germanen gegenübertritt, und zwar ist eine einzige Thatsache
ausreichend, um den Gegensatz beider zu kennzeichnen: die Germanen
verlangten für ein verletztes Weib ein höheres Wehrgeld als für einen
verletzten Mann, weil sie in jedem Weibe die Mutter ehrten, und die
Schwache und Wehrlose zu verwunden für besonders schmachvoll galt; vom
Mörder einer Frau forderten sie ein zweimal höheres Wehrgeld, als vom
Mörder eines Mannes. Nach dem ersten Gesetzbuch dagegen, das durch die
römische Kirche einem germanischen Volke gegeben wurde--dem Fuero juzgo
der Wisigoten--und das in Bezug auf die Ansichten des Klerus von den
Rechten der Frau typisch ist, galt des Weibes Leben nur halb so viel als
das des Mannes, denn ihrem Mörder wurde nur die halbe Buße
auferlegt.[79]
In einer Beziehung nur machte die römische Kirche den heidnischen
Germanen und ihrer Verehrung des mütterlichen Prinzips in der Natur eine
Konzession, um sie dadurch leichter unter Kreuz und Krummstab zwingen zu
können: sie erhob die Mutter mit dem Kind auf den Thron des Himmels.
Dem ursprünglichen Christentum hatte der Kultus der Frau fern gelegen;
die Mutter Jesu verschwindet in den Evangelien fast vollständig,
Christus selbst weist sie hart zurück, als sie wagt, ihm einmal einen
mütterlichen Rat zu geben. Ihre Gestalt, wie sie der Katholizismus heute
kennt, und die Verehrung, die ihr gezollt wird, sind nichts anderes als
eine Reminiszenz an den heidnischen Götterdienst. Die Kirche verstand
es, die heidnischen Feste durch christliche, die Götter durch Heilige zu
ersetzen und den Germanen das Christentum durch die "Mutter Gottes"
vertraut zu machen. Daß der Madonnenkultus ein dem Baum der Kirche
künstlich aufgepfropftes Reis war, geht schon daraus hervor, daß trotz
der Verehrung der himmlischen Jungfrau die Missachtung des weiblichen
Geschlechts sich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt steigerte.
Die "Kreuzigung des Fleisches" wurde gleichbedeutend mit der Flucht vor
dem Weibe. Auf dem Konzil zu Mâcon entschied sich die Majorität dafür,
dem Klerus zu befehlen, die Frauen zu fliehen. Das Konzil zu Metz
verschärfte diesen Befehl, indem es den Priestern sogar den Umgang mit
Mutter und Schwester verbot. Während sich in der ersten Zeit des
Christentums nur die Mönche dem Gebot der Keuschheit unterworfen hatten,
wurde es nun für den gesamten Klerus obligatorisch. Die Folgen des
Cölibats einer großen Zahl von Männern--meist der geistig
hervorragendsten ihrer Zeit--waren von weittragender Bedeutung. Wohl hat
sich die Kirche in ihnen eine Armee hingebender Kämpfer geschaffen, die
durch keinerlei Familieninteressen von ihren Pflichten ihr gegenüber
abgelenkt wurden, aber wenn sie glaubte durch die Verherrlichung der
Keuschheit, durch die erzwungene Abtötung der geschlechtlichen Triebe im
Dienste einer höheren Sittlichkeit zu handeln, so hatte sie nur mit
abstrakten Theorieen, nicht aber mit der lebendigen Natur gerechnet. Sie
erreichte nicht nur das Gegenteil von dem, was sie bezweckte, denn neben
dem außerehelichen Geschlechtsverkehr und der raschen Zunahme der
Prostitution wuchsen besonders in den Klöstern die widernatürlichen
Laster empor, sie fügte dem ganzen sittlichen Leben des Volkes einen
Schaden zu, an dem es noch heute krankt, und durch den das weibliche
Geschlecht am schwersten getroffen wird. Sie degradierte die
natürlichsten Beziehungen der Geschlechter zu einander und suchte sie
als etwas, dessen sich der Mensch schämen müsse, zu verhüllen; die Ehe
war für sie in erster Linie eine "Vereinigung der Seelen", selbst die
Geschlechtsliebe in der Ehe galt für sündhaft oder besten Falls für
einen Tribut, den der Mensch seiner sittlichen Schwachheit, seiner
Gottentfremdung bringen müsse.[80] Die äußere Heiligung der Ehe durch
ihre Erhebung zum Sakrament und die Erklärung ihrer Unauflöslichkeit hat
die innere Zerstörung, der die tiefste Beziehung der Menschen zu
einander durch die Kirche ausgesetzt wurde, nicht aufzuhalten vermocht.
Heuchelei, Prüderie, Unterdrückung der besten Gefühle durch eine falsche
Moralität sind die Folgen davon und ein großer Teil der psychologischen
und sittlichen Seite der Frauenfrage ist auf die durch die römische
Kirche dem Volksbewußtsein eingeimpfte Meinung von Liebe und Ehe
zurückzuführen.
Aber auch nach anderer Richtung hin wurde die Entstehung der Frauenfrage
durch die Kirche beeinflußt: der wachsenden Zahl der ehelosen
Geistlichen und Mönche stand eine gleiche Zahl alleinstehender Frauen
gegenüber. Die Gründung der Nonnenklöster war eine notwendige Folge
davon. In Massen strömten die Frauen in ihre schützenden Mauern. Es
blieb ihnen nur die Wahl zwischen dem Kloster und dem Frauenhaus und
wenn auch viele nur Nahrung und Obdach suchten, so wurde doch auch die
Zahl derer immer größer, die sich vor den Unbilden des rauhen Lebens
draußen in der Welt nach einer Stätte friedlicher Arbeit und geistiger
Vertiefung sehnten. In den Klöstern wurde den Frauen eine im Vergleich
zur allgemeinen Bildung ihres Geschlechts hohe Gelehrsamkeit zu teil.
Sie lernten die klassischen Sprachen und gewisse Zweige der
Wissenschaften und manche weise Klosterfrau wurde die Beraterin von
Päpsten und Königen. Eine solche war Hildegard von Bockelheim, die
Aebtissin des Klosters Rupprechtshausen, die im 11. Jahrhundert neben
Heiligengeschichten eine Reihe physikalischer und zoologischer Werke
schrieb.[81] Auf derselben Stufe der Bildung stand die vielbewunderte
"nordische Seherin" Brigitta von Schweden[82] und Hrotswith, die
lateinische Dichterin der Ottonenzeit. Viele gelehrte Nonnen
beschäftigten sich mit dem Abschreiben alter Werke, dem Malen von
Initialen und Miniaturen, während andere als Lehrerinnen in den
Mädchenschulen ihrer Klöster, als Krankenpflegerinnen, Stickerinnen,
Weberinnen und Wäscherinnen thätig waren. So lösten die Klöster zum Teil
die mittelalterliche Frauenfrage, indem sie nicht nur der großen Menge
alleinstehender Frauen eine Zuflucht gewährten, sondern sie auch geistig
auf eine höhere Stufe erhoben und ihnen selbständige Berufe eröffneten.
Freilich darf nicht vergessen werden, daß ihre Bedeutung für die Hebung
des weiblichen Geschlechts nur ein paar Jahrhunderte lang geltend blieb,
denn schon mit dem 11. und 12. Jahrhundert begann ihr sittlicher
Verfall. Die bedenklichen, sich immer häufiger wiederholenden
Gründungen von Doppelklöstern,--Mönchs- und Nonnenklöster dicht
nebeneinander,--gaben mit den Anlaß dazu. Die Natur ließ ihrer nicht
spotten; sie siegte über einen asketischen Fanatismus, der die
unfruchtbaren "Gottesbräute" heilig sprach und die Mütter vor ihnen
erniedrigte. Aus Orten der Gelehrsamkeit und des Fleißes wurden die
Klöster Orte des geistigen Stumpfsinns und der Trägheit, aus Stätten
frommer Andacht und reiner Sitte, Stätten lüsterner Freuden und wilder
Unzucht. Die Reformation fegte sie fort, und es ist nicht zu verwundern,
daß die Reformatoren in ihrem blinden Eifer vergaßen, den Weizen von der
Spreu zu sondern. Sie schadeten dadurch dem weiblichen Geschlecht um so
mehr, als es in den Stürmen des dreißigjährigen Krieges und dem
allgemeinen wirtschaftlichen Niedergang Zufluchtsstätten dringend nötig
hatte und in ihrer Ermangelung der Prostitution mehr denn je in die Arme
getrieben wurde.
Auch die Ansicht, die die Reformatoren vom Weibe hatten, war nicht
geeignet, es aus seiner gedrückten physischen und moralischen Lage zu
befreien. In schroffem Gegensatz zu der katholischen Predigt von der
Kreuzigung des Fleisches und der Verherrlichung des Cölibats hielten sie
das eheliche Leben für das eines Christen allein würdige,[83] aber nicht
als eine "Vereinigung der Seelen", sondern ausdrücklich als ein
"weltlich Geschäft", eine Vereinigung von Mann und Weib zur Befriedigung
natürlicher Bedürfnisse. Luther ging soweit, zu erklären, daß der Mann
das Recht habe mit der Magd sich einzulassen, oder sein Weib zu
verstoßen, wenn es ihm nicht zu Willen sei[84] und er gestattete sogar
dem Landgrafen Philipp von Hessen, eine zweite Ehe neben der ersten zu
schließen, weil er eine Doppelehe für sittlicher hielt, als eine
Mätressenwirtschaft und von der Unterdrückung sinnlicher Leidenschaft
nichts wissen wollte. Nach ihm war die Frau ausschließlich für den Mann
geschaffen; um Haushaltung und Kinderwartung allein hatte sie sich zu
kümmern,[85] eine Ansicht, die sich in der orthodoxen protestantischen
Kirche bis in die Neuzeit hinein erhalten hat.[86] Dem, übrigens
sagenhaften Streit der katholischen Priester zu Mâcon, ob die Frau eine
Seele habe, können die einundfünfzig Thesen der Wittenberger
Protestanten, welche beweisen sollten, daß die Weiber keine Menschen
seien, würdig zur Seite gestellt werden.
Das Christentum, dem die Frauen so begeistert wie einem Befreier
entgegenkamen, für das sie glaubensmutig den Märtyrertod starben, hat
ihre Hoffnungen nicht erfüllt. Mehr noch als aus den direkten
Beziehungen der Kirche zu den Frauen, tritt diese Thatsache aus der
allgemeinen Lage des weiblichen Geschlechts in rechtlicher,
wirtschaftlicher und sittlicher Beziehung während der geschichtlichen
Entwicklung der früheren Jahrhunderte hervor.
Das germanische Recht, dem das Gefühl der Hochachtung für die Frau und
Mutter zu Grunde lag, machte mehr und mehr jenem Rechte Platz, das dem
heidnischen und dem christlichen Rom zusammen seinen Ursprung verdankte,
und daher für das weibliche Geschlecht nur nachteilig sein konnte. Wie
es im allgemeinen sein Grundzug war, die Heiligkeit und
Unverletzlichkeit des Privateigentums scharf zu betonen, so trat diese
Tendenz besonders in Bezug auf die Frau hervor, die als des Mannes
unumschränktes Eigentum angesehen wurde. Der Vater konnte seine Tochter
vermählen, mit wem er wollte; der Vormund hatte volles Verfügungsrecht
über sein Mündel. Der Mann konnte sein Weib verschenken, ja bis ins 13.
Jahrhundert herein war es ihm im Notfall sogar gestattet, es zu
verkaufen.[87] Seine Witwe konnte er einem anderen vermachen, wie jedes
Stück seines Vermögens; und charakteristisch für die Rechtsanschauung
der Zeit war es, daß nur die Frau die Ehe brechen konnte,[88] denn sie
beging dadurch ein Verbrechen an des Mannes Eigentum; dagegen war er
unbeschränkt in der Freiheit, neben der Ehe im Konkubinat zu leben,
niemand nahm Aergernis daran. Aber auch ihrem Kinde gegenüber befand
sich die Frau, sofern es männlichen Geschlechts war, in untergeordneter
Stellung. Nur während der ersten Kindheit hatte die Mutter rechtliche
Gewalt über den Sohn. Mit dem siebenten Jahre schon war er ihr
entwachsen[89] und konnte sich z.B. in Friesland, falls sein Vater nicht
mehr am Leben war, selbst für mündig erklären und der Vormund der
eigenen Mutter werden.
Wie in der Familie, so war die Frau natürlich auch sonst überall
rechtlos. Sie konnte keinerlei Geschäfte selbständig abschließen; es war
genau vorgeschrieben, für welche Summe die Hausfrau, ohne die
Einwilligung des Hausherrn einzuholen, Einkäufe machen durfte. Nach
päpstlichem Recht konnte sie nicht als Zeugin auftreten, da ihr Zeugnis
stets für unzuverlässig galt.[90] Wo das Landesrecht es ihr gestattete,
wie z.B. im Kanton Bern, hatte nur die Aussage zweier Frauen die
Beweiskraft der eines Mannes.[91]
Hinter all diesen Vorschriften standen die höchsten Autoritäten:
Staat und Kirche. Gehorsam, Bescheidenheit, Unterwürfigkeit,
Selbstlosigkeit--das waren die Tugenden, die den Frauen von früh an
gepriesen wurden und die sie mit allen Unfreien gemeinsam hatten. Die
Gleichwertigkeit aller Menschen,--der Herren und Knechte, der Männer und
Weiber,--war ein Begriff, der mit dem primitiven Christentum wieder
verschwunden war.
3. Die wirtschaftliche Lage der Frauen.
Es giebt nur wenige Thatsachen, die gegen die Behauptung, daß das
Fortschreiten der Menschheit zu höherer Kultur von sittlichen Ideen und
moralischen Reformen in erster Linie abhängig sei, so schwer ins Gewicht
fallen, als die Entwicklung ethischer Religionen, wie z.B. die des
Christentums. Solange sie sich auf einen kleinen Kreis Gläubiger
beschränkten, blieben sie auf ihrer sittlichen Höhe, je mehr sie sich
jedoch ausbreiteten, desto mehr mußten sie sich den äußeren
Verhältnissen anbequemen, desto mehr sahen sie sich, wenn sie nicht ganz
untergehen wollten, gezwungen, ihnen ein Ideal nach dem anderen zu
opfern. So hatten auch die Grundforderungen des Urchristentums der
wirtschaftlichen Entwicklung, die zu Beginn des Mittelalters einen Stand
unfreier, gehorsamer, demütiger Arbeiter kategorisch forderte, weichen
müssen.
Jeder Hof, jede Burg waren mit ihren Feldern und Wäldern ein
wirtschaftliches Zentrum für sich, in dem aller Bedarf der Einwohner von
ihnen selbst geschaffen werden mußte. Der Herr des Landes war zugleich
ihr Herr, dem sie leibeigen waren, dem ihre Arbeitskraft, dem ihr Leben
selbst gehörte. "Er ist mein eigen, ich mag ihn sieden oder braten",
lautet ein altes Sprichwort, das der Freie dem Unfreien gegenüber
gebrauchte. Drastisch schilderte der englische Rechtsspiegel des 13.
Jahrhunderts die Lage der Hörigen, indem er sagt: "Diese können nichts
erwerben, es sei denn für ihre Herren; sie wissen am Abend nicht, welche
Dienste ihrer am Morgen warten; sie können von ihren Herren geschlagen,
gestoßen, gefangen werden ... Sie haben keinen Willen ohne ihre Herren,
und wenn sie im Eigentum ihrer Herren wohnen, so geschieht dies aus
Gnade, ohne Sicherheit, von einem Tage zum anderen."[92] Die Hörigkeit
war an Stelle der Sklaverei getreten und wies ihr gegenüber kaum
nennenswerte rechtliche und sittliche Fortschritte auf, sodaß ein hoher
Grad von Selbstbetrug dazu gehört, wenn die christliche Kirche
behauptet, sie habe die Sklaverei abgeschafft, und sei thatsächlich,
ihrem Ursprung getreu, ein Hort der Armen und Unterdrückten geworden.
Ihre Organe, die Priester und Aebte, übten dieselben Herrenrechte aus,
wie die Fürsten und weltlichen Machthaber. Das Los der Hörigen der
Klöster war kein besseres, als das derer, die im Dienste der Ritter
standen. Da sie nicht, wie die Sklaven, gekauft werden konnten, und es
für ihre Herren bei der Ausdehnung von Landbau und Industrie wichtig
war, eine genügende Zahl Arbeiter zu besitzen, galt es, sie zu züchten,
wie das vierfüßige Eigentum. Die Klöster, deren Macht auf ihrem Reichtum
beruhte, hatten strenge Vorschriften in Bezug auf die Heirat unter ihren
Hörigen. Klöster desselben Ordens pflegten sie untereinander
auszutauschen, um eine gleichmäßige Verteilung der Geschlechter
herbeizuführen und, durch Vermeidung der Ehen unter Verwandten, einen
kräftigen Nachwuchs zu erzielen. Jeder Herr hatte das Recht, die Heirat
einer hörigen Frau mit dem Hörigen eines anderen Herrn zu verbieten,[93]
oder sie nur dann zu gestatten, wenn statt der ihm verloren gehenden
Arbeitskraft eine andere geliefert wurde. Mit der Zeit entwickelte sich
daraus eine bestimmte Abgabe, die eine Art Loskaufgeld darstellte. Unter
den Karolingern konnte der Herr die hörige Frau, falls ihm nichts
gezahlt und kein Ersatz für sie gestellt worden war, gewaltsam ihrem
Gatten entreißen,[94] was meist dann geschah, wenn sie mehrere Kinder
geboren hatte, die er zur Hälfte mit der Mutter in seine Dienstbarkeit
zwingen durfte. Die Heiligkeit und Unauflöslichkeit der Ehe wurde nur
insoweit anerkannt, als die Heiligkeit des Eigentums dadurch keinerlei
Schaden litt.
Die Arbeitskraft der Frau wurde besonders hoch geschätzt, denn die
schwersten und notwendigsten Arbeiten lasteten auf ihr. Die geistlichen
und weltlichen Herren hatten auf ihren Burgen, Höfen und Klöstern
ausgedehnte Werkstätten, in denen oft bis zu 300 hörige Frauen mit
Spinnen und Weben, Nähen und Sticken beschäftigt wurden.[95] Den
Stoff gaben nicht nur die Schafschuren und Flachsernten der
Herrengüter,--Arbeiten, die wieder von Frauen verrichtet
wurden,--sondern auch die Abgaben und Lieferungen der Unfreien und
Zinsleute.[96] Wie die moderne Arbeiterin zur Fabrik, so ging die Hörige
zum Frauengemach.[97] Ihre Arbeitszeit dauerte von Sonnenaufgang bis
Sonnenuntergang, erst im späteren Mittelalter wurde das Arbeiten bei
künstlicher Beleuchtung üblich. Lohn bekam sie nicht, dagegen eine meist
unzureichende Beköstigung,[98] und, wo diese fortfiel, vier Pfennig
täglich zu ihrem Unterhalt. Eine Meisterin, die zuweilen die Herrin
selbst war, stand den Arbeiten vor; Zeichnerinnen fertigten die Vorlagen
für die Stickereien an, die überall, auf Männer-und Frauenkleidern,
Wäsche, Wand- und Möbelbezügen angebracht wurden und oft sehr kunstvoll
waren. Geschickte Stickerinnen wurden ebenso hoch geschätzt wie die
Wirkerinnen seidener Bänder zum Besatz der Gewänder oder zum Schmuck des
Zaumzeugs. Da nicht nur für den Hausgebrauch gearbeitet wurde, sondern
stets ein Vorrat von Kleidern und Wäsche zum Geschenk an die Gäste oder
zur Ausstattung des großen Gefolges bei Turnieren und Festlichkeiten
vorhanden sein mußte, so war die Arbeit eine ununterbrochene und der
Arbeitskräfte gab es nie zu wenig. Auch die Herrinnen und ihre Töchter
hatten vollauf zu thun. Wie Weib und Weben schon in einer gewissen
sprachlichen Verwandtschaft steht, so galt das Spinnen und Weben
ausdrücklich für eine der höchsten Tugenden der Frauen. "Sie war fromm
und spann", heißt es häufig auf alten Grabsteinen oder in
Geschlechtsurkunden. "Die Männer sollen streiten, die Frauen sollen
spinnen", mahnte der christliche Volksredner Berthold von Regensburg.
Auch ist diese Frauenthätigkeit trotz ihrer unbeschränkten Ausnutzung
gewiß nicht die schlimmste gewesen. Weit härter war die Landarbeit, die
die hörigen Frauen zu verrichten hatten und zwar nicht nur für den
Gebieter, sondern auch für den eigenen Hausstand, im Dienste des Gatten.
Es ist mehr als eine Anekdote, wenn Lord Mahon in seiner Geschichte
Englands erzählt, daß ein Landmann, der einen Ochsen verloren hatte,
wohl heiratete, um auf solche Art den wohlfeilsten Ersatz zu haben.
Auch der Hausdienst der hörigen Frauen in den Höfen und Burgen war,
infolge der primitiven Hilfsmittel, außerordentlich schwer. Da sie Tag
und Nacht auf dem Posten und ihren Gebietern zur Verfügung stehen
mußten, so wohnten die für diesen Dienst bestimmten Mägde im Burgfrieden
selbst. Sie waren, oft bis hundert an Zahl, in dem neben der Werkstätte
befindlichen Frauenhaus untergebracht, wo sie aber nur schliefen, da
jede Stunde des Tages ihre Kräfte in Anspruch nahm. Vor der Erfindung
der Wassermühlen mußte das Korn von den Mägden mit der Hand gemahlen,
der Mühlstein mit dem Leib gedreht werden. Mit mächtigen Holzscheiten
wurden die riesigen Kamine geheizt, aus dem Brunnen im Hof, oder aus der
Quelle im Thal wurden die Wassereimer heraufgeschleppt. Neben der
Reinigung von Stuben und Küchen, wurde auch der Stall und der Garten
allein von Frauen besorgt.[99] Die Bedienung der Herrin, die Wartung der
Kinder, das Kochen und Auftragen der Speisen und Getränke gehörte
selbstverständlich zu ihrem Dienst. Aber auch die Bedienung der Männer
gehörte dazu. Die Mägde halfen dem Herrn wie jedem Gast beim An- und
Auskleiden, sie bereiteten ihm nicht nur das Bad, sie reichten ihm auch
die Linnentücher und trockneten ihm die Glieder.[100] Wünschte er es, so
mußten sie ihm ohne Widerrede im Schlafgemach Gesellschaft leisten--eine
Sitte, die im späteren Mittelalter so ausartete, daß es eine Forderung
der Gastfreundschaft war, eine Magd dem Gaste während seines Aufenthalts
zur freien Verfügung zu stellen.[101] So wurde die Einrichtung der
Frauenhäuser frühzeitig ein Herd der Prostitution, ein Harem der Ritter
und Fürsten,[102] und das berüchtigte jus primae noctis, dessen
Vorhandensein so vielfach angezweifelt wird, war überall in Kraft, wenn
es auch vielleicht als geschriebenes Recht gar nicht bestanden hat.
Arbeits- oder Lustsklavin--das war das Los der armen und unfreien
Frauen. Mit der durch Fehden, Bürgerzwiste und unaufhörliche Kriege
wachsenden Verelendung des Volkes, mit dem allgemeinen wirtschaftlichen
Niedergang wuchs die Sittenlosigkeit ins Ungemessene. Das jahrelange
familienlose Abenteurerleben der Kreuzfahrer, die den Luxus und die
Laster des Orients mit nach Hause brachten, trug auch nicht wenig dazu
bei. Den europäischen Söldnerheeren folgten Scharen von Dirnen, deren
Zahl sich in jeder Ortschaft vermehrte, wo die männliche Bevölkerung von
den zügellosen Horden niedergemacht, die weibliche geschändet,
und--soweit sie jung war--mitgeschleppt wurde. In kostbaren Gewändern,
hoch zu Roß, oder in Wagen und Sänften, zogen die Konkubinen der
geistlichen und weltlichen Herren mit zu den Reichstagen, den Konzilen
und ins Feld. So folgten dem Heere des Herzogs von Alba nach den
Niederlanden 400 Dirnen zu Pferde und 800 zu Fuße nach.[103] An den
Höfen von Frankreich und England waren vornehme Herren als Marschälle
über die Dirnen gesetzt. Im Felde führten besondere Amtmänner, die
Weibel genannt wurden, die Dirnen, wodurch dieser weibliche Tross eine
legale Existenzberechtigung erhielt. Wohl mochten die Mehrzahl
"fahrender Fräulein" durch bittere Not und harte Gewalt hineingetrieben
worden sein; viele unter ihnen aber, das ist zweifellos, zogen den
Landsknechten nach, weil sie in heißer Liebe und selbstloser Aufopferung
alles Elend und alle Gefahren mit dem Geliebten teilen wollten. So
unflätig und roh die Soldatenlieder jener Zeit uns auch in die Ohren
klingen mögen, wir werden uns dem gefühlswarmen Ton echter Hingebung
nicht verschließen können, der den Grundakkord bildet, sobald der Sänger
von seinem tapferen Liebchen erzählt. Um so höher ist diese Tapferkeit
einzuschätzen, als alles fahrende Volk, die Frauen insbesondere,
vogelfrei, ehr- und rechtlos war. Sie konnten gefangen, beleidigt und
getötet werden--für sie gab es keine Gerechtigkeit.
Auf die Ehe und das Familienleben wirkten die langen Abwesenheiten der
Hausherrn aus mehr als einem Grunde zerstörend: Nur zu häufig suchten
die verlassenen Frauen, wenn sie nicht ein einsames, freudloses Leben
führen wollten, bei jungen Pagen oder schmachtenden Minnesängern Trost,
und die Männer lernten vielfach jene Art Liebe kennen, die von steifer
Konvenienz und falscher Prüderei nichts weiß, die ganz Hingebung und
Aufopferung ist, und sie erfuhren, daß das Weib nicht nur zwischen den
wohlbehüteten friedlichen vier Pfählen des eigenen Heims eine sorgsame
Hausfrau sein kann, sondern daß sie als froher, bedürfnisloser
Zeltgenoß, als guter Kamerad Seiten ihres Wesens enthüllt, die er sonst
kennen zu lernen keine Gelegenheit hatte, und deren Wert unschätzbar
ist. Während die Kirche durch ihre übersinnliche Auffassung von der Ehe
erstickenden Mehltau auf die Blumen echter Liebe streute, wirkte die
Ausbreitung der mittelalterlichen freien Liebe wie glühender Sonnenbrand
auf eine nur an Schatten gewöhnte Pflanze. Der Ursprung dieser
tiefernsten und viel zu gering geachteten psychologischen und sittlichen
Seite der Frauenfrage reicht bis hierher zurück. Daß die für unheilig
erklärte, aus der Ehe herausgetriebene Liebesleidenschaft immer roher
und zügelloser und statt der Kern der Lebensfreude, der Sporn zu allem
Schönen und Großen, der Ausgang furchtbarer Laster und Verirrungen
wurde, ist bei den wirtschaftlichen, rechtlichen und politischen
Zuständen des Mittelalters nicht zu verwundern.
Mit dem Aufblühen der Städte, dem verhältnismäßigen Wohlstand und
ruhigen, gesicherten Leben ihrer Bürger schienen im Schutze ihrer Mauern
die sittlichen Zustände reinere zu werden. Aber die tiefgreifende
Umwandlung der Arbeit und ihrer Bedingungen, die an Stelle der hörigen
Arbeiterin nach und nach den freien Handwerker treten, die Arbeiten der
Hausfrau und ihrer Mägde durch die verschiedenartigsten Gewerbe
übernehmen ließ, machte die Arbeitskraft zahlloser Frauen überflüssig,
sie selbst brot- und obdachlos, und führte sie dem Laster in die Arme.
Die ehrsamen Bürger, vor deren Augen die Prostitution sich mehr und mehr
breit machte, wußten diesem Uebelstand nicht anders zu begegnen, als
indem sie sogenannte Töchterhäuser oder Jungfrauenhöfe, die Nachfolger
der antiken Lupanare und Vorläufer der modernen Bordelle errichteten.
Sie verbargen dadurch nicht nur den ärgerniserregenden Anblick der
Dirnen, sie schufen sich auch einen geordneten, gesetzlich
sanktionierten Zugang zu ihnen, und halfen mit ihrer Schande den
Stadtsäckel füllen.[104] Der Magistrat verpachtete nämlich die Häuser an
Wirte und Wirtinnen, die sich eidlich verpflichten mußten, "der Stadt
treu und hold zu sein und Frauen zu werben".[105] Vornehme Gäste wurden
vom Magistrat selbst in die offenen Häuser geführt, oder von den
schönsten, festlich geschmückten oder ganz entkleideten Dirnen
empfangen. Jetzt erst wurde die Prostitution zum Gewerbe, das auch
äußerlich durch genau vorgeschriebene Kleidung kenntlich gemacht wurde,
jetzt erst haftete auf der Stirn der Dirne, die als "fahrendes Fräulein"
doch noch die Freiheit gehabt hatte, sich durch reine Liebe über sich
selbst zu erheben, das unauslöschliche Brandmal der Schande.
Sich auf ehrliche Weise durch das Leben zu schlagen, wurde dem
weiblichen Teil der städtischen Bevölkerung zunächst außerordentlich
erschwert, denn das zünftige Handwerk monopolisierte die Arbeit und
schloß die Frauen aus seinen Verbindungen überall aus. Trotzdem ergab es
sich von selbst, daß der Handwerker Frau und Töchter, deren Arbeitskraft
nicht mehr, wie früher, vom Haushalt allein in Anspruch genommen wurde,
zur Hilfe bei der Arbeit heranzog und schließlich auch die Mägde daran
teilnehmen ließ. Das Augsburger Stadtrecht des Jahres 1276 spricht schon
von Sohn oder Tochter, die das Handwerk lernen; das Zunftbuch der
Mainzer Schneider von 1362 gestattet dem Handwerker ausdrücklich, Frau,
Kinder und Magd zum Nähen zu verwenden, auch im Nürnberger Stadtrecht
ist von "Knaben oder Mägdelein" als Erlerner eines Handwerks oder einer
Kunst die Rede, und eine Londoner Proklamation des 14. Jahrhunderts über
die Aufnahme der Lehrlinge wendet sich an beide Geschlechter. Die
Mitarbeit der Frauen wurde aber keineswegs als Erziehung zur
gleichberechtigten selbständigen Ausübung des Handwerks betrachtet,
denn zunächst blieben ihnen trotz dieser Bestimmungen die Zünfte noch
verschlossen. Da aber die Zahl derjenigen schnell zunahm, die sich ihre
Lehrzeit bei dem Vater oder dem Meister zu Nutze machten, das Handwerk
selbständig betrieben und durch Unterbieten der üblichen Preise eine
gefährliche Konkurrenz zu werden drohten, entschlossen sich die
Handwerker auch den Frauen gegenüber den Zunftzwang auszuüben. So zwang
der Rat von Soest im Jahre 1317 die Näherinnen, der Zunft beizutreten.
Wenige Jahre später verfügte der Straßburger Rat infolge der Klagen der
Wollenweber über die außerhalb der Zunft arbeitenden Frauen, daß die
Weberinnen ihr beitreten müßten, und auch die in großer Zahl für sich
arbeitenden Schleier- und Leinenweberinnen hatten, der Zahl ihrer Stühle
entsprechend, einen Beitrag an die Zunft zu entrichten.[106]
Trotzdem die Notwendigkeit der Beteiligung der Frauen am zünftigen
Handwerk somit anerkannt wurde, waren doch nur in den seltensten Fällen
die Bestimmungen für beide Geschlechter die gleichen. Der Eintritt der
Frauen in die Handwerke, die an die Körperkräfte große Anforderungen
stellten, war schon von vornherein ausgeschlossen, weil niemand ein
Meister in seinem Handwerk werden konnte, der es nicht in allen seinen
Teilen selbst mit der Hand zu arbeiten vermochte.[107] Aber auch in den
Zünften, die zahlreiche weibliche Mitglieder hatten, wurden die Frauen
nur selten, z.B. hie und da in der Schneiderei, zur selbständigen
Meisterschaft zugelassen; sie konnten sie meist nur durch Erbschaft
erwerben, sofern sie das Handwerk ihres Mannes bei dessen Lebzeiten
schon betrieben hatten. So heißt es, in Anerkennung der Notwendigkeit
der Erhaltung verwaister Kinder durch die Witwe, in der Schneiderordnung
von Frankfurt a.M. aus dem Jahre 1585: Witwen sollen all das Recht
haben, das ihre Männer hatten, damit sie sich mit ihren Kindern ernähren
können. Diese Bestimmung erfuhr jedoch meist eine große Einschränkung
dadurch, daß die auf solche Weise zur Meisterschaft gelangten Frauen die
Lehrlinge ihres Mannes zwar behalten, aber keine neuen annehmen
durften,[108] sodaß sie nach wenigen Jahren schon aus Mangel an
Hilfskräften das Handwerk wieder aufzugeben gezwungen waren. Nur
ausnahmsweise entschlossen sich einige Zünfte, angesichts der bedrängten
wirtschaftlichen Lage vieler Handwerkerwitwen, dazu, ihnen das Recht
zuzugestehen, ein neues Handwerk zu erlernen, um es, nach Erwerbung der
Meisterschaft, ihren Kindern zu vermachen--eine Bestimmung, die schon
deshalb keine folgenschwere sein konnte, weil eine arme, kinderreiche
Witwe gar nicht die Möglichkeit besaß, eine lange Lehrzeit
durchzumachen.[109] Der einzige Ausweg, der ihr blieb, war fast immer
der, einen Gesellen zu heiraten, wozu sich die Gelegenheit um so
leichter bot, als er dadurch sofort Meister wurde.[110] Der weitere
Vorteil solcher Heirat war der, daß, wenn beide Eheleute desselben
Handwerks Meister waren, sie eine doppelte Zahl von Lehrlingen halten
durften. Dieselbe Bestimmung galt, wenn ein Gesell eine Meisterstochter
heiratete, ja sie verschärfte sich oft noch in der Weise, daß die
Gewinnung der Meisterschaft davon abhing.[111] Die Zünfte suchten
dadurch dem Eindringen einer unerwünschten Menge von Konkurrenten
vorzubeugen, wie sie aus demselben Grunde die Zahl der Lehrlinge
beschränkten, die Lehrjahre verlängerten, oder zu dem letzten
Gewaltmittel, der Schließung des Handwerks, schritten. Ideelle Bedenken
kamen ihnen inmitten des materiellen Kampfes nicht in den Sinn. Daß sie
den Egoismus förderten, der Habgier Thür und Thor öffneten, den
sittlichen Wert der Ehe untergruben, indem sie sie zum bloßen Geschäft
degradierten, und die Frau lediglich ein Mittel zum Zweck wurde, mögen
auch heute die Schwärmer für die gute alte Zeit des romantischen
Mittelalters nicht einsehen. Wo trotzdem ein freiwilliger Liebesbund
zwischen Mitgliedern verschiedener Zünfte vorkam, pflegte die Frau das
Handwerk, das sie als Mädchen gelernt hatte, weiter zu treiben; daraus
ergiebt sich, daß schon vor vier-, fünfhundert Jahren die Not die Frauen
zwang, mitzuverdienen und für die Masse des Volkes das Ideal der auf den
Erwerb nicht angewiesenen Hausfrau und Mutter unerreicht blieb.
Die meisten Frauen waren in der Textilindustrie und in den Weberzünften
zu finden. In Schlesien übertraf schon im 14. Jahrhundert die Zahl der
Garnzieherinnen die der Garnzieher; in Bremen, Köln, Dortmund, Danzig,
Speier, Ulm und München waren die Woll-, Schleier- und Leinenweberinnen
zu Hause.[112] In den Baseler Steuerregistern von 1453 werden zünftige
Teppichwirkerinnen angeführt; aber auch als Kürschner, Bäcker,
Wappensticker, Gürtler, Tuchscherer, Riemenschneider, Lohgerber,
Goldspinner und Goldschläger waren Frauen thätig.[113] Besonders in
Frankreich, für das durch die von Etienne Boileau im Jahre 1254
gesammelten Handwerksstatuten eine genaue Uebersicht der Arbeitsgebiete
des weiblichen Geschlechts ermöglicht ist, waren die Frauen in den
verschiedenartigsten Zweigen des Handwerks beschäftigt. Bei den
Kristallschleifern, den Seidenspinnern, den Leinenhosenmachern, und den
Nadelmachern fanden sich weibliche Lehrlinge und Gesellen in großer
Zahl. In einigen Gewerben, wie bei den Webern und Fransenmachern,
konnten Frauen Meisterinnen werden und Lehrlinge anlernen, und während
im Anfang des Eintritts der Frauen in die Handwerke nur die
Meistertöchter und allenfalls die im Hause dienenden Mägde als
Lehrdirnen zugelassen wurden, traten nach und nach immer mehr fremde
Frauen in die Lehre. Auch in den Bestimmungen der Wollen- und
Leinenweber in München und Speier wird der fremden Lehrmädchen besonders
Erwähnung gethan. Sie rekrutierten sich aus jener zunehmenden Menge
armer Mädchen, die aus dem durch die fortwährenden inneren Fehden
verwüsteten Lande in die Städte getrieben wurden, wo sie hofften,
lohnendere Beschäftigung und größere persönliche Sicherheit zu finden.
Infolge des großen Angebots weiblicher Arbeitskräfte sanken die
Gesellenlöhne und diejenigen Handwerker, die Frauen beschäftigten,
hatten im Wettbewerb vor den anderen einen Vorsprung.[114] Daher machte
der Haß der Gesellen gegen die weiblichen Kollegen sich sehr früh schon
geltend, ohne daß sich dem immer zahlreicheren Eintritt weiblicher
Arbeiter ins Handwerk Einhalt gebieten ließ. Kriege und Seuchen rafften
die Männer hinweg; durch das Zölibat der katholischen Geistlichkeit
wurden viele Frauen selbst zum Zölibat und selbständigen Erwerb ihres
Lebensunterhalts gezwungen. Auch die Bestimmung der meisten Zünfte, daß
der Gesell nicht heiraten, keinen "eigenen Rauch" haben durfte,[115] und
im Hause des Meisters leben mußte, wo seine Arbeitskraft mehr
ausgebeutet, sein Lohn durch Lieferung schlechter Lebensmittel mehr
verkürzt werden konnte, vermehrte die Zahl alleinstehender Mädchen. Die
Maurer-, Zimmerer- und Tuchmachergesellen, die heiraten durften, weil
die Aussicht, Meister zu werden, wegen des großen bei diesen Handwerken
nötigen Kapitals nur gering war,[116] mußten meist auch auf die
selbständige Erwerbsarbeit ihrer Frauen rechnen, weil sie als sogenannte
Stückwerker nur ein sehr geringes Einkommen hatten. Sie, wie die
Gesellen anderer Handwerke, die trotz des Verbotes heirateten, und, aus
der Zunft ausgeschlossen, in kleinen Orten als "Störer" sich
niederließen, durch schlechte Arbeit und niedrige Preise gegen die
Meister der Zunft konkurrierten,[117] bildeten das rasch zunehmende
Proletariat des Handwerks, das den Frauen auch nur Hunger und übermäßige
Arbeit zu bieten hatte. Es einzuschränken, um die schädigende Konkurrenz
los zu werden, war das eifrige Bestreben der Zünfte, die daher auch das
Heiratsverbot noch besonders verschärften, indem sie, wie aus der
Nürnberger Beutlergesellenordnung von 1530 hervorgeht, erklärten, daß
kein Gesell in seinem Handwerk gefördert oder unterstützt werden dürfte,
der ein Weib hat.[118]
Alle diese Umstände zusammengenommen führten dazu, daß nicht nur die
Zahl der Frauen an und für sich die der Männer bei weitem übertraf,
sondern daß auch die Zahl der alleinstehenden, auf selbständigen Erwerb
angewiesenen Frauen eine stets wachsende war. Zwar fehlt es an einer
umfassenden Statistik darüber, die Berechnungen aber, die einzelne
Städte anstellten, lassen auf die allgemeinen Bevölkerungsverhältnisse
annähernd richtige Schlüsse zu. Eine Zählung der Bevölkerung Frankfurts
a.M. im Jahre 1385 ergab auf tausend männliche elfhundert weibliche
Personen; eine zu Nürnberg im Jahre 1449 auf tausend erwachsene Männer
zwölfhundert und sieben Frauen; eine zu Basel im Jahre 1454 auf tausend
Männer über vierzehn Jahren zwölfhundert und sechsundvierzig
Frauen.[119] Die daraus entstehende Frauenfrage mußte sich auch dem
Gedankenlosen aufdrängen, um so mehr als ein erschreckendes Anwachsen
der Prostitution die nächste Folge war. Durch die Einrichtung von
Zünften, die bis auf ein oder zwei Zunftmeister das männliche Geschlecht
ausschlossen, suchten sich die Frauen selbst zu helfen. Die
französischen Seidenspinnerinnen und -Weberinnen, die Putzmacherinnen,
Stickerinnen und Geldtaschenarbeiterinnen des 13. und 14. Jahrhunderts
waren in solchen Zünften vereinigt, an deren Spitze eine
Zunftmeisterin--preudefames--zu stehen pflegte. In Köln bestanden schon
im 13. Jahrhundert verschiedene große weibliche Genossenschaften, wie
die der Spinnerinnen, Näherinnen und Stickerinnen,[120] und die
Garnmacherinnen und Goldspinnerinnen bildeten geschlossene weibliche
Handwerke, die Lehrlinge und Gesellen ausbildeten.[121] Aber dadurch
waren die vielen alleinstehenden Frauen noch nicht untergebracht. Die
Menge der Aermsten blieben vom Handwerk mit seiner langen Lehrzeit und
seiner beschränkten Zahl von Gesellen ausgeschlossen. Um sie
unterzubringen, reichten die Klöster nicht aus, die auch häufig die
Einzahlung eines kleinen Kapitals beim Eintritt der Novize forderten und
die Pforten zum Leben rücksichtslos hinter ihr verriegelten. Die
Zuflucht armer Frauen wurden daher von der Mitte des 13. Jahrhunderts an
die überall entstehenden Beginenanstalten. Es waren dies Vereine, die
der Wohlthätigkeit der Bürger oder der städtischen Initiative ihre
Entstehung verdankten. Sie nahmen in dazu bestimmten Häusern oder
Straßen Mädchen und Frauen auf, die zwar kein Ordensgelübde abzulegen
genötigt wurden, aber doch strengen Satzungen unterworfen waren, gleiche
Kleidung trugen, das Haus nur bei Tage verlassen durften, und ihren
Lebensunterhalt selbst erwerben mußten. Es gab kaum eine größere Stadt,
die nicht mehrere Beginenkonvente hatte; Köln allein besaß deren im 15.
Jahrhundert über hundert mit je acht bis zehn Bewohnerinnen, in Basel
gab es zur selben Zeit etwa 1500, in Paris 2000 Beginen, ein Frankfurt
a.M. gehörten im 14. Jahrhundert 6% der erwachsenen weiblichen
Bevölkerung den Beginenvereinen an.[122]
Das Angebot an billiger weiblicher Arbeitskraft war daher
außerordentlich groß. Die Beginen spannen, webten, nähten und wuschen,
sie kamen in die Häuser der Bürger zur Aushilfe im Haushalt, sie
beschäftigten sich mit jeder Art weiblicher Handarbeit und konnten, weil
sie umsonst wohnten, niemanden als sich selbst zu versorgen hatten und
ihre Bedürfnisse sehr bescheidene waren, mit dem geringsten Lohn
zufrieden sein. Auch außerhalb der Zünfte, der Klöster und der Vereine
wagten es alleinstehende Frauen einen Broterwerb zu suchen. In größeren
Städten gab es zuweilen weltliche Lohnschreiberinnen, die es zu einigem
Ansehen brachten, wie z.B. die Augsburger Bürgerin Klara Hätzler, die
infolge ihrer Gewandtheit sehr gesucht wurde. Häufiger werden weibliche
Aerzte erwähnt; in Frankfurt a.M. wird ihre Zahl am Ende des 14.
Jahrhunderts auf 15 angegeben und aus einem Edikt der französischen
Regierung vom Jahre 1311, wonach Aerzte und Aerztinnen sich einer
Prüfung unterziehen mußten,[123] geht hervor, daß man auch dort an
diesem weiblichen Beruf keinen Anstoß nahm. Jedenfalls war die Zahl der
Frauen, die sich ihm widmeten, zu gering, um den Konkurrenzneid ihrer
männlichen Kollegen zu erregen und sie wäre neben der Masse der armen
Handarbeiterinnen nicht zu erwähnen, wenn nicht daraus zu ersehen wäre,
wie früh die Frauen sich schon gezwungen sahen, auch in die höheren
Berufe einzudringen.
Die ersten, die den Kampf gegen die beängstigende Zunahme der
Frauenarbeit aufnahmen und energisch durchführten, waren die Zünfte.
Nachdem sie zuerst die Konkurrenz der nicht organisierten Arbeiterinnen
dadurch zu unterdrücken gesucht hatten, daß sie ihren Eintritt in die
Zünfte erzwangen, wuchs ihnen jetzt die Konkurrenz innerhalb der Zünfte
und die der ausschließlich weiblichen Zünfte über den Kopf; sie
veränderten daher ihre Taktik, indem sie die Frauen aus den Zünften
wieder hinauszutreiben versuchten. Charakteristischerweise verhüllten
sie ihren Konkurrenzneid zunächst mit einem sentimentalen Mäntelchen:
die Teppichweber sagten, ihre Arbeit sei für Frauen zu schwer, und
schlossen sie schon im 13. Jahrhundert aus ihren Zünften aus; die
Tuchwalker und die Kölner Tuchscherer und Hutmacher thaten
desgleichen,[124] indem sie feierlich erklärten, daß ihr Handwerk dem
"Manne zugehört". Bald bemühte man sich nicht mehr mit solchen
Erklärungen, denn der Kampf gegen die Frauenarbeit sprang auf Gebiete
über, auf denen von keiner zu schweren oder nur dem Manne zukommenden
Arbeit die Rede sein konnte, sondern die vielmehr von alters her
hauptsächlich den Frauen offen standen: der Textil- und
Bekleidungsindustrie. Im 16. Jahrhundert beschwerten sich vor allem die
Schneider in verschiedenen Mittelpunkten des Handwerks über die Zunahme
ihrer Arbeitsgenossinnen, und sie setzten es nicht nur durch, daß den
Frauen verboten wurde, andere als weibliche Kleidungsstücke
anzufertigen, sondern auch daß die Zahl der weiblichen Gehilfen und
Lehrlinge auf je einen bei einem Meister beschränkt wurde. Noch weiter
gingen die Württemberger Weber, indem sie die Anstellung weiblicher
Lehrlinge, selbst der Meisterstöchter überhaupt untersagten, und die
Färber, die alle Frauen aus der Zunft ausschlossen.
Das treibende Element in diesen Kämpfen waren weniger die Meister der
Zünfte, die durch die billige weibliche Arbeitskraft, durch die
Beschäftigung ihrer Frauen und Töchter ihre Konkurrenten aus dem Felde
schlugen, als die zu immer größerer Macht gelangenden Gesellenverbände.
Für die Lohnarbeiter war die Lohnarbeiterin die Feindin, die besiegt
werden mußte, um vorwärts zu kommen.
So hatte ein Gürtlermeister in Straßburg Mitte des 16. Jahrhunderts
seine beiden Stieftöchter zum Handwerk erzogen und erregte dadurch den
Zorn des Gesellenverbandes seiner Zunft in dem Maße, daß es zur
Arbeitseinstellung kam, die zwei Jahre währte und mit der Niederlage des
Meisters und der Frauenarbeit endete.[125] Und wie hier das Kampfmittel
des Strikes, so wurde in einem anderen Fall das des Boykotts mit Erfolg
angewandt. Die Straßburger Nestler beklagten sich nämlich bei den
Nürnbergern, daß diese Mägde beschäftigten und das Handwerk daher zu
Schaden käme, und drohten ihnen, alle in Nürnberg gelernten Nestler für
untauglich und unredlich zu erklären, wenn sie diesen Uebelstand nicht
beseitigen würden.[126]
Ein Beispiel, wie die Wandlung sittlicher Begriffe Hand in Hand geht mit
der Veränderung wirtschaftlicher Zustände, bietet die Thatsache, daß der
Frauenarbeit im Verlaufe des Kampfes gegen sie und nach ihrer
Unterdrückung der Stempel des Unehrlichen, sittlich Verwerflichen immer
deutlicher aufgeprägt wurde. Der Mann hielt es für unter seiner Würde,
neben einer Frau zu arbeiten. Die Schneider- und Gürtlerordnung sowie
die Nürnberger Beutlergesellenordnung, verbieten es dem Gesellen
ausdrücklich.[127] Die Nürnberger Buchbindergesellen erklärten jeden für
unehrlich, der mit einer Magd arbeitet, und was zuerst nur die
Gesellenverbände und die Zünfte beschlossen, wurde schließlich in die
Ratsschlüsse und landesherrlichen Verfügungen aufgenommen. Sie verboten
nicht nur die Arbeit der Frauen in den Zünften, sie hielten sie auch für
schändend, indem sie die mit den Frauen arbeitenden Männer als
unredliche bezeichneten.
Mit dem Ende des 17. Jahrhunderts waren die Frauen aus dem zünftigen
Handwerk hinausgedrängt und das männliche Geschlecht wurde überall zur
Bedingung des Eintritts.[128] So schien der Feind besiegt, während
thatsächlich die Sterbestunde der Zünfte schlug, und er sich nur in den
Hintergrund zurückgezogen hatte, um von da aus des Handwerks goldenen
Boden weiter zu unterminieren.
Verbieten ließ sich den Frauen die Arbeit nicht; die Not zwang sie dazu,
und es hieß jetzt nur, neue Bedingungen für sie zu suchen. Wie die
sogenannten Stückwerker, die, außerhalb der Zünfte stehend, für geringen
Lohn arbeiteten, wurden nunmehr die Frauen in steigendem Maße von den
Meistern und den "Verlegern", kaufmännischen Auftraggebern, in ihrem
eigenen Hause beschäftigt.[129] Da diese Beschäftigungsweise an keine
Werkstatt, an keine zünftigen Bestimmungen gebunden war, für die Frauen
einen sehr gesuchten, wenn auch noch so kümmerlichen Erwerb bildete und
für die Auftraggeber stets ein glänzendes Geschäft bedeutete, so dehnte
sie sich rasch bis in die entferntesten Bauernhöfe aus und riß die große
Masse des weiblichen Geschlechts in ihren Frondienst. Es war nicht mehr
jene Heimarbeit wie zur Zeit der Hofverfassung, die für den Bedarf der
Hofgenossenschaft allein produzierte, es war nicht mehr die Arbeit im
Rahmen des zünftigen Handwerks, die doch einige Aussicht auf
Vorwärtskommen, auf Selbständigkeit in sich schloß, es war vielmehr jene
Lohnarbeit, durch die eine immer wachsende Zahl der Bevölkerung in
dauernde Abhängigkeit vom Kapitalismus geriet und zum besitz- und
aussichtslosen Proletariat herabgedrückt wurde. Durch sie zerfiel das
Handwerk und verwandelte sich zum Teil selbst in die Hausindustrie,[130]
denn zahlreiche verarmte Handwerksmeister wurden Hausarbeiter im Solde
der Unternehmer und nicht nur die Frauen, auch die Kinder, die das
zünftige Handwerk nicht beschäftigt hatte, wurden zur Mitarbeit
herangezogen, um den kümmerlichen Verdienst ein wenig zu erhöhen.
Inzwischen hatte sich in aller Stille eine Revolution vorbereitet, die
die gesamte Arbeit überhaupt, die Frauenarbeit insbesondere, von Grund
aus umgestalten sollte. Sie beschleunigte die Auflösung des zünftigen
Handwerks, sie entführte die Frauen mehr und mehr dem häuslichen Herd,
aus ihr heraus entwickelte sich die moderne Großindustrie, die Mann und
Weib schließlich gleichmäßig in ihre Dienste zwang.
Ihre ersten Spuren lassen sich bis in das Mittelalter zurückverfolgen,
wo die Kunst des Strickens zur Erfindung des Strumpfwirkerstuhls führte
und die Produktivität auf diesem Gebiete sich enorm steigerte. Auch die
durch Barbara Uttmann erfundene Spitzenklöppelei beschäftigte in
Deutschland viele Hunderte von fleißigen Händen, während die von Frau
Gilbert aus Italien in Frankreich eingeführte Kunst venezianischer
Spitzenarbeit schnell zu einer blühenden Industrie sich entwickelte, in
der am Ende des vorigen Jahrhunderts gegen 100000 Arbeiterinnen thätig
waren.[131] Mit dem Aufkommen des Stickrahmens verbreitete die
Weißstickerei sich rapid; durch die Band- und Schermühle, die
Schnellbleiche, die Tuchpresse, das Aufdrucken von Formen auf Zeug
fanden zahllose Frauen Beschäftigung, denn eine mannigfaltigere und
reichere Kleidung wurde dadurch weiten Kreisen zugänglich und die
Bedürfnisse danach, die sich früher, bei der schwierigen und
langwierigen Art ihrer Herstellung, auf die großen Damen der Höfe, die
Patrizierinnen der Handelsstädte und die Courtisanen beschränkten, ein
Gemeingut auch der Frauen des Bürgerstandes.
Aber wie geringfügig erscheint der Einfluß all der genannten technischen
Vervollkommnungen der Arbeitsmittel gegenüber der geradezu umwälzenden,
die von England 1767 durch Hargreaves Erfindung der spinning jenny,
einer zunächst durch Wasserkraft getriebenen Maschine, ausging! Sie
wurde von Jahr zu Jahr vervollkommnet, bis sie 20, 100 und schließlich
bis zu 1000 Faden spann. Mit ihr begann der Siegeslauf der
Maschinenarbeit, der Niedergang der Handarbeit.[132] Noch vor Anwendung
der Dampfkraft, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, entstanden
in England und Schottland die ersten Spinnereien, und 1788 gab es dort
bereits 142 Fabriken, die nicht weniger als 59000 Frauen und 48000
Kinder beschäftigten.[133] Große Fortschritte hatte indessen auch die
mechanische Weberei zu verzeichnen. Die durch Vaucanson erfundene, durch
Cartwright verbesserte und praktisch nutzbar gemachte Webemaschine trat
neben den außerordentlich vervollkommneten Webstühlen in Thätigkeit und
es waren auch hier Frauen, die in erster Linie zu ihrer Bedienung
herangezogen wurden. Zwischen 1762 und 1765 waren in Frankreich,
hauptsächlich in Saint-Quentin, 60000 Weberinnen allein mit dem Weben
von Linon, Batist und Gaze beschäftigt.[134]
Die Folgen einer solchen industriellen Entwicklung mußten für das
weibliche Geschlecht von schwerwiegender Bedeutung sein. Jede neue
Maschine, die die Arbeit von so und so vielen Handarbeiterinnen
verrichtete, machte viele brotlos oder erschwerte ihre hausindustrielle
Thätigkeit und drückte auf ihren Lohn. Sie entriß aber auch den Frauen
ihnen bisher fast ausschließlich vorbehaltene Arbeitszweige, wie das
Spinnen und Weben, indem sie Männer und Kinder zur Mitarbeit heranzog
und den Konkurrenzkampf heftiger denn je entbrennen ließ. Und endlich
griff sie auflösend und zersetzend in den einst so fest umfriedeten
Kreis des Hauses ein. Durch das Leben der Frau klaffte von nun an ein
furchtbarer Riß: die bittere Not zwang sie in die Fabrik, wo sie der
Ausbeutung schutzlos preisgegeben war, die Mutterliebe und die von
alters her ehrwürdigen Hausfrauenpflichten fesselten sie an ihr Heim.
Allen diesen aus dem wirtschaftlichen Fortschritt hervorwachsenden, in
das Volksleben tief eingreifenden Fragen, stand die Gesellschaft ratlos
gegenüber. Mit ungeschickten Händen versuchte man einzelne Knoten zu
entwirren, um nur immer neue zu knüpfen. Durch Unterdrückung der
gefährlichen Konkurrenz der billigen weiblichen Arbeitskraft sollte der
Not ein Ende gemacht, das Familienleben wieder hergestellt werden. So
wurde den Spitzenarbeiterinnen in Toulouse mit der Begründung, sie ihren
Frauenpflichten wiedergeben zu wollen, schon 1640 die Arbeit verboten;
in Sachsen verfügte ein Gesetz, daß Bauerndirnen keinen anderen Beruf,
als den häuslicher Dienstboten ergreifen durften; in der Oberlausitz wie
in Hannover wurden die "Eigenzimmerinnen", die sich nicht verdingen
wollten, mit schweren Steuern belastet.[135] Aus den Badestuben, dem
Schankgeschäft und dem Kleinhandel wurden die Frauen vertrieben. Die
Menge der Spitzenklöpplerinnen in Nürnberg veranlaßte den Kameralisten
J.L. Dorn strenge Polizeimaßregeln gegen selbständige Arbeiterinnen zu
verlangen. Doch den gewaltigen Strom der Entwicklung vermochten diese
Mauern und Wällchen nicht aufzuhalten, und die hingeworfenen Strohhalme
konnten die Menge der mit den Fluten Kämpfenden nicht retten. Den Frauen
des arbeitenden Volkes blieb nur die Wahl zwischen Ausbeutung, Hunger
und Schande.
Ihre Arbeitskraft war den Fesseln des Hauses entwunden; um ihre
wirtschaftliche Existenz mußten sie nicht nur selbständig kämpfen, sie
mußten sie auch von Grund aus neu auferbauen. Sie schleppten dieselben
Lasten wie ihre männlichen Arbeitsgenossen, nur daß sie noch
unterdrückter, noch rechtloser waren wie sie. Und wie alle am schwersten
Leidenden duldeten sie stumm.
4. Die Stellung der Frauen im Geistesleben.
Die wirtschaftliche Entwicklung wirkte in steigendem Maße auf die
Trennung der Menschheit in die Masse der Besitzlosen auf der einen und
die wenigen Besitzenden auf der anderen Seite. Der geistige Fortschritt,
die Ausbreitung allgemeinen Wissens und höherer Kultur wurden dadurch
bestimmt: harte Arbeit, unaufhörlicher Kampf ums tägliche Brot, raubten
dem Volk sowohl die notwendige Muße, als die geistige Frische und
Empfänglichkeit für eine tiefere Bildung, die daher zu einem Privilegium
der besitzenden Klassen werden mußte. Mehr noch als für die Männer gilt
diese scharfe Trennung für die Frauen, denen bedeutend weniger
Hilfsmittel zu Gebote standen, um die widrigen äußeren Lebensumstände
überwinden zu können.
1
2
3
4
5
6
7
8
9
10
11
12
13
14
15
16
17
18
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28
29
30
31
32
33
34
35
36
37
38
39
40
41
42
43
44
45
46
47
48
49
50
51
52
53
54
55
56
57
58
59
60
61
62
63
64
65
66
67
68
69
70
71
72
73
74
75
76
77
78
79
80
81
82
83
84
85
86
87
88
89
90
91
92
93
94
95
96
97
98
99
100
101
102
103
104
105
106
107
108
109
110
111
112
113
114
115
116
117
118
119
120
121
122
123
124
125
126
127
128
129
130
131
132
133
134
135
136
137
138
139
140
141
142
143
144
145
146
147
148
149
150
151
152
153
154
155
156
157
158
159
160
161
162
163
164
165
166
167
168
169
170
171
172
173
174
175
176
177
178
179
180
181
182
183
184
185
186
187
188
189
190
191
192
193
194
195
196
197
198
199
200
201
202
203
204
205
206
207
208
209
210
211
212
213
214
215
216
217
218
219
220
221
222
223
224
225
226
227
228
229
230
231
232
233
234
235
236
237
238
239
240
241
242
243
244
245
246
247
248
249
250
251
252
253
254
255
256
257
258
259
260
261
262
263
264
265
266
267
268
269
270
271
272
273
274
275
276
277
278
279
280
281
282
283
284
285
286
287
288
289
290
291
292
293
294
295
296
297
298
299
300
301
302
303
304
305
306
307
308
309
310
311
312
313
314
315
316
317
318
319
320
321
322
323
324
325
326
327
328
329
330
331
332
333
334
335
336
337
338
339
340
341
342
343
344
345
346
347
348
349
350
351
352
353
354
355
356
357
358
359
360
361
362
363
364
365
366
367
368
369
370
371
372
373
374
375
376
377
378
379
380
381
382
383
384
385
386
387
388
389
390
391
392
393
394
395
396
397
398
399
400
401
402
403
404
405
406
407
408
409
410
411
412
413
414
415
416
417
418
419
420
421
422
423
424
425
426
427
428
429
430
431
432
433
434
435
436
437
438
439
440
441
442
443
444
445
446
447
448
449
450
451
452
453
454
455
456
457
458
459
460
461
462
463
464
465
466
467
468
469
470
471
472
473
474
475
476
477
478
479
480
481
482
483
484
485
486
487
488
489
490
491
492
493
494
495
496
497
498
499
500
501
502
503
504
505
506
507
508
509
510
511
512
513
514
515
516
517
518
519
520
521
522
523
524
525
526
527
528
529
530
531
532
533
534
535
536
537
538
539
540
541
542
543
544
545
546
547
548
549
550
551
552
553
554
555
556
557
558
559
560
561
562
563
564
565
566
567
568
569
570
571
572
573
574
575
576
577
578
579
580
581
582
583
584
585
586
587
588
589
590
591
592
593
594
595
596
597
598
599
600
601
602
603
604
605
606
607
608
609
610
611
612
613
614
615
616
617
618
619
620
621
622
623
624
625
626
627
628
629
630
631
632
633
634
635
636
637
638
639
640
641
642
643
644
645
646
647
648
649
650
651
652
653
654
655
656
657
658
659
660
661
662
663
664
665
666
667
668
669
670
671
672
673
674
675
676
677
678
679
680
681
682
683
684
685
686
687
688
689
690
691
692
693
694
695
696
697
698
699
700
701
702
703
704
705
706
707
708
709
710
711
712
713
714
715
716
717
718
719
720
721
722
723
724
725
726
727
728
729
730
731
732
733
734
735
736
737
738
739
740
741
742
743
744
745
746
747
748
749
750
751
752
753
754
755
756
757
758
759
760
761
762
763
764
765
766
767
768
769
770
771
772
773
774
775
776
777
778
779
780
781
782
783
784
785
786
787
788
789
790
791
792
793
794
795
796
797
798
799
800
801
802
803
804
805
806
807
808
809
810
811
812
813
814
815
816
817
818
819
820
821
822
823
824
825
826
827
828
829
830
831
832
833
834
835
836
837
838
839
840
841
842
843
844
845
846
847
848
849
850
851
852
853
854
855
856
857
858
859
860
861
862
863
864
865
866
867
868
869
870
871
872
873
874
875
876
877
878
879
880
881
882
883
884
885
886
887
888
889
890
891
892
893
894
895
896
897
898
899
900
901
902
903
904
905
906
907
908
909
910
911
912
913
914
915
916
917
918
919
920
921
922
923
924
925
926
927
928
929
930
931
932
933
934
935
936
937
938
939
940
941
942
943
944
945
946
947
948
949
950
951
952
953
954
955
956
957
958
959
960
961
962
963
964
965
966
967
968
969
970
971
972
973
974
975
976
977
978
979
980
981
982
983
984
985
986
987
988
989
990
991
992
993
994
995
996
997
998
999
1000