1900: 22844
In einem Zeitraum von acht Jahren ist ihre Zahl zwar um das Fünffache
gestiegen, aber von den Industriearbeiterinnen, die hier allein in
Betracht kommen, weil die landwirtschaftlichen Arbeiterinnen und die
Dienstboten kein Koalitionsrecht besitzen, sind immerhin erst 2,30 %
organisiert und von den achtundfünfzig zentralisierten Gewerkschaften
weisen nach der letzten Zählung nur einundzwanzig weibliche Mitglieder
auf. Sie verteilen sich auf die einzelnen Berufszweige wie folgt:[867]
| Zahl der| Von 100
| weiblichen | Arbeiterinnen
Organisation| Mitglieder | des
| 1900 | betreffenden
|| Berufs sind
|| organisiert
---------------------------+------------+--------------
Buchbinder | 3046 | 22,50
Buchdruckereihilfsarbeiter | 698 | 12,15
Fabrikarbeiter | 2889 |4,97
Glasarbeiter|33 |1,02
Handlungsgehilfen |80 |\ 0,10
Lagerhalter | 9 |/
Handschuhmacher| 105 |6,65
Holzarbeiter| 726 |6,62
Hutmacher| 121 |2,81
Konditoren |15 |0,76
Masseure |46 |--
Metallarbeiter | 2693 | 11,37
Porzellanarbeiter | 357 |4,40
Sattler |31 |2,04
Schneider| 758 |1,19
Schuhmacher | 1916 | 20,31
Tabakarbeiter | 3922 |\ 6,58
Cigarrensortierer |80 |/
Tapezierer |37 | 10,57
Textilarbeiter | 5254 |1,16
Vergolder|28 |4,45
----------------------------------------+--------------
22844 |2,76
Außerhalb dieser durch die Generalkommission zusammengehaltenen
Verbände, stehen eine ganze Anzahl sogenannter Lokalorganisationen, die
aber zumeist keine Frauen aufnehmen können, weil sie einen ausgesprochen
politischen Charakter haben, und einzelne gewerkschaftliche
Frauenvereine, die nur ein kümmerliches Dasein fristen. Etwas
bedeutungsvoller ist die Teilnahme der Frauen an den 1868
gegründeten Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereinen, die statutenmäßig
sozialdemokratische Arbeiter ausschließen, und, von bürgerlich-liberaler
Seite ins Leben gerufen, zum Teil auch geleitet, bis zum Jahre 1895 der
Organisation der Frauen ablehnend gegenüber standen. Auf dem
Verbandstage jenes Jahres jedoch wurde eine Resolution zu Gunsten der
Frauen angenommen, und nach dem Bericht für das Jahr 1901 sind
infolgedessen 3392 den Organisationen gewonnen worden; 1165 von ihnen
sind Textilarbeiterinnen. Als dritte Variation der Gewerkschaftsbewegung
ist die christliche anzusehen, die sich wieder in eine evangelische und
eine katholische teilt. Die evangelische entwickelte sich seit
1882, zählt aber keine weiblichen Mitglieder. Die bestehenden
Frauenvereine sind ausschließlich religiöser Art und haben keinerlei
gewerkschaftlichen Charakter. Die katholische Richtung hat ihren
Ursprung in dem Gewerkverein christlicher Bergleute, der im Jahre 1894
gegründet wurde. Mit den Hirsch-Dunckerschen Vereinen teilt sie die
entschieden feindliche Stellung gegenüber der Sozialdemokratie, betont
aber nebenbei noch die religiös-christliche Gesinnung. Von Anfang an
hatte sie ein gewisses sympathisches Verständnis für die weiblichen
Berufsglieder, aber auf kirchlichen Anschauungen fußend, die jede
Gleichberechtigung zwischen Mann und Weib ablehnen, trat sie nicht für
eine gemeinsame Organisation beider Geschlechter, sondern für gesonderte
Arbeiterinnenvereine ein, die den Vereinen der männlichen Berufsgenossen
anzugliedern sind und als "Schutzverbände der Arbeiterinnen" unter ihrer
Leitung und Oberaufsicht stehen, damit im Falle von Arbeitseinstellungen
trotz der Sonderung ein gemeinsames Vorgehen gesichert ist.[868] Wir
finden hier jenes Festhalten an der Tradition in seltsamer Verknüpfung
mit Konzessionen an die moderne wirtschaftliche Entwicklung wieder, wie
sie alle Bestrebungen der deutschen Centrumspartei,--und um eines ihrer
Schoßkinder handelt es sich dabei,--aufweisen. An einer genaueren
Statistik der organisierten Frauen fehlt es leider, da in manchen
Verbänden die männlichen und weiblichen Mitglieder zusammengezählt
wurden. Nur zwei Textilarbeiterinnen-Verbände,--der eine in Aachen, der
andere in Eupen,--mit zusammen 430 Mitgliedern, werden besonders
genannt.[869] Alles in allem dürften in Deutschland, von den Gründungen
der bürgerlichen Frauenbewegung abgesehen, nicht mehr als 30000 Frauen
gewerkschaftlich organisiert sein.
In Oesterreich ist die Organisation der Arbeiterinnen noch
außerordentlich gering. Im Jahre 1892 wurden 4263, 1896 5761, 1899 9206
organisierte Frauen gezählt. Die verhältnismäßig starke Zunahme in den
letzten drei Jahren ist auf die gesteigerte agitatorische Thätigkeit der
Arbeiterinnen selbst zurückzuführen. Sie gründeten in Wien ein
Frauenreichskomitee, an das sich in den Provinzstädten Sektionen
angliedern, und deren Hauptzweck die Organisierung der Arbeiterinnen
ist. Sie leiten eine systematische Agitation über ganz Oesterreich und
werden zweifellos bald noch größere Erfolge aufweisen können. Immerhin
erfährt auch die letzte Zählung der Organisierten insofern eine
Einschränkung, als von den 9206 angegebenen Vereinsmitgliedern nur 5556
wirklichen Berufsvereinen angehören. Sie verteilen sich
folgendermaßen[870]:
Organisation | Weibliche
| Mitglieder
-------------------------------+------------
Baugewerbe| 104
Bekleidungsindustrie | 433
Bergbau| 187
Chemische Industrie|94
Eisen- und Metallindustrie | 105
Galanterie|52
Glas- und keramische Industrie | 949
Graphische Gewerbe | 1147
Holzindustrie|36
Handel |58
Nahrungs- und Genußmittel| 310
Lederindustrie |76
Textilindustrie | 1950
Verschiedene Gewerbe |55
Aehnlich wie in Deutschland entschloß sich in England erst 1889 der
Gewerkvereinskongreß zu Dundee dazu, die Notwendigkeit der Organisation
der Arbeiterinnen grundsätzlich anzuerkennen und seine Unterstützung
zuzusagen. Trotzdem entschlossen sich bisher von 1282 Gewerkvereinen nur
111 dazu, weibliche Mitglieder zuzulassen, ein eklatanter Beweis, wie
festgewurzelt die Vorurteile gerade die englische Arbeiterschaft
beherrschen, deren gewerkschaftliche Bewegung die älteste und die größte
ist. Außer diesen 111 gemischten Gewerkvereinen giebt es noch 28 Vereine
nur mit weiblichen Mitgliedern.[871] Die Gesamtzahl der Organisierten
betrug in den Jahren
1896: 117888
1897: 120254
1898: 116048
1899: 120448.
Die englischen Arbeiterinnen sind demnach in stärkerem Maße an der
gewerkschaftlichen Bewegung beteiligt, als die deutschen. Der Wert
dieser höheren Zahlen verliert aber an Bedeutung, wenn wir nicht nur
das Alter der gewerkschaftlichen Bewegung in Betracht ziehen,--schon
1824 waren viele Weberinnen von Lancashire Mitglieder des Gewerkvereins
und zu Owen's Grand National strömten 1833--34 die Frauen[872],--sondern
uns auch erinnern, daß der Organisation der Frauen von seiten des Staats
und der Behörden keinerlei Schwierigkeiten gemacht werden; selbst die
Landarbeiter und die Dienstboten, die in Deutschland vom Koalitionsrecht
so gut wie ausgeschlossen sind, können sich zu Gewerkvereinen
zusammenthun. Im Verhältnis zu sämtlichen Arbeiterinnen ist die Zahl der
Organisierten demnach sehr gering, sie beträgt nur 0,39%, im Verhältnis
allein zu den Industriearbeiterinnen beträgt sie dagegen 8,22%. Was die
Beteiligung der Arbeiterinnen je nach den Berufen an der Organisation
betrifft, so stellt sie sich folgendermaßen dar:
| Anzahl der |Anzahl der|Von 100
|Gewerkvereine|Mitglieder|Arbeiterinnen
| | |sind organi-
| | |siert
-----------------------------+-------------+----------+-------------
Textilindustrie: |88 | 109 076 | 19,70
Schuh- und Stiefelproduktion:| 2 |618 | 1,42
Bekleidungsindustrie: |11 | 1 128 | 0,26
Hut- und Mützenindustrie: | 2 | 2 330 | 14,21
Druckerei, Papierfabrikation | | |
u. ähnl.:| 7 |763 | 1,51
Tabakindustrie: | 4 | 2 403 | 19,11
Andere Industrien: |25 | 4 130 | 1,33
-----------------------------+-------------+----------+-------------
| 139 | 120 448 | 8,22
Wir sehen aus vorstehender Tabelle, daß gegenüber der starken
Organisation der Textilarbeiterinnen,--sie machen fast 91 % aller
Organisierten aus,--sämtliche andere fast verschwinden. Außerordentlich
gering ist die Zahl der Organisierten in der Bekleidungsindustrie. Hier
finden wir auch unter 9 Gewerkvereinen fünf mit nur weiblichen
Mitgliedern, deren kleinster 18 und deren größter 120 Mitglieder hat.
Von den Landarbeiterinnen, von denen 1898 noch 14 Frauen zwei
landwirtschaftlichen Vereinen angehörten und den Dienstboten, die 1897
noch einen Verein mit 122 Mitgliedern besaßen, ist heute keine einzige
mehr organisiert.
In Frankreich ist die Organisierung der Arbeiterinnen sehr spät
ernsthaft in Angriff genommen worden; ihre männlichen Berufsgenossen
überließen sie gedankenlos sich selbst oder der Obhut kirchlicher
Vereinigungen. Auch eine, überdies sehr mangelhafte Statistik der
Arbeiterinnen in den Syndikaten giebt es erst für das Jahr 1900.[873]
Dabei stellte es sich heraus, daß 42984 Frauen Syndikaten als Mitglieder
angehören. Da aber darunter auch die Mitglieder der Arbeitgeber-Verbände
und diejenigen, die Vereinen von Unternehmern und Arbeitern angehören,
verstanden werden, so ist es für unsere Zwecke notwendig, sie
auszuscheiden. Denn als Gewerkschaften sind nur Arbeiterorganisationen
anzuerkennen. Dies vorausgesetzt, bleiben 30975 weibliche
Gewerkschaftsmitglieder in 254 Gewerkschaften übrig; von diesen sind 17
nur Frauengewerkschaften. Nach der Zahl der in den verschiedenen Berufen
Organisierten ist ihre Zusammensetzung folgende[874]:
Berufsarten | Zahl der
| Mitglieder
---------------------+-----------
Tabakindustrie | 10194
Textilindustrie|6802
Handelsgewerbe |4376
Eisenbahnangestellte |1611
Bekleidung |1597
Gärtnerei, Obstzucht |1000
Lederbearbeitung | 746
---------------------+-----------
| 26326
Der Rest besteht aus den Mitgliedern der verschiedenartigsten, z.T.
winzigen Gewerkschaften, deren häufig außerordentlich geringer Umfang
ein Charakteristikum des französischen, jeder Zentralisierung
entbehrenden Gewerkschaftswesens ist. Die Frauengewerkschaften sind
folgende:
Berufsarten | Zahl der | Zahl der
| Gewerk- | Mitglieder
| schaften |
---------------------+----------+------------
Tabakarbeiterinnen| 4 | 1760
Federnschmückerinnen | 1 | 300
Dienstboten | 2 | 220
Typographen | 1 | 210
Wäscherinnen| 1 | 100
Stenographen| 2 |94
Kravattennäherinnen | 1 |89
Schneiderinnen | 3 |62
Blumenmacherinnen | 1 |53
Stickerinnen| 1 |36
Korsettnäherinnen | 1 |30
---------------------+----------+------------
| 18 | 2954
Auch hier handelt es sich, wie wir sehen, um ganz unbedeutende Vereine,
die nur mühsam ihr Leben fristen, meist mit Unterstützung der Damen der
bürgerlichen Frauenbewegung, denen einige auch ihre Gründung verdanken.
Da die französischen Arbeiterinnen sich ungehindert zu Vereinen mit den
Männern und allein verbinden können, so ist das Ergebnis in jeder
Beziehung ein klägliches: von 3-1/2 Millionen kaum 31000 organisiert!
Ueber die Beteiligung der Frauen an den Gewerkschaften der Vereinigten
Staaten ist wenig in Erfahrung zu bringen. Der erste große
Arbeiterverband auf gewerkschaftlicher Grundlage, die Knights of Labour,
der 1870 ins Leben trat, nahm nach zehnjährigem Bestehen weibliche
Mitglieder auf, und stellte sie den männlichen nicht nur völlig gleich,
er eröffnete auch durch Aussendung weiblicher Agitatoren eine
wirkungsvolle Propaganda unter den Arbeiterinnen.[875] Schon nach
wenigen Jahren zählte allein der Zweigverein von Massachusetts 6000
weibliche Mitglieder.[876] Dem Einflüsse der Knights of Labour ist es
wohl auch zuzuschreiben, daß die Gewerkschaften sich den Frauen
gegenüber niemals ablehnend verhielten. So wurden sie von Anfang an in
den großen Unionen der Typographen und der Cigarrenarbeiter zugelassen
und nur sehr selten kommt es daher vor, daß sie selbständige
Frauenvereine gründen.[877] Wo es geschieht, ist es meist nur das
Resultat bürgerlichen Einflusses. Vielfach haben die in den einzelnen
Gewerben organisierten Frauen städtische Ausschüsse gegründet, in denen
jedes Gewerbe durch Delegierte vertreten ist und die speziellen
Fraueninteressen beraten werden. Auch ein allgemeiner amerikanischer
Arbeitsverband der Frauen besteht, der den Zweck verfolgt, die
Interessen der Arbeiterinnen und der Kinder zu vertreten und Klagen über
Arbeitsverhältnisse zu untersuchen. Trotz der günstigen Lage aber, in
der die amerikanischen Arbeiterinnen in Bezug auf die Möglichkeit
gewerkschaftlichen Zusammenschlusses sich befinden, sind sie nur in sehr
geringem Maße organisiert.[878] Die beständige Einwanderung niedrig
stehender Volkselemente, die die Sprache des Landes nicht kennen, die
schlechtesten Arbeitsbedingungen ruhig acceptieren, und aus denen sich
ein großer Teil der weiblichen Arbeiterschaft rekrutiert, sind die
wesentliche Ursache hiervon.
Das Mittel der Selbsthilfe durch die gewerkschaftliche Organisation
scheint nach alledem bei den Frauen fast ganz versagt zu haben. Weil dem
überall so ist, müssen die Gründe dafür auch überall die gleichen sein.
Wir haben sie zunächst in dem Widerstand der Männer und in der Jugend
der gewerkschaftlichen Bewegung gefunden. Ein Beweis dafür ist der
verhältnismäßig hohe Prozentsatz der englischen organisierten
Textilarbeiterinnen: hier war der männliche Widerstand schon Anfang des
19. Jahrhunderts gebrochen; fast hundert Jahre ist demnach auch die
Bewegung hier alt. Aber diese Gründe können unmöglich die einzigen
sein, schon weil das späte Erwachen gewerkschaftlicher Interessen auf
selten der Frauen selbst der Begründung bedarf. Ein Blick auf die
gewerkschaftliche Bewegung der Männer dient schon zur Erklärung: teils
ist sie eine moderne Fortsetzung der alten Gesellenverbände und
ähnlicher Vereinigungen, an denen Frauen fast niemals teilnahmen, teils
ist sie den Bedürfnissen der in der Großindustrie zusammengedrängten
Arbeiter entsprungen. So stark nun auch das Vordringen der Frauen in der
Großindustrie sein mag, sie stehen bei weitem hinter den Männern zurück,
und nehmen eine beherrschende Stellung nur in wenigen Industrien ein. Wo
sie es thun, wie in der Textilindustrie, in der französischen
Tabakindustrie, die infolge des Staatsmonopols die Hausindustrie auf
diesem Gebiet fast ganz verdrängt hat, sind sie, wie wir gesehen haben,
gewerkschaftlich am zahlreichsten organisiert. Und am schlechtesten ist
es da um die Organisation bestellt, wo die Hausindustrie vorherrscht,
z.B. in allen Bekleidungsgewerben und wo die Arbeiterin vereinzelt
arbeitet, wie im häuslichen Dienst, und zum Teil in der Landwirtschaft.
Nicht nur, daß die Arbeiterin hier abgeschnitten ist von dem Einfluß
sozialer Bewegungen, daß sie als Heimarbeiterin oder als Dienstmädchen
schwer zu dem Bewußtsein solidarischer Verbindung mit ihren
Arbeitsgenossen gelangt, sie lebt auch--und das ist ein Moment, das nie
genügend hervorgehoben wird--in fast völliger Abgeschlossenheit von dem
männlichen Arbeiter, dem Hauptvermittler politischer und
gewerkschaftlicher Aufklärung. Je mehr nun die Tendenz dahin geht, in
der Industriearbeit eine Geschlechtstrennung vorzunehmen, desto schwerer
wird dieser Umstand ins Gewicht fallen, denn infolge der Stellung der
Frau im wirtschaftlichen und sozialen Leben ist sie bei weitem nicht so
organisationsfähig als der Mann. Die Arbeit ist für ihn der einzige
Beruf; die Frau ist zwar gezwungen, mit ihm um die Wette atemlos dem
Erwerbe nachzujagen, aber sie hat nebenbei noch so viele Wege zu machen,
daß sie nicht nur hinter ihm zurückbleibt und früh erlahmt, sondern auch
nicht die mindeste Zeit hat, über ihre Lage und die Bedingungen ihrer
Arbeit irgendwie nachzudenken. Sie ist nicht nur Arbeiterin geworden,
sie blieb Hausfrau. Sie ist aber auch Mutter. Während der Mann sich in
Versammlungen aufklärt, sich mit seinen Kameraden verständigt, Bücher
und Zeitungen liest, hat sie zu kochen, zu nähen, zu flicken, Kinder zu
pflegen, zu erziehen und zu beaufsichtigen; und um der Kinder willen
wird sie sogar häufig zu einer heftigen Gegnerin der Gewerkschaft, die
Beiträge von ihr fordert, die sie so notwendig für die Befriedigung
ihrer Bedürfnisse braucht, die sie sogar zur Arbeitseinstellung nötigen
kann. Und ebenso wie sie die alte Hausfrauenthätigkeit in ihr modernes
Erwerbsleben mit hinübernahm, so hat sie auch alte Träume und
Traditionen nicht abzuschütteln vermocht. Fast jedes junge Mädchen
erwartet die Ehe wie etwas, das ihr ganzes Leben ausfüllen und in
Anspruch nehmen wird. Die junge Arbeiterin bildet darin keine Ausnahme:
ihre Arbeit ist für sie kein Lebensberuf, sondern nur die
Durchgangsstation zu dem eigentlichen Beruf, der Ehe. Infolgedessen hat
sie kein Interesse an der Gewerkschaft und giebt das Geld, das in den
Beiträgen angelegt werden müßte, lieber für ein wenig Putz und Tand aus,
um ihre Person vor dem Erlöser, den Mann, möglichst verführerisch zu
gestalten. Damit sind die Schwierigkeiten, die der Organisierung der
Frauen entgegenstehen, aber noch nicht erschöpft.
Wir haben gesehen, daß die Frauen infolge ihrer schlechten Ausbildung
und ihrer körperlichen Veranlagung sehr häufig nach Qualität oder
Quantität geringwertigere Arbeit leisten. Die Gewerkschaft verlangt aber
von ihren Mitgliedern Einhaltung der Gewerkschaftsbedingungen, z.B. des
Lohntarifs, der jedoch wieder seinerseits eine gewisse Höhe der
Leistungsfähigkeit voraussetzt. So entschloß sich der Verein Londoner
Setzer, Frauen zu gleichen Bedingungen aufzunehmen wie Männer,
infolgedessen hat er nur ein einziges weibliches Mitglied, weil die
anderen nicht im stande sind, diese Bedingungen zu erfüllen. Ebenso
erklärten die französischen Typographen, Frauen aufnehmen zu wollen,
wenn sie den Lohntarif acceptierten,--es fand sich keine einzige, die
das vermochte, teils weil ihre Leistungen nicht dem entsprechen, teils
weil die Unternehmer in der Frauenarbeit nur die billige Arbeit suchen.
Wenn daher manche Gewerkvereine sich den Frauen verschließen, wie der
der englischen Bürstenmacher, der Perlmutterknopfarbeiter oder der
Kettenaufbäumer und Zwirner, so geschieht es in der Annahme, daß der
Eintritt der Frauen ein Herunterdrücken der Gewerkschaftsbedingungen
notwendig nach sich ziehen müsse.[879] Wie berechtigt das ist, sehen
wir daran, daß die Lohnsätze der Industrien mit starker
Frauenbeteiligung sich nach den Frauenlöhnen und nicht nach den
Männerlöhnen zu regeln pflegen.
Mit welchen Mitteln sind diese Schwierigkeiten zu besiegen, ist
überhaupt Aussicht vorhanden, daß unter den herrschenden
wirtschaftlichen Verhältnissen eine nennenswerte Organisation der
Arbeiterinnen sich wird ermöglichen lassen? Das sind die Fragen, die uns
zunächst aufstoßen. Die Geschichte der Gewerkschaftsbewegung hilft sie
beantworten. Die Entwicklung zur Großindustrie war die Grundlage, auf
der die Organisationen der Männer entstehen und erstarken konnten. Die
Frauen stehen aber heute im Erwerbsleben etwa auf dem Standpunkt, den
die Männer vor hundert Jahren einnahmen. Die Frauenarbeit zu einer
wesentlich großindustriellen zu gestalten, die Heimarbeit in jeder Form
zu unterdrücken, ist daher eine der wichtigsten Voraussetzungen zur
Organisierung der Arbeiterinnen.
Was aber ferner die männlichen Arbeiter antreibt, sich zur Erkämpfung
besserer Arbeitsbedingungen zusammen zu scharen, ist der Umstand, daß
ihr Beruf die einzige Grundlage ihrer Existenz bildet, deren schlechtere
oder bessere Gestaltung allein von ihm abhängt. Will man die Frau
organisationsfähig machen, so gilt es, ihre Selbständigkeit im
Erwerbsleben sowohl in rechtlicher wie in sozialer Hinsicht zu fördern.
Unterdrückung der Heimarbeit ist auch hier das Losungswort, denn sie
unterstützt die Unselbständigkeit, indem sie den Frauen ermöglicht, als
Haustöchter und Hausfrauen einem Nebenerwerb nachzugehen. Die geringere
Leistungsfähigkeit der Frau ist ein weiteres ernstes Hindernis ihrer
Organisierung. Da gilt es denn nicht nur ihre Arbeitskraft durch
ausreichende Vorbildung zu einer möglichst vollkommenen zu gestalten,
sondern Mittel und Wege zu finden, um die auch dann noch zurückbleibende
Differenz zwischen der ihrigen und der des Mannes möglichst
auszugleichen. Englische Arbeiterinnen haben dieser Schwierigkeit
gegenüber häufig die Ansicht vertreten, daß für Frauen besondere
Lohntarife aufgestellt werden sollten, ein Ausweg, der auf die Irrwege
der Nur-Frauengewerkschaften führen würde. Annehmbarer schon erscheint
die Vereinbarung der Strumpfwirkergewerkschaft, wonach die Frauen die
leichten Maschinen, die Männer die schweren zu bedienen hätten, und jede
Konkurrenz dadurch im Keime erstickt würde. Es liegt aber zugleich eine
Ungerechtigkeit in diesem Beschluß, da die Arbeit an den leichten
Stühlen geringer entlohnt wird und auch solche Frauen zu ihr gezwungen
sind, die über ausreichende Kräfte zur Bedienung der schweren verfügen.
Am richtigsten verfuhren die Weber von Lancashire, die eine feste, für
Männer und Frauen gleichmäßig gültige Stücklohnpreisliste aufstellten.
Infolgedessen trat allerdings nach und nach von selbst eine Sonderung
der Geschlechter ein, indem die Frauen an den schmalen, die Männer an
den breiten Stühlen arbeiteten. Die Bewerber um die Arbeit scheiden sich
aber nicht nach dem Geschlecht, sondern nach der Stärke und der
Geschicklichkeit; eine starke Frau kann daher ebenso einen breiten, wie
ein schwacher Mann einen schmalen Stuhl zu bedienen haben.[880] Die
Aufstellung fester Lohntarife in allen Gewerkschaften wird daher die
schädigende Wirkung weiblicher Mitgliedschaft erst aufheben und den
Eintritt der Frauen ermöglichen können.
Die gewerkschaftliche Entwicklung hat ferner gezeigt, daß die gut
bezahlten Arbeiter sich am raschesten und entschiedensten organisieren,
während die sozial tiefstehenden, geistig rückständigen diejenigen sind,
die durch völligen Mangel an Solidaritätsgefühl vereinzelt bleiben und
jeder für sich versuchen, dem Höherstehenden Schmutzkonkurrenz zu
machen. Auf dem Standpunkt der sozial tiefstehenden, schlecht entlohnten
Arbeiter stehen aber die Frauen. Ihre demütig-stumpfsinnige
Bedürfnislosigkeit, die sie nicht weiter sehen läßt, als über den engen
Horizont ihrer eigenen vier Wände und der Befriedigung des rein
physischen Hungers, mit allen Mitteln zu bekämpfen, gehört zu den
weiteren wichtigen Aufgaben der gewerkschaftlichen Bewegung. Um sie aber
aufzuklären, muß zunächst die Möglichkeit gegeben sein, daß diese
Aufklärung sie überhaupt erreicht, d.h. sie müssen Zeit haben, um
Versammlungen zu besuchen, Zeitungen und Bücher zu lesen. Die
Entlastung der erwerbsthätigen Frau von der häuslichen Arbeit, die
Verkürzung ihrer Arbeitszeit im Beruf, erweist sich daher als unbedingte
Notwendigkeit, wenn eine Einbeziehung der weiblichen Arbeiter in die
Gewerkschaften erreicht werden soll. Vor allem aber muß auch die
Möglichkeit dazu durch ein gesichertes Koalitionsrecht ihnen gegeben
sein.
Der zweite Weg der Selbsthilfe, den die Lohnarbeiter nächst dem der
Gewerkschaft beschreiten können, ist der der Genossenschaft. In dem
einen Fall ist die Erhöhung des Einkommens eines der wichtigsten Ziele,
in dem anderen die billigere Beschaffung der Lebens- und
Wirtschaftsbedürfnisse. Unter den vielen Arten der Genossenschaften
kommen für die Arbeiter die Konsum- und Baugenossenschaften in
erster Linie in Betracht. Es waren ja auch Arbeiter,--arme
englische Weber,--die die Bahnbrecher der großen englischen
Genossenschaftsbewegung gewesen sind. Eine irgendwie hervortretende,
oder gar führende Rolle haben die Frauen nicht darin gespielt, obwohl
sie als Konsumenten, als Hausfrauen, wesentlich daran interessiert sein
sollten. Erst 1883 wurde in England ein Verein weiblicher
Genossenschafter gegründet, dessen Zweige mit den Konsumvereinen in
Verbindung stehen, und der lediglich den Zweck hat, die Frauen für die
Genossenschaften zu interessieren. Es ist ihm gelungen, 284 Zweigvereine
ins Leben zu rufen, die 13000 Mitglieder haben. Auch in Frankreich, wo
die Bewegung erfreuliche Fortschritte macht, sind einige kleine Vereine
ähnlicher Art entstanden; in Deutschland existiert nicht nur nichts
dergleichen, auch die Teilnahme der Frauen an den Genossenschaften
selbst ist eine äußerst matte. Lassalles Ansicht, daß die Konsumvereine
eine Lohnherabsetzung zur Folge haben würden, spukt, obwohl sie längst
durch die Praxis widerlegt wurde, wohl noch in den Köpfen, vor allem
aber zeigt sich auch hier, was wir bei der Gewerkschaftsbewegung gesehen
haben, daß sozial tiefstehende, schlecht entlohnte Arbeiter für sie
nicht zu haben sind, und daß deshalb die Frauen im großen und ganzen ihr
fern bleiben und ihr verständnislos und mißtrauisch gegenüberstehen. Nur
wo sie durch höheren Lohn und kürzere Arbeitszeit eine gewisse soziale
Höhe erreicht haben, werden sie im stande sein, auch diesen Weg der
Selbsthilfe zu beschreiten.
Wir sehen also, daß zwei der wichtigsten Ziele der Organisierung
zugleich ihre Mittel sind. Als Mittel aber fallen sie für die Frauen
weit entscheidender ins Gewicht als für die Männer, weil die weibliche
Arbeit noch im Anfangsstadium ihrer Entwicklung steht und durch tief
eingreifende, mit dem mütterlichen und dem häuslichen Beruf der Frau
zusammenhängende Hindernisse gehemmt wird. Infolgedessen kann eine bloße
gewerkschaftliche Agitation und Aufklärung bei den Frauen nicht
annähernd den Erfolg haben, wie bei den Männern, es müssen ihr vielmehr
gesetzliche Reformen vorausgehen und zu Hilfe kommen. Die Weberinnen von
Lancashire waren vor dem Schutzgesetz ebenso ausgebeutet und
organisationsunfähig, wie heute die Mehrzahl der Arbeiterinnen. Erst
nachdem ihnen durch das Gesetz untersagt wurde, auf schlechte
Arbeitsbedingungen einzugehen, begannen sie, den Gewerkschaften und
Genossenschaften beizutreten.[881]
Die Erkenntnis der Notwendigkeit gesetzlicher Reformen zwang die
politisch rechtlosen Frauen dazu, sich nach einer Vertretung ihrer
Interessen umzusehen, die sie dort fanden, wo ihre männlichen
Arbeitsgenossen sie gefunden hatten: im Sozialismus und seinem
praktisch-politischen Ausdruck, der Sozialdemokratie. Solange der
Arbeiter mit all seinen Ideen und Instinkten der bürgerlichen
Begriffswelt angehört hatte und überzeugt gewesen war, daß alle
Erscheinungen des wirtschaftlichen und sozialen Lebens von außen
willkürlich gemacht werden, konnte er des Glaubens sein, daß die
Frauenarbeit sich einfach wieder aus der Welt schaffen ließe; dem
modernen wissenschaftlichen Sozialismus, wie Marx und Engels ihn
begründeten, blieb es vorbehalten, die ökonomischen Ursachen und
Zusammenhänge alles Geschehens aufzudecken, und festzustellen, daß auch
die Frauenarbeit ein notwendiges Ergebnis der herrschenden
kapitalistischen Produktionsweise ist, man sich daher mit ihr als mit
einer gegebenen Thatsache abzufinden hat und es sich nur darum handelt,
"die Stellung der Weiber als bloßer Produktionsinstrumente
aufzuheben"[882], d.h. sie ebenso wie den Arbeiter nicht von der Arbeit,
sondern von der Lohnsklaverei zu befreien. Vom Standpunkt des
Sozialismus aus haben die Frauen den Kampf um ihre Interessen nicht mehr
als Geschlechtsgenossinnen zu führen, sondern als Genossinnen der
unterdrückten und beherrschten Arbeiterklasse, mit der sie sich
solidarisch fühlen müssen, weil sie unter den gleichen Arbeits- und
Existenzbedingungen leiden und im Kampf um die Befreiung aufeinander
angewiesen sind. An alle Arbeiter, ohne Unterschied des Geschlechts,
ergeht der Ruf, mit dem das kommunistische Manifest schließt:
Proletarier aller Länder, vereinigt euch! Es war der erste klare
Ausdruck der modernen sozialen Entwicklung, die zwischen den Interessen
der bürgerlichen Gesellschaft und dem des Proletariats eine ungeheuere
Kluft gegraben hat, es war aber auch die erste öffentliche
Mündigkeitserklärung der Frau, die durch Arbeit und Not mündig geworden
war.
In den Programmen der sozialdemokratischen Parteien aller Länder nimmt
die Emanzipation der Frau daher einen breiten Raum ein, und in den
Parteiorganisationen ist ihnen, soweit die Gesetze es zulassen, volle
Gleichberechtigung eingeräumt worden. Sie haben Sitz und Stimme in den
Kongressen, sie sind Mitglieder der Vorstände, sie teilen sich mit den
Männern auch in die politische Agitation und haben infolgedessen einen
weitgehenden Einfluß auf die Haltung der Partei gewonnen.
Der deutschen Arbeiterinnenbewegung gebührt der Ruhm, sich zuerst und
mit aller Entschiedenheit der Sozialdemokratie angeschlossen zu haben.
Daß es in so unzweideutiger Weise geschah, war nicht zum wenigsten den
polizeilichen Verfolgungen und Vereinsauflösungen zu verdanken, die, wie
wir gesehen haben, die ersten, zunächst rein wirtschaftlichen
Bestrebungen der Arbeiterinnen gewaltsam zu unterdrücken suchten. Die
Frauen sahen sich gradezu gezwungen, da sie keine Vereine mehr hatten
und selbst öffentliche Frauenversammlungen verboten wurden, an der
allgemeinen Arbeiterbewegung teil zu nehmen. Sie fanden hier ihre
natürlichen Bundesgenossen. Schon 1869, auf dem Arbeiterkongreß in
Eisenach, kam es zu einer längeren Erörterung der Frauenarbeit, und die
damals noch allgemein herrschende Feindschaft der Männer gegen die
weiblichen Konkurrenten äußerte sich in einem Antrag, der die
Abschaffung der Frauenarbeit zum Programmpunkt der Partei machen
wollte. Er wurde jedoch mit der Begründung abgelehnt, daß das Ziel, das
er im Auge habe, nicht erreicht werden könne, und jede Unterdrückung der
Frauenarbeit die auf den Erwerb angewiesenen Frauen nur scharenweise der
Prostitution in die Arme treiben würde. Die gefährliche Konkurrenz der
Frauen aber ließe sich beseitigen: durch ihre Organisation mit den
Männern, durch die Erweckung des Klassenbewußtseins in ihnen und die
Erhebung des Weibes zur gleichstehenden Genossin. Diesen Grundsätzen ist
die Partei treu geblieben; ihre Befestigung aber und ihr Ausbau ist
wesentlich der Teilnahme der Frauen an ihrer Thätigkeit und ihrer
Entwicklung zu verdanken.
Die ersten Arbeiterinnenvereine, die noch in völliger Unkenntnis der
Handhabung der Gesetze ihnen gegenüber sich ziemlich eng an die Partei
anschlossen, entstanden Anfang der siebziger Jahre. Ihre Mitglieder
waren zugleich die ersten Frauen Deutschlands, die sich 1874 an der
Wahlbewegung durch unermüdliche, opferfreudige Agitation beteiligten.
Die Behörden beantworteten ihr Vorgehen mit der Auflösung sämtlicher
Vereine, die sozialdemokratische Partei, die ihre wachsende Stärke auch
ihnen zu verdanken hatte, mit dem ersten ausführlichen Antrag zur
Abänderung der Gewerbeordnung, den sie 1877 im Reichstag einbrachte, und
der zur Hebung der Lage der Arbeiterinnen Beschränkung der Arbeitszeit,
Schutz der Wöchnerinnen und Schwangeren, Verbot der Nachtarbeit, der
Arbeit unter Tage, auf Hochbauten und an im Gange befindlichen Maschinen
forderte.[883] Die sozialdemokratischen Frauen erweiterten diese
Vorschläge, indem sie die zuerst von ihnen allein aufrecht erhaltene
Forderung der Anstellung weiblicher Fabrikinspektoren erhoben. Die
Reichstagsfraktion ihrer Partei machte sie zu der ihren und verlangte
demgemäß 1884 die Hinzuziehung weiblicher Beamten zur Gewerbeaufsicht.
Das Wahlrecht zu den Gewerbegerichten war ein ferneres Ziel der
Arbeiterinnenbewegung. Als im Jahre 1890 die Regierung einen
Gesetzentwurf zur Abänderung der Gewerbeordnung dem Reichstag vorlegte,
stellte die sozialdemokratische Partei ihm einen anderen gegenüber, der
für die Frauen das Wahlrecht zu den von ihr geplanten Arbeitskammern in
Aussicht nahm. Nach der Ablehnung ihres Entwurfs beantragte sie noch in
derselben Session, daß den Arbeiterinnen das aktive und das passive
Wahlrecht zu den Gewerbegerichten zuerkannt werde.
Eines der bedeutsamsten Ereignisse aber, das geeignet war, den
sozialistischen Charakter der deutschen Arbeiterinnenbewegung zu
befestigen, war das Erscheinen von August Bebels Buch "Die Frau und der
Sozialismus". An der Hand der Entwicklungsgeschichte und der Statistik
wurde hier zum erstenmal der notwendige Zusammenhang der Frauenfrage mit
der sozialen Frage dargestellt und bewiesen, daß erst die
wirtschaftliche Befreiung der Frau ihre Emanzipation vollenden könne.
Die Wirkung dieses Buchs ging bald über Deutschlands Grenzen weit hinaus
und hat nicht nur die Frauenfrage in ein neues Licht gerückt, sondern
allmählich die Ansichten über ihre Lösung von Grund aus umwandeln
helfen.
Die durch alle diese Einflüsse immer mehr erstarkende
Arbeiterinnenbewegung bedurfte nun auch einer Organisation, da sie an
dem politischen Vereinsleben der Männer infolge der gesetzlichen
Beschränkungen nicht teilnehmen konnte. So wurden 1891 allerorten
sogenannte Agitationskommissionen gegründet, deren Aufgabe es war, die
Agitation unter dem weiblichen Proletariat zu einer einheitlichen und
planmäßigen zu gestalten. In der "Arbeiterin" erstand im selben Jahre
der Bewegung ein Organ, das zuerst von Frau Emma Ihrer geleitet wurde
und später unter dem Titel "Die Gleichheit" in die Hände von Frau Klara
Zetkin überging. Der steigende Einfluß der Frauen drückte sich in den
Beschlüssen des Erfurter Parteitags aus. In dem Programm, das er
aufstellte, und das bis jetzt die Richtschnur der Partei geblieben ist,
wurde die Frauenfrage eingehend behandelt. Neben die alten Forderungen
für den Arbeiterinnenschutz traten die neuen der Abschaffung aller
Gesetze, welche die Frau in öffentlich-und privatrechtlicher Beziehung
gegenüber dem Manne benachteiligen und die freie Meinungsäußerung und
das Recht der Vereinigung und Versammlung einschränken oder
unterdrücken, der rechtlichen Gleichstellung der landwirtschaftlichen
Arbeiter und der Dienstboten mit den gewerblichen Arbeitern, der
Abschaffung der Gesindeordnungen. Gleichsam ein Echo dieser Beschlüsse
war es, wenn im selben Jahre seitens der Behörden eine wahre Razzia
unter den neu entstandenen Arbeiterinnenvereinen abgehalten wurde; in
Frankfurt und in Halle wurden sie zuerst aufgelöst. Das war jedoch nur
ein Vorspiel zu dem, was noch kommen sollte. Die Arbeiterinnenbewegung,
die ganz dazu angethan war, revolutionierende Ideen bis in den Schoß der
Familie zu tragen, war den Behörden ein Dorn im Auge. Sie sahen, wie die
Frauen mehr und mehr allen politischen Tagesfragen gegenüber Stellung
nahmen, wie sie 1893 bei Gelegenheit der Neuwahlen, die unter dem
Zeichen der Militärvorlage standen, eine fast fieberhafte Thätigkeit
entfalteten. Jeder Arbeiterinnenverein erschien ihnen verdächtig, am
verdächtigsten aber die Agitationskommissionen. Im Jahre 1895 wurden sie
und sämtliche Vereine aufgelöst, ihre Leiterinnen unter Anklage gestellt
und bestraft. Die Antwort auf diese neue Verfolgung war eine über ganz
Deutschland sich erstreckende Agitation für die Reform des Vereins- und
Versammlungsrechts, das für die Frauen, soweit sie sozialistischer
Gesinnung verdächtig sind, nichts als ein großes Unrecht ist. Die
politischen Vertreter der Partei waren auch jetzt die Vertreter der
Arbeiterinnen, indem sie im Reichstag die volle Koalitionsfreiheit für
die Frauen forderten.
Um die Arbeiterinnenbewegung nicht völlig dem Zufall zu überlassen, kam
man nach der Vernichtung der Agitationskommissionen zu dem Ausweg,
weibliche Vertrauenspersonen zu wählen, die nunmehr die Leitung und das
systematische Vorgehen bei der Agitation in Händen haben. Es stehen
ihnen eine Anzahl weiblicher Agitatoren, zumeist aus den Kreisen der
Arbeiterinnen selbst zur Verfügung, die mit großer Ausdauer fast ständig
auf Reisen sind, um bis in die fernsten und kleinsten Winkel des Reichs
die Ideen des Sozialismus zu tragen. Der im Kampf ums Dasein abgehärtete
Körper, der von einer oft wahrhaft apostolischen Begeisterung für ihre
Sache erfüllte Geist hebt sie über alle Chikanen und Verfolgungen der
Behörden, über alle Gehässigkeit und alle Verachtung der bürgerlichen
Gesellschaft hinweg. Weniger als früher haben ihre Reden allgemeine
politische Tagesfragen zum Inhalt. In der richtigen Erkenntnis, daß es
gilt, alle Kräfte auf bestimmte Punkte zu konzentrieren, wenn etwas
erreicht werden soll, haben die Parteitage zu Hannover 1899 und der zu
Mainz 1900 der Frauenagitation den Weg vorgeschrieben. Die
Arbeiterinnenbewegung hat sich dabei als nächste Aufgabe den
Arbeiterinnenschutz zum Inhalt gegeben. Die in Hannover aufgestellten
Forderungen sind im Hinblick hierauf die folgenden[884]:
1) Absolutes Verbot der Nachtarbeit für Frauen. 2) Verbot der Verwendung
von Frauen bei allen Beschäftigungsarten, welche dem weiblichen
Organismus besonders schädlich sind. 3) Einführung des gesetzlichen
Achtstundentages für die Arbeiterinnen. 4) Freigabe des
Sonnabendnachmittags für die Arbeiterinnen. 5) Ausdehnung der
Schutzbestimmungen für Schwangere und Wöchnerinnen auf mindestens einen
Monat vor und zwei Monate nach der Entbindung; Beseitigung der
Ausnahmebewilligungen von diesen Bestimmungen auf Grund eines ärztlichen
Zeugnisses. 6) Ausdehnung der gesetzlichen Schutzbestimmungen auf die
Hausindustrie. 7) Anstellung weiblicher Fabrikinspektoren. 8) Sicherung
völliger Koalitionsfreiheit für die Arbeiterinnen. 9) Aktives und
passives Wahlrecht der Arbeiterinnen zu den Gewerbegerichten.
In der Frauenkonferenz, die im Anschluß an den Mainzer Parteitag
stattfand, wurde diesen Beschlüssen noch der hinzugefügt, neben der
mündlichen, auch eine schriftliche Agitation für den Arbeiterinnenschutz
durch Flugblätter und Broschüren zu entfalten. In derselben Versammlung
wurde das System der Vertrauenspersonen, an deren Spitze eine
Zentralvertrauensperson mit dem Sitz in Berlin steht, durch Bestimmungen
über die Art ihrer Thätigkeit noch einheitlicher ausgebaut und der
wichtige Beschluß gefaßt, daß überall dort, wo die Vereinsgesetze dem
nicht entgegenstehen, die weiblichen Vertrauenspersonen von den Organen
der allgemeinen Bewegung zu allen Arbeiten und Sitzungen hinzuzuziehen
sind.[885]
Fragen wir nach den Erfolgen der politischen Seite der deutschen
Arbeiterinnenbewegung, so läßt sich eine zahlenmäßige Antwort, wie bei
der Erörterung ihrer gewerkschaftlichen Seite nicht geben. Sie kann
weder die ihren Ideen gewonnenen Frauen zählen, wie die bürgerliche
Frauenbewegung die Mitglieder ihrer Vereine, noch wie die männlichen
Genossen durch die bei der Reichstagwahl abgegebenen Stimmen. Der einzig
richtige Maßstab, an dem sie gemessen werden können, ist die
Gesetzgebung und die öffentliche Meinung. Dabei sei zunächst an folgende
Thatsachen erinnert: das erste energische Auftreten der
Arbeiterinnenbewegung war der Kampf gegen den Nähgarnzoll; die
Regierungsvorlage wurde abgelehnt, und infolge der durch die
Arbeiterinnen und ihre Presse aufgedeckten traurigen Zustände in der
Konfektion, jene amtliche Enquete veranstaltet, die zur Verschärfung der
Truckgesetze führte. Wenige Jahre später leiteten Berliner
Sozialdemokratinnen die erste Kellnerinnenbewegung. Das allgemeine
Entsetzen über das was sie zu Tage förderte, führte zu der sich durch
Jahre hinziehenden Untersuchung der Lage der Gastwirtsgehilfen durch die
Kommission für Arbeiterstatistik, und zu den jetzt zur Beratung
stehenden Vorschlägen für eine Schutzgesetzgebung. Der große
Konfektionsarbeiterstreik 1896, der die bürgerliche Gesellschaft zwang,
in Tiefen des Elends einen Blick zu thun, über die sie bisher achtlos
fortgeschritten war, nötigte abermals zu eingehenden Untersuchungen und
zu dem ersten Versuch gesetzlicher Regelung der Hausindustrie. Aber mehr
noch: da die Arbeiterinnenbewegung Deutschlands durchaus identisch ist
mit der Arbeiterbewegung und ihr Einfluß auf die Haltung der
sozialdemokratischen Partei unverkennbar ist, so sind die Fortschritte
gesetzlichen Arbeiterschutzes, so gering sie auch sein mögen, mit ein
Erfolg ihrer agitatorischen Thätigkeit. Die Anträge, die die Fraktion
1877 nach dieser Richtung stellte und die mit überwältigender Majorität
abgelehnt wurden, erschienen 13 Jahre später zum großen Teil in der
Regierungsvorlage wieder, die zur Annahme gelangte. Wenn Fürst Bismarck
gesagt hat, daß wir ohne die Sozialdemokratie auch das bißchen
Sozialreform nicht hätten, was wir besitzen, so können wir hinzufügen,
daß wir einen Teil von ihr ohne die Mitarbeit der Frauen auch nicht
haben würden.
Diese Erfolge aber schrumpfen bedenklich zusammen, wenn wir sie der
Lage der Arbeiterinnen gegenüberstellen: sie erscheinen nicht viel
anders wie ein schwaches Kerzenlicht in der Dachkammer eines ungeheuren
dunklen Schlosses. Und vergegenwärtigen wir uns weiter, welch eine Macht
die Millionen proletarischer Arbeiterinnen ausüben könnten, wie sie im
stande wären, in die Nacht ihrer Existenz das helle Licht des Tages zu
tragen, wenn sie alle einig unter einem Banner zusammen stünden,--so
erkennen wir, daß wir überhaupt erst am Anfang der Bewegung stehen, und
es drängt sich uns die Frage auf, welche Mittel sie zu ergreifen hat, um
vorwärts zu kommen. Es sind sowohl solche negativer, als positiver Art.
Betrachten wir zunächst die negativen.
Es bedeutet in jeder Beziehung eine Selbstaufgabe, wenn die
Arbeiterinnenbewegung den Charakter der Frauenbewegung im bürgerlichen
Sinne annimmt. Soweit sie eine selbständige Existenz neben der
Arbeiterbewegung besitzt, ist es keine, aus der Entwicklung der
Frauenarbeit sich ergebende Notwendigkeit, wie in der bürgerlichen Welt,
sondern nur ein Notbehelf, zu dem sie vielfach durch die rechtliche
Stellung, besonders der deutschen Frau, gezwungen wird. Wo ein direkter
Zwang nicht vorliegt, ist jede Nur-Frauenorganisation in der
Arbeiterinnenbewegung vom Uebel. Dahin gehören z.B. die vielen in
Deutschland und Oesterreich entstandenen Arbeiterinnen-Bildungsvereine,
dahin gehören die selbständigen sozialistischen Frauenkongresse, wie sie
in Belgien schon zweimal abgehalten wurden, dahin gehören vor allem die
Frauengewerkschaften, wie sie neuerdings besonders von den radikalen
französischen Frauenrechtlerinnen angestrebt werden. Eine sich ihrer
Grundlagen und ihrer Ziele klar bewußte Arbeiterinnenbewegung hat diese
Art der Organisierung nur da zu gestatten, wo es sich bei Gewerkschaften
um ausschließliche Frauenberufe, oder bei Bildungsvereinen um solche
Orte handelt, wo überhaupt gar kein anderer, den Arbeiterinnen
zugänglicher Verein besteht. Grundsätzlich aber sollte sie sich ihnen
gegenüber stets ablehnend verhalten, denn sie können am letzten Ende nur
verwirrend wirken und jenen einseitigen Frauenstandpunkt groß ziehen,
der das Solidaritätsgefühl zwischen Arbeiter und Arbeiterin, die
wichtigste Voraussetzung für einen erfolgreichen Kampf des
Proletariats, nicht aufkommen läßt. Die selbstverständliche Konsequenz
dieses Standpunktes ist natürlich auch die Ablehnung jeder gemeinsamen
Arbeit mit der bürgerlichen Frauenbewegung. Darunter verstehe ich den
Eintritt in oder den Zusammenschluß mit bürgerlichen Frauenvereinen
einerseits, oder die Zulassung bürgerlicher Frauenrechtler in
Arbeiterinnenvereine andererseits. Wie reaktionär beides wirkt, dafür
liefert England und Frankreich Beispiele genug: die zahlreichen, von
Damen der bürgerlichen Gesellschaft geleiteten Arbeiterinnenklubs,
Ferienkolonien und dergl. sind zweifellos eine der Ursachen für die
politische Rückständigkeit der englischen Arbeiterinnen, ebenso
wie die Einmischung der französischen Frauenrechtler in die
Arbeiterinnenbewegung fast einer Zerstörung gleichkommt. Völlig
abzulehnen ist daher auch die Thätigkeit bürgerlicher Frauen in
Gewerkschaften, die man vielfach selbst in Arbeiterkreisen für
unbedenklich hält. Sie wird fast immer in Bevormundung ausarten. Die
deutsche Arbeiterinnenbewegung hat die Gemeinschaft mit der bürgerlichen
Frauenbewegung stets am schroffsten abgelehnt. Aber weder deren
Feindseligkeit gegenüber den sozialdemokratischen Arbeiterinnen, wie sie
sich bei Gelegenheit der Gründung des Bundes deutscher Frauenvereine
dokumentierte, noch ihre Gleichgültigkeit, die am drastischsten in dem
Auflösungsjahr 1895 hervortrat, wo es niemandem einfiel die behauptete
Solidarität mit den "ärmeren Schwestern" in der Form energischer
Proteste einmal durch die That zu beweisen, bot die Veranlassung dazu,
sondern vielmehr die klare Erkenntnis der völligen Differenz der beiden
Bewegungen zu Grunde liegenden Weltanschauungen, die Verschiedenheit
ihrer Ausgangspunkte, sowohl wie ihrer Ziele.[886] Diese Differenz fand
in einer auf dem Parteitag zu Gotha angenommenen Resolution ihren
prägnanten Ausdruck, in der es unter anderem heißt[887]:
"Als Kämpferin im Klassenkampf bedarf die Proletarierin ebenso der
rechtlichen und politischen Gleichstellung mit dem Manne, als die
Klein- und Mittelbürgerin und die Frau der bürgerlichen Intelligenz. Als
selbständige Arbeiterin bedarf sie ebenso der freien Verfügung über ihr
Einkommen (Lohn) und ihre Person als die Frau der großen Bourgeoisie.
Aber trotz aller Berührungspunkte in rechtlichen und politischen
Reformforderungen hat die Proletarierin in den entscheidenden
ökonomischen Interessen nichts Gemeinsames mit den Frauen der anderen
Klassen. Die Emanzipation der proletarischen Frau kann deshalb nicht das
Werk sein der Frauen aller Klassen, sondern ist allein das Werk des
gesamten Proletariats ohne Unterschied des Geschlechts."
Kommen wir nun, im Anschluß hieran, zu den positiven Mitteln, deren sich
die Arbeiterinnenbewegung bedienen muß, so ist eines der wichtigsten,
die Ausbreitung ihrer propagandistischen Thätigkeit über alle Kreise
weiblicher Lohnarbeiter. Solange eine Bewegung sich in der Entwicklung
befindet, ist es eine ihrer Lebensbedingungen, sich zunächst in sich zu
konsolidieren, sich über die eigenen Zwecke und Ziele klar zu werden,
jede Berührung mit einem fremden Element unbedingt auszuschließen. Die
sozialdemokratische Partei ist nicht anders verfahren und der Erfolg
beweist, daß ein Zuviel nach dieser Richtung immer besser ist als ein
Zuwenig. Es ist wie mit dem Menschen: Elternhaus und Schule entlassen
ihn erst dann, wenn sein Charakter und seine Bildung soweit gefestigt
erscheint, daß man glaubt, ihn ruhig allein in die Welt hinaus gehen
lassen zu können, ohne fürchten zu müssen, daß sie ihn zu Grunde
richtet. Auch die Arbeiterinnenbewegung hat die Kinderschuhe
ausgetreten, sie kann ihr Wesen nicht mehr verändern, wohl aber vermag
sie es anderen aufzuprägen; sie steht fest auf eigenen Füßen, sie bedarf
keiner Hilfe Außenstehender, um vorwärts zu kommen. Aus diesem Gefühl
ihrer Kraft heraus sollte sie nun aber auch ihren Einfluß überall, wo
die Wege dazu offen stehen, zur Geltung zu bringen suchen. Auch in der
bürgerlichen Frauenbewegung; nicht weil die Arbeiterinnen etwa ihrer
Hilfe bedürften, sondern weil sie einen Grad der Entwicklung erreicht
hat, von dem aus sie ihnen schaden kann. Sie hat Macht genug, große
Massen von Proletarierinnen in ihr Lager zu ziehen, sie hat Bedeutung
genug, sich im öffentlichen Leben Einfluß zu verschaffen. Es ist eine
Unterlassungssünde, die sich schon gerächt hat, und ein Mangel an
Selbstvertrauen, wenn die Arbeiterinnenbewegung irgend eine Gelegenheit
vorübergehen läßt, wo sie dem Sozialismus einen Fuß breit Erde gewinnen
kann, wenn sie für sie nicht Propaganda macht für die Vereinigung auch
derjenigen Proletarierinnen, die noch, wie die geistigen
Lohnarbeiterinnen fast alle, im Banne bürgerlicher Anschauungsweise
stehen, wenn sie die Macht, die sie besitzt, nicht ausübt. Diese
Beeinflussung der Glieder der bürgerlichen Frauenbewegung steht durchaus
nicht im Widerspruch mit der Ablehnung der Arbeit mit ihr, denn es
handelt sich dabei nicht um ein Unterordnen und Einreihen. Ein Beispiel
illustriere das Gesagte: Der große liberale Frauenverband Englands, der
schroffste Gegner jedes gesetzlichen Arbeiterinnenschutzes, macht seit
kurzem eine merkwürdige Wandlung zu Gunsten des Arbeiterinnenschutzes
durch. Und die Ursache? Die Agitation einer einzigen überzeugten
Sozialdemokratin, Mrs. Amie Hicks, die in den Versammlungen des
Verbandes Jahre hindurch ihre Ideen verteidigte. Kein Frauenkongreß,
keine die Interessen der Arbeiterinnen berührende Versammlung sollte
vorübergehen, ohne daß der sozialistische Standpunkt propagiert worden
wäre.
Die deutsche Sozialdemokratie und mit ihr derjenige Teil von ihr, der
die Frauen umfaßt, ist wie ein junger Riese, der sich seiner Kräfte
nicht recht bewußt ist und die mächtigen Glieder noch nicht vollkommen
zu beherrschen weiß. Er sollte unter die Menschen treten, aber nicht um
sich dem Gewimmel kleiner Leute unter ihm zu beugen, wohl aber um alle
diejenigen, die marsch- und kampffähig sind, in seine Gefolgschaft zu
zwingen.
Aber der Bethätigungskreis der Arbeiterinnenbewegung müßte sich auch
noch in anderer Richtung entwickeln: in der genossenschaftlichen
nämlich. Sie müßte bei den Frauen das Interesse für die
Konsumgenossenschaften zu erwecken suchen, denn jede Verbesserung ihrer
Lage bedeutet einen Schritt näher zur gewerkschaftlichen Organisation
und zur politischen Aufklärung. Und ebenso wie billigere und bessere
Nahrungsmittel bedeuten auch billigere und bessere Wohnungen, wie die
Baugenossenschaften sie bieten, eine wesentliche Hebung ihrer Lage. Von
nicht zu unterschätzender Bedeutung ist dabei der erzieherische Einfluß
der Genossenschaften: sie fördern die Solidarität und das
Klassenbewußtsein, weil sie sich selbstbewußt dem kapitalistischen
Unternehmertum gegenüberstellen. Sie lehren den Mitgliedern nicht nur
Geschäftskenntnisse, sie machen sie auch fähig zur Leitung
geschäftlicher Unternehmungen,--eine Erziehung, die sich in der Zukunft
als außerordentlich wichtig erweisen dürfte. Neben die sehr
vernachlässigte Propaganda für die bestehenden, sollte jedoch auch noch
die für eine neue Art Genossenschaft treten, deren Vorteile gerade den
Frauen zu Gute kommen.
Bei der Betrachtung der Lage der verheirateten Arbeiterinnen, wie bei
der Erörterung der Organisationsschwierigkeiten im Hinblick auf die
Frauen haben wir gesehen, daß die doppelte Arbeitslast,--die Hausarbeit
neben der Erwerbsarbeit,--sie besonders schädigt und ihren Fortschritt
hemmt. Es müßten daher Mittel und Wege gefunden werden, um sie von der
Hauswirtschaft möglichst zu befreien. In der genossenschaftlichen
Hauswirtschaft, wie ich sie bereits als eines der Mittel schilderte, um
die Erwerbsarbeit der bürgerlichen Frauen zu ermöglichen, glaube ich es
auch für die Proletarierinnen gefunden zu haben.[888] Die Grundidee, die
Frauen zu entlasten, die Kosten für die Hauswirtschaft durch den Ersatz
der verschwenderischen Kleinbetriebe durch Großbetriebe zu verringern,
die Lebenshaltung durch bessere, weil verständiger zubereitete Nahrung
zu erhöhen, ist bereits in weite Kreise gedrungen und hat verschiedene
Projekte hervorgerufen. In Amerika wird sie zum Teil in der von mir
vertretenen Weise der Verwirklichung entgegengeführt[889], zum Teil
versucht man, die Frauen dadurch zu entlasten, daß möglichst alle
Speisen außer dem Hause vorbereitet und geliefert werden.[890] In
England wieder ist der Versuch gemacht worden, genossenschaftliche
Verteilungsküchen zu gründen, die die fertigen Mahlzeiten ins Haus
liefern, und in Frankreich entstehen Arbeitergenossenschaften, die
Restaurants ins Leben rufen, aus denen das Essen auch nach Hause geholt
werden kann. Jedenfalls liegt es im notwendigen Gang der Entwicklung,
wenn an die Stelle des innerlich schon überwundenen Einzelhaushalts der
genossenschaftliche Haushalt tritt, und es gehört um so mehr zur Aufgabe
der sozialistischen Arbeiterinnenbewegung, morsche Gemäuer vollends
umzustoßen, wenn Frauen in Gefahr kommen, darin zu Grunde zu gehen.[891]
Die weitaus wichtigste Funktion aber der Arbeiterinnenbewegung, ohne die
alle anderen bedeutungslos werden, ist aber die, eine immer festere
Verbindung mit der sozialdemokratischen Partei zu suchen, die
Proletarierinnen politisch aufzuklären und ihr zuzuführen. Die
Resolution des Gothaer Parteitags sagte ganz richtig:
"Durch ihre Erwerbsarbeit wird die proletarische Frau dem Manne ihrer
Klasse wirtschaftlich gleichgestellt. Aber diese Gleichstellung
bedeutet, daß sie, wie der Proletarier, nur härter als er, vom
Kapitalisten ausgebeutet wird. Der Emanzipationskampf der
Proletarierinnen ist deshalb nicht ein Kampf gegen die Männer der
eigenen Klasse, sondern ein Kampf im Verein mit den Männern ihrer Klasse
gegen die Kapitalistenklasse. Das nächste Ziel dieses Kampfes ist die
Errichtung von Schranken gegen die kapitalistische Ausbeutung. Sein
Endziel ist die politische Herrschaft des Proletariats zum Zwecke der
Beseitigung der Klassenherrschaft und der Herbeiführung der
sozialistischen Gesellschaft."
Aber es sind nicht nur die Frauen, denen diese Wahrheit noch nicht in
Fleisch und Blut übergegangen ist, auch die Männer stehen ihr zum Teil
gleichgültig gegenüber. Mag die Gleichberechtigung des weiblichen
Geschlechts in der gewerkschaftlichen wie in der politischen Bewegung
noch so allgemein und offiziell anerkannt sein, mögen die
Parteiprogramme aller Länder sich noch so feierlich zu ihr bekennen, in
sehr vielen Sozialdemokraten steckt in Bezug auf die Frauenfrage noch
der alte reaktionäre Philister. In einer Variation des Napoleonischen
Ausspruchs heißt es bei ihnen: -Tout pour la femme, mais rien avec
elle-,--wir wollen der Frau alle Rechte erkämpfen, aber wir wollen
nicht, daß sie mit uns kämpft. Die Zunahme der weiblichen Arbeiter hat
diesen Standpunkt in den Gewerkschaften zwar stark erschüttert, denn die
Organisierung der Frauen wird mehr und mehr zu einer Lebensbedingung für
sie: die unorganisierten Arbeiterinnen vermögen den Kampf um bessere
Arbeitsbedingungen zu einem aussichtslosen zu machen. In der politischen
Bewegung aber liegt kein unmittelbarer Zwang vor, in der Frau die
gleichberechtigte Genossin anzuerkennen, weil ihre Stimme in der
Wagschale der Parteien kein Gewicht besitzt. Je mehr aber die Bewegung
zu Gunsten der Bürgerrechte der Frau an Boden gewinnt,--und sie hat in
Amerika, in Australien und in England bereits große Siege zu
verzeichnen--desto dringender wird die Aufgabe, das weibliche Geschlecht
politisch aufzuklären und zu erziehen, denn es können einmal die Stimmen
der Frauen sein, die auf Jahrzehnte hinaus alle Errungenschaften eines
jahrhundertlangen Kampfes vernichten und den Fortschritt hemmen, wie das
Eis im Winter die Wellen des Stromes. Aber noch ein anderes kommt hinzu:
das Weib ist die Mutter derer, in deren Händen die künftigen Geschicke
der Menschheit ruhen. Sie formt zuerst die Seelen der Kinder, und was
sie ihnen aufprägte, ist fast unzerstörbar. Gewinnt der Sozialismus die
Frauen, so gewinnt er die Kinder und mit ihnen die Zukunft. Die
Arbeiterinnenbewegung zu fördern, sie immer enger an sich zu schließen,
die Gleichberechtigung, die auf dem Papiere steht, überall in die That
zu übersetzen, ist daher nichts, was von den Sozialisten gefordert wird,
wie man etwa einst von den Rittern den Frauendienst forderte, es gehört
vielmehr zu den Verpflichtungen der modernen Ritter der Arbeit im
Interesse ihrer selbst und ihrer Sache. Am weitesten wird die
Arbeiterinnenbewegung gekommen sein, wenn Gesetz und Vorurteil ihr
vollkommenes Aufgehen in der Arbeiterbewegung gestatten.
8. Die bürgerliche Frauenbewegung in ihrer Stellung zur
Arbeiterinnenfrage.
Während die Arbeiterinnenbewegung stets von einem klaren einheitlichen
Klassengefühl getragen und bestimmt war, ist das Verhalten der
bürgerlichen Frauenbewegung gegenüber der Arbeiterinnenfrage ein
unklares und zwiespältiges. In der Vergangenheit überwiegt das
philanthropische Moment jedes andere, und der kindliche Glaube
beherrscht die Frauen, daß Wohlthätigkeit, Armenpflege und allseitiger
guter Wille die Mittel sind, das soziale Elend aus der Welt zu schaffen.
Dieser durch Religion und Sitte in den Frauen groß gezogene
Gefühlsstandpunkt und seine Bethätigung haben, so schön sie vielfach
erscheinen mögen, die traurigsten Folgen gehabt: sie haben sowohl auf
seiten der Wohlthäter, wie auf der ihrer Schützlinge die Empfindung für
Gerechtigkeit abgestumpft, indem sie die Wohlthat an ihre Stelle
setzten, und diese beiden Begriffe so sehr verwirrt, daß
Wohlthätigkeitsbestrebungen und Frauenbewegung noch heute vielfach für
identisch gehalten werden. Sie haben das Verständnis dafür unterdrückt,
daß jeder arbeitende Mensch ein Recht auf eine gesicherte Existenz hat
und es zu der schreienden Ungerechtigkeit noch die Kränkung fügen heißt,
wenn man ihn, in welcher Form immer, mit Almosen abspeisen will. Sie
haben die Entwicklung zu tieferer Erkenntnis der sozialen Probleme
vielfach aufgehalten und nur die eine fruchtbringende Folge gezeitigt,
daß den Frauen der Bourgeoisie Not und Elend nicht immer abstrakte
Begriffe blieben.
In hervorragender Weise beteiligten sich insbesondere englische Frauen
an der Armenpflege. Und ihrer unermüdlichen Agitation ist ihre
Reorganisation und die große Rolle, die die Frauen in ihr spielen, zu
verdanken; aber sie schufen zugleich eine Schule für soziale Arbeit. Den
meisten Bestrebungen, die mit diesem Namen bezeichnet werden können,
klebt allerdings bis heute die Erinnerung an ihre Herkunft an: es sind
immer noch Wohlthaten, die von selten der Begüterten den Armen
freiwillig gespendet werden. Hierher gehören z.B. die Speisehäuser und
Kinderhorte und die zahlreichen, von Frauen der Bourgeoisie gegründeten
und geleiteten Arbeiterinnen-Klubs. Sie bieten den Alleinstehenden ein
Heim, Unterhaltung und Belehrung und sind zweifellos von größtem Nutzen
für sie, aber ebenso zweifellos ist es, daß sie ein gewisses
Abhängigkeits- und Unterthänigkeitsgefühl befestigen oder großziehen,
das das Klassenbewußtsein der Arbeiterin unterdrückt und ihren
Befreiungskampf aufhält. In viel höherem Maße gilt das noch für die
vielen in allen Kulturländern bestehenden, meist von kirchlichen Kreisen
gegründeten und erhaltenen Mädchen- und Arbeiterinnenheime, die für
wenig Geld Wohnung und Nahrung bieten, die geistige und physische
Freiheit der Bewohner aber in jeder Weise beschränken. Nur wenige
unabhängige Heime, so z.B. eins in Berlin, das mehr den englischen Klubs
nachgeahmt ist und die Selbständigkeit der Arbeiterin möglichst zu
wahren sucht, bilden eine Ausnahme von dieser Regel. Die Settlements,
jene Niederlassungen bürgerlicher Männer und Frauen inmitten der
Arbeiterviertel, wie sie Amerika und England in beträchtlicher Zahl
aufweist, stehen schon eine Stufe höher, weil diejenigen, die ihr Geld,
ihre Zeit und ihre Kraft den Proletariern zur Verfügung stellen, auch
mit ihnen leben, wodurch die Stellung des Wohlthäters gegenüber dem
Beschenkten vielfach ganz verwischt wird. Was hier geboten wird,
erniedrigt den Empfänger nicht: es ist Teilnahme, Rat, Bildung. Die
zahlreichen Vereine zum Schutz junger Mädchen, die Stellenvermittlungen
und Rechtsbeistände gehören hierher. Auch jener erste deutsche
Arbeiterinnenverein, den Luise Otto-Peters in Berlin 1869 gründete[892],
lediglich zu dem Zweck, die Arbeiterinnen durch unterhaltende und
belehrende Vorträge auf eine höhere geistige Stufe zu heben, und die
versuchte Einführung des unentgeltlichen Rechtsschutzes für
Arbeiterinnen durch den Allgemeinen deutschen Frauenverein
in den achtziger Jahren[893] können in das Gebiet sozialer
Hilfsthätigkeit,--wie man die Erweiterung oder Wohlthätigkeit mit Recht
benennt,--gerechnet werden.[894] In dieselbe Kategorie gehört die
Universitäts-Ausdehnungs-Bewegung, die in England ihren Ausgang nahm und
sich in Amerika, Frankreich, Oesterreich, Deutschland, Dänemark, Finland
mit mehr oder weniger Erfolg ausbreitete, gehören die dänischen
Volkshochschulen, die der vernachlässigten Landbevölkerung Bildung
zutragen, gehört die aufopfernde Thätigkeit der russischen Lehrerinnen,
die die Fackel der Aufklärung in das Dunkel geistigen und physischen
Elends tragen. Aber auch hier lauert die Schlange unter den Rosen: wie
die Almosen materieller Natur niemals die Armut selbst überwinden
konnten, sondern nur einzelne ihrer Symptome, so sind auch die geistigen
Almosen--eben nur Almosen! Das Gebotene ist Stückwerk und muß Stückwerk
bleiben; es vermittelt einzelne Kenntnisse, aber die Vorbildung fehlt,
um sie untereinander in Harmonie zu bringen, zu verarbeiten und
befriedigende Resultate zu erzielen. Vor allem aber erreicht es immer
nur die besser Gestellten, denn es vermag den Aermsten und
Ausgebeutetsten,--dazu gehören, wie wir wissen, die Masse der
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